diff options
| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-24 23:09:09 -0800 |
|---|---|---|
| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-01-24 23:09:09 -0800 |
| commit | 0ba6a69c094acffb9d1ccf5f90e271728ff0cb9c (patch) | |
| tree | 43858617c313a7dcca5778b7e0dd1e327f2bc895 | |
| parent | 39932a418aeb155057404dc7627096453791d126 (diff) | |
| -rw-r--r-- | .gitattributes | 4 | ||||
| -rw-r--r-- | LICENSE.txt | 11 | ||||
| -rw-r--r-- | README.md | 2 | ||||
| -rw-r--r-- | old/69001-0.txt | 4010 | ||||
| -rw-r--r-- | old/69001-0.zip | bin | 83239 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h.zip | bin | 3645143 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/69001-h.htm | 4310 | ||||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/cover.jpg | bin | 661770 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-003.jpg | bin | 154473 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-006.jpg | bin | 199068 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-007.jpg | bin | 238014 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-010.jpg | bin | 200437 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-011.jpg | bin | 110546 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-014.jpg | bin | 127422 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-015.jpg | bin | 129531 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-018.jpg | bin | 152918 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-019.jpg | bin | 175313 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-036.jpg | bin | 219999 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-039.jpg | bin | 194295 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-040.jpg | bin | 171785 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-041.jpg | bin | 200450 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-043.jpg | bin | 231815 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-046.jpg | bin | 217922 -> 0 bytes | |||
| -rw-r--r-- | old/69001-h/images/illu-049.jpg | bin | 204798 -> 0 bytes |
24 files changed, 17 insertions, 8320 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..d7b82bc --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,4 @@ +*.txt text eol=lf +*.htm text eol=lf +*.html text eol=lf +*.md text eol=lf diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6312041 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This eBook, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize +this eBook outside of the United States should confirm copyright +status under the laws that apply to them. diff --git a/README.md b/README.md new file mode 100644 index 0000000..3f2fc89 --- /dev/null +++ b/README.md @@ -0,0 +1,2 @@ +Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for +eBook #69001 (https://www.gutenberg.org/ebooks/69001) diff --git a/old/69001-0.txt b/old/69001-0.txt deleted file mode 100644 index b5226da..0000000 --- a/old/69001-0.txt +++ /dev/null @@ -1,4010 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz --- Mitteilungen Band XI, Heft 4-6, by Landesverein Sächsischer -Heimatschutz - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI, - Heft 4-6 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: September 17, 2022 [eBook #69001] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 4-6 *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original gesperrter oder - unterstrichener Text ist _so ausgezeichnet_. Im Original in Antiqua - gesetzter Text ist ~so markiert~. Im Original fetter Text ist - =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 4 bis 6 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band XI - - _Inhalt_: Die kursächsischen Postmeilensäulen beim 200jährigen - Bestehen – Heimatschutzgedanken in Gottfried Kellers Dichtungen – - Die Kirche zu den »Vierzehn Nothelfern« auf der »Kahlenhöhe« bei - Reichstädt – Um Juchhöh und Windberg – Wanderbilder aus den - Grenzgebieten der Oberlausitz und Nordböhmens – Volkslieder der - sächsischen Oberlausitz – Nochmals »Pflanzt Nußbäume« – Über das - Vorkommen der Weidenmeise in unserm Vaterlande – Die Berankung - von Gebäudeschauseiten – Zur Geschichte des Heimatschutzes – - Zur Einschmelzungsfrage alter Kirchenglocken - - Einzelpreis dieses Heftes M. 30.–, Bezugspreis für einen Band - (aus 12 Nummern bestehend) M. 60.–, für Behörden und Büchereien - M. 50.–. Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, - _Mindest_jahresbeitrag M. 50.–, freiwillige Einschätzung - erbeten - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokasse Dresden 610 - - Dresden 1922 - - - - -Was kosten heute die Heimatschutzmitteilungen? Jährlicher Gesamtaufwand -900000 M. - - -Täglich liest man, daß Zeitungen und Zeitschriften infolge der hohen -Herstellungskosten eingehen, die sich weder durch Bezugsgebühren noch -durch Ankündigungen decken lassen. Wenn der Landesverein Sächsischer -Heimatschutz bisher seine »Mitteilungen« im Friedensumfange mit -Friedensausstattung herausgeben konnte, so verdankt er dies der -Opferwilligkeit seiner Mitglieder, die ihm dies durch hohe Beiträge -ermöglichten. - -In den letzten Wochen sind die Herstellungskosten für unsere -»Mitteilungen« um 150 bis 200 v. H. gestiegen, so daß wir in banger -Sorge sind, ob es möglich ist, sie weiter erscheinen zu lassen. - -Es dürfte unseren Mitgliedern und Freunden interessant sein, zu -erfahren, was heute =ein Heft= der »Mitteilungen« in 22000 Auflage -kostet: - - Textpapier 75000 M. - Umschlagpapier 5000 " - Druckstöcke 40000 " - Druckkosten 50000 " - Briefumschläge 15000 " - Postgelder 40000 " - ––––- - 225000 M. - -In diesen Zahlen sind noch nicht inbegriffen die Honorare und unser -Geschäftsaufwand. - -Wir geben jährlich vier Hefte heraus, - - =so daß uns diese vier Hefte jährlich 900000 M. kosten.= - -Das ist der heutige Preis, in acht Tagen ist er wieder gestiegen, in -vierzehn Tagen weiter und schwindelnde Zahlen werden wir am Ende des -Jahres sehen. - -Nicht verschweigen möchten wir, daß eine sächsische Firma, die nicht -genannt sein will, uns zu diesen Kosten unserer Veröffentlichungen -jährlich 100000 M. in dankenswerter Weise stiftet, so daß sich der -jährliche Gesamtaufwand auf 800000 M. erniedrigt. - -Aus diesen Zahlen bitten wir unsere geehrten Mitglieder und Freunde -zu ersehen, welche schweren Kämpfe ums Dasein unsere Bewegung führt. -Wenn wir bis heute durchkamen, so war es der zähe, unbeugsame Wille: -»Durchhalten« und das tiefsinnige stolze Wort »Dennoch«. - -Wie lange es noch gehen wird, wissen wir nicht. Müssen wir die -Herausgabe unserer Veröffentlichungen einstellen, dann ist unser -Verein eine Kirche ohne Glocke. Wir werden weiter arbeiten und weiter -kämpfen, aber wir können von den Schönheiten unserer Heimat nichts mehr -berichten, können sie nicht mehr in Bildern zeigen, weil uns das Organ -fehlt. - -In schwerer Zeit, in düsteren Stunden richten wir an unsere Mitglieder -die aufrichtige und herzliche Bitte, - - =uns einen in ihr Ermessen gestellten Sonderbeitrag - zur Erhaltung der Heimatschutzmitteilungen - freundlichst zu gewähren=, - -der unabhängig von den Mitgliedsbeiträgen gezahlt und verbucht werden -soll. Wir hoffen, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird. Gebe -jeder nach seiner wirtschaftlichen Lage. Wenn uns von seiten der -Großindustrie reiche Unterstützungen zuteil würden, ähnlich dem hier -angeführten Fall, dann wird es uns vielleicht gelingen, die sächsischen -Heimatschutzmitteilungen, die seit 1908 erscheinen und viele tausende -unserer Mitglieder und Freunde erfreuten, weiter zu erhalten zum Besten -unseres Heimatlandes! - - _Dresden_, im Juni 1922 - - Landesverein Sächsischer Heimatschutz - - ~Dr. ing. e. h.~ Karl Schmidt, Geheimer Baurat - O. Seyffert, Hofrat, Professor - - - - - Band XI, Heft 4/6 1922 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern -herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. März 1922 - - - - -Die kursächsischen Postmeilensäulen beim 200jährigen Bestehen - -Von ~Dr.~ _Kuhfahl_, Dresden - - -I. Verkehrszustände um 1700 - -Der plötzliche Aufschwung, den die mechanischen Hilfsmittel für -Personenverkehr und Warenbeförderung sowie für den Gedankenaustausch -während der letzten fünfzig Jahre durch allerlei technische -Entdeckungen erfahren haben, läßt uns heutzutage schon fast vergessen, -daß vordem gerade im Verkehrswesen die denkbar primitivsten -Verhältnisse herrschten. Abgesehen von der Seeschiffahrt war vor dem -Ausbau des Eisenbahnnetzes von einer wirklichen Verkehrsorganisation, -die dem zeitweilig recht hohen Kulturstand auf anderen Gebieten -entsprochen hätte, nirgends die Rede, obwohl eine zeitgemäße Einführung -von Straßenbau und Pferdepost natürlich längst in weitestem Umfang -möglich gewesen wäre. - -In Deutschland fehlten infolge der kleinstaatlichen Zersplitterung die -künstlichen Wasserwege und großen Straßenzüge fast vollständig, und -noch über Goethes Zeiten hinaus wurden die Freuden des Reisens zumeist -durch Unbequemlichkeiten und Entbehrungen, Ärger und Überteuerung mehr -als aufgehoben. Den wenigsten Zeitgenossen kam freilich zum Bewußtsein, -daß dies eigentlich auch anders sein könnte. Gegenüber der allgemeinen -Teilnahmlosigkeit vermochte also nur eine besonders weitreichende -allmächtige Faust, wie sie Napoleon besaß, den Ausbau größerer -Chausseen zu erzwingen. - -Wer heute durch einen kurzen Ruf des Haustelephons seinen Kraftwagen -binnen wenigen Minuten vorfahren läßt und dann Hunderte von Kilometern -auf glatten Straßen im bequemen Polstersitz rasch und sicher durcheilt, -oder wer – in bescheidenerer Weise – die Massenbeförderungsmittel von -Eisenbahnen und Flußdampfern benutzt, vermag sich wohl kaum noch eine -wirkliche Vorstellung davon zu machen, welch ein Entschluß oder welche -Vorbereitung und Ausrüstung noch in Großvaters Zeiten zu einer einzigen -solchen Fernfahrt gehört hätte. In weit höherem Maße gilt das natürlich -für die früheren Jahrhunderte, in denen wirkliche Kunststraßen ein -unbekannter Begriff waren. - -Alle älteren Reisebeschreibungen gehen entweder mit stillschweigendem -Fatalismus über das Unvermeidliche ganz hinweg oder nehmen gerade -damit einen breiteren Raum ein, als dem Zweck einer Vergnügungsfahrt -eigentlich entsprechen sollte. Körperliche Beschwerden durch harten -Sitz und schlechtgefederte Karossen, durch holprige Wege und endlose -Fahrdauer, durch Kälte und Wind, Staub und Hitze verknüpften sich mit -dem tausendfachen Ärger über unpünktliche, ungeschickte, betrunkene -und grobe Fuhrknechte, über Erpressungs- und Prellversuche, über -Paßkontrolle und Wegegelder. Vielfach kam auch noch die Angst vor der -Unsicherheit des platten Landes und das geringe Verständnis hinzu, -dem der Fremde gegenüber der Wichtigtuerei der Ortsbehörden zumeist -begegnete. - -Der Reiseverkehr hielt sich deshalb selbst bei den wohlhabenden -Kreisen in allerbescheidensten Grenzen. An solchen Stellen jedoch, wo -der Verkehr über Land eine wirtschaftliche Lebensnotwendigkeit war, -mußten die Besserungsmaßregeln mit der Entwicklung des Verkehrs trotz -alledem Schritt zu halten suchen. Es nimmt infolgedessen nicht wunder, -daß der Leipziger Rat zur Förderung des Meß- und Handelsverkehrs -weit über seine Kompetenz als Stadtverwaltungsbehörde hinaus zu -allererst und in weitschauendster Weise den Gedanken eines geregelten -Postfuhrwesens in die Tat umsetzte. Unterstützt von der Großhandelswelt -ganz Deutschlands gelang es schon am Ende des vierzehnten Jahrhunderts -für Briefbeförderung ziemlich geregelte Reit- und Läuferposten bis -nach Hamburg, Augsburg, Nürnberg, Wien, Cölln (Berlin) und anderen -Handelsplätzen einzuführen. Sehr bald wurde der Dienst auch über die -Reichsgrenzen, besonders nach Italien und den Niederlanden ausgebaut, -so daß vor dem Beginn der dreißigjährigen Kriegswirren bereits ein -mustergültiger Botendienst in Leipzig zusammenlief, von dem viele Teile -des deutschen Reiches gleichfalls Vorteile bezogen. - -Die Beziehungen, die zwischen den unzähligen großen und kleinen -Fürstenhöfen bestanden, lenkten die Aufmerksamkeit intelligenterer -Machthaber sehr bald auf die neue Einrichtung. Im Kurfürstentum -Sachsen verdichtete sich dieses Interesse sogar so weit, daß seit 1500 -Versuche zum Betrieb einer eigenen Hofpost gemacht und statt dieses -verunglückten Unternehmens im Jahre 1613 die mustergültige Leipziger -Ratspost mit einem kurfürstlichen Postmeister besetzt, d. h. nach -heutigem Sprachgebrauch kurzerhand verstaatlicht wurde. - -Die andauernde Geldverlegenheit der Fürstenhöfe brachte es dann -natürlich auch sehr bald mit sich, daß das Postregal, genau wie jeder -andere Staatsbesitz, allerwärts verpfändet oder verpachtet wurde. Die -italienische Familie der Taxis aus Bergamo machte sich dies seit dem -sechzehnten Jahrhundert zunutze und brachte nach und nach den größten -Teil des europäischen Brief- und Fahrpostverkehrs so sicher in ihre -Hand, daß ihre allerletzten Privilegien wohl erst durch die Revolution -von 1919 beseitigt worden sein dürften. Das Haus Thurn und Taxis -verdankt seinen Vorfahren neben reichen Besitztümern in allen Ländern -die Erhebung in Adels-, Grafen- und Fürstenstand, es hat sich aber -auch den Dank Europas verdient, denn ohne seine zielbewußte private -Geschäftsgewandheit wären Verkehrsbeziehungen zwischen den machtlosen, -widerstrebenden Staatsgebilden von damals kaum möglich gewesen. -Freilich mußten auch diese Bemühungen in einer gewissen Halbheit -stecken bleiben, solange der Ausbau großer Verbindungswege noch nicht -zu den Aufgaben des Kulturstaates gerechnet, sondern der Einzelsorge -anliegender Gemeinden überlassen wurde. - - -II. Pläne Augusts des Starken - -Im Kurfürstentum Sachsen fanden die Anläufe zum Hof- und -Staatspostbetrieb, die auf 1500 zurückgehen, eine außergewöhnliche -Förderung durch August den Starken (1694–1733). - -Trotz des geschichtlichen Zerrbildes, das der Film neuerdings von ihm -für den Sensationsbedarf des Kinos zusammengestückelt hat, ist diesem -glanzvollen und ideenreichen Fürsten eine ganze Anzahl großzügiger -Pläne zu danken, die er zumeist ganz persönlich mit sicherem Blick -aufgriff und mit zielbewußter Energie verfolgte. - -Sein schönheitsliebender Sinn umkleidete dabei in eigenartiger -und höchstpersönlicher Weise die Erscheinungen des alltäglichen -Lebens mit künstlerischen Formen. Weit über die heutigen grünweißen -Grenzpfähle hinaus finden wir deshalb noch jetzt neben den monumentalen -Schauplätzen seiner prunkvollen Hofhaltung, neben den beredten -Zeugnissen seiner Liebe und seines unvertilglichen Hasses, auch eine -ganze Anzahl Schöpfungen, die fast aus dem Geiste neuzeitlicher -gemeinnütziger Ideen geboren erscheinen. - -Das Postwesen, dessen Nutzen und Bedeutung er bei seinen verschiedenen -Besuchen auf der Leipziger Messe selbst kennen gelernt hatte und für -den regen Verkehr mit befreundeten Höfen selber andauernd in Anspruch -nahm, gab ihm Anlaß zu einer Reihe von Staatserlassen, denen seine -Landeskinder zwar samt und sonders mit sorgenvollem Kopfschütteln -und ehrerbietigstem Protest begegneten, die ihre Probe aber doch -vor dem Urteil der Geschichte glänzend bestanden haben. Trotz des -Heerestrosses und der goldenen Prunkkarossen, die seinen Reisezug -bildeten, durchschaute er mit scharfem Blick die ganze Jämmerlichkeit -des Verkehres von Stadt zu Stadt. In einer Zeit, die weder Straßen noch -Wegweiser noch Landkarten kannte, wird auch die mündliche Auskunft -durch das Landvolk im allgemeinen nicht weit über die eigene Flur -hinausgereicht haben. Neben Förderung des Straßenbaues, Beaufsichtigung -des Vorspanndienstes und Festlegung der Posttaxen schuf er deshalb den -Plan, nach dem Vorbild römischer Cäsaren, in sämtlichen Städten seiner -Kurlande und vor all ihren Toren _wappengeschmückte Säulen_ zu erbauen, -auf denen die Wegrichtung und Entfernung der Hauptorte in Meilen oder -Wegstunden einzuzeichnen wären. An den Poststraßen selbst sollten -sodann von Viertel- zu Viertelmeile kleinere Merkzeichen aufgestellt -werden, die über das nächste Ziel Auskunft gaben und die Entfernungen -kenntlich machten. - -Die künstlerischen Entwürfe zu diesen Distanzsäulen und Meilenzeichen -stammten von der Hand des schönheitsliebenden Fürsten selber. Die -Vorliebe für den schlanken, nadelartigen Obelisken, den wir bei seinen -Jagdzeichen und Marksteinen in kleinem Ausmaß z. B. noch heute als -Bezeichnung von Flußübergängen oder in Riesengröße als Richtpunkte -seiner Zeithainer Truppenschau in der Landschaft antreffen, zeigt sich -in mehrfacher Wiederholung auch bei der Handzeichnung der Poststeine. - -[Illustration: Abb. 1 =Handzeichnung aus Schramm=] - -Die Distanzsäulen trugen auf quadratischer Grundlage einen mehrfach -profilierten Sockel und darüber einen abgestumpften Obelisken, -dessen Oberteil mit dem plastisch ausgehauenen kursächsischen und -königlich-polnischen Wappen versehen war. Neben den schwarzgetönten -Inschriften half farbiger Anstrich der Wappenschilder und Vergoldung -der darüber schwebenden Krone das künstlerische Bild vervollständigen. - -Zur Bezeichnung der ganzen Meile sollte jeweilig ein schlanker Obelisk -auf einfacherem Unterbau, für die halbe Meile eine hermenartige -Säule von eigenartiger Gestalt und für die Viertelmeile eine breite -profilierte Steinplatte gesetzt werden. - - -III. Die Aufstellung der Postmeilenzeichen - -Da das Kurfürstentum Sachsen vor zweihundert Jahren von der Saale bis -in die Odergegend und vom Erzgebirge bis vor die Tore Berlins reichte, -so mußte die _praktische Durchführung_ des Planes von vornherein -mit erheblichen Schwierigkeiten rechnen. Insbesondere war das -weitverzweigte Gebiet nicht von einem Steinbruch und nicht von einer -Steinmetzwerkstatt aus mit gleichartigen Stücken zu versorgen, denn für -solche Lieferungen fehlte ja gerade die Verkehrsmöglichkeit, der die -neue Postschöpfung dienen sollte. - -[Illustration: Abb. 2 =Handschriftproben von Zürner aus den Akten -Freyberg=] - -Zur Wahrung der nötigen Einheitlichkeit und zur Durchführung im -einzelnen ließ der Kurfürst seine bildlichen Entwürfe in Kupferstich -vervielfältigen (vgl. Abb. 1) und die nötigen Anweisungen für den -Aufbau in Gestalt einer »Mäurerinstruktion« und anderer Befehle -ergehen. Gleichwohl war er sich von vornherein bewußt, daß mit solchem -Schreibwerk allein nichts auszurichten sein würde. Er suchte deshalb -sofort einen organisatorisch begabten Kopf, der ringsum im Lande die -erforderlichen Maßnahmen persönlich treffen sollte, und er fand ihn in -der Person des Pfarrers Friedrich Adam Zürner von Skassa bei Großenhain. - -Dieser unermüdliche, praktische und fleißige Mann hat nicht nur -jahrzehntelang alle Landesteile für Vermessungszwecke, Besichtigungen -oder Verhandlungen selbst bereist und nahezu jeden Bauplatz der -Postsäulen selbst ausgewählt, sondern obendrein die hunderte von -Befehlen, Berichten und Erlassen eigenhändig niedergeschrieben. Sogar -die Entwürfe für die Entfernungstabellen der Distanzsäulen stammen aus -seiner eigenen Feder (vgl. Abb. 2). - -Die Aktenbündel, die er über jede einzelne Stadt anlegen ließ, geben -uns noch heute ein getreues Bild dieses opferfreudigen Schaffens. Wir -finden dreißig Faszikel im Dresdner Hauptstaatsarchiv[1], während -diejenigen Bände, die aus abgetretenen Gebietsteilen der Provinzen -Sachsen, Schlesien und Mark Brandenburg stammen, nach 1806 an die -Archive von Berlin und Magdeburg abgegeben worden sind. - -Die ganze Riesenhaftigkeit der Aufgabe, der dieser einzelne Mann unter -werktätiger Beihilfe seines Fürsten mehr als zwanzig Jahre des Lebens -gewidmet hat, wird erst dann in vollem Umfang ersichtlich, wenn man -jene Zeitverhältnisse in ihrem Urzustande bedenkt. - -Vom Fernverkehr für Handel oder höfische Zwecke gab es nur spärliche -Anfänge. An eine Einteilung der Postfahrten und an geordnetes -Vorspannwesen war nicht zu denken. Der Straßenbau von Ort zu Ort -beruhte zumeist auf der kümmerlichen Gelegenheitsarbeit erpreßter -bäuerlicher Frohnden. Landkarten, Stadtpläne, Vermessungsergebnisse, -Entfernungstabellen oder ähnliche schriftliche Vorarbeiten, die -wenigstens bei der allgemeinen Verteilung und Beschriftung der -Postsäulen als Unterlage hätten dienen können, fehlten vollständig. -Das ganze Werk mußte also überall von Zürner selbst mit den -allereinfachsten Feststellungen, Vermessungen und Besichtigungsarbeiten -begonnen werden. - -Weiterhin war die Beschaffung von vielen Hunderten kunstvoll -ausgeführter Steinsäulen durchaus keine einfache und vor allen Dingen -keine billige Sache. Die wenigsten Postsäulen durften aus den am Orte -gefundenen Gestein von einem beliebigen Handwerker gehauen werden. Der -kurfürstliche Landes- und Grenzkommissarius Zürner, der unausgesetzt -im Lande umherreiste, hatte vielmehr Auftrag, sich allerwärts über die -Beschaffenheit des Gesteins zu erkundigen, zuverlässigen Steinmetzen -nach Möglichkeit eine ganze Anzahl der Säulen in Auftrag zu geben -und alle Maßnahmen für größtmöglichste Haltbarkeit, modellgerechte -Ausführung und richtige Aufstellung zu treffen. Trotzdem hat das -heranwachsende Werk natürlich mancherlei Unterschiede in der -Bildhauerarbeit sowie grobe Mängel bei der Gründung oder Auswahl der -Steine gezeigt, so daß Zürner viele Revisionsreisen unternehmen und -umgefallene Stücke wieder aufsetzen lassen mußte, während nach seinem -Tode der Verfall ziemlich schnell um sich griff. An Abweichungen -von der Bauvorschrift treffen wir beispielsweise in Delitzsch einen -Distanzobelisken, der in seiner Überschlankheit um mindestens zwei -Ellen höher sein dürfte, als die Werkzeichnung verlangt (vgl. -Abb. 3); auch der Rochlitzer Obelisk zeigt nicht das vorgeschriebene -sächsisch-polnische Doppelwappen, sondern nur ein gekröntes Schild mit -der sächsischen Raute. - -Der geldliche Aufwand, den eine so prunkvolle, arbeitsreiche Idee -zu ihrer Durchführung erfordert, erscheint selbst in damaliger Zeit -nichts weniger als gering. Für einen Souverän, wie August der Starke, -lagen die Dinge in finanzieller Beziehung aber trotzdem sehr einfach. -Seine Kassen waren leer. Die Kosten für die »allergnädigst verliehenen -Distanzsäulen« mußte also jede Stadt aus ihrem Säckel bestreiten und -für die Meilensäulen am Wege mußten die anliegenden Gemeinden und -Grundherren Sorge tragen. - -Die Stürme des Dreißigjährigen Krieges hatten nun gerade den -sächsischen Landen, die ursprünglich zu den wohlhabendsten gehörten, -auch die schwersten Wunden geschlagen. Durch Heeresfolge, Einlager, -Hunger, Brand und Seuche war Stadt und Land entvölkert. Der Reichtum -erzgebirgischen Silbersegens und mannigfachen Hausfleißes war dahin. -Neue Einnahmen blieben aus. - -Umgekehrt waren die durch die Postzeichen auferlegten Lasten -ursprünglich recht hoch bemessen, denn ohne Rücksicht auf die Größe der -Städte oder den Umfang ihres Verkehrs hatte Zürner anfangs durchaus -nach der Idee des Kurfürsten verfahren und für jeden Stadtausgang -eine große Säule bestimmt. Dadurch wurden kleine und große Orte ganz -ungleich belastet, denn z. B. hatte die Residenz Dresden und der -reiche Handelssitz Leipzig nur vier Tore und die Städtchen Grimma -und Marienberg ihrer fünf. Die Preise der Distanzsäulen schwanken -nach den aktenmäßigen Rechnungen zwischen 12 und 80 Talern für das -Stück, wobei neben der Steinmetzarbeit auch die Höhe der notwendigen -Beförderungskosten ins Gewicht fiel. Wetterfeste Hausteine in diesen -stattlichen Größen waren oft sehr weit herzuholen und oftmals weigerten -sich die Bauern überhaupt, ihre Pferde für solche Riesenlasten -herzugeben. Bei der Beschwerlichkeit der Landfuhren wählte der Rat -von Hayn (Großenhain) für seine drei Säulen deshalb den billigeren -Wasserweg von Pirna bis Merschwitz. - -Da der Stadtsäckel in damaliger Zeit auf solche außergewöhnliche -Ausgaben nirgends eingerichtet war, blieb nichts übrig, wie die Beträge -als Kopfsteuer auf die Bewohner umzulegen. Erklärlicherweise mag dann -allerdings die Begeisterung der gehorsamen Untertanen für kostspielige -fürstliche Launen nicht gerade groß gewesen sein und so stoßen wir in -den Akten nicht nur allerwärts auf allgemeinen Widerstand, sondern -vielfach auf Mahnerlasse, wonach »Unkosten halber eine Repartition -unter der Bürgerschaft gemacht, auch die Widerspenstigen zu Erlegung -des ihnen zugeteilten Quanti behörig und da nötig durch gebührende -Zwangsmittel angehalten werden mögen.« - -Angesichts dieser Finanznöte beginnen all die vielen »Acta die -allergnädigst anbefohlene Anschaffung und Aufrichtung derer steinern -Postsäulen« mit einer beweglichen Klage über die Armut der Bürger -und die Erschöpfung des gemeinen Fiskus. Die Stadt bäte deshalb, -statt mehrerer Distanzsäulen vor ihren verschiedenen Toren nur eine -einzige auf dem Markte setzen zu dürfen. Näher hätte ja wohl der -Ausweg gelegen, daß der Kurfürst den Bau auf Staatskosten bewilligen -möge, aber diesen Vorschlag hat nur die Stadt Freiberg für ihre -fünf Torsäulen gewagt. Tatsächlich wurde ihrerseits im Juni 1723 -auch durchgesetzt, daß »die Unkosten so auf diese Säulen erfordert -werden, ungeachtet der gemeine Fiskus sehr erschöpft ist, dennoch -vorigo noch daraus entnommen und die Bürger und Einwohner mit keiner -Anlage beschwert werden.« Die dutzendweise wiederkehrenden Bitten um -Beschränkung des Aufwands und um Bewilligung einer Marktsäule lassen -die Vermutung aufkommen, daß Zürner hier vielleicht selber den guten -Geist der Städte gespielt und ihnen den Vermittelungsvorschlag, den -der Kurfürst in jedem Einzelfall selbst entscheiden wollte, etwa nahe -gelegt hat. Nur wenige der allerkleinsten Stadtgemeinden, wie z. B. -Rabenau, das damals weder Post- noch Straßenverbindung hatte, dürften -ganz um die neue landesherrliche Verfügung herumgekommen sein. - -[Illustration: Abb. 3 =Überschlanke Distanzsäule in Delitzsch=] - -Bereits die Jahreszahlen an den erhaltenen Postzeichen, die von -1722–1735 schwanken, deuten daraufhin, daß die Aufstellung der -Postzeichen vielfach recht lange verschleppt worden ist. Der -ungeduldige Kurfürst, der seine Lieblingsideen gern umgehend ausgeführt -sah, erließ geharnischte Befehle im allgemeinen und Einzelverfügungen -in Menge, aber allzuviel fruchteten solche papiernen Ergüsse damals -nicht und ohne die Unermüdlichkeit des Kommissarius Zürner und dessen -persönliche Revisionsfahrten wären wahrscheinlich noch weit mehr Säulen -unausgeführt geblieben. - -[Illustration: Abb. 4 =Ganze Meilensäule am ursprünglichen Ort bei -Köttewitz und Dohna=] - -Die jahrelangen Verzögerungen, die dann trotzdem eingetreten -sind, lassen sich vielfach an der Hand der Akten durch wortreiche -Entschuldigungsschreiben der Bürgermeister oder durch Streik von -Fuhrleuten und »Meurern« erklären, die für die vom Kurfürsten -festgesetzten Löhne nicht arbeiten wollten. Mit der Ablenkung, die der -Kurfürst durch seine außenpolitischen Aufgaben erlebte, mag nach und -nach wohl der ganze Plan bei ihm etwas in Vergessenheit geraten und -auch von dem alternden Landeskommissarius Zürner nicht mehr mit der -gewohnten Energie betrieben worden sein. Die Akten enden vielfach ohne -bestimmten Abschluß, und die großen Lücken, die draußen an den Straßen -tatsächlich verblieben sind, deuten darauf hin, daß die Ausführung des -großangelegten Werkes gar nicht vollständig zu Ende gebracht, sondern -nach und nach ins Stocken geraten ist. - - -IV. Der heutige Bestand an Distanzsäulen und Meilenzeichen - -Von den weitreichenden Plänen des prunkliebenden Fürsten und dem -mühevollen Lebenswerk seines getreuen Landesgeographen sind nur höchst -kümmerliche Reste auf unsere Zeiten gekommen. Allerdings deuten die -wiederholten kurfürstlichen Mahnerlasse und die endlosen persönlichen -Bemühungen Friedrich Zürners daraufhin, daß manche der anbefohlenen -Säulen sowohl in den Städten wie an den Straßen unausgeführt geblieben -ist. Genau feststellen läßt sich dies allerdings nicht, denn die -vorhandenen Akten, deren Zahl auch gar nicht vollständig ist, geben -über die wirkliche Aufstellung nur ganz vereinzelt durch eingeheftete -Kostenrechnungen einen Anhalt; andere zeitgenössische Beweisstücke, -wie Karten, Pläne und Bilder, auf denen die vorhandenen Säulen -eingezeichnet sein könnten, bleiben erst recht eine Seltenheit. In -jedem Falle müssen wir aber als sicher annehmen, daß das System nicht -einmal zu Lebzeiten August des Starken in geplanter Weise ausgebaut -gewesen ist, daß es schon kurz nach der Errichtung vielfachen -Zerstörungen ausgesetzt war und dann dem baldigen Vergessen anheimfiel. -In der Aktensammlung zu Dresden finden sich zwei Hefte »Gegen -Vergreifung und Bosheit so darwider geübt werden« und »Für Strafe, so -sich dran vergreifen oder selbige deformirt«. Auch Zürner hat vielfach -über Einzelfälle von Beschädigung zu berichten und besondere Mühe mit -der Ausbesserung gehabt. - -Zum natürlichen Verfall der kleinen Steinmäler durch -Witterungseinflüsse oder mangelhafte Bauart gesellte sich die bewußte -Zerstörung durch menschliche Bosheit oder Unverstand der Behörden. Über -beträchtliche Lücken lesen wir schon in einer gedruckten Festschrift, -die nach hundert Jahren erschien. Ein begeisterter Verehrer der alten -Denkzeichen, ~Dr.~ F. L. Becher in Chemnitz, widmet ihnen 1821 zur -hundertjährigen Jubelfeier einen schwulstigen, phrasenreichen Nachruf -und beklagt bereits damals, daß viele von ihnen umgefallen oder -zerbrochen, eingesunken oder verwachsen seien. - -Der Oberreitsche Landesatlas, der um die Wende des achtzehnten -und neunzehnten Jahrhunderts als Ergebnis der ersten wirklichen -Landesvermessung vom Obersten Oberreit und seinen Gehilfen bearbeitet -wurde, verzeichnet die Meilenzeichen nur an einigen Straßen und erwähnt -die Distanzsäulen der Städte überhaupt nicht. Infolgedessen trägt auch -diese nachträgliche Beurkundung nur wenig zur Klärung des anfänglichen -Zustandes bei. - -Dagegen lassen die dreißig Aktenhefte des Dresdner Staatsarchivs ohne -weiteres erkennen, daß der Kurfürst selbst bereits seine ursprünglichen -Absichten stark zurückschrauben mußte. Die Besetzung aller Straßentore -mit den großen Distanzsäulen war nämlich nur in wenigen wohlhabenden -Städten wie Leipzig, Chemnitz, Freiberg und Dresden zu erzielen, -während alle kleineren Orte sich günstigstenfalls zur Aufstellung einer -Marktsäule bereit finden ließen. Selbst darüber zogen sich aber die -Verhandlungen in die Länge, und jahrzehntelange Verzögerungen waren die -Folge. - -Von kleineren Städten dürften bloß sehr wenige mehr als eine -Distanzsäule angeschafft haben. Beispielsweise finden wir in der Stadt -Geithain noch heute zwei Straßenzüge durch Distanzsäulen geschmückt. -Ebenso sind die Parkeinfahrten der Schlösser Lichtenwalde bei Chemnitz -und Moritzburg bei Dresden von solchen Obeliskenpaaren flankiert. -Da die Akten über diese Stücke ebenso über Penig und andere Städte -keinen Aufschluß geben, so bietet auch die Zählung der Stadtsäulen -nach diesen urkundlichen Unterlagen keine sichere Gewähr. Nur -durch eine oberflächliche Schätzung könnte man annehmen, daß neben -den achtunddreißig Distanzsäulen, die heute laut des beigefügten -Verzeichnisses ~A~ noch auf sächsischem Staatsgebiet stehen, dereinst -noch mindestens fünfzig bis sechzig andere vorhanden gewesen sein -dürften. In den abgetretenen Teilen der preußischen Provinzen Sachsen, -Schlesien und Mark Brandenburg, wo die Wege nach Warschau den -sächsischen Polenkönig naturgemäß am meisten interessierten, wird das -Zahlenverhältnis ähnlich sein, wiewohl die Siedlungen dort räumlich -weiter auseinanderliegen und große Städte, die mehrere Distanzsäulen -gehabt haben könnten, fast ganz fehlen. Man begegnet ihnen daselbst in -großen und kleinen Provinzorten mit sechzehn gut erhaltenen Stücken. -Wieweit dazu die in preußischen Besitz genommenen Akten einen Schluß -auf verlorengegangene Steine zulassen, vermag ich nicht zu beurteilen, -da mir ein persönlicher Besuch der Archive von Berlin und Magdeburg aus -erklärlichen Gründen leider nicht mehr möglich ist. - -Nebenbei wäre vielleicht noch an die Möglichkeit zu denken, daß auch -Warschauer Archive aus der Zeit des sächsischen Königtums einige -Unterlagen über die Straßenbezeichnung enthielten oder daß sogar auf -polnischem Boden Postzeichen noch in ähnlicher Weise vorhanden wären, -wie innerhalb unserer Reichsgrenzen. Ich habe deshalb während des -Krieges von der Westfront her bei unseren polnischen Besatzungsbehörden -angefragt, aber vom Generalgouvernement Warschau durch die mit -Kunstschutz und archivalischen Studien beauftragte Stelle nach längerer -Zeit den Bescheid erhalten, daß bei Durchsuchung der Staatsarchive und -bei Umschau in den Städten nichts über die Postmeilensäulen aufgefunden -worden sei. – - -Alles in allen kann man annehmen, daß auf Grund der augusteischen -Befehle vor zwei Jahrhunderten etwa hundert solcher Distanzsäulen in -sächsischen Landen aufgestellt worden sind und den ersten bescheidenen -Schritt dazu gebildet haben, die mittelalterlichen Verkehrsverhältnisse -in Deutschland etwas zu bessern. Bei allem Widerstand, den die -verarmten Gemeinden der Sache lediglich aus finanziellen Gründen -entgegensetzten, darf man den großen und bleibenden Nutzen für die -Allgemeinheit nicht verkennen. Heutigentags bedeutet die sorgsame -Erhaltung der Obelisken und ihrer Inschriften zwar lediglich einen Akt -kulturhistorischer Pietät, bis zum völligen Ausbau des Eisenbahnnetzes -nach 1870 besaßen jedoch ihre dutzendfältigen Entfernungsangaben in -Wegstunden oder Meilen allerwärts auch noch praktische Bedeutung. Der -Verfasser der Jubiläumsschrift für 1821 bringt diesen Gedanken in -folgender Weise zum Ausdruck: - - »Wer oft genug Reisende aus dem Auslande an diesen wohltätigen - Straßensäulen weilen, die Ortsentfernungen lesen und fröhlich - in ihre Schreibtafeln eintragen sah, der freute sich gewiß - recht patriotisch dieser ehezeitlichen Veranstaltungen und - ihres Nutzens für die gesamte Klasse von Pilgrimen, die - ihrer Heimat entfremdet, jeder freundlichen, auch stummen - Zurechtweisung bedürftig sind.« - -[Illustration: Abb. 5 =Viertelmeilenstein am ursprünglichen Ort an der -Straße Breitenau-Harthwald=] - -Während dieser verbliebene Teil der Distanzsäulen uns mit seinen -fünfzig bis sechzig Stücken immerhin noch ein anschauliches Bild der -Vergangenheit vermittelt, ist die Zerstörung der _Meilenzeichen an den -Landstraßen_ bis auf einige klägliche Trümmer vorgeschritten. Von den -vielen, vielen Hunderten kleiner Kunstwerke, die früher den Wanderer -in regelmäßigem Wechsel schon fernher sein Fortschreiten ankündigten, -steht nicht einmal mehr ein volles Dutzend am alten Fleck und selbst -diese wenigen Reste sind teilweise zertrümmert oder grob beschädigt. - -[Illustration: Abb. 6 - -=Halbmeilensäule ohne Fußteil, früher bei Gohrisch auf dem Schießplatz, -seit 1919 im alten Truppenlager von Zeithain=] - -Sieht man sich nach den Urhebern dieses Zerstörungswerkes um oder -forscht man nach den Beweggründen, so fehlt es zwar an sicheren -Angaben und Beweisen, ein Blick auf die Karte sagt aber mehr, wie -jede wörtliche Anklage. Überall da, wo der neuere Staatsstraßenbau -den alten Postwegen genau folgte, ist jede Spur der Zürnerschen -Meileneinteilung restlos verschwunden und nur die nüchterne, moderne -Wegmarke nach Meilen- oder Kilometersystem vorhanden. Anderseits -begegnen wir den wenigen verbliebenen Meilensäulen aus augusteischer -Zeit gerade an denjenigen alten Postlinien, mit denen sich der -ingenieurmäßige Straßenbau bisher nie zu befassen hatte, weil der -Verkehr frühzeitig nach geeigneteren Wegen abgeschwenkt war. - -Leider ist dieser zweite Fall aber bei weitem der seltenere, denn in -den ebenen Teilen der alten Kurlande hat sich die Verbindung von Ort zu -Ort natürlich ebenso sehr an die altgewohnten gradlinigen Straßenzüge -gehalten, wie im Gebirge, wo die Geländegestalt für die Nahverbindungen -auch nicht viel Auswahl bietet. Infolgedessen sind eigentlich nur -wirkliche Fernverbindungen, wie die Leipzig-Dresdner oder die -Dresden-Prager Handelsstraßen mehrfach über andere Postorte geleitet -und dadurch verschoben worden. - -So hat der alte Postgang zwischen Leipzig und der Elbe bei -Schieritz-Meißen zwischen der nördlichen Linie über Wurzen-Oschatz -und einer südlichen über Grimma zeitweilig auch zwischenliegende -Verbindungsstrecken benutzt. Infolgedessen findet sich die allereinzige -Halbmeilensäule, die überhaupt unbeschädigt auf unsere Tage gekommen -ist und wohl augenscheinlich am ursprünglichen Platze steht, mitten im -Wermsdorfer Forstrevier an einem alten längst verwachsenen Waldwege. - -Der Prager Handelsweg dagegen folgte südlich von Dohna den dörflichen -Verbindungswegen über die Höhen, während die neuere Kunststraße auf der -Sohle des Müglitztales mit all dessen Windungen, aber ohne verlorene -Steigung, zur Paßhöhe am Mückentürmchen hinaufführt. - -Die wenigen Meilenobelisken und Viertelmeilsteine sind ganz vereinzelt -im Lande zu suchen. Einige, wie z. B. die Platten von Klaffenbach, -Dohna und Dippoldiswalde dürften an ihren jetzigen Platz verschleppt -worden sein, denn durch den oberen Ortsteil von Klaffenbach bei -Chemnitz ist überhaupt keine Poststraße gelaufen und bei den beiden -erzgebirgischen Städtchen zeigt der Oberreitsche Landesatlas die -Meßpunkte der Meilenviertel an ganz anderen Stellen. - -Auch sonst steht nur ein einziger Stein von allen an einer ausgebauten -Kunststraße, und diese Viertelmeilplatte von Steinbach bei -Johanngeorgenstadt habe ich selber im Frühjahr 1914 vom Schotterhaufen -gerettet. - -Auf eine Kette von nicht weniger als fünf guterhaltenen Stücken -stoßen wir schließlich an der einstigen Prager Poststraße, die über -die erzgebirgischen Höhenrücken von Dohna nach Börnersdorf verlief -und gegenwärtig nur noch der Verbindung von Dorf zu Dorf dient. Dem -ausgebesserten Viertelsteine in Dohna folgt ein Meilenobelisk bei -Köttwitz (vgl. Abb. 4.) Dann treffen wir in richtigen Abständen -auf zwei weitere Viertelmarken in Börnersdorf und am Haarthewald -(vgl. Abb. 5), sowie nochmals auf die ganze Meile bei Breitenau. Zu -diesem Straßensystem hat noch ein Halbmeilenstein nordöstlich der -Fürstenwalder Kirche gezählt. Einige Sandsteinstücke, die ich dort im -Jahre 1912 am westlichen Straßenrand vorfand, mögen davon herstammen. -Im Abstand einer weiteren Viertelmeile beim Haferfeldwald zeigt der -Oberreitsche Atlas (Blatt Altenberg) kurz vor der Landesgrenze -nochmals einen Viertelmeilenstein; es ist mir bisher aber nicht -gelungen, seinen Verbleib zu ermitteln. - -Auch ohne dieses siebente Stück gestattet das Beispiel dieser -alten Bergstraße, zusammen mit dem sonstigen Befund inner- und -außerhalb Sachsens jedoch zwei ziemlich sichere Schlußfolgerungen: -die Meilensteine aller drei Größen haben inner- und außerhalb der -Ortschaften von der Bevölkerung sicherlich nichts zu leiden gehabt, -sondern sind hie und da, wie Einzäunungen, Blumenschmuck und -Ausbesserungen z. B. in Ballendorf, Crandorf und Börnersdorf zeigen, -sogar auch ohne staatliche Mitwirkung und ohne Belehrung durch den -Heimatschutz gepflegt worden. Die vorhandenen Lücken dürften also wohl -zumeist dem natürlichen Verfall und der ungenügenden Gründung der -hochragenden Formen zuzuschreiben sein. Ihre vollständige Vernichtung -im Bereich späterer Kunststraßen ist dagegen wohl ausschließlich auf -die Bauleiter aller Grade zurückzuführen. Wenn diese irgendwo und -irgendwann einmal soviel geschichtlichen Sinn oder künstlerische -Erkenntnis aufgebracht hätten, um den Wert der alten Postzeichen zu -ermessen, dann müßten die kleinen Merksteine ja gerade an den von -Staats wegen ausgebauten Kunststraßen besonders sorgsam behandelt -worden sein. Unter all den Hunderten zeugt aber nicht ein einziges -Beispiel für solche Überlegung. Unser sächsisches Landschaftsbild, das -beim Fehlen katholischer Andachtszeichen ohnehin manchen poetischen -Anklang entbehrt, ist also im Laufe des vorigen Jahrhunderts durch -diesen beispiellosen Unverstand der Staatsbeamten noch der einzigen -Werke von Straßenkunst beraubt worden. - -Über die einstige Zahl und die Verbreitung der Meilenzeichen vermögen -wir uns heutzutage fast noch schwerer ein Bild zu machen als bei den -großen Stadtsäulen. - -August der Starke hatte von vornherein den Wunsch, alle Poststraßen -damit auszustatten. Die Akten enthalten jedoch kein Verzeichnis der -zu behandelnden Straßen und schweigen sich merkwürdigerweise auch -darüber aus, welche Verbindungswege um 1822 überhaupt als Poststraßen -angesehen wurden. So finden wir denn manche Landstraße im Aktenheft -der Nachbarstadt aufgenommen, z. B. bei Grünhayn, oder es wurde ein -besonderes Schriftstück für den Bezirk angelegt, z. B. Dippoldiswalde -Stadt und Amt. Ein vollständiges Verzeichnis der ganzen, halben und -Viertelmeilenzeichen geben die Akten mit genauer Ortsbezeichnung für -die Straße von Lützen bis zum Leipziger Peterstor. Bei Pätzold finden -wir weitere acht Hauptstraßen mit ihrer genauen Besetzung aufgezählt. - -Aus dem Schriftwechsel mit Zürner, aus den von ihm aufgestellten -Tabellen oder aus Besichtigungsergebnissen, über die manche -Akten berichten, ersehen wir dann, daß die Straßensäulen bei den -Vorbereitungsarbeiten numeriert wurden. Nach welchen Grundsätzen -dabei verfahren wurde, ist nicht ersichtlich, denn an der Straße von -Chemnitz über Annaberg nach Karlsbad wird in dem Grünhayner Faszikel -ein Meilenzeichen Nr. 52, sowie an der Straße Schneeberg-Annaberg ein -solches mit Nr. 57 erwähnt, obwohl keine dieser kurzen Entfernungen mit -solchen Mengen zu rechnen braucht. - -[Illustration: Abb. 7 - -=Normale Distanzsäule in Krakau bei Königsbrück=] - -Auf die Vollständigkeit dieser handschriftlichen Unterlagen ist also -kein Verlaß. Leichter dürfte aus den neunhundert Karten und Plänen, -die Zürner während seiner Straßenvermessung gezeichnet hat, ein -Überblick zu gewinnen sein. Aber auch diese sprechen höchstens -für die Absicht und beweisen nicht allzuviel für die wirkliche -Aufstellung. Seltsamerweise gibt die große Zürnersche Postcharte -von 1730 an den besonders kenntlich gemachten Postrouten nicht eine -einzige Distanz- oder Meilensäule wieder, wohl aber finden wir sie kurz -vorher bei Schramm als Titelkupfer auf einem Dresdner Festungsplan. -Spätere Kartenwerke bieten trotz ihrer Lückenhaftigkeit eher einen -Anhalt. Auf den fünfzehn Hauptblättern des Oberreitschen Atlasses -z. B. ist der Bestand nach hundert Jahren teilweise eingetragen. -Grundsätzlich fehlen auch hier sämtliche Distanzsäulen im Bereich der -Städte. Ferner erscheinen ganze Straßenzüge, an denen sich noch heute -Meilenzeichen finden, ohne diese, und bei denjenigen Landstraßen, an -denen die Vermessung durch die Bezeichnung ¼ M., ½ M., 1/1 M. oder -¼ St., ½ St., 1/1 St. an sich mit auf der Karte vermerkt wurde, ist -ihre Reihe doch höchst lückenhaft. Wenn dieser Mangel sich einerseits -durch eingetretene Verluste erklärt, bleibt anderseits die zwiefache -kartographische Behandlung der ganzen Sache ziemlich unverständlich. -So sind manche Provinzstraßen, z. B. Löbau-Neugersdorf, mit sechs -entsprechenden Meilenabschnitten genau bedacht, während der wichtigste -Handels- und Reiseweg Leipzig-Dresden auf dem Blatt Oschatz kein -einziges Postzeichen erwähnt. Erklärlich wird der Unterschied aber -dann, wenn man die Entstehungsjahre der einzelnen Oberreitschen -Kartenblätter beachtet. Bis 1840 sind die Meilenzeichen durchgängig -aufgenommen; sie fehlen dagegen vollständig auf den späteren Ausgaben. -So weist das Blatt Dresden von 1830 noch über sechzig Stück nach, -während Leipzig von 1839 bereits nicht ein einziges enthält. Auch -hierdurch wird die frühere Behauptung erwiesen, daß der Kunststraßenbau -mit der Zerstörung zusammenhängt, denn dort war eben schon die alte -Poststraße durch den staatlichen Chausseebau ersetzt und die Herren -Straßenbauer hatten in der Natur draußen mit den alten Steinen -gründlich aufgeräumt. Auf Blatt Zwickau von 1850 sucht man gleichfalls -fast vergeblich, wogegen das benachbarte Blatt Chemnitz von 1830 an den -Straßen bei Marienberg, Schlettau, Annaberg, Wolkenstein, Lengefeld, -Reifland und Freyberg die Vermessungszeichen noch sehr reichlich und -vollständig aufweist. - -[Illustration: Abb. 8 - -=Beschädigte Distanzsäule, früher am Marktplatz zu Wilsdruff, seit 1860 -auf den Rittergutsfeldern von Nieder-Reinsberg bei Nossen=] - -Der gegenwärtige Bestand legt uns trotz seiner Dürftigkeit noch -ungelöste Fragen vor. So z. B. kann man sich selbst unter Zuhilfenahme -alter Verkehrskarten und Kursbücher nicht erklären, wie das Dörfchen -Ballendorf zwischen Grimma und Lausigk zu einer Meilensäule gekommen -ist, die dort heute in einem Obstgarten am Nebenwege südlich der Kirche -steht. Sie macht äußerlich durch ihre unbeschädigten Formen durchaus -den Eindruck, als habe sie stets hier gestanden. - -Nach alledem bleibt man also auch für die Meilensteine an den Straßen -nur darauf angewiesen, aus dem unvollständigen und unsicheren -Bild, das die Akten, die älteren Kartenwerke und die verbliebenen -Reste gemeinschaftlich zu bieten vermögen, sich selbst durch freie -Schätzung einen Begriff von der einstigen Gesamtzahl zu machen. Dabei -erscheint es wohl nicht zu hochgegriffen, wenn man innerhalb Sachsens -zu der angenommenen Zahl von neunzig Distanzsäulen das zehnfache an -Meilenzeichen rechnet. Ob dieses Verhältnis auch außerhalb das richtige -ist, erscheint mir trotz der größeren Entfernungen zweifelhaft. Einmal -war das Straßennetz dort nicht so dicht als im Stammlande, und -zweitens dürfte die Bezeichnung infolge Steinmangels wohl gar nicht -viel ausgebaut worden sein. Im ganzen weiten Norden ist nämlich meines -Wissens neben den Distanzsäulen nicht eine Meilen- und nicht eine -Halbmeilensäule, sondern nur ein schwerbeschädigter Viertelstein in -Rüdingsdorf, Kreis Luckau, erhalten; er trägt nur den Namenszug August -des Starken und keine Jahreszahl. – - -Der allgemeine Zweck dieser kursächsischen Postzeichen hätte es wohl -nahegelegt, in Verbindung mit dieser Schilderung auf einer eignen Karte -die alten Postkurse sowie den einstigen und den heutigen Bestand der -Steinmäler darzustellen. Abgesehen vom Kostenaufwand verspricht jedoch -eine solche Übersicht keinerlei Vollständigkeit und noch viel weniger -ein wirkliches Verkehrsbild. Zur Ergänzung der textlichen Darstellung -mögen infolgedessen die beigegebenen tabellarischen Verzeichnisse -dienen. Da sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, so wird -jede Nachricht über den Verbleib eines Postzeichens, das hier noch -nicht aufgeführt ist, dankbar entgegengenommen. - -Über eine ganze Reihe von Postzeichen, die nachweislich einst vorhanden -gewesen, aber im Laufe der beiden Jahrhunderte verschwunden sind, -finden sich in den Zürnerschen Akten, in alten Stadtrechnungen oder auf -Kupferstichen und Gemälden verschiedene Anhaltepunkte. Zur Ergänzung -der Bestandslisten ~A~, ~a~, ~b~, ~c~ sei deshalb eine Reihe von ihnen -hier mit angeführt. - -In _Dresden_ haben nach der Titelkarte bei Schramm von 1726 vier -Distanzsäulen vor dem Festungsring an der Leipziger, Bautzner, -Pirnaer und Wilsdruffer Landstraße gestanden. Sie sind ebenso wie die -anschließenden Meilensäulen seit langem spurlos verschwunden. - -Zur Nachsuche wegen einer Meilensäule hat der Dresdner Rat im Sommer -1919 Gelegenheit gegeben. Ein Rohrmeister des städtischen Gaswerks -glaubte sich zu erinnern, bei Ausschachtungsarbeiten im Straßenkörper -der Bodenbacher Straße zwischen Landgraben und Liebstädter Straße -etwa ein Meter tief eine gut erhaltene Meilensäule mit Posthorn und -Entfernungsangaben gesehen zu haben. Nachgrabungen, die an mehreren von -ihm bezeichneten Stellen vorgenommen wurden, haben jedoch keinen Erfolg -gehabt[2]. - -Das Peterstor, Hallesche und Ranstädter Tor in _Leipzig_ ist seit -1724 mit je einer, und das Grimmaische Tor mit zwei Distanzsäulen -ausgestattet gewesen. Als Verfertiger werden die Steinmetzen Johann -Adam Hamm, Gottlieb Kretschmar und Peter Hennicke genannt[3]. Der -Stadtplan von 1749 zeigt die entsprechenden Plätze. Die Säule vor dem -Peterstor finden wir auf einem Bilde der Esplanade, jetzt Königsplatz, -in dem Werk Saxonia, Museum für Sächsische Vaterlandskunde von Dr. -Sommer, Dresden 1835, Band IV, Seite 61. - -Vier große Säulen hat seit 1724 ferner die Stadt _Zwickau_ besessen und -noch im Jahre 1845 wird die eine vor dem Tränktor an der Paradiesbrücke -und eine zweite vorm Frauentor an der heutigen Bahnhofstraße -bezeugt[4]. Heute fehlt dagegen auch von ihnen jede Spur. - -Gleichfalls im Jahre 1724 hat die Stadt _Oschatz_ vor dem Brüder-, -Altoschatzer und Hospitaltore Distanzsäulen gesetzt und die Kosten -durch Anlagen aufgebracht[5]. Auch hier ist keiner der drei Obelisken -erhalten. Dagegen zeigt das Denkmal vor der Hauptwache am Markt -meiner Erinnerung nach genau die gleichen Formen und Abmessungen der -Distanzsäulen, so daß man wohl auf die Vermutung kommen kann, hier sei -eines der alten Stücke in aufgearbeiteter Gestalt später einem andern -Zwecke dienstbar gemacht worden. - -Über einen heftigen Streit zwischen Zürner und dem Stadtrat wegen der -Distanzsäule, lesen wir im Aktenstück und im Stadtarchiv von _Wurzen_. -Die Distanzsäule auf dem Rondell ist tatsächlich bis 1892 vorhanden -gewesen[6]. - -Neben den vielen Städten und Städtchen hatte August der Starke auch -den beiden Klöstern _Marienstern_ bei Kamenz und _Mariental_ bei -Ostritz aufgegeben, eine Distanzsäule vor ihre Einfahrt zu setzen, -damit sie sich durch dies künstlerische Schmuckstück von den ärmlichen -Dörfern unterscheiden möchten. Auf meine Anfrage hat man kürzlich -liebenswürdigerweise in den Klosterarchiven nachgesucht, aber an -keiner der beiden Stellen einen Anhalt dafür gefunden, ob eine -solche Distanzsäule wirklich gesetzt worden oder wie die Sache sonst -ausgegangen ist. - -Etwas rätselhaft mutet dem Forscher die Tatsache an, daß das -kleine Dörfchen _Krakau_ bei Königsbrück sich einer wohlerhaltenen -Distanzsäule (vgl. Abb. 7) erfreut. Dort geht selbst heute noch keine -größere Straße vorüber und nur die Erinnerung an die polnischen Reisen, -die den Kurfürsten über die Gräflich Brühlschen Besitzungen nordwärts -von Dresden führten, lassen vielleicht sein besonderes Interesse an -diesem Zwischengelände erklärlich erscheinen. - -Einem sonderbaren Schicksal war schließlich die Distanzsäule von -_Wilsdruff_ verfallen (vgl. Abb. 8). Der Straßenbaufiskus hat sie -1860 an ihrem Platz auf dem Markte weggenommen und für 60 Taler an -den Rittergutsbesitzer auf Nieder-Reinsberg bei Nossen, Herrn von -Schönberg, verkauft. Sie ist seitdem auf einem Hügel mitten in dem -Rittergutsflur aufgestellt und hat augenscheinlich durch die Witterung -viel gelitten. Im Jahre 1919 erinnerte sich die Stadt ihres alten -Besitzstückes; die heutige Rittergutsherrschaft der Schönberg war auch -entgegenkommenderweise zu kostenloser Rückgabe bereit, dagegen konnte -dem Stadtsäckel in unsern schweren Zeiten der verhältnismäßig hohe -Aufwand für Beförderung und Neuaufstellung nicht zugemutet werden. -Die alte verwitterte Säule, die in ihrem Gefüge vielleicht durch den -Abbruch noch mehr gelitten haben würde, verbleibt also an ihrem Platz -auf einsamem Felde. - -Einer irrtümlichen Anschauung von den Postzeichen dürfte die Erwähnung -einer Meilensäule im Dresdner Vorort _Kaditz_ entspringen, die bis -1903 an der Ecke der Radebeuler und Dresdner Straße gestanden haben -soll[7]. Wahrscheinlich hat es sich hier nur um einen der meterhohen -Wegweisersteine gehandelt, die auch anderwärts an Kunststraßen -vorkommen, denn die augusteische Poststraße hat das Dorf seiner Zeit -gar nicht berührt und nach der Titelkarte in Schramms Schilderung von -1724 ist die Entfernung östlich von Kaditz richtigerweise mit einer -Halbmeilensäule bezeichnet. - -Fälschlicherweise werden zur Straßenbezeichnung Augusts des Starken in -der Literatur mehrfach auch die Säulen von Altdöbern und Lübben in der -Mark gerechnet. Die erstere zeigt eine durchaus abweichende Gestalt -ohne das sächsisch-polnische Wappen und die andere ist laut Inschrift -bereits 1720 auf Veranlassung des Herzogs Moritz Wilhelm von Merseburg -errichtet worden. - -Aufklärung war mir bisher nicht möglich für zwei Meilenzeichen, von -denen das eine an der Straße von Neustadt (Sa.) nach Rumburg (Böhmen) -etwa zwanzig Minuten von Langburkersdorf entfernt stehen und das andere -an der Straße von Hartmannsgrün i. V. nach Waldkirchen vorhanden -gewesen sein soll. - -Ein schlanker Obelisk wurde mir ferner an der Kunststraße -Freiberg-Großhartmannsdorf in der Nähe des Freiwaldes westlich der -Straße beim Wasser gemeldet, ohne daß ich bisher Näheres feststellen -konnte. - -Unaufgeklärt mußte ich schließlich auch die Frage einer Meilensäule an -der Chemnitz-Zschopauer Kunststraße beim Dorfe Gornau lassen. In der -Zeitschrift Das Automobilwesen, 1905, Seite 834, fand ich auf einem -photographischen Bildnis des Rennfahrers Oskar Günther, das ihn im -Kraftwagen bei Gornau zeigt, eine Meilensäule zufällig am Straßenrand -mit aufgenommen. Durch briefliche Mitteilung zweier Herren, die durch -meine früheren Veröffentlichungen auf die Postzeichen aufmerksam -geworden waren, erhielt ich die Säule noch doppelt bestätigt. Sie soll -auf »Altenhainer Flur« »am Straßenkreuz nach Weißbach und Dittersdorf«, -nach anderer Meldung »im Walde zwischen Gornau und Chemnitz« stehen. -Demgegenüber hat mir im Sommer 1919 der Ortspfleger des Heimatschutzes, -den ich um Bestätigung und nähere Angaben ersuchte, geschrieben, daß -dort keine Säule zu finden sei. Auch von der Amtshauptmannschaft ist -auf eine allgemeine Rundfrage vom Jahre 1917 nichts davon erwähnt -worden. Der Oberreitsche Atlas, Blatt Chemnitz, zeigt 1835 eine Säule -in der Gegend, so daß sie entweder erst nach der photographischen -Aufnahme des Automobils zerstört worden ist oder vielleicht doch noch -unbeachtet am Platze steht. - - -V. Der Schutz der Postzeichen - -Um die Erhaltung der Postsäulen bemühen sich heutzutage in erster -Linie die staatlichen Stellen für Denkmalpflege und der Landesverein -Sächsischer Heimatschutz; das große Inventarisationswerk von Steche und -Gurlitt, dessen zahlreiche Bände um die Jahrhundertwende erschienen, -führt bereits eine Anzahl der Postzeichen mit auf, und die Mitteilungen -des Landesvereins und der Sächsischen Volkskunde haben mehrfach -ergänzende Bemerkungen gebracht. - -Neben dieser allgemeinen Fürsorge hat aber erfreulicherweise an vielen -Orten auch das Interesse der Bewohnerschaft sich dem Einzelstück -zugewendet. In und außerhalb Sachsens sind seit altersher besonders -die wappengezierten Distanzobelisken als besonderer Kunstbesitz -gepflegt und nach Art eines Denkmals mit Promenadenanlagen oder -architektonischer Umgebung in Verbindung gebracht worden. Gerade kleine -Städtchen, wie zum Beispiel Bärenstein bei Glashütte oder Wittichenau -im Preußischen, die über keine anderen Kunstwerke an der Straße -verfügen, haben sich des eigenartigen Erbstücks aus Sachsens Vorzeit -mit doppelter Fürsorge angenommen. - -Manche Säule hat dabei infolge von Straßenregulierungen einen andern -Platz erhalten und ist sorgsam wieder aufgestellt worden. So ist der -Radeburger Distanzobelisk vom Markt an die Friedhofstraße versetzt -worden und diejenigen von Frohburg, Mügeln und Pirna stehen sogar schon -am dritten Platz. Eine weitere Distanzsäule, die wir in Pirna am Elbtor -auf dem großen Gemälde Canalettos (Nr. 627 der Dresdner Staatsgalerie) -abgebildet finden, ist dagegen spurlos verschwunden. - -Abgesehen von kleinen Ausbesserungen beobachten wir auch Ergänzungen -zerbrochener Steine, zum Beispiel in _Neustadt_ an der Distanzsäule -oder am Viertelmeilenstein von _Dohna_. An anderer Stelle, wie -in _Dippoldiswalde_ und _Klaffenbach_, ist die Platte eines -Viertelmeilensteines und im Zeithainer Truppenlager kürzlich das -Hauptstück einer Halbmeilensäule ohne neuere Zutat aufgestellt -worden (Abb. 6). Zufällig erfuhr ich, daß ein Denkstein mit Posthorn -und Namenszug ~A. R.