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-The Project Gutenberg eBook of Der Graf von Saint-Germain, by Gustav
-Berthold Volz
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and
-most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms
-of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
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-using this eBook.
-
-Title: Der Graf von Saint-Germain
- Das Leben eines Alchimisten
-
-Author: Gustav Berthold Volz
-
-Release Date: August 25, 2022 [eBook #68838]
-
-Language: German
-
-Produced by: the Online Distributed Proofreading Team at
- https://www.pgdp.net
-
-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER GRAF VON
-SAINT-GERMAIN ***
-
-
- ####################################################################
-
- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der Buchausgabe von 1923 so weit
- wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Typographische Fehler
- wurden stillschweigend korrigiert. Ungewöhnliche und heute nicht
- mehr gebräuchliche Schreibweisen bleiben gegenüber dem Original
- unverändert.
-
- Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Berarbeiter der Übersichtlichkeit
- halber an den Anfang des Texts verschoben. Die Seitenzahlen im
- Abbildungsverzeichnis wurden an die Positionen der Bilder im Text
- angeglichen.
-
- Besondere Schriftschnitte werden im vorliegenden Text mit Hilfe der
- folgenden Sonderzeichen gekennzeichnet:
-
- kursiv: _Unterstriche_
- fett: =Gleichheitszeichen=
- gesperrt: +Pluszeichen+
-
- ####################################################################
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-
-
-
- OPAL-BÜCHEREI
-
-
-
-
-[Illustration: Der Graf von Saint-Germain
-
-Stich von Nicolas Thomas nach einem Gemälde im Besitz der Marquise von
-Urfé]
-
-
-
-
- DER GRAF
- VON SAINT-GERMAIN
-
- DAS LEBEN EINES ALCHIMISTEN
-
- Nach großenteils unveröffentlichten Urkunden
-
- Herausgegeben und eingeleitet von
-
- GUSTAV BERTHOLD VOLZ
-
- *
-
- Deutsch von
-
- FRIEDRICH VON OPPELN-BRONIKOWSKI
-
- Mit 16 Bildbeigaben
-
- *
-
-
- PAUL ARETZ VERLAG
- DRESDEN
-
-
-
-
- Alle Rechte, insbesondere das der
- Übersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. Copyright 1923
- by Paul Aretz Verlag, Dresden
-
-
-
-
-INHALT
-
-
- EINLEITUNG 5
-
- Der „berühmte Alchimist“ S. 5. -- Das Rätsel seines Ursprungs
- S. 7. -- Das Rätsel seines Alters S. 10. -- Das erste
- Auftreten S. 11. -- Sein Aufenthalt in Frankreich S. 13.
- -- Die Mission des Grafen Saint-Germain im Haag S. 15.
- -- Saint-Germain in Rußland S. 20. -- Das Abenteuer von
- Tournai S. 23. -- Ausgang S. 27. -- Saint-Germains Künste
- und Geheimnisse S. 31. -- War Saint-Germain Freimaurer und
- Kabbalist? S. 34. -- Saint-Germains Persönlichkeit und die
- Legendenbildung S. 37.
-
-
- ERSTER TEIL
-
- ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN, ANEKDOTEN
- UND FÄLSCHUNGEN
-
- Aus den „Erinnerungen“ des Barons von Gleichen 47
-
- Aus dem „Tagebuch eines Weltkindes“ von Graf Lamberg 59
-
- Schreiben des Grafen Lamberg an Opiz 67
-
- Aus Lambergs „Kritischen, moralischen und politischen Briefen“ 68
-
- Epigramm des Grafen Lamberg auf Saint-Germain 68
-
- Grabschrift Saint-Germains auf den Grafen Lamberg 68
-
- Zur Kritik Lambergs (Moehsen) 69
-
- Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Gräfin Genlis 70
-
- Aus Grosleys „Nachgelassenen Schriften“ 76
-
- Anekdoten 85
-
- (I. Schöning S. 85. II. Corberon S. 85. III. Lehndorff S. 86.
- IV. Madame Campan S. 87. V. Bertuch S. 87. VI. Mirabeau S. 88.)
-
- Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Lady Craven 89
-
- Aus den „Erinnerungen“ der Marquise von Créquy 91
-
- Aus den „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des Grafen Cagliostro“.
- Cagliostros Besuch bei Saint-Germain. Eine Satire (von Luchet) 100
-
- Charakteristik des Grafen Saint-Germain 107
-
- Kritik der „Charakteristik“ von Meister 108
-
- Saint-Germain und Cagliostro 108
-
- Graf Saint-Germain (von Luchet) 110
-
- Charakteristik des Grafen Saint-Germain 112
-
- Kritik der „Charakteristik“ 114
-
-
- ZWEITER TEIL
-
- URKUNDEN ZUR LEBENSGESCHICHTE
- DES GRAFEN SAINT-GERMAIN
-
- Saint-Germain in London (1743-1745) 119
-
- I. Aus dem Briefwechsel von Horace Walpole 119
-
- II. Aus: „The London Chronicle“ 120
-
- Saint-Germain in Frankreich 122
-
- I. Aus Casanovas „Memoiren“ und dem „Monolog eines
- Denkers“ 122
-
- II. Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Madame du Hausset 126
-
- III. Bericht Hellens (1760) 139
-
- IV. Saint-Germain auf Schloß Chambord. (Aus dem
- Schriftwechsel des Marquis von Marigny) 141
-
- V. Aus einem Schreiben des Grafen Bernstorff (1779) 143
-
- VI. Aus den „Episoden meines Lebens“ des Grafen
- d’Angiviller 143
-
- Die Mission Saint-Germains im Haag (1760) 144
-
- I. Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul 144
-
- II. Denkschrift des Grafen d’Affry an die Generalstaaten 160
-
- III. Protokoll der Sitzung der Generalstaaten 161
-
- IV. Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck 162
-
- V. Aus Yorkes Korrespondenz 170
-
- VI. Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen 182
-
- VII. Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit
- Friedrich dem Großen 189
-
- VIII. Aus Mitchells Korrespondenz 194
-
- IX. Berichte Reischachs an Graf Kaunitz 196
-
- X. Aus Kauderbachs Korrespondenz 206
-
- XI. Friedrich der Große und Voltaire 215
-
- XII. Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von
- Friedrich dem Großen 216
-
- XIII. Aus: „The London Chronicle“ 218
-
- XIV. Graf Danneskjold-Laurwigen an Saint-Germain 219
-
- Saint-Germain in Holland (1762) 221
-
- I. Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul 221
-
- II. Aus den Aufzeichnungen Hardenbroeks 222
-
- Saint-Germain in den österreichischen Niederlanden (1763) 225
-
- I. Aus dem Schriftwechsel des Grafen Karl Cobenzl 225
-
- II. Aus den „Erinnerungen“ des Grafen Philipp Cobenzl 280
-
- III. Aus Casanovas „Memoiren“ 284
-
- Saint-Germain in Ansbach (1774-1776) 288
-
- „Aufschlüsse über den Wundermann, Marquis Saint-Germain, und
- sein Aufenthalt in Ansbach, von einem Augenzeugen“ (Freiherr
- von Gemmingen).
-
- Saint-Germain in Leipzig und Dresden (1776-1777) 304
-
- I. Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff 304
-
- II. Aus dem Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Prinz
- Heinrich, der Prinzessin Wilhelmine von Oranien und
- Alvensleben 306
-
- III. Aus den Briefen des Kurfürsten Maximilian III. Joseph
- von Bayern 323
-
- IV. Aus dem Briefwechsel des Prinzen Friedrich August von
- Braunschweig 324
-
- Saint-Germain in Berlin 338
-
- I. Aus den „Erinnerungen“ Thiébaults 338
-
- II. Aus Zimmermanns „Fragmenten über Friedrich den
- Großen“ 342
-
- III. Graf Saint-Germain („Berlinische Monatsschrift“) 343
-
- Saint-Germain in Hamburg (1778) 350
-
- Saint-Germain in Schleswig und Eckernförde (1779-1784) 353
-
- I. Aus den „Denkwürdigkeiten“ des Prinzen Karl von
- Hessen-Kassel 353
-
- II. Prinz Karl von Hessen an Prinz Christian von
- Hessen-Darmstadt (1825) 360
-
- III. Prinz Ferdinand von Braunschweig an Prinz Friedrich
- August von Braunschweig (1779) 360
-
- IV. Aus Briefen des Grafen Warnstedt (1779) 361
-
- V. Friedrich der Große an die Königin-Witwe Juliane
- von Dänemark (1784) 362
-
- Saint-Germains Tod in Eckernförde 363
-
- I. Aus dem „Totenregister“ der St. Nikolaikirche in
- Eckernförde 363
-
- II. Aus den „Einnahmen an Begräbnißöffnung und Vestegeldern“ 363
-
- III. Aus dem Verzeichnis der „Glockengelder“ 364
-
- IV. Aufruf von Bürgermeister und Rat der Stadt Eckernförde 364
-
- V. Nachruf des Professors Remer in den „Neuen
- Braunschweigischen Nachrichten“ (1784) 366
-
-
- PERSONENVERZEICHNIS 368
-
- ORTSVERZEICHNIS 375
-
- VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN 378
-
-
-
-
-EINLEITUNG
-
-
-Der „berühmte Alchimist“
-
-Der Name des Grafen Saint-Germain führt uns mitten hinein in die
-Welt der Abenteurer, Projektenmacher und Betrüger, von denen das
-18. Jahrhundert, so stolz das Jahrhundert der Aufklärung genannt,
-wimmelte; denn selten stand das Abenteurertum in solch üppiger Blüte
-wie damals. In unaufhörlicher Wanderung von einem Staate zum anderen,
-hier untertauchend, um unvermutet dort wieder zu erscheinen, dabei
-chamäleonartig Namen und Gestalt wechselnd -- so flutet der Strom der
-abenteuerlichen Gesellen durch ganz Europa. Vor allem sind Frankreich,
-England und Italien die gesegneten Stätten ihres dunklen Wirkens;
-aber auch Rußland, das sich seit Beginn des Jahrhunderts aus einem
-asiatischen Reiche zu einem Mitglied der europäischen Staatenwelt
-zu entwickeln begann, war ein dankbares Feld ihrer Tätigkeit. Sie
-bewegen sich nicht nur in den niederen und mittleren Sphären, wie es
-zu allen Zeiten gewesen, sondern einige Erwählte dringen auch in die
-Kreise der höchsten Gesellschaft bis in die unmittelbare Nähe der
-Fürstenthrone. Und auch ihr Gewerbe ist keineswegs das der kleinen
-Schelme und Betrüger. Sie kommen mit großen Plänen zur Beglückung der
-Völker, sie gebärden sich als Wohltäter der Menschheit, und was ihrer
-Tätigkeit den besonderen Stempel aufdrückt, sie umgeben sich mit dem
-Schimmer des Geheimnisvollen, indem sie bald als Alchimisten, bald als
-Geisterseher oder gar als Magier auftreten.
-
-Auf dem einzigen Bildnis, das wir von Saint-Germain besitzen, ist er
-denn auch als der „berühmte Alchimist“ bezeichnet. Überschwänglich wird
-von ihm gerühmt, daß er die Herrschaft über die Natur besaß, die ihm
-ebenso wie dem Schöpfer willig gehorchte.
-
-Schon seit altersgrauen Zeiten schwebte den Forschern in dem großen
-Buche der Natur als höchstes Ziel ihres Strebens die künstliche
-Erzeugung der Edelmetalle vor. Das war die Aufgabe, die sich eben
-die Alchimie stellte. Ihre Wiege stand in Ägypten. Als die Araber im
-7. Jahrhundert dieses Land eroberten, machten sie sich diese geheime
-Wissenschaft zu eigen, verpflanzten sie nach Spanien, von wo aus sie
-ihren Siegeszug durch ganz Europa antrat. So blühte denn die Alchimie
-durch das ganze Mittelalter hindurch bis in die neuere Zeit hinein,
-und erst die Entwicklung der Chemie zu einer Wissenschaft machte
-diesem Spukglauben ein Ende. So zählte denn auch Saint-Germain zu
-den letzten großen Vertretern der „Adepten“, wie die Meister dieses
-Geheimnisses hießen, die im Besitz des „Steines der Weisen“ waren;
-denn letzten Endes lief alles Forschen und Experimentieren darauf
-hinaus, die _materia prima_, den Urstoff für die Gewinnung des „Steines
-der Weisen“, zu finden, mit dem sich das Problem der künstlichen
-Herstellung von Gold und der Metallverwandlung lösen ließ. Und wer den
-„Stein der Weisen“ besaß, der besaß damit zugleich auch das Geheimnis
-der Universalmedizin oder des „Elixiers“, das schier unvergängliche
-Dauer des Lebens gewährte.
-
-Das mystische Dunkel, mit dem Saint-Germain seine Person geheimnisvoll
-umgab, ist bis heute noch kaum gelichtet. Über das Anekdotenhafte
-kommen die meisten der bisher bekannten Berichte -- überdies zum
-Teil apokrypher Art -- kaum hinaus. Nur die Aufzeichnungen der
-Madame du Hausset, der Kammerfrau der Marquise von Pompadour, und
-des Ansbachischen Ministers Freiherr von Gemmingen machen davon
-eine Ausnahme. Aber auch sie erhellen nur kurze Wegstrecken in dem
-wechselvollen Leben dieses Abenteurers. Die zahlreichen neuen Urkunden,
-die wir im folgenden aus verschiedenen Archiven mitteilen und die gut
-die Hälfte dieses Buches umfassen, bringen daher nicht nur weitere
-wertvolle Aufklärung über sein Schicksal, ja sie gewähren überhaupt
-erst die Möglichkeit, die Umrisse seiner Gestalt deutlich zu zeichnen.
-Und wenn auch nicht alle Rätsel gelöst werden können, so sinkt doch der
-Schleier. Der Nimbus des „Adepten“ schwindet, und es bleibt allein das
-Bild eines abenteuernden Industrieritters.
-
-
-Das Rätsel seines Ursprungs
-
-Mit höchster Kunst verstand Saint-Germain, über seine Herkunft einen
-Schleier zu breiten. Mit Vorliebe deutete er auf seine Abstammung aus
-fürstlichem Geschlecht; ja, er nannte sich wohl selbst im vertraulichen
-Gespräch einen Nachkommen des letzten siebenbürgischen Fürsten. Andere
-leiten seine Herkunft aus dem letzten spanischen Herrscherhause ab.
-In grellem Kontraste dazu stehen die Angaben, nach denen er ein
-portugiesischer Jude gewesen sein soll. Endlich wird er als Sohn
-eines savoyischen Steuereinnehmers namens Rotondo oder auch als der
-italienische Geigenspieler Catalani bezeichnet[1]. Wie steht es um die
-Zuverlässigkeit dieser einzelnen Nachrichten?
-
-Zunächst die Frage seiner Abstammung von Franz II. Rakoczy, dem letzten
-Fürsten von Siebenbürgen. Verworren sind alle Angaben des Prinzen
-Karl von Hessen. So macht er unseren Helden zum Sohne aus erster Ehe
-des Fürsten mit einer Tököly; diese war aber nicht die erste Gattin,
-sondern die Mutter desselben. Saint-Germain spricht von zwei Brüdern.
-Tatsächlich wurden dem Fürsten drei Söhne geboren, aber der älteste,
-Leopold Georg, für den Saint-Germain sich selbst ausgibt, starb
-nachweislich im Kindesalter; er wurde 1696 geboren und starb 1700.
-Wohl trifft es zu, daß die beiden Brüder, Joseph und Georg, am Wiener
-Hofe aufwuchsen, wo sie den Namen Marquis de San Marco und Marquis
-della Santa Elisabetta erhielten. Aber beide flüchteten (1726 und
-1734) -- also sie unterwarfen sich nicht feige und demütig ihrem Lose,
-wie Saint-Germain dem preußischen Gesandten von Alvensleben und dem
-hessischen Prinzen erzählt, und damit entfällt auch die Pointe, daß er
-sich selbst, im Gegensatz zu diesem erniedrigenden Verhalten seiner
-Brüder, den „heiligen Bruder“, _Sanctus Germanus_ (Saint-Germain)
-genannt habe. Man sieht: die ganze Fabel der Abstammung aus dem
-siebenbürgischen Fürstenhause steht auf schwachen Füßen. Verdächtig ist
-auch der Umstand, daß bereits alle Mitglieder des Hauses tot waren,
-deren Zeugnis ihn der Lüge hätte überführen können. Tot war auch der
-letzte Fürst aus dem Hause Medici, der ihn nach der Erzählung des
-Hessen als zweiter Vater aufgezogen haben sollte.
-
-[Illustration: Fürst Franz II. Rakoczy
-
-Gemälde von Adam Manyoki]
-
-Nicht größeres Vertrauen erweckt die Fabel seiner Abstammung aus dem
-spanischen Königshause. Nicht daß Karl II. († 1700) sein Vater
-gewesen wäre. Die Königin -- Maria Anna von Pfalz-Neuburg -- soll
-ihm während ihres Aufenthaltes in Bayonne (1705) als Frucht einer
-illegitimen Verbindung das Leben geschenkt haben. Damit erscheint er
-gewissermaßen als Prätendent des durch den Tod Karls II. erledigten
-spanischen Thrones, und nur wenn man sich diesen historischen
-Hintergrund vergegenwärtigt, wird die von Grosley überlieferte Frage
-des spanischen Granden bei der Rückkehr der Königin nach Madrid
-verständlich: „Ist sie in anderen Umständen?“ Und sollte sich auch,
-wie gerüchtweise behauptet wird[2], Saint-Germain verschiedentlich als
-„_Prinz von Spanien_“ unterzeichnet haben, so läge auch darin noch kein
-zwingender Beweis für seine Abstammung aus diesem Hause. Im Gegenteil,
-diese Unterschrift würde eher beweisen, daß sein Anspruch falsch ist,
-da die spanischen Prinzen offiziell den Titel „_Infant von Spanien_“
-führten.
-
-Für seine portugiesische Abkunft spricht die mehrfach bezeugte Kenntnis
-der Sprache, die um so überraschender ist, als Portugal bereits damals
-keine große Weltrolle mehr spielte. Dazu kommt, daß er, wie von
-verschiedenen Seiten bezeugt wird, bei seinem Aufenthalt in Holland
-im Frühling 1760 bei reichen portugiesischen Juden in Amsterdam und
-im Haag wohnte, eine durchaus natürliche Erscheinung, wenn er deren
-Stammesbruder war.
-
-Aber auch die Hypothese, daß er aus dem savoyischen Flecken San Germano
-stamme, ist nicht einfach von der Hand zu weisen; denn sie würde seine
-Namensgebung auf die einfachste und natürlichste Weise erklären.
-
-Mit seiner Herkunft, sei es aus Portugal, sei es aus Savoyen, wäre
-auch leicht seine Antwort auf die diesbezügliche Frage der Prinzessin
-Amalie von Preußen zu vereinbaren; denn nach Thiébaults Bericht
-erwiderte er, seine Heimat sei ein Land mit angestammten Fürsten. Dies
-aber trifft sowohl auf Portugal wie auf Savoyen zu.
-
-Was endlich die der Marquise von Créquy in den Mund gelegte Version
-betrifft, daß Saint-Germain der Sohn eines jüdischen Arztes Wolf
-aus Straßburg gewesen sei, so ist zu bemerken, daß wir es bei den
-„Erinnerungen“ dieser Dame mit einer groben Fälschung aus späterer
-Zeit zu tun haben. Ebensowenig kommt die Erzählung von Montaigne[3]
-in Betracht, der von einem Germain berichtet, den er in Vitry gesehen
-habe, und der als Mädchen aufgezogen sei, bis ein Zufall sein wahres
-Geschlecht ans Licht gebracht habe.
-
-Wird das Rätsel seines Ursprunges also auch nicht ganz gelöst, so viel
-steht fest, daß er nicht fürstlicher Abkunft war; denn auch nicht die
-Spur eines Beweises läßt sich dafür beibringen.
-
-
-Das Rätsel seines Alters
-
-Nicht minder geschickt, wie er seine Herkunft zu verschleiern wußte, so
-auch sein Geburtsjahr. Er deutete an, daß sein Lebensalter nicht nach
-Jahren und Jahrzehnten, sondern nach Jahrhunderten zähle. Der Spaßvogel
-„Mylord Gower“, von dem der Baron von Gleichen berichtet, mußte ihm
-als Schrittmacher für die Fabel dienen, daß er schon ein Zeitgenosse
-Christi gewesen sei. In seinen Gesprächen ließ Saint-Germain gern
-durchblicken, daß er schon in früheren Jahrhunderten gelebt habe.
-Für denjenigen, der, wie Alvensleben, ihn stellen wollte, hatte er,
-in die Enge getrieben, die Antwort bereit, daß er sich von Zeit zu
-Zeit aus dem Treiben der Welt zurückziehe. Vergeblich suchen die
-einzelnen Berichterstatter aus seiner äußeren Erscheinung Schlüsse
-auf sein Lebensalter zu ziehen. Gegenüber all den Zeugnissen fremder
-Personen, wie der Gräfin Gergy, die ihn nach Jahrzehnten im Äußeren
-unverändert wiederfinden wollte, fällt das eigene Geständnis des Grafen
-Saint-Germain schwer ins Gewicht, der dem Prinzen von Hessen nach
-dessen Aufzeichnung erklärte, er sei bei seiner Ankunft in Schleswig
-(1779) 88 Jahre alt gewesen. Das würde ungefähr mit dem Lebensalter
-stimmen, das für den Sohn des Steuereinnehmers aus San Germano
-angegeben wird.
-
-Aber, so könnte man einwenden, spricht nicht für sein Alter das
-Stammbuch mit den Eintragungen von Montaigne und dem älteren Grafen
-Lamberg? Darauf läßt sich mit der Gegenfrage antworten: waren diese
-echt? Schon der jüngere Lamberg spielt auf die Möglichkeit einer
-Fälschung an. Waren sie jedoch echt, wo ist dann der Beweis, daß das
-Album nicht erst später in den Besitz Saint-Germains gelangt ist? Denn
-jene Einzeichnungen sind ganz unpersönlicher Art. Damit scheidet das
-Stammbuch als Argument für die Frage des Alters des Grafen aus.
-
-
-Das erste Auftreten
-
-Gleichwie die Abstammung Saint-Germains ist auch die erste Hälfte
-seines Lebens ins Dunkel getaucht. Es heißt, daß er in Mexiko durch
-Heirat zu einem großen Vermögen kam und damit nach Konstantinopel
-durchbrannte. Für das Jahr 1735 ist sein Aufenthalt im Haag
-nachweisbar; denn von dort aus richtete er am 22. November dieses
-Jahres ein Schreiben an den englischen Gelehrten Sloane, das über
-einen alten Bibeldruck handelt, aber sonst keinerlei persönliche
-Angaben enthält[4].
-
-Erst mit seinem Erscheinen in England ums Jahr 1744 gewinnen wir festen
-Boden unter den Füßen, und zwar erwähnt ihn Horace Walpole in einem
-Schreiben vom 9. Dezember 1745. Wir sehen Saint-Germain als Teilnehmer
-an dem Kampfe, den Karl Eduard Stuart, der Enkel des 1688 vertriebenen
-Königs Jakob II., um seine Ansprüche auf die Krone mit der englischen
-Regierung führte. Wagemutig war der Prätendent in Schottland gelandet,
-hatte Edinburg genommen und stand Anfang Dezember bereits in Derby,
-um auf London zu marschieren. Doch unter dem Druck der schottischen
-Häuptlinge, die ihm die Gefolgschaft versagten, mußte er umkehren, und
-die Niederlage bei Culloden (27. April 1746) besiegelte sein Schicksal.
-
-Nach Walpoles Bericht war Saint-Germain offenbar mehr ein Mitläufer als
-ein Mitstreiter, wenn er nicht gar, wie es die Nachricht des _London
-Chronicle_ von 1760 besagt, unschuldig in den Aufstand des Prätendenten
-verwickelt wurde. Jedenfalls aber spielte er keine Heldenrolle, denn
-die Untersuchungsakten über den Aufstand schweigen über ihn völlig[5].
-
-Größere, doch unblutige Lorbeeren erntete er, als er sich als
-Geigenvirtuose vorstellte. In diese Zeit fällt wohl auch die Entstehung
-seines „Traktats über die Musik nach den Regeln des gesunden
-Menschenverstandes für die englischen Damen, die den wahren Geschmack
-in dieser Kunst lieben“[6].
-
-Immerhin hören wir, daß das Andenken an seinen Londoner Aufenthalt bei
-den Engländern auch 1760 noch nicht erloschen war.
-
-Das folgende Jahrzehnt liegt wieder im Dunkel. Während dieser Zeit
-unternahm der Graf zwei Reisen nach Indien. So wenigstens erzählt er
-in einem späteren Briefe aus dem Jahre 1773, den sein Freund, Graf
-Lamberg, uns überliefert hat. Aber nur über die zweite Reise erfahren
-wir einiges Nähere. Er will sie mit dem Admiral Watson und mit Robert
-Clive, dem berühmten Eroberer Ostindiens, im Jahre 1755 angetreten
-haben. Allein die Einzelheiten, die er meldet, sind so nichtig und
-albern, daß es schwer fällt, diesen Bericht ernst zu nehmen. Dabei soll
-keineswegs bestritten werden, daß er weite Reisen gemacht und auch den
-Orient besucht hat; denn wie wir von kritischen Ohrenzeugen vernehmen,
-wußte er anregend zu erzählen, und dies läßt voraussetzen, daß er
-selbst Land und Leute gesehen hat, die er so fesselnd zu schildern
-verstand.
-
-
-+Sein Aufenthalt in Frankreich+
-
-Wir kommen jetzt zu seinem Aufenthalt in Frankreich, der den Höhepunkt
-seines Lebens darstellt.
-
-Wann Saint-Germain nach Frankreich gekommen ist, steht nicht fest.
-Nach den Aufzeichnungen Casanovas zu urteilen, mit dem sich seine
-Wege mehrfach kreuzten, ist er dort schon 1757 oder 1758 gelandet.
-In Chambord erscheint er 1758, während ihn der anonyme Verfasser der
-„_Anecdotes_“[7] erst 1759 in Frankreich auftreten läßt.
-
-Hier ging sein Stern auf. Er erlangte die Gunst der Marquise von
-Pompadour. Höchst anschaulich ist der Bericht ihrer Kammerfrau, Madame
-du Hausset, über seinen Verkehr am Hofe; denn durch die Marquise trat
-er auch in Beziehungen zu Ludwig XV., dem er vorgestellt wurde, an
-dessen Tafel er speiste und mit dem er alchimistische Studien trieb.
-Darin lag kluge Berechnung der Pompadour. Sann sie doch unablässig auf
-Mittel und Wege, wie sie dem der Geschäfte überdrüssigen Herrscher
-die Langeweile vertreiben könnte. Zu diesem Zwecke hatte sie ihm in
-Versailles ein intimes Theater eingerichtet, an dem sie und ihre
-Vertrauten mitwirkten. Dann, als sie selbst zu altern begann, hatte
-sie den berüchtigten Hirschpark geschaffen. Nun zog sie Saint-Germain
-heran, um alchimistischen Versuchen mit dem regierungsmüden König
-obzuliegen.
-
-Die Stellung, die er bei Hofe genoß, der Ruf eines Alchimisten, der wie
-eine Aureole sein Haupt umschwebte, der Glanz seines Reichtums, über
-den fabelhafte Gerüchte umliefen, -- all das kam zusammen, um ihm hohes
-Ansehen und auch politischen Einfluß zu verschaffen. Der Sturz des
-Generalkontrolleurs Silhouette, der die französischen Finanzen leitete,
-soll, so berichtet der preußische Gesandte von der Hellen[8], sein Werk
-gewesen sein.
-
-Er fühlte sich ferner berufen, das wirtschaftliche Leben Frankreichs
-zu heben. Durch die Ausbeutung eines Geheimmittels für Farben und
-Farbstoffe, in dessen Besitz zu sein er vorgab, sollte dieser Plan
-ins Werk gesetzt werden. Es erregte daher in den weitesten Kreisen
-gewaltiges Aufsehen, als ihm der König für seine Arbeiten Räume in dem
-Schloß Chambord, dem einstigen Sitz des Marschalls von Sachsen, zur
-Verfügung stellte.
-
-Ist es nach alledem verwunderlich, daß es diesem offenbaren Schoßkind
-Fortunas nicht an geheimen Gegnern und Neidern fehlte? Schon hatte sein
-Ansehen Einbuße erlitten, der Ruf seines unermeßlichen Reichtums war
-untergraben -- so erfahren wir von einem Augenzeugen --, da lächelte
-ihm noch einmal das Glück: in geheimer Mission ward er im Auftrag des
-Hofes zu Anfang des Jahres 1760 nach Holland entsandt.
-
-
-+Die Mission des Grafen Saint-Germain im Haag+
-
-Zum Verständnis der Rolle, die Saint-Germain im Haag spielte, müssen
-wir kurz den allgemeinen politischen Hintergrund zeichnen.
-
-Seit mehreren Jahren schon währte der englisch-französische
-Kolonialkrieg, rangen die Mächte Europas in erbittertem Kampfe
-miteinander. Mancherlei Versuche, den Frieden wieder herzustellen,
-waren im Sande verlaufen. Immer größer wurde indessen in Frankreich
-das Friedensbedürfnis, aber auch in England bestand eine starke
-Friedenspartei. Da bot im Herbst 1759 die spanische Krone ihre
-Vermittlung an.
-
-Weit bedeutsamer war der Schritt, zu dem sich im November des Jahres
-die englische und die preußische Regierung entschlossen. Sie erklärten
-sich bereit, an einen noch zu bestimmenden Ort Bevollmächtigte zur
-Verhandlung mit den Gegnern über die Einleitung eines allgemeinen
-Friedens zu senden. Prinz Ludwig von Braunschweig, der Vormund des
-oranischen Erbstatthalters, übernahm es, den Vertretern des feindlichen
-Dreibundes im Haag (Graf d’Affry, Baron Reischach und Graf Golowkin)
-diese Erklärung zu übermitteln. Auf dem Schlosse zu Ryswijk fand
-am 25. November dieser feierliche Akt statt. Darauf brachten die
-Generalstaaten Breda als Konferenzort in Vorschlag. Aber der Plan des
-Kongresses scheiterte, da die drei eingeladenen Mächte (Österreich,
-Frankreich und Rußland) am 3. April 1760 durch ihre Vertreter dem
-Prinzen Ludwig ihre Gegenerklärung abgeben ließen, daß sie ohne
-Zuziehung ihrer übrigen Verbündeten (Kursachsen und Schweden) sich mit
-Preußen auf nichts einlassen könnten.
-
-Der Versailler Hof, der bereits mit der Londoner Regierung durch die
-beiderseitigen Gesandten im Haag, Graf d’Affry und General Yorke, in
-geheime Besprechungen eingetreten war, fügte noch die weitere Erklärung
-hinzu, er sei zu einem Sondervergleich mit England bereit. Das Londoner
-Kabinett stand vor der Frage, ob es seine Verbündeten, Preußen und die
-übrigen deutschen Fürsten, mit denen es Subsidienverträge abgeschlossen
-hatte, preisgeben sollte. Doch William Pitt, der Leiter der englischen
-Politik, beharrte auf ihrem Einschluß in den Frieden. So kam es auch
-zwischen England und Frankreich zu keiner Verständigung, und der
-allgemeine Krieg ging weiter.
-
-Neben den Verhandlungen, die von den beglaubigten Vertretern der Mächte
-geführt wurden, liefen andere einher, die des förmlichen Charakters
-entbehrten. Eine Zeitlang (1759) hatte Voltaire das Amt des Mittlers
-zwischen Friedrich dem Großen und dem französischen Premierminister,
-dem Herzog von Choiseul, versehen. Im Februar 1760 war der junge
-Freiherr von Edelsheim als geheimer preußischer Agent nach Paris
-geschickt worden. Nun erschien auch Saint-Germain im Haag auf der
-Bildfläche, um sich die diplomatischen Sporen zu verdienen.
-
-Um die Mitte des Februar 1760 war er in Holland angelangt, hatte
-zunächst in Amsterdam verweilt. Als dann Anfang März im Haag die
-Vermählung der Schwester des Erbstatthalters gefeiert wurde, tauchte er
-in Hollands Hauptstadt auf. In der Öffentlichkeit sprach er von einer
-Anleihe, die er für Frankreich vermitteln sollte, von der Aufgabe,
-die er habe, die Verpflegung der vom Mutterland abgeschnittenen
-französischen Kolonien sicherzustellen. Einem Freunde vertraute er an,
-er sei beauftragt, sich über den Gang der Friedensverhandlungen zu
-unterrichten. Insgeheim aber setzte er sich mit Yorke in Verbindung,
-um ihm Eröffnungen über einen englisch-französischen Friedensschluß zu
-machen.
-
-Auf drei mächtige Gönner berief er sich: auf die Pompadour, den
-Kriegsminister, Marschall von Belle-Isle, von dem er zwei Briefe nebst
-einem Paß vorweisen konnte, und -- im Verlauf einer zweiten Unterredung
--- auf den Grafen von Clermont, einen Prinzen von Geblüt, der im Jahre
-1758 den Oberbefehl über die französischen Armeen in Westdeutschland
-geführt hatte.
-
-Trotzdem war Saint-Germains Verhandlung ein vorzeitiges und
-unrühmliches Ende beschieden. Zwar wußte er den Grafen Bentinck, den
-er zu seinem Werkzeug ausersehen hatte, geschickt für seinen Plan
-zu gewinnen[9]. Aber das Schreiben, das er mit dieser Mitteilung
-am 11. März an die Marquise von Pompadour richtete, wurde ihm zum
-Verhängnis. Die Marquise stellte den Brief dem Herzog von Choiseul
-zu; denn Saint-Germains Version, daß dieser Brief durch „Diebstahl“ in
-dessen Besitz gelangt sei[10], ist nicht ernst zu nehmen. Daraufhin
-verbot der Herzog dem Grafen unter heftigen Drohungen jede Einmischung
-in die Politik. Und als er gar von Saint-Germains Eröffnungen, den
-Friedensschluß betreffend, erfuhr, befahl er, auf das höchste erbost,
-dem Botschafter Graf d’Affry, die Auslieferung des „Abenteurers“ von
-Holland zu fordern. Ja, am liebsten wäre ihm gewesen, hätte d’Affry
-ihm eine Tracht Prügel verabfolgen lassen, um den „Halunken“, der die
-Kreise seiner Politik zu stören wagte, vor aller Welt in Verruf zu
-bringen. Wenigstens sorgte er aber dafür, daß eine Mitteilung in die
-Zeitungen gelangte, in der Saint-Germain mit schärfsten Ausdrücken des
-Mißbrauchs der ihm in Frankreich gewährten Gastfreundschaft beschuldigt
-wurde[11]. Bevor der Botschafter seinen förmlichen Antrag bei den
-Generalstaaten stellte, unterbreitete er den Entwurf dazu dem Herzog.
-So kam es denn erst am 30. April zur Übermittelung der Denkschrift mit
-dem förmlichen Auslieferungsgesuch an die holländische Regierung. Diese
-begrub den Antrag durch seine Verweisung an Kommissionen. Überdies
-war er gegenstandslos geworden, da Saint-Germain beizeiten von der
-ihm drohenden Gefahr Wind bekommen und mit Hilfe Bentincks sich nach
-England geflüchtet hatte.
-
-Aber auch hier war seines Bleibens nicht. Sofort in polizeilichen
-Gewahrsam genommen, wurde er nach kurzer Frist wieder abgeschoben, da
-die englische Regierung fürchtete, daß sein Aufenthalt in England sie
-Frankreich gegenüber kompromittiere. Es war von seiner Übersiedlung
-nach Ostfriesland die Rede, wo ihm König Friedrich unter der Bedingung
-Zuflucht gewähren wollte, daß er sich künftig von jedem politischen
-Treiben fernhielt. Allein er begab sich wiederum nach Holland, wo er
-Unterschlupf fand.
-
-Man vergleiche diese Darstellung, die sich auf die Berichte der
-Beteiligten stützt, mit dem Bilde, das Saint-Germain in seinem späteren
-Briefe an Graf Lamberg von den Geschehnissen entwirft. Da sind es
-Lügenmärchen, die er auftischt!
-
-Zum Schluß noch die Frage: hat Saint-Germain bei seinen
-Friedenseröffnungen an General Yorke im Auftrage des Hofes gehandelt?
-Hat Ludwig XV. hinter dem Rücken seines Premierministers, wie dieser
-nach Gleichens Darstellung ihm vorwirft, eigene Politik gemacht? Waren
-also der König und die Pompadour seine geheimen Auftraggeber? Diese
-Frage ist zu verneinen. Denn erstens steht es fest, daß die Pompadour
-es war, die den Herzog von Choiseul auf die Spur Saint-Germains setzte,
-indem sie ihm den Bericht überlieferte, den ihr der Graf sofort über
-seine politische Tätigkeit im Haag erstattet hatte. Einen zweiten
-Beweis liefert das Schreiben, in welchem der Marschall Belle-Isle
-seinem Schützling, wenn auch in schonender Form, sein Verhalten
-vorwirft und ihm bedeutet, daß für die Behandlung politischer Fragen
-der Botschafter d’Affry zuständig sei[12].
-
-Aber, so wird man einwenden, worauf bezogen sich dann die Schreiben von
-Belle-Isle und Clermont, die Saint-Germain dem General Yorke gleichsam
-als seine Beglaubigung vorlegte? Alles spricht dafür, daß sie die 30
-Millionen-Anleihe betrafen, die er für den geldbedürftigen Versailler
-Hof und, wie wir hinzufügen dürfen, in seinem Auftrag vermitteln
-sollte[13]. Über diese Anleihe hat er offenbar in Amsterdam und auch im
-Haag mit seinen Gastgebern, den jüdischen Bankiers, verhandelt.
-
-So lockte ihn der politische Ehrgeiz, auf eigene Faust die Rolle des
-Friedensstifters zu spielen oder, wie Kauderbach schreibt, gleich
-einer zweiten Jungfrau von Orléans Frankreich abermals zu retten. Doch
-seine diplomatische Laufbahn fand ein schnelles und klägliches Ende:
-sein Erscheinen auf der politischen Weltbühne glich einer schillernden
-Seifenblase, die nach kurzem Fluge jählings zerplatzt.
-
-
-+Saint-Germain in Rußland+
-
-Die bisherige Überlieferung nimmt an, daß Saint-Germain nach seinem
-unglücklichen politischen Debut im Haag und nach seiner Ausweisung aus
-England seine Schritte nach Rußland gelenkt und bei der Revolution, als
-deren Opfer Zar Peter III. im Juli 1762 um Thron und Leben kam, eine
-wichtige Rolle gespielt habe. Aber in allen Quellen und Darstellungen
-der Zeit findet sein Name nirgends Erwähnung. Durch die neuesten
-Forschungen ist festgestellt, daß nur ein einziger Ausländer an jenen
-Ereignissen beteiligt war, nämlich der Piemontese Odart, der in
-Diensten Katharinas II. stand[14].
-
-Demgegenüber ist die Frage, wie es sich mit der uns überlieferten
-Äußerung des Fürsten Gregor Orlow, des bekannten Günstlings der
-Zarin, verhält, die das völlige Gegenteil bekundet. Nach Gleichens
-Mitteilung soll er auf der Durchreise durch Nürnberg von unserem
-Helden gesagt haben: „Dieser Mann hat eine große Rolle bei unserer
-Revolution gespielt.“ Aber Gleichens Bericht ist nicht zuverlässig.
-Er verwechselt die Brüder: nicht Gregor, sondern Alexei Orlow kam
-durch Nürnberg. Gleichen war auch nicht Augen- und Ohrenzeuge, wie
-der ansbachische Minister von Gemmingen, der von diesem Ausspruche
-Orlows nichts weiß: er begnügt sich, Gleichen zu zitieren. Mit diesem
-Ausspruche steht ferner in unvereinbarem Widerspruch, was Alvensleben
-1777 als „feststehende Tatsache“ meldet: Alexei Orlow habe dem
-Grafen Saint-Germain, zu dem er „in engen Beziehungen“ stehe, einen
-Empfehlungsbrief an seinen Bruder, den Fürsten Gregor, gegeben und
-diesem den Grafen als „seinen Busenfreund“ ans Herz gelegt. Zählte nun
-aber Saint-Germain zu den Verschwörern von 1762, was bedurfte es da für
-ihn einer besonderen Empfehlung an Gregor, der doch mit Alexei zusammen
-eine der Hauptrollen bei dem Drama gespielt hatte?
-
-Der letzte Zweifel wird durch die entscheidende Tatsache beseitigt,
-daß sich Saint-Germains Aufenthaltsort für jene kritische Epoche
-sicher nachweisen läßt. Seit er aus England zurückgekehrt war, hatte
-er in Holland unter fremden Namen ein unstetes Leben geführt, bis er
-sich im Frühjahr 1762 auf seiner neuerworbenen Besitzung Ubbergen
-bei Nimwegen, nach der er den Namen _Surmont_ annahm, niederließ.
-Damals geschah es denn auch, daß auf die Anfrage des Grafen d’Affry
-der Herzog von Choiseul ausdrücklich auf die weitere Verfolgung des
-Abenteurers in Holland verzichtete[15]. War Saint-Germain bisher noch
-des öfteren in Amsterdam eingekehrt, so zog er im August 1762 -- so
-bestätigt ausdrücklich Hardenbroek -- von dort weg, wahrscheinlich
-zur vollständigen Übersiedlung nach Ubbergen, worauf er dann, wie
-wir im folgenden Abschnitt sehen werden, im Frühling 1763 in Brüssel
-auftauchte, um dem österreichischen Minister Graf Cobenzl daselbst
-seinen folgenschweren Besuch abzustatten.
-
-Danach gehört Saint-Germains Teilnahme an der russischen Revolution
-endgültig ins Reich der Erfindung. Dasselbe gilt für die Korrespondenz,
-die er angeblich mit der Zarin Katharina II. führte.
-
-Auch seine Beziehungen zur Familie Orlow erfahren einige Einschränkung.
-Immerhin trifft soviel zu, daß er nach dem Ausdruck unseres
-Gewährsmannes „das Glück“ hatte, den Grafen Alexei kennen zu lernen,
-mit dem er nach seiner beliebten Praxis alchimistische Studien trieb,
-bis dieser seiner überdrüssig wurde[16]. In Italien, wo Alexei während
-des Türkenkrieges (1768-1774) längere Zeit als Admiral der russischen
-Flotte weilte, scheint die Bekanntschaft erneuert zu sein. Wenigsten
-berichtet Gleichen von ihrem Zusammentreffen in Livorno im Jahre 1770.
-Indessen ist nicht ganz aufgeklärt, was für eine Bewandtnis es mit
-dem russischen Generalspatent hat, das ihm angeblich von Alexei in
-Nürnberg auf der Heimreise nach Rußland überreicht wurde. Vielleicht
-steht es mit den Kämpfen in Zusammenhang, die während des Türkenkrieges
-im Archipel stattfanden, die aber, wie der Leipziger Bankier Dubosc
-1777 boshaft bemerkte, Saint-Germain trotz aller seiner Erzählungen
-nicht mitgemacht hatte. Und so wäre denn auch das Patent als dreiste
-Fälschung zu buchen, um so mehr, da es auffälligerweise nur die
-Unterschrift des Grafen Alexei, aber nicht der Zarin trug.
-
-Und doch hat Saint-Germain, wie sich aus unseren bisher noch
-unbekannten Quellen ergibt, den heiligen Boden Rußlands betreten --
-zwar nicht als Verschwörer und politischer Abenteurer, wie er es
-darstellen möchte, sondern als schlichter Kaufmann, der aus seinen
-schönen Erfindungen Kapital schlagen wollte. Gleichwie in Frankreich
-waren es seine Farben, mit denen er sein Glück versuchte. In einer
-Kattunfabrik in Moskau war er tätig, aber mißgünstig wandte ihm Fortuna
-den Rücken, so daß er bettelarm die Stätte seines neuen Wirkens
-verlassen mußte. Voll Mitleid las ihn, den fußkrank und mühselig des
-Weges Dahinziehenden, der Schweizer Hotz von der Straße auf, wie er es
-hernach 1777 in Leipzig, wo er Saint-Germain wieder traf, erzählte[17].
-Aber dieser russische Aufenthalt bildete für Saint-Germain doch keinen
-völligen Fehlschlag. Er wollte ein Bergwerk entdeckt haben, das schöne,
-den Topasen ähnliche Halbedelsteine lieferte und dessen Ausbeutung
-ihm zustand. Seitdem trug er sich mit dem Gedanken, daraus einen
-ertragreichen Handelszweig zu machen, ohne daß er freilich für seine
-Pläne viel Glauben und Entgegenkommen fand[18].
-
-Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt diese russische Episode in die Zeit
-zwischen dem Abenteuer von Tournai, zu dem wir uns nunmehr wenden, und
-dem Ausbruch des Türkenkrieges.
-
-
-+Das Abenteuer von Tournai+
-
-Zu Anfang des Jahres 1763 kam Saint-Germain, der, wie erwähnt, sich
-inzwischen in Holland angekauft und sich den Beinamen _Surmont_
-zugelegt hatte, nach Brüssel, wo er die Bekanntschaft des Grafen
-Karl Cobenzl, des bevollmächtigten Ministers der österreichischen
-Niederlande, machte und sie geschickt auf seine Weise ausbeutete. Erst
-durch die von uns erschlossene Korrespondenz Cobenzls mit dem Hof- und
-Staatskanzler Graf Kaunitz sind wir über diese Episode aus dem Leben
-Saint-Germains aufs Zuverlässigste unterrichtet. Sie war bisher fast
-völlig unbekannt.
-
-Sofort fand Cobenzl an der Unterhaltung mit Saint-Germain Gefallen.
-Geschickt wußte dieser das Gespräch auf seine alchimistischen
-Kenntnisse zu bringen; er führte ihm einige Experimente vor und begann
-von Millionengewinnen zu erzählen, die sich mit seinen Geheimmitteln
-erzielen ließen. In heller Begeisterung ging Cobenzl darauf ein, um so
-mehr, als Saint-Germain versicherte, „aus reiner Freundschaft“, nur
-gegen eine kleine Belohnung, seine Geheimnisse hergeben zu wollen.
-In der Besitzerin des Brüsseler Handlungshauses, Madame Nettine,
-die in freudigem Enthusiasmus mit ihm wetteiferte, fand Cobenzl die
-Persönlichkeit, die mit den erforderlichen Geldmitteln zur Begründung
-des Unternehmens einsprang. Kaunitz suchte den Eifer zu dämpfen; er
-warnte vor großen und vorzeitigen Ausgaben. Und um seinen Worten
-erhöhtes Gewicht zu geben, schickte er ein anekdotisches Portrait mit,
-das von einem Kundigen, der Saint-Germain von Paris her kannte, in
-recht düsteren Farben entworfen war.
-
-Cobenzl, der im Banne Saint-Germains und seines großen Planes stand,
-war nicht gesonnen, sich Wasser in seinen Wein gießen zu lassen. Er
-überhörte die Warnung und erklärte leichthin, auf die Person komme es
-nicht an, wofern man nur in den Besitz der Geheimmittel gelange. Diese
-betrafen ein billiges Herstellungsverfahren für Farben und Farbstoffe,
-für gefärbte Hölzer, das Gerben und Färben von Fellen, die Herstellung
-eines goldähnlichen Metalls, die Raffinerie von Ölen und die Anlage
-einer Hutfabrik.
-
-Doch eine unliebsame Überraschung folgte der anderen. Zunächst handelte
-es sich um die Einsendung von Proben; es waren Färbmittel, gefärbte
-Hölzer, Leder- und Metallproben. Bei der Prüfung durch Sachverständige,
-die Kaunitz vornehmen ließ, stellte sich heraus: die Farben waren
-minderwertig; sie standen mit einer Ausnahme hinter den in Österreich
-hergestellten zurück, geschweige denn, daß sie den Vergleich mit den
-englischen und französischen Fabrikaten aushielten. Ja, die Farbenskala
-war nicht einmal vollständig, da Blau und Grün fehlten. Und es war auch
-nur ein magerer Trost, wenn Saint-Germain verhieß, daß er für seine
-Farben das verlangte billige Herstellungsverfahren noch finden werde.
-Ebensowenig taugten die Holz- und Metallproben, während lediglich das
-Urteil über das Leder günstiger ausfiel.
-
-Eine zweite Enttäuschung bildete der Anschlag des Unternehmens.
-Saint-Germain, der den Riesenerfolg auf die billige Herstellung der
-Fabrikate gründete, begnügte sich mit einer Gegenüberstellung der
-hohen alten und der billigen neuen Preise, bei denen der Unterschied
-allerdings mehrere 100 Prozent ausmachte. Aber da jede weitere
-Unterlage, wie z. B. der Überschlag des zu erwartenden Absatzes,
-fehlte, so schwebte der ganze Anschlag in der Luft.
-
-Eine dritte Enttäuschung war, daß trotz der Warnungen aus Wien mit der
-Ausführung des Planes in Tournai bereits begonnen, Häuser und Geräte
-bereits gekauft waren. Es stellte sich heraus, daß die Ausgaben schon
-die artige Summe von 100000 Gulden betrugen. Dabei waren noch keinerlei
-Rohstoffe beschafft, noch keine Gelder für die Arbeitslöhne angewiesen!
-
-Wie hatte alles so schnell und so weit gedeihen können? Es war das
-Werk Saint-Germains. Solange der Plan des ganzen Unternehmens nur auf
-dem Papier stand, mußte er befürchten, daß alles zu Nichts zerrann,
-sobald man von Wien aus ein Veto einlegte. Also drang er -- „mit
-äußerstem Eigensinn“, wie Cobenzl vorwurfsvoll bemerkt -- auf schnelle
-Inangriffnahme der Ausführung. Und da Madame Nettine vorschoß, ging
-alles flott vonstatten. Damit saß der Gimpel auf der Leimrute fest,
-denn es gab kein Zurück mehr oder nur unter schweren Verlusten.
-Doch bald kam es anders, als Cobenzl ursprünglich gedacht hatte.
-Von einer Hergabe der Geheimnisse, die „aus reiner Freundschaft“
-oder nur gegen eine kleine Belohnung erfolgen sollte, war nicht mehr
-die Rede. Im Gegenteil, es wurde ein Kontrakt geschlossen, der dem
-Grafen Saint-Germain die Hälfte des Reingewinns sicherte. Also kein
-unrentables Geschäft, wenn das Unternehmen aufblühte! Doch es lag
-immerhin in einiger Ferne. Saint-Germain indessen zog nach dem Wort
-der Bibel den Spatzen in der Hand der Taube auf dem Dache vor. Mit
-Hilfe eines Geschäftsfreundes aus Nimwegen, der bezeugte, dem Grafen
-gehörige Wertsachen im Betrage von mindestens einer Million im Depot
-zu haben, erschwindelte er sich von Madame Nettine Vorschüsse, die
-von seinem künftigen Anteil am Reingewinn abgezogen werden sollten.
-Die Wertpapiere waren in Wirklichkeit fast wertlos, die gutgläubig
-darauf geleisteten Vorschüsse aber -- und das war eine neue bittere
-Enttäuschung -- beliefen sich ebenfalls auf rund 100000 Gulden.
-Damit stieg die Summe der bereits gemachten Aufwendungen auf 200000
-Gulden, ohne daß die geringste Sicherheit für Erfolg bestand, von den
-Millionengewinnen ganz zu schweigen.
-
-Auf den Bericht, den Kaunitz der Kaiserin Maria Theresia erstattete,
-lehnte diese die Übernahme des Unternehmens rundweg ab, und dieses ging
-nunmehr in die Hände der Madame Nettine über, die sich schon vorher
-damit einverstanden erklärt hatte. Cobenzl erteilte daraufhin dem
-Grafen Saint-Germain sofort den Laufpaß. Bevor dieser Tournai verließ,
-gab er der Nettine die Zusicherung, binnen wenigen Monaten werde er ihr
-die Auslagen zurückerstatten. Andernfalls, so fügte er mit blutigem
-Hohne hinzu, möge sie sich von seinen Geheimmitteln bezahlt machen.
-
-Damit entpuppte sich sein ganzes Unternehmen als raffiniert angelegtes
-Schwindelmanöver. Er war als gemeiner Betrüger entlarvt, der, nachdem
-er die Opfer in sein Netz gelockt, sie listig zu rupfen gewußt hatte.
-Mit seiner Beute verschwand er alsbald aus Brüssel, um sich, wie es
-hieß, nach Deutschland zum Markgrafen Karl Friedrich von Baden-Durlach
-zu begeben. Tatsächlich aber scheint er den Weg nach Rußland
-eingeschlagen zu haben, wo er, wie wir schon hörten, sich in Moskau
-niederließ.
-
-
-Ausgang
-
-Auch die nächsten zehn Jahre sind wieder in Dunkel gehüllt. Doch
-scheint Saint-Germain während dieser Zeit zunächst in Rußland und dann
-vornehmlich in Italien geweilt zu haben; denn wir hören, daß er in
-Mantua, in Venedig, in Pisa und Livorno gewesen ist. Dann tauchte er in
-Deutschland auf.
-
-Aber Saint-Germains Auftreten ist doch ein anderes geworden. Von seinen
-Reichtümern ist nicht mehr die Rede; im Gegenteil, es geht ihm offenbar
-dürftig. Er sucht nicht mehr die große Welt, sondern eine stille
-Stätte, wo er, in sicherem Hafen gelandet, das Haupt zur Ruhe legen,
-den Abend seines Lebens verbringen darf. Doch darin bleibt er sich
-getreu, daß er nach wie vor sein geheimes Wissen als Aushängeschild
-benutzt, daß er es auf die Großen der Welt abgesehen hat.
-
-Freilich ist hier die Art seines Vorgehens verschieden. Indem er den
-scheinbar Uneigennützigen spielt, gebärdet er sich als Wohltäter der
-Menschheit unter dem durchsichtigen Namen _Welldone_, den er sich
-nunmehr beigelegt hat. So verfuhr er gegenüber dem großen Preußenkönig,
-dessen scharfer Blick indessen den Schwindel sofort durchschaute.
-König Friedrich winkte ihm energisch ab, als Saint-Germain ihm mit
-einem Begleitschreiben -- der einen von den drei uns erhaltenen
-Schriftproben seiner Hand -- sozusagen seine Preisliste einschickte.
-Er ließ ihm sagen, er möchte anderswo sein Heil versuchen, da man in
-Berlin „sehr ungläubig“ sei. Mehr Glück hatte Saint-Germain, als er den
-„Adepten“ herauskehrte und sich an Fürsten wandte, die alchimistischen
-Neigungen huldigten. So bei dem Markgrafen Alexander von Ansbach, dem
-er 1774 durch dessen mütterliche Freundin, die Schauspielerin Clairon,
-vorgestellt wurde, und dann 1779 bei dem Prinzen Karl von Hessen in
-Schleswig, dem er sich zunächst aufdrängte, den er aber dann in seine
-Fesseln zu schlagen wußte.
-
-In rückschauender Erinnerung hat der Ansbacher Minister, Freiherr
-von Gemmingen, seinen Bericht über Saint-Germains Aufenthalt im
-Ansbachischen, in Schwabach und Schloß Triesdorf, aufgesetzt[19].
-Ein typisches Bild: der „Adept“ und sein fürstlicher Schüler im
-Laboratorium an der Arbeit. Oder er weilt in den ihm zugewiesenen
-Räumen, über seinen Farben-Rezepten brütend, an deren Vervollkommnung
-er hinter verschlossenen Türen und Fenstern unablässig arbeitet.
-Dazwischen fallen praktische Versuche, die er gemeinsam mit dem Fürsten
-und dessen Minister anstellt, deren Ausfall den letzteren freilich
-wenig befriedigt. Zwei Jahre vergingen so, während deren Saint-Germain
-das Geheimnis seiner Person sorgsam gewahrt hatte, bis dann der Fürst
-auf einer italienischen Reise über die Person seines seltsamen Gastes
-aufgeklärt wurde. Der Markgraf fühlte sich hintergangen. Dennoch wollte
-er dem Grafen das Asyl weiter gewähren, wenn dieser ihm die Briefe,
-die er im Lauf der Jahre an ihn gerichtet hatte, herausgab und sich
-still verhielt. Aber Saint-Germain, der sich entlarvt sah, zog es vor,
-den Stab weiter zu setzen. Wollte er sich ob aller fehlgeschlagenen
-Versuche rechtfertigen oder dem Fürsten den Verlust, den er mit seinem
-Scheiden erlitt, eindrucksvoll vor Augen führen? Genug, in der letzten
-großen Aussprache mit dem Minister drückte er sein Bedauern aus,
-daß gerade in diesem Augenblicke der Bruch eingetreten sei, wo er,
-Saint-Germain, im Begriffe gestanden habe, „das, was er versprochen,
-ins Werk zu setzen.“
-
-Im Oktober 1776 traf er in Leipzig ein. Der sächsische Hof machte
-einen Versuch, ihn zu gewinnen. Doch es kam zu keiner Verständigung;
-vielmehr beklagte sich Saint-Germain bei dem preußischen Gesandten
-in Dresden bitter über die unfreundliche Aufnahme, die er in Sachsen
-gefunden hatte, und trug nun seine wertvollen Dienste dem Preußenkönig
-an. Wir hörten es schon, Friedrich dankte ironisch. Trotzdem scheint
-Saint-Germain sich damals nach Berlin begeben zu haben, wo er ein Jahr
-in stiller Zurückgezogenheit lebte.
-
-Im Herbste 1778 begegnen wir ihm in Hamburg, und ein Jahr darauf, im
-Spätsommer 1779, erfolgte endlich seine Übersiedlung nach Schleswig.
-Prinz Karl von Hessen, sein neuer Gönner, hat in seinen Erinnerungen
-geschildert, wie Saint-Germain ihn in seine Geheimnisse einführte.
-In dem nahegelegenen Eckernförde wurde dann ebenfalls wie in Tournai
-seligen Angedenkens der Versuch gemacht, mit seinen Geheimmitteln, den
-Farben und Farbstoffen, eine Industrie zu begründen.
-
-Während der Prinz sich auf Reisen befand, ist Saint-Germain, von
-düsterer Melancholie gequält und von Gewissensbissen heimgesucht, so
-erzählt Frau von Genlis, still und einsam, wie er das letzte Jahrzehnt
-seines Lebens verbracht hatte, am 27. Februar 1784 in Eckernförde
-gestorben. Drei Tage darauf, am 2. März, erfolgte seine Beisetzung
-in der dortigen Nikolaikirche; doch ist nicht mehr zu ermitteln,
-an welcher Stelle in der Kirche sich seine Grabstätte befindet.
-Mit der Nikolaikirche bildet das alte Fabrikgebäude, heute das
-Christianspflegehaus, die letzte sichtbare Erinnerung an Saint-Germains
-dortigen Aufenthalt.
-
-
-Saint-Germains Künste und Geheimnisse
-
-Für die Kulturgeschichte des 18. Jahrhunderts bildet die von uns zum
-erstenmal veröffentlichte Liste seiner Kunstfertigkeiten, die er 1777
-für den Preußenkönig aufsetzte, ein Dokument ersten Ranges; denn in
-authentischer Form findet sich darin ein Überblick über seine ganzen
-Künste.
-
-Den breitesten Raum nehmen in der Liste seine geheimen Mittel ein,
-die zur praktischen Verwertung in der Industrie bestimmt waren. Hier
-behaupten seine Farben und Färbmittel den Vorrang. Sie bildeten ganz
-offenbar seine Spezialität, auf die er reiste; denn schon von seinen
-Aufenthalten in Frankreich, in Brüssel, Moskau und Schwabach sind sie
-uns wohlbekannt. Ebenso kennen wir von Tournai her seine Kunst der
-Lederbearbeitung. Dazu kommen neue Verfahren zum Waschen von Seide, zum
-Bleichen von Leinewand, Baumwolle usw.
-
-Eine zweite Kategorie bilden seine Geheimverfahren für Metalle. Zwar
-war das nicht die Goldmacherei, wie sie das heißerstrebte Ziel der
-Alchimisten bildete, aber man gab sich in der Alchimie auch schon
-mit bescheideneren Erfolgen zufrieden; man begnügte sich statt der
-Metallveredlung mit der Metallverwandlung und brachte auf diese Weise
-Mischungen und Kompositionen zuwege, wie das in unseren Urkunden öfter
-erwähnte _Similor_, ein Erzeugnis, von dem freilich Graf Kaunitz
-nichts wissen wollte. Von den Künsten Saint-Germains auf diesem Gebiete
-erzählt auch der Ansbacher Minister, aber doch nur in allgemeinen
-Andeutungen, die keine sicheren Schlüsse auf sein Geheimverfahren
-gestatten.
-
-An dritter Stelle steht sein „Lebenselixier“. Zwar hütet er sich
-in seiner Liste für König Friedrich wohlweislich, sein Präparat
-mit diesem Namen zu bezeichnen. Worin bestand es und worauf lief es
-hinaus? Es handelt sich um einen noch heute unter dem Namen des Grafen
-gehenden Tee, den sog. „Saint-Germain-Tee“, dessen Hauptbestandteil
-Sennesblätter bilden und der eine abführende Wirkung hat. Dieser Tee
-hatte seine Bedeutung in dem System, nach dem Saint-Germain lebte. Er
-befolgte in seiner Lebensweise, in seiner Ernährung eine strenge Diät,
-an der er beharrlich festhielt, die im weiteren Verfolg denn auch dazu
-beitrug, seiner Person den Anschein des Besonderen und Ungewöhnlichen
-zu geben.
-
-Endlich rühmte er sich auch des Geheimnisses, auf künstlichem Wege
-Edelsteine herstellen zu können. So erzählt er in seinem Briefe an
-Graf Lamberg von einem großen Diamanten, den er mit dem Grafen Zobor
-zusammen nach vielem Bemühen hervorgebracht habe. Aber dieser Diamant
-spielt eine Rolle nur in der lügenhaften Erzählung, die er von seiner
-angeblichen Verhaftung im Jahre 1760 gibt. Danach sind wir berechtigt,
-auch seinen Bericht von der künstlichen Herstellung von Diamanten
-anzuzweifeln.
-
-Anders steht es offenbar mit der ihm ebenfalls zugeschriebenen,
-aber in der Liste von 1777 nicht angeführten Kunst, Flecken aus
-Diamanten zu entfernen. Zwar sind dafür die von Madame du Hausset und
-Casanova und von dem Prinzen von Hessen berichteten Beispiele noch
-immer keine einwandfreien Beweise. Aber wenn der Schweizer Pictet
-dem französischen Diplomaten Corberon erzählt, sein Schwiegervater
-Magnan, ein Diamantschleifer, habe alle Diamanten mit irgendwelchen
-Flecken für Saint-Germain zurückgelegt, so ist das ein Zeugnis, das
-sich nicht einfach von der Hand weisen läßt, und das zweifellos zu
-Saint-Germains Gunsten spricht. Auch die Kunst, Perlen zu vergrößern
-und ihnen ein schönes Wasser zu geben, wollte ihm der berühmte Arzt und
-Nationalökonom Quesnay, wie Madame du Hausset erzählt, nicht abstreiten.
-
-[Illustration: Nikolaikirche in Eckernförde. Saint Germains Grabstätte]
-
-Mit den oben angeführten Mitteln ist die Liste seiner Kunstfertigkeiten
-von 1777 noch nicht erschöpft. Flüchtig deutet er ferner auf seine
-Kunst der Herstellung von Ölen, Likören, kosmetischen Mitteln, der
-Weinveredlung, auf Geheimmittel für die Landwirtschaft. Damit erscheint
-er als ein Mann von staunenswerter Vielseitigkeit. Aber was soll man
-dazu sagen, wenn es in Nr. 25 der Liste heißt: „Herstellung anderer
-nützlicher Dinge, über die ich schweige.“ Und ferner am Schluß: „Über
-einen weiteren Punkt kann hier aus mancherlei Gründen nichts gesagt
-werden. Er bleibt vorbehalten.“ Das war nichts anderes als die Sprache
-des Marktschreiers!
-
-Fassen wir das oben Gesagte zusammen. Mochte auch Saint-Germain in
-seinem mehrfach genannten Briefe an Graf Lamberg sich des Besitzes
-des „Steines der Weisen“ rühmen -- ein „Adept“ war er nicht. Das
-Geheimnis der künstlichen Herstellung des Goldes besaß er nicht. Als
-Taschenspielerei erscheint denn auch die Probe dieser Kunst, die er vor
-Casanova in Tournai ablegte. Seine übrigen Arbeiten auf dem Gebiete
-der Metallverwandlung und -veredlung, die in das Gebiet der Alchimie
-gehören, waren nach sachkundigem Urteil minderwertige Leistungen. Was
-er als „Lebenselixier“ ausgibt, stellt sich als ein recht harmloses
-Rezept dar.
-
-Nicht besser war es um seine Geheimnisse und Geheimverfahren bestellt,
-die sich auf das Wirtschaftsleben erstreckten.
-
-Auf ihnen liegt, wenn wir sein Leben überblicken, der eigentliche
-Schwerpunkt. Ihre Ausbeutung war das Hauptziel seiner Tätigkeit.
-Sein großer Gaunerstreich von Tournai zeigt jedoch, daß es ihm dabei
-nicht auf ehrlichen Erwerb und Gewinn ankam. Damit gehört er zu
-der großen Heerschar der Industrieritter, die das 18. Jahrhundert
-unsicher machten, vor denen König Friedrich seine Nachfolger in seinem
-politischen Testament von 1752 mit besonderem Nachdruck warnte.
-
-Mochte er sich immerhin auf die Kunst verstehen, fehlerhafte Diamanten
-von ihren Flecken zu befreien -- das ändert nichts an dem Bilde des
-Abenteurers, unter dem uns sein Leben und Treiben erscheint.
-
-
-War Saint-Germain Freimaurer und Kabbalist?
-
-Während des Mittelalters und noch in der neueren Zeit spielte neben
-der Alchimie die Geheimlehre der Kabbalisten eine bedeutsame Rolle.
-Die jüdische „Kabbala“, d. h. die überkommene Lehre, war ursprünglich
-ein Geheimwissen, das sich mit der Lehre vom Göttlichen und von der
-Schöpfung beschäftigte. Doch näherte sie sich dann immer mehr der
-Magie, die sich des Besitzes übernatürlicher Kräfte rühmte. Das große
-Ziel war der Einblick in die Zukunft. Dazu diente ihr als Hilfsmittel
-die Punktierkunst; Zahlen, Worte und Buchstaben erhalten geheime
-Bedeutung. Im Mittelalter blühte die Kunst der Kabbala gleich der
-der Alchimie in Spanien, um sich ebenfalls von dort über Europa zu
-verbreiten.
-
-Ein ähnlicher Vorgang wiederholte sich in der Freimaurerei. Während der
-ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts vollzog sich in ihren europäischen
-Logen eine Bewegung, die über das alte Ziel der Förderung der Humanität
-in Gesinnung und Betätigung hinausgriff. Auch hier erfolgte eine
-Wendung zum Mystischen. Das Freimaurertum behauptete, das Geheimwissen
-der Templer, das der Welt mit dem Untergange des Ordens verloren
-gegangen war, im Orient wieder erlangt zu haben, und es erhob daraufhin
-den Anspruch, in den höheren Graden die Geheimnisse der Magie zu
-enthüllen.
-
-Als Freimaurer trat der berüchtigte Graf Cagliostro auf. Aber er erfand
-ein eigenes System, das er als ägyptische Freimaurerei bezeichnete.
-Neben alchimistischen Künsten betrieb er auch die Geisterbeschwörung.
-Als sein Lehrer und Meister wird Graf Saint-Germain angegeben,
-jedoch mit Unrecht; denn dazu stempeln ihn erst die „_Mémoires
-authentiques pour servir à l’histoire du comte de Cagliostro_“,
-eine Fälschung aus der Feder des Marquis de Luchet, die nach
-Saint-Germains Tode 1785 anonym erschien. Luchet stand als Geheimer Rat
-im Dienste des Landgrafen von Hessen-Kassel. Er war ein überzeugter
-Gegner aller freimaurerischen Bestrebungen, und so schrieb er diese
-„Denkwürdigkeiten“, die sich als derbe Verspottung des Freimaurertums
-kennzeichnen. Er läßt Cagliostro mit seiner als Marquise eingeführten
-Gattin seine Fahrt in die Welt antreten. Dieser beschließt, da er
-sich für Paris, die Hochburg des Abenteurertums, noch nicht reif
-fühlt, nach einem mißglückten Debut in Wien sich in Rußland für seine
-Laufbahn vorzubereiten. Um sie würdig zu beginnen, läßt er sich zuvor
-mit seiner Frau in Schleswig vom Grafen Saint-Germain die Weihe
-erteilen. Daß diese Zeremonie in höchst grotesker Form vor sich geht,
-ist nach der Tendenz der Schrift selbstverständlich. Die von dem
-bekannten Schriftsteller Melchior Grimm geleitete „_Correspondance
-littéraire_“ verfehlte nicht, vor diesen „Denkwürdigkeiten“ mit
-ihren „entweder falschen oder waghalsigen Anekdoten“ zu warnen.
-
-Noch in einem zweiten Buche, das einige Jahre später und gleichfalls
-anonym erschien, zog Luchet gegen Saint-Germain zu Felde, und zwar in
-einer politischen Streitschrift gegen den im Jahre 1776 aus idealen
-Beweggründen gestifteten Illuminatenorden, den er gefährlicher,
-umstürzlerischer Pläne bezichtigte. Auch hier wird Saint-Germains
-Geheimwissen, mit dem er die Welt, zumal die Großen, zu fangen suchte,
-mit Spott und Hohn überschüttet.
-
-Durch diese „Denkwürdigkeiten“ ist zu erklären, daß Cagliostro, der den
-Grafen Saint-Germain wahrscheinlich niemals gesehen hat, mit diesem in
-Verbindung gebracht ward, um fortan als sein Schüler zu gelten.
-
-Aber Saint-Germain war kein Kabbalist. In allen gleichzeitigen
-Nachrichten findet sich dafür keinerlei Anhaltspunkt.
-
-Für die weitere Frage, welche Stellung er zum Freimaurertum einnahm,
-bringt die von uns mitgeteilte maurerische Korrespondenz des Prinzen
-Friedrich August von Braunschweig, der Großprior der Logen in
-Preußen war, reichen Aufschluß. Im Kreise dieses Prinzen bildete
-Saint-Germain während seines Leipziger Aufenthalts den Gegenstand
-größter Aufmerksamkeit. Sehen wir auch von dem Bankier Dubosc ab, der
-in dem „rätselhaften Mann“ nur einen Betrüger erblicken wollte, so
-stimmen sowohl der sächsische Minister von Wurmb, der ihm ernstlich
-„den Puls fühlte“, wie Bischoffwerder, der von dem Prinzen ausdrücklich
-um seine Ansicht angegangen wurde, in dem Urteil überein: „Er ist
-keiner der Unsrigen“ -- ein Urteil, dem auch der Rosenkreuzer Frölich
-aus Görlitz, ein Schüler Schrepfers, mit den Worten beipflichtete:
-„Er ist kein Maurer; er ist auch kein Magus, auch kein Theosoph[20].“
-Ähnlich wie diese, suchte 1778 Dresser, der vier Jahre lang Meister
-vom Stuhl in der Hamburger Loge Georg gewesen war, das Geheimnis jenes
-seltsamen Fremden zu ergründen[21]. Aber Saint-Germain hielt sich allem
-maurerischen Treiben fern, obwohl er als Mitglied der Straßburger Loge
-„_de la Candeur_“ (1776) bezeichnet wird[22] und selbst zugab,
-den vierten Grad zu besitzen. Ja, er machte kein Hehl aus seiner
-Gleichgültigkeit[23]. Danach kann von einer führenden Rolle, die er in
-der Freimaurerei gespielt haben soll, nicht gesprochen werden!
-
-
-Saint-Germains Persönlichkeit und die Legendenbildung.
-
-Obwohl seine Künste und Geheimnisse, wie wir sahen, im ganzen recht
-zweifelhafter Art waren, hat sich Saint-Germain doch einen Namen zu
-erwerben gewußt, der seinen Tod überdauerte. Worin liegt das Rätsel
-seines Erfolges?
-
-Zusammenfassend dürfen wir sagen: in dem Zauber seiner Persönlichkeit.
-Nicht, daß in seiner Natur etwas Dämonisches lag, das die Menschen
-wie mit übernatürlicher Gewalt in seinen Bann zwang. Ganz anderer Art
-war die Macht, die er ausübte. Er war ein glänzender Gesellschafter,
-der die Menschen anzuziehen wußte. Er besaß die Gabe fesselnder
-Unterhaltung; man lauschte ihm gern, wenn er von seinem Leben, seiner
-Jugend, seinen Reisen, wenn er von den Wundern der Welt erzählte. Er
-bestrickte die Hörer, denn er sprach mit Eifer und Begeisterung. Er
-besaß, so berichtet Alvensleben, „eine hervorragende Redegabe“, oder
-wie Yorke es nennt, „Zungenfertigkeit“. Als der preußische Gesandte ihn
-stellen wollte, entglitt ihm Saint-Germain, indem er den Offenherzigen
-zu spielen vorgab, aber mit vielen Worten nichts zu sagen verstand.
-Dabei liebte er die Debatte, spie aber Feuer und Flamme gegen den, der
-ihm zu widersprechen wagte. Stieß er hingegen auf ernsten Widerstand,
-so gebrauchte er die Taktik rechtzeitigen Schweigens.
-
-Dabei verstand er in ungewöhnlichem Maße, sich seiner Umgebung
-anzupassen. Genau sah er sich die Menschen an, mit denen er zu tun
-hatte. Schnell fand er heraus, was er ihnen bieten durfte. Den dummen
-Gläubigen band er dreist seine Lügen auf, während er sich den Klugen
-gegenüber zurückhielt. Da ließ er nur durchblicken, was er offen zu
-sagen sich nicht getraute. Zumal liebte er das Spiel mit halben Worten,
-die die Phantasie des Hörers anregten. Das gelang ihm um so leichter,
-als seine dunkle Kunst, deren er sich rühmte, unwiderstehlichen Reiz
-auf die Menschen übte.
-
-So besaß er in hohem Grade die Kunst der Menschenbehandlung. Und so war
-es ihm möglich, in die hohen Kreise zu dringen, die der Mehrzahl der
-schlichten Menschen verschlossen sind. Was aber noch weit mehr besagen
-wollte, er wußte sich dort auch zu behaupten. Unbestreitbar spielte
-er am Hofe Ludwigs XV. eine Rolle, bis das Haager Abenteuer ihm das
-Genick brach. Trotzdem gelang es ihm später, noch zu anderen Fürsten
-in nähere Beziehung zu treten, wie der Ansbachische Markgraf, der
-Hessische Prinz, der ihm seine Huld bis zu seinem Tode bewahrte. Einen
-Grafen Cobenzl, der eine hohe Staatsstellung bekleidete, wußte er
-sogar derart zu bestricken, daß dieser von ihm rühmte: „Er ist Dichter,
-Musiker, Schriftsteller, Arzt, Physiker, Chemiker, Mechaniker und ein
-gründlicher Kenner der Malerei. Kurz, er hat eine universelle Bildung,
-wie ich sie noch bei keinem Menschen fand[24].“
-
-Man würde irren, wollte man ihm jedes Wissen und alle Kenntnisse
-abstreiten. Ernsthafte Zeugen sind es, die zu seinen Gunsten aussagen.
-„Er ist ein hochbegabter Mann mit sehr regem Geiste,“ so schildert
-ihn Alvensleben[25]. Zugleich aber nennt er ihn „urteilslos“, „maßlos
-eitel“ und kriecherisch. Eitelkeit sei die Triebfeder, die seinen
-Mechanismus in Bewegung setze. Wir hören ferner, daß er mit seiner
-angeblichen hohen Herkunft zu prahlen liebte. Er vermaß sich zu dem
-Ausspruch: „Ich halte die Natur in meinen Händen, und wie Gott die
-Welt geschaffen hat, kann auch ich alles, was ich will, aus dem Nichts
-hervorzaubern.“
-
-Seine „Gauklerkünste“, so bezeugt wiederum Alvensleben, öffneten ihm
-die Häuser der Großen. Aber sie dienten ihm auch dazu, die Menschheit
-auszubeuten. Wir wundern uns daher nicht, ihm ebenfalls im Salon der
-Marquise von Urfé, den ja auch sein Bildnis schmückte, mit einem
-Schwindler vom Schlage Casanovas zu begegnen, ein würdiges Paar, das
-gleichmäßig die dem Wunderglauben ergebene Dame schröpfte, während
-er doch sonst die Welt mied, in der ein Casanova und Cagliostro sich
-bewegten.
-
-Von diesen unterscheidet ihn auch die Tatsache, daß die Frauen in
-seinem Leben keine Rolle spielten, mag er auch, wie Gleichen erwähnt,
-der Tochter eines Chevalier Lambert in Paris den Hof gemacht und, wie
-Hardenbroek als Gerücht verzeichnet, die Absicht geäußert haben, sie
-zu heiraten. Noch fraglicher erscheint, ob jene unbekannte Dame in
-Amsterdam, von der Grosley so geheimnisvoll erzählt, überhaupt je etwas
-mit ihm zu tun hatte. Und mit allen übrigen Berichten über sein Ende
-steht die Angabe Gleichens in Widerspruch, daß Saint-Germain sich in
-seinem letzten Lebensjahr „wie ein zweiter Salomo“ von Frauen pflegen
-und hätscheln ließ und in ihren Armen gestorben sei.
-
-Was neben seinen dunklen Künsten dazu beitrug, ihm eine Stellung in
-der großen Welt zu sichern, war die Fabel von seinen märchenhaften
-Reichtümern. Er prunkte mit seinen Edelsteinen -- aber ihre Echtheit
-wird bestritten. Er erwarb Landgüter in Frankreich und Holland -- aber
-er konnte sie nicht bezahlen. Die Madame Nettine in Brüssel mußte zu
-ihrem Schaden erfahren, was es mit seinen in Nimwegen deponierten
-Wertsachen für eine fatale Bewandnis hatte. Auch der Wert seiner
-Gemäldesammlung wird angefochten. Notorische Tatsache ist es endlich,
-daß es ihm beim Markgrafen von Ansbach und in Leipzig kümmerlich ging.
-Sogar seine Wohnung in Paris war bescheiden. Aber überraschend ist, daß
-er sich trotz alledem den Ruf eines reichen Mannes zu geben verstand
-und daß man es ihm glaubte.
-
-Ein weiteres Rätsel, das seine Person bot, war endlich der Umstand,
-daß er dauernd unter fremdem Namen auftrat, obwohl er den eines
-Grafen Saint-Germain, unter dem er auf die Nachwelt gekommen ist,
-bevorzugte[26]. Dieser dauernde Namenswechsel scheint durch seinen
-abenteuerlichen Wandel hinreichend begründet. Aber es ist bezeichnend
-für ihn, daß er auch dafür eine geheimnisvolle Erklärung zu geben
-wußte. Der Ansbacher Minister von Gemmingen hat es uns überliefert.
-Danach handelte es sich um einen großen Unbekannten, der die
-Beweise seiner Abkunft in Händen hatte, der ihn verfolgte, vor dem
-Saint-Germain sich verbergen mußte. Und nur eine weitere Ausschmückung
-dieses Märchens ist es, wenn er im Elternhause der Frau von Genlis
-erzählte, daß er als siebenjähriger Knabe flüchten mußte, da ein Preis
-auf seinen Kopf gesetzt war.
-
-Man sieht: es fehlt kein Zug, um das Bild des Abenteurers vollständig
-zu machen. Alles ist vorhanden: die rätselhafte Abstammung, der große
-Unbekannte, der ihn verfolgt, die unbekannte Schöne, der fabelhafte
-Reichtum. Dazu treten alle die Wunder, die sich mit dem Namen des
-„berühmten Alchimisten“ verbanden. Er hat den „Stein der Weisen“, er
-kennt das Geheimnis der künstlichen Herstellung des Goldes, er besitzt
-das Lebenselixier.
-
-Ist es daher verwunderlich, wenn in der späteren Überlieferung,
-wie bereits in den Aufzeichnungen eines Lamberg und Gleichen, das
-Geheimnisvolle und Rätselhafte immer mehr das Geschichtliche der
-gleichzeitigen Berichte überwuchert? Denn wir hören später kaum
-noch von allen seinen gewerblichen Künsten, wie der Färbkunst, der
-Lederbehandlung, die doch das Hauptfeld seiner Tätigkeit ausmachten.
-Statt dessen ist er ein Goldmacher. Und noch größeren Spielraum
-bot sein Lebenselixier der menschlichen Phantasie. Da wird er zum
-Zeitgenossen Christi, und eine Lady Craven, die ihn nur von Hörensagen
-kennt, malt nun in ihren Denkwürdigkeiten die Fabel immer weiter
-aus, indem sie dieselbe mit allerlei barocken Einfällen verziert. Da
-das Lebenselixier andrerseits die Wirkung des Jungbrunnens in sich
-schließt, so entsteht die Geschichte von der diebischen Kammerzofe, die
-sich an dem Elixier vergreift, das ihre Herrin um teures Geld erstanden
-hat, und die nun infolge der genossenen allzu starken Dosis wieder ein
-kleines Kind wird. Aus der einen Zofe im _London Chronicle_ (bei
-Grosley) und bei Gleichen macht dann der Fälscher der „Erinnerungen der
-Marquise von Créquy“ mit drastischer Übertreibung deren zwei. Und den
-Höhepunkt erreicht der Spaß bei Lamberg mit der alten Frau, die sogar
-wieder zum Embryo wird.
-
-Indem wir die gleichzeitigen Urkunden, die von ihm erzählen, und die
-späteren Aufzeichnungen, die über ihn entstanden sind, im folgenden
-zusammenstellen, tritt uns zum erstenmal das geschichtliche Bild des
-abenteuerlichen Betrügers entgegen. Zugleich gestattet aber dieser
-Überblick, den Prozeß der allmählich einsetzenden und von ihm selbst
-mit Geschick genährten Legendenbildung zu verfolgen, durch die er zum
-„berühmten Alchimisten“ ward, als der er bis auf unsere Tage fortlebt.
---
-
-Um den streng historischen Charakter des Buches zu wahren, ist
-grundsätzlich davon Abstand genommen, rein literarische Erzeugnisse zu
-berücksichtigen. Dahin gehören z. B. die phantasievollen Schilderungen
-von Besuchen Saint-Germains in Wien, am Hofe Karl Augusts in Weimar,
-am Hofe der Königin Maria Antoinette, wie sie Franz Gräffer in
-seinen „Kleinen Wiener Memoiren“ (Wien 1845) bringt, A. v. d. Elbe
-in der Erzählung „Brausejahre“ („Gartenlaube“, Jahrg. 1884) oder der
-Romanschriftsteller Etienne Léon de Lamothe-Langon in den anonym
-herausgegebenen „_Souvenirs sur Marie Antoinette et sur la cour de
-Versailles par Madame la comtesse d’Adhémar, dame du palais_“ (Paris
-1836); denn, um dies ausdrücklich zu betonen, die Gräfin d’Adhémar
-ist nachweislich keine historische Persönlichkeit, sondern das reine
-Erzeugnis dichterischer Phantasie. So hat auch die einzige bisher
-vorliegende Biographie des Abenteurers, das unvollendet gebliebene Werk
-der Theosophin J. Cooper-Oakley: „The comte de Saint-Germain“ (Mailand
-1912) keinen Anspruch auf wissenschaftliche Bedeutung, da sie kritiklos
-auch aus jenen Darstellungen schöpft und die Märchen der angeblichen
-Gräfin d’Adhémar als historische Begebnisse erzählt; der Wert ihres
-Buches beruht allein auf ihren Mitteilungen aus fremden Archiven.
-
-Für die Fülle neuer Aufschlüsse, die mir zahlreiche Archive und
-Bibliotheken, zumal in Berlin, Wien und Wolfenbüttel gewährten, bin ich
-der Leitung derselben zu großem Dank verpflichtet. Ferner möchte ich an
-dieser Stelle auch Herrn Notar Langeveld im Haag meinen aufrichtigen
-Dank für die liebenswürdige Unterstützung aussprechen, die er meiner
-Arbeit geliehen hat.
-
-
-
-
-ERSTER TEIL
-
-ALLGEMEINE DARSTELLUNGEN, ANEKDOTEN UND FÄLSCHUNGEN
-
-
-
-
-AUS DEN „ERINNERUNGEN“ DES BARONS VON GLEICHEN[27]
-
-
-Bei meiner Rückkehr nach Paris im Jahre 1759[28] besuchte ich die
-Witwe des Chevalier Lambert, eine alte Bekannte. Nach mir sah ich
-einen mittelgroßen, sehr stämmigen Mann eintreten, der mit gesuchter,
-prächtiger Einfachheit gekleidet war. Er warf Hut und Degen auf das
-Bett der Hausfrau, setzte sich auf einen Lehnstuhl am Kamin und
-unterbrach den gerade redenden Herrn mit den Worten: „Sie wissen nicht,
-was Sie reden. Für diese Frage bin ich allein zuständig. Ich habe sie
-erschöpft, so gut wie die Musik, die ich aufgegeben habe, weil ich bis
-zur äußersten Grenze gelangt war.“
-
-Erstaunt fragte ich meinen Nachbar, wer dieser Mann sei, und ich
-erfuhr, daß es der berühmte Saint-Germain war, der die seltensten
-Geheimnisse besaß, dem der König[29] eine Wohnung im Schloß Chambord
-eingeräumt hatte, der in Versailles ganze Abende mit Seiner Majestät
-und Frau von Pompadour verbrachte und dem alle Welt nachlief, wenn er
-nach Paris kam. Frau Lambert lud mich zum Essen für den nächsten Tag
-ein und setzte mit triumphierender Miene hinzu, ich würde mit Herrn von
-Saint-Germain speisen, der, nebenbei gesagt, einer ihrer Töchter den
-Hof machte und in ihrem Hause wohnte.
-
-Die Dreistigkeit des Mannes hielt mich bei diesem Diner lange in
-respektvollem Schweigen. Schließlich wagte ich ein paar Bemerkungen
-über die Malerei und verbreitete mich über Verschiedenes, was ich
-in Italien gesehen. Ich hatte das Glück, Gnade vor den Augen von
-Saint-Germain zu finden. „Ich bin mit Ihnen zufrieden,“ sagte er zu
-mir, „und Sie verdienen, daß ich Ihnen alsbald ein Dutzend Gemälde
-zeige, dergleichen Sie in Italien nicht gesehen haben.“ In der Tat
-hielt er fast Wort; denn die Bilder, die er mir zeigte, trugen sämtlich
-ein Gepräge von Eigenart oder Vollendung, das sie anziehender machte,
-als manche klassischen Werke, insbesondere eine Heilige Familie von
-Murillo, die an Schönheit dem Raffael in Versailles gleichkam.
-
-Aber er zeigte mir noch ganz andere Dinge: eine Menge Edelsteine,
-insbesondere farbige Diamanten von erstaunlicher Größe und Vollendung.
-Ich glaubte, die Schätze von Aladins Wunderlampe zu sehen. Unter
-anderem sah ich einen Opal von ungeheuerlicher Größe und einen eigroßen
-weißen Saphir, der alle Edelsteine, die ich daneben hielt, durch seinen
-Glanz überstrahlte. Ich wage mich als einen Juwelenkenner zu rühmen und
-kann versichern, daß das Auge nichts zu entdecken vermochte, was einen
-Zweifel an der Echtheit dieser Steine hätte begründen können, zumal sie
-ungefaßt waren.
-
-Ich blieb bis Mitternacht bei ihm und verließ ihn als sein getreuer
-Anhänger. Sechs Monate lang folgte ich ihm mit der unterwürfigsten
-Beharrlichkeit, und ich habe nichts von ihm gelernt als die Praktiken
-und die Eigenart des Scharlatanismus. Kein Mensch besaß wie er die
-Gabe, die Neugier zu stacheln und die Leichtgläubigkeit auszunutzen.
-Er wußte seine Wundergeschichten je nach dem Maße der Empfänglichkeit
-seiner Zuhörer abzustimmen. Erzählte er einem Dummkopf eine Begebenheit
-aus der Zeit Karls V., so vertraute er ihm offen an, daß er
-dabeigewesen sei. Sprach er mit einem etwas weniger Leichtgläubigen,
-so schilderte er bloß die kleinsten Umstände, Miene und Gebärde der
-Sprechenden, ja selbst das Zimmer und den Fleck, an dem sie standen,
-mit allen Einzelheiten und einer Lebendigkeit, daß man den Eindruck
-erhielt, einen wirklichen Augenzeugen des Vorgangs zu hören. Bisweilen,
-wenn er eine Rede Franz’ I. oder Heinrichs VIII.[30] wiedergab,
-spielte er den Zerstreuten und sagte: „Der König wandte sich an mich
---“, verbesserte sich aber rasch und fuhr, wie ein Mann, der sich
-verschnappt hat, hastig fort: „wandte sich an den und den Herzog.“
-
-Im allgemeinen kannte er die Geschichte bis ins kleinste. Er hatte sich
-Bilder und Szenen zurechtgelegt und sprach von den fernsten Zeiten
-mit solcher Natürlichkeit, wie kaum ein Zeitgenosse von der jüngsten
-Gegenwart.
-
-„Die dummen Pariser“, sagte er eines Tages zu mir, „glauben, daß ich
-500 Jahre alt sei, und ich bestärkte sie in dieser Annahme; denn ich
-sehe, daß ihnen das viel Spaß macht. Ich bin freilich ungleich älter
-als ich aussehe,“ setzte er hinzu, denn auch mich wünschte er bis zu
-einem gewissen Grade irrezuführen. Aber die Pariser waren nicht nur so
-dumm, ihm ein mehrhundertjähriges Alter zuzuschreiben, sie machten ihn
-sogar zum Zeitgenossen Christi, und zwar aus folgendem Anlaß.
-
-In Paris lebte ein kurzweiliger Mann, den man Mylord Gower nannte,
-weil er die Engländer hervorragend nachmachte. Nachdem die Regierung
-ihn im Siebenjährigen Kriege als Spion beim englischen Heere verwandt
-hatte, wurde er zum Spielzeug einiger Leute am Hofe, die die
-einfältigen Pariser zum besten haben wollten. Man steckte ihn in die
-verschiedensten Kostüme und ließ ihn alle möglichen Menschen kopieren.
-So wurde dieser Mylord Gower im Marais[31] als Herr von Saint-Germain
-eingeführt, um die Neugier der Damen und Maulaffen dieser Stadtgegend
-zu befriedigen, die sich leichter nasführen lassen als die Leute in
-der Gegend des Palais Royal. Auf diesem Schauplatz erlaubte sich unser
-falscher Adept seine Rolle zu spielen. Anfangs übertrieb er nur wenig.
-Als er jedoch sah, daß man alles bewundernd aufnahm, griff er von einem
-Jahrhundert aufs andere bis auf Jesus Christus zurück. Von ihm sprach
-er mit solcher Vertrautheit, als wäre er sein Freund gewesen. „Ich habe
-ihn sehr gut gekannt,“ sagte er. „Er war der beste Mensch auf Erden,
-aber romantisch veranlagt und unbesonnen; ich habe ihm oft gesagt, er
-würde ein schlimmes Ende nehmen.“ Dann ging unser Schauspieler auf
-die Dienste ein, die er ihm durch Vermittlung der Frau des Pilatus zu
-leisten versuchte, in deren Haus er täglich verkehrte. Er behauptete,
-die heilige Jungfrau, die heilige Elisabeth[32], ja selbst deren alte
-Mutter, die heilige Anna[33], gut gekannt zu haben. „Der“, sagte er,
-„habe ich nach ihrem Tode einen großen Dienst geleistet. Ohne mich wäre
-sie nie heilig gesprochen worden. Zu ihrem Glück war ich beim Konzil zu
-Nicäa[34], und da ich mehrere der dort versammelten Bischöfe kannte,
-bat ich so innig und stellte ihnen so oft vor, eine wie brave Frau
-sie gewesen sei und wie wenig es ihnen kostete, so daß sie dann auch
-wirklich heilig gesprochen wurde.“ Diese abgeschmackte Posse wurde in
-Paris ziemlich ernsthaft weitererzählt und trug Herrn von Saint-Germain
-den Ruf ein, im Besitz eines Lebenselixiers zu sein, das ihn verjüngte
-und unsterblich machte. Daraus entstand die Schnurre von der alten
-Kammerfrau einer Dame, die eine Phiole dieser göttlichen Flüssigkeit
-heimlich bewahrte. Die alte Kammerfrau grub sie aus und trank so viel
-davon, daß sie immer jünger und schließlich zum kleinen Kinde wurde.
