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-*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 69045 ***
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-Jedermanns Hundebuch.
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-Pflege, Erziehung und Dressur des Haushundes.
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-Von
-=E. von Otto,=
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-Bensheim.
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- Dem Hunde, wenn er gut gezogen,
- Wird selbst ein weiser Mann gewogen.
- Goethe.
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-[Illustration: Decorative Image]
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-Berlin
-Verlagsbuchhandlung Paul Perey
-Verlag für Landwirdschaft, Gartenbau und Forstwesen
-SW.11, Hedemannstraße 10 u. 11
-1924.
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-Alle Rechte, auch das der Übersetzung, verbehalten.
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-=Vorwort.=
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-Das Schicksal jedes Lebewesens, auch des Menschen und der Pflanze, wird
-durch das Zusammenwirken seiner erblichen Veranlagung mit den Einflüssen
-der Umwelt bestimmt. Welcher von den Ursachengruppen die größere Bedeutung
-zukommt, das ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr als das Schicksal
-irgend eines anderen Tieres bestimmt der Mensch das ganze Sein und Werden
-des Haushundes, dessen Umwelt er schafft, dessen Wachsen und Ausbildung er
-leitet, dessen Uranlagen die Züchtungstechnik durch sorgfältige Auswahl von
-erblichen Anlagen beeinflußt. Der erste Schritt zur Einwirkung ist, daß
-sich der _Hundebesitzer_ seiner Stellung, Aufgaben und Mittel gegenüber dem
-ihm überlieferten Hund bewußt ist. Mit viel Tierliebe und freundlichen
-Absichten, aber herzlich wenig oder ohne alles Verständnis wird meist der
-erste Hund angeschafft. Es existiert eine größere Anzahl von Lehr- und
-Dressurbüchern für die Ausbildung von Polizei-, Kriminal- und
-Jagdgebrauchshunden, aber bis jetzt kein einziges, das für Leien und
-Anfänger den ganzen Werde- und Lebensgang des Haushundes, den der
-Skandinavier bezeichnend Selskabshund (Gesellschaftshund) nennt und wir
-früher als Luxushund zu klassifizieren pflegten, von „Wiege bis zum Grabe”
-erläuterte. Alles, was wir vom Hund fordern und ihn lehren wollen, soll
-_dessen_ Verstehen angepaßt sein, und wir müssen es verstehen, ihm das
-begreiflich zu machen. Im _Sein, Bewußtsein_ und _Selbstbewußtsein_ stuft
-sich die Dreiheit der Psychologie, d. h. der Lehre von den seelischen
-Vorgängen und Zuständen. Dreifach ist daher auch die Tätigkeit, die wir dem
-Hund von frühester Jugend an zuwenden. Dem _Welpen,_ der nur von
-Daseinstrieben geleitet ist, wenden wir eine liebevolle _Pflege_ zu. Blind
-und ohne Gehör kommt er zur Welt. Jeder an ihn herantretende Reiz, zuerst
-die Abkühlung der Außentemperatur in Abwesenheit der Mutter, Durst, die
-ersten Lichtstrahlen, wenn sich das Lid am neunten Tage öffnet, sogar
-lebhafte Geräusche werden mit Unbehagen oder Schmerz empfunden, mit Winseln
-quittiert. Ganz allmählich gewöhnen wir ihn an äußere Einflüsse, an die
-Reize der Umwelt, die später zu Lebensbedürfnissen werden. Der sorgenden
-Mutter entwöhnt, beginnt das Sein des _Junghundes_ in das _Bewußtsein_
-überzugehen, er erlebt sich selbst und entdeckt die Umwelt. Jetzt hat die
-_Erziehung_ einzusetzen, die das noch wenig Muskeltrieb und Widerstand
-entgegensetzende, werdende Wesen umsichtig zu dem leitet, was es einmal
-werden soll, was ihm schon von früher Jugend im eindrucksfähigsten Alter in
-Fleisch und Blut übergehen muß, z. B. bedingungsloser Gehorsam. Hat der
-Junghund mit vollendetem Zahnwechsel, der Rüde, der allein gegebene
-Liebhaberhund, mit beginnender Geschlechtsreife, das spielerische Wesen
-abgelegt, so erwacht im _Jährling_ das _Selbstbewusstsein;_ er schafft sich
-jetzt selbst eine Stellung zur Umwelt, zum Herrn, zu andren Tieren, zum
-Heim und allem, was um ihn lebt, im Guten oder Bösen, wenn und soweit wir
-es nicht schon vorher durch seine Erziehung und Gewöhnung verstanden haben,
-sein ganzes Empfindungsleben so einzustellen, wie es für seine zukünftige
-Stellung als Haushund nützlich und erforderlich ist.
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-Wir beschäftigen uns also beim _Welpen_ vorwiegend mit dessen _Körper,_
-beim _Junghund_ mit dessen _Empfinden,_ beim _Jährling_ mit dessen
-_Willen._ So arbeitet unsere liebevolle Sorge, für den unbewußten Willen
-des Welpen, die kluge Erziehung richtet es so ein, daß sie mit dem Willen
-des Junghundes _parallel_ zu laufen scheint, die konsequente _Dressur_
-fordert vom Jährling, was mit dessen Neigungen und Wünschen weniger oder
-nicht im Einklang steht, richtet sich _gegen_ seinen Willen. Die scharfe
-Dressur und Strafe beugen oder brechen den mißratenen Bruder des
-Selbstbewußtseins, den Eigensinn. Dieser dreifachen Altersstufe des
-_Welpen, Junghund_ und _Jährlings_ und unserer dreifachen Tätigkeit
-_Pflege, Erziehung, Dressur_ trägt die Einteilung dieses Buches in drei
-Abschnitte Rechnung. Jedes Kapitel ist logisch dem vorhergehenden angefügt,
-die Reihenfolge und Fortschritte sind zu beachten. Nur ein rationell auf-
-und wohlerzogener Hund gewährt dem Besitzer Genugtuung und Freude, ist
-unsren Nachbarn keine anstößige Erscheinung, sondern ein nützliches
-Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Haltung eines Hundes legt uns
-Pflichten und auch Verantwortung gegenüber dem Tier, wie Rücksichten auf
-unsre Mitmenschen auf. In diesem Sinne möchten wir dieses Buch aufgefaßt
-und beachtet wissen; es ist dem Hunde zu Liebe geschrieben, um für ihn
-Verständnis und neue Freunde zu gewinnen.
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-_Bensheim_ (Hessen), im Mai 1924.
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- =E. v. Otto.=
- 1885—1914 Herausgeber von
- „Hundesport und Jagd”.
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-=Inhalt.=
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- Seite
-= I. Die Verpflegung und erste Anleitung des Welpen= . . . . . . . . . 7
- 1. Kapitel. Trächtigkeit; Geburt; Pflege des Welpen bis
- zur Abgewöhnung von der Mutter . . . . . . . . . . . . . . . 7
- 2. Kapitel. Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein
- Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11
- 3. Kapitel. Fütterung und Futter . . . . . . . . . . . . . . 14
- 4. „ Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer . . . . . 18
- 5. „ Lob und Strafe . . . . . . . . . . . . . . . . . 20
-= II. Die Erziehung des Junghundes=. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
- 6. Kapitel. Stubenreinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
- 7. „ Verhalten im Hause, Gewöhnung an Leine
- und Kette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25
- 8. Kapitel. Melden und Lautgeben . . . . . . . . . . . . . . 28
- 9. „ Verhalten auf der Straße (Radfahrer, Wagen,
- Raufen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30
- 10. Kapitel. Verhalten auf Spaziergang (Geflügel, Katzen,
- Wild) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33
- 11. Kapitel. Der Appel (Kommen und Gehen auf Befehl). . . . . 36
- 12. „ Spielende Dressur. . . . . . . . . . . . . . . . 39
-=III. Systematische Dressur des Jährlings= . . . . . . . . . . . . . . 43
- 13. Kapitel. Leinenführigkeit, Freifolgen am Fuß. . . . . . . 43
- 14. „ Setz dich, Leg dich, Ablegen . . . . . . . . . . 44
- 15. „ Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd . . . . . . . 47
- 16. „ Apportieren und Verlorensuchen . . . . . . . . . 49
- 17. „ Kleine Kunststücke . . . . . . . . . . . . . . . 53
- 18. „ Wasserarbeit und Schwimmen . . . . . . . . . . . 56
- 19. „ Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn . . . 59
- 20. „ Korrektur verdorbener Hunde. . . . . . . . . . . 62
-= IV. Praktische Anleitung zur Hundehaltung= . . . . . . . . . . . . . 64
- 21. Kapitel. Der Zwinger, die Hütte, das Lager. . . . . . . . 64
- 22. „ Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde . . . . 67
- 23. „ Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge,
- Scheren und Baden. . . . . . . . . . . . . . . . 70
- 24. Kapitel. Utensilien zur Pflege, Dressur und Reise . . . . 75
- 25. „ Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von
- Medizin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80
- 26. Kapitel. Altersschwäche und Tötung. . . . . . . . . . . . 84
- Zu unseren Bildern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87
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-I. Teil.
-Die Verpflegung und erste Anleitung.
-
-1. Kapitel.
-=Trächtigkeit. Geburt und Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der
-Mutter.=
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-Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen und sich eine gesunde,
-die Welpen gut und reichlich ernährende Mutter erhalten will, muß schon
-kurz nach dem Belegen mit rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen,
-damit die tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, Kalk-
-und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu erschöpfen. Sie muß in
-der kurzen Zeit von 9 Wochen eine Körpermasse bilden, die bis 1⁄7 ihrer
-eigenen beträgt. Innerhalb der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen
-Futterwechsel noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem Kalk
-verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst auf natürlichstem Wege
-durch Knochengaben. Weiche, nicht ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor
-allem den Vorzug. Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von
-besserer _Qualität_ zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, weil Darm
-und Magen ohnehin durch die ausgedehnte Gebärmutter bedrängt werden. Je
-schneller die Mutter unter lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug
-jeder Fruchtbarkeit das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63
-Tagen der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Hautpflege,
-Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche Ansprache, kurz alles,
-was das Wohlbehagen fördert, sind unsere Mittel. Von der vierten Woche wird
-der Auslauf verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei
-Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die Hündin sichtbar
-trägt, was man am besten über ihr stehend von oben feststellt, erhält sie
-ihr Futter in mehreren Rationen (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je
-verdaulicher zubereitet und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie
-Welpen aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, leimgebende
-Substanzen, und das alles muß erst von ihr auf dem Wege der Verdauung ihrem
-Blute zugeführt werden, um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu
-gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt einer Futtermenge
-von etwa 900—1000 g gemischter Kost (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im
-Verhältnis 1—3 für Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde,
-200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt etwa 1250,
-900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch und Vegetabilien. Fett
-(z. B. in Fettgrieben), das auch junge Hunde schlecht vertragen, reicht man
-sparsam; von viel Milch ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser
-enthält. Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, so
-soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der 5. Woche vorgenommen
-werden; eine spätere Gewaltkur gegen Bandwurm führt häufig zum Verwerfen.
-Ungeziefer (Flöhe) ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den
-letzten Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin bereits
-unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das Wurflager herzurichten.
-Für harte größte Rassen genügt eine gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im
-Freien oder im Schuppen, im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas
-erhöhtem Einschlupf und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine
-flache Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das Herausfallen der
-Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher Korb. Als Einstreu trockenes
-Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, noch alte Decken, die durch Fruchtwasser
-durchnäßt werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu beim Werfen
-beiseite und legt die Welpen auf den blanken Boden, der deshalb nicht
-kalter Stein sein soll. An dieses Lager, das ruhig, etwas dunkel und
-geschützt stehen soll, gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der
-Fälligkeit des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts völlig
-glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so wohlgemeinte Hilfe. Die
-Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, frißt diese, sowie die
-Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und trocken. Zwischen den Pausen kann
-man ihr, wenn sie ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser
-hinhalten. Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann
-erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie führen;
-inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) vorbereitet mit warmem
-Wasser, in das etwa 50 g Septoform geschüttet wird, um den Boden zu
-reinigen. Die Welpen liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die
-der Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei späteren
-bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr unter. Die zu tötenden sind
-inzwischen weit entfernt worden, so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören
-kann. Man tötet sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz
-hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die kräftigsten Rüden
-läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie von Züchtern bestellt sind,
-_niemals,_ um sie an Laien zu verschenken, da sie nur in Hände von
-_Fachleuten_ gehören.