~, auf den im übrigen die Beschreibung der -Halbmeilensäule paßte, weit draußen an der früheren Kröbelner Straße -auf dem Truppenübungsplatz liege; noch vor den Revolutionswirren gelang -es durch Briefwechsel mit der Kommandantur das seltene Stück ausfindig -zu machen und im Lager zu bergen. Es wurde später an der Planitzstraße -im Kiefernwald von neuem aufgestellt und bildet mit dem besser -erhaltenen Wermsdorfer Stück den einzigen Rest dieser hermenartigen -Halbmeilensteine. - -Eine Erneuerung des farbigen Anstrichs oder eine Bemalung und -Vergoldung der gekrönten Wappenschilder haben viele Distanzsäulen -erhalten; besonders eigenartig nimmt sich das bunte Wappenstück dann an -den roten Porphyrsteinen der Rochlitzer Gegend aus. - -Nicht alle solche späteren Eingriffe zeugen von wirklicher Sachkunde. -So wurden beispielsweise die beiden Freiberger und die Altenberger -Distanzsäulen zweifellos durch nachträgliche Einmeißelungen -verunstaltet, während die langen Listen der alten Ortsentfernungen, -die anderwärts noch völlig lesbar dastehen, hier wohl teilweise -geglättet wurden. Das staatliche Denkmalpflegamt sucht deshalb heute -solche willkürliche Veränderungen zu verhindern und bei geplanten -Erneuerungsarbeiten durch sachverständigen Rat mitzuwirken. - -Auch diese literarische Zusammenstellung, die sich neben archivalischen -Studien auf jahrelange Wanderfahrten und persönliche Besichtigungen -stützt und zur Anlegung einer photographischen Bildersammlung führte, -möge dazu beitragen, das Interesse an dem zweihundertjährigen -Kunstbesitz unsrer engeren Heimat zu verbreiten und diesen eigenartigen -Denksteinen einer glanzvollen Fürstenzeit noch einen recht langen -Bestand zu sichern. - - -_Anlage ~A~ und ~B~._ - - -~A.~ Verzeichnis der vorhandenen Postmeilensäulen - - -~a~) Distanzsäulen in Sachsen - - 1. _Altenberg_ [1722], an der Hauptstraße, gegenüber dem alten - Amtshof. _Sächsische Volkskunde_ 1902, S. 256. _Schmidt_, - Kursächsische Streifzüge, Band IV, S. 301. - - 2. _Bärenstein_ [1734], bei Glashütte am Markt. Literatur wie - bei Nr. 1. - - 3. _Berggießhübel_ [1727], am Straßenkreuz. Sächsische - Volkskunde 1902, S. 312. - - 4. _Dohna_ [1731], an der Lesche- und Antonstraße. Sächsische - Volkskunde 1902, S. 312. Über Berg und Tal, Band VII, 1902 - bis 1905, S. 125 und S. 131 (vollständige Inschrift). - - 5. _Elstra._ Gurlitt, S. 40. Bruchstück mit wohlerhaltenem - Wappen, vorläufig im Rathaus aufbewahrt. - - 6. _Elterlein_ [1729], an der Gabelung der Zwönitzer und - Grünhainer Straße, westlich des Marktes. - - 7. _Freiberg I_ [1723]. Einmündung der Annaberger und - Chemnitzer Straße. Literatur wie bei Nr. 1 und 3. - - 8. _Freiberg II_ [1723], an der Hauptpost. - - 9. _Frohburg_ [1722]. Ursprünglich auf dem Markt, dann auf dem - Bismarckplatz, jetzt am Stadteingang vom Bahnhof her. - - 10. _Geithain I_ [1727], an der Hauptstraße im Ostteil der - Stadt. Rochlitzer Porphyr. - - 11. _Geithain II_ [1727], am Westausgang an der Straßengabel - Borna-Frohburg. Rochlitzer Porphyr. - - 12. _Geringswalde_ [1727], am Westrand des Teiches. Rochlitzer - Porphyr. - - 13. _Geyer_ [1730], am Markt. - - 14. _Glashütte_, am Straßenkreuz beim Bahnhof. Literatur wie - bei Nr. 3. - - 15. _Gottleuba_ [1731], auf dem Markt. Literatur wie bei Nr. 3. - - 16. _Hilbersdorf_-Chemnitz, an der Frankenberger Straße. - - 17. _Johanngeorgenstadt_, auf dem Markt. - - 17 ~a~. _Jöhstadt_, auf dem Markt. Abbildung in Mitteilungen - des Sächsischer Heimatschutz, 1922, Heft 1–3, S. 54. - - 18. _Kamenz_ [1725], über dem Eisenbahntunnel. Literatur wie - bei Nr. 1. Abbildung in Sachsenkalender 1922, am 9. Februar. - - 19. _Königstein_, an der Dresdner Straße. 1921 neu bemalt. Über - Berg und Tal, Band VII, S. 174. - - 20. _Krakau_ [1732] bei Königsbrück, auf Zürners Karten Cracau. - Mitten im Dorf am Gasthaus zum grünen Baum. - - 21. _Leisnig_ [1723], auf dem Lindenplatz. Rochlitzer Porphyr. - Gurlitt, Heft 25, S. 152. Sächsische Volkskunde 1903, Heft - 2, S. 63. - - 22. _Lichtenwalde_ bei Chemnitz I. - - 23. _Lichtenwalde II_, beiderseits der Schloßeinfahrt. - - 24. _Marienberg_, vor dem Zschopauer Tore. Sächsische - Volkskunde 1902, S. 288; Müller im Archiv für Post und - Telegraphie 1909. - - 25. _Moritzburg I_ [1730]. Abbildung in Mitteilungen - Sächsischer Heimatschutz, 1922, Heft 1–3, S. 33. - - 26. _Moritzburg II_ [1730], beiderseits der Schloßeinfahrt am - Teiche. - - 27. _Mügeln._ Früher im Ratskellergarten hinter dem Deutschen - Haus. Seit 1895 an der Leisniger Straße und Schützenwiese. - - 28. _Neustadt_ [1729], auf dem Promenadenplatz am Bahnhof. - Spitze ist ergänzt. Sächsische Volkskunde 1902, S. 312. - - 29. _Nieder-Reinsberg_ bei Nossen. Nördlich auf der Steinrücke, - mitten im Felde. Früher auf dem Markt von Wilsdruff. - Am 25. 1. 1864 von der Kgl. Straßenkommission an - Rittergutsbesitzer von Schönberg verkauft. 1920 scheiterten - Verhandlungen beim Stadtrat zu Wilsdruff wegen der - Wiederaufstellung an der Kostenfrage, obwohl der Besitzer - die Säule kostenlos zurückgeben wollte. - - 30. _Oberwiesenthal_ [1730], auf dem Markt. Sächsische - Volkskunde 1902, S. 288. - - 31. _Olbernhau_, Literatur wie bei Nr. 29. - - 32. _Penig_, an der Chemnitzer Straße. Rochlitzer Porphyr. - - 33. _Pirna_ [1722], früher Breite Straße, jetzt Reitbahnstraße. - Sächsische Volkskunde 1902, S. 256 und 312. - - 34. _Pulsnitz_ [1725], am Wettinplatz. Literatur wie bei - Nr. 28; Störzner: Was die Heimat erzählt. Leipzig 1905. - (Vollständige Inschrift). - - 35. _Radeburg_ [1728], früher am Markt. Jetzt am Straßenkreuz - östlich des Friedhofs. Literatur wie bei Nr. 28. - - 36. _Reinsberg_ bei Nossen, an der Straße nach Krummhennersdorf. - - 37. _Rochlitz_, an der Schloßstraße. Rochlitzer Porphyr. Mit - großem sächsischen Rautenwappen. - - 38. _Strehla_, beim Nordausgang der Stadt, an der Paußnitzer - Straße. - - 39. _Zwönitz_ [1727], am Markt. Aus Greifensteiner Granit und - Chemnitzer Sandstein. 1787 und 1884 erneuert. Unsere Heimat - 1903 bis 1904, S. 157; Glück auf 1884, Heft 12, S. 180. - - -~b~) Distanzsäulen außerhalb Sachsens - - 40. _Amtitz_ [1732] bei Guben. Ledât im Archiv für Post und - Telegraphie, Band 40, S. 399. - - 41. _Belgern_ [1730] an der Elbe, am Markt gegenüber der - Rolandfigur. Sandstein. Literatur wie bei Nr. 40. - - 42. _Belzig_ [1725] (Mark). Literatur wie bei Nr. 40. - - 43. _Brück_ [1730] (Mark). Literatur wie bei Nr. 40. - - 44. _Delitzsch_ [1730], am Roßplatz. Ungewöhnlich hoher - schlanker Obelisk. Literatur wie bei Nr. 40. - - 45. _Elsterwerda_ [1738], an der Kirche. Literatur wie bei - Nr. 40; Schmidt: Kursächsische Streifzüge Band IV, S. 301. - - 46. _Golßen_ bei Lübben. Rochlitzer Porphyr. Sächsische - Volkskunde 1903, S. 96. - - 47. _Görlitz_ [1725], auf dem Töpferberg. Schlesische - Heimatblätter, S. 403. - - 48. _Guben._ - - 49. _Hoyerswerda_ [1730], früher auf dem Markt, jetzt in - der Promenade an der Bahnhofstraße als Bismarcksäule - bezeichnet. Literatur wie bei Nr. 47. - - 50. _Kirchhain_ [1736], an der Hauptstraße beim Südeingang. - Literatur wie bei Nr. 40. - - 51. _Lauban_ [1725], am Amtsgericht. 1872 ausgebessert. - Sandstein. Literatur wie bei Nr. 40 und 47. - - 52. _Liebenau_ bei Frankfurt an der Oder. - - 53. _Lieberose_ [1735], vor dem Mühlentor. Literatur wie bei - Nr. 40. - - 54. _Lübbenau_ [1740], an der Vorstadt Hauptstraße. Sandstein. - Ortsnamen ohne Entfernungsangaben. Literatur wie bei - Nr. 40. Schmidt: Kursächsische Streifzüge, Band II, S. 92. - - 55. _Mühlberg_ [1730] an der Elbe, an der Straße nach Burxdorf. - Literatur wie bei Nr. 40. - - 56. _Niemegk_ [1736] bei Potsdam. Literatur wie bei Nr. 40. - - 57. _Ullersdorf_ am Queis. Literatur wie bei Nr. 40. - - 58. _Wittichenau_ [1732], auf dem Marktplatz. Literatur wie bei - Nr. 40. Schlesische Heimatblätter, S. 404. Vollständige - Inschriften. - - -~c~) Meilenzeichen innerhalb und außerhalb Sachsens - - 59. _Ballendorf_ [1722] bei Bad Lausigk, Meilenobelisk, an der - Nebenstraße südlich der Kirche im Obstgarten. Sandstein. - - 60. _Bischofswerda_, Mittelstück mit Ortsangaben einer - Distanzsäule von 1724. Im Hermannstift aufbewahrt. - - 61. _Börnersdorf_ [1732], Viertelmeilenstein. An der - Dorfstraße. Sächsische Volkskunde 1902, S. 312. - - 62. _Breitenau_ [1732], Meilenobelisk. 400 Meter südlich des - Ortes an der Straße nach Fürstenwalde. Literatur wie bei - Nr. 61. - - 63. _Breitenau_ [1732], Viertelmeilenstein. Am Nordeingang des - Haarthewalds an der Straße nach Fürstenwalde. - - 64. _Crandorf_ [1725] bei Schwarzenberg. Meilenobelisk. An - der Straße nach Erla. Nördlich der Kirche. Inschrift: - Schwarzenberg-Grünhain 2 St. Stollberg 5 St. ¾. 1725. - Posthorn. - - 65. _Dippoldiswalde_, Viertelmeilenstein an der Altenberger - Straße. Wahrscheinlich verschleppt, da der Oberreitsche - Atlas östlich bei der Stadt eine Halbstundensäule zeigt. - Literatur wie bei Nr. 61. - - 66. _Dohna_, Viertelmeilenstein. An der Weesensteiner Straße, - nach 1910 neu aufgestellt und ergänzt. - - 67. _Klaffenbach_ [1723], Viertelmeilenstein, Bruchstück. Die - Platte ist neben dem als Bonifaziuskreuz bezeichneten - Sühnekreuz niedergelegt. Sie ist sicherlich verschleppt. - - 68. _Köttewitz_ [1730], Meilenobelisk an der Straße - Köttewitz–Eulmühle. Inschrift: Nach Töplitz 8½ St. 1730 - Posthorn Dresden 4 St. Literatur: Sächsische Volkskunde - 1902, S. 312 bis 315; Ruge in Über Berg und Tal, Band VII, - 1902 bis 1905, S. 131. - - 69. _Oberwiesenthal_, Meilenobelisk, Oberteil zweieinhalb Meter - lang ohne Sockel. An der alten Straße zum neuen Haus, - hundert Meter unterhalb der neuen Kunststraße. - - 70. _Reichenbach i. V._ [1725], Meilenobelisk. An der alten - Poststraße von Schneeberg und Kirchberg, jetzt Feldweg. - Akten I des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz über - alte Steinkreuze. Abbildung in Mitteilungen des Sächsischen - Heimatschutz, 1922, Heft 1–3, S. 34. - - 71. _Reifland_ [1723], Meilenobelisk an der Straße zum - Eisenbahn-Haltepunkt Rauenstein-Lengefeld, beim ersten Gut. - Inschrift: 3 St. 3/8 n. Wolkenstein 5 St. 3/8 n. Freyberg - 6 St. n. Annaberg. - - 72. _Reitzenhain_, Viertelmeilenstein. Sächsische Volkskunde - 1902, S. 288. - - 73. _Röhrsdorf_ bei Chemnitz. Viertelmeilenstein an der - Wasserschänke. - - 74. _Rüdingsdorf_, Provinz Sachsen, Kreis Luckau. - Viertelmeilenstein, Bruchstück an der Kunststraße. - Photographie des Landratsamts Nr. 878 von 1919. - - 75. _Schwoosdorf_, Viertelmeilenstein. Bruchstück an der - alten Poststraße Kamenz-Königsbrück am Berghang kurz vor - Schwoosdorf. Gurlitt, S. 329. - - 76. _Steinbach_ [1725], Viertelmeilenstein. - Bruchstück. Sandstein. An der Kunststraße - Eibenstock-Johanngeorgenstadt, am Wegkreuz bei Kilometer - 29,4. Beim Straßenbau 1914 neu aufgestellt. - - 77. _Wermsdorfer Staats-Forstrevier_, Halbmeilensäule (einziges - unbeschädigtes Stück, das obendrein noch am alten Platz der - früheren Poststraße steht). Auf Forstabt. 10. - - 78. _Wermsdorfer Staats-Forstrevier_, Viertelmeilenstein. - Akten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz, betreffs - Kulturdenkmäler. Auf Forstabt. 25. - - 79. _Zeithainer Truppenübungsplatz_ [1722], Halbmeilensäule. - Bruchstück aus Sandstein. Früher auf dem - Artillerieschießplatz beim zerstörten Dorfe Gohrisch, - fünfzig Meter nördlich des Wegkreuzes der Kröbelner - Straße. 1919 durch den Kommandant, Major Kruse, an der - Planitzstraße vor dem alten Kommandanturgebäude im Waldpark - des einstigen Offizierkasinos aufgestellt und mit Ölfarbe - graugrün gestrichen. Inschrift: Hayn 4 St. 3/8 Posthorn - 1722. Rückseite: Loßdorf 3 St. Posthorn 1722. - - -~B.~ Literaturverzeichnis der Postsäulen - - -~a~) Die Originalakten vom Jahre 1721 ff. - -=Acta betr. die allergnädigst anbefohlene Anschaffung und Aufrichtung -derer steinern Postsäulen= - -Unter Rep. XXXI liegen im _Hauptstaatsarchiv Dresden_ zusammen 83 -Faszikel. Dazu zählen außer den im Distanzsäulenverzeichnis ~A~ 1 bis -38 einzeln angegebenen Nummern noch folgende 55 Orte, an denen heute -keine Säule vorhanden ist: Dippoldiswalde, Döbeln, Dresden, Elsterberg, -Frauenstein, Frankenberg, Gräfenhainichen, Grimma, Grünhain, -Grillenburg, Herzogswalde, Hohnstein, Hein, Hainichen, Hartha, -Königsbrück, Leipzig, Lommatzsch, Lausnitz, Lauterbach, Lengefeld, -Löbau, Mutzschen, Kloster Marienstern, Kloster Marienthal, Mittweida, -Meißen, Nossen, Öderan, Ölsnitz, Oschatz, Roßwein, Reichenbach, -Radeberg, Schwarzenberg, Schmiedeberg, Sachsenburg, Schneeberg, -Stollberg, Stolpen, Schöneck, Sayda, Wurzen, Wilsdruff, Wolkenstein, -Waldheim, Zschopau, Zöblitz, Zittau, Zwickau. - -Ferner sind 1815 nach der Teilung der Kurlande noch weitere 55 Faszikel -an die _preußischen Provinzial Archive Magdeburg_ und _Berlin_ -ausgeliefert worden. Dazu zählen die Städte im Distanzsäulenverzeichnis -~A~ 40 bis 57, sowie noch folgende 35 Orte oder Ämter, die heute -keine Säule mehr aufweisen: Dobrilugk, Düben, Dommitzsch, Herzberg, -Jessen, Kemberg, Liebenwerda, Luckau, Lausnitz, Lauterstein, Merseburg, -Neustadt a. O., Neukirchen, Naumburg a. Qu., Ortrand, Pforta, Ruhland, -Schlieben, Schilda, Sonnewalde, Suhl, Senftenberg, Schweinitz, -Tannstädt, Torgau, Tautenburg, Voigtsberg, Witten, Weyda, Weißenfels, -Zahna, Ziegenrück, Zabeltitz, Zeitz. - - -~b~) Schriftstellerische, bildliche und kartenmäßige Bearbeitungen - - _Codex Augusteus_ von 1724, I, 1947, 1951, 2541 (steinerne an - Stelle der hölzernen Armensäulen zu setzen), 1955, 1956, - 2541, 2543 (Beschleunigung unter Strafandrohung verlangt), - 2542 (gegen Vergreifung und Bosheit, so darwider geübt - werden), 1958, 2544 (Strafe so sich daran vergreifen und - solche deformiert). - - _Schramm_: Von denen Wege-Weisern, Armen-, und Meilensäulen. - Wittenberg 1726 (400 Seiten und Abbildungen). - - Dr. _F. L. Becher_: Die Hundertjährige Jubelfeier der - Sächsischen Distanz- und Postsäulen, im Jahre 1822, sammt - einer Geschichte derselben. Chemnitz 1821 (54 S.). - - Dr. _P. G. Müller_ im Archiv für Post und Telegraphie 1909, - S. 365. Die Kursächsischen Post- und Meilensäulen. - - _Ledât_ ebenda 1912, S. 393. Alte Meilen- und Postsäulen im - Reichspostgebiete. - - _Christian Lehmann_: Historischer Schauplatz deren natürlichen - Merkwürdigkeiten in dem Meißnischen Obererzgebirge. Leipzig - 1699, S. 151. - - _Schäfer_: Geschichte des sächsischen Postwesens. Dresden 1879, - S. 186. - - _S. Ruge_: Die alten Meilensäulen. In: Über Berg und Tal, Band - VII (1902 bis 1905), S. 174. - - Dr. _Bschorner_ in den Mitteilungen für Sächsische Volkskunde - 1902, S. 312 bis 315. - - _Aug. Schumanns_ vollständiges Staats-, Post- und - Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Zwickau im Verlag der - Gebrüder Schumann 1824, Band XI, S. 173. (Notiz über - Zürner.) - - _L. Schmidt_: Kurfürst August der Starke als Geograph. 1898. - - Dr. _Kuhfahl_: Die kursächsischen Postmeilensäulen. Dresdner - Anzeiger vom 16. März 1919. - - _Veredarius_: Das Buch von der Reichspost, S. 110. Allgemeine - Deutsche Biographie, Band 45, S. 511. (Über Zürner.) - - _Aug. Böhland_: Schicksale der Oberlausitz und ihrer Hauptstadt - Budissin. 1831, S. 203. (Kurze Erwähnung der Postsäulenidee - Augusts des Starken.) - - Dr. _E. Herzog_: Chronik der Kreisstadt Zwickau 1845, II. - Teil, Jahresgeschichte, S. 592 ff. (Bericht über vier - Distanzsäulen und die Meilensäulen des Weichbildes.) - - _Carl Sam. Hoffmann_: Historische Beschreibung der Stadt, des - Amtes und der Diöcese Oschatz 1813, S. 171. (Erwähnung der - drei Distanzsäulen von 1724). - - _Max Engelmann_: Die Wegmesser des Kurfürsten August von - Sachsen. In den Mitteilungen aus den Sächsischen - Kunstsammlungen, Jahrgang VI, S. 11. - - _Fickert_: Das Landstraßenwesen im Kr. Sachsen bis um das Jahr - 1800. Im Archiv für Post und Telegraphie 1913 (Nr. 13 und - 14) S. 37. (Kurze Erwähnung der Postsäulen.) - - _F. G. Leonhardi_: Handbuch für Reisende durch die Sächsischen - Lande, 1796. - - _K. Wertheim_: Reise durch Kursachsen 1793 bis 1794. - - _Johann Eschert_: Post Secretarius in Leipzig. Chur. Sächs. - Post Cours, in welchem enthalten, wie alle reutend und - fahrende Ordinar Posten in der berühmten Handelsstadt - Leipzig 1703. - - _D. E. Schmidt_: Auf der alten Leipziger Poststraße. In - Kursächsische Streifzüge 1912, Band IV, S. 287, 288 ff. - - Dr. _A. Pätzold_, Halle 1916: Die Entwicklung des Sächsischen - Straßenwesens von 1763–1831. - - _Saxonia_: Museum für Sächsische Vaterlandsfreunde von Dr. - Sommer. Dresden 1835, Band IV, S. 61. Abbildung der - Esplanade in Leipzig (jetzt Königsplatz) mit Distanzsäule. - - _Gemälde von Canaletto_ in der Dresdner Staatsgalerie: - - Nr. 611: Die ehemaligen Festungswerke zu Dresden. - (Distanzsäule von 1722 am heutigen Postplatz.) - Nr. 622: Die Breitegasse zu Pirna. - (Distanzsäule, die heute an der Promenade steht.) - Nr. 627: Pirna vom rechten Elbufer. - (Distanzsäule am Elbtor.) - - _Kupferstich_ ~Vue de Nossen près de Meissen~ von Carl Aug. - Richter (Kupferstichkabinett Dresden) zeigt gegenüber dem - Nossener Schloß am rechten Muldenufer eine Halbmeilensäule. - - _Neue Chur-Sächsische Post Charte_ von Magister _Ad. Fr. - Zürner_. Erste Auflage gegen 1700, zwei spätere Auflagen - bis 1730. Postwege und Postorte aber nirgends Postsäulen. - - _Atlas Saxonicus_ von Schlenk, 1775 (keine Postsäulen). - - _Geographische Delineation_ der Gegend zwischen Dresden und - Meißen nebst den dabey befindlichen Postsäulen. Titelblatt - in Schramms Buch von denen Wege-Weisern, Armen- und - Meilensäulen 1726. - - _Müllers Postkarte_ von 1824. (Keine Postsäule.) - - _Oberreitscher Landesatlas_ 1821 bis 1850. Postmeilensäulen an - den Straßen sind in den älteren Blättern Freyberg, Stolpen, - Altenberg, Chemnitz, Zittau, Schwarzenberg, Großenhain, - Dresden lückenhaft aufgenommen, in den übrigen aber nicht - verzeichnet. - - _Joh. Hernleben_: Pässe des Erzgebirges, Berlin 1911. - - _Abbildungen_ 1–8 nach Photographien von Dr. Kuhfahl. - - -Fußnoten: - - [1] Siehe das angefügte Literaturverzeichnis ~B~, ~a~. - - [2] Akten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Nr. 941. - - [3] Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und - Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen, Band Leipzig, - S. 393. - - [4] ~Dr.~ Emil Herzog, Chronik der Kreisstadt Zwickau, II. - Teil, Jahresgeschichte, Seite 592. - - [5] Historische Beschreibung der Stadt Oschatz von Carl Samuel - Hoffmann, 1843, Seite 171. - - [6] Schmidt, Kursächsische Streifzüge ~B~ 4, Seite 298 ff. - - [7] Über Berg und Tal, VII. Bd. 1902–1905, Seite 174. - - - - -Heimatschutzgedanken in Gottfried Kellers Dichtungen - -_Th. Leuschner_, Dresden-Loschwitz - - -Lange vor uns hat Gottfried Keller die Gedanken des Heimatschutzes -empfunden. Ob und wie er als erster Staatsschreiber des Kantons Zürich -in dieser Richtung hin gewirkt hat, wissen wir nicht, das soll auch -hier nicht untersucht werden. Aber in einigen seiner Dichtungen weist -er darauf hin, die Schönheit und die Eigenart der Heimat nicht zu -zerstören. Und _wie_ das Keller sagt, das ist für uns das Reizvolle. - -Was er in seinen Erzählungen darüber eingeflochten hat, ist nicht -ein bloßer Einfall von ungefähr. Es ist ihm damit ernst, und diese -Gedanken haben ihn immer bewegt. Wir dürfen dieser Liebe nach einem -Selbstzeugnis über sein künstlerisches Arbeiten versichert sein. In -einem Briefe vom 28. Februar 1877 an W. Hemsen, der von ihm einen -Beitrag zu seinem bei Spemann erscheinenden Jahrbuch »Kunst und Leben. -Ein neuer Almanach für das deutsche Haus« gewünscht hatte, bekennt er: -»So geringfügig meine Erfindungen sind, so sind es eben solche, d. h. -sie beruhen jedesmal auf einem spontan entstandenen inneren Gesicht -(wenn diese banale Phrase erlaubt ist) und sind daher nicht von äußeren -Wünschen abhängig. Es sind immer Sachen, die mir von langer Hand oder -in Verbindung mit einer ganzen Gruppe vorschweben; am seltensten stößt -mir ein Motiv auf, welches für sich allein ausgeführt werden kann.« - -Wir lesen uns zuerst in den Roman »_Martin Salander_« ein. Martin -Salander ist heute heimgekommen. Über sieben Jahre lang war er von den -Seinigen weg gewesen, um das an seinen betrügerischen Freund Wohlwend -verlorene Geld drüben in der neuen Welt rascher als im heimatlichen -Münsterberg wieder zu erwerben. Während dieser Zeit hat seine Frau -Marie in der kleinen Sommerwirtschaft und Fremdenpension zur Kreuzhalde -den Unterhalt für sich und die drei Kinder kümmerlich bestritten. Es -ist hier nicht der Platz, den Gang der Erzählung zu verfolgen. Sie -gehen schlafen, sie betreten das Zimmer, wo Frau Marie das Lager ihres -Mannes schon seit Monaten bereit gehalten hat. - - »... Aber ich wollte schon ein paarmal fragen,« fuhr er - fort, aus dem offenen Fenster auf das mondhelle Umgelände - hinausdeutend. »Wo sind denn nur die vielen schönen Bäume - hingeraten, die sonst vor und neben dem Hause standen? Hat sie - der Eigentümer abschlagen lassen und verkauft, der Tor? Das war - ja ein Kapital für die Wirtschaft!« - - »Man hat ihm das Land weggenommen oder eigentlich ihn - gezwungen, Bauplätze daraus zu machen, da einige andere - Landbesitzer den Bau einer unnötigen Straße durchgesetzt haben. - Nun ist sie da, jedes schattige Grün verschwunden und der Boden - in eine Sand- und Kiesfläche verwandelt; aber kein Mensch - kommt, die Baustellen zu verkaufen. Und seit die guten Bäume - dahin sind, ist auch mein Erwerb dahin!« - - »Das sind ja wahre Lumpen, die sich selbst das Klima - verhunzen ...« - -Eine Reihe von Jahren später! Salanders Töchter Netti und Setti haben -sich mit den Zwillingsbrüdern Isidor und Julian Weidelich, den Söhnen -der Gärtnersleute aus dem Zeisig, verheiratet. Diese sind Landschreiber -und Mitglieder des Großrates. Keller hat sie mit einer Fülle kleinster -Einzelheiten als eitle, schlaue Streber und Narren gezeichnet, die -habsüchtig ihre Amtsgewalten mißbrauchen und zuletzt auf viele Jahre -hinaus ins Zuchthaus kommen. »Es ist nichts mit ihnen. Sie haben keine -Seelen,« klagt Setti ihren Eltern, als diese sich auf ihrem Landhause -zum Lautenspiel nach ihr umschauen. Mit gutem Bedacht hat Keller unter -die häßlichen Wesensfarben der beiden Brüder auch die Lieblosigkeit -und Gleichgültigkeit gegen die heimatliche Umgebung gemischt. Isidor -begleitet seine Schwiegereltern und seine Frau, als diese zum Besuch -auf dem Lindenberg, wo Netti und Julian wohnen, vom Lautenspiel -fortgehen. - - Auf dem Hofe bewunderte Salander wieder das Buchenwäldchen und - die dahinter emporragenden Wipfelmassen des größeren Forstes, - eine Umgebung die nicht mit Geld zu bezahlen sei. - - »O ja, es macht sich nett!« sagte der Schwiegersohn. »Nur wird - es nicht mehr so lange stehen bleiben, als es schon steht. Der - Wald gehört der Gemeinde Unterlaub und soll in ein paar Jahren - geschlagen werden; die Holzhändler sind schon dahinter her. Da - werd’ ich unsere Buchen auch daran geben, es geht in einem zu - und sie tragen ein schönes Geld ein!« - - »Sind Sie bei Trost?« rief Salander. »Ihre Buchen schützen ja - allein Haus und Garten samt der Wiese vor den Schlamm- und - Schuttmassen, die der abgeholzte Berg herunterwälzen wird!« - - »Das ist mir Wurst!« erwiderte der jugendliche Notar in - nachlässigem Tone. »Dann zieht man weg und verkauft den ganzen - Schwindel! Es ist ja langweilig, immer am gleichen Ort zu - hocken.« - - Salander dachte sein Teil und gab keine Antwort. Frau Setti - ließ während Isidors Mitteilung ein paar Worte des Erstaunens - hören und verriet so, daß sie von dem bevorstehenden - Holzschlage noch gar nichts wußte, was ein neues Anzeichen von - des Mannes Lebensart war. Sie schwieg daher auch und sagte nur - noch: »Adieu, du schönes Lautenspiel!« - - »Woher heißt es eigentlich hier im Lautenspiel?« fragte - die hinzutretende Mutter. »Das mag der Henker wissen, ich - könnt’ es nicht sagen! In den Grundbüchern heißt es nur: Haus - und Hofstatt genannt im Lautenspiel, und ebenso in meinem - Kaufschuldbrief,« erklärte Isidor. - - »Hast du denn nicht gehört, was sie in der Gegend davon - erzählen?« fragte Frau Setti. »Nein, ich habe gar nie danach - gefragt! Woher soll es denn kommen? Woher heißt es denn bei uns - im Zeisig und im roten Mann? Von irgend einer Dummheit!« - -Und nun erzählt Frau Setti zur Erklärung des Flurnamens die alte -Geschichte vom geizigen Junker und seinen sechs schönen Töchtern. - -Was erleben die Salandrischen dann auf dem Lindenberg? Julian kommt aus -dem Wald zurück. - - Er schüttelte die Weidtasche auf den Tisch aus und über dreißig - arme Vögel mit verdrehten Hälschen und erloschenen Guckaugen, - Drosseln, Buchfinken, Lerchen, Krammetsvögel und wie sie alle - hießen, lagen als stille Leute da und streckten die starren - Beine und gekrümmten Krällchen von sich. - - »Sie werden sehen, Mama, die Dinger schmecken Ihnen wie - Marzipan, wenn sie mürb und gut geraten sind! Ich will aber - selbst zusehen! Hat’s etwas Speck in der Küche, Frau?« - - »Bitte, Herr Sohn, beeilen Sie sich nicht!« sagte Frau - Salander, »wir essen jedenfalls nicht mit, mein Mann und ich, - wir sind vollkommen satt und wollen noch mit dem letzten Zuge - fort!« - - »Aber, Meister Julian,« schaltete Martin dazwischen, »wissen - Sie denn nicht, daß die Jagd auf Singvögel verboten ist? Sie, - als Mitglied des Großen Rates?« - - »Herr Vater, ich habe nicht gejagt, sondern das Garn gespannt, - und da sind allerdings ein paar Finklein dazwischen gekommen, - die nicht geladen waren. Übrigens wird sich wohl kein Wächter - des Waldes an mich machen!« ... - -In der Novelle »_Das verlorene Lachen_« ist Jukundus der Träger von -Kellers Naturschutzbestrebungen. - - Mit der Verheiratung hatte er verabredetermaßen die - militärische Laufbahn als Berufssache wieder aufgegeben, wegen - der fortwährenden Abwesenheit, die sie mit sich brachte. Um - sich aber dafür einen ehrbaren Erwerb und eine geordnete - Tätigkeit zu sichern, hatte er ein Handelsgeschäft errichtet, - welches sich auf den Holzreichtum der Stadtgemeinde und der - umgebenden Landschaft gründete. Zu den großen Allmenden, die - von der allemannischen Bodenteilung herrührten, waren später - noch die Waldungen von Burg und Stift gekommen, an deren Mauern - die Stadt sich angebaut hatte. - - Diese hatte bisher die Quellen ihrer Behaglichkeit geschont - und auch aus bürgerlichem Stolz erhalten, wie sie ihre reichen - Trinkgeschirre und den alten Wein im Stadtkeller sorgfältig - erhielt. Allein durch irgendeine Spalte war die Verlockung - und die Gewinnsucht endlich hereingeschlüpft und es wandelte - ungesehen schon der Tod durch die weiten Waldeshallen, schlich - längs den Waldsäumen hin und klopfte mit seinen Knochenfingern - an die glatten Stämme. Als daher eben um diese Zeit Jukundus - auftrat, um das Bau- und Brennholz anzukaufen und auszuführen, - kam sein Geschäft alsobald in Schwung; denn die Seldwyler zogen - die Vermittlung des ihnen wohlbekannten ehrlichen Mitbürgers - dem Andringen der fremden Händler, durch die das Unheil - eingeschlichen war, vor. - - Jetzt begannen die hundertjährigen Hochwaldbestände zu fallen - und auch sofort dem Strich der Hagelwetter den Durchlaß auf die - Weinberge und Fluren zu öffnen. Allein sie waren auch einmal - jung und niedrig gewesen oder schon mehrmals vielleicht, und - sie konnten wieder alt und hoch werden. Doch als die Axt auch - an die jüngeren Wälder geriet, für das zuströmende Geld immer - schönere Zwecke erfunden und die Berghänge dafür immer kahler - wurden, fing es den Jukundus innerlich an zu frieren, da er - von Jugend auf ein großer Freund und Liebhaber des Waldes - gewesen war. Während er an dem Handel einen ordentlichen Gewinn - machte, begann er sich desselben mehr und mehr zu schämen; er - erschien sich als ein Feind und Verwüster aller grünen Zier - und Freude, wurde unlustig und oft traurig und vertraute sich - seiner Frau an, da sie sein frohes Lächeln, das zu dem ihrigen - wie ein Zwillingsgeschwister war, fast seltener werden sah und - ihn ängstlich befragte. Sie dachte aber, die Dinge würden mit - oder ohne den Mann ihren Lauf gehen und wahrscheinlich nur noch - schlimmer, und sie war nur darauf bedacht, ihn bald aus eigenen - Kräften wohlhabend und unabhängig zu wissen, um auch von dieser - Seite her stolz auf ihn sein zu können. Sie bestärkte daher den - Mann nicht in seiner Unlust, sondern ermunterte ihn vielmehr - zum Ausharren und er fuhr dann so fort. - - Da wurde an einer schief und spitz sich hinziehenden Berglehne, - welche der Wolfhartsgeeren hieß, ein schönes Stück Mittelwald - geschlagen. Aus demselben hatte von jeher eine gewaltige - Laubkuppel geragt, welche eine wohl tausendjährige Eiche - war, die Wolfhartsgeeren-Eiche genannt. In älteren Urkunden - aber besaß sie als Merk- und Wahrzeichen noch andre Namen, - die darauf hinwiesen, daß einst ihr junger Wipfel noch in - germanischen Morgenlüften gebadet hatte. Wie nun der Wald um - sie niedergelegt war, weil man den mächtigen Baum für den - besonderen Verkauf aufsparte, stellte die Eiche ein Monument - dar, wie kein Fürst der Erde und kein Volk es mit allen - Schätzen hätte errichten oder auch nur versetzen können. - Wohl zehn Fuß im Durchmesser betrug der untere Stamm und die - wagrecht liegenden Verästungen, welche in weiter Ferne wie - zartes Reisig auf den Äther gezeichnet schienen, waren in der - Nähe selbst gleich mächtigen Bäumen. Meilenweit erblickte man - das schöne Baumdenkmal und viele kamen herbei, es in der Nähe - zu sehen. - - Als man nun gewärtigte, welcher Käufer den höchsten Preis - dafür bieten würde, erbarmte sich Jukundus des Baumes - und suchte ihn zu retten. Er stellte vor, wie gut es dem - Gemeinwesen anstehen würde, solche Zeugen der Vergangenheit - als Landesschmuck bestehen zu lassen und ihnen auf allgemeine - Kosten Luft und Tau und die Spanne Erdreich ferner zu gönnen; - wie die verhältnismäßig kleine Summe des Erlöses nicht in - Betracht kommen könne gegenüber dem unersetzlichen inneren - Wert einer solchen Zierde. Allein er fand kein Gehör; gerade - die Gesundheit des alten Riesen sollte ihm sein Leben kosten, - weil es hieß, jetzt sei die rechte Zeit, den höchsten Betrag zu - erzielen; wenn der Stamm einmal erkrankt sei, sinke der Wert - sofort um vieles. Jukundus wandte sich an die Regierung, indem - er die Erhaltung einzelner schöner Bäume, wo solche sich finden - mögen, als einen allgemeinen Grundsatz belieben wollte. Es - wurde erwidert, der Staat besitze wohl für Millionen Waldungen - und könne diese nach Gutdünken vermehren, allein er besitze - nicht einen Taler und nicht die kleinste Befugnis, einen - schlagfähigen Baum auf Gemeindeboden anzukaufen und stehen zu - lassen. - - Er sah wohl, daß man überall nicht zugänglich war für seinen - Gedanken und daß er sich nur als Geschäftsmann bloßstellte und - heimlich belächelt wurde. Da kaufte er selbst die Eiche und - das Stück Boden, auf welchem sie stund, säuberte den Boden und - stellte eine Bank unter den Baum, unter dem es eine schöne - Fernsicht gab, und jedermann lobte ihn nun für seine Tat und - ließ sich den Anblick gefallen. Aber von diesem Augenblick an - suchte auch jedermann, ihn zu benutzen und zu übervorteilen, - wie einen großen Herrn, der keine Schonung bedürfe. - -Seine Frau Justine tut das Gegenteil im Verein mit dem Pfarrer des -Ortes, der als ein »beifallsdurstiger Wohlredner und Schwätzer«, wie er -sich später selbst nennt, vorübergehend einen schlechten Einfluß auf -seine Gemeinde ausgeübt hat. - - Die Kirche zu Schwanau war noch ein paar Jahrhunderte vor - der Reformation erbaut worden und jetzt in dem schmucklosen - Zustande, wie der Bildersturm und die streng geistige Gesinnung - sie gelassen. Seit Jahrhunderten war das altertümliche graue - Bauwerk außen mit Efeu und wilden Reben übersponnen, innen aber - hell geweißt, und durch die hellen Fenster, die immer klar - gehalten wurden, flutete das Licht des Himmels ungehindert - über die Gemeinde hin. Kein Bildwerk war mehr zu sehen, als - etwa die eingemauerten Grabsteine früherer Geschlechter, und - das Wort des Predigers allein waltete ohne alle sinnliche - Beihilfe in dem hellen, einfachen und doch ehrwürdigen Raume. - Die Gemeinde hatte sich seit drei Jahrhunderten für stark genug - gehalten, allen äußeren Sinnenschmuck zu verschmähen, um das - innere geistige Bildwerk der Erlösungsgeschichte um so eifriger - anbeten zu können. Jetzt, da auch dieses gefallen vor dem - rauhen Wehen der Zeit, mußte der äußere Schmuck wieder herbei, - um den Tabernakel des Unbestimmten zieren zu helfen ... - - Das sonnige, vom Sommergrün und den hereinnickenden Blumen - eingefaßte Weiß der Wände hatte zuerst einem bunten Anstrich - gotischer Verzierung von dazu unkundiger Hand weichen müssen. - Die Gewölbefelder der Decke wurden blau bemalt und mit goldenen - Sternen besät. Dann wurde für bemalte Fenster gesammelt, und - bald waren die lichten Bogen mit schwächlichen Evangelisten- - und Apostelgestalten ausgefüllt, welche mit ihren großen, - schwachgefärbten, modernen Flächen keine tiefe Glut, sondern - nur einen kränklichen Dunstschein hervorzubringen vermochten. - - Dann mußte wieder ein gedeckter Altartisch und ein Altarbild - her, damit der unmerkliche Kreislauf des Bilderdienstes wieder - beginnen könne mit dem »ästhetischen Reizmittel«, um unfehlbar - dereinst bei dem wundertätigen, blut- oder tränenschwitzenden - Figurenwerk, ja bei dem Götzenbild schlechtweg zu endigen, um - künftige Reformen nicht ohne Gegenstand zu lassen. - - Endlich wurden die Abendmahlkelche von weißem Ahornholze, die - weißen, reinlichen Brotteller und die zinnernen Weinkannen - verbannt und silberne Kelche, Platten und Schenkkrüge vergabt - bei jedem Familienereignis in reichen Häusern ... - - Schon waren alle Künste, selbst die Bildhauerei mit einigen - übermalten Gipsfiguren, vertreten, ausgenommen die Musik, - welche daher eiligst herbeigeholt wurde. Weil zu einem - Orgelwerk die Mittel noch nicht beisammen waren, stiftete - einer einen trompetenähnlichen Quiekkasten; ein gemischter - Chor studierte kurzerhand alte katholische Meßstücke ein, die - man der erhöhten Feierlichkeit wegen und weil niemand den Text - verstehen konnte, lateinisch sang. – - -Was für ein fröhlicher, liebenswerter Geselle ist der abgesetzte -Schulmeister Wilhelm in der Novelle »_Die mißbrauchten Liebesbriefe_«, -der da oben in dem Rebhäuschen des Tuchscherers haust und als -erbauliches Gegengewicht für die Erdenschwere seiner Hände Arbeit in -Wald und Flur herumstreift, um dann mit allerhand schönen, seltsamen -Dingen die Wände und die Decke seines Stübchens zu schmücken. - - Nur nichts Lebendiges heimste er ein; je schöner und seltener - ein Schmetterling war, den er flattern sah, und es gab auf - diesen Höhen deren mehrere Arten, desto andächtiger ließ er ihn - fliegen. Denn, sagte er sich, weiß ich, ob der arme Kerl sich - schon vermählt hat? Und wenn das nicht wäre, wie abscheulich, - die Stammtafel eines so schönen, unschuldigen Tieres, welches - eine Zierde des Landes ist und eine Freude den Augen, mit einem - Zug auszulöschen! Abzutun, ab und tot, das Geschlecht einer - zarten, fliegenden Blume, die sich durch so viele Jahrtausende - hindurch von Anbeginn erhalten hat und welche vielleicht die - letzte ihres Geschlechtes in der ganzen Gegend sein könnte! - Denn wer zählt die Feinde und Gefahren, die ihr auflauern? - -Das Gegenstück hierzu ist die Erzieherin in der Novellenreihe »_Das -Sinngedicht_«. Daß Keller selbst in dem reichen und so bunten Strauße -dieser Liebesgeschichten dem – wenigstens hier so entfernten – Gedanken -des Naturschutzes eine Gestalt gibt, spricht wohl dafür, wie sehr ihm -Vergewaltigung der Natur verhaßt war. Ganz am Schluß erzählt Lucie ihr -Jugendleben und -lieben und kommt dabei auf die Umgebung zu sprechen, -die ihr der oft auf langen Reisen befindliche Vater gegeben hat. - - Die Erzieherin dagegen verwendete alle ihre Tage mit dem - Vermehren und Ordnen einer Käfersammlung. Sie stand mit - Gelehrten und Naturalienhändlern in Verbindung und sandte - fortwährend Schachteln fort. Denn sie verstand auf zahlreichen - Ausflügen den letzten Käfer aus seinem Hinterhalt zu ziehen, - und hatte eine seltene Art, die gerade in einem Gehölz - unsrer Gegend zu finden war, nahezu ausverkauft. Ich kann - mich des Namens dieses ausgerotteten Käferstammes nicht mehr - entsinnen. Am betrübtesten darüber war ein insektenkundiger - Herr Oberlehrer, welcher der handelslustigen Dame den Ort - nachgewiesen hatte und sich daher der Mitschuld an dem - naturwissenschaftlichen Raubverfahren, wie er es nannte, - anklagte. – - -In dem großen, vierteiligen Roman »_Der grüne Heinrich_« findet -sich kein Heimatschutzgedanke. Seltsam? Nein. Der Roman ist Kellers -Erstlingsdichtung. Sie ist durchtränkt und gesättigt von persönlichen -Erlebnissen und Erfahrungen, von Stimmungen und Träumen. Er erzählt so -oft und so viel von der Heimat: von Berg und Tal, von Haus und Hof, -von Wald und Feld, von Verwandten und Fremden. Er schildert in der -Erinnerung, wie sie war, als er mit ihr lebte. Und er hat die Heimat -gesehen in aller Freude am goldnen Überfluß, eben in aller Freude der -Jugend. Das Alter nur sieht prüfend hinein in die sichtbare Welt und -möchte sie schön und treu erhalten und auch so weiter fortgebildet -wissen. - - - - -Die Kirche zu den »Vierzehn Nothelfern« auf der »Kahlen Höhe« bei -Reichstädt - -Von _A. Klengel_ - - -Abseits vom Fremdenverkehr steht auf der sogenannten »Kahlen Höhe« -zwischen Reichstädt und Sadisdorf bei Dippoldiswalde die Gruftkapelle -der Majoratsherrschaft von Schönberg auf Reichstädt. Das inmitten -eines kleinen Hains gelegene schmucke Bauwerk ist neueren Ursprungs; -wie die Inschriften besagen, haben dort erst zwei Glieder des uralten -Adelsgeschlechts die ewige Ruhe gefunden, der 1902 verstorbene -Majoratserbe Rudolf Utz von Schönberg und seine ihm im Jahre 1915 in -den Tod gefolgte Mutter Cypriane von Schönberg. - -Das kleine Mausoleum steht auf durch Jahrhunderte geweihtem Boden, -denn die Inschrift eines in der Nähe errichteten Denksteins berichtet -folgendes: - - _Kahlehöhenkirche._ - - Zum Gedächtnis an das Jahrhunderte lang hier gestandene - und im Jahre 1872 abgebrochene Kahlehöhen-Kirchlein zu den - 14 Nothhelfern errichtete dieses Denkmal im Jahre 1874 die - Kirchengemeinde Reichstädt. - - Hier wo Jahrhunderte das Gotteswort erklungen, - Hier wo manch’ Halleluja Gotte ward gesungen, - Hier wo der Friede Gottes Tausende umwehte, - Wo manches Herz zu Gott im Himmel flehte: - Hier sprich auch Du: Wie heilig ist doch diese Stätte - Und, daß der Friede Gottes Dir auch werde: Bete! - -Wohl selten gibt es wieder eine Stätte in unserm Vaterlande, an -der stimmungsvolle, schlichte landschaftliche Schönheit, stiller -Gottesfriede und uralte Sage uns so wunderbar umwehen, wie hier -auf der sonnigen Höhe, wo einst das Kirchlein »Zu den Vierzehn -Nothelfern« gestanden hat. Die Bezeichnung Kapelle, die man mehrfach -im Schrifttum findet, ist nicht zutreffend, wir haben es mit einer -regelrechten Pfarrkirche zu tun, von der sogar noch Kirchenbücher -vorhanden sind. Der von ihr in katholischer Zeit geführte Name: »Zu -den Vierzehn Nothelfern« verschwand nach der Reformation; sie wurde -»Kahlehöhenkirche« – im Volksmunde kurzweg »Kallikirche« – genannt. -Ihre Gründungszeit liegt im Dunkel des Mittelalters verborgen; bereits -im Jahre 1320 wird sie als eine »Den Vierzehn Nothelfern« geweihte -Wallfahrtskirche erwähnt. Als die vierzehn Nothelfer gelten Jesus, die -zwölf Apostel und der Schutzheilige des Bergbaues, St. Nikolaus; nach -letzterem waren auch die alte Kirche im nahen Dippoldiswalde und die -Kapelle in der Dippoldiswaldaer Heide benannt. In diesem Jahre war -Nikolaus von Henkendorf Geistlicher an der Kahlehöhenkirche. Es sind -noch Urkunden vorhanden, welche berichten, daß er einst auf Befehl -des Papstes dem Abte von Ossegg Hilfe leisten mußte, als dieser von -einigen vornehmen Schuldnern belagert und hart bedrängt wurde. Daraus -ergibt sich vielleicht, daß der jeweilige Priester der Kirche zugleich -weltlicher Gutsherr war, der über Land und Leute zu gebieten hatte. - -[Illustration] - -Die in der Kirche aufgestellten Bilder der vierzehn Nothelfer sollen -aus Silber gefertigt gewesen sein. Nach der Sage wurden sie im -Siebenjährigen Kriege geraubt. Eine andere Überlieferung berichtet, sie -seien aus Holz geschnitzt und versilbert gewesen. Man habe sie nach der -Reformation auf dem Kirchenboden aufbewahrt, von wo sie von böhmischen -Leuten entwendet und nach der Klosterkirche zu Ossegg gebracht worden -seien. Nach eingezogenen Erkundigungen befinden sie sich jedoch dort -nicht. - -Die Kirche soll durch die von den Wallfahrern gespendeten Geschenke -sehr reich geworden sein; als nach der Reformation aber die Wallfahrer -ausblieben und im niederen Teile des Dorfes Reichstädt eine bequemer -erreichbare evangelische Kirche erbaut wurde, vereinsamte das auf der -Höhe, abseits vom Dorfe gelegene Kirchlein. Eines Tages verschwand -der letzte Meßpriester unter Mitnahme des aufgehäuften Vermögens, der -Heiligenbilder und der heiligen Geräte. Im Dreißigjährigen Kriege -wurde die verödete Kirche völlig ausgeraubt, namentlich fiel alles -Holzwerk der Plünderung zum Opfer. Im Jahre 1640 soll ein Mädchen aus -Reichstädt, als es vor schwedischen Soldaten in die verlassene Kirche -flüchtete und in einem Loch an der Stelle des einstigen Altars nach -einem Versteck suchte, achthundertzwanzig Dukaten gefunden haben. - -Später wurde die Kirche wieder für gottesdienstliche Zwecke -ausgestattet; bis zu ihrem Abbruch fand alljährlich noch mehrmals -Gottesdienst darin statt. Wegen eingetretener Baufälligkeit und da die -Ausbesserung hohe Kosten verursacht hätte, beschloß man den Abbruch -des uralten Wahrzeichens, der denn auch im Jahre 1872 vor sich ging. -Um diese Zeit waren noch Reste des die Kirche umgebenden Friedhofs -vorhanden. - -Aus den Steinen der Kirche wurde der Tanzsaal des Gasthofes zu -Sadisdorf erbaut. Die Bevölkerung sah die Verwendung des geweihten -Mauerwerks für solche profane Zwecke als großen Frevel an. Bei der -Einweihung des Saales fiel eine Tänzerin und brach dabei ein Bein. -Später schlug der Blitz ein- oder mehrmals in den Tanzsaal ein, wobei -schließlich der ganze Gasthof eingeäschert wurde. Das Volk glaubte an -die Strafe des Himmels für die begangene Entweihung des Heiligtums. Ob -man beim später erfolgten Wiederaufbau des Gasthofes die Steine von -der alten Kahlehöhenkirche abermals mit verwendete, ist unbekannt; der -Volksglaube behauptet, man habe es unterlassen, da dem Gasthof und -seinen Gästen in der Folgezeit kein Unglück mehr zugestoßen sei. - -Es sind nur wenige, zum Teil recht mangelhafte Bilder des uralten -Kirchleins vorhanden. Die alte Sächsische Kirchengalerie versagt. Am -besten dürfte die Kirche in beistehender Zeichnung wiedergegeben sein, -die nach einer Abbildung in der als Fundgrube für die Heimatgeschichte -wohlbekannten, handschriftlich hergestellten Zeitschrift »Bergblumen -1885« angefertigt wurde. Es wird vermutet, daß die ursprüngliche -Zeichnung vom Herausgeber noch nach der Natur aufgenommen ist. Erwähnt -mag noch sein, daß Auszüge aus den Kirchenbüchern der Kahlehöhenkirche -im Magazin für Sächsische Geschichte vom Jahre 1787 abgedruckt sind. – - -Ein sonniger Herbsttag ging zur Neige, als ich im kleinen Hain auf dem -Fleckchen geweihter Erde stand, das durch Jahrhunderte das Kirchlein -»Zu den vierzehn Nothelfern« getragen hat. Die letzten Sonnenstrahlen -vergolden die Zinnen der Gruftkapelle, nur ein einzelnes Vogelstimmchen -und das leise Rauschen der Blätter im Abendwinde unterbrechen -das Schweigen, das wie ein Glorienschein auf dieser Stätte der -Vergessenheit ruht. Ich weiß nicht, ob der Dichter hier gestanden hat, -als er die Worte aussprach: - - Auch hier, wo einst in frommer Weise - Der Andacht Lied zum Himmel drang, - Wohnt jetzt die Wehmut, herb und leise - Tönt bang ihr Lied wie Grabgesang. – - -Schwerlich aber gibt es eine andere Stelle in unserer Heimat, die -trefflicher dazu geeignet wäre, diesen Gedanken in uns aufkommen zu -lassen, wie der geweihte Boden, auf dem ich jetzt im Abendsonnenglanze -stehe. - - - - -Um Juchhöh und Windberg - -Von _Karl Berger_, Leipzig - -Aufnahmen von _Georg Marschner_, Dresden - - -I. - -Die schönste Freude ist doch die Vorfreude; die reinste zumindest. Und -das schönste, zarteste vom Frühling ist der Vorfrühling, scheint mir. -Und die Vorfreude am Vorfrühling, das ist jene seltsame, bestrickende -Wanderlust, jenes Heimweh nach Feld und Wald draußen vor der Großstadt, -nach der heimatlichen _Natur_, die unser _Mutterland_ ist und bleibt, – -mögen wir es auch in den hastenden, unfrohen großen Städten mit ihrer -lauten Lustigkeit verraten – so wie der Staat unser _Vaterland_ ist -und bleibt. Und _das_ sind wohl die unglücklichsten Waisen, die ihr -Mutterland oder ihr Vaterland oder gar beides verloren haben. Deshalb -wollen wir heute einen Weg weisen, den wir 1921 an einem Sonntage, an -dem vier Wochen nach Wintersonnenwende die Sonne schon so boticellihaft -lichtes Hellblau und Himmelsgold allum streute, so daß hier und -da schon eine Kornelkirsche vorwitzig ihre safranfarbenen kleinen -Blütendolden öffnete, aus der Stadt hinausgewandert sind, und zwar -gerade dort, wo weite Fabrikvorstädte ihren Bewohnern den Verlust des -Mutterlandes vorzulügen suchen und damit ihnen manchmal so leicht auch -das Vaterland verleiden. - -Hinter Löbtau steigt der Weg westwärts über Wölfnitz rasch an nach -der Hochfläche zu, auf der 1745 die Kesselsdorfer Schlacht vom alten -Dessauer gegen die Sachsen gewonnen wurde, die dort die letzte -Stellung vor ihrer Landeshauptstadt zu halten versuchten. In einer -guten Viertelstunde liegt die Stadt schon tief unter uns. Mit den -Tönen der großen Glocken der Kirchen der Altstadt elbwärts drunten im -Grunde klingen die der helleren munteren Geläute von Niedergorbitz und -Oberpesterwitz zusammen, indes wir an stattlichen Wirtschaftsgebäuden -vorbei dem _Herrenhaus von Roßthal_ zuschreiten. - -»Glückauf« grüßt die Inschrift von dem vielleicht etwas zu monumentalen -Sandsteinumbau des kunstvoll zierlichen schmiedeeisernen Rokokotores -herab, das ebenso wie mehrere andere ähnliche Gittertore mit dem -feinen Stilgefühl seiner Entstehungszeit so glücklich in die Achse -der Zufahrtsstraßen gelegt ist. »Glückauf«, ein froher Gruß auch für -den Wanderer am Morgen und eine Anspielung auf den Besitzer, den -Freiherrn von Burgk, den Eigentümer der bekannten Steinkohlenschächte. -Sein Wappen prangt an dem Giebel über dem einen der beiden Erker, -die mit ihren kunstvollen deutschen Renaissanceformen die Front des -Hauses geschickt gliedern. Die reichen Schmuckformen der Balustraden, -Zinnen und zumal der säulenreichen Unterbauten erinnern ein wenig -an die fröhlichen und strotzenden Formen des Heidelberger Schlosses -und zeigen, wie feinfühlig der Oberlandbaumeister C. M. Haenel schon -1858/59 die Renaissanceformen wieder tatsächlich neu zu _beleben_ -wußte, die dann Jahrzehnte lang leider bald so blutleer oder so voll -hohlem Pathos an Mietskasernen und Geschäftsbauten kopiert wurden. - -[Illustration: Abb. 1 =Döhlener Kohlenbecken mit Windberg=] - -Am Haupteingange befindet sich auf einer Rokokokartusche ein Wappen mit -den Initialen ~v. N.