-
-Obwohl alle diese Fabeln und mehrere Anekdoten über Saint-Germains
-Alter weder Glauben noch Beachtung bei vernünftigen Menschen verdienen,
-so bleibt immerhin wunderbar, was mir zahlreiche glaubwürdige
-Personen über seine lange Lebensdauer und die fast unbegreifliche
-Unveränderlichkeit seines Äußeren bestätigt haben. So hörte ich
-Rameau[35] und die alte Verwandte eines französischen Botschafters in
-Venedig[36] versichern, als sie Saint-Germain dort 1710 kennen lernten,
-habe er wie ein Fünfzigjähriger ausgesehen. Im Jahre 1759 schien
-er 60 Jahre alt zu sein, und damals erneuerte Morin, mein späterer
-Gesandtschaftssekretär, für dessen Wahrhaftigkeit ich einstehe, in
-meinem Hause die Bekanntschaft mit ihm, die er 1739 auf einer Reise
-in Holland gemacht hatte, und war baß erstaunt, daß er nicht um ein
-Jahr älter aussah. Alle Personen, die ihn danach bis zu seinem Tode
-kennen gelernt haben -- der, wenn ich nicht irre, 1780 in Schleswig[37]
-stattfand -- und die ich über sein vermeintliches Alter befragte,
-haben mir stets geantwortet, er mache den Eindruck eines guterhaltenen
-Sechzigers. Ein Mann von 50 Jahren ist also im Zeitraum von 70 Jahren
-nur um 10 Jahre gealtert -- das scheint mir das Außerordentlichste und
-Bemerkenswerteste an seiner Geschichte.
-
-Er besaß mehrere chemische Geheimmittel, besonders zur Herstellung
-von Farben und Färbstoffen und einer Art von Similor von seltener
-Schönheit. Vielleicht hat er auch die erwähnten Edelsteine, deren
-Echtheit nur durch die Probe mit der Feile widerlegt werden könnte,
-selbst angefertigt. Aber von einer Universalmedizin habe ich ihn nie
-reden hören.
-
-Er lebte sehr mäßig, trank nie beim Essen, purgierte sich mit
-selbstbereiteten Sennesblättern und gab seinen Freunden keinen anderen
-Rat, wenn sie ihn fragten, was sie tun müßten, um lange zu leben.
-Überhaupt pries er nie wie andere Scharlatane übernatürliche Kenntnisse
-an.
-
-Seine Philosophie war die des Lukrez: er sprach mit geheimnisvoller
-Begeisterung von den Tiefen der Natur und eröffnete der Phantasie
-unbestimmte, dunkle und unendliche Ausblicke auf die Art seines
-Wissens, seine Reichtümer und seine vornehme Abkunft. Gern erzählte
-er Züge aus seiner Kindheit und schilderte sich selbst, wie er mit
-zahlreichem Gefolge auf prächtigen Terrassen in einem herrlichen Klima
-lustwandelte, gleich als wäre er der Erbe eines Königs von Granada zur
-Zeit der Mauren gewesen. Allerdings hat kein Mensch, keine Polizei je
-herausbekommen, wer er war und woher er stammte.
-
-Er sprach fließend Deutsch und Englisch. Französisch sprach er mit
-piemontesischem Akzent, Italienisch ausgezeichnet, aber besonders
-Spanisch und Portugiesisch ohne den geringsten Akzent.
-
-Wie ich hörte, hat er neben mehreren deutschen, italienischen und
-russischen Namen, unter denen man ihn in verschiedenen Ländern glänzen
-sah, in früherer Zeit auch den eines _Marquis von Montferrat_ getragen.
-Wie ich mich entsinne, sagte mir der alte Baron Stosch[38], er hätte in
-Florenz zur Zeit des Regenten[39] einen Marquis von Montferrat gekannt,
-der für einen natürlichen Sohn der Witwe Karls II.[40], die sich nach
-Bayonne zurückgezogen hatte, und eines Madrider Bankiers galt.
-
-Saint-Germain verkehrte im Hause des Herzogs von Choiseul[41] und
-war dort gern gesehen. Wir waren daher sehr erstaunt, als dieser
-Minister seiner Gattin gegenüber eine sehr ausfallende Bemerkung über
-ihn machte. Er fragte sie plötzlich, warum sie nichts trinke, und
-als sie antwortete, sie wende gleich mir mit Erfolg die Lebensdiät
-Saint-Germains an, entgegnete Choiseul: „Der Baron, der, soviel ich
-weiß, eine besondere Vorliebe für Abenteurer hat, ist sein eigener
-Herr und kann leben, wie er will. Ihnen aber, Madame, deren Gesundheit
-mir kostbar ist, verbiete ich, die Narrheiten eines so zweideutigen
-Menschen nachzuahmen.“ Um dem peinlich werdenden Gespräch eine andere
-Wendung zu geben, fragte der Komtur von Solar[42] den Herzog von
-Choiseul, ob die Regierung wirklich die Herkunft eines Mannes nicht
-kenne, der in Frankreich auf so vornehmem Fuße lebe. „Gewiß kennen
-wir sie,“ versetzte Choiseul (aber er log), „er ist der Sohn eines
-portugiesischen Juden, der die Leichtgläubigkeit des Hofes und der
-Stadt zum besten hat. Seltsam,“ fuhr er, sich erhitzend, fort, „daß
-man erlaubt, daß der König oft fast allein mit einem solchen Menschen
-ist, während er nur von Garden umgeben ausgeht, als ob die Welt von
-Mördern wimmelte.“ Dieser Zornesausbruch kam von seiner Eifersucht auf
-den Marschall Belle-Isle[43], dem Saint-Germain sich mit Leib und Seele
-verschrieben hatte: ihm hatte er den Plan und das Modell der berühmten
-Flachboote gegeben, mit denen eine Landung in England[44] gemacht
-werden sollte.
-
-Die Folgen dieser Feindschaft und der Argwohn Choiseuls kamen wenige
-Monate später zum Ausbruch[45]. Der Marschall spann immerfort Ränke
-zur Herbeiführung eines Sonderfriedens mit Preußen und zum Bruch
-des Allianzsystems zwischen Österreich und Frankreich, mit dem der
-Herzog von Choiseul stand und fiel. Ludwig XV. und Frau von Pompadour
-wünschten diesen Sonderfrieden, Saint-Germain redete ihnen ein, ihn
-zum Prinzen Ludwig von Braunschweig nach dem Haag zu schicken, dessen
-Busenfreund er sich nannte. Er versprach, auf diesem Wege erfolgreiche
-Verhandlungen anzuknüpfen, deren Vorteile er durch seine Beredsamkeit
-ins hellste Licht setzte.
-
-Der Marschall setzte die Instruktionen auf, und der König übergab
-sie ihm persönlich mit einer Chiffre für Saint-Germain, der, im Haag
-angelangt, sich berufen fühlte, die Rolle des Gesandten zu spielen.
-Infolge seiner Indiskretion kam d’Affry, damals Botschafter im
-Haag[46], hinter das Geheimnis dieser Sendung und schickte einen Kurier
-an Choiseul, bei dem er sich heftig beschwerte, daß er einem alten
-Freund seines Vaters und der Würde eines Botschafters den Schimpf
-antäte, durch einen obskuren Ausländer Friedensverhandlungen unter
-seinen Augen anzuknüpfen, ohne ihn überhaupt davon in Kenntnis zu
-setzen.
-
-Choiseul schickte den Kurier sofort zurück und befahl d’Affry, mit
-aller denkbaren Energie von den Generalstaaten die Auslieferung
-Saint-Germains zu fordern. Danach sollte er ihn, an Händen und Füßen
-gefesselt, in die Bastille einliefern. Am nächsten Tage verlas
-Choiseul im Kronrat d’Affrys Bericht und seine Antwort darauf.
-Dann blickte er im Kreise herum stolz auf seine Kollegen, heftete
-seine Blicke abwechselnd auf den König und Belle-Isle und schloß:
-„Wenn ich mir nicht die Zeit genommen habe, die Befehle des Königs
-einzuholen, so geschah es in der Überzeugung, daß hier niemand so
-dreist wäre, ohne Wissen des Ministers des Auswärtigen Eurer Majestät
-Friedensverhandlungen zu führen!“ Er wußte, daß der König den Grundsatz
-aufgestellt und stets beobachtet hatte, kein Minister dürfte sich in
-die Geschäfte eines anderen einmischen. So kam es, wie er vorausgesehen
-hatte: der König senkte schuldbewußt die Blicke, der Marschall wagte
-kein Wort, und Choiseuls Schritt wurde gebilligt. Aber Saint-Germain
-entwischte ihm. Die Generalstaaten beteuerten ihre Willfährigkeit und
-schickten ein großes Aufgebot zur Verhaftung Saint-Germains. Der aber
-war heimlich gewarnt und entfloh nach England.
-
-Aus einigen Nachrichten glaube ich zu entnehmen, daß er bald wieder
-abreiste und nach St. Petersburg ging. Dann tauchte er in Dresden,
-Venedig und Mailand auf, verhandelte mit den dortigen Regierungen, um
-ihnen Geheimnisse der Färberei zu verkaufen und Fabriken zu begründen.
-Er machte damals den Eindruck eines Glücksritters und wurde in einer
-kleinen Stadt in Piemont wegen eines verfallenen Wechsels verhaftet.
-Doch er zeigte dem Inhaber für über 100000 Taler Wertsachen, bezahlte
-auf der Stelle, behandelte den Bürgermeister dieser Stadt als Kaffern
-und wurde unter den ehrerbietigsten Entschuldigungen freigelassen.
-
-Im Jahre 1770 tauchte er in Livorno auf, mit russischem Namen und
-in Generalsuniform. Graf Alexei Orlow[47] behandelte ihn mit einer
-Auszeichnung, die der stolze und hochfahrende Mann sonst niemandem
-bezeigte. Das muß in engem Zusammenhang mit einer Bemerkung seines
-Bruders, des Fürsten Gregor Orlow, gegenüber dem Markgrafen von
-Ansbach stehen. Saint-Germain hatte sich einige Jahre darauf bei diesem
-niedergelassen[48] und ihn bestimmt, den berühmten Günstling Katharinas
-II. bei seiner Durchreise in Nürnberg zu besuchen[49]. Da sagte Orlow
-ganz leise zum Markgrafen über Saint-Germain, den er aufs feierlichste
-begrüßte: „Dieser Mann hat eine große Rolle bei unserer Revolution
-gespielt.“
-
-Er wohnte in Triesdorf und hauste dort nach Belieben mit einer
-Herrenfrechheit, die ihm ausgezeichnet stand. Den Markgrafen behandelte
-er wie einen Schulknaben. Stellte ihm dieser bescheidene Fragen über
-seine Wissenschaft, so antwortete er: „Sie sind zu jung, um Ihnen
-dergleichen zu sagen.“ Um sich an diesem kleinen Hofe noch mehr in
-Respekt zu setzen, zeigte er von Zeit zu Zeit Briefe Friedrichs
-des Großen. „Kennen Sie diese Hand und dies Siegel?“ fragte er den
-Markgrafen, indem er ihm den Brief in seinem Umschlag zeigte. „Ja, es
-ist das kleine Siegel des Königs.“ -- „Wohlan, was drin steht, sollen
-Sie nie erfahren.“ Damit steckte er den Brief wieder ein.
-
-Der Markgraf behauptet, er habe sich überzeugt, daß Saint-Germains
-Edelsteine falsch waren: es sei ihm gelungen, durch seinen Juwelier
-einen Diamanten heimlich mit der Feile prüfen zu lassen, als der Stein
-der im Bette liegenden Markgräfin[50] gezeigt wurde; denn Saint-Germain
-paßte scharf auf seine Steine auf und ließ sie nicht aus den Augen.
-
-Schließlich starb der außerordentliche Mann bei Schleswig beim Prinzen
-Karl von Hessen, den er vollständig bestrickt und zu Spekulationen
-veranlaßt hatte, die jedoch fehlschlugen. In seinem letzten Lebensjahre
-ließ er sich nur von Frauen bedienen, die ihn pflegten und ihn wie
-einen zweiten Salomo verhätschelten. Nach allmählichem Kräfteverfall
-starb er in ihren Armen.
-
-Umsonst gaben sich die Freunde, die Bedienten und selbst die Brüder des
-Prinzen[51] alle Mühe, ihm das Geheimnis seiner Herkunft zu entlocken.
-Da der Prinz aber alle Papiere Saint-Germains erbte[52] und alle Briefe
-erhielt, die nach seinem Tode eintrafen, muß er mehr darüber wissen
-als wir, die wahrscheinlich nie mehr erfahren werden. Ein so seltsames
-Dunkel ist seiner Gestalt würdig.
-
-
-
-
-AUS DEM „TAGEBUCH EINES WELTKINDES“ VON GRAF LAMBERG[53]
-
-
-Eine seltsame Erscheinung ist der _Marquis von Aymar_ oder _Belmar_,
-bekannt unter dem Namen _Saint-Germain_. Er wohnt seit einiger Zeit in
-Venedig, wo er hundert Frauen, die ihm eine Äbtissin verschafft, mit
-Versuchen zum Bleichen des Flachses beschäftigt, dem er das Aussehen
-von italienischer Rohseide gibt.
-
-Er glaubt 350 Jahre alt zu sein, und wohl um nicht zu arg zu
-übertreiben, behauptet er, den Thamas Chouli-Kan in Persien[54] gekannt
-zu haben.
-
-Als der Herzog von York[55] nach Venedig kam, beanspruchte er beim
-Senat den Vorrang vor diesem. Als Grund gab er an, man wisse wohl, wer
-der Herzog von York sei, kenne aber noch nicht den Titel des Marquis
-von Belmar.
-
-Er besitzt einen Verjüngungsbalsam: eine alte Frau, die sich zu stark
-damit einrieb, wurde wieder zum Embryo. Einem seiner Freunde gab er
-eine Haarwickel und diesem zahlte ein Bankier, der den Marquis nicht
-kannte, auf Sicht 200 Dukaten in bar.
-
-Ich fragte ihn, ob er nach Frankreich zurückkehre. Er versicherte mir
-mit überzeugter Miene, daß die Flasche (mit Lebenselixier), die den
-König in seinem jetzigen Gesundheitszustand erhalte, zu Ende ginge.
-Infolgedessen werde er mit einem glänzenden Streich wieder auf der
-Bühne erscheinen und sein Name werde in ganz Europa bekannt werden.
-
-Er soll in Peking gewesen sein, ohne sich irgendeinen Namen beizulegen;
-als die Polizei ihn drängte, seinen Namen zu nennen, entschuldigte er
-sich damit, er wisse selbst nicht, wie er heiße. „In Venedig“, sagte
-er, „nennt man mich den Herrn ‚Was geht’s dich an’, in Hamburg: ‚Mein
-Herr’, in Rom: ‚Monsignor’, in Wien: ‚Pst’. In Neapel pfeift man nach
-mir, in Paris beäugt man mich, und auf dieses Zeichen spreche ich
-gern jeden an, der mich anschaut. Mein Name kann Ihnen, meine Herren
-Mandarinen, also gleichgültig sein. Solange ich bei Ihnen lebe, werde
-ich mich wie der Träger eines erlauchten Namens benehmen. Ob ich
-_Erbse_ oder _Bohne_, _Piso_[56] oder _Cicero_ heiße, mein Name muß
-Ihnen gleichgültig sein.“ Selbst in Venedig erhält er Briefe, auf denen
-bloß „Venedig“ steht. Der Rest ist freigelassen, und sein Sekretär
-verlangt auf der Post einfach Briefe ohne jede Anschrift.
-
-Der König (von Frankreich) gab ihm beim Tode des Marschalls von
-Sachsen[57] das Schloß Chambord und umarmte ihn, als er ihn verließ.
-Saint-Germain verkehrte in allen vornehmen Häusern und wurde sogar mit
-Auszeichnung empfangen. Er ging oft zur Fürstin von Anhalt-Zerbst[58],
-der Mutter der jetzigen Zarin. „Ich muß“, sagte er zu ihr, „recht gern
-bei Ihnen sein, um zu vergessen, daß mein Wagen seit zwei Stunden auf
-mich wartet, um mich nach Versailles zu bringen.“
-
-Übrigens weiß niemand, wer dieser seltsame Mann ist. Man hält ihn für
-einen Portugiesen. Er besitzt tausend Talente, die bei einem einzigen
-Menschen selten vereint sind. Er spielt hervorragend Violine, aber
-hinter einem Wandschirm; dann glaubt man fünf bis sechs Instrumente
-zugleich zu hören.
-
-Er spricht viel und gut. Jeden redet er mit so passenden Fragen
-an, daß es anfangs überrascht. In einer Art von Stammbuch, in dem
-Unterschriften mehrerer Berühmtheiten stehen, zeigte er mir eine
-lateinische Eintragung meines Ahnherrn Kaspar Felix, der 1686 starb,
-mit seinem Wappen und der folgenden Beischrift: „_Lingua mea calamus
-scribae velociter scribentis._ Ps. 44, Vers 2“[59]. Die Tinte und
-selbst das Papier waren sehr verblaßt und nachgedunkelt und schienen
-mir alt. Das Datum ist 1678. Eine andere Eintragung von Michel
-Montaigne[60] ist vom Jahre 1580: „Kein Mensch ist so bieder, daß
-er wohl nicht zehnmal den Galgen verdient, auch wenn er alle seine
-Handlungen und Gedanken der Prüfung der Gesetze unterwirft. Und doch
-wäre es sehr schade und ungerecht, einen solchen zu bestrafen und zu
-hängen.“
-
-Ich schließe aus alledem, daß es ebenso leicht ist, zwei gleiche
-Handschriften herzustellen, wie zwei ganz ähnlich aussehende Menschen
-zu finden. Le Vayer[61] gibt Beispiele an, aus denen man folgern
-könnte, daß es vorzeiten ein Verdienst war, Handschriften nachmachen zu
-können ...
-
-Die beiden genannten Eintragungen könnten das Alter des Marquis
-bestätigen, spräche die menschliche Natur nicht dagegen. Von welchem
-Zeitalter er auch spricht, man trifft selten auf einen Irrtum. Er
-erwähnt sehr zurückliegende Daten am rechten Ort und spielt sich dabei
-keineswegs auf. Er ist ein seltener, überraschender Mann, und was
-einem Spaß macht: er hält der Kritik stand. Mit großer Überredungsgabe
-verbindet er eine ungewöhnliche Gelehrsamkeit und das umfassendste
-Gedächtnis, obgleich es örtlich beschränkt ist. Er behauptet, Wildmann
-die Kunst gelehrt zu haben, Bienen zu zähmen und den Schlangen Sinn für
-Musik und Gesang beizubringen. Da beides auf feststehenden Tatsachen
-beruht, gibt es der Eigenart des Marquis kein anderes Gepräge als das
-der Neuheit, die er oft anderen anerkannten Vorzügen vorzieht.
-
-Ich habe einen sehr fesselnden Brief abgeschrieben, den er mir 1773 aus
-Mantua sandte.
-
-
-Schreiben von Saint-Germain an Lamberg
-
-„Ich sah ihn (Wildmann) im Haag, als ich dort verhaftet wurde[62].
-Bevor ich meinen Degen abgab, bestand ich darauf, d’Affry, den
-französischen Botschafter bei den Generalstaaten, zu sprechen. Ich
-wurde in meinem Wagen hingebracht, in Begleitung des Offiziers,
-der mich zu bewachen hatte. Der Gesandte empfing mich, als ob er
-überrascht sei, mich zu sehen; bald aber gebot er dem Wächter, sich
-zurückzuziehen und vor allem den Herren Bürgermeistern zu melden,
-daß ich die Protektion des Königs besäße und somit unter dem Schutz
-Sr. Majestät stände, solange ich in Holland bliebe. Ich glaubte, dem
-Offizier einen Diamanten von reinstem Wasser und von, wenn ich so sagen
-darf, ungewöhnlichem Karat anbieten zu sollen, aber er lehnte ihn ab,
-und da all mein Zureden fruchtlos blieb, zerschlug ich den Stein mit
-einem großen Hammer in mehrere Stücke, die die Lakaien zu ihrem Profit
-auflasen. Der Verlust des Diamanten, der in Brasilien und im Reiche des
-Mogul als solcher anerkannt worden, war mir indes nicht gleichgültig,
-zumal seine Herstellung mir unendliche Mühe gekostet hatte. Graf Zobor,
-der Kammerherr des verstorbenen Kaisers[63] (ein unvergeßlicher Fürst
-durch seine erhabenen Eigenschaften wie durch den Schutz, den er den
-Künsten gewährte), hat Diamanten mit mir gemacht[64]. Prinz T.... hat
-vor etwa sechs Jahren einen von mir hergestellten für 5500 Louisdors
-gekauft und ihn dann mit 1000 Dukaten Gewinn an einen reichen Narren
-verkauft. Man muß in der Tat ein König oder ein Narr sein, sagte der
-Graf von Barre, um für einen Diamanten erhebliche Summen auszugeben. Da
-die Narren im Schachspiel[65] übrigens den Königen am nächsten stehen,
-so verletzt das griechische Sprichwort: Βασιλεῦς ἤ Ὄνος (König oder
-Esel) und das andere: _Aut regem aut fatuum nasci oportet_[66] keinen
-Menschen. Frau von S... hatte einen vom gleichen bläulichen Wasser und
-ebenso schlecht geschnitten wie jener; in der Fassung sah er wie ein
-großer böhmischer Stein mit mattem Schliff aus.
-
-„Nun, mein Herr, ein Mann wie ich ist bei der Wahl seiner Mittel sehr
-oft in Verlegenheit, und wenn es zutrifft, daß die Narren oder die
-Könige die einzigen sind, denen man einen großen Diamanten anbieten
-kann, so verdiente ich die Ablehnung des Offiziers; das Unrecht war
-ganz auf meiner Seite. Übrigens ist der Mensch geneigt, bei den
-Kunstfertigkeiten oft gewisse Leistungen, die allein auf Rechnung des
-Künstlers kommen, der Natur zuzuschreiben. Ein Pott, ein Marggraf, ein
-Rouelle[67] verkünden von ihrem Dreifuß, daß niemand Diamanten gemacht
-hat, weil sie die Gründe nicht kennen, die dem Gelingen entgegenstehen.
-Wenn alle diese Herren (ihre Zahl ist groß) die Menschen mehr studieren
-wollten als die Bücher, so würden sie bei ihnen Geheimnisse entdecken,
-die sie in der „Goldenen Kette Homers“ und dem großen und kleinen
-„_Albertus_“, in dem geheimnisreichen Band „_Picatrix_“[68] usw. nicht
-finden. Die großen Entdeckungen werden nur dem zuteil, der reist.
-
-„Ich verdanke die Entdeckung des Schmelzens der Edelsteine der zweiten
-Reise nach Indien, die ich 1755 mit dem Oberst Clive[69] unter dem
-Befehl des Vizeadmirals Watson[70] machte. Auf meiner ersten Fahrt
-hatte ich nur sehr geringe Kenntnisse über dies wunderbare Geheimnis
-erworben. Alle meine Versuche in Wien, in Paris, in London galten
-nur als Proben; den Stein der Weisen zu finden, war mir in der
-genannten Zeit beschieden.
-
-[Illustration: Max Joseph Graf v. Lamberg
-
-Stich von Maag]
-
-„Aus guten Gründen gab ich mich bei dem Geschwader nur als Graf C...z
-aus. Überall, wo wir landeten, genoß ich die gleichen Auszeichnungen
-wie der Admiral. Ohne mich nach meinem Vaterlande zu fragen, erzählte
-der Nabob von Baba mir nur von England. Ich entsinne mich, mit welchem
-Vergnügen er meiner Beschreibung vom Pferderennen zu Newmarket zuhörte.
-Ich erzählte ihm, daß ein berühmtes Pferd namens Eclipse schneller
-sei als der Wind, und ich log nicht; denn angenommen, daß dies Pferd
-in einer Minute eine englische Meile lief, d. h. 82½ Fuß in der
-Sekunde, könnte man, selbst wenn es diesen rasenden Lauf nur ein bis
-zwei Minuten aushielt, ohne Gefahr begründeten Widerspruchs behaupten,
-daß ein solches Pferd vor dem Winde herlief; denn dessen größte
-Geschwindigkeit beträgt 85 Fuß im freien Raum, und ein Schiff, das
-auch nur ein Drittel seines Anpralls aushielte, würde 6 (französische)
-Meilen in der Stunde vorwärts getrieben werden, was der größten
-bekannten Fahrtgeschwindigkeit entspricht.
-
-„Der Nabob schlug mir vor, ihm meinen Sohn, den ich mithatte,
-dazulassen. Er nannte ihn seinen Lord Bute[71], nach dem Muster seiner
-Höflinge, die sämtlich englische Namen trugen. Dieser Nabob hatte unter
-seinen Kindern einen Prinzen von Wales, einen Herzog von Glocester,
-einen Herzog von Cumberland usw. Als Watson ihn besuchte, erkundigte er
-sich nach dem Befinden des Königs Georg, und als er erfuhr, daß dieser
-einen Sohn verloren hatte[72], rief er seufzend aus: „Auch ich habe
-meinen Prinzen von Wales verloren!“
-
- Der _Marquis Belmar_.“
-
-Eine Gabe, die Herr von Belmar allein besitzt und die in den Familien
-gelernt und gepflegt zu werden verdiente, ist, mit beiden Händen
-zugleich zu schreiben. Ich diktierte ihm etwa zwanzig Verse aus
-„Zaïre“[73], die er auf zwei Blättern Papier in denselben Schriftzügen
-zugleich schrieb. „Ich tauge nicht viel,“ sagte er zu mir, „aber Sie
-werden zugeben, daß ich meinen Sekretär ganz umsonst ernähre. Die
-Fortschritte in den Kunstfertigkeiten sind langsam; man beginnt mit
-Versuchen und gelangt schließlich zu einem festen System.“
-
- * *
- *
-
-Am Schluß berichtigt Lamberg die Angabe der in Florenz erscheinenden
-Zeitung „_Le notizie del mondo_“, die im Juli 1770 unter der Rubrik
-„Nachrichten aus der Welt“ die Mitteilung gebracht hatte:
-
- „Tunis, Juli 1770. Der kaiserliche Kammerherr Graf Maximilian Lamberg
- hat der Insel Korsika einen Besuch abgestattet, um verschiedene
- Forschungen anzustellen. Er weilt hier seit Ende Juni in Gesellschaft
- des Herrn von Saint-Germain, der in Europa wegen seiner umfassenden
- politischen und philosophischen Kenntnisse berühmt ist[74].“
-
-Lamberg dementiert diese Nachricht mit dem Hinweise, daß ihn die
-Zeitung zum Reisegefährten Saint-Germains in Afrika mache, „zu einer
-Zeit, wo Herr von _Belmar_ aus Genua an einen Freund in Livorno
-schrieb, er wolle nach Wien gehen, um den Prinzen Ferdinand von
-Lobkowitz[75] wiederzusehen, dessen Bekanntschaft er 1745 in London
-gemacht hatte.“
-
-
-Schreiben des Grafen Lamberg an Opiz[76]
-
-„Herr von Saint-Germain hat ziemlich lange in Paris gelebt und das
-allgemeine Gespräch gebildet. Er behauptete tatsächlich, vierhundert
-Jahre alt zu sein. Ich war sehr gespannt, ihn zu sehen. Eines Tages
-traf ich ihn bei der verstorbenen Prinzessin von Talmond. Ich fühlte
-ihm auf den Zahn und hörte ihm aufmerksam zu. Er schien mir sehr
-kenntnisreich und sehr unterhaltend. Abends erzählte ich von der
-zufälligen Begegnung in einem Hause, wo ich zur Nacht speiste. Ich
-sagte, ich hätte den berühmten Grafen von Saint-Germain gesehen. Man
-fragte mich, ob er wirklich 400 Jahre alt sei, wie er behaupte. Ich
-entgegnete kalt: „Ich glaube, er übertreibt. Er sieht nicht älter aus
-als 200 Jahre.“ Im übrigen empfiehlt sich dieser berühmte Abenteurer,
-der einen guten Teil seines Lebens mit der Leichtgläubigkeit der
-Menschen gespielt zu haben scheint, durch seine Kenntnisse und Talente.
-Die Eigenartigkeit ist durchaus nicht sein einziger Vorzug; man täte
-ihm Unrecht mit der Annahme, daß sein Ruf nur darauf beruht. Seine
-Reisen und Forschungen würden eigenartiges und nützliches Material für
-einen Schriftsteller liefern, der über sichere Nachrichten verfügt.“
-
-
-Aus Lambergs „Kritischen, moralischen und politischen Briefen“[77]
-
-Cagliostro[78] ist undurchdringlich und ebenso eigenartig wie der
-Graf von Saint-Germain, dessen Schüler er sein soll, wenn er auch
-seinem Meister an Talenten und Genie weit nachsteht. Dieser verdankte
-seine Berühmtheit seinem Wissen; jener verdankt sie dem Glück und dem
-Ränkespiel: _Mundus vult decipi_[79].
-
-
-Epigramm des Grafen Lamberg auf Saint-Germain[80]
-
- Dreihundert Jahre bin ich für die Welt.
- Zweihundert zähle ich für meine Freunde.
- Beim Trinken bin ich fünfzig Jahre alt.
- Bei Iris sind es fünfundzwanzig bloß.
- Ich bin zwar nicht Fortunas Feind in allem,
- Doch macht sie mich zu ihrem Spielball nicht:
- Ich selber war’s, der stets mit ihr gespielt.
-
-
-Grabschrift Saint-Germains auf den Grafen Lamberg[81]
-
- Um einen Weltmann traure, braver Bürger,
- Der Gottes Freund, Freund von Gesetz und Recht,
- Des Kaisers Freund und auch des Nächsten war.
- Lamberg starb arm, doch unverdienstlich nicht.
- Er ward es satt, lichtscheuer Dummheit Licht
- Zu bringen, doch das Schicksal war gerecht:
- Der Nachwelt weiht es seinen teuren Namen,
- Den siechen Leib den Würmern, und sein Herz
- Dem Vaterland, der Freundschaft seine Seele,
- Den Musen aber seinen hohen Geist.
-
-
-Zur Kritik Lambergs
-
-Der brandenburgische Forscher _Moehsen_ schreibt im Anschluß an Lamberg
-in seinen „Beiträgen zur Geschichte der Wissenschaften in der Mark
-Brandenburg“, S. 22 (Berlin und Leipzig 1783):
-
-„So hat auch in unseren Tagen der berühmte Marquis _Belmar_ oder
-Graf Saint-Germain von der außerordentlichen Kraft eines solchen
-Verjüngungsbalsams eine große Erfahrung durch einen Apostolischen K.
-K. Kammerherrn bekannt werden lassen. Eine alte Dame hatte sich zu
-stark damit gerieben und sahe sich in kurzer Zeit in den Zustand eines
-Embryons versetzt, und man kann sich vorstellen, wie künstlich und
-beschwerlich es dem Herrn Grafen geworden, wenn er sie wieder zur Welt
-bringen und aufpäppeln müssen.“
-
-
-
-
-AUS DEN „DENKWÜRDIGKEITEN“ DER GRÄFIN GENLIS[82]
-
-
-Ich komme nun zu einer seltsamen Persönlichkeit, die ich länger als
-ein halbes Jahr fast täglich gesehen habe. Das war der berühmte
-Schwindler Graf Saint-Germain. Er sah damals höchstens wie ein
-Fünfundvierzigjähriger aus, aber nach dem Zeugnis von Leuten, die ihn
-30 bis 35 Jahre vorher gesehen, war er sicherlich weit älter.
-
-Er war nicht ganz mittelgroß, gut gewachsen und hatte einen sehr
-leichten Gang. Seine Haare waren schwarz, seine Haut stark gebräunt,
-sein Gesichtsausdruck sehr geistreich, seine Züge ziemlich regelmäßig.
-Er sprach fließend Französisch, ohne eine Spur von Akzent, ebenso
-Englisch, Italienisch, Spanisch und Portugiesisch.
-
-Er war ein hervorragender Musiker, begleitete auf dem Klavier aus dem
-Kopfe alles, was man sang, und mit solcher Vollendung, daß Philidor[83]
-darüber erstaunt war, ebenso über sein Präludieren.
-
-Er war ein guter Physiker und ein großer Chemiker. Mein Vater, der
-das wohl beurteilen konnte, bewunderte seine Kenntnisse auf diesem
-Gebiet sehr. Er malte auch in Öl, freilich nicht hervorragend, aber
-doch nett. Er hatte ein Geheimverfahren für wirklich prachtvolle
-Farben, durch das seine Bilder hervorragend ausfielen. Er malte im Stil
-der Historienmalerei; seine Frauengestalten waren stets mit Juwelen
-geschmückt. Für diese Schmuckstücke benutzte er seine Farben, und seine
-Smaragde, Saphire, Rubinen usw. hatten wirklich die Leuchtkraft, den
-Wiederschein und Glanz der wirklichen Steine. Latour, Vanloo[84] und
-andere Maler besichtigten seine Gemälde und bewunderten aufs höchste
-den erstaunlichen Kunstgriff dieser leuchtenden Farben, die allerdings
-den Nachteil hatten, die Gesichter auszulöschen und ihre Naturwahrheit
-durch ihre überraschende Täuschung zu zerstören. Aber für die
-Ornamentalmalerei hätten diese seltsamen Farben von großem Nutzen sein
-können, hätte Saint-Germain das Verfahren nicht geheim gehalten.
-
-Im Gespräch war er belehrend und unterhaltend. Er war viel gereist
-und beherrschte die neuere Geschichte mit erstaunlicher Kenntnis der
-Einzelheiten. Man sagte daher, er spräche von längst verstorbenen
-Personen, als hätte er mit ihnen gelebt. Aber ich habe dergleichen aus
-seinem Munde nie gehört.
-
-Er zeigte die besten Grundsätze, erfüllte gewissenhaft alle äußeren
-Pflichten der Religion, war sehr wohltätig und, wie allgemein zugegeben
-wurde, von größter Sittenreinheit. Kurz, in seinem Benehmen wie in
-seinen Reden war alles gesetzt und moralisch.
-
-Dieser Mann erschien außergewöhnlich durch seine Talente, seine
-umfassenden Kenntnisse und alles, was persönliche Achtung verschafft
--- Wissen, vornehmes, gesetztes Wesen, lauteren Wandel, Wohlstand
-und Wohltätigkeit. Trotzdem war er ein Schwindler oder doch ein
-halber Narr, der sich Maßloses auf seine paar besonderen Geheimmittel
-einbildete, die ihm eine kräftige Gesundheit und ein längeres Leben
-als das des Durchschnitts der Menschen verschafft hatten. Ich bin
-überzeugt, und mein Vater glaubte es fest, daß Saint-Germain, der
-damals höchstens 45 Jahre alt schien, mindestens 90 alt war. Triebe
-der Mensch nicht Mißbrauch mit allem, so würde er insgemein noch zu
-höheren Jahren kommen; Beispiele dafür sind vorhanden. Ohne unsere
-Leidenschaften und unsere Unmäßigkeit würden wir 100 Jahre alt werden
-und bei sehr hohem Alter 150 bis 160 Jahre. Dann stände man mit 90
-Jahren in der Kraft eines Vierzig- bis Fünfzigjährigen. Somit hat meine
-Annahme über Saint-Germain nichts Ungereimtes, vorausgesetzt, daß er
-mit Hilfe der Chemie die Bereitung eines Trankes oder einer Flüssigkeit
-gefunden hätte, die seinem Temperament entsprach. Auch ohne an den
-Stein der Weisen zu glauben, könnte man annehmen, daß er damals viel
-älter war, als ich hier voraussetze.
-
-In den ersten vier Monaten unseres vertrauten Umgangs tat Herr von
-Saint-Germain keine maßlose Äußerung, ja nicht mal eine ungewöhnliche.
-In seinem Wesen lag etwas so Gesetztes und Achtenswertes, daß
-meine Mutter ihn gar nicht über die Seltsamkeiten, die man von ihm
-behauptete, zu fragen wagte. Eines Abends jedoch, als er mich beim
-Vortrag mehrerer italienischen Arien nach dem Gehör begleitet hatte,
-sagte er zu mir, ich würde in vier bis fünf Jahren eine sehr schöne
-Stimme haben. „Und wenn Sie siebzehn bis achtzehn Jahre alt sind,“
-setzte er hinzu, „würden Sie dann nicht gern in diesem Alter bleiben,
-wenigstens für eine lange Reihe von Jahren?“ Ich wäre entzückt darüber,
-entgegnete ich. „Wohlan!“ fuhr er tiefernst fort, „das verspreche ich
-Ihnen.“ Und sofort ging er auf andere Dinge über.
-
-[Illustration: Frau von Genlis
-
-Steindruck von Henry Meyer]
-
-Diese paar Worte ermutigten meine Mutter, ihn kurz darauf zu fragen,
-ob er wirklich aus Deutschland stamme. Da schüttelte er geheimnisvoll
-den Kopf und versetzte mit einem tiefen Seufzer: „Alles, was ich Ihnen
-über meine Herkunft sagen kann, ist, daß ich mit sieben Jahren in
-Begleitung meines Gouverneurs durch die Wälder irrte und daß auf meinen
-Kopf ein Preis gesetzt war!“ Bei diesen Worten schauderte ich, denn die
-Ehrlichkeit dieser großen Offenbarung stand für mich außer Zweifel. „Am
-Tage vor meiner Flucht“, fuhr Saint-Germain fort, „befestigte meine
-Mutter, die ich nicht wiedersehen sollte, ihr Bild an meinem Arme.“
-
-„Ach Gott!“ rief ich aus. Bei diesem Ausruf blickte Saint-Germain mich
-an und schien gerührt, weil er meine Augen voller Tränen sah.
-
-„Ich will es Ihnen zeigen“, sagte er.
-
-Damit schlug er seinen Ärmel zurück und zeigte ein Armband mit schöner
-Emailmalerei, das eine bildschöne Frau darstellte. Ich betrachtete es
-mit tiefer Bewegung. Saint-Germain sagte nichts weiter und ging auf ein
-anderes Thema über.
-
-Als er fort war, machte sich meine Mutter zu meinem großen Kummer über
-seine „Ächtung“ und seine „Königin-Mutter“ lustig; denn der Preis,
-der mit sieben Jahren auf seinen Kopf gesetzt war, die Flucht in die
-Wälder mit seinem Gouverneur ließen durchblicken, daß er der Sohn
-eines entthronten Herrschers war. Ich glaubte an diesen Königsroman und
-_wollte_ daran glauben, so daß die Scherze meiner Mutter mich sehr
-verdrossen. Seit jenem Tage sagte Saint-Germain nichts Bemerkenswertes
-mehr in dieser Hinsicht; er sprach nur noch von Musik, Kunst und
-Merkwürdigkeiten, die er auf seinen Reisen gesehen.
-
-Er brachte mir jedesmal ausgezeichnete Bonbons in Fruchtform mit, die
-er, wie er versicherte, selbst gemacht hatte. Von allen seinen Talenten
-war mir dies nicht das unliebste. Er gab mir auch eine sehr merkwürdige
-Bonbonniere, deren Deckel er angefertigt hatte. Die Schachtel war aus
-schwarzem Perlmutter und sehr groß. Der Deckel war mit einem weit
-kleineren Achat verziert. Stellte man die Schachtel ans Feuer und nahm
-sie gleich darauf wieder fort, so sah man den Achat nicht mehr, sondern
-an seiner Stelle eine hübsche Miniatur, die eine Schäferin mit einem
-Blumenkorb darstellte. Diese Figur blieb so lange, bis die Schachtel
-wieder erwärmt wurde; dann erschien der Achat wieder und verdeckte die
-Darstellung. Das wäre ein reizendes Mittel, ein Bild zu verbergen. Ich
-habe seitdem eine Zusammensetzung entdeckt, mit der ich alle möglichen
-Steine, selbst durchsichtige Achate, täuschend ähnlich nachahme. Durch
-diese Erfindung habe ich den Kunstgriff von Saint-Germains Schachtel
-erraten.
-
-Um mit meinen Erinnerungen über den seltsamen Mann zu schließen, muß
-ich sagen, daß ich 15 bis 16 Jahre später bei der Durchreise durch
-Siena in Italien erfuhr, daß er in dieser Stadt wohnte und daß man
-ihn nicht für älter als 50 Jahre hielte. 16 bis 17 Jahre darauf, als
-ich in Holstein war, hörte ich vom Prinzen von Hessen, dem Schwager
-des Königs von Dänemark und Schwiegervater des (heute regierenden)
-Kronprinzen[85], daß Saint-Germain ein halbes Jahr vor meiner Reise
-nach Holstein bei ihm gestorben sei. Der Prinz ging auf alle meine
-Fragen über den berühmten Mann ein. Wie er mir sagte, sah er zur Zeit
-seines Todes weder alt noch gebrechlich aus; nur schien er von einer
-unbezwinglichen Trübsal verzehrt. Der Prinz hatte ihm in seinem Schloß
-eine Wohnung angewiesen und machte mit ihm chemische Experimente.
-Saint-Germain war nicht als armer Mann zu ihm gekommen, doch ohne
-Begleitung und ohne glänzendes Auftreten. Er besaß noch mehrere schöne
-Diamanten. Er starb an Auszehrung, und zwar unter Zeichen furchtbarer
-Todesangst. Selbst sein Verstand war getrübt. Zwei Monate vor seinem
-Tode war er ganz geistesgestört. Alles an ihm deutete auf ein gequältes
-Gewissen hin, das sein Inneres in ungeheuren Aufruhr versetzte. Diese
-Erzählung betrübte mich; ich hatte noch immer viel für diesen seltsamen
-Mann übrig.
-
-
-
-
-AUS GROSLEYS „NACHGELASSENEN SCHRIFTEN“[86]
-
-
-Unter den Flüchtlingen, die Holland aufnimmt, gibt es Leute, deren
-fabelhafte Abenteuer unaufklärbar sind und bleiben. Im Jahre 1758
-kam aus Frankreich nach Utrecht eine Frau von 36 Jahren, die durch
-Ton, Wesen und Benehmen eine gute Erziehung, ja vielleicht vornehme
-Herkunft verriet. Daran änderte sich nichts in den vier Jahren, die
-sie in einem Zimmer des Gasthofes, in dem ich wohnte, verbrachte.
-Sie hatte keine Bekannten und keinen Verkehr nach auswärts, außer
-daß sie vierteljährlich eine sehr anständige Rente erhielt. Umsonst
-hatte sie die besorgte Neugier des Wirtes erregt, der nach ihrem
-Fortgehen vergeblich seine Nachforschungen fortsetzte. Er schien
-noch voller Bewunderung für die Frömmigkeit und unveränderliche
-Sanftmut der „schönen Dame“, die er im Verdacht hatte, mit einem
-berühmten Abenteurer in Verbindung zu stehen: dem sogenannten Grafen
-Saint-Germain, der in Holland glänzend auftrat, mit allen europäischen
-Herrschern in Briefwechsel zu stehen behauptete, sich ein Alter von 74
-Jahren beilegte, obwohl er erst ein Fünfziger zu sein schien, und den
-Stein der Weisen zu besitzen vorgab.
-
-Seit zehn Jahren war die „schöne Dame“ von Utrecht nach Amsterdam
-übergesiedelt, und da ihre Rente ausblieb, hatte sie eine Stelle in
-einer alten Wohltätigkeitsanstalt der französischen Kirche erhalten.
-Sie bildet noch heute die Erbauung dieser Anstalt durch ihre Sanftmut
-und Frömmigkeit und alle christlichen und menschlichen Tugenden. Hätte
-ich Holland über Amsterdam statt über Utrecht verlassen, so hätte ich
-durch gründliche Nachforschungen vielleicht alles herausgebracht, was
-von ihr zu erfahren war.
-
-Das Ergebnis meiner Nachforschungen über den Grafen Saint-Germain,
-dessen Geschichte mit der ihren verknüpft war, bilden folgende
-Einzelheiten, die ein Engländer seinen Landsleuten im _London
-Chronicle_ vom 5. Juni 1760 zum besten gegeben hat. Der Graf
-Saint-Germain hatte Paris auf höheren Befehl verlassen und war nach
-London gegangen[87], wo er die öffentliche Aufmerksamkeit bald
-erregte und sie so lange fesselte, bis er nach den nordischen Ländern
-spurlos verschwand. Nachfolgend die wörtliche Übersetzung jenes
-Zeitungsartikels.
-
- Der London Chronicle
-
- vom 5. Juni 1760
-
- „Welche Gründe den geheimnisvollen Fremdling hierher geführt haben,
- ist völlig unbekannt, ebenso weshalb der Hof solches Aufheben von ihm
- gemacht hat. Sein rätselhaftes Leben und die seltsamen Dinge, die von
- ihm erzählt werden, geben seinen gewöhnlichsten Handlungen, deren
- Schauplatz ganz Europa ist, etwas Besonderes.
-
- „Die ehrenvollen Titel, mit denen er sich schmückt, verdankt er weder
- seiner Geburt noch irgendwelcher Fürstengunst. Selbst sein Name ist
- ein Geheimnis, das bei seinem Tode noch mehr Verwunderung erregen
- wird als alle wunderbaren Ereignisse seines Lebens. Sein jetziger
- Name ist angenommen.
-
- „Das Wort „Unbekannter“, mit dem man ihn bezeichnet, ist zu schwach;
- die Bezeichnung „Abenteurer“ und „Glücksritter“ aber gehen von
- niedrigen Voraussetzungen aus, die nicht seinem Wandel entsprechen.
- Sie träfen nur zu, wenn man damit einen Mann -- ich möchte fast
- sagen, einen vornehmen Mann -- bezeichnete, der viel ausgibt und von
- niemandem abhängt, dessen Einnahmequellen unbekannt sind, der aber
- die der Gauner verschmäht, und dem von keinem Menschen und nirgendwo
- nachgesagt werden kann, daß er ihn benachteiligt hätte.
-
- „Unsere Kenntnis über sein Vaterland ist ebenso gering wie über seine
- Herkunft. Die gewagtesten Vermutungen füllen die Lücken aus, und auf
- dieser Grundlage hat niedrige Gesinnung, die überall etwas Schlechtes
- annimmt und sieht, Geschichten erfunden, die ebenso lächerlich wie
- für ihren Helden entehrend sind. Es wäre aber recht und billig, mit
- dem Urteil zurückzuhalten, bevor man ihn kennt, und Menschenpflicht
- wäre es, diese widersinnigen, haltlosen Geschichten nicht kritiklos
- hinzunehmen. Beschränkt man sich auf das, was bekannt ist, so
- erscheint er nur als ein Unbekannter, dem niemand etwas vorzuwerfen
- hat und dem Mittel unbekannten Ursprungs zur Verfügung stehen, um in
- dieser Weise seit geraumer Zeit aufzutreten. Vor Jahren tauchte er in
- England auf[88]. Seitdem hat er die größten europäischen Höfe mit dem
- glänzenden Gefolge eines vornehmen Fremden besucht.
-
- „Gil Blas’ Meister[89] hatte stets Geld, ohne daß man wußte, woher.
- Das trifft auch auf unseren Unbekannten zu. Sein Wandel ist unter den
- heikelsten Umständen beobachtet und verfolgt worden, und er hat sich
- als harmlos und geregelt erwiesen. Zwischen dem Romanhelden und dem
- unseren besteht nur der Unterschied, daß er alle seine Schätze in
- winzigem Umfange von unbekannter Form mit sich zu führen scheint. Man
- könnte den Vergleich mit der Phiole der Alchimisten ziehen, die die
- Grundstoffe enthält, mit denen sie alle ihre Operationen vornehmen.
- Nie hat man vor seiner Haustür Tonnen voll Silber abladen sehen,
- deren er doch bedurft hätte, um ein so großes Haus zu führen.
-
- „Geschickt erfaßt er die Lieblingsneigung jeder Nation, bei derer
- sich zeigt; dadurch hat er sich überall anziehend und angenehm
- zu machen gewußt. Bei seiner ersten Reise nach England fand er
- eine große Vorliebe für Musik vor und entzückte uns durch sein
- Geigenspiel. Seine Begabung für dies Instrument ist so hervorragend,
- daß man mit einem unserer Dichter sagen könnte, er sei mit der
- Violine in der Hand geboren. Italien fand ihn seinen Virtuosen
- ebenbürtig, ebenso seinen feinsten Kennern der alten und neueren
- Kunst. Deutschland stellte ihn auf die gleiche Stufe mit seinen
- geübtesten Chemikern.
-
- „Bei seinen umfangreichen und mannigfaltigen Kenntnissen bildete es
- eine besondere Empfehlung, daß er sich niemals mit einer anderen
- Kunst beschäftigt zu haben schien als eben der, in der er hervorragen
- wollte. So trat er in der Musik als ausübender Künstler wie als
- Komponist stets mit der gleichen Virtuosität und dem gleichen Erfolg
- auf, und seine Unterhaltung drehte sich stets um diese Kunst, der er
- tausend bildliche Ausdrücke entlehnte.
-
- „Aus Deutschland brachte er nach Frankreich den Ruf eines perfekten
- Alchimisten mit, der den Stein der Weisen und die Universalmedizin
- besaß. Er sollte Gold machen können, eine Behauptung, die sein
- glänzendes Auftreten und seine Ausgaben zu rechtfertigen schienen.
- Die Sache kam selbst dem Minister zu Ohren, der lächelnd sagte, er
- werde schon herauskriegen, aus welcher Mine er sein Gold bezöge.
- Doch vergebens stellte er die genauesten Nachforschungen über das
- Papiergeld und die Wechselbriefe an, in denen er jene Mine erblickte.
- Während dieser zweijährigen Nachforschungen lebte Saint-Germain
- wie gewöhnlich, bezahlte überall in klingender Münze, ohne daß man
- entdecken konnte, daß ein Wechselbrief für ihn nach Frankreich
- gelangt wäre. Dadurch wurden die Gerüchte bestärkt, er sei im
- Besitz des Steines der Weisen, und man schrieb ihm nun auch ein
- Allheilmittel, selbst ein Elixier gegen das Altwerden und seine
- Folgen zu.
-
- „Eine vornehme Dame wollte die Probe machen. Als gefallsüchtige Frau
- sah sie mit Schmerz, daß die Jahre ihre Züge zu entstellen begannen.
- Sie geht zu dem Fremdling und sagt: „Herr Graf, was ich Ihnen sagen
- werde, wird Ihnen vielleicht etwas wunderlich erscheinen. Aber Sie
- sind die Gefälligkeit selbst; darum zur Sache. Wie man sagt, besitzen
- Sie noch etwas Besseres als das Geheimnis, Gold zu machen: die Gabe,
- die Gebrechen des Alters zu heilen, ja ihnen vorzubeugen. Noch bin
- ich von ihnen verschont, doch die Jahre gehen hin, und ich möchte
- nicht warten, bis ich es nötig habe. Reden Sie frei heraus: besitzen
- Sie diese Art Medizin? Wollen Sie sie mir geben, und unter welchen
- Bedingungen?“
-
- „Der Unbekannte hüllte sich in geheimnisvolle Zurückhaltung und
- sagte nur, wer solche Geheimnisse besäße, vermiede es, daß man davon
- erführe. „Das weiß ich wohl“, entgegnete die Fragerin und versprach
- ihm Geheimhaltung. Da sagt er zu, und am nächsten Tage bringt er ihr
- ein Fläschchen von 4 bis 5 Löffeln Inhalt und verordnet ihr, von
- diesem Elixier zehn Tropfen beim ersten Mondviertel und beim Vollmond
- zu nehmen. Das Mittel sei ganz harmlos, aber äußerst kostbar, und
- wenn es vergeudet werde, ließe es sich vielleicht nicht erneuern.
-
- „Die Dame schloß das Fläschchen in Gegenwart ihrer Kammerfrauen ein.
- Sei es nun, um ihre Schwachheit zu verbergen oder die Neugier ihrer
- Kammerfrauen abzulenken, sie sagte ihnen, es sei ein Kolikmittel. Am
- selben Abend bekommt die erste Kammerfrau heftiges Leibschneiden. Sie
- geht an das Fläschchen, öffnet es, hält es an die Nase, kostet es,
- und da sie den Geschmack ebenso köstlich findet wie den Duft, trinkt
- sie es aus. Das Mittel wirkt ebenso rasch wie sicher. Die Flüssigkeit
- war wasserhell. Um ihren Diebstahl zu verbergen, füllt sie das
- Fläschchen mit gewöhnlichem Wasser, in der Hoffnung, daß ihre Herrin
- nicht so bald Gebrauch davon machen werde; dann sinkt sie in tiefen
- Schlaf.
-
- „Gegen Morgen kommt ihre Herrin nach Hause, geht in ihr Zimmer,
- ruft ihre Kammerfrauen zum Auskleiden und blickt die an, die das
- Fläschchen ausgetrunken hat. „Was machen Sie hier bei mir?“ fragt
- sie. „Woher kommen Sie?“ Die Gefragte macht statt jeder Antwort
- eine tiefe Verbeugung. „Nun, was wollen Sie hier?“ fährt die Herrin
- ärgerlich fort. „Ich habe Sie nicht bestellt. Gehen Sie fort.“ --
- „Die Gnädige behandelt mich ungewöhnlich streng“, versetzt die
- Gescholtene. „Ich habe nie meine Pflicht versäumt. Leider war ich
- eingeschlafen, aber ist das etwas so Schlimmes?“ -- „Wollen Sie mir
- was vormachen?“ entgegnet die Dame. „Ich kenne Sie nicht und habe Sie
- noch nie gesehen. Ich habe kein so junges Ding in meinem Dienst.“ --
- Damit klingelt sie und ruft nach Radegonde (so hieß die Kammerfrau,
- die das Fläschchen ausgetrunken hatte). „Aber hier bin ich ja,
- gnädige Frau!“ ruft sie aus. „Erkennen Sie mich nicht mehr?“ Sie
- blickt in den Spiegel und sieht zu ihrer größten Überraschung, daß
- sie wie ein sechzehnjähriges Mädchen aussieht, obwohl sie 45 Jahre
- alt ist.
-
- „Ganz Frankreich hat bei diesem seltsamen Ereignis ein Wunder
- ausgeschrieen. Aber der Fremde war verschwunden, und die unglückliche
- Dame sah sich dazu verdammt, eine alte Frau zu werden.
-
- „So erzählt man sich die Geschichte in Paris und wird sie wohl noch
- mehrere Menschenalter erzählen. Hatte der Inhalt des Fläschchens
- die Fünfundvierzigjährige zur Sechzehnjährigen gemacht? War diese
- Metamorphose nicht von dem Grafen ins Werk gesetzt? Ich vermag es
- nicht zu entscheiden.“
-
-Wägt man die Einzelheiten, wie sie _London Chronicle_ angibt, so wird
-man sie nicht sowohl als Nachrichten _über_ den Grafen Saint-Germain,
-als vielmehr als Nachrichten _von_ ihm ansehen, die er der englischen
-Zeitung mitgeteilt hatte, um Nachforschungen zu vereiteln und die
-für seine Rolle nötige Illusion aufrechtzuerhalten. Diese Rolle war
-zweifellos die eines Spions in höherem Auftrage, dem seine Auftraggeber
-die Mittel gaben, durch sein glänzendes Auftreten und seine hohen
-Ausgaben zu imponieren, wozu dann noch die großen Talente des Grafen
-traten, die alle zusammengenommen das ausmachten, was die Italiener _un
-gran furbo_ nennen.
-
-Herr de l’Épine Danican hatte sich ihm während seines Aufenthalts
-in Frankreich angeschlossen und sich seine sehr ausgedehnten
-metallurgischen Kenntnisse zunutze gemacht, um die bisher unbekannten
-Bergwerke in der unteren Bretagne auszubeuten. Derselbe Danican
-wollte den Grafen von Saint-Germain in einem gut aussehenden Manne
-wiedererkennen, der zeitlebens im Zuchthause von Brest eingekerkert
-war, weil er bei Hofe zur Zeit des Attentats[90] auf den König eine
-Schmähschrift geschrieben hatte, derentwegen er auf Befehl des
-Ministers lebenslänglich eingekerkert wurde, ein Befehl, den seine
-Nachfolger bestätigt oder nicht widerrufen haben.
-
-Dieser Mann, den ich 1776 in dem genannten Zuchthause sah, war von
-guter Figur, imponierendem Äußern und ehrwürdigem Alter. Seine Zelle
-stieß an einen der Säle des Zuchthauses. Er bekam sein Essen vom Tische
-des Zuchthausdirektors, ging täglich zur Messe, kommunizierte jeden
-Sonntag und nannte sich Ludwig von Bourbon. Die Fürsten und Minister,
-die seitdem nach Brest kamen, haben ihn dort gesehen und gesprochen.
-In den Denkwürdigkeiten zur Geschichte dieses Jahrhunderts wird er als
-Doppelgänger des Mannes mit der eisernen Maske[91] dastehen. --
-
-
-Drei Jahre nach der Niederschrift des Vorstehenden sagte mir ein
-Holländer, es sei in Holland bekannt, daß der Graf Saint-Germain der
-Sohn einer zu Anfang dieses Jahrhunderts nach Bayonne geflüchteten
-Fürstin[92] und eines Juden aus Bordeaux sei. Bei der Rückkehr in die
-Heimat wurde sie von einem Großwürdenträger des Hofes ihres Gemahls
-mit einer Ansprache vorgestellt, die des Lobes von ihr voll war. Der
-Marchese del Carpio, der mit ihrem Empfange betraut war, trat auf den
-Redner zu, und statt jeder Antwort sagte er ihm leise ins Ohr: „Ist sie
-in anderen Umständen?“
-
-
-
-
-ANEKDOTEN
-
-
-I
-
-König Friedrich der Große liebte nach der Überlieferung seines
-Kammerhusaren _Schöning_[93] folgende Anekdote zu erzählen: „Der
-bekannte Graf Saint-Germain gab vor, daß er über 2000 Jahre alt sei und
-sich unter anderem viel im Gelobten Lande aufgehalten habe. ‚Sie müssen
-also Herrn Jesus Christus gesehen haben?’ frug ihn jemand. -- ‚Ich habe
-ihn wohl gekannt. Man konnte sehr gut mit ihm auskommen. Aber seit
-der Geschichte mit dem Tempel hatte ich ihn aus den Augen verloren.’
-Dieser wandte sich darauf an Saint-Germains Bedienten, um zu sehen, ob
-der auch so gut wie sein Herr lügen könnte: ‚Ist es denn wahr, lieber
-Freund, daß Ihr Herr so alt ist?’ -- ‚Ach, mein Herr, das kann ich
-Ihnen nicht sagen; denn ich bin erst 300 Jahre in seinen Diensten.’“
-
-
-II
-
-Der französische Geschäftsträger in Petersburg, Chevalier _Corberon_,
-erzählt in seinen Aufzeichnungen[94] unter dem 30. März 1776 von einer
-Unterhaltung mit einem Kaufmann Pictet aus Genf:
-
-„Die Rede kam auf den Grafen von Saint-Germain, den Pictet kannte.
-Ihm hat er Dinge über seine Familie erzählt, ebenso dem Marquis
-du Gouffier[95] über die seine. Pictet hält ihn für einen großen
-Chemiker und glaubt, daß er ein Geheimmittel besitzt, um einen
-fleckigen Diamanten tadellos zu machen. Und zwar glaubt er das, weil
-Pictets Schwiegervater, der Steinschleifer Magnan, alle Diamanten mit
-irgendwelchen Fehlern beiseite legte und sagte, dies geschähe für den
-Grafen Saint-Germain.“
-
-
-III
-
-Graf _Lehndorff_ (1727-1811), der ehemalige Kammerherr der Gemahlin
-Friedrichs des Großen[96], berichtet im Februar 1776 über eine
-Unterredung mit dem Malteserritter, Graf Sagramoso, der Gesandter in
-Warschau war:
-
-„Er hat den berüchtigten Grafen Saint-Germain sehr gut gekannt, der
-sich für ewig ausgibt, und mir von ihm die folgende Anekdote erzählt:
-Bei einer Aufführung des Trauerspiels ‚Mariamne’[97] erklärte er, er
-sei doppelt davon gerührt, da er diese liebenswürdige Fürstin sehr
-gut gekannt habe. Eine anwesende Dame, die ihn in Verlegenheit setzen
-wollte, nahm darauf das Wort und sagte zu ihm: ‚Dann haben Sie auch
-wohl unseren Herrn Jesus Christus gekannt?’ -- ‚Ob ich ihn gekannt
-habe!’ erwiderte er; ‚so gut, daß ich ihm sagte, als er jene Geschichte
-im Tempel hatte: Lieber Freund, das kann nicht gut enden.’“
-
-
-IV
-
-Madame _Campan_, Kammerfrau der Königin Marie Antoinette, berichtet in
-den „Anekdoten über die Regierung Ludwigs XV.“[98] von einer Frau von
-Marchais:
-
-„Sie behielt im höchsten Alter das schönste Haar. Angeblich hatte
-ihr der berüchtigte Graf Saint-Germain, der am Hofe Ludwigs XV. als
-hochberühmter Alchimist auftrat, ein Elixier gegeben, das die Haare
-erhielt und sie vor dem Ergrauen bewahrte.“
-
-
-V
-
-Der weimarische Legationsrat Friedrich Johann Justin _Bertuch_
-(1747-1822) erzählt in seiner Verdeutschung der Schrift: „Cagliostro in
-Warschau“, S. 28 Anmerkung (Straßburg 1786) vom Grafen Saint-Germain:
-
-Sein sogenannter Kammerdiener war ihm heimlich durchgegangen und hatte
-ihm das Rezept zu seinem Wunderpulver gestohlen. Man bringt ihm die
-Nachricht, daß der Kerl sich irgendwo etabliert habe und damit kurieren
-wolle, und sagt ihm, es müsse ihm doch höchst unangenehm sein, sein
-_arcanum_ auf diese Art gemißbraucht zu sehen. -- „Nichts weniger!“
-antwortet Saint-Germain darauf, „ich werde machen, daß es in des Kerls
-Händen nicht wirkt!“
-
-
-VI
-
-Graf _Mirabeau_ (1749-1791), der berühmte französische Schriftsteller
-und Politiker, schreibt in seinem Werke „De la monarchie prussienne
-sous Frédéric le Grand“, Bd. 5, S. 69 (London 1788):
-
-Saint-Germain, der von einem Grafen Lamberg in seinem „Tagebuch eines
-Weltkindes“ angekündigt worden war[99], hatte Jahrtausende gelebt. Er
-hatte einen Tee entdeckt, vor dem alle Krankheiten verschwanden. Er
-machte im Handumdrehen faustgroße Diamanten. Er schloß sich eng an den
-Prinzen Karl von Hessen an und vergaß, wie seine Vorgänger, nicht zu
-sterben.
-
-[Illustration: Elisabeth von Ansbach und Bayreuth (Lady Craven)
-
-Stich von Friedr. Wilh. Nettling]
-
-
-
-
-AUS DEN „DENKWÜRDIGKEITEN“ DER LADY CRAVEN[100]
-
-
-Ein anderer Wundermann war Saint-Germain, der am Hofe Ludwigs
-XV. eine Rolle spielte und hier, wie auf seinen Reisen, von der
-Leichtgläubigkeit der Menschen Vorteil zog. Der Graf von Lamberg[101]
-war sein Johannes gewesen und hatte ihn feierlich verkündet. Dieser
-Graf von Saint-Germain hatte mehrere tausend Jahre gelebt und mit
-den ausgezeichnetsten historischen Personen aller Jahrhunderte
-genauen Umgang gepflogen; denn er war im Besitz eines Tees, der alle
-Krankheiten vertrieb und ein wahres Kraut gegen den Tod war. Nur zu
-seiner Unterhaltung machte er Diamanten von unermeßlicher Größe. Als
-ein Unsterblicher nahm er nie leibliche Nahrung zu sich. Wenn er bei
-den Großen zur Tafel geladen worden, berührte er kein Brot, kein
-Fleisch, setzte kein Glas an seine Lippen, sondern begnügte sich, der
-Gesellschaft aus dem Schatz seiner tausendjährigen Erfahrung allerlei
-lehrreiche Geschichten zu erzählen. Mit Cäsar hatte er sich oft über
-die Mittel unterhalten, der in Verfall geratenen römischen Republik
-durch eine monarchische Verfassung ein neues, frisches Leben zu geben.
-Cäsar hatte darüber ganz eigene Ideen gehabt, die durch Unterhaltungen
-mit den Druiden in Britannien[102] in ihm geweckt worden. Einer
-von diesen Druiden sei sogar Privatsekretär bei Cäsar gewesen, und
-Saint-Germain hätte von ihm über den alten Zustand von Britannien viel
-Interessantes erfahren. Den Apostel Petrus hatte der Graf sehr genau
-gekannt und ihm oft freundschaftlich geraten, seine Heftigkeit zu
-mäßigen. Johannes sei ein schlanker, hübscher Mann gewesen, von sanftem
-Charakter und etwas zum Mystizismus geneigt; er habe seine Schriften
-dem Saint-Germain vor der Bekanntmachung mitgeteilt, der auch einige
-dunkle Stellen korrigiert habe.
-
-Solche und ähnliche Geschichten erzählte der Graf mit der größten
-Ernsthaftigkeit, und gelehrte Männer hatten dabei nicht selten
-Gelegenheit, seine historischen Kenntnisse zu bewundern.
-
-Er gesellte sich zuletzt zu dem Prinzen Karl von Hessen, dem er den
-Kopf verdrehte. Am Ende aber wurde dieser Unsterbliche des Lebens müde
-und starb wie jeder andere gewöhnliche Mensch, und wie alle seine
-Vorgänger auch getan haben.
-
-
-
-
-AUS DEN „ERINNERUNGEN“ DER MARQUISE VON CRÉQUY[103]
-
-
-Die Marquise von Urfé[104] trachtete immerfort nach dem Pulver zur
-Verwandlung von Kupfer in Gold und arbeitete Tag und Nacht, um sich
-ein Lebenselixier herzustellen. Sie verließ ihr Laboratorium kaum
-noch und gewährte nur wenigen Zutritt dazu. Ihr Verkehr beschränkte
-sich auf Adepten und Rosenkreuzer[105]; sie ging nur noch mit Öfen,
-Retorten und Destillierkolben um. Vier Jahre lang arbeitete sie mit
-dem angeblichen Grafen von Saint-Germain an Kabbala und dem Stein der
-Weisen, was ihr 100000 Taler gekostet hat ...
-
-Der Graf von Saint-Germain war ein Zeitgenosse Christi, des Kaisers
-Tiberius und des Vierfürsten Herodes von Galiläa, von dem er eine dicke
-braune Haarsträhne besaß. Er kannte Pontius Pilatus aus Jerusalem und
-aus Grenoble, seinem späteren Exil, aber dieser Mann war ein solcher
-Tropf, daß er vor Bekanntwerden der Evangelien nur eine undeutliche
-Erinnerung an Christus hatte ...
-
-Eines Tages besuchte ich Frau von Urfé in Gesellschaft der Gräfin von
-Brionne. Obwohl die Alchimistin kaum noch Besuche annahm, wurde die
-Toreinfahrt beim Anblick meiner Livree geöffnet, und wir gingen hinauf.
-Man führte uns ohne Anmeldung zu ihr, wie es in diesem geheimnisvollen
-Hause Brauch war, und wir fanden die Marquise -- es war im Juli --
-bei einem starken Kaminfeuer sitzend. Ihr gegenüber saß ein Mann, der
-wie zu Olims Zeiten gekleidet war. Auf dem Kopfe trug er eine große
-betreßte Kappe. Beim Erscheinen der Gräfin nahm er sie weder ab, noch
-stand er auf. Sie war darob sehr betroffen.
-
-„Ich habe gestern einen Brief von Herrn von Créquy-Canaples erhalten“,
-sagte die Marquise von Urfé zu mir. „Er klagt, daß er in den Hundstagen
-im Artois friert.“ Teilnehmend setzte sie hinzu: „Er ist offenbar nicht
-mehr klar im Kopfe.“
-
-„Bei Gott!“ rief der Herr laut und barsch, „ich weiß, woher das kommt!
-Ich kannte den alten Kardinal de Créquy[106]. Ich habe ihn während
-der ersten Tagung des Konzils von Trient[107] oft gesehen. Er redete
-da nichts als dummes Zeug. Ich kann Ihnen versichern, daß er völlig
-überspannt war. Damals war er Bischof von Rennes.“
-
-Ich erriet, daß ich Herrn von Saint-Germain vor mir hatte, dessen
-Aufschneidereien und die Geschichten, die man davon erzählte, mich
-stets geärgert hatten. Ich wandte mich mit offener, harmloser Miene an
-ihn und sagte:
-
-„Sie meinen wohl: Bischof von Nantes?“
-
-„Nein, Madame, Bischof von Rennes, Rennes in der Bretagne. Ich weiß
-sehr wohl, was ich sage und von wem ich rede!“
-
-„Mein Herr,“ entgegnete ich etwas von oben herab und mit
-herausfordernder Lustigkeit, „Sie wissen offenbar nicht, mit wem Sie
-reden.“
-
-„Madame!“ rief er mit Donnerstimme und warf mir wütende Blicke zu.
-
-„Regen Sie sich doch nicht auf, mein Herr“, versetzte ich. „Und da Sie
-so vieles wissen, sagen Sie mir doch gütigst, wie ich heiße.“
-
-„Unter anderem“, rief er im Ton eines Hierophanten, „tragen Sie einen
-Namen, dessen Wurzel kufisch, hebräisch und samaritanisch ist, einen
-gesegneten, sieghaften Namen, aber blutbedeckt, seines Glanzes beraubt
-und verderblich!“
-
-„Ach!“ unterbrach ich ihn mit vorwurfsvoller, verletzter Miene, „ein
-durchaus kufischer und vor allem verderblicher Name! Dem werde ich
-gewiß nicht beistimmen!“
-
-„Wie haben Sie nur erraten, daß sie Viktoria heißt?“ fragte ihn Frau
-von Urfé mit zärtlich bewunderndem Blick.
-
-„Es wäre mir lieber gewesen,“ fuhr ich etwas frostig fort, „wenn
-der Herr uns gesagt hätte, daß ich die Marquise von Créquy bin. Der
-Kardinal von Créquy“, setzte ich hinzu, „ist nie etwas anderes gewesen
-als Bischof von Nantes und Amiens, Erzbischof von Tyrus und Patriarch
-von Alexandria. Auch das Beiwort _alt_ trifft auf ihn nicht zu, denn er
-starb mit 45 Jahren an der Pest, und was das dumme Zeug anlangt, das
-er bei der ersten Tagung des Konzils von Trient im Jahre 1545 geredet
-haben soll, so darf man ihm keinen allzu schweren Vorwurf daraus
-machen, denn er war damals erst fünf bis sechs Jahre alt ...“
-
-„Madame, Sie beleidigen mich!“
-
-„Nein, mein Herr, ich gebe Ihnen bloß eine Antwort, und ich beleidige
-Sie so wenig damit wie die Wahrheit.“
-
-„Ich wette um 10000 Louisdors.“
-
-„Mein Herr, ich lebe vom Ertrag meiner Landgüter und habe nicht 10000
-Louisdors zu verwetten.“
-
-„Dann wette ich um 100 Louisdors.“
-
-„Lassen Sie es dabei bewenden“, entgegnete ich ihm in gebieterischem
-Tone, so daß er seine Schwindeleien und Grobheiten herunterschlucken
-mußte. „Nur Engländer oder Lakaien können eine Dame mit ‚Ich wette! Ich
-wette!’ herausfordern. Und auch nur, wenn sie keine triftigen Gründe
-haben.“
-
-Frau von Urfé, die ich dabei anblickte, schien mir lächerlich verwirrt.
-Sie bat mich, weder zu Hause noch sonstwo darüber zu reden; denn sie
-fürchtete sich vor dem Kardinal Fleury[108], der kein Freund der
-Schwindler war, und das versprach ich ihr gern. Die Folge war, daß die
-Tür ihres Laboratoriums mir nur noch halb geöffnet wurde, und auch nur,
-wenn sie allein war.
-
-Der Baron von Breteuil hatte als Minister des Königlichen Hauses[109]
-in den Archiven ausfindig gemacht, daß der angebliche Graf von
-Saint-Germain der Sohn eines jüdischen Arztes aus Straßburg war und
-eigentlich Daniel Wolf hieß. Er war 1704 geboren, damals also 68 Jahre
-alt, während er sich als Mann von 1814 Jahren ausgab -- dank einem
-Lebenselixier, dessen Rezept er angeblich einer ihm sehr gewogenen
-Königin von Judäa verdankte. Mit 68 Jahren sah er aus wie ein Mann in
-diesem Alter, der sich kräftiger Gesundheit erfreut. Er hielt sich
-gerade und hatte einen raschen Gang, sprach bestimmt und gut, wenn auch
-mit leichtem Elsässer Akzent. Sein Blick war fest, ja frech, seine Haut
-weiß und glänzend, sein weißes Haar voll, sein Bart üppig, desgleichen
-die Augenbrauen. Frau von Urfé pflegte deshalb zu sagen, er gleiche
-Gottvater[110] ...
-
-Eine andere kräftige Abfuhr, die viel von sich reden machte und recht
-amüsant war, erfuhr Saint-Germain durch den Grafen von Chastellux in
-einer Gesellschaft bei Herrn Le Normand d’Étioles[111]. Saint-Germain
-hatte sich nach den Tischgästen erkundigt und sich besonders über Herrn
-von Chastellux Rat geholt, Bücher gelesen und sich schnell so auf
-sein Thema vorbereitet. Als der Graf von Chastellux gemeldet wurde,
-eilte er auf ihn zu und fragte ihn, ob er nicht ein Nachkomme des
-Marschalls von Chastellux[112] sei, der im 14. Jahrhundert Statthalter
-der Normandie war. Herr von Chastellux entgegnete, er glaubte sein
-Nachkomme im siebenten Grade zu sein.
-
-„Ihr erlauchter Ahn war ein Held,“ versetzte Saint-Germain. „Der
-König[113] bezahlte für ihn im Jahre 1418 2500 Livres Lösegeld. Ich
-werde mich zeitlebens erinnern, daß ich ihn als Schirmherrn des
-Domkapitels und Ehrendomherrn der Kathedrale von Auxerre im Chor sitzen
-sah. Zu dem Zweck trug er ein Chorhemd über seinem Harnisch, einen
-Chorherrenmantel darüber und den Marschallstab von Frankreich in der
-Hand. Seine ehrwürdige Mutter, Alix von Bourbon-Montpeyroux[114], war
-die leibliche Nichte seines Vaters. Ja, Herr Graf, dieser ehrwürdige
-Marschall, Ihr Vorfahr, war mein Busenfreund, und seinen ältesten Sohn
-liebte ich wie meinen Augapfel. Sie wissen? Sein ältester Sohn, Johann
-III. von Beauvoir, Herr von Chastellux und Vicomte von Avallon, der
-die Tochter des Herrn von Aulnery geheiratet hatte. Ich sehe sie vor
-mir und versichere Ihnen, sie war im Jahre 1493 eine reizende Frau!
-Der junge Mann hatte nur einen Fehler, er war verschwenderisch wie ein
-Landsknecht, und wenn er in Ihren Wäldern von Coulanges und Baserne
-die hohen Bäume abholzen ließ, war sein Vater wütend auf ihn. Ja, der
-alte Marschall war knauserig! Ich entsinne mich: eines Tages zu Ostern
-wollte er seine Familie und seine Leute weiter fasten lassen, weil in
-seiner Küche eine große Menge Fische übrig geblieben war, die er zur
-Fastenwoche hatte fischen lassen.“
-
-„Verzeihen Sie, Sie verwechseln den Großvater mit dem Enkel“,
-entgegnete Graf Chastellux mit vornehmer Höflichkeit und größter
-Kaltblütigkeit. „Der Marschall war von prachtvoller Freigebigkeit.
-Philipp II. von Chastellux, sein Enkel, galt für -- sparsam.“
-
-Nun gab es einen chronologischen Disput und beiderseitige Zitate; der
-Abenteurer brauste auf, aber die Diskussion fiel durchaus zugunsten
-des Grafen von Chastellux und der Freigebigkeit seines Vorfahren, des
-Marschalls, aus. Man ließ zwei alte Bücher aus der Bibliothek holen und
-brachte zwei alte Spottverse von Alain Chartier und Saint-Gelais[115],
-die 92 Jahre auseinanderlagen, zum Beweise bei. Somit war erwiesen,
-daß der Graf von Saint-Germain nur ein ungeschickter und schlecht
-unterrichteter Schwindler war.
-
-Eine andere schöne Geschichte ist die des Prinzen von Craon, den
-Saint-Germain nicht von Angesicht kannte und der eines Tages im
-Hotel Uzès in eine große Gesellschaft hineinplatzte, wo besagter
-Saint-Germain seine Flausen gerade zum besten gab und man ihm mit
-offenem Munde zuhörte. Es war von Nicolas Flamel[116] und seiner Frau
-Perronelle, ihrem Lebenselixier und ihrem sympathischen Pulver die Rede.
-
-„Mein Gott!“ rief der Prinz von Craon, „wissen Sie denn nicht, was eben
-bei der Gräfin von Sennecterre geschehen ist?“
-
-„Was denn? Was denn?“ fragte Saint-Germain, der ihr für bare 200
-Louisdors ein Fläschchen seines Elixiers „überlassen“ hatte.
-
-„Denken Sie nur, mein Herr,“ entgegnete jener, „der Herr Graf
-Saint-Germain, ein guter Bekannter der Gräfin Sennecterre, hat ihr
-aus Großmut ein Fläschchen ätherischer Flüssigkeit geschenkt, das sie
-verjüngen sollte, wenn sie einen Tropfen mit 50 Jahren, zwei nach
-vollendeten 60 Jahren, vier mit 90 Jahren und so fort nahm. Sie wollte
-ihrem Gatten, der erst 71 Jahre alt ist, die Sache verheimlichen.
-Offenbar findet sie ihn noch zu jung.“
-
-„Keine spitzen Bemerkungen! Bitte zur Sache!“ rief die Herzogin von
-Uzès, die vor Ungeduld und Besorgnis umkam, da sie dasselbe Mittel
-eingenommen hatte.
-
-„Frau von Sennecterre hatte ihr kostbares Fläschchen einem Fräulein
-Jacoby anvertraut, einer alten, biederen und sorgsamen Person. Gestern
-ging Frau von Sennecterre auf einen Ball, und als sie um 5 Uhr morgens
-zurückkommt -- wen findet sie da, meine Damen? Ein kleines Mädchen
-von sieben bis acht Jahren, das auf allen Möbeln herumkletterte und
-wie ein Zicklein durch die Zimmer hüpfte. ‚Aber was ist denn das
-für ein dreistes kleines Ding, das da herumspringt? Wo sind meine
-Kammerfrauen?’ -- ‚Wie, Frau Gräfin,’ erwiderte das Mädchen mit heller,
-kecker, kichernder Stimme, ‚Sie erkennen Fräulein Jacoby nicht, die Sie
-seit Ihrem vierten Jahre erzogen hat? Das ist doch arg!’ -- ‚Aber wie
-ist denn das möglich?’ -- ‚Ach Gott, ich hatte Leibweh und wollte von
-dem Wasser des Herrn von Saint-Germain trinken. Es hat mich so prächtig
-kuriert! Und doch hab’ ich nur ein Schlückchen getrunken.’ -- ‚Das
-war wohl das mindeste, daß Sie mir ein paar Tropfen in dem Fläschchen
-übrig ließen’, sagte Frau von Sennecterre mit kaum verhehltem Ärger.
-‚Schicken Sie mir wenigstens die Julie zum Auskleiden. Wo ist denn
-Julie?’ -- ‚Da, Frau Gräfin’, sagte ihre alte Erzieherin und lachte
-wie närrisch. Damit wies sie auf ein kleines Kind von höchstens sechs
-bis acht Wochen, das auf dem Teppich saß und am Daumen lutschte. ‚Das
-ist Julie. Sie hat alles ausgetrunken, Frau Gräfin, und nun ist sie so
-verjüngt, daß man sie kaum mehr sieht.’“
-
-„Ich versichere Ihnen,“ fuhr der Prinz von Craon mit unerschütterlichem
-Ernst fort, „man muß bei der Verabreichung des Lebenselixiers sehr
-vorsichtig sein. Herr von Saint-Germain bringt uns in Gefahr, wieder
-zu Kindern zu werden, und hat man Prozesse zu führen oder Töchter zu
-verheiraten, so ist es nicht immer angebracht, zum Sabberlatz und
-Gängelband zurückzukehren. Also man kann nicht vorsichtig genug sein.“
-
-Herr von Saint-Germain hatte sich aus dem Staube gemacht, sobald er
-merkte, daß der Prinz von Craon ihn zum besten hielt. Seitdem machte
-sich jedermann über Saint-Germain lustig.
-
-
-
-
-AUS DEN „DENKWÜRDIGKEITEN ZUR GESCHICHTE DES GRAFEN CAGLIOSTRO“[117]
-
-
-Cagliostros Besuch bei Saint-Germain
-
-Eine Satire
-
-Sie (das Ehepaar Cagliostro) gehen nach Wien. Im Adel, in der
-Geistlichkeit und im Kaufmannsstand herrschte solche Unzufriedenheit,
-daß sie gleich weiterfahren und nach Holstein reisen. Dort hatte der
-berüchtigte Graf Saint-Germain sein Tabernakel errichtet[118]. Dieser
-große Mann genoß seit mehreren Jahren die Wonnen der Unsterblichkeit
-und bildete friedlich das Glück dreier Personen, die ihn mit Champagner
-und Ungarwein tränkten -- zum Dank für den Goldstrom, den er in ihr
-Land geleitet hatte.
-
-Graf Cagliostro bat ihn um eine Geheimaudienz, um sich vor dem Gott der
-Gläubigen niederzuwerfen. Saint-Germain gab ihm 2 Uhr nachts an.
-
-Als der Augenblick nahte, legten er und seine Frau eine weiße Tunika
-an, die ein aurorafarbener Gürtel zusammenhielt und stellten sich so
-im Schlosse ein. Die Zugbrücke senkte sich, ein sieben Fuß großer
-Mann in langem grauen Gewand führt sie in einen schlecht erleuchteten
-Saal. Plötzlich öffnet sich eine große Flügeltür, und ein von tausend
-Kerzen strahlender Tempel blendet ihre Blicke. Auf einem Altar saß der
-Graf; zu seinen Füßen hielten zwei Ministranten goldene Schalen, aus
-denen süße, sanfte Wohlgerüche emporquollen. Auf der Brust trug der
-Gott eine Diamantplatte von fast unerträglichem Glanze. Eine große,
-weiße, durchsichtige Gestalt hielt in ihren Händen eine Schale, auf der
-„Elixier der Unsterblichkeit“ stand. Etwas weiter erblickte man einen
-riesigen Spiegel, vor dem eine majestätische Gestalt auf und ab ging.
-Über dem Spiegel stand geschrieben: „Zuflucht der irrenden Seelen.“
-
-Düsteres Schweigen herrschte in dem heiligen Bezirk. Eine namenlose
-Stimme rief: „Wer seid Ihr? Woher kommt Ihr? Was wollt Ihr?“
-
-Da warf sich der Graf Cagliostro nebst der Marquise zu Boden, und nach
-ziemlich langem Schweigen stammelte er:
-
-„Ich komme, den Gott der Gläubigen, den Sohn der Natur, den
-Vater der Wahrheit anzurufen. Ich komme, ihn um eins der
-vierzehntausendsiebenhundert Geheimnisse zu bitten, die er im Busen
-trägt. Ich komme, um sein Knecht, sein Apostel, sein Märtyrer zu
-werden.“
-
-Der Gott gab keine Antwort. Doch nach ziemlich langem Schweigen erklang
-eine Stimme: „Was will Deine Gefährtin?“
-
-Sie antwortete: „Gehorchen und dienen.“
-
-Da folgte Finsternis auf die Nacht, Lärm auf die Stille, Furcht auf
-Vertrauen, Verwirrung auf Hoffnung, und eine schrille Stimme sagte
-drohend: „Wehe dem, der die Prüfungen nicht erträgt!“
-
-Der Graf und die Marquise wurden getrennt. Sie sah sich in ein Gemach
-eingeschlossen mit einem bleichen, hageren, Fratzen schneidenden
-Manne. Er erzählt ihr von seinem Glück auf Erden, seinen Schätzen,
-verliest ihr Briefe der größten Herrscher, und in plötzlicher Wendung
-fordert er ihr schließlich die Diamanten ab, die ihre Stirn schmücken.
-Entzückt, sie so leichten Kaufes los zu sein, entledigt sie sich ihrer
-schleunigst.
-
-Auf diesen ersten Prüfer folgte ein Mann in sehr unanständiger
-Kleidung. „Bedenken Sie, Frau,“ sagte er, „daß Sie Ihre Blicke stets
-auf mein Antlitz richten müssen.“ Der Mann war sehr schön und hatte
-die ausdrucksvollsten Augen. Alles war gefährlich: ihn anzuhören, ihn
-anzusehen oder die Blicke zu senken.
-
-Nach dieser peinlichen Viertelstunde kam eine Alte und sprach: „Ich
-allein kann Ihre Tugend erkennen. Die Prüfung, die Sie bestanden haben,
-besteht in der Feststellung, wie weit Ihre Sinne den Reizen kecker
-Jugend widerstehen können.“
-
-„Tun Sie, was Ihres Amtes ist“, sagte die Marquise.
-
-Die Alte tat es und übergab ihr dann ein Pergament; es war ein Patent
-des Widerstandes. Dann führte sie sie in einen großen Keller. Dort sah
-sie angekettete Männer, Frauen, die bis aufs Blut gepeitscht wurden,
-Scharfrichter, die Köpfe abschlugen, Menschen, die aus Giftbechern den
-Tod trinken mußten, glühende Eisen, Galgen mit Schandaufschriften.
-„Das“, sagte die Alte, „sind die Märtyrer unserer Kunst. So lohnen die
-Menschen, deren Glück wir uns weihen, unsere Gaben und unseren Eifer.“
-
-Die Marquise blickte ruhigen Auges die traurigen Opfer der angeblichen
-menschlichen Gerechtigkeit an und verriet nicht die geringste Bewegung.
-
-Die Prüfungen des Grafen waren anderer Art. Man versuchte ihn durch
-Lobsprüche zu ködern, zeigte ihm sein Weib in den Armen eines
-liebenswürdigen Mannes, um zu sehen, ob er aus Eifersucht in die
-lächerlichen Wallungen verfallen werde, die das Hirn der Ehemänner
-umnebeln. Schließlich las man ihm einen Abschnitt aus dem berühmten
-Buche der Zukunft vor, das die ihm bevorstehenden Verfolgungen enthielt.
-
-Nach dieser Zeremonie wurden sie in den Tempel zurückgeführt. Dort
-erklärte man ihnen, sie sollten zu den göttlichen Mysterien Zutritt
-erhalten, sobald die Wölbung von ihren Gelübden widerhallte. Ein Mann
-in langem, unter dem Arm gerafften Mantel ergriff das Wort und hielt
-diese Rede, die jeder Adept behalten muß, ohne sie niederschreiben zu
-dürfen:
-
-„Wisset, das große Geheimnis unserer Kunst ist, die Menschen zu
-regieren, und das einzige Mittel ist, nie die Wahrheit zu sagen.
-Richtet euch nie nach den Regeln des gesunden Verstandes; sprecht
-der Vernunft Hohn und bringt tapfer den größten Blödsinn zutage.
-Wenn ihr fühlt, daß diese großen Grundsätze nachlassen, so zieht
-euch zurück, geht in euch und durchwandert die Welt. Da werdet ihr
-sehen, daß der größte Blödsinn Anbetung findet. Die Torheiten kehren
-unter verschiedenen Namen wieder, aber sie sind ewig. Das Grab des
-heiligen Medardus[119] hat den Schatten des heiligen Petrus ersetzt,
-Mesmers[120] Zauberkasten den Teich des nazarenischen Philosophen[121].
-Gedenkt, daß die erste Triebfeder der Natur, der Staatskunst, der
-Gesellschaft die Fortzeugung ist, daß das Hirngespinst der Sterblichen
-die Unsterblichkeit und die Kenntnis der Zukunft ist, selbst wenn sie
-die Gegenwart nicht kennen, daß sie Geist sein wollen, wo doch sie
-selbst und alles, was sie umgibt, Stoff ist.“
-
-Nach dieser Ansprache verneigte sich der Redner vor dem Gott der
-Gläubigen und verschwand. Dann traten zwei junge Mädchen vor und
-entkleideten den Grafen, während drei junge Männer bei der Marquise
-die gleiche Zeremonie erfüllten. Als sie im Naturzustand waren, sprach
-die schon vernommene Stimme: „Nun wird dem einen die kostbare Gabe der
-Kraft und der anderen die noch köstlichere der Schönheit verliehen.“
-
-Im selben Augenblick packte der sieben Fuß große Mann die Marquise an
-einem Beine, gebot ihr, ihre Hand auf seine Nase zu legen, und trug
-sie vor den Gott der Gläubigen. Der bedeckte ihren schönen Leib mit
-Wohlgerüchen und salbte ihr mit rosenfarbenem Öl die Partie zwischen
-den Lippen, die Rosenknospen ihres Busens, den Nabel und die Schenkel.
-Dann flüsterte er ihr etwas ins Ohr, und der sieben Fuß große Mann trug
-sie in eine anstoßende Kapelle.
-
-„Hier werdet Ihr die Weihe vollenden,“ sprach er, „und unsere heiligen
-Mysterien mit dem großen Werk der Natur krönen. Indes stehen Euch
-die Mittel frei, und sofern unser beider Wesen sich verschmelzen und
-Zuflucht in dieser Kapelle finden kann, braucht Ihr Euch nicht den
-gewöhnlichen Formen zu unterwerfen.“
-
-[Illustration:
-
- De l’Ami des Humains reconnoisses les traits,
- Tous ses jours sont marqués de nouveaux bienfaits,
- Il prolonge la Vie, il secourt l’indigence,
- Le plaisir d’être utile est seul la récompense.
-
-Cagliostro
-
-Stich von Charles Guérin]
-
-„Als ich den Fuß in diesen hehren Bezirk setzte,“ entgegnete die
-Marquise, „habe ich jeglichen Willen abgelegt. Wenn Ihr aber wollt, daß
-die Begierde dem Opfer vorangeht und es herbeiführt, so laßt mich ein
-Weilchen zu Atem kommen und sagt mir, unter wessen Messer ich fallen
-soll?“
-
-„Gern,“ sprach er, „obwohl dies eigentlich nicht der Augenblick zu
-langem Gerede ist. Von zartester Jugend auf zu Großem berufen, habe
-ich mich bemüht, zu erkennen, worin der wahre Ruhm besteht. Die
-Staatskunst dünkte mich nur eine Kunst des Betruges, die Kriegskunst
-nur die Kunst des Mordens, die Philosophie nur ein dünkelhafter Wahn,
-Unsinn zu reden, die Naturwissenschaft nur ein schöner Traum über
-die Natur und ein fortwährendes Irren des Menschen in unbekannten
-Ländern, die Theologie nur eine Kenntnis des Elends, zu dem der
-menschliche Hochmut führt, die Geschichte nur ein trauriges, eintöniges
-Studium von Verirrungen und Niedertrachten. Daraus schloß ich, daß
-der Staatsmann nur ein geschickter Lügner ist, der Kriegsheld ein
-erhabener Narr, der Philosoph ein Sonderling, der Naturforscher ein
-beklagenswerter Blinder, der Theologe ein Lehrer des Fanatismus und der
-Geschichtschreiber ein Wortkrämer. Ich hörte vom Gott dieses Tempels
-sprechen; ich schüttete in seinen Busen meinen Kummer, meine Zweifel,
-meine Wünsche aus. Er bemächtigte sich meiner Seele, bildete sie und
-ließ mir alle Dinge in neuem Lichte erscheinen. Fortan begann ich
-in der Zukunft zu lesen, und diese so beschränkte, so enge, so öde
-Welt weitete sich. Ich lebte nicht nur mit den Gegenwärtigen, sondern
-auch mit den Toten. Da ich jung und leidenschaftlich war, brachte er
-mich mit den schönsten Frauen des Altertums zusammen. Ich lebte mit
-Aspasia, mit Leontion[122], mit Sappho, Faustina[123], Semiramis und
-Irene[124], von denen man so viel gesprochen hat. Ich fand es sehr
-hold, alles zu wissen, ohne etwas zu lernen, über die Schätze der
-Welt zu verfügen, ohne die Könige darum anzubetteln, den Elementen
-zu gebieten, statt den Menschen. Der Himmel schuf mich freigebig,
-jetzt kann ich meine Neigung befriedigen: alles, was mich umgibt, ist
-reich. Dieser Augenblick beweist das eben Gesagte. Ihr seid zweifellos
-eines der schönsten Weiber auf Erden, ich halte Euch in meinen Armen,
-und wenn Ihr darauf achtgeben wollt, werdet Ihr merken, daß die
-Wollust, auf die bei gewöhnlichen Sterblichen Ermattung folgt, ebenso
-unsterblich ist wie der Gott, der mir diese Gabe verlieh.“
-
-Hier unterbrach sich der Redner, in der Annahme, auch einmal etwas
-beweisen zu müssen und den Glauben der Eingeweihten nicht auf eine zu
-harte Probe zu stellen. Er bewies also die Macht des ihn beseelenden
-Gottes mit unwiderstehlicher Tatkraft.