-
-Für die säugende Hündin ist ein _allmählicher_ Futterwechsel
-nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die auf die Milch
-übergreifen. In den ersten Tagen gibt man vorwiegend Milchsuppen mit
-Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. Wie während der Tragzeit darf Kalk
-nicht fehlen, man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel
-Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g Chlorkalzium in 1⁄2 l
-Wasser bereitet hat. Auch Phosphor ist nötig; er vermehrt und verbessert
-die Milch, und wird in Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb
-der ersten Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen in
-schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine Wundstelle mit
-blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. Bis spätestens zum 8. Tage
-läßt man die Ruten von Terriers, Dobermannpinscher, Schnauzer,
-Zwergpinscher, Toyspaniel, Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen
-Vorstehhunden usw. kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste
-oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit Septoformlösung
-(aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, das Lager beständig
-erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe und Läuse, die zudem Überträger von
-Bandwurm sind, nicht aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die
-Mutter, die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur Entleerung
-veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer entzündet, so mildert man
-mit Borsalbe. Bis zum 9. bis 10. Tage hören und sehen die Welpen noch
-nicht; dann öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an
-Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem die Mutter
-zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen man ihr beläßt, je
-rationeller man sie mit milchgebenden Stoffen füttert: Mehlsuppen,
-gesalzener Milch mit altem, eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und
-Knochen nebst Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die
-Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt die flüssige
-Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen ist ihr Herumwatscheln oder
-Gehversuche. Anfangs der dritten Woche bricht das Milchgebiß durch, ein
-Signal, daß sie etwas zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im
-Mutterleib und während des Säugens nur animalisch ernährt werden, braucht
-man von kleinen Fütterungsgaben von geschabtem rohem Fleisch nicht
-zurückzuscheuen. Dazu gibt man nach und nach als Beigabe zur Muttermilch
-pasteurisierte Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später
-setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst kleingewiegtem
-Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt die Mutter nach 6 Wochen nur
-noch nachts zu den Welpen. Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr
-Gelegenheit, sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. Je
-früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, die Kleinen an
-die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag (nur nicht feuchten Rasen) als
-Spielplatz zu bringen, desto besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter
-und immer gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa
-8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem einzelnen mehr
-Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als der Züchter einem ganzen Nest.
-Vorher läßt man die Namen nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch
-eintragen, da es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd
-festzulegen, unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre
-machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert abzugeben. Zugleich
-mit dem abzugebenden Welpen und der Bestätigung über erfolgte Eintragung in
-das Zuchtbuch sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses
-Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch rationelle
-Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite.
-
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-
-2. Kapitel.
-=Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.=
-
-
-Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines Lebewesen kommt in
-eine völlig neue Umgebung und ist dementsprechend zu behandeln. Falls mit
-Bahn oder Post überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten
-eintrifft; der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der
-Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll einen ganzen Tag
-Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, damit er nicht
-nachts durch Winseln und Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der
-Nachtruhe stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter orientiert man
-sich, ob das Schlaflager in Korb, Schlafkiste (diese ist mit seitlichem
-Einschlupf und Schubtür zu versehen, als Aufenthalt willkommen und zur
-Erziehung praktisch), Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung)
-bestand, welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste Lager wird
-vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch Heimatgeruch hat,
-gebildet. Bereitzustellen ist außer dem Lager: ein kleiner Eimer mit
-Sägespänen und eine Flasche Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers.
-Man darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern muß die
-betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform verwittern (den
-Uringeruch überdecken!), weil Hunde sonst dieselbe Stelle immer wieder
-benützen würden. Etwas billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin,
-aber wegen des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach Ankunft
-trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof oder Garten, sobald er
-durch unruhiges Herumsuchen verrät, daß er sich lösen oder nässen will.
-Beobachtet man ihn darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr
-bald am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß es Zeit
-ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. Diese zu erzwingen,
-ist erst möglich, wenn er sich etwas eingewöhnt hat und begriffen, daß es
-Dinge gibt, die ihm verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen
-muß, um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen ist ihm
-mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm zugewiesene Lager, auf dem
-er zu verharren und das er aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene
-Wort „Platz!” erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie
-und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von dort aus selbst
-übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten werden kann oder lästig fällt.
-Nachdem er sich einige Zeit frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt,
-sanft zum Legen niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene
-aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt es mehrmals
-mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen bei dem kleinen Quecksilber
-nicht, so unterstützt man das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit
-der Hand, die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte
-(Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten soll; diese belohnt,
-streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter und richtig erzogener Hund
-wird mit der Schnauze die Hand des Herren suchen, seinen Kopf in diese
-legen, nie nach der Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B.
-einmal genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch einzugreifen.
-Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren auf dem „Platz” nicht, sondern
-gibt durch freundlichen Anruf des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig
-sein soll, Erlaubnis zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck,
-suggestiv seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, Platz,
-Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt folgen soll, klatscht man
-in die Hände; auch das wirkt aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte
-man darauf, daß der einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder
-auch nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt oder
-trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit verharren muß, worauf
-man ihn belobt. Von den ersten Anfängen an muß es dem jungen Tier in
-Fleisch und Blut übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist.
-Das ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. Hat er nach
-mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was er soll und daß er muß, so
-wird der Ort des Lagers gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im
-Wohnzimmer, sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus allein
-bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, so daß der Hund nicht zu
-fern der Haustür liegt. In einem Mietshaus empfiehlt sich dies für untere
-Stockwerke weniger, damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender
-Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich muß der Hund, falls
-man beim Verlassen des Zimmers das Kommando „Platz” gibt, dort verweilen,
-auch wenn er allein gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch
-zurückkehrt, spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt den neuen
-Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem Schlag. Wenn das alles auch
-überflüssig erscheint, so führe man doch alle diese Übungen konsequent
-durch; es ist die eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle
-spätere Dressur. Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen
-wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, in dem er sich
-gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist _„Hinaus”._ So oft es
-hinausgeht, wird das Wort mehrmals lebhaft wiederholt, bis sich für ihn
-damit der Begriff von Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die
-_Worte „Platz”_ und _„Hinaus”_ sind es aber nicht allein, sondern der Ton
-und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines Verständnis, da sie
-_nie ein Wort_ selbst und dessen _Bedeutung_ erfassen, sondern nur den
-_Begriff,_ der sich für sie damit innig verbindet. Kinder haben dem
-Junghund nie zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und
-spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung profitieren.
-
-
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-
-3. Kapitel.
-=Fütterung und Futter.=
-
-
-Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser zugeschnitten; sie ist
-es auf dem Lande im allgemeinen heute noch, durch gelegentliche Zugaben
-etwas verbessert. Unsre anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit
-nicht auf der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht
-allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist während der
-Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der
-Rationen, dem Alter angepaßt, die Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich
-Vorhandensein der Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert
-ordnungsmäßiges Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der Auswertung.
-Einige Grundregeln für die Fütterung sind: Das Futter soll immer
-_gutgewärmt_ werden, denn ehe die Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf
-Blutwärme im Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen
-Verschlingen, deshalb gebe man das frische Gemüse _klein_ gewiegt Fleisch
-klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, wird _weggenommen;
-niemals_ soll die Futterschüssel _stehen bleiben;_ weder im Winter, noch
-weniger im Sommer. Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu
-groß. Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich in
-folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht zu leicht umgeworfen
-wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder kleine Rassen sind die sogenannten
-Kaninchenfuttergeschirre aus Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum
-Abmessen der Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie _peinlich sauber_
-zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern oder Schüsseln
-hin, die in der Küche verwendet werden oder gedient hatten. Damit wäre,
-abgesehen von dem Unästhetischen, ja Gefährlichen wegen der Übertragung von
-Würmern, der erste Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie
-müssen wissen, daß es _ihr_ Futter nur aus _ihrem_ Geschirr gibt. Genau so
-ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen allen Lehren, daß den Hunden _immer_
-frisches Wasser zur Verfügung stehen soll, halten wir das für einen
-Mißgriff. Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher
-Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig Wasser
-brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß es nicht nötig ist, den
-Speisebrei noch mehr zu verdünnen. Viel Gelegenheit macht zu
-Gewohnheitstrinkern. Kommt der Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um
-den Staub wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als den
-Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an sein leeres
-Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und mag etwas Wasser
-erhalten. _Unerläßlich_ sind für Junghunde _harte_ Hundekuchen, Hartbrot
-und vor allem weiche _Kalbsknochen._ Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen
-ihre Milchzähne, mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne,
-mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne werden mit 5—6
-Monaten gewechselt, die Molaren brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5
-Monaten durch. Diese Vorgänge bedingen eine _starke mechanische Tätigkeit
-Gebisses;_ geben wir dem Hund während des Wachstums und der Skelettbildung
-nicht reichlich Knochen, so wird er den erforderlichen mechanischen Reiz an
-Stiefeln, Teppichen, Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was
-man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, 58—63 %
-Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß
-und Leimstoffe enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als 5—6
-Jahren sollen _niemals _Knochen bekommen. Die letzte Regel lautet
-endlich: _niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit mit Junghunden_
-Spaziergänge; denn Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder
-und Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark dehnen und
-lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, weichen Rücken und schwache
-Muskulatur. Breitstehende, massige, starkknochige Rassen wie Bulldoggen,
-St. Bernhardshunde, Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas
-mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, Whippets,
-Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes Futter erhalten: viel
-Gehalt in wenig Menge. Ebenso dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde
-nicht zu weichlichen, überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern
-gehaltvoll, trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente)
-ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht dünnflüssig,
-weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche Knochenmenge und Mangel an
-Wasser. Als Grundfutter kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken,
-Roggenschrot, Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an
-Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur als Brei
-ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, die das Futter
-schmackhaft macht, ist für größte Rassen 16—25 g in der Jugend, für ältere
-20—30 g, im Winter etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch
-Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen
-Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig,
-werden aber wenig gern gefressen und müssen durch Fett- und Fleischzusatz
-schmackhaft gemacht werden. Am besten wechselt man häufig, auch bei den 4—6
-Tagesrationen: morgens entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost,
-abends trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das Futter,
-immer separat _nachher._ Fehlen sie zeitweilig, so ersetzt man sie durch
-Chlorkalzium (150 g auf 1⁄2 l Wasser, davon 1 Eßlöffel in das Futter
-gerührt). Man rechnet 1⁄10 g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk
-(Schlämmkreide) darf _nie_ zum Futter gegeben werden, da er durch
-Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. Mit
-kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für Welpen) kann man den
-Nährwert von Magermilch oder Grundfutter vorteilhaft erhöhen. Aber niemals
-sollen Zucker, Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der
-feststehenden Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung
-bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte Fresser und
-Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf sich der Hund wohl im
-Eßzimmer, aber nur in angemessener Entfernung vom Tisch auf seinem Lager
-(„Platz”) aufhalten. Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit
-zugesteckten Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler.
-Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um Gehorsam
-vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden.
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-4. Kapitel.
-=Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.=
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-Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde mit Würmern behaftet
-sind; ja es gehen mehr Welpen an Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als
-an Staupe (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, glanzlosem
-Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen nach den Mahlzeiten, viel
-Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar.
-Spulwürmer (3—8 cm lang, rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht
-festzustellen) haben fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich,
-durch Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. Weit
-schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, da sie durch Flöhe sehr
-leicht überall verbreitet werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu
-Darmverstopfungen führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert werden,
-ist der aus etwa 1⁄3 cm langen Gliedern bestehende Bandwurm seltener; seine
-Jugendform, die durch Maul oder After des Hundes abgeht, ist für Menschen
-lebensgefährlich, weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie
-dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer vorhanden, so
-verabfolge man morgens in der Milch 1 bis 2 Santonintabletten, die, mit
-Kakao gepreßt, in jeder Apotheke für Kinder vorrätig zu haben sind, oder
-das billigere Chenopodiumöl (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das
-entgiftete Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. Fast
-alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den Darm, weshalb man durch
-leichten Kotabgang die Kur unterstützt und starke Mittel bei noch zarten
-Tieren sich vom Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt.