~ Es ist das Wappen des Geheimrats von Nimptsch, -der 1763 Direktor der Porzellanmanufaktur geworden war, hier auf dem -Gute seiner Gemahlin, einer geborenen von Haustrin, seinen Lebensabend -zubrachte und 1772 eine »Poetische Beschreibung der Zufriedenheit -und angenehmen Ruhe auf einem Landgut« veröffentlichte. Sie erzählt -mancherlei von den bescheidenen Freuden eines derartigen Herrensitzes -auf dem Lande: von Vexierspiegeln und Grotten, von dem »guten Prospekt« -und von Wasserkünsten. Viel davon wurde, nachdem Roßthal schon nach -der Schlacht von 1745 völlig ausgeplündert worden war, in der Schlacht -bei Dresden 1813 zerstört, als Murat die Stellung der Verbündeten -zwischen Döltzschen und Gorbitz, das heißt ihren linken, mit der Front -nach Osten gerichteten Flügel durch eine Umgehung vom Zschonergrunde -her unhaltbar machte und Roßthal so zwischen die feindlichen Feuer -geriet. Jetzt erinnert natürlich nichts an den stattlichen, vorzüglich -gehaltenen Baulichkeiten des Rittergutes mehr an jene Zeiten der -Zerstörung. Ein Bild tiefen ländlichen Friedens ruht es, umsäumt von -breitästigen Obstbäumen, so nahe dem lärmenden Plauenschen Grunde, der -schon seit Menschenaltern die gleiche sanfte Lieblichkeit eingebüßt -hat, die uns nur noch die alten Stiche der Pulvermühle, der Villa Kosel -und mancher »pittoresken« Felspartie am Ufer der Weißeritz überliefern. - -[Illustration: Abb. 2 =»Juchhöh-Schlößchen«=] - -Hier oben aber, abseits der Heerstraße der Industriemächte, da ist -alles noch fast wie vor fünfzig oder hundert Jahren. Wie ein Motiv -aus Ludwig Richters Skizzenbuche mutet die mit so bewundernswerter -anspruchsloser Sicherheit der Maße und Farben am Kreuzweg errichtete -Obstbude aus Fachwerk an. Und wie vornehm und trotzdem lieblich liegt -drüben das gotisierende Schloß der Grafen Luckner auf Altfranken auf -dem sanften Höhenzuge mit seinen vielen Pappeln und Schonungen. - -[Illustration: Abb. 3 =Denkmal des Freiherrn Dathe von Burgk in Burgk= - -»Ihren unvergeßlichen am 28. 6. 1897 † Wohltäter die dankbaren -Bergknappen«] - -Unterdes sind wir langsam noch höher gestiegen. Weit liegt das Land nun -um uns: nordwärts bis nach der Lößnitz reichbebauten milden Hängen, -westwärts ins hügelige Bauernland um Braunsdorf und Kesselsdorf und -südwärts hinab in den Grund und hinüber zu der _langgestreckten -Pyramide des Windberges_ (vgl. Abb. 1). Neu-Nimptsch heißt die -Siedelung, an der unser Weg entlang führt. Kleine Häuschen sind es, -so wie wir sie jetzt vor der Stadt wieder zu errichten bestrebt sind. -Diese hier hat wohl jener Geheimrat von Nimptsch Ende des achtzehnten -Jahrhunderts errichtet. Und auch sich selbst baute er an der höchsten -Stelle ein Lusthaus, _das »Schlössel des Barons«_ nennen es die -Leute, eines jener feinen, kleinen Herrenhäuser ähnlich »Antons« -gegenüber dem Waldschlößchen (Abb. 2). Der ganze Berg heißt »Jochhöhe«, -aber weil er so lustig ins Land schaut, nennt das Volk ihn mit -schalkhaftem, sicherem Humor einfach »_die Juchhöh_«. Daß es übrigens -auch ernsthaftes Raten und Taten auf diesen Dörfern gibt, beweist der -Anschlag des Gemeindevorstandes, wonach Rauchen und Zuspätkommen in den -Gemeinderatssitzungen (Neu-Nimptsch gehört zu Roßthal) verboten ist. -Wir denken bei dieser Proklamation wehmütig daran, wie unendlich weit -etwa Groß-Berlin in seiner politischen Reife mit seinen Stinkbomben und -Tätlichkeiten in parlamentarischen Sitzungen derartigen Hinterwäldlern -voraus ist. - -Und ähnliche Gedanken über Stadt und Land beschleichen uns, nun -wir rasch vorwärts schreitend den Grund in Freital kreuzen mit den -protzigen Kitschöldrucken und den vielen Näschereien in jedem zweiten -Laden, und anderseits den unschönen Plakaten an allen Ecken. - -Freilich auch jeder einzelne Landwirt sollte gerade in _seinem_ -Interesse in Sachsen _ganz besonders_ bereit sein, die Not so weiter -anderer Kreise verständnisvoll und freiwillig zu lindern, nicht durch -Almosen, aber durch werktätige Hilfe, vermittelnden Takt und auch durch -wirksame Warnung einzelner skrupelloser Berufsgenossen. Die Früchte -werden auch dabei nicht ausbleiben. Und der Landmann weiß, daß die -Früchte nicht die schlechtesten sind, die am langsamsten reifen. - - -II. - -Nun haben wir Freital durchquert und steigen langsam auf der Südseite -des Tales bergan. Am Huthause von Groß-Burgk vorbei kommen wir bald -an _das Schloß_. Schon im Mittelalter saßen hier Herren von Burgk -(Borgk, Borc; Boragh heißt Tannen- oder Fichtenhain). Im sechzehnten -Jahrhundert folgte die Familie von Zentsch, im achtzehnten die Familie -Seiler-Dathe; 1822 wurde deren Haupt Friedrich August als Freiherr -Dathe von Burgk in den Adelsstand erhoben. Die Familie, der außerdem -unter anderem noch wie erwähnt Roßthal und ferner das Schloß Schönfeld -bei Großenhain gehört, ist durch den Kohlenbergbau so reich begütert. -Im Orte nimmt man davon übrigens wenig wahr, da die Schächte jenseits -von Höhenzügen südwestlich liegen. (Vgl. aber das Denkmal Abb. 3.) - -Das Schloß selbst ist gleichfalls ein echter ländlicher Herrensitz, -dem man anmerkt, daß er organisch und bodenständig entstanden ist. -Verspielte und kapriziöse Putten und Rokokoherrschaften, wohl aus -Knöffels Zeit (um 1780), blicken von den Pfeilern der Parkmauer. Urnen, -Bosketts, alte efeuumsponnene Bäume, deren tiefhängende Zweige einen -stillen Weiher streifen, vereinen sich mit dem seltsam vielgiebligen -Schlosse mit seinen charakteristisch stilisierten Kaminköpfen und einem -raffiniert geschickt in all diese alte, leise, ein wenig holländische -Beschaulichkeit hineinkomponierten Papagei zu einem Bilde, wie es so -echt selbst – ein Monumentalfilm nicht wiederzugeben vermag. - -Am Mausoleum Friedrich Augusts von Burgk auf stiller Vorhöhe und -an Bergknappenhäusern, zuletzt an einem Waldwärterhause mit dem -Holzbrunnen auf der Wiese unterm Berge vorbei, führt durch Buchen -(Abb. 4) ein steiler Zickzackweg die etwa zweihundert Meter Steigung -zum _Windberg_ hinauf. Der Blick von seiner Höhe, insbesondere -von dem so wuchtig und richtig in die Landschaft gestellten -_König-Albert-Denkmal_ aus, ist unerwartet mannigfach und eigenartig, -besonders durch den unvermittelten Gegensatz von rein industriellen -Gegenden und weitem, stillem Land, etwa über Tharandt oder nach -Kipsdorf und Frauenstein zu. Den Abstieg nach Deuben nehme man aber -auch am Tage nicht abseits der Wege, denn der Steilabhang nach Westen -zu ist zum Teil von alten Bergwerksgängen durchzogen, die dichtes Laub -manchmal völlig überdeckt. Bei Dunkelheit oder Schnee zumal würde es -dem Wanderer leicht schlechter ergehen können, als Görge dem Fiedler, -der im Windberge den Zwergen einst zum Tanz aufspielen mußte und -dafür die ersten Kohlen erhielt, die sich ihm – wir können es so gut -verstehen – in Gold verwandelten. - -[Illustration: Abb. 4 =Im Buchenwald des Windberges=] - -Die Mittagstunde ist unterdes herangekommen. Danach wandern wir noch -von Deuben über Hainsberg-Coßmannsdorf auf Pfaden, die jeder selbst -sich suchen mag, auf jene friedvolle Hochfläche hinauf, auf der, wie -auf einer Insel von einigen Kilometern Durchmesser, fast allenthalben -von tiefeingeschnittenen Tälern umgeben, ein stilles Bauerndorf so -zeitlos um sein feinbehelmtes Gotteshaus sich lagert, wie nur irgendwo -in Franken oder Schwaben. Wir treten still in die Kirche mit ihrer seit -zwei Jahrhunderten fast unversehrten, ganz einheitlichen Ausstattung. -Nur siebzehn Pastoren hat sie in fast vierhundert Jahren gehabt. -Und der kluge Totengräber, der mit viel richtigem Gefühl die alten -Heiligenfiguren aus katholischer Zeit seiner Kirche aus dem lehrreichen -Museum im Großen Garten zurückwünscht, hat wohl auf dem Friedhofe -allein mit der eindrucksvollen dichten einen Reihe Lebensbäumen ringsum -nicht allzuviel zu tun, die Toten so tief unter die Erde zu betten, wie -sie sich im Leben _über_ sie erhoben haben. Ja früher, als noch nicht -Coßmannsdorf eigene Parochie war, da gab es für den Totenbettmeister -mehr zu schaffen, zumal als 1869 die vierhundert Bergknappen in den -Windberg zur letzten Schicht gefahren waren und so mancher von den -Verunglückten im Lederwams auch hier oben in _Somsdorf_ seine Ruhe fand. - -Aber allmählich weht der Abendwind kühler von Westen, wo schon die -zackige Linie des Tharandter Forstes schwarz gegen den im letzten -Abendschein grell gelben Himmel steht. Noch eine kurze Rast im -behäbigen Erblehngericht von 1695 und eine halbe Stunde sanftes -Abwärtsschreiten über die Hochfläche erst, dann am Berghange, in dessen -hohen Fichten schon die Käuzchen sich ernst und leidenschaftlich -suchen, dann nimmt uns mit einbrechender Mondnacht das anheimelnde -Gewirr der alten stillen Straßen des leise einschlummernden Tharandt -auf. - - - - -Wanderbilder aus den Grenzgebieten der Oberlausitz und Nordböhmens - -Vom Architekten Professor _Richard Michel_, Görlitz - - -5. Von Zittau zur Bertsdorfer Kirche[8] - -Das mächtig aufsteigende Werk des genialen Friedrich Schinkel, -die Westfront der Johanniskirche, im Rücken lassend, entlang der -engen Weberstraße, vorüber an einigen der besten alten bürgerlichen -Prachtbauten des »Zittauer Barocks« und an der mittelalterlichen, -ehedem unter freundlich rotem Ziegeldach dreinschauenden »Weberkirche«, -durch die »Webervorstadt« und »Alte Burggasse« wandernd, gelangt man -bald hinter der einstmaligen Burgmühle auf »Altzittaus Gründungsstätte« -mit dem Burgberg und dem Burgteich. - -Schutzdämme mit kraftvoll aufragenden knorrigen deutschen Eichen -umsäumen Matten und Gehege in der zwischen Mandau und Burgmühlgraben -gelegenen Umgebung dieses historischen Winkels, der im Laufe der -letzten Jahrzehnte zu einer anziehenden Hainanlage ausgebildet worden -ist. - - »Hier entstand Zittau« - -so lautet die Inschrift des Denksteins auf dem Burghügel zur -Kennzeichnung der Stelle, auf welcher im dreizehnten Jahrhundert -wahrscheinlich die erste Schutz- und Wehrstätte burgartig angelegt -wurde. - -Vom vorderen Burgdamm, nächst der Mandau, zeigt sich dem Auge ein -schönes Landschaftsbild, das die geschlossene Kette des Iser-, -Jeschken- und Lausitzer Gebirges mit feiner Linie segmentförmig als -Hintergrund säumt. Tafelfichte, Jeschken, Hochwald und Lausche treten -klar in den ihnen eigenen Formen hervor. - -Im Mittelgrund, hinter dem Mandauufergelände mit den aufsteigenden -Wiesenhängen erhebt sich links die Olbersdorfer, rechts die Hörnitzer -Kirche, dazwischen, hinter entfernter liegenden Geländewellen der -weißleuchtende Turm der Bertsdorfer Kirche, als ein seit altersher dem -Wanderer entgegenwinkendes, weithin sichtbares Wahrzeichen. - -Vom westlichen Dammende, welches eine mächtige alte Eiche schützt und -schirmt – eine Reckin ihrer Edelart, – um deren Fuß ihres etwa 1,75 -Meter im Durchmesser starken Stammes eine holzgezimmerte Bank den -Wanderer zur Rast einladet, führt der Weg weiter am Mühlgraben-Stauwehr -vorüber über die steinerne Mandaubrücke nach Hörnitz. Hier, das durch -ein Turmpaar flankierte, giebelreiche, massig gedrungene Althörnitzer -Schloß. Ein vom kunstsinnigen Zittauer Bürgermeister Hartig -1651–1654 errichtetes Baudenkmal hervorragender Art der deutschen -Spätrenaissance, das sich auszeichnet durch Verhältniskunst und -wuchtende Massenwirkung, wie solche hier besonders die Südseite zeigt. - -Beim Anschauen des gesamten Schloßbereiches mit dem Park und Gutshofe -versenken sich die Gedanken in die alte Bauweise, in das Großzügige -des Baugeistes vergangener Geschlechter, unter welchen die Gestaltung -solcher einheitlicher Baugruppen in der Landschaft, mit den Elementen -dieser, so durchgeführt werden konnte. - -Großartig eindrucksvoll wirkt beispielsweise das durch wunderlich -verzweigtes Geäst und feines graugrün schillerndes Laub der mächtigen -Kronen zweier Silberpappeln gezierte Einfahrtstor des Schloßguthofes. - -Dem Baugeist einer hundert Jahre späteren Zeit verdankt das unweit -entfernte ehemalige Neuhörnitzer Schloß, das der Zittauer Kaufmann -Gottfried Hering 1751 errichten ließ, seine gute Gestaltung. - -Der zwischen beiden schloßherrlichen Anlagen liegende, Alt- und -Neuhörnitz trennende wohl älteste Ortsteil »Wall« genannt, gleicht -der Anlage einer Wasserburg kleinsten Maßstabes. Ein noch teilweise -vorhandener, durch Quellwasser gespeister Wassergraben umgibt eine auf -kleiner Insel liegende Wohnstätte. Die in unmittelbarer Nähe rundherum -errichteten alten kleinen Fachwerkhäuschen ergänzen die eigenartige -Anlage, deren Entstehung mutmaßlich mit der der Zittauer Burgbergwarte -erfolgt sein mag in grauer Vorzeit. - -Von der von Hörnitz nach Bertsdorf ansteigenden, über einen -Geländesattel führenden Landstraße sieht man, nah und fern, rundum -in eine liebliche, wechselreich geformte Landschaft – ein Mosaik von -zahlreichen Ortschaften des östlichsten Sachsenlandes mit dem schönen -Stadtbild Zittaus. - -Über dem Sattel, an der Straßensenkung, beginnt einladend der Anfang -der hier versteckt in der Dorfbachmulde eingebetteten Ortschaft -Bertsdorf, die sich in der Richtung zur Lausche, welche zwischen den -Höhen des Jonsberges und Breitenberges den Hintergrund füllt, hinzieht, -und allmählich im Gelände hervortretend, hinaufführt bis an den Fuß des -Pocheberges. - -Zu beiden Seiten des klar dahinrieselnden Dorfbaches und der Straße, -sowie an und auf Wiesenhängen bauen sich mannigfach in alter Bauart -die Wohnstätten des Häuslers, Webers, Handwerkers, Kleinbauern und -die Gebäudemassen ansehnlicher Gutshöfe auf, mit verschiedenartigen, -alterhaltenen Gefach-, Ständer-, Riegel-, Bretterwerk und Umgebinden, -mit großflächigen, nur durch Dachluken und die Esse belebten Stroh- und -Ziegeldächern, an deren Traufen vielerseits die Holzrinne sich zeigt. -Steinerne Haustürstöcke mit manchem eigenen Schmuck und sonstigem -Überbleibsel guter, sinniger Kleinkunst ausgestattet, sowie die im -Pfarrhause gut erhalten gebliebene alte Bemalung einer Holzdecke, legen -Zeugnis ab vom Können der vormals volkskünstlerisch tätig gewesenen -Kräfte. - -Über den Bach sich wölbende alte Quadersteinbrücken verleihen -ihrer Umgebung idyllisch-malerische Reize. Die schiefwinklige -Straßenbrückenanlage am Kirchgeländefuße mit zinnenartiger -Brustwehrkrone, die einzelnen oberlausitzer Brücken solcher Art -eigentümlich ist, möge als ein nachahmenswertes Beispiel besonders -erwähnt sein. An dieser Steinbrücke ist eingemeißelt die Jahreszahl -1812. - -[Illustration] - -Abseits vom Großindustrieleben atmet man hier gut bäuerliche Luft. Noch -ist der Ort verschont geblieben von groben baulichen Verunstaltungen -hochbaulicher Art. Bäuerlich-landbürgerlicher Sinn waltet und schafft -hier vom Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht Arbeitszeitgesetzen, -sondern dem Zeitweiser der Natur gehorchend. - -Mitten im Ort – frei und hoch über dem Bett des Baches – steht die -Kirche auf uralter, zur Verehrung göttlicher Allmacht geweihter Stätte, -umgeben von ihrem umwehrten Kirchhofe, dessen grünberankte Mauern alte -Denkmalskunst bergen. - -Sie ist nicht als Werk einer »Ichkunst«, als ein Fremdkörper in -die Umgebung »hineingesetzt«, sondern wächst in ihrer schlichten, -maßvollen Bauart aus ihr heraus[9], als ein weiß verputzter, unter -rotem Ziegeldach geschützter Bau mit markigem Turm, dessen ebenso -bedachte Kuppelhaube bekrönt wird durch die grün und weiß gestrichene, -formenreichere, offene Laterne, Haubenspitze und Wetterfahne mit der -die Bauzeit kündenden Jahreszahl 1674. - -So bildet auch hier die Kirche mit dem benachbarten alten Pfarrhause, -den Bauernhäusern, Gartengehegen, dem Dorfbach, Strauch- und -Baumbestand und der Straße eines jener uns lieben Dorfbilder, wie -solche sich allerwärts in unseren sauberen oberlausitzer Ortschaften -der erfreulichen Anschauung darbieten. - -Die Bauanlage der, an Stelle eines durch Blitzschlag eingeäscherten -Gotteshauses, um 1675 erbauten Kirche, übte vorbildlichen Einfluß aus -auf die Gestaltung der später erbauten Kirchen in den benachbarten -Ortschaften Hainewalde, Spitzkunnersdorf, Niederoderwitz und Eibau. - -Das meisterliche Werk ist der verkörperte Ausdruck des Widerwillens -gegen eine kleinliche Zerklüftung der Baumasse – ist ein Werk -großzügiger Geschlossenheit, ein Beispiel, sprechend für die schlichte -Eigenart des kernigen oberlausitzer Landbürgers, der nichtssagenden -Äußerlichkeiten abgeneigt, solche Einfachheit schätzt, hegt und liebt. - -Im Gegensatz zu dem fast nüchternen Äußeren, verbirgt sich hinter -diesem das mit sicherem Können und edlem Geschmack gestaltete, mit -Altar, Kanzel, Orgel und Lichtkronen kunstvoll ausgestattete Innere, -dessen feierlich ruhige Gesamtwirkung durch eine erneuerte, sehr -feinsinnige Farbengebung in weiß, grün und gold wohltuend gesteigert -wird. Ein würde- und eindrucksvolles Ganzes ist es – ein anziehendes -Herz der Kirchgemeinde. - - -Wanderers Wunschgedanken - -Das Innere solcher schönen Landkirchen sollte man, wie es bei -katholischen Kirchen meist üblich ist, durch Offenhalten einer Pforte -in eine _gesteigerte, lebensvolle Verbindung_ bringen, nicht nur für -Glieder der Gemeinde, sondern auch für von fremdher kommende Freunde -der Natur und Kunst, zum Erleben frei erwählter Ruhe- oder Weihestunden. - -Deshalb möchten dem Wunsche derer, die vom Alltagsleben abgesondert, in -frischfreier Natur auf friedvoller Stätte ein Kircheninneres betreten -wollen – zum weilen und ruhen – keine Schranken entgegenstehen. - -Sollte nicht so manches Glied der Gemeinde – wenn der rechte Zeitpunkt -hierzu gekommen – das Verlangen haben, auch im Alltagsgewand den -Raum der Kirche zu betreten, zum Verbringen einer stillen Stunde, -zum Nachsinnen – zur eigenen Erbauung des inneren Menschen? – zur -Wachrufung sich vernebelnder Erinnerungen? – – – - -Es ändern die Zeiten die Wohnstätten, das Dorf und seine Bewohner, – -Häuser alter Urahnen und Ahnen lassen sie verschwinden. – - -Hier und da birgt das altehrwürdige Gotteshaus _die hohen Werte -urväterlicher Schaffenslust und kunstfröhlicher Gestaltungskraft_. -Diese Werte und ihre Entstehungszeiten sprechen zu uns in einer so -treuherzigen, wahren Art, daß wir vermeinen mit Urahnen und Ahnen -wieder verbunden zu sein. Ihre stumme Sprache bedingt eine feierliche -Ruhe, um all die lieben Erinnerungen ernster und freudiger Art auslösen -zu können für so manchen, dessen Werdegang von der Taufe bis ins hohe -Alter mit dieser Stätte, diesem Raum, in enger Verbindung gestanden -hat. – – – - -Je nach Herzens- und Gemütsstimmung dürfte jenen und anderen die -_unverschlossene Gotteshalle_ Anlaß bieten, eine besondere Feierstunde -in ihr zu erleben. - -Und wenn zur rechten Abendstunde aus dem offenen Kirchenherzen der -Orgel entströmende volkstümliche Weisen dringen könnten, hinab in den -Ort, weit in das Land – – – – – so manches Menschenkind würde – bewußt -oder unbewußt – dann solcher Töne lauschen oder angeregt durch deren -Macht, mitsingen, – sein Sinnen aufwärts lenken, himmelan. - - * * * * * - -_Nachsatz._ Die einfache, schöne Bertsdorfer Gotteshausanlage, -deren spitzbogige Maßwerkfenster als Nachklänge des Mittelalters in -romantische Harmonie treten mit dem barocken Einschlag der Altar- -und Kanzelformung, und deren Urheberschaft wahrscheinlich zu danken -ist dem genialen, vielseitig tätig gewesenen Dresdner kurfürstlichen -Hofarchitekten Wolf Caspar von Klengel, erhebt dieses Werk zu einem -Bindeglied der Reihe hochbedeutender Bauschöpfungen jener Zeit, die -unter Klengels Leitung zur Ausführung kamen, beziehentlich begonnen -wurden. - -Diese Bauepoche, während welcher unter anderen die erste Anlage des -Großen Gartens und der Bau des darin gelegenen prächtigen Lustschlosses -erfolgte, zeitigt im letzten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts den -Anfang zu den baukünstlerischen Großtaten in Dresden und diejenige -Baukultur in der Oberlausitz, der wir die bedeutenden Werke des -»Zittauer Barocks« in der Hausbau- und Denkmalkunst verdanken und die -fortlebte bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts. - -Mit dem Beginn einer einsetzenden schulmäßigen Ausbildung Bauberufener -in fernliegenden Großstädten, verlor die örtliche altmeisterliche -Kunstübung ihre Kraft und Eigenheit, bis sie schließlich unterging -in den Wellen neuer Zeit- und Kunstströmungen, welche zu neuem Leben -erweckten die »klassischen Künste«, in deren strengem Geiste nach -Friedrich Schinkels Plänen als Umbau errichtet und vollendet wurde die -1837 geweihte - - St. Johanniskirche in Zittau. - - -6. Von der Bertsdorfer Kirche nach Oybin[10] - -Von der Bertsdorfer Kirche führen strahlenförmig Straßen-, Feld- und -Waldwege in die Ortschaften, Waldungen und auf die Höhen des nahen -Zittauer Gebirges. Ein aussichtsreicher, prächtige Blicke in das -sich um Zittau weitende Landschaftsbild gewährender Weg, führt am -idyllisch gelegenen Hungerbrunnen vorüber, zur Leipaer Straße und durch -die Katzenkerbe nach Oybin. Auf der Höhe, hinter der Katzenkerbe, -entfaltet sich ein überraschend schönes Gegenbild. Es zeigt das -den Oybiner Kessel rahmende Gebirge mit dem Hochwald und den im -Mittelgrunde aufgetürmten Sandstein-Quaderberg Oybin. - -[Illustration: =Oybiner Klosterruine= - -Nach Originalzeichnung von Prof. R. Michel, Görlitz] - -Vielbesungene, sagenumwobene Ruinen krönen das Kleinod des Gebirges. In -ganz eigener Schönheit, von Waldesgründen umgeben, liegt es, friedvoll -eingebettet, vor des Wanderers Augen. - -Doch am eindruckvollsten sind die Durchblicke, die aus Waldestiefen -die hochthronenden, waldumsäumten Ruinen im Morgen- oder Abendglanz -erscheinen lassen. - - Im Anblick des verfallenen Klosters, - hoch oben, über Felsenhängen, – - im stillen Frieden der Natur, in der - sich Gott- und Menschenwerk so - wunderbar zusammen eint, – - im Anblick dieser Gottesburgruinen - andächtig weilend, schweigend sinnend, - bis Dämmerung sie umgibt und - letzte Sonnenblicke ihre Zinnen scheidend grüßen, – - welch deutsches Herz – vom Zauber - solcher Herrlichkeit umfangen, – - ergreift hier nicht das Sehnen und - Verlangen nach einem neuen - Morgengrauen – dem Aufgang - neuer deutscher Herrlichkeit in - volkseigener Kunst – in deutscher - Gotteswelt und deutscher Freiheit? – - - Anmerkung: Baugeschichtliche Daten nach: Gurlitt, Beschreibende - Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens. 29. - Heft. Amtshauptmannschaft Zittau. - - -Fußnoten: - - [8] Nr. 1 siehe Heft 11/12, Band V, 1916, Seite 347. Nr. 2 und - 3 siehe Heft 4/6, Band VIII, 1919, Seite 75. Nr. 4 siehe - Heft 1/3, Band IX, Seite 13. - - [9] Vergleiche Band IX, Heft 1–3, Seite 13, Wanderbild 4. – - Die Wieser Kirche unweit Seidenberg O.-L. – Hierbei sei - bemerkt, daß der böhmische Grenzort nicht Wiesa, sondern - Wiese heißt. - - [10] Der _Klosterbau_ erfolgte im Zeitraume 1366–1384, - dient seiner Zweckbestimmung bis 1559, in welchem Jahre - der letzte Mönch das Kloster verläßt, wird 1577 durch - Blitzschlag und Brand zur Ruine. - - - - -Volkslieder der Sächsischen Oberlausitz - -Von _Friedrich Sieber_, Krostau bei Schirgiswalde - - -Vor einigen Jahren habe ich versucht, in einer Anzahl Ortschaften der -Sächsischen Oberlausitz den noch vorhandenen Schatz an Volksliedern -festzustellen. Ich bin nicht als Wandervogel durchs Land gezogen, -der mit glücklicher Hand da ein Liedlein fing, dort ein anderes. Als -geborener »Edelroller« war ich in den Ortschaften meist beruflich -tätig. Mit Alter und Jugend sang ich. Mancherlei Beobachtungen habe ich -dabei anstellen können. - -Es ist deutlich wahrnehmbar, daß der Schatz der von Ohr zu Ohr -überlieferten Lieder rasch im Abnehmen begriffen ist. Die Jugend kennt -etwa nur noch die knappe Hälfte der Lieder, die in gleichen Ortschaften -dem Alter vertraut sind. Dieses ungefähre Zahlenverhältnis gilt vor -allem für bäuerliche Siedelungen. In rein industriell tätigen Gebieten -ist die Liedüberlieferung viel mangelhafter. Nicht so ungünstig ist -sie meiner Beobachtung nach in Ortschaften, die zwar überwiegend mit -Industriearbeitern bevölkert sind, die aber auswärts zur Fabrik gehen. -Seßhaftigkeit in vererbten Häuschen und gemeinsamer Fabrikweg können -die Tatsache erklären. - -Wer singt in den Dörfern die Volkslieder? Stellen sie ein Erbgut -dar, allen Bewohnern einer Landschaft gleicherweise vertraut? Nein, -die Zeiten der Gebundenheit aller an überlieferte Volkswerte sind -auch in der Oberlausitz im Entschwinden. Das Volkslied hat sich -aus breiter Öffentlichkeit zurückgezogen. Die größte Anzahl der -Männer beachtet es kaum. Frauen sind seine Hüterinnen geworden. In -überwiegender Weise ist es ein ganz bestimmter Typus der Frau des -Volkes, die das überlieferte Volkslied hegt. Sie ist intellektuell -gut veranlagt, sie hat Charaktereigenschaften, die sie zur Hausfrau -und Mutter vorzüglich befähigen, sie ist stimmbegabt und meist mit -sicherem musikalischen Gehör ausgestattet. Die Stuben, in denen von -den Ahnen überlieferte Lieder gesungen werden, sind meistens blank und -glänzend. In polnischen Wirtschaften habe ich fast nie alte Lieder -singen hören. Bei gemeinsamer Winterarbeit (Federnschleißen) oder -an weichen Sommerabenden auf der Bank vor dem Hause, da tritt das -Volkslied aus seiner Verborgenheit. Die oben geschilderten Frauen sind -die Vorsängerinnen, sie können Text und Melodie. Unter ihrer sichern -Führung tauchen Bruchstücke in anderen auf, zagend fallen sie ein, und -die getragenen Weisen lassen vergangene Welten wiedererstehen. - -Doch ehe wir die Lieder einer Betrachtung unterziehen, die hier als -Volkslieder bezeichnet werden, wollen wir uns über den Umfang des -Begriffs verständigen. Ich habe in meine Sammelarbeit nicht mit -einbezogen: - - 1. Lieder, die durch Schulpflege lebendig bleiben oder - geblieben sind; - - 2. Lieder, die zum Sangesschatz der Gesangvereine gehören; - - 3. Lieder, die durch Wandervögel und ähnliche Bewegungen - wieder in Umlauf gekommen sind; - - 4. Selbstverständlich alle modernen Schlager, mit denen - gegenwärtig der allergrößte Teil der Sangeslust bestritten - wird. - -Die Lieder, die abgesehen von den in eins bis vier aufgezählten Arten -noch im Volke lebendig sind, die allein wollen wir einer näheren -Prüfung unterziehen. Ich habe ein reichliches halbes Hundert derartiger -Lieder aufgezeichnet. Ich will einige von denen mitteilen, die meines -Wissens nach noch nicht in Sammlungen veröffentlicht sind. - -Am zahlreichsten ist das Liebeslied vertreten. Unter ihnen ist die -Ich-Form häufig. Da singt ein Mädchen: - - Der Vetter Michel liebet mich - Mit deutscher Redlichkeit, - Und wie er liebt, liebt sicherlich - Kein Bauer weit und breit. - - Geht er ins Holz, ich bin schon da, - Er gibt mir Käs’ und Brot. - Er fällt das Reis’g, ich bind’s zusamm’, - Wir küssen uns halbtot. - - Wenn nun der liebe Sonntag kommt - Da gehen wir zum Tanz, - Da springen wir, wer weiß wie sehr, - Und trinken frisches Bier. - - Wenn nun der Tanz ist ausgetanzt - Da gehen wir zu Haus. - Da führt der liebe Michel mich - In Lust und Freud nach Haus. - - (Wittgendorf bei Zittau.) - -Das folgende Lied bricht an der spannendsten Stelle ab. Eine andre, mit -der ersten gar nicht zusammenhängende Erzählung beginnt. Dadurch wird -eine geradezu ausgezeichnete Wirkung erzielt: - - Wenn ich gleich kein’ Schatz mehr hab’, ’s wird sich einer finden. - Ging das Gäßlein auf und ab, kam bis zu der Linden, - Als ich zu der Linden kam, stand mein Schatz daneben. - Grüß dich Gott, herztausiger Schatz, bist denn du gewesen? - Bin gewesen im fremden Land, hab’ viel Neues erfahren. - Was du Neues erfahren hast, kannst du mir wohl sagen. - Hab’ erfahren dies und das, wünsch’ bei dir zu schlafen. - Schlafen kannst du wohl bei mir, aber nur in Ehren. - Ob es wird in Ehren sein, müssen wir erst sehen. - Zwischen Berg und tiefem Tal saßen einst zwei Hasen. - Fraßen ab das grüne Gras, ja, bis auf den Rasen. - Da sie sich satt gefressen hatten, setzten sie sich nieder. - Warten bis der Jäger kommt, der schießt sie darnieder. - - (Friedersdorf bei Zittau.) - -Auch das Motiv, das in dem bekannten schwäbischen Lied: Jetzt gang -i ans Brünnele, behandelt wird, fehlt unsern heimischen Liedern -nicht. Meinem Empfinden nach ist es in mindestens ebenbürtiger Form -dargestellt. - - Ich ging wohl durch einen gar so lustigen Wald, - Und da kam ich zu ’nem Börnlein und das war so kalt. - - Ich setzte mich nieder um eine kleine Ruh’, - Ich hörte den schönen Singvögelein zu. - - Ich hörte so lange, bis daß es mich verdroß, - Und da fielen zwei Röslein auf meinen Schoß. - - Und die Röslein, die waren von Golde so rut, - Junge Mädchen, die haben einen stolzen Mut. - - Ich ging wohl in ein Wirtshaus, ich tanzt aber nicht. - Ich suchte mein schön’ Schätzchen, ich fand’s aber nicht. - - Ich suchte in der Stube, ich suchte in dem Haus; - Ei, da stand mein schön’ Schätzchen und lachte mich aus. - - Ei lache, immer lache, es wird dich schon gereu’n, - Wenn ich werd’ bei ’nem andern schönern Schätzchen sein. - - (Dittelsdorf, Friedersdorf bei Zittau.) - -Ein Totenlied, rührend in seiner tiefempfundenen Schlichtheit, lautet -folgendermaßen: - - Bei mir ist Spiel und Tanz vorbei, das Lachen ist vorüber, - Ich hasse Lieder und Schalmei, und Klagen sind mir lieber. - - Ach Gott, wer hätte das gedacht, als ich sie dankbar küßte, - Daß ich so bald die grüne Tracht in Schwarz verwandeln müßte. - - Geduldig war sie wie ein Lamm, tat niemand was zu Leide, - Sie war so fromm, so tugendsam, zu aller Menschen Freude. - - Und wenn sie kam, da konnte man die Blicke nicht vertragen, - Und wenn sie lachte, mußte man die Augen niederschlagen. - - (Wittgendorf.) - -Eine Totenklage ist auch das Lied, das in dem bekannten -Volksliederbande der Blauen Bücher (Karl Robert, Langenwiesche: Von -Rosen ein Krentzelein) unter der Überschrift: »Der Trauernde« (21.–30. -Tausend, S. 96) abgedruckt ist. Die von mir aufgezeichnete Lesart ist -ausführlicher, verrät aber in einigen dialektischen Wendungen noch den -süddeutschen Ursprung. - -Die alte Weisheit des Nibelungenliedes: ~als ie diu liebe leide z’aller -jungeste gît~, wird lebendig in dem Abschiedsgespräch zwischen einem -Burschen, der wandern will, und seinem Mädchen: - - Des Sonntags, des Montags in aller Still - Kam eine traurige Botschaft zu mir: - Dieweil ich von mein’m Schätzchen hat Abschied genomm’n, - Da sollt ich nur noch einmal zu ihr komm’n. - - Als ich die Gasse herunterkam, - Sah ich mein Feinsliebchen an der Haustür stahn. - Sie winkt mir mit dem Äugelein, sie scharrte mit dem Fuß, - Sie aber wußt es nicht, daß ich wandern muß. - - Als ich zu ihr gekommen war, - Sagt sie zu mir in aller, aller Still: - Ich sollt’ sie nicht verlassen in aller ihrer Not, - Ich sollt’ sie treulich lieben bis in den Tod. - - Sie an mein schneeweißes Angesicht. - Wie mich die große Liebe hat zugericht. - Kein Feuer auf der Erde brennt nimmermehr so heiß, - Als die verborg’ne Liebe, die niemand nicht weiß. - - In Trauern muß ich schlafen geh’n, - In Trauern muß ich wiederum aufersteh’n; - In lauter Traurigkeit verbring ich meine Zeit, - Dieweil ich nicht darf lieben, was mir mein Herz erfreut. - - Geht dir’s wohl, so gedenk’ an mich, - Geht dir’s aber traurig, so kränket es mich. - Vom Herzen bin ich froh, wenn’s mir und dir wohl geht, - Obgleich mein junges Leben in Trauern steht. - - (Wittgendorf.) - -Häufig wird in den Liebesliedern die Ich-Form aufgegeben. Der -Liebesstoff wird balladenartig behandelt. Als ein Übergang zu dieser -Form kann folgendes Lied angesehen werden: - - Warum bist du denn immer so traurig? Weil alles über mich geht. - Drum laß ich den lieben Gott walten, der alles am besten versteht. - - So schön wie eine Rose, die fein am Stengel dort steht, - So schön ist auch ein jung’ Mädel, wenn es im Grünkränzel geht. - - So falsch wie eine Schlange, die auf der Erde rumkriecht, - So falsch ist ein Junggeselle, wenn er sein Mädel verführt. - - Und wenn er sie verführet hat, auf off’ner Straß’ läßt er sie - steh’n, - Da denkt sie in ihrem Herzen, wo soll ich nun weiter hingehn? - - Der Apfel ist schön rosenrot, schwarze Körner sind darin. - Und wenn der Bursch geboren wird, trägt er einen falschen Sinn. - - Ein falscher Sinn, ein froher Mut, das ist der Burschen Gebrauch, - Drum gibt es so viele in Friedersdorf, die lieben die Falschheit - auch. - - (Friedersdorf.) - -In vielen Liedern treten dramatische und epische Bestandteile neben den -lyrischen stärker hervor. Mehr oder weniger reine Balladen entstehen. -Dazu gehört das schon von Herder im Elsaß aufgezeichnete Lied vom -Grafen: »Ich stand auf hohem Berge«, das mit geringen Abweichungen in -der ganzen Lausitz verbreitet ist, ferner das Lied: »Es war einst eine -Jüdin«, das in etwas umgestalteter Weise den Stoff der Königskinder -behandelt und nach der Weise des Grafenliedes gesungen wird. Eine andre -Ballade, die mit dem so sehr beliebten Anfang anhebt: »Es stand ein’ -Lind’ im tiefen Tal, ist oben breit und unten schmal«, an den sich -aber wenigstens drei verschiedene Lieder anschließen, die inhaltlich -kaum etwas Gemeinsames haben, enthält einen schönen Liebesgruß, der -schon seit dem Ruodlieb (1030) eine beliebte Gedichtform darstellt. Das -Mädchen schickt mit dem Boten an ihren Liebsten, der sie vermeintlich -verlassen hat, folgende Wünsche: - - Ich wünsch’ ihm so viel Wohlergehn, als so viel Stern am Himmel - steh’n. - Ich wünsch’ ihm so viel Hochzeitsgäst, als in dem Wald sind grüne - Äst. - Ich wünsch’ ihm so viel Herzeleid, als so viel Sand am Meere leit. - -Eine stark abweichende Lesart der Ballade ist bei Uhland enthalten -(Nr. 116). Das alte Balladenmotiv des verwundeten Burschen, der in -den Armen der Geliebten stirbt, wird behandelt in dem auch anderwärts -aufgezeichneten Liede: »Es wollt’ ein Mädchen früh aufsteh’n«, dessen -dunkle Melodie in hervorragender Weise dem schwermütigen Stoff angepaßt -ist. Knapp, rasch fortschreitend ist die Ballade vom Soldaten, der aus -dem Kriege zurückkehrt: - - Was kann mich denn schöner erfreuen, ju, ja erfreuen, - Als wenn der Sommer angeht. - Es blühen die Rosen im Garten, ju, ja im Garten, - Soldaten marschieren ins Feld. - - Und als ich in das fremde Land Österreich kam, - Da gedacht ich gleich wieder nach Haus. - Als ich dann wieder nach Hause kam, - Feinsliebchen stand an der Tür. - »Gott grüß’ dich, du Hübsche, du Feine, - Vom Herzen gefällst du ja mir.« - »Ich brauch’ dir ja nicht zu gefallen, - Ich hab’ schon längst einen Mann. - Einen hübschen, einen feinen, einen reichen, - Der mich ernähren kann.« - Was zog er aus seiner Tasche? - Ein Messer, ’s war scharf und gespitzt. - Er stach’s dem Feinsliebchen ins Herze, - Das rote Blut gegen ihn spritzt. - Und als nun das Mädchen gestorben war, - Da grub man ihr ein Grab - In ihres Großvaters Lustgarten, - Wo Rosen und Rosmarin steh’n. - Ihr Mädchen und Junggesellen, - Nehmt euch ein Beispiel daran. - - (Schönbach bei Löbau.) - -Es ist ganz zweifellos, daß dem erwähnten Heereszuge nach Österreich -ein bestimmtes historisches Ereignis zugrunde liegt. In manchen -Liedern tritt das Historische stark hervor. Die Ballade wird zum -historischen oder politischen Lied. Ich habe in der Lausitz noch -lebendig gefunden das Lied über den Feldzug Napoleons I. nach Rußland: -»Napoleon, du Schustergeselle«, weiterhin ein Lied, das den Krieg -von 1870 zum Hintergrund hat: »Im Städtchen zu Baden da steht ein -Haus«, das aber dem bekannten Sedanliede: »Bei Sedan auf den Höhen«, -an Wert nachsteht. Das Interessanteste dieser Gattung ist das über -einen großen Teil Europas verbreitete Marlboroughlied, durch dessen -Wortprägung und Wortbindung gedämpft der vornehme Glanz hochadligen -Hintergrundes leuchtet. Dieses Marlboroughlied hat in der Oberlausitz -ein eigenartiges Schicksal gehabt. Der Eingang: »Marlborough zog zum -Kriege«, hat sich eine kühne volksethymologische Umdeutung gefallen -lassen müssen. Was war dem biedern Lausitzer, der sangeslustigen -Dorfdirne, der stolze Britenherzog Marlborough? Und so begann der -Lausitzer das Lied: »Mein Bruder zog zum Kriege«. Nun konnte nicht -mehr Madame in die Höhe steigen, um nach den Vermißten Ausschau zu -halten, der zu Ostern kommen wollte, sondern die Schwester tut es. Nun -kommt nicht mehr der Page, der die Trauerbotschaft bringt, der höfisch -und fein spricht: - - »Das Neue, das ich bringe, macht schöne Augen naß. - Leg’ ab die ros’gen Kleider und deinen Blumenschmuck. - Dein Marlbruck ist gestorben, tot und begraben schon.« - -Drei Burschen kommen gezogen, von Blute rot, Mitkämpfer sind sie -gewesen. Anspruchslos und schlicht sprechen sie: - - »Das Neuste, das wir bringen, macht dir die Äuglein naß. - Dein Bruder ist erschossen, ist tot und lebt nicht mehr.« - -Durch alle diese folgerichtigen Änderungen ist die Handlung der Ballade -aus der großen Welt in den engen Kreis des Volkes verpflanzt worden, -ohne etwas von ihrer Tragik zu verlieren. - -Aber nicht nur harte politische Tatsachen haben im Volkslied ihren -Niederschlag gefunden. Viele von ihnen sind vom kulturhistorischen -Gesichtspunkt aus aufs höchste belehrend. Vor allem fesselt den -Literarhistoriker manch seltsames Lied, das unter dem Namen Volkslied -durchschlüpfen will, weil es vom Volke gesungen wird. Das echte -Volkslied, das wurzelhaft dem Volke entwachsen ist, zeigt eigentümliche -Merkmale, die ihm einen wundersamen, unnachahmlichen Zauber verleihen. -Das Volk, das solche Lieder hervorbringt, ist gleichsam eine ungeheure, -sich selbst unbewußte Individualität, von einer mächtigen Lebensform -beherrscht, die in seinen Gestaltungen nach Ausdruck ringt. Je näher -wir der neueren Zeit rücken, desto fühlbarer zerbricht der Kosmos Volk. -Gruppen und Einzelwesen entreißen sich seinem magischen Banne. Neben -die Dichtung des Gesamtvolkes tritt die Dichtung der schöpferischen -Persönlichkeit. Aber in allen gesunden Zeiten besteht eine starke, -untergründige Verbindung zwischen Volk und Persönlichkeit. Beide hängen -zusammen wie Mutter und ungestümes Kind. Eins steigert das Wesen des -andern. Wieder eine solche reine Verschränkung zwischen Volk und -Einzelwesen entstehen zu sehen, ist unser aller Sehnsucht; denn seit -Beginn der neuesten Zeit ist die Lebensform Volk in Millionen Atome -zersplittert. Jedes Glied der einstigen Gemeinschaft hat das Recht -betontester Einzelexistenz an sich gerissen. Die Folge dieses Vorgangs -ist auf künstlerischem Gebiet die Zerstäubung jedes Stilgefühls. In -Zeiten tiefer Bindungen wird der Mensch in einen Stil hineingeboren, -dessen Träger das Gesamtvolk ist. Nach Zertrümmerung des tragenden -Mutterschoßes wird Stil zu einer Aufgabe, die jeder im individuellen -Leben in zuchtvoller Arbeit lösen muß. Da dies aber nur wenig -Begnadeten möglich ist, bleibt die Masse der Glieder eines Volkes in -lebengestaltender Hinsicht im Chaos. Der Instinkt für angemessene Form -ist verloren gegangen. Wahllos ist die Masse jedem Einfluß hingegeben. -Daß dies nicht erst ein Entwicklungsergebnis der unmittelbaren -Gegenwart ist, beweisen eine Anzahl Lieder, die deutliche Spuren -flüchtiger Literaturmoden an sich tragen, die der bewertende Beurteiler -mit gutem Gewissen als minderwertig bezeichnen kann. Drei Einflüsse -dieser Art sind in einer Anzahl der von mir gesammelten Lieder deutlich -wahrnehmbar. Zum ersten sind es die Schauerromane, die an der Wende des -neunzehnten Jahrhunderts sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. -Besonders häufig sind die Schauer des Kirchhofs verwendet worden. Dort -finden wir während der »süßen« Geisterstunde den Liebhaber, dessen -Mädchen starb. An der Kirchhofsmauer rauscht es. Eine weiße Gestalt -naht, still und sanft, voller Trauer. Wilhelmine ist es. Flehend -bittet der Liebhaber, ihn mitzunehmen in ihre Totenkammer. Aber allein -entschwindet sie ihm. Nicht nur Stoff und Behandlungsart verraten die -Entstehungszeit dieses Liedes. Wer sich einmal die lehrreiche Mühe -machte, die Vornamen unsrer Vorfahren zusammenzustellen, wird finden, -daß Wilhelmine eine ganze Zeit hindurch im ersten Teil des neunzehnten -Jahrhunderts ein ausgesprochener Modename war. Noch ein andres -Schauerlied möge Erwähnung finden. Es erzählt, wie ein Schlossergesell’ -nach jahrelanger Wanderschaft zu seinen Eltern, die ein Gasthaus -haben, zurückkehrt. Der Bursche gibt sich nur seiner Schwester zu -erkennen. Um Mitternacht ermordet der Vater, von Neugier und Habsucht -getrieben, den unbekannten Fremdling. Dies Lied ordnet sich wichtigen -literarhistorischen Zusammenhängen ein. Es behandelt einen ganz -ähnlichen Stoff, wie die Tragödie ~Fatal curiosity~ des Engländers -George Lillo, die zum Ausgangspunkt der Schicksalstragödie wurde, die -mit Hilfe des entfesselten Geisterchors, durch entsetzliche Bluttaten -und Verbrechen, Schauer und Entsetzen erregen wollte. - -Um dieselbe Zeit, als in Deutschland die Schicksalstragödien blühten, -waren die tugend- und rührsamen Familiengeschichten des Feldpredigers -August Heinrich Julius Lafontaine in Mode. War er doch sogar ein -Lieblingsschriftsteller der Königin Luise. Auch dieser Einfluß ist in -einigen Liedern deutlich nachzuweisen (z. B.: Steh ich hier am eisern -Gitter). - -Mit diesen beiden Einflüssen hat auch die dritte der damals -herrschenden Moden ihren Niederschlag in Liedern gefunden. Es ist -die nach dem Erscheinen des Götz von Berlichingen wildwuchernde -Ritterromantik. Deutschland wurde von Ritterdramen und Ritterromanen -überschwemmt. Welche köstlichen unfreiwilligen Parodien entstanden, mag -eine Probe zeigen: - - Eine Heldin, wohl erzogen, mit Namen Isabell, - Die schoß mit Pfeil und Bogen, so gut wie Wilhelm Tell. - Ein Ritter, jung an Jahren, mit Namen Eduard, - Der sich beim Ringelspiele in sie verliebet hat - Er gab ihr zum Geschenke, den schönsten Blumenstrauß, - Doch nichts konnt’ sie erfreuen, sie schlug ihm alles aus. - Er gab ihr zum Andenken, den schönsten Trudihahn, - Doch nichts war ihr zur Freude, von ihm nahm sie nichts an. - Fahr’ hin, du Stolze, du Spröde, dein Stolz wird dich gereu’n, - Du wirst noch Tränen weinen, wenn ich werd’ nicht mehr sein. - Einst ritt sie eine Strecke, als Jägerin in das Holz, - Da saß in einer Ecke ein Bär, in Ängsten stolz. - Gleich stieg sie von dem Pferde, das stolze, kühne Weib, - Und schoß mit ihrem Pfeile, das Untier durch den Leib. - Das Roß mußt ihrer warten, sie eilt von ihm zum Wild – - Wen erblickt sie? Eduarden, in Bärenhaut gehüllt. - Und kaum verging’n sechs Wochen, verzehrt von Gram und Schmerz, - Begrub man ihre Knochen, zu Füßen Eduards. - - (Krostau.) - -Doch nicht mit diesen Tönen wollen wir eine Abhandlung über Volkslieder -der Sächsischen Oberlausitz schließen. Das soll eine kurze Betrachtung -mundartlicher Dichtungen tun. Mundartliche Lieder, die über den -Interessenkreis eines bestimmten Dorfes (Beziehungen auf bestimmte -Personen und Vorkommnisse) hinausgehen, sind nicht zu zahlreich. -Ihr gemeinsames Merkmal besteht darin, daß sie fast ausnahmslos -Scherzlieder sind. Da werden die üblichen Berufe einer scherzhaften -Prüfung unterzogen. – Die besorgte Mutter schlägt der Tochter aus jedem -Berufe »Einen« vor. Aber das Töchterchen ist wählerisch. An jedem hat -sie auszusetzen: - - Nee, Mutter, nee, ’n Leinwabr, dan mag ’ch ne, - D’r Leinwabr stroamplt mit Händ’n und Füss’n, - Ar könnt’ mich mit ’n Schütz’n erschissen, - Nee, Mutter, nee, ’n Leinwabr, dan mag ’ch ne. - -Doch endlich hat sie den rechten gefunden: - - Ja, Mutter, ja, ’n Spieler, dan will ’ch hon. - D’r Spieler hot verschied’ne Puppen, - Ar läßt mich monchmol o mit hupp’n, - Ja, Mutter, ja, ’n Spieler, dan will ’ch hon. - - (Naundorf bei Gaußig.) - -Anspruchsloser ist eine andre Dorfschöne: - - Hans’l soaß an Uf’nloch - Und flickte seine Schuh, - Da koam Nubbersch Gret’l - Und guckt d’r Arbeit zu. - - Hons, wenn de heiroatst, do heiroatst de mich, - Ich hoa ja no’ drei Pfenn’ge, die lang’n fer mich und dich. - Und wenn mer wer’n verheiroat sein, do hoa mer no kee Haus, - Nu, do keef m’r uns an Henkltop und do guck m’r ub’n ’naus. - - (Goldbach.) - -Aber was sich hinter der holden Hülle der Schönen verbirgt, das kommt -erst nach der Ehe zum Vorschein. Das kann uns der unglückliche kleine -Mann erzählen: - - Es woar amol a klenner Moan, vi – vallera, - Dar wullt a grußes Weibl hoan, hm, hm, hm. - - Doas Weibl wullt ze Boalle giehn, - Dar kleene Moan wullt o mit giehn, - - Moan, du mußt drheeme bleib’n, - Du mußt ’n Kinnern Samm’l reib’n. - - Und oals de Fro vum Boalle koam, - Da stand ar durt und leckte droan. - - Do noahm de Fro ’n Bas’nstiel, - Und hieb ’n Moan, doaß ar fiel. - - D’r Moan, dar huppt a’s Butterfoaß: - »Nu kumm ock har, und tu’ m’r woas.« - - D’r Moan, dar huppt zum Fanster ’naus, - Und lief gor schnell a Nachboars Haus. - - »Herr Nubber, ich will se emol woas soin: - Mich hut su sehr de Fro geschloin.« - - D’r Nubber soite nischt drzu, - Ar duchte: Mir gieht’s salber su. - - (Naundorf.) - -Ein andres Lied erzählt in neckischer Weise die Geschichte von der -Bauersfrau, die dem Pfäfflein einen Hirsebrei mit einem halben Schock -Eiern kocht, während der Bauer im Holze ist. - -Ich muß gestehen, daß es mir nicht ganz unbedenklich erscheint, daß -der Lausitzer mundartlich nur Scherzlieder kennt. Empfindet er seine -Mundart selbst als komisch? Der Spaßmacher spricht Mundart. Oder -ist sein innerstes Wesen überwiegend aufs Komische gerichtet, für -Tragisches schwer zugänglich? Das glaube ich nicht. Vielleicht ist er -zu verschlossen und zu unbeholfen, um seine tiefsten Empfindungen dem -Worte anzuvertrauen. - -Wenn wir im Vorangegangenen die Texte der Volkslieder einer Prüfung -unterzogen haben, so müssen wir uns dabei bewußt bleiben, den -unwesentlichen Liedteil betrachtet zu haben. Der Träger des Volksliedes -ist die Melodie. Das wird dem Sammler oft in eindringlicher Weise -deutlich. Die meisten seiner Gewährsleute können ihm das Lied nicht -aufsagen, sondern nur vorsingen. Mit der Melodie stellt sich der Text -ein. Ganz dürftige Texte sind um ihrer Melodie willen beliebt, während -wertvolle Texte, wenn sie unsanglich sind, vernachlässigt werden. Im -allgemeinen kann jedoch behauptet werden, daß Text und Melodie zu einer -stilvollen Einheit verschmolzen sind. Text und Melodie offenbaren -eine einfache, natürliche, undifferenzierte Empfindungsweise. Vor -allem die Melodie bringt meist in hervorragender Weise typische -Empfindungszustände, wie Ausgelassenheit, Freude, Lust, behagliche -Zufriedenheit, Trauer, Schmerz zum Ausdruck. Gerade in dieser -typisierenden Darstellung von Seelenzuständen liegt ein wesentlicher -Grund der allgemeinen Beliebtheit des Volksliedes. - - - - -Nochmals: »Pflanzt Nußbäume«[11] - -Von _B. Voigtländer_ - - -Den Ausführungen Klengels in Heft 10 bis 12 des vorigen Jahrganges -unsrer Mitteilungen wird jeder Natur- und Heimatfreund zustimmen; -der Nußbaum ist tatsächlich nicht nur ein wertvoller Nutzbaum, -sondern er befriedigt auch unser Schönheitsgefühl durch seinen hohen -Schmuckwert. Da wir jetzt gezwungen sind, das Größtmöglichste aus -unserem Boden herauszuwirtschaften, möchte ich noch auf einen anderen, -weniger bekannten Nußbaum hinweisen, der wegen seiner hervorragenden -Eigenschaften die gleiche Beachtung verdient, wie der bei uns zumeist -angepflanzte gewöhnliche oder Walnußbaum, ~Juglans regia~. - -Es ist der amerikanische oder schwarze Nußbaum, ~Juglans nigra~; er -übertrifft in Schnellwüchsigkeit und Schmuckwert den Walnußbaum, ist -für unser Klima genügend hart und stellt keine höheren Ansprüche an die -Bodenbeschaffenheit. Seine Schnellwüchsigkeit ist in dendrologischen -Werken und Fachzeitschriften wiederholt dargelegt worden, außerdem bin -ich in der Lage, ein treffliches Beispiel dafür aus eigener Anschauung -anzugeben. Der Tharandter Forstgarten besitzt je einen, vor etwa -dreißig Jahren gepflanzten Baum beider Arten. Während nun ~Juglans -nigra~ in Brusthöhe bereits einen Umfang von ungefähr einen Meter -hat, mißt ~Juglans regia~ erst gegen siebzig Zentimeter. Hierzu kommt -noch, daß ersterer gegen fünfzig Meter hoch wird, während der letztere -selten eine Höhe über zwanzig bis fünfundzwanzig Meter erreicht. An -Holzzuwachs übertrifft also der schwarze Nußbaum den Walnußbaum ganz -erheblich. - -~Juglans nigra~ hat eine schmälere Krone als ~Juglans regia~, seine -schmäleren Blätter stehen nicht so dicht, lassen also mehr Sonnenlicht -durch die Krone. Die Anpflanzung wird sich also namentlich dann -empfehlen, wenn die pflanzliche Umgebung des Baumes durch zu tiefen -Schatten, wie ihn der Walnußbaum meist gibt, ungünstig beeinflußt -würde. Einen Mangel hat der Baum allerdings; seine Früchte sind -nicht so wertvoll wie die des Walnußbaumes. Da Schale und Kernhaus -sehr dickwandig sind, bleibt für den Inhalt nicht viel Raum; der -Kern bleibt klein und wird zudem wegen seines starken Ölgehaltes -sehr leicht ranzig. Dieser Nachteil will mir aber nicht als -ausschlaggebend erscheinen, da ich die Früchte des Walnußbaumes nicht -als Nahrungsmittel, sondern nur als Naschgelegenheit ansprechen möchte. -Meines Erachtens wiegt der hohe Wert, den der schwarze Nußbaum als -Nutzholzerzeuger hat, den Mangel der Früchte mehr als doppelt auf. Das -Holz des amerikanischen Nußbaumes wird in Zukunft noch mehr begehrt -werden als schon jetzt, weil es ein sehr wertvoller Stoff für die -Herstellung von Flugzeug-Propellern ist. - -Auch in bezug auf Anpflanzung und Pflege ist die amerikanische Nuß -nicht anspruchsvoller als die gewöhnliche Walnuß. Am besten fährt man, -wenn man den Baum nicht pflanzt, sondern die Nüsse an Ort und Stelle -legt. Die beste Zeit dafür ist der Herbst; man erreicht dadurch, -daß ungefähr achtzig vom Hundert zum Keimen kommen, während bei der -Frühjahrssaat nur bei etwa sieben vom Hundert ein Erfolg eintritt. - -Ist man gezwungen, einen amerikanischen Nußbaum zu verpflanzen, so -achte man darauf, daß das sehr fleischige und leicht eintrocknende -Wurzelwerk vollständig erhalten bleibt, auch setze man es nicht unnötig -lange der Luft und Sonne aus, sondern pflanze den Baum sofort wieder -ein. Dies gilt übrigens für beide Nußbaumarten. Beachtet man diese -Hauptregel, so wird man kaum Verluste zu beklagen haben. - -Es könnte noch die Frage auftauchen, ob nicht etwa das Vaterlandsgefühl -verletzt würde, wenn man _amerikanische_ Nußbäume zahlreich anpflanzte. -Dem ist aber entgegenzuhalten, daß der Walnußbaum in unsrer engeren -Heimat von Haus aus auch nicht bodenständig ist. Dem Dresdner -Heimatfreunde bietet sich Gelegenheit, einen sehr großen amerikanischen -Nußbaum an der Villa 78 an der Schnorrstraße zu bewundern. Er ist -wahrscheinlich der größte derartige Baum von Dresden und der weiteren -Umgebung. - - -Fußnoten: - - [11] Da ~Juglans nigra~ wegen des prächtigen Wuchses trefflich - geeignet ist, das Landschaftsbild verschönern zu helfen, - kann die Anpflanzung nur empfohlen werden. Die Frucht ist - zwar weniger wertvoll, um so gesuchter ist aber das Holz. - Vor dem Kriege wurde es in großen Mengen eingeführt, um zur - Herstellung von Gehäusen elektrischer und photographischer - Apparate verwendet zu werden. Es würde ein Dienst am - Vaterlande sein, wenn es gelänge, durch eigene Erzeugung - die Einfuhr einzuschränken. Der Baum würde in erster Linie - zur Holznutzung in Frage kommen; die Fruchtgewinnung stünde - erst an zweiter Stelle. Da, wie bereits erwähnt, die - Frucht des schwarzen Nußbaumes weniger wertvoll ist als - die des Walnußbaumes, eignete er sich vielleicht gut zur - Anpflanzung an abgelegeneren und schwerer zu überwachenden - Orten, denen man, wegen des zu erwartenden Fruchtdiebstahls - und der daraus regelmäßig entstehenden Beschädigung der - Bäume, Walnußbäume nicht anvertrauen will. - - A. Klengel. - - - - -=Über das Vorkommen der Weidenmeise= (~Parus atricapillus salicarius -Brehm~) =in unserm Vaterlande= - -Von _Rich. Schlegel_ - - -Was für ein Vogel ist das? wird mancher Leser fragen, dem auf seinen -Wanderungen Kohl-, Blau-, Sumpf- und Schwanzmeisen im Waldesgrün -liebe Weggenossen waren und durch ihr lebhaftes Wesen im Gezweig, am -Nistkästchen des Gartens oder am winterlichen Futterplatz oftmals seine -Aufmerksamkeit lebhaft fesselten. Im vogelstimmenärmeren, schweigsamen -Nadelwalde begegneten uns zuweilen auch im Verbande der zutraulichen -kleinen Vogelknirpse Goldhähnchen, Tannen- und Haubenmeisen als -charakteristische Erscheinungen, aber die Weidenmeise? Ich will den -Schleier, der sie dem Nichtornithologen verbirgt, ein wenig lüften, -einen kurzen Blick auf die Geschicke ihrer Vergangenheit werfen und -sie dem Naturfreunde und Wanderern im Hügel- und Berglande soweit -vorstellen, damit auch er sie kennenlernt und unsere Lücken in der -Kenntnis ihrer vaterländischen Verbreitung mit zu schließen in die Lage -versetzt wird. - -Unser großer Chr. L. Brehm, der vielbefehdete Artzersplitterer, der -mit scharfem Blick seinen Zeitgenossen weit vorausgeeilt, war es, -der dem Studium des Vogelkleides in seiner Veränderlichkeit sein -bestes Können widmete, aber, und das war sein Fehler, geographische -und individuelle Veränderlichkeit nicht scharf auseinanderhielt. -So konnte, um nur ein Beispiel anzuführen, seine Dorfhaubenlerche, -~Galerita cristata pagorum~, gleichzeitig »bei Leipzig, Klagenfurth, -Lübs in Mecklenburg und in Ungarn« auftreten. Unser Altmeister war -es, der auch die Weidenmeise wie den kurzkralligen Gartenbaumläufer -als ausgezeichnete Arten erkannte und erstere in der Isis 1828 -beziehentlich im Handbuch der Naturgeschichte aller Vögel Deutschlands -1831 unter den Namen ~Parus salicarius~, die Weidenmeise, in die -ornithologische Wissenschaft einführte. Nach ihm lebt der Vogel -»besonders an den mit Weiden besetzten Bach-, Fluß- und Teichufern«. -Mir wenigstens will es scheinen, als habe Vater Brehm außer acht -gelassen, daß die bezeichneten Aufenthaltsgebiete nur von angrenzenden -Nadelholzschonungen aus, und zwar gern besucht, aber als ständiger und -Brutaufenthalt kaum gewählt worden sein dürften. Wenn man als Ideal -erstreben muß, daß im Namen des Tieres in dieser oder jener Hinsicht -eine kurze Diagnose liege, dann erscheint mir der Name, wenigstens -für vaterländische oder andere mitteldeutsche Verhältnisse, soweit -ich sie kenne, nicht besonders glücklich gewählt zu sein. Er mag -für manche Gegenden – nach Kleinschmidt auch für die Rheingegend – -zutreffend sein, im Niederungsgebiete des Vaterlandes aber wird man -in Weidenpflanzungen oder an Bach- und Flußufern vergeblich nach -unsrer Meise Umschau halten. Da man die »neuen Arten« Vater Brehms -mit Mißtrauen betrachtete und feinere morphologische und biologische -Unterschiede wenig Geneigtheit und Verständnis fanden, hielt man es -nicht der Mühe für wert, der neuen Art weitere Aufmerksamkeit und -kritische Prüfung zuteil werden zu lassen. Erst den Forschungen der -letzten Jahrzehnte, insbesondere den ausgezeichneten, erschöpfenden -Arbeiten eines O. Kleinschmidt blieb es vorbehalten, den Vogel dem -Interesse des Fachornithologen näher zu rücken und ihm zu einer -glänzenden Auferstehung zu verhelfen, ihn mit der Zeit aber auch in -eine Menge mehr oder minder leicht unterscheidbare geographische oder -klimatische Rassen zu spalten. Seit das Rad ins Rollen kam, haben -die Fachgenossen ausnahmslos gerade diesem interessanten Vogel, dem -»winzigen ornithologischen Edelwilde«, wie es Kleinschmidt einmal -voll Begeisterung nennt, ihre ungeteilteste Aufmerksamkeit und -fleißige Feder gewidmet. So ist heute, dem Fachornithologen, dem -Systematiker und Biologen gleichwichtig, die Weidenmeise eine bekannte -und ausnahmslos anerkannte Art, deren Schriftentum, gesammelt, dicke -Bände füllen würde. Aber auch im Kreise der Vogelkundigen, wollen -wir sie trotzdem nennen, dürfte doch mancher Fachgenosse sitzen, dem -das Freileben, die Kenntnis der Art überhaupt, ein Buch mit sieben -Siegeln blieb. Was mag der Grund hierfür sein? Man hielt Sumpf- und -Weidenmeise für ein und dieselbe Art. Ich darf wohl unsere Sumpfmeise -~Parus palustris communis Bald.