-
-Mittlerweile wurde der Graf Cagliostro in ein anderes Mysterium
-eingeweiht. Man gab ihm zu bedenken, daß die angenehmsten Dinge keine
-Eintönigkeit ertrügen, daß das gebildeteste Volk der Welt die Griechen,
-der weiseste Sterbliche Sokrates gewesen sei, daß der liebenswürdigste
-Mann Alkibiades geheißen habe, daß das frömmste Volk die Italiener
-seien und daß er in seiner bevorstehenden Laufbahn jene Gefügigkeit
-haben müsse, die sich allen Gelüsten hingibt. Es war Antinous, der so
-den Demosthenes spielte. Der Graf unterwarf sich und wurde wie Cäsar
-behandelt.
-
-Nachdem man sich wieder angekleidet, beschloß ein prächtiges Mahl die
-Zeremonie. Im Laufe des Festes erfuhren sie, daß das Lebenselixier nur
-aus Tokaier bestand, der je nach Bedarf rot oder grün gefärbt sei, daß
-sie Leute von Geist fliehen, verabscheuen und verleumden, Dummköpfe
-umschmeicheln, lieben und verblenden müßten, daß sie geheimnisvoll
-verbreiten sollten, Saint-Germain sei 500 Jahre alt, daß sie Gold und
-Tee machen und vor allem die Leute anführen sollten.
-
-Mit diesen Weisungen reisten die etwas ausgerenkte Marquise und der
-etwas beschädigte Graf nach Petersburg, wo sie sich als Heilkünstler
-ausgaben.
-
-
-Charakteristik des Grafen Saint-Germain[125]
-
-Der vor einigen Jahren verstorbene und schon vergessene Graf
-Saint-Germain war ein ernsthafter Narr. Er besaß wenig Geist, einige
-chemische Kenntnisse, war für einen Schwindler nicht unverschämt
-genug, für einen Fanatiker nicht beredt genug und besaß nicht die
-Verführungskunst, um Halbwissende zu bestechen. In Chambéry bot er dem
-Marschall von Bellegarde seine Chemie an. Sie begannen zu schmelzen,
-doch der Schmelztiegel lieferte einen Stoff, der zwar Farbe und
-Gewicht, nicht aber die Dehnbarkeit des Goldes besaß. Diese Versuche
-fanden auf einem Landgute statt, wo der Graf binnen sieben Monaten
-dreimal Vater wurde. Das Geld schmolz zusammen, er hatte überall
-Schulden, und man riet ihm, abzureisen. In Paris das gleiche Spiel. Er
-hatte sich mit einem berühmten Gauner zusammengetan, einem früheren
-Spion des Marschalls Belle-Isle[126], der sich seitdem nach Bercy[127]
-zurückgezogen hatte, wo er das Ludwigskreuz auf einem zerlumpten Anzug
-und das Henkermal auf dem Rücken trug. Sie machten zusammen Vitriolöl.
-Das war der Vorwand zum Goldmachen. Sie verzankten und schlugen sich.
-Der Graf zog den kürzeren und verließ eine Stadt, die ihre Arme allen
-Betrügern öffnet.
-
-
-Kritik der „Charakteristik“ von Meister[128]
-
- November 1785.
-
-Diese Schilderung ist in vieler Hinsicht falsch. Der Graf von
-Saint-Germain machte auf alle, die ihn kennen lernten, den Eindruck
-eines sehr geistvollen Mannes. Er besaß jene natürliche Beredtsamkeit,
-die mehr als alles andere besticht. Er besaß so große Kenntnisse in
-der Chemie und Geschichte wie wenige. Er besaß die Gabe, das Gespräch
-auf die bedeutsamsten Ereignisse der alten Geschichte zu bringen und
-von ihnen zu erzählen wie von einer Tagesneuigkeit, mit den gleichen
-Einzelheiten, in der gleichen fesselnden Art und mit der gleichen
-Lebhaftigkeit.
-
-
-Saint-Germain und Cagliostro[129]
-
-„Ungeachtet aller seiner Talente und Geistesgaben verließ diesen
-Wundermann (Saint-Germain) sein Hang zum Wunderbaren nie, und er
-wußte davon gar klüglich Nutzen zu ziehen; denn seine sogenannten
-_arcana_ verkaufte er sehr teuer. Übrigens wurde er Stifter geheimer
-Gesellschaften und initiierte mit vielem Gepränge und Aufwand.
-Selbst den bekannten Abenteurer Cagliostro soll er in einen solchen
-mystischen Isisorden aufgenommen haben, und man muß gestehen, daß (die
-Gelehrsamkeit ausgenommen) Saint-Germain an ihm ein seinen geheimen
-Absichten vollkommen entsprechendes Mitglied fand.“
-
-
-
-
-GRAF SAINT-GERMAIN[130]
-
-
-Hat der Graf Saint-Germain, der so kräftig beschützt worden ist, etwas
-anderes getan, als Guillaume Postel[131] nachzuahmen, der den Sparren
-hatte, sich für älter auszugeben, als er war? Um seinen Bekannten etwas
-vorzumachen, schminkte er sich, färbte sich die Haare schwarz und
-nannte sich demgemäß _Postellus restitutus_. Wie seine Nachfolger
-versicherte Postel, der Engel Resiel hätte ihm göttliche Geheimnisse
-offenbart. Was sagen heute die zurückhaltendsten Biographen von ihm?
-„Er hätte den Wissenschaften zur Zierde gereicht, hätte er nicht
-infolge seiner Vertiefung in die Rabbiner und der Beobachtung der
-Gestirne den Kopf verloren“ ...
-
-Nachdem Saint-Germain in dreißig Städten Ärgernis erregt und
-zweihundert Neulinge in der Chemie angeführt hat, trifft er einen
-freigebigen und feinfühligen Großen[132] und nimmt sich vor, seine
-Gaukeleien mit ihm zu beschließen. Er sagt folgendes zu ihm: „Seit
-fast 80 Jahren (er war damals 77 Jahre alt) suche ich einen Menschen,
-einen Menschen, den ich zum auserwählten Gefäß machen kann, das den
-himmlischen Tau aufnimmt, den ich im Gelobten Lande gesammelt habe.
-Er darf nichts wissen und muß zu allem befähigt sein. An Stelle der
-alten Kenntnisse muß ich seinen Geist mit neuem Wissen erfüllen. Licht
-und Finsternis, Reines und Unreines, Gott und Mensch können nicht
-beieinander wohnen. Ich selbst kenne Sie wenig, aber ich weiß viel
-von Ihnen durch die, welche Sie nicht kennen, aber eines Tages kennen
-werden. In Ihre reine Seele hat der Himmel die Keime aller guten
-Eigenschaften gelegt; lassen Sie mich sie entwickeln! Werden Sie das
-himmlische Behältnis für die überirdischen Wahrheiten. Sie sind zum
-Herrscher über große Reiche bestimmt oder werden dazu berufen werden.
-Schenken Sie Ihre Fürsorge und Ihren Geist den Menschen, aber widmen
-Sie Ihre Zeit und Ihr Forschen dem höchsten Meister. Im Alter von 27
-Jahren werden Sie binnen wenigen Monaten 90 Jahre alt sein. Ich werde
-für Sie sorgen, wirken, schaffen. Als Wunder für die übrige Menschheit
-werden Sie doch in Gottes Augen nichts tun, wenn Sie sich begnügen,
-das Licht eines Planeten zu sein. Als Träger der erstaunlichsten
-Geheimnisse können Sie dem Lauf der Gestirne Halt gebieten und in Ihren
-Händen das Schicksal von großen Reichen halten. Aber das Wissen ist
-nur dann ein Schatz, wenn der, welcher es lehrt, auch die Anwendung
-überwacht.“
-
-Erstaunt, ein Genie zu sein, entzückt, ein Wunderwesen zu werden,
-außer sich bei dem Gedanken, daß er Europa regieren wird, schlägt der
-Große die Augen nieder, wirft sich zu Boden und steht wieder auf,
-um ein des Wundermannes würdiges Schloß zu erbauen. Als dieser gut
-untergebracht war, begannen die Zurüstungen, und der große Tag wurde
-festgesetzt. Welche Geheimnisse sah man nun erblühen? Die Kunst, dem
-Kupfer mehr Glanz und Biegsamkeit zu geben, die Kunst, Edelsteine
-von Flecken zu befreien, zwei Wunder, die drei deutsche Chemiker in
-ihren gelehrten Vorträgen gelehrt haben. Was sah man weiter? Ein
-Purgiermittel, das jeder Apotheker herstellt und dem Volke verkauft,
-eine Menge von Flüssigkeiten, deren geheimes Herstellungsverfahren
-schon mehrere Fabrikanten in Frankreich und Italien gekauft hatten.
-Im übrigen bewegten sich die Gestirne wie vorher, Europa erfuhr
-keinerlei Umwälzung, und selbst das kleinste Ländchen lehnte die ihm
-zugedachte politische Medizin hartnäckig ab. Man lebte jahrelang von
-Versprechungen; nichts ereignete sich; man ertappte den Gott sogar
-bei sehr menschlichen Verrichtungen. Nie wurden die Augen aufgetan;
-und noch beim Begräbnis des Propheten glaubte man an seine wunderbare
-Himmelfahrt.
-
-
-Charakteristik des Grafen Saint-Germain
-
-(von dem anonymen Übersetzer)
-
-Saint-Germain, _Welldone_, oder unter was für mehr Namen er hier und
-dort gewallet haben mag, war unleugbar ein Scharlatan, nachdem er lange
-genug _Aventurier_ gewesen war. Von einem Manne, der sich so weit und
-breit in der Welt herumgetrieben hat, ist es höchstwahrscheinlich,
-daß er auch mit einer oder mehr geheimen Gesellschaften in Bündnis
-getreten sei. Aber Schwärmer war er gewiß nicht, am wenigsten ein
-religiöser. Eben den hellen Kopf, den man in des Grafen von Lambergs
-„_Mondain_“[133] an Saint-Germain wahrnimmt, behielt er bis an
-sein Ende. Als ein Mensch, der mit aufmerksamen Augen und Ohren
-die Welt durchreiset war, ein gutes Gedächtnis und die Gabe eines
-interessanten Vortrags hatte, war er ein guter Gesellschafter und
-unterhaltender Tischgenosse, dessen Anekdotenvorrat unerschöpflich
-schien. Und Tischgenossen von guter Unterhaltung (ich rede ganz
-ernsthaft) sind seltener und gesuchter als die von bloß gutem Appetit.
-Aber Saint-Germain hatte auf seinen Reisen nicht bloß nach Anekdoten
-gehascht; er hatte außer einigen andern, vielleicht zweideutigeren,
-auch wirklich nützliche _Arcana_ gesammelt, die ihn einem wohltätigen
-Patrioten eines Landes, das rohe Produkte ausführt und solche
-verarbeitet von Fremden wiederkauft, weil es ihm noch an Manufakturen
-und Fabriken fehlt, sehr willkommen machen mußten, und die ihm auch
-wirklich an manchem Orte eine beneidete, gute Aufnahme erwarben.
-Freilich mochte er oft mehr von sich erwarten lassen, als er zu leisten
-imstande war. Aber kann ein Mann, der gut gekleidet, mit einigen
-kostbaren _Nippes_ in Gesellschaften erscheint, dafür, wenn man ihn
-für reicher hält, als er wirklich ist? Oder ist es meine Pflicht,
-jedermann, von dem ich nichts borgen will, den genauen Zustand meines
-Vermögens anzugeben? Was hat man nicht alles von Wunderessenzen, die
-Menschen zu verjüngen, von Universalarzneien gegen alle Krankheiten
-und Tod, ja von dem mehr als Methusalemischen Alter dieses sonderbaren
-Abenteurers, das er sich beilegen sollte, erzählt und fast allgemein
-geglaubt! Aber ist ein Märchen deswegen auch schon wahr, weil man es
-allgemein erzählt und fast durchgängig glaubt? Daß mich der Himmel
-davor behüte, der Verteidiger oder Lobredner irgendeines Scharlatans zu
-werden! Ich gestehe vielmehr offenherzig, daß ich jeden Geheimniskrämer
-wegen verbotener Absicht auf anderer Beutel in Verdacht habe. Aber
-es tut mir weh, wenn ich sehe, daß man einen Namen wie Saint-Germain,
-ohne irgendeinen ersichtlichen Zusammenhang mit der Materie, mit
-Gewalt herbeizieht (denn von Scharlatans ist ja nicht die Rede,
-sondern von einer für die bürgerliche Gesellschaft höchst schädlichen,
-theosophisch-magischen und nach Universalmonarchie strebenden
-Sekte[134]), um durch den Beisatz: „_der so kräftig beschützt worden_“,
-ein falsches Licht auf eine Person zu werfen, die, wenn sie auch aller
-öffentlichen, der Ordnung der Staaten gemäß, Respekt fordernden Würden
-entkleidet wäre, durch ihre höchst edle Art zu denken und zu handeln
-die Verehrung und selbst Liebe aller rechtschaffenen Menschen verdient.
-
-Es tut mir weh, zu sehen, daß sich ein Mann es anmaßet, die Menschheit
-gegen eine geheime Sekte, die er weder zu nennen noch deutlich
-zu bezeichnen wagt, zu warnen, der sich solche mutwillige (wer
-einigermaßen starke Ausdrücke liebte, würde sagen: pasquillenhafte)
-Ausfälle auf wirklich edle Menschen erlaubt und also dadurch, daß
-er mit solchen Stellen, wie diese und einige andere in seinem
-Buche, tiefen Unwillen erweckt, seine Absicht verdächtig, seine mit
-unterlaufenden Wahrheiten zweifelhaft macht und sonach das, was er
-sonst Gutes gewirkt haben könnte, vereitelt.
-
-
-Kritik der „Charakteristik“[135]
-
-Rezensent stößt hier auf eine Note, wo der Übersetzer dem Verfasser
-wirklich unrecht tut. Der Verfasser vergleicht nämlich den
-berüchtigten Saint-Germain mit einem älteren Narren und bedient sich
-bei dieser Gelegenheit der Worte: „_Saint-Germain, der so kräftig
-beschützt worden ist_.“ Dies bringt den Übersetzer in eine Wärme,
-welche sich die meisten Leser schwerlich werden erklären können. Dabei
-verteidigt er den Saint-Germain, nennt ihn einen hellen Kopf und möchte
-die Leser gern überreden, daß er gar der Mann nicht gewesen sei, den
-man in eine solche Parallele stellen sollte. Rezensent, der Gelegenheit
-gehabt hat, von dem Manne, dessen sich hier der Übersetzer so warm
-annimmt, sehr authentische Nachrichten zu erhalten, muß hier aber
-demselben widersprechen.
-
-Saint-Germain war nichts weniger als ein heller Kopf, wie schon der
-einzige Umstand beweisen kann, daß er noch auf seinem Totenbette
-verjüngt zu werden hoffte und andern versicherte, daß das, was
-Auflösung war, Vorbereitung zu seiner bevorstehenden Verjüngung sei.
-
-Andere Umstände läßt Rezensent hier unberührt, weil sie nicht hierher
-gehören. Besser hätte indessen der Übersetzer getan, er hätte seine
-Note zu Saint-Germains Rechtfertigung weggelassen; denn sie erregt auch
-gegen seine Aufrichtigkeit nicht unbegründeten Verdacht.
-
-
-
-
-ZWEITER TEIL
-
-URKUNDEN ZUR LEBENSGESCHICHTE DES GRAFEN SAINT-GERMAIN
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN LONDON (1743-1745)
-
-
-I
-
-Aus dem Briefwechsel von Horace Walpole[136]
-
-
-Horace Walpole an den Ritter Man[137]
-
- 9. Dezember 1745.
-
-Wir beginnen Volk aufzugreifen[138], aber so vorsichtig und zaghaft,
-wie Frauen von Stand, die zum erstenmal ihre Juwelen versetzen. Wir
-haben noch keinen großen Schlag gewagt. Der Propst von Edinburg ist in
-polizeilichem Gewahrsam. Kürzlich wurde ein Narr verhaftet, der unter
-dem Namen Graf Saint-Germain lebt. Er ist zwei Jahre hier gewesen und
-will nicht sagen, wer und woher er ist. Aber zwei ganz wundervolle
-Sachen gibt er zu, erstens, daß er nicht unter seinem richtigen Namen
-lebt, und zweitens, daß er nie mit einem weiblichen Wesen etwas zu tun
-gehabt hat... Er singt, spielt wundervoll Violine, komponiert, ist
-verdreht und nicht sehr feinfühlig. Er soll Italiener, Spanier oder
-Pole sein; ein hergelaufener Mensch, der in Mexiko durch Heirat zu
-großem Vermögen kam und mit den Juwelen seiner Frau nach Konstantinopel
-durchbrannte; ein Priester, ein Fiedler, ein vornehmer Mann. Der Prinz
-von Wales[139] war unbändig neugierig auf ihn, doch umsonst. Indes
-ist nichts gegen ihn geschehen. Er ist freigelassen, und -- was mich
-überzeugt, daß er kein Edelmann ist -- er bleibt hier und behauptet, er
-sei als Spion verhaftet worden.
-
-
-Horace Walpole an John Chute[140]
-
- Paris (8. Januar 1766).
-
-Ich will nichts mit den französischen „Gelehrten“ und Philosophen zu
-schaffen haben und beneide Euch nicht gerade um Rousseau[141]. Er ist
-eben solch ein „Scharlatan“ wie Graf Saint-Germain, der sich selbst zu
-einem wunderlichen Menschenkinde stempelt und von sich reden macht ...
-So sehr ich seine Fähigkeiten bewundere, habe ich doch erkannt, daß
-weder er noch irgendein „Genius“ genügend gesunden Menschenverstand
-besitzen, um der Maßlosigkeit ihrer Ansprüche die Wage zu halten. Sie
-hassen die Priester, können aber doch die Kirche nicht entbehren. Aus
-diesem Grunde ziehe ich ihre Lektüre ihrer persönlichen Bekanntschaft
-vor.
-
-
-II
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-+Aus+: „_The London Chronicle_“[142]
-
- 13.-15. Mai 1760.
-
-Mittwoch, 14. Mai. Wie der Herausgeber der „_Gazette de
-Bruxelles_“[143] uns erzählt, ist der hier kürzlich aus Holland
-angekommene sogenannte Graf von Saint-Germain 1712 in Italien geboren.
-Er spricht ebenso geläufig deutsch und französisch wie italienisch
-und drückt sich auf englisch recht gut aus. Er ist in allen Künsten
-und Wissenschaften bewandert, ein guter Chemiker, Musikvirtuose und
-zugleich ein sehr angenehmer Gesellschafter.
-
-Im Jahre 1745 kam er in England in eine sehr schlimme Lage. Ein Mann,
-der wegen einer Liebesgeschichte eifersüchtig auf ihn war, steckte
-ihm einen falschen Brief des jungen Prätendenten[144] in die Tasche
-(worin dieser ihm für seine Nachrichten dankte und ihn bat, damit
-fortzufahren), dann ließ er ihn sofort verhaften. Da die Untersuchung
-seine völlige Unschuld ergab, wurde er in Freiheit gesetzt und von
-Lord H... zu Tisch eingeladen. Wer ihn kennt (sagt Herr Maubert), wird
-sich ärgern, zu hören, daß er sich die Ungnade des Allerchristlichsten
-Königs[145] zugezogen hat.
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN FRANKREICH
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-I. Aus Casanovas „Memoiren“[146]
-
- (1757)
-
-Die angenehmste Mahlzeit, die ich (bei der Marquise von Urfé)[147]
-einnahm, war in Gesellschaft der Frau von Gergy[148], die den berühmten
-Abenteurer mitbrachte, der als Graf Saint-Germain bekannt ist. Statt
-zu essen, sprach er vom Anfang bis zum Ende des Mahles, und ich machte
-es beinahe ebenso, indem ich ihm mit größter Aufmerksamkeit zuhörte.
-Allerdings konnte man kaum besser sprechen als er.
-
-Saint-Germain gab sich für einen Wundermann aus. Er wollte verblüffen,
-und das gelang ihm oft. Sein Ton war bestimmt, aber so einstudiert, daß
-er nicht mißfiel. Er war gelehrt, beherrschte die meisten Sprachen,
-war ein großer Musiker und Chemiker, hatte ein angenehmes Gesicht und
-verstand alle Frauen zu kirren; denn er gab ihnen zugleich Schminken
-und Schönheitsmittel und schmeichelte ihnen mit der Hoffnung, nicht,
-sie zu verjüngen -- denn er war so bescheiden, zu gestehen, daß er
-dies nicht vermöchte --, wohl aber, sie in ihrem jetzigen Zustande zu
-erhalten, und zwar mittels eines Wassers, das er ihnen schenkte, obwohl
-es ihm selbst, wie er sagte, viel Geld kostete.
-
-Er hatte die Gunst der Frau von Pompadour zu erlangen gewußt, die ihm
-eine Unterredung mit dem Könige verschaffte, und diesem hatte er ein
-hübsches Laboratorium eingerichtet. Denn der liebenswürdige Monarch,
-der sich überall langweilte, glaubte etwas Unterhaltung oder doch
-Zerstreuung beim Herstellen von Farben zu finden. Der König hatte ihm
-eine Wohnung im Schlosse Chambord angewiesen und ihm 100000 Franken zum
-Bau eines Laboratoriums gegeben. Wie Saint-Germain behauptete, wollte
-der König durch seine chemischen Produkte die französischen Fabriken in
-Blüte bringen.
-
-Dieser eigentümliche Mann, der zum Betrüger großen Stiles geschaffen
-war, sagte in selbstgewissem Ton und gleichsam beiläufig, er sei
-dreihundert Jahre alt, besitze das Allheilmittel, mache mit der Natur,
-was er wolle, besitze das Geheimnis, Diamanten zu schmelzen und aus
-zehn bis zwölf kleinen einen großen von reinstem Wasser zu machen,
-ohne daß ein Gewichtsverlust einträte. Alle diese Operationen waren
-für ihn ein Kinderspiel. Trotz seiner Aufschneidereien, offenkundigen
-Lügen und maßlosen Wunderlichkeiten brachte ich es doch nicht über
-mich, ihn unverschämt zu finden. Achtbar fand ich ihn auch nicht, aber
-unwillkürlich und fast unbewußt fand ich ihn verblüffend; denn er
-verblüffte mich ...
-
-Der seltsame Mann erschien oft in den besten Häusern der Hauptstadt zum
-Diner, rührte aber keinen Bissen an und behauptete, sein Leben hinge
-von seiner Ernährungsweise ab, die niemand außer ihm kennen könne. Mit
-dieser Wunderlichkeit fand man sich ab, denn man war nur auf seine
-Erzählerkunst erpicht, die ihn tatsächlich zur Seele aller von ihm
-besuchten Gesellschaften machte.
-
-
- (Februar 1758)
-
-Zu Tisch erschien Saint-Germain, aber wie stets aß er nicht, sondern
-redete nur. Mit unerschütterlicher Sicherheit erzählte er unglaubliche
-Dinge, und man mußte so tun, als ob man sie glaubte; denn er war stets
-Augenzeuge oder Held der Geschichte gewesen. Nur als er etwas erzählte,
-das ihm begegnet war, als er mit den Vätern des Konzils von Trient[149]
-speiste, mußte ich lachen.
-
-Frau von Urfé trug am Halse als Schmuckstück einen großen Magneten.
-Eines Tages, so behauptete sie, würde dieser Magnet den Blitz anziehen,
-und sie würde auf diese Weise zur Sonne aufsteigen. Der berühmte
-Schwindler versicherte ihr sofort, die Sache sei unfehlbar, aber er
-allein besäße die Macht, den Magneten ums Tausendfache zu verstärken.
-Ich entgegnete ihm kalt, ich wollte um 20000 Thaler wetten, daß er ihn
-nicht einmal um das Doppelte verstärken könne. Frau von Urfé legte
-sich ins Mittel, um die Wette zu verhindern, und nach Tisch sagte sie
-mir unter vier Augen, ich hätte sie verloren; denn Saint-Germain sei
-Magier. Man kann sich wohl denken, daß ich ihr recht gab.
-
-Ein paar Tage darauf reiste der angebliche Magier nach Chambord, wo
-der König ihm eine Wohnung und 100000 Franken angewiesen hatte, um
-in voller Freiheit an seinen Farben arbeiten zu können, mit denen er
-den französischen Tuchfabriken den Vorrang vor denen aller anderen
-Länder sichern wollte. Saint-Germain hatte den König dadurch bestrickt,
-daß er ihm in Trianon ein Laboratorium einrichtete, in dem er sich
-bisweilen die Zeit vertrieb, so gering auch seine chemischen Kenntnisse
-waren. Aber der König langweilte sich überall, außer auf der Jagd: der
-Hirschpark betäubte ihn nur und stumpfte ihn immer mehr ab.
-
-Die gefällige Marquise hatte den Adepten dem König zugeführt, in der
-Hoffnung, ihm die Langeweile zu vertreiben, indem sie ihm Geschmack für
-die Chemie beibrachte. Zudem glaubte die Pompadour, von Saint-Germain
-das Lebenselixier bekommen zu haben, und so wollte sie ihm einen großen
-Vorteil verschaffen. Dies Wunderwasser, das man genau in der von dem
-Schwindler vorgeschriebenen Dosis einnehmen mußte, besaß nicht die
-Kraft, den Menschen zu verjüngen -- er gab zu, daß dies unmöglich war
---, sondern nur die, ihn für mehrere Jahrhunderte nicht altern zu
-lassen. Tatsächlich hatte dies Wasser -- oder sein Erfinder -- wo nicht
-auf den Körper, so doch auf den Geist der berühmten Frau gewirkt: sie
-hatte dem König versichert, daß sie nicht altere.
-
-Auch der König war ganz im Banne des Betrügers; eines Tages zeigte er
-dem Herzog von Zweibrücken[150] einen zwölfkarätigen Diamanten von
-reinstem Wasser, den er selbst gemacht zu haben wähnte. „Ich habe
-24 Karat kleinere Diamanten geschmolzen,“ sagte Ludwig XV., „daraus
-erhielt ich diesen, der durch Schleifen auf 12 Karat verkleinert ist.“
-Infolge dieser Voreingenommenheit hatte der König jenem berühmten
-Abenteurer den früheren Wohnsitz des Marschalls von Sachsen[151]
-angewiesen. Ich habe diese Anekdote vom Herzog von Zweibrücken selbst
-gehört, als ich in Metz mit ihm und dem schwedischen Grafen Lewenhaupt
-speiste.
-
-Ferner erzählt Casanova in seiner Schrift „Monolog eines Denkers“, S.
-34 f. (Prag 1784):
-
-Der unlängst in Schleswig verstorbene Saint-Germain war niemand anders
-als der Geigenspieler _Catalani_. Er war groß unter dem Namen eines
-_Marquis de la croix noire_ in England, wunderbar unter dem Namen eines
-Grafen _Saint-Germain_ in Frankreich und Spanien, und einzig unter dem
-eines Grafen _Belmar_ in Italien. Was war das für ein Mensch! Selbst
-von ihm angeführt zu werden, gereichte nicht zur Unehre. Sein Gesicht
-war angenehm, vornehm sein Auftreten. Er war ein guter Erzähler, wenn
-er auch manchmal aufschnitt, sprach alle Sprachen gut. Dazu war er
-ein großer Chemiker, ein großer Musiker, besaß die Formen der guten
-Gesellschaft, zeigte sich selten, war zurückhaltend, höflich, witzig,
-geistvoll -- kurz, er war von solcher Art, daß selbst die, die auf
-ihn hereingefallen waren, es ohne Erröten zugaben. König Ludwig XV.,
-der sich, wo er auch war, langweilte, fand Zeitvertreib in dem von
-Saint-Germain ihm eingerichteten Laboratorium. Er gab ihm eine Wohnung
-im Schloß Chambord und 100000 Franken.
-
-
-II. Aus den „Denkwürdigkeiten“ der Madame du Hausset[152].
-
-Bei Frau von Pompadour verkehrte oft ein Mann, der einer Zauberin kaum
-etwas nachgab. Das war der Graf Saint-Germain, der glauben machen
-wollte, daß er mehrere Jahrhunderte alt war.
-
-Eines Tages fragte Madame ihn in meiner Gegenwart bei der Toilette:
-„Wie sah Franz I.[153] aus? Das war ein König, den ich geliebt
-hätte.“ -- „Er war auch sehr liebenswert“, versetzte Saint-Germain.
-Dann schilderte er seine Gesichtszüge und seine ganze Erscheinung wie
-bei einem, den man sich genau angesehen hat. „Leider war er nur zu
-hitzig. Ich hätte ihm gern einen trefflichen Rat gegeben, der ihn vor
-all seinem Unglück bewahrt hätte, aber er hätte ihn nicht befolgt;
-denn es scheint ein Verhängnis über den Fürsten zu walten, die ihre
-Ohren -- die Ohren des Geistes -- den besten Ratschlägen verschließen,
-besonders in kritischen Augenblicken.“ -- „Und was sagen Sie von dem
-_Connétable_[154]?“ fragte Madame. -- „Ich kann weder allzu Gutes noch
-allzu Schlechtes von ihm sagen“, entgegnete er. -- „War der Hof Franz’
-I. sehr schön?“ -- „Sehr schön, aber der seiner Enkel[155] übertraf
-ihn unendlich. Zur Zeit der Maria Stuart[156] und der Margarete von
-Valois[157] war er ein Zauberland, der Tempel der Genüsse, auch der
-geistigen. Beide Königinnen waren gelehrt, sie machten Verse, und ihnen
-zuzuhören, war ein Genuß.“ Lachend versetzte Madame: „Wie es scheint,
-haben Sie das alles gesehen.“ -- „Mein Gedächtnis ist stark,“ sagte er,
-„und ich habe die französische Geschichte eingehend studiert. Bisweilen
-erlaube ich mir den Spaß, die Leute zwar nicht glauben zu _machen_,
-aber glauben zu _lassen_, daß ich in den ältesten Zeiten gelebt habe.“
--- „Aber schließlich sagen Sie doch nicht, wie alt Sie sind, und Sie
-geben sich für sehr alt aus. Die Gräfin von Gergy, die vor 50 Jahren
-Botschafterin war, ich glaube in Venedig[158], behauptet, Sie so
-gekannt zu haben, wie Sie jetzt sind.“ -- „Allerdings Madame, habe ich
-die Gräfin von Gergy vor langer Zeit kennen gelernt.“ -- „Aber nach
-dem, was sie sagt, müßten Sie jetzt über 100 Jahre alt sein.“ -- „Das
-ist nicht unmöglich,“ sagte er lachend, „aber wie ich zugebe, ist es
-noch möglicher, daß die verehrte Dame Unsinn redet.“ -- „Sie behauptet,
-Sie hätten ihr ein Elixier von wunderbarer Wirkung gegeben. Sie hätte
-infolgedessen lange wie eine Vierundzwanzigjährige ausgesehen. Warum
-geben Sie dem König das Elixier nicht?“ -- „Ach, Madame,“ versetzte er
-mit einer Art von Schauder, „wenn ich mir beikommen ließe, dem König
-eine mir unbekannte Arznei zu geben, müßte ich wahnsinnig sein[159].“
-
-Ich begab mich auf mein Zimmer, um dies Gespräch aufzuschreiben.
-
-Ein paar Tage darauf war zwischen dem König, Madame, einigen Edelleuten
-und dem Grafen Saint-Germain die Rede von dem Geheimmittel, das er
-besaß, um Diamanten von Flecken zu befreien. Der König ließ sich
-einen mäßig großen Diamanten bringen, der einen Fleck hatte. Man ließ
-ihn wiegen, und der König sagte zum Grafen: „Er wird auf 6000 Livres
-geschätzt, aber ohne den Flecken wäre er 10000 wert. Wollen Sie es
-übernehmen, mich 4000 Franken verdienen zu lassen?“ Dieser prüfte ihn
-genau, dann sagte er: „Das ist möglich. In einem Monat werde ich ihn
-Eurer Majestät wiederbringen.“
-
-[Illustration: Giacomo Casanova
-
-Nach einem Pastellbild seines Bruders Francesco]
-
-Nach einem Monat brachte der Graf dem König den Diamanten fleckenlos
-zurück. Er war in Asbestwatte gewickelt, die er entfernte. Der König
-ließ ihn wiegen, und er wog fast genau soviel wie vorher. Der König
-schickte ihn durch Herrn von Gontaut[160] zu seinem Juwelier, ohne
-ihm irgend etwas zu sagen, und der brachte 9600 Livres wieder. Aber
-der König ließ den Diamanten zurückfordern, um ihn der Wissenschaft
-halber zu behalten. Er konnte sich von seiner Überraschung nicht
-erholen und sagte, Herr von Saint-Germain müsse millionenreich sein,
-besonders, wenn er das Geheimnis besäße, aus kleinen Diamanten große zu
-machen. Der sagte weder ja noch nein, versicherte aber sehr bestimmt,
-er könne Perlen vergrößern und ihnen ein schöneres Wasser geben. Der
-König behandelte ihn achtungsvoll, ebenso Madame, von der ich das eben
-Gesagte erfuhr. Betreffs der Perlen hat mir Herr Quesnay[161] gesagt:
-„Die Perlen entstehen durch eine Krankheit der Austern, und es ist
-möglich, ihr auf den Grund zu kommen. Somit kann Herr von Saint-Germain
-Perlen vergrößern; trotzdem aber ist er ein Scharlatan; denn er hat ein
-Lebenselixier und läßt durchblicken, daß er mehrere hundert Jahre alt
-ist. Übrigens ist der König vernarrt in ihn und spricht bisweilen von
-ihm, als ob er von erlauchter Geburt sei.“
-
-Ich habe ihn mehrfach gesehen. Er schien 50 Jahre alt, war weder fett
-noch mager, hatte eine schlaue, geistreiche Miene, war sehr schlicht,
-aber geschmackvoll gekleidet und trug sehr schöne Diamanten an den
-Ringen wie an seiner Tabaksdose und Uhr. Eines Tages, bei einem großen
-Hoffest, kam er mit so schönen Schuhschnallen und Kniebändern, die
-mit echten Diamanten besetzt waren, zu Madame, daß diese sagte, sie
-glaube nicht, daß der König so schöne hätte. Er ging ins Vorzimmer,
-um sie abzumachen, und brachte sie dann wieder, damit man sie näher
-ansehen könnte. Herr von Gontaut, der dabei war, verglich die Steine
-mit anderen und sagte, sie seien wenigstens 200000 Franken wert. Am
-selben Tage trug er eine unschätzbare Tabaksdose und Manschettenknöpfe
-von funkelnden Rubinen. Kein Mensch wußte, woher dieser so reiche und
-außergewöhnliche Mann stammte, und der König duldete nicht, daß man
-verächtlich von ihm sprach und über ihn spottete. Er war angeblich der
-Bastard eines portugiesischen Königs ...
-
-Eines Tages sagte Herr von Saint-Germain zum König: „Um die Menschen zu
-achten, darf man weder Beichtvater noch Minister noch Polizeidirektor
-sein.“ -- Der König setzte hinzu: „Und König.“ -- „Ach, Sire,“ rief
-er, „Sie haben den Nebel vor einigen Tagen gesehen, man sah keine vier
-Schritt weit. Die Könige sind -- allgemein gesprochen -- in noch viel
-dichtere Nebel gehüllt, die Ränkeschmiede, treulose Minister um sie
-entstehen lassen, und in allen Volksklassen ist man sich darin einig,
-ihnen die Dinge in falscher Beleuchtung zu zeigen.“ Dies hörte ich aus
-dem Munde des berühmten Grafen Saint-Germain, als ich bei Madame war,
-die unpäßlich war und im Bette lag. Der König besuchte sie, und auch
-der Graf wurde als willkommener Gast empfangen. Herr von Gontaut, Frau
-von Brancas[162] und der Abbé de Bernis[163] waren dabei ...
-
-Eines Tages besuchte Graf Saint-Germain Madame, die unpäßlich war und
-auf ihrem Diwan lag. Er zeigte ihr ein Kästchen voller Topase, Rubine
-und Smaragde. Anscheinend besaß er Schätze davon. Madame rief mich,
-um all die schönen Dinge zu besehen. Ich blickte sie verblüfft an,
-machte aber hinten herum Madame ein Zeichen, daß ich alles für falsch
-hielte. Der Graf suchte etwas in einer Brieftasche, die doppelt so
-groß war wie ein Brillenfutteral, zog zwei bis drei kleine Päckchen
-hervor, wickelte sie aus, zeigte einen prachtvollen Rubin und warf
-geringschätzig ein kleines Kreuz auf den Tisch neben ihm. Es bestand
-aus weißen und grünen Steinen. Ich betrachtete es und sagte: „Das ist
-nicht zu verachten.“ Ich legte es an und machte eine Miene, als ob ich
-es sehr hübsch fände. Sogleich bat der Graf mich, es anzunehmen. Ich
-weigerte mich, er blieb dabei. Madame schlug es gleichfalls für mich
-aus. Schließlich drängte er so, daß Madame, die sah, daß es nicht mehr
-als 40 Louisdors wert sein konnte, mir winkte, es anzunehmen. Ich nahm
-das Kreuz, sehr befriedigt über die Liebenswürdigkeit des Grafen, und
-ein paar Tage darauf schenkte Madame ihm eine emaillierte Dose mit dem
-Bild irgendeines griechischen Weisen, eine Anspielung auf ihn. Übrigens
-ließ ich das Kreuz prüfen; es war 1500 Franken wert.
-
-Er schlug Madame vor, ihr ein paar Emailbilder von Petitot[164] zu
-zeigen, und sie sagte ihm, er solle am Nachmittag während der Jagd
-wiederkommen. Er zeigte seine Bilder, und Madame sagte zu ihm: „Man
-erzählt von einer reizenden Geschichte, die Sie vor zwei Tagen beim
-Souper beim Premier zum besten gaben und deren Augenzeuge Sie vor 50
-bis 60 Jahren waren.“ Er lächelte und sprach: „Sie ist etwas lang.“
--- „Um so besser“, entgegnete Madame und schien ganz entzückt. Herr
-von Gontaut und die Damen kamen, und man ließ die Tür schließen. Dann
-winkte Madame mir, hinter einem Wandschirm Platz zu nehmen. Der Graf
-entschuldigte sich sehr, daß seine Geschichte vielleicht langweilen
-werde. Manchmal erzähle man gut, und ein andermal hätte man weniger
-Glück.
-
-
-Saint-Germains Erzählung
-
-„Der Marchese von San Gil[165] war zu Anfang dieses Jahrhunderts
-spanischer Botschafter im Haag. In seiner Jugend war er mit dem Grafen
-von Moncada befreundet gewesen, einem spanischen Granden und einem der
-reichsten Herren des Landes. Einige Monate nach seiner Ankunft im Haag
-erhielt er einen Brief des Grafen, der ihn bei seiner Freundschaft
-beschwor, ihm einen sehr großen Dienst zu leisten. „Wie Sie wissen,
-lieber Marchese,“ schrieb er ihm, „hatte ich den Kummer, den Namen
-Moncada nicht fortpflanzen zu können. Doch kurz nachdem ich Sie
-verlassen, erhörte der Himmel mein Flehen und schenkte mir einen Sohn.
-Der zeigte frühzeitig eines Mannes seiner Abkunft würdige Neigungen,
-aber das Unglück wollte, daß er sich in Toledo in die berühmteste
-Schauspielerin der dortigen Truppe verliebte. Ich schloß die Augen
-über diesen Jugendstreich, da ich bisher stets zufrieden mit ihm war.
-Als ich aber erfuhr, daß ihn die Leidenschaft derart verblendete,
-daß er das Mädchen heiraten wollte, und daß er ihr ein schriftliches
-Eheversprechen gegeben hatte, bat ich den König, sie einsperren zu
-lassen. Als mein Sohn von meinem Schritt erfuhr, kam er ihm zuvor
-und entfloh mit der Geliebten. Seit über einem halben Jahre weiß ich
-nicht, wohin er seine Schritte gelenkt hat, aber ich habe Grund zu der
-Annahme, daß er im Haag ist.“ Nun beschwor der Graf den Marchese im
-Namen seiner Freundschaft, die genauesten Nachforschungen anzustellen,
-um ihn ausfindig zu machen und ihn zur Heimkehr zu bewegen. „Es ist
-recht und billig,“ schrieb der Graf, „dem Mädchen eine Versorgung
-zu geben, falls sie das Heiratsversprechen, das sie sich ausstellen
-ließ, wieder herausgibt. Ich überlasse es Ihnen, die Entschädigung zu
-bestimmen und meinem Sohn so viel auszuzahlen, daß er in anständigem
-Aufzuge nach Madrid zurückkehren kann. Ich weiß nicht, ob Sie Kinder
-haben“, schloß der Graf. „Wenn ja, so können Sie sich einen Begriff von
-meiner Sorge machen.“ Dem Brief lag eine genaue Beschreibung seines
-Sohnes und seiner Geliebten bei.
-
-Sobald der Marchese ihn erhalten hatte, ließ er in allen Gasthöfen
-von Amsterdam, Rotterdam und dem Haag nachforschen. Doch umsonst! Er
-brachte nichts heraus. Er begann schon am Erfolg seiner Schritte zu
-verzweifeln, als er auf den Gedanken kam, einen sehr geweckten jungen
-französischen Pagen dazu zu benutzen. Er versprach ihm eine Belohnung,
-falls es ihm gelänge, die so dringend gesuchten Personen zu entdecken,
-und er gab ihm deren Beschreibung. Mehrere Tage streifte der Page
-vergebens an allen öffentlichen Orten umher. Endlich, eines Abends im
-Theater, erblickte er in einer Loge einen jungen Mann und eine Dame,
-die er aufmerksam betrachtete. Als er merkte, daß beide, durch seine
-Aufmerksamkeit betroffen, sich in den Hintergrund der Loge zurückzogen,
-zweifelte der Page nicht mehr am Erfolg seiner Nachforschungen. Er ließ
-die Loge nicht aus den Augen und beobachtete gespannt alles, was darin
-vorging.
-
-Als das Stück aus war, stand er in dem Gange, der von den Logen zum
-Portal führte, und als der junge Mann an ihm vorbeiging, bemerkte er,
-daß seine Tracht diesem offenbar auffiel, und daß er sein Taschentuch
-vor den Mund hielt, um sich unkenntlich zu machen. Unauffällig folgte
-er ihm bis zum Gasthof „Vicomte de Turenne“, in den er ihn mit seiner
-Begleiterin eintreten sah. Dann eilte er, seiner Sache gewiß, zu dem
-Botschafter, um ihn zu benachrichtigen.
-
-Der Marchese von San Gil begab sich sofort, in einen Mantel gehüllt
-und von seinem Pagen und zwei Dienern gefolgt, nach dem Gasthof.
-Dort angelangt, fragte er den Wirt, wo sich das Zimmer eines jungen
-Mannes und einer Dame befände, die seit einer Weile bei ihm wohnten.
-Der Wirt machte zunächst einige Schwierigkeiten, es zu sagen, wenn
-der Name der beiden nicht angegeben würde. Aber der Page machte ihn
-darauf aufmerksam, daß er mit dem spanischen Botschafter spräche, der
-seine Gründe hätte, mit diesen Personen zu reden. Da sagte der Wirt,
-sie wünschten nicht bekannt zu werden und hätten verboten, jemand bei
-ihnen einzulassen, der ihren Namen nicht nenne. Aus Hochachtung vor
-dem Botschafter jedoch gab er ihm das Zimmer an und führte ihn selbst
-ins oberste Stockwerk in ein elendes Stübchen. Er klopfte an, aber es
-dauerte ein Weilchen, bis die Tür geöffnet wurde. Endlich, als er von
-neuem stark gepocht hatte, wurde sie halb geöffnet, aber beim Anblick
-des Botschafters und seines Gefolges wollte der, welcher sie geöffnet
-hatte, sie wieder schließen, indem er sagte, man irre sich wohl. Da
-stieß der Botschafter sie mit Gewalt auf, trat ein und gebot seinen
-Leuten, draußen zu warten.
-
-Als er allein im Zimmer stand, sah er einen jungen Mann von sehr
-hübschem Äußeren, das vollkommen zu der Beschreibung paßte. Bei ihm war
-ein junges Weib, schön und von guter Figur, dessen Haarfarbe, Wuchs
-und Gesichtsschnitt gleichfalls mit der Beschreibung des Grafen von
-Moncada übereinstimmte. Der junge Mann brach zuerst das Schweigen. Er
-beschwerte sich über das gewaltsame Eindringen bei einem Fremden, der
-in einem freien Lande sei und unter dem Schutz der Gesetze lebe. Der
-Botschafter trat auf ihn zu, um ihn zu umarmen, und sprach: „Verstellen
-Sie sich nicht, lieber Graf! Ich kenne Sie und komme nicht her, um
-Ihnen Verdruß zu bereiten, auch der jungen Dame nicht, die mir sehr
-fesselnd erscheint.“
-
-Der Jüngling entgegnete, er irre sich. Er sei kein Graf, sondern der
-Sohn eines Kaufmanns aus Cadix. Die junge Frau sei seine Gattin, und
-sie reisten zu ihrem Vergnügen. Der Botschafter warf einen Blick in das
-elend ausgestattete Stübchen, in dem nur ein einziges Bett stand, sowie
-auf das armselige Gepäck, das herumlag. „Wohnt hier, liebes Kind --
-gestatten Sie mir diese Anrede, zu der mich die zärtliche Freundschaft
-zu Ihrem Herrn Vater ermächtigt --, wohnt hier der Sohn des Grafen
-Moncada?“ Der junge Mann behauptete immer noch, nicht zu verstehen, was
-er meinte. Schließlich aber ward er durch den eindringlichen Zuspruch
-des Botschafters besiegt und gestand weinend, daß er Moncadas Sohn sei,
-daß er aber niemals zu seinem Vater zurückkehren werde, falls er das
-angebetete Weib verlassen müsse.
-
-Auch sie brach in Tränen aus, warf sich dem Botschafter zu Füßen und
-sagte, sie wolle nicht die Ursache des Unglücks des Grafen Moncada
-sein. Indem ihre Hochherzigkeit oder vielmehr ihre Liebe über ihren
-eigenen Vorteil siegte, erklärte sie sich bereit, da es sich um sein
-Glück handle, sich von ihm zu trennen.
-
-Der Jüngling gerät in Verzweiflung, macht seiner Geliebten Vorwürfe und
-erklärt, er wolle sie nicht verlassen und nicht dulden, daß ihr edles
-Herz sich gegen sie selbst, gegen ein so liebenswertes Wesen kehre. Der
-Botschafter entgegnet, es sei nicht die Absicht des Grafen Moncada,
-sie unglücklich zu machen, vielmehr sei er beauftragt, ihr eine
-angemessene Summe zu geben, damit sie nach Spanien zurückkehren oder
-leben könne, wo sie sonst wolle. Ihre vornehme Gesinnung und ihre echte
-Zärtlichkeit, sagte er, flößten ihm die größte Anteilnahme ein und
-bestimmten ihn, die Summe, die er ihr gegenwärtig zu geben beauftragt
-sei, so hoch wie möglich zu bemessen. Somit verspräche er ihr 10000
-Gulden (etwa 30000 Franken), die ihr ausgezahlt werden sollten, sobald
-sie das ihr gegebene schriftliche Heiratsversprechen ausliefere und
-der Graf Moncada zum Botschafter übergesiedelt sei und nach Spanien
-zurückzukehren gelobt habe.
-
-Das junge Weib achtet scheinbar nicht auf die Summe und denkt nur an
-ihren Liebhaber und den Schmerz, ihn zu verlieren, an das grausame
-Opfer, zu dem Vernunft und Eigenliebe sie zwingen. Dann zieht sie aus
-einer kleinen Brieftasche das Heiratsversprechen des Grafen und sagt:
-„Ich kenne sein Herz zu gut, um dies nötig zu haben“, küßt es mit einer
-Art Überschwang mehrere Male und überreicht es dem Botschafter, der ob
-solcher Seelengröße erstaunt ist. Er verspricht dem jungen Weibe, sich
-stets ihrer anzunehmen, und versichert dem Grafen, daß sein Vater ihm
-verzeihen werde. Mit offenen Armen, sagt er, werde er den verlorenen
-Sohn aufnehmen, der zu den untröstlichen Seinen zurückkehre; das Herz
-eines Vaters sei eine unerschöpfliche Quelle der Zärtlichkeit. Wie
-glücklich werde sein so lange bekümmerter Freund sein, wenn er diese
-Nachricht erhalte, und wie glücklich fühle er sich selber, das Werkzeug
-dieses Glückes zu sein! So redete der Botschafter auf den Jüngling ein,
-und dieser schien lebhaft gerührt.
-
-Da der Botschafter indes befürchtete, die Liebe möchte in der
-Nacht ihre ganze Gewalt wieder erlangen und über den hochherzigen
-Entschluß der Dame siegen, drängte er den jungen Grafen, ihm in sein
-Haus zu folgen. Die Tränen und Schmerzenslaute, die diese grausame
-Trennung hervorrief, sind schwer zu beschreiben und rührten das
-Herz des Botschafters tief. Er versprach, der jungen Dame seinen
-Schutz angedeihen zu lassen. Das kleine Gepäck des Grafen war leicht
-fortgeschafft, und am Abend befand er sich im schönsten Gemache des
-Botschafters, der hocherfreut war, dem erlauchten Hause Moncada den
-Erben seiner Größe und so vieler prächtiger Besitzungen wiedergegeben
-zu haben.
-
-Als der junge Graf am Tage nach diesem glücklichen Ereignis aufsteht,
-sieht er Schneider, Stoff- und Spitzenhändler usw. erscheinen, und
-er braucht nur zu wählen. Zwei Kammerdiener und drei Lakaien warten
-in seinem Vorzimmer, und zwar Leute, die der Botschafter unter den
-klügsten und ehrlichsten ausgewählt hat. Sie melden sich bei ihm zum
-Dienste. Der Botschafter zeigt dem jungen Grafen den Brief, den er
-soeben an dessen Vater geschrieben hat. Darin beglückwünscht er ihn
-zu einem Sohne, dessen Gesinnung und Eigenschaften seinem erlauchten
-Blut entsprechen, und meldet ihm seine baldige Heimkehr. Die junge
-Frau ist nicht vergessen. Er gesteht, daß er ihrer Hochherzigkeit die
-Unterwerfung seines Sohnes zum Teil danke, und zweifelt nicht, daß der
-Graf das Geschenk von 10000 Gulden gutheißen werde.
-
-Diese Summe wurde der edlen, fesselnden Person noch am selben Tage
-zugestellt, und sie reiste alsbald ab. Auch die Zurüstungen zur
-Abreise des Grafen wurden getroffen. Eine prächtige Garderobe, ein
-ausgezeichneter Wagen wurden in Rotterdam auf ein Schiff verladen, das
-nach Frankreich in See ging und auf dem der Graf ebenfalls abfahren
-sollte, um sich von dort nach Spanien zu begeben. Bei seiner Abreise
-erhielt er eine erhebliche Geldsumme und beträchtliche Wechsel auf
-Paris. Rührend war der Abschied des Botschafters von dem jungen Herrn.
-
-Voller Ungeduld erwartete der Botschafter die Antwort des Grafen
-Moncada und genoß dessen Freude, indem er sich an seine Stelle
-versetzte. Nach vier Monaten traf sie endlich ein. Aber umsonst wird
-man versuchen, die Überraschung des Botschafters zu schildern, als er
-folgendes las:
-
-„Der Himmel hat mir nie die Genugtuung gewährt, Vater zu sein, lieber
-Marchese. Er hat mich mit Gütern und Ehren überhäuft, aber mir den
-Kummer bereitet, keine Erben zu haben und mein erlauchtes Geschlecht
-mit mir aussterben zu sehen, und so hat er mein Leben mit dem
-bittersten Gram erfüllt. Ich sehe zu meinem tiefsten Leidwesen, daß Sie
-durch einen jungen Abenteurer getäuscht worden sind, der die Kenntnis
-von unserer alten Freundschaft gemißbraucht hat. Aber Euer Exzellenz
-sollen nicht der Angeführte sein. Den Grafen Moncada haben Sie sich
-zu verbinden geglaubt; er hat die Pflicht, das zu begleichen, was Sie
-ihm in hochherziger Freundschaft vorgestreckt haben, um ihm ein Glück
-zu bereiten, das ihn aufs höchste erfreut hätte. Ich hoffe also, Herr
-Marchese, Sie werden ohne Widerstreben die beiliegende Summe von 3000
-Louisdors laut ausgestellter Rechnung annehmen.“
-
- * *
- *
-
-Die Art, wie der Graf Saint-Germain den jungen Abenteurer, seine
-Geliebte und den Botschafter reden ließ, brachte die Zuhörer
-abwechselnd zum Weinen und zum Lachen. Die Geschichte ist buchstäblich
-wahr, und der Abenteurer ist nach Aussage derer, die ihm zuhörten,
-geschickter als Guzman von Alfarache[166]. Madame hatte den Einfall,
-ein Lustspiel daraus zu machen, und der Graf schickte ihr die
-Geschichte schriftlich, so wie ich sie hier abgeschrieben habe.
-
-
-III.
-
-Bericht Hellens[167]
-
- Haag, 8. Januar 1760.
-
-Wie ich höre, befindet sich in Paris ein Mann, dessen Auftreten wichtig
-genug scheint, um E. M. zu berichten, was ich davon erfahren konnte. Es
-ist eine Art Abenteurer, der unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain
-in Deutschland und England gereist ist. Er spielt vorzüglich Violine,
-macht auch den Alchimisten und tritt überall groß auf. In Paris
-wohnt er bei einem englischen Bankier Selwin. Vielleicht haben E. M.
-von dem Manne schon gehört. Der angebliche Graf soll gegenwärtig am
-Versailler Hofe eine hervorragende Rolle spielen und sogar Zutritt zu
-den Privatgemächern des Königs von Frankreich und der Marquise (von
-Pompadour) haben. Wie man mir versichert, besuchen ihn alle Minister,
-um sich bei ihm einzuschmeicheln, nicht nur, weil er in hohem Maße die
-Gunst ihres Gebieters besitzt, sondern auch, um sich Rat bei ihm zu
-holen.
-
-Was ihn in so hohe Gunst gebracht hat, ist schwer zu sagen, aber
-allem Anschein nach hat er der Favoritin und dem König weisgemacht,
-daß er ihnen das Geheimnis des Steins der Weisen zeigen würde. Die
-Geistesschwäche des Königs und seine bloße Neugier für alles, was
-mit den Naturwissenschaften zusammenhängt, dazu die Habsucht der
-Marquise, machen diese Annahme sehr wahrscheinlich. Übrigens soll er
-dem König von Frankreich bereits einige recht merkwürdige chemische
-Entdeckungen mitgeteilt haben, unter anderem ein Geheimmittel zur
-Herstellung dauerhafter Farben. Wie dem aber auch sei, der Mann spricht
-den französischen Ministern seine Meinung mit größtem Freimut aus. Er
-wiederholt ihnen oft, sie hätten die größte Torheit begangen, sich
-mit E. M. zu entzweien und in den Kontinentalkrieg einzugreifen[168].
-Er rät ihnen, schleunigst Frieden zu machen. Er gibt sich überhaupt
-als großen Bewunderer E. M. aus. Als die beiden Niederlagen gegen
-Rußland[169] bekannt wurden, hat er immerfort vorausgesagt, was
-tatsächlich eingetreten ist, nämlich daß E. M. Mittel und Wege finden
-würden, den Schaden wieder gut zu machen, und daß man sehen würde, daß
-Ihre Feinde keinen Schritt weiter gekommen seien.
-
-Anscheinend hat er Anteil am Sturze des letzten
-Generalkontrolleurs[170]. Zum mindesten hat er ihn in einem Brief an
-einen Freund im Ausland in einer Weise angezeigt, daß diese Annahme
-fast berechtigt erscheint. „Ich habe Ihnen mein Versprechen gehalten,“
-schreibt er, „Silhouette, der Henker Frankreichs, ist gestürzt.“
-
-
-IV. Saint-Germain auf Schloß Chambord
-
-(Aus dem Schriftwechsel des Marquis von Marigny[171])
-
-
-Collet[172] an den Marquis von Marigny
-
- Chambord, 10. Mai 1758.
-
-Ich benutze das freundliche Anerbieten des Grafen Saint-Germain, ihn
-nach Paris zu begleiten, um einige ihn betreffende Angelegenheiten zu
-ordnen und einige Geschäfte zu erledigen, die vor Ende nächster Woche
-beendet sein müssen.
-
-
-Der Abbé de la Pagerie an den Marquis von Marigny
-
- Blois, 12. August 1758.
-
-Herr von Saint-Germain, der die Neugier des ganzen Landes erregt, wird
-täglich erwartet. Ich habe zweimal mit ihm zu Mittag gespeist. Er
-scheint ein Mann von großem Wissen und von Grundsätzen zu sein.
-
-
-Der Marquis von Marigny an den Abbé de la Pagerie
-
- Versailles, 2. September 1758.
-
-Ich erhielt Ihren Brief vom 12. vorigen Monats. Tatsächlich hat der
-König Herrn von Saint-Germain eine Wohnung in Chambord angewiesen,
-und Sie sagen mit Recht, daß er ein Mann von Verdienst ist. Ich
-hatte Gelegenheit, mich davon bei mehreren Unterredungen mit ihm
-zu überzeugen. Von seinen hervorragenden Kenntnissen darf man sich
-wirklichen Gewinn versprechen.
-
-
-Collet an den Marquis von Marigny
-
- Chambord, 4. Dezember 1758.
-
-Graf Saint-Germain ist am letzten Sonnabend (2. Dezember) mit zwei
-Herren hier eingetroffen. Er will fünf bis sechs Tage hier bleiben und
-geht dann nach Paris. Er ist so freundlich, mich mitzunehmen.
-
-
-Herr von Saumery[173] an den Marquis von Marigny
-
- Paris, 15. April 1759.
-
-Ich glaube, die Nebengebäude werden als Wohnung für die Arbeiter
-hinreichen, die Graf Saint-Germain zur Errichtung seiner Manufaktur
-mitbringen will.
-
-
-Collet an den Marquis von Marigny
-
- Chambord, 8. Mai 1759[174].
-
-Graf Saint-Germain ist am letzten Sonnabend (5. Mai) hier eingetroffen.
-Dies ist sein zweiter Aufenthalt in Chambord. Ich habe zwei Zimmer für
-einige seiner Leute zurechtgemacht, sowie drei andere mit Küche und
-Speisekammer im Erdgeschoß zu seiner Bequemlichkeit. Ich habe in diesem
-Teil des Schlosses nichts verändert, sondern nur dringende Reparaturen
-machen lassen.
-
-
-V. Aus einem Schreiben des Grafen Bernstorff[175]
-
- (1779).
-
-Ich war weder sein Freund noch sein Bewunderer. Hoffentlich hat
-er vergessen, wie sehr er sich darüber ärgerte, aber seither sind
-zweiundzwanzig Jahre verflossen ... Jetzt halte ich mein Urteil zurück,
-gestehe aber, daß ich noch immer sehr zum Mißtrauen gegen einen Mann
-neige, dessen Persönlichkeit stets ein Rätsel blieb, der mit unsinnigen
-Behauptungen um sich warf, der immerfort seinen Namen wechselte und
-sich bald als Adepten, bald als vornehmen Herrn ausgab, den die
-Vorsehung besonders reich gesegnet habe.
-
-
-VI. Aus den „Episoden meines Lebens“ des Grafen d’Angiviller[176]
-
-Ich kannte den Grafen Saint-Germain, der vom Prinzen Karl[177] so
-begünstigt worden ist. Ich war noch sehr jung, aber trotz meiner
-Jugend, trotzdem er mich gut behandelte und mir sogar schmeichelte,
-ließ ich ihn nicht etwa friedlich die Ehren genießen, die man seinem
-Scharlatanismus erwies, sondern trumpfte immerfort erbarmungslos gegen
-ihn auf.
-
-
-
-
-DIE MISSION SAINT-GERMAINS IM HAAG (1760)
-
-
-I
-
-Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[178]
-
-
-Graf d’Affry[179] an Choiseul
-
- Haag, 22. Februar 1760.
-
-Herr Astier[180] schreibt, daß sich in Amsterdam ein gewisser Graf
-Saint-Germain aufhält, der, soviel ich weiß, früher lange in England
-gelebt hat und einen recht sonderbaren Eindruck macht. Er spricht in
-ungewöhnlicher Weise von unseren Finanzen und unserem Ministerium und
-behauptet, mit einer wichtigen finanziellen Mission für Frankreich
-betraut zu sein.
-
-
- Haag, 10. März 1760.
-
-Graf Saint-Germain hat mich vorgestern hier aufgesucht. Er führte mir
-gegenüber dieselben Reden, wie er sie in Amsterdam geführt haben soll.
-Er hat soeben mein Haus verlassen; seine Gespräche drehten sich um
-die gleiche Sache. Er sagte mir zuerst, er könne mir unsere Finanzlage
-nicht trüb genug schildern; er besitze einen gewissen Plan zu ihrer
-Aufbesserung; mit einem Wort, er wolle das Königreich retten. Ich ließ
-ihn reden, soviel er wollte, und als er innehielt, fragte ich ihn, ob
-der Generalkontrolleur über diesen Plan Bescheid wisse. Er verneinte
-es und sagte bei dieser Gelegenheit viel Übles über den Vorgänger des
-Herrn Bertin[181]. Er schien besonders den Herren Pâris de Montmartel
-und Duverney[182] feindlich gesinnt. Wie er mir sagte, hätte er enge
-Beziehungen zum Herrn Marschall von Belle-Isle[183]; auch zeigte er mir
-zwei Briefe von ihm, die er seit seiner Ankunft in Holland erhalten
-hat. Darin spricht sich Herr von Belle-Isle anerkennend über seinen
-Eifer aus, aber sie enthalten nur allgemeine Wendungen und keine
-Einzelheiten.
-
-Ich gestand Herrn von Saint-Germain, daß ich seinen Plan durchaus
-nicht begriffe. Er gab mir seinerseits zu, daß er ihn schlecht erklärt
-hätte, und versprach mir, ihn mir morgen mitzubringen. Ich fragte ihn,
-was seine Reise nach Holland mit diesem Plane zu tun hätte. Er gab mir
-darauf keine klare Antwort und sagte nur, sein allgemeines Vorhaben
-sei, uns den Kredit der vornehmsten hiesigen Bankhäuser zu sichern.
-
-Ich werde mich beehren, Herr Herzog, Ihnen am nächsten Freitag (14.
-März) zu berichten, was Herr von Saint-Germain mir morgen etwa sagt
-und mitteilt. Ich weiß nicht, ob alle seine Behauptungen völlig
-wahrheitsgemäß sind, aber er hat sicherlich sehr ungewöhnliche
-Ansichten.
-
-
- Haag, 11. März.
-
-Herr von Saint-Germain hat mir seinen Plan mitgeteilt, der Herrn Bertin
-bekannt ist und sogar von ihm empfohlen wird.
-
-
-Graf Saint-Germain an die Marquise von Pompadour
-
- [Haag] 11. März 1760.
-
-Gnädige Frau. Meine reinen und aufrichtigen Wünsche für die Wohlfahrt
-Ihres verehrten Volkes und für Sie selbst werden, wo ich auch in
-Europa weile, unverändert bleiben. Doch will ich nicht unterlassen,
-Ihnen Beweise dafür in aller Reinheit, Aufrichtigkeit und Stärke zu
-geben. Ich bin jetzt im Haag und wohne beim Grafen Bentinck, Herrn van
-Rhoon, zu dem ich enge Beziehungen habe[184]. Ich war so erfolgreich,
-daß ich glaube, Frankreich hat keinen verständigeren, treueren und
-beständigeren Freund. Des seien Sie versichert, gnädige Frau, wenn Sie
-auch das Gegenteil davon hören sollten.
-
-Herr von Bentinck ist hier ebenso allmächtig wie in England, ein großer
-Staatsmann und vollendeter Ehrenmann. Er ist mir gegenüber völlig
-offen. Aus der Fülle meines Herzens sprach ich ihm von der reizenden
-Marquise von Pompadour. Meine Gefühle gegen Sie, gnädige Frau, sind
-Ihnen längst bekannt und gewiß der Herzensgüte und Seelenschönheit
-wert, die diese Gefühle erweckten. Er war so begeistert davon, daß er
-ganz bezaubert ist; mit einem Wort, Sie können sich auf ihn verlassen
-wie auf mich.
-
-Ich glaube mit gutem Grunde, daß der König angesichts seiner Macht,
-seiner Aufrichtigkeit und Redlichkeit große Dienste von ihm erwarten
-kann. Wenn der König glaubt, daß meine Beziehungen zu ihm irgendwie
-von Nutzen sein können, so will ich mich aufs äußerste bemühen, ihm zu
-dienen. Meine freiwillige, selbstlose Hingebung an seine heilige Person
-muß ihm ja bekannt sein. Sie kennen die Treue, die ich Ihnen geschworen
-habe, gnädige Frau: befehlen Sie, und ich gehorche. Sie können Europa
-ohne die Verdrießlichkeiten und Schwierigkeiten eines Kongresses den
-Frieden geben. Ihre Befehle werden mir völlig sicher zukommen, wenn
-Sie sie an den Grafen van Rhoon im Haag senden oder, wenn Sie es für
-besser halten, an die Herren Thomas und Adrian Hope[185], bei denen
-ich in Amsterdam wohne. Was ich Ihnen zu schreiben habe, erscheint
-mir so bedeutsam, daß ich mir schwere Vorwürfe machen müßte, gnädige
-Frau, wenn ich es Ihnen verschweigen wollte, da ich nie etwas verborgen
-habe noch verbergen werde. Wenn Sie keine Zeit haben, mir selbst zu
-antworten, so bitte ich Sie, es durch eine sichere, vertrauenswürdige
-Person zu tun. Aber verlieren Sie keinen Augenblick; ich beschwöre
-Sie bei aller Liebe und Zuneigung für den besten und würdigsten aller
-Könige.
-
-
-Graf d’Affry an Choiseul
-
- Haag, 14. März 1760.
-
-Ich habe den Plan gesehen, von dem Herr von Saint-Germain mir
-gesprochen hatte. Ich habe ihn an ihn zurückgesandt und werde ihm bei
-nächster Gelegenheit sagen, daß derartige Geschäfte mit meinem Amte
-nichts zu tun haben. Ich könnte mich ohne Auftrag nicht damit befassen
-und wünschte selbst, Kredite für die Staatsfinanzen in Amsterdam oder
-in anderen holländischen Städten zu finden ...
-
-Wie Herr von Saint-Germain mir sagte, hat Herr Bentinck van Rhoon
-sich über meine Zurückhaltung bei ihm beschwert; ich spräche mit ihm
-nie von Geschäftssachen. Wie er hinzusetzte, hat Herr Bentinck ihm
-versichert, niemand sei weniger englisch gesinnt als er; er sei ein
-guter Patriot und mehr Franzose, als ich glaubte. Ich antwortete Herrn
-von Saint-Germain mit allgemeinen Wendungen, ließ aber durchblicken,
-daß ich es seltsam fände, daß Herr Bentinck ihm diesen Auftrag gegeben
-hätte, und noch seltsamer, daß er ihn übernommen hätte. Ich halte mich
-für verpflichtet, Ihnen alles mitzuteilen, was zwischen diesem Manne
-und mir stattgefunden hat.
-
-
-Choiseul an Graf d’Affry
-
- Versailles, 19. März 1760.
-
-Ich sende Ihnen einen Brief des Herrn von Saint-Germain an die Marquise
-von Pompadour[186], der die unglaubliche Art dieses Mannes hinreichend
-beweist. Er ist ein Abenteurer ersten Ranges und zudem, soweit ich
-sehen kann, sehr töricht. Ich bitte Sie, ihn sofort nach Empfang meines
-Briefes zu sich kommen zu lassen und ihm zu sagen, ich wisse zwar
-nicht, wie man im Finanzdepartement über ihn dächte, gäbe Ihnen aber
-den Befehl, ihm zu eröffnen: sobald ich erführe, daß er sich irgendwie
-im Großen oder im Kleinen in die Politik einzumischen wage, so könne er
-sich darauf verlassen, ich würde beim König den Befehl erwirken, ihn
-bei seiner Rückkehr nach Frankreich für den Rest seiner Tage in einem
-Kerkerloch einzusperren. Sie wollen hinzusetzen, er möge ganz sicher
-sein, daß diese meine Absichten ebenso ernst sind, wie daß sie bestimmt
-ausgeführt werden, falls er mir Anlaß gibt, mein Wort zu halten.
-
-Nach dieser Erklärung werden Sie ihn auffordern, nie wieder einen Fuß
-in Ihr Haus zu setzen, und Sie werden gut daran tun, allen fremden
-Gesandten sowie den Amsterdamer Bankiers das Kompliment bekanntzugeben,
-das Sie diesem unausstehlichen Abenteurer in meinem Auftrage gemacht
-haben.
-
-
-Graf d’Affry an Choiseul
-
- Haag, 21. März 1760.
-
-Graf Rhoon van Bentinck hat mich nicht nur durch Herrn von
-Saint-Germain unterrichtet, sondern mir auch durch andere Personen
-sagen lassen, wie sehr ihm daran liege, sich mit mir in Verbindung zu
-setzen. Ich gab zur Antwort, da ich bisher keinerlei Beziehungen zu
-ihm gehabt hätte, schiene es mir zwecklos, jetzt damit zu beginnen.
-Ich wäre jedoch stets bereit, mit Personen zusammenzugehen, die es
-als gute holländische Patrioten für ihr Land für vorteilhaft hielten,
-die Freundschaft und das Wohlwollen Seiner Majestät zu pflegen. Ich
-wüßte, daß Herr von Bentinck diese für sein Land wie für ihn selbst
-so wünschenswerten Grundsätze stets außer acht gelassen hätte und
-daß seine diesbezügliche Sinnesänderung Beweise von längerer Dauer
-erheischte, als ihm recht sein möchte. Er hat meine Antwort erhalten,
-sich dadurch aber nicht entmutigen lassen.
-
-Ich hielt mich für verpflichtet, den Ratspensionär[187], Herrn van
-Slingelandt[188] und Herrn von Hompesch zu benachrichtigen. Wie sie
-mir sagten, wünscht Herr von Bentinck eine Annäherung an uns nur,
-um seinen Kredit hier und in England aufzufrischen, und er möchte
-wahrscheinlich zu einem der Bevollmächtigten der Republik auf dem
-künftigen Kongreß[189] ernannt werden.
-
-
- Haag, 5. April 1760.
-
-Ihren Erlaß vom 19. März über den Grafen Saint-Germain kann ich erst
-heute beantworten, weil das indiskrete Benehmen dieses Abenteurers (um
-nicht mehr zu sagen) mir Nachforschungen nötig erscheinen ließ, bevor
-ich Ihnen Bericht erstatte. Aber dies Benehmen ist derart, daß ich es
-für meine Pflicht halte, es zur Kenntnis Seiner Majestät zu bringen.
-
-Am Tage nach Empfang Ihres Schreibens suchte Herr von Saint-Germain,
-der aus Amsterdam kam, mich auf. Er kam mit Herrn von Brühl und
-Kauderbach[190] und sagte mir, die Herren wollten mit ihm zum Grafen
-Golowkin[191] nach Ryswijk, wohin auch ich wollte. Ich sagte Herrn von
-Saint-Germain, daß ich ihn vorher zu sprechen wünschte, und teilte ihm
-zugleich den Inhalt Ihres Schreibens über seinen Plan mit. Er war davon
-niedergeschmettert. Zuletzt bat ich ihn, am nächsten Morgen um 10 Uhr
-zu mir zu kommen. Kurz darauf teilte ich Kauderbach den Inhalt Ihres
-Schreibens mit, worauf er sofort beschloß, Saint-Germain nicht nach
-Ryswijk mitzunehmen.
-
-Saint-Germain ist nicht zu mir gekommen, und da ich glaubte, meine
-sehr deutlichen Erklärungen würden hinreichen, um ihn vorsichtig zu
-machen, ja ihn zum Verlassen des Landes bestimmen, so hielt ich es
-nicht für erforderlich, ihn nochmals zu mir zu bitten, sondern ließ es
-dabei bewenden, das, was Sie mir geschrieben haben, an die vornehmsten
-Vertreter der Republik und an einige fremde Gesandte mitzuteilen, sowie
-Herrn Astier in Amsterdam anzuweisen, die größten Bankhäuser vor den
-etwaigen Vorschlägen Saint-Germains zu warnen. Wie Herr Astier mir
-mitteilte, haben unter anderen die Herren Thomas und Adrian Hope seinen
-Aufenthalt bei ihnen als sehr lästig und peinlich empfunden und wollen
-die erste Gelegenheit wahrnehmen, um ihn loszuwerden.
-
-Aber die beiden Briefe des Marschalls Belle-Isle, die Sie mir gesandt
-haben, scheinen mir zu beweisen, daß der Mann sich nicht an die
-ihm von mir erteilten Weisungen gehalten hat, sondern uns in neue
-Schwierigkeiten verwickeln wird. Diese Briefe erhielt ich Dienstag
-(1. April). Ich ließ Herrn von Saint-Germain auffordern, mich am
-Mittwoch früh aufzusuchen, aber er kam nicht, und vorgestern, am
-Donnerstag, sagte mir der Prinz von Braunschweig[192] in Gegenwart
-der Herren Golowkin und von Reischach[193], nachdem wir ihm unsere
-Gegenerklärungen[194] mitgeteilt hatten, er hätte erfahren, auf Befehl
-Seiner Majestät seien die Briefe, die Saint-Germain nach Versailles
-gerichtet hat, an mich übersandt worden. Wahrscheinlich würde ich bald
-noch andere erhalten; denn er wisse, daß Saint-Germain noch mehrere
-sehr lange geschrieben hätte, seit ihm mein Haus von mir verboten sei.
-Er selber hätte sich bestimmt geweigert, ihn zu empfangen. Trotzdem
-sei ihm bekannt, daß er andere Personen gesehen hätte und daß dieser
-Mensch hier noch immer Ränke spänne. Es ließe sich ihm zwar nichts
-zur Last legen, aber er sei in diesem Augenblick und hierzulande eine
-sehr gefährliche Person, und ein Mensch von solcher Dreistigkeit
-könne eine Unterhandlung durch einen einzigen Schritt erschweren und
-verzögern. Nun glaubte ich das Wort ergreifen zu müssen und sagte
-zum Prinzen Ludwig, ich sei vollauf ermächtigt, ihm sowie den Herren
-Golowkin und Reischach zu erklären, daß Saint-Germain von uns völlig
-desavouiert werde und daß auf irgendwelche Äußerungen von ihm über
-unsere Angelegenheiten oder unsere Regierung nichts zu geben sei. Ich
-sagte dem Prinzen von Braunschweig ferner, wenn er Gelegenheit habe,
-Herrn Yorke[195] zu sehen, vielleicht am gleichen Tage, so bäte ich ihn
-ernstlich, ihm von mir aus die gleiche Erklärung abzugeben. Dasselbe
-tat ich gestern morgen beim Ratspensionär und beim Greffier[196].
-
-Vorgestern Abend, nach meiner Rückkehr aus Ryswijck, sandte ich zu
-Herrn von Saint-Germain und ließ ihn um seinen Besuch bitten. Er war
-nicht zu Hause. Ich sandte ihm eine schriftliche Einladung, mich
-gestern früh um acht Uhr aufzusuchen. Ich mußte nochmals nach ihm
-schicken; schließlich kam er. Ich hielt es nicht für angezeigt, ihm die
-Briefe des Herrn von Belle-Isle zu übergeben, da er schlechten Gebrauch
-davon machen könnte, aber ich sagte ihm, der Herr Marschall hätte mir
-auf ausdrücklichen Befehl des Königs geboten, alles anzuhören, was
-er mir zu sagen hätte. Ich fragte ihn, ob seine Eröffnungen sich auf
-unser Militär bezögen; er verneinte es. Ich fragte ihn, ob sie unsere
-Flotte oder unsere Finanzen beträfen. Er verneinte es gleichfalls.
-Hierauf entgegnete ich, sie könnten also lediglich politischer
-Natur sein, und darauf las ich ihm alles vor, was Sie mir über sein
-ihm bevorstehendes Schicksal bei seiner Rückkehr nach Frankreich
-geschrieben haben. Anfangs trug er große Gleichgültigkeit zur Schau,
-dann drückte er sein Erstaunen über die Behandlung aus, mit der man
-einen Mann seines Ranges bedrohe, aber schließlich schien ihn die Sache
-zu verwirren. Da er indes anscheinend nicht gesonnen war, den Plan,
-den sein Betätigungsdrang ihm eingibt, fallen zu lassen, warnte ich
-ihn beim Abschied nochmals sehr ernstlich und sagte ihm, wenn er sich
-noch weiterhin irgendwie in die Angelegenheiten und Interessen Seiner
-Majestät einmische, so würde ich Ihnen das melden und hier öffentlich
-sagen, daß alles, was er hier verbreitet habe, von Seiner Majestät und
-dessen Ministern völlig dementiert werde.
-
-Sogleich ging ich zu Herrn Yorke ... und fragte ihn, ob Saint-Germain
-in seinem Hause gewesen sei. Er sagte, er sei zweimal bei ihm
-gewesen[197]. Beim ersten Besuch hätte er mit ihm vom Frieden
-gesprochen, und er selbst hätte sich lediglich in allgemeinen Wendungen
-über Englands ehrlichen Friedenswillen geäußert. Beim zweiten Besuch
-sei er, Yorke, zurückhaltender geworden, da er gehört habe, daß ich
-Saint-Germain mein Haus verboten hätte. Er fügte hinzu, daß der Herzog
-von Newcastle[198] auf seinen Bericht über den ersten Besuch des Mannes
-an ihn geschrieben hätte, er möge ihm erwidern, daß Eröffnungen über
-den Frieden von seiten Frankreichs in London stets willkommen seien,
-einerlei durch wen sie gemacht würden. Aber ich weiß nicht, ob Herr
-Yorke ihm diesen Bescheid mitgeteilt hat.
-
-Ich bitte Sie, Herr Herzog, diesen Bericht dem Herrn Marschall von
-Belle-Isle mitzuteilen. Ich bin sicher, daß er jeden brieflichen
-Verkehr mit einem Manne abbrechen wird, der sich in der von mir
-geschilderten Weise benommen hat. Anbei folgen die beiden Schreiben
-zurück, die er mir für Saint-Germain zugesandt hat.
-
-Ich habe Ihnen noch zu sagen, daß Herr von Saint-Germain so anmaßend
-ist, überall zu behaupten und sogar mir zu sagen, daß Seine Majestät
-so gütig waren, ihm das Schloß Chambord unter den gleichen Bedingungen
-zuzuweisen wie dem verstorbenen Marschall von Sachsen, mit Ausnahme der
-Einkünfte, die er, wie er sagte, gar nicht zu haben wünschte.
-
-
-Choiseul an Graf d’Affry
-
- Versailles, 11. April 1760.
-
-Aus meinem besonderen Schreiben über den Grafen Saint-Germain[199]
-haben Sie ersehen, welche Meinung ich von diesem unausstehlichen
-Abenteurer habe. Ich kann Ihnen versichern, daß alle Minister Seiner
-Majestät ebenso denken, und der König läßt Ihnen ausdrücklich befehlen,
-Sie sollen den sogenannten Grafen Saint-Germain nicht nur bei allen
-Personen in ganz Holland, von denen Sie annehmen können, daß sie diesen
-Halunken kennen, mit Schimpf und Schande in Verruf bringen, sondern
-Seine Majestät wünscht auch, daß Sie mit Berufung auf die zwischen ihm
-und Holland bestehende Freundschaft die Verhaftung dieses Burschen
-durchsetzen, damit er nach Frankreich überführt und gemäß der Schwere
-seines Vergehens bestraft wird. Es liegt im Interesse aller Herrscher
-und der öffentlichen Moral, daß mit solcher Unverschämtheit aufgeräumt
-wird, die sich in die Angelegenheiten einer Macht wie Frankreich
-einzumischen wagt, ohne dazu ermächtigt zu sein. Nach meiner Meinung
-ist das Auslieferungsverlangen in diesem Falle ebenso berechtigt, wie
-sonst bei Verbrechern. Somit hofft der König nicht ohne Grund, daß
-Saint-Germain auf Ihren Antrag verhaftet und mit sicherem Geleit nach
-Lille gebracht wird.
-
-Ich muß gestehen, daß Sie nach meiner Meinung sehr schonend mit ihm
-verfahren sind und daß ich vielleicht nach Ihrer letzten Unterredung
-mit ihm den Befehl hätte geben sollen, ihm eine gute Tracht Prügel
-verabfolgen zu lassen.
-
-Was er Ihnen über Chambord gesagt hat, ist eine Lüge ersten Ranges. Der
-König will durchaus, daß dieser Abenteurer alsbald in den Vereinigten
-Provinzen in Verruf und Mißkredit gebracht und, wenn möglich, so
-bestraft wird, wie sein Unterfangen es verdient. Seine Majestät hat
-mich ausdrücklich beauftragt, Sie in seinem Namen aufzufordern, daß Sie
-der Sache Ihre volle Aufmerksamkeit widmen.
-
-+Nachschrift.+ Wäre es nicht möglich, außer dem Antrag auf
-Auslieferung Saint-Germains bei den Generalstaaten einen Artikel in
-die holländischen Zeitungen zu bringen, durch den dieser Halunke ein
-für allemal diskreditiert wird, damit alle Betrüger, die ihn nachahmen
-wollen, eine Lehre erhalten? Auch dies hat der König vollauf genehmigt,
-und Sie werden es voll ausführen, wenn Sie es für möglich halten.
-
-
-Graf d’Affry an Choiseul
-
- Haag, 17. April 1760.
-
-Ich habe den Kurier bis heute zurückbehalten, um Ihnen über die
-Ausführung Ihrer Befehle, betreffend den sogenannten Grafen
-Saint-Germain, eingehend berichten zu können. Gestern suchte ich den
-Ratspensionär auf, las ihm alles vor, was Sie mir betreffs dieses
-dreisten Abenteurers geschrieben haben, und bat um dessen Verhaftung
-und Auslieferung im Namen Seiner Majestät. Das schien ihm Verlegenheit
-zu bereiten, aber er versprach mir trotzdem, alles zu tun, was in der
-Sache von ihm abhinge ...
-
-Der Greffier sagte mir, er zweifle nicht, daß dieser Mann an uns
-ausgeliefert würde. Da jedoch Herr von Bentinck der Vorsitzende des
-ständigen Ausschusses ist, von dem die Sache während der Abwesenheit
-der Generalstaaten geprüft werden muß, fürchtete ich sofort, man werde
-Saint-Germain das Entkommen erleichtern, und diese Befürchtung ist
-eingetroffen.
-
-Ich erwartete gestern morgen weitere Nachrichten, als Herr Kauderbach
-zu mir kam und mich fragte, ob ich schon von Saint-Germains Flucht
-gehört hätte? Ich verneinte es. Darauf sagte er mir, vorgestern abend
-zwischen 7 und 8 Uhr sei Herr von Bentinck im Hause dieses Abenteurers
-gewesen[200] und hätte es vor 9 Uhr verlassen. Dann wäre Herr Pieck
-van Soelen[201] hingekommen, aber nicht lange geblieben. Darauf wäre
-Herr von Bentinck zwischen 9 und 10 Uhr nochmals erschienen und bis
-nach Mitternacht dageblieben. Herr von Saint-Germain sei zu Bett
-gegangen; um 5 Uhr früh hätte er Tee getrunken, und ein Bedienter des
-Herrn von Bentinck sei mit einem vierspännigen Mietswagen vor der Tür
-erschienen. Der Schwindler hätte ihn bestiegen, aber der Wirt könne
-nicht angeben, welche Straße er eingeschlagen habe, noch könne er
-sagen, ob Herr von Bentincks Bedienter mitgefahren sei. Diese Abreise
-geschah so hastig, daß er im Wirtshause seinen Degen und Koppel,
-sowie ein Paket mit Silber- oder Zinnspänen und ein paar Flaschen mit
-einer unbekannten Flüssigkeit hinterlassen habe. Ich hielt an mich,
-um Herrn Kauderbach meine Entrüstung über das Benehmen des Herrn von
-Bentinck zu verbergen. Ich sagte ihm nicht mehr, als ich ihm über das
-Auslieferungsgesuch sagen sollte, und fragte nur, ob er all der mir
-angegebenen Einzelheiten sicher sei. Er entgegnete mir, er habe sie
-von Saint-Germains Gastwirt, einem Sachsen, und schlug vor, diesen zu
-mir zu senden. Wir ließen ihn holen, und er bestätigte alles, was Herr
-Kauderbach mir gesagt hatte.
-
-Als Herr Kauderbach mein Haus verlassen hatte, ließ ich den
-Ratspensionär um eine Audienz bitten. Er war gerade von einem großen
-Mahle zurückgekehrt, bei dem er seit 7 Uhr gewesen war, und schob
-meinen Besuch bis heute 9 Uhr morgens auf. Ich ging zu ihm und fragte
-ihn, wie die Angelegenheit mit Saint-Germain stände. Er entgegnete,
-er allein könne die Verantwortung nicht auf sich nehmen, und ich
-müsse durchaus Herrn von Bentinck, dem Vorsitzenden des ständigen
-Ausschusses, eine Denkschrift überreichen. Der Ausschuß werde wohl
-Saint-Germains Verhaftung beschließen, nicht aber seine Auslieferung,
-bevor er nicht von den Staaten von Holland bei ihrem demnächstigen
-Zusammentritt dazu ermächtigt sei. Ich erwiderte, daß ich auf die
-Überreichung einer Denkschrift an Herrn von Bentinck verzichte und ihm
-auch den Grund dafür sagen wolle. Dann erzählte ich ihm Saint-Germains
-Flucht mit allen Einzelheiten und dem, was vorhergegangen war, ohne
-den Gastwirt weiter zu erwähnen, und stellte alles so dar, daß er
-glauben mußte, ich hätte das Ein- und Ausgehen des Herrn von Bentinck
-in dem Gasthofe und das Erscheinen seines Bedienten mit dem Mietswagen
-nur durch die Wachsamkeit meiner Spione erfahren. Er schien mir über
-alles, was er hörte, ehrlich entrüstet. Darauf sagte ich ihm, da man
-dem Abenteurer vom Haag aus zur Flucht verholfen hätte, hätte er
-vielleicht Zuflucht in Amsterdam gefunden, und ich wolle an unseren
-Marinekommissar, Herrn Astier, schreiben, er solle den Schurken im
-Namen Seiner Majestät verhaften und bis auf weiteren Befehl in sicherem
-Gewahrsam halten lassen ... Ferner sagte ich dem Ratspensionär, da
-der Abenteurer vielleicht in anderen Provinzen der Generalstaaten
-Zuflucht gesucht habe, würde ich zugleich die Genehmigung Seiner
-Majestät einholen, einen Antrag an die Hochmögenden zu stellen, und
-falls insbesondere die Provinz Holland oder eine andere diesen Akt
-der Gerechtigkeit abschlagen oder ihn dadurch vereiteln sollte,
-daß sie Saint-Germain zur Flucht behilflich sei, so würden wir ihn
-schon zu finden wissen, und ich sei sicher, wenn er in England oder
-sonstwo ermittelt würde, daß er nach Friedensschluß unmittelbar an
-uns ausgeliefert würde. Letzteres schien den Ratspensionär sehr in
-Verlegenheit zu setzen, und es sollte mich nicht wundern, wenn er
-in Amsterdam auf unseren Antrag hin verhaftet würde, aber ich bin
-überzeugt, daß er die Grenze der Republik bereits erreicht hat.
-
-Die Denkschrift[202], zu deren Einreichung an die Generalstaaten ich
-Ihre Erlaubnis erbitte und deren Entwurf ich hier beilege, kann, wenn
-es Seiner Majestät genehm ist, in allen Zeitungen erscheinen. Sie wird
-diesem Abenteurer einen Stempel aufdrücken, den er nie wieder los
-werden wird. Sie ist eine Art von Verurteilung _in contumaciam_,
-die ihn in ganz Europa brandmarkt.
-
-Ich glaube, der Schwindler ist in arger Geldverlegenheit. Er hat sich
-von dem Juden Boas[203] 2000 Gulden geborgt, für die er bei dem Juden
-drei Opale, falsche oder echte, in einem versiegelten Papier als Pfand
-hinterlassen hat. Die 2000 Gulden sollen am 25. d. M. bezahlt werden,
-und Herr Boas sagte gestern zu Herrn Kauderbach, wenn der Wechselbrief
-am 25. nicht einträfe, würde er die drei Opale öffentlich versteigern
-lassen. Betreffs des Herrn von Bentinck werde ich gemäß Ihrem letzten
-Erlaß handeln, falls Seine Majestät mir nicht neue diesbezügliche
-Befehle erteilt. Wenn ich ihn dieser Tage treffe, werde ich mit ihm
-von Herrn von Saint-Germain und dessen Abreise sprechen, ohne mich
-bloßzustellen, aber so, daß ich ihn zwinge, sein Benehmen und seine
-Beziehungen zu diesem Abenteurer ein für allemal abzuleugnen.
-
-
-Choiseul an Graf d’Affry
-
- Versailles, 24. April 1760.
-
-Der König genehmigt, daß Sie den Generalstaaten die Denkschrift über
-den sogenannten Grafen Saint-Germain einreichen, deren Entwurf Sie mir
-übersandten.
-
-
-Graf d’Affry an Choiseul
-
- Haag, 25. April 1760.
-
-Man glaubt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain sich nach England
-begeben hat. Ich hörte sagen, er hätte solche Angst vor der Verhaftung
-gehabt, daß er nicht in der Stadt Hellevoetsluis zu bleiben gewagt hat,
-sondern sich sofort auf ein Paketboot begab, wo er bis zum Augenblick
-der Abfahrt blieb, ohne den Fuß an Land zu setzen. Andere glauben, er
-sei nach Utrecht gefahren, von wo er Deutschland erreicht haben muß.
-
-
-II
-
-Denkschrift des Grafen d’Affry an die Generalstaaten[204]
-
- Haag, 30. April 1760.
-
-Hochmögende Herren! Ein Unbekannter, der sich Graf Saint-Germain nennt
-und dem mein Herr und König Zuflucht in seinem Reiche gewähren wollte,
-hat seine Gnade gemißbraucht. Er ist vor einiger Zeit nach Holland und
-seit kurzem nach dem Haag gekommen, wo er ohne irgendeine Vollmacht
-Seiner Majestät und des Ministeriums und ohne irgendeinen Auftrag in
-schamloser Weise ausgesprengt hat, er wäre zu Unterhandlungen im Namen
-des Königs ermächtigt. Mein Herr und König befiehlt mir ausdrücklich,
-dies Ihnen, hochmögende Herren, öffentlich mitzuteilen, damit niemand
-in Ihrem Machtbereich durch einen derartigen Schwindler getäuscht werde.
-
-Seine Majestät befiehlt mir ferner, die Auslieferung dieses Abenteurers
-von dunkler Herkunft zu beantragen, der von Anfang an die ihm
-gewährte Zuflucht gemißbraucht hat, indem er sich beikommen ließ,
-von der Regierung des Königreiches mit ebenso großer Dreistigkeit
-wie Unkenntnis zu reden und die falsche und dreiste Behauptung zu
-verbreiten, er sei mit Vertretung der wichtigsten Interessen meines
-Herrn und Königs betraut. Seine Majestät zweifelt nicht, daß Sie,
-hochmögende Herren, ihm die Gerechtigkeit nicht versagen werden, die
-er von Ihrer Freundschaft und Gerechtigkeit erwarten darf, und daß
-Sie veranlassen, daß der angebliche Graf Saint-Germain verhaftet und
-mit guter Bedeckung nach Antwerpen gebracht wird, um von dort nach
-Frankreich überführt zu werden. Ich hoffe auf unverzügliche Gewährung
-dieser Bitte.
-
-
-III
-
-Protokoll der Sitzung der Generalstaaten[205]
-
- Haag, 30. April 1760.
-
-In der Versammlung wurde die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry,
-Botschafter Seiner Majestät des Königs von Frankreich, die die Person
-eines sogenannten Grafen Saint-Germain reklamierte, verlesen.
-
-Darauf wurde in die Beratung eingetreten. Die Deputierten der
-verschiedenen Provinzen haben die erwähnte Denkschrift in Abschrift
-entgegengenommen, um sie in ihren Provinzen weiter mitzuteilen. Ferner
-wurde einstimmig beschlossen, die Abschrift der obigen Denkschrift dem
-Herrn Pieck van Soelen und anderen Mitgliedern der Generalstaaten,
-die zum auswärtigen Ausschuß gehören, zur weiteren Prüfung und
-Berichterstattung an die Versammlung zu übergeben[206].
-
-
-IV
-
-Aus den Aufzeichnungen des Grafen Bentinck[207]
-
- Sonntag, 9. März 1760.