-Das beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. Man gibt
-0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser sind die sich im Mastdarm
-aufhaltenden, weißen fadenförmigen Würmer (5—8 cm lang), die nur ein
-lebhaftes Jucken im After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich
-reibt, scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch in
-Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger als Santonin ist
-das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) und relativ ungiftig. Gegen Flöhe
-gibt es nichts besseres als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn
-sich der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit Cuprex
-(Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man gar nicht aufkommen
-lassen, weshalb die Decke über Matratze, die Matte täglich ausgeschüttelt,
-das Heu oder kurze Stroh in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes
-Vertilgungsmittel für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres
-feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex (Merck),
-es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden Eier (Nisse). Harmlos
-ist ein Betupfen mit einer Lösung von 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl.
-Das oft empfohlene Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt
-man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach Spaziergang mit Zecken
-(Holzböcken) behaftet heim, so reißt man sie nicht aus, sondern betupft sie
-mit Terpentinöl aus einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für
-Nähmaschine und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht zu
-empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht völlig trocken,
-leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um Parasiten oder Milben zu töten,
-so scharf sein (2 % Kreolin), daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst
-wenn die Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die
-Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht vernichten
-wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr erfolgen. Um sich
-ein Bild von deren Umfang zu machen, sei darauf hingewiesen, daß ein
-einziger Spulwurm, deren der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach
-Prof. Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens; S. 10) in
-einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein Bandwurm bis 100 Millionen zu
-produzieren vermag, die meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames
-Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über das
-Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25.
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-5. Kapitel.
-=Lob und Strafe.=
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-Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur Korallenhalsband und
-Prügel, und sie erörtern höchstens, ob man mit der Hand, zusammengelegter
-doppelter Führungsleine, Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf
-welche Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung
-schreitet, prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa ein
-Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also dem Hund ungewohnt
-und unverständlich war, oder ob er während Ablenkung der Aufmerksamkeit
-durch Nebenumstände erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt
-verstanden, was man von ihm wollte und kann man schon eine _aktive_
-Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu verlangen, daß er
-entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder Behagen auf jede Aufforderung
-nachgiebig eingeht, daß er eine Marionette ist, die durch Befehle in
-Bewegung gesetzt, durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf die
-an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen sollte, müßte
-man sich dahin geben: schlage womöglich _nie,_ so wenig wie dein Kind,
-suche immer mit andern Mitteln auszukommen; man kommandiere aber auch so
-wenig als möglich, sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität.
-Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals schreiend; der
-Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, freundlichen Ansprache
-unterscheiden. Mit Kindern und Hunden parlamentiert und überredet man
-nicht, sondern man _befiehlt._ Etwas anderes ist es, durch einen
-mechanischen Druck (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl
-verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum Abwehren
-schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da es ja bei dem Hunde
-steht, sich solche zu ersparen. Neben dem leichten Schlag kommt als Strafe
-bei Ungehorsam in Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang),
-Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch größer ist der
-Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je fester der Gehorsam gegenüber
-dem Wehren und Verbieten (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen
-auf Möbel, Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch,
-Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter ist
-später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der Welpe verstehen und
-beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, Bewegungslust, Tatendrang,
-veranlaßt durch Muskulatur und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt,
-also Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem
-Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. Zum Wehren
-und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir durch mechanische Nachhilfe das
-Verständnis unterstützen können. Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn
-sich der Lehrer von der nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit
-überzeugt hat. Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was
-der Hund auch _verstanden_ hat. Führt er das aus, so darf für die ersten
-Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) nicht gespart werden.
-Und später muß jede Erfüllung mit freundlichem Lob und lebhafter
-Anerkennung belohnt werden. Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein
-Tier, wohl aber ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung.
-Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: Furcht vor der
-schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes Auffassungsvermögen,
-motorische Langsamkeit, Eigenwillen; letzterer äußert sich durch Flucht,
-Kundgabe des Unmuts, Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände.
-Ehe man also zur Strafe schreitet, prüfe man die _Ursachen_ und versuche
-sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen Spaziergang an der
-Leine zu beseitigen. Dann wird man selbst zu der Überzeugung kommen, daß
-Zuhauen das ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von Befehlen
-gefügig zu machen, dann wende man die systematischen Mittel an, die in Teil
-III aufgeführt sind, auch wenn sie etwas Geduld und Zeit erfordern.
-Unbedingte Züchtigung (auf die Keulen) verdient nur _offensichtliche
-Widersetzlichkeit_ bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot;
-diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer Prüfung, damit
-der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit straft, und daß es eine energische
-Kraft über ihm gibt.
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-II. Teil.
-Die Erziehung des Junghundes.
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-6. Kapitel.
-=Stubenreinheit.=
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-Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. Grundregel ist:
-dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was du später verbieten wirst! Mag es
-noch so harmlos sein, wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan
-gehoben wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht nicht,
-warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig ist, nicht geschehen
-soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen das immer bleiben. Laß ihn
-nicht seine schwachen Zähnchen an einem alten Hausschuh probieren: er kennt
-nicht den Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er in
-kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine Fehler geben
-später schwer auszurottende Laster. Je früher der Welpe mit der Großstadt,
-dem Lärm der Wagen, Pferde, Autos vertraut gemacht wird, desto leichter
-geht es; ahnungslos trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer
-geworden, nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt.
-Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine gehen; ein weicher
-Lederriemen genügt als Halsband, eine solide längere Schnur, in deren eines
-Ende ein Karabiner, in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als
-Leine zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn er nicht
-mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man auf den Hund, wenn er
-vom Lager morgens aufsteht und sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man
-legt schnell den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt
-ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt die Wohnung an
-belebter Straße, so läßt man ihn in den Hof oder zur nächsten ruhigen
-Seitenstraße bringen; denn über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen,
-Geräuschen kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der Hund
-verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines Schäferhundes hat das
-Fassungsvermögen, das dem eines Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung
-kommt von der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er seine
-Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste nach etwa 9 Stunden
-bis in den Mastdarm vorgerückt, so daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends
-entleeren und ein ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm
-behalten kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt nicht mehr.
-Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb oder flacher Kiste, mit
-etwas Mühe zum Verlassen verbunden, desto weniger wird er nachts aufstehen,
-herumlaufen und sich im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man
-ihn jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, beschleunigt
-seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er (s. Kap. 8, Lautgeben und
-Melden) schon durch Ungeduld bei vorgehaltenem Futter, Knochen,
-Leckerbissen gelernt hat, auf Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem
-Ausgang, Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch er
-anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer wollen das durch
-Kratzen an der Türe markieren lassen; das ist indessen für den Welpen
-schwieriger zu verstehen. Viele Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß
-sie eine nur angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren
-das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts nicht hört, ist die
-Stimme des Hundes das natürlichste. Es wird oft im Leben vorkommen, daß der
-Hund auf diese Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der
-Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. Ein kluger
-Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das ihm zum Apportieren zu groß ist.
-Ein lockerer Hals ist immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich
-durch seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der Tür
-verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, die Tür zu
-beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall und Aufrichten selbst die
-Tür zu öffnen, was er nicht lernen soll. Den Hund mit der Nase in den Kot
-zu stoßen, ist sehr unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der
-Missetat gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt ihn
-zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu stecken. Ist ein Hund
-trotz Anweisung, Unterstützung durch Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht
-viel Kot, belastet stark), trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt
-unreinlich, so bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden
-gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, da
-Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. Hilft das und auch
-fühlbare Strafen nichts, so muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren,
-die so hoch ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends
-erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein Wasser.
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-7. Kapitel.
-=Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.=
-
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-Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und
-sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet
-sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die
-Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht.
-Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig abgestellt werden, sein Lager
-auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu
-bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm
-verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt
-es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst
-vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann
-kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen,
-das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer,
-französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde,
-Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so
-mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan.
-Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen
-oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln,
-Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar
-annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im
-Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter,
-länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen,
-da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und
-Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu
-fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu
-machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht
-drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch
-anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst
-zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen.
-Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und
-energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich
-eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert.
-Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei
-allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen müssen. Springen auf
-Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen,
-ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf
-der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen
-(Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen
-erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde
-zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über
-die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen
-werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden
-Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen
-davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende
-Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein
-sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine
-Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf
-einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt
-die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit
-derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen
-gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und
-diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der
-Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der
-die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht
-anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder
-Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen
-zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde
-vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten,
-doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren
-sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen.
-Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann
-beschließt, muß schon das Kommando der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch
-von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der
-freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und
-sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt
-werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen
-müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch:
-„Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es
-ohne solche im Leben?
-
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-8. Kapitel.
-=Melden und Lautgeben.=
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-Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando,
-sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt
-und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund
-genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt
-wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit
-der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut
-wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen
-anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in
-langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar
-gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst
-steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders
-Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von
-Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar
-morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen
-Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst
-geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz
-herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. Fast alle Hunde schlagen
-an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den
-Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald
-das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt,
-bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch
-die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der
-Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn
-man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere
-lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu
-geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen
-hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es
-an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den
-Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg
-dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu
-herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch
-erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche
-körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht
-als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird.
-Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr;
-oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch
-Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die
-Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich
-heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später
-bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch
-ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder
-Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches
-Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts
-nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st,
-st) nicht, so drückt man den Kopf nieder oder wickelt schnell die Leine um
-den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich,
-sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im
-Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt
-bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen
-Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht.
-
-
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-
-9. Kapitel.
-=Verhalten auf der Straße.=
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-
-Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich
-diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht
-gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine
-mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der
-Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften
-Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis
-er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir
-unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so
-wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen
-sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen
-herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß
-erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder
-Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei
-allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen
-und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über
-Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos
-erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das
-Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch
-Verabredung üble Erfahrung beim Einschmeicheln bei Fremden machen lassen,
-so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der
-man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig
-dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge.
-Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen
-Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe,
-wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich,
-während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben
-im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an
-„guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau
-so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur
-an seinen _Herrn_ zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der
-temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen
-des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche
-getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb
-die _Gummischleuder_ (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und
-Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige
-Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die
-Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine
-kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend und erspart bei
-lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten
-Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst
-und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der
-aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler
-Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle
-geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge,
-Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der
-Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter
-beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen
-kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von
-Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß
-erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in
-entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter
-scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner.
-Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt;
-diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man
-durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher
-Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange
-Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern
-vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist.
-Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht
-das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig
-vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei
-fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden
-allein warten, wenn er fest im Appell ist.
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-[Illustration: Strichzeichnung Mann mit Gummischleuder/Zwille]
-
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-10. Kapitel.
-=Verhalten auf Spaziergang.=
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-Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll
-beim Spaziergang hinaus _möglichste Freiheit_ für den Hund angestrebt
-werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter
-Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung,
-geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz
-alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund
-stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf
-Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns
-selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich
-entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter
-angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich
-Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der
-Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen.
-Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft
-ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir
-überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal
-versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man
-überhaupt viel mit dem Hunde _sprechen soll._ Zeigt er Spuren von Ermüdung,
-z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre
-Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen
-halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger
-Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man
-schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von
-Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so
-rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in
-die Nähe, so spricht man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt
-ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst
-kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus,
-zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend
-mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter
-einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort
-anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem
-gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird
-ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das
-Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es
-ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen
-schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er
-versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden
-muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch
-den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche
-anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger
-entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche
-Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das
-kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das
-Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein
-gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem
-Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende
-Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los,
-daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung
-mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens
-Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so
-fasse man _nie mit _ungeschützter Hand_ nach dem Halsband, das hat schon
-manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch
-besser an der Rute. Fremde drohende Bauernhunde lassen sich meist
-verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben
-darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die
-Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen
-mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei
-denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein
-Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger
-Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die
-Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund
-Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig
-mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund
-auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit
-entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas
-auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten,
-sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so
-erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der
-betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden
-(Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur
-Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für
-menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von
-Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch
-oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man
-möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll
-sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht
-einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den _Herrn_ beständig im
-Auge behält.
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-11. Kapitel.
-=Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).=
-
-
-Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im
-unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in
-sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden.
-Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der _Junghund_ noch weniger
-Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch
-kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von
-_Vorteil_ ist. Hat er begriffen, _was_ er soll, so genügt später
-freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch
-deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen
-Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im
-Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht
-mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen
-erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der
-Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel,
-Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in
-Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die
-Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser
-nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch
-eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die
-Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in
-die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen
-Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt
-er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit
-leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er
-von selbst gekommen wäre. Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten
-Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben.
-Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine
-Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder
-Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen
-an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig,
-so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was
-immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist.
-Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft
-unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife
-bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen,
-entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der
-Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß
-der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen
-Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er
-_muß._ Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder
-mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um,
-so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der
-freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine.
-Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so
-wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt;
-wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen
-(Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf
-Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm
-unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten
-mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also
-seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum
-Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das Winken mit dem Arm
-allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur
-praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male
-im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung,
-scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen
-von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er
-erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst
-umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu
-verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund
-nach 1⁄4 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig,
-so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh
-Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen
-ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer
-Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife
-wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht
-abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den
-Junghund lehren sofort nach Hause zu _finden,_ wenn er sich vom Herrn
-zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist
-er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht
-zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in
-Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz”
-vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der
-Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das
-Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von
-selbst durch Bellen Einlaß verlangen.
-
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-12. Kapitel.
-=Spielende Dressur.=
-
-
-Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen
-Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe,
-schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in
-allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie
-aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund _spielen,_
-sondern den _Trieb zum Spiel_ ausnützen, der nichts ist als
-Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen
-„Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist
-sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose
-Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den
-zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere,
-bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur
-erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift
-höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von
-Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter
-beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem
-Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir
-selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein
-Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches
-Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör,
-Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr
-oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere
-Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das
-allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und
-Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht.
-Anders beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine
-Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das
-Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht
-entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft
-gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach
-Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame
-Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt
-man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie
-störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung
-wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent,
-lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er
-sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige
-Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von
-folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt,
-je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des
-Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die
-Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur,
-Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen
-Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort
-nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor,
-nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für
-Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel
-oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten
-Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand
-alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine
-Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das
-noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das
-Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt,
-nur mit Aufhorchen oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit
-sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue:
-„Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz
-des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen
-wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen
-werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen
-Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man
-für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn
-sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund
-Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig
-abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für
-jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig
-Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter.
-Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man
-zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt.
-Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um
-sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des
-Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen,
-eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle
-spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund
-selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er
-aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht
-befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den
-Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände
-dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene
-sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er
-herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter
-dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn
-nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden diese und
-ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so
-haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach
-10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung
-brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter
-Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es
-Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über
-ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen
-auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und
-Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu
-nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir
-ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der
-Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne
-Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts
-den Vorderlauf an: _„Gib Pfote.”_ Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen
-sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind
-der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien
-zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen
-mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht,
-muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.
-
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-III. Teil.
-Systematische Dressur des Jährlings.
-
-13. Kapitel.
-=Leinenführigkeit.=
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-
-Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das
-endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je
-nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten
-lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen
-wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast
-von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-,
-der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt
-die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige
-Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind
-aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der
-an _linker Seite, dicht_ am Knie, den Kopf für Führer
-_sichtbar,_ die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die
-Leine je zu _spannen._ Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen
-Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns
-der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden
-ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast,
-Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: _„am Fuß”_
-und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen wir ganz langsam
-so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese,
-rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die
-Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes
-Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit
-der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes
-Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen
-Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht
-teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am
-Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man
-mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem
-Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens
-die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne
-Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum
-Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am
-zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter
-oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf
-anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste
-Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei
-Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes
-scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht
-angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und
-Entlassung: „Voraus”.
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-14. Kapitel.
-=Setz dich, Leg dich, Ablegen.=
-
-
-Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das
-Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart.
-Anfangs übt man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen
-auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst
-Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt
-nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt
-die Keulen nieder, kurzes Kommando _„Setz”!_ Die rechte Hand läßt nach,
-zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres
-Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen
-der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück,
-leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn
-angezeigt, Abmarsch mit _„am Fuß”!_ Später Wiederholungen, kurzes Kommando
-und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend.
-Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt,
-jedesmal _„Setz dich”!_ Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor
-die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr
-still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie
-durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist,
-stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter
-bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht
-getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse
-(Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es
-selten, da ungeduldig.
-
-Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur
-unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde
-wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen.
-Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl:
-„Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die
-rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke
-Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über
-den Augen. Allmählich hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit
-wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf
-den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund
-lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem
-Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser
-Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg
-hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls
-nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung
-lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für
-Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das
-Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es
-bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen
-Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte
-niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen,
-sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:
-
-1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört,
-können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn
-anleinen.
-
-2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt
-der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man
-einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im
-Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach
-Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht
-der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht,
-aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platz!” damit er
-nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie
-verlassen werden.
-
-Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon
-eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und
-Hund. Ist man überhaupt zur An- schaffung des sogenannten Torquatushalsband
-(Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast
-unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate
-erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein
-solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die
-auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr
-nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der
-gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht
-in Freiheit.
-
-
-
-
-15. Kapitel.
-=Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.=
-
-
-Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren
-Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für
-Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand
-ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel,
-den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu
-trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich
-allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf
-rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am
-Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu
-führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer
-mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte
-höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem
-geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich
-und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die
-noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht
-rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab
-veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen.
-Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk oder um den Hals;
-nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung
-die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide
-Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem
-der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich
-korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist
-soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf
-belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des
-Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen
-neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes
-Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei
-nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem
-Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns
-zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten
-Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und
-hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht
-dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und
-vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet,
-mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt
-man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach
-mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr
-unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde
-läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd,
-und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall
-mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich
-bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim
-Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher
-an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter
-folgen.
-
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-16. Kapitel.
-=Apportieren und Verlorensuchen.=
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-Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon
-„spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn —
-hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung
-zum _korrekten_ Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger
-arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten
-Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das
-Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu
-ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball
-und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer
-ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird
-und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das
-Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport,
-setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze
-Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen.
-Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß”
-einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber
-nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre
-oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall,
-so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine
-erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend
-erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das
-Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang,
-legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und
-spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so
-zieht man die Hand langsam zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen
-Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte
-drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando _„Gib aus”!_ Man
-belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes
-Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”.
-Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang
-ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport”
-ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird
-er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß”
-abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst
-während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche
-Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es
-gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem
-Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem
-Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig
-wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich”
-üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm
-einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet
-man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so
-wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem
-„gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit
-bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist
-Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir
-das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen
-Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden,
-die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit
-einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders
-hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft
-oft ein Gewaltmittel. Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es
-ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen
-im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung
-macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der
-Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am
-Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband
-befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und
-Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz
-vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch
-soll der Hund _erst auf Befehl_ „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu
-lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw.
-bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit
-sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz
-exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels
-mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt
-werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und
-durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer,
-Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der
-bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des
-Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben.
-Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern
-mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken.
-Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such
-apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen”
-erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins
-Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das
-Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen
-sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die
-Kugel in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl
-parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten,
-so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist
-genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück
-einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim
-Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der
-Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die
-umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such
-verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter
-Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an,
-damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste
-Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel
-fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es
-etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang
-nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen
-wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5
-Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll.
-Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und
-Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der
-Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das
-Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf
-sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder
-Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige
-Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder
-ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der
-Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus
-Sozialdressurbüchern.
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-17. Kapitel.
-=Kleine Kunststücke.=
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-Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei
-spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele
-sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am
-Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund
-verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn
-nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der
-Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem
-Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer
-seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet,
-gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen
-Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein
-Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders
-verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten
-Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste
-Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in
-Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon
-ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder
-Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man
-möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von
-sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde,
-die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn
-man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine
-Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4
-Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt,
-übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf „Komm hopp”. Und ebenso
-zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen.
-Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”,
-bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal
-wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form
-zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil
-sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die
-Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite
-begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die
-obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich
-erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die
-wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten
-Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der
-Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung
-mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas
-verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den
-Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man
-mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen
-erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig
-ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als
-Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel,
-Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger
-die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund,
-Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung
-zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust
-dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum
-Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen
-kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm”
-begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er die Erlaubnis erhält.
-Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein
-gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”,
-hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker
-auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der
-ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und
-fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den
-Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis
-danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die
-Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne
-Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene
-Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße
-im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der
-linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das
-andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man
-3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das
-immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum
-Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der
-späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den
-Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie
-fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde
-reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt
-durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal,
-belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der
-Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund
-erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart
-werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann
-man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4
-mal 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball,
-wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit
-entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls
-in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche
-vernehmen können.
-
-Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne praktischen Wert. In
-Wahrheit ist _alles_ nützlich, was der Hund lernt. Aus einem ergibt sich
-das andre. Noch bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er
-erlernt dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein Hund auf
-Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen zwischen Mensch und Tier
-wächst; der Hund wird mit jedem neuen Begreifen leichter erfassen und
-fester behalten. Bis er Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft
-irrig sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit zur
-Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen Kakes, Zucker) auch
-als solche empfunden werden, darf der Hund nicht überfüttert sein, auch
-außer den regelmäßigen Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je
-Leckerbissen zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag
-(Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern.
-
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-
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-18. Kapitel.
-=Wasserarbeit und Schwimmen.=
-
-
-Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins Wasser, wenn sie
-nicht unvernünftig behandelt, d. h. hineingeworfen oder an einer plötzlich
-abschüssigen Stelle den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den
-mindestens 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich
-schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich nach
-Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt man ihn gewähren und
-selbst Bekanntschaft mit dem nassen Element suchen. Jeder Zwang ist von
-Übel, Beispiel älterer Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich
-ins Wasser gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes
-Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen zur Sicherheit
-versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins flache Wasser: „Apport”. Sobald
-er herauskommt, schnell das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich
-noch schütteln kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des
-Apportgegenstands ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand
-fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des Jägers,
-entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß exakt sein. Hat man das Holz
-abgenommen, so mag er erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft.
-Nicht ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg namentlich
-später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später versucht man es in tiefem
-Wasser; scheut er es, so geht man ohne Tadel nach Hause, versucht es
-nochmals. Das Versagen ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie
-versagendes Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu brauchen wir
-einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, 1 m lang, unten spitz zum
-Einschlagen; oben (etwas unter Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort
-ein Bach, der zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist,
-Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir mit kräftigem
-Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa 1⁄2 m noch herausragt, ziehen
-durch die Ringschraube eine lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden
-auf das andre Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück.
-Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke zu der dem Pfahl
-gegenüber liegenden flachen Stelle. Das eine Ende wird an das genügend eng
-gestellte, aber nicht würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in
-die rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser und ziehen
-nun mit der rechten Hand langsam aber fest die durch die jenseitige
-Ringschraube laufende Schnur. „Voraus, so ist's brav.” Der Hund fühlt sich
-geführt an der Hand des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den
-Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, noch unsicher
-wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser treten. Kurz vor dem Ufer, noch
-ehe er herausspringen kann, erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das
-andre Ende der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann
-denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund am Halsband
-hält, während man die lange Leine ans andre Ufer wirft, über die Brücke
-geht und nun selbst den Hund an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht.
-Dort wird er gelobt. Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille
-ohne Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, wie rasch
-jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts gefährliches ist, und daß er
-an der führenden Hand des Herrn immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel
-muß in vollster Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es
-hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen wird, als ob
-man schon 10 Hunde auf diese Weise von der Harmlosigkeit des Wassers
-überzeugt hätte. Am besten setzt man sich einige Minuten vor dem Anlegen an
-die hinübergeworfene Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was auch zum
-Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, Nervosität oder
-Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den Hund, den wir auch nie über
-Trauer oder Niedergeschlagenheit täuschen können, wie unsre Angehörigen,
-die wir aus Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen.
-
-Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur solche Rassen machen, die
-ererbte Wasserpassion infolge Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer)
-oder Abstammung von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die
-Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige Gelegenheit durch
-Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder Seeufer, harte Schläge, wie
-rauhhaarige Terriers und Pincher dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr
-klares, ruhiges Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch
-Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, benützt. Will man
-den schwarzen Schnürenpudel in voller Schönheit und Farbe erhalten, so darf
-er nach dem Baden wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt
-werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch lasse man sich nicht
-verleiten, an kühlen windigen Abenden Hunde ins Wasser zu schicken,
-besonders nicht kurz behaarte. Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch
-mit und frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, die
-viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch Nierenleiden und
-Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. Hat der passionierte Hund
-gegen Willen des Herrn ein eisiges Bad genommen, so begibt man sich im
-Eilschritt zur nächsten Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz
-vor Ofen oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu
-erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem Tier Mitgefühl
-versagen, was zudem nichts kostet. Lieber eine halbe Stunde Aufenthalt, als
-ein krankes Tier, für das der Herr verantwortlich ist.