~ im grauen Röckchen, mit dem glänzend -tiefschwarzen und sich über den Nacken herabziehenden Scheitelfleck -und den weißen Wangen als bekannten Vogel voraussetzen. Dieser Art nun -sieht unsere Weidenmeise außerordentlich ähnlich, aber die Kopfplatte -ist glanzlos und mattschwarz, mit einem Stich ins Bräunliche und -weich im Ton. Der Schwanz (Stoß) ist deutlich und tiefer gestuft, die -weißen Wangen mehr sich abhebend und weiter seitwärts ziehend. Die -Schwingen zweiter Ordnung sind mit breiten grauen Säumen ausgestattet, -auf dem zusammengelegten Flügel einen deutlichen schmalen Längsfleck -bildend. Das sind nur die am meisten hervortretenden Artunterschiede. -Wer »Glanz-« und »Mattkopfmeise«, die Vertreter zweier morphologisch -und biologisch streng geschiedener, ausgezeichneter Formengruppen -nur einmal nebeneinander verglichen, der wird sich schwerlich jemals -wieder in der Bestimmung eines Stückes irren können. Aber im Freileben, -im Dunkel oder Zwielicht des Gezweiges, im hastigen Vorwärtseilen -der flüchtigen, von Strichunruhe ergriffenen oder den Blick des -Beobachters scheuenden Vögel sind die Kennzeichen auch dem geschulten -Auge nicht immer einwandfrei erkennbar. Da hilft nun allein schon der -Lockton über alle Zweifel hinweg. Die Sumpfmeise sagt: tje tje, in der -Erregung wohl auch h’tje dededede. Die Weidenmeise ruft ein, auch dem -stimmlich weniger geschulten Beobachter sofort auffallendes gezogenes -und gepreßtes däh – dähdähdäh oder spizidähdähdäh. Dieser Laut ist es -immer, der mein ohne dies schon zu hastig pulsierendes Ornithologenblut -in noch raschere Wallung versetzt, da er mir immer die sicherste Gewähr -dafür bietet, daß ich meinen gesuchten Freund in sicherer Nähe weiß. - -Im Interesse einer geneigten Mitarbeit zum Zwecke der Festlegung -weiterer vaterländischer Örtlichkeiten, wo die mattköpfige Meise -heimatet, will ich noch in aller Kürze der als Aufenthalt bevorzugten -Geländeart und bereits bekannten Fundorte gedenken. Ich kann mich -dabei um so kürzer fassen, als ich hierüber, sowie über weitere -Resultate meiner letztmaligen Erzgebirgsstreife, die ich ausschließlich -für diesen Zweck unternahm, in einer ornithologischen Fachzeitung -ausführlicher berichten werde. Sicher ist unsere Meise, eine -borealalpine Art, vom Hügellande bis zur Kammhöhe der sächsischen -Gebirgszüge herauf, falls geeignete pflanzliche Formationen vorhanden, -eine gewiß nicht seltene, aber immer nur mehr einzeln und zerstreut -auftretende Art, die an Nadelholzformationen, beziehentlich Mischwald -gebunden zu sein scheint. Ob Kiefernschonungen allein eine besondere -Anziehungskraft auf sie auszuüben vermögen, wie ein befreundeter -vaterländischer Forscher anzunehmen geneigt ist, glaube ich nicht. -Soweit ich den »Bayrischen Wald« kenne, war dies, bei gänzlichem -Zurücktreten der Kiefer, hier ebenfalls nicht der Fall. Das Innere -geschlossener und gleichgearteter, besonders dichter, ungegliederter -und zusammenhängender Wälder meidet sie; das muß sie schon ihres -Namens wegen! Wo sich die Ränder solcher Bestände aber lichten und -in einzelne Baumgruppen verschiedenen Alters oder verschiedener -artlicher Zusammensetzung nach freiem Gelände hin auflösen, das mit -Buschwerk umrahmt ist, Laubbäume einzeln oder in Reihen bietet und -des Wassers nicht entbehrt, da darf man schon nach unserm Vogel -Erfolg versprechende Aus- und Umschau halten. Mittelhohe lichte -Schonungen und deren Ränder, gleichviel ob auf ebenem, hügeligem -Gelände oder steilem Hang, mit Laubholz- oder Buschwerkstreifen, -mit anschließenden oder eingreifenden Ufern und Rändern, Wiesen- -und Feldkulturflächen, also recht wechselvolles Gelände, wie es -Strecken mit Bauerwäldern verschiedener pflanzlicher und pfleglicher -Beschaffenheit und verschiedenen Alters zeigen, scheinen unserm Vogel -am meisten zuzusagen. Wenn die Erlkönigmeise, wie sie Kleinschmidt -in einer Monographie auch nennt, die Aufmerksamkeit des Menschen -auf sich gerichtet sieht, dann weiß sie sich meisterhaft nach den -schützenden Schonungen hin oder in die hohen Kronen zu drücken. Hier -hören wir wohl fortgesetzt oder auch mit längeren Unterbrechungen ihre -Lockrufe, aber immer versteht es der Vogel ausgezeichnet, sich vor -dem nach ihm ausspähenden Augen zu verbergen. Dabei ist die Eigenart -seines Wesens immer Unbeständigkeit und Unrast. Wenn man ihn einmal -aus den Augen verloren, und das geschieht nur zu oft bei einsetzender -Schweigsamkeit und im Verbande mit Goldhähnchen und anderem Meisenvolk, -dann kann man sich stundenlang im Suchen üben, findet aber den Vogel -nach dem Locktone immer wieder an bestimmten Stellen, wo man mit ihm -bereits einmal zusammentraf. Das sind immer Feierstunden eigener Art -für mich, wenn ich, mit mir und der Natur ganz allein im schweigsamen -Waldesdunkel, fern vom Treiben einer entsittlichten Welt, am Born -der Gottesnatur aus vollen Zügen schlürfen und an ihren Geschöpfen -erlauschen darf, was mir daheim am Arbeitstisch das Buch versagt. – - -Wie die zwei Stücke der Dresdner Landessammlung beweisen, wurde die -Weidenmeise 1903 erstmalig für Sachsen nachgewiesen, und zwar für -die Gegend von Königsbrück. 1916 bis 1918 stellte ich ihr Vorkommen -mehrmalig für die Umgebung von Hohenstein-Ernsttal fest. 1918 konnte -sie ferner Heyder bei Rochlitz und Oederan beobachten. Nach Heyder wies -Mayhoff die Weidenmeise an drei verschiedenen Stellen der sächsischen -Lausitz nach. 1917 fanden sie Uttendörfer und Kramer um Herrnhut -und Niederoderwitz. 1919 machten Schelcher und Stresemann darauf -aufmerksam, daß unsere Meise in den Wäldern um Aue und Schneeberg -keine allzuseltene Erscheinung sei. Während der Michaeliswoche 1921 -folgte ich zunächst den Pfaden Stresemanns und fand die Angaben -beider Forscher für die genannten Orte in jeder Hinsicht bestätigt. -Als weitere Orte ihres Vorkommens konnte ich, kammwärts wandernd, das -Floßgrabengebiet bei Albernau und Auerhammer meinen Aufzeichnungen -einfügen. Im Filzteichgebiet und den Wäldern vor Hundshübel und -Burkhardtsgrün konnte ich keinerlei Erfolge buchen. Nach zweitägigem -Suchen in den Wäldern zwischen Elterlein und Scheibenberg, sowie in -dem Waldbestande des Berges selbst, traf ich unsern »Mattkopf« auch -hier wieder an. Wie ein Blick auf die Karte Sachsens lehrt, klaffen -noch weite Lücken in der Kenntnis der Verbreitung der Weidenmeise -auf vaterländischem Boden. Ich möchte am Schlusse meiner kurzen -Ausführungen wandersfrohen Naturfreunden die Bitte ans Herz legen, bei -gegebenen Gelegenheiten dem interessanten Vertreter vaterländischer -Tierbesiedlung ihre Aufmerksamkeit nicht zu versagen, gewonnene -Resultate zu veröffentlichen oder dem Verfasser zum Zwecke einer -Gesamtbearbeitung zu überlassen. Ich darf heute schon die Versicherung -geben, daß eine diesbezügliche kleine Mühe und Unbequemlichkeit sicher -und reichlich die schönsten Früchte zeitigen werden. - - - - -Die Berankung von Gebäudeschauseiten - - -Die Berankung von Gebäudeschauseiten stellt eine freundliche Zutat -der Bauwerke dar, die deshalb überall großen Beifall findet, weil -sie alten unansehnlichen Gebäudemauern und schmucklosen Hauswänden -ein schönes Aussehen verleiht. Der letzterwähnte Umstand wird ja -einstimmig anerkannt, dagegen ist man über den praktischen Wert ganz -verschiedener Meinung. Während nämlich von einer Seite behauptet -wird, durch die Berankung werde dem Bauwerk Feuchtigkeit zugeführt, -behauptet die andere Partei das Gegenteil, das heißt die Feuchtigkeit -würde dem Bauwerk durch die Wurzeln der klimmenden Pflanzen entzogen. -Je nach Lage des Falles können beide Parteien im Recht oder auch im -Unrecht sein. Praktisch betrachtet wird ein Bauwerk, das an sich -infolge unsachgemäßer Ausführung Feuchtigkeit besitzt, durch die -Berankung niemals trocken werden. Anderseits kann aber auch in ein -sonst gut trockenes Bauwerk durch die Berankung niemals Feuchtigkeit -hineingetragen werden. – Die Behauptung, Kletterpflanzen tragen -Feuchtigkeit in das Bauwerk, ist nur dann zutreffend, wenn es sich um -Mauerwerk aus minderwertigem Mörtel und aus wenig gebrannten Ziegeln -handelt beziehungsweise wenn der Putz auf seiner Oberfläche Spalten -und Risse aufweist. In letztere dringen nämlich die Wurzeln ein und -führen zuweilen eine Zerstörung des Putzes herbei. Bei sachgemäß -ausgeführtem, aus guten festen Baustoffen bestehendem Mauerwerk hat -die Berankung stets günstige Erfolge gezeitigt. Denn Efeu und andere -Schlinggewächse wuchern schon seit Jahrhunderten an den Gebäuden empor, -und nur selten sind Klagen laut geworden, die den Efeu als nachteilig -bezeichnen. Gerade die Efeublätter legen sich schuppen- beziehungsweise -dachziegelartig dergestalt übereinander, daß Regen und Schnee ohne -weiteres an das Bauwerk überhaupt nicht gelangen können. Erreicht die -Feuchtigkeit aber trotzdem das Mauerwerk, so wird sie vom Efeu sehr -bald wieder herausgezogen. – Wer besonders vorsichtig sein will, kann -bei vorhandenen, älteren, gut ausgetrockneten Bauwerken die Nord- und -Ostseite nur mit solchen Pflanzen beranken, die eine weniger dichte -Hülle darstellen; die West- und Südseite dagegen kann bedingungslos -eine dichte Berankung, unmittelbar am Erdboden beginnend, erhalten. -Bei neuen Gebäuden empfiehlt es sich, zunächst eine Berankung der -Süd- und Westfront vorzunehmen. Erst später, d. h. nach gründlicher -Austrocknung, kann man die nördliche und östliche Seite beranken, -und zwar in der Weise, daß die Belaubung etwa vierzig bis sechzig -Zentimeter über dem Erdreich beginnt, damit die Sonne und die Luft -ungehinderten Zutritt zu den Fundamenten des Gebäudes erhalten. - -Zu den bei uns am meisten in Betracht kommenden Rankengewächsen gehört -Efeu, wilder Wein, Glyzina, Waldrebe (Klematis), Ampelopsis-Veitchi, -Ampelopsis-Engelmanni, Pfeifenkraut (Aristolochia), rankende Rosen, -Rosen von Jericho (Lunicera) und Hopfen. - -Der Wanduntergrund, d. h. also der Putz beziehungsweise die Fugen -müssen recht widerstandsfähig sein, damit den Wurzeln nicht die -Möglichkeit zum Eindringen gegeben wird. Als Wandputz eignen sich feste -Putzmassen mit Quarz- oder Porphyrzusatz, hellfarbiger Edelsteinputz -wie Terrasit und dergleichen. Efeu bevorzugt übrigens den Kalk als -Nährboden, was ja bei seiner Abstammung aus der immergrünen Zone des -Mittelmeergebietes leicht verständlich erscheint. - -Neben Efeu und wildem Wein verdient der Selbstklimmer -Ampelopsis-Veitchi insofern besondere Beachtung, als sich bei diesem -niemals abstehende Zweige entwickeln, vielmehr greifen dieselben -mitsamt den Blättern immer dachziegelartig übereinander und beschützen -somit das Gebäude gegen die Unbilden der Witterung. Die Blätter fallen -allerdings im Herbst ab, so daß die Wände nur mit dem Gerüst der jungen -Triebe bedeckt sind. - -Efeu gedeiht an der nördlichen Hauswand vortrefflich und stellt -auch an die Bodenbeschaffenheit keine besonderen Ansprüche. Bei -den alten Lehmhäusern kann man oft beobachten, wie gerade der Efeu -den Gebäudewänden und dem Dache einen Schutz und dem Ganzen ein -freundliches, heimisches Aussehen verleiht. Efeu bietet nicht nur -dem Wind und Wetter einen bedeutenden Widerstand, sondern auch der -Wärme und Kälte und sorgt somit für eine genügende Trockenhaltung -der Wände. Dadurch, daß die Efeublätter von der Sonne stark erwärmt -werden und diese von den Blättern aufgesaugte Wärme nach oben steigt, -sich also auch den Wänden mitteilt, werden letztere trocken und warm -gehalten. Wenn eine hell gestrichene oder geputzte Wand im Sommer die -Wärme zurückwirft, im Winter aber die Kälte und Feuchtigkeit an sich -zieht, so tritt auch hier wieder der Efeu vermittelnd ein, indem er -einen wohltätigen Einfluß auf die Mauern ausübt, damit diese nicht -dem vorzeitigen Verfalle anheimfallen. Die im Erdreich befindliche -Feuchtigkeit, die sich unter gewöhnlichen Umständen den Fundamentmauern -mitteilen würde, saugt der Efeu, der zu seiner Entwicklung selbst viel -Wasser benötigt, auf. - -Wenn nun hier für die Berankung der Gebäudewandflächen eingetreten -wird, so soll damit nicht gesagt sein, daß dies für jedes Haus ohne -Ausnahme geschehen soll. Ein altes Sprichwort sagt: »Allzuviel -ist ungesund.« So auch hier. Bei weniger schönen Bauwerken ist die -Berankung deshalb sehr am Platze, weil die häßlichen Bauteile auf -diese Weise den Blicken entzogen werden, wodurch das Bauwerk an -Ansehen gewinnt. Dagegen wäre die Berankung schöner Architekturteile, -wie Ornamente, Pfeiler, Jahreszahlen, Schriften und dergleichen eine -ganz verfehlte Maßnahme, von der unbedingt abzuraten ist. – Für die -Berankung kommen nicht nur Wohnhäuser in Betracht, sondern auch die -kahlen Wandflächen von Scheunen, Schuppen, Fabrikgebäuden und Ställen -können auf diese Weise eine ganz bedeutende Verschönerung erfahren. - -Natürlich bringt die Gebäudeberankung auch Nachteile mit sich, die -nicht verschwiegen werden dürfen. So kommt es nicht selten vor, daß -sich in dem dichten Gestrüpp und Blätterwerk das Ungeziefer, wie -Fliegen, Mücken, Spinnen, Mäuse, Spatzen und dergleichen einnistet, was -mitunter für die Bewohner insofern eine üble Plage bedeutet, als diese -Tiere sehr leicht in die Wohn- und Vorratsräume eindringen können. -Durch sachgemäße Vorkehrungen lassen sich indes derartige Übelstände -wirksam verhüten beziehungsweise vermindern. - -Eine andere Verschönerung der Gebäudeflächen, mit der gleichzeitig ein -guter Nutzen verbunden ist, läßt sich durch Anlage von Spalierobst -erzielen. Als Spalierbäume kommen Apfel-, Birnen-, Pfirsich- und -Aprikosenbäume in Betracht. Die Früchte der Spalierobstbäume sind -schöner und schmackhafter als diejenigen der freistehenden Bäume. -Seitdem man allgemein die hohe volkswirtschaftliche Bedeutung des -Spalierobstbaues erkannte, hat derselbe in den letzten Jahren -eine gewaltige Erweiterung erfahren. Es ist festgestellt, das ein -Quadratmeter Spalierobst jährlich eine ansehnliche Summe Nutzen -abwirft. Die Befürchtung, daß die Wurzeln der Spalierbäume schädlich -für das Fundamentmauerwerk sind, ist deshalb grundlos, weil sich -dieselben nicht nach den Fundamenten zu, sondern in entgegengesetzter -Richtung entwickeln. Deshalb können auch gutgepflegte Hausspaliere -weder dem Bauwerk noch den Bewohnern irgendwelchen Schaden zufügen. -Da nun bei der Besprengung der Bäume das Wasser in die Mauer -eindringt, so empfiehlt es sich, letztere besonders zu schützen, was -unterhalb des Erdreiches durch Bestreichen mit Gudron und oberhalb -mittels hellfarbigen Pixols oder dergleichen erfolgen kann. – Die -Spaliergestelle bestehen aus tunlichst senkrecht angeordneten, -gehobelten und gefasten Latten, deren Entfernung untereinander etwa -dreißig Zentimeter beträgt. Das ganze Gestell soll man möglichst -abnehmbar einrichten und so anbringen, daß es etwa zehn Zentimeter von -der Wand entfernt ist. Die Anordnung von wagerechten Spalierlatten -ist nach Möglichkeit einzuschränken, weil auf deren oberer Fläche die -herabfallenden Blätter liegenbleiben und bei dem Hinzutreten von Regen -sich feuchte Stellen bilden, welch letztere immerhin schädlich auf das -Bauwerk einwirken können. - - (Aus dem Zentralblatt für das Deutsche Baugewerbe.) - - - - -Zur Geschichte des Heimatschutzes - -Von _Carl Berger_ - - -Es dürfte die Leser dieser Zeitschrift interessieren, daß die -Heimatschutzbewegung sich schon eines beträchtlichen Alters erfreut. -Erhaltene Dokumente aus dem vierten und fünften Jahrhundert nach -Christo geben uns davon Kunde. Die Kaiser Spätroms nahmen sich der in -Verfall begriffenen Prachtbauten des antiken Roms in rühmenster Weise -an und suchten dem Verfall derselben Einhalt zu gebieten und wenn der -Erfolg auch nicht ihren Wünschen entsprach, so ist dies wesentlich -darauf zurückzuführen, daß die entstehende kirchliche Macht in Rom die -in Verfall begriffenen Tempel und Bauten der Vorfahren als billiges -und bequemes Baumaterial zur Erbauung von Basiliken für den neuen -Staatsglauben verwandte. Der unten wiedergegebene Erlaß des Kaisers -Majorianus 458 nach Christo mag dem Leser ein Bild geben über die -Heimatschutzbestrebungen der damaligen Zeit. - - »Wir, Regierer der Staaten, wollen dem Unwesen ein Ende machen, - welches schon lange unsere Abscheu erregt, da ihm gestattet - wird, das Antlitz der ehrwürdigen Stadt zu entstellen. Wir - wissen, daß hie und da öffentliche Gebäude mit sträflicher - Gewähr der Obrigkeit zerstört werden. Während man vorgibt, daß - ihre Steine für öffentliche Werke nötig seien, wirft man die - herrlichen Gefüge der alten Gebäude auseinander und zerstört - das Große, um irgendwo Kleines herzustellen. Daraus erwächst - schon der Mißbrauch, daß selbst, wer ein Privathaus baut, - sich unterfängt, mit Gunst der städtischen Richter das nötige - Material von öffentlichen Orten zu nehmen und fortzutragen, - da doch, was den Städten zum Glanze gereicht, vielmehr von - der Liebe der Bürger sollte durch Wiederherstellung erhalten - werden. Deshalb befehlen wir durch ein allgemeines Gesetz, - daß alle Gebäude, welche von den Alten zum öffentlichen - Nutzen und Schmuck errichtet worden sind, seien es Tempel - oder andere Monumente, von niemandem dürfen zerstört noch - angetastet werden. Welcher Richter dies zuläßt, soll um fünfzig - Pfund Goldes gestraft werden; welcher Gerichtsdiener und - Numerarius seinen Befehlen gehorsamt und ihm nicht Widerstand - leistet, dem sollen nach erlittener Peitschung auch die Hände - abgehauen werden, weil sie die Denkmäler der Alten, statt sie - zu schützen, verunglimpft haben. Aus den Orten, die etwas - durch ungültige Erschleichung an sich gebracht haben, darf man - nichts veräußern, sondern wir gebieten, daß alles wieder dem - Staate zurückgegeben werde; wir ordnen die Wiederherstellung - des Entfremdeten an und heben für die Folgezeit die licentia - competendi auf. Sollte aber irgend etwas entweder wegen des - Baues eines öffentlichen Werkes, oder wegen des verzweifelten - Gebrauches der Reparation abzutragen nötig sein, so soll der - erlauchte und ehrwürdige Senat davon gehörig Kenntnis nehmen, - damit, wenn er solches nach reiflicher Erwägung für nötig - befunden hat, dieser Fall unsrer gnädigen Einsicht vorgelegt - werde. Denn was auf keine Weise wiederhergestellt werden kann, - soll wenigstens zum Schmuck irgendeines andern öffentlichen - Gebäudes verwendet werden.« - -F. Gregorovius zur Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. Bd. 1, -S. 218. Leg. Novell. Liber. Am Ende des Cod. Theod. Tit. VI, 1, ~De -aedil. publ.~ Das Edikt ist datiert VI Idus Jul. Ravennae unter dem -Konsulat der Kaiser Leo und Majorianus anno 458 und gerichtet an den -Präfect. Prät. Aemilianus. - -Schon frühere Kaiser hatten ähnliche Edikte erlassen müssen; so Valens -und Valentinio anno 376, Theodosius, Honorius und Arcadius. - - - - -Zur Einschmelzungsfrage alter Kirchenglocken - -Von _C. Pfau_ - - -Nach der verhängnisvollen Beschlagnahme von Kirchenglocken während -des unseligen Weltkrieges ist unsern Kirchfahrten in der Regel je -nur eine Glocke verblieben. Das Geläut war unvollständig geworden -und mußte oder muß ergänzt, unter Umständen auch ganz neu geschaffen -werden. Bei den einschlägigen Vornahmen wird nicht selten vonseiten -der Kirchenvorstände bei der vorgesetzten Behörde um die Erlaubnis -eingekommen, die letzte noch vorhandene Glocke veräußern, einschmelzen -zu dürfen, um einen Beitrag zu den Kosten für ein völlig neues Geläute -zu erhalten. Man strebt also in diesem Fall nicht die Wiederherstellung -des alten Geläutes an, will der Kirche vielmehr eine durchaus neue -Glockensprache geben, die nicht mehr an das frühere Geläute erinnert; -die Tonfrage soll die letzte überkommene Glocke dem Untergang weihen. - -Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß nicht jedes alte Geläute -hervorragend schön war; mitunter verfügte eine Glocke sogar über einen -ziemlich blechernen, töpfernen Klang oder gellte sonst mißtönig. Dieser -Übelstand war aber schon bei der Beschlagnahme durchgängig tunlichst -berücksichtigt worden, denn man hat die Glocken nach sorgfältiger -Auswahl eingezogen, die mit sehr störenden Klangfehlern in erster -Linie, weshalb in unsern Gotteshäusern jetzt wohl schwerlich noch eine -vorhanden ist, deren Ton von der Allgemeinheit unangenehm empfunden -wird. Nur der sachkundige Musikverständige mit seinem geschulten, -feinfühligen Ohr findet auf Grund eingehender Untersuchung an so -mancher Kirchenglocke hinsichtlich ihres Tones noch einen geringen -Mangel, den bisher, vielleicht schon seit vielen Jahrhunderten kaum -jemand in der Gemeinde herausgefühlt hat. Es fragt sich deshalb, ob in -einem solchen Fall das Prüfungsergebnis des Tonkünstlers einen durchaus -zwingenden Grund enthält, die Glocke aus der Kirche zu entfernen. - -Die Heimatsglocken sind von Dichtern viel besungen worden und werden -auch künftig so gefeiert werden. In fast allen unsern Kirchen, zumal -auf den Dörfern, stellen diese ehernen Werke mit die ehrwürdigsten -Denkmäler der Vergangenheit dar, denn manche besitzen ein Alter bis -etwa 600 Jahre, und wenn auch andere um Jahrhunderte jünger sind, so -überliefern sie doch durch ihre Aufschriften, Wappen und dergleichen -getreulich ein Stück Ortsgeschichte, Heimatkunde; ihr Ton gehört der -Heimat eigentümlich. Sie haben den jetzigen Angehörigen der Kirchfahrt -und ihren Vorfahren seit langen Zeiten geklungen bei der Taufe, der -Konfirmation, der Trauung, der Bestattung, sie haben zum Gottesdienst, -zum Abendmahl gerufen, sie haben ihre Stimme über die stillen Fluren -in allerlei Not und Gefahr erklingen lassen. Der Eingeborene der -Heimat ist vertraut mit der metallnen Sprache seiner Glocke, die er -liebt, die ihm in der Fremde nachklingt. Darum muß es auch als eine -ernste ethische Pflicht des Heimatschutzes, wenn dieser nicht nur auf -dem Papier stehen will, erscheinen, die Glocke tunlichst zu erhalten; -eine vernichtete Heimatglocke bedeutet den Verlust eines alten -Heimatszeugnisses, das in seiner echten Art nie wieder zu ersetzen -ist, und wenn die Gefahr der Einschmelzung droht, so sollte sich jeder -Ortseingesessene des hohen Werts seiner Glocke recht bewußt sein und -danach handeln, so daß sie möglichst erhalten bleibt. Die Genehmigung -zur Einschmelzung wird behördlicherseits nur bei Stücken von besonders -hohem wissenschaftlichen oder künstlerischem Wert verweigert; damit -soll aber nicht gesagt sein, daß man den heimatkundlichen Wert völlig -unbeachtet lassen müsse. Eine fernerhin erhaltene alte Glocke wird -unsern Nachkommen gewissermaßen mit zu einem Denkmal auf die Drangsale -des verflossenen Kriegs, denen sie unter ihren Schwestern allein -glücklich entronnen ist. - -Ein unbedeutender Tonfehler, den ihr ein gewiegter Musiker schuld -gibt, kann schwerlich allein ausschlaggebend für den Untergang des -Werkes werden. Man muß auch ihre Vorzüge berücksichtigen. Wollte der -Tonkünstler in dieser Angelegenheit ausschließlich auf die Entfernung -der Glocke dringen und mit seinem Urteil einflußreiche Personen, -die über das Schicksal des fraglichen Stückes zu bestimmen haben, -bestechen, so ließe sich mit Fug und Recht entgegenhalten, daß ein -solches Gebaren in Kirchenangelegenheiten zu merkwürdigen Folgen -führen dürfte. Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. In -und an unsern Kirchen gibt es unendlich viel, an dem der Architekt, -der Raumkünstler, der Kunsthandwerker Fehler, mitunter sehr starke, -findet; diese Herren müßten dann auch verlangen können, daß alles dies -nicht Mangelfreie weggebracht und ersetzt werden möchte, falls eine -Glocke aus dem angegebenen geringfügigen Grund für immer verschwinden -muß. Schwerlich wird sich aber jemals eine Gemeinde bereit finden, -all derartigen Wünschen und Ansuchen nachzukommen; man nimmt im -Gegenteil nur zu oft wahr, daß noch heutzutage bei sogenannten -Kirchenrestaurationen so manches in die Kirche gebracht wird, was gar -nicht zu ihrer Stimmung paßt, z. B. gewisse Fußbodenfliesen einer Art, -die eher in den Durchgang eines Bahnhofes oder in ein Waschhaus gehören. - -Es wäre nur zu wünschen, daß man die alte, letzterhaltene Glocke -wieder dem neuen Geläut tunlichst einfügte; die zwei neuen Glocken -ließen sich im Ton wohl meist der überlieferten so anpassen, daß für -die allgemeine Gemeinde ein befriedigender Gesamtklang erzielt würde. -Wird dieser Weg beschritten, so können künftige Geschlechter unsrer -Zeit wenigstens nicht den Vorwurf einer Glockenstürmerei machen, da -man schon hinsichtlich der Reformation nur zu oft die Bilderstürmerei -tadelt. Wir möchten nicht dazu beitragen, die wenigen uns überlieferten -kirchlichen Altertümer, die Werke unsrer Altvordern, ohne dringendste -Not noch zu vermindern. Hat die Schöpfung eines alten Meisters einen -kleinen Fehler, so kann dies noch kein Anlaß sein, sie ohne weiteres zu -beseitigen. Der Mangel gehört mit zur Eigenart; daß ehrwürdige Glocken -nicht immer genau im Ton getroffen sind, bildet eine Sonderheit in der -Geschichte der Glockenkunde, die wir auch für die Zukunft an erhaltenen -Werken nachweisen und belegen können müssen. Wollte man nur ganz -einwandfreie Glocken bewahren, so könnte man später meinen, die alten -Gießer hätten überhaupt keinen Fehler begangen. Hat eine Glocke zur -Zufriedenheit der Kirchfahrt trotz eines nunmehr entdeckten Mängelchens -schon jahrhundertelang ihren Dienst verrichtet, so kann sie auch -weiterhin ihre Stimme erschallen lassen. - - -Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – -Druck: Lehmannsche Buchdruckerei - -Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden. - - - - -Helft alle dazu! - - -Durch schwere Verluste sind wir arm geworden. Ein kostbares Gut ist uns -geblieben: - - die Heimat. - -Ihr Wert ruht in der =Ursprünglichkeit der Natur=. Sie ist die Mutter, -die uns nährt und trägt. =Wer diese beraubt, vernichtet ein wertvolles -Stück »deutscher Heimaterde«.= Darum wollen wir =uns und unsere Kinder -dazu erziehen=, daß wir =Scham empfinden bei jeder Schmälerung der -Naturwerte=. Dann werden alle die Zeichen menschlicher Unreife, als - - _gedankenloses Ausgraben von Pflanzen, - rücksichtsloses Abreißen von Zweigen, - naturschänderische Riesensträuße, - selbstanklagendes Stören des Naturfriedens_ - -von selbst verschwinden. - - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - - - -»Volkskundliche Bude« - -des - -Landesvereins Sächsisch. Heimatschutz - -Dresdner Vogelwiese - -Ecke Straße 6 und Straße 7 am Barthelschen Hippodrom - - -Glücksradverlosung kunstgewerblicher und volkskundlicher Gewinne aus -der Verkaufsstelle Sächsischer Volks- und Kleinkunst des Landesvereins -Sächsischer Heimatschutz - - -Wir bitten um regen Zuspruch, der Reingewinn hilfst uns im schweren -Kampfe ums Dasein unseres Vereins - - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24 - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. - - Die Jahreszahlen der Postmeilensäulen S. 91 ff wurden zur - besseren Lesbarkeit in eckige Klammern eingeschlossen. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 4-6 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you will have to check the laws of the country where - you are located before using this eBook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that: - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's website -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/old/69001-0.zip b/old/69001-0.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 777f901..0000000 --- a/old/69001-0.zip +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h.zip b/old/69001-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index 6ba969e..0000000 --- a/old/69001-h.zip +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/69001-h.htm b/old/69001-h/69001-h.htm deleted file mode 100644 index 7fb14a6..0000000 --- a/old/69001-h/69001-h.htm +++ /dev/null @@ -1,4310 +0,0 @@ -<!DOCTYPE html> -<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" xml:lang="de" lang="de"> -<head> - <meta charset="UTF-8" /> - <title> - Mitteilungen Band XI, Heft 4 bis 6, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz—A Project Gutenberg eBook - </title> - <link rel="icon" href="images/cover.jpg" type="image/x-cover" /> - <style> /* <![CDATA[ */ - -body { - margin-left: 10%; - margin-right: 10%; -} - - h1,h2,h3,h4,h5 { - text-align: center; /* all headings centered */ - clear: both; -} - -p { - margin-top: .51em; - text-align: justify; - margin-bottom: .49em; - text-indent: 1em; -} - -.h2 { - text-align: center; - text-indent: 0; - font-size: x-large; - font-weight: bold; -} - -.noind { - text-indent: 0; -} - -.bleft { - display: inline-block; - width: 50%; -} - -.bright { - display: inline-block; - width: 49%; - text-align: right; - margin-right: 0; -} - -.hang p { - margin-left: 2em; - text-indent: -1em; -} - -.p2 {margin-top: 2em;} - -hr { - width: 33%; - margin-top: 2em; - margin-bottom: 2em; - margin-left: 33.5%; - margin-right: 33.5%; - clear: both; -} - -hr.tb {width: 45%; margin-left: 27.5%; margin-right: 27.5%;} -hr.chap {width: 65%; margin-left: 17.5%; margin-right: 17.5%;} -@media print { hr.chap {display: none; visibility: hidden;} } - -div.chapter {page-break-before: always;} -h2.nobreak {page-break-before: avoid;} - -ul.nodeco {list-style-type: none;} -ul.nodeco li { - margin-left: 5em; - text-indent: -5em; -} - -table { - margin-left: auto; - margin-right: auto; -} - -.tdr {text-align: right;} -.tdc {text-align: center;} - -.pagenum { - position: absolute; - left: 92%; - font-size: smaller; - text-align: right; - font-style: normal; - font-weight: normal; - font-variant: normal; - text-indent: 0; -} /* page numbers */ - -.pm p { /* Liste Meilensäulen */ - position: relative; - min-height: 2.5em; - margin-left: 6em; - text-indent: -6em; -} - -.pmy { /* Jahreszahl Meilensäulen */ - position: absolute; - left: 0.5em; - top: 2.5ex; -} - -.fraction { - white-space: nowrap; -} - -.fraction sup { - vertical-align: top; - font-size: 50%; -} - -.fraction sub { - vertical-align: baseline; - font-size: 50%; -} - -.blockquot { - margin-left: 5%; - margin-right: 10%; -} - -.bt {border-top: 1px solid;} - -.center { - text-align: center; - text-indent: 0; -} - -.right {text-align: right;} - -.mright { - text-align: right; - margin-right: 2em; -} - -.smaller {font-size: smaller;} -.larger {font-size: larger;} -.s90 {font-size: 90%;} - -.u {text-decoration: underline;} - -.gesperrt { - font-style: italic; -} - -.antiqua { - font-family: sans-serif; - font-style: normal; -} - -.caption {font-size: 90%;} - -/* Images */ - -img { - max-width: 100%; - height: auto; -} -img.w100 {width: 100%;} - -.figcenter { - margin: auto; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; -} - -.figleft { - float: left; - clear: left; - margin-left: 0; - margin-bottom: 1em; - margin-top: 1em; - margin-right: 1em; - padding: 0; - text-align: center; - page-break-inside: avoid; - max-width: 100%; -} -/* comment out next line and uncomment the following one for floating figleft on ebookmaker output */ -.x-ebookmaker .figleft {float: none; text-align: center; margin-right: 0;} -/* .x-ebookmaker .figleft {float: left;} */ - -/* Footnotes */ -.footnotes {border: 1px dashed;} - -.footnote {margin-left: 10%; margin-right: 10%; font-size: 0.9em;} - -.footnote p { text-indent: 0; } - -.footnote .label { - position: absolute; - right: 84%; - text-align: right; - font-size: .7em; - vertical-align: top; -} - -.fnanchor { - vertical-align: top; - font-size: .6em; - text-decoration: none; -} - -/* Poetry */ -.poetry-container {text-align: center;} -.poetry {text-align: left; margin-left: 5%; margin-right: 5%;} -/* uncomment the next line for centered poetry in browsers */ -/* .poetry {display: inline-block;} */ -.poetry .stanza {margin: 1em auto;} -.poetry .verse {text-indent: -3em; padding-left: 3em;} -/* large inline blocks don't split well on paged devices */ -@media print { .poetry {display: block;} } -.x-ebookmaker .poetry {display: block;} - -/* Poetry indents */ -.poetry .indent0 {text-indent: -3em;} -.poetry .indent4 {text-indent: -1em;} - -/* Transcriber's notes */ -.transnote {background-color: #E6E6FA; - color: black; - font-size:smaller; - padding:0.5em; - margin-bottom:5em; -} - -.transnote p { - text-indent: 0; -} - -/* Illustration classes */ -.illowp100 {width: 100%;} -.illowp40 {width: 40%;} -.x-ebookmaker .illowp40 {width: 100%;} -.illowp50 {width: 50%;} -.x-ebookmaker .illowp50 {width: 100%;} -.illowp60 {width: 60%;} -.x-ebookmaker .illowp60 {width: 100%;} -.illowp90 {width: 90%;} -.x-ebookmaker .illowp90 {width: 100%;} - /* ]]> */ </style> -</head> -<body> -<div lang='en' xml:lang='en'> -<p style='text-align:center; font-size:1.2em; font-weight:bold'>The Project Gutenberg eBook of <span lang='de' xml:lang='de'>Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI, Heft 4-6</span>, by Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online -at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you -are not located in the United States, you will have to check the laws of the -country where you are located before using this eBook. -</div> -</div> - -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Title: <span lang='de' xml:lang='de'>Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI, Heft 4-6</span></p> -<p style='display:block; margin-left:2em; text-indent:0; margin-top:0; margin-bottom:1em;'><span lang='de' xml:lang='de'>Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege</span></p> -<p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em'>Editor: Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Release Date: September 17, 2022 [eBook #69001]</p> -<p style='display:block; text-indent:0; margin:1em 0'>Language: German</p> - <p style='display:block; margin-top:1em; margin-bottom:0; margin-left:2em; text-indent:-2em; text-align:left'>Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net</p> -<div style='margin-top:2em; margin-bottom:4em'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 4-6</span> ***</div> - -<div class="transnote"> -<p class="h2">Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Das Original ist in Fraktur gesetzt. -Im Original gesperrter Text ist <em class="gesperrt">so ausgezeichnet</em>. -Im Original in Antiqua gesetzter Text ist <em class="antiqua">so markiert</em>. -</p> - -<p>Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich -am <a href="#tnextra">Ende des Buches</a>.</p> -</div> - -<div class="figcenter illowp60" id="cover"> - <img class="w100" src="images/cover.jpg" alt="Cover" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Landesverein Sächsischer -Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden</p> - -<h1>Mitteilungen<br /> -Heft<br /> -4 bis 6</h1> - -<p class="center">Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege</p> - -<p class="center">Band XI</p> - -<div class="blockquot"> -<p class="noind"><em class="gesperrt">Inhalt</em>: -<a href="#Die_kursaechsischen">Die kursächsischen Postmeilensäulen beim 200jährigen Bestehen</a> – -<a href="#Heimatschutzgedanken_in_Gottfried_Kellers_Dichtungen">Heimatschutzgedanken in Gottfried Kellers Dichtungen</a> – -<a href="#Die_Kirche_zu_den_Vierzehn_Nothelfern">Die Kirche zu den »Vierzehn Nothelfern« auf der »Kahlenhöhe« bei Reichstädt</a> – -<a href="#Um_Juchhoeh_und_Windberg">Um Juchhöh und Windberg</a> – -<a href="#Wanderbilder_aus_den_Grenzgebieten_der_Oberlausitz">Wanderbilder aus den Grenzgebieten der Oberlausitz und Nordböhmens</a> – -<a href="#Volkslieder_der_Saechsischen_Oberlausitz">Volkslieder der sächsischen Oberlausitz</a> – -<a href="#Nochmals_Pflanzt_Nussbaeume">Nochmals »Pflanzt Nußbäume«</a> – -<a href="#UEber_das_Vorkommen_der_Weidenmeise">Über das Vorkommen der Weidenmeise in unserm Vaterlande</a> – -<a href="#Die_Berankung_von_Gebaeudeschauseiten">Die Berankung von Gebäudeschauseiten</a> – -<a href="#Zur_Geschichte_des_Heimatschutzes">Zur Geschichte des Heimatschutzes</a> – -<a href="#Zur_Einschmelzungsfrage_alter_Kirchenglocken">Zur Einschmelzungsfrage alter Kirchenglocken</a></p> -</div> - -<p class="center">Einzelpreis dieses Heftes M. 30.–, Bezugspreis für einen Band (aus 12 Nummern -bestehend) M. 60.–, für Behörden und Büchereien M. 50.–. Mitglieder erhalten -die Mitteilungen kostenlos, <em class="gesperrt"><span class="gesperrt u">Mindest</span></em>jahresbeitrag M. 50.–, freiwillige Einschätzung -erbeten</p> - -<p class="center">Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24</p> - -<div class="smaller p2"> -<div class="bleft"> -Postscheckkonto: Leipzig 13 987, Dresden 15 835 -</div> -<div class="bright right"> -Stadtgirokasse Dresden 610 -</div> -</div> -<p class="center">Dresden 1922 -</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> -</div> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Was_kosten_heute_die_Heimatschutzmitteilungen">Was kosten heute die Heimatschutzmitteilungen? -Jährlicher Gesamtaufwand 900 000 M.</h2> -</div> - -<p>Täglich liest man, daß Zeitungen und Zeitschriften infolge der hohen Herstellungskosten -eingehen, die sich weder durch Bezugsgebühren noch durch Ankündigungen -decken lassen. Wenn der Landesverein Sächsischer Heimatschutz bisher seine -»Mitteilungen« im Friedensumfange mit Friedensausstattung herausgeben konnte, -so verdankt er dies der Opferwilligkeit seiner Mitglieder, die ihm dies durch hohe -Beiträge ermöglichten.</p> - -<p>In den letzten Wochen sind die Herstellungskosten für unsere »Mitteilungen« -um 150 bis 200 v. H. gestiegen, so daß wir in banger Sorge sind, ob es möglich -ist, sie weiter erscheinen zu lassen.</p> - -<p>Es dürfte unseren Mitgliedern und Freunden interessant sein, zu erfahren, was -heute <b>ein Heft</b> der »Mitteilungen« in 22 000 Auflage kostet:</p> - -<table> -<tr> -<td>Textpapier</td><td class="tdr">75 000</td><td class="tdc">M.</td> -</tr> -<tr> -<td>Umschlagpapier</td><td class="tdr">5 000</td><td class="tdc">"</td> -</tr> -<tr> -<td>Druckstöcke</td><td class="tdr">40 000</td><td class="tdc">"</td> -</tr> -<tr> -<td>Druckkosten</td><td class="tdr">50 000</td><td class="tdc">"</td> -</tr> -<tr> -<td>Briefumschläge</td><td class="tdr">15 000</td><td class="tdc">"</td> -</tr> -<tr> -<td>Postgelder</td><td class="tdr">40 000</td><td class="tdc">"</td> -</tr> -<tr><td></td><td colspan="2" class="bt"></td> -</tr> -<tr> -<td></td><td class="tdr">225 000</td><td class="tdc">M.</td> -</tr> -</table> - -<p>In diesen Zahlen sind noch nicht inbegriffen die Honorare und unser Geschäftsaufwand.</p> - -<p>Wir geben jährlich vier Hefte heraus,</p> - -<p class="center"> -<b>so daß uns diese vier Hefte jährlich 900 000 M. kosten.</b> -</p> - -<p class="noind">Das ist der heutige Preis, in acht Tagen ist er wieder gestiegen, in vierzehn Tagen -weiter und schwindelnde Zahlen werden wir am Ende des Jahres sehen.</p> - -<p>Nicht verschweigen möchten wir, daß eine sächsische Firma, die nicht genannt sein -will, uns zu diesen Kosten unserer Veröffentlichungen jährlich 100 000 M. in dankenswerter -Weise stiftet, so daß sich der jährliche Gesamtaufwand auf 800 000 M. erniedrigt.</p> - -<p>Aus diesen Zahlen bitten wir unsere geehrten Mitglieder und Freunde zu ersehen, -welche schweren Kämpfe ums Dasein unsere Bewegung führt. Wenn wir bis heute -durchkamen, so war es der zähe, unbeugsame Wille: »Durchhalten« und das tiefsinnige -stolze Wort »Dennoch«.</p> - -<p>Wie lange es noch gehen wird, wissen wir nicht. Müssen wir die Herausgabe -unserer Veröffentlichungen einstellen, dann ist unser Verein eine Kirche ohne Glocke. -Wir werden weiter arbeiten und weiter kämpfen, aber wir können von den Schönheiten -unserer Heimat nichts mehr berichten, können sie nicht mehr in Bildern zeigen, -weil uns das Organ fehlt.</p> - -<p>In schwerer Zeit, in düsteren Stunden richten wir an unsere Mitglieder die -aufrichtige und herzliche Bitte,</p> - -<p class="center"> -<b>uns einen in ihr Ermessen gestellten Sonderbeitrag zur Erhaltung der Heimatschutzmitteilungen</b> -<b>freundlichst zu gewähren</b>,<br /> -</p> - -<p class="noind">der unabhängig von den Mitgliedsbeiträgen gezahlt und verbucht werden soll. Wir -hoffen, daß diese Bitte nicht ungehört verhallen wird. Gebe jeder nach seiner wirtschaftlichen -Lage. Wenn uns von seiten der Großindustrie reiche Unterstützungen zuteil würden, -ähnlich dem hier angeführten Fall, dann wird es uns vielleicht gelingen, die sächsischen -Heimatschutzmitteilungen, die seit 1908 erscheinen und viele tausende unserer Mitglieder -und Freunde erfreuten, weiter zu erhalten zum Besten unseres Heimatlandes!</p> - -<p class="center"> -<em class="gesperrt">Dresden</em>, im Juni 1922 -</p> -<p class="center larger"> -Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> -<div class="bleft"> -<em class="antiqua">Dr. ing. e. h.</em> Karl Schmidt, Geheimer Baurat -</div> -<div class="bright"> -O. Seyffert, Hofrat, Professor -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_69">[69]</span></p> - -<div class="bleft">Band XI, Heft 4/6</div> -<div class="bright">1922</div> - -<div class="figcenter illowp100" id="illu-003"> - <img class="w100" src="images/illu-003.jpg" alt="Titelgraphik" /> - <div class="caption"><b>Landesverein Sächsischer<br /> -Heimatschutz<br /> -Dresden</b></div> -</div> -</div> - -<p class="center">Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern herausgegeben</p> - -<p class="center">Abgeschlossen am 1. März 1922</p> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_kursaechsischen">Die kursächsischen -Postmeilensäulen beim 200jährigen Bestehen</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="antiqua">Dr.</em> <em class="gesperrt">Kuhfahl</em>, Dresden</p> - -<h3>I. Verkehrszustände um 1700</h3> - -<p>Der plötzliche Aufschwung, den die mechanischen Hilfsmittel für Personenverkehr -und Warenbeförderung sowie für den Gedankenaustausch während der -letzten fünfzig Jahre durch allerlei technische Entdeckungen erfahren haben, läßt -uns heutzutage schon fast vergessen, daß vordem gerade im Verkehrswesen die -denkbar primitivsten Verhältnisse herrschten. Abgesehen von der Seeschiffahrt war -vor dem Ausbau des Eisenbahnnetzes von einer wirklichen Verkehrsorganisation, -die dem zeitweilig recht hohen Kulturstand auf anderen Gebieten entsprochen hätte, -nirgends die Rede, obwohl eine zeitgemäße Einführung von Straßenbau und -Pferdepost natürlich längst in weitestem Umfang möglich gewesen wäre.</p> - -<p>In Deutschland fehlten infolge der kleinstaatlichen Zersplitterung die künstlichen -Wasserwege und großen Straßenzüge fast vollständig, und noch über Goethes Zeiten -hinaus wurden die Freuden des Reisens zumeist durch Unbequemlichkeiten und -Entbehrungen, Ärger und Überteuerung mehr als aufgehoben. Den wenigsten -Zeitgenossen kam freilich zum Bewußtsein, daß dies eigentlich auch anders sein<span class="pagenum" id="Seite_70">[70]</span> -könnte. Gegenüber der allgemeinen Teilnahmlosigkeit vermochte also nur eine -besonders weitreichende allmächtige Faust, wie sie Napoleon besaß, den Ausbau -größerer Chausseen zu erzwingen.</p> - -<p>Wer heute durch einen kurzen Ruf des Haustelephons seinen Kraftwagen -binnen wenigen Minuten vorfahren läßt und dann Hunderte von Kilometern auf -glatten Straßen im bequemen Polstersitz rasch und sicher durcheilt, oder wer – -in bescheidenerer Weise – die Massenbeförderungsmittel von Eisenbahnen und -Flußdampfern benutzt, vermag sich wohl kaum noch eine wirkliche Vorstellung -davon zu machen, welch ein Entschluß oder welche Vorbereitung und Ausrüstung -noch in Großvaters Zeiten zu einer einzigen solchen Fernfahrt gehört hätte. In -weit höherem Maße gilt das natürlich für die früheren Jahrhunderte, in denen -wirkliche Kunststraßen ein unbekannter Begriff waren.</p> - -<p>Alle älteren Reisebeschreibungen gehen entweder mit stillschweigendem Fatalismus -über das Unvermeidliche ganz hinweg oder nehmen gerade damit einen -breiteren Raum ein, als dem Zweck einer Vergnügungsfahrt eigentlich entsprechen -sollte. Körperliche Beschwerden durch harten Sitz und schlechtgefederte Karossen, -durch holprige Wege und endlose Fahrdauer, durch Kälte und Wind, Staub und -Hitze verknüpften sich mit dem tausendfachen Ärger über unpünktliche, ungeschickte, -betrunkene und grobe Fuhrknechte, über Erpressungs- und Prellversuche, über -Paßkontrolle und Wegegelder. Vielfach kam auch noch die Angst vor der Unsicherheit -des platten Landes und das geringe Verständnis hinzu, dem der Fremde gegenüber -der Wichtigtuerei der Ortsbehörden zumeist begegnete.</p> - -<p>Der Reiseverkehr hielt sich deshalb selbst bei den wohlhabenden Kreisen in -allerbescheidensten Grenzen. An solchen Stellen jedoch, wo der Verkehr über Land -eine wirtschaftliche Lebensnotwendigkeit war, mußten die Besserungsmaßregeln -mit der Entwicklung des Verkehrs trotz alledem Schritt zu halten suchen. Es nimmt -infolgedessen nicht wunder, daß der Leipziger Rat zur Förderung des Meß- und -Handelsverkehrs weit über seine Kompetenz als Stadtverwaltungsbehörde hinaus -zu allererst und in weitschauendster Weise den Gedanken eines geregelten Postfuhrwesens -in die Tat umsetzte. Unterstützt von der Großhandelswelt ganz Deutschlands -gelang es schon am Ende des vierzehnten Jahrhunderts für Briefbeförderung ziemlich -geregelte Reit- und Läuferposten bis nach Hamburg, Augsburg, Nürnberg, Wien, -Cölln (Berlin) und anderen Handelsplätzen einzuführen. Sehr bald wurde der -Dienst auch über die Reichsgrenzen, besonders nach Italien und den Niederlanden -ausgebaut, so daß vor dem Beginn der dreißigjährigen Kriegswirren bereits -ein mustergültiger Botendienst in Leipzig zusammenlief, von dem viele Teile des -deutschen Reiches gleichfalls Vorteile bezogen.</p> - -<p>Die Beziehungen, die zwischen den unzähligen großen und kleinen Fürstenhöfen -bestanden, lenkten die Aufmerksamkeit intelligenterer Machthaber sehr bald -auf die neue Einrichtung. Im Kurfürstentum Sachsen verdichtete sich dieses -Interesse sogar so weit, daß seit 1500 Versuche zum Betrieb einer eigenen Hofpost -gemacht und statt dieses verunglückten Unternehmens im Jahre 1613 die mustergültige -Leipziger Ratspost mit einem kurfürstlichen Postmeister besetzt, d. h. nach -heutigem Sprachgebrauch kurzerhand verstaatlicht wurde.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_71">[71]</span></p> - -<p>Die andauernde Geldverlegenheit der Fürstenhöfe brachte es dann natürlich -auch sehr bald mit sich, daß das Postregal, genau wie jeder andere Staatsbesitz, -allerwärts verpfändet oder verpachtet wurde. Die italienische Familie der Taxis -aus Bergamo machte sich dies seit dem sechzehnten Jahrhundert zunutze und brachte -nach und nach den größten Teil des europäischen Brief- und Fahrpostverkehrs so -sicher in ihre Hand, daß ihre allerletzten Privilegien wohl erst durch die Revolution -von 1919 beseitigt worden sein dürften. Das Haus Thurn und Taxis verdankt -seinen Vorfahren neben reichen Besitztümern in allen Ländern die Erhebung in -Adels-, Grafen- und Fürstenstand, es hat sich aber auch den Dank Europas verdient, -denn ohne seine zielbewußte private Geschäftsgewandheit wären Verkehrsbeziehungen -zwischen den machtlosen, widerstrebenden Staatsgebilden von damals kaum möglich -gewesen. Freilich mußten auch diese Bemühungen in einer gewissen Halbheit -stecken bleiben, solange der Ausbau großer Verbindungswege noch nicht zu den -Aufgaben des Kulturstaates gerechnet, sondern der Einzelsorge anliegender Gemeinden -überlassen wurde.</p> - -<h3>II. Pläne Augusts des Starken</h3> - -<p>Im Kurfürstentum Sachsen fanden die Anläufe zum Hof- und Staatspostbetrieb, -die auf 1500 zurückgehen, eine außergewöhnliche Förderung durch August -den Starken (1694–1733).</p> - -<p>Trotz des geschichtlichen Zerrbildes, das der Film neuerdings von ihm für -den Sensationsbedarf des Kinos zusammengestückelt hat, ist diesem glanzvollen und -ideenreichen Fürsten eine ganze Anzahl großzügiger Pläne zu danken, die er zumeist -ganz persönlich mit sicherem Blick aufgriff und mit zielbewußter Energie verfolgte.</p> - -<p>Sein schönheitsliebender Sinn umkleidete dabei in eigenartiger und höchstpersönlicher -Weise die Erscheinungen des alltäglichen Lebens mit künstlerischen -Formen. Weit über die heutigen grünweißen Grenzpfähle hinaus finden wir -deshalb noch jetzt neben den monumentalen Schauplätzen seiner prunkvollen Hofhaltung, -neben den beredten Zeugnissen seiner Liebe und seines unvertilglichen -Hasses, auch eine ganze Anzahl Schöpfungen, die fast aus dem Geiste neuzeitlicher -gemeinnütziger Ideen geboren erscheinen.