-
-Saint-Germain erzählte mir, England würde dem Frieden keine Hindernisse
-in den Weg legen, Frankreich dagegen Schwierigkeiten bereiten. Der
-französische König und Frau von Pompadour, der ganze Hof sowie das
-gesamte Land verlangten leidenschaftlich nach Frieden. Der Herzog von
-Choiseul sei der einzige, der dies Bestreben zu vereiteln suche. Er
-habe seinen Einfluß gewonnen, als er am Wiener Hof weilte[208]. Alles
-Elend und Mißgeschick in Europa habe der Versailler Vertrag von 1756
-verursacht. Durch eine geheime Klausel in demselben sei Flandern dem
-Infanten zugesichert, und dafür solle Schlesien nach seiner Eroberung
-der Königin von Ungarn abgetreten und übertragen werden[209]. Einen
-Weg aus dieser Verlegenheit gebe es: nämlich der Friedensschluß
-zwischen England und Frankreich. Das übliche System von Präliminarien,
-Kongressen und Konferenzen würde nur die Lösung unbegrenzt
-hinausschieben und zu einem neuen Kriege führen. Der bloße Gedanke
-lasse einen erschaudern. Sobald man nur einige annehmbare Vorschläge
-vorbrächte oder nur etliche aufrichtige und vertrauenswürdige Männer
-sich ins Mittel legten, würde seiner Ansicht nach der Friede zustande
-kommen, den England ebenso dringend gebrauche wie Frankreich. Der König
-und Frau von Pompadour verlangten sehnsüchtig nach Frieden, nicht
-minder der englische König. Ebenso wären der Herzog von Newcastle[210]
-und Lord Granville[211] dafür eingenommen. Pitt[212], der jetzt mit
-ihnen beiden gemeinsame Sache mache, hätte bisher stets seine Pläne
-durchkreuzt; aber er wäre dem Könige verhaßt.
-
-Ein Schotte, namens Crammon, der in Paris lebe, habe ein Schreiben
-von Neufville in Amsterdam[213] erhalten, mit dem Auftrage, sich auf
-seinen Empfang vorzubereiten. Er bekam noch einen weiteren Brief über
-Brüssel aus London, und dieses letztere Schreiben enthielt Andeutungen
-über einen Sonderfrieden zwischen Frankreich und England. Diese
-Andeutungen kamen vom Herzog von Newcastle und Lord Granville. Frau von
-Pompadour habe ihn von dem Inhalt dieses Schreibens unterrichtet; sie
-sei hocherfreut gewesen und habe ihm aufgetragen, Choiseul davon in
-Kenntnis zu setzen. Nach anfänglicher Weigerung habe er, Saint-Germain,
-schließlich nachgegeben. Aber Choiseul verwerfe alles.
-
-
- Dienstag, 11. März 1760.
-
-Wie Saint-Germain mir sagte, hat er Frau von Pompadour mitgeteilt,
-was zwischen mir und ihm vorgefallen ist[214], ... und auch an
-den Minister in diesem Sinne geschrieben. Auf meine Frage, wie der
-Minister diese Nachricht aufnehmen werde, sagte er lächelnd, doch
-mit zuversichtlichem Blick, es werde sich in Versailles bald manches
-ändern, und er gab mir zu verstehen, daß es nicht in Choiseuls Macht
-liegen werde, den Frieden noch lange zu hintertreiben.
-
-
- Freitag, 4. April 1760.
-
-Der Ratspensionär Steyn erzählte mir, d’Affry hätte ihm mitgeteilt, daß
-die Weisungen Choiseuls, betreffend Saint-Germain, in der Hauptsache
-darauf hinausliefen, alles, was Saint-Germain für den Frieden getan
-hätte oder tun würde, zu desavouieren. Ferner sei er beauftragt,
-Saint-Germain davon zu unterrichten und die Drohung hinzuzufügen, bei
-weiterer Einmischung würde er bei seiner Rückkehr nach Frankreich
-eingekerkert[215] ...
-
-An demselben Tage speiste Saint-Germain zusammen mit mir und erzählte
-mir, d’Affry habe ihm die Befehle mitgeteilt und Choiseuls Brief[216]
-gezeigt. Er hätte geantwortet, das werde ihn nie an der Rückkehr nach
-Frankreich hindern und diese Drohungen würden nie zur Ausführung
-gelangen; sie stammten lediglich von Choiseul. Ferner berichtete er,
-er hätte Yorke schon vor 17 Jahren als Kind kennen gelernt und die
-Familie Yorke wäre stets die Güte selbst zu ihm gewesen. D’Affry
-hätte ihm auch seine häufigen Besuche bei mir vorgehalten, aber er,
-Saint-Germain, hätte erklärt, daß er damit fortfahren würde. Dann habe
-d’Affry ihm Choiseuls Brief zusammen mit dem gezeigt, den er selbst an
-Frau von Pompadour geschrieben habe[217]. Dazu bemerkte Saint-Germain,
-nach seiner Überzeugung hätte Choiseul diesen der Frau von Pompadour
-gestohlen. Wiederholt hätte ihm d’Affry gesagt, Frankreich werde
-nie Vertrauen in mich setzen. Nach allem scheint es, als ob sich
-Saint-Germain aus den Weisungen, die d’Affry empfangen hat, wenig
-macht, und noch weniger aus Choiseul selbst.
-
-
- Dienstag, 15. April 1760.
-
-Der Ratspensionär erzählte mir, d’Affry habe ihm die in der letzten
-Nacht durch Kurier überbrachten Befehle gezeigt, in denen es hieß,
-daß Saint-Germain „ein bloßer Landstreicher“ sei, und daß alles, was
-er etwa vorgebracht habe, dementiert werden solle. Es solle Klage
-gegen ihn erhoben, er solle festgenommen und nach Lille zur weiteren
-Überführung nach Frankreich gebracht und dort eingekerkert werden[218]
-... Demgegenüber entwickelte ich meine Ansicht, daß Saint-Germain,
-wie andere Fremde, im Vertrauen auf den Schutz der Gesetze
-hergekommen sei und auf seine persönliche Sicherheit rechne; daß er
-kein Kapitalverbrecher sei, wie Mörder oder Giftmischer, denen kein
-Herrscher Schutz gewähre, und daß das Asylrecht in unserer Republik als
-geheiligt gelte ... Er stimmte dem zu, schien aber sehr besorgt wegen
-der Aufnahme in Frankreich.
-
-Darauf ging ich zum Greffier, der mir in Gegenwart des Ratspensionärs
-und ebenso wie dieser von d’Affrys Besuch und seinen Forderungen
-erzählte und daß er ihm geraten habe, sich an die Regierung selber
-zu wenden usw., daß er aber nicht glaube, die Regierung werde jemand
-ausliefern, der im Lande im Vertrauen auf dessen Schutz lebe, und der
-sich kein scheußliches Verbrechen, dem kein Herrscher Schutz gewähre,
-habe zu schulden kommen lassen.
-
-
- Mittwoch, 16. April 1760.
-
-Als ich Yorke mitteilte, was ich soeben über Saint-Germain gehört
-hatte, erwartete ich, er werde ihn in Schutz nehmen; denn Yorke hatte
-mit Saint-Germain zu verhandeln begonnen und ihn ermutigt. Ich habe
-seine Originalbriefe an Saint-Germain selbst gesehen; sie sind sehr
-freundlich und ermutigend. Statt aber Saint-Germain in Schutz zu
-nehmen, nahm er seinen harten, hochmütigen und anmaßlichen Ausdruck
-an und sagte, es sei ihm „sehr lieb, Saint-Germain in den Händen
-der Polizei zu sehen“. Ich war wie vom Donner gerührt und sagte ihm
-mit voller Absicht meine Meinung, freilich in sehr höflicher und
-vorsichtiger Weise, um ihn nicht zu verletzen. Aber Yorke blieb dabei
-und sagte, er „wüsche sich betreffs Saint-Germains die Hände in
-Unschuld“. Auch verweigerte er mir einen Paß für das Paketboot, um den
-ich ihn bat. Als ich ihn drängte, sagte Yorke schließlich, wenn ich
-einen Paß als _persönliche_ Gunst erbäte, werde er ihn mir „mit
-Rücksicht auf meine Stellung“ nicht abschlagen. Ich nahm es an und
-betonte, daß d’Affry uns eine Menge Scherereien machen könne, denen
-sich vorbeugen ließe, wenn man Saint-Germain die Flucht ermöglichte.
-Darauf rief Yorke seinen Sekretär und ließ einen Paß bringen, den er
-unterzeichnete und mir unausgefüllt aushändigte, so daß Saint-Germain
-seinen eigenen Namen oder irgendeinen anderen hineinsetzen konnte, um
-sich den Verfolgungen d’Affrys oder seiner Agenten zu entziehen. Ich
-ging mit dem Paß fort, ohne Yorke zu zeigen, wie sehr ich über diesen
-Vorfall verletzt und empört war.
-
-
- 18. April 1760.
-
-D’Affry besuchte mich, und als er von Linnières und seinen Beziehungen
-zu Saint-Germain sprach[219], fiel mir dieser Name auf und erregte
-meine Neugierde, da ich viel über ihn in England gehört hatte, wo er
-längere Zeit gewesen war und in den besten Kreisen verkehrt hatte.
-Kein Mensch dort wußte, wer er war. Aber das wunderte mich nicht,
-da es in England keine Geheimpolizei gibt. Um so erstaunlicher war
-dagegen, daß er in Frankreich unbekannt war. Nur der König, so erzählte
-d’Affry, kannte ihn, und in England, wie er glaubte, der Herzog von
-Newcastle. Ich berichtete d’Affry, was ich über Saint-Germain, sein
-Gebaren, seinen Reichtum, sein prächtiges Auftreten gehört hatte,
-ebenso über die Regelmäßigkeit, mit der er seine Schulden bezahlte,
-und über die großen Summen, die er in England, wo das Leben teuer ist,
-ausgab usw. Darauf bemerkte d’Affry, sicher wäre er ein merkwürdiger
-Mann; die seltsamsten Geschichten würden von ihm erzählt, eine immer
-abgeschmackter als die andere. Z. B. solle er den Stein der Weisen
-besitzen, 100 Jahre alt sein, obwohl er noch nicht wie ein Vierziger
-aussähe usw. Meine Frage, ob er ihn persönlich kenne, bejahte er; im
-Hause der Prinzessin Montauban sei er ihm begegnet. Saint-Germain sei
-in Versailles hochwillkommen und eine bekannte Persönlichkeit gewesen
-und habe oft Frau von Pompadour besucht. Er sei verschwenderisch und
-trete prächtig auf. Unter anderem erwähnte er seine kostbaren Gemälde,
-Juwelen und Kunstgegenstände. An Weiteres erinnere ich mich nicht
-mehr ...
-
-Auf die Mitteilung von Linnières, daß ich seine Bekanntschaft wünschte,
-machte mir Saint-Germain im März seinen Besuch. Seine Unterhaltung
-gefiel mir außerordentlich; sie war glänzend, voll Abwechslung und
-reich an Schilderungen der verschiedenen Länder, die er gesehen hatte
--- alles sehr fesselnd. Seinen Urteilen über Personen und Sachen, die
-mir bekannt waren, konnte ich nur beipflichten. Sein Auftreten war sehr
-höflich und bewies, daß er in der besten Gesellschaft aufgewachsen war.
-
-Mit Frau Geelvinck und Herrn A. Hope[220] war er von Amsterdam
-herübergekommen, wo er täglich im Hause des Bürgermeisters
-Hasselaar[221] verkehrte. Er hatte von der Hasselaarschen Familie
-Empfehlungen an Herrn van Soelen im Haag, der ihn zu Frau von Byland
-und anderswohin mitnahm. Am Geburtstag des Prinzen von Oranien[222]
-nahm ich ihn nach dem „Alten Hof“ (_Oude Hof_), wo ich seinen Namen
-nannte, zum Ball mit, wo er von den Hasselaars, Frau Geelvinck und Frau
-Byland und anderen angesprochen wurde.
-
-Er wollte ursprünglich am Tage nach dem Ball wieder abreisen und hatte
-zu dem Zwecke eine Kutsche aus Amsterdam gemietet, um mit den beiden
-Damen, die mit ihm gekommen waren, dorthin zurückzukehren. Aber sie
-hielten ihn drei bis vier Tage länger auf. Während dieser Zeit war
-er täglich mit d’Affry zusammen, bei dem er auch speiste, bevor er
-wieder nach Amsterdam abreiste. Ich hatte verschiedene Unterredungen
-mit ihm, doch ist das meiste meinem Gedächtnis entfallen. Ich muß noch
-bemerken, daß während der Zeit, die zwischen dem Ball und seiner
-Abfahrt verstrich, d’Affry im steten Glauben, daß er abreisen wolle,
-ihm täglich Wein und Fleisch sandte. Das kann ich persönlich bezeugen,
-da ich zugegen war, als d’Affrys Bote ihm zwei Tage hintereinander die
-Sachen brachte. Da aber Saint-Germain trotzdem nicht abreiste, kam er
-zu Tisch in d’Affrys Haus ...
-
-Ich ging selbst zu Saint-Germain und riet ihm in seinem eigenen
-Interesse, sobald als möglich fortzugehen[223]. Ich erzählte, ich wäre
-von dritter Seite unterrichtet[224], daß d’Affry Befehl habe, seine
-Festnahme zu bewirken, worauf er unter Bedeckung an die Grenze gebracht
-und an Frankreich ausgeliefert werden solle, damit er dort für den Rest
-seines Lebens eingekerkert würde. Er war außerordentlich überrascht,
-nicht sowohl über Choiseuls Befehle, als darüber, daß d’Affry daran
-dächte, sie in einem Lande, wo Recht und Gesetz noch Geltung hätten,
-zur Ausführung zu bringen. Er stellte eine Menge Fragen, eine immer
-gemessener als die andere, und mit der größten Ruhe der Welt. Ich
-wollte mich auf keinerlei Erörterung einlassen, da es mir zu schwierig
-schien, alle seine Fragen zu beantworten und alle Punkte, die er zur
-Sprache brachte, aufzuklären. Ich sagte ihm, dazu wäre keine Zeit; er
-solle vielmehr an sofortige Abreise denken, wenn ihm seine Sicherheit
-lieb wäre. Bis zum anderen Morgen hätte er für seine Vorbereitungen
-Zeit, da d’Affry die Schritte, die er etwa vorhätte, nicht vor 10 Uhr
-am nächsten Morgen unternehmen könnte. Vor diesem Zeitpunkte müsse also
-Saint-Germain seine Pläne gefaßt und ins Werk gesetzt haben. Darauf
-wurde Art und Weise und Ziel der Reise besprochen. Für das erstere
-stellte ich mich zur Verfügung; für das letztere riet ich zu England.
-Wir einigten uns darüber, und ich erbot mich, ihm von Herrn Yorke den
-Paß zu besorgen, dessen er zur Einschiffung auf dem Paketboot bedurfte.
-Da ein Schiff am nächsten Tage fahren sollte, drängte ich ihn, sich so
-schnell als möglich nach Hellevoetsluis zu begeben. Sei das geschehen,
-kämen alle Schritte d’Affrys zu spät ...
-
-Abends zwischen 7 und 8 Uhr brachte ich Saint-Germain den Paß. Er
-richtete einen Haufen Fragen an mich, auf die ich aber nicht einging;
-vielmehr bat ich ihn, lieber an Wichtigeres zu denken als Fragen zu
-stellen, die in der gegenwärtigen Bedrängnis abgeschmackt und nutzlos
-seien. Er entschloß sich zur Abreise. Da keiner von seinen Bedienten
-Sprache, Straßen und Bräuche des Landes kannte, bat er mich, ihm
-einen der meinigen zu leihen, was ich mit Vergnügen tat. Ja, ich
-tat noch mehr, ich bestellte einen Mietswagen mit vier Pferden, der
-ihn angeblich nach Leiden bringen sollte, für den nächsten Morgen
-um 4½ Uhr vor mein Haus und beauftragte einen Diener, den Grafen
-Saint-Germain auf den richtigen Weg zu bringen und bei ihm zu bleiben,
-bis dieser ihn zu mir zurückschicken würde.
-
-
-V
-
-Aus Yorkes Korrespondenz[225]
-
-
-Yorke an Lord Holdernesse[226]
-
- Haag, 14. März 1760.
-
-Da Seine Majestät[227] geruht hat, Frankreich seine Meinung über
-die europäischen Verhältnisse im großen und ganzen mitzuteilen und
-durch mich seinen Wunsch nach Wiederherstellung der öffentlichen Ruhe
-auszudrücken[228], nehme ich an, daß der Versailler Hof diesen Weg als
-den gangbarsten ansieht, um sich mit England in Verbindung zu setzen.
-Das ist wenigstens der nächstliegende Grund für Frankreichs Versuche,
-mich durch einen Dritten auszuforschen.
-
-Euer Lordschaft kennen die Geschichte des seltsamen Mannes, der unter
-dem Namen eines Grafen von Saint-Germain bekannt ist. Er hat sich eine
-Zeitlang in England aufgehalten[229], ohne irgendwie hervorzutreten;
-die zwei bis drei letzten Jahre hat er in Frankreich verbracht, wo
-er auf vertrautestem Fuße mit dem König von Frankreich, Frau von
-Pompadour, dem Marschall von Belle-Isle usw. stand. Das hat ihm das
-Geschenk des königlichen Schlosses Chambord eingetragen und ihn instand
-gesetzt, in jenem Land eine gewisse Rolle zu spielen. In meinen
-Privatbriefen glaube ich schon einmal von diesem Phänomen gesprochen zu
-haben.
-
-Der Mann ist vor ein paar Tagen hier angekommen. Er tauchte für einige
-Tage in Amsterdam auf, wo er sehr umschmeichelt wurde und wo man viel
-von ihm redete. Anläßlich der Hochzeit der Prinzessin Karoline[230]
-kam er nach dem Haag, wo er der gleichen neugierigen Aufmerksamkeit
-begegnete. Seine Zungenfertigkeit warb ihm Zuhörer; der Freimut, mit
-dem er über alles mögliche sprach, erregte allerlei Vermutungen,
-nicht zuletzt die, daß er als Friedensunterhändler gekommen sei. Herr
-d’Affry behandelt ihn mit Achtung und Aufmerksamkeit, ist aber sehr
-eifersüchtig auf ihn. Ich für mein Teil kümmerte mich nicht um ihn
-und habe mir nicht einmal die Mühe gegeben, meine Bekanntschaft mit
-ihm zu erneuern. Trotzdem sprach er bei mir vor, ich erwiderte seinen
-Besuch, und gestern wünschte er mich zu sprechen, erschien aber nicht
-zur bestimmten Stunde. Heute früh wiederholte er seine Bitte, und ich
-empfing ihn.
-
-Er sprach zunächst von der schlechten Lage Frankreichs, von seinem
-Friedensbedürfnis und seinem Wunsch, Frieden zu schließen, sowie
-von seinem eigenen Ehrgeiz, zu einem für die gesamte Menschheit so
-erwünschten Ziele beizutragen. Schließlich betonte er seine Vorliebe
-für England und Preußen, die ihn nach seiner Behauptung in Frankreich
-jetzt beliebt mache. Da ich ihn zur Genüge kenne und mich auf eine
-Unterhaltung mit ihm, ohne näher unterrichtet zu sein, nicht einlassen
-wollte, war ich zuerst sehr ablehnend und sagte ihm, dergleichen
-Dinge seien zu heikel, um sie mit unberufenen Leuten zu erörtern; ich
-wünschte daher seine Absichten kennen zu lernen.
-
-Dies Verfahren verfehlte seinen Zweck nicht; denn sofort zeigte er mir
-als Beglaubigungsschreiben zwei Briefe des Marschalls von Belle-Isle
-vom 14. und 26. Februar. In dem ersteren sandte ihm der Marschall einen
-Blankopaß des Königs von Frankreich mit der Erlaubnis, ihn auszufüllen.
-In dem zweiten wartete er mit Ungeduld auf Nachrichten von ihm, und
-in beiden ergeht er sich in Lobeserhebungen über seinen Eifer, sein
-Geschick und die Hoffnungen, die er auf den Zweck seiner Sendung setze.
-An der Echtheit beider Briefe zweifle ich nicht. Nachdem ich sie
-gelesen und ihm ein paar übliche Komplimente gemacht hatte, bat ich
-ihn, sich zu erklären, was er folgendermaßen tat.
-
-Der König, der Dauphin, Frau von Pompadour, der ganze Hof und das
-gesamte Volk, mit Ausnahme Choiseuls und Berryers[231], wünschen
-Frieden mit England. Sie könnten nicht anders, da die innere Lage es
-fordere. Die wahre Gesinnung Englands ist ihnen unbekannt, und sie
-wünschen mit Anstand aus der Sache herauszukommen. Herr d’Affry ist
-nicht eingeweiht, und der Herzog von Choiseul ist so österreichisch
-gesinnt, daß er nicht alles ausplaudern wird; aber das hat nichts zu
-bedeuten, denn er wird hinausgesetzt werden. Frau von Pompadour ist
-nicht für den Wiener Hof, aber sie ist unentschlossen, weil sie nicht
-weiß, auf wen sie sich verlassen kann. Sie wird aber entschlossen
-werden, sobald sie des Friedens gewiß ist. Der Marschall von Belle-Isle
-hat mit Wissen des Königs von Frankreich den Grafen Saint-Germain als
-Fühler vorgeschoben. Auf Spanien rechnet man nicht und macht sich in
-dieser Hinsicht keine Hoffnungen[232], obgleich der Herzog von Choiseul
-sich bemüht, diesen Glauben zu erwecken. Das und vieles andere brachte
-der politische Abenteurer vor.
-
-Ich schwankte sehr, ob ich ihm gegenüber auf die Sache eingehen sollte;
-da ich aber von der Richtigkeit seiner Sendung überzeugt war, glaube
-ich keine Mißbilligung zu finden, wenn ich in allgemeinen Wendungen
-antwortete. Ich sagte ihm also, der König wünsche ernstlich den
-Frieden, und daran sei kein Zweifel möglich, da er ja inmitten seiner
-Erfolge, die seitdem noch beträchtlich zugenommen hätten, die Hand
-zum Frieden geboten habe. Mit unseren Verbündeten[233] sei die Sache
-leicht, aber ohne sie unmöglich, und Frankreich kenne unsere Lage zu
-gut, um sie erst von mir erfahren zu müssen. Auf Einzelheiten könne
-man jedoch erst eingehen, wenn wir vom ernstlichen Friedenswunsch der
-Gegner überzeugt seien; zudem sei ich nicht eingeweiht. Ich ging dann
-auf Frankreichs Abhängigkeit von den beiden Kaiserinnen[234] und auf
-die unangenehmen Aussichten ein, die sich für Frankreich böten, selbst
-wenn der König von Preußen Unglück hätte. Aber ich hütete mich wohl,
-über die allgemeinsten, wenn auch durchaus positiven Versicherungen
-hinauszugehen, daß Seine Majestät die Wiederherstellung des Friedens
-wünsche.
-
-Als das Gespräch lebhafter wurde, fragte ich ihn, welcher Verlust für
-Frankreich am empfindlichsten gewesen sei? Ob es Kanada[235] wäre?
-
-„Nein,“ sagte er, „denn wir wissen, daß es uns 36 Millionen gekostet
-hat, ohne uns etwas einzubringen.“
-
-„Guadalupe?“
-
-„Deswegen wird der Frieden nicht scheitern, denn wir haben auch ohne
-diese Insel Zucker genug.“
-
-„Ostindien?“
-
-„Das ist der empfindliche Punkt, denn es hängt mit unserer Finanzlage
-zusammen.“
-
-Ich fragte ihn, was man von Dünkirchen dächte.
-
-„Man wird es ohne Schwierigkeit schleifen; darauf können Sie sich
-verlassen.“
-
-Nun fragte er mich, was wir von Minorka dächten.
-
-Ich entgegnete ihm, wir hätten es vergessen, wenigstens spräche niemand
-mehr davon.
-
-„Das“, sagte er, „habe ich ihnen hundert und tausendmal gesagt. Auch
-die Kostenfrage brächte uns sehr in Verlegenheit.“
-
-Das sind die Hauptpunkte einer dreistündigen Unterredung, über die ich
-ihm zu berichten versprach.
-
-Er bat mich um Geheimhaltung und sagte, er ginge nach Amsterdam und
-Rotterdam, bis er erführe, daß ich eine Antwort erhalten hätte.
-Ich habe ihn nicht ermutigt, darauf zu warten, aber auch nicht das
-Gegenteil getan.
-
-Ich hoffe, Seine Majestät wird mein Benehmen nicht mißbilligen. Es ist
-in solchen Verhältnissen nicht leicht, das Rechte zu treffen, aber
-ich kann diese Verhandlungen ebenso leicht abbrechen, wie ich sie
-angeknüpft habe. Der König scheint ja dem Frieden eine Tür öffnen zu
-wollen, und Frankreich scheint ihn sehr nötig zu haben. Die Gelegenheit
-scheint günstig, aber bevor ich weiter gehe, erwarte ich Weisung. Ein
-allgemeiner Friedenskongreß scheint nicht nach Frankreichs Geschmack,
-und man scheint weiter gehen zu wollen, als man gesagt hat, aber es
-wäre Frankreich sehr angenehm, wenn man ihm irgendein Angebot machte;
-denn Seine Allerchristlichste Majestät und die Marquise sind etwas
-schwer von Entschluß.
-
-
-Lord Holdernesse an Yorke
-
- Whitehall, 21. März 1760.
-
-Ich kann Ihnen zu meiner Freude mitteilen, daß Seine Majestät Ihr
-Verhalten bei der Unterredung mit dem Grafen Saint-Germain, die Sie
-durch Geheimbericht vom 14. melden, durchaus billigt. Insbesondere ist
-es dem König lieb, daß Sie so vorsichtig waren, nicht auf Einzelheiten
-einzugehen, bevor er die beiden Briefe des Marschalls von Belle-Isle
-vorzeigte, die, wie Sie richtig bemerken, eine Art Vollmacht waren.
-Da Sie ihm gegenüber nur in allgemeinen Wendungen und gemäß Ihren
-früheren Instruktionen gesprochen haben, würde es auch nichts schaden,
-wenn Ihre Worte öffentlich bekannt würden. Seine Majestät hält es
-für wahrscheinlich, daß der Graf Saint-Germain -- vielleicht sogar
-mit Vorwissen des Königs von Frankreich -- von einigen Mitgliedern
-des Staatsrats tatsächlich beauftragt war, so zu reden, und es ist
-einerlei, durch welche Mittelsperson man zum erwünschten Ziele kommt.
-Weiter aber dürfen die Unterhandlungen zwischen einem beglaubigten
-Gesandten Seiner Majestät und einer Persönlichkeit wie Saint-Germain,
-so wie dieser bisher auftritt, nicht gehen. Alles, was Sie sagen,
-ist offiziell, wogegen Saint-Germain kurzerhand verleugnet werden
-kann, wenn es dem französischen Hofe paßt. Deshalb ist sein Auftrag
-auch nicht nur dem französischen Gesandten im Haag unbekannt, sondern
-auch dem Minister des Auswärtigen in Versailles, der, wenn ihn auch
-das gleiche Los treffen kann, wie seinen Vorgänger, Kardinal von
-Bernis[236], doch der offizielle Minister ist.
-
-Seine Majestät wünscht also, daß Sie dem Grafen Saint-Germain
-sagen sollen: in Beantwortung des Berichtes, den Sie mir über Ihre
-Unterredung mit ihm schrieben, hätten Sie Befehl erhalten, ihm zu
-sagen, Sie könnten mit ihm über so wichtige Dinge nur reden, wenn
-er einen authentischen Beweis dafür beibrächte, daß er tatsächlich
-mit Wissen und Wollen Seiner Allerchristlichsten Majestät handle.
-Zugleich aber können Sie hinzufügen, da der König stets geneigt
-sei, die Reinheit seiner Gesinnung und seinen ehrlichen Wunsch nach
-Vermeidung jedes weiteren Vergießens von Christenblut zu beweisen, sei
-er bereit, sich über die Friedensbedingungen auszulassen, wenn der
-französische Hof einen gehörig beglaubigten Unterhändler schickte.
-Dabei werde jedoch vorausgesetzt, daß, wenn beide Kronen sich über
-die Friedensbedingungen einigten, der französische Hof ausdrücklich
-und zuverlässig seine Zustimmung erklärte, daß die Verbündeten
-Seiner Majestät, insbesondere der König von Preußen, in das Abkommen
-einbegriffen werden. Ich brauche nicht hinzuzufügen, daß England sich
-auf keine Friedensunterhandlungen einläßt, in die Seine Majestät nicht
-als Kurfürst [von Hannover] eingeschlossen wird.
-
-
-Yorke an Lord Holdernesse
-
- Haag, 28. März 1760.
-
-Gestern morgen besuchte mich der Graf Saint-Germain, da ich ihn hatte
-wissen lassen, daß ich ihn sprechen möchte. Ich erklärte ihm offen,
-weitere Verhandlungen mit ihm seien unmöglich, wenn er nicht eine
-Vollmacht, die von dem König von Frankreich oder in dessen Namen
-ausgestellt sei, vorweisen könne. Ich sagte ihm, ich sei beglaubigt
-und er nicht, und daher könne alles, was er sage, sogleich desavouiert
-werden, wogegen alles, was von mir käme, das Gepräge der mir vom
-König verliehenen Eigenschaft trage. Ich betonte das als Einleitung
-zu den Eröffnungen, die ich auf Weisung Eurer Lordschaft vom 21. ds.
-Mts. machen sollte. Ich setzte hinzu, obwohl es klar sei, daß die
-Meinungen am französischen Hofe auseinandergingen, würden wir nicht mit
-verschiedenen Personen unterhandeln, die teils Vollmacht hätten und
-teils nicht. Da, wie er wisse, der König seinen Feinden einen Kongreß
-offen angeboten habe und dank der unvergleichlichen Hochherzigkeit
-Seiner Majestät Unterhandlungen mit Herrn d’Affry hätten angeknüpft
-werden können, sei jede weitere Erörterung über die Nutzlosigkeit und
-Unzweckmäßigkeit weiterer Schritte von unserer Seite zwecklos, wenn wir
-keine Gegenliebe fänden.
-
-Nachdem ich dies vorausgeschickt hatte, sagte ich zu ihm: Ganz
-abgesehen von der Person, deren Briefe er mir früher gezeigt hätte,
-und in der Überzeugung, daß er ein so heilsames Werk ehrlich zu
-fördern wünsche, hätte der König mir erlaubt, ihm mitzuteilen, daß
-Seine Majestät auch künftig einer Aussöhnung mit dem französischen
-Hofe geneigt sei. Das könne jeden Wohlmeinenden von der Lauterkeit der
-Gesinnung Sr. Majestät überzeugen. Demgemäß teilte ich ihm die Weisung
-Eurer Lordschaft mit und erlaubte ihm auf seine Bitte, Abschrift von
-dem letzten Teile zu nehmen, von den Worten: „Seine Majestät wünscht
-also“, bis zum Schluß.
-
-So weit bin ich gemäß dem mir erteilten Auftrag gegangen. Da jedoch
-seit meinem letzten Bericht über den Grafen von Saint-Germain ein
-Zwischenfall eingetreten ist, über den d’Affry (der noch nichts über
-meine Unterredung mit ihm weiß) ganz offen gesprochen hat, wünschte ich
-die Geschichte aus seinem eigenen Munde zu hören, und er erzählte mir
-folgendes:
-
-Am Sonntag (23. März) erhielt d’Affry einen Kurier vom Herzog von
-Choiseul mit der Weisung, zu erklären, Saint-Germain hätte keinerlei
-Auftrag vom Versailler Hofe, und er (d’Affry) solle ihn wissen lassen,
-daß er nicht in seinem Hause verkehren dürfe, ja er solle ihm dies
-sogar verbieten[237]. Das teilte d’Affry dem Saint-Germain am Mittwoch
-(26. März) bei seinem Besuche mit, und zwar im Namen des Königs von
-Frankreich. Als dieser aber den Befehl zu sehen verlangte, da er sich
-nicht denken konnte, daß er vom König selbst käme, räumte d’Affry
-ein, daß der Befehl nicht vom König selbst, sondern vom Herzog von
-Choiseul als Staatssekretär des Auswärtigen käme. Dies begleitete er
-mit Versicherungen seiner Hochachtung und drückte zugleich den Wunsch
-aus, ihn am nächsten Tage nochmals zu sprechen. Saint-Germain jedoch
-lehnte dies ab, da er nicht gewillt sei, den Gesandten nochmals zu
-einem Verstoß gegen seine Befehle zu veranlassen, die er bereits
-durch seinen Empfang übertreten hätte. D’Affry ließ einfließen, daß
-dieser Befehl die Folge eines Briefes sei, den Saint-Germain an die
-Marquise von Pompadour geschrieben hätte[238], und durch den er, wie
-er sich ausdrückte, in Versailles in Teufels Küche geraten sei, obwohl
-er leugnete, von dem Inhalt des Briefes das geringste zu wissen.
-Saint-Germain berief sich auf die ihm bei seinem ersten Besuche
-gegebenen Beweise dafür, daß er nicht ohne Vollmacht sei, und erklärte,
-daß die möglichen Folgen seiner Briefe ihm keine Kopfschmerzen
-verursachten, was den Gesandten einigermaßen mißtrauisch machte.
-Schließlich verabschiedete er sich kurzerhand. Nichtsdestoweniger ließ
-d’Affry sich gestern wieder nach ihm erkundigen. Dabei ließ er ihm sein
-Bedauern ausdrücken, ihn nicht gesehen zu haben, und seine Besorgnis,
-er möchte unpäßlich sein. Ob er seitdem bei ihm war, weiß ich nicht.
-
-Diese neue Episode in dem Roman Saint-Germains verwundert mich nicht
-sehr. Ebensowenig sollte es mich wundern, wenn über kurz oder lang ein
-mächtiger französischer Minister seinem Treiben ein Ende macht, obwohl
-er behauptet, sich vor nichts zu fürchten.
-
-Ich war jedoch begierig zu erfahren, was er nun vorhat und wie er sein
-Unternehmen fortsetzen will. Mir scheint, fürs nächste wird er nicht
-recht wissen, was er tun soll. Ob aus Furcht vor dem Groll des Herzogs
-von Choiseul, oder, wie er behauptet, wegen der Tatlosigkeit des Königs
-von Frankreich und der Unschlüssigkeit der Marquise, vermag ich nicht
-zu sagen. Aber ich fand ihn im Zweifel darüber, ob er nicht versuchen
-solle, den Herzog von Choiseul selbst für das System zu gewinnen, das
-seine eigenen Auftraggeber seiner Ansicht nach vertreten. Es war nicht
-meines Amtes, ihn dazu zu ermutigen, und so sagte ich nur, die Sache
-schiene mir, aus der Entfernung gesehen, heikel zu sein und könnte
-seine Beschützer in Ungelegenheit bringen.
-
-Dann suchte ich von ihm zu erfahren, in welcher Weise er von meinen
-Eröffnungen Gebrauch machen werde, und ob er selbst nach Versailles
-zu gehen gedächte. Dies lehnte er fürs erste ab, da er, wie er sagte,
-sonst gleich wieder zurückgeschickt würde und nur neuen Argwohn
-erregen müßte. Doch wollte er einen seiner Diener mit drei Briefen
-absenden, einem an die Frau von Pompadour, einem an den Marschall von
-Belle-Isle und dem dritten an einen Prinzen von Geblüt, den Grafen von
-Clermont[239], den er anfangs als seinen Busenfreund und als einen
-Mann hingestellt hatte, der des Königs Vertrauen unabhängig von seinen
-Ministern besäße und sehr für einen sofortigen Friedensschluß mit
-England einträte.
-
-Um jeden Verdacht zu zerstreuen, zeigte er mir tatsächlich einen Brief
-dieses Prinzen an ihn vom 14. d. M., der in den freundschaftlichsten
-und herzlichsten Ausdrücken gehalten war, seine Abwesenheit beklagte
-und seine baldige Rückkehr herbeiwünschte. Er hegte keinen Zweifel,
-daß er von den beiden Letztgenannten Antworten erhalten würde. Von
-Frau von Pompadour, sagte er, erwarte er dies nicht, denn es wäre bei
-ihr Grundsatz, über Staatsangelegenheiten nichts zu _schreiben_,
-obwohl es unbedingt nötig sei, sie zu unterrichten, damit sie in den
-Stand gesetzt werde, ihrerseits zu wirken.
-
-Das alles klingt sehr wahrscheinlich, aber der Erfolg muß sich erst
-noch zeigen. Inzwischen ist es klar, daß die französischen Minister
-gegeneinander arbeiten und somit verschiedene Systeme verfolgen.
-Welches den Sieg davontragen wird, hängt nicht von uns ab, aber es kann
-für den königlichen Dienst nicht nachteilig sein, daß die Gesinnung
-Seiner Majestät am französischen Hofe bekannt wird, einerlei durch
-welche Mittelsperson dies geschieht.
-
-Daß d’Affry dem Grafen Saint-Germain noch Komplimente macht, nachdem er
-ihm den Befehl des Herzogs von Choiseul mitgeteilt hatte, ist ebenso
-ungewöhnlich wie das übrige, zumal er dessen Beziehungen zum Marschall
-von Belle-Isle sehr wohl kennt und den vom König ihm ausgestellten Paß
-gesehen hat.
-
-Dies ganze Mysterium wird nach und nach aufgeklärt werden, und ich
-werde nicht verfehlen, Euer Lordschaft von allem zu unterrichten,
-was ich darüber erfahren kann. Ich ließ Saint-Germain wissen, daß
-er oder irgendeine andere gehörig beglaubigte Person England genehm
-sei. Was wir gegenwärtig einzuwenden hätten und was die ganze Sache
-zum Stillstand brächte, sei der Mangel einer richtigen, ausreichenden
-Vollmacht.
-
-
-VI
-
-Aus Hellens Korrespondenz mit Friedrich dem Großen[240]
-
-
-Hellen an König Friedrich
-
- Haag, 15. März 1760.
-
-Hier ist soeben eine Person eingetroffen, die vielleicht weitgehende
-Aufträge hat. Es ist eine Art Abenteurer, ein Mann, dessen Vaterland
-unbekannt ist. Er durchstreift seit mehreren Jahren die Welt, tritt
-überall groß auf, spricht alle neueren Sprachen und nennt sich Graf
-Saint-Germain. Ich hatte bereits die Ehre, E. M. einen Immediatbericht
-darüber zu senden, wie weit dieser Mann es verstanden hat, sich beim
-Versailler Hofe beliebt zu machen[241]. Wie man mir versichert, hat ihm
-der König von Frankreich soeben das Schloß Chambord geschenkt. Er ist
-seit etwa 3 Wochen in Holland, mit einer Empfehlung an Herrn Hope[242],
-den reichsten Kaufmann in Amsterdam, bei dem er sogar vierzehn Tage
-gewohnt hat. Hier hat er Empfehlungen an die reichsten portugiesischen
-Juden. Wie behauptet wird, hat er den Auftrag, über 30 Millionen
-(Anleihe) für Frankreich zu verhandeln, aber ich neige zu der Ansicht,
-daß er andere Aufträge hat, und zwar ohne Wissen des Grafen d’Affry,
-der ihn zwar höflich behandelt, aber im Grunde sehr eifersüchtig auf
-ihn ist.
-
-Gestern bat er um eine Unterredung mit dem General Yorke, die 2 Stunden
-gewährt hat. Das sagte mir dieser am Abend ins Ohr, mit dem Zusatz,
-er schiene beauftragt, ihn auszuforschen, und er würde mir bei anderer
-Gelegenheit mehr darüber sagen. Ich hoffe, mit der nächsten Post
-darüber berichten zu können[243].
-
-Heute muß ich mich auf die Meldung beschränken, daß der Mann viel
-schwatzt, sich als Gegner Österreichs ausgiebt und Frankreich wegen
-seines Bündnisses mit Wien laut tadelt. Dagegen ist er ein großer
-Anhänger Eurer Majestät. Ich selbst hörte ihn neulich ganz laut in
-Gesellschaft und fast in nächster Nähe des Barons Reischach[244] sagen,
-Frankreich hätte sich sehr unklug benommen.
-
-
-König Friedrich an Hellen
-
- Freiberg, 22. März 1760.
-
-Ich kann mir kaum vorstellen, daß der König von Frankreich einen
-Menschen, den man eigentlich nur als Abenteurer ansehen kann, mit
-einem so wichtigen Auftrag wie Friedensverhandlungen betraut. Sie
-werden daher gut tun, sich nicht auf den Anschein noch auf unbestimmte
-Gerüchte zu verlassen, sondern dem Mann scharf auf die Finger zu sehen.
-Es scheint mir wohl möglich, daß er den Auftrag hat, wegen einer
-Anleihe zu verhandeln, aber dreißig Millionen kommen mir doch etwas
-stark vor.
-
-
- Freiberg, 23. März 1760.
-
-Ihr Bericht vom 18. d. M.[245] ist mir richtig zugegangen. Sehr
-befriedigt hat mich Ihre genaue Wiedergabe der Unterredung zwischen
-Yorke und dem Grafen von Saint-Germain. Es giebt wohl nichts
-Seltsameres, aber sie ist sehr fesselnd.
-
- (Hellen soll Yorke im Namen des Königs für die Mitteilung danken und
- ihm Verschwiegenheit zusichern.)
-
-Indes habe ich meinem Gesandten in England einiges über diese
-Unterredung vertraulich mitgeteilt und ihn angewiesen, beim englischen
-Ministerium nach Kräften darauf zu dringen, daß es jetzt sobald wie
-möglich seine Weisungen dem General Yorke giebt, damit er genau weiß,
-welche Friedensbedingungen England für sich und seine Verbündeten
-Frankreich gegenüber stellt, und was es von seinen Eroberungen behalten
-oder den Franzosen zurückgeben will. Ist man erst soweit, dann lassen
-sich schnell bestimmte, klare und unzweideutige Präliminarartikel
-vereinbaren, die zur Herstellung des Friedens und als Grundlage für den
-allgemeinen Kongreß dienen können.
-
-
-Hellen an König Friedrich
-
- Haag, 29. März 1760.
-
- (Hellen berichtet über die weitere Unterredung Yorkes mit
- Saint-Germain am 27. März, vgl. S. 177 ff.)
-
-Mittlerweile ist ein sonderbarer Zwischenfall eingetreten. Am
-vergangenen Sonntag (23. März) erhielt Graf d’Affry einen Kurier vom
-Herzog von Choiseul mit dem Befehl, den Grafen von Saint-Germain nicht
-mehr zu empfangen und den alliierten Gesandten[246] zu versichern,
-daß er keinerlei Auftrag hätte. Man wird ja bald sehen, ob Frankreich
-diesen Mann als Unterhändler benutzen oder ihn verleugnen und den
-Gesandten mit Unterhandlungen betrauen wird. Das letztere würde
-beweisen, daß der Staatssekretär und die österreichische Partei noch
-das Übergewicht haben.
-
-
- Haag, 1. April 1760.
-
-Es wäre sicherlich recht eigenartig, wollte Frankreich einen Mann
-wie den Grafen Saint-Germain mit einer so wichtigen Unterhandlung
-wie der des Friedens betrauen. Zieht man jedoch in Betracht, daß
-diese Persönlichkeit -- welcher Art sie auch nach Aussage aller aus
-Frankreich kommenden anständigen Leute ist -- in Versailles aus und
-ein geht, mit der Favoritin, dem Marschall Belle-Isle und den ersten
-Personen am Versailler Hofe auf bestem Fuße steht, daß der König
-von Frankreich ihm ganz gewiß das Schloß Chambord geschenkt hat,
-daß der Marschall Belle-Isle ihm persönlich einen Blankopaß Seiner
-Allerchristlichsten Majestät schickte, -- so erscheint es keineswegs
-unmöglich, daß er in höherem Auftrag handelt.
-
-Als er hier ankam und dem Grafen d’Affry diesen Blankopaß und die
-Schreiben (Belle-Isles) zeigte, empfing ihn der Botschafter mit
-Auszeichnung, gab ihm Soupers, führte ihn in seine Theaterloge usw.
-Allerdings hat er ihm darauf, wenn auch äußerst höflich, gesagt: „Sie
-haben sich in Versailles furchtbare Unannehmlichkeiten durch einen
-Brief an die Marquise zugezogen. Ich habe eben einen Kurier mit einem
-Befehl des Königs erhalten, Sie nicht mehr bei mir zu empfangen.“
-Darauf verlangte der Graf von Saint-Germain diesen Befehl zu sehen,
-und d’Affry mußte einräumen, daß er nicht von Sr. Majestät selbst
-stamme, sondern vom Staatssekretär. Hierauf erwiderte Saint-Germain:
-„Das macht mir wenig aus“ und verabschiedete sich ziemlich plötzlich
-von dem Gesandten, der ihn bat, am nächsten Tage wiederzukommen, da er
-sehr gern mit ihm plaudern werde. Doch jener entgegnete: „Gestatten
-Sie, Herr Botschafter, daß ich dies nicht tue. Ich möchte Sie nicht ein
-zweites Mal in Gefahr bringen, Ihren Befehlen zuwiderzuhandeln.“
-
-So hat Saint-Germain den Vorfall dem General Yorke selbst erzählt[247].
-Aber noch merkwürdiger ist, daß Graf d’Affry am übernächsten Tage
-nochmals zu ihm geschickt haben soll, um sich nach ihm zu erkundigen,
-indem er sagen ließ, er fürchte, daß er nicht wohl sei, da er seinen
-Besuch am Tage zuvor erwartet und ihn leider nicht gesehen hätte.
-
-Übrigens hat der Graf dem englischen Gesandten noch einen sehr
-freundschaftlichen Brief des Grafen von Clermont vom 14. März gezeigt,
-worin dieser ihn fast wie seinesgleichen behandelt[248]. Nach seiner
-Angabe steht Graf Clermont in hohem Ansehen und ist sehr zum Frieden
-geneigt.
-
-
- Haag, 5. April 1760.
-
-Der Herzog von Choiseul, der sich dem Wiener Hofe verkauft hat, besitzt
-ständig großen Einfluß in Versailles. Das sieht man wieder an der Art,
-wie er gegen den Grafen Saint-Germain verfährt. Der Staatssekretär
-hat dem Grafen d’Affry mit der Pferdepost soeben einen zweiten Brief
-geschrieben, worin er ihm befiehlt, ihm bei seiner Rückkehr nach
-Frankreich mit einem Kerkerloch zu drohen, falls er sich noch weiter in
-Dinge mischte, zu denen er keinen Auftrag hätte[249]. Dieser ganze Zorn
-kommt von einem ersten Briefe des Genannten an die Marquise[250], den
-sie so schwach war, dem Staatssekretär mitzuteilen. Soviel ich glaube,
-war dies aber noch nicht der Bericht über seine Unterredungen mit
-dem englischen Gesandten. D’Affry hat den Befehl gestern ausgeführt,
-aber der Graf hat ziemlich selbstbewußt geantwortet, wenn man ihm
-(Choiseul) den Inhalt seines ersten Briefes mitgeteilt hätte, würde
-man ihm wahrscheinlich auch die folgenden mitteilen. Recht merkwürdig
-ist jedoch, daß der Marschall Belle-Isle dem Grafen durch Vermittlung
-des Grafen d’Affry geantwortet und ihn dabei etwas ausgescholten hat,
-freilich in sehr schonender Form. Er sagt, der König von Frankreich
-habe im Haag einen Gesandten, der sein Vertrauen besitze, und er werde
-dem Grafen d’Affry selber schreiben; trotzdem sei er überzeugt, daß den
-Grafen Saint-Germain die besten Absichten beseelten.
-
-Bei alledem glaubt der englische Gesandte, der Mann sei nicht
-zuverlässig und seiner Sache nicht hinreichend sicher. Er wies darauf
-hin, daß Saint-Germain, als er ihm den Befehl seines Hofes mitteilte,
-die Neigung durchblicken ließ, den Staatssekretär auf irgendeine Weise
-in Kenntnis zu setzen, während er doch früher gesagt hatte, er wolle
-ihn stürzen. Er besann sich dann freilich eines anderen und sagte,
-er wolle nur an die Favoritin, den Marschall und den Grafen Clermont
-schreiben[251]. Seitdem ist er nicht mehr beim englischen Gesandten
-erschienen und hat nur für gestern abend um eine Audienz gebeten, aber
-ich weiß noch nicht, ob er vorgelassen wurde oder nicht ...
-
-Übrigens erzählte Graf d’Affry dem englischen Gesandten, welche Befehle
-er betreffs Saint-Germains erhalten hätte, und fragte ihn, ob er ihn
-gesehen habe. Der Gesandte antwortete, er hätte ihm nichts gesagt,
-was er nicht überall wiederholen könne. „Das hat er mir auch selbst
-gesagt“, entgegnete der Franzose[252].
-
-
-König Friedrich an Hellen
-
- Freiberg, 8. April 1760.
-
-Die Einzelheiten Ihres Berichtes vom 29. März waren sehr beachtenswert.
-Was den Grafen Saint-Germain und das Rundschreiben über ihn betrifft,
-das der Herzog von Choiseul an die Gesandten der Verbündeten
-Frankreichs im Haag erlassen hat, so muß sich jetzt bald herausstellen,
-ob der Graf Vollmacht hatte oder nicht. Im ersteren Falle ist es
-klar, daß der Staatssekretär über die wirkliche Denkweise und die
-wahren Absichten seines Hofes nicht genau Bescheid weiß. Wie dem
-aber auch sei, durch die Schritte des Grafen sind die Dinge zwischen
-Frankreich und England in Fluß gekommen, und wenn Frankreich ernstlich
-gewillt ist, die Partie abzubrechen und Frieden mit uns Alliierten zu
-schließen, so muß es sich jetzt England gegenüber bald erklären.
-
-
-Hellen an König Friedrich
-
- Haag, 22. April 1760.
-
-Soviel steht fest: die Reden, die Graf Saint-Germain geführt hat,
-haben wenigstens die Wirkung gehabt, daß der Herzog von Choiseul der
-Friedensströmung im Versailler Kabinett nicht ganz hat widerstehen
-können. Unseres Wissens hat man ihm auch nicht die letzten Berichte
-des Grafen mitgeteilt. Wenigstens schien der Botschafter davon keine
-Kenntnis zu haben, aber der besagte Staatssekretär ist so in Wut auf
-den armen Teufel geraten, daß er den Grafen d’Affry beauftragt hat,
-seine Verhaftung und Auslieferung zu beantragen. Dieser hat auch schon
-tatsächlich mit den Vertretern der Republik darüber gesprochen. Als
-aber Graf Bentinck davon erfuhr, hat er Saint-Germain mit Wissen des
-Prinzen Ludwig[253] sofort davon benachrichtigt und ihm einen Paß vom
-General Yorke beschafft, damit er nach England fliehen kann[254].
-Gekränkt, wie er ist, kann der Graf dort sehr gute Nachrichten über die
-jetzigen Finanzen Frankreichs geben, über die er genau Bescheid weiß.
-
-
- Haag, 3. Mai 1760.
-
-E. M. werden in der Leidener und Amsterdamer Zeitung den genauen
-Abdruck des Antrages finden, den Graf d’Affry am 30. April bei den
-Generalstaaten wegen der Auslieferung des Grafen Saint-Germain gestellt
-hat[255], obwohl er, wie er nicht abstreitet, schon wußte, daß dieser
-bereits vor einigen Tagen nach London abgereist ist. Die Hochmögenden
-haben diesen Antrag im Schoße von Kommissionen begraben[256], offenbar
-um ihn nicht zu beantworten.
-
-
-VII
-
-Aus der Korrespondenz von Knyphausen und Michell mit Friedrich dem
-Großen[257]
-
-
-Knyphausen und Michell an König Friedrich
-
- London, 1. April 1760.
-
-Das hiesige Ministerium erhielt gestern die Schreiben des Generals
-Yorke vom 28. vorigen Monats, worin er über eine Unterredung
-berichtet, die er tags zuvor mit dem sogenannten Grafen Saint-Germain
-wegen seiner Eröffnungen über den Frieden hatte[258] ... Wir
-beschränken uns auf den Hinweis, daß das hiesige Ministerium sehr in
-Verlegenheit ist, sich ein richtiges Urteil über den Zwischenfall
-zwischen Graf d’Affry und besagtem Saint-Germain zu bilden. Nur das
-eine läßt diese Kabale erkennen, daß die Meinungen im Versailler
-Staatsrat sehr geteilt sind. In Erwartung einer Aufklärung über die
-Gesinnung des Versailler Hofes ist man hier sehr zufrieden, dem
-General Yorke eine gleichmäßige Sprache sowohl dem Botschafter wie dem
-Unterhändler gegenüber vorgeschrieben zu haben.
-
-
- London, 22. April 1760.
-
-Wie wir in diesem Augenblick erfahren, soll der sogenannte Graf
-Saint-Germain mit dem heutigen Postschiff in England angekommen
-sein[259], nicht als Unterhändler, sondern um Zuflucht vor den
-Gewaltakten des Herzogs von Choiseul zu suchen, der über sein
-Auftreten im Haag entrüstet ist. Diese Geschichte scheint den Einfluß
-des Ministers und seine Bundestreue gegen den Wiener Hof von neuem
-zu bestätigen. Ein Schlachtopfer mußte offenbar fallen, um dafür
-öffentlich Zeugnis abzulegen.
-
-
- London, 29. April 1760.
-
-Der Graf Saint-Germain hat sich seit seiner Ankunft hierselbst nicht
-öffentlich gezeigt und unseres Wissens keinen Minister gesehen. Wir
-haben jedoch dauernd ein Augenmerk auf sein Tun und Lassen und werden
-alles in dieser Hinsicht Beachtenswerte gewissenhaft melden.
-
-
-König Friedrich an Knyphausen
-
- Meißen, 30. April 1760.
-
-Es ist leicht zu merken ..., daß der Herzog von Choiseul wieder die
-Oberhand über seinen König und Herrn erlangt und im Staatsrat über die
-Friedenspartei gesiegt hat. Was dem Grafen Saint-Germain zugestoßen
-ist, ist ein schlagender Beweis dafür. Ebenso sieht man, daß Frankreich
-unter dem Einfluß des Wiener Hofes jetzt nicht ernstlich an Frieden
-denkt, sondern daß es England nur hinhalten und hintergehen will.
-
-
-Immediatbericht Knyphausens an König Friedrich
-
- London, 6. Mai 1760.
-
-Ich habe E. M. zu melden, daß nach Ansicht des englischen Ministeriums
-der Aufenthalt des sogenannten Grafen Saint-Germain in England nach
-außen hin den Verdacht erwecken kann, als ob geheime Unterhandlungen
-mit England stattfinden, und daß er vielleicht auch im Lande selbst
-nachteilig wirkt. Deshalb hat Herr Pitt[260] sich nicht nur geweigert,
-ihn zu empfangen, sondern er besteht auch durchaus auf seiner Abreise.
-In der Verlegenheit, in die besagter Graf Saint-Germain dadurch
-gekommen ist, hat er sich entschlossen, sich an mich zu wenden, und
-Herrn Pitt, der ihn polizeilich überwachen ließ, gebeten, ihm eine
-Unterredung mit mir zu verschaffen.
-
-Als ich ihn also auf Wunsch des Ministers aufsuchte, erklärte er, er
-könne um seiner Sicherheit willen nicht nach Holland zurückkehren, und
-da Herr Pitt durchaus auf seiner Abreise bestehe, habe er beschlossen,
-sich zu E. M. zu begeben und Sie um Zuflucht in Ihren Staaten gegen
-die Gewaltakte des Herzogs von Choiseul zu bitten. Wie er hinzufügte,
-sei dies seine Absicht schon bei der Abreise von Holland gewesen, aber
-Graf Bentinck habe ihm geraten, vorerst nach England zu gehen[261].
-
-Ich brauche E. M. nicht zu versichern, wie peinlich mir diese Eröffnung
-war. Da ich jedoch voraussah, daß das Erscheinen dieses Mannes E. M.
-sehr unliebsam wäre, und da es nicht in meiner Macht stand, ihn daran
-zu hindern, habe ich im Einvernehmen mit Herrn Pitt mit ihm vereinbart,
-daß er unter dem Namen _Graf Cea_ nach Aurich reisen und von dort
-bei E. M. anfragen solle, welches Ihre Absichten seien, so daß E. M.
-also Ihre Maßnahmen in voller Freiheit treffen können.
-
-Damit er nicht argwöhnte, ich suchte seine Reise zu hintertreiben,
-habe ich ihm sogar Abschrift des beifolgenden Briefes an E. M. gegeben
-und ihm gesagt, daß ich ihn aufs wärmste empfohlen hätte. Ich habe
-hinzugefügt, ich hätte ihm lediglich deshalb geraten, in Aurich Station
-zu machen, weil ich fürchtete, er könne ohne Regelung seines Reiseweges
-in österreichische oder französische Hände fallen.
-
-Die Entscheidung steht jetzt bei E. M. Inzwischen glaube ich, E. M.
-einen Dienst erwiesen zu haben, indem ich die Abreise des Grafen
-Saint-Germain nach Sachsen[262] hinausgezögert habe. Sie zu verhindern,
-lag nicht in meiner Macht, so gern ich es getan hätte.
-
-Im übrigen habe ich bei meiner Unterredung mit ihm nichts erfahren,
-was für E. M. von Belang sein könnte und was Sie nicht schon aus den
-Briefen aus dem Haag wissen.
-
-+Nachschrift.+ Nach Abschluß dieses Berichtes hat Herr Pitt, mit
-dem wir nochmals eine Unterredung hatten, uns stark zugesetzt, E. M.
-nach Möglichkeit abzureden, den Grafen Saint-Germain zu empfangen,
-damit daraus keine Umtriebe oder Unannehmlichkeiten entstehen.
-
-
-Knyphausen an das Kabinettsministerium
-
- London, 6. Mai 1760.
-
-Beiliegend die Abschrift meines Immediatberichts an den König,
-betreffend einen recht eigenartigen Zwischenfall, den ich mit dem
-sogenannten Grafen Saint-Germain hatte. Da dieser mir seit Jahren
-bekannte Mann[263] von gefährlichem Ungestüm ist und den König
-bestricken und zu vielen falschen Maßregeln verleiten könnte, bitte ich
-Euer Exzellenz, Ihr möglichstes zu tun, um seine Reise nach Sachsen zu
-verhindern.
-
-
-König Friedrich an Knyphausen
-
- Meißen, 10. Mai 1760.
-
-Der Graf Saint-Germain sucht in England wohl nichts anderes als eine
-Zuflucht vor den Verfolgungen des Herzogs von Choiseul, mit dem und
-dessen Partei er, wie man deutlich sieht, völlig zerfallen ist.
-
-
- Meißen, 19. Mai 1760.
-
-Was Herr Pitt Ihnen über den Grafen Saint-Germain gesagt hat, leuchtet
-mir völlig ein. Bisher hat dieser nicht an mich geschrieben. Sollte er
-es noch tun, so will ich ihm Zuflucht in Emden oder besser in Aurich
-geben, falls er sich in nichts einmischt[264]. Ich fürchte nur, der
-seltsame Mann wird so unbesonnen sein, hierher zu kommen, ohne an mich
-zu schreiben und vorher um meine Erlaubnis zu bitten, wofür ich keine
-Verantwortung übernehme.
-
-
-VIII
-
-Aus Mitchells Korrespondenz
-
-
-Mitchell[265] an Lord Holdernesse
-
- Freiberg, 27. März 1760.
-
-Der König von Preußen geruhte, mir Kenntnis von einem außergewöhnlichen
-Gespräch zu geben, das der Graf Saint-Germain am 14. im Haag mit
-General Yorke hatte[266]. Er bemerkte, obwohl der Mann und seine ganze
-Art höchst ungewöhnlich seien, hätte General Yorke doch Recht getan,
-Euer Lordschaft über den Vorfall unmittelbar zu berichten, daß nämlich
-der Graf mit diesem geheimen Auftrage sehr wahrscheinlich vom Marschall
-Belle-Isle ohne Kenntnis der übrigen französischen Minister betraut
-worden sei, da das Kabinett sehr geteilter Meinung ist. Er fragte
-mich, ob ich den Grafen Saint-Germain kenne, der, wie er gehört habe,
-eine Zeitlang in England gewesen sei[267]. Ich antwortete, ich hätte
-ihn dort gesehen, hätte aber nie geglaubt, daß er zum Unterhändler
-werden würde. Seine Preußische Majestät entgegnete, er hätte gehört,
-daß der Graf Mittel und Wege gefunden hätte, sich die Gunst des Königs
-von Frankreich zu verschaffen. Er hätte ihn mit einigen chemischen
-Versuchen unterhalten, und der König hätte ihm das Schloß Chambord
-geschenkt.
-
-
- Freiberg, 20. April 1760.
-
-Nach Ansicht Seiner Preußischen Majestät erhellt aus allen Gesprächen
-der Herren d’Affry und Saint-Germain im Haag deutlich, daß das
-französische Ministerium in seiner Meinung geteilt sei. Einige seien
-für den Frieden, andere für Fortsetzung des Krieges, aber aus allem
-bisher Gesagten ließe sich unmöglich folgern, welchen Entschluß sie
-fassen würden und ob die Friedenswinke ernst gemeint oder nur gegeben
-seien, um Zeit zu gewinnen.
-
-
-Lord Holdernesse an Mitchell[268]
-
- Whitehall, 6. Mai 1760.
-
-Sie werden aus meinen letzten Briefen ersehen haben, was zwischen
-General Yorke und dem Grafen Saint-Germain vorgefallen ist, und ich bin
-überzeugt, General Yorke wird Sie jedenfalls davon in Kenntnis gesetzt
-haben, daß Herr von Choiseul ihn in aller Form desavouiert hat und
-daß Saint-Germain beschlossen hat, nach England zu gehen, um sich den
-weiteren Verfolgungen des französischen Ministers zu entziehen[269].
-Infolgedessen ist er vor einigen Tagen hier eingetroffen. Aber es
-liegt auf der Hand, daß er keine Vollmacht hatte, auch nicht von den
-französischen Ministern, in deren Namen er zu sprechen vorgab. Da sein
-hiesiger Aufenthalt unzweckmäßig ist und üble Folgen haben kann, wurde
-für angemessen erachtet, ihn bei seiner hiesigen Ankunft zu verhaften.
-Sein Verhör hat nichts sehr Belangreiches ergeben. Sein Benehmen und
-seine Sprache sind verschlagen, mit einem wunderlichen Einschlag, der
-schwer zu bestimmen ist.
-
-Alles in Allem hielt man es für durchaus angezeigt, ihn nicht in
-England zu dulden. Demgemäß ist er am letzten Sonnabend (3. Mai)
-früh abgereist, mit der Absicht, Zuflucht im preußischen Staate zu
-suchen, da er sich in Holland nicht sicher fühlte. Auf seine dringende
-wiederholte Bitte hin besuchte ihn Baron Knyphausen während seiner
-Haft[270], aber keiner der königlichen Beamten.
-
-Der König hielt es für richtig, Sie von diesen Vorgängen zu
-unterrichten. Sein Wunsch ist, daß Sie den Inhalt dieses Briefes Seiner
-Majestät dem König von Preußen mitteilen.
-
-
-IX
-
-Berichte Reischachs an Graf Kaunitz[271]
-
- Haag, 18. (März) 1760.
-
-Der Ew. Excellenz bekannte Freund (Prinz Ludwig von Braunschweig[272])
-hat mich vorgestern besuchet, ... um mich zu bereden, ihm die in Händen
-habende Contre-Declaration[273] einsehen oder ablesen zu lassen. Ich
-beharrte aber darauf, daß mich dermalen noch nicht im Stande befinde,
-sondern, wie ihm schon gemeldet, das weitere von dem Herrn Grafen von
-Starhemberg[274] gewärtige.
-
-Worüber derselbe (Prinz Ludwig) gemeldet, er besorge, man werde
-mit einer solchen Contre-Declaration solang zuwarten, daß indessen
-Frankreich soviel Zeit gewinnen werde, um mit Engelland einen
-Frieden zu schließen. Herr Graf d’Affry habe vor etwas mehr als
-acht Tagen durch den allhiesigen preußischen Minister von Hellen dem
-engelländischen Minister Yorke ein Rendezvous in Ryswijk oder in
-selbiger Gegend antragen lassen ...
-
-Es befinde sich ein gewisser Fremder, der sich _Comte_ Saint-Germain
-nennt, schon einige Zeit in Amsterdam, allwo er bei dem sehr reichen
-und geschickten Negocianten Hope[275], welcher dermalen die meiste
-französischen Geschäften in Amsterdam verrichtet und durch seinen
-Credit große Geldsummen dem französischen Hofe verschaffe, wohnhaft,
-seit den allhiesigen Heirats-Festivitäten[276] aber in dem Haag
-gegenwärtig seie, allwo er den Mr. Yorke besuche und seit kurzem mit
-ihm eine dreistündige Unterredung _tête-à-tête_ gehabt habe[277], so
-daß er um so weniger zweifle, er müsse von dem französischen Hofe
-mit Friedensgeschäften beladen sein, als man wahrnehme, daß dessen
-allhiesige Anwesenheit den Herrn Graf d’Affry alarmiere und er sein
-Mißvergnügen hierüber nicht verbergen könne.
-
-Ich trachtete, denselben (Prinz Ludwig) zu verleiten, sich gegen mich
-weiters zu eröffnen, was nämlich Herr Graf d’Affry dem Mr. Yorke
-beigebracht habe und in weme dann des _Mr. le Comte de Saint-Germain_
-obhabende Commissionen bestehen möchten.
-
-Derselbe ließe sich aber weiter nicht heraus, als daß er eingestanden,
-Saint-Germain gebe aus, „daß er sich schmeichle, Frankreich durch
-seinen Aufenthalt in Holland zu retten“. Über die Unterredung des
-Herrn Graf d’Affry mit Mr. Yorke wollte er sich gar nicht eröffnen,
-sondern widersetzte mir, daß, weil ich ihm von dem Inhalt der
-Contra-Declaration nichts beibringen wolle, er mir auch von dem, was
-zwischen besagten zweien _Ministres_ vorbei gehe, nichts mitteilen
-könne ...
-
-Als der sogenannte _Comte_ Saint-Germain aus Amsterdam allhier
-angelanget, so befragte den Herrn Graf d’Affry, ober von dessen Ankunft
-von seinem Hofe _preveniret_ und ob ihm bekannt, daß er in Holland,
-wie es verlaute, mit einigen Commissionen beladen sei. Derselbe wollte
-weder von dem einen noch von dem andern etwas wissen, sondern brache
-den _Discours_ ab, mit Vermelden, daß er allzeit vor ein _espèce
-d’aventurier_ passiret habe.
-
-Von solcher Zeit hat derselbe den Herrn Graf d’Affry besuchet, welchen
-mehrmalen in _Compagnie_ bei ihm angetroffen. Vor 2 Tagen ist er
-wiederum nach Amsterdam zurückgekehret, solle aber, wie von Herrn Graf
-d’Affry selbst vernommen, inners ungefähr 8 Tagen wiederum allhier
-zurück eintreffen.
-
-Man versicheret mich, daß man nicht eigentlich weiß, wer dieser
-sogenannte _Comte_ Saint-Germain sei. Er redet fast alle europäische
-Sprachen in _perfection_, hat sich viele Zeit in Polen, Teutschland,
-Italien, Spanien, Engelland, Frankreich, auch vor diesem in Holland
-aufgehalten, allwo er unterschiedliche Namen geführet. Er ist in
-der _Music_ und sonderbar in Spielung der Violine sehr erfahren,
-und scheinet aus seinem Umgang, daß er allerorten die große Welt
-_frequentiret_ habe. Dermalen soll er aus Frankreich kommen, allwo der
-König ihm das Schloß Chambord, so ehevordem _Mr. le maréchal Comte
-de Saxe_[278] zugehöret, überlassen haben soll. Es fehlet ihm an der
-Leichtigkeit, sich zu explicieren, und an Geist nicht. Wann er aber mit
-Geschäften beladen, so gedeucht mich, daß er zu viel rede und seine
-_Discours_ nicht genügsam nach den Reglen der Prudenz abmesse.
-
-
- Haag, 25. März 1760.
-
-Vorgestern hat Graf d’Affry wiederum einen Expressen, aber nur aus
-Brüssel von dem Mr. Lesseps[279] erhalten; wie er mir gestern gemeldet,
-hat derselbe ihm _Depêchen_ von seinem Hofe mitgebracht, wodurch der
-Herr _Duc de_ Choiseul ihm auftraget, dem sogenannten _Comte de_
-Saint-Germain, von welchem in meinem ehevorigen Berichtschreiben
-Meldung beschehen und [welcher] dermalen wiederum von Amsterdam in
-dem Haag angelanget ist, auf das schärfeste zu untersagen, sich
-nicht zu unterstehen, in die _Politique_ sich einmischen zu wollen,
-widrigenfalls demselben sein Haus zu verbieten oder gar ihn arretieren
-zu lassen[280].
-
-
- Haag, 28. März 1760.
-
-Der Herr Graf d’Affry hat dem sogenannten _Comte_ de Saint-Germain
-ernstlich untersaget, sich in Friedens- oder politische Geschäften
-einigermaßen einzumischen, mit Bedrohen, daß er widrigenfalles ihn gar
-nicht mehr sehen werde.
-
-Mir ist indessen von guter Hande zu vernehmen gekommen, daß
-Saint-Germain sich allhier gegen einem Freunde über dieses gegen
-ihm ausübendes Verfahren ungemein beschweret und demselben ein
-Originalschreiben von dem Herrn _maréchal Duc_ de Belle-Isle
-vorgezeiget habe, in welchem derselbe ihm zu erkennen gegeben, daß er
-von ihm eine Antwort über seine allhiesige Verrichtungen mit vielem
-_Empressement_ erwarte[281]. Ferner habe derselbe ihm, Freunde,
-vertrauet, daß er beladen worden, Mittel und Wege auszufinden, daß
-die französisch-amerikanische Insuln und Colonien, welche _directe_
-aus Frankreich nicht wohl _approvisionniert_ werden können, von hier
-aus mit Lebensmitteln und andern Notwendigkeiten versehen werden;
-wo beinebens er auch _chargiret_ worden sei, alles anzuwenden, den
-Credit der französischen Finanzien allhier wiederum zu erheben und
-emporzubringen, auch einzuberichten, was ihm von dem Friedensgeschäft
-zu Ohren kommen möchte. Dieses letztere habe er nicht besser zu
-bewirken gewußt, als den Herrn Grafen von Bentinck und Mr. Yorke
-zu sehen[282]. Der erstere habe sich wider Herrn Graf d’Affry
-beschweret, daß er von ihm gänzlich _negligiret_ werde, da er doch
-imstand sich befinde, der Krone Frankreich allhier in Friedens- und
-andern Geschäften nützlich sein zu können. Mr. Yorke habe ihm die
-stärkste Versicherung erteilet, wie sehnlich und aufrichtig Engelland
-einen baldigen Frieden wünsche und suche; diese Krone werde den
-König in Preußen nicht verlassen, jedoch denselben vermögen, daß von
-ihm Ihro Majestät der Kaiserin[283] _raisonnable_ und _acceptable_
-Friedensvorschläge gemacht werden. Von welchem allem er nach
-Versailles seinen Rapport abgestattet, darüber aber noch keine Antwort
-erhalten habe. Saint-Germain habe sich gegen diesem seinem Freunde
-herausgelassen, in was für großem Credit er bei der _Madame la marquise
-de_ Pompadour und dem Herrn _Duc de_ Belle-Isle stehe und nicht anders
-glauben könne, als daß Herr Graf d’Affry die an ihm vollzogene Ordre
-von Herrn _Duc de_ Choiseul (von welchem ihm, _Comte de_ Saint-Germain,
-nichts _committiret_ worden) erhalten habe. Er werde aber auf das
-stärkeste arbeiten, daß alles ohne Anstand repariret und seine hierin
-verletzte _Réputation_ auf das bäldeste und vollkommenste hergestellt
-werde.
-
-Was mir von der _Conduite_ und Verrichtungen des sogenannten _Comte
-de_ Saint-Germain beigebracht wird, höre ich zwar an, jedoch hüte
-mich, einigermaßen in Sachen mich einzumischen, die mich nicht weiters
-interessieren können, als davon die Wissenschaft zu haben.
-
-
- Haag, 8. April 1760.
-
-Der sogenannte _Mr. le Comte_ de Saint-Germain befindet sich noch
-allhier und hat dem Mr. Yorke und Herrn Grafen von Bentinck ein und das
-andere Mal besuchet. Von diesem letzteren wird derselbe wohl angesehen
-und hält sich unterweils mehrere Stunden bei ihm auf. Derselbe hat auch
-verlanget, bei dem Herrn Herzog Louis von Braunschweig aufgeführet
-zu werden. Er hat aber ihn bishero nicht vorkommen lassen wollen,
-welches er dem Herrn Grafen d’Affry, Herrn Grafen von Golowkin und
-mir, als wir uns bei Übergebung der Contre-Declaration in Ryswijk
-beisammen eingefunden, selbst erzählet und zugleich zu verstehen
-gegeben, daß dessen Anwesenheit allhier das Friedensgeschäft leichtlich
-_embrouilliren_ und sehr schädlich sein könnte[284].
-
-Herr Graf d’Affry gab die kräftigste Versicherungen, daß er ihm bereits
-aus Ordre seines Hofes auf das nachdrucksamste untersaget, sich in
-einige politische _Affairen_, so seinen Hof betreffen, einzumischen,
-wie dann er ihm auch sein Haus wirklich verboten habe[285] und ihn
-nicht anderst als einen _aventurier_ ansehen könne.
-
-Und da der Herr Herzog ihm hierauf zu erkennen gegeben, daß
-Saint-Germain von der Zeit, als er ihm obiges Verbot getan, den Mr.
-Yorke nochmals besucht und sich mit ihm unterhalten habe[286], so hat
-Graf d’Affry demselben erwideret, daß er ihn sogleich zu sich kommen
-lassen und ihm bedeuten wolle, daß, wann er hiervon nicht sogleich
-gänzlich abstehe, der französische Hof schon Mittel finden werde, ihn
-einzusperren und in eine _basse-fosse_[287] setzen zu lassen, wobei er
-den Herrn Herzog ersuchte, all solches dem Mr. Yorke zu hinterbringen.
-
-Ich beobachtete hierbei, daß besagter Herr Herzog mit vielem Eifer
-sich wider Saint-Germain an Laden gelegt[288], welches mich urteilen
-gemacht, daß er vielleicht besorgen dürfte, es möchte durch seinen
-Canal ein Fried zwischen der Krone Frankreich und Engelland mit
-Ausschluß der engelländischen Aliirten beförderet werden.
-
-Von Herrn Grafen d’Affry habe inzwischen vernommen, daß er obgemeldete
-Bedrohungen dem Saint-Germain wirklich eröffnet und er hierdurch
-ungemein betroffen worden sei.
-
-
- Haag, 18. April 1760.
-
-Gestern ist ... der bekannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset,
-ohne daß man weiß, wohin er sich begeben will.
-
-
- Haag, 22. April 1760.
-
-In meinem letztern Berichtschreiben habe Ew. Excellenz zu melden die
-Ehre gehabt, daß der sogenannte Graf Saint-Germain von hier abgereiset,
-ohne daß bekannt ist, wohin er sich begeben habe. Ich bin aber gleich
-hinnach ganz sicher _informiret_ worden, daß er so gähling und
-unvermutet dieses Land verlassen habe, weil Herr Graf d’Affry durch
-den Courier, wovon in meinen letztern zwei Berichtschreiben Meldung
-getan, von seinem Hofe Befehl erhalten, das Ansuchen allhier zu machen,
-daß er arretiret und an Frankreich ausgeliefert werde, wovon, als Herr
-Graf d’Affry, wiewohl ganz in geheime, dessentwegen einige _passus_
-gemacht, derselbe benachrichtiget worden und sich alsdann sogleich
-aus dem Staube gemachet hat. Man weiß zwar noch nicht _positive_,
-wohin er sich verfüget; es wird aber durchaus dafür gehalten, daß er
-nach Engelland abgegangen sei. Hierbei hat sich noch dieser _notable_
-Umstand ergeben, daß Herr Graf von Bentinck ihn vor seiner Abreise
-nachts um 9 Uhr besucht und bei demselben bis nach Mitternacht
-verblieben sein soll, worauf Graf Saint-Germain gegen anbrechendem Tage
-in einer mit 4 Pferden bespannten Kutsche abgereiset ist. Man will
-sogar behaupten, daß ein Bedienter des Herrn Grafen von Bentinck die
-Pferde und Wagen zu solcher Abreise veranstaltet habe[289].
-
-Herr Graf d’Affry hat mir vor zwei Tagen von der empfangenen Ordre, den
-Saint-Germain allhier arretieren zu lassen und daß er dessentwegen in
-der Stille einige _passus_ gemacht, Kenntniß erteilet, mit dem Beisatz,
-daß er den dessentwegen erhaltenen Courier wiederum zurückgesendet
-und sich bei seinem Hofe angefraget habe, ob er die Ursachen, warum
-Saint-Germain habe sollen arretiret werden, allhier kundmachen solle
-oder nicht.
-
-
- Haag, 25. April 1760.
-
-Man _prätendiret_, nunmehro sichere Nachricht zu haben, daß der
-sogenannte _Comte de_ Saint-Germain von hier gerad nach Hellevoetsluis
-abgegangen und den 20. dieses mit dem Paquetbot nach Engelland
-abgefahren sei.
-
-Von sicherer Hand vernehme, daß derselbe von hier aus ein Schreiben an
-_Madame la marquise de_ Pompadour erlassen, in welchem er unter anderm
-den Nutzen und die Notwendigkeit vorstellt, den allhiesigen Graf von
-Bentinck von Seiten Frankreich wegen seinem guten Willen, dieser Krone
-bei gegenwärtigen Umständen nützliche Dienste zu leisten, und wegen
-von ihm allhier und bei dem engelländischen Ministerio besitzenden
-besonderen Credit nicht nur allein sehr zu _menagiren_, sondern auf
-alle Weise zu _cultivieren_[290]. Welches Schreiben aber von dem
-französischen Hofe an Herrn Graf d’Affry _communiciret_ worden.
-
-Aus allem, was mir zu Ohren kommet, muß ich urteilen, daß Herr Graf
-Bentinck sehr suchet, sich in künftiges Friedensgeschäft einmischen zu
-können. Es ist auch gewiß, daß _Comte_ Saint-Germain während seines
-allhiesigen Aufenthalts sehr vielen Umgang mit ihm gepflogen und
-deswegen aller Anschein vorhanden ist, daß er mit seinem Wissen und
-vielleicht aus seinem Rat nach Engelland abgegangen, er auch suchen
-wird, ihn allda zu _protegieren_.
-
-
- Haag, 2. Mai 1760.
-
-Herr Graf d’Affry hat vorgestern bei den Generalstaaten abschriftlich
-anliegendes _Mémoire_[291] überreichet, wodurch er das Ansuchen tuet,
-daß der bekannte Comte de Saint-Germain angehalten, ausgelieferet und
-gefänglich nach Antwerpen geführet werde. Da nun derselbe, jedermann
-bekanntermaßen, schon vor mehr als 14 Tagen sich von hier hinweg
-begeben und von Hellevoetsluis nach Engelland abgegangen ist, so
-scheinet nicht möglich zu sein, daß die Absicht des französischen
-Hofes auf dessen Anhaltung zähle, sondern etwa dahin gehen möchte,
-das Publicum dardurch zu belehren, daß demselben, wo er sich befinden
-möchte, kein Glauben und noch viel weniger einiges Vertrauen
-beigemessen werde, maßen Herrn Graf d’Affry nicht unbekannt sein kann,
-daß er sich allhier verlauten lassen, daß, wann der französische Hof
-ihm wegen jenem, was mit ihm allhier vorgefallen, nicht Satisfaction
-geben werde, er sich im Stand befinde, Sachen von demselben an Tage zu
-legen, welche ihn vollkommen rechtfertigen, demselben aber ungemein
-nachteilig sein werden.
-
-Was die Generalstaaten über obiges _Mémoire_ entschlossen, ist mir noch
-nicht bekannt. Und da der widrige Wind noch immer anhaltet, so können
-keine engelländischen Nachrichten hier ankommen, wodurch man etwa
-vernehmen könnte, wie derselbe in Engelland angesehen werde oder wie er
-sich allda betrage.
-
-
-Beilage zum Bericht Reischachs vom 13. Mai 1760
-
-(Mitteilung eines englischen Correspondenten)
-
- (London, Mai 1760.)
-
-Die Denkschrift des Herrn Grafen d’Affry über den Grafen
-Saint-Germain[292], die Sie mir gütigst zugesandt haben, steht auch
-in den französischen Zeitungen. Allerdings lohnt es sich nicht, wie
-Sie sehr richtig bemerken, so viel Lärm über diese Sache zu schlagen.
-Man erweist diesem Abenteurer zu viel Ehre, wenn man viel Wesens von
-ihm macht. Der hiesige Hof glaubte, den Kundgebungen des Mißtrauens,
-die der französische Hof gegen diesen Mann in Szene gesetzt hat, nicht
-trauen zu dürfen; denn er verdient nur Verachtung. Sie hat ihn bei
-seiner Ankunft mit dem Paketboot sofort in polizeilichen Gewahrsam
-genommen und ihn erst außer Augen gelassen, als er wieder an Bord
-gebracht wurde, um über das Meer zurückzukehren. Ein scherzhaftes
-Abenteuer!
-
-
- Haag, 16. Mai 1760.
-
-Der sogenannte _Mr. le Comte de_ Saint-Germain ist den 11. dieses
-mit dem Paquetbot aus Engelland zu Hellevoetsluis angelanget und hat
-sogleich seine Reise über Rotterdam nach Teutschland und, wie hier
-ausgegeben wird, nach Berlin fortgesetzet. Mehrere allhier halten
-dafür, daß das engelländische Ministerium denselben aus _Attention_ vor
-Frankreich sogleich aus Engelland weggeschaffet habe, aus welchem sie
-_inferiren_, daß diese Kron sehr geneigt sei oder Hoffnung habe, mit
-Frankreich den Frieden in Bälde zu schließen.
-
-
- Haag, 13. Juni 1760.
-
-Wo der bekannte sogenannte Graf von Saint-Germain sich dermalen
-befinde, ist allhier nicht bekannt; es wird aber von mehreren
-öffentlich versicheret, daß derselbe schon von geraumer Zeit her einen
-_Espion_ vor den König in Preußen gemachet habe, dergleichen derselbe
-an allen Höfen haben und solche reichlich bezahlen solle.
-
-
-X
-
-Aus Kauderbachs Korrespondenz[293]
-
-
-Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour
-
- Haag, 14. März 1760.
-
-Wir haben hier gegenwärtig einen höchst seltsamen und ganz
-außergewöhnlichen Mann, der sich Graf Saint-Germain nennt. Er
-sieht höchstens wie 45 Jahre alt aus, und doch behauptet man, daß
-er mindestens 110 Jahre zählt. Wie mir Herr d’Affry versicherte,
-wäre er viel älter als wir beide zusammen, und doch sind wir beide
-über die Sechzig. Fest steht, daß ein fast siebzigjähriges Mitglied
-der Generalstaaten mir gesagt hat, er habe diesen seltsamen Mann im
-Hause seines Vaters gesehen, als er selbst noch ein Kind war, und
-er hätte fast genau so ausgesehen wie heute. Trotzdem macht er den
-gelenken, munteren Eindruck eines Dreißigjährigen. Seine Waden sind
-wie gedrechselt, sein eigenes Haar schwarz und voll, und er hat
-sozusagen keine Runzel im Gesicht. Fleisch ißt er fast nie, außer
-etwas Hühnerbrust; seine Nahrung beschränkt sich auf Grütze, Gemüse
-und Fische. Gegen Kälte schützt er sich sehr, aber er schont sich
-nicht übermäßig durch frühes Schlafengehen und hat uns, gleichsam aus
-Gefälligkeit, bis 1 Uhr nachts Gesellschaft geleistet, ohne daß man
-es ihm am nächsten Morgen anmerkte. Gelingt es mir, dem guten Alten
-sein Geheimnis zu entlocken, so glaube ich, dem König[294] einen
-wesentlichen Dienst zu leisten, wenn ich es Euer Gnaden mitteile, um
-Sr. Majestät ein so kostbares und für seinen Dienst so nützliches Leben
-zu verlängern.
-
-Saint-Germain besitzt unermeßliche Reichtümer, und wenn man ihm
-glauben will, auch die schönsten Geheimnisse der Natur. Er spricht
-gelehrt darüber, ohne den Geheimnisvollen zu spielen, und sucht durch
-seine Beweisführungen auch die Ungläubigsten zu bekehren, anscheinend
-ohne jede Hintergedanken. Seine Reichtümer sind eine feststehende,
-in ganz Frankreich bekannte Tatsache. Er steht in höchster Gunst
-beim Allerchristlichsten König, der ihm das Schloß Chambord zum
-lebenslänglichen Wohnsitz angewiesen hat. Er zeigte uns Steine von
-unschätzbarem Wert und sämtlich von unvergleichlicher Größe und
-Schönheit. Beiliegend übersende ich E. E. der Wissenschaft halber die
-Maße eines seiner schönsten Opale, der von tadelloser Reinheit und
-herrlicher Schönheit ist. Nach seiner Behauptung besitzt kein Herrscher
-der Welt solche Schätze, wie er sie in Steinen zu besitzen vorgibt. Er
-sagt, daß alle irdische Größe ihm gleichgültig sei und daß er nur auf
-den Titel eines Bürgers Anspruch erhebe.
-
-Von Frankreichs Unglück gerührt, hat er dem König[295] seine Dienste
-angeboten, um das Land zu retten, und zu diesem Zweck ist er nach
-Holland gekommen. Aus seinem Auftrag oder wenigstens dessen Zweck
-macht er kein Geheimnis. Wir sind gespannt, welche Mittel er hat; nach
-seiner Behauptung sind sie unfehlbar, da sie von ihm allein abhängen.
-Er ist ein großer Fürsprecher der Frau von Pompadour und sucht sie von
-dem Makel zu befreien, den man ihr hier angeheftet hat. Er schreibt
-ihr das beste Herz zu, die redlichsten Absichten und beispiellose
-Uneigennützigkeit. Ich hatte mit ihm ein langes Gespräch über die
-Ursachen von Frankreichs Mißgeschick und über die Ministerwechsel.
-Folgendes sagte er mir hierüber:
-
-„Das Grundübel ist die Schwachheit des Monarchen. Seine Umgebung kennt
-seine übergroße Güte und mißbraucht sie, und diese Umgebung besteht
-nur aus Kreaturen der Brüder Pâris[296], die allein Frankreichs ganzes
-Unglück verschulden. Sie haben alles verderbt und die Pläne des besten
-französischen Bürgers, des Marschalls von Belle-Isle, durchkreuzt.
-Daher die Uneinigkeit und die Eifersucht unter den Ministern, die
-jeder einem anderen Herrscher zu dienen scheinen. Alles ist durch die
-Brüder Pâris verderbt: mag Frankreich zugrunde gehen, wenn sie nur ihr
-Ziel erreichen, 800 Millionen Vermögen zu erwerben. Unglücklicherweise
-besitzt der König mehr Güte als Scharfblick, um die Bosheit seiner
-Umgebung zu durchschauen. Da diese seine Charakterschwäche kennt, tut
-sie nichts, als seinen Schwächen zu schmeicheln, und findet dadurch vor
-allen anderen Gehör. Die gleiche Charakterschwäche zeigt sich bei der
-Mätresse. Sie kennt das Übel, hat aber nicht den Mut, ihm zu steuern.“
-
-Er also, Saint-Germain, will die radikale Heilung unternehmen und
-macht sich anheischig, durch seine Maßnahmen in Holland zwei Männer zu
-stürzen, die dem Staate so schädlich sind und die man bisher für ganz
-unersetzlich hielt. Hört man ihn so frei von der Leber sprechen, so muß
-man annehmen, daß er seiner Sache gewiß ist, oder man muß ihn für den
-größten Gimpel auf Erden halten.
-
-Ich könnte Euer Gnaden noch manches über diesen seltsamen Mann und
-seine physikalischen Kenntnisse erzählen, müßte ich nicht fürchten, Sie
-durch Berichte zu ermüden, die mehr romanhaft als wirklich erscheinen.
-Doch halte ich mit meinem Urteil noch zurück. D’Affry erweist ihm die
-größten Aufmerksamkeiten und scheint ihn für ein Wunder zu halten.
-Saint-Germain hat die ganze Welt durchstreift und spricht die meisten
-bekannten Sprachen. Er war mehrmals in Dresden und, wie er mir sagte,
-dem verstorbenen König[297] wohlbekannt. Auch in der Musik leistet
-er Hervorragendes. Er spielt vollendet Violine und Klavier und singt
-entzückend. Man läuft ihm hier das Haus ein, wie einem Wundertier, und
-er ist in der Tat ein sehr angenehmer Gesellschafter.
-
-
-Kauderbach an den Fürsten Golizyn[298]
-
- Haag, 14. März 1760.
-
-Wir haben hier einen seltsamen Mann. Es ist der berühmte Graf
-Saint-Germain, der in ganz Europa wegen seiner Kenntnisse und seiner
-ungeheuren Reichtümer bekannt ist. Er ist mit einem wichtigen Auftrag
-in diesem Lande betraut und redet viel davon, er wolle ähnlich wie
-früher die Jungfrau von Orleans Frankreich retten. Wir müssen abwarten,
-wie er es anfangen wird. Er hat ein Lager von Edelsteinen von größter
-Schönheit. Er behauptet, der Natur ihre tiefsten Geheimnisse entrissen
-zu haben und sie durch und durch zu kennen. Das Merkwürdigste aber
-ist, daß er über 110 Jahre alt sein will. Er sieht indes nicht älter
-als 45 aus. _Gaudeant bene nati[299]!_ Ich wünschte, ich könnte sein
-Geheimnis für Sie und auch für mich selbst erlangen! Er ist ein warmer
-Verteidiger der Frau von Pompadour und des Marschalls von Belle-Isle
-und verabscheut die beiden Brüder Pâris, denen er die Schuld an allem
-Mißgeschick Frankreichs zuschreibt.[300] Er spricht sehr frei über die
-französischen Verhältnisse -- vom König bis zum Hanswurst.
-
-
- Haag, 19. März 1760.
-
-Ich schrieb Ihnen bereits von dem berühmten Saint-Germain, der
-gegenwärtig in Amsterdam bei Herrn Hope wohnt. Er hat Herrn Yorke in
-seinem Hause aufgesucht und ist drei Stunden bei ihm geblieben[301].
-Er hat hier weder zu Herrn d’Affry geschickt noch sich an ihn gewandt,
-und doch hat er mir selbst erklärt, er sei mit einem wichtigen
-Auftrage betraut. Um jedoch die Wahrheit zu sagen, erscheint er mir
-zu anmaßlich und unvorsichtig, als daß man ihm glauben könnte, daß er
-ein allerhöchst beauftragter Unterhändler ist. Ich stelle ihn auf eine
-Stufe mit dem berüchtigten Macanas, den Euer Exzellenz hier 1747 kennen
-lernten, oder wenigstens mit dem Grafen Seckendorff, der im letzten
-Jahre herkam[302]. Ich müßte mich sehr in ihm täuschen, wenn er mit
-seinem Auftrag Erfolg hat. Unsere Holländer sind zu schwerfällig, um
-auf solche Schliche einzugehen. Immerhin zweifle ich nicht mehr, daß
-wichtige Unterhandlungen im Gange sind.
-
-
-Graf Wackerbarth-Salmour[303] an Kauderbach
-
- Dresden, 23. März 1760.
-
-Ihre Königlichen und Kurfürstlichen Hoheiten lesen stets mit
-Vergnügen, was Sie mir schreiben. Sie haben das Bild, das Sie mir
-von Saint-Germain entwarfen, sehr fesselnd gefunden. Wir können es
-noch nicht bis ins einzelne deutlich erkennen. Aus der Ferne wirkt es
-schön, aber man muß es sich näher daraufhin ansehen, ob alle seine
-Züge übereinstimmen und zutreffen, woran ich stark zweifle. Vor 50
-Jahren lernte ich den berüchtigten Huldashop kennen und verkehrte mit
-ihm. Er behauptete, über 80 Jahre alt zu sein. In Danzig heiratete er
-25 bis 30 Jahre später eine Prinzessin von Holstein, die ihn nach den
-öffentlichen Nachrichten kurz darauf ermorden ließ, um sich in Besitz
-seiner Forschungen und Geheimmittel zu bringen[304]. Ich kannte einen
-Mann, den man als Mitschuldigen an diesem Mord in Verdacht hatte; er
-hat durch seinen Reichtum eine große Rolle gespielt und großes Aufsehen
-erregt. Derartige Wundermänner blenden eine Zeit lang; man verliert sie
-aus dem Gesicht, wenn man es am wenigsten glaubt.
-
-Der Opal, dessen Maße Sie mir schickten, scheint mir nicht so
-außerordentlich. Ich besitze einen orientalischen von fast gleicher
-Größe, und der König hat viel ansehnlichere in seinem Schatze. Wie Sie
-wissen, sind farbige Steine, so schön und hart sie scheinen mögen,
-stets mit Vorsicht zu genießen. Bei den Diamanten handelt es sich
-darum: besitzt er viele? sind sie groß und von tadellosem Wasser?
-
-Seine politischen Erörterungen bedürfen m. E. gründlicher Beweise und
-Darlegungen.
-
-Am meisten zu seinen Gunsten scheint mir zu sprechen, daß ihm der
-König von Frankreich in seiner Huld das Schloß Chambord geschenkt hat;
-denn ein so bedeutendes Lehen kann er nur infolge von hervorragenden
-Leistungen im Dienste der Krone erhalten haben.