-
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-19. Kapitel.
-=Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn.=
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-
-Wenn manche Hunde auf Schuß ausreißen, und sogar schußscheue Jagdhunde
-vorkommen, so ist nervöse Veranlagung, der nicht rechtzeitig
-entgegengetreten wurde, sowie ein erstmals in nächster Nähe abgegebener
-Schuß schuld. Der Jäger schießt vom Hund weg auf ein Ziel, der Jagdhund muß
-auf Schuß sich legen und Befehl abwarten. Der Schuß gegen Herrn des
-Schutzhundes kommt in der Richtung auf diesen. Also ist hier die Gewöhnung
-eine andere. Der Abfeuernde soll nie der Herr sein, sondern immer ein
-Zweiter, ein Feind. — Der Gehilfe erhält einen Revolver, geladen mit
-Platzpatrone-(ohne Kugel, anfangs wenig Pulver); er hat sich im freien
-Gelände, etwa 100 m weit aufzustellen und zunächst nur durch lebhafte
-Bewegung und rüden Anruf auf sich aufmerksam zu machen. Der Hund steht
-angeleint links vom Herrn. Der erste Schuß fällt, Kommando: „Gib Laut!”.
-Man lobt, hält den Hund zurück. Der Gehilfe nähert sich auf Wink, gibt
-weiteren Schuß ab. Je lebhafter der Hund bellt, desto weniger hört er die
-Schüsse, deren letzter auf höchstens 6 m Nähe erfolgen darf. Jetzt rückt
-man mit dem Hund vor, worauf der Gehilfe sofort zurückweicht. Hier wie bei
-allen Mannübungen muß der Hund immer den Eindruck haben, daß er der Sieger
-sei, der mit drohendem Bellen den Feind in die Flucht schlägt. Aber _nie_
-darf Manndressur und Angriff mit einem Hund geübt werden, der nicht eine
-volle systematische Dressur hinter sich hat und _fest im Appell ist._ Bei
-scharf veranlagten, kräftigen Rassen könnten Mißverständnisse von Schuß,
-Bewegung, Verwechslung des Gehilfen oder dgl. zu verhängnisvollen Folgen
-führen. Man muß immer wissen, wo man nur anleiten und mehr den Zurückruf
-üben muß, und wo man den etwas schüchternen Hund zum Draufgänger steigern
-kann. Also Vorsicht bei Schäferhunden, Rottweiler, Dobermannpinscher,
-Doggen, Bulldoggen; bei diesen wird nicht scharf gehetzt, sondern nur die
-Richtung angegeben und Gehorsam geübt. Den regungslos stehenden Menschen
-(oder Gehilfen) hat der Hund nur zu verbellen, nie anzugreifen. Das
-Bewachen erfolgt in liegender Stellung, Kopf in Richtung des Feindes.
-Reagiert der Schutzhund auf den „Verbrecher” nicht, so wird er wie folgt
-immer scharf zu machen sein. Der Hund steht an kurzer Leine an linker Seite
-des Herrn; der Gehilfe in auffälliger Kleidung (umgedrehter Joppe) nähert
-sich mit einem größeren Ast, ärgert damit mit krächzenden Tönen den Hund.
-Entweicht sofort, wenn dieser auf Kommando bellt, begibt sich auf erhöhte
-Stelle (Mauer, auf Baum mittels angelegter kurzer Leiter), so daß ihn der
-Hund keinesfalls erreichen kann. Von obenher reizt er den Hund mit dem Ast;
-gibt dieser lebhaft Laut, so kommt der Herr hinzu, lobt ihn und führt ihn
-weg an der Leine, doch nur wenige Schritte, worauf der Hund frei „an Fuß”
-als Gehorsamsübung zu folgen hat. Systematische Dressur zum Fassen des
-Gehilfen („Verbrechers”) erfordern Hetzgewand, Schutzärmel, Dressurplatz
-und sollte von Laien nur unter Anleitung erfahrener Dressurleiter im
-Polizeihundverein, Schäferhundverein erfolgen. Vieles Üben und Beißenlassen
-wird besser vermieden; man erzieht damit bißwütige Hunde. Ist ein Hund
-nicht scheu, hat er nur einige Male den flüchtenden Gehilfen verfolgt, so
-weiß er im Ernstfall von selbst von seinen Zähnen Gebrauch zu machen.
-Allerdings soll der Schutzhund auch nicht ausreißen, wenn ihm jemand mit
-Ast oder Stock droht, und das ist nur damit zu erreichen, daß man einen
-Gehilfen gegen den angeleinten, dicht beim Herrn stehenden, bellenden Hund
-vorgehen läßt. Zieht er sich scheu zurück, so wächst dem Hund sofort der
-Mut, er geht vor und weicht auch nicht zurück, wenn absichtlich
-ungeschickte Schläge zunächst nur auf den Boden klatschen. Erst wenn der
-Hund wütend bellt, darf ihn ein Schlag mit Ast berühren, wird aber dann
-nicht schaden, sondern den Hund nur angriffsmutiger machen. Immer muß der
-Herr dabei stehen, animieren, aber doch den Hund so kurz halten, daß eine
-Verletzung des Gehilfen ausgeschlossen ist. Plötzlich steht dieser ganz
-still, dann wird auch der Hund mit kurzem Kommando „ab! Leg dich”, zur
-Ruhe verwiesen. Den gegebenen Schutzhund liefert die Züchtung, erzieht die
-Liebe zum Herrn. Nicht die Hetzarbeit, die oft verdirbt und fast nur für
-Hundebesitzer in einer gefährdeten Berufsstellung angezeigt ist. Hunde an
-die Kette der Hütte anzulegen und necken zu lassen, veranlaßt sie zwar bei
-jedem geringfügigen Anlaß zu bellen, zu schnappen und sich wie toll zu
-gebärden, macht also einen drohenden Kettenhund, aber niemals einen
-zuverlässigen Schützer. Von der Kette und dem örtlichen Rückhalt wie Hütte
-gelöst, sind solche Hunde meist feige, schnappen höchstens aus Angst für
-sich selbst von rückwärts zu. Der richtiglernende Beschützer kann nur durch
-den fingierten Angriff gegen ihn, wenn er dicht beim Herrn steht, oder
-gegen den Herrn selbst im Dunkeln zum Begreifen des Schützens gebracht
-werden. Auch der tobende „Verbrecher” hinter einer Holzwand, der den Hund
-reizt, führt nicht auf das Ziel _Schutz,_ sondern zur _Rauflust,_ die dann
-erst wieder gebändigt und in gesunde Richtung gestellt werden muß.
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-20. Kapitel.
-=Korrektur verdorbener Hunde.=
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-Ein Erzieher und Dresseur, der selbst erst einen Hund verdorben hat, eignet
-sich auch nicht zur Berichtigung, die noch weit höhere Anforderungen an
-Konsequenz, Geduld, Ruhe, Eingehen auf den Charakter fordert. Unbedingt
-hoffnungslos ist kein jüngerer Hund, den man aus fremder Hand mit Fehlern
-mangelhafter Dressur, hand- oder schußscheu, zum Entweichen geneigt erhält.
-Die Hauptbedingung ist, daß der Hund und neue Herr sich innig aneinander
-anschließen, sehr viel beisammen sind, daß der auf Straße etwa unbändige,
-Wagen nachprellende, rauflustige, Geflügel hetzende Hund möglichst wenig
-Gelegenheit zu Übeltaten findet, solange er nicht eine vollständige neue
-systematische Dressur (Kapitel 13 bis 17) durchgemacht hat, als ob er noch
-nie etwas gelernt hätte. Und von allen Übungen reichliche Wiederholungen
-unter peinlichster Beachtung des vorgeschriebenen Anlegens und dazu „Setz
-dich”. Vor Beginn des Kursus muss man einige Tage der Woche weiten
-Spaziergängen oder Radtouren in allerlei Gegenden vor der Stadt opfern. In
-den Straßen aber an kurze Leine links „am Fuß”. Niemand füttert als der
-Herr, in dessen Schlafzimmer (oder nebenan bei offener Tür das Schlaflager
-(„Platz”) sich befindet. Fremden Hunden, Wagen, Autos, allem, was der Hund
-scheut oder ihn reizt, weicht man nicht aus, sondern führt den Hund so
-dicht als möglich vorbei. Hier wie bei allen sonstigen Gelegenheiten wird
-viel mit ihm gesprochen. Je mehr der Hund lernt (Kapitel 17) und man übt,
-desto besser. Er muß seine ganze _Vergangenheit vergessen,_ viel Bewegung
-haben und Abends müde sein. Der neue Besitzer soll womöglich den früheren
-Herrn (aber nicht in Gegenwart des Hundes) persönlich kennenlernen und
-dessen Wesen studieren, damit er in allen Kundgaben zum Hund sich auf das
-_Gegenteil_ einstelle. Spricht jener laut, rasch, lebhaft, so übertreibe er
-im Verkehr mit dem Hund das Gegenteil. Dieser muß sich immer beobachtet
-wissen und mit dem Herrn verbunden fühlen. Ehe Befehle erfolgen, muß sich
-der Hund setzen, den Herrn anblicken lernen, das Kommando abwarten und
-ablesen. Hat man aber dazu nicht Zeit, so fange man besser den Versuch gar
-nicht an, verschiebe den Erwerb auf die Ferien. Man glaube nicht, daß man
-mit Strafen einen verstockten Jungen oder Hund korrigieren könne; damit mag
-man ihn höchstens zurückhalten, solange er dicht unter den Augen in der
-Hand ist. Er muß ganz neu sich selbst erleben lernen und im Verhältnis zum
-Herrn eingestellt werden. Gehorsamsübungen können nicht oft genug (aber
-ohne Strafen) gemacht werden; rasch und prompt hat „Setz dich, leg dich,
-apport, Platz, herein, am Fuß” zu erfolgen. Dazu viel Arbeit,
-Sprungübungen, Kunststücke, Verlorensuchen, Apportieren aus Wasser,
-Gewöhnen an Schuß ohne Hetzarbeit, das Leben im Hause streng regelmäßig,
-nie allein ohne Aufsicht auf die Straße. Eine große Summe von gütigen
-Mühen; ehe man sich dieser unterzieht, wäge man, ob diese der betreffende
-Hund nach Rassenschönheit und Anlagen, die das Auge und der
-Gesichtsausdruck verrät, wert ist. Nach Charakter ist der verdorbene Hund
-ursprünglich oft mehr wert als der, an dem nicht leicht etwas zu verderben
-ist.
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-IV. Teil.
-Praktische Anleitung zur Hundehaltung.
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-21. Kapitel.