</p> - -<p>Das Postwesen, dessen Nutzen und Bedeutung er bei seinen verschiedenen -Besuchen auf der Leipziger Messe selbst kennen gelernt hatte und für den regen -Verkehr mit befreundeten Höfen selber andauernd in Anspruch nahm, gab ihm -Anlaß zu einer Reihe von Staatserlassen, denen seine Landeskinder zwar samt -und sonders mit sorgenvollem Kopfschütteln und ehrerbietigstem Protest begegneten, -die ihre Probe aber doch vor dem Urteil der Geschichte glänzend bestanden haben. -Trotz des Heerestrosses und der goldenen Prunkkarossen, die seinen Reisezug bildeten, -durchschaute er mit scharfem Blick die ganze Jämmerlichkeit des Verkehres von -Stadt zu Stadt. In einer Zeit, die weder Straßen noch Wegweiser noch Landkarten -kannte, wird auch die mündliche Auskunft durch das Landvolk im allgemeinen -nicht weit über die eigene Flur hinausgereicht haben. Neben Förderung -des Straßenbaues, Beaufsichtigung des Vorspanndienstes und Festlegung der Posttaxen -schuf er deshalb den Plan, nach dem Vorbild römischer Cäsaren, in sämtlichen<span class="pagenum" id="Seite_72">[72]</span> -Städten seiner Kurlande und vor all ihren Toren <em class="gesperrt">wappengeschmückte Säulen</em> -zu erbauen, auf denen die Wegrichtung und Entfernung der Hauptorte in Meilen oder -Wegstunden einzuzeichnen wären. An den Poststraßen selbst sollten sodann von -Viertel- zu Viertelmeile kleinere Merkzeichen aufgestellt werden, die über das nächste -Ziel Auskunft gaben und die Entfernungen kenntlich machten.</p> - -<p>Die künstlerischen Entwürfe zu diesen Distanzsäulen und Meilenzeichen -stammten von der Hand des schönheitsliebenden Fürsten selber. Die Vorliebe für -den schlanken, nadelartigen Obelisken, den wir bei seinen Jagdzeichen und Marksteinen -in kleinem Ausmaß z. B. noch heute als Bezeichnung von Flußübergängen -oder in Riesengröße als Richtpunkte seiner Zeithainer Truppenschau in der Landschaft -antreffen, zeigt sich in mehrfacher Wiederholung auch bei der Handzeichnung -der Poststeine.</p> - -<div class="figcenter illowp90" id="illu-006"> - <img class="w100" src="images/illu-006.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Handzeichnung aus Schramm</b></div> -</div> - -<p>Die Distanzsäulen trugen auf quadratischer Grundlage einen mehrfach profilierten -Sockel und darüber einen abgestumpften Obelisken, dessen Oberteil mit -dem plastisch ausgehauenen kursächsischen und königlich-polnischen Wappen versehen -war. Neben den schwarzgetönten Inschriften half farbiger Anstrich der -Wappenschilder und Vergoldung der darüber schwebenden Krone das künstlerische -Bild vervollständigen.</p> - -<p>Zur Bezeichnung der ganzen Meile sollte jeweilig ein schlanker Obelisk auf -einfacherem Unterbau, für die halbe Meile eine hermenartige Säule von eigenartiger -Gestalt und für die Viertelmeile eine breite profilierte Steinplatte gesetzt werden.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_73">[73]</span></p> - -<h3>III. Die Aufstellung der Postmeilenzeichen</h3> - -<p>Da das Kurfürstentum Sachsen vor zweihundert Jahren von der Saale bis -in die Odergegend und vom Erzgebirge bis vor die Tore Berlins reichte, so mußte -die <em class="gesperrt">praktische Durchführung</em> des Planes von vornherein mit erheblichen -Schwierigkeiten rechnen. Insbesondere war das weitverzweigte Gebiet nicht von -einem Steinbruch und nicht von einer Steinmetzwerkstatt aus mit gleichartigen -Stücken zu versorgen, denn für solche Lieferungen fehlte ja gerade die Verkehrsmöglichkeit, -der die neue Postschöpfung dienen sollte.</p> - -<div class="figcenter illowp90" id="illu-007"> - <img class="w100" src="images/illu-007.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>Handschriftproben von Zürner aus den Akten Freyberg</b></div> -</div> - -<p>Zur Wahrung der nötigen Einheitlichkeit und zur Durchführung im einzelnen -ließ der Kurfürst seine bildlichen Entwürfe in Kupferstich vervielfältigen (vgl. <a href="#illu-006">Abb. 1</a>) -und die nötigen Anweisungen für den Aufbau in Gestalt einer »Mäurerinstruktion« -und anderer Befehle ergehen. Gleichwohl war er sich von vornherein bewußt, daß mit -solchem Schreibwerk allein nichts auszurichten sein würde. Er suchte deshalb -sofort einen organisatorisch begabten Kopf, der ringsum im Lande die erforderlichen -Maßnahmen persönlich treffen sollte, und er fand ihn in der Person des Pfarrers -Friedrich Adam Zürner von Skassa bei Großenhain.</p> - -<p>Dieser unermüdliche, praktische und fleißige Mann hat nicht nur jahrzehntelang -alle Landesteile für Vermessungszwecke, Besichtigungen oder Verhandlungen<span class="pagenum" id="Seite_74">[74]</span> -selbst bereist und nahezu jeden Bauplatz der Postsäulen selbst ausgewählt, sondern -obendrein die hunderte von Befehlen, Berichten und Erlassen eigenhändig niedergeschrieben. -Sogar die Entwürfe für die Entfernungstabellen der Distanzsäulen -stammen aus seiner eigenen Feder (vgl. <a href="#illu-007">Abb. 2</a>).</p> - -<p>Die Aktenbündel, die er über jede einzelne Stadt anlegen ließ, geben uns -noch heute ein getreues Bild dieses opferfreudigen Schaffens. Wir finden dreißig -Faszikel im Dresdner Hauptstaatsarchiv<a id="FNAnker_1" href="#Fussnote_1" class="fnanchor">[1]</a>, während diejenigen Bände, die aus -abgetretenen Gebietsteilen der Provinzen Sachsen, Schlesien und Mark Brandenburg -stammen, nach 1806 an die Archive von Berlin und Magdeburg abgegeben -worden sind.</p> - -<p>Die ganze Riesenhaftigkeit der Aufgabe, der dieser einzelne Mann unter -werktätiger Beihilfe seines Fürsten mehr als zwanzig Jahre des Lebens gewidmet -hat, wird erst dann in vollem Umfang ersichtlich, wenn man jene Zeitverhältnisse -in ihrem Urzustande bedenkt.</p> - -<p>Vom Fernverkehr für Handel oder höfische Zwecke gab es nur spärliche -Anfänge. An eine Einteilung der Postfahrten und an geordnetes Vorspannwesen -war nicht zu denken. Der Straßenbau von Ort zu Ort beruhte zumeist auf der -kümmerlichen Gelegenheitsarbeit erpreßter bäuerlicher Frohnden. Landkarten, -Stadtpläne, Vermessungsergebnisse, Entfernungstabellen oder ähnliche schriftliche -Vorarbeiten, die wenigstens bei der allgemeinen Verteilung und Beschriftung der -Postsäulen als Unterlage hätten dienen können, fehlten vollständig. Das ganze -Werk mußte also überall von Zürner selbst mit den allereinfachsten Feststellungen, -Vermessungen und Besichtigungsarbeiten begonnen werden.</p> - -<p>Weiterhin war die Beschaffung von vielen Hunderten kunstvoll ausgeführter -Steinsäulen durchaus keine einfache und vor allen Dingen keine billige Sache. Die -wenigsten Postsäulen durften aus den am Orte gefundenen Gestein von einem -beliebigen Handwerker gehauen werden. Der kurfürstliche Landes- und Grenzkommissarius -Zürner, der unausgesetzt im Lande umherreiste, hatte vielmehr Auftrag, -sich allerwärts über die Beschaffenheit des Gesteins zu erkundigen, zuverlässigen -Steinmetzen nach Möglichkeit eine ganze Anzahl der Säulen in Auftrag zu geben -und alle Maßnahmen für größtmöglichste Haltbarkeit, modellgerechte Ausführung und -richtige Aufstellung zu treffen. Trotzdem hat das heranwachsende Werk natürlich -mancherlei Unterschiede in der Bildhauerarbeit sowie grobe Mängel bei der Gründung -oder Auswahl der Steine gezeigt, so daß Zürner viele Revisionsreisen unternehmen -und umgefallene Stücke wieder aufsetzen lassen mußte, während nach seinem Tode -der Verfall ziemlich schnell um sich griff. An Abweichungen von der Bauvorschrift -treffen wir beispielsweise in Delitzsch einen Distanzobelisken, der in seiner Überschlankheit -um mindestens zwei Ellen höher sein dürfte, als die Werkzeichnung verlangt -(vgl. <a href="#illu-010">Abb. 3</a>); auch der Rochlitzer Obelisk zeigt nicht das vorgeschriebene sächsisch-polnische -Doppelwappen, sondern nur ein gekröntes Schild mit der sächsischen Raute.</p> - -<p>Der geldliche Aufwand, den eine so prunkvolle, arbeitsreiche Idee zu ihrer -Durchführung erfordert, erscheint selbst in damaliger Zeit nichts weniger als gering.<span class="pagenum" id="Seite_75">[75]</span> -Für einen Souverän, wie August der Starke, lagen die Dinge in finanzieller -Beziehung aber trotzdem sehr einfach. Seine Kassen waren leer. Die Kosten für -die »allergnädigst verliehenen Distanzsäulen« mußte also jede Stadt aus ihrem Säckel -bestreiten und für die Meilensäulen am Wege mußten die anliegenden Gemeinden -und Grundherren Sorge tragen.</p> - -<p>Die Stürme des Dreißigjährigen Krieges hatten nun gerade den sächsischen -Landen, die ursprünglich zu den wohlhabendsten gehörten, auch die schwersten -Wunden geschlagen. Durch Heeresfolge, Einlager, Hunger, Brand und Seuche -war Stadt und Land entvölkert. Der Reichtum erzgebirgischen Silbersegens und -mannigfachen Hausfleißes war dahin. Neue Einnahmen blieben aus.</p> - -<p>Umgekehrt waren die durch die Postzeichen auferlegten Lasten ursprünglich -recht hoch bemessen, denn ohne Rücksicht auf die Größe der Städte oder den Umfang -ihres Verkehrs hatte Zürner anfangs durchaus nach der Idee des Kurfürsten -verfahren und für jeden Stadtausgang eine große Säule bestimmt. Dadurch wurden -kleine und große Orte ganz ungleich belastet, denn z. B. hatte die Residenz Dresden -und der reiche Handelssitz Leipzig nur vier Tore und die Städtchen Grimma und -Marienberg ihrer fünf. Die Preise der Distanzsäulen schwanken nach den aktenmäßigen -Rechnungen zwischen 12 und 80 Talern für das Stück, wobei neben der -Steinmetzarbeit auch die Höhe der notwendigen Beförderungskosten ins Gewicht fiel. -Wetterfeste Hausteine in diesen stattlichen Größen waren oft sehr weit herzuholen -und oftmals weigerten sich die Bauern überhaupt, ihre Pferde für solche Riesenlasten -herzugeben. Bei der Beschwerlichkeit der Landfuhren wählte der Rat von -Hayn (Großenhain) für seine drei Säulen deshalb den billigeren Wasserweg von -Pirna bis Merschwitz.</p> - -<p>Da der Stadtsäckel in damaliger Zeit auf solche außergewöhnliche Ausgaben -nirgends eingerichtet war, blieb nichts übrig, wie die Beträge als Kopfsteuer auf -die Bewohner umzulegen. Erklärlicherweise mag dann allerdings die Begeisterung -der gehorsamen Untertanen für kostspielige fürstliche Launen nicht gerade groß -gewesen sein und so stoßen wir in den Akten nicht nur allerwärts auf allgemeinen -Widerstand, sondern vielfach auf Mahnerlasse, wonach »Unkosten halber eine -Repartition unter der Bürgerschaft gemacht, auch die Widerspenstigen zu Erlegung -des ihnen zugeteilten Quanti behörig und da nötig durch gebührende Zwangsmittel -angehalten werden mögen.«</p> - -<p>Angesichts dieser Finanznöte beginnen all die vielen »Acta die allergnädigst -anbefohlene Anschaffung und Aufrichtung derer steinern Postsäulen« mit einer -beweglichen Klage über die Armut der Bürger und die Erschöpfung des gemeinen -Fiskus. Die Stadt bäte deshalb, statt mehrerer Distanzsäulen vor ihren verschiedenen -Toren nur eine einzige auf dem Markte setzen zu dürfen. Näher hätte ja wohl -der Ausweg gelegen, daß der Kurfürst den Bau auf Staatskosten bewilligen möge, -aber diesen Vorschlag hat nur die Stadt Freiberg für ihre fünf Torsäulen gewagt. -Tatsächlich wurde ihrerseits im Juni 1723 auch durchgesetzt, daß »die Unkosten so -auf diese Säulen erfordert werden, ungeachtet der gemeine Fiskus sehr erschöpft -ist, dennoch vorigo noch daraus entnommen und die Bürger und Einwohner mit -keiner Anlage beschwert werden.« Die dutzendweise wiederkehrenden Bitten um<span class="pagenum" id="Seite_76">[76]</span> -Beschränkung des Aufwands und um Bewilligung einer Marktsäule lassen die -Vermutung aufkommen, daß Zürner hier vielleicht selber den guten Geist der Städte -gespielt und ihnen den Vermittelungsvorschlag, den der Kurfürst in jedem Einzelfall -selbst entscheiden wollte, etwa nahe gelegt hat. Nur wenige der allerkleinsten -Stadtgemeinden, wie z. B. Rabenau, das damals weder Post- noch Straßenverbindung -hatte, dürften ganz um die neue landesherrliche Verfügung herumgekommen sein.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-010"> - <img class="w100" src="images/illu-010.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Überschlanke Distanzsäule in Delitzsch</b></div> -</div> - -<p>Bereits die Jahreszahlen an den erhaltenen Postzeichen, die von 1722–1735 -schwanken, deuten daraufhin, daß die Aufstellung der Postzeichen vielfach recht -lange verschleppt worden ist. Der ungeduldige Kurfürst, der seine Lieblingsideen -gern umgehend ausgeführt sah, erließ geharnischte Befehle im allgemeinen und -Einzelverfügungen in Menge, aber allzuviel fruchteten solche papiernen Ergüsse<span class="pagenum" id="Seite_77">[77]</span> -damals nicht und ohne die Unermüdlichkeit des Kommissarius Zürner und dessen -persönliche Revisionsfahrten wären wahrscheinlich noch weit mehr Säulen unausgeführt -geblieben.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-011"> - <img class="w100" src="images/illu-011.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Ganze Meilensäule -am ursprünglichen Ort bei Köttewitz und Dohna</b></div> -</div> - -<p>Die jahrelangen Verzögerungen, die dann trotzdem eingetreten sind, lassen sich -vielfach an der Hand der Akten durch wortreiche Entschuldigungsschreiben der -Bürgermeister oder durch Streik von Fuhrleuten und »Meurern« erklären, die für -die vom Kurfürsten festgesetzten Löhne nicht arbeiten wollten. Mit der Ablenkung, -die der Kurfürst durch seine außenpolitischen Aufgaben erlebte, mag nach und nach<span class="pagenum" id="Seite_78">[78]</span> -wohl der ganze Plan bei ihm etwas in Vergessenheit geraten und auch von dem -alternden Landeskommissarius Zürner nicht mehr mit der gewohnten Energie -betrieben worden sein. Die Akten enden vielfach ohne bestimmten Abschluß, und -die großen Lücken, die draußen an den Straßen tatsächlich verblieben sind, deuten -darauf hin, daß die Ausführung des großangelegten Werkes gar nicht vollständig -zu Ende gebracht, sondern nach und nach ins Stocken geraten ist.</p> - -<h3>IV. Der heutige Bestand an Distanzsäulen und Meilenzeichen</h3> - -<p>Von den weitreichenden Plänen des prunkliebenden Fürsten und dem mühevollen -Lebenswerk seines getreuen Landesgeographen sind nur höchst kümmerliche -Reste auf unsere Zeiten gekommen. Allerdings deuten die wiederholten kurfürstlichen -Mahnerlasse und die endlosen persönlichen Bemühungen Friedrich Zürners daraufhin, -daß manche der anbefohlenen Säulen sowohl in den Städten wie an den -Straßen unausgeführt geblieben ist. Genau feststellen läßt sich dies allerdings nicht, -denn die vorhandenen Akten, deren Zahl auch gar nicht vollständig ist, geben über -die wirkliche Aufstellung nur ganz vereinzelt durch eingeheftete Kostenrechnungen -einen Anhalt; andere zeitgenössische Beweisstücke, wie Karten, Pläne und Bilder, -auf denen die vorhandenen Säulen eingezeichnet sein könnten, bleiben erst recht -eine Seltenheit. In jedem Falle müssen wir aber als sicher annehmen, daß das -System nicht einmal zu Lebzeiten August des Starken in geplanter Weise ausgebaut -gewesen ist, daß es schon kurz nach der Errichtung vielfachen Zerstörungen ausgesetzt -war und dann dem baldigen Vergessen anheimfiel. In der Aktensammlung -zu Dresden finden sich zwei Hefte »Gegen Vergreifung und Bosheit so darwider -geübt werden« und »Für Strafe, so sich dran vergreifen oder selbige deformirt«. -Auch Zürner hat vielfach über Einzelfälle von Beschädigung zu berichten und -besondere Mühe mit der Ausbesserung gehabt.</p> - -<p>Zum natürlichen Verfall der kleinen Steinmäler durch Witterungseinflüsse oder -mangelhafte Bauart gesellte sich die bewußte Zerstörung durch menschliche Bosheit -oder Unverstand der Behörden. Über beträchtliche Lücken lesen wir schon in einer -gedruckten Festschrift, die nach hundert Jahren erschien. Ein begeisterter Verehrer -der alten Denkzeichen, <em class="antiqua">Dr.</em> F. L. Becher in Chemnitz, widmet ihnen 1821 zur -hundertjährigen Jubelfeier einen schwulstigen, phrasenreichen Nachruf und beklagt -bereits damals, daß viele von ihnen umgefallen oder zerbrochen, eingesunken oder -verwachsen seien.</p> - -<p>Der Oberreitsche Landesatlas, der um die Wende des achtzehnten und neunzehnten -Jahrhunderts als Ergebnis der ersten wirklichen Landesvermessung vom -Obersten Oberreit und seinen Gehilfen bearbeitet wurde, verzeichnet die Meilenzeichen -nur an einigen Straßen und erwähnt die Distanzsäulen der Städte überhaupt nicht. -Infolgedessen trägt auch diese nachträgliche Beurkundung nur wenig zur Klärung -des anfänglichen Zustandes bei.</p> - -<p>Dagegen lassen die dreißig Aktenhefte des Dresdner Staatsarchivs ohne weiteres -erkennen, daß der Kurfürst selbst bereits seine ursprünglichen Absichten stark -zurückschrauben mußte. Die Besetzung aller Straßentore mit den großen Distanzsäulen<span class="pagenum" id="Seite_79">[79]</span> -war nämlich nur in wenigen wohlhabenden Städten wie Leipzig, Chemnitz, -Freiberg und Dresden zu erzielen, während alle kleineren Orte sich günstigstenfalls -zur Aufstellung einer Marktsäule bereit finden ließen. Selbst darüber zogen sich -aber die Verhandlungen in die Länge, und jahrzehntelange Verzögerungen waren -die Folge.</p> - -<p>Von kleineren Städten dürften bloß sehr wenige mehr als eine Distanzsäule -angeschafft haben. Beispielsweise finden wir in der Stadt Geithain noch heute zwei -Straßenzüge durch Distanzsäulen geschmückt. Ebenso sind die Parkeinfahrten der -Schlösser Lichtenwalde bei Chemnitz und Moritzburg bei Dresden von solchen -Obeliskenpaaren flankiert. Da die Akten über diese Stücke ebenso über Penig und -andere Städte keinen Aufschluß geben, so bietet auch die Zählung der Stadtsäulen -nach diesen urkundlichen Unterlagen keine sichere Gewähr. Nur durch eine oberflächliche -Schätzung könnte man annehmen, daß neben den achtunddreißig Distanzsäulen, -die heute laut des beigefügten Verzeichnisses <em class="antiqua">A</em> noch auf sächsischem Staatsgebiet -stehen, dereinst noch mindestens fünfzig bis sechzig andere vorhanden gewesen -sein dürften. In den abgetretenen Teilen der preußischen Provinzen Sachsen, -Schlesien und Mark Brandenburg, wo die Wege nach Warschau den sächsischen -Polenkönig naturgemäß am meisten interessierten, wird das Zahlenverhältnis ähnlich -sein, wiewohl die Siedlungen dort räumlich weiter auseinanderliegen und große -Städte, die mehrere Distanzsäulen gehabt haben könnten, fast ganz fehlen. Man -begegnet ihnen daselbst in großen und kleinen Provinzorten mit sechzehn gut -erhaltenen Stücken. Wieweit dazu die in preußischen Besitz genommenen Akten -einen Schluß auf verlorengegangene Steine zulassen, vermag ich nicht zu beurteilen, -da mir ein persönlicher Besuch der Archive von Berlin und Magdeburg aus erklärlichen -Gründen leider nicht mehr möglich ist.</p> - -<p>Nebenbei wäre vielleicht noch an die Möglichkeit zu denken, daß auch -Warschauer Archive aus der Zeit des sächsischen Königtums einige Unterlagen -über die Straßenbezeichnung enthielten oder daß sogar auf polnischem Boden Postzeichen -noch in ähnlicher Weise vorhanden wären, wie innerhalb unserer Reichsgrenzen. -Ich habe deshalb während des Krieges von der Westfront her bei -unseren polnischen Besatzungsbehörden angefragt, aber vom Generalgouvernement -Warschau durch die mit Kunstschutz und archivalischen Studien beauftragte Stelle -nach längerer Zeit den Bescheid erhalten, daß bei Durchsuchung der Staatsarchive -und bei Umschau in den Städten nichts über die Postmeilensäulen aufgefunden -worden sei. –</p> - -<p>Alles in allen kann man annehmen, daß auf Grund der augusteischen Befehle -vor zwei Jahrhunderten etwa hundert solcher Distanzsäulen in sächsischen Landen -aufgestellt worden sind und den ersten bescheidenen Schritt dazu gebildet haben, die -mittelalterlichen Verkehrsverhältnisse in Deutschland etwas zu bessern. Bei allem -Widerstand, den die verarmten Gemeinden der Sache lediglich aus finanziellen -Gründen entgegensetzten, darf man den großen und bleibenden Nutzen für die -Allgemeinheit nicht verkennen. Heutigentags bedeutet die sorgsame Erhaltung der -Obelisken und ihrer Inschriften zwar lediglich einen Akt kulturhistorischer Pietät, -bis zum völligen Ausbau des Eisenbahnnetzes nach 1870 besaßen jedoch ihre<span class="pagenum" id="Seite_80">[80]</span> -dutzendfältigen Entfernungsangaben in Wegstunden oder Meilen allerwärts auch -noch praktische Bedeutung. Der Verfasser der Jubiläumsschrift für 1821 bringt -diesen Gedanken in folgender Weise zum Ausdruck:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Wer oft genug Reisende aus dem Auslande an diesen wohltätigen -Straßensäulen weilen, die Ortsentfernungen lesen und fröhlich in ihre Schreibtafeln -eintragen sah, der freute sich gewiß recht patriotisch dieser ehezeitlichen -Veranstaltungen und ihres Nutzens für die gesamte Klasse von Pilgrimen, die -ihrer Heimat entfremdet, jeder freundlichen, auch stummen Zurechtweisung -bedürftig sind.«</p> -</div> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-014"> - <img class="w100" src="images/illu-014.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 5 <b>Viertelmeilenstein am ursprünglichen Ort -an der Straße Breitenau-Harthwald</b></div> -</div> - -<p>Während dieser verbliebene Teil der Distanzsäulen uns mit seinen fünfzig bis -sechzig Stücken immerhin noch ein anschauliches Bild der Vergangenheit vermittelt, -ist die Zerstörung der <em class="gesperrt">Meilenzeichen an den Landstraßen</em> bis auf einige -klägliche Trümmer vorgeschritten. Von den vielen, vielen Hunderten kleiner Kunstwerke, -die früher den Wanderer in regelmäßigem Wechsel schon fernher sein Fortschreiten<span class="pagenum" id="Seite_81">[81]</span> -ankündigten, steht nicht einmal mehr ein volles Dutzend am alten Fleck -und selbst diese wenigen Reste sind teilweise zertrümmert oder grob beschädigt.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-015"> - <img class="w100" src="images/illu-015.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 6<br /> -<b>Halbmeilensäule ohne Fußteil, früher bei Gohrisch auf dem Schießplatz, -seit 1919 im alten Truppenlager von Zeithain</b></div> -</div> - -<p>Sieht man sich nach den Urhebern dieses Zerstörungswerkes um oder forscht -man nach den Beweggründen, so fehlt es zwar an sicheren Angaben und Beweisen, -ein Blick auf die Karte sagt aber mehr, wie jede wörtliche Anklage. Überall da,<span class="pagenum" id="Seite_82">[82]</span> -wo der neuere Staatsstraßenbau den alten Postwegen genau folgte, ist jede Spur -der Zürnerschen Meileneinteilung restlos verschwunden und nur die nüchterne, -moderne Wegmarke nach Meilen- oder Kilometersystem vorhanden. Anderseits -begegnen wir den wenigen verbliebenen Meilensäulen aus augusteischer Zeit gerade -an denjenigen alten Postlinien, mit denen sich der ingenieurmäßige Straßenbau -bisher nie zu befassen hatte, weil der Verkehr frühzeitig nach geeigneteren Wegen -abgeschwenkt war.</p> - -<p>Leider ist dieser zweite Fall aber bei weitem der seltenere, denn in den ebenen -Teilen der alten Kurlande hat sich die Verbindung von Ort zu Ort natürlich ebenso -sehr an die altgewohnten gradlinigen Straßenzüge gehalten, wie im Gebirge, wo -die Geländegestalt für die Nahverbindungen auch nicht viel Auswahl bietet. Infolgedessen -sind eigentlich nur wirkliche Fernverbindungen, wie die Leipzig-Dresdner -oder die Dresden-Prager Handelsstraßen mehrfach über andere Postorte geleitet und -dadurch verschoben worden.</p> - -<p>So hat der alte Postgang zwischen Leipzig und der Elbe bei Schieritz-Meißen -zwischen der nördlichen Linie über Wurzen-Oschatz und einer südlichen über Grimma -zeitweilig auch zwischenliegende Verbindungsstrecken benutzt. Infolgedessen findet -sich die allereinzige Halbmeilensäule, die überhaupt unbeschädigt auf unsere Tage -gekommen ist und wohl augenscheinlich am ursprünglichen Platze steht, mitten im -Wermsdorfer Forstrevier an einem alten längst verwachsenen Waldwege.</p> - -<p>Der Prager Handelsweg dagegen folgte südlich von Dohna den dörflichen -Verbindungswegen über die Höhen, während die neuere Kunststraße auf der Sohle -des Müglitztales mit all dessen Windungen, aber ohne verlorene Steigung, zur -Paßhöhe am Mückentürmchen hinaufführt.</p> - -<p>Die wenigen Meilenobelisken und Viertelmeilsteine sind ganz vereinzelt im -Lande zu suchen. Einige, wie z. B. die Platten von Klaffenbach, Dohna und -Dippoldiswalde dürften an ihren jetzigen Platz verschleppt worden sein, denn durch -den oberen Ortsteil von Klaffenbach bei Chemnitz ist überhaupt keine Poststraße -gelaufen und bei den beiden erzgebirgischen Städtchen zeigt der Oberreitsche -Landesatlas die Meßpunkte der Meilenviertel an ganz anderen Stellen.</p> - -<p>Auch sonst steht nur ein einziger Stein von allen an einer ausgebauten Kunststraße, -und diese Viertelmeilplatte von Steinbach bei Johanngeorgenstadt habe ich -selber im Frühjahr 1914 vom Schotterhaufen gerettet.</p> - -<p>Auf eine Kette von nicht weniger als fünf guterhaltenen Stücken stoßen -wir schließlich an der einstigen Prager Poststraße, die über die erzgebirgischen Höhenrücken -von Dohna nach Börnersdorf verlief und gegenwärtig nur noch der Verbindung -von Dorf zu Dorf dient. Dem ausgebesserten Viertelsteine in Dohna folgt -ein Meilenobelisk bei Köttwitz (vgl. <a href="#illu-011">Abb. 4</a>.) Dann treffen wir in richtigen -Abständen auf zwei weitere Viertelmarken in Börnersdorf und am Haarthewald -(vgl. <a href="#illu-014">Abb. 5</a>), sowie nochmals auf die ganze Meile bei Breitenau. Zu diesem -Straßensystem hat noch ein Halbmeilenstein nordöstlich der Fürstenwalder Kirche -gezählt. Einige Sandsteinstücke, die ich dort im Jahre 1912 am westlichen Straßenrand -vorfand, mögen davon herstammen. Im Abstand einer weiteren Viertelmeile -beim Haferfeldwald zeigt der Oberreitsche Atlas (Blatt Altenberg) kurz vor der<span class="pagenum" id="Seite_83">[83]</span> -Landesgrenze nochmals einen Viertelmeilenstein; es ist mir bisher aber nicht -gelungen, seinen Verbleib zu ermitteln.</p> - -<p>Auch ohne dieses siebente Stück gestattet das Beispiel dieser alten Bergstraße, -zusammen mit dem sonstigen Befund inner- und außerhalb Sachsens jedoch zwei -ziemlich sichere Schlußfolgerungen: die Meilensteine aller drei Größen haben inner- -und außerhalb der Ortschaften von der Bevölkerung sicherlich nichts zu leiden gehabt, -sondern sind hie und da, wie Einzäunungen, Blumenschmuck und Ausbesserungen -z. B. in Ballendorf, Crandorf und Börnersdorf zeigen, sogar auch ohne staatliche -Mitwirkung und ohne Belehrung durch den Heimatschutz gepflegt worden. Die -vorhandenen Lücken dürften also wohl zumeist dem natürlichen Verfall und der -ungenügenden Gründung der hochragenden Formen zuzuschreiben sein. Ihre vollständige -Vernichtung im Bereich späterer Kunststraßen ist dagegen wohl ausschließlich -auf die Bauleiter aller Grade zurückzuführen. Wenn diese irgendwo und irgendwann -einmal soviel geschichtlichen Sinn oder künstlerische Erkenntnis aufgebracht hätten, -um den Wert der alten Postzeichen zu ermessen, dann müßten die kleinen Merksteine -ja gerade an den von Staats wegen ausgebauten Kunststraßen besonders sorgsam -behandelt worden sein. Unter all den Hunderten zeugt aber nicht ein einziges -Beispiel für solche Überlegung. Unser sächsisches Landschaftsbild, das beim Fehlen -katholischer Andachtszeichen ohnehin manchen poetischen Anklang entbehrt, ist also -im Laufe des vorigen Jahrhunderts durch diesen beispiellosen Unverstand der -Staatsbeamten noch der einzigen Werke von Straßenkunst beraubt worden.</p> - -<p>Über die einstige Zahl und die Verbreitung der Meilenzeichen vermögen wir -uns heutzutage fast noch schwerer ein Bild zu machen als bei den großen Stadtsäulen.</p> - -<p>August der Starke hatte von vornherein den Wunsch, alle Poststraßen damit -auszustatten. Die Akten enthalten jedoch kein Verzeichnis der zu behandelnden -Straßen und schweigen sich merkwürdigerweise auch darüber aus, welche Verbindungswege -um 1822 überhaupt als Poststraßen angesehen wurden. So finden wir denn -manche Landstraße im Aktenheft der Nachbarstadt aufgenommen, z. B. bei Grünhayn, -oder es wurde ein besonderes Schriftstück für den Bezirk angelegt, z. B. Dippoldiswalde -Stadt und Amt. Ein vollständiges Verzeichnis der ganzen, halben und -Viertelmeilenzeichen geben die Akten mit genauer Ortsbezeichnung für die Straße -von Lützen bis zum Leipziger Peterstor. Bei Pätzold finden wir weitere -acht Hauptstraßen mit ihrer genauen Besetzung aufgezählt.</p> - -<p>Aus dem Schriftwechsel mit Zürner, aus den von ihm aufgestellten Tabellen -oder aus Besichtigungsergebnissen, über die manche Akten berichten, ersehen wir -dann, daß die Straßensäulen bei den Vorbereitungsarbeiten numeriert wurden. -Nach welchen Grundsätzen dabei verfahren wurde, ist nicht ersichtlich, denn an -der Straße von Chemnitz über Annaberg nach Karlsbad wird in dem Grünhayner -Faszikel ein Meilenzeichen Nr. 52, sowie an der Straße Schneeberg-Annaberg ein -solches mit Nr. 57 erwähnt, obwohl keine dieser kurzen Entfernungen mit solchen -Mengen zu rechnen braucht.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-018"> - <img class="w100" src="images/illu-018.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 7<br /> -<b>Normale Distanzsäule in Krakau bei Königsbrück</b></div> -</div> - -<p>Auf die Vollständigkeit dieser handschriftlichen Unterlagen ist also kein Verlaß. -Leichter dürfte aus den neunhundert Karten und Plänen, die Zürner während -seiner Straßenvermessung gezeichnet hat, ein Überblick zu gewinnen sein. Aber<span class="pagenum" id="Seite_86">[86]</span> -auch diese sprechen höchstens für die Absicht und beweisen nicht allzuviel für die -wirkliche Aufstellung. Seltsamerweise gibt die große Zürnersche Postcharte von 1730 -an den besonders kenntlich gemachten Postrouten nicht eine einzige Distanz- oder -Meilensäule wieder, wohl aber finden wir sie kurz vorher bei Schramm als Titelkupfer -auf einem Dresdner Festungsplan. Spätere Kartenwerke bieten trotz ihrer -Lückenhaftigkeit eher einen Anhalt. Auf den fünfzehn Hauptblättern des Oberreitschen -Atlasses z. B. ist der Bestand nach hundert Jahren teilweise eingetragen. -Grundsätzlich fehlen auch hier sämtliche Distanzsäulen im Bereich der Städte. Ferner -erscheinen ganze Straßenzüge, an denen sich noch heute Meilenzeichen finden, ohne -diese, und bei denjenigen Landstraßen, an denen die Vermessung durch die Bezeichnung -¼ M., ½ M., <span class="fraction"><sup>1</sup>/<sub>1</sub></span> M. oder ¼ St., ½ St., <span class="fraction"><sup>1</sup>/<sub>1</sub></span> St. an sich mit auf der Karte -vermerkt wurde, ist ihre Reihe doch höchst lückenhaft. Wenn dieser Mangel -sich einerseits durch eingetretene Verluste erklärt, bleibt anderseits die zwiefache -kartographische Behandlung der ganzen Sache ziemlich unverständlich. So sind -manche Provinzstraßen, z. B. Löbau-Neugersdorf, mit sechs entsprechenden Meilenabschnitten -genau bedacht, während der wichtigste Handels- und Reiseweg Leipzig-Dresden -auf dem Blatt Oschatz kein einziges Postzeichen erwähnt. Erklärlich wird -der Unterschied aber dann, wenn man die Entstehungsjahre der einzelnen Oberreitschen -Kartenblätter beachtet. Bis 1840 sind die Meilenzeichen durchgängig -aufgenommen; sie fehlen dagegen vollständig auf den späteren Ausgaben. So weist -das Blatt Dresden von 1830 noch über sechzig Stück nach, während Leipzig von -1839 bereits nicht ein einziges enthält. Auch hierdurch wird die frühere Behauptung -erwiesen, daß der Kunststraßenbau mit der Zerstörung zusammenhängt, denn dort -war eben schon die alte Poststraße durch den staatlichen Chausseebau ersetzt und -die Herren Straßenbauer hatten in der Natur draußen mit den alten Steinen -gründlich aufgeräumt. Auf Blatt Zwickau von 1850 sucht man gleichfalls fast vergeblich, -wogegen das benachbarte Blatt Chemnitz von 1830 an den Straßen bei -Marienberg, Schlettau, Annaberg, Wolkenstein, Lengefeld, Reifland und Freyberg -die Vermessungszeichen noch sehr reichlich und vollständig aufweist.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-019"> - <img class="w100" src="images/illu-019.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 8<br /> -<b>Beschädigte Distanzsäule, früher am Marktplatz zu Wilsdruff, seit 1860 auf den Rittergutsfeldern -von Nieder-Reinsberg bei Nossen</b></div> -</div> - -<p>Der gegenwärtige Bestand legt uns trotz seiner Dürftigkeit noch ungelöste -Fragen vor. So z. B. kann man sich selbst unter Zuhilfenahme alter Verkehrskarten -und Kursbücher nicht erklären, wie das Dörfchen Ballendorf zwischen -Grimma und Lausigk zu einer Meilensäule gekommen ist, die dort heute in einem -Obstgarten am Nebenwege südlich der Kirche steht. Sie macht äußerlich durch -ihre unbeschädigten Formen durchaus den Eindruck, als habe sie stets hier -gestanden.</p> - -<p>Nach alledem bleibt man also auch für die Meilensteine an den Straßen nur darauf -angewiesen, aus dem unvollständigen und unsicheren Bild, das die Akten, die älteren -Kartenwerke und die verbliebenen Reste gemeinschaftlich zu bieten vermögen, sich selbst -durch freie Schätzung einen Begriff von der einstigen Gesamtzahl zu machen. Dabei -erscheint es wohl nicht zu hochgegriffen, wenn man innerhalb Sachsens zu der -angenommenen Zahl von neunzig Distanzsäulen das zehnfache an Meilenzeichen -rechnet. Ob dieses Verhältnis auch außerhalb das richtige ist, erscheint mir trotz -der größeren Entfernungen zweifelhaft. Einmal war das Straßennetz dort nicht<span class="pagenum" id="Seite_87">[87]</span> -so dicht als im Stammlande, und zweitens dürfte die Bezeichnung infolge Steinmangels -wohl gar nicht viel ausgebaut worden sein. Im ganzen weiten Norden -ist nämlich meines Wissens neben den Distanzsäulen nicht eine Meilen- und nicht -eine Halbmeilensäule, sondern nur ein schwerbeschädigter Viertelstein in Rüdingsdorf, -Kreis Luckau, erhalten; er trägt nur den Namenszug August des Starken und -keine Jahreszahl. –</p> - -<p>Der allgemeine Zweck dieser kursächsischen Postzeichen hätte es wohl nahegelegt, -in Verbindung mit dieser Schilderung auf einer eignen Karte die alten -Postkurse sowie den einstigen und den heutigen Bestand der Steinmäler darzustellen. -Abgesehen vom Kostenaufwand verspricht jedoch eine solche Übersicht keinerlei -Vollständigkeit und noch viel weniger ein wirkliches Verkehrsbild. Zur Ergänzung -der textlichen Darstellung mögen infolgedessen die beigegebenen tabellarischen Verzeichnisse -dienen. Da sie keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, so wird -jede Nachricht über den Verbleib eines Postzeichens, das hier noch nicht aufgeführt -ist, dankbar entgegengenommen.</p> - -<p>Über eine ganze Reihe von Postzeichen, die nachweislich einst vorhanden -gewesen, aber im Laufe der beiden Jahrhunderte verschwunden sind, finden sich -in den Zürnerschen Akten, in alten Stadtrechnungen oder auf Kupferstichen und -Gemälden verschiedene Anhaltepunkte. Zur Ergänzung der Bestandslisten <em class="antiqua">A</em>, <em class="antiqua">a</em>, <em class="antiqua">b</em>, -<em class="antiqua">c</em> sei deshalb eine Reihe von ihnen hier mit angeführt.</p> - -<p>In <em class="gesperrt">Dresden</em> haben nach der Titelkarte bei Schramm von 1726 vier -Distanzsäulen vor dem Festungsring an der Leipziger, Bautzner, Pirnaer und -Wilsdruffer Landstraße gestanden. Sie sind ebenso wie die anschließenden Meilensäulen -seit langem spurlos verschwunden.</p> - -<p>Zur Nachsuche wegen einer Meilensäule hat der Dresdner Rat im Sommer 1919 -Gelegenheit gegeben. Ein Rohrmeister des städtischen Gaswerks glaubte sich zu -erinnern, bei Ausschachtungsarbeiten im Straßenkörper der Bodenbacher Straße -zwischen Landgraben und Liebstädter Straße etwa ein Meter tief eine gut erhaltene -Meilensäule mit Posthorn und Entfernungsangaben gesehen zu haben. Nachgrabungen, -die an mehreren von ihm bezeichneten Stellen vorgenommen wurden, -haben jedoch keinen Erfolg gehabt<a id="FNAnker_2" href="#Fussnote_2" class="fnanchor">[2]</a>.</p> - -<p>Das Peterstor, Hallesche und Ranstädter Tor in <em class="gesperrt">Leipzig</em> ist seit 1724 mit -je einer, und das Grimmaische Tor mit zwei Distanzsäulen ausgestattet gewesen. -Als Verfertiger werden die Steinmetzen Johann Adam Hamm, Gottlieb Kretschmar -und Peter Hennicke genannt<a id="FNAnker_3" href="#Fussnote_3" class="fnanchor">[3]</a>. Der Stadtplan von 1749 zeigt die entsprechenden -Plätze. Die Säule vor dem Peterstor finden wir auf einem Bilde der Esplanade, -jetzt Königsplatz, in dem Werk Saxonia, Museum für Sächsische Vaterlandskunde -von Dr. Sommer, Dresden 1835, Band IV, Seite 61.</p> - -<p>Vier große Säulen hat seit 1724 ferner die Stadt <em class="gesperrt">Zwickau</em> besessen und -noch im Jahre 1845 wird die eine vor dem Tränktor an der Paradiesbrücke und<span class="pagenum" id="Seite_88">[88]</span> -eine zweite vorm Frauentor an der heutigen Bahnhofstraße bezeugt<a id="FNAnker_4" href="#Fussnote_4" class="fnanchor">[4]</a>. Heute fehlt -dagegen auch von ihnen jede Spur.</p> - -<p>Gleichfalls im Jahre 1724 hat die Stadt <em class="gesperrt">Oschatz</em> vor dem Brüder-, Altoschatzer -und Hospitaltore Distanzsäulen gesetzt und die Kosten durch Anlagen aufgebracht<a id="FNAnker_5" href="#Fussnote_5" class="fnanchor">[5]</a>. -Auch hier ist keiner der drei Obelisken erhalten. Dagegen zeigt das Denkmal -vor der Hauptwache am Markt meiner Erinnerung nach genau die gleichen Formen -und Abmessungen der Distanzsäulen, so daß man wohl auf die Vermutung kommen -kann, hier sei eines der alten Stücke in aufgearbeiteter Gestalt später einem andern -Zwecke dienstbar gemacht worden.</p> - -<p>Über einen heftigen Streit zwischen Zürner und dem Stadtrat wegen der -Distanzsäule, lesen wir im Aktenstück und im Stadtarchiv von <em class="gesperrt">Wurzen</em>. Die -Distanzsäule auf dem Rondell ist tatsächlich bis 1892 vorhanden gewesen<a id="FNAnker_6" href="#Fussnote_6" class="fnanchor">[6]</a>.</p> - -<p>Neben den vielen Städten und Städtchen hatte August der Starke auch den -beiden Klöstern <em class="gesperrt">Marienstern</em> bei Kamenz und <em class="gesperrt">Mariental</em> bei Ostritz aufgegeben, -eine Distanzsäule vor ihre Einfahrt zu setzen, damit sie sich durch dies -künstlerische Schmuckstück von den ärmlichen Dörfern unterscheiden möchten. Auf -meine Anfrage hat man kürzlich liebenswürdigerweise in den Klosterarchiven nachgesucht, -aber an keiner der beiden Stellen einen Anhalt dafür gefunden, ob eine -solche Distanzsäule wirklich gesetzt worden oder wie die Sache sonst ausgegangen ist.</p> - -<p>Etwas rätselhaft mutet dem Forscher die Tatsache an, daß das kleine Dörfchen -<em class="gesperrt">Krakau</em> bei Königsbrück sich einer wohlerhaltenen Distanzsäule (vgl. <a href="#illu-018">Abb. 7</a>) -erfreut. Dort geht selbst heute noch keine größere Straße vorüber und nur die -Erinnerung an die polnischen Reisen, die den Kurfürsten über die Gräflich Brühlschen -Besitzungen nordwärts von Dresden führten, lassen vielleicht sein besonderes -Interesse an diesem Zwischengelände erklärlich erscheinen.</p> - -<p>Einem sonderbaren Schicksal war schließlich die Distanzsäule von <em class="gesperrt">Wilsdruff</em> -verfallen (vgl. <a href="#illu-019">Abb. 8</a>). Der Straßenbaufiskus hat sie 1860 an ihrem Platz auf -dem Markte weggenommen und für 60 Taler an den Rittergutsbesitzer auf Nieder-Reinsberg -bei Nossen, Herrn von Schönberg, verkauft. Sie ist seitdem auf einem -Hügel mitten in dem Rittergutsflur aufgestellt und hat augenscheinlich durch die -Witterung viel gelitten. Im Jahre 1919 erinnerte sich die Stadt ihres alten Besitzstückes; -die heutige Rittergutsherrschaft der Schönberg war auch entgegenkommenderweise -zu kostenloser Rückgabe bereit, dagegen konnte dem Stadtsäckel in unsern -schweren Zeiten der verhältnismäßig hohe Aufwand für Beförderung und Neuaufstellung -nicht zugemutet werden. Die alte verwitterte Säule, die in ihrem Gefüge -vielleicht durch den Abbruch noch mehr gelitten haben würde, verbleibt also -an ihrem Platz auf einsamem Felde.</p> - -<p>Einer irrtümlichen Anschauung von den Postzeichen dürfte die Erwähnung -einer Meilensäule im Dresdner Vorort <em class="gesperrt">Kaditz</em> entspringen, die bis 1903 an der -Ecke der Radebeuler und Dresdner Straße gestanden haben soll<a id="FNAnker_7" href="#Fussnote_7" class="fnanchor">[7]</a>. Wahrscheinlich<span class="pagenum" id="Seite_89">[89]</span> -hat es sich hier nur um einen der meterhohen Wegweisersteine gehandelt, die auch -anderwärts an Kunststraßen vorkommen, denn die augusteische Poststraße hat das -Dorf seiner Zeit gar nicht berührt und nach der Titelkarte in Schramms Schilderung -von 1724 ist die Entfernung östlich von Kaditz richtigerweise mit einer Halbmeilensäule -bezeichnet.</p> - -<p>Fälschlicherweise werden zur Straßenbezeichnung Augusts des Starken in der -Literatur mehrfach auch die Säulen von Altdöbern und Lübben in der Mark -gerechnet. Die erstere zeigt eine durchaus abweichende Gestalt ohne das sächsisch-polnische -Wappen und die andere ist laut Inschrift bereits 1720 auf Veranlassung -des Herzogs Moritz Wilhelm von Merseburg errichtet worden.</p> - -<p>Aufklärung war mir bisher nicht möglich für zwei Meilenzeichen, von denen -das eine an der Straße von Neustadt (Sa.) nach Rumburg (Böhmen) etwa zwanzig -Minuten von Langburkersdorf entfernt stehen und das andere an der Straße von -Hartmannsgrün i. V. nach Waldkirchen vorhanden gewesen sein soll.</p> - -<p>Ein schlanker Obelisk wurde mir ferner an der Kunststraße Freiberg-Großhartmannsdorf -in der Nähe des Freiwaldes westlich der Straße beim Wasser -gemeldet, ohne daß ich bisher Näheres feststellen konnte.</p> - -<p>Unaufgeklärt mußte ich schließlich auch die Frage einer Meilensäule an der -Chemnitz-Zschopauer Kunststraße beim Dorfe Gornau lassen. In der Zeitschrift Das -Automobilwesen, 1905, Seite 834, fand ich auf einem photographischen Bildnis des -Rennfahrers Oskar Günther, das ihn im Kraftwagen bei Gornau zeigt, eine -Meilensäule zufällig am Straßenrand mit aufgenommen. Durch briefliche Mitteilung -zweier Herren, die durch meine früheren Veröffentlichungen auf die Postzeichen -aufmerksam geworden waren, erhielt ich die Säule noch doppelt bestätigt. Sie soll -auf »Altenhainer Flur« »am Straßenkreuz nach Weißbach und Dittersdorf«, nach -anderer Meldung »im Walde zwischen Gornau und Chemnitz« stehen. Demgegenüber -hat mir im Sommer 1919 der Ortspfleger des Heimatschutzes, den ich um -Bestätigung und nähere Angaben ersuchte, geschrieben, daß dort keine Säule zu -finden sei. Auch von der Amtshauptmannschaft ist auf eine allgemeine Rundfrage -vom Jahre 1917 nichts davon erwähnt worden. Der Oberreitsche Atlas, Blatt -Chemnitz, zeigt 1835 eine Säule in der Gegend, so daß sie entweder erst nach der -photographischen Aufnahme des Automobils zerstört worden ist oder vielleicht doch -noch unbeachtet am Platze steht.</p> - -<h3>V. Der Schutz der Postzeichen</h3> - -<p>Um die Erhaltung der Postsäulen bemühen sich heutzutage in erster Linie -die staatlichen Stellen für Denkmalpflege und der Landesverein Sächsischer Heimatschutz; -das große Inventarisationswerk von Steche und Gurlitt, dessen zahlreiche -Bände um die Jahrhundertwende erschienen, führt bereits eine Anzahl der Postzeichen -mit auf, und die Mitteilungen des Landesvereins und der Sächsischen Volkskunde -haben mehrfach ergänzende Bemerkungen gebracht.</p> - -<p>Neben dieser allgemeinen Fürsorge hat aber erfreulicherweise an vielen Orten -auch das Interesse der Bewohnerschaft sich dem Einzelstück zugewendet. In und<span class="pagenum" id="Seite_90">[90]</span> -außerhalb Sachsens sind seit altersher besonders die wappengezierten Distanzobelisken -als besonderer Kunstbesitz gepflegt und nach Art eines Denkmals mit Promenadenanlagen -oder architektonischer Umgebung in Verbindung gebracht worden. Gerade -kleine Städtchen, wie zum Beispiel Bärenstein bei Glashütte oder Wittichenau im -Preußischen, die über keine anderen Kunstwerke an der Straße verfügen, haben sich -des eigenartigen Erbstücks aus Sachsens Vorzeit mit doppelter Fürsorge angenommen.</p> - -<p>Manche Säule hat dabei infolge von Straßenregulierungen einen andern -Platz erhalten und ist sorgsam wieder aufgestellt worden. So ist der Radeburger -Distanzobelisk vom Markt an die Friedhofstraße versetzt worden und diejenigen von -Frohburg, Mügeln und Pirna stehen sogar schon am dritten Platz. Eine weitere -Distanzsäule, die wir in Pirna am Elbtor auf dem großen Gemälde Canalettos -(Nr. 627 der Dresdner Staatsgalerie) abgebildet finden, ist dagegen spurlos verschwunden.</p> - -<p>Abgesehen von kleinen Ausbesserungen beobachten wir auch Ergänzungen -zerbrochener Steine, zum Beispiel in <em class="gesperrt">Neustadt</em> an der Distanzsäule oder am -Viertelmeilenstein von <em class="gesperrt">Dohna</em>. An anderer Stelle, wie in <em class="gesperrt">Dippoldiswalde</em> -und <em class="gesperrt">Klaffenbach</em>, ist die Platte eines Viertelmeilensteines und im Zeithainer -Truppenlager kürzlich das Hauptstück einer Halbmeilensäule ohne neuere Zutat -aufgestellt worden (<a href="#illu-015">Abb. 6</a>). Zufällig erfuhr ich, daß ein Denkstein mit Posthorn -und Namenszug <em class="antiqua">A. R.</em>, auf den im übrigen die Beschreibung der Halbmeilensäule -paßte, weit draußen an der früheren Kröbelner Straße auf dem Truppenübungsplatz -liege; noch vor den Revolutionswirren gelang es durch Briefwechsel mit der -Kommandantur das seltene Stück ausfindig zu machen und im Lager zu bergen. -Es wurde später an der Planitzstraße im Kiefernwald von neuem aufgestellt und -bildet mit dem besser erhaltenen Wermsdorfer Stück den einzigen Rest dieser -hermenartigen Halbmeilensteine.</p> - -<p>Eine Erneuerung des farbigen Anstrichs oder eine Bemalung und Vergoldung -der gekrönten Wappenschilder haben viele Distanzsäulen erhalten; besonders eigenartig -nimmt sich das bunte Wappenstück dann an den roten Porphyrsteinen der -Rochlitzer Gegend aus.</p> - -<p>Nicht alle solche späteren Eingriffe zeugen von wirklicher Sachkunde. So -wurden beispielsweise die beiden Freiberger und die Altenberger Distanzsäulen -zweifellos durch nachträgliche Einmeißelungen verunstaltet, während die langen -Listen der alten Ortsentfernungen, die anderwärts noch völlig lesbar dastehen, hier -wohl teilweise geglättet wurden. Das staatliche Denkmalpflegamt sucht deshalb -heute solche willkürliche Veränderungen zu verhindern und bei geplanten Erneuerungsarbeiten -durch sachverständigen Rat mitzuwirken.</p> - -<p>Auch diese literarische Zusammenstellung, die sich neben archivalischen Studien -auf jahrelange Wanderfahrten und persönliche Besichtigungen stützt und zur Anlegung -einer photographischen Bildersammlung führte, möge dazu beitragen, das -Interesse an dem zweihundertjährigen Kunstbesitz unsrer engeren Heimat zu verbreiten -und diesen eigenartigen Denksteinen einer glanzvollen Fürstenzeit noch -einen recht langen Bestand zu sichern.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_91">[91]</span></p> - -<h3><span class="u">Anlage <em class="antiqua">A</em> und <em class="antiqua">B</em>.</span></h3> - -<h4><em class="antiqua">A.</em> Verzeichnis der vorhandenen Postmeilensäulen</h4> - -<h5><em class="antiqua">a</em>) Distanzsäulen in Sachsen</h5> - -<div class="pm"> -<p>1. <em class="gesperrt">Altenberg</em> <span class="pmy">[1722]</span>, -an der Hauptstraße, gegenüber dem alten Amtshof. <em class="gesperrt">Sächsische Volkskunde</em> -1902, S. 256. <em class="gesperrt">Schmidt</em>, Kursächsische Streifzüge, Band IV, S. 301.</p> - -<p>2. <em class="gesperrt">Bärenstein</em> <span class="pmy">[1734]</span>, -bei Glashütte am Markt. Literatur wie bei Nr. 1.</p> - -<p>3. <em class="gesperrt">Berggießhübel</em> <span class="pmy">[1727]</span>, -am Straßenkreuz. Sächsische Volkskunde 1902, S. 312.</p> - -<p>4. <em class="gesperrt">Dohna</em> <span class="pmy">[1731]</span>, -an der Lesche- und Antonstraße. Sächsische Volkskunde 1902, S. 312. Über Berg -und Tal, Band VII, 1902 bis 1905, S. 125 und S. 131 (vollständige Inschrift).</p> - -<p>5. <em class="gesperrt">Elstra.</em> -Gurlitt, S. 40. Bruchstück mit wohlerhaltenem Wappen, vorläufig im Rathaus -aufbewahrt.</p> - -<p>6. <em class="gesperrt">Elterlein</em> <span class="pmy">[1729]</span>, -an der Gabelung der Zwönitzer und Grünhainer Straße, westlich des Marktes.</p> - -<p>7. <em class="gesperrt">Freiberg I</em> <span class="pmy">[1723]</span>. -Einmündung der Annaberger und Chemnitzer Straße. Literatur wie bei -Nr. 1 und 3.</p> - -<p>8. <em class="gesperrt">Freiberg II</em> <span class="pmy">[1723]</span>, -an der Hauptpost.</p> - -<p>9. <em class="gesperrt">Frohburg</em> <span class="pmy">[1722]</span>. -Ursprünglich auf dem Markt, dann auf dem Bismarckplatz, jetzt am Stadteingang -vom Bahnhof her.</p> - -<p>10. <em class="gesperrt">Geithain I</em> <span class="pmy">[1727]</span>, -an der Hauptstraße im Ostteil der Stadt. Rochlitzer Porphyr.</p> - -<p>11. <em class="gesperrt">Geithain II</em> <span class="pmy">[1727]</span>, -am Westausgang an der Straßengabel Borna-Frohburg. Rochlitzer Porphyr.</p> - -<p>12. <em class="gesperrt">Geringswalde</em> <span class="pmy">[1727]</span>, -am Westrand des Teiches. Rochlitzer Porphyr.</p> - -<p>13. <em class="gesperrt">Geyer</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -am Markt.</p> - -<p>14. <em class="gesperrt">Glashütte</em>, am Straßenkreuz beim Bahnhof. Literatur wie bei Nr. 3.</p> - -<p>15. <em class="gesperrt">Gottleuba</em> <span class="pmy">[1731]</span>, -auf dem Markt. Literatur wie bei Nr. 3.</p> - -<p>16. <em class="gesperrt">Hilbersdorf</em>-Chemnitz, an der Frankenberger Straße.</p> - -<p>17. <em class="gesperrt">Johanngeorgenstadt</em>, auf dem Markt.</p> - -<p>17 <em class="antiqua">a</em>. <em class="gesperrt">Jöhstadt</em>, auf dem Markt. Abbildung in Mitteilungen des Sächsischer Heimatschutz, -1922, Heft 1–3, S. 54.</p> - -<p>18. <em class="gesperrt">Kamenz</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -über dem Eisenbahntunnel. Literatur wie bei Nr. 1. Abbildung in Sachsenkalender -1922, am 9. Februar.</p> - -<p>19. <em class="gesperrt">Königstein</em>, an der Dresdner Straße. 1921 neu bemalt. Über Berg und Tal, Band VII, -S. 174.</p> - -<p>20. <em class="gesperrt">Krakau</em> <span class="pmy">[1732]</span> -bei Königsbrück, auf Zürners Karten Cracau. Mitten im Dorf am Gasthaus -zum grünen Baum.</p> - -<p>21. <em class="gesperrt">Leisnig</em> <span class="pmy">[1723]</span>, -auf dem Lindenplatz. Rochlitzer Porphyr. Gurlitt, Heft 25, S. 152. Sächsische -Volkskunde 1903, Heft 2, S. 63.</p> - -<p>22. <em class="gesperrt">Lichtenwalde</em> bei Chemnitz I.</p> - -<p>23. <em class="gesperrt">Lichtenwalde II</em>, beiderseits der Schloßeinfahrt.</p> - -<p>24. <em class="gesperrt">Marienberg</em>, vor dem Zschopauer Tore. Sächsische Volkskunde 1902, S. 288; Müller -im Archiv für Post und Telegraphie 1909.</p> - -<p>25. <em class="gesperrt">Moritzburg I</em> <span class="pmy">[1730]</span>. -Abbildung in Mitteilungen Sächsischer Heimatschutz, 1922, Heft 1–3, S. 33.</p> - -<div><span class="pagenum" id="Seite_92">[92]</span></div> -<p>26. <em class="gesperrt">Moritzburg II</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -beiderseits der Schloßeinfahrt am Teiche.</p> - -<p>27. <em class="gesperrt">Mügeln.</em> Früher im Ratskellergarten hinter dem Deutschen Haus. Seit 1895 an der -Leisniger Straße und Schützenwiese.</p> - -<p>28. <em class="gesperrt">Neustadt</em> <span class="pmy">[1729]</span>, -auf dem Promenadenplatz am Bahnhof. Spitze ist ergänzt. Sächsische Volkskunde -1902, S. 312.</p> - -<p>29. <em class="gesperrt">Nieder-Reinsberg</em> bei Nossen. Nördlich auf der Steinrücke, mitten im Felde. Früher -auf dem Markt von Wilsdruff. Am 25. 1. 1864 von der Kgl. -Straßenkommission an Rittergutsbesitzer von Schönberg verkauft. -1920 scheiterten Verhandlungen beim Stadtrat zu Wilsdruff wegen -der Wiederaufstellung an der Kostenfrage, obwohl der Besitzer die -Säule kostenlos zurückgeben wollte.</p> - -<p>30. <em class="gesperrt">Oberwiesenthal</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -auf dem Markt. Sächsische Volkskunde 1902, S. 288.</p> - -<p>31. <em class="gesperrt">Olbernhau</em>, Literatur wie bei Nr. 29.</p> - -<p>32. <em class="gesperrt">Penig</em>, an der Chemnitzer Straße. Rochlitzer Porphyr.</p> - -<p>33. <em class="gesperrt">Pirna</em> <span class="pmy">[1722]</span>, -früher Breite Straße, jetzt Reitbahnstraße. Sächsische Volkskunde 1902, S. 256 und -312.</p> - -<p>34. <em class="gesperrt">Pulsnitz</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -am Wettinplatz. Literatur wie bei Nr. 28; Störzner: Was die Heimat erzählt. -Leipzig 1905. (Vollständige Inschrift).</p> - -<p>35. <em class="gesperrt">Radeburg</em> <span class="pmy">[1728]</span>, -früher am Markt. Jetzt am Straßenkreuz östlich des Friedhofs. Literatur -wie bei Nr. 28.