-
-
-Kauderbach an Graf Wackerbarth-Salmour
-
- Haag, 4. April 1760.
-
-Wir kennen den angeblichen Grafen Saint-Germain bisher nur nach
-dem Rufe, den er geflissentlich selbst verbreitet: über seine
-geheimnisvolle Herkunft, sein hohes Alter und seine Geheimnisse.
-Trotzdem steht fest, daß er am französischen Hofe eine Zeitlang hoch
-in Gunst stand und sehr ausgezeichnet wurde. Aber das alles war von
-kurzer Dauer und hat sich sehr geändert. Herr d’Affry hat mir indes
-versichert, er sei von Stand, wenn auch kein geborener Franzose. Er
-selbst behauptet, Spanier zu sein.
-
-
- Haag, 24. April 1760.
-
-Wie ich soeben erfahre, hat der Kurier, den d’Affry letzten Montag
-(14. April) erhielt, ihm Befehl gebracht, bei den Generalstaaten die
-Verhaftung und Auslieferung des berüchtigten Grafen Saint-Germain zu
-beantragen, da er ein gefährlicher Mensch sei, mit dem Se. Majestät
-aus guten Gründen unzufrieden ist. D’Affry hat diesen Befehl dem
-Großpensionär mitgeteilt und letzterer dem ständigen Ausschuß der
-Provinz Holland Bericht erstattet. Der Vorsitzende dieses Ausschusses,
-Graf Bentinck, hat den Mann gewarnt, ihn nach England abreisen lassen,
-und zwar hat er ihm dazu seinen eigenen Wagen geschickt[305]. Am Tage
-vor seiner Abreise war Saint-Germain vier Stunden beim englischen
-Gesandten[306]. Er hat sich gerühmt, mit der Herbeiführung des Friedens
-beauftragt zu sein. Ich habe jedoch die Schriftstücke gesehen, auf die
-er sich für seine Mission beruft[307], und habe darin nichts gefunden,
-was seine Behauptung erhärtet. Belle-Isle pflegt mit den elendesten
-Zeitungsschreibern und Projektenmachern in Briefwechsel zu stehen und
-ihre Offenbarungen sehr teuer zu bezahlen.
-
-Dieser Saint-Germain hat uns so viele andere grobe und elende Märchen
-erzählt, daß man ihn nur mit Widerwillen zum zweitenmal hört, es sei
-denn, daß man sich über dergleichen Aufschneidereien belustigen will.
-Dieser Mann kann kein zehnjähriges Kind betrügen, geschweige denn
-aufgeklärte Männer. Es ist also anzunehmen, daß die Protektion, die
-er findet, andere Gründe und Zwecke hat, als Verhandlungen durch ihn
-anzuknüpfen. Ich betrachte ihn als Abenteurer ersten Ranges, der mit
-seinen Mitteln am Ende ist, und ich würde mich sehr täuschen, wenn er
-kein tragisches Ende nähme. Unter den englischen Offizieren, die hier
-sind, haben einige ihn in London vor 20 Jahren gekannt und sprechen
-mit größter Verachtung von ihm. Sie halten ihn für einen einfachen
-Violinspieler.
-
-
- Haag, 2. Mai 1760.
-
-Der Abenteurer hat sich hier als geheimer Unterhändler des Marschalls
-Belle-Isle aufgespielt und Briefe von ihm[308] gezeigt, denen
-allerdings die Glaubwürdigkeit nicht ganz abzusprechen ist. Er ließ
-durchblicken, daß Belle-Isle ganz im Sinne der Frau von Pompadour,
-aber im Gegensatz zu Choiseul, leidenschaftlich nach Frieden trachte.
-Er hat stark aufgetragen und mit den stärksten Farben die Kabalen, die
-Not und die Zwistigkeiten geschildert, die in Frankreich herrschen
-sollen, und durch solche Schmeicheleien hat er das Vertrauen der
-englischen Partei zu gewinnen geglaubt. Andrerseits hat er an den
-Marschall Belle-Isle geschrieben[309], d’Affry wisse die Bestrebungen
-des Grafen Bentinck-Rhoon weder zu würdigen noch zu unterstützen.
-Dabei sei Bentinck von den besten Absichten beseelt und wünsche nichts
-so sehr, als die französischen Verhandlungen mit England zu fördern.
-Diese Briefe sind an d’Affry zurückgesandt worden, mit der Weisung,
-zu verhindern, daß Saint-Germain sich in irgendeine Angelegenheit
-einmische, falls er seine Dreistigkeit nicht damit büßen wolle, daß
-er bei der Rückkehr nach Frankreich seine Tage in einem Kerkerloch
-beschlösse[310].
-
-Trotz dieses Verbots fuhr Saint-Germain fort, Reden zu halten und
-Schritte zu tun, um sich auch weiterhin das Ansehen eines bedeutenden
-Mannes zu geben. Er hat beharrlich den englischen Gesandten besucht,
-der ihn aber scheinbar verachtete. Herr von Rhoon hat ihn beschützt,
-ihn bevorzugt und viel Aufhebens von ihm gemacht, und als d’Affry seine
-Auslieferung verlangte, hat er ihn vor der ganzen Stadt nach London
-reisen lassen[311]. Ich fürchte, der Elende wird noch Anlaß zu manchen
-Skandalgeschichten geben. Er hat gedroht, alle Urkunden nebst einer
-Rechtfertigungsschrift zu veröffentlichen. Er ist ein Gauner, der eine
-Rolle spielen will.
-
-
-XI
-
-Friedrich der Große und Voltaire[312]
-
-
-Voltaire an König Friedrich
-
- 15. April 1760.
-
-Ihre Gesandten werden in Breda[313] wohl mehr erfahren, als ich weiß.
-Der Herzog von Choiseul, Graf Kaunitz und Herr Pitt verraten mir ihr
-Geheimnis nicht. Bekannt soll es nur einem Herrn von Saint-Germain
-sein, der einst in der Stadt Trient mit den Vätern des Konzils gespeist
-hat und wahrscheinlich die Ehre haben wird, E. M. in etwa fünfzig
-Jahren zu besuchen. Der Mann ist unsterblich und allwissend.
-
-
-König Friedrich an Voltaire
-
- Meißen, 1. Mai 1760.
-
-Ein Kongreß in Breda wird nicht stattfinden, und ich lege die Waffen
-erst nach drei weiteren Feldzügen nieder. Das Pack soll sehen, daß es
-mein Entgegenkommen gemißbraucht hat, und der König von England wird
-den Frieden nur in Paris und ich ihn in Wien unterzeichnen ... Der Graf
-von Saint-Germain ist nur ein Ammenmärchen[314].
-
-
-XII
-
-Aus der „Geschichte des Siebenjährigen Krieges“ von Friedrich dem
-Großen[315]
-
-Der König sandte einen Unterhändler nach Frankreich, der die Absichten
-des Versailler Hofes sondieren und ihm, sowie dem König von England
-Bericht erstatten sollte. Die Wahl fiel auf einen jungen Edelsheim[316]
-... Er wurde in Paris leidlich aufgenommen. Man bedeutete ihm in
-unbestimmten Ausdrücken, daß die Erledigung seines Auftrages von der
-mehr oder minder schnellen Beilegung der Streitpunkte zwischen England
-und Frankreich abhängen würde. Man habe jedoch gehört, der König von
-Preußen gedenke, den König von Polen auf Kosten zahlreicher deutscher
-Kirchenfürsten zu entschädigen[317], die er säkularisieren wolle.
-Das aber könne der Allerchristlichste König nie und nimmer zugeben.
-Edelsheim brachte dem König den Bescheid nach Freiberg und reiste dann
-nach London, um ihn den großbritannischen Ministern zu übermitteln.
-
-Zugleich mit Edelsheim tauchte in London ein anderer Politiker auf,
-eine rätselhafte Erscheinung, über deren Wesen man nie ins klare
-gekommen ist. Er nannte sich Graf Saint-Germain, hatte in französischen
-Diensten gestanden und sich bei Ludwig XV. so in Gunst gesetzt, daß der
-König ihm das Schloß Chambord schenken wollte. Nun spielte er die Rolle
-eines Gesandten, befaßte sich ohne Vollmacht mit Unterhandlungen und
-äußerte sich zugleich in beleidigender Weise über Frau von Pompadour
-und den Herzog von Choiseul. Die Engländer behandelten ihn als
-Abenteurer und wiesen ihn aus.
-
-Ob nun aber das englische Ministerium Saint-Germain nicht traute oder
-infolge seiner Eroberungen die Hoffnungen höher schraubte, oder ob es
-gar mit der Erklärung des Versailler Ministeriums über den Kongreß[318]
-unzufrieden war, kurz, das Ministerium beauftragte den englischen
-Vertreter im Haag, Yorke, mit der Mitteilung an den französischen
-Gesandten d’Affry, der König von Großbritannien wäre zum Frieden
-geneigt und böte seine Hand zur Abhaltung eines Sonderkongresses,
-falls Frankreich die ungeschmälerte Erhaltung Preußens zur Grundlage
-der Präliminarien mache. Frankreich antwortete, es wünsche zwar nichts
-sehnlicher als die Beilegung seiner Streitigkeiten mit England. Da
-es aber mit Preußen gar nicht im Kriege liege, so könne es über die
-Interessen des Königs von Preußen nicht zugleich mit denen Seiner
-Britischen Majestät verhandeln. Mit dieser Antwort schwand die ohnedies
-schwache Hoffnung, die man auf die ganze Verhandlung gesetzt hatte.
-
-
-XIII
-
-+Aus+: „_The London Chronicle_“[319]
-
- Freitag, 2. Mai 1760.
-
-Haag, 26. April. Ein gewisser Graf Saint-Germain, von dem seit über
-drei Monaten viel gesprochen wurde, ist verschwunden. Auf Antrag einer
-benachbarten Macht sollen die Generalstaaten einen Verhaftsbefehl gegen
-ihn genehmigt haben. Er ist nach London entflohen, der Abfallgrube von
-Paris und Rom.
-
-
- Montag, 5. Mai 1760.
-
-Der Graf Saint-Germain, der in unserer letzten Nummer als aus Holland
-hier angekommen gemeldet wurde, ist ein Ausländer, dem der König von
-Frankreich in seinem Lande Zuflucht gewährt hat. Da er fand, daß die
-Freiheit, mit der er von den öffentlichen Angelegenheiten sprach, ihn
-in eine schiefe Lage bringen konnte, verließ er Paris und ging nach
-Holland, wo er angeblich mit ganz geheimen Unterhandlungen zwischen
-Frankreich und der Republik betraut war. Herr d’Affry stellte einen
-förmlichen Antrag, ihn zu verhaften und ihn unter guter Bedeckung nach
-Antwerpen zu schicken[320], von wo er nach Frankreich gebracht werden
-sollte. Aber der angebliche Graf bekam rechtzeitig Wind davon und
-entfloh nach England.
-
-
- Freitag, 9. Mai 1760.
-
-Der Mann, der in Holland unter dem Namen Graf Saint-Germain auftrat ...
-und kürzlich in England eingetroffen ist, wurde in seiner Wohnung in
-London ermittelt und in polizeilichen Gewahrsam gebracht.
-
-
- Montag, 26. Mai 1760[321].
-
-Rotterdam, 18. Mai. Der Graf Saint-Germain ist in London in Freiheit
-gesetzt worden und hier eingetroffen[322]. Noch während seiner
-Gefangenschaft hatte er zahlreiche Unterredungen mit mehreren
-Mitgliedern des Geheimen Rats, die zu noch weiteren Mutmaßungen Anlaß
-geben. (_Gazette de Bruxelles._)
-
-
- Montag, 30. Juni 1760[323].
-
-Wie wir aus Paris erfahren, haben mehrere vornehme Personen beim König
-Schritte zugunsten des Grafen Saint-Germain getan, der so viel von sich
-reden machte. Seine Majestät war im Begriff, ihm zu verzeihen, als es
-sich herausstellte, daß der Graf ein Spion des Königs von Preußen am
-französischen Hofe und sein Vertreter bei Frau von Pompadour war.
-
-
- Freitag, 22. August 1760.
-
-Wie wir erfahren, hat der berühmte Graf Saint-Germain, der vor kurzem
-hier war, sich in Altona niedergelassen.
-
-
-XIV
-
-Graf Danneskjold-Laurwigen[324] an Saint-Germain
-
- Kopenhagen, 3. April 1760.
-
-Gern hätte ich den brieflichen Verkehr mit Ihnen fortgesetzt, solange
-ich nicht das Glück habe, Sie zu sehen. Aber ich kenne leider Ihre
-Adresse nicht, und ich wagte Sie nicht zu stören, bis der Kammerherr
-Baron von Gleichen[325] mir versicherte, daß Sie mich mit Ihrem
-Angedenken beehrten. Nehmen Sie dies als Zeichen meiner Dankbarkeit
-und meiner Freude an, von neuem Gelegenheit gefunden zu haben, Ihnen
-für all die Güte und Freundschaft zu danken, womit Sie mich in England
-beehrt haben. Den Degen, den Sie mir geschenkt, und die Briefe, die
-Sie mir geschrieben haben, habe ich als einen Besitz bewahrt, der zu
-kostbar ist, um mich je davon zu trennen, aber die Ehre, daß Sie meiner
-gedenken, ist zu tief in mein Herz geschrieben, als daß ich diese
-Gelegenheit nicht benutzte, um Sie der tiefen Achtung zu versichern,
-die ich Ihrem teuren Selbst schulde. Bitte, geben Sie mir Nachricht von
-sich und Ihren Wünschen, falls ich Ihnen hierzulande irgendwie dienlich
-sein kann. Und glauben Sie mir, ich bin so erfreut, meinen Freund
-wiederzufinden (gestatten Sie mir diesen Ausdruck), daß ich nicht weiß,
-wie ich Ihnen all meine Dankbarkeit ausdrücken soll. Bitte nehmen Sie
-diesen Brief freundlich auf und glauben Sie mir, ich kann mit ehrlicher
-Freude versichern, daß ich bin und zeitlebens sein werde Ihr usw.
-
-
-
-
-GRAF SAINT-GERMAIN IN HOLLAND
-
-(1762)
-
-
-I
-
-Aus dem Schriftwechsel des Herzogs von Choiseul[326]
-
-
-Graf d’Affry an Choiseul
-
- Haag, 23. März 1762.
-
-Der sogenannte Graf Saint-Germain, der vor zwei Jahren mit der
-angeblichen Vollmacht zum Abschluß eines Friedens zwischen uns und
-England hierher kam und dessen Auslieferung als Betrüger zu beantragen
-ich Befehl erhielt[327], hat sich seitdem in den Provinzen der Republik
-und in deren Nachbarschaft unter fremdem Namen heimlich herumgetrieben.
-Doch erfuhr ich in den letzten Tagen, daß er unter dem Namen eines
-Amsterdamer Kaufmanns Noblet ein Gut in Geldern namens Ubbergen vom
-Grafen von Welderen gekauft und dafür noch nicht mehr als ungefähr
-30000 Franken in französischer Währung gezahlt hat. Ich hielt es für
-meine Pflicht, Sie davon zu benachrichtigen und zu fragen, ob Seine
-Majestät wünscht, daß ich gegen diesen Mann durch eine neue Eingabe
-bei den Generalstaaten vorgehen oder ob ich ihn lieber laufen lassen
-soll, da ja der Hauptzweck meines Einschreitens erreicht ist; denn ich
-habe ihn derart in Mißkredit gebracht, daß er sich seitdem nicht mehr
-hervorwagt und sein Leben dadurch zu fristen suchen muß, daß er mit
-Hilfe seiner chemischen Geheimmittel Gimpel fängt.
-
-
-Choiseul an Graf d’Affry
-
- Versailles, 10. April 1762.
-
-Wir haben den sogenannten Grafen Saint-Germain für die Unverschämtheit
-und Betrügerei seines Unterfangens bestraft und müssen es diesem
-Abenteurer überlassen, sich selbst vollends in den Mißkredit zu
-bringen, in den wir ihn schon versetzt haben.
-
-
-II
-
-Aus den Aufzeichnungen Hardenbroeks[328]
-
- 20. März 1762.
-
-Der sogenannte Graf Saint-Germain wohnt jetzt auf Ubbergen bei
-Nimwegen. Er besitzt noch eine Art Rittergut in der Nähe von Zutphen.
-Er hat ein großes Laboratorium in seinem Hause, in dem er tagelang
-sitzt. Er versteht die schönsten Farben allen nur denkbaren Dingen, wie
-Leder usw., zu geben, ist ein großer Philosoph und Kenner der Natur.
-Er spricht sehr schön, erscheint tugendsam, sieht wie ein geborener
-Spanier von erlauchter Abstammung aus, spricht von seiner verstorbenen
-Frau Mutter mit großer Ehrerbietung. Manchmal unterschreibt er sich:
-„Prinz von Spanien“[329]. Er ist stolz.
-
-Er will die Fabriken der Republik fördern, doch ohne die eine oder
-andere Stadt der Provinz vor den übrigen zu bevorzugen. Amsterdam
-hatte ihm nämlich für die Erlangung ausschließlicher Vorrechte
-besondere Vorteile angeboten. Viele Dienste hat er dem Grafen
-Gronsfeld[330] durch Herstellung und Lieferung von Farben für seine
-Porzellanfabrik bei Weesp geleistet. Mit Herrn van Rhoon[331] steht
-er sehr gut, spricht und korrespondiert immer mit ihm. Er führt auch
-eine außerordentliche ausländische Korrespondenz, ist an allen Höfen
-bekannt. Von dem verstorbenen Prinzen von Wales[332], der einen
-schlechten Charakter hatte, wurde er sehr schlecht behandelt. Da aber
-Saint-Germain unschuldig war, ist ihm bei seiner Freilassung volle
-Genugtuung gegeben worden[333]. Mit den ersten Leuten in Frankreich
-hat er in Briefwechsel gestanden, und er spricht viel Gutes von Frau
-Pompadour usw.
-
-Er ist sehr oft in Amsterdam, kommt viel zu G. Hasselaar[334]. Er
-besitzt ungewöhnlich schöne Steine, Rubine, Saphire, Smaragden und
-Diamanten. Man sagt, daß er die Kunst verstände, Diamanten helleres
-Wasser zu geben und Edelsteine zu verschönern usw. Er ist sehr
-freigebig, besitzt große Güter in der Pfalz und sonst in Deutschland.
-In Amsterdam wohnt er einmal im Hotel der vornehmen Welt, dann wieder
-wo anders und bezahlt überall gut.
-
- * *
- *
-
-Später, im August 1762, ist er von Amsterdam fortgezogen. Er hat
-Kleider, Spitzen, ja selbst Geld von dem Perückenmacher Chaudon
-geliehen, das er ihm binnen acht Tagen zurückzahlen sollte. Er hat ihn
-jedoch brieflich um weitere acht Tage Aufschub gebeten.
-
-Er hat überdies eine Wohnung in Chambord in Frankreich gehabt[335].
-Dort soll er sich geäußert haben, daß er die Tochter eines gewissen
-Lambert[336] heiraten wolle. Dadurch sind diese Menschen ruiniert
-worden.
-
-[Illustration: Karl Graf Cobenzl]
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN DEN ÖSTERREICHISCHEN NIEDERLANDEN (1763)
-
-
-I
-
-Aus dem Schriftwechsel des Grafen Karl Cobenzl[337]
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 8. April 1763.
-
-Vor etwa drei Monaten ist der unter dem Namen Saint-Germain bekannte
-Mann hier durchgekommen und hat mich aufgesucht. Ich fand in ihm den
-seltsamsten Menschen, der mir im Leben begegnet ist. Seine Herkunft
-kenne ich noch nicht genau; ich glaube jedoch, daß er einer heimlichen
-Verbindung aus einem mächtigen und berühmten Hause entsprossen ist. Er
-ist im Besitz großer Mittel, lebt aber äußerst einfach. Er weiß alles
-und zeigt eine bewundernswerte Rechtschaffenheit und Seelengüte.
-
-In einem zahlreichen Bekanntenkreise hat er vor meinen Augen einige
-Versuche gemacht, von denen ich Eurer Exzellenz einige Proben senden
-werde. Die wesentlichsten bestehen in der Verwandlung von Eisen in
-ein Metall, das ebenso schön ist wie Gold und sich wenigstens ebenso
-zu allen Goldschmiedearbeiten eignet, ferner in der Färbung und
-Bearbeitung von Leder in einer solchen Vollkommenheit, daß es alle
-Maroquins der Welt und die vollkommensten Gerbverfahren übertrifft.
-Auch die Seiden- und Wollfärberei hat er zu einer bisher unbekannten
-Vollendung gebracht. Hölzer färbt er in den lebhaftesten Farben, und
-zwar durch und durch, ohne Indigo oder Cochenille, mit den einfachsten
-Zutaten und somit sehr billig. Er stellt auch Malfarben her, das
-Ultramarin so tadellos wie das aus Lapislazuli gewonnene. Schließlich
-nimmt er den zum Malen verwendeten Ölen den Geruch und stellt aus Rüböl
-und anderen noch schlechteren Stoffen das beste Provencer Öl her.
-
-Alle diese Erzeugnisse sind vor meinen Augen hergestellt und befinden
-sich in meinen Händen. Ich habe sie aufs schärfste prüfen lassen, und
-da ich einen Millionengewinn darin erblicke, habe ich die Freundschaft,
-die er mir erweist, dazu benutzt, ihm alle seine Geheimnisse zu
-entlocken. Er überläßt sie mir und verlangt nur einen angemessenen
-Gewinnanteil, wohlverstanden, erst wenn ein Gewinn da ist.
-
-Da alles Wunderbare notwendig zweifelhaft erscheinen muß, habe ich
-die zwei Klippen vermieden, mich täuschen zu lassen und mich auf
-übermäßige Ausgaben einzulassen. Zur Vermeidung der ersten Klippe habe
-ich einen Vertrauensmann herangezogen, in dessen Gegenwart ich die
-Versuche vornehmen ließ. Dabei habe ich mich voll überzeugt, daß es
-mit diesen Erzeugnissen seine Richtigkeit hat und daß sie billig sind.
-Betreffs des zweiten Punktes habe ich Herrn von _Surmont_ -- so nennt
-sich Saint-Germain jetzt -- einen guten, zuverlässigen Kaufmann aus
-Tournai[338] beigegeben, bei dem er jetzt arbeitet. Die sehr geringen
-Vorschüsse habe ich durch Frau Nettine[339] zahlen lassen, deren Sohn
-und Schwiegersohn, Herr Walckiers[340], diese Manufaktur leiten sollen,
-sobald die Einnahmen aus den ersten Versuchen uns in den Stand setzen,
-sie ohne Risiko anzulegen. Der Augenblick des Gewinnes steht schon
-bevor, denn zwei unserer besten Kaufleute, Barbieri und Francolet, sind
-über die Schönheit der Seidenfarben so entzückt, daß sie mir zur Zeit
-alle Seiden zum Färben geben, die sie in den hiesigen Provinzen wie in
-ganz Niederdeutschland vertreiben.
-
-Diese Einzelheiten sind noch sehr unvollkommen, aber ich bitte E. E.,
-sie nur als vorläufigen Bericht über eine Sache zu betrachten, die für
-die Staatsfinanzen und die Wohlfahrt der Völker Ihrer Majestät von
-größter Bedeutung werden kann und muß. Zugleich versichere ich E. E.,
-daß ich keine beträchtliche Summe aufs Spiel setzen werde. Bald werde
-ich ausführlicher berichten und eine genaue Berechnung des Gewinns,
-die ich schon in Arbeit habe, einsenden. Inzwischen bitte ich um
-Gutheißung des Geschehenen. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn
-ich versichere, daß die Sache für das Wohl der Monarchie von größter
-Wichtigkeit ist.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 19. April 1763.
-
-Ich will heute nur auf die Wunder eingehen, die der berüchtigte
-Graf Saint-Germain aus Freundschaft für E. E. vollbringen will.
-Ich sehe die Dinge aus der Entfernung und somit ohne den Zauber
-der Aufmachung. Aber Sie schreiben mir von Tatsachen, von unter
-Ihren Augen gemachten Versuchen, die die strengsten Prüfungen und
-Untersuchungen siegreich bestanden haben. Was soll man dazu sagen?
-Nur das eine, daß der Zweifel, ob das alles richtig gesehen wurde,
-hier um so begründeter ist, weil einerseits auch die gescheitesten
-Leute auf chemische Versuche hereingefallen sind, und weil andrerseits
-zwischen Versuchen im Kleinen und der Herstellung im Großen ein
-himmelweiter Unterschied ist. Ein Modell ist noch keine Maschine, und
-ein Versuch beweist noch nichts zu Gunsten einer Fabrik, deren Anlage
-kostspielige Vorbereitungen, unsichere Vorschüsse und sehr teure
-Betriebseinrichtungen kostet. Ich weiß nicht, was E. E. bereits für den
-Betrieb im Großen beschlossen haben. Frau Nettine scheint die gleichen
-Erwartungen wie E. E. an den Erfolg dieser Unternehmung zu knüpfen.
-Herr Walckiers leitet den wirtschaftlichen Teil, d. h. die Verwaltung.
-Das kann auch den ängstlichsten Finanzmann beruhigen.
-
-Aber der Charakter des sonderbaren Mannes, der mehr geeignet ist, die
-Menschen zu betören als sie zu überzeugen, flößt mir kein Vertrauen und
-keine Sicherheit ein. Beiliegend ein paar Anekdoten über sein Leben.
-Ich stehe zwar nicht für ihre Richtigkeit ein, doch war ihr Verfasser
-an den Szenen beteiligt, die sich in Frankreich abgespielt haben. Der
-Rest ist allgemein bekannt. Das Stück ist in der Tat eine Komödie.
-Nur fürchte ich ein wenig, wir werden den Stoff für ihren letzten Akt
-liefern, und darum halte ich es für unklug, für die Inszenierung eine
-beträchtliche Summe aufs Spiel zu setzen.
-
-Zudem sprechen E. E. sehr zuversichtlich von den Reichtümern des Herrn
-von Surmont. Welche Gewißheit haben Sie darüber? Welcher Art sind
-diese Reichtümer? Bestehen sie in Geld, Wertpapieren, Landbesitz,
-Handelseffekten? Hier sind viele Nebel zu verscheuchen, bevor wir klar
-sehen. Ich möchte, daß E. E. sowohl über die Grundlage des Unternehmens
-wie über die Verhältnisse des Erfinders Auskünfte einziehen, um
-meine Zweifel zu beheben, und daß Sie die mir in Aussicht gestellte
-Denkschrift durch einen Sachverständigen ausarbeiten lassen, der die
-Einzelheiten klar und deutlich anordnet und in seinem Gutachten soviel
-Licht verbreitet, daß wir die Dinge zu beurteilen vermögen.
-
-Alles, was ich Ihnen schreibe, steht noch unter dem ersten Eindruck
-Ihrer Mitteilung von den Wundern, die Sie uns verheißen. Ohne die von
-Ihnen angeführten Tatsachen hätte die Sache mich eher belustigt als mir
-Eindruck gemacht. Aber es kommt gegenwärtig vor allem darauf an, die
-Interessen Ihrer Majestät nicht aufs Spiel zu setzen. Das muß ich Ihnen
-besonders anempfehlen. Ich erwarte mit Spannung positivere Auskünfte.
-
-
-Anekdoten über die wunderbare Persönlichkeit, die sich gegenwärtig in
-Brüssel aufhält[341]
-
-Vor vier Jahren lebte dieser eigenartige Mann in Frankreich unter dem
-Namen eines Grafen Saint-Germain.
-
-Er besaß angeborene Beredtsamkeit, sprach mehrere Sprachen fließend,
-war fein gebildet, verstand den Geschmack, die Neigungen und Schwächen
-derer zu erfassen, deren Vertrauen er gewinnen will, kannte alle
-Kniffe und Pfiffe der Adepten gründlich und wußte sich von den Großen
-am Versailler Hofe bewundern und umwerben zu lassen, ja sogar mehrere
-geheime Unterredungen mit dem König und der Marquise (von Pompadour)
-zu erlangen. Er fand solchen Anklang, daß man nicht nur von seiner
-erlauchten Herkunft überzeugt war, sondern auch glaubte, er werde die
-Finanzen durch sein tiefes Wissen und seine wunderbaren Geheimmittel
-wiederherstellen, und Wohlstand werde unter seiner wohltätigen
-Schöpferhand erblühen. Diese Bezauberung währte eine Weile. Er hielt
-alle, die sich einen Anteil an seiner Freigebigkeit und an den von
-ihm versprochenen Wundern versprachen, in einer Art von Ehrfurcht,
-so daß sie sogar auf das Recht des Zweifels verzichteten. Sie wagten
-ihm nicht die geringste Frage über die Möglichkeit seiner wunderbaren
-Geheimmittel zu stellen, um dies schöpferische Wesen nicht zu kränken.
-
-Trotz seiner einstudierten Miene und seines wohl überlegten Benehmens,
-seiner zurechtgelegten Reden und seines stets auf die Umwelt
-berechneten Auftretens entschlüpften ihm Unvorsichtigkeiten und
-Prahlereien, die die Illusion hätten zerstören müssen. Eines Tages
-vergaß er sich so weit, an einer Tafel, an der die erlauchtesten
-Personen des Hofes saßen, zu sagen, nur das Haus Bourbon sei ihm auf
-Erden ebenbürtig.
-
-Ein Mann, der einem seiner größten und erlauchtesten Bewunderer
-nahestand, sah mit Kummer, wie dieser Herr sich blindlings in die
-Hirngespinnste des Grafen Saint-Germain verrannte, und wagte ihm
-gegenüber einige Zweifel zu äußern. Er fand zunächst schroffe
-Zurückweisung, ließ aber nicht locker und setzte es durch, den Grafen
-Saint-Germain in seiner Wohnung in Paris überraschen zu dürfen. Er ging
-tatsächlich hin und fand ihn in einer ziemlich unsauberen Wohnung. Er
-fragte ihn über seine Geheimmittel aus, bekam von ihm aber nur ein paar
-Farbproben zu sehen, sowie eine Art von Zauberbuch, eine alte Scharteke
-mit Angaben über chemische Prozeduren, deren Wertlosigkeit schon bei
-flüchtiger Durchsicht sofort erhellte.
-
-Diese Feststellungen, die er dem genannten Herrn mitteilte,
-erschütterten Saint-Germains Kredit. Obwohl er immer nur von seinen
-Reichtümern, von seinen Geldmitteln an allen Plätzen Europas, von den
-Schiffen, die er auf dem Meere hatte, und von seiner Beteiligung an
-allen bekannten Banken erzählte, beging er die Unklugheit, vom Grafen
-Saint-Florentin ein Landgut für 1800000 Franken zu kaufen und einen
-förmlichen Kaufvertrag aufzusetzen. An den Tagen, wo die Raten fällig
-waren, trafen keine Zahlungen noch Wechselbriefe ein, und der Käufer
-verließ Frankreich.
-
-In Holland angelangt, sprengte er aus, er hätte vom Allerchristlichsten
-König Vollmacht zu Friedensverhandlungen mit England[342]. Herr d’Affry
-schöpfte Verdacht, meldete Saint-Germains Äußerungen an seinen Hof und
-erhielt vom Minister des Auswärtigen Befehl, ihn verhaften zu lassen.
-Saint-Germain bekam Wind davon und entfloh nach England. Dort hielt er
-sich nur sehr kurz auf, vermutlich, weil das englische Ministerium,
-das damals mit dem Versailler Hof unterhandelte, eine Frankreich
-verdächtige Person nicht aufnehmen wollte. Man riet ihm, das Land zu
-verlassen.
-
-Seitdem hat die Öffentlichkeit den eigenartigen Mann aus den Augen
-verloren. Man glaubte, er hätte sich nach Berlin begeben, aber
-wahrscheinlicher ist es, daß er sich in Holland verborgen hielt.
-
-
-Kaunitz an Maria Theresia
-
- Wien, 22. April 1763.
-
-In der Generalverwaltung der Niederlande bereitet sich eine Szene vor,
-deren Ausgang mir so zweideutig erscheint, daß ich mich verpflichtet
-fühle, Eure Kaiserliche und Apostolische Majestät schon jetzt darauf
-vorzubereiten, wie ich diese Komödie ansehe.
-
-Aus dem beiliegenden Auszug eines Berichtes des Grafen Cobenzl[343]
-ersehen E. M., welche Wunder ein seltsamer Mann, der vor vier Jahren
-unter dem Namen eines Grafen Saint-Germain in Frankreich auftrat, zur
-Bereicherung Ihrer Finanzen und Untertanen vollbringen will. Graf
-Cobenzl spricht mit solcher Zuversicht von dem völligen Gelingen
-mehrerer unter seinen Augen gemachter Versuche. Mehr noch: Frau Nettine
-geht so hitzig darauf ein, daß ich die Möglichkeit der Sache nicht
-abzustreiten wagte, obgleich ich versucht bin, das Ganze als bloße
-Vision und Betrügerei anzusehen. Ich habe den Grafen Cobenzl also
-aufgefordert, äußerst vorsichtig zu sein, keine Staatsgelder aufs Spiel
-zu setzen und Nachforschungen über die Reichtümer seines angeblichen
-Orakels anzustellen, von denen er und Frau Nettine mit solcher
-Begeisterung, indessen ohne nähere Angaben, sprechen. Zu dem Zweck habe
-ich dem Grafen Cobenzl die gleichfalls beiliegende Antwort erteilt
-und die Anekdoten über das Leben des angeblichen Grafen Saint-Germain
-beigefügt[344], die zu meiner Kenntnis gelangt sind.
-
-Damit habe ich ihre großen Pläne weder verworfen noch gebilligt.
-Möglicherweise befinden sich unter der großen Zahl von Geheimmitteln,
-deren Ausbeutung so glänzende Erfolge verspricht, auch ein paar recht
-brauchbare. Möglicherweise aber löst sich auch alles in Dunst auf. Auf
-jeden Fall wäre es angezeigt, wenn E. M. den Inhalt meines Berichts
-geheim halten wollten; denn im ersteren Falle würde Saint-Germain
-zu sehr eine Entlarvung fürchten, und im zweiten müßte man die
-Schwachheit der Regierung, die sich von einem Schwindler anführen
-ließ, mit einem Schleier zudecken.
-
-
-Eigenhändiges Marginal Maria Theresias
-
-Ich bin völlig überzeugt, daß das von Ihnen entworfene Bild mehr
-zutrifft als das Cobenzl’sche und daß diese Torheit geheim gehalten
-werden muß. Ich wünschte, der Minister wäre von ihr geheilt.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 28. April 1763.
-
-Auf den Erlaß vom 19. d. M. versichere ich zunächst, daß die Wunder,
-die ich täglich sehe, so groß und zugleich so einfach und so leicht
-sind, daß es mich gar nicht wundern würde, wenn E. E. nicht daran
-glauben wollten. Auch mir fiel es schwer, das zu glauben, was ich
-selbst gesehen habe und dann andere sehen ließ, die bessere Augen haben
-als ich. Jedes chemische Verfahren muß selbst denen verdächtig sein,
-die in dieser Wissenschaft besser Bescheid wissen als ich. Aber wie
-soll man den Glauben an etwas verweigern, das sich vor den eigenen
-Augen abspielt, das man selbst macht und das im großen wie im kleinen
-das gleiche sein muß? Denn es ist doch ausgeschlossen, daß mit einem
-Mittel, womit ein Stück gefärbt wird, nicht auch hundert Stück zu
-färben sind. Dazu kommt die völlige Klarheit der physikalischen Gründe,
-so daß man erkennt, daß Ursache und Wirkung gleich unfehlbar sind.
-
-Wie ich E. E. schon berichtete, sind die Kosten nicht übermäßig, und
-die weiteren Ausgaben sollen aus dem Gewinn bestritten werden. Zur
-Verwandlung des Eisens, zum Färben von Holz, Wolle, Seide, Stoffen und
-Leder sind bereits folgende Einrichtungen getroffen. Wir haben einen
-guten, zuverlässigen Fabrikanten in Tournai[345] angenommen und lassen
-dort die nötigen Vorbereitungen treffen. Wir haben ihm den jungen
-Lannoy beigegeben, den E. E. in Wien oft gesehen haben. Alles wird so
-weit vorbereitet, daß Frau Nettines Sohn am 15. oder 16. Mai, nach
-der Rückkehr seiner Mutter von ihrer Reise nach Paris, die sie am 1.
-antritt, nach Tournai fahren kann, um dort das Verfahren zu sehen, das
-Geheimnis zu erfahren und die Herstellung zu lernen.
-
-Bevor ich Punkt für Punkt auf die Mitteilungen über unseren Mann
-antworte, bitte ich E. E. zu bedenken, daß er nichts von uns
-verlangt und mir sein Geheimnis überlassen will. Seine persönlichen
-Eigenschaften sind uns ziemlich gleichgültig, wofern er uns sein
-Geheimnis preisgibt, das ich zum Teil schon besitze und das ich auf die
-obengenannte Weise ganz erfahren werde. Nur darauf kommt es an.
-
-Ich sprach zuversichtlich von den Reichtümern dieses Mannes. Folgendes
-weiß ich darüber. Er besitzt ein Landgut in Holland, das zu zwei
-Dritteln bezahlt ist, und Wertsachen, die der Kaufmann, der sie in
-Seeland verpfändet hat, auf über eine Million schätzt. Diese Wertsachen
-läßt er herkommen, um sie bei Frau Nettine zu hinterlegen. Alles soll
-in einer Denkschrift von berufener Feder ausführlicher dargelegt
-werden. Bis dahin bitte ich E. E. versichert zu sein, daß ich sparsam
-und nur im Einvernehmen mit Frau Nettine vorgehen werde.
-
-Ich komme zu den Anekdoten, die E. E. mir gütigst mitteilten. Die
-großen Fähigkeiten, die man unserem Manne zuschreibt, sind Tatsache,
-aber, wie ich hinzufügen muß, verachtet er die Adepten, und abgesehen
-von den Unterredungen, die er mit dem Allerchristlichsten König, der
-Marquise und den Ministern hatte, besitzt er viele Briefe von der
-Marquise und den Ministern, von denen er Gebrauch machen könnte, wenn
-er sich für die Härte rächen wollte, mit der Frankreich ihn behandelt
-hat.
-
-Er stammt bestimmt aus einem erlauchten Hause, aber das tut nichts zur
-Sache, und so muß ich ihm gegenüber das Geheimnis wahren, das er mir
-darüber anvertraut hat. Er prahlt allerdings gelegentlich damit, aber
-unmöglich kann man an seinen Wundern zweifeln. Ich habe ihm tausend
-Einwände gemacht, aber er hat sie alle widerlegt: Ursache und Wirkung
-haben mich völlig überzeugt.
-
-Die unbesonnene Bemerkung, die ihm entfahren sein soll, kann zutreffen.
-Wie gesagt, ist er in dieser Hinsicht ruhmredig. Ein Mensch, der seine
-Herkunft verbergen will, macht bisweilen ungewöhnliche Äußerungen, um
-die, welche ihn ausforschen wollen, irrezuführen. Aber nochmals: das
-tut nichts zur Sache.
-
-Die Person, die ihn durch Überraschung entlarven wollte, hat ihn
-nicht gekannt. Er hat tausend Chemikalien in seinem Zimmer, mit denen
-er gar nichts macht. Er streut sie umher, damit man nicht auf die
-kommt, die er wirklich benutzt. Bei seinem Charakter wird man ihm sein
-Geheimnis durch Überrumplung nicht entreißen. Er überläßt es mir aus
-Freundschaft, und sicher wird er es nicht anders überlassen.
-
-Er spricht von seinen Reichtümern und muß große besitzen; denn überall,
-wo er war, hat er prachtvolle Geschenke gemacht, viel ausgegeben und
-nie jemand um etwas gebeten, auch nirgends Schulden hinterlassen. Der
-Umstand mit dem Landgut des Herrn von Saint-Florentin ist mir nicht
-bekannt. Aber ich habe Einsicht in Schriftstücke gehabt, aus denen
-ich den Grund seiner Reise nach Holland ersah. Es handelte sich um
-folgendes.
-
-Der Marschall Belle-Isle, dem er besonders nahestand, schickte
-ihn insgeheim nach Holland, um mit dem General Yorke über einen
-Sonderfrieden zu verhandeln. Das hat er getan; d’Affry wurde
-eifersüchtig und beschwerte sich lebhaft. Der Herzog von Choiseul
-war über die Sache wie über die Form aufgebracht und verfuhr gegen
-Saint-Germain in der allgemein bekannten Weise[346].
-
-Ich habe die Schriftstücke gesehen und finde auf Saint-Germains Seite
-kein Verschulden. Aber selbst wenn ein solches vorläge, täte es
-nichts zur Sache; denn hier handelt es sich nur um Erlangung seiner
-Geheimmittel. Ich habe anfangs gefürchtet, daß Frankreich, nachdem es
-ihn aus Holland und England vertrieben hat, ihn auch hier verfolgen
-möchte. Aber er ist schon seit vier Monaten hier, und Frankreich hat
-bisher nichts unternommen. Daß dies noch geschehen könnte, fürchte ich
-um so weniger, als Frau Nettine den Grafen Starhemberg[347] und Herrn
-de Laborde[348] aufklären wird, und diese werden sicher verhindern, daß
-Frankreich bei uns seinethalben vorstellig wird.
-
-Nach seiner Abreise aus England hat er sich in Holland aufgehalten. Er
-hatte dort besonders enge Beziehungen zum Grafen Bentinck[349], Herrn
-van Gronsfeld-Diepenbroek[350] und dem Bürgermeister Hasselaar[351]
-in Amsterdam. Er hat das Gut Ubbergen gekauft[352], nach dem er sich
-_Surmont_ nennt. Dort wollte er eine Manufaktur einrichten. Der
-Zufall führte ihn hierher, und er besuchte mich auf der Durchreise.
-Seine Kenntnisse in der Malerei und Zeichenkunst bildeten den
-Anknüpfungspunkt; allmählich kam er auf seine Entdeckungen zu sprechen.
-Infolge meiner Ungläubigkeit ging er auf Einzelheiten ein. Da ich für
-Freundschaft empfänglich bin, bezeigte ich ihm die meine und machte ihn
-mit Frau Nettine bekannt. Die ausgezeichnete Erziehung, die sie ihren
-Kindern gibt, machte ihm Eindruck, und er schloß sich derart an sie und
-an mich an, daß ich glaube, wir könnten ihn zu allem bringen.
-
-Das ist seine ganze Geschichte. E. E. werden sobald wie möglich
-genaue und ausführliche Einzelheiten über alle unsere Versuche nebst
-den Proben unserer Erzeugnisse erhalten und daraus erkennen, daß die
-Sache ihre Richtigkeit hat. Inzwischen wollen E. E. überzeugt sein,
-daß wir uns auf übermäßige Ausgaben nicht einlassen werden, und daß
-ein glücklicher Zufall uns durch diesen Mann, mag er sein, wer er
-will, ein Mittel geschenkt hat, um unsere Provinzen zu bereichern und
-den Staatsfinanzen einen vielleicht über Erwarten großen Gewinn zu
-verschaffen.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 10. Mai 1763.
-
-Die Auskünfte Eurer Exzellenz zur Behebung meiner Zweifel an all den
-Wundern, die Herr von Surmont zugunsten unserer Finanzen wirken soll,
-vermehren nur meine Überraschung. Noch einmal: ich habe gegen Tatsachen
-nichts einzuwenden und glaube, wie E. E. schreiben, daß man mit einer
-Chemikalie, mit der man ein Stück Stoff färbt, auch mehrere färben
-kann. Weniger leicht ist der Nachweis, daß, wenn das Färben eines
-Stückes nur einen Gulden kostet, das Färben von tausend Stück sich
-nur auf tausend Gulden beläuft. Zur Herstellung im Großen bedarf es
-der Vorbereitungen, besonders bei chemischen Verfahren. Dazu kommt die
-Verwaltung, die Notwendigkeit, seine Geheimverfahren einer großen Zahl
-von Menschen mitzuteilen, tausend Zufälle, die durch Nachlässigkeit,
-Untreue oder Faulheit der Arbeiter entstehen, die Preissteigerung der
-Herstellungsmittel infolge starken Bedarfes. Alle diese Unkosten müssen
-berechnet und von dem Gewinn abgezogen werden, der aus einem Versuch im
-Kleinen errechnet ist. Hier gilt nicht die gewöhnliche Rechnung, daß
-zwei mal zwei vier ist. Deshalb gab ich E. E. zu bedenken, daß zwischen
-einem Versuch im Kleinen und der Herstellung im Großen ein himmelweiter
-Unterschied ist, und daß man bei dergleichen Untersuchungen nicht
-auf einfachen Versuchen fußen kann. Bliebe mir somit auch nicht
-der geringste Zweifel mehr über das Vorhandensein der wunderbaren
-Geheimverfahren des Herrn von Surmont, so kann ich mich doch nicht
-überzeugen, daß sie im Großbetrieb einen so sicheren und gewaltigen
-Gewinn abwerfen, wie er ihn in Aussicht stellt.
-
-Auch die Geschichte von seinen Wertsachen, die auf eine Million
-geschätzt und doch in Seeland verpfändet sind, erscheint mir höchst
-verdächtig. Ein so schwer reicher Mann, der ein ganzes Peru in seiner
-Brieftasche trägt, verpfändet seine Wertsachen und besitzt ein Landgut,
-das er noch nicht bezahlt hat! Wie Sie mir zugeben werden, lieber Graf,
-sind das auffällige Widersprüche.
-
-Aber schließlich halten die von Ihnen gesehenen und von
-Sachverständigen geprüften Tatsachen mich ab, diesen Zweifeln und
-Schwierigkeiten ganz nachzugeben. Ich bin nicht überzeugt, aber ich
-möchte es werden, und deshalb mache ich mir Sorge darüber, daß Sie
-sich für die Anlage von so kostbaren Manufakturen eine Stadt an der
-Grenze ausgesucht haben. Sie müssen dort notgedrungen die ganze
-Aufmerksamkeit und Eifersucht unserer Nachbarn erregen. Auch Herr
-von Surmont selbst ist dort nicht völlig sicher. Ich bin wirklich
-überrascht, Herr Graf, daß Sie, der Sie sich als Augenzeuge gewiß mehr
-von seinen Geheimmitteln versprechen, als ich bisher zu hoffen vermag,
-nicht gefürchtet haben, den ganzen Kram so aufs Spiel zu setzen, indem
-Sie ihn in Tournai anlegen. Doch auch das wird seine Gründe haben.
-Somit erwarte ich mit Spannung Ihre Denkschrift und Ihre Proben.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 19. Mai 1763.
-
-Ich will E. E. heute nicht mit langen Einzelheiten über Herrn von
-Surmont belästigen; denn ich hoffe, bald einen eingehenden Bericht
-übersenden zu können. Alles Wunderbare oder Unbegreifliche überrascht,
-selbst wenn man es greifbar vorgeführt sieht. Die vorzügliche Qualität
-und die Billigkeit muß uns den Vorrang in der Färberei und Gerberei
-geben. Ich hoffe, die Proben zu erhalten, und werde sie E. E. sofort
-übersenden. Inzwischen darf ich versichern, daß ich keinen Schritt
-ohne Frau Nettine tue, und daß wir uns in den Ausgaben beschränken.
-Als Ort habe ich Tournai bestimmt, weil die Anlage dort billiger
-ist und ich dort einen Vertrauensmann und Sachverständigen für die
-Manufakturen (Rasse) habe, schließlich auch, weil ich dort am wenigsten
-Schwierigkeiten mit den abscheulichen Zünften befürchte. Mein Mann
-kommt heute aus Tournai zurück und wird in zwei bis drei Tagen mit
-Herrn von Nettine wieder hinfahren. Dieser letztere allein soll in das
-Geheimverfahren eingeweiht werden, und dies ist derart, daß weder die
-Arbeiter noch die Werkmeister es je erraten können. Frau Nettine hat
-bei ihrer Reise nach Paris nichts Ungünstiges über unseren Mann gehört
-und sich durch ihre Schwiegersöhne die Sicherheit verschafft, daß wir
-bei keiner einzigen Unternehmung Widerstand zu befürchten haben. Sobald
-Herr Nettine das Geheimverfahren kennt, werden wir einen richtigen
-Vertrag aufsetzen, den ich E. E. zur Genehmigung unterbreiten werde.
-Damit werden unsere großen Hoffnungen, die ich auf das Unternehmen
-setze, zur Gewißheit werden.
-
-
- Brüssel, 27. Mai 1763.
-
-Ich beehre mich, E. E. die Proben von Metall, gefärbter Seide,
-Wolle, Leder und Holz zu übersenden. Ich habe die Päckchen mit den
-vom Erfinder versehenen Aufschriften und den von ihm gegebenen
-Erläuterungen gelassen. Ich hoffe, E. E. werden alles vortrefflich
-finden. Ich wiederhole nur, daß all diese schönen Färbungen mit den
-einfachsten Mitteln hergestellt sind, und daß keine Cochenille verwandt
-ist; somit ist alles sehr billig. Alle anderen Farben sind in gleicher
-Weise zu erzielen. Grün gefärbte Seide, Wolle oder Holz habe ich nicht
-gesehen, aber wie mein Mann sagt, kann er auch das machen.
-
-Sehr wichtig ist, wie ich selbst nachgeprüft habe, daß man nach
-erfolgter Färbung aus dem Farbwasser die schönsten Malfarben, selbst
-Ultramarin, gewinnt; bisher aber brauchte man zum Blau Cochenille. Der
-Erfinder glaubt jedoch, ein Verfahren zu finden, wo dies sich erübrigt.
-Doch ich kann nur für das einstehen, was ich selbst sah.
-
-Nächsten Sonntag[353] fährt er mit Nettine nach Tournai und wird
-uns alle seine Geheimverfahren angeben. Nettine wird sie selbst
-ausprobieren, bis er sicher ist, sie nachahmen zu können. Danach werden
-wir unseren Vertrag entwerfen, und ich werde ihn E. E. zur Genehmigung
-vorlegen.
-
-Ich brauche wohl nicht hinzuzufügen, daß diese Farben nicht die
-einzigen sind, mit denen wir färben können. Befehlen E. E. noch andere
-zu haben, so bedarf es nur der Zusendung einer Probe.
-
-
- Brüssel, 28. Mai 1763.
-
-Nach Abgang der Proben, die ich E. E. übersandte, übergab mir Herr
-von Surmont die beiliegende Denkschrift, die zur weiteren Erläuterung
-dient[354]. Ich hoffe, in einigen Tagen melden zu können, daß er uns
-seine Geheimverfahren angegeben hat; denn er wird morgen bestimmt mit
-dem jungen Nettine abreisen.
-
-
-Dorn[355] an Cobenzl
-
- Wien, 8. Juni 1763.
-
-Der Herr Kanzler wollte heute die drei Briefe E. E. vom 27. und 28. Mai
-d. J. beantworten, wurde aber durch eine starke Kolik daran verhindert.
-Ich beehre mich also, E. E. in seinem Auftrage mitzuteilen, daß die
-Proben von gefärbter Seide und Wolle hier nicht die gleiche Bewunderung
-erregt haben wie in Brüssel. Das Färben von Holz ist keine Seltenheit
-und eignet sich nicht zu einem Handelsartikel, der in Wettbewerb mit
-über fünfzig indischen Holzarten treten muß. Diese sind eine schöner
-als die andere und sämtlich von einer Überlegenheit in den Farben und
-auch sonst für die Kunstschreinerei so viel besser geeignet, daß man
-sie stets Ihren billigen gefärbten Hölzern vorziehen wird. Die Metalle
-sind das verdächtigste und zugleich das belangloseste von all diesen
-Wundern. Nur das Leder scheint einige Beachtung zu verdienen. Es
-werden Musterkarten von gefärbter Seide und Wolle, die wir hier haben,
-aufgestellt werden. Neben jeder Gattung wird der Preis für ein Pfund
-vermerkt. Eine andere Musterkarte wird über gefärbtes Leder aufgestellt
-werden. Die Metalle werden chemisch geprüft und analysiert werden.
-E. E. sollen alle Auskünfte erhalten, die wir uns über diese Dinge
-beschaffen können.
-
-Inzwischen aber sind wir weit entfernt, sie für so äußerst
-gewinnbringend zu halten, wie man es in den Niederlanden hofft. Der
-Herr Kanzler kann also nicht umhin, E. E. mitzuteilen, daß alle
-Vorarbeiten, die etwa zur Herstellung im Großen im Gange sein sollten,
-einzustellen sind, und daß mit Herrn von Surmont nichts abzuschließen
-ist, bis wir in der Lage sind, Ihnen den ausdrücklichen Befehl Ihrer
-Majestät hierüber kundzugeben.
-
-Damit soll aber nicht alles verworfen werden. Unter diesen
-Geheimverfahren befinden sich einige, die, im Kleinen angewandt, wohl
-etwas Gewinn abwerfen könnten. Aber nach den Proben zu urteilen,
-befindet sich darunter nichts, dessentwegen man so große Ausgaben aufs
-Spiel setzen dürfte, wie sie schon die Vorbereitungen zur Anlage eines
-Großbetriebes vielleicht erfordern.
-
-Herr von Surmont verspricht uns in seiner Denkschrift zwar Fortschritte
-in der Feinheit und Leuchtkraft der Farben; er müßte aber doch wissen,
-daß wir uns ein Urteil darüber nur aus den Proben bilden können, und
-die sprechen so wenig zu seinen Gunsten, daß unsere hiesigen Farben
-für Seide weit besser sind als die seinen. Es überrascht uns hier
-etwas, daß man seine Erzeugnisse nicht mit anderen verglichen hat,
-oder, wenn dies geschehen ist, daß man sich hat täuschen können. Man
-hat in Brüssel -- oder sollte sie doch haben -- die prachtvollen
-englischen und die glänzenden, schönen französischen Farben, mit denen
-die des Herrn von Surmont keinen Vergleich aushalten. Werden diese
-doch selbst von unseren Wiener Farben übertroffen. Die Billigkeit
-kann diesen Mangel nicht aufwiegen; denn entweder will man nur für
-den Absatz in den Niederlanden arbeiten, und dann ist die Sache gewiß
-nicht der Mühe wert, oder man will auch ans Ausland verkaufen und
-dessen Seiden zum Färben ins Land ziehen. Im letzteren Falle würden
-aber die Frachtkosten und Kommissionsgebühren, der Zeitverlust und
-zu alledem die Minderwertigkeit der Farben den Gewinn, der aus der
-Billigkeit entspringen könnte, auf ein Nichts herabdrücken. Das Färben
-ohne Cochenille und Indigo ist kein Kunststück. Kunckel, Lémery[356]
-und viele andere sehr verbreitete Bücher geben das Geheimnis und das
-Verfahren der Herstellung an. Nur wenn man ohne diese Farbstoffe so
-lebhafte, schöne, leuchtende und haltbare Farben herstellen könnte wie
-diejenigen, die auf Cochenille, Indigo und anderen teuren Farbstoffen
-beruhen, so wäre das ebenso ertragreich wie selten. Aber gerade das
-vermißt man bei den Surmont’schen Proben.
-
-Was ich E. E. mitzuteilen habe, schließt nicht aus, daß Sie Herrn
-von Surmont in der bisherigen Weise weiter empfangen. Im Gegenteil,
-man darf ihm kein Mißtrauen zeigen. E. E. wollen nur darauf bedacht
-sein, nichts zu unternehmen, nichts abzuschließen und keine erhebliche
-Ausgabe zu machen, bis der Herr Kanzler Ihnen die Absichten Ihrer
-Majestät über die Gesamtheit Ihrer Unternehmungen mitteilen kann.
-Hiervon wollen E. E. auch Frau Nettine in Kenntnis setzen.
-
-
-Dorn an den Kommerzienrat Thys in Klagenfurt
-
- (Wien, 9. Juni 1763.)
-
-Im Vertrauen auf Ihre Einsicht und Rechtschaffenheit möchte der Herr
-Kanzler Sie über eine Angelegenheit um Rat fragen, die für Ihre
-Heimat, die Niederlande, ebenso belangreich ist wie für den Dienst
-Ihrer Majestät. Somit möchten Sie nach Empfang dieses Schreibens oder
-wenigstens baldmöglichst mit der Post hierher kommen. Die Reisekosten
-werden Ihnen erstattet.
-
- * *
- *
-
-Über das Ergebnis der Untersuchungen von _Thys_ berichtet Kaunitz am
-21. Juli 1763 an Maria Theresia:
-
-„Da es sich um eine Unternehmung handelte, die nach Cobenzls ständig
-wiederholter Versicherung von größtem Nutzen für den Staat sein sollte,
-und ich in meinem Eifer dies Ziel sehnlichst herbeiwünschte, ließ
-ich aus Klagenfurt den Kommerzienrat Thys kommen, um ihn insgeheim
-zu Rate zu ziehen. Er hatte der hiesigen Beurteilung der Proben von
-Surmonts Geheimverfahren und der Unzuträglichkeit ihres Staatsbetriebes
-nichts hinzuzufügen und hielt es gleichfalls für unmöglich, diesen
-Erzeugnissen einen Absatz zu verschaffen, der den in den Niederlanden
-gehegten überspannten Erwartungen entsprach. Durch einen praktischen
-Versuch in Gegenwart des Departements-Referenten[357] stellte er
-fest, daß die meisten Surmont’schen Farben nicht mal die erforderliche
-Qualität besaßen. Auch war er überzeugt, daß das Gelb, wenn es auch
-leuchtender war als das hiesige, gegen das französische und englische
-Gelb nicht aufkommen kann. Schließlich hatte Surmont in seiner
-Denkschrift[358] erklärt, daß in den Niederlanden niemals Stoffe aus
-Ziegenhaar gefärbt worden seien, wie er sie zu färben sich anheischig
-machte, aber Thys versicherte, er selbst hätte Brüsseler Kamelott in
-dem gleichen Kübel mit Tuch zusammen scharlachrot gefärbt, und beides
-sei gleich gut ausgefallen.“
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 19. Juni 1763.
-
-E. E. erhalten demnächst einen ausführlichen Plan der Manufaktur in
-Tournai. Wenn die Sache auch nicht so großartig ist, wie ich geglaubt
-habe, werden hoffentlich E. E. die Überzeugung gewinnen, daß der
-Versuch sich lohnt.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 21. Juni 1763.
-
-Die Vorstellung, die Sie immer noch von den angeblichen Geheimnissen
-Ihres Adepten haben, steigert sich nachgerade zur Begeisterung. Das
-geht über meine Begriffe. Da Sie an Ort und Stelle die gefärbten
-Stoffe mit den englischen, französischen und holländischen vergleichen
-und durch sachkundige Kaufleute den Umsatz der Färberei in Europa
-abschätzen lassen können -- wie ist es da denkbar, daß Sie sich
-einbilden, Ihre Farben, die, bis auf das Gelb, tatsächlich ganz
-gewöhnlich sind, würden Nachfrage finden oder es ergäbe sich die
-Möglichkeit zu einem anständigen Gewinn? Dabei spreche ich gar nicht
-einmal von dem Riesengewinn, den man Ihnen eingeredet hat. Da Sie
-absolut nichts Neues zu bieten haben, kommt auch ein Monopol gar nicht
-in Frage, der einzige Weg, auf dem sich Neuheiten wenigstens für eine
-Zeitlang ausbeuten lassen.
-
-Ihre Hölzer und Metalle sind nur Armseligkeiten -- verzeihen Sie mir
-den Ausdruck, mein lieber Graf! Von dem Holze zu reden, lohnt nicht
-einmal die Mühe. Was haben Sie mit dem Metall vor? Gesetzt, es eignete
-sich zur Herstellung von Leuchtern, Lichtputzern, Feuerzeugen usw.,
-wollen Sie für das alles Werkstätten anlegen oder das Metall in Barren
-oder Blöcken verkaufen? In diesem Falle wird es entweder nachgeahmt,
-und Sie haben nur die Unkosten davon, oder es kommt in Mißkredit durch
-die Mängel, die so viele verschiedene minderwertige Verbindungen von
-Kupfer und Zink in Verruf gebracht haben, wie Tombak, Similor u. a.
-m., die eines guten Goldüberzuges bedürfen, um erträglich zu sein. Im
-ersten Falle aber frage ich: Wo ist die Aussicht auf Riesengewinne?
-Wo ist auch nur die Möglichkeit, die Konkurrenz so vieler, schon
-bestehender derartiger Fabriken aus dem Felde zu schlagen? Welche
-Sicherheit haben Sie, auch nur die Anlage-, Verwaltungs- und
-Betriebskosten zu decken?
-
-Von Ihren Ölen will ich schweigen. Wie ich mir Ihren Abenteurer
-vorstelle, muß ich glauben, daß es ihm gelingen wird, Ihnen auch
-hierbei wie bei allem übrigen etwas vorzumachen. Wie, Herr Graf?
-Jemand, der anderthalb Millionen Vermögen und so wunderbare
-Geheimmittel besitzt, sollte nicht selbst Gebrauch davon machen,
-sondern Ihnen aus purer Freundschaft seine Reichtümer ausliefern?
-Wahrhaftig, ein derartiges Benehmen spricht aller Wahrscheinlichkeit
-zu sehr Hohn, als daß es auf irgendwen Eindruck machen könnte. Wäre der
-Mann seiner Sache gewiß, er brauchte Sie nur um Genehmigung zu bitten
-und dann auf eigene Rechnung zu arbeiten. Aber seine Geheimmittel
-werden teuer zu stehen kommen, so sagen E. E. jetzt selbst, und doch
-soll ihre Ausbeutung spottbillig sein. Mich deucht, wir stehen damit
-vor der Lösung des Knotens, und so erklärt sich auch die Freundschaft,
-die ihn zu seinen vertraulichen Eröffnungen gedrängt hat.
-
-Wie dem aber auch sei, ich habe Sie rechtzeitig gewarnt, kein Geld auf
-Kosten Ihrer Majestät aufs Spiel zu setzen. Ich nehme daher an, daß Sie
-nicht zu weit gegangen sind, und warne Sie nochmals, etwas aufs Spiel
-zu setzen, bis wir auf Grund Ihrer Denkschrift klar, ganz klar sehen.
-Erst dann können wir Sie zu beträchtlichen Ausgaben oder kostspieligen
-Verpflichtungen ermächtigen.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 25. Juni 1763.
-
-Ich berichte E. E. ganz gehorsamst über alles, was ich mit meinem
-eigenartigen Manne abgeschlossen habe. Der Ordnung halber muß ich einen
-Teil von dem wiederholen, was ich in meinen früheren Berichten gesagt
-habe.
-
-Der Mann suchte mich hier gleichsam nur auf der Durchreise auf.
-Trotzdem seine Lebensgeschichte und selbst seine Person in
-geheimnisvolles Dunkel gehüllt ist, fand ich bei ihm hervorragende
-Begabung für alle Künste und Wissenschaften. Er ist Dichter, Musiker,
-Schriftsteller, Arzt, Physiker, Chemiker, Mechaniker und ein
-gründlicher Kenner der Malerei. Kurz, er hat eine universelle Bildung,
-wie ich sie noch bei keinem Menschen fand, und er spricht alle Sprachen
-fast gleich gut, am besten Italienisch, Französisch und Englisch. Er
-hat fast die ganze Welt bereist, und da er bei all seinen Kenntnissen
-sehr unterhaltsam war, verbrachte ich meine Mußestunden sehr angenehm
-mit ihm. Ich kann ihm nur häufige Prahlereien über seine Talente und
-seine Herkunft zum Vorwurf machen.
-
-Bis dahin drehten sich unsere Gespräche nur um Gegenstände der Bildung
-und Unterhaltung. Als er aber von seinen Geheimmitteln anfing, mir
-davon Erzeugnisse zeigte und Hoffnung machte, sie mir mitzuteilen,
-wollte ich mich nicht länger auf mich allein verlassen und machte
-ihn mit Frau Nettine bekannt. Sie war von den Talenten des Herrn von
-Surmont nicht weniger begeistert als ich. Er bezeugte die größte
-Freundschaft für sie, ihre Familie und für mich selbst, und wir ersahen
-daraus, daß es nur von uns abhing, in Besitz aller seiner Geheimmittel
-zu kommen. Also prüften wir eifrig ihre Brauchbarkeit und ersahen aus
-manchen Proben und den Gutachten aller Sachverständigen, daß sein
-Metall vielleicht gut ist, daß seine Färbstoffe hervorragend sind, daß
-seine Hölzer weit besser ausfallen als die in Frankreich gefärbten, daß
-seine Lederarten von größter Bedeutung sind, und daß seine Hüte einen
-sehr erheblichen Handelsartikel bilden können.
-
-Je weiter wir mit ihm kamen, desto mehr erkannten wir, daß seine
-seltenen Gaben Hand in Hand mit äußerstem Eigensinn gingen, daß
-er unseren Wünschen nur entgegen kam, damit wir uns den seinen
-anbequemten, und daß es kein anderes Mittel gäbe, seine Geheimmittel
-zu erlangen, als in die Anlage einer Fabrik zu willigen. Hierzu wählte
-ich die Stadt Tournai aus den früher genannten Gründen[359]. Doch
-dazu waren Ausgaben nötig. Um mich darauf einzulassen, hätte es der
-vorgängigen Erlaubnis bedurft, die ich aber von E. E. nicht erlangen
-konnte. So sprang denn Frau Nettine mit ihrem gewohnten Eifer ein und
-erklärte sich, wie sie selbst an den Herrn Referendar schrieb[360],
-gern bereit, das Unternehmen auf eigene Rechnung zu führen, falls Ihre
-Majestät es nicht übernehmen wolle.
-
-Die Anlage 1 enthält die Aufstellung der von ihr bereits aufgewandten
-sowie der noch weiter erforderlichen Summen.
-
-Wir haben also unsere Manufaktur begründet. Der Graf ist mehrfach nach
-Tournai gereist, und der Kaufmann Rasse, bei dem ich ihn untergebracht
-hatte, hat ihn mit größtem Eifer unterstützt.
-
-Unterdessen erzählte der Graf uns von seinen Reichtümern, insbesondere
-von den Wertsachen, die er in Holland hätte. Wir wollten Erkundigungen
-darüber einziehen, und der Kaufmann aus Nimwegen, sein Geschäftsfreund,
-veranschlagte sie auf mindestens eine Million. Da der Graf kein Geld
-hatte und seine Wertsachen herkommen lassen wollte, machte Frau Nettine
-ihm die in Anlage 2 aufgeführten Vorschüsse. Wir merkten indes, daß
-der Nimweger Geschäftsfreund mit ihm unter einer Decke stecken mußte;
-die hier eingetroffenen Wertsachen waren ganz unbedeutend, und was in
-Holland verblieben ist, besteht nur aus Gemälden, die er sehr hoch
-bewertet, die aber wenig Wert zu haben scheinen. Außerdem merkten wir,
-daß der Graf verschuldet war und von seinen Gläubigern in Holland
-gedrängt wurde. Dazu herrscht in seinen Privatverhältnissen so wenig
-Ordnung und Sparsamkeit, daß wir angesichts seiner Kenntnisse darüber
-staunen.
-
-Wir konnten also nur wünschen, ihn loszuwerden, seine Geheimmittel
-möglichst billig zu erfahren, jede weitere Ausgabe zu vermeiden und
-die Leitung des Unternehmens einem Manne fortzunehmen, der bei seinem
-Mangel an Ordnung die Einkünfte in unmäßigen Ausgaben vergeudete. Zu
-dem Zweck schickte ich den Vicomte von Nettine nach Tournai, damit er
-sich dort alle Geheimmittel angeben ließ und sie selbst ausprobierte.
-Sobald ich sicher war, daß wir sie besaßen, schickte ich meinen
-Neffen[361] mit Herrn Walckiers nach Tournai, um den Handel mit dem
-Grafen abzuschließen. Das haben sie unter den in Anlage 3 angegebenen
-Bedingungen getan.
-
-Wir sind jetzt also im Besitz folgender Geheimverfahren: Wir können
-Eisen in Metall verwandeln. Ist dies Metall gut, so ist es ein
-Vorteil mehr. Taugt es nichts, so ist die Ausgabe verschwindend,
-und wir gebrauchen auch nur wenig, da für das zum Färben der Häute
-erforderliche Wasser nicht viel nötig ist. Aber diese Färberei ist von
-höchster Bedeutung, und das Metallwasser besorgt nicht bloß das Färben,
-sondern zieht auch die Häute zusammen, wodurch sie stärker werden und
-auch kernig bleiben. Wir haben also eine Gerberei eingerichtet, von der
-in Anlage 4 die Rede ist. Anlage 5 enthält die Gegenüberstellung der
-bisher landesüblichen Preise für die Häute und der Preise, wie sie sich
-nach unserem Verfahren stellen.
-
-Wir besitzen das Verfahren zum Färben von Wolle, Seide, Garn,
-Ziegenhaar und Baumwolle. Die Wichtigkeit dieser Sache ergibt
-sich aus dem in Anlage 6 dargelegten Preisunterschied zwischen
-unserem Färbverfahren und dem bisher angewandten. Der Absatz ist
-sichergestellt; denn unsere größten Kaufleute haben uns bereits
-schleunigst ihre Tuche, Kamelotte, Seiden und Wollstoffe zum Färben
-gegeben. Schon dieser Gewerbszweig allein kann Ihrer Majestät
-beträchtlichen Gewinn und den hiesigen Provinzen unendlichen Segen
-verschaffen.
-
-Der Rückstand wird danach zum Färben des Holzes benutzt, was ein
-kostenloser Gewinn ist. Wäre er auch unbedeutend, so verdient er als
-Reingewinn doch Beachtung.
-
-Die Malfarben, die, wie wir wissen, von französischen Malern
-ausprobiert sind, bilden ebenfalls einen Reingewinn ohne jede Kosten,
-denn sie werden nur aus dem Bodensatz der obigen, bereits benutzten
-Färbstoffe gewonnen.
-
-Die Hutfabrikation schließlich ist auch ein sehr beträchtlicher Posten,
-wie sich aus Anlage 7 ergibt.
-
-Aus allen diesen Einzelheiten ersehen E. E., welche Verfahren wir
-erworben haben, welchen Gewinn wir uns davon versprechen können und
-welche Auslagen wir bereits gemacht haben. Ich brauche nur noch über
-die weiter erforderlichen Ausgaben zu berichten, was in Anlage 8
-ausgeführt ist.
-
-Nun kommt es auf die Allerhöchste Entscheidung an, ob Ihre Majestät
-das Unternehmen der Frau Nettine überlassen oder es auf eigene
-Rechnung übernehmen will. Das letztere scheint mir in jeder Hinsicht
-empfehlenswert. In diesem Falle müßte man Frau Nettine ihre Vorschüsse
-auf das Unternehmen mit vier Prozent verzinsen und das Kapital nach
-und nach aus dem Gewinn zurückzahlen. Auch wäre es recht und billig,
-ihren Sohn zum Generaldirektor des Unternehmens zu ernennen. Er
-eignet sich dazu besonders durch seinen Eifer und seine Einsicht
-und als Alleinbesitzer des Geheimverfahrens. Er brauchte nur Seiner
-Königlichen Hoheit[362] und der Überwachung des Ministers unterstellt
-zu werden. Der Staatsrat und Lotteriedirektor Walckiers[363] könnte
-zum Königlichen Kommissar für das Unternehmen ernannt und dies
-der Lotterieverwaltung angegliedert werden. In Anbetracht des zu
-erzielenden Gewinns könnte Nettine entweder ein festes Gehalt oder
-einen Gewinnanteil bekommen.
-
-Ich bitte E. E., mir über dies alles die Befehle Ihrer Majestät
-zukommen zu lassen, und bemerke nur noch, daß ich in alledem mit
-höchster Billigung Seiner Königlichen Hoheit verfahren bin und diesen
-Bericht, den ich ihm vorgelesen habe, nur auf seinen Befehl absende.
-
-
-BEILAGEN
-
-
-1. Aufstellung der für die Manufaktur in Tournai ausgegebenen Gelder
-
-
-Färberei und Lager
-
-
-Zwei große Häuser, das eine zum Abschweifen der Seide und zum Färben
-überhaupt, das andere als allgemeines Lager, nebst zwei kleinen
-anstoßenden Häusern. Kaufsumme in Gulden Kurant
-
- 31.035 Gulden.
- 5 Sols, 4 Pfennig[364]
-
-(NB. Von diesen 31.035--5--4 Gulden sind nur 12.400 bezahlt. Der Rest
-ist auf die Häuser in Hypotheken zu 4 Prozent aufgenommen.)
-
- Gulden
-
- Ein Haus, das mit dem ersten in Verbindung
- steht, 3000--
-
- Zum Ankauf eines Geländes zwecks Erweiterung
- der Wasserleitung, die durch den
- Garten der Färberei läuft, 630--
-
- Anlagen zur Benutzung der Wasserleitung 1000--
-
- Reparaturen an den vorgenannten Häusern 7500--
-
- Noch im Gange befindliche Reparaturen
- höchstens 3000--
-
- Ein großer Zinnkübel und Kessel aus
- Gelbkupfer für die Färberei 5300--
-
- Kleine Kübel aus Zinn u. Steingut, Pressen
- und anderes notwendiges Färbereigerät 3000--
-
- Drei Zylinder 2000--
- ------------
- Gesamtausgabe für die Färberei 56135--5--4
-
-Gerberei
-
- Gulden
-
- Ankauf eines Hauses für die Gerberei 7800--
-
- Für notwendige Umbauten 9000--
-
- Für die notwendigen Geräte 2500--
- --------
- Gesamtausgabe für die Gerberei 19300--
-
-Hutfabrik
-
- Gulden
-
- Ankauf eines Hauses für die Hutfabrik 1500--
-
- Vorgenommene und noch vorzunehmende
- Reparaturen 2760--
-
- Gerät für 6 Walken 1440--
- ------
- Gesamtausgabe für die Hutfabrik 5700--
-
- Gulden
-
- Ankauf eines Hauses für den Grafen Surmont 13.500--
-
-Verschiedene andere Ausgaben
-
- Kosten und Gebühren für den Ankauf Gulden
- der obigen Häuser 800--
-
- Verschiedene Ausgaben des Herrn Rasse
- für die Manufaktur 4500--
- -------
- Zusammen 5300--
-
- Gesamtaufstellung Gulden
-
- Ausgaben für die Färberei und das Lager 56135--5--4
-
- „ „ „ Gerberei 19300--
-
- „ „ „ Hutfabrik 5700--
-
- Das Haus für den Grafen 13500--
-
- Verschiedene Ausgaben 5300--
- ------------
- Gesamtsumme Gulden Kurant 99935--5--4
-
-
-2. Aufstellung der Vorschüsse und Auslagen für den Grafen Surmont
-
- Gulden
-
- Verschiedene Vorschüsse der Frau Nettine 81720--
-
- Auslagen des Herrn Rasse und der Frau
- Nettine für den Unterhalt des Grafen sowie für
- seine Reisen nach Tournai usw. 12280--
- --------
- Gulden Kurant 94000--
-
-
-3. Vorläufige Bedingungen, die zwischen Graf Cobenzl und dem Grafen
-Surmont vereinbart sind
-
-Der Graf von Surmont wird _lebenslänglich_[365] an den jetzt in Tournai
-errichteten Manufakturen zur Hälfte beteiligt.
-
-Von dem ihm zufallenden Gewinn sind die ihm vorgeschossenen Summen und
-die für ihn zu machenden Auslagen abzuziehen. Nach erfolgtem Abzug soll
-er über seinen Gewinn frei verfügen.
-
-Der Graf verpflichtet sich dem Grafen Cobenzl gegenüber noch zur
-Angabe der Herstellung von Blau und Grün, der Verfeinerung von Ölen,
-des Krempelns von Leder zur Herstellung von Hüten oder zu jedem
-anderen, ihm bekannten Gebrauch, sowie zur Bekanntgabe jedes anderen
-Geheimverfahrens oder jedes geeigneten Mittels, um die Manufakturen zur
-größten Vollendung zu bringen.
-
-Graf Surmont hat diese Bedingungen unterzeichnet.
-
-
-4. und 5. Gerberei usw.
-
-Eine Ochsenhaut im Gewicht von 70 Pfund kostet, gegerbt und
-zugerichtet, einschl. des Arbeitslohns und der Unkosten 14 Gulden 15
-Sols. Die Haut verliert gewöhnlich die Hälfte ihres Gewichts und wird
-mit 9 Sols das Pfund verkauft, somit 35 Pfund = 15 Gulden 15 Sols. Der
-Gewinn auf jede Haut beträgt 1 Gulden 10 Sols oder 11 Prozent.
-
-Eine Kuhhaut im Gewicht von 45 Pfund, gegerbt und zugerichtet, kostet 7
-Gulden 15 Sols. Völlig appretiert wiegt sie nur 15 Pfund und wird das
-Pfund zu 14 Sols verkauft, also für 10 Gulden 10 Sols. Der Gewinn für
-jede Haut beträgt 2 Gulden 15 Sols oder etwa 29 Prozent.
-
-Eine Kälberhaut im Gewicht von 12 Pfund, gegerbt und zugerichtet,
-kostet 3 Gulden. Appretiert wiegt sie nur 4 Pfund und wird das Pfund zu
-17,5 Sols verkauft, also für 3 Gulden 10 Sols. Gewinn 10 Sols pro Haut
-oder 16 Prozent.
-
-1 Dutzend Ziegenfelle im Gewicht von 20 Pfund kommt auf 23 Gulden.
-Appretiert wiegen diese Häute nur 18 Pfund und werden das Pfund zu 2
-Gulden, also zu 36 Gulden verkauft. Gewinn für 1 Dutzend also 13 Gulden
-oder etwa 55 Prozent.
-
-Mit Sumach in Fett gegerbtes Maroquinleder, gleichfalls im Gewicht von
-20 Pfund, kommt pro Dutzend auf 18 Gulden 15 Sols. Appretiert wiegt es
-nur 16 bis 17 Pfund und wird das Pfund zu 2 Gulden 16 Sols verkauft,
-also etwa 44 Gulden 5 Sols. Der Gewinn für 1 Dutzend beträgt also 25
-Gulden 10 Sols oder etwa 135 Prozent.
-
-Rotes Maroquinleder, mit Galläpfeln gegerbt, kostet im Dutzend bei
-gleichem Gewicht 32 Gulden 10 Sols. Appretiert wiegt es 12 Pfund und
-wird das Pfund für mindestens 4 Gulden 15 Sols verkauft, somit 57
-Gulden. Gewinn 25 Gulden 10 Sols pro Dutzend oder 68 Prozent.
-
-Ebenso weißes Maroquinleder.
-
-Das alles wird ohne die Geheimverfahren des Grafen Surmont hergestellt,
-und zwar durch Mittel, mit denen sich noch weit schönere Farben noch
-billiger herstellen lassen.
-
-
-6. Färberei
-
-
-Abschweifen der Seide
-
-Durch das Geheimverfahren des Grafen Surmont sind bereits 50 Prozent
-Gewinn erzielt; denn die Seide verliert nur ⅛ ihres Gewichts, beim
-gewöhnlichen Verfahren das doppelte. Außerdem ist es weit billiger,
-denn das Abschweifen der Seide kostet gewöhnlich 10 Sols pro Pfund,
-hier aber höchstens 6.
-
-Außer diesen Vorteilen ist die Seide weit schöner, stärker, voller und
-nimmt die Farbe weit besser an als bisher.
-
-
-Färben der Seide
-
-+Rot.+ Ein Pfund Seide karmoisinrot zu färben kostet nur 21 Sols,
-in Antwerpen 42 Sols. Der Unterschied beträgt also 100 Prozent. Die
-gleiche Menge in Ponceaurot kostet nur 4 Gulden, in Antwerpen 24. Das
-macht einen Unterschied von 500 Prozent. In Hochrot kostet die gleiche
-Menge nur 40 Sols, in Antwerpen 12 Gulden; Unterschied 600 Prozent.
-Feines Kirschrot kostet nur 20 Sols, in Antwerpen 4 Gulden; Unterschied
-400 Prozent. Rosa 20 Sols, in Antwerpen 3 Gulden; Unterschied 300
-Prozent.
-
-+Violett.+ Ein Pfund Seide in feinem Purpurviolett und anderen
-Violettarten kostet nur 18 Sols, in Antwerpen 36 Sols; Unterschied 200
-Prozent.
-
-+Gelb.+ Ein Pfund Seide in kräftigstem Gelb, z. B. für Litzen, kostet
-nur 2 Gulden, in Antwerpen 10 Gulden; Unterschied 500 Prozent.
-
-Die anderen Schattierungen entsprechend.
-
-
-Färben von Tuch, Wolle, Kamelott, Ziegenhaar usw.
-
-+Rot.+ Das Färben von Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar in
-Karmoisinrot, Hochrot, Scharlachrot und allen feinen roten Farben
-kostet nur 7 Sols. Hier kosten diese Farben 28 Sols. Der Unterschied
-beträgt 400 Prozent. Rosa unter 5 Sols, sonst 10 Sols; Unterschied 200
-Prozent.
-
-+Violett.+ Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar kosten das Pfund nur 6
-Sols, sonst 24; Unterschied 400 Prozent.
-
-+Gelb.+ Tuch, Wolle, Kamelott und Ziegenhaar kosten pro Elle und Pfund
-nur 2 Sols, sonst 4 Sols; Unterschied 200 Prozent.
-
-
-Holzfärben
-
-Nach Färben der Seide oder Wolle eignet sich das in den Kübeln
-zurückbleibende Färbwasser nicht mehr zum Färben von Stoffen, wohl
-aber zum Holzfärben ohne irgendwelche Unkosten. So wenig Gewinn diese
-verschieden gefärbten Hölzer also abwerfen mögen, es ist Reingewinn.
-
-
-Malfarben
-
-Nach dem Holzfärben wird der Färbstoff niedergeschlagen. Auf dem Grunde
-bleibt eine sehr schöne Malfarbe zurück, die gleichfalls nichts kostet.
-
-
-7. Hutfabrikation
-
-Graf Surmont besitzt ein Geheimverfahren zur Hutfabrikation, das sehr
-großen Gewinn bringen kann. Er hat versprochen, es zu zeigen. Aber auch
-ohne dies Verfahren wird die Hutfabrikation einen sehr anständigen
-Gewinn abwerfen.
-
- ==================+==============+============+=================
- |Bisherige |Künftig, | Gewinn
- |Kosten im |inbegriffen | |
- Gattung |Engros-Einkauf|Arbeitslohn | in | in
- |in |und sonstige| Gulden | Prozenten
- |Gulden |Unkosten | |
- ==================+==============+============+========+========
- Hochfeiner Biber | 9--7--8 | 7--14-- |1--13--8| 18
- Gewöhnlicher Biber| 7--9--8 | 6--10--8 | --19-- | 13
- Halbbiber | 5--2--8 | 4--11-- | --11--8| 11
- Gewöhnl. Halbbiber| 4--13--8 | 4--4--8 | --9-- | 10
-
-In Betrieb sind 6 Walken. Jede stellt pro Tag 16 Hüte her, somit
-tägliche Gesamtproduktion 96, in 250 Arbeitstagen jährlich 24000 Hüte
-mit einem Gewinn von mindestens 20000 Gulden Kurant.
-
-
-8. Aufstellung des Personals zur Leitung der Manufakturen
-
- Gulden
-
- Herr Rasse, Direktor 3000
- „ de Lannoy, Subdirektor 2500
- „ de Lannoy junior für die Korrespondenz 500
- 1 Buchhalter für die Färberei 500
- „ „ „ Gerberei 500
- 1 Lagerverwalter 1000
- ------
- Gulden 8000
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 2. Juli 1763.
-
-E. E. haben jetzt alles Material über unser Geheimverfahren in Händen.
-Ich erwarte Ihre Entscheidung und möchte zu Ihrem Schreiben (vom 21.
-Juni) nur noch ein paar Bemerkungen hinzufügen.
-
-In solchen Dingen, glaube ich, täuscht man sich aus der Nähe wohl
-leichter als aus der Entfernung. Die Gegenwart und Beredsamkeit
-des Mannes kann blenden. Aus der Entfernung aber sieht man nur die
-Tatsachen und prüft sie unbefangen. Um aber auch hier unbefangen zu
-sein, habe ich Sachverständige zu Rate gezogen, und ein jeder hat
-alle gefärbten Stoffe durchweg für wunderbar erklärt. Die geringen
-Herstellungskosten geben ihnen gewiß hohen Wert. Unser Tressenfabrikant
-und Seidenhändler Barbieri, unser Kamelottfabrikant Francolet und unser
-Tuchfabrikant t’Kint bitten mich kniefällig um Beschleunigung dieser
-Färberei, die sie für äußerst wertvoll für den Staat halten.
-
-Die Holzfärberei ist ein Nebenprodukt, das keinerlei Ausgaben
-verursacht. Wollen unsere und die Pariser Kunstschreiner das Holz
-kaufen, so ist das ein Gewinn mehr; wo nicht, läßt man die Sache fallen.
-
-Ist das Metall gut, wie ein von mir befragter Chemiker glaubt, so kann
-es einträglich sein; wo nicht, so stellt man nur soviel her, als man
-zur Herstellung des Wassers braucht, das sich zum Schwarzfärben des
-Leders vorzüglich eignet. Die Herstellung von hundert Pfund Metall
-genügt zum Färben von mehreren tausend Häuten. Ich nenne dies Wasser
-wunderbar; denn ich habe selbst die Probe gemacht und es mit frischem
-Wasser, im Verhältnis von 1 zu 60, gemischt. Es färbt das Leder
-augenblicklich durch und durch, und zwar im schönsten Schwarz. Läßt man
-das Leder ein paar Stunden darin, so zieht es sich derart zusammen,
-daß eine sehr starke Kuhhaut so dünn wird wie ein Doppelbogen Papier,
-ohne daß sie die Form verliert. Ich glaube mich nicht zu täuschen, wenn
-ich sage, daß dies äußerst belangreich ist. Die Hutfabrikation ist
-ebenfalls wichtig, und das gleiche gilt erwiesenermaßen für die Öle.
-
-Wenn ich von all diesen Tatsachen überzeugt bin, so doch nicht vom
-Reichtum meines Mannes. Ich sehe ein, daß er mir sein Geheimverfahren
-überlassen hat, weil er in größter Not war und es selbst nicht
-verwerten konnte.
-
-Der Eventualvertrag, den ich mit ihm abgeschlossen habe[366], beweist,
-daß die Geheimverfahren zwar durch die an ihn gezahlten Vorschüsse und
-die Anlagekosten teuer zu stehen kommen, in der Folge aber tatsächlich
-nichts kosten; denn diese Summen kommen in Anrechnung auf den dem
-Grafen Surmont zugesagten Gewinnanteil. Auch habe ich für Ihre Majestät
-nichts aufs Spiel gesetzt; denn Frau Nettine übernimmt das Ganze sehr
-gern auf eigene Rechnung. Wenn aber Ihre Majestät, wie ich wünsche,
-das Unternehmen für sich behält, so ist Frau Nettine bereit, den
-Vorschuß zum üblichen Zinsfuß von 4 Prozent zu geben.
-
-Würde dies Unternehmen mit dem Lotto und der Lotterie verbunden, so
-wird sich hoffentlich bald zeigen, daß diese drei Unternehmungen eine
-beträchtliche Einnahmequelle für die Staatsfinanzen bilden.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 5. Juli 1763.
-
-Auf Ihren Bericht (vom 25. Juni) mit den ärgerlichen Einzelheiten
-Ihrer Unternehmung in Tournai könnte ich sofort mitteilen, _daß Ihre
-Majestät sich nicht mit einem Pfennig beteiligt_[367]. Doch ich will
-der formellen Entschließung, die Ihnen zugehen wird, nicht vorgreifen.
-
-Ich will auch nicht auf den Wechsel Ihrer Ansichten über die Person und
-die Geheimmittel dieses Schwindlers hinweisen. Es genügt mir, ihn Ihnen
-als solchen gekennzeichnet zu haben, trotz dem zuversichtlichen Ton,
-mit dem Sie von seinen Reichtümern, seinem erhabenen Wissen und von den
-Millionen reden, die er uns aus _Freundschaft_[367] für Sie und die
-Familie Nettine verschaffen will.
-
-Wenn ich auch in meiner Antwort auf Ihren ersten Bericht[368] über Ihre
-Unternehmungen, der, wie ich jetzt sehe, _etwas spät_[367] kam, Ihnen
-nicht unumwunden sagen wollte noch konnte, daß Ihre Begeisterung Ihnen
-den klaren Blick für die Dinge trüben könne, so gab ich es Ihnen doch
--- Sie werden sich dessen entsinnen -- ziemlich deutlich zu verstehen
-durch meine Abneigung, den von Ihnen berichteten Tatsachen Glauben zu
-schenken. Ich gebrauchte den Ausdruck: Gegen Tatsachen lasse sich
-nichts einwenden als das eine, ob man sie richtig gesehen habe. Zu
-diesen Zweifeln fügte ich vorsichtshalber die Warnung, _die Interessen
-Ihrer Majestät nicht aufs Spiel zu setzen_[369].
-
-Diese Vorsicht war durchaus nötig. Sie schrieben mir damals: „Ich habe
-Vorschüsse _in sehr geringem Betrage_[369] durch Frau Nettine geben
-lassen.“ Heute übersteigt dieser _sehr geringe Betrag_[369] bereits
-190000 Gulden[370]!
-
-Das Bild, das ich Ihnen zugleich von diesem berühmten Abenteurer oder
-Gauner gab -- denn schließlich ist ein Betrüger nichts anderes -- blieb
-offenbar eindruckslos; denn Sie mögen geglaubt haben, das Rätsel zu
-lösen, wie man seine Talente nutzbar machte, ohne seine Betrügereien
-fürchten zu müssen. War doch Ihre stete Antwort auf meine Warnungen:
-„Was kümmern uns seine Fehler, wenn wir nur seine Geheimmittel haben!“
-
-Indessen war Ihre Majestät bei meinem Bericht über Ihren Brief und über
-meine Antwort anderer Meinung. Der Schluß meines Berichtes lautete:
-
-„Damit habe ich ihre großen Pläne weder verworfen noch gebilligt.
-Möglicherweise befinden sich unter der großen Zahl von Geheimmitteln,
-deren Ausbeutung so glänzende Erfolge verspricht, auch ein paar
-recht brauchbare. Möglicherweise löst sich aber auch alles in Dunst
-auf. Auf jeden Fall wäre es angezeigt, wenn Eure Majestät den Inhalt
-meines Berichtes geheim halten wollten; denn im ersteren Falle würde
-Saint-Germain zu sehr eine Entlarvung fürchten, und im zweiten Falle
-müßte man die Schwachheit der Regierung, die sich von einem Schwindler
-anführen ließ, mit einem Schleier zudecken[371].“
-
-Das war mein Standpunkt im ganzen Verlauf unseres Schriftwechsels.
-Obwohl er auf Sie scheinbar keinen Eindruck gemacht hat, habe ich
-Ihnen lediglich aus Rücksicht und Freundschaft nicht mitgeteilt,
-welches die Worte Ihrer Majestät über meinen Bericht waren. Ich teile
-sie Ihnen hierdurch im größten Vertrauen mit:
-
-„Ich bin völlig überzeugt, daß das von Ihnen entworfene Bild mehr
-zutrifft als das Cobenzl’sche, und daß diese Torheit geheim gehalten
-werden muß. Ich wünschte, der Minister wäre von ihr geheilt[372].“
-
-Die Torheit ist also begangen, und die arme Frau Nettine, die ich von
-Herzen bedauere, schwebt in großer Gefahr, die ganze Zeche zu bezahlen.
-Wie ist es möglich, daß sie diesem Elenden auf seine schönen Augen hin
-81720 Gulden vorschießen konnte? Wie konnten Sie Ihrerseits zusehen,
-daß er 12280 Gulden bloß für Reisen und Verpflegung vertan hat[373]?
-Wie konnte man sich abgesehen von alledem auf eine Ausgabe von 99935
-Gulden[374] einlassen, ohne daß bisher für einen Pfennig Betriebsmittel
-oder Rohstoffe für Ihre Fabriken angeschafft sind, ja ohne von dem
-Betrüger die Geheimnisse erfahren zu haben, die scheinbar noch am
-meisten versprechen? Sie sind seiner sicher, sagen Sie. Jawohl, so
-sicher, daß ich mich nicht wundern würde, wenn er mit allem, um was
-er Sie geprellt hat, eines schönen Morgens das Weite suchte und Sie
-mit all Ihren Reichtümern und Ihren vier- bis fünfhundertprozentigen
-Gewinnen sitzen ließe!
-
-Doch nach allem, was ich Ihnen darüber schon geschrieben habe, ist
-jede weitere Aussprache zwecklos. Ihre Berechnungen kommen mir vor wie
-die eines Handwerkers, der sich sagt: „Ein Gehilfe bringt mir täglich
-¼ Gulden ein; ich will also 400 annehmen; das macht 100 Gulden pro
-Tag“. Aber wird man ihm auch soviel Arbeit liefern, daß er vierhundert
-Gehilfen beschäftigen kann? Werden Sie soviel Absatz für Ihre ganz
-gewöhnlichen gefärbten Stoffe finden, daß Sie dabei oft Ihre 4-500
-Prozent verdienen, daß Sie auch nur die bisherigen Unkosten decken?