-=Der Zwinger, die Hütte, das Lager.=
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-Ein altes Wort sagt: „Einmal Hundefreund, immer Hundefreund.” Zu einem
-Dauerzustand für das Leben lohnt es auch ein Dauerheim zu schaffen, da aus
-dem Hundebesitzer, dem erfolgreichen Aussteller, sehr oft der Züchter wird,
-der die häufigen Bitten aus Freundeskreis nach einem Abkömmling seines
-Musterhundes erfüllen will. Bei einem Einfamilienhaus, sei es Stadtmiethaus
-oder Eigentum vor der Stadt, sollte der Zwinger nicht fehlen. Er
-erleichtert die Haltung, ermöglicht die Zucht, hilft Haus und Wohnung
-sauber halten, wenn der Hund nach Spaziergang bei Regen oder Schneeschlamm
-naß heimkommt und vor Einlaß in das Haus eine Stunde auf reichlichem
-Strohlager trocken und sauber geworden. Die läufige Hündin ist dort während
-der Zeit, in der jede zum Entweichen neigt, sicher bewahrt. Die Zuchthündin
-kann dort in Ruhe werfen und mit den Welpen bleiben, bis sie anfangen
-selbst zu fressen und weggegeben werden. Auch in einer Villa mit 2—3
-Wohnungen erspart ein schlichter Zwinger viel Beschwerden wegen
-beschmutzter Treppenhäuser, und die im Verhältnis zu dem Luxus eines Hauses
-ganz geringfügigen Kosten für einen Hundezwinger werden reichlich
-ausgewogen. In manchen Großstädten verbieten die Besitzer die Haltung eines
-größeren Hundes; ein Zwinger würde diese Härte überflüssig machen. Die sehr
-hohe Zahl der Familienhunde in England, das Fehlen von Kreuzungen und
-wertlosen Straßenkötern geht sicher auf Konto der Zwinger beim englischen
-Familienhaus als bequeme Unterbringung und Bewahrungsmittel der Hündinnen
-vor Fehltritten. Der Zwinger lehnt sich am besten an eine geschützte Mauer
-in Nordost, er habe möglichst viel Sonne, der Boden muß unbedingt
-betoniert, undurchlässig, also waschbar sein, da er sonst nach kurzer Zeit
-verseucht und übel riecht. Auch würde auf durchlässigem, feuchtbleibendem
-Boden der Holzzwinger rasch unten verfaulen. Die Betonunterlage etwas höher
-als der Hof und leicht schräg geneigt von der Mauer weg, damit Regen
-schnell abläuft. Eine rechtwinklige Ecke des Hofes oder an Hausrückwand
-angefügt, macht nur zwei Gitterseiten nötig und gewährt mehr Wetterschutz,
-ist auch leichter stabil anzulegen. Das Gitter vorn mit Tür, aus
-Eisenstäben, die nur einmalige Ausgabe sind, die Enden nach Innen gebogen,
-was Überspringen oder Klettern verhindert. Drahtgeflecht rostet zu rasch
-und läßt sich dagegen nicht durch Anstreichen schützen. Für mittelkleine
-Rassen unter Stuhlsitzhöhe ist der Zwinger entbehrlich, höchstens für den
-Züchter solcher (z. B. Foxterriers) nötig. Also sei er gleich so groß
-angelegt, daß ein Mann mit gebücktem Kopf darin stehen kann. Eine geräumige
-Hütte aus Hartholz, mit heißem Leinöl getränkt und mit Ölfarbe gestrichen,
-genügt auch; das Holz innen und außen glatt behobelte, sogenannte Nut- und
-Federbretter, von außen mit Decklatten an den Fugen benagelt. Kein
-Satteldach, sondern ein glattes, schräges Dach mit Dachpappe benagelt zum
-Aufheben. Bei großer Kälte läßt sich leicht innen auf Leisten ein zweites
-Dach nur aus Brettstücken auflegen und damit die Höhe reduzieren. Ähnlich
-soll ein von unten wärmender Doppelboden nicht fehlen, der Zwischenraum mit
-Torfmull gefüllt. Dieser hält warm; saugt Feuchtigkeit geruchlos auf. Als
-Windschutz wird bei Kälte ein Sack vor den Einschlupf gehängt, den der Hund
-beim Einkriechen verschiebt. Der Zwinger sei eine vergrößerte Hütte mit
-Tür; in diese kommt das Einschlupfloch, durch ein herablaßbares Fallbrett
-verschließbar, wie an Hühnerhäusern üblich. Innen dient eine erhöhte
-Pritsche mit reichlich Stroh als behagliches Lager. Das Verbringen in
-Zwinger oder zur Hütte soll nie eine Strafe sein, wird auch nach Rückkehr
-von Spaziergang als solche nicht empfunden, zumal nach 1⁄2—1 Stunde die
-Erlösung zur Futterstunde schlägt. Gelegentlich wird auch das Futter in den
-Zwinger gebracht oder dient er als Nachtaufenthalt. Die tragende Hündin
-wird schon 14 Tage vor dem Wurftage an den Zwinger allmählich gewöhnt,
-indem sie dort ihre Mahlzeiten erhält. Die Gittertür ist nach Innen, die
-des Hauses nach Außen zum Öffnen. Gegen unbefugtes Füttern, Zustecken von
-Knochen schützt, wenn nötig, ein von außen an das Gitter mit Bindedraht
-befestigtes Geflecht. Da der Zwinger für den Familienhund niemals ständiger
-Aufenthaltsort sein soll, weil er dort verdummt und seinem Zweck als
-Gesellschafter und Wächter entzogen würde, ist kein kunstvoller Steinbau
-nötig. Dient der Zwinger als Wurfraum, so ist in diesem mit etwa 12 cm
-breiten, 20 mm starken Brettern ein Wurfplatz abzugrenzen, benutzt man dazu
-die Hütte, so wird mit ebensolchem Brettstück nach vorn zum Einschlupf
-abgegrenzt, damit die Welpen nicht herausfallen können und auch nicht zu
-nahe vorn am Eingang liegen.
-
-_Ein Lager in der Wohnung_ muß jeder Hund haben, besser noch
-ein solches im Zimmer und ein zweites im Vorhaus (Treppenhaus des
-Einfamilienhauses). Fehlt es, so suchen die Hunde, deren Bauchseite dürftig
-behaart, aus Wärmebedürfnis Polstermöbel auf. Alle Hunde, die auf blanker
-Erde oder Holzboden beständig liegen, bekommen häßliche, kahle Liegebeulen
-an den Ellenbogen. Für kleine Rassen genügt als Lager eine Kokosmatte. Für
-größere bewährt sich am besten eine Matratze, mit Seegras gefüllt, vom
-Tapezierer in Form solid durchgenäht, aus Gründen der Reinlichkeit mit
-abzuknöpfendem Überzug, die Ösen zum Knöpfen aus Leder unterhalb der
-Matratze zu befestigen, damit sie der Hund nicht aus Langeweile nachts
-annagt. Aus Verdoppelung (Zusammennähen) zweier Stücken eines ausgedienten
-Teppichs kann man auch für mittelgroße Rassen ein Lager stabil herstellen.
-In vielen Geschäften sind fertige Hundelager für kleinere Schläge
-erhältlich, die aus Eisenrahmen mit starkem Drellbezug bestehen; in diese
-gehört aber unbedingt eine genau dazu passende Kokosmatte. Körbe in flacher
-Form empfehlen sich nur für kleine Tiere; das darin liegende Kissen muß
-jeden Morgen sauber ausgeschüttelt werden. Für Hausflur oder Treppenhaus
-kann man mit 4 Eckpfosten, 4 Brettstücken von etwa 15 cm Breite und
-darunter Bodenbretter eine erhöhte Pritsche von etwa 30 cm Höhe, für
-mittlere Rassen (50x75 Bodenfläche) sehr leicht zusammennageln. Als Lager
-eine genau hineinpassende Matratze. Hütten im Haus oder Schlafkisten
-verhindern die Hautausdünstung und sperren den Hund ab, mit abschließbarer
-Tür mögen sie höchstens vorübergehend zur Erziehung dienen, wenn ein
-Junghund nachts nicht zimmerrein ist oder man gezwungen ist, ihn öfter
-allein im Hause zu lassen und fürchtet, daß er diese Zeit zum Anbeißen von
-Gegenständen mißbraucht. Für kleinste Nassen eignen sich dazu sehr gut die
-sogenannten Bruthäuschen für Hühner, die vorn mit aufklappbarem
-Drahtgeflecht versehen sind. Dauernd sollten sie aber nicht nötig und durch
-gute Erziehung überflüssig gemacht werden.
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-22. Kapitel.
-=Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde.=
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-Im allgemeinen gehört die Hündin _nicht in Laienhände,_ am
-wenigsten in der Mietwohnung und Großstadt. Man lasse sich also nicht zur
-Anschaffung eines weiblichen Welpen verleiten; nur wer schon mit
-Hundehaltung vertraut ist und genügend Platz mit Sonne und Auslauf zur Ver-
-fügung hat, darf an Erwerb einer Zuchthündin denken. Aus der Stadt, dem
-Miethaus sollten alle Hündinnen ganz verschwinden, so daß weder sie noch
-ihre Witterung anzutreffen ist, dann würden wir treuere, weniger
-rauflustige Rüden haben, keine häßlichen Bilder mehr sehen, die
-Hundefeinden — das sind jene, die den Hund nicht kennen — den Vorwand zur
-Agitation bieten. Obschon unsere Forschungen in dieser Richtung noch nicht
-geschlossen, möchten wir behaupten, daß mit Abschaffung der herumlaufenden
-Hündinnen die Tollwut verschwinden wird, die immer aus dem Osten nach
-Europa hereingebracht wird. Aus den Ländern der halbwildlebenden
-Straßenhunde. Für Hündinnen, die nicht im Besitz eines Züchters,
-ausgewiesen durch das stammbuchmäßige, anerkannte Züchteraffix, sollte die
-3 fache Hundesteuer erhoben werden. Hündinnen sind weder treuer noch
-leichter zu dressieren, das Nachlaufen der Rüden hinter Hündinnen würde
-abnehmen, wenn es weniger und nur gut behütete Hündinnen in Züchterhänden
-gäbe. Hat man aber als Geschenk doch eine Hündin erhalten, so ist zu
-beachten, daß diese erstmals mit 7—9 Monaten hitzig (läufig) wird, sodann
-mit Pausen von etwa 5—6 Monaten zweimal im Jahr. Infolge Blutandranges nach
-den Genitalien schwellen diese an, während der ersten 9—12 Tage findet eine
-Blutabsonderung statt, die während der zweiten Hälfte der Hitze in einen
-helleren Ausfluß übergeht. Die Witterung des Zustandes wird vom Rüden schon
-einige Tage vorher wahrgenommen; doch pflegen Hündinnen den Rüden während
-der ersten Tage abzuweisen. Trotzdem ist es auf alle Fälle nötig, die
-Hündin vom ersten Tage an sorgfältigste zu behüten, sie nie allein
-hinauszulassen und auch beim Hinausführen an die Leine zu legen. Wo es
-räumliche Verhältnisse gestatten, läßt man sie während dieser Tage nur in
-Hof oder Garten oder trägt die kleine Hündin auf dem Arm in eine ruhige
-Seitenstraße morgens früh und spät abends, damit möglichst wenig Spuren zum
-und in das Haus führen, dessen Tür tunlichst geschlossen gehalten wird.
-Trotz aller Vorsicht läßt es sich schwer vermeiden, daß während dieser Tage
-das Haus von schlecht behüteten Rüden der Nachbarschaft belagert wird. Mit
-Gummischleuder (grobe Schrotkörner), Wasser, Peitsche muß man eben sehen
-die Zudringlichen zu vertreiben. Beim Ausgehen wird das Halsband gut
-gesichert und zur Abwehr von Rüden die Peitsche mitgenommen. Besser zu viel
-Vorsicht als zu wenig. Der Zustand ist ein pathologischer, und viele
-Hündinnen suchen zu entweichen, solche hängt man am Lager an die Kette,
-wenn man das Haus verläßt. Kommt es trotz Vorsicht zu ungewollter
-Verbindung, wobei der Rüde auf Dauer von 20 bis 30 Minuten fest mit der
-Hündin körperlich verbunden ist, so unterlasse man jeden Versuch
-gewaltsamer Trennung, stelle das Paar abseits vom Verkehr und warte
-geduldig das Ende ab. Soll aber die ausgewachsene Hündin (nicht vor 1 1⁄2
-Jahr) belegt werden, so geschieht das etwa am 13. oder 15. Tag der Hitze.
-Der Gesundheit schadet es nicht, wenn eine Hündin nie zur Zucht verwendet
-wird; doch ist es gefährlich, sie erst mit 3—4 Jahren oder später decken zu
-lassen, da die Genitalorgane dann oft nicht mehr elastisch genug sind.
-Kastrieren entwertet, führt zu Fettsucht und Temperamentlosigkeit. Wird man
-als Besitzer eines schönen Rüden gebeten, dessen Tätigkeit für eine
-vollwertige Rassenhündin zur Verfügung zu stellen, so mag, falls Bedenken
-wegen der Persönlichkeit des etwa unbekannten Besitzers nicht vorliegen,
-dem Gesuch stattgegeben, nur soll die _Hündin_ zum richtigen Zeitpunkt
-ins Haus gebracht werden. Führt man den Rüden zur Hündin, so steht zu
-befürchten, daß der Rüde die nächste Gelegenheit zum Entweichen ergreift,
-und die Hündin sucht. Während des Deckakts soll der Besitzer seine Hündin
-an kurzer Leine halten; einmaliges Belegen genügt. Vor vollendeter
-systematischer Dressur, vor allem vor zweitem Lebensjahr sollte ein Rüde
-nicht, oder höchstens ausnahmsweise zur Zucht verwendet werden. Geschieht
-es überhaupt nie, so schadet es auch nichts, vorausgesetzt, daß man seinen
-Hund vernünftig hält, nicht überfüttert und für ausgiebigen Auslauf und
-Tätigkeit sorgt. Ein besonders kluges und zugleich schönheitlich
-hervorragendes Tier der Zucht ganz zu entziehen, wäre eine Schädigung für
-die Hochzucht und Rasse, da ohnehin die für Vermehrung tätigsten Zuchthunde
-leider vielfach Zwingerhunde sind, also zur Hebung von Intelligenz und
-guten Charaktereigenschaften selten beitragen. Wenn Rüden häufig Zeichen
-von Geschlechtserregung geben, auf andren Hunden reiten, so ist das ein
-Zeichen zu üppiger Fütterung, muß man reduzieren und für ausgiebige
-Bewegung sorgen.