</p> - -<p>36. <em class="gesperrt">Reinsberg</em> bei Nossen, an der Straße nach Krummhennersdorf.</p> - -<p>37. <em class="gesperrt">Rochlitz</em>, an der Schloßstraße. Rochlitzer Porphyr. Mit großem sächsischen Rautenwappen.</p> - -<p>38. <em class="gesperrt">Strehla</em>, beim Nordausgang der Stadt, an der Paußnitzer Straße.</p> - -<p>39. <em class="gesperrt">Zwönitz</em> <span class="pmy">[1727]</span>, -am Markt. Aus Greifensteiner Granit und Chemnitzer Sandstein. 1787 und -1884 erneuert. Unsere Heimat 1903 bis 1904, S. 157; Glück auf 1884, Heft 12, -S. 180.</p> -</div> - -<h5><em class="antiqua">b</em>) Distanzsäulen außerhalb Sachsens</h5> - -<div class="pm"> - -<p>40. <em class="gesperrt">Amtitz</em> <span class="pmy">[1732]</span> -bei Guben. Ledât im Archiv für Post und Telegraphie, Band 40, S. 399.</p> - -<p>41. <em class="gesperrt">Belgern</em> <span class="pmy">[1730]</span> -an der Elbe, am Markt gegenüber der Rolandfigur. Sandstein. Literatur wie -bei Nr. 40.</p> - -<p>42. <em class="gesperrt">Belzig</em> <span class="pmy">[1725]</span> (Mark). -Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>43. <em class="gesperrt">Brück</em> <span class="pmy">[1730]</span> (Mark). -Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>44. <em class="gesperrt">Delitzsch</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -am Roßplatz. Ungewöhnlich hoher schlanker Obelisk. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>45. <em class="gesperrt">Elsterwerda</em> <span class="pmy">[1738]</span>, -an der Kirche. Literatur wie bei Nr. 40; Schmidt: Kursächsische Streifzüge -Band IV, S. 301.</p> - -<p>46. <em class="gesperrt">Golßen</em> bei Lübben. Rochlitzer Porphyr. Sächsische Volkskunde 1903, S. 96.</p> - -<p>47. <em class="gesperrt">Görlitz</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -auf dem Töpferberg. Schlesische Heimatblätter, S. 403.</p> - -<p>48. <em class="gesperrt">Guben.</em></p> - -<p>49. <em class="gesperrt">Hoyerswerda</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -früher auf dem Markt, jetzt in der Promenade an der Bahnhofstraße als -Bismarcksäule bezeichnet. Literatur wie bei Nr. 47.</p> - -<p>50. <em class="gesperrt">Kirchhain</em> <span class="pmy">[1736]</span>, -an der Hauptstraße beim Südeingang. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>51. <em class="gesperrt">Lauban</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -am Amtsgericht. 1872 ausgebessert. Sandstein. Literatur wie bei Nr. 40 und 47.</p> - -<div><span class="pagenum" id="Seite_93">[93]</span></div> - -<p>52. <em class="gesperrt">Liebenau</em> bei Frankfurt an der Oder.</p> - -<p>53. <em class="gesperrt">Lieberose</em> <span class="pmy">[1735]</span>, -vor dem Mühlentor. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>54. <em class="gesperrt">Lübbenau</em> <span class="pmy">[1740]</span>, -an der Vorstadt Hauptstraße. Sandstein. Ortsnamen ohne Entfernungsangaben. -Literatur wie bei Nr. 40. Schmidt: Kursächsische Streifzüge, Band II, S. 92.</p> - -<p>55. <em class="gesperrt">Mühlberg</em> <span class="pmy">[1730]</span> -an der Elbe, an der Straße nach Burxdorf. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>56. <em class="gesperrt">Niemegk</em> <span class="pmy">[1736]</span> -bei Potsdam. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>57. <em class="gesperrt">Ullersdorf</em> am Queis. Literatur wie bei Nr. 40.</p> - -<p>58. <em class="gesperrt">Wittichenau</em> <span class="pmy">[1732]</span>, -auf dem Marktplatz. Literatur wie bei Nr. 40. Schlesische Heimatblätter, -S. 404. Vollständige Inschriften.</p> -</div> - -<h5><em class="antiqua">c</em>) Meilenzeichen innerhalb und außerhalb Sachsens</h5> - -<div class="pm"> - -<p>59. <em class="gesperrt">Ballendorf</em> <span class="pmy">[1722]</span> -bei Bad Lausigk, Meilenobelisk, an der Nebenstraße südlich der Kirche im -Obstgarten. Sandstein.</p> - -<p>60. <em class="gesperrt">Bischofswerda</em>, Mittelstück mit Ortsangaben einer Distanzsäule von 1724. Im -Hermannstift aufbewahrt.</p> - -<p>61. <em class="gesperrt">Börnersdorf</em> <span class="pmy">[1732]</span>, -Viertelmeilenstein. An der Dorfstraße. Sächsische Volkskunde 1902, S. 312.</p> - -<p>62. <em class="gesperrt">Breitenau</em> <span class="pmy">[1732]</span>, -Meilenobelisk. 400 Meter südlich des Ortes an der Straße nach Fürstenwalde. -Literatur wie bei Nr. 61.</p> - -<p>63. <em class="gesperrt">Breitenau</em> <span class="pmy">[1732]</span>, -Viertelmeilenstein. Am Nordeingang des Haarthewalds an der Straße nach -Fürstenwalde.</p> - -<p>64. <em class="gesperrt">Crandorf</em> <span class="pmy">[1725]</span> -bei Schwarzenberg. Meilenobelisk. An der Straße nach Erla. Nördlich der -Kirche. Inschrift: Schwarzenberg-Grünhain 2 St. Stollberg 5 St. ¾. 1725. -Posthorn.</p> - -<p>65. <em class="gesperrt">Dippoldiswalde</em>, Viertelmeilenstein an der Altenberger Straße. Wahrscheinlich verschleppt, -da der Oberreitsche Atlas östlich bei der Stadt eine Halbstundensäule -zeigt. Literatur wie bei Nr. 61.</p> - -<p>66. <em class="gesperrt">Dohna</em>, Viertelmeilenstein. An der Weesensteiner Straße, nach 1910 neu aufgestellt und -ergänzt.</p> - -<p>67. <em class="gesperrt">Klaffenbach</em> <span class="pmy">[1723]</span>, -Viertelmeilenstein, Bruchstück. Die Platte ist neben dem als Bonifaziuskreuz -bezeichneten Sühnekreuz niedergelegt. Sie ist sicherlich verschleppt.</p> - -<p>68. <em class="gesperrt">Köttewitz</em> <span class="pmy">[1730]</span>, -Meilenobelisk an der Straße Köttewitz–Eulmühle. Inschrift: Nach Töplitz -8½ St. 1730 Posthorn Dresden 4 St. Literatur: Sächsische Volkskunde 1902, -S. 312 bis 315; Ruge in Über Berg und Tal, Band VII, 1902 bis 1905, -S. 131.</p> - -<p>69. <em class="gesperrt">Oberwiesenthal</em>, Meilenobelisk, Oberteil zweieinhalb Meter lang ohne Sockel. An der -alten Straße zum neuen Haus, hundert Meter unterhalb der neuen -Kunststraße.</p> - -<p>70. <em class="gesperrt">Reichenbach i. V.</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -Meilenobelisk. An der alten Poststraße von Schneeberg und Kirchberg, -jetzt Feldweg. Akten I des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz -über alte Steinkreuze. Abbildung in Mitteilungen des Sächsischen -Heimatschutz, 1922, Heft 1–3, S. 34.</p> - -<p>71. <em class="gesperrt">Reifland</em> <span class="pmy">[1723]</span>, -Meilenobelisk an der Straße zum Eisenbahn-Haltepunkt Rauenstein-Lengefeld, -beim ersten Gut. Inschrift: 3 St. <span class="fraction"><sup>3</sup>/<sub>8</sub></span> n. Wolkenstein 5 St. <span class="fraction"><sup>3</sup>/<sub>8</sub></span> n. Freyberg 6 St. -n. Annaberg.</p> - -<p>72. <em class="gesperrt">Reitzenhain</em>, Viertelmeilenstein. Sächsische Volkskunde 1902, S. 288.</p> - -<p>73. <em class="gesperrt">Röhrsdorf</em> bei Chemnitz. Viertelmeilenstein an der Wasserschänke.</p> - -<p>74. <em class="gesperrt">Rüdingsdorf</em>, Provinz Sachsen, Kreis Luckau. Viertelmeilenstein, Bruchstück an der -Kunststraße. Photographie des Landratsamts Nr. 878 von 1919.</p> - -<div><span class="pagenum" id="Seite_94">[94]</span></div> - -<p>75. <em class="gesperrt">Schwoosdorf</em>, Viertelmeilenstein. Bruchstück an der alten Poststraße Kamenz-Königsbrück -am Berghang kurz vor Schwoosdorf. Gurlitt, S. 329.</p> - -<p>76. <em class="gesperrt">Steinbach</em> <span class="pmy">[1725]</span>, -Viertelmeilenstein. Bruchstück. Sandstein. An der Kunststraße Eibenstock-Johanngeorgenstadt, -am Wegkreuz bei Kilometer 29,4. Beim Straßenbau -1914 neu aufgestellt.</p> - -<p>77. <em class="gesperrt">Wermsdorfer Staats-Forstrevier</em>, Halbmeilensäule (einziges unbeschädigtes Stück, -das obendrein noch am alten Platz der früheren Poststraße steht). Auf -Forstabt. 10.</p> - -<p>78. <em class="gesperrt">Wermsdorfer Staats-Forstrevier</em>, Viertelmeilenstein. Akten des Landesvereins -Sächsischer Heimatschutz, betreffs Kulturdenkmäler. Auf Forstabt. 25.</p> - -<p>79. <em class="gesperrt">Zeithainer Truppenübungsplatz</em> <span class="pmy">[1722]</span>, -Halbmeilensäule. Bruchstück aus Sandstein. Früher -auf dem Artillerieschießplatz beim zerstörten Dorfe Gohrisch, fünfzig Meter -nördlich des Wegkreuzes der Kröbelner Straße. 1919 durch den Kommandant, -Major Kruse, an der Planitzstraße vor dem alten Kommandanturgebäude im -Waldpark des einstigen Offizierkasinos aufgestellt und mit Ölfarbe graugrün -gestrichen. Inschrift: Hayn 4 St. <span class="fraction"><sup>3</sup>/<sub>8</sub></span> Posthorn 1722. Rückseite: Loßdorf 3 St. -Posthorn 1722.</p> -</div> - -<h4><em class="antiqua">B.</em> Literaturverzeichnis der Postsäulen</h4> - -<h5><em class="antiqua">a</em>) Die Originalakten vom Jahre 1721 ff.</h5> - -<p class="noind"><b>Acta betr. die allergnädigst anbefohlene Anschaffung und Aufrichtung derer steinern Postsäulen</b></p> - -<p>Unter Rep. XXXI liegen im <em class="gesperrt">Hauptstaatsarchiv Dresden</em> zusammen 83 Faszikel. -Dazu zählen außer den im Distanzsäulenverzeichnis <em class="antiqua">A</em> 1 bis 38 einzeln angegebenen Nummern -noch folgende 55 Orte, an denen heute keine Säule vorhanden ist: Dippoldiswalde, Döbeln, -Dresden, Elsterberg, Frauenstein, Frankenberg, Gräfenhainichen, Grimma, Grünhain, Grillenburg, -Herzogswalde, Hohnstein, Hein, Hainichen, Hartha, Königsbrück, Leipzig, Lommatzsch, -Lausnitz, Lauterbach, Lengefeld, Löbau, Mutzschen, Kloster Marienstern, Kloster Marienthal, -Mittweida, Meißen, Nossen, Öderan, Ölsnitz, Oschatz, Roßwein, Reichenbach, Radeberg, -Schwarzenberg, Schmiedeberg, Sachsenburg, Schneeberg, Stollberg, Stolpen, Schöneck, Sayda, -Wurzen, Wilsdruff, Wolkenstein, Waldheim, Zschopau, Zöblitz, Zittau, Zwickau.</p> - -<p>Ferner sind 1815 nach der Teilung der Kurlande noch weitere 55 Faszikel an die <em class="gesperrt">preußischen -Provinzial Archive Magdeburg</em> und <em class="gesperrt">Berlin</em> ausgeliefert worden. Dazu -zählen die Städte im Distanzsäulenverzeichnis <em class="antiqua">A</em> 40 bis 57, sowie noch folgende 35 Orte oder -Ämter, die heute keine Säule mehr aufweisen: Dobrilugk, Düben, Dommitzsch, Herzberg, -Jessen, Kemberg, Liebenwerda, Luckau, Lausnitz, Lauterstein, Merseburg, Neustadt a. O., -Neukirchen, Naumburg a. Qu., Ortrand, Pforta, Ruhland, Schlieben, Schilda, Sonnewalde, -Suhl, Senftenberg, Schweinitz, Tannstädt, Torgau, Tautenburg, Voigtsberg, Witten, -Weyda, Weißenfels, Zahna, Ziegenrück, Zabeltitz, Zeitz.</p> - -<h5><em class="antiqua">b</em>) Schriftstellerische, bildliche und kartenmäßige Bearbeitungen</h5> - -<div class="hang"> - -<p><em class="gesperrt">Codex Augusteus</em> von 1724, I, 1947, 1951, 2541 (steinerne an Stelle der hölzernen Armensäulen -zu setzen), 1955, 1956, 2541, 2543 (Beschleunigung unter Strafandrohung verlangt), 2542 (gegen -Vergreifung und Bosheit, so darwider geübt werden), 1958, 2544 (Strafe so sich daran -vergreifen und solche deformiert).</p> - -<p><em class="gesperrt">Schramm</em>: Von denen Wege-Weisern, Armen-, und Meilensäulen. Wittenberg 1726 (400 Seiten -und Abbildungen).</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">F. L. Becher</em>: Die Hundertjährige Jubelfeier der Sächsischen Distanz- und Postsäulen, im -Jahre 1822, sammt einer Geschichte derselben. Chemnitz 1821 (54 S.).</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">P. G. Müller</em> im Archiv für Post und Telegraphie 1909, S. 365. Die Kursächsischen -Post- und Meilensäulen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_95">[95]</span></p> - -<p><em class="gesperrt">Ledât</em> ebenda 1912, S. 393. Alte Meilen- und Postsäulen im Reichspostgebiete.</p> - -<p><em class="gesperrt">Christian Lehmann</em>: Historischer Schauplatz deren natürlichen Merkwürdigkeiten in dem -Meißnischen Obererzgebirge. Leipzig 1699, S. 151.</p> - -<p><em class="gesperrt">Schäfer</em>: Geschichte des sächsischen Postwesens. Dresden 1879, S. 186.</p> - -<p><em class="gesperrt">S. Ruge</em>: Die alten Meilensäulen. In: Über Berg und Tal, Band VII (1902 bis 1905), S. 174.</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">Bschorner</em> in den Mitteilungen für Sächsische Volkskunde 1902, S. 312 bis 315.</p> - -<p><em class="gesperrt">Aug. Schumanns</em> vollständiges Staats-, Post- und Zeitungs-Lexikon von Sachsen. Zwickau -im Verlag der Gebrüder Schumann 1824, Band XI, S. 173. (Notiz über Zürner.)</p> - -<p><em class="gesperrt">L. Schmidt</em>: Kurfürst August der Starke als Geograph. 1898.</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">Kuhfahl</em>: Die kursächsischen Postmeilensäulen. Dresdner Anzeiger vom 16. März 1919.</p> - -<p><em class="gesperrt">Veredarius</em>: Das Buch von der Reichspost, S. 110. Allgemeine Deutsche Biographie, Band 45, -S. 511. (Über Zürner.)</p> - -<p><em class="gesperrt">Aug. Böhland</em>: Schicksale der Oberlausitz und ihrer Hauptstadt Budissin. 1831, S. 203. -(Kurze Erwähnung der Postsäulenidee Augusts des Starken.)</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">E. Herzog</em>: Chronik der Kreisstadt Zwickau 1845, II. Teil, Jahresgeschichte, S. 592 ff. -(Bericht über vier Distanzsäulen und die Meilensäulen des Weichbildes.)</p> - -<p><em class="gesperrt">Carl Sam. Hoffmann</em>: Historische Beschreibung der Stadt, des Amtes und der Diöcese Oschatz -1813, S. 171. (Erwähnung der drei Distanzsäulen von 1724).</p> - -<p><em class="gesperrt">Max Engelmann</em>: Die Wegmesser des Kurfürsten August von Sachsen. In den Mitteilungen -aus den Sächsischen Kunstsammlungen, Jahrgang VI, S. 11.</p> - -<p><em class="gesperrt">Fickert</em>: Das Landstraßenwesen im Kr. Sachsen bis um das Jahr 1800. Im Archiv für Post -und Telegraphie 1913 (Nr. 13 und 14) S. 37. (Kurze Erwähnung der Postsäulen.)</p> - -<p><em class="gesperrt">F. G. Leonhardi</em>: Handbuch für Reisende durch die Sächsischen Lande, 1796.</p> - -<p><em class="gesperrt">K. Wertheim</em>: Reise durch Kursachsen 1793 bis 1794.</p> - -<p><em class="gesperrt">Johann Eschert</em>: Post Secretarius in Leipzig. Chur. Sächs. Post Cours, in welchem -enthalten, wie alle reutend und fahrende Ordinar Posten in der berühmten Handelsstadt -Leipzig 1703.</p> - -<p><em class="gesperrt">D. E. Schmidt</em>: Auf der alten Leipziger Poststraße. In Kursächsische Streifzüge 1912, Band IV, -S. 287, 288 ff.</p> - -<p>Dr. <em class="gesperrt">A. Pätzold</em>, Halle 1916: Die Entwicklung des Sächsischen Straßenwesens von 1763–1831.</p> - -<p><em class="gesperrt">Saxonia</em>: Museum für Sächsische Vaterlandsfreunde von Dr. Sommer. Dresden 1835, Band IV, -S. 61. Abbildung der Esplanade in Leipzig (jetzt Königsplatz) mit Distanzsäule.</p> - -<p><em class="gesperrt">Gemälde von Canaletto</em> in der Dresdner Staatsgalerie:</p> - -<ul class="nodeco"> -<li>Nr. 611: Die ehemaligen Festungswerke zu Dresden. (Distanzsäule von 1722 am heutigen Postplatz.)</li> -<li>Nr. 622: Die Breitegasse zu Pirna. (Distanzsäule, die heute an der Promenade steht.)</li> -<li>Nr. 627: Pirna vom rechten Elbufer. (Distanzsäule am Elbtor.)</li> -</ul> - -<p><em class="gesperrt">Kupferstich</em> <em class="antiqua">Vue de Nossen près de Meissen</em> von Carl Aug. Richter (Kupferstichkabinett -Dresden) zeigt gegenüber dem Nossener Schloß am rechten Muldenufer eine Halbmeilensäule.</p> - -<p><em class="gesperrt">Neue Chur-Sächsische Post Charte</em> von Magister <em class="gesperrt">Ad. Fr. Zürner</em>. Erste Auflage gegen -1700, zwei spätere Auflagen bis 1730. Postwege und Postorte aber nirgends Postsäulen.</p> - -<p><em class="gesperrt">Atlas Saxonicus</em> von Schlenk, 1775 (keine Postsäulen).</p> - -<p><em class="gesperrt">Geographische Delineation</em> der Gegend zwischen Dresden und Meißen nebst den dabey -befindlichen Postsäulen. Titelblatt in Schramms Buch von denen Wege-Weisern, Armen- -und Meilensäulen 1726.</p> - -<p><em class="gesperrt">Müllers Postkarte</em> von 1824. (Keine Postsäule.)</p> - -<p><em class="gesperrt">Oberreitscher Landesatlas</em> 1821 bis 1850. Postmeilensäulen an den Straßen sind in den -älteren Blättern Freyberg, Stolpen, Altenberg, Chemnitz, Zittau, Schwarzenberg, Großenhain, -Dresden lückenhaft aufgenommen, in den übrigen aber nicht verzeichnet.</p> - -<p><em class="gesperrt">Joh. Hernleben</em>: Pässe des Erzgebirges, Berlin 1911.</p> - -<p><em class="gesperrt">Abbildungen</em> 1–8 nach Photographien von Dr. Kuhfahl.</p> -</div> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_96">[96]</span></p> - -<div class="footnotes"><h3>Fußnoten:</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_1" href="#FNAnker_1" class="label">[1]</a> Siehe das angefügte Literaturverzeichnis <em class="antiqua">B</em>, <em class="antiqua">a</em>.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_2" href="#FNAnker_2" class="label">[2]</a> Akten des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz Nr. 941.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_3" href="#FNAnker_3" class="label">[3]</a> Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs -Sachsen, Band Leipzig, S. 393.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_4" href="#FNAnker_4" class="label">[4]</a> <em class="antiqua">Dr.</em> Emil Herzog, Chronik der Kreisstadt Zwickau, II. Teil, Jahresgeschichte, Seite 592.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_5" href="#FNAnker_5" class="label">[5]</a> Historische Beschreibung der Stadt Oschatz von Carl Samuel Hoffmann, 1843, Seite 171.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_6" href="#FNAnker_6" class="label">[6]</a> Schmidt, Kursächsische Streifzüge <em class="antiqua">B</em> 4, Seite 298 ff.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_7" href="#FNAnker_7" class="label">[7]</a> Über Berg und Tal, VII. Bd. 1902–1905, Seite 174.</p> - -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Heimatschutzgedanken_in_Gottfried_Kellers_Dichtungen">Heimatschutzgedanken in Gottfried Kellers Dichtungen</h2> -</div> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Th. Leuschner</em>, Dresden-Loschwitz</p> - -<p>Lange vor uns hat Gottfried Keller die Gedanken des Heimatschutzes empfunden. -Ob und wie er als erster Staatsschreiber des Kantons Zürich in dieser Richtung -hin gewirkt hat, wissen wir nicht, das soll auch hier nicht untersucht werden. -Aber in einigen seiner Dichtungen weist er darauf hin, die Schönheit und die -Eigenart der Heimat nicht zu zerstören. Und <em class="gesperrt">wie</em> das Keller sagt, das ist für -uns das Reizvolle.</p> - -<p>Was er in seinen Erzählungen darüber eingeflochten hat, ist nicht ein bloßer -Einfall von ungefähr. Es ist ihm damit ernst, und diese Gedanken haben ihn -immer bewegt. Wir dürfen dieser Liebe nach einem Selbstzeugnis über sein -künstlerisches Arbeiten versichert sein. In einem Briefe vom 28. Februar 1877 an -W. Hemsen, der von ihm einen Beitrag zu seinem bei Spemann erscheinenden -Jahrbuch »Kunst und Leben. Ein neuer Almanach für das deutsche Haus« -gewünscht hatte, bekennt er: »So geringfügig meine Erfindungen sind, so sind es -eben solche, d. h. sie beruhen jedesmal auf einem spontan entstandenen inneren -Gesicht (wenn diese banale Phrase erlaubt ist) und sind daher nicht von äußeren -Wünschen abhängig. Es sind immer Sachen, die mir von langer Hand oder in -Verbindung mit einer ganzen Gruppe vorschweben; am seltensten stößt mir ein -Motiv auf, welches für sich allein ausgeführt werden kann.«</p> - -<p>Wir lesen uns zuerst in den Roman »<em class="gesperrt">Martin Salander</em>« ein. Martin -Salander ist heute heimgekommen. Über sieben Jahre lang war er von den -Seinigen weg gewesen, um das an seinen betrügerischen Freund Wohlwend verlorene -Geld drüben in der neuen Welt rascher als im heimatlichen Münsterberg wieder -zu erwerben. Während dieser Zeit hat seine Frau Marie in der kleinen Sommerwirtschaft -und Fremdenpension zur Kreuzhalde den Unterhalt für sich und die drei -Kinder kümmerlich bestritten. Es ist hier nicht der Platz, den Gang der Erzählung -zu verfolgen. Sie gehen schlafen, sie betreten das Zimmer, wo Frau Marie das -Lager ihres Mannes schon seit Monaten bereit gehalten hat.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>»… Aber ich wollte schon ein paarmal fragen,« fuhr er fort, aus dem -offenen Fenster auf das mondhelle Umgelände hinausdeutend. »Wo sind denn nur -die vielen schönen Bäume hingeraten, die sonst vor und neben dem Hause standen? -Hat sie der Eigentümer abschlagen lassen und verkauft, der Tor? Das war ja ein -Kapital für die Wirtschaft!«</p> - -<p>»Man hat ihm das Land weggenommen oder eigentlich ihn gezwungen, -Bauplätze daraus zu machen, da einige andere Landbesitzer den Bau einer unnötigen -Straße durchgesetzt haben. Nun ist sie da, jedes schattige Grün verschwunden und -der Boden in eine Sand- und Kiesfläche verwandelt; aber kein Mensch kommt, -die Baustellen zu verkaufen. Und seit die guten Bäume dahin sind, ist auch mein -Erwerb dahin!«</p> - -<p>»Das sind ja wahre Lumpen, die sich selbst das Klima verhunzen …«</p> -</div> - -<p>Eine Reihe von Jahren später! Salanders Töchter Netti und Setti haben -sich mit den Zwillingsbrüdern Isidor und Julian Weidelich, den Söhnen der -Gärtnersleute aus dem Zeisig, verheiratet. Diese sind Landschreiber und Mitglieder<span class="pagenum" id="Seite_97">[97]</span> -des Großrates. Keller hat sie mit einer Fülle kleinster Einzelheiten als eitle, -schlaue Streber und Narren gezeichnet, die habsüchtig ihre Amtsgewalten mißbrauchen -und zuletzt auf viele Jahre hinaus ins Zuchthaus kommen. »Es ist nichts mit -ihnen. Sie haben keine Seelen,« klagt Setti ihren Eltern, als diese sich auf ihrem -Landhause zum Lautenspiel nach ihr umschauen. Mit gutem Bedacht hat Keller -unter die häßlichen Wesensfarben der beiden Brüder auch die Lieblosigkeit und -Gleichgültigkeit gegen die heimatliche Umgebung gemischt. Isidor begleitet seine -Schwiegereltern und seine Frau, als diese zum Besuch auf dem Lindenberg, wo -Netti und Julian wohnen, vom Lautenspiel fortgehen.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Auf dem Hofe bewunderte Salander wieder das Buchenwäldchen und die -dahinter emporragenden Wipfelmassen des größeren Forstes, eine Umgebung die -nicht mit Geld zu bezahlen sei.</p> - -<p>»O ja, es macht sich nett!« sagte der Schwiegersohn. »Nur wird es nicht -mehr so lange stehen bleiben, als es schon steht. Der Wald gehört der Gemeinde -Unterlaub und soll in ein paar Jahren geschlagen werden; die Holzhändler sind -schon dahinter her. Da werd’ ich unsere Buchen auch daran geben, es geht in einem -zu und sie tragen ein schönes Geld ein!«</p> - -<p>»Sind Sie bei Trost?« rief Salander. »Ihre Buchen schützen ja allein Haus -und Garten samt der Wiese vor den Schlamm- und Schuttmassen, die der abgeholzte -Berg herunterwälzen wird!«</p> - -<p>»Das ist mir Wurst!« erwiderte der jugendliche Notar in nachlässigem Tone. -»Dann zieht man weg und verkauft den ganzen Schwindel! Es ist ja langweilig, -immer am gleichen Ort zu hocken.«</p> - -<p>Salander dachte sein Teil und gab keine Antwort. Frau Setti ließ während -Isidors Mitteilung ein paar Worte des Erstaunens hören und verriet so, daß sie -von dem bevorstehenden Holzschlage noch gar nichts wußte, was ein neues Anzeichen -von des Mannes Lebensart war. Sie schwieg daher auch und sagte nur noch: -»Adieu, du schönes Lautenspiel!«</p> - -<p>»Woher heißt es eigentlich hier im Lautenspiel?« fragte die hinzutretende -Mutter. »Das mag der Henker wissen, ich könnt’ es nicht sagen! In den Grundbüchern -heißt es nur: Haus und Hofstatt genannt im Lautenspiel, und ebenso in -meinem Kaufschuldbrief,« erklärte Isidor.</p> - -<p>»Hast du denn nicht gehört, was sie in der Gegend davon erzählen?« fragte -Frau Setti. »Nein, ich habe gar nie danach gefragt! Woher soll es denn kommen? -Woher heißt es denn bei uns im Zeisig und im roten Mann? Von irgend einer -Dummheit!«</p> -</div> - -<p>Und nun erzählt Frau Setti zur Erklärung des Flurnamens die alte Geschichte -vom geizigen Junker und seinen sechs schönen Töchtern.</p> - -<p>Was erleben die Salandrischen dann auf dem Lindenberg? Julian kommt -aus dem Wald zurück.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Er schüttelte die Weidtasche auf den Tisch aus und über dreißig arme Vögel -mit verdrehten Hälschen und erloschenen Guckaugen, Drosseln, Buchfinken, Lerchen, -Krammetsvögel und wie sie alle hießen, lagen als stille Leute da und streckten die -starren Beine und gekrümmten Krällchen von sich.</p> - -<p>»Sie werden sehen, Mama, die Dinger schmecken Ihnen wie Marzipan, wenn -sie mürb und gut geraten sind! Ich will aber selbst zusehen! Hat’s etwas Speck -in der Küche, Frau?«</p> - -<p>»Bitte, Herr Sohn, beeilen Sie sich nicht!« sagte Frau Salander, »wir essen -jedenfalls nicht mit, mein Mann und ich, wir sind vollkommen satt und wollen -noch mit dem letzten Zuge fort!«</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_98">[98]</span></p> - -<p>»Aber, Meister Julian,« schaltete Martin dazwischen, »wissen Sie denn nicht, -daß die Jagd auf Singvögel verboten ist? Sie, als Mitglied des Großen Rates?«</p> - -<p>»Herr Vater, ich habe nicht gejagt, sondern das Garn gespannt, und da sind -allerdings ein paar Finklein dazwischen gekommen, die nicht geladen waren. -Übrigens wird sich wohl kein Wächter des Waldes an mich machen!« …</p> -</div> - -<p>In der Novelle »<em class="gesperrt">Das verlorene Lachen</em>« ist Jukundus der Träger von -Kellers Naturschutzbestrebungen.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Mit der Verheiratung hatte er verabredetermaßen die militärische Laufbahn -als Berufssache wieder aufgegeben, wegen der fortwährenden Abwesenheit, die sie -mit sich brachte. Um sich aber dafür einen ehrbaren Erwerb und eine geordnete -Tätigkeit zu sichern, hatte er ein Handelsgeschäft errichtet, welches sich auf den -Holzreichtum der Stadtgemeinde und der umgebenden Landschaft gründete. Zu den -großen Allmenden, die von der allemannischen Bodenteilung herrührten, waren -später noch die Waldungen von Burg und Stift gekommen, an deren Mauern die -Stadt sich angebaut hatte.</p> - -<p>Diese hatte bisher die Quellen ihrer Behaglichkeit geschont und auch aus -bürgerlichem Stolz erhalten, wie sie ihre reichen Trinkgeschirre und den alten Wein -im Stadtkeller sorgfältig erhielt. Allein durch irgendeine Spalte war die Verlockung -und die Gewinnsucht endlich hereingeschlüpft und es wandelte ungesehen schon der -Tod durch die weiten Waldeshallen, schlich längs den Waldsäumen hin und klopfte -mit seinen Knochenfingern an die glatten Stämme. Als daher eben um diese Zeit -Jukundus auftrat, um das Bau- und Brennholz anzukaufen und auszuführen, kam -sein Geschäft alsobald in Schwung; denn die Seldwyler zogen die Vermittlung des -ihnen wohlbekannten ehrlichen Mitbürgers dem Andringen der fremden Händler, -durch die das Unheil eingeschlichen war, vor.</p> - -<p>Jetzt begannen die hundertjährigen Hochwaldbestände zu fallen und auch sofort -dem Strich der Hagelwetter den Durchlaß auf die Weinberge und Fluren zu öffnen. -Allein sie waren auch einmal jung und niedrig gewesen oder schon mehrmals -vielleicht, und sie konnten wieder alt und hoch werden. Doch als die Axt auch an -die jüngeren Wälder geriet, für das zuströmende Geld immer schönere Zwecke -erfunden und die Berghänge dafür immer kahler wurden, fing es den Jukundus -innerlich an zu frieren, da er von Jugend auf ein großer Freund und Liebhaber -des Waldes gewesen war. Während er an dem Handel einen ordentlichen Gewinn -machte, begann er sich desselben mehr und mehr zu schämen; er erschien sich als -ein Feind und Verwüster aller grünen Zier und Freude, wurde unlustig und oft -traurig und vertraute sich seiner Frau an, da sie sein frohes Lächeln, das zu dem -ihrigen wie ein Zwillingsgeschwister war, fast seltener werden sah und ihn ängstlich -befragte. Sie dachte aber, die Dinge würden mit oder ohne den Mann ihren Lauf -gehen und wahrscheinlich nur noch schlimmer, und sie war nur darauf bedacht, -ihn bald aus eigenen Kräften wohlhabend und unabhängig zu wissen, um auch -von dieser Seite her stolz auf ihn sein zu können. Sie bestärkte daher den Mann -nicht in seiner Unlust, sondern ermunterte ihn vielmehr zum Ausharren und er -fuhr dann so fort.</p> - -<p>Da wurde an einer schief und spitz sich hinziehenden Berglehne, welche der -Wolfhartsgeeren hieß, ein schönes Stück Mittelwald geschlagen. Aus demselben -hatte von jeher eine gewaltige Laubkuppel geragt, welche eine wohl tausendjährige -Eiche war, die Wolfhartsgeeren-Eiche genannt. In älteren Urkunden aber besaß -sie als Merk- und Wahrzeichen noch andre Namen, die darauf hinwiesen, daß -einst ihr junger Wipfel noch in germanischen Morgenlüften gebadet hatte. Wie -nun der Wald um sie niedergelegt war, weil man den mächtigen Baum für den -besonderen Verkauf aufsparte, stellte die Eiche ein Monument dar, wie kein Fürst -der Erde und kein Volk es mit allen Schätzen hätte errichten oder auch nur versetzen<span class="pagenum" id="Seite_99">[99]</span> -können. Wohl zehn Fuß im Durchmesser betrug der untere Stamm und die -wagrecht liegenden Verästungen, welche in weiter Ferne wie zartes Reisig auf den -Äther gezeichnet schienen, waren in der Nähe selbst gleich mächtigen Bäumen. -Meilenweit erblickte man das schöne Baumdenkmal und viele kamen herbei, es in -der Nähe zu sehen.</p> - -<p>Als man nun gewärtigte, welcher Käufer den höchsten Preis dafür bieten -würde, erbarmte sich Jukundus des Baumes und suchte ihn zu retten. Er stellte -vor, wie gut es dem Gemeinwesen anstehen würde, solche Zeugen der Vergangenheit -als Landesschmuck bestehen zu lassen und ihnen auf allgemeine Kosten Luft und -Tau und die Spanne Erdreich ferner zu gönnen; wie die verhältnismäßig kleine -Summe des Erlöses nicht in Betracht kommen könne gegenüber dem unersetzlichen -inneren Wert einer solchen Zierde. Allein er fand kein Gehör; gerade die Gesundheit -des alten Riesen sollte ihm sein Leben kosten, weil es hieß, jetzt sei die rechte Zeit, -den höchsten Betrag zu erzielen; wenn der Stamm einmal erkrankt sei, sinke der -Wert sofort um vieles. Jukundus wandte sich an die Regierung, indem er die -Erhaltung einzelner schöner Bäume, wo solche sich finden mögen, als einen -allgemeinen Grundsatz belieben wollte. Es wurde erwidert, der Staat besitze wohl -für Millionen Waldungen und könne diese nach Gutdünken vermehren, allein er -besitze nicht einen Taler und nicht die kleinste Befugnis, einen schlagfähigen Baum -auf Gemeindeboden anzukaufen und stehen zu lassen.</p> - -<p>Er sah wohl, daß man überall nicht zugänglich war für seinen Gedanken -und daß er sich nur als Geschäftsmann bloßstellte und heimlich belächelt wurde. -Da kaufte er selbst die Eiche und das Stück Boden, auf welchem sie stund, säuberte -den Boden und stellte eine Bank unter den Baum, unter dem es eine schöne -Fernsicht gab, und jedermann lobte ihn nun für seine Tat und ließ sich den Anblick -gefallen. Aber von diesem Augenblick an suchte auch jedermann, ihn zu benutzen -und zu übervorteilen, wie einen großen Herrn, der keine Schonung bedürfe.</p> -</div> - -<p>Seine Frau Justine tut das Gegenteil im Verein mit dem Pfarrer des Ortes, -der als ein »beifallsdurstiger Wohlredner und Schwätzer«, wie er sich später selbst -nennt, vorübergehend einen schlechten Einfluß auf seine Gemeinde ausgeübt hat.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Die Kirche zu Schwanau war noch ein paar Jahrhunderte vor der Reformation -erbaut worden und jetzt in dem schmucklosen Zustande, wie der Bildersturm -und die streng geistige Gesinnung sie gelassen. Seit Jahrhunderten war das altertümliche -graue Bauwerk außen mit Efeu und wilden Reben übersponnen, innen -aber hell geweißt, und durch die hellen Fenster, die immer klar gehalten wurden, -flutete das Licht des Himmels ungehindert über die Gemeinde hin. Kein Bildwerk -war mehr zu sehen, als etwa die eingemauerten Grabsteine früherer Geschlechter, -und das Wort des Predigers allein waltete ohne alle sinnliche Beihilfe in dem -hellen, einfachen und doch ehrwürdigen Raume. Die Gemeinde hatte sich seit drei -Jahrhunderten für stark genug gehalten, allen äußeren Sinnenschmuck zu verschmähen, -um das innere geistige Bildwerk der Erlösungsgeschichte um so eifriger -anbeten zu können. Jetzt, da auch dieses gefallen vor dem rauhen Wehen der Zeit, -mußte der äußere Schmuck wieder herbei, um den Tabernakel des Unbestimmten -zieren zu helfen …</p> - -<p>Das sonnige, vom Sommergrün und den hereinnickenden Blumen eingefaßte -Weiß der Wände hatte zuerst einem bunten Anstrich gotischer Verzierung von dazu -unkundiger Hand weichen müssen. Die Gewölbefelder der Decke wurden blau -bemalt und mit goldenen Sternen besät. Dann wurde für bemalte Fenster -gesammelt, und bald waren die lichten Bogen mit schwächlichen Evangelisten- und -Apostelgestalten ausgefüllt, welche mit ihren großen, schwachgefärbten, modernen -Flächen keine tiefe Glut, sondern nur einen kränklichen Dunstschein hervorzubringen -vermochten.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_100">[100]</span></p> - -<p>Dann mußte wieder ein gedeckter Altartisch und ein Altarbild her, damit der -unmerkliche Kreislauf des Bilderdienstes wieder beginnen könne mit dem »ästhetischen -Reizmittel«, um unfehlbar dereinst bei dem wundertätigen, blut- oder tränenschwitzenden -Figurenwerk, ja bei dem Götzenbild schlechtweg zu endigen, um künftige -Reformen nicht ohne Gegenstand zu lassen.</p> - -<p>Endlich wurden die Abendmahlkelche von weißem Ahornholze, die weißen, -reinlichen Brotteller und die zinnernen Weinkannen verbannt und silberne Kelche, -Platten und Schenkkrüge vergabt bei jedem Familienereignis in reichen Häusern …</p> - -<p>Schon waren alle Künste, selbst die Bildhauerei mit einigen übermalten Gipsfiguren, -vertreten, ausgenommen die Musik, welche daher eiligst herbeigeholt wurde. -Weil zu einem Orgelwerk die Mittel noch nicht beisammen waren, stiftete einer -einen trompetenähnlichen Quiekkasten; ein gemischter Chor studierte kurzerhand alte -katholische Meßstücke ein, die man der erhöhten Feierlichkeit wegen und weil -niemand den Text verstehen konnte, lateinisch sang. –</p> -</div> - -<p>Was für ein fröhlicher, liebenswerter Geselle ist der abgesetzte Schulmeister -Wilhelm in der Novelle »<em class="gesperrt">Die mißbrauchten Liebesbriefe</em>«, der da oben in -dem Rebhäuschen des Tuchscherers haust und als erbauliches Gegengewicht für die -Erdenschwere seiner Hände Arbeit in Wald und Flur herumstreift, um dann -mit allerhand schönen, seltsamen Dingen die Wände und die Decke seines -Stübchens zu schmücken.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Nur nichts Lebendiges heimste er ein; je schöner und seltener ein Schmetterling -war, den er flattern sah, und es gab auf diesen Höhen deren mehrere Arten, -desto andächtiger ließ er ihn fliegen. Denn, sagte er sich, weiß ich, ob der arme -Kerl sich schon vermählt hat? Und wenn das nicht wäre, wie abscheulich, die -Stammtafel eines so schönen, unschuldigen Tieres, welches eine Zierde des Landes -ist und eine Freude den Augen, mit einem Zug auszulöschen! Abzutun, ab und -tot, das Geschlecht einer zarten, fliegenden Blume, die sich durch so viele Jahrtausende -hindurch von Anbeginn erhalten hat und welche vielleicht die letzte ihres Geschlechtes -in der ganzen Gegend sein könnte! Denn wer zählt die Feinde und Gefahren, die -ihr auflauern?</p> -</div> - -<p>Das Gegenstück hierzu ist die Erzieherin in der Novellenreihe »<em class="gesperrt">Das Sinngedicht</em>«. -Daß Keller selbst in dem reichen und so bunten Strauße dieser Liebesgeschichten -dem – wenigstens hier so entfernten – Gedanken des Naturschutzes -eine Gestalt gibt, spricht wohl dafür, wie sehr ihm Vergewaltigung der Natur -verhaßt war. Ganz am Schluß erzählt Lucie ihr Jugendleben und -lieben und -kommt dabei auf die Umgebung zu sprechen, die ihr der oft auf langen Reisen -befindliche Vater gegeben hat.</p> - -<div class="blockquot s90"> - -<p>Die Erzieherin dagegen verwendete alle ihre Tage mit dem Vermehren und -Ordnen einer Käfersammlung. Sie stand mit Gelehrten und Naturalienhändlern -in Verbindung und sandte fortwährend Schachteln fort. Denn sie verstand auf -zahlreichen Ausflügen den letzten Käfer aus seinem Hinterhalt zu ziehen, und hatte -eine seltene Art, die gerade in einem Gehölz unsrer Gegend zu finden war, nahezu -ausverkauft. Ich kann mich des Namens dieses ausgerotteten Käferstammes nicht -mehr entsinnen. Am betrübtesten darüber war ein insektenkundiger Herr Oberlehrer, -welcher der handelslustigen Dame den Ort nachgewiesen hatte und sich -daher der Mitschuld an dem naturwissenschaftlichen Raubverfahren, wie er es -nannte, anklagte. –</p> -</div> - -<p>In dem großen, vierteiligen Roman »<em class="gesperrt">Der grüne Heinrich</em>« findet sich -kein Heimatschutzgedanke. Seltsam? Nein. Der Roman ist Kellers Erstlingsdichtung.<span class="pagenum" id="Seite_101">[101]</span> -Sie ist durchtränkt und gesättigt von persönlichen Erlebnissen und Erfahrungen, -von Stimmungen und Träumen. Er erzählt so oft und so viel von -der Heimat: von Berg und Tal, von Haus und Hof, von Wald und Feld, von -Verwandten und Fremden. Er schildert in der Erinnerung, wie sie war, als er -mit ihr lebte. Und er hat die Heimat gesehen in aller Freude am goldnen Überfluß, -eben in aller Freude der Jugend. Das Alter nur sieht prüfend hinein in die -sichtbare Welt und möchte sie schön und treu erhalten und auch so weiter fortgebildet -wissen.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Kirche_zu_den_Vierzehn_Nothelfern">Die Kirche zu den »Vierzehn Nothelfern« auf der -»Kahlen Höhe« bei Reichstädt</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">A. Klengel</em></p> - -<p>Abseits vom Fremdenverkehr steht auf der sogenannten »Kahlen Höhe« -zwischen Reichstädt und Sadisdorf bei Dippoldiswalde die Gruftkapelle der Majoratsherrschaft -von Schönberg auf Reichstädt. Das inmitten eines kleinen Hains gelegene -schmucke Bauwerk ist neueren Ursprungs; wie die Inschriften besagen, haben dort -erst zwei Glieder des uralten Adelsgeschlechts die ewige Ruhe gefunden, der 1902 -verstorbene Majoratserbe Rudolf Utz von Schönberg und seine ihm im Jahre 1915 -in den Tod gefolgte Mutter Cypriane von Schönberg.</p> - -<p>Das kleine Mausoleum steht auf durch Jahrhunderte geweihtem Boden, denn -die Inschrift eines in der Nähe errichteten Denksteins berichtet folgendes:</p> - -<div class="blockquot"> - -<p class="center"><em class="gesperrt">Kahlehöhenkirche.</em></p> - -<p class="noind">Zum Gedächtnis an das Jahrhunderte lang hier gestandene und im -Jahre 1872 abgebrochene Kahlehöhen-Kirchlein zu den 14 Nothhelfern -errichtete dieses Denkmal im Jahre 1874 die Kirchengemeinde -Reichstädt.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Hier wo Jahrhunderte das Gotteswort erklungen,</div> - <div class="verse indent0">Hier wo manch’ Halleluja Gotte ward gesungen,</div> - <div class="verse indent0">Hier wo der Friede Gottes Tausende umwehte,</div> - <div class="verse indent0">Wo manches Herz zu Gott im Himmel flehte:</div> - <div class="verse indent0">Hier sprich auch Du: Wie heilig ist doch diese Stätte</div> - <div class="verse indent0">Und, daß der Friede Gottes Dir auch werde: Bete!</div> - </div> -</div> -</div></div> - -<p>Wohl selten gibt es wieder eine Stätte in unserm Vaterlande, an der stimmungsvolle, -schlichte landschaftliche Schönheit, stiller Gottesfriede und uralte Sage uns -so wunderbar umwehen, wie hier auf der sonnigen Höhe, wo einst das Kirchlein -»Zu den Vierzehn Nothelfern« gestanden hat. Die Bezeichnung Kapelle, die man -mehrfach im Schrifttum findet, ist nicht zutreffend, wir haben es mit einer regelrechten -Pfarrkirche zu tun, von der sogar noch Kirchenbücher vorhanden sind.<span class="pagenum" id="Seite_102">[102]</span> -Der von ihr in katholischer Zeit geführte Name: »Zu den Vierzehn Nothelfern« -verschwand nach der Reformation; sie wurde »Kahlehöhenkirche« – im Volksmunde -kurzweg »Kallikirche« – genannt. Ihre Gründungszeit liegt im Dunkel -des Mittelalters verborgen; bereits im Jahre 1320 wird sie als eine »Den Vierzehn -Nothelfern« geweihte Wallfahrtskirche erwähnt. Als die vierzehn Nothelfer -gelten Jesus, die zwölf Apostel und der Schutzheilige des Bergbaues, St. Nikolaus; -nach letzterem waren auch die alte Kirche im nahen Dippoldiswalde und die Kapelle -in der Dippoldiswaldaer Heide benannt. In diesem Jahre war Nikolaus von -Henkendorf Geistlicher an der Kahlehöhenkirche. Es sind noch Urkunden vorhanden, -welche berichten, daß er einst auf Befehl des Papstes dem Abte von Ossegg -Hilfe leisten mußte, als dieser von einigen vornehmen Schuldnern belagert und -hart bedrängt wurde. Daraus ergibt sich vielleicht, daß der jeweilige Priester der -Kirche zugleich weltlicher Gutsherr war, der über Land und Leute zu gebieten hatte.</p> - -<div class="figcenter illowp90" id="illu-036"> - <img class="w100" src="images/illu-036.jpg" alt="Kahlehöhenkirche" /> -</div> - -<p>Die in der Kirche aufgestellten Bilder der vierzehn Nothelfer sollen aus Silber -gefertigt gewesen sein. Nach der Sage wurden sie im Siebenjährigen Kriege geraubt. -Eine andere Überlieferung berichtet, sie seien aus Holz geschnitzt und versilbert -gewesen. Man habe sie nach der Reformation auf dem Kirchenboden aufbewahrt, -von wo sie von böhmischen Leuten entwendet und nach der Klosterkirche zu Ossegg<span class="pagenum" id="Seite_103">[103]</span> -gebracht worden seien. Nach eingezogenen Erkundigungen befinden sie sich jedoch -dort nicht.</p> - -<p>Die Kirche soll durch die von den Wallfahrern gespendeten Geschenke sehr -reich geworden sein; als nach der Reformation aber die Wallfahrer ausblieben und -im niederen Teile des Dorfes Reichstädt eine bequemer erreichbare evangelische Kirche -erbaut wurde, vereinsamte das auf der Höhe, abseits vom Dorfe gelegene Kirchlein. -Eines Tages verschwand der letzte Meßpriester unter Mitnahme des aufgehäuften -Vermögens, der Heiligenbilder und der heiligen Geräte. Im Dreißigjährigen Kriege -wurde die verödete Kirche völlig ausgeraubt, namentlich fiel alles Holzwerk der -Plünderung zum Opfer. Im Jahre 1640 soll ein Mädchen aus Reichstädt, als es -vor schwedischen Soldaten in die verlassene Kirche flüchtete und in einem Loch an -der Stelle des einstigen Altars nach einem Versteck suchte, achthundertzwanzig Dukaten -gefunden haben.</p> - -<p>Später wurde die Kirche wieder für gottesdienstliche Zwecke ausgestattet; bis -zu ihrem Abbruch fand alljährlich noch mehrmals Gottesdienst darin statt. Wegen -eingetretener Baufälligkeit und da die Ausbesserung hohe Kosten verursacht hätte, -beschloß man den Abbruch des uralten Wahrzeichens, der denn auch im Jahre 1872 -vor sich ging. Um diese Zeit waren noch Reste des die Kirche umgebenden Friedhofs -vorhanden.</p> - -<p>Aus den Steinen der Kirche wurde der Tanzsaal des Gasthofes zu Sadisdorf -erbaut. Die Bevölkerung sah die Verwendung des geweihten Mauerwerks für -solche profane Zwecke als großen Frevel an. Bei der Einweihung des Saales fiel -eine Tänzerin und brach dabei ein Bein. Später schlug der Blitz ein- oder mehrmals -in den Tanzsaal ein, wobei schließlich der ganze Gasthof eingeäschert wurde. -Das Volk glaubte an die Strafe des Himmels für die begangene Entweihung des -Heiligtums. Ob man beim später erfolgten Wiederaufbau des Gasthofes die Steine -von der alten Kahlehöhenkirche abermals mit verwendete, ist unbekannt; der -Volksglaube behauptet, man habe es unterlassen, da dem Gasthof und seinen Gästen -in der Folgezeit kein Unglück mehr zugestoßen sei.</p> - -<p>Es sind nur wenige, zum Teil recht mangelhafte Bilder des uralten Kirchleins -vorhanden. Die alte Sächsische Kirchengalerie versagt. Am besten dürfte die Kirche -in beistehender Zeichnung wiedergegeben sein, die nach einer Abbildung in der als -Fundgrube für die Heimatgeschichte wohlbekannten, handschriftlich hergestellten Zeitschrift -»Bergblumen 1885« angefertigt wurde. Es wird vermutet, daß die ursprüngliche -Zeichnung vom Herausgeber noch nach der Natur aufgenommen ist. -Erwähnt mag noch sein, daß Auszüge aus den Kirchenbüchern der Kahlehöhenkirche -im Magazin für Sächsische Geschichte vom Jahre 1787 abgedruckt sind. –</p> - -<p>Ein sonniger Herbsttag ging zur Neige, als ich im kleinen Hain auf dem -Fleckchen geweihter Erde stand, das durch Jahrhunderte das Kirchlein »Zu den -vierzehn Nothelfern« getragen hat. Die letzten Sonnenstrahlen vergolden die Zinnen -der Gruftkapelle, nur ein einzelnes Vogelstimmchen und das leise Rauschen der -Blätter im Abendwinde unterbrechen das Schweigen, das wie ein Glorienschein -auf dieser Stätte der Vergessenheit ruht. Ich weiß nicht, ob der Dichter hier -gestanden hat, als er die Worte aussprach:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_104">[104]</span></p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Auch hier, wo einst in frommer Weise</div> - <div class="verse indent0">Der Andacht Lied zum Himmel drang,</div> - <div class="verse indent0">Wohnt jetzt die Wehmut, herb und leise</div> - <div class="verse indent0">Tönt bang ihr Lied wie Grabgesang. –</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Schwerlich aber gibt es eine andere Stelle in unserer Heimat, die trefflicher -dazu geeignet wäre, diesen Gedanken in uns aufkommen zu lassen, wie der geweihte -Boden, auf dem ich jetzt im Abendsonnenglanze stehe.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Um_Juchhoeh_und_Windberg">Um Juchhöh und Windberg</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Karl Berger</em>, Leipzig</p> - -<p class="center smaller">Aufnahmen von <em class="gesperrt">Georg Marschner</em>, Dresden</p> - -<h3>I.</h3> - -<p>Die schönste Freude ist doch die Vorfreude; die reinste zumindest. Und das -schönste, zarteste vom Frühling ist der Vorfrühling, scheint mir. Und die Vorfreude -am Vorfrühling, das ist jene seltsame, bestrickende Wanderlust, jenes Heimweh nach -Feld und Wald draußen vor der Großstadt, nach der heimatlichen <em class="gesperrt">Natur</em>, die unser -<em class="gesperrt">Mutterland</em> ist und bleibt, – mögen wir es auch in den hastenden, unfrohen großen -Städten mit ihrer lauten Lustigkeit verraten – so wie der Staat unser <em class="gesperrt">Vaterland</em> -ist und bleibt. Und <em class="gesperrt">das</em> sind wohl die unglücklichsten Waisen, die ihr Mutterland -oder ihr Vaterland oder gar beides verloren haben. Deshalb wollen wir heute -einen Weg weisen, den wir 1921 an einem Sonntage, an dem vier Wochen nach Wintersonnenwende -die Sonne schon so boticellihaft lichtes Hellblau und Himmelsgold -allum streute, so daß hier und da schon eine Kornelkirsche vorwitzig ihre safranfarbenen -kleinen Blütendolden öffnete, aus der Stadt hinausgewandert sind, und -zwar gerade dort, wo weite Fabrikvorstädte ihren Bewohnern den Verlust des -Mutterlandes vorzulügen suchen und damit ihnen manchmal so leicht auch das -Vaterland verleiden.</p> - -<p>Hinter Löbtau steigt der Weg westwärts über Wölfnitz rasch an nach der -Hochfläche zu, auf der 1745 die Kesselsdorfer Schlacht vom alten Dessauer gegen -die Sachsen gewonnen wurde, die dort die letzte Stellung vor ihrer Landeshauptstadt -zu halten versuchten. In einer guten Viertelstunde liegt die Stadt schon tief -unter uns. Mit den Tönen der großen Glocken der Kirchen der Altstadt elbwärts -drunten im Grunde klingen die der helleren munteren Geläute von Niedergorbitz -und Oberpesterwitz zusammen, indes wir an stattlichen Wirtschaftsgebäuden vorbei -dem <em class="gesperrt">Herrenhaus von Roßthal</em> zuschreiten.</p> - -<p>»Glückauf« grüßt die Inschrift von dem vielleicht etwas zu monumentalen -Sandsteinumbau des kunstvoll zierlichen schmiedeeisernen Rokokotores herab, das -ebenso wie mehrere andere ähnliche Gittertore mit dem feinen Stilgefühl seiner -Entstehungszeit so glücklich in die Achse der Zufahrtsstraßen gelegt ist. »Glückauf«, -ein froher Gruß auch für den Wanderer am Morgen und eine Anspielung auf den -Besitzer, den Freiherrn von Burgk, den Eigentümer der bekannten Steinkohlenschächte. -Sein Wappen prangt an dem Giebel über dem einen der beiden Erker, die<span class="pagenum" id="Seite_105">[105]</span> -mit ihren kunstvollen deutschen Renaissanceformen die Front des Hauses geschickt -gliedern. Die reichen Schmuckformen der Balustraden, Zinnen und zumal der -säulenreichen Unterbauten erinnern ein wenig an die fröhlichen und strotzenden -Formen des Heidelberger Schlosses und zeigen, wie feinfühlig der Oberlandbaumeister -C. M. Haenel schon 1858/59 die Renaissanceformen wieder tatsächlich neu -zu <em class="gesperrt">beleben</em> wußte, die dann Jahrzehnte lang leider bald so blutleer oder so voll -hohlem Pathos an Mietskasernen und Geschäftsbauten kopiert wurden.</p> - -<div class="figcenter illowp90" id="illu-039"> - <img class="w100" src="images/illu-039.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 1 <b>Döhlener Kohlenbecken mit Windberg</b></div> -</div> - -<p>Am Haupteingange befindet sich auf einer Rokokokartusche ein Wappen -mit den Initialen <em class="antiqua">v. N.</em> Es ist das Wappen des Geheimrats von Nimptsch, der -1763 Direktor der Porzellanmanufaktur geworden war, hier auf dem Gute seiner -Gemahlin, einer geborenen von Haustrin, seinen Lebensabend zubrachte und 1772 -eine »Poetische Beschreibung der Zufriedenheit und angenehmen Ruhe auf einem -Landgut« veröffentlichte. Sie erzählt mancherlei von den bescheidenen Freuden -eines derartigen Herrensitzes auf dem Lande: von Vexierspiegeln und Grotten, -von dem »guten Prospekt« und von Wasserkünsten. Viel davon wurde, nachdem -Roßthal schon nach der Schlacht von 1745 völlig ausgeplündert worden war, in -der Schlacht bei Dresden 1813 zerstört, als Murat die Stellung der Verbündeten -zwischen Döltzschen und Gorbitz, das heißt ihren linken, mit der Front nach Osten -gerichteten Flügel durch eine Umgehung vom Zschonergrunde her unhaltbar machte -und Roßthal so zwischen die feindlichen Feuer geriet. Jetzt erinnert natürlich -nichts an den stattlichen, vorzüglich gehaltenen Baulichkeiten des Rittergutes mehr -an jene Zeiten der Zerstörung. Ein Bild tiefen ländlichen Friedens ruht es, umsäumt<span class="pagenum" id="Seite_106">[106]</span> -von breitästigen Obstbäumen, so nahe dem lärmenden Plauenschen Grunde, -der schon seit Menschenaltern die gleiche sanfte Lieblichkeit eingebüßt hat, die uns -nur noch die alten Stiche der Pulvermühle, der Villa Kosel und mancher »pittoresken« -Felspartie am Ufer der Weißeritz überliefern.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-040"> - <img class="w100" src="images/illu-040.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 2 <b>»Juchhöh-Schlößchen«</b></div> -</div> - -<p>Hier oben aber, abseits der Heerstraße der Industriemächte, da ist alles noch -fast wie vor fünfzig oder hundert Jahren. Wie ein Motiv aus Ludwig Richters -Skizzenbuche mutet die mit so bewundernswerter anspruchsloser Sicherheit der -Maße und Farben am Kreuzweg errichtete Obstbude aus Fachwerk an. Und wie -vornehm und trotzdem lieblich liegt drüben das gotisierende Schloß der Grafen -Luckner auf Altfranken auf dem sanften Höhenzuge mit seinen vielen Pappeln und -Schonungen.</p> - -<div class="figcenter illowp60" id="illu-041"> - <img class="w100" src="images/illu-041.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 3 <b>Denkmal des Freiherrn Dathe von Burgk in Burgk</b><br /> -»Ihren unvergeßlichen am 28. 6. 1897 † Wohltäter die dankbaren Bergknappen«</div> -</div> - -<p>Unterdes sind wir langsam noch höher gestiegen. Weit liegt das Land nun -um uns: nordwärts bis nach der Lößnitz reichbebauten milden Hängen, westwärts ins -hügelige Bauernland um Braunsdorf und Kesselsdorf und südwärts hinab in den -Grund und hinüber zu der <em class="gesperrt">langgestreckten Pyramide des Windberges</em> -(vgl. <a href="#illu-039">Abb. 1</a>). Neu-Nimptsch heißt die Siedelung, an der unser Weg entlang führt.