-Hat man den Bedarf an gefärbten Stoffen im Inland berechnet? Denn an
-das Ausland ist nicht zu denken, weder an England noch an Frankreich,
-Holland, Italien, Deutschland usw.
-
-Aber sei dem, wie ihm wolle, ich werde Ihrer Majestät über alles
-genauen Bericht erstatten und dabei zu folgenden Schlußfolgerungen
-kommen:
-
-1. Die Fabriken eignen sich nicht zu Staatsbetrieben, weder der Sache
-nach noch im Hinblick auf das Einzelne und die Verwaltungskosten.
-
-2. Sollte trotz allem, was ich dagegen angeführt habe, die Herstellung
-oder Ausbeutung von Surmonts Geheimverfahren einen Ertrag abwerfen, so
-hat Frau Nettine den allerersten Anspruch darauf.
-
-3. Somit kann man ihr nicht den Schutz und die Erleichterungen
-abschlagen, die sie bei der Regierung beantragen wird, zumal es
-Regierungsgrundsatz ist, den Manufakturen jede Förderung zu gewähren,
-die mit der Verfassung des Landes vereinbar ist.
-
-Ich hoffe, daß Ihre Majestät diese Schlußfolgerungen gutheißen wird,
-kann mich aber nicht dafür verbürgen. Inzwischen geben bereits meine
-früheren Briefe E. E. die erforderlichen Richtlinien.
-
-
-Kaunitz an Maria Theresia
-
- Wien, 21. Juli 1763.
-
-Eure Kaiserliche Majestät werden sich erinnern, daß ich am 22. April
-d. J.[375] einen Bericht des Grafen Cobenzl über die Riesengewinne
-vorgelegt habe, die er sich von den Geheimverfahren in der Färberei
-und mehreren anderen Handelsartikeln verspricht, die eine eigenartige
-Persönlichkeit, früher als Graf Saint-Germain bekannt, zu besitzen
-vorgibt.
-
- Kaunitz wiederholt den Inhalt des Berichts von Cobenzl vom 8. und
- seiner Antwort vom 19. April[376].
-
-[Illustration: Staatskanzler Graf Kaunitz
-
-Stich von Pazzi]
-
-E. M. haben meine Auffassung der Sache und meine Weisungen an den
-Grafen Cobenzl gebilligt. Die großen Projekte dieses Ministers sind
-Ihnen selbst als eine Torheit erschienen, die geheim gehalten werden
-müsse, und von der E. M. ihn geheilt zu sehen wünschten.
-
-Was mir Graf Cobenzl seither über seinen Wundermann wie über dessen
-Projekte berichtete, hat meine anfängliche Auffassung nur zu sehr
-bestätigt. Je verdächtiger also die Sache wurde, desto mehr war ich
-darauf bedacht, die Interessen E. M. sicherzustellen, und das ist mir,
-glaube ich, auch gelungen. Trotzdem konnte ich nicht verhindern, daß
-Frau Nettine bereits fast 200000 Gulden Vorschüsse für die Fabriken in
-Tournai gezahlt hat[377], die von Graf Cobenzl auf Drängen Surmonts
-angelegt worden sind.
-
-Ehe ich jedoch auf diese Anlagen und ihre Bestimmung näher eingehe, muß
-ich E. M. über die schwankenden Angaben des Grafen Cobenzl, über die
-Persönlichkeit und die Reichtümer ihres Begründers berichten.
-
-Zuerst sprach der Minister von diesen Reichtümern in einem Tone,
-der jeden Zweifel ausschließen mußte. Trotzdem zweifelte ich und
-ersuchte den Grafen Cobenzl um Angabe, welche Gewißheit er über diese
-angeblichen Reichtümer hätte und welcher Art sie wären, ob sie in
-Geld, Wertpapieren, Landbesitz oder Handelseffekten beständen. Auch
-teilte ich ihm Anekdoten mit, aus denen hervorging, daß dieser Mann in
-Frankreich gleichfalls mit seinen Reichtümern geprahlt hatte und in
-seiner Dreistigkeit so weit gegangen war, vom Grafen Saint-Florentin
-ein Landgut im Werte von 1800000 Livres in aller Form zu kaufen, daß
-aber an den Zahltagen die versprochenen Rückstände und Wechselbriefe
-nicht eintrafen und daß der Käufer Frankreich verlassen mußte[378].
-
-Auf das alles antwortete mir der Minister am 28. April[379], Surmont
-hätte das Gut Ubbergen in Holland gekauft, es zu zwei Dritteln bezahlt
-und den Namen dieses Gutes angenommen. Außerdem besäße er Wertsachen,
-die er bei Frau Nettine hinterlegen werde, und der Mann, der sie in
-Seeland verpfändet hätte, schätze ihren Wert auf über eine Million.
-Wie Graf Cobenzl zugab, spräche Surmont viel von seinen Reichtümern.
-Doch wiederholte er, er müsse sehr reich sein; denn überall, wo er sich
-aufgehalten, hätte er fabelhafte Geschenke gemacht und viel ausgegeben,
-_ohne irgendwo Schulden zu hinterlassen_[380].
-
-Von dem Gutskaufe vom Grafen Saint-Florentin wußte der Minister nichts.
-Im übrigen suchte er meine anderen Einwände über Surmonts Charakter
-und Leben mit dem Hinweis zu entkräften, daß dieser Mann nichts von
-uns verlangte, und daß er ihm seine Geheimmittel aus Freundschaft
-überlassen wollte; somit müßten uns seine persönlichen Eigenschaften
-einerlei sein, wenn man nur in den Besitz seiner Geheimmittel käme.
-
-Diese Aufklärungen vermochten die Eindrücke nicht zu verwischen, die
-ich aus den sonstigen Nachrichten von diesem Manne gewonnen hatte.
-Welche Vorstellung könnte man sich auch von den Reichtümern eines
-Unbekannten machen, dessen Wertsachen verpfändet sind und dessen
-Grundbesitz nicht bezahlt ist? Ich machte den Grafen Cobenzl am 10.
-Mai[381] auf diese Widersprüche aufmerksam und verhehlte ihm angesichts
-der Abenteuer Surmonts in Frankreich meine Befürchtung nicht, er möchte
-in einer Grenzstadt wie Tournai, wo Graf Cobenzl die Fabrik anlegen
-wollte, nicht allzu sicher sein.
-
-Der Minister antwortete mir auf alle diese Bedenken nur mit der
-Versicherung, Frau Nettine hätte bei einer Reise nach Paris nichts
-Nachteiliges über Surmont erfahren und sich durch ihre Schwiegersöhne
-vergewissert, daß wir bei keiner einzigen Unternehmung Widerstand zu
-befürchten hätten[382].
-
-Das fortdauernde Vertrauen, das Frau Nettine auf diesen Mann nach
-Befragung ihrer Schwiegersöhne in Paris setzte, begann meine Zweifel zu
-zerstreuen. Ich verhehlte dies dem Grafen Cobenzl in meinem Briefe vom
-31. Mai nicht. Als aber ein paar Tage darauf die Proben von Surmonts
-Kunst eintrafen, sah ich deutlich, daß er es verstanden hatte, über die
-Tatsächlichkeit seiner Geheimmittel ebenso zu täuschen wie über seine
-persönlichen Verhältnisse. Auch rühmte sich Graf Cobenzl in seinem
-Briefe vom 9. Juni nicht mehr, diese Geheimmittel aus Freundschaft
-zu erhalten. Er meldete schon damals, sie würden teuer sein, und
-am 25. Juni änderte er seine Sprache über Surmonts Reichtümer und
-Charakter völlig. Ich lege diesen Bericht nebst allen Anlagen[383]
-bei. Wie er gestand, hatte er sich durch einen Nimweger Kaufmann und
-Geschäftsfreund Surmonts nach dessen Reichtümern und besonders nach den
-Wertsachen erkundigt und erfahren, daß diese mindestens eine Million
-wert seien. Da er trotzdem ohne Geld war und seine Wertsachen nach
-Tournai kommen lassen wollte, hatte Frau Nettine ihm 81720 Gulden
-vorgeschossen. Weiterhin aber hätte man gesehen, daß der Nimweger
-Kaufmann im Einverständnis mit ihm war, daß nur sehr geringe Wertsachen
-nach Brüssel gekommen waren, und daß die in Holland zurückgebliebenen
-nur aus Gemälden bestanden, die zwar Surmont sehr hoch schätzte, die
-aber sehr wenig wert zu sein schienen. Zudem hatte sich herausgestellt,
-daß er verschuldet war, von seinen holländischen Gläubigern gedrängt
-wurde und in seinen Privatverhältnissen keine Ordnung und Sparsamkeit
-walten ließ. Trotzdem erschien er dem Grafen Cobenzl noch immer als
-Besitzer wunderbarer Geheimnisse. Zugleich klagte dieser über seine
-Launen und sein wunderliches Wesen.
-
-Das alles steht in schroffem Gegensatz zu den ersten Berichten des
-Ministers über seine Redlichkeit, seine schlichten Sitten und seine
-Reichtümer. Ich begreife nicht, wie man sich so lange hat täuschen
-lassen können, während ich bei den ersten Nachrichten aus Brüssel
-alles aufgeboten habe, um den Grafen Cobenzl vor der Redegabe und der
-eigentümlichen Begabung dieses Schwindlers zu warnen, das Vertrauen
-auch der Ungläubigsten zu gewinnen. Ich wies ihn namentlich auf
-Surmonts Abenteuer in Frankreich hin und sagte ihm wörtlich, dieser
-hätte es dort verstanden, alle, die an seiner Freigebigkeit und an
-den von ihm verheißenen Wundern teil zu haben hofften, in einer Art
-von Ehrfurcht zu halten, so daß sie sogar auf das Recht des Zweifels
-verzichteten. Trotz meiner Warnung ist es ihm nur zu gut gelungen, den
-Grafen Cobenzl und die Familie Nettine ebenso zu beeinflussen, wie es
-bei einem Teil des französischen Ministeriums eine Zeitlang der Fall
-war.
-
-Nach den Vorschüssen und den großen Ausgaben zu urteilen, die lediglich
-für seine Person erfolgt sind und die sich bereits auf 94000 Gulden
-belaufen[384], muß die Begeisterung in Brüssel sogar noch weiter
-gegangen sein als in Paris. Offenbar hat Graf Cobenzl, als er hinter
-Surmonts Fehler kam, sich für befähigt gehalten, seine Talente nutzbar
-zu machen, ohne seine Betrügereien fürchten zu müssen; denn auf meine
-Verdachtsgründe entgegnete er immer wieder: Was liegt uns an seinen
-Fehlern, wenn wir nur seine Geheimmittel besitzen?
-
-Diese Denkweise hätte berechtigt erscheinen können, hätte man die
-Tatsächlichkeit seiner angeblichen Geheimmittel und die Riesengewinne
-aus ihnen vorher genau festgestellt. Aber zu einer Zeit, wo es noch
-fraglich ist, ob man den von einem Abenteurer versprochenen Wundern
-Glauben schenken soll, gebietet die Vorsicht, seine Sitten, seinen
-Charakter, seine Privatverhältnisse, seine früheren Abenteuer usw.
-stark in Betracht zu ziehen. Das alles aber spricht durchaus gegen den
-angeblichen Grafen Surmont und wäre allein genug, um seine Projekte
-abzulehnen.
-
- Kaunitz prüft die Vorschläge von Cobenzl für Übernahme der
- Manufakturen in Staatsbetrieb und kommt zu ihrer Verwerfung, da sie
- den verheißenen Gewinn nicht einbringen würden. Die eingesandten
- Proben seien minderwertig und trotz des niedrigen Preises keine
- großen Umsätze zu erwarten. Zu Cobenzls Bericht vom 25. Juni
- übergehend, bemängelt Kaunitz die Unsicherheit der Unterlagen, bei
- den Farben überdies das Fehlen von Blau und Grün.
-
-Wenn die neuen Manufakturen in Tournai schon aus sachlichen Gründen
-nicht für uns in Frage kommen, so erst recht nicht wegen der großen,
-bereits entstandenen Kosten und der kostspieligen Verwaltung, die sie
-nach Angabe des Grafen Cobenzl erfordern. Wie schon oben betont, hat
-Frau Nettine Surmont bereits 94000 Gulden vorgeschossen oder für ihn
-ausgelegt, ohne daß es bisher gelungen wäre, die Geheimverfahren aus
-ihm herauszulocken, die scheinbar noch am meisten versprechen. Die
-Ausgaben für die Fabrikanlagen belaufen sich bereits auf 99935 Gulden,
-5 Sols, 4 Pfennig, ohne daß bisher für einen Pfennig Betriebsmittel
-oder Rohstoffe angeschafft wären oder daß man das Geringste für
-Beschaffung von Arbeitern ausgegeben hätte. Zudem spricht aus allen
-diesen Ausgaben eine Verschwendung, die keine günstigen Schlüsse auf
-die künftigen laufenden Ausgaben erlaubt.
-
-Allein für Surmonts Unterhalt und seine Reisen sind 12280 Gulden
-verausgabt. Ein Wohnhaus für ihn in Tournai ist für 13500 Gulden
-gekauft worden, und die verschiedenen nicht näher belegten Auslagen
-des Kaufmanns Rasse, der einer der Direktoren werden soll, belaufen
-sich auf 5300 Gulden[385]. Der vom Grafen Cobenzl entworfene
-Verwaltungsplan zeigt keine größere Sparsamkeit. Die Gehälter für die
-beiden Direktoren und die übrigen Angestellten betragen 8000 Gulden
-jährlich[386]. Außerdem schlägt der Minister vor, den Sohn der Frau
-Nettine, dem Surmont allein seine Geheimverfahren anvertraut hat,
-zum Generaldirektor des ganzen neuen Unternehmens zu ernennen und
-ihn lediglich Sr. Kgl. Hoheit und der Oberaufsicht des Ministers
-zu unterstellen. Ferner meint er, daß der Staatsrat Walckiers zum
-Königlichen Kommissar bei diesem Unternehmen bestellt, dessen Leitung
-mit der der Lotterie verbunden werden und daß E. M. dem jungen Nettine
-aus dem Gewinn ein festes Gehalt oder einen Gewinnanteil gewähren
-könnte.
-
-Zugleich übersendet mir Graf Cobenzl den vorläufig mit Surmont
-abgeschlossenen Vertrag[387], wonach dieser für Lebenszeit an den
-in Frage stehenden Unternehmungen zur Hälfte beteiligt wird, die
-ihm vorgeschossenen Summen von seinem Gewinnanteil abgezogen werden
-und Surmont sich seinerseits verpflichtet, die Herstellungsart von
-Blau und Grün, die Verfeinerung der Öle, das Krempeln des Leders für
-die Hutfabrik oder zu jedem anderen ihm bekannten Gebrauch, sowie
-jedes andere Geheimmittel oder Verfahren anzugeben, durch das die
-Manufakturen zur größten Vollendung gebracht werden können.
-
-Surmont hat es also nicht nur verstanden, eine Summe von fast 100000
-Gulden herauszuschlagen, deren Rückzahlung auf einem zum mindesten sehr
-zweifelhaften, wo nicht gänzlich hinfälligen Gewinn beruht, sondern er
-hat sich auch die Möglichkeit weiterer Gewinne aus seinen angeblichen
-Geheimverfahren gesichert; denn er hat sich die anscheinend wichtigsten
-vorbehalten und wird sie sich zweifellos teuer bezahlen lassen.
-Außerdem verspricht er, etwas zu lehren, was er nach eigenem Geständnis
-selbst noch nicht versteht, nämlich die Herstellung des Blaus. Es
-kann sich dabei nur um die Herstellung ohne Cochenille handeln; denn
-von etwas anderem war nie die Rede. Nun schreibt mir Graf Cobenzl am
-27. Mai ausdrücklich, Surmont kenne diese Herstellungsart nicht und
-hoffe nur, ein Verfahren zu finden, das diese teure Zutat unnötig
-macht. Nicht anders dürfte es mit dem Grün stehen, das er herstellen
-zu können behauptet, aber von dem der Minister noch nie eine Probe zu
-sehen bekommen hat[388]. Von diesen zwei Farben ist denn auch, wie oben
-gesagt, in der Aufstellung der Preise der neuen Farben nirgends die
-Rede.
-
-Das alles tritt zu den Gründen, die von einem Unternehmen auf
-Staatskosten abraten. Trotzdem hält Graf Cobenzl dies für das
-Zweckmäßigste. Er will, falls E. M. darauf eingehen, der Frau Nettine
-ihre Vorschüsse für die genannten Unternehmungen in Höhe von 193935
-Gulden, 5 Sols, 4 Pfennig mit 4 Prozent verzinsen und sie aus den
-Überschüssen allmählich zurückzahlen.
-
-Dabei versichert er mir immer wieder, falls E. M. den Betrieb der
-Surmont’schen Fabriken nicht auf Staatskosten übernehmen wollten, würde
-Frau Nettine ihn gern auf eigene Rechnung übernehmen. Außerdem erklärt
-er mir, in der ganzen Sache mit Zustimmung Sr. Kgl. Hoheit gehandelt zu
-haben, und bittet mich, ihm die Allerhöchste Entscheidung E. M. darüber
-kundzugeben.
-
-Aus allem Gesagten geht hervor:
-
-1. Graf Cobenzl, Frau Nettine, ihre Familie sowie alle, die an dem
-lächerlichen Mysterium der angeblichen Geheimmittel dieses Abenteurers
-beteiligt sind, haben sich derart hereinlegen lassen, daß sie
-Vorschüsse und Auslagen in Höhe von fast 100000 Gulden nur für seine
-Person und auf Rechnung seiner ungeheuren Reichtümer gemacht haben, die
-sich, wie sie heute zugeben, auf Nichtigkeiten beschränken und sich
-vielmehr in Schulden verwandelt haben, die sicherlich aus ähnlichen
-Schwindeleien wie die in Brüssel verübten herrühren.
-
-2. Nachdem sie sich so gröblich über den Charakter dieses Gauners
-getäuscht haben, trotzdem sie seine Geschichte und seine Abenteuer
-kannten, geben sie uns das Recht, ihrem Urteil über die Geheimmittel
-zu mißtrauen, die er ihnen so teuer aufgeschwindelt hat. Dies
-berechtigte Mißtrauen wird bestärkt durch die Abweisungen, die Surmont
-in Frankreich, in Holland, in England und überall erfahren hat, wo er
-seine kümmerlichen Geheimmittel wie bei uns angepriesen haben wird.
-Ich hätte mir also alle Vergleichungen, Berechnungen, Proben und
-Prüfungen ersparen können.
-
-Aus ihnen hat sich ergeben:
-
-3. Die gefärbten Seiden- und Wollstoffe bieten dem Publikum durchaus
-nichts Neues und können daher die Vorteile der Neuheit und des Monopols
-nicht beanspruchen. Sie bieten selbst in den bekannten Farben nichts
-Hervorragendes und sind bei weitem nicht in allen Farbgattungen
-vorhanden. Schon die Wiener gefärbten Stoffe übertreffen in dieser
-Farbenskala die seinen; um wieviel weniger könnten sie sich also
-gegenüber den englischen, französischen und holländischen behaupten!
-
-4. Somit beruhen alle ihre Erwartungen nur auf dem Absatz in den
-Niederlanden. Aber sie haben dessen Umfang nicht berechnen können oder
-wollen, obgleich dies der einzige feste Anhaltspunkt wäre, um die Höhe
-der Einnahmen zu berechnen und ihr die Kosten gegenüberzustellen. Denn
-ohne einen solchen vorherigen Anschlag kann, ja muß es geschehen, daß
-sie bei dem überstürzt und höchst unbesonnen begonnenen Großbetrieb in
-einem Monat mehr Stoffe färben, als die einheimischen Fabriken in einem
-Jahre verbrauchen können.
-
-5. Günstigsten Falls, d. h. wenn man den ganzen inneren Markt
-versorgen könnte, wäre das Unternehmen moralisch unrecht und politisch
-verkehrt. Unrecht, denn man brächte alle Privatfärbereien mit Güte
-oder mit Gewalt an den Bettelstab. Mit Güte, wenn man sie durch den
-billigen Preis überflügelte; mit Gewalt, wenn man zur Billigkeit
-noch das Monopol fügte. Politisch wäre das Unternehmen verkehrt;
-denn selbst bei der Annahme, man könnte alle Privatindustrieen
-verstaatlichen -- was der täglichen Erfahrung völlig widerspricht
---, wären diese Industrieen in Privathänden für den Staat weit
-wertvoller als beim Staatsbetriebe. Denn im ersten Falle begünstigen
-sie den Bevölkerungszuwachs, spornen den Wetteifer an, vermehren
-die Umlaufskanäle, setzen den einheimischen Handel in Nahrung,
-vervielfältigen seine Werte und unterstützen die Landwirtschaft und
-die Landesverteidigung. Beim Staatsbetriebe dagegen fallen durch die
-Zusammenfassung alle diese günstigen Faktoren fort; der Unterhalt von
-tausend Familien wird von hundert Angestellten und Arbeitern verzehrt,
-und hundert Menschen verarmen, um einen einzigen zu bereichern. Ein
-derartiges Unternehmen würde den Untertanen E. M. also keineswegs
-nützlich sein, wie man dreist behauptet hat, sondern sie zugrunde
-richten. Sie würden sich mit Recht laut beklagen, und wir zögen uns
-die bittersten Beschwerden und Klagen der Stände auf den Hals. Sind
-dies aber im günstigsten Falle die notwendigen Folgen eines solchen
-Unternehmens, dann kann man unmöglich mit dem Grafen Cobenzl in der
-Billigkeit allein das Mittel sehen, um den ganzen Verbrauch der
-Niederlande an gefärbten Stoffen an sich zu reißen. Damit sinken
-alle seine Erwartungen in Nichts zusammen, und es bleibt ihm nichts
-als die Reue, so große Opfer gebracht zu haben. Und tatsächlich hat
-Cobenzl unrecht; denn er hat nicht bewiesen, daß es möglich ist, die
-Privatindustrie mit allen ihren Hilfsquellen auszuschalten und ihr für
-alle Zeit die Kenntnis des Geheimverfahrens zu entziehen, das nach
-Aussage der Frau Nettine ziemlich leicht zu erraten ist. Ebensowenig
-hat er schließlich bewiesen, daß es möglich ist, die Privatindustrie
-durch Schönheit und Güte der Farben und durch Billigkeit des Preises zu
-übertreffen, wenn sie erst einmal nach seinem Geheimverfahren arbeitet.
-
-Aus meiner Darlegung ergibt sich ferner:
-
-6. Daß die Gewinne aus der Gerberei heute von den einheimischen Gerbern
-gemacht werden, und daß Graf Cobenzl diese Gewinne durch Surmonts
-Geheimverfahren nur zu vergrößern hofft. Dabei verdient die Gerberei
-unter den angeblichen Geheimverfahren noch am meisten Beachtung, und
-gerade darüber wissen sie noch am wenigsten; denn alle ihre positiven
-Angaben beschränken sich auf das Gewicht der heute von unseren Gerbern
-verarbeiteten und verkauften Felle. Ebensogut könnte man sagen: Es
-gibt in den Niederlanden 10000 Schuhmacher; jeder verdient täglich
-soundsoviel. Man braucht also nur alle Stiefel und Schuhe, die diese
-Schuhmacher anfertigen, auf Rechnung des Staates herzustellen und
-hat allein den ganzen Gewinn davon. Wenn man so weiter fortfährt,
-alle Gewerbe an sich reißt und sie selbst ausübt, und angenommen, es
-gelingt, so muß man E. M. neue Untertanen verschaffen, die soviel Geld
-haben, um alle diese Waren zu kaufen; denn die Ihren wären zugrunde
-gerichtet und verarmt. Daß bei der Gerberei Geld zu verdienen ist,
-wußten wir ohnehin. Daß aber der Staat diesen Gewerbszweig auch noch
-an sich reißen müsse, das sollte man nicht vorschlagen, ohne vorher
-deutlich nachzuweisen, was für wirkliche und neue Vorteile für die
-Bevölkerung daraus entspringen.
-
-Für die Hutfabrik gilt genau das gleiche.
-
-7. Surmont hat ihnen ebensowenig das Geheimverfahren angegeben, durch
-das gewöhnliche Öle geruchlos gemacht und derart verfeinert werden, daß
-sie einen Ersatz für das feine Provenceröl bilden. Dieser Artikel wäre
-der einzige, der den Staatsfinanzen ohne Schaden für die einheimische
-Industrie und den einheimischen Handel die größten Einkünfte
-verschaffen könnte; denn es gibt noch nirgends eine derartige Fabrik,
-die Rohstoffe hätten wir in den Niederlanden, und somit würden neue
-Werte geschaffen. Aber die Ankündigung dieses Geheimverfahrens
-ähnelt der uns gegebenen über die Verwandlung von Eisen in ein
-goldartiges Metall. Beides ist gleich unwahrscheinlich; denn schon das
-Geheimverfahren zur Verfeinerung von Ölen in der angegebenen Weise wäre
-Surmont in Holland und England zu jedem von ihm geforderten Preise
-abgekauft worden.
-
-8. Die uns vorgeschlagene Verwaltung ist ebensowenig sparsam, wie
-das Benehmen gegen Surmont von Anfang an bis auf diesen Tag klug
-war. Sie würde sieben bis acht Werkstätten zu verwalten haben, deren
-jede die ganze Tatkraft und Wachsamkeit, den ganzen Fleiß und die
-ganze Sparsamkeit mehrerer sehr erfahrener Geschäftsleute in Anspruch
-nähme. Das Verwaltungsbüro allein würde 8000 Gulden jährlich kosten.
-Fast ebensoviel würden die Zinsen für die bereits so leichtfertig
-ausgegebenen Summen erfordern. Dabei ist noch kein Pfennig inbegriffen
-für die Löhne eines Schwarmes von Arbeitern und für die Beschaffung von
-Rohstoffen.
-
-Aus all diesen Schlußfolgerungen ergibt sich als offenkundig und
-unbedingt notwendig, daß diese gewagten Unternehmungen weder der Sache
-nach noch in ihrer Verwaltung und in ihrem Betrieb den Staatsfinanzen
-entsprechen. Da jedoch Frau Nettine aus eigener Tasche den unsinnigen
-Vorschuß von fast 200000 Gulden gemacht hat und sie diese Fabriken
-auch übernehmen will, so ist es recht und billig, daß E. M. sie ihr
-überlassen und gleichzeitig Ihre Regierung beauftragen, ihr alle
-Erleichterungen und Vergünstigungen zu gewähren, die sich mit der
-Wohlfahrt der Staatsfinanzen und der Landesverfassung vereinbaren
-lassen.
-
-
-Eigenhändiges Marginal Maria Theresias
-
-_Placet._ Ich billige alle Vorschläge des Kanzlers.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 22. Juli 1763.
-
-Seit dem Erlaß E. E. vom 5. ist von der Sache in Tournai nicht mehr die
-Rede. Ich war Zeuge davon, daß Herr Bürgermeister Hasselaar[389] über
-unseren Mann sehr günstig gesprochen hat, aber von der Anlage einer
-Manufaktur war zwischen ihnen nie die Rede.
-
-
-Maria Theresia an Prinz Karl von Lothringen
-
- Wien, 24. Juli 1763.
-
-Mein Hof- und Staatskanzler hat mir über seinen ganzen Schriftwechsel
-mit dem Grafen Cobenzl betreffs der angeblichen Geheimmittel für
-Fabriken und Manufakturen berichtet, die ein gewisser Surmont besitzen
-will, sowie über die Manufaktur, die Graf Cobenzl infolgedessen mit
-Genehmigung Eurer Hoheit in Tournai bereits eingerichtet hat[390].
-Ich teile Ihnen hierdurch mit, daß wir das Ganze aufs unparteiischste
-und gewissenhafteste haben prüfen lassen, und daß sich daraus ergeben
-hat, daß diese Manufaktur weder in der Sache noch ihrer Verwaltung
-nach meinem königlichen Dienst entspricht und bei einem Staatsbetrieb
--- falls er überhaupt Erfolg hat -- eine große Zahl meiner getreuen
-Untertanen zugrunde richten würde. Ich trete also dem bei, was mein
-Hof- und Staatskanzler dem Grafen Cobenzl hierüber schon mitgeteilt
-hat[391], und lehne den Gedanken völlig ab, das fragliche Unternehmen
-auf Rechnung des Staates betreiben zu lassen. Auch soll der Staat für
-die bereits erfolgten Ausgaben in keiner Weise herangezogen werden.
-
-Da jedoch die Witwe Nettine, die für das neue Unternehmen schon
-beträchtliche Vorschüsse gezahlt hat, es auf eigene Rechnung übernehmen
-will, so ermächtige ich Eure Hoheit, ihr zu diesem Zweck die nötige
-Genehmigung zu geben und ihr alle Erleichterungen und Vergünstigungen
-zu gewähren, die sich mit der Wohlfahrt meiner Finanzen und der
-Verfassung meiner belgischen Provinzen vereinbaren lassen.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 2. August 1763.
-
-Ich erwarte heute die Nachricht von der Abreise des Herrn von
-Surmont und hoffe, daß Frau Nettine ihre großen Vorschüsse wieder
-herauswirtschaften wird. Sicherlich steckt in seinem Geheimverfahren
-etwas Gutes; zum mindesten ist dies bei der Hutfabrikation und Gerberei
-anerkannt, und alle unsere Seiden- und Tuchhändler finden die gefärbten
-Stoffe wunderbar. Se. Kgl. Hoheit wird die diesbezüglichen Befehle
-Ihrer Majestät[392] mit größter Genauigkeit ausführen.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 14. August 1763.
-
-Ich verstehe nicht recht, was die Wendung in Ihrem Berichte vom 2.
-bedeutet: „_Ich erwarte heute die Nachricht von der Abreise des Herrn
-von Surmont._“ Geht er freiwillig oder jagt man ihn endlich fort? Im
-ersteren Falle dürfte er wohl nicht nur das Geld der von mir aufrichtig
-bedauerten Frau Nettine mitnehmen, sondern auch die freie Verfügung
-über seine schönen Geheimmittel behalten. Im zweiten Fall wird man
-ihm hoffentlich noch das Geheimnis der Verfeinerung von Ölen entlockt
-haben. Offen gestanden, Herr Graf, könnte ich mir noch heute kein
-Bild machen, hätte ich nicht schon in meiner ersten Antwort[393] die
-Begeisterung unterstrichen, mit der dieser Schwindler Sie alle erfüllt
-hat, ganz ähnlich, wie es ihm auch in Frankreich geglückt ist. Aber zu
-etwas sind schlimme Erfahrungen doch gut, und ich hoffe, in Zukunft
-wird man bei Ihnen auf der Hut sein, und die Abenteurer werden kein
-gewonnenes Spiel haben.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 23. August 1763.
-
-Herr von Surmont ist nicht ausgewiesen worden. Aber in Erwartung der
-Entscheidung, ob Ihre Majestät die Manufaktur selbst übernehmen oder
-an Frau Nettine weitergeben will, hatte diese ihren Sohn in Tournai
-gelassen, um alle Geheimverfahren des Herrn von Surmont kennen zu
-lernen. Da man nun von ihm alles erfahren hatte, was er wußte, und
-seine Anwesenheit nicht mehr nötig war, habe ich ihm nach Eintreffen
-der Allerhöchsten Befehle geschrieben, Ihre Majestät wolle von seinen
-Geheimverfahren nichts wissen. Zugleich hat Nettine ihm eröffnet,
-daß seine Mutter sie als Deckung für ihre Vorschüsse behielte, daß
-sie ihm aber weitere Vorschüsse nicht machen wolle. Darauf hat er
-sich sofort zur Abreise entschlossen, wobei er erklärte, das Ganze
-im Laufe weniger Monate zurückzuzahlen. Andernfalls könne man seine
-Geheimverfahren benutzen, und falls man irgendeiner Aufklärung bedürfe,
-sei er bereit, sie zu geben, wo immer er sich auch befinde. Er ist nach
-Lüttich abgereist und wird sich wohl nach Karlsruhe zum Markgrafen von
-Baden-Durlach[394] wenden. Frau Nettine hofft noch, wenigstens einen
-Teil ihrer Vorschüsse zurückzubekommen.
-
-Man muß den Mann gesehen haben, um unsere Leichtgläubigkeit zu
-entschuldigen. Auch die vor uns auf ihn Hereingefallenen können uns
-teilweise entschuldigen, aber sicherlich haben wir die Erfahrung
-gemacht, daß der Mensch durch etwas betrogen werden kann, was er sieht
-und mit Händen greift.
-
-
-Kaunitz an Cobenzl
-
- Wien, 3. September 1763.
-
-Der Fall Surmont ist für mich erledigt. Ich wünschte, daß das, was er
-in Brüssel getan hat und tun ließ, sich so leicht wieder gutmachen
-ließe, daß ich es vergessen kann.
-
-
-Cobenzl an Kaunitz
-
- Brüssel, 2. Oktober 1763.
-
-Ich erhalte von nirgendswoher Nachricht, was aus Herrn von
-Saint-Germain geworden ist. Die in Tournai begründete Manufaktur
-beginnt sich zu entwickeln; ich glaube bestimmt, Frau Nettine wird
-dabei auf ihre Rechnung oder wenigstens auf ihre Kosten kommen.
-
-
-II
-
-Aus den „Erinnerungen“ des Grafen Philipp Cobenzl[395]
-
-Gegen Mitte Juni schickte mein Oheim mich nach Tournai, um für ein paar
-Tage das Benehmen eines berüchtigten Abenteurers zu überwachen[396],
-auf den mein Oheim, Frau von Nettine und viele andere gründlich
-hereingefallen waren. Dieser Mann war in Brüssel unter dem Namen eines
-Grafen Surmont aufgetreten, nachdem er sich anderswo Graf Saint-Germain
-genannt hatte. Er führte sich bei meinem Oheim in sehr geheimnisvoller
-Weise durch ein paar Empfehlungsbriefe, ich weiß nicht von wem, ein.
-Tagsüber ging er nie aus, und zur Zwiesprache mit meinem Oheim stellte
-er sich nur in vorgerückter Nachtstunde ein. Er erbot sich, mittels
-seiner angeblichen Geheimverfahren dem Hof große Dienste zu leisten.
-U. a. handelte es sich um ein Metall, das zwar kein Gold war, aber
-Farbe, Gewicht und Hämmerbarkeit des Goldes und somit alle Vorzüge
-desselben besaß. Er hatte, wie er sagte, hervorragende Kenntnisse
-in der Färberei und konnte Leder, Wolle und Seide sehr billig die
-glänzendsten Farben geben. Er wollte die feinsten Hüte zu billigerem
-Preise herstellen, als sonst die Anfertigung der gröbsten Hüte
-kostete. Fleckige Diamanten wußte er von ihren auffälligsten Flecken
-zu befreien. Er stellte Arzeneien gegen alle Krankheiten her und
-besaß Mittel zur unberechenbaren Verlängerung des Lebens. Alle
-Wissenschaften, von denen man sprach, beherrschte er im höchsten Maße.
-War von Musik die Rede, so sprach er als Meister davon, setzte sich
-ans Klavier und trug eigene Kompositionen vor. Sprach man von Malerei,
-so behauptete er, im Besitz einer hervorragenden Gemäldesammlung
-zu sein, sagte aber nicht, wo sie war. Welches seine Heimat sei,
-sagte er nicht, aber er sprach sehr gut Französisch, Italienisch,
-Englisch, Portugiesisch und Spanisch. Wie alt er war, sagte er nicht;
-anscheinend zählte er 50 Jahre, aber er sagte, das Menschenleben ließe
-sich unglaublich verlängern, und er sprach von Ereignissen, die um
-Jahrhunderte zurücklagen, und deren Augenzeuge er gewesen war.
-
-Er redete wenig und so, daß man mehr erriet als begriff. Durch diese
-Art von Marktschreierei hatte der gewandte Mann das Vertrauen meines
-Oheims zu gewinnen verstanden, der mehr als einen Vorteil für den
-Staat aus einem Teil seiner Geheimmittel zu ziehen hoffte, indem er
-in Tournai eine Färberei, eine Papierfabrik und eine Werkstätte zur
-Herstellung des kostbaren Metalls einrichtete. Bestochen hatten meinen
-Oheim sehr schöne Proben aller dieser Dinge, die der Abenteurer ihm
-vorlegte, mit der Behauptung, er wolle ihm alle seine Geheimnisse
-nur aus reiner Freundschaft abtreten; denn er besäße alles, was er
-wünschte, und hätte nichts nötig. Um meinen Oheim davon zu überzeugen,
-sagte Graf Surmont eines Tages, als von Malerei die Rede war und mein
-Oheim äußerte, nur sehr wenige Privatleute könnten sich rühmen, einen
-echten Raffael zu besitzen, das träfe zwar zu, aber in seiner Sammlung
-fehlte es nicht daran, und zum Beweis dafür kam vierzehn Tage bis drei
-Wochen später ein Gemälde an, das Herr von Surmont meinem Oheim als aus
-seiner Sammlung stammend schenkte, und ein paar Künstler der Stadt,
-Kenner oder nicht, denen mein Oheim dies Bild zeigte, erklärten es für
-ein Original Raffaels. Surmont wollte es jedoch nicht zurücknehmen und
-bat ihn, es als Zeichen seiner Freundschaft zu behalten.
-
-Ein andermal zeigte er meinem Oheim einen großen Solitär mit einem
-Flecken und sagte, er werde ihn in wenigen Tagen tadellos machen.
-Tatsächlich brachte er ihm nach ein paar Tagen einen Solitär vom
-gleichen Schnitt, der tadellos und ohne Flecken war, mit der
-Versicherung, es sei der gleiche Stein. Als mein Oheim ihn genau
-geprüft und bewundert hatte, wollte er ihm den Stein zurückgeben, aber
-jener nahm ihn nicht an und beteuerte, er hätte Diamanten genug, mit
-denen er nichts anzufangen wisse, und mein Oheim möchte diesen als
-Erinnerung an ihn behalten. Mein Oheim, der keine Geschenke annehmen
-wollte, wehrte sich lange dagegen und gab erst nach, als Surmont ihm
-drohte, Brüssel sofort mit all seinen Geheimmitteln zu verlassen, wenn
-mein Oheim durch das Ausschlagen dieser Kleinigkeit bewiese, daß er
-seinen Worten nicht traute.
-
-Es wurde also beschlossen, alle obengenannten Unternehmungen in Tournai
-zu begründen, und zwar auf Verlangen des Urhebers sogleich in großem
-Stil. Zunächst mußten Häuser gekauft und teils neu gebaut, sowie alle
-möglichen Materialien nach einer Liste Surmonts beschafft werden, der
-die Ausführung mit Hilfe einer Summe unternahm, die man ihm zu diesem
-Zweck vorschießen mußte. Frau von Nettine übernahm ein paar Aktien,
-mein Oheim desgleichen; der Rest wurde auf Staatskosten übernommen.
-Surmont war hierauf nach Tournai gereist, um Hand ans Werk zu legen;
-ein paar Monate später wurde ich hingesandt, um zu sehen, wie die Dinge
-standen. Ich blieb vierzehn Tage dort und ließ meinen Mann tags und
-nachts nicht aus den Augen. Aus meinem nach meiner Rückkehr erstatteten
-Bericht ergab sich, daß gar nichts geschehen war, und daß alle diesem
-Manne vorgeschossenen Summen verschwunden waren. Kurz darauf verschwand
-er selbst, und man mußte sogar noch zahlreiche Schulden bezahlen, die
-er unter Mißbrauch der ihm leider erteilten Vollmachten gemacht hatte.
-Später erfuhr man, daß dieser Mann unter verschiedenen Namen schon
-ähnliche Streiche in anderen Ländern gespielt hatte. Ich weiß nicht,
-wohin er sich nach Verlassen der Niederlande begab. Mehrere Jahre
-später hörte ich, er sei in Hamburg, wo er auch starb[397], ohne daß
-jemand erfahren hätte, woher er stammte noch wovon er lebte.
-
-
-III
-
-Aus Casanovas „Memoiren“[398]
-
-Am nächsten Tage kam ich (aus Dünkirchen) in Tournai an. Als ich ein
-paar Stallknechte auf schönen Pferden reiten sah, fragte ich sie aus
-Neugier, wem sie gehörten.
-
-„Dem Grafen Saint-Germain, dem Adepten, der seit einem Monat hier ist
-und niemals ausgeht.“
-
-Diese Antwort bewog mich, ihn zu besuchen. Kaum im Gasthof angelangt,
-schrieb ich an ihn und fragte ihn, wann ich ihn aufsuchen dürfte.
-Nachstehend seine Antwort, die ich mir aufgehoben habe:
-
-„Infolge meiner Beschäftigung kann ich niemand empfangen. Doch Sie
-machen eine Ausnahme. Kommen Sie, wann es Ihnen paßt; man wird Sie
-in mein Zimmer führen. Sie brauchen weder meinen noch Ihren Namen zu
-nennen. Ich biete Ihnen nicht die Hälfte meines Mittagessens an, denn
-meine Nahrung eignet sich für niemand, am wenigsten für Sie, wenn Sie
-noch Ihren alten Appetit haben.“
-
-Ich ging um neun Uhr hin und fand ihn mit einem zwei Zoll langen
-Stoppelbart. Er hatte eine Anzahl Retorten voller Flüssigkeiten im
-Zimmer. Einige machten einen chemischen Prozeß durch; sie lagen auf
-Sand bei natürlicher Wärme. Wie er mir sagte, arbeitete er zu seiner
-Kurzweil an der Herstellung von Farben und richtete eine Hutfabrik
-ein, um dem Grafen Cobenzl, dem Minister Maria Theresias in Brüssel,
-gefällig zu sein. Der Graf hätte ihm nur 105000 Gulden gegeben, die
-aber nicht hinreichten, doch er würde das Weitere hinzulegen[399]. Dann
-sprachen wir von Frau von Urfé.
-
-„Sie hat sich durch eine zu starke Dosis von Universalmedizin
-vergiftet“[400], sagte er. „Ihr Testament beweist, daß sie sich für
-schwanger hielt. Sie hätte es sein können, wenn sie mich um Rat gefragt
-hätte. Das Unternehmen ist sehr schwierig, aber ganz sicher, obgleich
-die Wissenschaft das Geschlecht des Kindes noch nicht zu bestimmen
-vermag.“
-
-Als er hörte, an welcher Krankheit ich litt[401], beschwor er mich,
-drei Tage in Tournai zu bleiben. In dieser Zeit wollte er alle
-meine Drüsenschwellungen beseitigen und mir dann fünfzehn Pillen
-verschreiben, die ich in fünfzehn Tagen einnehmen sollte und die mich
-ganz wiederherstellen würden. Er zeigte mir seine „Lebenskraft“, die er
-„Atoëter“ nannte, eine weiße Flüssigkeit in einem festverschlossenen
-Fläschchen. Diese Flüssigkeit, sagte er, sei der Universalgeist der
-Natur; der Beweis dafür sei, daß der Geist sofort das Fläschchen
-verließe, wenn man das Wachs ganz leicht mit einer Nadel durchbohrte.
-Ich bat ihn, mir das Experiment zu zeigen. Er gab mir das Fläschchen
-und eine Nadel. Ich stach leicht in das Wachs, und in der Tat wurde das
-Fläschchen ganz leer.
-
-„Herrlich!“ sagte ich. „Aber was ist der Zweck davon?“
-
-„Das kann ich Ihnen nicht verraten: es ist mein Geheimnis.“
-
-Wie gewöhnlich hatte er den Ehrgeiz, mich in Verwunderung zu setzen,
-und so fragte er mich, ob ich kleines Geld bei mir hätte. Ich zog ein
-paar Münzen hervor und legte sie auf den Tisch. Ohne mir zu sagen,
-was er vorhätte, stand er auf, legte eine glühende Kohle auf eine
-Metallplatte, bat mich um ein Zwölfsousstück, das unter den Münzen lag,
-legte ein schwarzes Körnchen darauf und das Geldstück auf die Kohle und
-blies sie mit einem gläsernen Blasrohr an. Binnen zwei Minuten war es
-glühend.
-
-„Warten Sie, bis es abgekühlt ist“, sagte der Alchimist. Es war in
-einer Minute geschehen. „Nehmen Sie es mit,“ fügte er hinzu, „denn es
-gehört Ihnen.“
-
-Ich nahm es: es war Gold. Ich zweifelte keinen Augenblick, daß er die
-Münze vertauscht und mir eine andere gegeben hatte, die er zweifellos
-vorher blank geputzt hatte. Ich wollte ihm keine Vorwürfe machen. Damit
-er aber nicht glaubte, er hätte mich zum besten gehabt, sagte ich: „Das
-ist wunderbar, Graf. Das nächste Mal aber müssen Sie, um ganz sicher
-zu sein, daß Sie auch den schärfsten Beobachter verblüffen, ihm vorher
-sagen, welche Verwandlung Sie vorhaben. Dann kann er sich die Münze
-ansehen, bevor Sie diese auf die glühende Kohle legen.“
-
-„Wer an meiner Wissenschaft zweifeln kann, ist unwert, mit mir zu
-sprechen“, entgegnete der Schwindler.
-
-Dies anmaßliche Benehmen kennzeichnete ihn; es war mir indes nichts
-Neues. Das war das letztemal, daß ich den berühmten und gelehrten
-Betrüger sah; vor sechs bis sieben Jahren ist er in Schleswig
-gestorben[402]. Sein Geldstück war lauteres Gold. Zwei Monate darauf,
-in Berlin, überließ ich es Mylord Keith[403], der sich neugierig darauf
-zeigte.
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN ANSBACH
-
-(1774-1776)
-
-
-„Aufschlüsse über den Wundermann, Marquis Saint-Germain, und sein
-Aufenthalt in Ansbach, von einem Augenzeugen“[404]
-
-Dieser sonderbare Mann, der zu seiner Zeit manches unverdiente Aufsehen
-erregte, lebte verschiedene Jahre in dem Fürstentume Ansbach, ohne daß
-man nur von weitem ahnen konnte, er sei der rätselhafte Abenteurer, von
-dem man so manche wunderbare Sagen verbreitete.
-
-[Illustration: Alexander, Markgraf von Ansbach und Bayreuth
-
-Stich von Daniel Berger]
-
-Es war im Jahre 1774, als dem nun verstorbenen Herrn Markgrafen von
-Brandenburg Karl Alexander[405] angezeigt wurde, daß sich zu
-Schwabach ein Fremder aufhalte, der sich für einen russischen Offizier
-ausgebe, sehr eingezogen lebe, zugleich aber manche Handlungen der
-Wohltätigkeit ausübe. Der damals noch zwischen Rußland und der Pforte
-obwaltende Krieg[406] und die Anwesenheit der russischen Flotte in dem
-Archipelago erregten die Vermutung, daß das russische Gouvernement
-vielleicht einen vertrauten Menschen nach Franken geschickt habe, um
-ohne Aufsehen die über Italien gehende Korrespondenz zu besorgen. Und
-der ebenso gütige als menschenfreundliche Fürst gab den Befehl, diesem
-Fremden insolange den ruhigen Aufenthalt zu gestatten, als er der
-Polizei keine Veranlassung geben würde, ihn näher zu beobachten.
-
-Einige Zeit nachher meldete der reformierte Geistliche zu Schwabach,
-Herr Dejan, daß der Fremde, der seit seiner Anwesenheit daselbst bloß
-mit ihm und dem damaligen Stadtvogt Greiner Umgang gepflogen habe,
-sehr wünsche, dem Herrn Markgrafen, wenn es ohne Aufsehen geschehen
-könne, vor seiner Abreise aus der Gegend aufzuwarten und ihm für den so
-liberal gewährten Schutz zu danken. Dieser Wunsch wurde ihm gewährt,
-und der Markgraf sah ihn zum erstenmal im Winter abends bei der
-berühmten Schauspielerin Clairon[407], die zu eben dieser Zeit sich zu
-Ansbach befand.
-
-Der Fremde schien damals ein Mann zwischen 60 und 70 Jahren zu sein,
-von mittlerer Größe, mehr hager als stark, der seine grauen Haare
-unter einer Perücke verbarg und vollkommen einem gewöhnlichen alten
-Italiener gleich sah. Sein Anzug war so einfach als möglich; sein
-Ansehen verkündigte nichts Außerordentliches.
-
-Nachdem er dem Markgrafen in französischer Sprache (der Akzent verriet
-einen Italiener) für die Erlaubnis gedankt hatte, sich in seinen Landen
-ungestört aufhalten zu dürfen, sagte er ihm viel Schönes über seine
-Regierung, sprach über große Reisen, die er gemacht hatte, und endigte
-damit, zu versichern, daß er zu Bezeugung seiner Dankbarkeit dem
-Markgrafen Geheimnisse anvertrauen wolle, welche geeignet seien, das
-Glück und den Wohlstand seines Landes zu befördern. Natürlich mußten
-Äußerungen dieser Art Aufmerksamkeit erregen, die bald aufs höchste
-gespannt wurde, als er eine Menge sehr schöne Steine vorzeigte, die
-man für Diamanten ansehen konnte, und die, wenn sie echt waren, von
-ungeheurem Wert sein mußten.
-
-Der Markgraf lud ihn nun ein, auf das Frühjahr nach Triesdorf, dem
-Sommeraufenthalt des Fürsten, zu kommen, und Graf _Tzarogy_[408] --
-denn unter diesem Namen hatte er sich vorstellen lassen -- nahm diese
-Einladung unter der Bedingung an, wenn man ihm gestatten wolle, dort
-nach seiner eigenen Weise, ganz unbemerkt und in der Stille leben zu
-dürfen.
-
-Zu Triesdorf wurde er in die unteren Zimmer des Schlosses logiert,
-dessen oberen Teil Mademoiselle Clairon bewohnte. Der Markgraf und
-dessen Gemahlin wohnten im Falkenhause. Er hatte keinen Bedienten,
-speisete nur auf seinem Zimmer, das er selten verließ, und dies so
-einfach als möglich. Seine Bedürfnisse waren mehr als eingeschränkt.
-Er vermied allen Umgang, und nur die Abendstunden brachte er in der
-Gesellschaft der Mademoiselle Clairon, des Markgrafen und derjenigen
-Personen, die dieser Herr gern um sich haben mochte, zu. Man konnte
-ihn nicht bewegen, an der fürstlichen Tafel zu speisen, und nur einige
-Male sah er die Frau Markgräfin, die auch begierig war, den sonderbaren
-Menschen kennen zu lernen.
-
-In Gesprächen war er äußerst unterhaltend, verriet viele Welt- und
-Menschenkenntnis und ließ hier und da einige mysteriöse Reden fallen,
-von denen er ebenso geschickt abzuspringen und den _Discours_ auf
-andere Gegenstände zu lenken wußte, wenn man etwas Näheres zu wissen
-verlangte. Vorzüglich sprach er gerne von den Jahren seiner Kindheit
-und von seiner Mutter, die er nie ohne scheinbare Rührung und bisweilen
-mit Tränen in den Augen nannte. Ihm zu glauben, hatte er fürstliche
-Erziehung genossen.
-
-Er war absprechend, aber nie unhöflich. Daß er, wie der sonst so
-wahrheitsliebende Baron Gleichen sagte, „zu Triesdorf nach Belieben
-gehauset, daß er den Markgrafen wie einen Schulknaben behandelt[409]“,
-ist weder wahr noch wahrscheinlich. So leutselig der Markgraf in
-dem gesellschaftlichen Umgange war, so gut wußte dieser Fürst die
-Achtung zu behaupten, die man seiner Geburt, seinem Range und seinen
-guten moralischen Eigenschaften schuldig war. Er würde es nicht
-gelitten haben, daß man ihm beföhle; viel weniger würde er dies einem
-Unbekannten übersehen haben.
-
-Womit sich dieser Sonderling den ganzen Tag über beschäftiget,
-war schwer zu bestimmen. Er hatte keine Bücher bei sich als eine
-verschmutzte Ausgabe von dem „_Pastor fido_“[410]. Man wurde selten
-bei ihm vorgelassen, und dann fand man ihn meistenteils den Kopf in
-ein schwarzes Tuch gehüllt. Seine vorzüglichste Beschäftigung mag wohl
-in Bereitung allerlei Farben bestanden haben; denn die Fenster seines
-in den Garten hinausgehenden Zimmers waren so mit Farben allerlei Art
-überschmiert, daß man nicht durchsehen konnte. Bald nach seiner Ankunft
-zu Triesdorf fing er an, dem Markgrafen Anweisung zu verschiedenen
-Zubereitungen zu geben, die den Grund zu einträglichen Fabriken legen
-sollten. Unter diesen zeichneten sich vorzüglich allerlei Arten von
-Saffian, Korduan und Juchten aus, die aus dem schlechtesten Schafleder
-hervorgebracht werden sollten, die Zubereitung des schönsten türkischen
-Garns usw.
-
-Der Markgraf ließ die Rezepte durch den Verfasser dieser Beiträge
-aufnehmen, und nun ging man an die Versuche selbst, die nach seinem
-Verlangen mit dem größten Geheimnis angestellt werden sollten. In einem
-besonders dazu bereiteten Laboratorio wurde die Arbeit angefangen, und
-die Versuche wurden bei verschlossenen Türen angestellt.
-
-Lebhaft erinnert sich noch nach so manchen Jahren der Verfasser der
-lustigen Auftritte dieser Versuche, und wie oft und herzlich er mit
-dem Markgrafen darüber gelacht, den Fürsten und seinen Vertrauten in
-einer Werkstatt zum Gerber und Färber umgeformt zu sehen. Man wollte
-alles versuchen und das Gute behalten. Allein die Hoffnung sank bald
-unter näherer Prüfung. Schon hatte man mit leichter Mühe und geringen
-Kosten den schönsten Korduan hervorgebracht, und in der Freude seines
-Herzens ließ sich der Verfasser Schuhe daraus verfertigen, die sehr gut
-ausfielen, aber in den ersten 24 Stunden in Stücken zersprangen. So
-unhaltbar war das türkische Garn, und so war es mit mehreren Artikeln.
-Tzarogy schob, wenn man ihn zu Rate zog, die Schuld auf fehlerhafte
-Manipulation, die doch sicher in den Ingredienzien lag, deren man sich
-bediente. Er versprach von Zeit zu Zeit, selbst die Hand anzulegen, um
-die wahren Vorteile zu zeigen, und so vergingen einige Wochen, während
-welcher der Unbekannte abwechselnd sich zu Triesdorf und Schwabach
-aufhielt. War er zu Schwabach, so schrieb er oft an den Markgrafen
-und an den Verfasser, schickte immer neue Proben von zubereitetem
-Leder, von gefärbter Seide und Tüchern ein, wovon der Verfasser noch
-eine ganze Schachtel voll besitzt. Die Proben waren meistenteils mit
-Tzarogys eigener Hand überschrieben, z. B. auf Lederproben:
-
-„Völlig unbekannte Lederarten; man zerschneide sie und wird die
-Haltbarkeit merken.“
-
-„Sehr billige Lederarten, die ganz allein ohne den geringsten
-Kunstgriff aus Abfällen hergestellt werden, die zur Bereitung von
-Häuten nicht mehr verwendbar sind.“
-
-Auf gefärbte Tuchmuster: „Bei allen diesen Farbproben läßt sich immer
-größere Schönheit, Feinheit und Haltbarkeit erzielen, ich glaube bis
-ins Grenzenlose. Um sich davon zu überzeugen, braucht man nur das
-Schwarz dieser Musterkarte mit den am letzten Dienstag eingesandten zu
-vergleichen. Dann wird man den Unterschied sehen; man kann noch viel
-weiter gehen.“
-
-Auf einem anderen Muster: „Dies kostbare Schwarz ist ohne Vitriol,
-ohne Galläpfel und ohne Sieden erzielt. Es verschießt nie und wird
-aus feinem Russisch Blau hergestellt. Dies unvergleichliche Gelb wird
-in lauterem, kristallklarem, kristallreinem Wasser eingefärbt.“ Und
-dergleichen mehr.
-
-So erhielt er die Aufmerksamkeit und die Hoffnung, daß doch vielleicht
-unter so vielen vorgelegten Proben sich einige nützliche, bisher
-unbekannte Gegenstände finden dürften.
-
-
-Einstmals zeigte Tzarogy dem Markgrafen an, daß er einen Kurier von
-dem eben aus Italien zurückkehrenden Grafen Alexis Orlow[411] mit
-der dringenden Einladung erhalten habe, ihn zu Nürnberg auf seiner
-Durchreise zu besuchen. Er schlug zugleich dem Markgrafen vor, diese
-Gelegenheit zu benutzen, um den Helden von Tschesme kennen zu lernen.
-Der Vorschlag wurde angenommen, und der Verfasser begleitete den
-Markgrafen nach Nürnberg, wo der Graf Alexis Orlow bereits angekommen
-war.
-
-Orlow kam dem Grafen Tzarogy, der nun zum ersten Mal in russischer
-Generalsuniform einher trat, mit offenen Armen entgegen, hieß ihn
-mehrere Male „_caro padre_“, „_caro amico_“ usw. Er empfing den
-Markgrafen mit ausgezeichneter Höflichkeit und dankte ihm vielmals für
-den Schutz, den er seinem würdigen Freunde gegönnt habe. Und bei dieser
-Gelegenheit fiel diejenige Äußerung vor, die der Baron Gleichen dem
-Fürsten Grégoire Orlow (den der Markgraf nie gesehen) zuschreibt[412],
-eine Äußerung, aus der man schließen mußte, daß Tzarogy eine große
-Rolle bei der Revolution von Anno 1762 in Rußland gespielt habe.
-
-Man speiste bei dem Grafen Orlow zu Mittag. Die Unterhaltung war
-äußerst interessant. Man sprach viel von dem Feldzuge im Archipelago,
-noch mehr aber von nützlichen Erfindungen. Unter andern zeigte Orlow
-dem Markgrafen ein Stück unverbrennbares Holz, das nach angestellter
-Probe, als es angezündet wurde, weder Flammen noch Kohlen gab, sondern
-bloß, nachdem es wie ein Schwamm aufgeschwollen war, in eine leichte
-Asche zerfiel.
-
-Nach der Tafel führte Orlow den Grafen Tzarogy in ein Nebenzimmer, in
-welchem sie eine geraume Zeit beisammen blieben. Der Verfasser, der
-an dem Fenster sich befand, unter welchem die Wagen des Grafen Orlow
-standen, bemerkte, daß einer von den Leuten des Grafen einen Wagen
-aufschloß und aus dem Sitzkästchen einen großen Beutel von rotem Leder
-herausnahm und in das Zimmer hinauftrug.
-
-Man beurlaubte sich in einiger Zeit, und auf der Rückreise hatte
-Tzarogy alle Taschen voll venetianische Zechinen, mit denen er auf
-eine nachlässige Art zu spielen schien. Daß dieser Mann zuvor kein
-Geld hatte, wußte man ganz sicher, weil man auf alles, was ihn betraf,
-aufmerksam war.
-
-Der Frau Markgräfin brachte er im Namen des Grafen Orlow eine schöne,
-silberne, auf den Sieg von Tschesme geschlagene Medaille. Nach der
-Zurückkunft zeigte er zum erstenmal sein unter kaiserlich großem
-Siegel ausgefertigtes Patent als russischer General, und in der Folge
-vertraute er dem Markgrafen, daß der Name Tzarogy ein zersetzter,
-angenommener Name sei, daß er eigentlich Rakoczy heiße und als letzter
-Sprosse von dem unter Kaiser Leopold geächteten Siebenbürgischen
-Fürsten Rakoczy[413] abstamme.
-
-Alle diese Umstände zusammen genommen vermehrten die Neugierde, welche
-aber bald nachher auf eine, diesem sonderbaren Manne nicht sehr
-günstige Art gestillt wurde.
-
-
-Der Markgraf reiste im Jahre 1775, begleitet von dem Verfasser dieser
-Bemerkungen, nach Italien. Zu Neapel erfuhr man, daß der letzte
-Abkömmling des Rakoczyschen Hauses, das sich dort ansässig gemacht
-hatte, schon längstens verstorben und von diesem Namen nichts mehr
-übrig sei[414]. Zu Livorno hörte man bei dem englischen Konsul Sir
-John Dick, daß der Unbekannte kein anderer als der berüchtigte Graf
-Saint-Germain sei, daß er in Italien die Bekanntschaft des Fürsten
-Grégoire Orlow und seines Bruders Alexis gemacht und das Vertrauen
-dieser Herren sich in einem hohen Grade zu erwerben gewußt habe.
-
-Aus einer anderen, nicht minder glaubhaften Quelle brachte man in
-Erfahrung, daß er aus Sankt Germano, einer kleinen Stadt in Savoyen,
-gebürtig sei, woselbst sein Vater, der sich Rotondo genannt,
-Gefälleinnehmer gewesen und bei einem beträchtlichen Vermögen in
-ziemlichem Ansehen gestanden habe. Dieser habe seinem Sohn eine
-sehr gute Erziehung gegeben, sei aber nachher in Verfall geraten
-und wegen übler Verwaltung seines Dienstes entsetzt worden. Um den
-Unannehmlichkeiten zu entgehen, welche das Schicksal des Vaters dem
-Sohne hätte zuziehen können, habe dieser seinen Namen mit dem Namen
-seiner Vaterstadt vertauscht und sich Saint-Germain geschrieben.
-Von dieser Zeit an sei er als Abenteurer in der Welt herumgezogen,
-habe sich zu Paris und London _Saint-Germain_, zu Venedig _Conte de
-Belle mare_[415], zu Pisa _Chevalier Schöning_, zu Mailand _Chevalier
-Welldone_ und zu Genua _Soltikow_ genannt und könne damals ungefähr 75
-Jahre alt gewesen sein.
-
-Natürlich mußten Entdeckungen dieser Art den Markgrafen gegen
-einen Mann aufbringen, der auch ihn mystifizieren wollte, und
-der ihn über seine Herkunft und mehrere andere Dinge auf eine so
-unverschämte Art belogen hatte. Er gab also nach seiner im Jahr
-1776 erfolgten Zurückkunft dem Verfasser dieses den Auftrag, sich
-nach Schwabach zu begeben, den Abenteurer über alle diese von ihm
-erfahrenen Nachrichten zur Rede zu setzen und ihm das Mißfallen
-des Fürsten über den Mißbrauch, den er von seiner Güte gemacht, zu
-erkennen zu geben, zugleich ihm zu bedeuten, daß er sich nicht mehr
-vor ihm sehen zu lassen und die Briefe zurückzugeben habe, die ihm
-der Markgraf von Zeit zu Zeit geschrieben. Im Fall er diese Briefe
-unverweigerlich zurückgeben würde, sollte ihm erlaubt sein, solange
-er wolle und solange er sich ruhig verhalte, zu Schwabach zu bleiben;
-im entgegengesetzten Fall aber sollte er arretiert, seine Papiere ihm
-abgenommen und er über die Grenze gebracht werden.
-
-Bei seiner Ankunft zu Schwabach traf der Verfasser dieses den Grafen
-Saint-Germain zu Bette liegend an; denn trotz seines Pochens auf seine
-Gesundheit und sein hohes Alter hatte er oft Anfälle von Gicht.
-
-Er gestand auf den ihm gemachten Vorhalt, den er sehr gelassen
-anzuhören schien, daß er alle oben bemerkten Namen, bis auf den von
-_Soltikow_, von Zeit zu Zeit angenommen habe; daß er aber allenthalben
-unter diesen Namen als ein Mann von Ehre bekannt sei, und daß, wenn
-ein Verleumder sich etwa erlauben sollte, ihm schlechte Handlungen
-aufzubürden, er bereit sei, sich auf eine genügende Art auszuweisen,
-sobald er wisse, wessen man ihn beschuldige und wer der Ankläger sei,
-der gegen ihn aufzutreten gedenke. Er fürchte keine Verfolgungen als
-diejenigen, welchen ihn sein Name aussetzen könne. Er behauptete
-standhaft, dem Markgrafen keine Unwahrheit in Ansehung seines Namens
-und seiner Familie gesagt zu haben. Die Beweise seiner Herkunft
-befänden sich aber in den Händen einer Person, von der er abhängig sei;
-eine Abhängigkeit, die ihm in dem Laufe seines Lebens die größeste
-Verfolgung zugezogen. Eben diese Verfolgungen und Attentate, wie er
-sich ausdrückte, hätten ihn verhindert, die großen Kenntnisse, die er
-besitze, werktätig zu benutzen. Er habe sich dieserhalben an einen
-Ort zurückgezogen, in dem er unbekannt und unbemerkt leben zu können
-geglaubt. Jetzt sei der Augenblick gekommen, in welchem er das, was er
-versprochen, in das Werk setzen könne und werde, wenn man ihn nicht
-selbst daran hindere.
-
-Auf die Frage: warum er den Markgrafen nicht von den verschiedenen
-Namen _praeveniert_ habe, unter denen er in so manchen Staaten und
-Städten aufgetreten, erwiderte er, daß er dieses nicht für nötig
-gefunden habe, weil er geglaubt, daß man ihn, da er nie etwas von dem
-Markgrafen verlangt, da er niemand beleidigt oder in Schaden gesetzt
-habe, nicht hiernach, sondern nach seinen Handlungen beurteilen
-würde. Niemals sei es ihm beigegangen, das Vertrauen des Markgrafen
-zu mißbrauchen; er habe seinen wahren Namen angegeben; in kurzer
-Zeit würden seine Handlungen keinen Zweifel über seine Denkungsart
-hinterlassen, und dann würde er Proben seiner Herkunft vorlegen können.
-Die ungünstige Meinung, die man dem Markgrafen gegen ihn beigebracht
-habe, falle ihm sehr empfindlich. Er werde aber, falls man das, was
-jetzt vorgehe, heimlich halten wolle, fortfahren, seine Versprechungen
-zu erfüllen und den Markgrafen dadurch zwingen, ihm seine Achtung
-wieder zu schenken; im Gegenteil werde er sich genötigt sehen, das Land
-zu verlassen.
-
-In dem weiteren Verfolg dieser Unterredung äußerte er, daß er die
-erste Bekanntschaft des Grafen Orlow zu Venedig gemacht habe. Das
-Patent, das er von ihm erhalten, und das er bei dieser Gelegenheit
-nochmals vorzeigte, war von dem Grafen zu Pisa ausgefertigt und auf
-den _Chevalier Welldone_ verlautend. Auch erwähnte er hierbei des
-Vertrauens, mit welchem ihn Ludwig XV. beehrt, der ihn in den 1760er
-Jahren zur Einleitung einer Friedensunterhandlung mit England heimlich
-gebraucht. Seine genaue Bekanntschaft mit dem Maréchal von Belle-Isle
-habe ihm aber den Haß des Grafen Choiseul zugezogen, der nach England
-geschrieben und seine Verhaftung von dem Minister Pitt verlangt.
-Der König habe ihn hierauf von dem ihm bevorstehenden Schicksal
-unterrichtet und ihm den Rat gegeben, nicht wieder nach Frankreich zu
-kommen[416].
-
-Diese Anekdote stimmt also mit demjenigen, was Baron Gleichen in seinen
-_Mémoires_ erwähnt[417], vollkommen überein, und noch weit stärker wird
-sie durch dasjenige bestätiget, was Friedrich II. in seinen _Oeuvres
-posthumes, tome IV, page 73_ anführt[418]. (Der König bezeichnet ihn
-hier als einen Menschen, den man nie habe enträtseln können.)
-
-Die Briefe des Markgrafen gab er mit scheinbarer Rührung bis auf einen
-einzigen zurück, den er, wie er sagte, dem Grafen Orlow mitgeteilt habe.
-
-Nach diesem Vorgang blieb er noch einige Zeit ganz still in Schwabach,
-von wo aus er über Dresden, Leipzig und Hamburg sich nach Eckernförde
-im Schleswigschen verfügte und daselbst zu Anfang des Jahres 1780[419]
-an einem Schlagfluß, der ihm gleich die Zunge lähmte, wahrscheinlich
-in einem Alter von etlichen 80 Jahren seine abenteuerliche Laufbahn
-beschloß.
-
-
-Sonderbar ist sie genug, diese Laufbahn. Es bleibt sonderbar, daß ein
-Mann, der sich in seinem ganzen Leben unter so verschiedenen Namen in
-der großen und kleinen Welt herumgetrieben, nie dem Richter oder der
-Polizei in die Hände gefallen. Unstreitig verstand er die Kunst, die
-Neigung der Menschen zum Wunderbaren zu benutzen und zu unterhalten,
-und wie oft mag er Veranlassung gefunden haben, mit Figaro auszurufen:
-„_O, que les gens d’esprit sont bêtes[420]!_“
-
-Daß er große chemische Kenntnisse besessen, davon kann sich der
-Verfasser dieser Beiträge nicht überzeugen. Seine Präparate fielen
-in die Augen, allein es waren lauter Versuche im Kleinen; zu den
-Fertigungen und Zubereitungen von Leder kamen ätzende Sachen, als
-Vitriolspiritus, Vitriolöl u. dgl. Dies beweisen die Muster, die noch
-übrig sind und wovon, wie es der Augenschein gibt, das Papier, in
-das sie gewickelt waren, zerfressen worden. Nie hat er, solange er
-in Schwabach war, irgendeinen Artikel ins Große gefertigt. Die oben
-bemerkten Steine, deren auch Baron Gleichen gedenkt[421], waren zwar
-schön und würden vielleicht, unter echten Schmuck gefaßt, selbst das
-Auge eines Kenners getäuscht haben; aber es waren keine Edelsteine.
-Sie widerstanden der Feile nicht, und ebensowenig hatten sie das
-Gewicht echter Steine. Saint-Germain selbst hat sie nie für Brillanten
-ausgegeben. Der Verfasser besitzt noch einen dieser Steine und ein
-Stück von der Masse, aus der sie vermutlich gefertigt worden. Das
-Similor, das Saint-Germain als eine wichtige Erfindung ausgab, verlor
-in kurzer Zeit seinen Glanz und wurde so schwarz wie das schlechteste
-Messing. Eine Fabrik von diesem Metall, die zu L. errichtet worden,
-fiel nach kurzer Zeit.
-
-Unter den Proben seiner geheimen Künste zeigte er einst ein großes
-Taschenmesser, wovon die Hälfte wie Blei biegsam, die andere aber
-unbiegsam und hartes Eisen war. Er wollte dadurch einen Beweis
-des Geheimnisses geben, das er besitze, das Eisen so biegsam und
-_ductile_[422] wie Blei zu machen, ohne daß es dadurch etwas von seinen
-übrigen Eigenschaften verliere. Diese Erfindung wäre nun freilich von
-bedeutendem Nutzen gewesen, allein man konnte ihn nie bewegen, den
-Versuch im Großen zu machen.
-
-Seine chemischen Kenntnisse waren allem Anschein nach empyrisch. Der
-nun verstorbene Stadtvogt Greiner zu Schwabach, ein Mann von vielen
-Kenntnissen, besonders im technischen Fache, versicherte mehrmals,
-bei seinen Unterhaltungen mit Saint-Germain auch nicht die geringsten
-theoretischen Kenntnisse entdeckt zu haben.
-
-Besonders rühmte der Marquis sich, medizinische Kenntnisse zu
-besitzen und durch diese zu einem hohen Alter gelangt zu sein. Seine
-Vorschriften bestanden besonders in einer strengen Diät[423] und dem
-Gebrauche eines Tees, den er _Thée de Russie oder Acqua benedetta_[424]
-nannte. Von dieser Wunderarznei erhielt der Markgraf die Abschrift des
-Rezepts von dem oben benannten englischen Konsul zu Livorno. Sie wurde
-auf der russischen Flotte im Archipelago gebraucht, um die Gesundheit
-der Equipage[425] unter jenem heißen Himmelsstriche zu erhalten.
-
-Was für _Ressourcen_ Saint-Germain gehabt haben möge, um die nötigen
-Ausgaben seiner Existenz zu bestreiten; dürfte schwer zu erraten sein.
-Verfasser dieses vermutet, er habe des Geheimnis besessen, Diamanten
-von Flecken zu reinigen, die man bisweilen in solchen antrifft und
-wodurch ihr Wert ansehnlich verringert wird. Doch ist dieses eine bloße
-Vermutung.
-
-Lieblos würde es sein, diesen Mann für einen Betrüger zu erklären.
-Hierzu gehören Beweise, und diese hat man nicht. Solange er im
-Verhältnisse mit dem Markgrafen stand, hat er nie etwas begehrt, nie
-etwas von dem mindesten Wert erhalten, nie sich in etwas gemischt, das
-ihn nicht anging. Bei seiner äußerst einfachen Lebensart waren seine
-Bedürfnisse sehr eingeschränkt. Hatte er Geld, so teilte er’s den Armen
-mit. Daß er irgendwo Schulden hinterlassen, ist nicht bekannt; doch
-hat der Verfasser lang nachher erfahren, daß er in den letzten Zeiten
-seines Aufenthalts in Schwabach einen Baron von L. zu Spekulationen
-verleitet, die ihn um manche tausend Gulden ärmer gemacht haben. Da
-aber diese Sache nicht zur Klage kam, so scheint kein Betrug dabei
-untergelaufen zu sein. Unerklärbar bleibt es immer, durch welche Mittel
-dieser Abenteurer, besonders in großen Städten wie Paris und London,
-auf eine anständige Art leben und in der großen Welt den Zutritt bei
-höheren Ständen finden konnte.
-
-Sein in jüngeren Jahren gefertigtes Porträt fand der Markgraf in Paris
-bei Madame d’Urfé oder Rochefoucauld[426]; er brachte eine Kopie davon
-zurück, und diese befindet sich noch zu Triesdorf in den Zimmern, die
-Saint-Germain einst bewohnte.
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN LEIPZIG UND DRESDEN (1776-1777)
-
-
-I
-
-Aus den Tagebüchern des Grafen Lehndorff[427]
-
- 2. Mai 1777.
-
-Ich treibe mich in Leipzig viel auf der Messe herum und besuche den
-Kupferstecher Bause und den Maler Graff[428].
-
-Von da begebe ich mich zu dem merkwürdigsten Mann im heutigen Europa,
-dem Grafen Saint-Germain, der unter diesem Namen seit 50 Jahren
-bekannt ist, gegenwärtig aber den Namen _Welldone_ angenommen hat,
-was im Englischen Wohltäter bedeutet. Von diesem Menschen behauptet
-man, er habe schon zur Zeit Christi gelebt. Er selbst sagt das zwar
-nicht, er gibt aber zu verstehen, daß er schon lange gelebt habe und
-nicht glaube, sterben zu müssen, und daß die Menschen, wenn sie seiner
-Lebensweise folgen würden, zum mindesten ein hohes Alter frei von
-allen Gebrechen erreichen könnten. Es steht fest, daß er selbst eine
-strenge Diät befolgt. Er befleißigt sich großer Mäßigkeit, trinkt nur
-Wasser, niemals jungen Wein und nimmt nur einmal am Tage ein leichtes
-Mahl ein[429]. Seine Unterhaltung ist interessant. Er predigt immer die
-Tugend, die Mäßigung, die Wohltätigkeit und zeigt diese Eigenschaften
-an sich selbst. Man kann ihm nicht die geringste anstößige Handlung
-vorwerfen. Er soll nicht mehr so reich sein, wie es früher den Anschein
-hatte. In Frankreich, in England und in Venedig gab er jährlich 6000
-Dukaten aus, ohne daß man wußte, woher das Geld kam. Hier in Leipzig,
-sagt man, mangele es ihm an Geld, ohne daß er jedoch jemand darum
-angegangen hätte; statt dessen soll er aber eine Menge Diamanten
-besitzen.
-
-Sein Gesichtsausdruck ist außerordentlich geistvoll. Er spricht
-begeisternd und treffend, liebt aber Widerspruch nicht. Er behauptet,
-auf dem Gesicht lesen zu können, ob jemand befähigt sei, ihn zu
-verstehen oder nicht. Im letzteren Fall mag er die Person nicht
-wiedersehen.
-
-Was mich anbetrifft, so habe ich ihm mit großem Vergnügen zugehört. Er
-schien mir viel Freundschaft entgegenzubringen, so daß ich ihn in 3
-Tagen wohl 24 Stunden gesehen und gehört habe. Er ist sehr fesselnd.
-
-Man dichtet ihm übrigens vieles an, was er gar nicht gesagt hat. Einige
-glauben, er sei ein portugiesischer Jude; andere schätzen sein Leben
-auf ein paar Jahrhunderte und nehmen an, er sei irgendein entthronter
-Fürst. Man beschuldigt ihn, daß er die Leute glauben machen wolle, er
-sei der dritte Sohn des Fürsten Rakoczy[430].
-
-Er hält sich für einen großen Physiker. Vor allem ist er Arzt und
-spricht viel von seinem köstlichen Pulver, das man wie Tee trinke. Ich
-ließ mir eine Tasse davon geben. Es schmeckte nach Anis und führte
-etwas ab. Unaufhörlich predigt er vom richtigen Gleichgewicht zwischen
-Leib und Seele. Wenn man das genau beobachte, so könne, meint er, die
-Lebensmaschine niemals in Unordnung geraten.
-
-Seit meiner frühesten Jugend hatte ich von dem Manne immer reden hören,
-und nun bin ich entzückt, ihn hier zu treffen. Vor mehr als 30 Jahren
-schon erzählte man mir, wie er bei der Aufführung der „_Mariamne_“
-in Paris, der er mit mehreren Damen in einer Loge dort beiwohnte,
-sehr gerührt wurde und sagte: „Ich muß es sein; denn ich habe diese
-liebenswürdige Fürstin gut gekannt.“ Man unterbrach ihn mit der kurzen
-Frage: „Sie haben also auch Jesus Christus gekannt?“ -- „Nur zu gut!
-ich war damals ein ganz junger Mensch, als er die Geschichte im Tempel
-hatte, und sagte ihm sogleich: „Lieber Freund, das wird schlecht
-ablaufen!“[431] Mir hat er dergleichen nicht vorgeschwatzt, doch schien
-er mir überzeugt zu sein, daß er nicht eines natürlichen Todes sterben
-werde.
-
-
-II
-
-Aus dem Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Prinz Heinrich, der
-Prinzessin Wilhelmine von Oranien und Alvensleben
-
-
-Alvensleben[432] an König Friedrich
-
- Dresden, 10. März 1777.
-
-Der berüchtigte Saint-Germain, der in verschiedenen Ländern auch unter
-dem Namen eines Marquis von _Belmar_ oder eines Herrn _Castelane_[433]
-aufgetreten ist, befindet sich seit Oktober unter dem Namen eines
-Herrn von _Welldone_ in Leipzig. Was mich zur Erwähnung dieses Mannes
-bestimmt, ist, daß man öffentlich erzählt, er sei von E. M. mehrfach
-mit Briefen beehrt worden. Aus diesem Grunde dürfte der seltsame Mann,
-der für E. M. sonst wenig zu bedeuten hat, Ihre Aufmerksamkeit erregen.
-
-
-König Friedrich an Alvensleben
-
- Potsdam, 15. März 1777.
-
-Versuchen Sie auch zu ermitteln und teilen Sie mir sofort mit, in
-welcher Absicht der von Ihnen erwähnte Saint-Germain nach Leipzig
-gekommen ist. Sie werden es leicht durch Kaufleute erfahren, die
-Beziehungen zu Leipzig haben.
-
-
-König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien[434]
-
- Potsdam, 17. März 1777.
-
-Man droht uns hier mit dem Erscheinen eines berühmten Abenteurers,
-eines gewissen Saint-Germain, der sich in Frankreich und England
-aufgehalten hat und von dem man Wunderdinge erzählt. Ich mag dies Volk
-nicht; es hinterläßt gewöhnlich unangenehme Spuren an der Stätte seines
-Wirkens. Indes, er ist noch nicht angekommen.
-
-
-Alvensleben an König Friedrich
-
- Dresden, 24. März 1777.
-
-Der berüchtigte Saint-Germain ist noch immer unter dem Namen _Welldone_
-in Leipzig. Ich habe viele Tatsachen und Anekdoten über diesen
-seltsamen Mann gesammelt, aber das alles ist augenblicklich noch so
-unzusammenhängend, daß ich es E. M. nicht zu berichten wage, ohne mich
-lächerlich zu machen. Ich werde mir jedoch alle Mühe geben, Näheres
-über ihn zu erfahren, und ich verfolge ihn so genau, daß ich hoffe,
-E. M. Befehle bald erfüllen zu können. Sicher ist, daß er in engen
-Beziehungen zum Grafen Alexis Orlow steht, daß dieser ihm Briefe an
-seinen Bruder, den Fürsten[435], gegeben hat; denn damals beabsichtigte
-er, nach Rußland zu gehen. In diesen Briefen bat Orlow seinen Bruder,
-ihn wie seinen Busenfreund zu behandeln, da er ihn als einen der
-achtbarsten Menschen der Welt erkannt habe.
-
-Bevor er nach Leipzig kam, hat er ein volles Jahr in Nürnberg,
-Schwabach und im Ansbachischen zugebracht[436]. Aus allem, was jetzt
-über ihn geredet wird, geht hervor, daß er ein äußerst geistvoller und
-kenntnisreicher Mann ist, der die Menschen kennt, mit denen er spricht,
-und der seine Reden dem Geist und der Auffassung eines jeden anzupassen
-versteht.
-
-Der Zweck seines Aufenthaltes in Leipzig ist noch unbekannt; denn
-alles, was man sich darüber erzählt, ist mehr als unwahrscheinlich.
-
-
- Dresden, 28. März 1777.
-
-Der berüchtigte Saint-Germain weilt noch immer in Leipzig. Er wird
-sogar noch während der Messe dort bleiben, aber nicht hierher kommen,
-obgleich er mehrfach dazu aufgefordert ist. Er wollte dem Magistrat
-von Leipzig mehrere Projekte vorlegen, man ist aber nicht darauf
-eingegangen. Obgleich es ihm nicht eigentlich schlecht geht, wird ihm
-das Geld gegenwärtig knapp. Und doch: als Graf Marcolini eigens zu
-seinem Besuche nach Leipzig kam und ihm Belohnungen versprach, falls
-er dem Staate durch Mitteilung seiner Geheimmittel einen wesentlichen
-Dienst leistete, hat er ihm geantwortet, man irre sich sehr, wenn man
-dergleichen bei ihm annähme; sein einziges Ziel sei, die Menschheit
-zu beglücken, und gelänge ihm das, so fühle er sich hinreichend
-belohnt[437]. Wie man zugibt, hat er in Leipzig nichts getan, was
-diesen Grundsätzen widerspräche, allerdings auch nichts, was sie
-bestätigte.
-
-
-König Friedrich an Alvensleben
-
- Potsdam, 29. März 1777.
-
-An Saint-Germain nehme ich aus bloßer Neugier Anteil. Nur aus diesem
-Grunde erwarte ich Ihren Bericht über das, was Sie noch von ihm
-erfahren sollten. Angesichts seiner alten Beziehungen zum Grafen Orlow
-wäre es wohl möglich, daß er auf den Einfall kommt, seinen Freund
-während der schönen Jahreszeit in Rußland zu besuchen.
-
-
-König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien
-
- Potsdam, 30. März 1777.
-
-Der Saint-Germain, von dem ich Dir neulich schrieb, ist noch in
-Leipzig. Wie ich höre, will er nach Petersburg. Wäre der alte Narr
-gescheit, er wartete in Florenz ruhig den Tod ab, statt sein altes
-Gerippe am Ufer des Eismeers spazieren zu führen.
-
-
-Alvensleben an König Friedrich
-
- Dresden, 25. Juni 1777.
-
-Da ich erwartete, daß der unter dem Namen Saint-Germain bekannte Graf
-_Welldone_ dies Land verlassen und nicht mehr von sich reden machen
-würde, habe ich ihn in meinen letzten Berichten nicht mehr erwähnt.
-Da er sich jedoch schon über fünf Wochen dauernd hier aufhält und die
-Absicht geäußert hat, nach Berlin zu reisen, habe ich erneut auf ihn
-achtgegeben und mich nach Kräften bemüht, ihn auszuforschen. Das ist
-mir um so lieber, als er mir vor einigen Tagen sagte, er wolle sich
-unmittelbar an E. M. wenden. Vielleicht wird er mir noch heute einen
-Brief für E. M. zusenden, in dem er sich auf Geheimmittel bezieht, die
-nach seiner Behauptung ans Wunderbare grenzen. Sein Plan und E. M.
-Wunsch, Näheres von ihm zu erfahren, entschuldigen mich vielleicht,
-wenn ich allzusehr auf Einzelheiten eingehe, um nach meiner schwachen
-Einsicht ein Charakterbild dieses angeblichen Wundermannes zu entwerfen.
-
-Seine Äußerungen über seine Persönlichkeit, die ich selbst gehört habe,
-sind voller Eitelkeit und Hochmut. Verschiedene Unterhaltungen, die
-ich mit ihm hatte, seine Komplimente, die er urteilslos und wahllos an
-jeden verschwendet, und die lebhaften, ernstlichen Debatten, in die er
-sich leicht einläßt, bestimmen mich zu folgendem Urteil. Er ist ein
-hochbegabter Mann mit sehr regem Geiste, aber völlig urteilslos, und
-seinen eigenartigen Ruf hat er nur durch die niedrigste und gemeinste
-Schmeichelei erlangt, deren ein Mensch fähig ist, sowie durch seine
-hervorragende Redegabe, zumal wenn man sich durch den Eifer und die
-Begeisterung hinreißen läßt, mit der er sich auszudrücken versteht
-und die auf schwache Gemüter stets Eindruck macht. Dazu ist seine
-Redeweise mit allerlei oberflächlichen Kenntnissen und Tatsachen
-verbrämt, die er auf seinen Reisen gesammelt hat. Da sie aber in einem
-so wenig klaren Kopfe wie dem seinen schlecht geordnet sind, wird
-daraus ein dauerndes wirres Gerede, sobald er aus seinem Hohlkopf
-neue Gedanken entwickeln will. Maßlose Eitelkeit ist die Triebfeder,
-die den ganzen Mechanismus in Bewegung setzt, und diese Eitelkeit muß
-volle Befriedigung finden, wenn er von jüdischer Abstammung ist, wie
-die Leute behaupten, die ihn am besten zu kennen glauben. Denn es ist
-sicher erwiesen, daß er lediglich wegen seiner Gauklerkünste Eingang in
-die Häuser der Großen findet und von vielen mit stummer Bewunderung,
-die an Verehrung grenzt, als ein neuer Prophet angesehen wird.
-
-Sein Alter -- er ist nahezu 70 Jahre -- und seine zahlreichen Reisen,
-die er in Europa, an den Küsten Afrikas, in Ägypten und Kleinasien
-gemacht haben will, haben seinen Kopf mit zahlreichen Anekdoten und
-vielen, vielleicht sehr oberflächlichen Handelsprojekten erfüllt.
-Dadurch ist er auch in Gesellschaft anregend und unterhaltend, solange
-er bloß erzählt. Sobald er aber eigene Gedanken entwickeln will, zeigt
-sich seine ganze Schwäche. Denn dann gerät er mit dem gesunden Verstand
-und mit den klar bewiesenen Grundbegriffen in Widerstreit. Aber wehe
-dem, der ihm zu widersprechen wagt! Dann kennt er keine Grenzen mehr,
-speit Feuer und Flamme und redet mit einer Begeisterung, daß man Angst
-bekommen könnte. Ja, dann geht er so weit, Bannflüche gegen jeden
-Zweifler an seinem System zu schleudern, obwohl dies System sich selbst
-widerlegt und in Widersprüche verwickelt. Wenn aber trotzdem jemand den
-Mut hat, ihm die Stirn zu bieten, nicht an seine Lehren zu glauben und
-sie mit Gründen zu bekämpfen, erwählt er das klügere Teil und schweigt
-still.
-
-Wer ihn so reden hört, ist stets geneigt, sich für seinen engsten
-Vertrauten zu halten. Allerdings fühlt man sich etwas gedemütigt,
-wenn man bemerkt, daß die Zahl seiner Vertrauten mit der Zahl seiner
-Bekannten in gleichem Maße wächst. Seine Schmeichelei erschöpft alles,
-was die ausschweifendste Phantasie zu ersinnen vermag. Ich sah Leute
-darüber erröten, die sonst nicht gerade an Bescheidenheit leiden. Um
-E. M. nicht durch Wiederholung all seiner platten Schmeicheleien zu
-ermüden, will ich als einziges Beispiel dafür anführen, daß er mir
-vertraulich versichert hat, ich spräche wie eine Perle des Orients, ein
-Ausdruck, den er besonders betonte.
-
-Er spricht fließend französisch, aber Kenner versichern, daß er dabei
-viele fremdartige Wendungen einfließen läßt. Auch beweisen zahlreiche
-Briefe, die er an hiesige Damen gerichtet hat, daß er die Gabe hat,
-Ausdrücke zu prägen, die der Französischen Akademie gewiß noch
-unbekannt sind.
-
-Er nennt sich Fürst _Rakoczy_, und zum Beweise seines besonderen
-Vertrauens sagte er mir noch, er hätte zwei Brüder[438], die aber so
-niedrig dächten und so wenig hohen Sinn hätten, daß sie sich ihrem
-elenden Lose unterwürfen. Er dagegen habe zu einer gewissen Zeit den
-Namen _Saint-Germain_ angenommen, das bedeute: „der Heilige der Brüder“.
-
-Wie er sagt, hat er fünfzehn Jahre lang einen Franzosen namens Boissy
-in Indien und China auf seine Kosten gehalten, um sich durch ihn alle
-Stoffe und Kenntnisse zu verschaffen, deren er bedurfte.
-
-Er verachtet alle Ärzte, Arzneien und Hausmittel; trotzdem vertreibt er
-ein Pulver, von dem er Wunderdinge erzählt, und er selbst duftet wie
-eine wandelnde Apotheke.
-
-Er hat mir eine Liste seiner Geheimmittel[439] gezeigt, aber ich
-sah sie nur einen Augenblick. Sie umfaßt über zwanzig Punkte, läßt
-sich jedoch, wenn mein Gedächtnis mich nicht täuscht, auf folgende
-zusammenziehen:
-
-1. Färben von Häuten in den kräftigsten Farben.
-
-2. Herstellung aller möglichen Farben, besonders von Weiß, in
-vorzüglicher Art.
-
-3. Veredlung der minderwertigsten Häute, selbst der Schaffelle, so daß
-sie dreißig Jahre lang als Hängeriemen für Kutschwagen zu brauchen sind.
-
-4. Ein Ersatzstoff für Cochenillefarbe.
-
-5. Bleichen der Leinwand in kürzester Zeit und besser als in den
-Niederlanden, doch ohne den Stoff anzugreifen.
-
-6. Veredlung von Seidenstoffen und Färbung mit den schönsten Farben.
-
-7. Herstellung eines Lebenselixiers.
-
-Diese Geheimmittel bestimmt er für die russische Zarin[440], für die
-er eine ganz besondere Zuneigung hegt. Doch sollen sie nach seiner
-Behauptung als Grundlage für den Handelsverkehr zwischen Sachsen und
-Rußland und für ihre gegenseitige politische Verbindung dienen. Beide
-Länder sollen durch diese Erwerbung zu vollkommenem Glück und zum
-Überfluß gelangen, sodaß sie sich gegenseitig nicht mehr entbehren
-und ohne einander nicht glücklich werden können. Gegenwärtig ist er
-jedoch mit Sachsen und mit dem Empfang, den er hier gefunden hat,
-unzufrieden, und so scheint es, als ob die Staaten E. M. an Stelle von
-Sachsen treten sollen, nicht bloß, um ihr Glück zu begründen, sondern
-auch, um das bestehende Bündnis zwischen Preußen und Rußland[441] zur
-Notwendigkeit zu machen und auf ewig zu besiegeln. Ich nehme an, daß
-dies der Hauptinhalt seines Briefes und seines Planes ist, wenigstens
-nach einigen Äußerungen zu schließen, die er mir darüber gemacht hat.
-Er ist sogar fest entschlossen, Sachsen als zu kleinen Schauplatz
-für einen so großen Geist wie den seinen zu verlassen, aber trotzdem
-wird er einige Menschen glücklich machen, die ihm als getreue Apostel
-anhängen. Nach seiner Behauptung hat diese Fülle von Geheimmitteln
-ihm Millionen gekostet, doch soll das Land, das er mit diesen Gaben
-beschenkt, aus ihrem Gebrauch jährlich mindestens 12 Millionen netto
-gewinnen, wobei er hinzufügte: „Das habe ich mir nicht erst seit
-gestern ausgerechnet.“ Und da er über so große Reichtümer verfügt,
-könne kein Herrscher ihn belohnen noch ihm ein Los bereiten, das ihn zu
-reizen vermöge, da er selbst ein Fürst sei.
-
-Ich wagte ihm drei Fragen zu stellen, mit denen ich ihn in die Enge
-zu treiben glaubte, aber er hat sich als geschickter Gaukler aus
-der Klemme gezogen. Zunächst fragte ich ihn, warum er seine Blicke
-gerade auf Rußland gerichtet habe, um es zu beglücken, da er mir doch
-früher gestanden habe, er besäße ein Buch, in das er fünf Herrscher
-und Fürsten eingetragen habe, die er bewundere und denen er besonders
-zugetan sei, nämlich E. M., die Zarin von Rußland, den Kaiser[442],
-den König von Sardinien[443] und den Markgrafen von Baden[444].