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-23. Kapitel.
-=Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge; Scheren und Baden.=
-
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-Jedem Haushund muß man sofort auf erstem Blick am Gesamteindruck ansehen,
-daß er gepflegt ist; das unterscheidet ihn von Straßenköter und Zwingerhund
-in Verbindung mit einer gewissen Haltung, die nur der wohlerzogene Hund
-zeigt. Dadurch übertrifft er selbst Ausstellungstiere von höheren
-Rassenwerten. Ein einmaliges Waschen und Bürsten gibt diesen Eindruck noch
-nicht; Pflege sitzt wie ein gutgearbeiteter und selbstverständlich
-getragner neuer Anzug. Wer durch etwas Ausübung Verständnis erhalten hat,
-wird — um durch sorgfältige Pflege seinen Kameraden zu heben — sogar den
-Pudel, den rauh- oder langhaarigen Rassenhund dem stock- und kurzhaarigen
-vorziehen. Allerdings sind die erstgenannten ohne oder mit mangelhafter
-Haarpflege geradezu abstoßend, die letzteren (kurzhaarige) auch dann noch
-erträglich. Da sie sehr wenig Pflege brauchen, unterbleibt leider oft das
-Wenige, doppelt beschämend für den Besitzer, zumal der, der keine Zeit für
-solche Äußerlichkeiten hat, die alle Welt feststellen und kritisieren kann,
-noch weniger Lust und Sinn für Erziehung und Innenleben seines Hausgenossen
-hegen wird und besser täte, gar keinen Hund zu halten. Pünktlichkeit ist
-das Rückgrat der Pflichterfüllung, deshalb soll eine ganz bestimmte,
-alltäglich innegehaltene Viertelstunde gewählt und unerbittlich (gegen sich
-selbst) festgehalten werden, z. B. kurz vor dem Mittagessen, weil da die
-Hygiene ohnehin geistige und anstrengende körperliche Arbeit verbietet,
-also eine halbe Ruhepause als Übergang von Arbeit recht nützlich ist. Gibt
-es auch noch so wenig am Hund zu tun, er wird doch so täglich kontrolliert.
-Zunächst wird das Haar gebürstet; je länger oder seidiger dieses ist, desto
-weicher und länger muß die Bürste dazu sein. Ganz kurzhaarige Rassen auch
-Schäferhunde werden mit einer Borstenkartätsche, wie für Pferde üblich mit
-Lederschlaufe über Handrücken, behandelt. Vom Kopf nach rückwärts bis zum
-Rutenansatz, sodann Keulen und Läufe abwärts. Dieses Bürsten ist zugleich
-eine sehr wohltätige Hautmassage, es entfernt Staub und Schmutz, die für
-Ungeziefer und Räudeansteckung der Nährboden sind. Für zarte Rassen oder
-solche mit feiner Haut (Windhunde, Barzois, glatte Terriers, kurzhaarige
-Zwergpinscher) wird die Bürste am besten durch den sogenannten
-_Haarhandschuh_ ersetzt. Nach Gebrauch wird letzterer, kräftig ausgeklopft,
-von Zeit zu Zeit mit Seife gewaschen. Die Bürste, mit Tuch sauber gerieben.
-Ein Kamm wird für langhaarige Rassen _niemals_ benützt; einem Collie,
-Bernhardiner, Chin, Pekingesen, Malteser würde damit alle Schönheit
-(Haarreichtum mit dichter Unterwolle) hoffnungslos ruiniert. Filzt sich
-Haar je zusammen, so wird es nur mit den Fingerspitzen vorsichtig
-aufgezupft. Ein Kamm voll Haare nach dem Auskämmen wäre nicht Beweis von
-Pflege, sondern von unverstandener Mißhandlung. Der schöne Hund soll
-(ausgenommen Setter und Spaniel) nicht von dünner Haardecke leicht umgeben
-sein, sondern in einem vollen Haarschmuck prangen. Der harte _Stahlkamm_
-dient lediglich _zur Korrektur_ für zu zottig und üppig behaarte
-Rauhhaarrassen, wie Airedales, Schnauzer, Brüssler Griffons, namentlich muß
-damit das überragende Haar am Hals, Oberkopf, Läufen, Backen entfernt
-werden, um eine elegante Erscheinung herzustellen, die nicht wie ein
-Wollpudel aussieht. Ferner wird mit weitem Kamm täglich beim Wollpudel das
-Haar auf Kopf und Körper offen gehalten, damit es sich nicht zu Schnüren
-schließt. Zur Kontrolle, ob Flöhe vorhanden, dient der enge Staubkamm bei
-kurzhaarigen Rassen. Solche dürfen beim sauber gehaltenen Haushund nie
-Vorkommen; sie quälen den Hund (abirrend den Menschen) und sind
-Zwischenträger von Würmern. Sich wegen Ungeziefer kratzende Hunde ruinieren
-sich damit ihr Haar und ziehen sich leicht Hautverletzungen (Ekzem) zu. Ein
-gepflegter und gesunder Hund muß immer ein glänzendes Fell haben und auch
-ohne Bäder sauber aussehen. Nach der Haarpflege wird mit besonderem Tuch
-das Auge täglich gereinigt, so daß sich in den Winkeln nie Sekret
-festsetzt. Ist es katarrhalisch entzündet, so wird es mit leichter
-Borsäurelösung gewaschen, darauf gut getrocknet, damit nicht bei kühlem
-Wetter eine Erkältung eintritt. Nach den Augen wird das Ohrinnere mit
-feuchtem Schwämmchen (der in sogenannter Seifenschale geschlossen
-aufbewahrt und nach Gebrauch ausgewaschen wird) täglich gereinigt. Zeigt
-sich Ausfluß, so bläst man mit kleinem Röhrchen etwas pulverisierte
-Borsäure in den Gehörgang. Die Zähne der Junghunde bedürfen noch keiner
-Pflege; nur bei ersten Anzeichen von _Staupe_ muß _täglichmehr malsdas
-ganze Gebiß_ mit desinfizierender Flüssigkeit (verdünntem Spiritus, Lösung
-von hypermangansaurem Kali, essigsaurer Tonerde oder dgl.) gründlich
-gesäubert werden, um das sogenannte Staupegebiß (kariös, ohne Schmelz) zu
-verhindern. Mit etwa 5 Monaten ist nachzuprüfen, ob die ersten Hakenzähne,
-dicht hinter den zweiten stehen geblieben sind. Da sich zwischen diese
-Speisereste festsetzen, riechen solche Hunde faulig aus dem Maul. Bei
-Zwerghunden ist das häufig. Die ersten Zähnchen sind mit dafür
-konstruierten Zange leicht zu entfernen, oft schon mit der Hand; doch soll
-man sie herausziehen, nicht abbrechen. Erhalten Jährlinge harte
-Hundekuchen, Knochen für das kräftige Gebiß, das danach verlangt, so wird
-sich selten ein gelblicher Belag an den Eckzähnen bilden. Wo die Neigung
-dazu vorhanden ist, genügt ein tägliches energisches Darüberstreichen mit
-harter Zahnbürste, woran sich Hunde sehr rasch gewöhnen. Die erstmalige
-Entfernung des schon leicht verhärteten Belags kann mit Fingernagel oder
-Messer erfolgen. Laufen Hunde wenig auf harter Straße, so werden oft die
-Krallen zu lang; sie zersplittern sich auch bisweilen, so daß man von Zeit
-zu Zeit kontrolliert und mit Eisenfeile etwas kürzt. Abzwicken mit Zange
-erfordert scharfes Instrument (Nagelzangenschere), da sonst die Kralle
-splittert oder Blutung eintritt, wenn man zuviel wegnimmt. Allmähliches
-Abfeilen, wobei jemand den Hund beschäftigen und die Pfote halten mag, ist
-vorzuziehen. Namentlich ist bei Hunden mit Afterklauen (lose, fünfte Zehe
-am Hinterlauf) die Kralle zu kürzen, da sie sonst in das Fleisch
-hineinwächst. Vor Abzwicken mit warmem Wasser weich machen, schützt vor
-Splittern. Ausgenommen bei Hautkrankheiten zu intensiver Behandlung werden
-Hunde nie geschoren und so des natürlichen Schutzes auch gegen Sonnenbrand
-beraubt. Infolge des natürlichen Haarwechsels ist im Sommer ohnehin die
-sogenannte Unterwolle der dichtbehaarten Rassen dünner. Einen dicken
-Haarpelz, für bestimmte Rassen besonders erwünscht, z. B. für Collies,
-Chow-Chow, russische Windhunde, erzielt man nur, wenn man sie auch im
-Winter im Freien schlafen läßt. Die einzige Ausnahme macht der
-halbgeschorene Pudel, an dessen Keulen, Hüftknochen, Gelenken kleine
-Krausen stehen bleiben. Die Schnauze wird mit Ausnahme des Bartes bis etwa
-2 cm über die Augen geschoren, das Kinn und die Kehle bis etwa unter
-Halsbandtiefe. Zum Füttern werden die langen Ohren mit einer Klammer
-(Schnurrbartklammer, bei Friseuren erhältlich) über dem Kopf befestigt.
-Sein Bart ist täglich mit Schwamm zu reinigen. Wird der Hund täglich mit
-der Bürste oder Haarhandschuh gereinigt, was die meisten als eine Wohltat
-empfinden, so daß sie dazu willig sich stellen, so sind Bäder sehr selten
-nötig. _Junge Hunde,_ die noch Mutterwolle tragen, sollte man überhaupt
-nicht baden, man setzt sie selbst bei aller Vorsicht im überhitzten Raum
-der Gefahr von Erkältung aus. Wird der ältere Hund gebadet, so hebt man ihn
-in eine Wanne, in der das Wasser nicht ganz bis zur Bauchhöhe reicht. In
-einer Schüssel wird etwas milde Seife im warmen Wasser aufgelöst und damit
-mittels Bürste (bei kleinen Rassen mit Schwamm) von der Mitte des Rückens
-nach rechts und links abwärts abgewaschen. Sodann kräftig mit Wasser
-nachgespült, das Haar energisch nach der Richtung des Wuchses ausgedrückt.
-Wollte man kräftig den Hund selbst einseifen, so brauchte man eine Unmenge
-Wasser, um alle Seifenspuren zu entfernen und verfilzt das Langhaar
-derartig, daß man später beim Auskämmen zu viel ausreißt. Hat man das
-Wasser aus dem Haar gestrichen, so überdeckt man mit einem Frottiertuch und
-klopft mit flacher Hand trocken. Zarte Seidenrassen, wie Malteser,
-Yorkshireterriers werden nachher dicht am wärmenden Feuer mit der Bürste
-trocken gebürstet; würde man das Haar am Feuer ohne Bürste (immer vom
-Scheitel abwärts) trocknen, so wird, es wellig, was ein großer
-Schönheitsfehler ist. Derbe Rassen wie Schäferhunde, Boxer, französische
-Bulldoggen, Foxterriers kann man etwas kräftiger abreiben, doch benütze man
-immer milde (überfettete) Seifen und lasse bei Kälte oder Wind die Hunde
-erst einige Stunden nach dem warmen Bad ins Freie, da die geöffneten Poren
-leicht zu Erkältung führen. Sehr bequem ist die sogenannte Trockenwäsche
-für weiße Hunde; doch soll man damit nur das äußere Haar reinigen, nicht
-die Hautporen verschließen. Trockenwaschpulver (eine Mischung von
-Kartoffelmehl und Magnesia) ist in Spezialgeschäften für Hundeutensilien
-erhältlich. Zur Erhaltung der Gesundheit und Sauberkeit wird das lange
-Stirnhaar (der Fall) von Pudel, Malteser, Yorkshireterrier mit einem
-Seidenband zusammengebunden, man umfaßt es mit linker Hand, zieht es nach
-oben, umwickelt mehrmals mit farbigem Band fest zusammen, die Enden werden
-zu einer Schleife geknüpft. Ein sehr langer „Fall” wird zum Zopf
-geflochten.