<span class="pagenum" id="Seite_107">[107]</span> -Kleine Häuschen sind es, so wie wir sie jetzt vor der Stadt wieder zu errichten bestrebt -sind. Diese hier hat wohl jener Geheimrat von Nimptsch Ende des achtzehnten Jahrhunderts -errichtet. Und auch sich selbst baute er an der höchsten Stelle ein Lusthaus, -<em class="gesperrt">das »Schlössel des Barons«</em> nennen es die Leute, eines jener feinen, kleinen -Herrenhäuser ähnlich »Antons« gegenüber dem Waldschlößchen (<a href="#illu-040">Abb. 2</a>). Der ganze -Berg heißt »Jochhöhe«, aber weil er so lustig ins Land schaut, nennt das Volk ihn mit -schalkhaftem, sicherem Humor einfach »<em class="gesperrt">die Juchhöh</em>«. Daß es übrigens auch ernsthaftes -Raten und Taten auf diesen Dörfern gibt, beweist der Anschlag des Gemeindevorstandes, -wonach Rauchen und Zuspätkommen in den Gemeinderatssitzungen<span class="pagenum" id="Seite_108">[108]</span> -(Neu-Nimptsch gehört zu Roßthal) verboten ist. Wir denken bei dieser Proklamation -wehmütig daran, wie unendlich weit etwa Groß-Berlin in seiner politischen Reife -mit seinen Stinkbomben und Tätlichkeiten in parlamentarischen Sitzungen derartigen -Hinterwäldlern voraus ist.</p> - -<p>Und ähnliche Gedanken über Stadt und Land beschleichen uns, nun wir rasch -vorwärts schreitend den Grund in Freital kreuzen mit den protzigen Kitschöldrucken -und den vielen Näschereien in jedem zweiten Laden, und anderseits den unschönen -Plakaten an allen Ecken.</p> - -<p>Freilich auch jeder einzelne Landwirt sollte gerade in <em class="gesperrt">seinem</em> Interesse in -Sachsen <em class="gesperrt">ganz besonders</em> bereit sein, die Not so weiter anderer Kreise verständnisvoll -und freiwillig zu lindern, nicht durch Almosen, aber durch werktätige Hilfe, -vermittelnden Takt und auch durch wirksame Warnung einzelner skrupelloser -Berufsgenossen. Die Früchte werden auch dabei nicht ausbleiben. Und der Landmann -weiß, daß die Früchte nicht die schlechtesten sind, die am langsamsten reifen.</p> - -<h3>II.</h3> - -<p>Nun haben wir Freital durchquert und steigen langsam auf der Südseite -des Tales bergan. Am Huthause von Groß-Burgk vorbei kommen wir bald an -<em class="gesperrt">das Schloß</em>. Schon im Mittelalter saßen hier Herren von Burgk (Borgk, Borc; -Boragh heißt Tannen- oder Fichtenhain). Im sechzehnten Jahrhundert folgte die -Familie von Zentsch, im achtzehnten die Familie Seiler-Dathe; 1822 wurde deren -Haupt Friedrich August als Freiherr Dathe von Burgk in den Adelsstand erhoben. -Die Familie, der außerdem unter anderem noch wie erwähnt Roßthal und ferner -das Schloß Schönfeld bei Großenhain gehört, ist durch den Kohlenbergbau so reich -begütert. Im Orte nimmt man davon übrigens wenig wahr, da die Schächte -jenseits von Höhenzügen südwestlich liegen. (Vgl. aber das Denkmal <a href="#illu-041">Abb. 3</a>.)</p> - -<p>Das Schloß selbst ist gleichfalls ein echter ländlicher Herrensitz, dem man -anmerkt, daß er organisch und bodenständig entstanden ist. Verspielte und kapriziöse -Putten und Rokokoherrschaften, wohl aus Knöffels Zeit (um 1780), blicken -von den Pfeilern der Parkmauer. Urnen, Bosketts, alte efeuumsponnene Bäume, -deren tiefhängende Zweige einen stillen Weiher streifen, vereinen sich mit dem seltsam -vielgiebligen Schlosse mit seinen charakteristisch stilisierten Kaminköpfen und einem -raffiniert geschickt in all diese alte, leise, ein wenig holländische Beschaulichkeit -hineinkomponierten Papagei zu einem Bilde, wie es so echt selbst – ein Monumentalfilm -nicht wiederzugeben vermag.</p> - -<p>Am Mausoleum Friedrich Augusts von Burgk auf stiller Vorhöhe und an -Bergknappenhäusern, zuletzt an einem Waldwärterhause mit dem Holzbrunnen auf -der Wiese unterm Berge vorbei, führt durch Buchen (<a href="#illu-043">Abb. 4</a>) ein steiler Zickzackweg -die etwa zweihundert Meter Steigung zum <em class="gesperrt">Windberg</em> hinauf. Der Blick von seiner -Höhe, insbesondere von dem so wuchtig und richtig in die Landschaft gestellten <em class="gesperrt">König-Albert-Denkmal</em> -aus, ist unerwartet mannigfach und eigenartig, besonders durch -den unvermittelten Gegensatz von rein industriellen Gegenden und weitem, stillem Land, -etwa über Tharandt oder nach Kipsdorf und Frauenstein zu. Den Abstieg nach -Deuben nehme man aber auch am Tage nicht abseits der Wege, denn der Steilabhang<span class="pagenum" id="Seite_109">[109]</span> -nach Westen zu ist zum Teil von alten Bergwerksgängen durchzogen, die -dichtes Laub manchmal völlig überdeckt. Bei Dunkelheit oder Schnee zumal würde -es dem Wanderer leicht schlechter ergehen können, als Görge dem Fiedler, der im -Windberge den Zwergen einst zum Tanz aufspielen mußte und dafür die ersten Kohlen -erhielt, die sich ihm – wir können es so gut verstehen – in Gold verwandelten.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-043"> - <img class="w100" src="images/illu-043.jpg" alt="" /> - <div class="caption">Abb. 4 <b>Im Buchenwald des Windberges</b></div> -</div> - -<p>Die Mittagstunde ist unterdes herangekommen. Danach wandern wir noch -von Deuben über Hainsberg-Coßmannsdorf auf Pfaden, die jeder selbst sich suchen -mag, auf jene friedvolle Hochfläche hinauf, auf der, wie auf einer Insel von einigen -Kilometern Durchmesser, fast allenthalben von tiefeingeschnittenen Tälern umgeben, -ein stilles Bauerndorf so zeitlos um sein feinbehelmtes Gotteshaus sich lagert, wie<span class="pagenum" id="Seite_110">[110]</span> -nur irgendwo in Franken oder Schwaben. Wir treten still in die Kirche mit ihrer -seit zwei Jahrhunderten fast unversehrten, ganz einheitlichen Ausstattung. Nur -siebzehn Pastoren hat sie in fast vierhundert Jahren gehabt. Und der kluge Totengräber, -der mit viel richtigem Gefühl die alten Heiligenfiguren aus katholischer -Zeit seiner Kirche aus dem lehrreichen Museum im Großen Garten zurückwünscht, -hat wohl auf dem Friedhofe allein mit der eindrucksvollen dichten einen Reihe -Lebensbäumen ringsum nicht allzuviel zu tun, die Toten so tief unter die Erde zu -betten, wie sie sich im Leben <em class="gesperrt">über</em> sie erhoben haben. Ja früher, als noch nicht -Coßmannsdorf eigene Parochie war, da gab es für den Totenbettmeister mehr zu -schaffen, zumal als 1869 die vierhundert Bergknappen in den Windberg zur letzten -Schicht gefahren waren und so mancher von den Verunglückten im Lederwams -auch hier oben in <em class="gesperrt">Somsdorf</em> seine Ruhe fand.</p> - -<p>Aber allmählich weht der Abendwind kühler von Westen, wo schon die -zackige Linie des Tharandter Forstes schwarz gegen den im letzten Abendschein -grell gelben Himmel steht. Noch eine kurze Rast im behäbigen Erblehngericht von -1695 und eine halbe Stunde sanftes Abwärtsschreiten über die Hochfläche erst, dann -am Berghange, in dessen hohen Fichten schon die Käuzchen sich ernst und leidenschaftlich -suchen, dann nimmt uns mit einbrechender Mondnacht das anheimelnde -Gewirr der alten stillen Straßen des leise einschlummernden Tharandt auf.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Wanderbilder_aus_den_Grenzgebieten_der_Oberlausitz">Wanderbilder aus den Grenzgebieten der Oberlausitz -und Nordböhmens</h2> -</div> - -<p class="center">Vom Architekten Professor <em class="gesperrt">Richard Michel</em>, Görlitz</p> - -<h3>5. Von Zittau zur Bertsdorfer Kirche<a id="FNAnker_8" href="#Fussnote_8" class="fnanchor">[8]</a></h3> - -<p>Das mächtig aufsteigende Werk des genialen Friedrich Schinkel, die Westfront -der Johanniskirche, im Rücken lassend, entlang der engen Weberstraße, vorüber -an einigen der besten alten bürgerlichen Prachtbauten des »Zittauer Barocks« -und an der mittelalterlichen, ehedem unter freundlich rotem Ziegeldach dreinschauenden -»Weberkirche«, durch die »Webervorstadt« und »Alte Burggasse« -wandernd, gelangt man bald hinter der einstmaligen Burgmühle auf »Altzittaus -Gründungsstätte« mit dem Burgberg und dem Burgteich.</p> - -<p>Schutzdämme mit kraftvoll aufragenden knorrigen deutschen Eichen umsäumen -Matten und Gehege in der zwischen Mandau und Burgmühlgraben gelegenen -Umgebung dieses historischen Winkels, der im Laufe der letzten Jahrzehnte zu -einer anziehenden Hainanlage ausgebildet worden ist.</p> - -<p class="center"> -»Hier entstand Zittau« -</p> - -<p class="noind">so lautet die Inschrift des Denksteins auf dem Burghügel zur Kennzeichnung der<span class="pagenum" id="Seite_111">[111]</span> -Stelle, auf welcher im dreizehnten Jahrhundert wahrscheinlich die erste Schutz- -und Wehrstätte burgartig angelegt wurde.</p> - -<p>Vom vorderen Burgdamm, nächst der Mandau, zeigt sich dem Auge ein -schönes Landschaftsbild, das die geschlossene Kette des Iser-, Jeschken- und Lausitzer -Gebirges mit feiner Linie segmentförmig als Hintergrund säumt. Tafelfichte, -Jeschken, Hochwald und Lausche treten klar in den ihnen eigenen Formen hervor.</p> - -<p>Im Mittelgrund, hinter dem Mandauufergelände mit den aufsteigenden -Wiesenhängen erhebt sich links die Olbersdorfer, rechts die Hörnitzer Kirche, dazwischen, -hinter entfernter liegenden Geländewellen der weißleuchtende Turm der -Bertsdorfer Kirche, als ein seit altersher dem Wanderer entgegenwinkendes, weithin -sichtbares Wahrzeichen.</p> - -<p>Vom westlichen Dammende, welches eine mächtige alte Eiche schützt und -schirmt – eine Reckin ihrer Edelart, – um deren Fuß ihres etwa 1,75 Meter -im Durchmesser starken Stammes eine holzgezimmerte Bank den Wanderer zur -Rast einladet, führt der Weg weiter am Mühlgraben-Stauwehr vorüber über die -steinerne Mandaubrücke nach Hörnitz. Hier, das durch ein Turmpaar flankierte, -giebelreiche, massig gedrungene Althörnitzer Schloß. Ein vom kunstsinnigen -Zittauer Bürgermeister Hartig 1651–1654 errichtetes Baudenkmal hervorragender -Art der deutschen Spätrenaissance, das sich auszeichnet durch Verhältniskunst und -wuchtende Massenwirkung, wie solche hier besonders die Südseite zeigt.</p> - -<p>Beim Anschauen des gesamten Schloßbereiches mit dem Park und Gutshofe -versenken sich die Gedanken in die alte Bauweise, in das Großzügige des Baugeistes -vergangener Geschlechter, unter welchen die Gestaltung solcher einheitlicher -Baugruppen in der Landschaft, mit den Elementen dieser, so durchgeführt werden -konnte.</p> - -<p>Großartig eindrucksvoll wirkt beispielsweise das durch wunderlich verzweigtes -Geäst und feines graugrün schillerndes Laub der mächtigen Kronen zweier Silberpappeln -gezierte Einfahrtstor des Schloßguthofes.</p> - -<p>Dem Baugeist einer hundert Jahre späteren Zeit verdankt das unweit entfernte -ehemalige Neuhörnitzer Schloß, das der Zittauer Kaufmann Gottfried Hering 1751 -errichten ließ, seine gute Gestaltung.</p> - -<p>Der zwischen beiden schloßherrlichen Anlagen liegende, Alt- und Neuhörnitz -trennende wohl älteste Ortsteil »Wall« genannt, gleicht der Anlage einer Wasserburg -kleinsten Maßstabes. Ein noch teilweise vorhandener, durch Quellwasser -gespeister Wassergraben umgibt eine auf kleiner Insel liegende Wohnstätte. Die in -unmittelbarer Nähe rundherum errichteten alten kleinen Fachwerkhäuschen ergänzen -die eigenartige Anlage, deren Entstehung mutmaßlich mit der der Zittauer Burgbergwarte -erfolgt sein mag in grauer Vorzeit.</p> - -<p>Von der von Hörnitz nach Bertsdorf ansteigenden, über einen Geländesattel -führenden Landstraße sieht man, nah und fern, rundum in eine liebliche, wechselreich -geformte Landschaft – ein Mosaik von zahlreichen Ortschaften des östlichsten -Sachsenlandes mit dem schönen Stadtbild Zittaus.</p> - -<p>Über dem Sattel, an der Straßensenkung, beginnt einladend der Anfang der -hier versteckt in der Dorfbachmulde eingebetteten Ortschaft Bertsdorf, die sich in<span class="pagenum" id="Seite_112">[112]</span> -der Richtung zur Lausche, welche zwischen den Höhen des Jonsberges und Breitenberges -den Hintergrund füllt, hinzieht, und allmählich im Gelände hervortretend, -hinaufführt bis an den Fuß des Pocheberges.</p> - -<p>Zu beiden Seiten des klar dahinrieselnden Dorfbaches und der Straße, sowie -an und auf Wiesenhängen bauen sich mannigfach in alter Bauart die Wohnstätten -des Häuslers, Webers, Handwerkers, Kleinbauern und die Gebäudemassen ansehnlicher -Gutshöfe auf, mit verschiedenartigen, -alterhaltenen Gefach-, Ständer-, -Riegel-, Bretterwerk und Umgebinden, -mit großflächigen, nur durch Dachluken -und die Esse belebten Stroh- und -Ziegeldächern, an deren Traufen vielerseits -die Holzrinne sich zeigt. Steinerne -Haustürstöcke mit manchem eigenen -Schmuck und sonstigem Überbleibsel -guter, sinniger Kleinkunst ausgestattet, -sowie die im Pfarrhause gut erhalten -gebliebene alte Bemalung einer Holzdecke, -legen Zeugnis ab vom Können -der vormals volkskünstlerisch tätig -gewesenen Kräfte.</p> - -<p>Über den Bach sich wölbende -alte Quadersteinbrücken verleihen ihrer -Umgebung idyllisch-malerische Reize. -Die schiefwinklige Straßenbrückenanlage -am Kirchgeländefuße mit zinnenartiger -Brustwehrkrone, die einzelnen -oberlausitzer Brücken solcher Art eigentümlich -ist, möge als ein nachahmenswertes -Beispiel besonders erwähnt sein. -An dieser Steinbrücke ist eingemeißelt -die Jahreszahl 1812.</p> - -<div class="figleft illowp40" id="illu-046"> - <img class="w100" src="images/illu-046.jpg" alt="Bertsdorf" /> -</div> - -<p>Abseits vom Großindustrieleben -atmet man hier gut bäuerliche Luft. -Noch ist der Ort verschont geblieben -von groben baulichen Verunstaltungen hochbaulicher Art. Bäuerlich-landbürgerlicher -Sinn waltet und schafft hier vom Sonnenauf- bis Sonnenuntergang nicht Arbeitszeitgesetzen, -sondern dem Zeitweiser der Natur gehorchend.</p> - -<p>Mitten im Ort – frei und hoch über dem Bett des Baches – steht die -Kirche auf uralter, zur Verehrung göttlicher Allmacht geweihter Stätte, umgeben -von ihrem umwehrten Kirchhofe, dessen grünberankte Mauern alte Denkmalskunst -bergen.</p> - -<p>Sie ist nicht als Werk einer »Ichkunst«, als ein Fremdkörper in die Umgebung -»hineingesetzt«, sondern wächst in ihrer schlichten, maßvollen Bauart aus<span class="pagenum" id="Seite_113">[113]</span> -ihr heraus<a id="FNAnker_9" href="#Fussnote_9" class="fnanchor">[9]</a>, als ein weiß verputzter, unter rotem Ziegeldach geschützter Bau mit -markigem Turm, dessen ebenso bedachte Kuppelhaube bekrönt wird durch die grün -und weiß gestrichene, formenreichere, offene Laterne, Haubenspitze und Wetterfahne -mit der die Bauzeit kündenden Jahreszahl 1674.</p> - -<p>So bildet auch hier die Kirche mit dem benachbarten alten Pfarrhause, den -Bauernhäusern, Gartengehegen, dem Dorfbach, Strauch- und Baumbestand und der -Straße eines jener uns lieben Dorfbilder, wie solche sich allerwärts in unseren -sauberen oberlausitzer Ortschaften der erfreulichen Anschauung darbieten.</p> - -<p>Die Bauanlage der, an Stelle eines durch Blitzschlag eingeäscherten -Gotteshauses, um 1675 erbauten Kirche, übte vorbildlichen Einfluß aus auf die -Gestaltung der später erbauten Kirchen in den benachbarten Ortschaften Hainewalde, -Spitzkunnersdorf, Niederoderwitz und Eibau.</p> - -<p>Das meisterliche Werk ist der verkörperte Ausdruck des Widerwillens gegen -eine kleinliche Zerklüftung der Baumasse – ist ein Werk großzügiger Geschlossenheit, -ein Beispiel, sprechend für die schlichte Eigenart des kernigen oberlausitzer -Landbürgers, der nichtssagenden Äußerlichkeiten abgeneigt, solche Einfachheit schätzt, -hegt und liebt.</p> - -<p>Im Gegensatz zu dem fast nüchternen Äußeren, verbirgt sich hinter diesem -das mit sicherem Können und edlem Geschmack gestaltete, mit Altar, Kanzel, Orgel -und Lichtkronen kunstvoll ausgestattete Innere, dessen feierlich ruhige Gesamtwirkung -durch eine erneuerte, sehr feinsinnige Farbengebung in weiß, grün und -gold wohltuend gesteigert wird. Ein würde- und eindrucksvolles Ganzes ist -es – ein anziehendes Herz der Kirchgemeinde.</p> - -<h4>Wanderers Wunschgedanken</h4> - -<p>Das Innere solcher schönen Landkirchen sollte man, wie es bei katholischen -Kirchen meist üblich ist, durch Offenhalten einer Pforte in eine <em class="gesperrt">gesteigerte, -lebensvolle Verbindung</em> bringen, nicht nur für Glieder der Gemeinde, -sondern auch für von fremdher kommende Freunde der Natur und Kunst, zum -Erleben frei erwählter Ruhe- oder Weihestunden.</p> - -<p>Deshalb möchten dem Wunsche derer, die vom Alltagsleben abgesondert, in -frischfreier Natur auf friedvoller Stätte ein Kircheninneres betreten wollen – zum -weilen und ruhen – keine Schranken entgegenstehen.</p> - -<p>Sollte nicht so manches Glied der Gemeinde – wenn der rechte Zeitpunkt -hierzu gekommen – das Verlangen haben, auch im Alltagsgewand den Raum der -Kirche zu betreten, zum Verbringen einer stillen Stunde, zum Nachsinnen – zur -eigenen Erbauung des inneren Menschen? – zur Wachrufung sich vernebelnder -Erinnerungen? – – –</p> - -<p>Es ändern die Zeiten die Wohnstätten, das Dorf und seine Bewohner, – -Häuser alter Urahnen und Ahnen lassen sie verschwinden. –</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_114">[114]</span></p> - -<p>Hier und da birgt das altehrwürdige Gotteshaus <em class="gesperrt">die hohen Werte urväterlicher -Schaffenslust und kunstfröhlicher Gestaltungskraft</em>. -Diese Werte und ihre Entstehungszeiten sprechen zu uns in einer so treuherzigen, -wahren Art, daß wir vermeinen mit Urahnen und Ahnen wieder verbunden zu -sein. Ihre stumme Sprache bedingt eine feierliche Ruhe, um all die lieben -Erinnerungen ernster und freudiger Art auslösen zu können für so manchen, dessen -Werdegang von der Taufe bis ins hohe Alter mit dieser Stätte, diesem Raum, in -enger Verbindung gestanden hat. – – –</p> - -<p>Je nach Herzens- und Gemütsstimmung dürfte jenen und anderen die <em class="gesperrt">unverschlossene -Gotteshalle</em> Anlaß bieten, eine besondere Feierstunde in ihr zu erleben.</p> - -<p>Und wenn zur rechten Abendstunde aus dem offenen Kirchenherzen der Orgel -entströmende volkstümliche Weisen dringen könnten, hinab in den Ort, weit in -das Land – – – – – so manches Menschenkind würde – bewußt oder unbewußt -– dann solcher Töne lauschen oder angeregt durch deren Macht, mitsingen, -– sein Sinnen aufwärts lenken, himmelan.</p> - -<hr class="tb" /> - -<p><em class="gesperrt">Nachsatz.</em> Die einfache, schöne Bertsdorfer Gotteshausanlage, deren spitzbogige -Maßwerkfenster als Nachklänge des Mittelalters in romantische Harmonie -treten mit dem barocken Einschlag der Altar- und Kanzelformung, und deren Urheberschaft -wahrscheinlich zu danken ist dem genialen, vielseitig tätig gewesenen -Dresdner kurfürstlichen Hofarchitekten Wolf Caspar von Klengel, erhebt dieses -Werk zu einem Bindeglied der Reihe hochbedeutender Bauschöpfungen jener Zeit, -die unter Klengels Leitung zur Ausführung kamen, beziehentlich begonnen wurden.</p> - -<p>Diese Bauepoche, während welcher unter anderen die erste Anlage des Großen -Gartens und der Bau des darin gelegenen prächtigen Lustschlosses erfolgte, zeitigt -im letzten Viertel des siebzehnten Jahrhunderts den Anfang zu den baukünstlerischen -Großtaten in Dresden und diejenige Baukultur in der Oberlausitz, der wir die -bedeutenden Werke des »Zittauer Barocks« in der Hausbau- und Denkmalkunst -verdanken und die fortlebte bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts.</p> - -<p>Mit dem Beginn einer einsetzenden schulmäßigen Ausbildung Bauberufener -in fernliegenden Großstädten, verlor die örtliche altmeisterliche Kunstübung ihre -Kraft und Eigenheit, bis sie schließlich unterging in den Wellen neuer Zeit- und -Kunstströmungen, welche zu neuem Leben erweckten die »klassischen Künste«, in -deren strengem Geiste nach Friedrich Schinkels Plänen als Umbau errichtet und -vollendet wurde die 1837 geweihte</p> - -<p class="center"> -St. Johanniskirche in Zittau. -</p> - -<h3>6. Von der Bertsdorfer Kirche nach Oybin<a id="FNAnker_10" href="#Fussnote_10" class="fnanchor">[10]</a></h3> - -<p>Von der Bertsdorfer Kirche führen strahlenförmig Straßen-, Feld- und Waldwege -in die Ortschaften, Waldungen und auf die Höhen des nahen Zittauer -Gebirges. Ein aussichtsreicher, prächtige Blicke in das sich um Zittau weitende<span class="pagenum" id="Seite_116">[116]</span> -Landschaftsbild gewährender Weg, führt am idyllisch gelegenen Hungerbrunnen -vorüber, zur Leipaer Straße und durch die Katzenkerbe nach Oybin. Auf der Höhe, -hinter der Katzenkerbe, entfaltet sich ein überraschend schönes Gegenbild. Es zeigt -das den Oybiner Kessel rahmende Gebirge mit dem Hochwald und den im Mittelgrunde -aufgetürmten Sandstein-Quaderberg Oybin.</p> - -<div class="figcenter illowp50" id="illu-049"> - <img class="w100" src="images/illu-049.jpg" alt="" /> - <div class="caption"><b>Oybiner Klosterruine</b><br /> -Nach Originalzeichnung von Prof. R. Michel, Görlitz</div> -</div> - -<p>Vielbesungene, sagenumwobene Ruinen krönen das Kleinod des Gebirges. -In ganz eigener Schönheit, von Waldesgründen umgeben, liegt es, friedvoll eingebettet, -vor des Wanderers Augen.</p> - -<p>Doch am eindruckvollsten sind die Durchblicke, die aus Waldestiefen die hochthronenden, -waldumsäumten Ruinen im Morgen- oder Abendglanz erscheinen lassen.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Im Anblick des verfallenen Klosters,</div> - <div class="verse indent0">hoch oben, über Felsenhängen, –</div> - <div class="verse indent0">im stillen Frieden der Natur, in der</div> - <div class="verse indent0">sich Gott- und Menschenwerk so</div> - <div class="verse indent0">wunderbar zusammen eint, –</div> - <div class="verse indent0">im Anblick dieser Gottesburgruinen</div> - <div class="verse indent0">andächtig weilend, schweigend sinnend,</div> - <div class="verse indent0">bis Dämmerung sie umgibt und</div> - <div class="verse indent0">letzte Sonnenblicke ihre Zinnen scheidend grüßen, –</div> - <div class="verse indent0">welch deutsches Herz – vom Zauber</div> - <div class="verse indent0">solcher Herrlichkeit umfangen, –</div> - <div class="verse indent0">ergreift hier nicht das Sehnen und</div> - <div class="verse indent0">Verlangen nach einem neuen</div> - <div class="verse indent0">Morgengrauen – dem Aufgang</div> - <div class="verse indent0">neuer deutscher Herrlichkeit in</div> - <div class="verse indent0">volkseigener Kunst – in deutscher</div> - <div class="verse indent0">Gotteswelt und deutscher Freiheit? –</div> - </div> -</div> -</div> - -<div class="smaller"> -<p>Anmerkung: Baugeschichtliche Daten nach: Gurlitt, Beschreibende Darstellung der älteren -Bau- und Kunstdenkmäler Sachsens. 29. Heft. Amtshauptmannschaft Zittau.</p> -</div> - -<div class="footnotes"><h3>Fußnoten:</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_8" href="#FNAnker_8" class="label">[8]</a> Nr. 1 siehe Heft 11/12, Band V, 1916, Seite 347. Nr. 2 und 3 siehe Heft 4/6, Band VIII, -1919, Seite 75. Nr. 4 siehe Heft 1/3, Band IX, Seite 13.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_9" href="#FNAnker_9" class="label">[9]</a> Vergleiche Band IX, Heft 1–3, Seite 13, Wanderbild 4. – Die Wieser Kirche unweit -Seidenberg O.-L. – Hierbei sei bemerkt, daß der böhmische Grenzort nicht Wiesa, sondern -Wiese heißt.</p> - -</div> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_10" href="#FNAnker_10" class="label">[10]</a> Der <em class="gesperrt">Klosterbau</em> erfolgte im Zeitraume 1366–1384, dient seiner Zweckbestimmung bis -1559, in welchem Jahre der letzte Mönch das Kloster verläßt, wird 1577 durch Blitzschlag und -Brand zur Ruine.</p> - -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Volkslieder_der_Saechsischen_Oberlausitz">Volkslieder der Sächsischen Oberlausitz</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Friedrich Sieber</em>, Krostau bei Schirgiswalde</p> - -<p>Vor einigen Jahren habe ich versucht, in einer Anzahl Ortschaften der Sächsischen Oberlausitz -den noch vorhandenen Schatz an Volksliedern festzustellen. Ich bin nicht als Wandervogel -durchs Land gezogen, der mit glücklicher Hand da ein Liedlein fing, dort ein anderes. Als -geborener »Edelroller« war ich in den Ortschaften meist beruflich tätig. Mit Alter und Jugend -sang ich. Mancherlei Beobachtungen habe ich dabei anstellen können.</p> - -<p>Es ist deutlich wahrnehmbar, daß der Schatz der von Ohr zu Ohr überlieferten Lieder -rasch im Abnehmen begriffen ist. Die Jugend kennt etwa nur noch die knappe Hälfte der Lieder, -die in gleichen Ortschaften dem Alter vertraut sind. Dieses ungefähre Zahlenverhältnis gilt vor -allem für bäuerliche Siedelungen. In rein industriell tätigen Gebieten ist die Liedüberlieferung -viel mangelhafter. Nicht so ungünstig ist sie meiner Beobachtung nach in Ortschaften, die zwar -überwiegend mit Industriearbeitern bevölkert sind, die aber auswärts zur Fabrik gehen. Seßhaftigkeit -in vererbten Häuschen und gemeinsamer Fabrikweg können die Tatsache erklären.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_117">[117]</span></p> - -<p>Wer singt in den Dörfern die Volkslieder? Stellen sie ein Erbgut dar, allen Bewohnern -einer Landschaft gleicherweise vertraut? Nein, die Zeiten der Gebundenheit aller an überlieferte -Volkswerte sind auch in der Oberlausitz im Entschwinden. Das Volkslied hat sich aus breiter Öffentlichkeit -zurückgezogen. Die größte Anzahl der Männer beachtet es kaum. Frauen sind seine -Hüterinnen geworden. In überwiegender Weise ist es ein ganz bestimmter Typus der Frau des -Volkes, die das überlieferte Volkslied hegt. Sie ist intellektuell gut veranlagt, sie hat Charaktereigenschaften, -die sie zur Hausfrau und Mutter vorzüglich befähigen, sie ist stimmbegabt und -meist mit sicherem musikalischen Gehör ausgestattet. Die Stuben, in denen von den Ahnen überlieferte -Lieder gesungen werden, sind meistens blank und glänzend. In polnischen Wirtschaften -habe ich fast nie alte Lieder singen hören. Bei gemeinsamer Winterarbeit (Federnschleißen) oder -an weichen Sommerabenden auf der Bank vor dem Hause, da tritt das Volkslied aus seiner -Verborgenheit. Die oben geschilderten Frauen sind die Vorsängerinnen, sie können Text und -Melodie. Unter ihrer sichern Führung tauchen Bruchstücke in anderen auf, zagend fallen sie ein, -und die getragenen Weisen lassen vergangene Welten wiedererstehen.</p> - -<p>Doch ehe wir die Lieder einer Betrachtung unterziehen, die hier als Volkslieder bezeichnet -werden, wollen wir uns über den Umfang des Begriffs verständigen. Ich habe in meine Sammelarbeit -nicht mit einbezogen:</p> - -<div class="hang"> - -<p>1. Lieder, die durch Schulpflege lebendig bleiben oder geblieben sind;</p> - -<p>2. Lieder, die zum Sangesschatz der Gesangvereine gehören;</p> - -<p>3. Lieder, die durch Wandervögel und ähnliche Bewegungen wieder in Umlauf gekommen -sind;</p> - -<p>4. Selbstverständlich alle modernen Schlager, mit denen gegenwärtig der allergrößte Teil -der Sangeslust bestritten wird.</p> -</div> - -<p>Die Lieder, die abgesehen von den in eins bis vier aufgezählten Arten noch im Volke -lebendig sind, die allein wollen wir einer näheren Prüfung unterziehen. Ich habe ein reichliches -halbes Hundert derartiger Lieder aufgezeichnet. Ich will einige von denen mitteilen, die meines -Wissens nach noch nicht in Sammlungen veröffentlicht sind.</p> - -<p>Am zahlreichsten ist das Liebeslied vertreten. Unter ihnen ist die Ich-Form häufig. Da -singt ein Mädchen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Der Vetter Michel liebet mich</div> - <div class="verse indent0">Mit deutscher Redlichkeit,</div> - <div class="verse indent0">Und wie er liebt, liebt sicherlich</div> - <div class="verse indent0">Kein Bauer weit und breit.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Geht er ins Holz, ich bin schon da,</div> - <div class="verse indent0">Er gibt mir Käs’ und Brot.</div> - <div class="verse indent0">Er fällt das Reis’g, ich bind’s zusamm’,</div> - <div class="verse indent0">Wir küssen uns halbtot.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wenn nun der liebe Sonntag kommt</div> - <div class="verse indent0">Da gehen wir zum Tanz,</div> - <div class="verse indent0">Da springen wir, wer weiß wie sehr,</div> - <div class="verse indent0">Und trinken frisches Bier.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wenn nun der Tanz ist ausgetanzt</div> - <div class="verse indent0">Da gehen wir zu Haus.</div> - <div class="verse indent0">Da führt der liebe Michel mich</div> - <div class="verse indent0">In Lust und Freud nach Haus.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Wittgendorf bei Zittau.) -</p> - -<p>Das folgende Lied bricht an der spannendsten Stelle ab. Eine andre, mit der ersten gar -nicht zusammenhängende Erzählung beginnt. Dadurch wird eine geradezu ausgezeichnete -Wirkung erzielt:</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_118">[118]</span></p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Wenn ich gleich kein’ Schatz mehr hab’, ’s wird sich einer finden.</div> - <div class="verse indent0">Ging das Gäßlein auf und ab, kam bis zu der Linden,</div> - <div class="verse indent0">Als ich zu der Linden kam, stand mein Schatz daneben.</div> - <div class="verse indent4">Grüß dich Gott, herztausiger Schatz, bist denn du gewesen?</div> - <div class="verse indent4">Bin gewesen im fremden Land, hab’ viel Neues erfahren.</div> - <div class="verse indent4">Was du Neues erfahren hast, kannst du mir wohl sagen.</div> - <div class="verse indent4">Hab’ erfahren dies und das, wünsch’ bei dir zu schlafen.</div> - <div class="verse indent4">Schlafen kannst du wohl bei mir, aber nur in Ehren.</div> - <div class="verse indent4">Ob es wird in Ehren sein, müssen wir erst sehen.</div> - <div class="verse indent0">Zwischen Berg und tiefem Tal saßen einst zwei Hasen.</div> - <div class="verse indent0">Fraßen ab das grüne Gras, ja, bis auf den Rasen.</div> - <div class="verse indent0">Da sie sich satt gefressen hatten, setzten sie sich nieder.</div> - <div class="verse indent0">Warten bis der Jäger kommt, der schießt sie darnieder.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Friedersdorf bei Zittau.) -</p> - -<p>Auch das Motiv, das in dem bekannten schwäbischen Lied: Jetzt gang i ans Brünnele, -behandelt wird, fehlt unsern heimischen Liedern nicht. Meinem Empfinden nach ist es in mindestens -ebenbürtiger Form dargestellt.</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich ging wohl durch einen gar so lustigen Wald,</div> - <div class="verse indent0">Und da kam ich zu ’nem Börnlein und das war so kalt.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich setzte mich nieder um eine kleine Ruh’,</div> - <div class="verse indent0">Ich hörte den schönen Singvögelein zu.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich hörte so lange, bis daß es mich verdroß,</div> - <div class="verse indent0">Und da fielen zwei Röslein auf meinen Schoß.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Und die Röslein, die waren von Golde so rut,</div> - <div class="verse indent0">Junge Mädchen, die haben einen stolzen Mut.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich ging wohl in ein Wirtshaus, ich tanzt aber nicht.</div> - <div class="verse indent0">Ich suchte mein schön’ Schätzchen, ich fand’s aber nicht.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich suchte in der Stube, ich suchte in dem Haus;</div> - <div class="verse indent0">Ei, da stand mein schön’ Schätzchen und lachte mich aus.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ei lache, immer lache, es wird dich schon gereu’n,</div> - <div class="verse indent0">Wenn ich werd’ bei ’nem andern schönern Schätzchen sein.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Dittelsdorf, Friedersdorf bei Zittau.) -</p> - -<p>Ein Totenlied, rührend in seiner tiefempfundenen Schlichtheit, lautet folgendermaßen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Bei mir ist Spiel und Tanz vorbei, das Lachen ist vorüber,</div> - <div class="verse indent0">Ich hasse Lieder und Schalmei, und Klagen sind mir lieber.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ach Gott, wer hätte das gedacht, als ich sie dankbar küßte,</div> - <div class="verse indent0">Daß ich so bald die grüne Tracht in Schwarz verwandeln müßte.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Geduldig war sie wie ein Lamm, tat niemand was zu Leide,</div> - <div class="verse indent0">Sie war so fromm, so tugendsam, zu aller Menschen Freude.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Und wenn sie kam, da konnte man die Blicke nicht vertragen,</div> - <div class="verse indent0">Und wenn sie lachte, mußte man die Augen niederschlagen.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Wittgendorf.) -</p> - -<p>Eine Totenklage ist auch das Lied, das in dem bekannten Volksliederbande der Blauen -Bücher (Karl Robert, Langenwiesche: Von Rosen ein Krentzelein) unter der Überschrift: »Der -Trauernde« (21.–30. Tausend, S. 96) abgedruckt ist. Die von mir aufgezeichnete Lesart ist -ausführlicher, verrät aber in einigen dialektischen Wendungen noch den süddeutschen Ursprung.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_119">[119]</span></p> - -<p>Die alte Weisheit des Nibelungenliedes: <em class="antiqua">als ie diu liebe leide z’aller jungeste gît</em>, wird -lebendig in dem Abschiedsgespräch zwischen einem Burschen, der wandern will, und seinem Mädchen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Des Sonntags, des Montags in aller Still</div> - <div class="verse indent0">Kam eine traurige Botschaft zu mir:</div> - <div class="verse indent0">Dieweil ich von mein’m Schätzchen hat Abschied genomm’n,</div> - <div class="verse indent0">Da sollt ich nur noch einmal zu ihr komm’n.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Als ich die Gasse herunterkam,</div> - <div class="verse indent0">Sah ich mein Feinsliebchen an der Haustür stahn.</div> - <div class="verse indent0">Sie winkt mir mit dem Äugelein, sie scharrte mit dem Fuß,</div> - <div class="verse indent0">Sie aber wußt es nicht, daß ich wandern muß.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Als ich zu ihr gekommen war,</div> - <div class="verse indent0">Sagt sie zu mir in aller, aller Still:</div> - <div class="verse indent0">Ich sollt’ sie nicht verlassen in aller ihrer Not,</div> - <div class="verse indent0">Ich sollt’ sie treulich lieben bis in den Tod.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Sie an mein schneeweißes Angesicht.</div> - <div class="verse indent0">Wie mich die große Liebe hat zugericht.</div> - <div class="verse indent0">Kein Feuer auf der Erde brennt nimmermehr so heiß,</div> - <div class="verse indent0">Als die verborg’ne Liebe, die niemand nicht weiß.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">In Trauern muß ich schlafen geh’n,</div> - <div class="verse indent0">In Trauern muß ich wiederum aufersteh’n;</div> - <div class="verse indent0">In lauter Traurigkeit verbring ich meine Zeit,</div> - <div class="verse indent0">Dieweil ich nicht darf lieben, was mir mein Herz erfreut.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Geht dir’s wohl, so gedenk’ an mich,</div> - <div class="verse indent0">Geht dir’s aber traurig, so kränket es mich.</div> - <div class="verse indent0">Vom Herzen bin ich froh, wenn’s mir und dir wohl geht,</div> - <div class="verse indent0">Obgleich mein junges Leben in Trauern steht.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Wittgendorf.) -</p> - -<p>Häufig wird in den Liebesliedern die Ich-Form aufgegeben. Der Liebesstoff wird balladenartig -behandelt. Als ein Übergang zu dieser Form kann folgendes Lied angesehen werden:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Warum bist du denn immer so traurig? Weil alles über mich geht.</div> - <div class="verse indent0">Drum laß ich den lieben Gott walten, der alles am besten versteht.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">So schön wie eine Rose, die fein am Stengel dort steht,</div> - <div class="verse indent0">So schön ist auch ein jung’ Mädel, wenn es im Grünkränzel geht.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">So falsch wie eine Schlange, die auf der Erde rumkriecht,</div> - <div class="verse indent0">So falsch ist ein Junggeselle, wenn er sein Mädel verführt.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Und wenn er sie verführet hat, auf off’ner Straß’ läßt er sie steh’n,</div> - <div class="verse indent0">Da denkt sie in ihrem Herzen, wo soll ich nun weiter hingehn?</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Der Apfel ist schön rosenrot, schwarze Körner sind darin.</div> - <div class="verse indent0">Und wenn der Bursch geboren wird, trägt er einen falschen Sinn.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ein falscher Sinn, ein froher Mut, das ist der Burschen Gebrauch,</div> - <div class="verse indent0">Drum gibt es so viele in Friedersdorf, die lieben die Falschheit auch.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Friedersdorf.) -</p> - -<p>In vielen Liedern treten dramatische und epische Bestandteile neben den lyrischen stärker -hervor. Mehr oder weniger reine Balladen entstehen. Dazu gehört das schon von Herder im -Elsaß aufgezeichnete Lied vom Grafen: »Ich stand auf hohem Berge«, das mit geringen Abweichungen -in der ganzen Lausitz verbreitet ist, ferner das Lied: »Es war einst eine Jüdin«,<span class="pagenum" id="Seite_120">[120]</span> -das in etwas umgestalteter Weise den Stoff der Königskinder behandelt und nach der Weise des -Grafenliedes gesungen wird. Eine andre Ballade, die mit dem so sehr beliebten Anfang -anhebt: »Es stand ein’ Lind’ im tiefen Tal, ist oben breit und unten schmal«, an den sich aber -wenigstens drei verschiedene Lieder anschließen, die inhaltlich kaum etwas Gemeinsames haben, -enthält einen schönen Liebesgruß, der schon seit dem Ruodlieb (1030) eine beliebte Gedichtform -darstellt. Das Mädchen schickt mit dem Boten an ihren Liebsten, der sie vermeintlich verlassen -hat, folgende Wünsche:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ich wünsch’ ihm so viel Wohlergehn, als so viel Stern am Himmel steh’n.</div> - <div class="verse indent0">Ich wünsch’ ihm so viel Hochzeitsgäst, als in dem Wald sind grüne Äst.</div> - <div class="verse indent0">Ich wünsch’ ihm so viel Herzeleid, als so viel Sand am Meere leit.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Eine stark abweichende Lesart der Ballade ist bei Uhland enthalten (Nr. 116). Das alte -Balladenmotiv des verwundeten Burschen, der in den Armen der Geliebten stirbt, wird behandelt -in dem auch anderwärts aufgezeichneten Liede: »Es wollt’ ein Mädchen früh aufsteh’n«, -dessen dunkle Melodie in hervorragender Weise dem schwermütigen Stoff angepaßt ist. Knapp, -rasch fortschreitend ist die Ballade vom Soldaten, der aus dem Kriege zurückkehrt:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Was kann mich denn schöner erfreuen, ju, ja erfreuen,</div> - <div class="verse indent0">Als wenn der Sommer angeht.</div> - <div class="verse indent0">Es blühen die Rosen im Garten, ju, ja im Garten,</div> - <div class="verse indent0">Soldaten marschieren ins Feld.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent4">Und als ich in das fremde Land Österreich kam,</div> - <div class="verse indent4">Da gedacht ich gleich wieder nach Haus.</div> - <div class="verse indent4">Als ich dann wieder nach Hause kam,</div> - <div class="verse indent4">Feinsliebchen stand an der Tür.</div> - <div class="verse indent4">»Gott grüß’ dich, du Hübsche, du Feine,</div> - <div class="verse indent4">Vom Herzen gefällst du ja mir.«</div> - <div class="verse indent4">»Ich brauch’ dir ja nicht zu gefallen,</div> - <div class="verse indent4">Ich hab’ schon längst einen Mann.</div> - <div class="verse indent4">Einen hübschen, einen feinen, einen reichen,</div> - <div class="verse indent4">Der mich ernähren kann.«</div> - <div class="verse indent4">Was zog er aus seiner Tasche?</div> - <div class="verse indent4">Ein Messer, ’s war scharf und gespitzt.</div> - <div class="verse indent4">Er stach’s dem Feinsliebchen ins Herze,</div> - <div class="verse indent4">Das rote Blut gegen ihn spritzt.</div> - <div class="verse indent4">Und als nun das Mädchen gestorben war,</div> - <div class="verse indent4">Da grub man ihr ein Grab</div> - <div class="verse indent4">In ihres Großvaters Lustgarten,</div> - <div class="verse indent4">Wo Rosen und Rosmarin steh’n.</div> - <div class="verse indent4">Ihr Mädchen und Junggesellen,</div> - <div class="verse indent4">Nehmt euch ein Beispiel daran.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Schönbach bei Löbau.) -</p> - -<p>Es ist ganz zweifellos, daß dem erwähnten Heereszuge nach Österreich ein bestimmtes -historisches Ereignis zugrunde liegt. In manchen Liedern tritt das Historische stark hervor. -Die Ballade wird zum historischen oder politischen Lied. Ich habe in der Lausitz noch lebendig -gefunden das Lied über den Feldzug Napoleons I. nach Rußland: »Napoleon, du Schustergeselle«, -weiterhin ein Lied, das den Krieg von 1870 zum Hintergrund hat: »Im Städtchen zu Baden -da steht ein Haus«, das aber dem bekannten Sedanliede: »Bei Sedan auf den Höhen«, an Wert -nachsteht. Das Interessanteste dieser Gattung ist das über einen großen Teil Europas verbreitete -Marlboroughlied, durch dessen Wortprägung und Wortbindung gedämpft der vornehme Glanz -hochadligen Hintergrundes leuchtet. Dieses Marlboroughlied hat in der Oberlausitz ein eigenartiges -Schicksal gehabt. Der Eingang: »Marlborough zog zum Kriege«, hat sich eine kühne -volksethymologische Umdeutung gefallen lassen müssen. Was war dem biedern Lausitzer, der -sangeslustigen Dorfdirne, der stolze Britenherzog Marlborough? Und so begann der Lausitzer<span class="pagenum" id="Seite_121">[121]</span> -das Lied: »Mein Bruder zog zum Kriege«. Nun konnte nicht mehr Madame in die Höhe -steigen, um nach den Vermißten Ausschau zu halten, der zu Ostern kommen wollte, sondern die -Schwester tut es. Nun kommt nicht mehr der Page, der die Trauerbotschaft bringt, der höfisch -und fein spricht:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Das Neue, das ich bringe, macht schöne Augen naß.</div> - <div class="verse indent0">Leg’ ab die ros’gen Kleider und deinen Blumenschmuck.</div> - <div class="verse indent0">Dein Marlbruck ist gestorben, tot und begraben schon.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Drei Burschen kommen gezogen, von Blute rot, Mitkämpfer sind sie gewesen. Anspruchslos -und schlicht sprechen sie:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Das Neuste, das wir bringen, macht dir die Äuglein naß.</div> - <div class="verse indent0">Dein Bruder ist erschossen, ist tot und lebt nicht mehr.«</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Durch alle diese folgerichtigen Änderungen ist die Handlung der Ballade aus der großen -Welt in den engen Kreis des Volkes verpflanzt worden, ohne etwas von ihrer Tragik zu verlieren.</p> - -<p>Aber nicht nur harte politische Tatsachen haben im Volkslied ihren Niederschlag gefunden. -Viele von ihnen sind vom kulturhistorischen Gesichtspunkt aus aufs höchste belehrend. Vor allem -fesselt den Literarhistoriker manch seltsames Lied, das unter dem Namen Volkslied durchschlüpfen -will, weil es vom Volke gesungen wird. Das echte Volkslied, das wurzelhaft dem Volke -entwachsen ist, zeigt eigentümliche Merkmale, die ihm einen wundersamen, unnachahmlichen -Zauber verleihen. Das Volk, das solche Lieder hervorbringt, ist gleichsam eine ungeheure, sich -selbst unbewußte Individualität, von einer mächtigen Lebensform beherrscht, die in seinen Gestaltungen -nach Ausdruck ringt. Je näher wir der neueren Zeit rücken, desto fühlbarer zerbricht -der Kosmos Volk. Gruppen und Einzelwesen entreißen sich seinem magischen Banne. Neben -die Dichtung des Gesamtvolkes tritt die Dichtung der schöpferischen Persönlichkeit. Aber in allen -gesunden Zeiten besteht eine starke, untergründige Verbindung zwischen Volk und Persönlichkeit. -Beide hängen zusammen wie Mutter und ungestümes Kind. Eins steigert das Wesen des andern. -Wieder eine solche reine Verschränkung zwischen Volk und Einzelwesen entstehen zu sehen, ist -unser aller Sehnsucht; denn seit Beginn der neuesten Zeit ist die Lebensform Volk in Millionen -Atome zersplittert. Jedes Glied der einstigen Gemeinschaft hat das Recht betontester Einzelexistenz -an sich gerissen. Die Folge dieses Vorgangs ist auf künstlerischem Gebiet die Zerstäubung -jedes Stilgefühls. In Zeiten tiefer Bindungen wird der Mensch in einen Stil hineingeboren, -dessen Träger das Gesamtvolk ist. Nach Zertrümmerung des tragenden Mutterschoßes wird Stil -zu einer Aufgabe, die jeder im individuellen Leben in zuchtvoller Arbeit lösen muß. Da dies -aber nur wenig Begnadeten möglich ist, bleibt die Masse der Glieder eines Volkes in lebengestaltender -Hinsicht im Chaos. Der Instinkt für angemessene Form ist verloren gegangen. -Wahllos ist die Masse jedem Einfluß hingegeben. Daß dies nicht erst ein Entwicklungsergebnis -der unmittelbaren Gegenwart ist, beweisen eine Anzahl Lieder, die deutliche Spuren flüchtiger -Literaturmoden an sich tragen, die der bewertende Beurteiler mit gutem Gewissen als minderwertig -bezeichnen kann. Drei Einflüsse dieser Art sind in einer Anzahl der von mir gesammelten -Lieder deutlich wahrnehmbar. Zum ersten sind es die Schauerromane, die an der Wende des -neunzehnten Jahrhunderts sich außerordentlicher Beliebtheit erfreuten. Besonders häufig sind die -Schauer des Kirchhofs verwendet worden. Dort finden wir während der »süßen« Geisterstunde den -Liebhaber, dessen Mädchen starb. An der Kirchhofsmauer rauscht es. Eine weiße Gestalt naht, -still und sanft, voller Trauer. Wilhelmine ist es. Flehend bittet der Liebhaber, ihn mitzunehmen -in ihre Totenkammer. Aber allein entschwindet sie ihm. Nicht nur Stoff und Behandlungsart -verraten die Entstehungszeit dieses Liedes. Wer sich einmal die lehrreiche Mühe machte, die -Vornamen unsrer Vorfahren zusammenzustellen, wird finden, daß Wilhelmine eine ganze Zeit -hindurch im ersten Teil des neunzehnten Jahrhunderts ein ausgesprochener Modename war. -Noch ein andres Schauerlied möge Erwähnung finden. Es erzählt, wie ein Schlossergesell’ nach -jahrelanger Wanderschaft zu seinen Eltern, die ein Gasthaus haben, zurückkehrt. Der Bursche -gibt sich nur seiner Schwester zu erkennen. Um Mitternacht ermordet der Vater, von Neugier -und Habsucht getrieben, den unbekannten Fremdling. Dies Lied ordnet sich wichtigen literarhistorischen -Zusammenhängen ein. Es behandelt einen ganz ähnlichen Stoff, wie die Tragödie<span class="pagenum" id="Seite_122">[122]</span> -<em class="antiqua">Fatal curiosity</em> des Engländers George Lillo, die zum Ausgangspunkt der Schicksalstragödie -wurde, die mit Hilfe des entfesselten Geisterchors, durch entsetzliche Bluttaten und Verbrechen, -Schauer und Entsetzen erregen wollte.</p> - -<p>Um dieselbe Zeit, als in Deutschland die Schicksalstragödien blühten, waren die tugend- -und rührsamen Familiengeschichten des Feldpredigers August Heinrich Julius Lafontaine in -Mode. War er doch sogar ein Lieblingsschriftsteller der Königin Luise. Auch dieser Einfluß -ist in einigen Liedern deutlich nachzuweisen (z. B.: Steh ich hier am eisern Gitter).</p> - -<p>Mit diesen beiden Einflüssen hat auch die dritte der damals herrschenden Moden ihren -Niederschlag in Liedern gefunden. Es ist die nach dem Erscheinen des Götz von Berlichingen -wildwuchernde Ritterromantik. Deutschland wurde von Ritterdramen und Ritterromanen überschwemmt. -Welche köstlichen unfreiwilligen Parodien entstanden, mag eine Probe zeigen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Eine Heldin, wohl erzogen, mit Namen Isabell,</div> - <div class="verse indent0">Die schoß mit Pfeil und Bogen, so gut wie Wilhelm Tell.</div> - <div class="verse indent0">Ein Ritter, jung an Jahren, mit Namen Eduard,</div> - <div class="verse indent0">Der sich beim Ringelspiele in sie verliebet hat</div> - <div class="verse indent0">Er gab ihr zum Geschenke, den schönsten Blumenstrauß,</div> - <div class="verse indent0">Doch nichts konnt’ sie erfreuen, sie schlug ihm alles aus.</div> - <div class="verse indent0">Er gab ihr zum Andenken, den schönsten Trudihahn,</div> - <div class="verse indent0">Doch nichts war ihr zur Freude, von ihm nahm sie nichts an.</div> - <div class="verse indent0">Fahr’ hin, du Stolze, du Spröde, dein Stolz wird dich gereu’n,</div> - <div class="verse indent0">Du wirst noch Tränen weinen, wenn ich werd’ nicht mehr sein.</div> - <div class="verse indent0">Einst ritt sie eine Strecke, als Jägerin in das Holz,</div> - <div class="verse indent0">Da saß in einer Ecke ein Bär, in Ängsten stolz.</div> - <div class="verse indent0">Gleich stieg sie von dem Pferde, das stolze, kühne Weib,</div> - <div class="verse indent0">Und schoß mit ihrem Pfeile, das Untier durch den Leib.</div> - <div class="verse indent0">Das Roß mußt ihrer warten, sie eilt von ihm zum Wild –</div> - <div class="verse indent0">Wen erblickt sie? Eduarden, in Bärenhaut gehüllt.</div> - <div class="verse indent0">Und kaum verging’n sechs Wochen, verzehrt von Gram und Schmerz,</div> - <div class="verse indent0">Begrub man ihre Knochen, zu Füßen Eduards.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Krostau.) -</p> - -<p>Doch nicht mit diesen Tönen wollen wir eine Abhandlung über Volkslieder der Sächsischen -Oberlausitz schließen. Das soll eine kurze Betrachtung mundartlicher Dichtungen tun. Mundartliche -Lieder, die über den Interessenkreis eines bestimmten Dorfes (Beziehungen auf bestimmte -Personen und Vorkommnisse) hinausgehen, sind nicht zu zahlreich. Ihr gemeinsames Merkmal -besteht darin, daß sie fast ausnahmslos Scherzlieder sind. Da werden die üblichen Berufe einer -scherzhaften Prüfung unterzogen. – Die besorgte Mutter schlägt der Tochter aus jedem Berufe -»Einen« vor. Aber das Töchterchen ist wählerisch. An jedem hat sie auszusetzen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Nee, Mutter, nee, ’n Leinwabr, dan mag ’ch ne,</div> - <div class="verse indent0">D’r Leinwabr stroamplt mit Händ’n und Füss’n,</div> - <div class="verse indent0">Ar könnt’ mich mit ’n Schütz’n erschissen,</div> - <div class="verse indent0">Nee, Mutter, nee, ’n Leinwabr, dan mag ’ch ne.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p>Doch endlich hat sie den rechten gefunden:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Ja, Mutter, ja, ’n Spieler, dan will ’ch hon.</div> - <div class="verse indent0">D’r Spieler hot verschied’ne Puppen,</div> - <div class="verse indent0">Ar läßt mich monchmol o mit hupp’n,</div> - <div class="verse indent0">Ja, Mutter, ja, ’n Spieler, dan will ’ch hon.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Naundorf bei Gaußig.) -</p> - -<p>Anspruchsloser ist eine andre Dorfschöne:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent4">Hans’l soaß an Uf’nloch</div> - <div class="verse indent4">Und flickte seine Schuh,</div> - <div class="verse indent4">Da koam Nubbersch Gret’l</div> - <div class="verse indent4">Und guckt d’r Arbeit zu.</div><span class="pagenum" id="Seite_123">[123]</span> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Hons, wenn de heiroatst, do heiroatst de mich,</div> - <div class="verse indent0">Ich hoa ja no’ drei Pfenn’ge, die lang’n fer mich und dich.</div> - <div class="verse indent0">Und wenn mer wer’n verheiroat sein, do hoa mer no kee Haus,</div> - <div class="verse indent0">Nu, do keef m’r uns an Henkltop und do guck m’r ub’n ’naus.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Goldbach.) -</p> - -<p>Aber was sich hinter der holden Hülle der Schönen verbirgt, das kommt erst nach der -Ehe zum Vorschein. Das kann uns der unglückliche kleine Mann erzählen:</p> - -<div class="poetry-container"> -<div class="poetry"> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Es woar amol a klenner Moan, vi – vallera,</div> - <div class="verse indent0">Dar wullt a grußes Weibl hoan, hm, hm, hm.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Doas Weibl wullt ze Boalle giehn,</div> - <div class="verse indent0">Dar kleene Moan wullt o mit giehn,</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Moan, du mußt drheeme bleib’n,</div> - <div class="verse indent0">Du mußt ’n Kinnern Samm’l reib’n.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Und oals de Fro vum Boalle koam,</div> - <div class="verse indent0">Da stand ar durt und leckte droan.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">Do noahm de Fro ’n Bas’nstiel,</div> - <div class="verse indent0">Und hieb ’n Moan, doaß ar fiel.