-Zweitens, warum er so spät auf seine Weltbeglückungspläne käme, da
-er ja so hochherzige und menschenfreundliche Gesinnungen zur Schau
-trüge. Drittens, ob er sein langes Leben tatsächlich der Wirkung des
-Lebenselixiers verdanke.
-
-Bei jeder dieser Fragen näherte er sich mir mit geheimnisvoller Miene
-und versicherte mir, er müsse mir ein großes Geheimnis enthüllen. Im
-Grunde sagte er mir aber weiter nichts als große Worte und schwatzte
-so unzusammenhängendes Zeug, daß es unmöglich wäre, den Inhalt
-kurz anzugeben noch zu begreifen, wieso ich daraus die erwünschten
-Erklärungen entnehmen sollte. Nur über die letzte Frage konnte ich
-einigen Aufschluß erlangen. Ich hatte nämlich betont, daß, wenn sein
-angebliches Geheimmittel dazu verleiten könnte, an die Berichte
-über sein hohes Alter zu glauben, mich eine Bemerkung von ihm, die
-er kurz vorher gemacht hatte, daran fast irremachen könne. Denn
-als ich an dem besonderen Vergnügen gezweifelt hatte, das er beim
-Lesen von Swifts[445] Werken empfände, wofern er nicht die kleinsten
-Einzelheiten jener Zeit kenne, da habe er mir erwidert, er kenne sie
-aus sehr ausführlichen zeitgenössischen Schilderungen, die er sich
-zu verschaffen gewußt habe. Das wäre doch unnütz gewesen, wenn er zu
-jener Zeit gelebt hätte. Darauf entgegnete er nur: Diese Bemerkung
-widerspräche seinem Geheimmittel nicht; denn es sei sehr möglich, daß
-er damals für zehn bis fünfzehn Jahre zurückgezogen in einem anderen
-Lande gelebt hätte, z. B. in Portugal; somit müsse er sich an die
-Berichte von anderen halten. Zudem wäre es öffentlich bekannt, daß er
-oft für Jahre verschwunden gewesen sei, ohne daß man seinen Wohnsitz
-gekannt hätte.
-
-Aus diesen Antworten ersehen E. M., daß er zwar nicht unumwunden ja
-sagte, aber doch durchblicken ließ, daß er sein Alter auf Jahrhunderte
-berechnet.
-
-Oft sagte er: „Ich halte die Natur in meinen Händen, und wie Gott die
-Welt geschaffen hat, kann auch ich alles, was ich will, aus dem Nichts
-hervorzaubern.“
-
-Eines Tages, als ich mit ihm von dem Posten des
-Generalkontrolleurs[446] sprach, den er, wie man sagte, erhalten
-sollte, versicherte er mir, er hätte diese Stellung nicht ausschlagen
-können, da sie ihm nie angeboten worden sei. Allerdings hätte man im
-Kronrat offen gesagt, zum Generalkontrolleur wäre ein Kopf wie der
-seine nötig. Das träfe auch zu, obgleich er als Fürst weit entfernt
-sei, eine Stellung anzunehmen, die von Gesindel und von Habenichtsen
-bekleidet worden sei.
-
-Außer den schon aufgeführten Geheimmitteln schreibt man ihm im Publikum
-noch die Kunst zu, Kapwein herzustellen und Metalle und Steine zu
-veredeln.
-
-Da ich mich für verpflichtet hielt, den Charakter eines Mannes, der
-sich an E. M. persönlich wenden will, genau zu schildern, und mir dies
-nicht möglich schien, ohne auf Einzelheiten einzugehen, hoffe ich auf
-E. M. gnädige Nachsicht, wenn ich die Grenzen überschritten habe, die
-die kostbare Zeit E. M. mir sonst bei meinen Berichten ziehen muß.
-
-
-Nachschrift I
-
-In diesem Augenblick bringt Graf Welldone mir persönlich die genaue
-Aufstellung der Geheimmittel, über die er mit E. M. selbst zu reden
-wünscht, um sie darauf zum Wohl Ihrer Staaten ans Licht bringen zu
-können. Die beifolgende Aufstellung ist von seiner eigenen Hand. Er
-hat sie mir für E. M. übergeben, nebst einigen auf seine Geheimmittel
-bezüglichen Proben. Er hat keinen Brief geschrieben, wie ich annahm,
-denn er befürchtete, daß die Einzelheiten, auf die er eingehen müßte,
-zu lang wären, und er wollte lieber in einigen Tagen selbst nach
-Potsdam reisen, um E. M. seine Künste zu unterbreiten, obwohl ich ihm
-klarzumachen suchte, daß er besser täte, hier E. M. Antwort abzuwarten.
-
-Das Geheimmittel, über das er keine Auskunft geben will[447], betrifft
-die Veredlung von Edelsteinen. Allein durch diesen Gewerbszweig will er
-stündlich Millionenverdienste herbeiführen. Ich wiederhole lediglich,
-was er gesagt hat.
-
-
-Nachschrift II
-
-Obgleich Graf Welldone mir keinen Brief an E. M. in Aussicht gestellt
-hat, sendet er mir eben das beifolgende Kuvert, das wie ein Brief
-aussieht[448].
-
- Neue Physik in Anwendung auf mehrere Handelsartikel, die ebenso
- wichtig wie neu sind[449]
-
- 1. Verfahren, das allen Sorten von Häuten und Leder eine bisher
- unbekannte Festigkeit, Güte, Schönheit, Haltbarkeit usw. gibt und
- besonders den Schaffellen einen wirklichen, sehr beträchtlichen Wert
- verleiht.
-
- 2. Verfahren zur Veredlung von Wolle, durch das diese weit mehr
- Haltbarkeit, Feinheit, Güte usw. erhält.
-
- 3. Verfahren zur äußersten, vollständigen Bleichung von Leinwand,
- Hanf, Flachs und deren Gespinsten, durchaus besser als in Harlem in
- Holland, ein Verfahren, das die Stoffe nicht wie dort angreift und
- nur kurze Zeit beansprucht.
-
- 4. Verfahren zum Waschen von Seide, durch welche die italienische
- Seide den allerschönsten Seiden der Welt überlegen, glänzender und
- stärker wird.
-
- 5. Verfahren zur Veredlung von Angoraziegenfellen, so daß man aus
- ihnen vorzügliche, glänzende Kamelotts herstellen kann, die nicht
- reißen, wie die früheren, weil das Fell bei diesem Verfahren fast
- seidenweich wird.
-
- 6. Verfahren zur vollständigen Bleichung und größeren Haltbarkeit von
- Leinwand und Baumwollgespinsten.
-
- 7. Verfahren zum Färben von Häuten und Leder in Blau, Grün,
- Schwarz, echtem Purpurrot, echtem Violett und feinem Grau von ganz
- außerordentlicher Schönheit und Güte.
-
- 8. Herstellung von unveränderlichen Malfarben in Gelb, Rot, Blau,
- Grün, Purpur, Violett usw. von vollendeter Schönheit und Güte.
-
- 9. Herstellung von Deckweiß in einer alle Begriffe übersteigender
- Güte. Die Farbe, die man umsonst zu allen Zeiten gesucht hat, bleibt
- stets weiß, verbindet sich mit allen guten Farben, denen man sie
- beimischt, verschönert und erhält sie. Kurz, dies Weiß ist ein wahres
- Wunder.
-
- 10. Herstellung von schwarzem Leder mit sehr reiner und sehr schöner
- Farbe aus Russisch Blau ohne irgendeinen anderen Zusatz. Das ergibt
- ein unnachahmliches schwarzes Leder von hervorragender Schönheit und
- Güte.
-
- 11. Herstellung von Leinwand und Hanfgespinsten in unvergleichlich
- reinem und glänzendem Gelb, das sich mit Seifenwasser waschen läßt
- und in der Luft nicht verschießt, in mehreren Schattierungen.
-
- 12. Herstellung von Baumwolltuchen und Gespinsten von vorzüglichem
- Gelb in mehreren Schattierungen, gut waschbar und in der Luft nicht
- verschießend.
-
- 13. Herstellung von Leinwand in feinem Grau, mit Seifenwasser
- waschbar und nicht verschießend.
-
- 14. Herstellung von Baumwollstoffen und Gespinsten in feinem Grau,
- mit Seifenwasser waschbar und nicht verschießend.
-
- 15. Herstellung von Leinwand, Leinen- und Hanfgespinsten in echtem
- Purpur, echtem Violett, echtem Rot usw., gut waschbar und durchaus
- nicht verschießend, in mehreren Schattierungen.
-
- 16. Herstellung von sehr feinen, sehr schönen, sehr haltbaren und
- ganz neuen Seidengeweben.
-
- 17. Herstellung von bunter Leinwand in ganz neuen und feinen Farben,
- namentlich in Grau und Schattierungen, die weder durch Säuren, noch
- Luft, noch Seifenwasser ausbleichen.
-
- 18. Herstellung von Silbertressen, mindestens ein Drittel billiger
- und viel weißer, glänzender und dauerhafter als die schönsten Lyoner
- Tressen.
-
- 19. Verschiedene Verfahren bei Edelmetallen, d. h. ohne Gold
- und Silber, die von großem Nutzen und großer Ersparnis sind und
- sicherlich das Erstaunen jedes guten Chemikers bilden werden, auch
- die ungeheuren, verderblichen Luxusausgaben verringern.
-
- 20. Herstellung eines ganz neuen Metalls, dessen Eigenschaften höchst
- überraschend sind.
-
- 21. Verschiedene Verfahren bei kostbaren Gegenständen, die völlig
- unmöglich erscheinen und sämtlich auf Verringerung der ungeheuren
- Luxusausgaben hinauslaufen.
-
- 22. Herstellung von Papier, Federn, Elfenbein, Knochen und gefärbtem
- Holz in prachtvollen, feinen und sehr schönen Farben.
-
- 23. Gute und heilsame physikalische Verfahren bei verschiedenen
- Weinen.
-
- 24. Herstellung von Rossoli-Likör aus Fruchtkernen usw. von
- vortrefflicher Qualität und zu sehr billigem Preis.
-
- 25. Herstellung anderer nützlicher Dinge, über die ich schweige.
-
- 26. Vorbeugungsmittel gegen Krankheiten und Unpäßlichkeiten aller Art
- usw.
-
- 27. Richtige Purgiermittel, die dem Körper nur schädliche Stoffe
- entziehen. _Nota bene._
-
- 28. Echte, sichere und wohltuende kosmetische Mittel.
-
- 29. Hochfeines Olivenöl, in 12 Stunden in Deutschland hergestellt.
-
- Was die Landwirtschaft usw. betrifft, bleibt für später vorbehalten.
-
- _L. P. T. C. von Welldone._
-
- Über einen weiteren Punkt kann hier aus mancherlei Gründen nichts
- gesagt werden. Er bleibt vorbehalten usw.
-
- Die Ausführung dieses neuen Handelsplanes kann der Staatskunst
- zu höchstem Nutzen gereichen und eine ganz unlösliche Verbindung
- zwischen gewissen Großmächten herbeiführen.
-
- _von Welldone._
-
-
-[Illustration: Schreiben Saint-Germains an Friedrich den Großen]
-
-Saint-Germain an König Friedrich[450]
-
- Dresden, 25. Juni 1777.
-
-Sire. Von sich selbst anders zu reden als durch Taten, ist durchaus
-unpassend, wenn man das Glück hat, sich an einen so großen König zu
-wenden. Eure Majestät werden mir also die Befehle schicken, mit
-denen Sie mich zu beehren geruhen.
-
-Eurer Majestät
-
- untertänigster und gehorsamster Diener
- Graf _von Welldone_.
-
-
-König Friedrich an Alvensleben
-
- Potsdam, 30. Juni 1777.
-
-Ich halte es nicht für angezeigt, dem Herrn Saint-Germain auf seinen
-Brief unmittelbar zu antworten. Ich ermächtige Sie daher, ihm von mir
-zu sagen, es stände ihm frei, hierher zu kommen, ihn aber zugleich
-darauf aufmerksam zu machen, man sei hier sehr ungläubig und glaubte
-im allgemeinen nur an Dinge, die sich handgreiflich beweisen lassen.
-Somit täte er gut, sich selbst zu fragen, ob er gewillt ist, seine
-Wissenschaft und seine Geheimmittel vorzuführen. Sonst würde er
-hier seine Zeit gewiß verlieren, während er sie anderswo vielleicht
-nützlicher anwenden könnte.
-
-
-König Friedrich an die Prinzessin Wilhelmine von Oranien
-
- (Potsdam) 30. Juni 1777.
-
-Man droht uns mit dem Erscheinen eines Abenteurers namens
-Saint-Germain, der mit Projekten, alchimistischen Rezepten,
-medizinischen Geheimmitteln und Rezepten für den Stein der Weisen durch
-die Welt zieht. Ich bezweifle, daß er hier sein Glück macht.
-
-
-König Friedrich an Prinz Heinrich[451]
-
- (Potsdam) 2. Juli 1777.
-
-Der berüchtigte Abenteurer Saint-Germain kommt hierher, um uns in
-seine Obhut zu nehmen. Er will unser Einkommen um 6 Millionen
-bereichern. Aber ich glaube, kein Mensch möchte sein Gehalt auf diese
-Einnahmequelle angewiesen sehen.
-
-
- (Potsdam) 9. Juli 1777.
-
-Saint-Germain ist noch nicht angelangt. Vielleicht besinnt er sich;
-denn ich habe ihn vor dem hier herrschenden Unglauben warnen lassen.
-Anbei eine Denkschrift über seine Kunstfertigkeiten, die er mir
-gesandt hat[452]. Könnte er Gold machen, so hätte er sich selbst
-damit versorgt, aber diesen alten Köder wagt er nicht auszuwerfen.
-Für uns besteht die einzige Kunst des Goldmachens in der Hebung von
-Landwirtschaft und Handel, aber auch damit kommt man nicht weit;
-denn die Ein- und Ausfuhrstoffe sind durch unsere Erzeugnisse und
-unseren Bedarf bedingt. Somit ist es klar, daß wir es bei den jetzigen
-Verhältnissen nicht so weit bringen werden wie Krösus und Montezuma.
-Man kann sehr glücklich sein, ohne von Gold zu strotzen; Seelenruhe und
-Frohsinn sind mehr wert als alle Schätze Perus.
-
-
-Prinz Heinrich an König Friedrich
-
- Rheinsberg, 15. Juli 1777.
-
-Ich danke Dir, lieber Bruder, für die mir freundlich übersandte
-Denkschrift mit den Wundern, die Saint-Germain zu vollbringen weiß.
-Allerdings verheißt er viel; aber er weiß auch viel, muß umfassende
-Studien getrieben haben und hat stets für einen Wundermann gegolten.
-Daher ist wohl möglich, daß er das Geheimnis besitzt, gewisse Stoffe
-auszunutzen und zu vervollkommnen. Ein Versuch mit zwei bis drei von
-ihm vorgeschlagenen Gegenständen kann keine großen Kosten verursachen
-und würde, wenn er glückt, immerhin einen beträchtlichen Gewinn
-eintragen, zwar nicht die Schätze eines Krösus oder Montezuma, aber man
-kann reich, ja riesig reich sein, ohne sich mit ihnen vergleichen zu
-können. Den Maßstab für den Reichtum bilden die eigenen Bedürfnisse.
-Wer sein Genügen findet, büßt nichts von der Heiterkeit und dem Frieden
-seiner Seele ein, ja, er steigert sie noch, wenn er das Los der
-Unglücklichen und Bedürftigen zu erleichtern versteht.
-
-
-III
-
-Aus den Briefen des Kurfürsten Maximilian III. Joseph von Bayern
-(1727-1777)
-
-
-Kurfürst Maximilian an seine Schwester, die Kurfürstin-Witwe Maria
-Antonia von Sachsen[453]
-
- München, 27. März 1777.
-
-Man sagt, bei Euch hielte sich ein Mensch auf, der 200 Jahre alt ist.
-Schreibe mir doch, was ist wahres daran.
-
-
- München, 10. April 1777.
-
-Wenn dieser Saint-Germain wirklich 200 Jahre zählt, ohne daß er danach
-aussieht, so ist er zweifellos ein Adept.
-
-
-IV
-
-Aus dem Briefwechsel des Prinzen Friedrich August von Braunschweig[454]
-
-
-Dubosc[455] an Prinz Friedrich August
-
- Leipzig, 15. März 1777.
-
-Im Besitz des huldvollen Schreibens Eurer Hoheit[456] hatte ich
-nichts Eiligeres zu tun, als dem angeblichen Grafen Saint-Germain
-den Brief[456] zu senden, mit dessen Übermittlung Eure Hoheit
-mich beauftragt hatten. Ich habe der Sendung eine sehr dringende
-Aufforderung beigefügt, gemäß den Wünschen Eurer Hoheit seine Abreise
-nach Berlin nicht aufzuschieben. Ich hätte ihm das mündlich und nicht
-schriftlich sagen müssen, aber wir haben uns entzweit, weil ich ihm
-gegenüber Mißtrauen für angezeigt hielt.
-
-Nachstehend eine kurze Darstellung unserer flüchtigen Beziehungen. Nach
-einem rätselhaften Aufenthalt von etwa drei Monaten kam der jetzige
-Graf Saint-Germain, der damals unter dem Namen Graf _Welldone_ bekannt
-war und geflissentlich durchblicken ließ, daß dies nur ein Deckname
-für seinen wirklichen Namen Fürst _Rakoczy_ sei, auf den Einfall, sich
-mit mir anzufreunden. Ich gestehe, daß ich aus Mißtrauen über diesen
-Annäherungsversuch nicht so geschmeichelt war, wie ich es hätte
-sein sollen. Wurde er doch von einem Manne von Stand gemacht, der
-angeblich das höchste Wissen besaß und nach seiner Versicherung nur zur
-Bereicherung und Beglückung der Menschheit lebte. Heftig kämpfte in mir
-meine Abneigung mit dem heißen Wunsche, meine Einsicht zu vergrößern
-und zu berichtigen.
-
-Unsere erste Zusammenkunft begann mit Lobeserhebungen über seine
-Talente und gewaltigen Leistungen in der Chemie, über die große Rolle,
-die er in Rußland gespielt hätte, über seine Teilnahme am Krieg im
-Archipel[457] (den er aber gar nicht mitgemacht hat), über seinen Beruf
-der Menschheitsbeglückung, über die Millionen, die er für Wohltaten
-ausgegeben hätte. Schließlich wandte er sich meiner Person zu, rühmte
-meine Kenntnisse, meine Rechtschaffenheit und viele andere Vorzüge.
-Höchst sonderbar! Woher wußte er das wohl? Denn er kannte mich ja
-gar nicht, und ich selbst erkannte mich in diesem Charakterbild
-nicht wieder. Darauf zeigte er mir Seidenstoffe in allen möglichen
-Farben, gewöhnliches Leder, aus dem Maroquin oder feines Leder von
-verschiedener Farbe gemacht, grobes Leinen, das in spanische Leinwand
-umgearbeitet war. Er sprach von seinem Geheimverfahren zur Verbesserung
-von Edelsteinen und von anderen unwichtigeren Geheimmitteln.
-
-Als ich ihn verließ, war ich überrascht von seiner Zungenfertigkeit und
-Überredungskunst, aber keineswegs überzeugt. Wir sahen uns noch mehrere
-Male; jede Sitzung dauerte sieben Stunden. Ich hatte Zeit genug, um
-meine Zweifel zu bestärken; ich überzeugte mich, daß er keineswegs ein
-Adept war. Ich sah in ihm nur einen geistvollen Mann, der viel gelesen,
-gesehen und versucht hat, einen Mann, der ein paar Geheimmittel und
-verschiedene chemische Kenntnisse besaß, ohne deswegen ein methodischer
-Forscher geworden zu sein, kurz einen Mann ohne festes System. Ich
-erkannte, daß er nichts weniger als Theosoph war, daß er weit entfernt
-war, das unendliche All in der Gesamtheit der einzelnen Teile zu sehen
-oder einen rechten Begriff von der schöpferischen Ursache aus der
-Analyse der Schöpfung zu gewinnen.
-
-Es schien mir, daß ein Mann, der nur auf der Welt ist, um sie zu
-beglücken und Schätze auszuteilen, nicht in die Lage kommen kann noch
-darf, daß es ihm an allem fehlt und daß er keinen Groschen hat. Ich
-gebe zu, daß ein Adept in der bescheidensten Weise auftreten kann, aber
-er ist nie in dringender Notlage; er prahlt nie mit seiner Einsicht
-noch seiner Herkunft. Er ist, was er sein soll: schlicht, offen und
-ehrlich.
-
-Mein Roman endete schließlich, wie ich es voraussah. Er borgte mich in
-Erwartung seiner Reichtümer an, ich hielt es aber nicht für angezeigt,
-ihm etwas zu leihen. Damit endeten unsere Beziehungen.
-
-Ich stellte bei ihm mehrere Widersprüche fest und noch mehr Lügen.
-Jemand verlangte von ihm 4000 Gulden zurück, die er in Schwabach oder
-Umgegend aus der Zeit seines dortigen Aufenthaltes noch schuldig ist.
-Er machte ihm weis, daß er sie aus dem Erlös eines Wechselbriefes von
-4000 Rubeln bezahlen würde, den er mir zum Verkauf übergeben hätte.
-Diese Lüge hat er sich in der Zeit geleistet, wo er mich beschwor, ihm
-durch ein Darlehen aus der Verlegenheit zu helfen.
-
-Kann ein Weiser lügen? Gegenwärtig soll es mit seinen Finanzen besser
-stehen; er hat einen Leichtgläubigeren gefunden, mit dem er beim
-Goldmachen ist.
-
-Ich hoffe, Eure Hoheit werden diese vielen Worte entschuldigen, aber
-ich glaubte, Ihnen meine Ansicht über diesen Sonderling nicht verhehlen
-zu sollen.
-
-+Nachschrift.+ Soeben übersendet mir Saint-Germain den beifolgenden
-Brief für Eure Hoheit[458].
-
-
-Bischoffwerder[459] an Prinz Friedrich August
-
- Elsterwerda, 25. März 1777.
-
-Ich gestehe, daß ich zu wenig aufgeklärt bin, um ein Urteil über
-einen Mann wie Herrn von Saint-Germain zu haben. Aber ich will Ihnen
-gehorchen und Ihnen frei meine Gedanken über den Brief des Bruders
-Dubosc[460] und den des Grafen Welldone[458] aussprechen.
-
-Obwohl man von jenem sagen kann: _Ecce vere Israelita, in quo dolus
-non est_[461], glaube ich doch (aus Erfahrung), daß er in seinem
-Urteil über sehr achtbare Personen recht vorschnell ist. Der Vorwurf
-einer Lüge bedarf stichhaltiger Beweise; zudem muß er wissen, daß die
-größten Kenntnisse mit Armut sehr wohl vereinbar, ja bisweilen (durch
-das Gesetz) von ihr nicht zu trennen sind. Man kann ungeheure Schätze
-austeilen und doch davor zurückscheuen, eine sehr mäßige Summe aus
-Laune auszugeben. Der Bruder Dubosc muß aus den Berichten aller, die
-Herrn von Saint-Germain seit lange kennen, doch wohl wissen, daß er
-oft in die Lage gekommen ist, sich Geld zu borgen, aber daß er es
-durch Anweisung beträchtlicher Summen stets ehrlich zurückgezahlt
-hat. Kurz, es macht den Eindruck, als ob der Bruder Dubosc durch das
-Darlehnsgesuch des Grafen von Welldone verblüfft worden ist und in
-diesem Augenblick alles in falschem Licht gesehen hat.
-
-Andrerseits ist der Brief des Grafen Welldone nicht anders, als man
-von einem Kenner des =T=[462] erwarten kann. Ich sehe daher nicht die
-mindeste Gefahr darin, daß Sie seine Bekanntschaft machen, zumal wenn
-Sie, wie ich überzeugt bin, nichts verlangen, was mit der Moral und mit
-dem Berufe[463], zu dem er sich in seinem Briefe bekennt, nicht völlig
-im Einklang steht, und wenn Sie die Anknüpfung besonderer Beziehungen
-bis zu dem Zeitpunkt hinausschieben werden, den er Ihnen angibt und den
-die Guten zum Ruhm Gottes herbeiwünschen.
-
-
-Frölich[464] an Prinz Friedrich August
-
- Görlitz, 28. März 1777.
-
-Von Saint-Germain werden Ihro Durchlaucht in der Maurerei keine
-Aufschlüsse bekommen. Dieser Mann ist in Leipzig eine geraume Zeit
-unter dem Namen _Sieur Welldone_ gewesen. Ich habe bei Dubosc mit
-ihm gegessen. Ich kenne ihn sehr speziell. Dieser _Sieur Welldone_
-ist kein Maurer; er ist auch kein Magus, auch kein Theosoph. Seine
-Rolle wird in Leipzig traurig ablaufen, wenn er nicht einen gutherzigen
-Freund kürzlich gefunden, der ihm Geld vorschießt. Ich melde solches
-Ihrer Durchlaucht als Maurer, damit (er), wenn er nach Berlin kommt,
-sich nicht auf eben diese Weise zu _remboursieren_ sucht.
-
-
-Dubosc an Prinz Friedrich August
-
- Leipzig, 2. April 1777.
-
-Da Eure Hoheit anscheinend Interesse an dem angeblichen Grafen
-Saint-Germain nehmen und ihn sogar mit der Einladung nach Berlin beehrt
-haben, halte ich mich für verpflichtet, Eurer Hoheit zu berichten,
-was nach und nach über die Vorgeschichte dieses rätselhaften Mannes
-zutage kommt. Wie man sagt, ist er in Frankreich geboren, von niederer
-Herkunft und soll ein Handwerk gelernt haben. Folgendes weiß ich
-aber positiv von einem meiner Freunde, einem verdienstvollen Mann,
-einem Schweizer Offizier, Namens Hotz, der als Oberstleutnant in
-der Garde des russischen Großfürsten steht[465] und zur Zeit in
-Familienangelegenheiten hier weilt. Wie er mir versichert, hat er
-unseren Saint-Germain unterwegs in Rußland getroffen, wie er traurig zu
-Fuß des Weges zog. Wegen eines Fußschadens schleppte er sich nur mühsam
-weiter. Voll Mitleid ließ ihn der Offizier in seinen Wagen steigen.
-Er muß in Moskau oder Umgegend ein Fabrikunternehmen gehabt haben,
-das aber nicht gehen wollte. Er hatte das Glück, den Grafen Orlow[466]
-kennen zu lernen, mit dem er eine Weile chemische Versuche anstellte,
-aber schließlich hatte der Graf diese fruchtlose und kostspielige
-Arbeit satt und entließ ihn. Von den Wohltaten dieses Herrn hat er
-lange Zeit sein Leben gefristet. Seitdem hat er sich in mehreren
-Gegenden Deutschlands herumgetrieben, wie die Schulden beweisen, die er
-namentlich in der Gegend von Schwabach gemacht hat. Hier ging sogar ein
-von ihm ausgestellter und nicht bezahlter Wechselbrief eines Ansbacher
-Juden in Höhe von 20000 Gulden ein.
-
-Gegenwärtig erfahre ich, daß er den Brief Eurer Hoheit[467] überall
-herumzeigt und zum Lesen gibt. Er erzählt jedermann, man bestürme ihn
-allerorten, zu kommen und der Welt seine erhabenen Kenntnisse nicht
-vorzuenthalten. So spielt er einen gegen den anderen aus. Verzeihen
-Eure Hoheit, daß ich solche Geschichten berichte. Aber sie tragen dazu
-bei, den Betrüger zu entlarven. Ich wollte schließen, vergaß aber
-noch eine bezeichnende Anekdote. Gestern war ich in einem Hause, in
-dem ein Ring gezeigt wurde, den er einem seiner hiesigen Beschützer
-geschenkt hat. Es war ein ziemlich großer gelber Stein, der Feuer
-besaß. Als er ihn verschenkte, betonte er, daß es ein gelber Diamant
-sei, und schätzte ihn auf mindestens 1000 Taler. Ein anwesender
-Juwelier und großer Kenner prüfte den Ring und sagte: „Ei gewiß, dieser
-Stein kann wohl acht Groschen wert sein.“ Das scheint mir ein recht
-charakteristischer Zug für ihn.
-
-
-Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
-
- 5. April 1777.
-
-Alles, was ich bezüglich des Grafen Welldone hinzufügen kann, ist,
-daß er nicht P[rior] Cler[icorum] ist, und daß ich Ihnen trotz der
-Beweise seines Wissens nicht anraten möchte, ihm Briefe zu schreiben,
-die nicht öffentlich gezeigt werden können. Eine kurze Unterredung mit
-den Maurern, die ich in Leipzig antreffen werde, soll dies Geheimnis
-lichten.
-
-
-Dubosc an Prinz Friedrich August
-
- Leipzig, 12. April 1777.
-
-Auf Befehl Eurer Hoheit will ich mit dem angeblichen Saint-Germain
-sprechen. Hoffentlich macht meine Vorhaltung mehr Eindruck, als ich
-erwarte. Der Mann weiß sich nicht besser ins Licht zu setzen, als
-dadurch, daß er mit geheimnisvoller Miene Briefe vorzeigt, deren Inhalt
-einen hohen Begriff von ihm geben kann. Derart gelingt es ihm, für
-einen Wundermann zu gelten.
-
-Hat man recht viele Anekdoten aus seinem Leben gehört und vergleicht
-man sie miteinander, so kommt man allmählich hinter seine Schliche. Ich
-möchte jetzt wetten, daß er jüdischer Abstammung ist. Er ist eine Weile
-in einer Kattunfabrik in Moskau gewesen, weil er Farben herstellt,
-worin er nach seiner Behauptung große Kenntnisse besitzt. Da er sich
-dort nicht zu halten vermochte, scheint das Gegenteil bewiesen. Hält
-man diesen Umstand mit der Zeit seiner Reise nach Rußland zusammen,
-so ergibt sich, daß es derselbe Fremde ist, mit dem einer meiner
-Freunde[468], ein höchst kenntnisreicher Mann, die Reise nach Moskau
-teilweise gemacht hat. Das stimmt sowohl mit der Zeit, wie mit den
-Talenten, deren er sich rühmte, und der Schilderung, die mein Freund
-von ihm gemacht hat. Hier erzählt er immerfort, er sei am russischen
-Hofe wohlbekannt und sehr beliebt und habe dort eine große Rolle
-gespielt. Das alles beweist zum mindesten, daß er stark aufschneidet.
-
-Gestern unterhielt ich mich sehr lange mit einem meiner Freunde, einem
-großen Steinschneider, der auf alles, was darauf Bezug hat, sehr
-erpicht ist. Er kennt unseren Sonderling gut, weiß über ihn Bescheid
-und hat sich nach seinem Geheimverfahren zur Herstellung wie zur
-Verbesserung von Edelsteinen erkundigt. Wie er mir beteuerte, kann
-Saint-Germain keine Edelsteine herstellen noch fehlerhafte Diamanten
-verbessern und vervollkommnen. Das Verfahren, dessen er sich rühmt,
-kann sich höchstens auf Topase oder Halbedelsteine beziehen; er hat
-einen Versuch mit braunen Topasen gemacht, und zwar mit Erfolg; sie
-sind ganz weiß geworden. Mein Freund hat den Versuch mit Diamanten
-mehrfach wiederholt, aber vergeblich; das Mittel blieb völlig
-wirkungslos.
-
-Die einzigen Steine, die Saint-Germain besitzt und die er sehr hoch
-veranschlagt, stammen aus einem Bergwerk, das er in Rußland entdeckt
-hat und das er nach seiner Behauptung ausbeuten darf. Er macht
-erstaunlichen Lärm darüber und möchte den Leuten weismachen, daß sich
-daraus ein sehr ertragreicher Handelszweig machen ließe. Man hat
-ihm jedoch bewiesen, daß dazu keine Aussicht ist; denn diese Steine
-bestehen aus einer Kristallart, die zwar sehr hart ist, aber weit unter
-den Topasen steht, da sie weder deren Schönheit noch Glanz haben. Sie
-sind wie die Kieselsteine, die man bei uns und anderswo findet.
-
-Es ist sehr wohl möglich, daß Herr von Sagramoso[469] ihn in Florenz,
-Pisa und Venedig gesehen hat, denn er hat sich tatsächlich in Italien
-herumgetrieben. Aber bei aller schuldigen Hochachtung vor der Einsicht
-des Herrn von Sagramoso kann ich nicht so günstig von ihm denken wie
-dieser. Sonst müßte er sich seither gewaltig verändert haben. Aber
-warum soll ein Mensch sich zum Schlechteren verändern? Auf diese Weise
-behauptet man weder seinen Ruf noch erwirbt man Anhänger. Ich bleibe
-also bei meiner Ansicht: Er ist einschmeichelnd, geschmeidig, er redet
-allen nach dem Munde, aber wehe dem, der auf ihn hereinfällt! Graf
-Orlow kann ein Lied davon singen[470]. Ob Saint-Germain schon einmal in
-Dresden war, bezweifle ich; niemand hat ihn dort gesehen. Er redet von
-so vielen Städten, aber von Dresden sagt er kein Wort. Auch hier muß
-ich mich über Herrn von Sagramoso wundern.
-
-Saint-Germain ist noch hier; er hat sich nicht gerührt. Graf Marcolini,
-der eigens hergekommen ist, um mit ihm zu sprechen und ihn nach Dresden
-mitzunehmen[471], falls er mit ihm zufrieden wäre, ist schleunigst
-wieder abgereist und hat ihn hier gelassen. Das beweist nicht gerade,
-daß er befriedigt war. Trotzdem muß Herr von Sagramoso, der den Grafen
-Marcolini begleitete, von Saint-Germain eine hohe Meinung gehabt haben.
-Dieser lebt hier weiter im Dunkeln und macht einige Bekanntschaften,
-aber es dauert nie lange; man überwirft sich sehr bald mit ihm.
-
-
-Herzog Karl von Kurland[472] an Prinz Friedrich August
-
- Dresden, 22. April 1777.
-
-Bruder B[ischoffwerder] ist diese Nacht nach Leipzig abgereist, wo er
-rechnet, die Bekanntschaft des seltsamen Mannes zu machen, der sich
-seit einigen Monaten in Leipzig aufhält und über dessen Kenntnisse wir
-noch im unklaren sind.
-
-
-Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
-
- Dresden, 2. Mai 1777.
-
-Eure Hoheit werden durch den Bruder Decker die Gründe erfahren haben,
-aus denen Graf _Welldone_ Ihren Brief gezeigt hat[473].
-
-
-Frölich an Prinz Friedrich August
-
- Görlitz, 7. Mai 1777.
-
-Saint-Germain befindet sich noch in Leipzig, und man ist immer weniger
-attent auf ihn, da alle Hoffnung wegfällt, daß er nur im geringsten in
-der Maurerei Kenntnis hat.
-
-
-Saint-Germain an Prinz Friedrich August[474]
-
- Leipzig, 8. Mai 1777.
-
-Eure Hoheit wollen gestatten, daß ich Ihnen mein Herz öffne. Es blutet,
-seit der Herr Rat Dubosc mir in einer für mich peinlichen Form die
-Befehle zukommen ließ, mit denen Sie ihn seiner Angabe zufolge beehrt
-haben. Sie galten aber sicherlich nicht mir. Herr Baron von Wurmb[475]
-und Herr Baron von Bischoffwerder werden stets für mich rühmliches
-Zeugnis ablegen, daß mein Schritt voller Berechtigung und Redlichkeit
-war, daß meine Ehrerbietung und meine eifrige und treue Hingabe, die
-ich für alle Zeit Eurer Hoheit gelobt habe, ihn mir unumgänglich
-geboten, obwohl ich zunächst voll Zartgefühl meinen Beweggrund
-verschweigen wollte. Nach Möglichkeit will ich hier die Abwicklung
-meiner ebenso wichtigen wie unerläßlichen Geschäfte beschleunigen, um
-alsbald die unaussprechliche Freude zu haben, Ihnen meine Aufwartung
-zu machen. Unvergleichlicher Fürst, wenn ich erst die Ehre habe, Ihnen
-genau bekannt zu sein, verspreche ich mir von Ihrer Gerechtigkeit
-und Ihrem Scharfblick zuversichtlich alles, was mir zukommt und was
-mir, da von Ihnen kommend, lieb und wert sein wird. Ich bin aus
-Pflicht, Neigung und ehrerbietiger, treuer Hingebung Eurer Hoheit
-ehrerbietigster und gehorsamster Diener
-
- Graf _Welldone_.
-
-[Illustration: Schreiben Saint-Germains an Prinz Friedrich August von
-Braunschweig]
-
-Minister von Wurmb[476] an Prinz Friedrich August
-
- Dresden, 19. Mai 1777.
-
-Ich habe meinen vierzehntägigen Aufenthalt in Leipzig benutzt, um dem
-berühmten Saint-Germain, der sich jetzt Graf _Welldone_ nennt, den Puls
-zu fühlen. Auf meine Bitte ist er sogar auf einige Zeit hergekommen.
-Da er, wie ich weiß, es einigen nachträgt, daß sie ihn durchaus zum
-Wundermann machen wollten, habe ich das Gegenteil getan und ihn als
-gewöhnlichen Menschen behandelt, dessen chemische und physikalische
-Kenntnisse meine Neugier erregt haben.
-
-Ich fand einen Mann von 60 bis 70 Jahren, sehr lebhaft für sein
-Alter. Er spottet über die, welche ihm ein außerordentliches Alter
-zuschreiben. Er macht zwar keineswegs den Eindruck eines Neugeborenen,
-hat aber bei seiner geregelten Lebensweise und den guten Medizinen, die
-er angeblich besitzt, starken Anspruch darauf, noch lange zu leben.
-Trotz alledem sieht er äußerlich nicht so aus, als ob er es noch lange
-triebe. Man kann nicht leugnen, daß er schöne Kenntnisse besitzt. Ich
-werde mit ihm an einigen Artikeln der Färberei und der Verarbeitung von
-Wolle und Leinen arbeiten, um zu sehen, ob sich für unsere Manufakturen
-etwas herausschlagen läßt. Was mir mißfällt, ist, daß er oft von
-Millionen spricht, während er weit entfernt ist, darüber zu verfügen,
-und anscheinend nicht einmal Gold zu machen versteht.
-
-Nachdem ich sein Vertrauen gewonnen hatte, brachte ich das Gespräch
-auf die Freimaurerei. Ohne Eifer noch selbst besondere Aufmerksamkeit
-für die Sache gestand er mir, er sei im vierten Grade, entsänne sich
-aber der Zeichen nicht mehr. Daher konnte ich nicht näher mit ihm
-darauf eingehen; denn er bewies durch nichts irgendwelche Kenntnisse
-des Systems der strikten Observanz. Schließlich bekundete er selbst
-Neugier über die Angelegenheit Schrepfers[477], und als ich ihm so viel
-davon sagte, als ich sagen konnte, tischte er mir eine Geschichte auf,
-die ihm in Paris begegnet war. Dort hatten eine Gesellschaft von etwa
-200 Personen, an deren Spitze der blöde Herzog von Bouillon stand, und
-ein paar Damen, die für das System des Grafen Gabalis[478] schwärmten,
-seine Bekanntschaft zu machen gesucht, weil sie ihn für einen Oberen
-hielten. Aus alledem glaube ich zu schließen, daß er entweder sich
-sehr verstellt oder keiner der Unsrigen ist. Letzteres halte ich für
-wahrscheinlicher, zumal er in Dingen der Religion und der Philosophie
-ein nackter Materialist ist.
-
-
-Bischoffwerder an Prinz Friedrich August
-
- Elsterwerda, 9. Juli 1777.
-
-Graf _Welldone_ ist tatsächlich keiner der Unsrigen. Aber wenn er
-wirkliche Geheimnisse besitzt, so bin ich im Besitz des wichtigsten.
-Obgleich es gegen alle Regeln der Wahrscheinlichkeit ist:
-
-1. daß die Sache überhaupt möglich ist,
-
-2. daß ich zum Träger eines so reichen Arkanums bestimmt bin,
-
-3. daß ich es als Novize empfangen habe, will ich doch mein Urteil von
-heute ab auf 14 Tage hinausschieben, wo kein Zweifel über die Sache
-mehr möglich sein wird. Nur Ihnen vertraue ich es an und werde ich
-sagen, was daran ist. Wäre es wohl eine Prüfung neuer Art? Denn es
-scheint mir bedenklich, daß ein so kostbares Arkanum mir durch die Hand
-eines Laien, eines Atheisten, angeboten wird.
-
-
- Elsterwerda, 16. September 1777.
-
-Die Versuche, die ich mit den mir von Saint-Germain mitgeteilten
-Geheimverfahren angestellt habe, sind von erstaunlicher Wirkung. Stets
-unter der mindesten Bedingung meines Ehrenwortes, zu schweigen; ich
-begreife bis heute nicht, warum ich ihr Träger geworden bin.
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN BERLIN[479]
-
-
-I
-
-Aus den „Erinnerungen“ Thiébaults[480]
-
-Ein ungewöhnlicher Mann, in der Welt als Graf Saint-Germain bekannt,
-kam nach Berlin und blieb dort über ein Jahr. Der Abbé Pernety[481]
-besuchte ihn als Adept sofort und erzählte uns Wunderdinge von ihm.
-
-Der Graf war ein Greis, dessen Alter und Heimat unbekannt war. Er war
-indes noch sehr rüstig, obgleich etwas beleibt. Wie man sagte, besaß
-er das Geheimnis, Gold zu machen, ja sogar Diamanten. Er lebte -- was
-weit wichtiger ist -- seit ich weiß nicht wieviel hundert Jahren. Er
-war der ewige Jude, etwas ganz Wunderbares, zumal er alle europäischen
-Sprachen beherrschte. Saint-Germain nahm ein paar Zimmer in einem der
-ersten Gasthöfe Berlins. Er lebte dort sehr zurückgezogen, hatte zwei
-Diener und einen Mietswagen, der den ganzen Tag vor der Tür stand. Er
-bezahlte ihn gut, benutzte ihn aber nie.
-
-Der alte Freiherr von Knyphausen[482] besuchte ihn sogleich als alten
-Bekannten und lud ihn dringend ein, bei ihm zu speisen. „Gern,“ sagte
-Saint-Germain, „aber nur, wenn Sie mir Ihren Wagen schicken. Ich kann
-keine Mietswagen brauchen; sie hängen zu schlecht in den Riemen.“
-Bemerkenswert ist, daß der Unbekannte den Freiherrn immer nur „mein
-Sohn“ anredete.
-
-Die Prinzessin Amalie[483] wollte ihn sehen, und er stellte sich
-pünktlich ein. Sie fragte ihn, aus welchem Lande er sei.
-
-„Ich bin aus einem Lande,“ entgegnete er, „das nie Ausländer zu
-Herrschern gehabt hat.“
-
-In dieser geschickten, rätselhaften Art beantwortete er alle Fragen
-Ihrer Königlichen Hoheit, die zuletzt ganz sprachlos war und ihn
-verabschiedete, ohne etwas von ihm erfahren zu haben.
-
-Auch Frau du Troussel[484] wollte ihn sehen. Der Abbé Pernety spielte
-den Vermittler bei dieser Staatsaktion, und eines Abends kam der Graf
-zu ihr und speiste bei ihr. Man brachte das Gespräch auf den Stein der
-Weisen. Er bemerkte jedoch nur, die, welche sich damit beschäftigten,
-begingen zumeist eine wunderliche Torheit, indem sie nur das Feuer als
-Hauptelement in Anwendung brächten. Sie bedächten aber nicht, daß das
-Feuer auflöst und zerteilt und daß es somit widersinnig sei, mit Feuer
-zu arbeiten, wo es sich um eine neue Zusammensetzung handle. Hierüber
-redete er lang und breit und ging dann zu alltäglicheren Dingen über.
-
-Er hatte feine, durchgeistigte Züge; man sah ihm den Mann aus guter
-Familie und von guter Erziehung an. Er soll der Lehrmeister des
-berüchtigten Cagliostro gewesen sein[485], der bekanntlich in Paris
-den Kardinal von Rohan[486] und so viele andere zum besten gehabt hat.
-Aber der Schüler konnte sich in keiner Weise mit dem Lehrer messen. Hat
-sich dieser doch bis zu seinem Tode ohne irgendein peinliches Abenteuer
-behauptet, wogegen der dreistere Cagliostro oft alles aufs Spiel
-gesetzt und seine Laufbahn in den Kerkern der römischen Inquisition
-beschlossen hat, ein trauriges, aber viel zu mildes Schicksal.
-
-Die Geschichte des Grafen Saint-Germain zeigt einen klügeren
-und vorsichtigeren Abenteurer und nichts, was gegen die Ehre im
-eigentlichen Sinne verstößt. Nichts ist unredlich, alles wunderbar,
-nirgends Niedertracht und Ärgernis. Wenn es wahr ist, daß er Damen, die
-bei dem Trauerspiel „Mariamne“ weinten, gesagt hat: „Wie wäre es erst,
-meine Damen, hätten Sie sie wie ich gekannt, hätten Sie gesehen, wie
-liebenswürdig, reizvoll und schön sie war[487]!“ -- wenn es wahr ist,
-daß er vom Leiden Jesu Christi gesagt hat: „Es war seine eigene Schuld;
-ich hatte es ihm vorhergesagt, daß er ein schlimmes Ende nehmen
-würde, wenn er seine Ziele nicht änderte“, -- so sind das lächerliche
-Redensarten, aber im Sinne der Gesellschaftsordnung keine Verbrechen.
-
-Als jener seltsame Mann in Berlin weilte, wagte ich eines Tages, mit
-dem französischen Gesandten, Herrn von Pons Saint-Maurice[488], über
-ihn zu reden. Insbesondere drückte ich mein Erstaunen über seine
-besonderen, nahen Beziehungen zu hochstehenden Personen aus, z. B. zum
-Kardinal de Bernis[489], von dem er vertrauliche Briefe aus der Zeit
-haben sollte, wo dieser Minister des Auswärtigen war. Der Gesandte ließ
-sich darüber nicht aus, brachte dann aber Mutmaßungen vor, die recht
-wahrscheinlich klangen.
-
-„Ich nehme an,“ sagte er zu mir, „daß ein wirklich eigenartiger Mensch
-den Entschluß faßt, sich ein außerordentliches Schicksal zu zimmern
-und in der Welt eine Rolle zu spielen, die Erstaunen und allgemeines
-Aufsehen erregt. Ich nehme an, daß dieser Mann, einzig von dieser
-Vorstellung beherrscht und sich ihr ganz widmend, Geist besitzt,
-Kenntnisse erwirbt, auf alle Umstände ein scharfes Augenmerk hat und
-noch mehr Beharrlichkeit in der Ausführung seines Planes zeigt. Ich
-nehme besonders an, daß er seine Absichten in den Schleier tiefster
-Verschwiegenheit zu hüllen versteht und daß es ihm im Bedarfsfalle nie
-an Geistesgegenwart und Geschmeidigkeit fehlt. Ich nehme schließlich
-an, daß er ein beträchtliches Vermögen geerbt oder erworben hat,
-etwa 20000 Franken festes Einkommen. Wie wird ein solcher Mann sich
-nun benehmen? Er wird weder von seinem Alter noch von seiner Heimat,
-Familie und Person offen sprechen; er wird sich in den tiefsten
-Schleier des Geheimnisses hüllen, seine Einkünfte für ein paar Jahre
-zurücklegen und dadurch ein Kapital erübrigen, das er sicheren und
-bekannten Bankhäusern anvertraut. Wenn er nach Berlin kommt, wird er
-seine Gelder z. B. in Leipzig haben. Ein Berliner Bankhaus wird den
-Auftrag erhalten, ihm 20000 Franken oder mehr auszuzahlen. Er wird
-sie abheben und sie an ein Bankhaus in Hamburg senden, das sie ihm
-dann zurückschickt. Das gleiche Spiel wird er mit einigen Frankfurter
-Bankhäusern und in anderen Städten spielen; aber es wird stets das
-gleiche Kapital sein, bei dem er nur einige Prozente verliert, und er
-wird seinen Zweck erreichen; denn man erfährt, daß er allwöchentlich
-beträchtliche Summen von überall erhält, und wird nicht erfahren, was
-er damit macht, zumal wenn er wenig ausgibt und sich auf keinerlei
-Geschäfte einläßt. Alle anderen Wunderdinge, die man von solchen
-rätselhaften Unbekannten erzählt, lassen sich ebenso leicht natürlich
-erklären, wie die Gelder, die der Graf Saint-Germain so häufig erhält,
-obwohl er so wenig ausgibt.“
-
-
-II
-
-Aus Zimmermanns „Fragmenten über Friedrich den Großen“[490]
-
-Madame du Troussel[491] hatte Zufälle, die man in Berlin für unheilbar
-hielt; deswegen begab sie sich in die Kur des berühmten Grafen von
-Saint-Germain. Dieser heilte sie aus dem Grunde, und sie zeigte
-jedermann einen Stein von der Größe eines Hühnereies, der ihr von
-Saint-Germain abgetrieben sei. Dennoch war das Berlinische Publikum
-argwöhnisch genug, zu glauben, was auch höchstwahrscheinlich ist:
-Saint-Germain habe sie bloß von einem Nachlasse ihrer Liebe für den
-schändlichen Bischof von Breslau[492] geheilt. Zwei Jahre nachher starb
-diese nicht unberühmte Berlinische Dame an einem hitzigen Fieber.
-
-
-III
-
-Graf Saint-Germain[493]
-
-Dieser vor zwei Jahren im Dänisch-Holsteinischen verstorbene Abenteurer
-war ein würdiges Gegenstück des verstorbenen Grafen Cagliostro[494].
-Auch er fand Bewunderer und Anhänger in Menge, und in welchem Tone
-ward er bewundert! Eben itzt bekomme ich einen großen Kupferstich[495]
-zu Gesichte, worin er mit einer unbedeutenden vornehmen Hofmannsmiene
-in einem prachtvollen Pelzkleide zu sehen ist, und worunter höchst
-merkwürdige Verse stehen, die mir eine Anzeige zu verdienen scheinen,
-um die Denkungsart solcher Menschen bekannt zu machen, die sich nicht
-schämen, von Zeit zu Zeit dergleichen Dinge in die Welt zu streuen.
-
-Ich habe sehr wohl gewußt, daß viele Hohe und Niedere sich von diesem
-Menschen betören ließen, der weder öffentliche noch geheime wahre
-Künste und Wissenschaften besaß, obgleich er das Geheimnis verstand,
-viele glaubend zu machen, daß er ein Wundertäter sei; ein Geheimnis,
-das itzt so öffentlich, und man kann hinzusetzen, so plump getrieben
-wird, daß man nachgerade einsieht, wie leicht es ist, sobald nämlich
-nur jemand mit seinem Gewissen fertig wird, um alle Mittel zu seinem
-Zwecke anzuwenden.
-
-Dieser Mensch, der mancherlei, aber nicht das geringste gründlich
-verstand, den in Dresden und Berlin kein gescheiter Mann achtete,
-der nicht die gemeinste Kenntnis von dem, was große Gelehrte in den
-wichtigsten Fächern geleistet haben, besaß, der nie etwas wirklich
-Gutes oder Schönes zustande gebracht hat, der nichts ordentlich
-gelernt hatte, sondern statt des schweren Studierens die leichtere
-Mühe magischer Zauberworte anwenden wollte: dieser Mensch war dreist
-genug, zu verstehn zu geben, daß er alles wisse und alles könne. Und
-er fand, leider! selbst unter den deutschen Fürsten manche, die ihm
-glaubten. Er sollte nicht bloß ein großer Tonkünstler sein, sondern
-die Geige so spielen, als wenn man drei Geigen zugleich hörte[496],
-und er spielte seine eine höchst mittelmäßig. Er sollte nicht bloß
-Leder und Wolle verbessern, sondern auch Diamanten von ihren Flecken
-reinigen und sogar mehrere zusammenschmelzen können, obgleich alle, die
-ihm in den erstern leichtern Künsten trauten, mit ihrem Schaden seine
-eitlen Versprechungen erfahren haben und die letztern schwerern Stücke
-niemals ein Mensch gesehen hat. Er sollte Gold machen können; doch wer
-kann das anitzt nicht? Er verstand, verjüngende oder gar unsterblich
-machende Arzeneien, namentlich ein gewisses Salz, zu verfertigen, so
-daß erdigte Teile dem aus Erde gebaueten Menschen ein überirdisches Los
-zusicherten. Er kaufte Häuser und Landgüter, ohne sie zu bezahlen, und
-man bewunderte, wo er das Geld dazu herbekäme usw.
-
-Alles dies weiß ich sehr wohl. Auch weiß ich, daß er sogar dann noch
-Glauben fand, wenn er teils durch andere sagen ließ, teils wie aus
-Übereilung selbst zu verstehen gab, teils geradezu erklärte: er sei
-ganz ungemein alt; welches aber, nach Beschaffenheit der Umstände, sehr
-verschieden angegeben ward. Bald hatte er nur mit Kaiser Leopold[497]
-noch Briefe gewechselt, bald schon mit dem Adepten aus der Gold-
-und Rosenkreuzergesellschaft, Federico Gualdo[498][*], von dessen
-Kindheit an in Freundschaft gelebt, bald gar unserem Herrn Christus
-allerlei Rat in Absicht seines Verhaltens gegeben[**]. Ich weiß sogar,
-daß manche itzt noch, da er gestorben ist, glauben: er lebe und
-werde bald lebendig hervorgehn! Da er doch wirklich mausetot ist und
-wahrscheinlich itzt schon fault und stinkt, wie ein ganz gemeiner
-Mensch, der keine Wunder verrichten kann, und den nie ein Prinz begrüßt
-hat, auch tun würde.
-
-Obgleich ich alles dies wußte, so hatte ich doch nie glauben können,
-daß man die unsinnige Verehrung eines solchen Menschen so weit treiben
-könnte, als ich es auf dem erwähnten Kupferstiche fand. Hier ist die
-ganze lobpreisende Unterschrift desselben:
-
- Graf Saint-Germain,
- berühmter Alchimist.
- Prometheus gleich raubt’ er vom Himmelszelt
- Die Lebensflamme, die das All erhält;
- Natur folgt seinem Wort, von ihm gemeistert;
- Ist er nicht Gott, hat ihn ein Gott begeistert[499].
-
-Wer hätte glauben sollen, daß in unseren Tagen der Name Alchimist
-ein im Ernst gegebener Ehrenname sein könnte! Übrigens verdient der
-freilich ein berühmter Alchimist zu heißen, dessen Stimme die Natur
-gehorcht und auf dessen Ruf sie sich bewegt. Die Natur! Weiß man, was
-man sagt, wenn man solche Worte gebraucht? Aber die letzte Zeile, die
-letzte Zeile!
-
-„Ist er nicht Gott, hat ihn ein Gott begeistert!“
-
-Der bedingende Ausdruck des Gedankens im Vordersatze nimmt denselben
-offenbar als vielleicht wirklich und als zuverlässig möglich an. Und
-welchen Gedanken!
-
-Ich bin gewiß weder intolerant noch verketzernd, ich brauche nicht
-gern harte Worte und starke Beschuldigungen, wo noch lachender Spott
-hingehören kann; aber ich würde fürchten, mich des Namens eines
-Gottesverehrers unwürdig zu machen, wenn ich hier nicht ernsthaft und
-anklagend sagte: daß dieser schändliche Ausdruck eine der rasendsten
-Blasphemien enthält, deren sich je der verirrte menschliche Verstand
-schuldig gemacht hat. Gesetzt auch, dieser Mensch wäre so weise und
-einsichtsvoll gewesen, als er töricht und unwissend war, so edel,
-groß und bescheiden, als er kindisch, eitel und prahlerisch, so
-erhaben gesinnt, als er eigennützig, so offen und wahrhaft, als er
-ränkevoll und betrügerisch war usw. -- so müßte doch jeder Mensch
-davor zurückbeben, diese Worte, die ich mich schäme, noch einmal
-hinzuschreiben, von ihm zu gebrauchen. Klarer, plumper Atheismus,
-der itzt wieder laut zu werden anfängt, ist minder schädlich und
-gefährlich als solch eine Menschenvergötterung. Traurig genug, wenn
-ich unter Mitbürgern leben sollte, die den erhabensten Gedanken nie
-gedacht hätten, die keinen Begriff von dem allgemeinen Vater der Natur
-und aller Menschen hätten, bei deren Moralität ich mich bloß auf ihr
-Gefühl oder die Furcht vor Strafen verlassen müßte! Aber tausendmal
-willkommen sei mir ihre Gesellschaft gegen solche Leute, die es für
-möglich, für denkbar halten können: daß ein schwacher Mensch, wie ich
-und sie, die ganze Natur regiere, daß ein beschränktes Wesen die Kraft
-in Händen habe, wodurch alles lebt und wodurch die Welt existiert,
-und daß dieser Mensch folglich den uneingeschränktesten Gehorsam,
-die unwiderstehlichste Befolgung in allen seinen Befehlen und wahre
-göttliche Verehrung verdiene! Ich schaudere, wenn ich mir vorstelle,
-wohin dies in Absicht der gesunden Vernunft, des Gewissens und der
-Regeln menschlicher Handlungen führen müßte.
-
-Und wer braucht diesen Ausdruck? Nicht etwa barbarische Kamtschadalen,
-deren roher Verstand sich einen Gott gebildet hat, den der schmutzigste
-Erdensohn übertrifft, und die folglich einen Taschenspieler leicht
-vergöttern könnten. Nein, kultivierte Europäer tun es, deren Begriffe
-reiner sein müssen, und die wissen, daß der angestrengteste Verstand
-sich umsonst bemüht, einen Schatten von den großen Eigenschaften
-der Gottheit sich lebhaft zu denken, wenn er auch das Erhabenste,
-was seit Jahrtausenden die Welt kannte, in seiner Vorstellungskraft
-zusammensetzt. Noch mehr, die einzig fromm und rechtgläubig sein
-wollenden Christen tun es! Denn dieselben Menschen, die der
-Geisterseherei, der Goldmacherei und allen verworfenen Träumereien
-von geheimen Kräften der Natur und von itzigen Wundern anhängen,
-die den Vorspiegelungen eines Cagliostro, eines Saint-Germain,
-eines Schrepfer[500], eines Güldenfalk[501], eines Plumenoek[502]
-usw. Glauben beimessen, die im „_Mystère de la Croix_“ und im Buche
-„_De l’erreur et de la vérité_“[503] menschenbeglückende Weisheit
-suchen: eben diese sind es ja, die sich der höchsten Reinheit der
-Glaubenslehre rühmen und immer Frömmigkeit und echtes Christentum im
-Munde führen. Sie wissen ja so höhnend von Theologen nach der neuen
-Art, von Spöttern der Religion usw. zu reden, wenn denkende Köpfe die
-Kraft ihres Verstandes und ihren Untersuchungsgeist auch auf wahrhaft
-wichtige Dinge anwenden und dadurch zu Begriffen gelangen, die freilich
-von dem gerade itzt im Schwange gehenden System abweichen, die aber
-näher zur Sache zu treffen scheinen und schon von tausend frommen und
-rechtschaffenen Christen in mehreren Jahrhunderten auch gedacht wurden,
-wovon freilich diese Menschen von gestern her nichts wissen, deren
-Mangel an Sach- und Sprachkenntnis, Unwissenheit in der Geschichte,
-Bequemlichkeit im Nachbeten, Unvermögen im Selbstdenken und Aberglauben
-in williger Annehmung der abgeschmacktesten Behauptungen nur noch von
-ihrer hartherzigen Verdammungslust übertroffen wird. Diese sich selbst
-so nennende wahre reine Christen machen sich dann solcher Blasphemien
-schuldig, die den Grund aller Religion, aller Moralität und Tugend,
-alles Menschenverstandes und gesunder Vernunft untergraben! Dahin,
-dahin führt endlich der Weg dieser betrügerischen Heuchler, denen kein
-Deckmantel, auch der der christlichen Religion nicht, zu heilig ist!
-
- * *
- *
-
-Der bekannte Berliner Schriftsteller und Verleger _Friedrich Nicolai_
-(1732-1811) schreibt ähnlich[504]:
-
-„Saint-Germain ward für einen Gott ausgegeben und erregte die
-Aufmerksamkeit vieler Fürsten und anderer gar nicht geistloser Köpfe.“
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN HAMBURG (1778)
-
-
-Dresser an Baron Uffel[505]
-
- Hamburg, 23. Oktober 1778.
-
-Jetzt muß ich Ew. Hochwürden von einem besonderen Phänomen Nachricht
-geben. Ein sich nennender Graf Saint-Germain, der seine Abkunft nicht
-bekannt machen will, logiert hier in dem Wirtshause: Kaiserhof. Er
-führt großen Staat; es fehlt ihm nicht an Geld; er bezahlt alles
-_comptant_, erhält gleichwohl keine Rimessen[506]. Er schreibt Nacht
-und Tag, hat _Correspondance_ mit den größesten gekrönten Häuptern,
-frequentiert außer der Gräfin Bentinck[507] und dem französischen
-Herrn Minister[508] nicht gern Gesellschaft. Seine _Connaissance_
-zu erlangen hält schwer. Er ist ein Liebhaber der Naturgeschichte,
-hat die Natur studiert und den dadurch erlangten Kenntnissen es zu
-verdanken, daß er jetzt 182 Jahr alt ist und so jung aussieht, wie
-ein Mann von 40 Jahr. Im engsten Vertrauen hat er einem Freunde von
-mir gesagt, daß er gewisse Tropfen besäße, wodurch er das alles, auch
-_transmutationem metallorum[509] pp._ bewirkte. In seiner Gegenwart
-hat er einen kupferreichen Gulden durch einige Tropfen in das feinste
-Silber, schlechtes Leder in das beste englische Leder und böhmische
-Steine in Diamanten verwandelt. Dabei ist er beständig vor sich,
-communiciert sich nicht leicht jemand, hat Überfluß an allen Sorten
-Gold und silbernen Münzen, die aussehen, als wenn sie erst aus der
-Münze kamen. Hat sich neulich ein ganz komplettes, silbernes, modernes
-Tafel-Service nach dem Modell, welches die Frau Gräfin Bentinck hat,
-machen lassen und sogleich baar in neuen vollwichtigen Dukaten bezahlt.
-Und doch erhält er von niemand Rimessen und ist auch an keinen Kaufmann
-adressiert. Wie geht das zu? Sollte der Mann wohl einer von denen sein,
-die wir bisher suchen?
-
-Ich gebe mir alle Mühe, mit ihm auf eine gute Art bekannt zu werden;
-denn Zudringlichkeit würde schaden. Ein hier durchgereister dänischer
-Legationsrat hat den Mann in Paris, London und Haag gekannt und mir
-versichert, daß er daselbst ebenso, wie hier, sich verhalten hätte; daß
-er allenthalben bei Hofe gewesen und besondere _Distinctions_ genossen
-hätte; daß man demohngeachtet nie seine wahre Abkunft habe erfahren
-können. Von der russischen Kaiserin[510], von der Prinzessin Amalia
-in Berlin[511] empfängt er fast posttäglich Briefe. Unsere Herren
-Ministers hier machen ihm die Cour, aber er familiarisiert sich nicht
-mit ihnen, sondern schreibt beständig und noch dazu im Dunkeln. Seine
-Bediente wissen nichts von ihm; er schafft sie ab, sowie er einen Ort
-verläßt. Nur einen Kammerdiener hat er bei sich, den der Legationsrat,
-mein Freund, schon in Paris, London und Haag bei ihm gesehen. Sollten
-Ew. Hochwürden mir etwas davon zur Aufklärung mitteilen können, so
-werde ich alles wagen, um den Mann näher zu entdecken.
-
-
-
-
-[Illustration: Karl Prinz von Hessen
-
-Stich von Jos. Esaja Nilson]
-
-
-
-
-SAINT-GERMAIN IN SCHLESWIG UND ECKERNFÖRDE (1779-1784)
-
-
-I
-
-Aus den „Denkwürdigkeiten“ des Prinzen Karl von Hessen-Kassel[512]
-
-Bei meiner Rückkehr aus Berlin und Hanau sah ich in Altona[513] den
-berüchtigten Grafen Saint-Germain, welcher mir seine Freundschaft
-zuzuwenden schien, besonders als er hörte, daß ich kein Jäger sei und
-auch keine anderen Liebhabereien habe, welche dem Studium der höheren
-Naturwissenschaften hinderlich sind. Er sagte mir damals: „Ich werde
-Sie in Schleswig besuchen, und Sie sollen sehen, was wir zusammen für
-große Dinge ausrichten werden.“ Ich gab ihm zu verstehen, daß ich viele
-Gründe hätte, die Gunst, die er mir erweisen wolle, für den Augenblick
-nicht anzunehmen. Er entgegnete: „Ich weiß, daß ich zu Ihnen kommen
-muß, und ich muß Sie sprechen.“ Ich wußte kein anderes Mittel, um den
-Erörterungen auszuweichen, als ihm zu sagen, der Oberst Koeppern[514],
-welcher krank zurückgeblieben war, würde mir in einigen Tagen folgen
-und er möchte mit diesem darüber reden. Dann schrieb ich an Koeppern
-einen Brief, um ihm zu sagen, er möchte sein Möglichstes tun, um
-dem Grafen Saint-Germain zuvorzukommen und ihm, soviel als möglich,
-abzuraten, hierher zu kommen. Koeppern kam nach Altona und sprach mit
-ihm, aber der Graf antwortete ihm: „Sie können sagen, was Sie wollen,
-ich muß nach Schleswig gehen und werde nicht davon abstehen. Das Übrige
-wird sich finden. Sie werden Sorge tragen, mir dort eine Wohnung bereit
-zu halten usw.“ Koeppern teilte mir dies Ergebnis ihrer Unterhaltung
-mit, welches ich nicht billigen konnte.
-
-Ich hatte übrigens bei der preußischen Armee[515] viele Erkundigungen
-über diesen ungewöhnlichen Mann eingezogen und hatte besonders mit
-meinem Freund, dem Obersten Frankenberg, über ihn gesprochen. Dieser
-sagte mir: „Sie können überzeugt sein, daß er kein Betrüger ist, und
-daß er große Kenntnisse besitzt. Er war in Dresden, als ich mit meiner
-Frau dort war. Er wollte uns Beiden wohl. Meine Frau wollte ein Paar
-Ohrgehänge verkaufen; ein Juwelier bot ihr eine Kleinigkeit dafür. Sie
-sprach in Gegenwart des Grafen davon, welcher zu ihr sagte: ‚Wollen
-Sie sie mir zeigen?’ Was sie auch tat. Dann sagte er: ‚Wollen Sie mir
-dieselben für einige Tage anvertrauen?’ Er gab sie ihr zurück, nachdem
-er sie verschönert hatte. Der Juwelier, welchem sie meine Frau darauf
-zeigte, sagte: ‚Das sind schöne Steine; die sind ganz anders als die,
-welche Sie mir früher zeigten!’ und er bezahlte mehr als das Doppelte
-dafür.“
-
-Saint-Germain kam bald darauf nach Schleswig. Er sprach mit mir von
-großen Dingen, welche er zum Besten der Menschheit tun wolle usw. Ich
-hatte keine Lust dazu, aber zuletzt machte ich mir ein Gewissen daraus,
-Kenntnisse, die in jeder Hinsicht wichtig waren, auf Grund einer
-vermeintlichen Weisheit oder aus Geiz zurückzuweisen, und ich wurde
-sein Schüler.
-
-Er sprach viel von der Verschönerung der Farben, welche fast nichts
-kostete, von der Verbesserung der Metalle, indem er hinzufügte, daß
-man durchaus kein Gold machen müsse, selbst wenn man es verstände,
-und diesem Grundsatz blieb er unbedingt treu. Die Edelsteine kosten
-den Einkaufspreis; aber wenn man ihre Verbesserung versteht, so wird
-ihr Wert unendlich gesteigert. Es gibt fast nichts in der Natur, was
-er nicht zu verbessern und nützlich zu machen verstand. Er vertraute
-mir fast alle seine Kenntnisse von der Natur der Dinge an, aber nur
-die Anfangsgründe, und ließ mich dann durch Versuche die Mittel zu
-Erreichung des Zwecks selbst suchen und freute sich ungemein über meine
-Fortschritte. So machte er es in Bezug auf die Metalle und die Steine;
-aber die Farben teilte er mir wirklich mit, sowie einige andere sehr
-wichtige Kenntnisse.
-
-Man wird vielleicht neugierig sein, seine Geschichte kennen zu lernen,
-und ich will sie durchaus wahrheitsgetreu mit seinen eigenen Worten
-wiedergeben und nur die nötigen Erklärungen hinzufügen.
-
-Wie er mir erzählte, war er 88 Jahre alt, als er hierher kam, und er
-starb in einem Alter von 92 oder 93. Er sagte mir, er sei der Sohn
-des Fürsten _Rakoczy_ von Siebenbürgen und dessen erster Gattin,
-einer Tököly[516]. Er wurde unter den Schutz des letzten Medici[517]
-gestellt, der ihn als Kind in seinem eigenen Zimmer schlafen ließ.
-Als er hörte, daß seine beiden Brüder, Söhne der Prinzessin von
-Hessen-Rheinfels oder Rotenburg, wenn ich mich nicht irre, sich dem
-Kaiser Karl VI. unterworfen und nach dem Kaiser und der Kaiserin[518]
-die Namen _San Carlo_ und _Santa Elisabetta_ erhalten hätten, sagte
-er zu sich selbst: „Gut, dann will ich mich _Sanctus Germanus_, den
-heiligen Bruder, nennen[519].“
-
-Ich kann allerdings seine Herkunft nicht verbürgen; aber daß er von dem
-letzten Medici außerordentlich begünstigt wurde, das habe ich auch von
-anderer Seite gehört. Dieses Haus war, wie bekannt, in den höchsten
-Wissenschaften bewandert, und es ist nicht zu verwundern, daß er dort
-seine ersten Kenntnisse schöpfte. Aber er behauptete, die Kräfte der
-Natur durch seinen eigenen Fleiß und seine Untersuchungen erforscht
-zu haben. Er kannte die Kräuter und Pflanzen aus dem Grunde und hatte
-Arzneien erfunden, deren er sich ständig bediente, und welche sein
-Leben und seine Gesundheit verlängerten. Ich habe noch alle seine
-Rezepte, aber nach seinem Tode eiferten die Ärzte sehr heftig gegen
-seine Wissenschaft. Wir hatten einen Arzt Lossau, welcher Apotheker
-gewesen war, und dem ich jährlich 1200 Taler gab, um die Arzneien
-zuzubereiten, welche der Graf Saint-Germain ihm vorschrieb, unter
-anderen und vorzugsweise seinen Tee, den die Reichen gegen Bezahlung
-und die Armen umsonst erhielten. Letztere genossen auch die Pflege
-dieses Arztes, welcher eine Menge Leute heilte und welchem meines
-Wissens niemand starb. Aber nach dem Tode desselben ward ich der
-Äußerungen müde, die ich von allen Seiten zu hören bekam, nahm alle
-meine Rezepte zurück und ersetzte Lossau nicht wieder.
-
-Die Farbenfabrik wollte Saint-Germain hier im Lande gründen. Die
-des verstorbenen Otte[520] in Eckernförde stand leer und verlassen.
-Ich hatte somit Gelegenheit, diese Gebäude vor der Stadt billig zu
-kaufen, und setzte den Grafen Saint-Germain dorthin. Auch kaufte ich
-Seidenzeuge, Leinen usw. Außerdem waren vielerlei Gerätschaften zu
-einer solchen Fabrik erforderlich. Ich sah dort nach der Art, wie ich
-es gelernt und in einer Tasse selbst versucht hatte, 15 Pfund Seide in
-einem großen Kessel färben. Das gelang vollkommen. Man kann also nicht
-sagen, daß es im Großen nicht gehe.
-
-Das Unglück wollte, daß der Graf Saint-Germain, als er nach Eckernförde
-kam, unten in einem feuchten Zimmer wohnte, wo er einen sehr starken
-Rheumatismus bekam, von welchem er sich trotz aller seiner Heilmittel
-nie wieder ganz erholte.
-
-Ich besuchte ihn oft in Eckernförde und kehrte nie ohne neue höchst
-interessante Belehrungen zurück, da ich mir häufig die Fragen
-aufschrieb, welche ich ihm vorlegen wollte. In seiner letzten
-Lebenszeit fand ich ihn eines Tages sehr krank und, wie er glaubte,
-auf dem Punkte zu sterben. Er schwand zusehends dahin. Nachdem ich in
-seinem Schlafzimmer das Mittagessen eingenommen hatte, mußte ich mich
-allein vor sein Bett setzen, und er sprach dann viel rückhaltsloser
-über viele Dinge, sagte mir vieles voraus und ersuchte mich, so bald
-wie möglich wiederzukommen, was ich auch tat. Indes fand ich ihn bei
-meiner Rückkehr weniger krank, dafür aber desto schweigsamer. Als ich
-1783 nach Kassel ging, sagte er mir, daß ich, im Fall er während meiner
-Abwesenheit sterben sollte, ein versiegeltes Billet von seiner Hand
-finden würde, welches mir genügen werde. Aber dieses Billet fand sich
-nicht; vielleicht hatte er es ungetreuen Händen anvertraut. Oftmals bin
-ich in ihn gedrungen, mir noch während seines Lebens das mitzuteilen,
-was er mir in diesem Billet hinterlassen wollte. Dann ward er traurig
-und rief: „Ach, wie unglücklich würde ich sein, mein lieber Prinz, wenn
-ich zu sprechen wagte!“
-
-Er war vielleicht einer der größten Weltweisen, welche je gelebt haben.
-Er liebte die Menschheit; Geld verlangte er nur, um es den Armen zu
-geben. Er liebte selbst die Tiere, und sein Herz beschäftigte sich nur
-mit dem Glück anderer. Er glaubte, die Welt dadurch zu beglücken, daß
-er ihr zu billigeren Preisen neue Vergnügungen, schönere Stoffe und
-schönere Farben verschaffte; denn seine herrlichen Farben kosteten
-fast nichts. Ich habe nie einen Mann von klarerem Geiste gesehen, und
-dabei besaß er eine Gelehrsamkeit, besonders in der Geschichte, wie ich
-selten gefunden habe.
-
-Er war in allen Ländern Europas gewesen, und ich kenne fast keines, wo
-er sich nicht längere Zeit aufgehalten hätte. Er kannte sie alle von
-Grund aus. In Konstantinopel und in der Türkei war er oft gewesen.
-Frankreich schien jedoch das Land zu sein, welches er am meisten
-liebte. Er wurde Ludwig XV. bei der Frau von Pompadour vorgestellt und
-nahm auch an den kleinen Soupers des Königs teil. Ludwig XV. hatte viel
-Vertrauen zu ihm. Er benutzte ihn unter der Hand, um einen Frieden mit
-England zu unterhandeln, und schickte ihn nach dem Haag[521]. Es war
-die Gewohnheit Ludwigs XV., ohne Vorwissen seiner Minister Emissäre zu
-benutzen, die er jedoch im Stiche ließ, sobald sie entdeckt wurden.
-Der Herzog von Choiseul hatte von seinen Umtrieben Kunde erhalten
-und wollte ihn festnehmen lassen. Er flüchtete aber noch bei Zeiten.
-Er vertauschte nun den Namen Saint-Germain mit dem eines Grafen
-_Welldone_.
-
-Seine philosophischen Grundsätze über Religion waren der reine
-Materialismus, den er aber so scharfsinnig vorzutragen wußte, daß es
-schwer war, ihm siegreiche Beweise entgegenzustellen; aber ich hatte
-öfters das Glück, die Mängel der seinigen darzutun. Er war nichts
-weniger als ein Verehrer Christi, und da er sich in Bezug auf diesen
-Äußerungen erlaubte, die mir unangenehm waren, so sagte ich zu ihm:
-„Mein lieber Graf, es hängt von Ihnen ab, ob Sie an Jesus Christus
-glauben wollen oder nicht; aber ich gestehe Ihnen offen, daß Sie
-mir vielen Kummer verursachen, wenn Sie bei mir gegen Den sprechen,
-welchem ich so gänzlich ergeben bin.“ Er blieb einen Augenblick
-nachdenklich und antwortete: „Jesus Christus ist Nichts; aber Ihnen
-Kummer verursachen, das ist Etwas. Also verspreche ich Ihnen, nie
-wieder darüber mit Ihnen zu reden.“ Auf seinem Sterbebette, während
-meiner Abwesenheit, trug er eines Tages Lossau auf, mir, wenn ich von
-Kassel zurückkäme, zu sagen, daß Gott ihm die Gnade erwiesen habe, ihn
-seine Ansicht noch vor seinem Tode ändern zu lassen, und fügte hinzu,
-er wisse, wieviel Freude mir das machen und daß ich noch viel für sein
-Glück in einer anderen Welt tun werde.
-
-
-II
-
-Prinz Karl von Hessen an Prinz Christian von Hessen-Darmstadt[522]
-
- 17. April 1825.
-
-Was Saint-Germain betrifft, so bin ich der einzige, dem er sich
-anvertraut hat. Er war der größte Geist, den ich kannte. Er starb bei
-vollem Verstande in Eckernförde. Ich war damals in Kassel. Er ließ mir
-durch seinen Arzt[523], der ein eingeweihter Bruder war, sagen, er
-stürbe im Glauben an Jesus Christus; das würde mich freuen. Wir haben
-viel zusammen über Religion gesprochen, aber er war nichts weniger als
-ängstlich.
-
-
-III
-
-Prinz Ferdinand von Braunschweig an Prinz Friedrich August von
-Braunschweig[524]
-
- Middelfort, jenseit des Kleinen Beltes, 2. November 1779.
-
-Ich habe die Bekanntschaft des Grafen Saint-Germain gemacht und bin
-davon sehr befriedigt. Dreimal war ich bei ihm. Er hat große
-Kenntnisse in der Erforschung der Natur erworben ... Seine Kenntnisse
-sind sehr ausgedehnt, und seine Unterhaltung ist denkbar lehrreich.
-
-[Illustration: Christianspflegehaus in Eckernförde]
-
-
-IV
-
-Aus Briefen des Grafen Warnstedt[525]
-
- Schleswig, 24. November 1779.
-
-Wir haben hier auch den berüchtigten Abenteurer Saint-Germain. Er
-ist der kompletteste Charlatan, Narr, Schwätzer, Windbeutel und in
-gewisser Hinsicht Gauner, der seit lange gelebt hat. Unser Prinz[526]
-schätzt und ehrt ihn nach besten Kräften und ganzem Herzen. Er folgt
-darin seiner angeborenen Neigung für Leute dieses Schlages. Er nimmt
-täglich drei Stunden Unterricht bei ihm. Hoffentlich wird sein Leibarzt
-sich mit guten Mitteln versehen, um all die Winde zu vertreiben, mit
-denen Seine Hoheit sich zur Zeit so zuversichtlich vollpumpt. Dieser
-Saint-Germain mag trotz seiner allgemeinen Menschenliebe die Stadt
-Kopenhagen nicht leiden und wird sie nicht besuchen. Der Schlüssel des
-Rätsels liegt darin, daß Graf Bernstorff ihn vor langen Jahren in Paris
-als das erkannt hat, was er ist[527].
-
-
- Schleswig, 11. Dezember 1779.
-
-Ich verbrachte zwei Abende bei dem berüchtigten Saint-Germain. Ich bin
-so sicher wie von meinem Dasein überzeugt, daß er ein Abenteurer und
-ein Charlatan in jedem Belange ist. Zudem besitzt er eine glühende
-Einbildungskraft und betrügt sich daher vielleicht manchmal selbst,
-wie er andere betrügt. Er ist voller Geist und Kenntnisse -- wahrer
-und falscher --, aber noch weit mehr erfüllt von Dünkel, Hochmut
-und maßloser, seltener Eigenliebe. Eine Religion hat er wohl nicht;
-er ist ein Materialist, ein zweiter La Mettrie[528]. Ich halte ihn,
-nach seinem Aussehen und seiner unsicheren Sprechweise zu schließen,
-unbedingt für einen portugiesischen oder spanischen Juden. Der Prinz
-macht sich mit diesem Manne unglaublich lächerlich. Er behauptet, nur
-86 Jahre alt zu sein. Übrigens ist es unrecht von mir, schlecht von ihm
-zu reden; denn er liebt mich sehr.
-
-
-V
-
-Friedrich der Große an die Königin-Witwe Juliane von Dänemark[529]
-
- Potsdam, 16. Oktober 1784.
-
-Der Prinz von Hessen wird nach Kopenhagen reisen, um seine Tochter[530]
-mit dem Kronprinzen zu vermählen und, wenn er kann, Dänemark zu
-beherrschen. Er hat den Schwindler Saint-Germain verloren, und zum
-Trost dafür wird man ihn allmählich in die Staatsgeschäfte einführen.
-
-
-
-
-SAINT-GERMAINS TOD IN ECKERNFÖRDE
-
-
-I
-
-Aus dem „Totenregister“ der St. Nikolaikirche in Eckernförde[531]
-
-„Gestorben am 27. Februar 1784. Am 2. März der sich so nennende Graf
-von _St. Germain_ und _Welldone_ -- weitere Nachrichten sind nicht
-bekannt worden -- in hiesiger Kirche still[532] beigesetzt.“
-
-
-II
-
-Aus den „Einnahmen an Begräbnißöffnung und Vestegeldern“[533]
-
-„1783[534], 1. März, den allhie verstorbenen Grafen von St. Germain
-eine Begräbniß-Stelle in der hiesigen St. Nikolai-Kirche in das
-Begräbniß _sub Nr. 1_ auf 30 Jahr Verwesungs-Zeit: 10 Rthlr., und für
-Eröffnung desselben: 2 Rthlr. -- zus[ammen]: 12 Rthlr.“
-
-
-III
-
-Aus dem Verzeichnis der „Glockengelder“[535]
-
-„Der Herr Graf von _St. Germain_ d[en] 2. März in der Kirche beigesetzt
-morgens ... 12 Mark.“
-
-
-IV
-
-Aufruf von Bürgermeister und Rat der Stadt Eckernförde[536]
-
-Wir, Bürgermeister und Rat der Stadt Eckernförde, fügen allen, so daran
-gelegen, hiedurch zu wissen:
-
-Demnach der auswärts sowohl als hieselbst unter dem Namen _Comte de
-Saint-Germain_ und _Welldone_ bekannte und sich in den letzten 4
-Jahren in hiesigen Landen aufgehaltene Herr Graf von Saint-Germain
-ohnlängst hieselbst zu Eckernförde Todes verfahren, dessen Nachlaß
-unter gerichtlicher Versiegelung genommen und es nötig gefunden
-worden, sowohl an seine etwanige Intestaterben, inmaßen von einem
-nachgelassenen Testamente bis hiezu nichts _constiret_[537], als an
-dessen etwanige Gläubiger ein öffentliches _Proclama_, diese Erbrechte
-und Forderungen gehörig anzugeben und zugleich in einem gewissen Termin
-zu rechtfertigen, ergehen zu lassen, --
-
-als befehlen wir hiedurch allen und jeden, welche an den Nachlaß
-des obgedachten, hieselbst verstorbenen, sich genannten Grafen
-von Saint-Germain und _Welldone_ einige, zu Recht bestehende
-_Praetensiones_[538] und Ansprüche, dieselben rühren her _vel ex capite
-hereditatis, vel debiti, vel alio quocungue capite vel causa_[539]
-sie immer wollen, zu haben vermeinen, hiemit ein für allemal und _sub
-poena praeclusi_[540], daß sie solche samt und sonders, und zwar die
-Einheimischen innerhalb 6, die Auswärtigen aber innerhalb 12 Wochen _a
-die publicationis_[541], im hiesigen Stadt-Secretariat rechtsbehörig
-angeben, die in Händen habende _Documenta_ und Beweistümer _in
-originali_ produciren, beglaubte Abschriften davon beim _Protocollo_
-zurücklassen, auch die unter hiesigem _Foro_[542] nicht Angesessenen
-_Procuratores[543] ad Acta_ bestellen, mit der ausdrücklichen
-_Commination_[544] und Verwarnung, daß diejenigen, welche solches in
-den _praefigirten_[545] 6 und 12 Wochen zu thun verabsäumen, nach
-deren Ablauf nicht weiter gehöret, vielmehr _praecludiret_[546] und
-ihnen dann als itzt, und itzt als dann, _perpetuum silentium[547]
-imponiret_ sein solle. Inmaßen dann auch zu _Justificirung_ dieser
-Angaben sämtliche _Profitentes_[548] hiedurch ein für allemal und also
-_peremtorie_[549] citiret und verobladet werden, am 14. October dieses
-Jahres _coram Magistratu_[550] zu erscheinen, ihre Angaben gehörig zu
-_justificiren_ und nach vorkommenden Umständen und Beschaffenheit des
-Nachlasses rechtliche Verfügung und Erkenntnis, _eventualiter_ der
-Erstigkeit halber, zu gewärtigen. Wornach sich ein jeder, dem daran
-gelegen, zu achten und für Schaden zu hüten hat.
-
- _Signatum_ Eckernförde, den 3. April 1784.
-
- [Illustration: L.S.]
-
- Bürgermeister und Rat hieselbst.
-
-
-V
-
-Nachruf des Professors Remer in den „Neuen Braunschweigischen
-Nachrichten“
-
-In dem 56. Stück der „Nachrichten“ vom 6. April 1784 heißt es: „Der
-große Chemiker Macquer[551] ist in Paris im vorigen Monate gestorben,
-wie auch in demselben der bekannte marktschreierische Herumstreicher
-der Graf von Saint-Germain.“
-
-In dem 59. Stück vom 12. April steht der folgende Widerruf[552]:
-
- Niederelbe, den 9. April 1784.
-
- „Der Graf von Saint-Germain, dessen Tod in diesen Blättern erwähnt
- ist, verdient die beleidigenden Beiwörter keinesweges, deren man sich
- dabei von ihm bediente. Er hatte Eigenheiten, die aber bei einem
- Genie fast jedes Mal gefunden werden. Personen, die ihn genau gekannt
- haben, und deren Urteil nicht zweifelhaft ist, geben ihm das Zeugnis,
- daß er ein Mann von tiefen Einsichten in die Geheimnisse der Natur
- war, der das, was er wußte, bis ans Ende seines Lebens mit großer
- Tätigkeit zum Wohl der Menschheit anwandte. Große und einsichtsvolle
- Prinzen haben ihn ihrer Gewogenheit und ihres Schutzes gewürdigt.
- Als er schon vom Schlage gerührt war, so blieb er sich noch stets
- selbst bewußt und ertrug die Führung des großen Urhebers des
- Ganzen mit einer besonders hervorleuchtenden und Beispiel gebenden
- Unterwürfigkeit. Er starb den 24.[553] Februar.“
-
-
-[Illustration: Kirchenbuch von Eckernförde. Saint-Germains Tod]
-
-
-
-
-PERSONENVERZEICHNIS[554]
-
-
- A
-
- Adhémar, Gräfin 43.
-
- Affry 16, 18, 19, 21, 55, 62, 63, 144-161, 164-171, 173, 176-179,
- 181, 182, 184-190, 195, 197-205, 207, 209, 210, 212-215, 217, 218,
- 221, 222, 231, 236.
-
- Aladin 48.
-
- Alfarache 139.
-
- Alkibiades 106.
-
- Alvensleben 8, 10, 21, 30, 38, 39, 306-321.
-
- Angiviller 143.
-
- Anhalt-Zerbst:
- Johanna Elisabeth, Fürstin 61.
-
- Anna, die heilige 51.
-
- Ansbach-Bayreuth:
- Alexander, Markgraf 28, 29, 38, 40, 57, 288-300, 302, 303.
- Karoline, Markgräfin 57, 290, 291, 295.
-
- Antinous 106.
-
- Aspasia 105.
-
- Astier 144, 151, 158.
-
- Aulnery 96.
-
-
- B
-
- Baba, Nabob 65, 66.
-
- Baden:
- Karl Friedrich, Markgraf 27, 279, 280, 314.
-
- Barbieri 227, 259.
-
- Barre 63.
-
- Bause 304.
-
- Bayern:
- Maximilian III. Joseph, Kurfürst 323.
-
- Bellegarde 107.
-
- Belle-Isle 17, 19, 54-56, 107, 145, 151, 152, 154, 171-173, 175, 180,
- 181, 185, 187, 194, 199, 200, 208, 210, 213, 214, 236, 299.
-
- Bentinck, Graf, Willem, Herr van Rhoon 17, 18, 146-150, 156-159,
- 162-170, 188, 192, 200, 201, 203, 204, 213-215, 223, 236.
-
- Bentinck, Gräfin, Charlotte Sophie 350, 351.
-
- Bernis 130, 176, 341.
-
- Bernstorff 143, 361.
-
- Berryer 173.
-
- Bertin 145, 146.
-
- Bertuch 87.
-
- Biester 343.
-
- Bischoffwerder 36, 327, 328, 331, 333, 334, 337.
-
- Boas 159.
-
- Bode 110.
-
- Boissy 312.
-
- Bouillon, Herzog 336.
-
- Bourbon, Ludwig von 83.
-
- Brancas, Herzogin 130.
-
- Braunschweig-Wolfenbüttel:
- Ferdinand, Prinz 360, 361, 366.
- Friedrich August, Prinz 36, 324-337, 360.
- Ludwig, Prinz 16, 55, 151, 152, 189, 196, 197, 201, 202.
-
- Breteuil 95.
-
- Brionne, Gräfin 92.
-
- Brühl 150.
-
- Bute 65.
-
- Byland, Frau von 168.
-
-
- C
-
- Caesar 89, 90, 106.
-
- Cagliostro, Graf, Alexander 35, 36, 39, 68, 100-109, 340, 343, 348.
-
- Cagliostro, Gräfin, Lorenza 35, 100-107.
-
- Campan, Frau 87.
-
- del Carpio 84.
-
- Casanova 13, 32, 33, 39, 122-126, 284-287.
-
- Catalani 8, 126, 306.
-
- Cea 192.
-
- Chartier 97.
-
- Chastellux, Claude, Marschall 95-97.
-
- Chastellux, Graf, Johann III. 96.
-
- Chastellux, Graf, Philipp II. 97.
-
- Chastellux, Graf 95-97.
-
- Chastellux, Gräfin, Alix 96.
-
- Chaudon 224.
-
- Choiseul, Herzog, Franz Stephan 16-19, 21, 53-56, 144-160, 162-165,
- 169, 173, 176, 178-181, 184-188, 190-193, 195, 199, 200, 214, 215,
- 217, 221, 222, 231, 236, 299, 359.
-
- Choiseul, Herzogin, Luise Honorine 53, 54.
-
- Christus (Jesus Christus) 10, 41, 50, 85, 87, 92, 304, 306, 340, 341,
- 345, 359, 360.
-
- Chute 120.
-
- Cicero 60.
-
- Clairon, Hippolyte 28, 289-291.
-
- Clermont 17, 19, 180, 181, 186, 187.
-
- Clive 13, 64.
-
- Cobenzl, Graf, Karl, Minister 22, 24, 26, 27, 38, 39, 225-283, 285.
-
- Cobenzl, Graf, Philipp 250, 280-284.
-
- Collet 141, 142.
-
- Corberon 32, 85.
-
- Crammon 163.
-
- Craon 97-99.
-
- Craven, Lady 41, 89, 90.
-
- Créquy, Antoine, Kardinal 92 bis 94.
-
- Créquy, Marquise 10, 42, 91-99.
-
-
- D
-
- Dänemark:
- Christian VII., König 74.
- Friedrich (VI.), Kronprinz 75, 362.
- Juliane, Königin 362.
- Sophie, Kronprinzessin 75, 362.
-
- Danican 83.
-
- Danneskjold-Laurwigen 219, 220.
-
- Decker 334.
-
- Dejan 289.
-
- Demosthenes 106.
-
- Dick 296, 302.
-
- Dorn 241-245, 249.
-
- Dresser 37, 350-352.
-
- Dubosc 22, 36, 324-334.
-
-
- E
-
- Edelsheim 17, 216, 217.
-
- Elisabeth, die heilige 51.
-
- England:
- Heinrich VIII., König 49.
- Georg II., König 65, 163, 170, 174-178, 181, 196, 216, 217.
- Friedrich Ludwig, Prinz von Wales 65, 66, 120, 223.
- Friedrich, Herzog von York 59.
-
-
- F
-
- Fagel 152, 156, 165.
-
- Faustina 106.
-
- Figaro 300.
-
- Flamel, Nicolas 97.
-
- Flamel, Perronelle 97.
-
- Fleury 94.
-
- Francolet 227, 259.
-
- Frankenberg 354, 355.
-
- Frankreich:
- Karl VI., König 96.
- Franz I., König 49, 126, 127.
- Franz II., König 127.
- Karl IX., König 127.
- Heinrich III., König 127.
- Ludwig XV., König 14, 19, 38, 48, 54-56, 60, 63, 83, 89, 121,
- 123-126, 128-130, 139-141, 147-149, 151-156, 158-163, 167, 171-173,
- 175-180, 182, 183, 185, 187, 191, 194, 198, 207-210, 212, 213,
- 216-219, 229, 231, 235, 299, 359.
- Ludwig, Dauphin 173.
- Maria Stuart, Königin 127.
- Margarete von Valois, Königin 127.
- Maria Antoinette, Königin 42.
-
- Frölich 36, 328, 329, 334.
-
-
- G
-
- Gabalis 336.
-
- Gedicke 343.
-
- Geelvinck, Frau 168.
-
- Gemmingen 7, 21, 28, 29, 31, 41, 288-303.
-
- Genlis, Gräfin 30, 41, 70-75.
-
- Gergy, Gräfin 11, 51, 122, 128.
-
- Gleichen 10, 19-22, 39, 40, 42, 47-58, 220, 291, 294, 299, 301.
-
- Golizyn 210, 211.
-
- Golowkin 16, 150-152, 184, 188, 201.
-
- Gontaut 129, 130, 132.
-
- Gouffier 86.
-
- Gower 10, 50.
-
- Graff 304.
-
- Granville 163.
-
- Greiner 289, 301.
-
- Grimm 35.
-
- Gronsfeld-Diepenbroek 223, 236.
-
- Grosley 9, 40, 42, 76-84.
-
- Gualdo 345.
-
- Guarini 292.
-
- Güldenfalk 348.
-
- Guzman: siehe Alfarache.
-
-
- H
-
- Hardenbroek 9, 22, 40, 222-224.
-
- Hasselaar 168, 223, 236, 277.
-
- du Hausset, Madame 7, 14, 32, 33, 126-239.
-
- Hellen 14, 139-141, 182-189, 197.
-
- Herodes der Große, Vierfürst 86, 92.
-
- Hessen-Darmstadt:
- Christian, Prinz 360.
-
- Hessen-Kassel:
- Wilhelm IX., Landgraf 58.
- Friedrich, Prinz 58.
- Karl, Prinz 8, 11, 28, 30, 32, 35, 38, 58, 74, 75, 88, 90, 110,
- 111, 143, 353-362.
- Sophie, Prinzessin: siehe unter Dänemark.
-
- Holdernesse 153, 170-181, 194-196.
-
- Hompesch 149, 150.
-
- Hope, Gebrüder 20, 147, 149, 151, 168, 182, 197, 210.
-
- Hotz 23, 329, 331, 332.
-
- Huldashop 211.
-
-
- I (J)
-
- Jacoby, Fräulein 98.
-
- Johannes der Täufer 89.
-
- Johannes, Apostel 90.
-
- Irene, Kaiserin 106.
-
-
- K
-
- Kauderbach 20, 150, 156, 157, 159, 206-215.
-
- Kaunitz 24, 25, 27, 31, 196-206, 215, 225-280.
-
- Keith 287.
-
- Knyphausen 183, 184, 189-193, 196, 339.
-
- Koeppern 354.
-
- Krösus 322, 323.
-
- Kunckel 243.
-
- Kurland:
- Karl, Herzog 333, 334.
-
-
- L
-
- Laborde 236.
-
- La Houze 350.
-
- Lamberg, Graf, Kaspar Feli 11, 61.
-
- Lamberg, Graf, Maximilian Joseph 11, 13, 19, 32, 33, 42, 59-69, 88,
- 89, 112, 128.
-
- Lambert 39, 47, 48, 224.
-
- La Mettrie 362.
-
- Lannoy sen. 259.
-
- Lannoy jun. 234, 259.
-
- La Pagerie 141.
-
- Latour 71.
-
- Lehndorff 86, 87, 304-306.
-
- Lémery 243.
-
- Le Normand d’Étioles 95.
-
- Leontion 106.
-
- Lesage 79.
-
- Lesseps 199.
-
- Le Vayer 62.
-
- Lewenhaupt 125.
-
- Linnières 167, 168.
-
- Lobkowitz 13, 67.
-
- Lossau 357, 359-361.
-
- Lothringen:
- Karl, Prinz 252, 270, 272, 277, 278.
-
- Luchet 35, 36, 100, 110.
-
- Lukrez 52.
-
-
- M
-
- Macanas 211.
-
- Macquer 366.
-
- Magnan 32, 86.
-
- Man 119.
-
- Marchais, Frau von 87.
-
- Marcolini 309, 333.
-
- Marggraf 64.
-
- Maria 51.
-
- Mariamne 86, 306, 340.
-
- Marigny 141, 142.
-
- Maubert 120, 121.
-
- Medardus 103.
-
- Medici: siehe unter Toskana.
-
- Meister 108.
-
- Mesmer 104.
-
- Michell 189, 190.
-
- Mirabeau 88.
-
- Mitchell 194-196.
-
- Moehsen 69.
-
- Moncada 132, 133, 135-138.
-
- Montaigne 10, 11, 61.
-
- Montauban, Prinzessin 167.
-
- Montezuma 322, 323.
-
- Montfaucon: siehe Villars.
-
- Montmorency 127.
-
- Morin 52.
-
- Moritz, Marschall von Sachsen 15, 60, 125, 154, 198.
-
- Murillo 48.
-
-
- N
-
- Nettine, Frau 24, 26, 27, 40, 226, 228, 232, 234, 236, 237, 239, 240,
- 244, 248, 249, 251, 254, 260-268, 270, 272, 274, 276, 278-281, 283.
-
- Nettine, Vicomte 227, 234, 239-241, 250-252, 270, 279.
-
- Neufville 163.
-
- Newcastle 153, 163, 167.
-
- Nicolai 349.
-
- Noblet 221.
-
-
- O
-
- Odart 20.
-
- Österreich:
- Karl V., Kaiser 49.
- Leopold I., Kaiser 295, 345.
- Karl VI., Kaiser 356.
- Franz I., Kaiser 63, 68.
- Maria Theresia, Kaiserin 27, 162, 174, 200, 227, 229, 231-233, 242,
- 244, 247, 249, 251, 252, 260-279, 285.
- Joseph II., Kaiser 314.
- Elisabeth, Kaiserin 356.
-
- Opiz 67.
-
- Oranien:
- Wilhelm V., Prinz 16, 168.
- Karoline, Prinzessin 17, 171, 197.
- Wilhelmine, Prinzessin 307, 309, 321.
-
- Orléans:
- Philipp II., Herzog, Regent von Frankreich 53.
-
- Orléans, Jungfrau von 20, 210.
-
- Orlow, Graf, Alexej 21, 22, 56, 294-296, 299, 300, 308, 309, 330, 333.
-
- Orlow, Fürst, Gregor 20, 21, 56, 57, 294, 296, 308.
-
- Otte 357.
-
-
- P
-
- Pâris-Duverney, Joseph 145, 208-210.
-
- Pâris de Montmartel, Jean 145, 208-210.
-
- Parma:
- Philipp, Herzog 162.
-
- Pernety 338, 339.
-
- Persien:
- Thamas Chouli-Kan 59.
-
- Petitot 131.
-
- Petrus, Apostel 90, 103.
-
- Philidor 70.
-
- Pictet 32, 85, 86.
-
- Pieck van Soelen 156, 161, 168.
-
- Pilatus 50, 92.
-
- Pitt 16, 163, 191-193, 215, 299.
-
- Plumenoek 348.
-
- Pompadour, Marquise 14, 17, 19, 48, 55, 123, 125-132, 139, 140,
- 146-148, 162-165, 167, 171, 173, 175, 179-181, 185-187, 200, 203,
- 208-210, 214, 217, 219, 223, 229, 235, 359.
-
- Pons 341, 342.
-
- Postel 110.
-
- Pott 64.
-
- Preußen:
- Friedrich der Große, König 19, 28, 30, 31, 34, 57, 85, 139, 140,
- 174, 177, 182-196, 200, 206, 215-217, 219, 299, 306-323, 362.
- Heinrich, Prinz 321-323.
- Amalie, Prinzessin 10, 339, 351.
-
-
- Q
-
- Quesnay 33, 129.
-
-
- R
-
- Radegonde 82.
-
- Raffael 48, 282.
-
- Rakoczy: siehe unter Siebenbürgen.
-
- Rameau 51.
-
- Rasse 226, 234, 239, 249, 254, 259, 270.
-
- Reischach 16, 151, 152, 183, 184, 188, 196-206.
-
- Remer 366.
-
- Resiel 110.
-
- Rhoon: siehe unter Bentinck.
-
- Rohan 340.
-
- Rotondo 7, 11, 296.
-
- Rouelle 64.
-
- Rousseau 120.
-
- Rußland:
- Elisabeth, Zarin 174.
- Peter III., Zar 20.
- Katharina II., Zarin 20, 22, 57, 61, 313, 314, 351.
- Paul, Großfürst-Thronfolger 329.
-
-
- S
-
- Kur-Sachsen:
- August II., Kurfürst, König von Polen 209.
- August III., Kurfürst, König von Polen 207, 212, 216.
- Friedrich Christian, Kurprinz 211.
- Karl: siehe unter Kurland.
- Maria Antonia, Kurprinzessin 211, 323.
-
- Sachsen-Weimar:
- Karl August, Herzog 42.
-
- Sagramoso 86, 332, 333.
-
- Saint-Florentin 231, 235, 266.
-
- Saint-Gelais 97.
-
- Salomo 40, 58.
-
- San Gil 132-139.
-
- Sappho 106.
-
- Sardinien:
- Victor Amadeus III., König 314.
-
- Saumery 142.
-
- Schaffgotsch 343.
-
- Schöning 83.
-
- Schrepfer 36, 336, 348.
-
- Seckendorff 211.
-
- Selwin 139.
-
- Semiramis 106.
-
- Sennecterre, Gräfin 97, 98.
-
- Siebenbürgen:
- Franz II. Rakoczy, Fürst 7, 8, 295, 296, 305, 312, 355, 356.
- Helene, Fürstin 8, 356.
- Charlotte Amalie, Fürstin 356.
- Leopold Georg, Prinz 8, 356.
- Joseph, Prinz 8, 296, 312, 356.
- Georg, Prinz 8, 296, 312, 356.
-
- Silhouette 14, 140, 141, 145.
-
- Slingelandt 149, 150.
-
- Sloane 12.
-
- Soelen: siehe unter Pieck van Soelen.
-
- Sokrates 106.
-
- Solar 54.
-
- Spanien:
- Karl II., König 9.
- Maria Anna, Königin 9, 53, 83, 84.
-
- Starhemberg 196, 236.
-
- Steyn 149, 150, 152, 156-158, 161, 164, 165, 213.
-
- Stosch 53.
-
- Stuart, Karl Eduard 12, 119, 121.
-
- Swift 315.
-
-
- T
-
- Talmond, Prinzessin 67.
-
- Thiébault 10, 338-342.
-
- Thys 244, 245.
-
- Tiberius 92.
-
- Toskana:
- Giovanni Gasto (Medici), Großherzog 8, 356.
-
- du Troussel, Frau 339, 342, 343.
-
-
- U
-
- Uffel 350-352.
-
- Urfé, Marquise 39, 91-94, 122, 124, 285, 303.
-
- Uzès, Herzogin 98.
-
-
- V
-
- Vanloo 71.
-
- Villars 336.
-
- Voltaire 16, 66, 86, 215, 216.
-
-
- W
-
- Wackerbarth-Salmour 206-209, 211-215.
-
- Walckiers 227, 228, 250, 252, 270.
-
- Walpole 12, 119, 120.
-
- Warnstedt 361, 262.
-
- Watson 13, 64, 65.
-
- Welderen 221.
-
- Wildmann 62.
-
- Wolf 10, 95.
-
- Wurmb 36, 334-337.
-
-
- Y
-
- Yorke 16, 17, 19, 38, 152-154, 164, 166, 170-184, 186, 187, 189, 190,
- 194, 195, 197, 200 bis 202, 210, 213, 215, 217, 236.
-
-
- Z
-
- Zimmermann 342, 343.
-
- Zobor 32, 63.
-
- Zweibrücken-Birkenfeld:
- Christian IV., Herzog 125.
-
-
-
-
-ORTSVERZEICHNIS[555]
-
-
- A
-
- Ägypten 311.
-
- Afrika 311.
-
- Altona 219, 353, 354.
-
- Amsterdam 9, 17, 20, 21, 40, 77, 144, 147, 148, 150, 151, 158, 168,
- 171, 175, 182, 197-199, 210, 223, 224.
-
- Ansbach 288-303, 308.
-
- Antwerpen 161, 204, 218.
-
- Asien 311.
-
- Aurich 192, 193.
-
-
- B
-
- Bayonne 9, 53, 83.
-
- Berlin 28-30, 206, 231, 287, 310, 324, 329, 338-344.
-
- Blois 141.
-
- Bordeaux 84.
-
- Breda 16, 215.
-
- Brest 83.
-
- Brüssel 22, 24, 27, 31, 40, 225-283.
-
-
- C
-
- Chambéry 107.
-
- Chambord 14, 15, 48, 60, 123-126, 141, 142, 154, 155, 171, 182, 185,
- 194, 198, 208, 212, 217, 224.
-
- China 312.
-
-
- D
-
- Dresden 56, 209, 300, 310-323, 333, 335-337, 344, 354.
-
-
- E
-
- Eckernförde 30, 52, 284, 287, 300, 357-361, 363-365.
-
- Emden 193.
-
-
- F
-
- Florenz 53, 332.
-
-
- G
-
- Genf 85.
-
- Genua 297.
-
- Granada 53.
-
- Grenoble 92.
-
-
- H
-
- Haag 9, 11, 15-20, 38, 52, 55, 62, 63, 144-175, 177-189, 194-215,
- 218, 221-224, 231, 236, 351, 352, 359.
-
- Hamburg 30, 37, 60, 284, 300, 350-352.
-
- Harlem 318.
-
- Hellevoetsluis 160, 170, 203, 204, 206.
-
-
- I (J)
-
- Jerusalem 92.
-
- Indien 13, 64, 65, 312.
-
-
- K
-
- Karlsruhe 27, 279.
-
- Kassel 29, 358-360.
-
- Klagenfurt 244.
-
- Konstantinopel 11, 120, 358, 359.
-
- Kopenhagen 361.
-
-
- L
-
- Lausanne 29.
-
- Leipzig 30, 36, 40, 300, 304-309, 324-335.
-
- Lille 155, 165.
-
- Livorno 22, 27, 56, 66, 296.
-
- London 12, 18, 20, 21, 56, 65, 67, 77-79, 119-121, 144, 159, 167,
- 169, 171, 189-195, 198, 203-206, 213-215, 217-220, 231, 236, 297,
- 299, 302, 305, 307, 351, 352.
-
- Lüttich 279.
-
-
- M
-
- Madrid 9.
-
- Mailand 56, 297.
-
- Mantua 27, 62.
-
- Meißen 192.
-
- Metz 125.
-
- Mexiko 11, 119.
-
- Moskau 23, 27, 31, 329-331.
-
-
- N
-
- Neapel 60, 296.
-
- Newmarket 65.
-
- Nicäa 51.
-
- Nimwegen 21, 26, 40, 222, 249, 267, 268.
-
- Nürnberg 20-22, 57, 294, 295, 308.
-
-
- P
-
- Paris 13-15, 17, 24, 31, 39, 40, 47-54, 60, 61, 65, 67, 77, 82, 107,
- 108, 122-132, 139-141, 167, 171, 182, 185, 198, 218, 228-232, 240,
- 266-269, 296, 302, 303, 305, 307, 336, 351, 352, 359, 361.
-
- Peking 60.
-
- Persien 59.
-
- Petersburg 56, 85, 309, 329.
-
- Pfalz 223.
-
- Pisa 27, 297, 299, 332.
-
- Polen 198.
-
- Portugal 9, 315.
-
- Potsdam 317, 321, 322.
-
-
- R
-
- Rom 60.
-
- Rotterdam 175, 206, 219.
-
- Rußland 20-23, 57, 294, 308, 325, 329, 331, 332.
-
- Ryswijk 16, 150, 152, 197, 201.
-
-
- S
-
- San (Sankt) Germano 9, 11, 296.
-
- Schleswig 11, 28, 30, 35, 52, 58, 74, 75, 100, 126, 287, 353-355,
- 361, 362.
-
- Schwabach 28, 29, 31, 289, 293, 297, 300-302, 308, 326, 330.
-
- Siena 74.
-
- Spanien 198.
-
- Straßburg 10, 37, 95.
-
-
- T
-
- t’Kint 259.
-
- Tournai 23-27, 30, 31, 33, 34, 226, 234, 239, 240, 245, 248-250, 252,
- 254, 261, 265, 267-270, 277, 279, 280, 282-285.
-
- Trient 93, 94, 124, 215.
-
- Triesdorf 29, 57, 290-293, 303.
-
- Tunis 66.
-
-
- U
-
- Ubbergen 21, 22, 221, 222, 234, 236, 266.
-
- Utrecht 76, 77, 160.
-
-
- V
-
- Venedig 27, 51, 56, 59, 60, 128, 297, 299, 305, 332.
-
- Vitry 10.
-
-
- W
-
- Weesp 223.
-
- Wien 60, 64, 67.
-
-
- Z
-
- Zutphen 222.
-
-
-
-
-VERZEICHNIS DER ABBILDUNGEN
-
-
- Der Graf von Saint-Germain Titel
-
- Fürst Franz II. Rakoczy 8
-
- Nikolaikirche in Eckernförde 33
-
- Max Joseph Graf von Lamberg 65
-
- Frau von Genlis 73
-
- Elisabeth von Ansbach und Bayreuth (Lady Craven) 88
-
- Cagliostro 104
-
- Giacomo Casanova 128
-
- Karl Graf Cobenzl 224
-
- Staatskanzler Graf Kaunitz 265
-
- Alexander Markgraf von Ansbach und Bayreuth 288
-
- Schreiben Saint-Germains an Friedrich den Großen 320
-
- Schreiben Saint-Germains an Prinz Friedrich August von
- Braunschweig 335
-
- Karl Prinz von Hessen 352
-
- Christianspflegehaus in Eckernförde 361
-
- Kirchenbuch von Eckernförde 367
-
-
-
-
- Von diesem
- Werke wurde eine Vorzugsausgabe
- von vierhundert Exemplaren auf Bütten
- in der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig gedruckt.
- Diese Vorzugsausgabe ist numeriert und
- in Ganz- und Halbleder
- gebunden.
-
-
-
-
-Fußnoten:
-
-[1] Von dem Freiherrn von Gemmingen und von Casanova.
-
-[2] Aufzeichnung Hardenbroeks von 1762.
-
-[3] Michel de Montaigne (1533-1592), Essais, Buch 1, Kap. 20.
-
-[4] Das Faksimile dieses Schreibens mit seiner vollen
-Namensunterschrift P. M. de Saint-Germain ist nach dem Original im
-British Museum zu London von J. Cooper-Oakley in ihrer Monographie
-„_The comte de St. Germain_“ (Mailand 1912) veröffentlicht.
-
-[5] Vgl. Andrew Lang, Historical Mysteries, S. 259 (London 1904).
-
-[6] Ein handschriftliches Exemplar der Abhandlung („_Musique raisonnée,
-selon le bon sens, aux dames anglaises qui aiment le vrai goût en
-cet art_“), 135 Seiten stark, befindet sich in der Bibliothek des
-Lobkowitzschen Schlosses in Raudnitz in Böhmen. Es ist einem Prinzen
-Lobkowitz gewidmet, wahrscheinlich dem General und Diplomaten Prinz
-Joseph Maria Karl (1725-1802), der gleichzeitig ein großer Musikfreund
-war und u. a. mit Karl Philipp Emanuel Bach in Hamburg einen
-Briefwechsel unterhielt.
-
-[7] Beilage zu dem Schreiben des Grafen Kaunitz an Graf Cobenzl vom 19.
-April 1763.
-
-[8] Bericht Hellens vom 8. Januar 1760.
-
-[9] Aufzeichnung Bentincks vom 9. März 1760.
-
-[10] Aufzeichnung Bentincks vom 4. April 1760.
-
-[11] Weisungen Choiseuls an d’Affry vom 19. März und 11. April 1760.
-
-[12] Bericht Hellens vom 5. April 1760.
-
-[13] Bericht Hellens vom 15. März 1760.
-
-[14] Vgl. v. Bilbassoff, Geschichte Katharinas II., deutsche
-Übersetzung, Bd. 2, Teil 1, S. 15 (Berlin 1893).
-
-[15] Anfrage d’Affrys vom 23. März und Antwort Choiseuls vom 10. April
-1762.
-
-[16] Schreiben von Dubosc von 2. April 1777.
-
-[17] Schreiben von Dubosc vom 2. und 12. April 1777.
-
-[18] Schreiben von Dubosc vom 12. April 1777.
-
-[19] Der schwedische Professor Björnstahl berichtet in seinem
-Reisetagebuch (_Resa til Frankrike, Italien, Sweitz, Tyskland etc._,
-Bd. 4, S. 172; Stockholm 1782), er habe am 21. Mai 1774 auf Schloß
-Hanau einen Herrn von Saint-Germain in Begleitung eines Lord Cavendish
-getroffen, die er in Lausanne kennen gelernt hatte und die auf dem
-Wege nach Kassel und Berlin waren. Dieser Saint-Germain war Hofmeister
-des Lords und hat daher mit unserem, damals schon am Ansbacher Hofe
-weilenden Helden nichts zu tun. Für den Besuch des Lords und seines
-Hofmeisters im Juli 1774 in Berlin vgl. „Politische Correspondenz
-Friedrichs des Großen“, Bd. 35, S. 418, und Tagebücher des Grafen
-Lehndorff, Nachträge, Bd. 2, S. 303 (Gotha 1913).
-
-[20] Schreiben von Frölich vom 28. März, von Wurmb vom 19. Mai, von
-Bischoffwerder vom 9. Juli 1777.
-
-[21] Schreiben Dressers vom 23. Oktober 1778.
-
-[22] Vgl. die Zeitschrift „De Vrijmetselaar“ vom Mai 1911.
-
-[23] Schreiben von Wurmb vom 19. Mai 1777.
-
-[24] Bericht vom 25. Juni 1763.
-
-[25] Bericht vom 25. Juni 1777.
-
-[26] Die bisher bekannt gewordenen Namen, unter denen Saint-Germain
-auftrat, sind: _Marquis de la croix noire_ (in London), _Surmont_ (in
-Holland), in Italien: _Marquis de Montferrat_, _Marquis d’Aymar_, Graf
-_Bellamare_ oder _Belmar_ (in Venedig), _Chevalier Schöning_ (in Pisa),
-Graf _Soltikow_ (in Genua), dann Fürst _Rakoczy_ und Graf _Welldone_.
-
-[27] Baron Karl Heinrich von Gleichen (1733-1807), Diplomat in
-bayreuther, dann in dänischen Diensten. Er war ein Schöngeist und
-Theosoph, schrieb über philosophische und künstlerische Fragen,
-verfaßte u. a. eine Schrift über „Magie, Kabbala und geheime
-Gesellschaften“. Sein Freund, Graf A. v. Westerholt, veröffentlichte
-in den „Andenken für Freunde 1811 und 1812“ (Sulzbach) aus den
-„Erinnerungen“ den Abschnitt über Saint-Germain, der in deutscher
-Übersetzung im „Morgenblatt“ (1813) und in den von Vulpius
-herausgegebenen „Curiositäten der Vor- und Mitwelt“, Bd. 7, S. 12
-ff. (Weimar 1818) erschien. Der obige Abdruck nach den von Grimblot
-herausgegebenen „_Souvenirs de Charles Henri Baron de Gleichen_“, S.
-122 ff. (Paris 1868).
-
-[28] Auf dem Wege von Kopenhagen nach Madrid, wohin er als dänischer
-Gesandter ging.
-
-[29] Ludwig XV.
-
-[30] König Franz I. von Frankreich (1494-1547); König Heinrich VIII.
-von England (1491-1547).
-
-[31] Pariser Stadtviertel nördlich der Seine.
-
-[32] Die Mutter von Johannes dem Täufer.
-
-[33] Die Mutter von Maria.
-
-[34] Im Jahre 325.
-
-[35] Jean Rameau, französischer Komponist (1683-1764).
-
-[36] Der auch sonst mehrfach erwähnte Chevalier Jacques Vincent
-Languet, Graf von Gergy, war von 1723 bis zu seinem Tode im Jahre 1734
-Botschafter in Venedig.
-
-[37] Vielmehr 1784 in Eckernförde.
-
-[38] Philipp von Stosch (1691-1757), Kunstkenner und Kunstsammler. Er
-lebte seit 1731 in Florenz.
-
-[39] Herzog Philipp II. von Orléans (1674-1723) führte nach dem Tode
-Ludwigs XIV. (1715) die Regentschaft für den unmündigen König Ludwig XV.
-
-[40] Maria Anna von Pfalz-Neuburg (1667-1740), Witwe des 1700
-gestorbenen Königs von Spanien Karl II.
-
-[41] Herzog Stephan Franz von Choiseul war Staatssekretär des
-Auswärtigen, vermählt mit Luise Honorine, einer Tochter des Pariser
-Bankiers Crozat du Châtel.
-
-[42] Robert Ignaz Solar de Breille, Malteserkomtur, 1758-1765
-sardinischer Gesandter in Paris.
-
-[43] Ludwig Karl August Graf Belle-Isle, Herzog von Vernon (1684 bis
-1761), französischer Marschall und seit 1758 Kriegsminister.
-
-[44] Im Sommer 1759.
-
-[45] Für das folgende vgl. unten den Abschnitt: „Die Mission
-Saint-Germains im Haag.“
-
-[46] Graf Ludwig August Augustin d’Affry (1713-1793).
-
-[47] Graf Alexei Orlow, ein Bruder des Fürsten Gregor Orlow, des
-Günstlings der Zarin Katharina II., leitete während des Türkenkrieges
-1768/74 die russische Expedition in den Archipel. Unter seinem
-Oberbefehl errang die russische Flotte am 5./6. Juli 1770 über die
-türkische den glänzenden Sieg bei Tschesme.
-
-[48] Vgl. dazu den Abschnitt: „Saint-Germain in Ansbach.“
-
-[49] Es liegt eine Verwechslung mit Graf Alexei vor, der im Frühjahr
-1775 auf der Rückkehr aus Italien Nürnberg berührte.
-
-[50] Karoline, Gemahlin des Markgrafen Alexander, geb. Prinzessin von
-Sachsen-Koburg († 1791).
-
-[51] Prinz Karl hatte zwei Brüder, den Landgrafen Wilhelm IX. und Prinz
-Friedrich, der in holländischen Diensten stand.
-
-[52] Dieser Angabe widerspricht der Aufruf des Magistrats von
-Eckernförde vom 3. April 1784 an die etwa vorhandenen Erben.
-
-[53] Graf Maximilian Joseph Lamberg (1729-1792), Kaiserlicher
-Kammerherr, zunächst württembergischer Geheimer Rat, dann
-Oberhofmarschall des Fürstbischofs von Augsburg, lebte seit 1769 als
-Schöngeist philosophischen und wissenschaftlichen Studien. Der Abdruck
-nach seiner Schrift: „Le mémorial d’un mondain“, Bd. 1, S. 80 ff. (Au
-Cap Corse, 1774).
-
-[54] Gemeint ist der Schah Nadir, bekannt unter dem Namen Thamas
-Chouli-Kan, der 1736 den persischen Thron bestieg, den Großmogul
-unterjochte und 1747 ermordet wurde.
-
-[55] Herzog Friedrich von York, Sohn König Georgs III. von England,
-seit 1764 Fürstbischof von Osnabrück.
-
-[56] _Piso_, ein Familienname des Calpurnischen Geschlechts.
-
-[57] Graf Moritz von Sachsen, Sohn des Kurfürsten August des Starken
-von Sachsen und der Gräfin Aurora von Königsmarck, Marschall von
-Frankreich (1696-1750).
-
-[58] Johanna Elisabeth (1712-1760), Witwe des 1747 gestorbenen Fürsten
-Christian August.
-
-[59] Vulgata, Psalm 44, Vers 2; in Luthers Bibelübersetzung (Psalm 45):
-„Meine Zunge ist ein Griffel eines guten Schreibers.“
-
-[60] Vgl. S. 10.
-
-[61] Jean François de La Mothe Le Vayer († 1764), französischer
-Rechtsgelehrter.
-
-[62] Vgl. für das folgende den Abschnitt: „Die Mission Saint-Germains
-im Haag.“
-
-[63] Franz I. (1708-1765), Römischer Kaiser, Gemahl Maria Theresias.
-
-[64] Über einen Aufenthalt Saint-Germains in Österreich liegt sonst
-keinerlei beglaubigte Nachricht vor.
-
-[65] _Fou_ ist im Französischen der Läufer im Schachspiel.
-
-[66] Man muß als König oder als Narr geboren sein.
-
-[67] Johann Heinrich Pott (1692-1777) und Andreas Sigismund Marggraf
-(1709-1783), Chemiker in Berlin; Guillaume François Rouelle
-(1703-1770), französischer Chemiker.
-
-[68] Titel alchimistischer Werke.
-
-[69] Robert Clive (1725-1774), der Eroberer Ostindiens.
-
-[70] Charles Watson (1714-1757).
-
-[71] John Stuart, Lord Bute (1713-1792), englischer Staatsmann,
-Günstling König Georgs III.
-
-[72] Prinz Friedrich Ludwig von Wales, der Sohn König Georgs II., war
-1751 gestorben.
-
-[73] Trauerspiel von Voltaire.
-
-[74] Vgl. Cooper-Oakley, S. 59.
-
-[75] Gemeint ist wohl der bereits S. 13, Anm. 1 erwähnte Prinz Joseph
-Maria Karl Lobkowitz.
-
-[76] Johann Ferdinand Opiz (1741-1812), österreichischer
-Schriftsteller, seit 1775 Bankalinspektor in Czaslau. Das Schreiben
-(undatiert) nach dem Abdruck bei Maynial, _Casanova et son temps_, S.
-268 f. (Paris 1911).
-
-[77] Vgl. „_Lettres critiques, morales et politiques_“, Bd. 1, S. 3
-(Amsterdam 1786).
-
-[78] Der berüchtigte Abenteurer Graf Alexander Cagliostro.
-
-[79] Die Welt will betrogen werden.
-
-[80] Vgl. Maynial, S. 269.
-
-[81] Vgl. Maynial, S. 269 f.
-
-[82] Gräfin Félicité von Genlis (1746-1830), geborene Marquise Ducrest
-de Saint-Aubin, französische Schriftstellerin. Ihre Erinnerungen an
-Saint-Germain, den sie im Winter 1759/60, also im Alter von 14 Jahren
-kennen lernte, sind erst rund 50 Jahre später niedergeschrieben, wie
-ihre Bemerkung über König Friedrich VI. von Dänemark (vgl. S. 75)
-beweist. Der obige Abdruck nach den „_Mémoires inédits de Madame
-la comtesse de Genlis sur le dix-huitième siècle et la révolution
-française depuis 1756 jusqu’à nos jours_“, Bd. 1, S. 134 ff. (Paris
-1835).
-
-[83] François Philidor (1726-1795), Komponist.
-
-[84] Maurice Quentin de Latour (1704-1788); Carle Vanloo (1705-1765).
-
-[85] Prinz Karl war vermählt mit Prinzessin Luise, der Schwester König
-Christians VII. (1749-1808); seine Tochter Sophie heiratete 1790 den
-Kronprinzen Friedrich (VI.), der als König von 1808 bis 1839 regierte.
-
-[86] Pierre Jean Grosley (1718-1785), französischer Gelehrter und
-Schriftsteller. Der obige Abdruck nach seinen „_Oeuvres inédites_“, Bd.
-3, S. 323 ff. (Paris 1813), aus der Beschreibung einer von ihm 1772
-unternommenen Reise nach Holland.
-
-[87] Vgl. den Abschnitt: „Die Mission Saint-Germains im Haag“.
-
-[88] 1743-1745.
-
-[89] In „Gil Blas“, dem berühmten Sittenroman von Alain René Lesage
-(1668-1747).
-
-[90] Wohl das Attentat, das Damiens 1757 auf Ludwig XV. verübte.
-
-[91] Bei dem Mann mit der eisernen Maske handelt es sich nach der
-neueren Forschung um einen Minister des Herzogs von Mantua, der in
-Pinerolo, wohin ihn Ludwig XIV. bringen ließ, verschwand.
-
-[92] Der Königin-Witwe Maria Anna von Spanien (vgl. S. 53).
-
-[93] Vgl. „Hohenzollern-Jahrbuch“, Jahrg. 1911, S. 296.
-
-[94] Vgl. „Un diplomate français à la cour de Cathérine II. Journal
-intime du chevalier de Corberon, 1775-1780“, hrsg. von Labande. Bd. 1,
-S. 195 f. (Paris 1901.)
-
-[95] Charles Antoine Gouffier, Marquis von Heilly und Ribemont (geb.
-1698), franz. Brigadegeneral.
-
-[96] Vgl. „Des Reichsgrafen Ernst Ahasverus Heinrich Lehndorff
-Tagebücher nach seiner Kammerherrnzeit“. Hrsg. von K. E.
-Schmidt-Lötzen. Bd. 1, S. 6 f. (Gotha 1921.)
-
-[97] Voltaires Trauerspiel: „_Hérode et Mariamne_“, 1724 zum erstenmal
-aufgeführt. Herodes der Große, Vierfürst von Galiläa, ließ seine
-Gemahlin Mariamne hinrichten.
-
-[98] Vgl. die den „_Mémoires sur la vie de Marie Antoinette_“
-angehängten „_Anecdotes du règne de Louis XV_“.
-
-[99] Vgl. S. 59 ff.
-
-[100] Elisabeth Berkeley (1750-1828), in erster Ehe mit Lord
-Craven vermählt, heiratete nach ihrer Scheidung von demselben 1791
-den Markgrafen Alexander von Ansbach. Der obige Abdruck nach den
-„Denkwürdigkeiten der Markgräfin von Ansbach“, Bd. 2, S. 27 f.
-(Stuttgart und Tübingen 1826). Zur Kritik derselben ist zu beachten,
-daß sie Saint-Germain persönlich nicht gekannt hat.
-
-[101] Vgl. S. 59.
-
-[102] Cäsar war in den Jahren 55 und 54 v. Chr. in England gelandet.
-
-[103] Renée Charlotte Victoria de Froulay, Marquise de Créquy
-(1714-1803), Witwe des 1741 verstorbenen Generalleutnant Marquis Louis
-Marie de Créquy. Bei den „Erinnerungen“, denen der obige Abdruck
-entnommen ist, handelt es sich um eine Fälschung, die unter dem Titel
-„Souvenirs de la marquise de Créquy“ 1834 in sieben Bänden aus der
-Feder eines gewissen Cousin de Courchamps erschien. Trotzdem haben die
-im 3. Bande enthaltenen Angaben über Saint-Germain ernsthafte Beachtung
-gefunden.
-
-[104] Jeanne Camus d’Urfé (1705-1775), geb. de Pontcarré, Witwe des
-1734 gestorbenen Louis Christophe de La Rochefoucauld de Lascaris
-d’Urfé, Marquis de Langeac. Durch ihre alchimistischen Neigungen
-wurde sie das leichtgläubige Opfer von Abenteurern. Ihr Verkehr mit
-Saint-Germain ist durch sein Bild bezeugt, das in ihrem Salon hing,
-nach dem auch der Stich von Thomas (vgl. das Titelbild) angefertigt
-ist. Eine Kopie des Bildes befand sich auf Schloß Triesdorf, dem
-Sommersitz des Markgrafen von Ansbach.
-
-[105] Die Brüderschaft der „Rosenkreuzer“, angeblich um 1400 von einem
-Deutschen, Christian Rosenkreutz, gegründet mit dem Ziel, die Welt zu
-reformieren. Den Namen der „Rosenkreuzer“ nahm auch eine alchimistische
-Gesellschaft an, die sich im Haag 1622 bildete und sich von dort aus
-weit verzweigte. Aus der Verquickung mit der Freimaurerei entstand
-dann zwischen 1756 und 1768 in Süddeutschland der Orden der „Gold- und
-Rosenkreuzer“.
-
-[106] Antoine de Créquy, Herr von Créquy und von Canaples, Kardinal,
-Bischof von Nantes, dann von Amiens (geb. um 1531, † 1574).
-
-[107] 1545-1547.
-
-[108] Andreas Herkules de Fleury, Kardinal und Premierminister von
-Frankreich, war bereits 1743 gestorben.
-
-[109] Louis Auguste Le Tonnelier Baron de Breteuil (1733-1807) erhielt
-erst 1783 dieses Amt.
-
-[110] Die Schilderung des Äußeren, vor allem „der üppige Bart“, stimmt
-in keiner Weise zu dem durch Thomas’ Stich (vgl. das Titelbild) uns
-überlieferten Porträt von Saint-Germain.
-
-[111] Der geschiedene Gatte der Marquise von Pompadour.
-
-[112] Claude de Beauvoir, Herr von Chastellux, Vicomte d’Avallon (1385
-oder 1386-1453), Marschall von Frankreich.
-
-[113] Karl VI. (1380-1422).
-
-[114] Nach der „Biographie Universelle“, Bd. 8, S. 8 f. (Paris 1844)
-war seine Mutter Jeanne de St.-Verain und seine erste Gemahlin Alix de
-Toucy.
-
-[115] Alain Chartier (1386-1458) und Mellin de Saint-Gelais (1491 bis
-1558), französische Dichter.
-
-[116] Flamel, Schreiber in Paris und Verfasser alchimistischer
-Schriften, lebte in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts. Er soll
-zur Kenntnis der Darstellung des Steins der Weisen gelangt sein.
-
-[117] Der berüchtigte Abenteurer Graf Alexander Cagliostro, mit seinem
-wahren Namen Joseph Balsamo (1743-1795), aus Palermo, verheiratet
-mit einem Mädchen aus niederem Stande, Lorenza Feliciani. Der obige
-Abdruck entstammt den „_Mémoires authentiques pour servir à l’histoire
-du Comte de Cagliostro, par M. de Beaum_ ...“ (Paris 1785). Die
-Schrift ist eine Fälschung, ihr Verfasser Jean Pierre Louis de la
-Roche de Maire, Marquis de Luchet. Als Erdichtung ist Cagliostros
-Besuch bei Saint-Germain zu betrachten. Schon fast eine zehnjährige
-Abenteurerlaufbahn lag hinter ihm, mit langen Aufenthalten in London
-und Paris, als er 1779 in Petersburg auftauchte.
-
-[118] Im Herbst 1779 war Saint-Germain nach Schleswig übergesiedelt.
-
-[119] Auf dem Père Lachaise in Paris, wo damals die gute Gesellschaft
-hinströmte und Andachten verrichtete.
-
-[120] Friedrich Anton Mesmer (1733-1815), Begründer der Lehre vom
-tierischen Magnetismus.
-
-[121] Der Teich Bethesda.
-
-[122] Die Geliebte des Epikur.
-
-[123] Die Gemahlin des Kaisers Mark Aurel.
-
-[124] Oströmische Kaiserin, nach dem Tode ihres Gemahls, Kaiser Leos
-IV., Vormünderin ihres Sohnes Konstantin VI., von Nikephoros (I.)
-gestürzt († 803).
-
-[125] Als Anmerkung dem Texte der „Denkwürdigkeiten zur Geschichte des
-Grafen Cagliostro“ angehängt.
-
-[126] Vgl. S. 54.
-
-[127] Vorstadt von Paris.
-
-[128] Jakob Heinrich Meister (1744-1826), ein geborener Schweizer,
-Mitarbeiter an der von Grimm und Diderot herausgegebenen
-„_Correspondance littéraire, philosophique et critique_“, machte den
-obigen kritischen Zusatz bei der Anzeige der „_Mémoires authentiques_“.
-Vgl. „_Correspondance littéraire_“, hrsg. von Tourneux, Bd. 14, S. 253
-(Paris 1880).
-
-[129] Die Darstellung geht offenbar auf die „_Mémoires authentiques_“
-zurück. Sie entstammt einer anonymen Schrift: „Über Zauberglauben und
-andere Schwärmereien“, S. 378 (Leipzig 1787), die Vulpius in den von
-ihm herausgegebenen „Curiositäten der Vor- und Mitwelt“, Bd. 7, S. 11
-f. (Weimar 1818) wieder abgedruckt hat.
-
-[130] Nach der ebenfalls von dem Marquis Luchet (vgl. S. 100, Anm. 1)
-anonym herausgegebenen Schrift: „_Essai sur les Illuminés_“, S. 96
-und 107 ff. (Paris 1789). Die Schrift erschien darauf in deutscher
-Übersetzung unter dem Titel: „Ist Cagliostro Chef der Illuminaten?
-oder das Buch _Sur la secte des Illuminés_, in deutsch“ (Gotha 1790).
-Die oben angehängte „Charakteristik“ war von dem anonymen Übersetzer
-(Johann Joachim Christoph Bode) zu Seite 128 der Schrift als Fußnote
-hinzugefügt.
-
-[131] Guillaume Postel (1510-1581), französischer Schwarmgeist.
-
-[132] Prinz Karl von Hessen. Vgl. den Abschnitt: „Saint-Germain in
-Schleswig und Eckernförde.“
-
-[133] Vgl. S. 59 ff.
-
-[134] Die Illuminaten.
-
-[135] Anläßlich einer Besprechung der Übersetzung: „Ist Cagliostro Chef
-der Illuminaten?“ durch Rw. in der „Allgemeinen deutschen Bibliothek“,
-Bd. 7, S. 609 (Kiel 1792).
-
-[136] Horace Walpole, Lord von Orford (1717-1797), Sohn des englischen
-Staatsmannes Robert Walpole, Mitglied des Parlaments. Er widmete sich
-später der Kunst und Literatur.
-
-[137] Horace Man war englischer Gesandter in Florenz. Der obige Abdruck
-nach den von P. Toynbee herausgegebenen „_Letters of Horace Walpole,
-fourth Earl of Orford_“, Bd. 2, S. 161 (Oxford 1903).
-
-[138] Anläßlich des Aufstandes des englischen Kronprätendenten Karl
-Eduard Stuart (1720-1788), Enkel des 1688 vertriebenen Königs Jakob II.
-
-[139] Prinz Friedrich Ludwig (vgl. S. 66).
-
-[140] Vgl. _Letters of Horace Walpole_, Bd. 6, S. 391 (Oxford 1904).
-
-[141] Jean Jacques Rousseau (1712-1778), der bekannte Genfer Philosoph
-und Schriftsteller.
-
-[142] Nach Maynial, S. 264.
-
-[143] Jean Henri Maubert de Gouvest (1721-1767).
-
-[144] Vgl. S. 119, Anm. 3.
-
-[145] König Ludwig XV.
-
-[146] Giacomo Casanova de Seingalt (1725-1798), der bekannte
-Abenteurer. Der obige Abdruck nach seinen „_Mémoires écrits par
-lui-même_“, Bd. 5, S. 223 ff. und 344 ff. (Paris 1832). Ihre
-historische Glaubwürdigkeit ist neuerdings stark angefochten.
-
-[147] Vgl. S. 91.
-
-[148] Anne Henry Gräfin Gergy, die Witwe des 1734 als französischer
-Botschafter in Venedig gestorbenen Grafen (vgl. S. 51).
-
-[149] Vgl. S. 93.
-
-[150] Herzog Christian IV. von Zweibrücken-Birkenfeld (1722 bis 1775).
-
-[151] Schloß Chambord.
-
-[152] Vgl. „_Mémoires de Madame du Hausset, femme de chambre de madame
-de Pompadour_“, S. 148 ff., 179 und 186 ff. (Paris 1824).
-
-[153] König Franz I. von Frankreich (1494-1547).
-
-[154] Anne Herzog von Montmorency (1492-1567), Connétable von
-Frankreich.
-
-[155] Franz II. (1559-1560), Karl IX. (1560-1574) und Heinrich III.
-(1574-1589).
-
-[156] Maria Stuart war in erster Ehe mit König Franz II. vermählt.
-
-[157] Erste Gemahlin König Heinrichs IV., 1599 von ihm geschieden.
-
-[158] Vgl. S. 122.
-
-[159] Vgl. dazu die widersprechende Angabe bei Lamberg (S. 60).
-
-[160] Charles Antoine Armand (1708-1788), Marquis, seit 1758 Herzog von
-Gontaut, Generalleutnant.
-
-[161] François Quesnay (1694-1774), Leibarzt Ludwigs XV. und
-Nationalökonom, Begründer der physiokratischen Schule.
-
-[162] Maria Angelica, Herzogin von Brancas, war Ehrendame der Dauphine.
-
-[163] François Joachim de Pierre, Graf Bernis (1715-1794), Abbé, Juni
-1757 bis Oktober 1758 Staatssekretär des Auswärtigen, seit Oktober 1758
-Kardinal, im Dezember 1758 aus Paris verwiesen, seit 1769 Gesandter in
-Rom.
-
-[164] Jean Petitot (1607-1691), Erfinder der Emailmalerei.
-
-[165] Don Joachim Antonio de Bazan y Melo, Marquis de San Gil,
-1734-1746 spanischer Botschafter im Haag.
-
-[166] Held eines spanischen Gaunerromans.
-
-[167] Bruno von der Hellen, preußischer Geschäftsträger im Haag. Der
-Bericht nach der Ausfertigung im Preußischen Geheimen Staatsarchiv zu
-Berlin.
-
-[168] Durch den Abschluß der Versailler Allianz vom 1. Mai 1756 mit dem
-Wiener Hofe war Frankreich auf Seite der Gegner Preußens getreten und
-stand mit Österreich und Rußland gegen Friedrich den Großen im Felde.
-
-[169] Bei Kay am 23. Juli, wo der zum Diktator ernannte General von
-Wedell, und bei Kunersdorf am 12. August 1759, wo König Friedrich
-selbst von den Russen besiegt wurde.
-
-[170] Der Generalkontrolleur der Finanzen, Étienne de Silhouette,
-erhielt am 21. November 1759 seine Entlassung.
-
-[171] Der Marquis de Marigny war Generaldirektor der Königlichen
-Schlösser in Frankreich. Der obige Abdruck nach den von J.
-Cooper-Oakley in ihrer Monographie „_The Comte de Saint-Germain_“, S.
-183 ff. im Auszug mitgeteilten Briefen in der _Bibliothèque nationale_
-in Paris.
-
-[172] Haushofmeister der Schlösser Chambord und Blois.
-
-[173] Gouverneur des Schlosses Chambord.
-
-[174] In der Vorlage verschrieben: 1758.
-
-[175] Graf Andreas Peter Bernstorff (1735-1797), dänischer Staatsmann.
-Er weilte 1757 in Frankreich. Nach dem Abdruck bei Maynial, S. 263 f.
-
-[176] Charles Claude de Flahaut, Herr de la Billarderie, Graf
-d’Angiviller (1730-1809). Er war Kammerjunker bei den Kindern des
-1765 gestorbenen Dauphins Ludwig gewesen. Nach seinen 1805 verfaßten
-Aufzeichnungen „_Épisodes de ma vie_“ in den von Bobé herausgegebenen
-„_Efterladte Papirer fra den Reventlowske Familiekreds_“, Bd. 7, S. 195
-f. (Kopenhagen 1906).
-
-[177] Prinz Karl von Hessen.
-
-[178] Stephan Franz Graf von _Stainville_ (1719-1785), am 11. November
-1758 zum Staatssekretär des Auswärtigen ernannt und zum Herzog von
-_Choiseul_ erhoben. Der obige Abdruck nach dem von J. Cooper-Oakley
-(S. 188 ff.) im Auszug mitgeteilten Schriftwechsel im Archiv des
-Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten zu Paris.
-
-[179] Vgl. S. 55, Anm. 1.
-
-[180] Französischer Marinekommissar in Amsterdam.
-
-[181] Heinrich Leonhard Johann Baptiste Bertin war der Nachfolger
-Silhouettes (vgl. S. 140 f.) als Generalkontrolleur der Finanzen.
-
-[182] Jean Pâris de Montmartel, französischer Hofbankier, und sein
-Bruder Joseph Pâris-Duverney, gleichfalls Bankier.
-
-[183] Vgl. S. 54, Anm. 2.
-
-[184] Graf Willem Bentinck, Herr van Rhoon (1704-1773). Er hatte bei
-der Wiedereinführung der Statthalterschaft in Holland 1747 eine Rolle
-gespielt und war ein Anhänger Englands. Vgl. unten S. 162 ff. die
-Aufzeichnungen Bentincks.
-
-[185] Inhaber eines Handelshauses in Amsterdam.
-
-[186] Vgl. S. 146 f.
-
-[187] Peter Steyn.
-
-[188] Govert van Slingelandt, Generalsteuereinnehmer von Holland.
-
-[189] Gemeint ist der von England und Preußen in Vorschlag gebrachte
-Friedenskongreß.
-
-[190] Der sächsische Resident.
-
-[191] Der russische Gesandte.
-
-[192] Prinz Ludwig von Braunschweig-Wolfenbüttel (1718-1788) führte die
-Regierung für den minderjährigen Prinzen Wilhelm V. von Oranien.
-
-[193] Der österreichische Gesandte.
-
-[194] Die abschlägige Antwort von Österreich, Rußland und Frankreich
-auf die englisch-preußische Deklaration vom 25. November 1759 mit dem
-Vorschlag, einen Friedenskongreß zu beschicken.
-
-[195] Der englische Gesandte.
-
-[196] Heinrich Fagel, Greffier der Generalstaaten.
-
-[197] Vgl. dafür unten S. 170 ff. die Berichte von Yorke.
-
-[198] Verschrieben für Holdernesse (vgl. unten S. 175).
-
-[199] Vgl. S. 148 f.
-
-[200] Vgl. dazu unten S. 169 f. die Aufzeichnung des Grafen Bentinck
-vom 18. April.
-
-[201] Mitglied des auswärtigen Ausschusses der Generalstaaten.
-
-[202] Vgl. unten S. 160 f.
-
-[203] Tobias Boas, Bankier im Haag.
-
-[204] Vgl. C. A. van Sypesteyn, _Voltaire, Saint-Germain, Cagliostro,
-Mirabeau en Nederland_, S. 100 f. (Haag 1869).
-
-[205] Vgl. C. A. van Sypesteyn, S. 100 f.
-
-[206] Am 16. Mai wurde die Denkschrift d’Affrys darauf durch den
-Ratspensionär Steyn der Versammlung der Staaten von Holland mitgeteilt.
-Diese beschloß, daß die Denkschrift von den Herren der Ritterschaft
-und „anderen Hochedlen, die dem Großen Ausschuß als Ratgeber und
-Sachverständige beigegeben waren“, geprüft werden solle. Vgl. C. A. van
-Sypesteyn, S. 101 f.
-
-[207] Für Bentinck vgl. S. 146, Anm. 1. Der obige Abdruck nach den
-von J. Cooper-Oakley (S. 225 ff.) im Auszug mitgeteilten „Papieren“
-Bentincks im Königlichen Hausarchiv im Haag.
-
-[208] Choiseul (damals noch Graf Stainville) war 1757 und 1758 bis zu
-seiner Berufung zum Staatssekretär des Auswärtigen (vgl. S. 144, Anm.
-1) französischer Gesandter in Wien.
-
-[209] Nicht in dem am 1. Mai 1756 zwischen Frankreich und Österreich
-geschlossenen Versailler Defensivvertrag, sondern erst in dem
-Offensivvertrag vom 1. Mai 1757 findet sich die geheime Abmachung, nach
-der Flandern dem Infanten Philipp, Herzog von Parma und Schwiegersohn
-König Ludwigs XV., abgetreten werden sollte, sobald Maria Theresia
-wiederum in den Besitz Schlesiens gelangt sei.
-
-[210] Thomas Pelham, Herzog von Newcastle, englischer Erster Lord des
-Schatzes.
-
-[211] John Carteret, Lord Granville, Präsident des Geheimen Rates.
-
-[212] William Pitt, Lord Chatham (1708-1778), Staatssekretär und
-Premierminister.
-
-[213] Neufville war Inhaber eines Handelshauses in Amsterdam.
-
-[214] Vgl. S. 146 f.
-
-[215] Vgl. S. 152.
-
-[216] Vgl. S. 148 f.
-
-[217] Vgl. S. 146 f.
-
-[218] Vgl. S. 154 f.
-
-[219] Linnières, angeblich ein Edelmann aus der Franche-Comté,
-hatte mit Saint-Germain eine Gesellschaft für die Herstellung von
-hydraulischen Maschinen zur Reinigung von Häfen, Kanälen und Flüssen
-begründet; doch trat letzterer nur als stiller Teilhaber auf (Bericht
-d’Affrys vom 27. Juni 1761, vgl. Cooper-Oakley, S. 221).
-
-[220] Wohl der Bankier Adrian Hope (vgl. S. 147).
-
-[221] Gerard Arnoud Hasselaar (1698-1766), Bürgermeister von Amsterdam.
-
-[222] Der Erbstatthalter Wilhelm V. war am 8. März 1748 geboren.
-
-[223] Das Folgende bezieht sich auf Saint-Germains Flucht am Morgen des
-16. April (vgl. S. 156 f.).
-
-[224] Vgl. S. 165.
-
-[225] Joseph Yorke, englischer Generalmajor und Gesandter im Haag. Der
-Abdruck nach Abschriften im Geheimen Staatsarchiv in Berlin.
-
-[226] Robert d’Arcy, Lord Holdernesse, englischer Staatssekretär.
-
-[227] König Georg II. (1683-1760).
-
-[228] In geheimen Besprechungen Yorkes mit dem französischen
-Botschafter Graf d’Affry.
-
-[229] Vgl. S. 119 ff.
-
-[230] Die Vermählung der Prinzessin Karoline, Schwester des
-Erbstatthalters Wilhelm V., mit dem Prinzen Karl von Nassau-Weilburg
-fand am 5. März statt.
-
-[231] Nicolas René Berryer, der Chef des Departements für Marine und
-Kolonien.
-
-[232] Die spanische Krone hatte im Herbst 1759 ihre Vermittlung für
-einen englisch-französischen Frieden angeboten.
-
-[233] Mit Preußen und einigen deutschen Fürsten hatte England
-Subsidienverträge geschlossen.
-
-[234] Die Kaiserin Maria Theresia und Zarin Elisabeth.
-
-[235] Im Pariser Friedensschlusse von 1763 ging Kanada in englischen
-Besitz über; dagegen wurden die von England in Ostindien gemachten
-Eroberungen an Frankreich und das 1756 von den Franzosen eroberte
-Minorka an England zurückgegeben.
-
-[236] Vgl. S. 130, Anm. 2.
-
-[237] Vgl. S. 148 f.
-
-[238] Vgl. S. 146 f.
-
-[239] Graf Ludwig Clermont, Prinz von Bourbon-Condé, französischer
-Generalleutnant.
-
-[240] Die Berichte des preußischen Geschäftsträgers von der Hellen
-(vgl. S. 139) sind dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin entnommen; die
-Antworten des Königs nach dem Abdruck in der „Politischen Correspondenz
-Friedrichs des Großen“, Bd. 19 (Berlin 1892).
-
-[241] Vgl. S. 139 ff.
-
-[242] Vgl. S. 147.
-
-[243] Am 18. März berichtet Hellen ausführlich über Yorkes Unterredung
-mit Saint-Germain (vgl. S. 172 ff.); am 27. teilt der König diesen
-Bericht seinem Gesandten in London, Freiherrn von Knyphausen, mit (vgl.
-„Politische Correspondenz“, Bd. 19, S. 198 ff.).
-
-[244] Der österreichische Gesandte.
-
-[245] Vgl. Anm. 1.
-
-[246] Baron Reischach und Graf Golowkin.
-
-[247] Vgl. S. 178 f.
-
-[248] Vgl. S. 180 f.
-
-[249] Vgl. S. 148 f.
-
-[250] Vgl. S. 146 f.
-
-[251] Vgl. S. 180.
-
-[252] Vgl. S. 153.
-
-[253] Vgl. S. 151. Das im Landeshauptarchiv zu Wolfenbüttel
-aufbewahrte Tagebuch des Prinzen Ludwig von Braunschweig enthält keine
-Aufzeichnungen über die ganze Saint-Germain-Episode.
-
-[254] Vgl. S. 166.
-
-[255] Vgl. S. 160 f.
-
-[256] Vgl. S. 161.
-
-[257] Dodo Heinrich Freiherr zu Inn- und Knyphausen, preußischer
-Gesandter, und Abraham Ludwig Michell, preußischer Geschäftsträger
-in London. Ihre Berichte sind dem Geheimen Staatsarchiv in Berlin
-entnommen; die Antworten des Königs nach dem Abdruck in der
-„Politischen Correspondenz“, Bd. 19.
-
-[258] Vgl. S. 177 ff.
-
-[259] Vgl. S. 169 f.
-
-[260] Vgl. S. 163.
-
-[261] Vgl. S. 169.
-
-[262] In das Hauptquartier des Königs in Meißen.
-
-[263] Vor seiner Berufung nach London (1758) war Knyphausen von 1751
-bis Ende 1756 Gesandter am französischen Hofe gewesen.
-
-[264] Weisungen des Königs für die Aufnahme Saint-Germains in
-Ostfriesland liegen weder im Geheimen Staatsarchiv in Berlin noch im
-Staatsarchiv in Aurich vor.
-
-[265] Andrew Mitchell, englischer Gesandter am preußischen Hofe. Er
-begleitete den König ins Feld. Die Berichte nach dem Abdruck in:
-„_Memoirs and Papers of Sir Andrew Mitchell, by Andrew Bißet_, Bd. 2,
-S. 146 f. und 155 (London 1850).
-
-[266] Vgl. S. 172 ff.
-
-[267] Vgl. S. 119 ff.
-
-[268] Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 141 f.
-
-[269] Vgl. S. 154 f. und 169 f.
-
-[270] Vgl. S. 191 f.
-
-[271] Freiherr Thaddäus Reischach, österreichischer Gesandter im
-Haag; Graf Wenzel Kaunitz, österreichischer Hof- und Staatskanzler.
-Die Berichte Reischachs (im Haus-, Hof- und Staatsarchiv in Wien)
-sind großenteils gedruckt bei Gugitz, „Giacomo Casanova und sein
-Lebensroman“, S. 215 ff. (Wien, Prag und Leipzig 1921). Sie sind
-deutsch abgefaßt.
-
-[272] Vgl. S. 151.
-
-[273] Die Antwort der von Preußen und England zum Kongreß eingeladenen
-Höfe von Wien, Paris und Petersburg. Sie wurde am 3. April 1760 dem
-Prinzen Ludwig übergeben.
-
-[274] Graf Georg Adam Starhemberg, österreichischer Botschafter in
-Paris.
-
-[275] Vgl. S. 147.
-
-[276] Der Prinzessin Karoline (vgl. S. 171).
-
-[277] Vgl. S. 172 ff.
-
-[278] Graf Moritz von Sachsen (vgl. S. 60).
-
-[279] Der französische Gesandte Martin von Lesseps in Brüssel.
-
-[280] Vgl. S. 148 f.
-
-[281] Vgl. S. 145 und 172.
-
-[282] Vgl. S. 162 ff. und 172 ff.
-
-[283] Maria Theresia.
-
-[284] Vgl. S. 151 f.
-
-[285] Vgl. S. 152.
-
-[286] Vgl. S. 177 ff.
-
-[287] Kerker.
-
-[288] an Laden legen = sich ins Zeug legen.
-
-[289] Vgl. S. 169 f.
-
-[290] Vgl. S. 146 f.
-
-[291] Vgl. S. 160 f.
-
-[292] Vgl. S. 160 f.
-
-[293] Johann Heinrich Kauderbach, kursächsischer Resident im Haag.
-Seine Berichte nebst der Antwort des Grafen Wackerbarth-Salmour nach
-dem Abdruck von K. v. Weber, „Aus vier Jahrhunderten“, Bd. 1, S. 306
-ff. (Leipzig 1857).
-
-[294] König August III. von Polen, Kurfürst von Sachsen (1733 bis 1763).
-
-[295] Ludwig XV.
-
-[296] Vgl. S. 145.
-
-[297] König August II., der Starke, von Polen, Kurfürst von Sachsen
-(1694-1733).
-
-[298] Fürst Alexander Golizyn, russischer Botschafter in London. Nach
-dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 259 ff.
-
-[299] Es leben die glücklich Geborenen!
-
-[300] Vgl. S. 208 f.
-
-[301] Vgl. S. 172 ff.
-
-[302] Näheres ist über Macanas und Seckendorff nicht festzustellen.
-
-[303] Graf Joseph Anton Gabaleon Wackerbarth-Salmour, kursächsischer
-Minister und Oberhofmeister des Kurprinzen Friedrich Christian und
-seiner Gemahlin Maria Antonia, einer bayrischen Prinzessin.
-
-[304] Näheres läßt sich auch über Huldashop und sein Schicksal nicht
-ermitteln.
-
-[305] Vgl. S. 169 f.
-
-[306] Yorke.
-
-[307] Die Schreiben von Belle-Isle (vgl. S. 145 und 172).
-
-[308] Vgl. S. 145 und 172.
-
-[309] Vielmehr an die Marquise von Pompadour (vgl. S. 146 f.).
-
-[310] Vgl. S. 148 f.
-
-[311] Vgl. S. 170.
-
-[312] Nach dem „Briefwechsel Friedrichs des Großen mit Voltaire“, hrsg.
-von Koser und H. Droysen, Bd. 3, S. 97 u. 102 (Leipzig 1911).
-
-[313] Holland hatte Breda als Ort für die Friedenskonferenz den Mächten
-vorgeschlagen.
-
-[314] Unübersetzbares Wortspiel: „_Le Comte de Saint-Germain n’est
-qu’un conte pour rire._“
-
-[315] Nach den „Werken Friedrichs des Großen“, hrsg. von G. B. Volz,
-Bd. 4, S. 32 f. (Berlin 1913).
-
-[316] Freiherr Georg Ludwig Edelsheim. Er trat später aus preußischen
-in badische Dienste. Seine Pariser Sendung erfolgte im Februar 1760.
-
-[317] Für die Einverleibung Sachsens.
-
-[318] Frankreich hatte sich in der Erklärung vom 3. April (vgl. S. 196)
-bereit erklärt, seinen Zwist mit England durch einen Sonderfrieden zu
-schlichten.
-
-[319] Nach Maynial, S. 264 ff.
-
-[320] Vgl. S. 160 f.
-
-[321] Für die Nummer vom 14. Mai vgl. oben S. 120 f.
-
-[322] Vgl. S. 206.
-
-[323] Für die Nummer vom 5. Juni vgl. oben S. 77 ff.
-
-[324] Graf Christian Konrad Danneskjold-Laurwigen (1723-1783),
-dänischer Admiral. Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 267 f.
-
-[325] Vgl. S. 47.
-
-[326] Nach dem Abdruck bei J. Cooper-Oakley, S. 222 f.
-
-[327] Vgl. S. 154 f.
-
-[328] Gijsbert Jan van Hardenbroek (1719-1788), Mitglied der
-Ritterschaft von Utrecht und Deputierter der Generalstaaten. Der
-obige Abdruck nach seinen von F. J. L. Krämer herausgegebenen
-„_Gedenkschriften_“, Bd. 1, S. 220 f. (Amsterdam 1901).
-
-[329] In der Vorlage: pr. d’Es... (= prince d’Espagne). Saint-Germain
-gab sich für einen Sohn der spanischen Königin Maria Anna, Witwe König
-Karls II., aus.
-
-[330] Graf Bertram Philipp Sigismund van Gronsfeld-Diepenbroek, früher
-holländischer Gesandter in Berlin und Madrid, seit 1761 Mitglied des
-Rates der Admiralität in Amsterdam.
-
-[331] Graf Bentinck van Rhoon (vgl. S. 162).
-
-[332] Prinz Friedrich Ludwig († 1751). Vgl. S. 120.
-
-[333] Für Saint-Germains Teilnahme am Aufstand des Prätendenten vgl. S.
-119 f.
-
-[334] Vgl. S. 168.
-
-[335] Vgl. S. 141 f.
-
-[336] Vgl. S. 47 f.
-
-[337] Graf Karl Cobenzl (1712-1770), bevollmächtigter Minister in den
-österreichischen Niederlanden. Nach den Akten des Haus-, Hof- und
-Staatsarchivs in Wien.
-
-[338] Rasse.
-
-[339] Inhaberin eines großen Handelshauses in Brüssel.
-
-[340] Österreichischer Staatsrat und Direktor der Lotterieverwaltung.
-
-[341] Beilage zu dem Schreiben des Kanzlers Graf Kaunitz an Cobenzl vom
-19. April.
-
-[342] Vgl. S. 144 ff.
-
-[343] Vgl. S. 225 ff.
-
-[344] Vgl. S. 227 ff. und 229 ff.
-
-[345] Rasse.
-
-[346] Vgl. S. 144 ff.
-
-[347] Vgl. S. 196.
-
-[348] Marquis Jean Joseph de Laborde (1724-1794), französischer
-Hofbankier.
-
-[349] Vgl. S. 162 ff.
-
-[350] Vgl. S. 223.
-
-[351] Vgl. S. 168.
-
-[352] Vgl. S. 221.
-
-[353] 29. Mai.
-
-[354] Die Denkschrift von Saint-Germain liegt nicht vor. Wie Kaunitz in
-seinem Bericht vom 21. Juli an Maria Theresia (vgl. S. 264) schreibt,
-„wies er in seiner Denkschrift sowie in den gleichzeitig übersandten
-Bemerkungen des Grafen Cobenzl darauf hin, daß seine gefärbten
-Stoffe sowie die anderen Erzeugnisse seiner Geheimverfahren noch
-vervollkommnet werden könnten.“
-
-[355] Johann Jakob von Dorn, Hofrat und Referendarius für die
-niederländischen Angelegenheiten in der Geheimen Hof- und Staatskanzlei.
-
-[356] Johann Kunckel (1630-1703), deutscher Chemiker; Nicolas Lémery
-(1645-1715), französischer Chemiker.
-
-[357] Dorn.
-
-[358] Vgl. S. 241, Anm. 1.
-
-[359] Vgl. S. 239.
-
-[360] Das Schreiben der Frau Nettine an Dorn liegt nicht vor.
-
-[361] Graf Philipp Cobenzl (1741-1810), später Diplomat und Staatsmann
-und 1792 Kaunitz’ Nachfolger als Hof- und Staatskanzler.
-
-[362] Der Statthalter der österreichischen Niederlande, Prinz Karl von
-Lothringen (1712-1780), der Schwager Maria Theresias.
-
-[363] Vgl. S. 227.
-
-[364] Der Gulden zählte 20 Sols, der Sol (Sou) 12 Pfennige (deniers).
-
-[365] In der Vorlage unterstrichen.
-
-[366] Vgl. S. 254 f.
-
-[367] In der Vorlage unterstrichen.
-
-[368] Vgl. S. 227 ff.
-
-[369] In der Vorlage unterstrichen.
-
-[370] Vgl. S. 254.
-
-[371] Vgl. S. 232 f.
-
-[372] Vgl. S. 233.
-
-[373] Vgl. S. 254.
-
-[374] Vgl. S. 254.
-
-[375] Vgl. S. 231 ff.
-
-[376] Vgl. S. 225 ff. und 227 ff.
-
-[377] Vgl. S. 254.
-
-[378] Vgl. S. 231.
-
-[379] Vgl. S. 233 ff.
-
-[380] In der Vorlage unterstrichen.
-
-[381] Vgl. S. 237 ff.
-
-[382] Vgl. S. 240.
-
-[383] Vgl. S. 247 ff.
-
-[384] Vgl. S. 254.
-
-[385] Vgl. S. 254.
-
-[386] Vgl. S. 259.
-
-[387] Vgl. S. 254 f.
-
-[388] Vgl. S. 240.
-
-[389] Vgl. S. 168.
-
-[390] Vgl. S. 247 ff.
-
-[391] Vgl. S. 261 ff.
-
-[392] Vgl. S. 277.
-
-[393] Vgl. S. 227 ff.
-
-[394] Karl Friedrich (1728-1811), Markgraf von Baden-Durlach, seit 1771
-auch von Baden-Baden, seit 1806 Großherzog.
-
-[395] Nach dem Abdruck der „Souvenirs des différentes époques de ma
-vie“, die Graf Philipp Cobenzl (vgl. S. 250, Anm. 1) am Abend seines
-Lebens aufzeichnete. Vgl. A. v. Arneth, „Graf Philipp Cobenzl und seine
-Memoiren“, S. 84 ff. (Wien 1885).
-
-[396] Vgl. dazu S. 250.
-
-[397] Vielmehr in Eckernförde.
-
-[398] Casanova (vgl. S. 122 ff.) verlegt in seinen „Mémoires“ (Bd. 10,
-S. 56 ff.; Brüssel 1838) die obige Erzählung nach seiner Flucht aus
-England in den März 1764. Da aber seine Angaben nicht immer zuverlässig
-sind und Saint-Germain nach Cobenzl (vgl. S. 279 f.) bereits im Herbst
-1763 nach Deutschland ging, ist die Begegnung in Tournai entsprechend
-früher anzusetzen.
-
-[399] Vgl. dazu S. 254.
-
-[400] Die Marquise von Urfé (vgl. S. 91) starb erst 1775.
-
-[401] Casanova war geschlechtskrank.
-
-[402] 1784 in Eckernförde.
-
-[403] Georg Keith, Lordmarschall von Schottland, war 1748 nach Preußen
-übergesiedelt und nahm 1764 seinen dauernden Wohnsitz in Potsdam.
-
-[404] Der ungenannte Verfasser, der nach einer Mitteilung des
-Herausgebers Vulpius „am Hofe des Markgrafen“ lebte, war, wie
-Langeveld in einem Aufsatz über Saint-Germain in der Zeitschrift „De
-Vrijmetselaar“ (Mai 1911) angibt, der ansbachische Minister Freiherr
-Reinhard von Gemmingen-Guttenberg auf Bonfeld (1739 bis 1822), der
-die obigen Aufzeichnungen am 9. August 1817 dem Prinzen Christian von
-Hessen-Darmstadt sandte. Für diesen späten Zeitpunkt der Abfassung
-spricht auch die mehrfache Erwähnung der „Erinnerungen“ des Barons von
-Gleichen, die zum erstenmal 1811/12 veröffentlicht wurden (vgl. S.
-47, Anm. 1). Die obige Wiedergabe nach dem Abdruck in den von Vulpius
-herausgegebenen „Curiositäten der Vor- und Mitwelt“, Bd. 8, S. 279 ff.
-(Weimar 1820). Die Vorlage ist deutsch.
-
-[405] Markgraf Alexander (Karl Alexander) (1736-1806), übernahm 1757
-die Regierung in Ansbach; 1769 erfolgte die Vereinigung mit Bayreuth
-und 1791 die Übertragung beider Fürstentümer an Preußen. Seitdem lebte
-der Fürst in England. Er war in erster Ehe vermählt mit Prinzessin
-Karoline von Sachsen-Koburg, in zweiter Ehe mit Lady Craven (vgl. S.
-89).
-
-[406] 1768-1774.
-
-[407] Hippolyte Clairon (Claire Josèphe Hippolyte Leyris de la Tude),
-(1723-1803), hatte 1763 die Pariser Bühne verlassen. Auf Einladung des
-Markgrafen war sie 1773 nach Ansbach übergesiedelt und blieb dort bis
-1791.
-
-[408] Anagramm für Rakoczy (vgl. unten S. 295).
-
-[409] Vgl. S. 57.
-
-[410] „Der treue Schäfer“ (1585), ein Epos in Dialogform, das Hauptwerk
-des ferraresischen Hofdichters Giovanni Batista Guarini (1538-1612).
-
-[411] Vgl. S. 56.
-
-[412] Vgl. S. 57.
-
-[413] Fürst Franz II. Rakoczy (1676-1735), der Führer des
-siebenbürgischen Aufstandes (1702-1711).
-
-[414] Von den beiden überlebenden Söhnen des Fürsten starb der ältere,
-Joseph, 1738 in Cernavoda (mit Hinterlassung einer Tochter, Josepha
-Charlotte, die 1780 als Nonne starb), und der jüngere, Georg, 1756 in
-Frankreich.
-
-[415] Belmar (vgl. S. 59).
-
-[416] Vgl. dazu oben S. 144 ff.
-
-[417] Vgl. S. 54 ff.
-
-[418] Vgl. S. 217. Die „_Oeuvres posthumes_“, die erste Gesamtausgabe
-seiner Werke, waren 1788 erschienen.
-
-[419] Vielmehr 1784.
-
-[420] „Oh, wie sind die geistvollen Menschen doch dumm!“ Ausspruch
-der Zofe Susanne in Beaumarchais’ Lustspiel: „_La folle journée ou le
-mariage de Figaro_“ (Akt I, Szene 1).
-
-[421] Vgl. S. 48.
-
-[422] Dehnbar.
-
-[423] Vgl. S. 207.
-
-[424] Das gesegnete Wasser.
-
-[425] Mannschaft.
-
-[426] Vgl. S. 91.
-
-[427] Vgl. S. 86. Zugrunde gelegt ist die deutsche Übersetzung der
-„Tagebücher nach seiner Kammerherrnzeit“, Bd. I, S. 50 f.
-
-[428] Johann Friedrich Bause (1738-1814); Anton Graff (1736 bis 1813).
-
-[429] Vgl. S. 207 und 302.
-
-[430] Vgl. S. 295.
-
-[431] Vgl. S. 86 f.
-
-[432] Philipp Karl von Alvensleben (1745-1802), preußischer Gesandter
-in Dresden, später im Haag und in London, seit 1791 Kabinettsminister.
-Seine Korrespondenz mit dem König nach den Akten des Geheimen
-Staatsarchivs in Berlin.
-
-[433] Vielleicht identisch mit _Catalani_ (vgl. S. 126).
-
-[434] Wilhelmine (1751-1820), die Tochter des 1758 gestorbenen Prinzen
-August Wilhelm, Nichte des Königs, Gemahlin des Erbstatthalters von
-Holland, Wilhelm V. Die Briefe des Königs nach den Urschriften im
-Königlichen Hausarchiv im Haag; die Antworten der Prinzessin liegen
-nicht vor.
-
-[435] Fürst Gregor Orlow (vgl. S. 56).
-
-[436] Vgl. S. 288 ff.
-
-[437] Graf Camillo Marcolini (1739-1814), kursächsischer
-Kabinettsminister. Über seine Verhandlung mit Saint-Germain liegen im
-Hauptstaatsarchiv in Dresden keinerlei Nachrichten vor.
-
-[438] Joseph und Georg (vgl. S. 296).
-
-[439] Vgl. dazu unten die Liste von Saint-Germains Hand „Neue Physik“
-usw. (S. 317 ff.).
-
-[440] Katharina II. (1729-1796), seit 1762 Zarin.
-
-[441] Das Defensivbündnis war 1764 zunächst auf acht Jahr abgeschlossen
-und später bis 1788 verlängert worden.
-
-[442] Joseph II. (1741-1790).
-
-[443] Viktor Amadeus III. (1726-1796).
-
-[444] Karl Friedrich (vgl. S. 280).
-
-[445] Jonathan Swift (1667-1745), der berühmte englische Schriftsteller
-und Sittenschilderer, Verfasser von „Gullivers Reisen“.
-
-[446] Das Amt des Finanzministers in Frankreich.
-
-[447] Vgl. S. 320.
-
-[448] Vgl. S. 320 f.
-
-[449] Beilage zu Alvenslebens Bericht vom 25. Juni. Vgl. dazu S. 293 f.
-und 313.
-
-[450] Beilage zu Alvenslebens Bericht vom 25. Juni (vgl. S. 317). Siehe
-das Faksimile.
-
-[451] Prinz Heinrich (1726-1802), der Bruder des Königs. Der
-Briefwechsel mit ihm nach den Urschriften im Geheimen Staatsarchiv zu
-Berlin.
-
-[452] Vgl. S. 317 ff.
-
-[453] Nach dem Abdruck bei K. v. Weber, „Aus vier Jahrhunderten“, Bd.
-I, S. 318 (Leipzig 1857). Die Antwort Maria Antonias auf das Schreiben
-vom 27. März ist nicht erhalten.
-
-[454] Prinz Friedrich August (1740-1805), Sohn des Herzogs Karl und
-Neffe Friedrichs des Großen, preußischer Generalleutnant. Der Prinz war
-Großmeister der Loge „Zu den drei Weltkugeln“ in Berlin und Großprior
-der Freimaurerlogen der „strikten Observanz“ in den preußischen
-Staaten. Der folgende Briefwechsel stammt aus seinem Nachlaß in der
-Braunschweigischen Landesbibliothek zu Wolfenbüttel.
-
-[455] Sächsischer Kammerrat und Bankier, Rosenkreuzer.
-
-[456] Das Schreiben liegt nicht vor.
-
-[457] Während des Türkenkrieges (1768-1774).
-
-[458] Liegt nicht vor.
-
-[459] Johann Rudolf von Bischoffwerder (1741-1803), Stallmeister
-des sächsischen Prinzen Karl, Herzogs von Kurland. Er trat 1778 in
-preußischen Dienst, wurde später Generaladjutant König Friedrich
-Wilhelms II., den er in die Mysterien des Rosenkreuzer-Ordens einführte.
-
-[460] Vgl. S. 324 ff.
-
-[461] Evang. Johannis, Kap. 1, Vers 47: „Siehe, ein rechter Israelit,
-in welchem kein Falsch ist.“
-
-[462] Das obige freimaurerische Zeichen, zusammengesetzt aus zwei
-Werkzeugen des Werkmaurers, dem geöffneten Zirkel und dem rechten
-Winkel, ist das Symbol der Vernunft und der Gerechtigkeit.
-
-[463] Der Menschheitsbeglückung.
-
-[464] Christian Emanuel Frölich, Kaufmann in Görlitz. Er gehörte den
-Rosenkreuzern an.
-
-[465] Johann Konrad Hotz (1739-1799) stand 1758-1765 in
-württembergischen Diensten, weilte dann im Winter 1765-66
-wahrscheinlich in Petersburg, trat darauf im Mai 1768 in das
-russische Heer, wo er den Krieg gegen die Polen und dann gegen die
-Türken mitmachte, wurde im Oktober 1775 Major im Kürassierregiment
-des Großfürst-Thronfolgers Paul. Ein Jahr später, im September
-1776, verließ er den russischen Dienst, den er Anfang 1778 mit dem
-österreichischen vertauschte, um hier unter dem Namen „Freiherr
-Friedrich von Hotze“ bis zum Feldmarschall-Leutnant aufzurücken. Auch
-Hotz war Freimaurer.
-
-[466] Graf Alexej Orlow.
-
-[467] Mit der Einladung nach Berlin (vgl. S. 324).
-
-[468] Der Schweizer Hotz (vgl. S. 329).
-
-[469] Der Gesandte des Malteserordens (vgl. S. 86).
-
-[470] Vgl. S. 330.
-
-[471] Vgl. S. 309.
-
-[472] Karl (1733-1796), Sohn König Augusts III. von Polen, von
-1758-1763 Herzog von Kurland, lebte seitdem in Dresden und Elsterwerda.
-Er stand den Bestrebungen der Rosenkreuzer nahe.
-
-[473] Vgl. S. 330 f. Deckers Bericht liegt nicht vor.
-
-[474] Vgl. das Faksimile.
-
-[475] Vgl. S. 335, Anm. 1.
-
-[476] Friedrich Ludwig von Wurmb, kursächsischer Konferenzminister und
-Rosenkreuzer.
-
-[477] Johann Georg Schrepfer, Kaffeewirt in Leipzig, hatte als
-Rosenkreuzer durch seine Geisterbeschwörungen eine große Rolle
-gespielt. Er hatte 1774 durch Selbstmord geendet.
-
-[478] „_Le comte de Gabalis_“ war der Titel eines 1670 in Paris
-erschienenen Buches, in welchem sich sein Verfasser, der französische
-Schriftsteller de Montfaucon, Abbé de Villars (1635 bis 1673), mit
-feinem Spott gegen die Kabbala und Magie und gegen die Rosenkreuzer
-wandte; der erste Teil des Buches umfaßte „cinq entretriens sur les
-sciences secrètes“.
-
-[479] Der Aufenthalt Saint-Germains in Berlin ist durch die drei
-folgenden Aufzeichnungen beglaubigt. Für die Zeitbestimmung ist die
-Erwähnung des französischen Gesandten Pons (vgl. S. 341), der von
-1772-1782 am Berliner Hofe war, von Bedeutung. Die Zeit bis Sommer
-1777 kommt nicht in Frage; denn in der Korrespondenz König Friedrichs
-mit Alvensleben (vgl. S. 306 ff.) wäre sicher ein früherer Besuch des
-Abenteurers berührt. Dazu ist sein Aufenthaltsort für die Zeit von 1774
-bis Sommer 1777 nachweisbar. Da andrerseits der Graf im Oktober 1778 in
-Hamburg weilte und von dort im Sommer 1779 nach Schleswig übersiedelte,
-so bleibt für den Berliner Besuch nur die zwischen Sommer 1777 und
-Herbst 1778 liegende Frist. Weder das Geheime Staatsarchiv noch das
-Stadtarchiv in Berlin enthalten Nachrichten über Saint-Germains
-Aufenthalt daselbst.
-
-[480] Dieudonné Thiébault (1733-1807), französischer Gelehrter,
-1765-1784 als Lehrer an der „_Académie des Nobles_“ in Berlin,
-einer Art Ritterakademie, angestellt. Der obige Bericht nach seinen
-„_Souvenirs de vingt ans de séjour à Berlin_“, Bd. 5, S. 96 ff. (Paris
-1804).
-
-[481] Anton Joseph de Pernety (1716-1801), Benediktinermönch, 1767-1783
-Zweiter Bibliothekar an der Königlichen Bibliothek in Berlin. Er war
-Freimaurer und Alchimist.
-
-[482] Vgl. S. 189.
-
-[483] Die jüngste unvermählte Schwester König Friedrichs, Äbtissin von
-Quedlinburg.
-
-[484] Vgl. unten S. 342, Anm. 2.
-
-[485] Vgl. S. 100 ff.
-
-[486] Anspielung auf die berüchtigte Halsbandgeschichte.
-
-[487] Vgl. S. 86 und 306.
-
-[488] Louis Marie de Pons, Marquis de Saint-Maurice.
-
-[489] Vgl. S. 130.
-
-[490] Johann Georg Ritter von Zimmermann (1728-1795), Leibarzt und
-Hofrat in Hannover, war im Sommer 1786 an das Krankenlager Friedrichs
-des Großen berufen. In den „Fragmenten“ trug er kritiklos zusammen, was
-er in Potsdam und Berlin über den König und seinen Hof gehört hatte.
-Der obige Abdruck nach Bd. 2, S. 119 (Frankfurt und Leipzig 1790).
-
-[491] Luise Juliane Dorothea von Schwerin (1736-1779), früher Hofdame
-der Königin-Mutter Sophie Dorothea, war in erster Ehe mit dem Domherrn
-Friedrich Konrad von Kleist und, von ihm geschieden, in zweiter Ehe
-mit dem 1778 verstorbenen Oberstleutnant der Artillerie du Troussel
-(Trossel) vermählt.
-
-[492] Graf Philipp Gotthard Schaffgotsch (1716-1795). Fürstbischof von
-Breslau. Er ist durch seinen lockeren Lebenswandel berüchtigt und wurde
-wegen Hochverrats im Siebenjährigen Kriege abgesetzt und nach Oppeln
-verbannt, von wo er nach Österreich flüchtete.
-
-[493] Nach dem Aufsatz des ungenannten Verfassers in der „Berlinischen
-Monatsschrift“, hrsg. von Gedicke und Biester, Bd. 5, S. 8 ff. (Berlin
-1785).
-
-[494] Cagliostro starb erst 1795.
-
-[495] „_Le comte de Saint-Germain. Gravé en 1783 par N. Thomas ...
-Tiré du cabinet de feue madame la marquise d’Urfé. A Paris._“ Vgl. das
-Titelbild und für die Verse unter dem Bilde S. 346.
-
-[496] Vgl. S. 61.
-
-[497] Kaiser Leopold I. (1658-1705).
-
-[498] Federico Gualdo, angeblich ein Deutscher namens Friedrich Walter,
-lebte um 1680 in Venedig als Rosenkreuzer (vgl. S. 91).
-
-[*] Anmerkung des Verfassers: Von welchem „Der zuverlässige Kompaß der
-Weisen“ (Vorrede, S. 43) berichtet: „Daß er noch gegenwärtig lebe und
-itzt fast 600 Jahre zurückgelegt habe“. Solche Sachen werden itzt in
-Deutschland geglaubt! und wer darüber lacht, ist ein Freigeist!
-
-[**] Anmerkung des Verfassers: „Natürlich mußte ein Mann, der so
-vielen Zeiten und so vielen Völkern angehörte, mehrere Namen führen.
-Auch hatte er derselben eine ganze Menge und war sogar so freigebig
-damit, daß er bei uns mehr als einen annahm, welches doch teils nicht
-nötig, teils nicht ganz unverdächtig schien. Die bekanntesten seiner
-europäischen Namen in der letzten Hälfte des 18. Jahrhunderts waren die
-zwei: _Saint-Germain_ und _Belmare_.“
-
-[499]
-
- _Le comte de Saint-Germain
- célèbre alchimiste.
- Ainsi que Prométhée il déroba le feu,
- Par qui le monde existe, et par qui tout respire;
- La nature à sa voix obéit et se meut;
- S’il n’est pas dieu lui-même, un dieu puissant l’inspire._
-
-
-[500] Vgl. S. 336.
-
-[501] Näheres über Güldenfalk ist nicht zu ermitteln.
-
-[502] Anspielung auf die rosenkreuzerische Schrift: „C[arl] H[ubert]
-L[obreich] von Plumenoeks geoffenbarter Einfluß in das allgemeine Wohl
-der Staaten der ächten Freimaurerei, aus dem wahren Endzweck ihrer
-ursprünglichen Stiftung erwiesen“ (Amsterdam 1777). Ihr Verfasser war
-der freimaurerische Freiherr Hans Karl, bzw. sein älterer Bruder Hans
-Heinrich von Ecker und Eckhoffen.
-
-[503] Freimaurerische Schriften.
-
-[504] „Beschreibung einer Reise durch Deutschland und die Schweiz im
-Jahre 1781“, Bd. 7, Anhang S. 109 (Berlin und Stettin 1786).
-
-[505] Joseph Philipp Dresser (1734-1783), Advokat in Hamburg und
-Freimaurer, 1773-1777 Meister vom Stuhl der Loge Georg. Baron Uffel
-war Oberappellationsrat in Celle und gleichfalls Freimaurer. Der obige
-Abdruck nach der Mitteilung in der Zeitschrift „Latomia“, 31. Jahrg.,
-S. 404 f. (Leipzig 1908). Die Vorlage ist deutsch.
-
-[506] Wechsel.
-
-[507] Gräfin Charlotte Sophie, Gemahlin des Grafen Willem Bentinck
-(vgl. S. 146), seit 1740 von ihm geschieden, geb. Gräfin Aldenburg.
-
-[508] Baron Mathias de la Houze.
-
-[509] Verwandlung der Metalle.
-
-[510] Katharina II.
-
-[511] Vgl. S. 339.
-
-[512] Prinz Karl (1744-1836), Sohn des regierenden Landgrafen Friedrich
-II., dänischer General und Statthalter der Herzogtümer Schleswig und
-Holstein. Er spielte im Freimaurertum eine Rolle, verfaßte 1824 die
-Schrift: „_La pierre zodiacale du temple de Dendérah_“. Die Darstellung
-des Prinzen nach den von ihm 1816/17 diktierten „_Mémoires de mon
-temps_“ (Kopenhagen 1861); zugrunde gelegt ist die deutsche Übersetzung
-von Bernhardi, S. 142 ff. (Kassel 1866).
-
-[513] Prinz Karl war vom 24.-26. August 1779 in Altona.
-
-[514] Karl Friedrich von Koeppern, Oberst und Hofmarschall des Prinzen.
-
-[515] Prinz Karl hatte den Bayrischen Erbfolgekrieg im Gefolge König
-Friedrichs mitgemacht.
-
-[516] Helene Zriny, Tochter des Banus von Kroatien, in erster Ehe
-mit Fürst Franz I. Rakoczy (1645-1676) und nach seinem Tode mit
-dem Magnaten Emerich Tököly vermählt. Ihr Sohn, Fürst Franz II.
-(1676-1735), heiratete 1694 die Prinzessin Charlotte Amalie von
-Hessen-Rheinfels-Wanfried (1679-1722), die ihm 1696 den Prinzen Leopold
-Georg († 1700) und ferner die Prinzen Joseph (1700-1738) und Georg
-(1701-1756) gebar. Diese erhielten am Wiener Hofe die Namen _Marquis de
-San Marco_ und _Marquis della Santa Elisabetta_.
-
-[517] Giovanni Gasto (1671-1737), Großherzog von Toskana.
-
-[518] Karl VI. (1685-1740) und seine Gemahlin Elisabeth, geborene
-Prinzessin von Braunschweig († 1750).
-
-[519] Vgl. S. 312.
-
-[520] Friedrich Wilhelm Otte († 1766), Besitzer einer Fayencefabrik.
-Das Gebäude ist das heutige Christianspflegehaus.
-
-[521] Vgl. S. 144 ff.
-
-[522] Nach dem Abdruck in der Zeitschrift „De Vrijmetselaar“ vom Mai
-1911.
-
-[523] Lossau.
-
-[524] Prinz Ferdinand von Braunschweig (1721-1792), ehemaliger
-preußischer Feldmarschall, seit 1772 Großprior aller deutscher
-Logen „strikter Observanz“. Er befand sich auf dem Wege zum Besuch
-am Kopenhagener Hofe. Das Schreiben nach der Urschrift in der
-Landesbibliothek zu Wolfenbüttel.
-
-[525] Graf Friedrich Karl von Warnstedt (1750-1811), dänischer
-Staatsmann. Nach dem Abdruck in den von Bobé herausgegebenen
-„_Efterladte Papirer fra den Reventlowske Familiekreds_“, Bd. 6, S. 600
-f. (Kopenhagen 1903).
-
-[526] Prinz Karl von Hessen.
-
-[527] Vgl. S. 143.
-
-[528] Julien Offraye de La Mettrie (1709-1751), französischer Arzt und
-Philosoph, Verfasser der Schrift: „L’homme-machine“. Von Kirche und
-Wissenschaft verfolgt, fand er am preußischen Hofe eine Freistatt.
-
-[529] Juliane Marie (1729-1796), Witwe des 1766 gestorbenen Königs
-Friedrich V., geborene Prinzessin von Braunschweig. Der Brief nach der
-Urschrift im Reichsarchiv zu Kopenhagen.
-
-[530] Prinzessin Sophie (vgl. S. 75, Anm. 1).
-
-[531] Vgl. das Faksimile.
-
-[532] Ohne Rede des Geistlichen.
-
-[533] Nach Bobé, „_Johan Caspar Lavaters Reyse til Danmark i Sommeren
-1793_“, S. 157 f. (Kopenhagen 1898).
-
-[534] Das Rechnungsjahr 1783 schloß mit Ostern 1784.
-
-[535] Vgl. „Die Heimat“, Jahrg. 17, S. 44 (Kiel 1907).
-
-[536] Aus den „Schleswig-Holsteinischen Anzeigen auf das Jahr 1784“, S.
-404 f., 426 f. u. 451 f. (Glückstadt 1784).
-
-[537] bekannt ist.
-
-[538] Forderungen.
-
-[539] aus Erb-, Schuld- oder irgend welchen anderen Ansprüchen.
-
-[540] unter Strafe des Verlustes.
-
-[541] vom Tage der Veröffentlichung an.
-
-[542] Gerichtshof.
-
-[543] Anwälte.
-
-[544] Androhung.
-
-[545] oberwähnten.
-
-[546] ihres Anspruchs verlustig gehen.
-
-[547] ewiges Stillschweigen.
-
-[548] die Ansprüche erheben.
-
-[549] endgültig.
-
-[550] vor dem Rate.
-
-[551] Der französische Chemiker Pierre Joseph Macquer (1718 bis 1784)
-war am 15. Februar gestorben.
-
-[552] Nach der Mitteilung von Mauvillon im 2. Bande seiner „Geschichte
-Ferdinands, Herzogs von Braunschweig-Lüneburg“, S. 481 f. (Leipzig
-1794) erfolgte der Widerruf vom 12. April durch den Herausgeber Julius
-August Remer (1738-1803), Professor der Geschichte und Direktor der
-Zeitungen in Braunschweig, auf Verlangen Herzog Ferdinands (vgl. S.
-360), der ihm schrieb, daß er den Tod Saint-Germains „als einen ihn
-tief schmerzenden Vorfall, als den Verlust eines in seinen Augen
-vortrefflichen, großen, außerordentlichen Mannes“ empfinde.
-
-[553] Vielmehr am 27. Februar.
-
-[554] Nur die im Text vorkommenden Personen sind aufgenommen; nähere
-Nachweise über die wichtigeren unter ihnen finden sich in der Regel bei
-ihrer ersten Erwähnung.
-
-[555] Das Verzeichnis dient lediglich der Nachweisung der Orte und
-Länder, die für Saint-Germains Wanderleben in Frage kommen. Da er sich
-in _Frankreich_, _England_ und _Holland_ fast ausschließlich in den
-Hauptstädten aufhielt, sind auch die Seitenzahlen, wo nur allgemein das
-Land genannt ist, unter den Namen: _Paris_, _London_ und dem _Haag_
-eingereiht. Kommen aus diesen Ländern noch andere Orte vor, sind auch
-diese angeführt.
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DER GRAF VON
-SAINT-GERMAIN ***
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