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">D’r Moan, dar huppt a’s Butterfoaß:</div> - <div class="verse indent0">»Nu kumm ock har, und tu’ m’r woas.«</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">D’r Moan, dar huppt zum Fanster ’naus,</div> - <div class="verse indent0">Und lief gor schnell a Nachboars Haus.</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">»Herr Nubber, ich will se emol woas soin:</div> - <div class="verse indent0">Mich hut su sehr de Fro geschloin.«</div> - </div> - <div class="stanza"> - <div class="verse indent0">D’r Nubber soite nischt drzu,</div> - <div class="verse indent0">Ar duchte: Mir gieht’s salber su.</div> - </div> -</div> -</div> - -<p class="mright"> -(Naundorf.) -</p> - -<p>Ein andres Lied erzählt in neckischer Weise die Geschichte von der Bauersfrau, die dem -Pfäfflein einen Hirsebrei mit einem halben Schock Eiern kocht, während der Bauer im Holze ist.</p> - -<p>Ich muß gestehen, daß es mir nicht ganz unbedenklich erscheint, daß der Lausitzer mundartlich -nur Scherzlieder kennt. Empfindet er seine Mundart selbst als komisch? Der Spaßmacher -spricht Mundart. Oder ist sein innerstes Wesen überwiegend aufs Komische gerichtet, für -Tragisches schwer zugänglich? Das glaube ich nicht. Vielleicht ist er zu verschlossen und zu -unbeholfen, um seine tiefsten Empfindungen dem Worte anzuvertrauen.</p> - -<p>Wenn wir im Vorangegangenen die Texte der Volkslieder einer Prüfung unterzogen haben, -so müssen wir uns dabei bewußt bleiben, den unwesentlichen Liedteil betrachtet zu haben. Der -Träger des Volksliedes ist die Melodie. Das wird dem Sammler oft in eindringlicher Weise -deutlich. Die meisten seiner Gewährsleute können ihm das Lied nicht aufsagen, sondern nur -vorsingen. Mit der Melodie stellt sich der Text ein. Ganz dürftige Texte sind um ihrer Melodie -willen beliebt, während wertvolle Texte, wenn sie unsanglich sind, vernachlässigt werden. Im -allgemeinen kann jedoch behauptet werden, daß Text und Melodie zu einer stilvollen Einheit -verschmolzen sind. Text und Melodie offenbaren eine einfache, natürliche, undifferenzierte -Empfindungsweise. Vor allem die Melodie bringt meist in hervorragender Weise typische Empfindungszustände, -wie Ausgelassenheit, Freude, Lust, behagliche Zufriedenheit, Trauer, Schmerz zum -Ausdruck. Gerade in dieser typisierenden Darstellung von Seelenzuständen liegt ein wesentlicher -Grund der allgemeinen Beliebtheit des Volksliedes.</p> -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p><span class="pagenum" id="Seite_124">[124]</span></p> - -<h2 class="nobreak" id="Nochmals_Pflanzt_Nussbaeume">Nochmals: »Pflanzt Nußbäume«<a id="FNAnker_11" href="#Fussnote_11" class="fnanchor">[11]</a></h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">B. Voigtländer</em></p> - -<p>Den Ausführungen Klengels in Heft 10 bis 12 des vorigen Jahrganges unsrer -Mitteilungen wird jeder Natur- und Heimatfreund zustimmen; der Nußbaum ist -tatsächlich nicht nur ein wertvoller Nutzbaum, sondern er befriedigt auch unser -Schönheitsgefühl durch seinen hohen Schmuckwert. Da wir jetzt gezwungen sind, -das Größtmöglichste aus unserem Boden herauszuwirtschaften, möchte ich noch auf -einen anderen, weniger bekannten Nußbaum hinweisen, der wegen seiner hervorragenden -Eigenschaften die gleiche Beachtung verdient, wie der bei uns zumeist -angepflanzte gewöhnliche oder Walnußbaum, <em class="antiqua">Juglans regia</em>.</p> - -<p>Es ist der amerikanische oder schwarze Nußbaum, <em class="antiqua">Juglans nigra</em>; er übertrifft -in Schnellwüchsigkeit und Schmuckwert den Walnußbaum, ist für unser Klima -genügend hart und stellt keine höheren Ansprüche an die Bodenbeschaffenheit. Seine -Schnellwüchsigkeit ist in dendrologischen Werken und Fachzeitschriften wiederholt -dargelegt worden, außerdem bin ich in der Lage, ein treffliches Beispiel dafür aus -eigener Anschauung anzugeben. Der Tharandter Forstgarten besitzt je einen, vor -etwa dreißig Jahren gepflanzten Baum beider Arten. Während nun <em class="antiqua">Juglans nigra</em> -in Brusthöhe bereits einen Umfang von ungefähr einen Meter hat, mißt <em class="antiqua">Juglans -regia</em> erst gegen siebzig Zentimeter. Hierzu kommt noch, daß ersterer gegen fünfzig -Meter hoch wird, während der letztere selten eine Höhe über zwanzig bis fünfundzwanzig -Meter erreicht. An Holzzuwachs übertrifft also der schwarze Nußbaum -den Walnußbaum ganz erheblich.</p> - -<p><em class="antiqua">Juglans nigra</em> hat eine schmälere Krone als <em class="antiqua">Juglans regia</em>, seine schmäleren -Blätter stehen nicht so dicht, lassen also mehr Sonnenlicht durch die Krone. Die -Anpflanzung wird sich also namentlich dann empfehlen, wenn die pflanzliche Umgebung -des Baumes durch zu tiefen Schatten, wie ihn der Walnußbaum meist gibt, -ungünstig beeinflußt würde. Einen Mangel hat der Baum allerdings; seine Früchte -sind nicht so wertvoll wie die des Walnußbaumes. Da Schale und Kernhaus sehr -dickwandig sind, bleibt für den Inhalt nicht viel Raum; der Kern bleibt klein -und wird zudem wegen seines starken Ölgehaltes sehr leicht ranzig. Dieser Nachteil -will mir aber nicht als ausschlaggebend erscheinen, da ich die Früchte des -Walnußbaumes nicht als Nahrungsmittel, sondern nur als Naschgelegenheit ansprechen -möchte. Meines Erachtens wiegt der hohe Wert, den der schwarze Nußbaum<span class="pagenum" id="Seite_125">[125]</span> -als Nutzholzerzeuger hat, den Mangel der Früchte mehr als doppelt auf. -Das Holz des amerikanischen Nußbaumes wird in Zukunft noch mehr begehrt -werden als schon jetzt, weil es ein sehr wertvoller Stoff für die Herstellung von -Flugzeug-Propellern ist.</p> - -<p>Auch in bezug auf Anpflanzung und Pflege ist die amerikanische Nuß nicht -anspruchsvoller als die gewöhnliche Walnuß. Am besten fährt man, wenn man -den Baum nicht pflanzt, sondern die Nüsse an Ort und Stelle legt. Die beste Zeit -dafür ist der Herbst; man erreicht dadurch, daß ungefähr achtzig vom Hundert -zum Keimen kommen, während bei der Frühjahrssaat nur bei etwa sieben vom -Hundert ein Erfolg eintritt.</p> - -<p>Ist man gezwungen, einen amerikanischen Nußbaum zu verpflanzen, so achte -man darauf, daß das sehr fleischige und leicht eintrocknende Wurzelwerk vollständig -erhalten bleibt, auch setze man es nicht unnötig lange der Luft und Sonne aus, -sondern pflanze den Baum sofort wieder ein. Dies gilt übrigens für beide Nußbaumarten. -Beachtet man diese Hauptregel, so wird man kaum Verluste zu -beklagen haben.</p> - -<p>Es könnte noch die Frage auftauchen, ob nicht etwa das Vaterlandsgefühl -verletzt würde, wenn man <em class="gesperrt">amerikanische</em> Nußbäume zahlreich anpflanzte. Dem ist -aber entgegenzuhalten, daß der Walnußbaum in unsrer engeren Heimat von Haus -aus auch nicht bodenständig ist. Dem Dresdner Heimatfreunde bietet sich Gelegenheit, -einen sehr großen amerikanischen Nußbaum an der Villa 78 an der Schnorrstraße -zu bewundern. Er ist wahrscheinlich der größte derartige Baum von Dresden -und der weiteren Umgebung.</p> - -<div class="footnotes"><h3>Fußnoten:</h3> - -<div class="footnote"> - -<p><a id="Fussnote_11" href="#FNAnker_11" class="label">[11]</a> Da <em class="antiqua">Juglans nigra</em> wegen des prächtigen Wuchses trefflich geeignet ist, das Landschaftsbild -verschönern zu helfen, kann die Anpflanzung nur empfohlen werden. Die Frucht ist zwar -weniger wertvoll, um so gesuchter ist aber das Holz. Vor dem Kriege wurde es in großen -Mengen eingeführt, um zur Herstellung von Gehäusen elektrischer und photographischer Apparate -verwendet zu werden. Es würde ein Dienst am Vaterlande sein, wenn es gelänge, durch eigene -Erzeugung die Einfuhr einzuschränken. Der Baum würde in erster Linie zur Holznutzung in -Frage kommen; die Fruchtgewinnung stünde erst an zweiter Stelle. Da, wie bereits erwähnt, -die Frucht des schwarzen Nußbaumes weniger wertvoll ist als die des Walnußbaumes, eignete -er sich vielleicht gut zur Anpflanzung an abgelegeneren und schwerer zu überwachenden Orten, -denen man, wegen des zu erwartenden Fruchtdiebstahls und der daraus regelmäßig entstehenden -Beschädigung der Bäume, Walnußbäume nicht anvertrauen will.</p> - -<p class="mright"> -A. Klengel. -</p> - -</div> -</div> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="UEber_das_Vorkommen_der_Weidenmeise"><b>Über das Vorkommen der Weidenmeise</b> (<em class="antiqua">Parus -atricapillus salicarius Brehm</em>) <b>in unserm Vaterlande</b></h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Rich. Schlegel</em></p> - -<p>Was für ein Vogel ist das? wird mancher Leser fragen, dem auf seinen -Wanderungen Kohl-, Blau-, Sumpf- und Schwanzmeisen im Waldesgrün liebe -Weggenossen waren und durch ihr lebhaftes Wesen im Gezweig, am Nistkästchen -des Gartens oder am winterlichen Futterplatz oftmals seine Aufmerksamkeit lebhaft -fesselten. Im vogelstimmenärmeren, schweigsamen Nadelwalde begegneten uns zuweilen -auch im Verbande der zutraulichen kleinen Vogelknirpse Goldhähnchen, Tannen- und -Haubenmeisen als charakteristische Erscheinungen, aber die Weidenmeise? Ich will -den Schleier, der sie dem Nichtornithologen verbirgt, ein wenig lüften, einen kurzen -Blick auf die Geschicke ihrer Vergangenheit werfen und sie dem Naturfreunde und -Wanderern im Hügel- und Berglande soweit vorstellen, damit auch er sie kennenlernt -und unsere Lücken in der Kenntnis ihrer vaterländischen Verbreitung mit zu -schließen in die Lage versetzt wird.</p> - -<p>Unser großer Chr. L. Brehm, der vielbefehdete Artzersplitterer, der mit scharfem -Blick seinen Zeitgenossen weit vorausgeeilt, war es, der dem Studium des<span class="pagenum" id="Seite_126">[126]</span> -Vogelkleides in seiner Veränderlichkeit sein bestes Können widmete, aber, und das -war sein Fehler, geographische und individuelle Veränderlichkeit nicht scharf auseinanderhielt. -So konnte, um nur ein Beispiel anzuführen, seine Dorfhaubenlerche, -<em class="antiqua">Galerita cristata pagorum</em>, gleichzeitig »bei Leipzig, Klagenfurth, Lübs in Mecklenburg -und in Ungarn« auftreten. Unser Altmeister war es, der auch die Weidenmeise -wie den kurzkralligen Gartenbaumläufer als ausgezeichnete Arten erkannte und -erstere in der Isis 1828 beziehentlich im Handbuch der Naturgeschichte aller Vögel -Deutschlands 1831 unter den Namen <em class="antiqua">Parus salicarius</em>, die Weidenmeise, in die -ornithologische Wissenschaft einführte. Nach ihm lebt der Vogel »besonders an den -mit Weiden besetzten Bach-, Fluß- und Teichufern«. Mir wenigstens will es scheinen, -als habe Vater Brehm außer acht gelassen, daß die bezeichneten Aufenthaltsgebiete -nur von angrenzenden Nadelholzschonungen aus, und zwar gern besucht, aber als -ständiger und Brutaufenthalt kaum gewählt worden sein dürften. Wenn man als -Ideal erstreben muß, daß im Namen des Tieres in dieser oder jener Hinsicht eine -kurze Diagnose liege, dann erscheint mir der Name, wenigstens für vaterländische -oder andere mitteldeutsche Verhältnisse, soweit ich sie kenne, nicht besonders glücklich -gewählt zu sein. Er mag für manche Gegenden – nach Kleinschmidt auch für die -Rheingegend – zutreffend sein, im Niederungsgebiete des Vaterlandes aber wird -man in Weidenpflanzungen oder an Bach- und Flußufern vergeblich nach unsrer -Meise Umschau halten. Da man die »neuen Arten« Vater Brehms mit Mißtrauen -betrachtete und feinere morphologische und biologische Unterschiede wenig Geneigtheit -und Verständnis fanden, hielt man es nicht der Mühe für wert, der neuen -Art weitere Aufmerksamkeit und kritische Prüfung zuteil werden zu lassen. Erst -den Forschungen der letzten Jahrzehnte, insbesondere den ausgezeichneten, erschöpfenden -Arbeiten eines O. Kleinschmidt blieb es vorbehalten, den Vogel dem Interesse des -Fachornithologen näher zu rücken und ihm zu einer glänzenden Auferstehung zu -verhelfen, ihn mit der Zeit aber auch in eine Menge mehr oder minder leicht -unterscheidbare geographische oder klimatische Rassen zu spalten. Seit das Rad ins -Rollen kam, haben die Fachgenossen ausnahmslos gerade diesem interessanten Vogel, -dem »winzigen ornithologischen Edelwilde«, wie es Kleinschmidt einmal voll Begeisterung -nennt, ihre ungeteilteste Aufmerksamkeit und fleißige Feder gewidmet. -So ist heute, dem Fachornithologen, dem Systematiker und Biologen gleichwichtig, -die Weidenmeise eine bekannte und ausnahmslos anerkannte Art, deren Schriftentum, -gesammelt, dicke Bände füllen würde. Aber auch im Kreise der Vogelkundigen, -wollen wir sie trotzdem nennen, dürfte doch mancher Fachgenosse sitzen, dem das -Freileben, die Kenntnis der Art überhaupt, ein Buch mit sieben Siegeln blieb. -Was mag der Grund hierfür sein? Man hielt Sumpf- und Weidenmeise für ein -und dieselbe Art. Ich darf wohl unsere Sumpfmeise <em class="antiqua">Parus palustris communis -Bald.</em> im grauen Röckchen, mit dem glänzend tiefschwarzen und sich über den Nacken -herabziehenden Scheitelfleck und den weißen Wangen als bekannten Vogel voraussetzen. -Dieser Art nun sieht unsere Weidenmeise außerordentlich ähnlich, aber die -Kopfplatte ist glanzlos und mattschwarz, mit einem Stich ins Bräunliche und weich -im Ton. Der Schwanz (Stoß) ist deutlich und tiefer gestuft, die weißen Wangen mehr sich -abhebend und weiter seitwärts ziehend. Die Schwingen zweiter Ordnung sind mit<span class="pagenum" id="Seite_127">[127]</span> -breiten grauen Säumen ausgestattet, auf dem zusammengelegten Flügel einen deutlichen -schmalen Längsfleck bildend. Das sind nur die am meisten hervortretenden -Artunterschiede. Wer »Glanz-« und »Mattkopfmeise«, die Vertreter zweier morphologisch -und biologisch streng geschiedener, ausgezeichneter Formengruppen nur -einmal nebeneinander verglichen, der wird sich schwerlich jemals wieder in der -Bestimmung eines Stückes irren können. Aber im Freileben, im Dunkel oder -Zwielicht des Gezweiges, im hastigen Vorwärtseilen der flüchtigen, von Strichunruhe -ergriffenen oder den Blick des Beobachters scheuenden Vögel sind die Kennzeichen auch -dem geschulten Auge nicht immer einwandfrei erkennbar. Da hilft nun allein schon der -Lockton über alle Zweifel hinweg. Die Sumpfmeise sagt: tje tje, in der Erregung -wohl auch h’tje dededede. Die Weidenmeise ruft ein, auch dem stimmlich weniger -geschulten Beobachter sofort auffallendes gezogenes und gepreßtes däh – dähdähdäh -oder spizidähdähdäh. Dieser Laut ist es immer, der mein ohne dies schon zu hastig -pulsierendes Ornithologenblut in noch raschere Wallung versetzt, da er mir immer -die sicherste Gewähr dafür bietet, daß ich meinen gesuchten Freund in sicherer -Nähe weiß.</p> - -<p>Im Interesse einer geneigten Mitarbeit zum Zwecke der Festlegung weiterer -vaterländischer Örtlichkeiten, wo die mattköpfige Meise heimatet, will ich noch in -aller Kürze der als Aufenthalt bevorzugten Geländeart und bereits bekannten Fundorte -gedenken. Ich kann mich dabei um so kürzer fassen, als ich hierüber, sowie -über weitere Resultate meiner letztmaligen Erzgebirgsstreife, die ich ausschließlich -für diesen Zweck unternahm, in einer ornithologischen Fachzeitung ausführlicher -berichten werde. Sicher ist unsere Meise, eine borealalpine Art, vom Hügellande -bis zur Kammhöhe der sächsischen Gebirgszüge herauf, falls geeignete pflanzliche -Formationen vorhanden, eine gewiß nicht seltene, aber immer nur mehr einzeln -und zerstreut auftretende Art, die an Nadelholzformationen, beziehentlich Mischwald -gebunden zu sein scheint. Ob Kiefernschonungen allein eine besondere Anziehungskraft -auf sie auszuüben vermögen, wie ein befreundeter vaterländischer Forscher -anzunehmen geneigt ist, glaube ich nicht. Soweit ich den »Bayrischen Wald« kenne, -war dies, bei gänzlichem Zurücktreten der Kiefer, hier ebenfalls nicht der Fall. Das -Innere geschlossener und gleichgearteter, besonders dichter, ungegliederter und zusammenhängender -Wälder meidet sie; das muß sie schon ihres Namens wegen! Wo sich -die Ränder solcher Bestände aber lichten und in einzelne Baumgruppen verschiedenen -Alters oder verschiedener artlicher Zusammensetzung nach freiem Gelände hin auflösen, -das mit Buschwerk umrahmt ist, Laubbäume einzeln oder in Reihen bietet und -des Wassers nicht entbehrt, da darf man schon nach unserm Vogel Erfolg versprechende -Aus- und Umschau halten. Mittelhohe lichte Schonungen und deren -Ränder, gleichviel ob auf ebenem, hügeligem Gelände oder steilem Hang, mit Laubholz- -oder Buschwerkstreifen, mit anschließenden oder eingreifenden Ufern und Rändern, -Wiesen- und Feldkulturflächen, also recht wechselvolles Gelände, wie es Strecken -mit Bauerwäldern verschiedener pflanzlicher und pfleglicher Beschaffenheit und verschiedenen -Alters zeigen, scheinen unserm Vogel am meisten zuzusagen. Wenn die -Erlkönigmeise, wie sie Kleinschmidt in einer Monographie auch nennt, die Aufmerksamkeit -des Menschen auf sich gerichtet sieht, dann weiß sie sich meisterhaft<span class="pagenum" id="Seite_128">[128]</span> -nach den schützenden Schonungen hin oder in die hohen Kronen zu drücken. Hier -hören wir wohl fortgesetzt oder auch mit längeren Unterbrechungen ihre Lockrufe, -aber immer versteht es der Vogel ausgezeichnet, sich vor dem nach ihm ausspähenden -Augen zu verbergen. Dabei ist die Eigenart seines Wesens immer Unbeständigkeit -und Unrast. Wenn man ihn einmal aus den Augen verloren, und das geschieht -nur zu oft bei einsetzender Schweigsamkeit und im Verbande mit Goldhähnchen und -anderem Meisenvolk, dann kann man sich stundenlang im Suchen üben, findet aber -den Vogel nach dem Locktone immer wieder an bestimmten Stellen, wo man mit -ihm bereits einmal zusammentraf. Das sind immer Feierstunden eigener Art für -mich, wenn ich, mit mir und der Natur ganz allein im schweigsamen Waldesdunkel, -fern vom Treiben einer entsittlichten Welt, am Born der Gottesnatur aus vollen -Zügen schlürfen und an ihren Geschöpfen erlauschen darf, was mir daheim am -Arbeitstisch das Buch versagt. –</p> - -<p>Wie die zwei Stücke der Dresdner Landessammlung beweisen, wurde die Weidenmeise -1903 erstmalig für Sachsen nachgewiesen, und zwar für die Gegend von Königsbrück. -1916 bis 1918 stellte ich ihr Vorkommen mehrmalig für die Umgebung von -Hohenstein-Ernsttal fest. 1918 konnte sie ferner Heyder bei Rochlitz und Oederan -beobachten. Nach Heyder wies Mayhoff die Weidenmeise an drei verschiedenen Stellen -der sächsischen Lausitz nach. 1917 fanden sie Uttendörfer und Kramer um Herrnhut -und Niederoderwitz. 1919 machten Schelcher und Stresemann darauf aufmerksam, -daß unsere Meise in den Wäldern um Aue und Schneeberg keine allzuseltene -Erscheinung sei. Während der Michaeliswoche 1921 folgte ich zunächst den Pfaden -Stresemanns und fand die Angaben beider Forscher für die genannten Orte in -jeder Hinsicht bestätigt. Als weitere Orte ihres Vorkommens konnte ich, kammwärts -wandernd, das Floßgrabengebiet bei Albernau und Auerhammer meinen -Aufzeichnungen einfügen. Im Filzteichgebiet und den Wäldern vor Hundshübel und -Burkhardtsgrün konnte ich keinerlei Erfolge buchen. Nach zweitägigem Suchen in -den Wäldern zwischen Elterlein und Scheibenberg, sowie in dem Waldbestande des -Berges selbst, traf ich unsern »Mattkopf« auch hier wieder an. Wie ein Blick auf -die Karte Sachsens lehrt, klaffen noch weite Lücken in der Kenntnis der Verbreitung -der Weidenmeise auf vaterländischem Boden. Ich möchte am Schlusse meiner kurzen -Ausführungen wandersfrohen Naturfreunden die Bitte ans Herz legen, bei gegebenen -Gelegenheiten dem interessanten Vertreter vaterländischer Tierbesiedlung ihre Aufmerksamkeit -nicht zu versagen, gewonnene Resultate zu veröffentlichen oder dem -Verfasser zum Zwecke einer Gesamtbearbeitung zu überlassen. Ich darf heute schon -die Versicherung geben, daß eine diesbezügliche kleine Mühe und Unbequemlichkeit -sicher und reichlich die schönsten Früchte zeitigen werden.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Die_Berankung_von_Gebaeudeschauseiten">Die Berankung von Gebäudeschauseiten</h2> -</div> - -<p>Die Berankung von Gebäudeschauseiten stellt eine freundliche Zutat der Bauwerke dar, -die deshalb überall großen Beifall findet, weil sie alten unansehnlichen Gebäudemauern und -schmucklosen Hauswänden ein schönes Aussehen verleiht. Der letzterwähnte Umstand wird -ja einstimmig anerkannt, dagegen ist man über den praktischen Wert ganz verschiedener<span class="pagenum" id="Seite_129">[129]</span> -Meinung. Während nämlich von einer Seite behauptet wird, durch die Berankung werde -dem Bauwerk Feuchtigkeit zugeführt, behauptet die andere Partei das Gegenteil, das heißt die -Feuchtigkeit würde dem Bauwerk durch die Wurzeln der klimmenden Pflanzen entzogen. Je nach -Lage des Falles können beide Parteien im Recht oder auch im Unrecht sein. Praktisch betrachtet -wird ein Bauwerk, das an sich infolge unsachgemäßer Ausführung Feuchtigkeit besitzt, durch die -Berankung niemals trocken werden. Anderseits kann aber auch in ein sonst gut trockenes -Bauwerk durch die Berankung niemals Feuchtigkeit hineingetragen werden. – Die Behauptung, -Kletterpflanzen tragen Feuchtigkeit in das Bauwerk, ist nur dann zutreffend, wenn es sich um -Mauerwerk aus minderwertigem Mörtel und aus wenig gebrannten Ziegeln handelt beziehungsweise -wenn der Putz auf seiner Oberfläche Spalten und Risse aufweist. In letztere dringen nämlich -die Wurzeln ein und führen zuweilen eine Zerstörung des Putzes herbei. Bei sachgemäß ausgeführtem, -aus guten festen Baustoffen bestehendem Mauerwerk hat die Berankung stets günstige -Erfolge gezeitigt. Denn Efeu und andere Schlinggewächse wuchern schon seit Jahrhunderten an -den Gebäuden empor, und nur selten sind Klagen laut geworden, die den Efeu als nachteilig -bezeichnen. Gerade die Efeublätter legen sich schuppen- beziehungsweise dachziegelartig dergestalt -übereinander, daß Regen und Schnee ohne weiteres an das Bauwerk überhaupt nicht gelangen -können. Erreicht die Feuchtigkeit aber trotzdem das Mauerwerk, so wird sie vom Efeu sehr bald -wieder herausgezogen. – Wer besonders vorsichtig sein will, kann bei vorhandenen, älteren, gut -ausgetrockneten Bauwerken die Nord- und Ostseite nur mit solchen Pflanzen beranken, die eine -weniger dichte Hülle darstellen; die West- und Südseite dagegen kann bedingungslos eine dichte Berankung, -unmittelbar am Erdboden beginnend, erhalten. Bei neuen Gebäuden empfiehlt es sich, zunächst -eine Berankung der Süd- und Westfront vorzunehmen. Erst später, d. h. nach gründlicher Austrocknung, -kann man die nördliche und östliche Seite beranken, und zwar in der Weise, daß die Belaubung -etwa vierzig bis sechzig Zentimeter über dem Erdreich beginnt, damit die Sonne und die Luft -ungehinderten Zutritt zu den Fundamenten des Gebäudes erhalten.</p> - -<p>Zu den bei uns am meisten in Betracht kommenden Rankengewächsen gehört Efeu, wilder -Wein, Glyzina, Waldrebe (Klematis), Ampelopsis-Veitchi, Ampelopsis-Engelmanni, Pfeifenkraut -(Aristolochia), rankende Rosen, Rosen von Jericho (Lunicera) und Hopfen.</p> - -<p>Der Wanduntergrund, d. h. also der Putz beziehungsweise die Fugen müssen recht widerstandsfähig -sein, damit den Wurzeln nicht die Möglichkeit zum Eindringen gegeben wird. Als -Wandputz eignen sich feste Putzmassen mit Quarz- oder Porphyrzusatz, hellfarbiger Edelsteinputz -wie Terrasit und dergleichen. Efeu bevorzugt übrigens den Kalk als Nährboden, was ja bei -seiner Abstammung aus der immergrünen Zone des Mittelmeergebietes leicht verständlich erscheint.</p> - -<p>Neben Efeu und wildem Wein verdient der Selbstklimmer Ampelopsis-Veitchi insofern -besondere Beachtung, als sich bei diesem niemals abstehende Zweige entwickeln, vielmehr greifen -dieselben mitsamt den Blättern immer dachziegelartig übereinander und beschützen somit das Gebäude -gegen die Unbilden der Witterung. Die Blätter fallen allerdings im Herbst ab, so daß die Wände -nur mit dem Gerüst der jungen Triebe bedeckt sind.</p> - -<p>Efeu gedeiht an der nördlichen Hauswand vortrefflich und stellt auch an die Bodenbeschaffenheit -keine besonderen Ansprüche. Bei den alten Lehmhäusern kann man oft beobachten, wie gerade -der Efeu den Gebäudewänden und dem Dache einen Schutz und dem Ganzen ein freundliches, -heimisches Aussehen verleiht. Efeu bietet nicht nur dem Wind und Wetter einen bedeutenden -Widerstand, sondern auch der Wärme und Kälte und sorgt somit für eine genügende Trockenhaltung -der Wände. Dadurch, daß die Efeublätter von der Sonne stark erwärmt werden und diese von -den Blättern aufgesaugte Wärme nach oben steigt, sich also auch den Wänden mitteilt, werden -letztere trocken und warm gehalten. Wenn eine hell gestrichene oder geputzte Wand im Sommer -die Wärme zurückwirft, im Winter aber die Kälte und Feuchtigkeit an sich zieht, so tritt auch -hier wieder der Efeu vermittelnd ein, indem er einen wohltätigen Einfluß auf die Mauern ausübt, -damit diese nicht dem vorzeitigen Verfalle anheimfallen. Die im Erdreich befindliche Feuchtigkeit, -die sich unter gewöhnlichen Umständen den Fundamentmauern mitteilen würde, saugt der Efeu, -der zu seiner Entwicklung selbst viel Wasser benötigt, auf.</p> - -<p>Wenn nun hier für die Berankung der Gebäudewandflächen eingetreten wird, so soll damit -nicht gesagt sein, daß dies für jedes Haus ohne Ausnahme geschehen soll. Ein altes Sprichwort<span class="pagenum" id="Seite_130">[130]</span> -sagt: »Allzuviel ist ungesund.« So auch hier. Bei weniger schönen Bauwerken ist die Berankung -deshalb sehr am Platze, weil die häßlichen Bauteile auf diese Weise den Blicken entzogen werden, -wodurch das Bauwerk an Ansehen gewinnt. Dagegen wäre die Berankung schöner Architekturteile, -wie Ornamente, Pfeiler, Jahreszahlen, Schriften und dergleichen eine ganz verfehlte Maßnahme, -von der unbedingt abzuraten ist. – Für die Berankung kommen nicht nur Wohnhäuser in Betracht, -sondern auch die kahlen Wandflächen von Scheunen, Schuppen, Fabrikgebäuden und Ställen -können auf diese Weise eine ganz bedeutende Verschönerung erfahren.</p> - -<p>Natürlich bringt die Gebäudeberankung auch Nachteile mit sich, die nicht verschwiegen -werden dürfen. So kommt es nicht selten vor, daß sich in dem dichten Gestrüpp und Blätterwerk -das Ungeziefer, wie Fliegen, Mücken, Spinnen, Mäuse, Spatzen und dergleichen einnistet, was -mitunter für die Bewohner insofern eine üble Plage bedeutet, als diese Tiere sehr leicht in die -Wohn- und Vorratsräume eindringen können. Durch sachgemäße Vorkehrungen lassen sich indes -derartige Übelstände wirksam verhüten beziehungsweise vermindern.</p> - -<p>Eine andere Verschönerung der Gebäudeflächen, mit der gleichzeitig ein guter Nutzen verbunden -ist, läßt sich durch Anlage von Spalierobst erzielen. Als Spalierbäume kommen Apfel-, Birnen-, -Pfirsich- und Aprikosenbäume in Betracht. Die Früchte der Spalierobstbäume sind schöner und -schmackhafter als diejenigen der freistehenden Bäume. Seitdem man allgemein die hohe volkswirtschaftliche -Bedeutung des Spalierobstbaues erkannte, hat derselbe in den letzten Jahren eine -gewaltige Erweiterung erfahren. Es ist festgestellt, das ein Quadratmeter Spalierobst jährlich eine -ansehnliche Summe Nutzen abwirft. Die Befürchtung, daß die Wurzeln der Spalierbäume schädlich für -das Fundamentmauerwerk sind, ist deshalb grundlos, weil sich dieselben nicht nach den Fundamenten -zu, sondern in entgegengesetzter Richtung entwickeln. Deshalb können auch gutgepflegte Hausspaliere -weder dem Bauwerk noch den Bewohnern irgendwelchen Schaden zufügen. Da nun bei -der Besprengung der Bäume das Wasser in die Mauer eindringt, so empfiehlt es sich, letztere -besonders zu schützen, was unterhalb des Erdreiches durch Bestreichen mit Gudron und oberhalb -mittels hellfarbigen Pixols oder dergleichen erfolgen kann. – Die Spaliergestelle bestehen aus -tunlichst senkrecht angeordneten, gehobelten und gefasten Latten, deren Entfernung untereinander -etwa dreißig Zentimeter beträgt. Das ganze Gestell soll man möglichst abnehmbar einrichten und -so anbringen, daß es etwa zehn Zentimeter von der Wand entfernt ist. Die Anordnung von -wagerechten Spalierlatten ist nach Möglichkeit einzuschränken, weil auf deren oberer Fläche die -herabfallenden Blätter liegenbleiben und bei dem Hinzutreten von Regen sich feuchte Stellen -bilden, welch letztere immerhin schädlich auf das Bauwerk einwirken können.</p> - -<p class="mright"> -(Aus dem Zentralblatt für das Deutsche Baugewerbe.) -</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Zur_Geschichte_des_Heimatschutzes">Zur Geschichte des Heimatschutzes</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">Carl Berger</em></p> - -<p>Es dürfte die Leser dieser Zeitschrift interessieren, daß die Heimatschutzbewegung sich schon -eines beträchtlichen Alters erfreut. Erhaltene Dokumente aus dem vierten und fünften Jahrhundert -nach Christo geben uns davon Kunde. Die Kaiser Spätroms nahmen sich der in Verfall begriffenen -Prachtbauten des antiken Roms in rühmenster Weise an und suchten dem Verfall derselben -Einhalt zu gebieten und wenn der Erfolg auch nicht ihren Wünschen entsprach, so ist dies -wesentlich darauf zurückzuführen, daß die entstehende kirchliche Macht in Rom die in Verfall -begriffenen Tempel und Bauten der Vorfahren als billiges und bequemes Baumaterial zur Erbauung -von Basiliken für den neuen Staatsglauben verwandte. Der unten wiedergegebene -Erlaß des Kaisers Majorianus 458 nach Christo mag dem Leser ein Bild geben über die Heimatschutzbestrebungen -der damaligen Zeit.</p> - -<div class="blockquot"> - -<p>»Wir, Regierer der Staaten, wollen dem Unwesen ein Ende machen, welches schon -lange unsere Abscheu erregt, da ihm gestattet wird, das Antlitz der ehrwürdigen Stadt zu -entstellen. Wir wissen, daß hie und da öffentliche Gebäude mit sträflicher Gewähr der -Obrigkeit zerstört werden. Während man vorgibt, daß ihre Steine für öffentliche Werke -nötig seien, wirft man die herrlichen Gefüge der alten Gebäude auseinander und zerstört<span class="pagenum" id="Seite_131">[131]</span> -das Große, um irgendwo Kleines herzustellen. Daraus erwächst schon der Mißbrauch, -daß selbst, wer ein Privathaus baut, sich unterfängt, mit Gunst der städtischen Richter -das nötige Material von öffentlichen Orten zu nehmen und fortzutragen, da doch, was -den Städten zum Glanze gereicht, vielmehr von der Liebe der Bürger sollte durch Wiederherstellung -erhalten werden. Deshalb befehlen wir durch ein allgemeines Gesetz, daß alle -Gebäude, welche von den Alten zum öffentlichen Nutzen und Schmuck errichtet worden -sind, seien es Tempel oder andere Monumente, von niemandem dürfen zerstört noch angetastet -werden. Welcher Richter dies zuläßt, soll um fünfzig Pfund Goldes gestraft werden; -welcher Gerichtsdiener und Numerarius seinen Befehlen gehorsamt und ihm nicht Widerstand -leistet, dem sollen nach erlittener Peitschung auch die Hände abgehauen werden, weil -sie die Denkmäler der Alten, statt sie zu schützen, verunglimpft haben. Aus den Orten, -die etwas durch ungültige Erschleichung an sich gebracht haben, darf man nichts veräußern, -sondern wir gebieten, daß alles wieder dem Staate zurückgegeben werde; wir -ordnen die Wiederherstellung des Entfremdeten an und heben für die Folgezeit die licentia -competendi auf. Sollte aber irgend etwas entweder wegen des Baues eines öffentlichen -Werkes, oder wegen des verzweifelten Gebrauches der Reparation abzutragen nötig sein, -so soll der erlauchte und ehrwürdige Senat davon gehörig Kenntnis nehmen, damit, wenn -er solches nach reiflicher Erwägung für nötig befunden hat, dieser Fall unsrer gnädigen -Einsicht vorgelegt werde. Denn was auf keine Weise wiederhergestellt werden kann, soll -wenigstens zum Schmuck irgendeines andern öffentlichen Gebäudes verwendet werden.«</p> -</div> - -<p>F. Gregorovius zur Geschichte der Stadt Rom im Mittelalter. Bd. 1, S. 218. Leg. -Novell. Liber. Am Ende des Cod. Theod. Tit. VI, 1, <em class="antiqua">De aedil. publ.</em> Das Edikt ist datiert -VI Idus Jul. Ravennae unter dem Konsulat der Kaiser Leo und Majorianus anno 458 und -gerichtet an den Präfect. Prät. Aemilianus.</p> - -<p>Schon frühere Kaiser hatten ähnliche Edikte erlassen müssen; so Valens und Valentinio -anno 376, Theodosius, Honorius und Arcadius.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<h2 class="nobreak" id="Zur_Einschmelzungsfrage_alter_Kirchenglocken">Zur Einschmelzungsfrage alter Kirchenglocken</h2> -</div> - -<p class="center">Von <em class="gesperrt">C. Pfau</em></p> - -<p>Nach der verhängnisvollen Beschlagnahme von Kirchenglocken während des unseligen -Weltkrieges ist unsern Kirchfahrten in der Regel je nur eine Glocke verblieben. Das Geläut -war unvollständig geworden und mußte oder muß ergänzt, unter Umständen auch ganz neu -geschaffen werden. Bei den einschlägigen Vornahmen wird nicht selten vonseiten der Kirchenvorstände -bei der vorgesetzten Behörde um die Erlaubnis eingekommen, die letzte noch vorhandene -Glocke veräußern, einschmelzen zu dürfen, um einen Beitrag zu den Kosten für ein völlig neues -Geläute zu erhalten. Man strebt also in diesem Fall nicht die Wiederherstellung des alten -Geläutes an, will der Kirche vielmehr eine durchaus neue Glockensprache geben, die nicht mehr -an das frühere Geläute erinnert; die Tonfrage soll die letzte überkommene Glocke dem Untergang -weihen.</p> - -<p>Es ist ohne weiteres zuzugeben, daß nicht jedes alte Geläute hervorragend schön war; -mitunter verfügte eine Glocke sogar über einen ziemlich blechernen, töpfernen Klang oder gellte -sonst mißtönig. Dieser Übelstand war aber schon bei der Beschlagnahme durchgängig tunlichst -berücksichtigt worden, denn man hat die Glocken nach sorgfältiger Auswahl eingezogen, die mit -sehr störenden Klangfehlern in erster Linie, weshalb in unsern Gotteshäusern jetzt wohl schwerlich -noch eine vorhanden ist, deren Ton von der Allgemeinheit unangenehm empfunden wird. Nur -der sachkundige Musikverständige mit seinem geschulten, feinfühligen Ohr findet auf Grund eingehender -Untersuchung an so mancher Kirchenglocke hinsichtlich ihres Tones noch einen geringen -Mangel, den bisher, vielleicht schon seit vielen Jahrhunderten kaum jemand in der Gemeinde -herausgefühlt hat. Es fragt sich deshalb, ob in einem solchen Fall das Prüfungsergebnis des -Tonkünstlers einen durchaus zwingenden Grund enthält, die Glocke aus der Kirche zu entfernen.</p> - -<p><span class="pagenum" id="Seite_132">[132]</span></p> - -<p>Die Heimatsglocken sind von Dichtern viel besungen worden und werden auch künftig -so gefeiert werden. In fast allen unsern Kirchen, zumal auf den Dörfern, stellen diese ehernen -Werke mit die ehrwürdigsten Denkmäler der Vergangenheit dar, denn manche besitzen ein Alter -bis etwa 600 Jahre, und wenn auch andere um Jahrhunderte jünger sind, so überliefern sie -doch durch ihre Aufschriften, Wappen und dergleichen getreulich ein Stück Ortsgeschichte, Heimatkunde; -ihr Ton gehört der Heimat eigentümlich. Sie haben den jetzigen Angehörigen der Kirchfahrt -und ihren Vorfahren seit langen Zeiten geklungen bei der Taufe, der Konfirmation, der -Trauung, der Bestattung, sie haben zum Gottesdienst, zum Abendmahl gerufen, sie haben ihre -Stimme über die stillen Fluren in allerlei Not und Gefahr erklingen lassen. Der Eingeborene -der Heimat ist vertraut mit der metallnen Sprache seiner Glocke, die er liebt, die ihm in der -Fremde nachklingt. Darum muß es auch als eine ernste ethische Pflicht des Heimatschutzes, -wenn dieser nicht nur auf dem Papier stehen will, erscheinen, die Glocke tunlichst zu erhalten; -eine vernichtete Heimatglocke bedeutet den Verlust eines alten Heimatszeugnisses, das in seiner -echten Art nie wieder zu ersetzen ist, und wenn die Gefahr der Einschmelzung droht, so sollte -sich jeder Ortseingesessene des hohen Werts seiner Glocke recht bewußt sein und danach handeln, -so daß sie möglichst erhalten bleibt. Die Genehmigung zur Einschmelzung wird behördlicherseits -nur bei Stücken von besonders hohem wissenschaftlichen oder künstlerischem Wert verweigert; -damit soll aber nicht gesagt sein, daß man den heimatkundlichen Wert völlig unbeachtet lassen -müsse. Eine fernerhin erhaltene alte Glocke wird unsern Nachkommen gewissermaßen mit zu -einem Denkmal auf die Drangsale des verflossenen Kriegs, denen sie unter ihren Schwestern -allein glücklich entronnen ist.</p> - -<p>Ein unbedeutender Tonfehler, den ihr ein gewiegter Musiker schuld gibt, kann schwerlich -allein ausschlaggebend für den Untergang des Werkes werden. Man muß auch ihre Vorzüge -berücksichtigen. Wollte der Tonkünstler in dieser Angelegenheit ausschließlich auf die Entfernung -der Glocke dringen und mit seinem Urteil einflußreiche Personen, die über das Schicksal des -fraglichen Stückes zu bestimmen haben, bestechen, so ließe sich mit Fug und Recht entgegenhalten, -daß ein solches Gebaren in Kirchenangelegenheiten zu merkwürdigen Folgen führen dürfte. -Was dem einen recht ist, ist dem andern billig. In und an unsern Kirchen gibt es unendlich -viel, an dem der Architekt, der Raumkünstler, der Kunsthandwerker Fehler, mitunter sehr starke, -findet; diese Herren müßten dann auch verlangen können, daß alles dies nicht Mangelfreie weggebracht -und ersetzt werden möchte, falls eine Glocke aus dem angegebenen geringfügigen Grund -für immer verschwinden muß. Schwerlich wird sich aber jemals eine Gemeinde bereit finden, -all derartigen Wünschen und Ansuchen nachzukommen; man nimmt im Gegenteil nur zu oft -wahr, daß noch heutzutage bei sogenannten Kirchenrestaurationen so manches in die Kirche -gebracht wird, was gar nicht zu ihrer Stimmung paßt, z. B. gewisse Fußbodenfliesen einer -Art, die eher in den Durchgang eines Bahnhofes oder in ein Waschhaus gehören.</p> - -<p>Es wäre nur zu wünschen, daß man die alte, letzterhaltene Glocke wieder dem neuen -Geläut tunlichst einfügte; die zwei neuen Glocken ließen sich im Ton wohl meist der überlieferten -so anpassen, daß für die allgemeine Gemeinde ein befriedigender Gesamtklang erzielt -würde. Wird dieser Weg beschritten, so können künftige Geschlechter unsrer Zeit wenigstens -nicht den Vorwurf einer Glockenstürmerei machen, da man schon hinsichtlich der Reformation -nur zu oft die Bilderstürmerei tadelt. Wir möchten nicht dazu beitragen, die wenigen uns überlieferten -kirchlichen Altertümer, die Werke unsrer Altvordern, ohne dringendste Not noch zu vermindern. -Hat die Schöpfung eines alten Meisters einen kleinen Fehler, so kann dies noch kein -Anlaß sein, sie ohne weiteres zu beseitigen. Der Mangel gehört mit zur Eigenart; daß ehrwürdige -Glocken nicht immer genau im Ton getroffen sind, bildet eine Sonderheit in der -Geschichte der Glockenkunde, die wir auch für die Zukunft an erhaltenen Werken nachweisen und -belegen können müssen. Wollte man nur ganz einwandfreie Glocken bewahren, so könnte man -später meinen, die alten Gießer hätten überhaupt keinen Fehler begangen. Hat eine Glocke zur -Zufriedenheit der Kirchfahrt trotz eines nunmehr entdeckten Mängelchens schon jahrhundertelang -ihren Dienst verrichtet, so kann sie auch weiterhin ihre Stimme erschallen lassen.</p> - -<p class="center p2 smaller">Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei<br /> -Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">Helft alle dazu!</p> -</div> - -<p class="center">Durch schwere Verluste sind wir arm geworden. -Ein kostbares Gut ist uns geblieben:</p> - -<p class="center larger"> -<b>die Heimat.</b> -</p> - -<p class="noind">Ihr Wert ruht in der <b>Ursprünglichkeit der Natur</b>. -Sie ist die Mutter, die uns nährt und trägt. <b>Wer -diese beraubt, vernichtet ein wertvolles Stück -»deutscher Heimaterde«.</b> Darum wollen wir <b>uns -und unsere Kinder dazu erziehen</b>, daß wir <b>Scham -empfinden bei jeder Schmälerung der Naturwerte</b>. -Dann werden alle die Zeichen menschlicher Unreife, als</p> - -<p class="center"> -<span class="u">gedankenloses Ausgraben von Pflanzen,<br /> -rücksichtsloses Abreißen von Zweigen,<br /> -naturschänderische Riesensträuße,<br /> -selbstanklagendes Stören des Naturfriedens</span> -</p> - -<p class="noind">von selbst verschwinden.</p> - -<p class="center p2 larger">Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center">Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter"> -<p class="h2">»Volkskundliche Bude«</p> -</div> - -<p class="center smaller">des</p> - -<p class="center larger">Landesvereins Sächsisch. Heimatschutz</p> - -<p class="center larger">Dresdner Vogelwiese</p> - -<p class="center">Ecke Straße 6 und Straße 7 am Barthelschen Hippodrom</p> - -<div class="blockquot"> -<p class="noind">Glücksradverlosung kunstgewerblicher und -volkskundlicher Gewinne aus der Verkaufsstelle -Sächsischer Volks- und Kleinkunst -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center larger">Wir bitten um regen Zuspruch, -der Reingewinn hilfst uns im schweren -Kampfe ums Dasein unseres Vereins</p> -</div> - -<p class="h2 p2">Landesverein Sächsischer Heimatschutz</p> - -<p class="center">Dresden-A., Schießgasse 24</p> - -<p class="center smaller">Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A.</p> - -<hr class="chap x-ebookmaker-drop" /> - -<div class="chapter transnote" id="tnextra"> -<p class="h2">Weitere Anmerkungen zur Transkription</p> - -<p>Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. -Die Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht.</p> - -<p>Die Jahreszahlen der Postmeilensäulen S. 91 ff wurden zur besseren Lesbarkeit in eckige Klammern -eingeschlossen.</p> -</div> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='display:block; margin-top:4em'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK <span lang='de' xml:lang='de'>LANDESVEREIN SÄCHSISCHER HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 4-6</span> ***</div> -<div style='text-align:left'> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Updated editions will replace the previous one—the old editions will -be renamed. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg™ electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG™ -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away—you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. -</div> - -<div style='margin-top:1em; font-size:1.1em; text-align:center'>START: FULL LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE</div> -<div style='text-align:center;font-size:0.9em'>PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -To protect the Project Gutenberg™ mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase “Project -Gutenberg”), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg™ License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg™ -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg™ electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg™ electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the person -or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.B. “Project Gutenberg” is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg™ electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg™ electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg™ -electronic works. See paragraph 1.E below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation (“the -Foundation” or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg™ electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg™ mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg™ -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg™ name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg™ License when -you share it without charge with others. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg™ work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg™ License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg™ work (any work -on which the phrase “Project Gutenberg” appears, or with which the -phrase “Project Gutenberg” is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: -</div> - -<blockquote> - <div style='display:block; margin:1em 0'> - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most - other parts of the world at no cost and with almost no restrictions - whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms - of the Project Gutenberg License included with this eBook or online - at <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. If you - are not located in the United States, you will have to check the laws - of the country where you are located before using this eBook. - </div> -</blockquote> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.2. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase “Project -Gutenberg” associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg™ -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.3. If an individual Project Gutenberg™ electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg™ License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg™ -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg™. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg™ License. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg™ work in a format -other than “Plain Vanilla ASCII” or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg™ website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original “Plain -Vanilla ASCII” or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg™ License as specified in paragraph 1.E.1. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg™ works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg™ electronic works -provided that: -</div> - -<div style='margin-left:0.7em;'> - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg™ works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg™ trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, “Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation.” - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg™ - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg™ - works. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - </div> - - <div style='text-indent:-0.7em'> - • You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg™ works. - </div> -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg™ electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg™ trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg™ collection. Despite these efforts, Project Gutenberg™ -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain “Defects,” such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the “Right -of Replacement or Refund” described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg™ trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg™ electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you ‘AS-IS’, WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg™ electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg™ -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg™ work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg™ work, and (c) any -Defect you cause. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg™ -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg™’s -goals and ensuring that the Project Gutenberg™ collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg™ and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at www.gutenberg.org. -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation’s EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state’s laws. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation’s business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation’s website -and official page at www.gutenberg.org/contact -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ depends upon and cannot survive without widespread -public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular state -visit <a href="https://www.gutenberg.org/donate/">www.gutenberg.org/donate</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate -</div> - -<div style='display:block; font-size:1.1em; margin:1em 0; font-weight:bold'> -Section 5. General Information About Project Gutenberg™ electronic works -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg™ concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg™ eBooks with only a loose network of -volunteer support. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Project Gutenberg™ eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -Most people start at our website which has the main PG search -facility: <a href="https://www.gutenberg.org">www.gutenberg.org</a>. -</div> - -<div style='display:block; margin:1em 0'> -This website includes information about Project Gutenberg™, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. -</div> - -</div> -</div> -</body> -</html> diff --git a/old/69001-h/images/cover.jpg b/old/69001-h/images/cover.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index dae7ddd..0000000 --- a/old/69001-h/images/cover.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-003.jpg b/old/69001-h/images/illu-003.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 73a840f..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-003.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-006.jpg b/old/69001-h/images/illu-006.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index cbcdd9d..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-006.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-007.jpg b/old/69001-h/images/illu-007.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c262042..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-007.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-010.jpg b/old/69001-h/images/illu-010.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 90f5bca..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-010.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-011.jpg b/old/69001-h/images/illu-011.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 0b37f61..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-011.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-014.jpg b/old/69001-h/images/illu-014.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c3992c0..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-014.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-015.jpg b/old/69001-h/images/illu-015.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index e307531..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-015.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-018.jpg b/old/69001-h/images/illu-018.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4883028..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-018.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-019.jpg b/old/69001-h/images/illu-019.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index c58dee6..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-019.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-036.jpg b/old/69001-h/images/illu-036.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 4860173..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-036.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-039.jpg b/old/69001-h/images/illu-039.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 080650d..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-039.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-040.jpg b/old/69001-h/images/illu-040.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index df160c4..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-040.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-041.jpg b/old/69001-h/images/illu-041.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 9388ead..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-041.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-043.jpg b/old/69001-h/images/illu-043.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 8890cc8..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-043.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-046.jpg b/old/69001-h/images/illu-046.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index abc881d..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-046.jpg +++ /dev/null diff --git a/old/69001-h/images/illu-049.jpg b/old/69001-h/images/illu-049.jpg Binary files differdeleted file mode 100644 index 6c0802a..0000000 --- a/old/69001-h/images/illu-049.jpg +++ /dev/null |