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-24. Kapitel.
-=Utensilien zur Pflege und Dressur.=
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-Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede Hantierung, kostet
-mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg und läßt schließlich von kleinen
-Manipulationen absehen, deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten
-verursacht. Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die
-Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt worden.
-Zunächst zur Haarpflege _nur Borstenbürsten,_ niemals Marterinstrumente mit
-Stahlborsten, selbst nicht solche auf Gummiunterlage, man entzündet damit
-die Haut. Für stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten in
-Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange Borsten, die den Kamm
-ersetzen. Nur in Spezialhäusern für Hundeartikel erhält man die Stahlkämme
-mit ganz kurzen Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden Haares
-für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang werden, daß es die
-Körperformen merklich überragt. Abgesehen von Bart und Augenbrauen
-erscheint Rauhhaar, speziell der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht
-kurzh.) Hund; der deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger
-im Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte Rupfkamm nicht.
-Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), harten Zahnbürste ist oben
-beschrieben. Zwei Porzellanschalen mit Deckel enthalten kleine,
-dichtgeschlossene Schwämme für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in
-leichtem Desinfektionswasser (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz)
-ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres Staubtuch dient zum
-Nachtrocknen der Ohren und Augen. Ein vorzügliches Putzmittel zum
-Nachpolieren nach dem Abbürsten ist der _Samthandschuh,_ den man nach
-Benutzung mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit
-waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege einbildete einen
-sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich durch Anblick des Tuches nach
-Abreiben des Samthandschuhes überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war.
-Kein Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen feucht in
-das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit wird der Haushund zum
-Hausgenossen, den man auch berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife
-und heißem Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege das
-richtige praktische blanke Werkzeug gehört. _Schutzdecken_ (Schabracken)
-werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black and Tan Terriers,
-Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren nach Renntraining sofort
-umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; um ihnen ein gefälliges
-sportliches Aussehen zu geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen,
-blauen oder gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche aus
-Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um aufgeschlagene Rute zu
-heilen. Für zarte Schoßhunde schneidet man von abgelegten, gestrickten
-Handschuhen die Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau
-nachgiebig einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter über
-die Füße als _Schutzsocken._ Blendend schön behaarte Yorkshireterriers und
-Malteser, die für Ausstellungen vorbereitet werden, müssen solche Schuhe
-beständig tragen, damit sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des
-_Herrn_ nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack und
-Eleganz verrät, so auch das _Halsband_ des Hundes, das bei der Dogge, dünn
-und rund genäht, den eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang
-zum Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder Terrier als
-glattes weißes Band das tief glänzende Fell hebt. Dem gedrungenen Bau mit
-kurzem Hals durch Wucht und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und
-den Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an schwerstem
-Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi und Pudel oder Collie besteht es nur
-aus einer vernickelten Kette, die im Haar verschwindet, ohne dieses zu
-verletzen. Sportrassen wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales
-hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar Zughalsband
-ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes solche sein sollte,
-dazu weit genug, um über den Kopf gestreift zu werden. Auffällig als
-solches durch Farbe oder Zierbeschläge darf nur das Halsband der Bulldogge,
-der japanische Originalkragen des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte
-der französischen Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen
-und Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine.
-Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem Ziehen am
-Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). Ein angehängtes
-Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; geht man aber abends aus,
-so ist es nicht unpraktisch, ein solches an kleinem Karabiner zu besitzen,
-damit man die Anwesenheit des Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen
-Kerl nicht sieht. Zum Ausgang in die Stadt gehört die _kurze Führleine;_ je
-kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester hat man ihn in
-der Gewalt. Zur Dressur kann man sich selbst die lange Leine aus fester
-gedrehter Hanfschnur herstellen. Für harte Hunde benutzt man zur _Dressur_
-das unwendbare _Stachelgliederhalsband_ (Torquatus) oder den über das
-glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über- zustreifende Stachelriemen,
-Marke Horridoh, der nach außen gedreht zum Schutz gegen fremde bissige
-Hunde dient. Für Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man
-sich einen sogenannten _Knüppel_ herstellen. Das ist ein rundes
-Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach Größe, diese für
-Dobermannpinscher angegeben), dreht in der Mitte eine Ringschraube ein und
-befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern einen Karabiner, so daß der an das
-Halsband eingehängte „Knüppel” bis auf die Vorderläufe 1⁄3 von oben)
-herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem Kopf gehen,
-auch ganz langsam traben, sobald er aber springt oder hetzt, schlägt ihm
-der Knüppel beständig auf die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus
-gehaltenen zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber im Garten frei
-laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. Hat er sich einige Zeit
-bewährt, so kann man ihn durch Absägen auf beiden Seiten kürzen, er wirkt
-als Warnung trotz Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von
-mittlerer Größe oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen
-_Reise-transportkorb_ mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage vor
-der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so daß sich der Hund
-gar nicht aufregt, wenn er in diesem als Reisegepäck aufgegeben oder im
-Hotel bei Ausgang eingesperrt wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so
-überdeckt man den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das
-Hundegehirn Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann ruhiger
-verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die _Haarschere,_ die für großen Schlag
-eine Schnittbreite von 42—44 mm, kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge
-von 1⁄4 mm (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit 1⁄2 mm schneiden
-zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut und setzt kräftig die an der
-Stellschraube energisch angezogene Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat
-das erstemal ein geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann
-eine Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden alle 8—14
-Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im Winter jede dritte Woche
-nachgeschoren. Überragende Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der
-Handschere. Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise
-trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den aufgezwungenen
-Utensilien auch der _Maulkorb_ für alle, oder doch größere Rassen, der
-natürlich gegen Verbreitung der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei
-Schutz bietet, aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde
-„beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen hergestellt und so
-lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze nicht scheuert; gegen das
-Kahlreiben auf Nasenrücken schützt Umwicklung des aufliegenden Lederteils
-mit Tuchstreifen. Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen
-eine Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. Man nehme ihn
-lieber etwas größer als nötig und schütze ihn gegen Abstreifen durch eine
-Lederschleife hinten, die durch das Halsband gezogen wird. Es ist
-vorteilhaft, den Maulkorb aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu
-lassen; hellgelb irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze
-Hornbrille weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das Angewöhnen
-erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern nach flottem Spaziergang, der
-die Aufmerksamkeit ablenkt und zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch
-gut erzogne und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen
-herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang von selbst wegfallen.
-Die Hundepeitsche braucht nur der Dresseur für den Berufshund (Jäger,
-Polizeihundführer), _nicht der Erzieher;_ ihm genügt die Gerte oder ein
-leichtes spanisches Rohr.
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-25. Kapitel.
-=Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.=
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-Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut der der Gesundheit. Ein
-glattes glänzendes, gut anliegendes Haar verbürgt in Verbindung mit klarem
-Auge und kaltfeuchter Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten
-und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, konsistent, wenn zu hart
-und steinig, so gebe man weniger Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in
-breiiger Form verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr
-Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung und
-Verdauung ist also tägliche Beobachtung des Kots. Ist alles in Ordnung, so
-genügt ein Blick darauf. Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen
-Aussehen erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit,
-Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege sofort
-festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von Nase und Auge wird sofort
-beim Junghund die Körpertemperatur (im After, Spitze des Fiebertermometers
-behufs leichten Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen,
-beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut übel aus, so liegt
-Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man sofort etwas Hefe, hält den Hund warm
-im Zimmer und ruft einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von
-Hunden ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes rohes
-Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten und ganz klein
-geschnitten. Man versäume keine Zeit mit „unfehlbaren Staupemitteln”, die
-je nur _eine_ bestimmte der zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige
-Injektion dem Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe
-bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; es ist nur
-wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die Staupe überstanden, gegen
-nächste Infektion geschützt ist oder sie leicht überwindet. Bleibt nach
-schwerer Sucht ein Nervenleiden (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll
-das unheilbare Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling
-ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne Fieber und Mattigkeit
-wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang kein kaltes Wasser, gegen Durst
-höchstens Reiswasser, als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen
-Fettzusatz schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, noch
-Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch wirksam sind kleine
-Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges Erbrechen, namentlich von Gras oder
-ähnlichen Fremdkörpern gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge
-Hunde leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der Hund auf
-Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken aufgenommen hat, so ist
-innerlich mit Kalomel (Dosierung je nach Größe durch Apotheker) zu reinigen
-und gegen Herzschwäche etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig
-ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, Lebertran
-gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist er widerstandsfähig und
-wird höchst selten erkranken, namentlich wenn ihn Reinlichkeit gegen
-Infektion und Hautkrankheiten schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche,
-kahle Stellen ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen
-werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig sein
-sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, häßliche Hautstellen
-verraten Räude. Selbst die früher für unheilbar gehaltene Acarusräude ist
-durch energische Einreibung mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik
-Marienfelde-Berlin) heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu
-befolgen, da sonst wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur
-bei den meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger auf das
-Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem Mittel genügt einmalige
-Einreibung. Hervorragend gegen Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich
-Odhlen (Bayer) bewährt.
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-Bei zufälligen Verletzungen wasche man nicht mit nächstem Wasser aus, damit
-bringt man nur Keime aus der Umgebung in die Wunde; man betupfe die
-Umgebung der Wunde mit Jodtinktur, sorge daß der Hund nicht kratzt und
-scharrt. Den Wundrand selbst bepinselt man mit Perubalsam, der in jede
-Hundehausapotheke gehört, um bei Räude, Flechte, empfindliche Stellen wie
-die Augenumgebung zu behandeln. Ebenso soll eine Schachtel mit Borsäure
-immer vorrätig sein, am besten in kleinen Dosierungen (von 3 oder 6 g), um
-z. B. mit 100 g Wasser sofort eine 3prozent. Lösung zum Waschen tränender
-Augen herstellen zu können. Eine weitere Schachtel stehe mit einem
-trocknenden Desinfektionsmittel bereit wie Tannoform (Merck), Euguform
-(Güstrow), letzteres ein Idealmittel gegen alle Hautentzündungen
-(Wespenstiche) und Brandwunden, um kleine Wunden damit zu bestreuen. Da
-diese Pulver nasse Wunden rasch abtrocknen, entziehen sie den Mikroben ihre
-Lebensbedingungen. Hautabschürfungen überzieht man mit Jodoform-Kollodium.
-Tiefere Bißwunden spült man mit 5prozent. Karbollösung mit Wundirrigator
-und taucht die Fingerspitzen in diese vor Berührung. Zerschneidet sich der
-Hund durch Tritt in Glasscherben einen Ballen, so stillt man die Blutung
-mit Eisenchloridwatte, desinfiziert die Wunde, überstreicht sie mit
-Jodoformkollodium. Hierüber quer Heftpflaster, Mullbinde und Beobachtung
-des Hundes gegen Abreißen des Verbandes (Anlegen an Lager an kurze Kette
-oder sogenannten Halskranz, in Spezialgeschäften vorrätig). Da man Tiere
-nicht überreden kann, muß man Medikamente „eingeben”. Lösliche Arznei und
-Emulsionen gießt man aus der Flasche am Lefzenwinkel bei erhobnem Kopf ein,
-hält einen Augenblick die Nase zu, so daß der Hund durch das Maul atmen
-muß, wobei er schluckt. Größere Pillen taucht man in Öl und steckt sie tief
-in den Schlund, hält das Maul einige Zeit zu, streichelt die Kehle entlang.
-Pulver oder Tropfen kann man in Gelatinekapsel füllen und ebenso in den
-Schlund schieben. Der Apparat „Pilleneingeber” erfordert sachkundige
-Handhabung. Bei kleinen jungen Hunden ist das schwierig; einige Tropfen (z.
-B. Chenoposanöl gegen Spulwürmer, das scharf riecht) bringt man durch List
-bei. Aus fetter Wurst, die sich streichen läßt, bereite man eine flache
-Oblate in Größe einer Kupfermünze, tropft darauf 1—3 Tropfen Medizin in
-kleine Höhlung. Das Ganze wird vorsichtig zusammengerollt, so daß kein
-Geruch nach außen dringt. Dann gibt man als Lockmittel von derselben Wurst
-einige Kugeln gleicher Größe, zuletzt die mit der Arznei, die gierig
-morgens nüchtern hinabgeschlungen und gar nicht erst mit der Nase geprüft
-wird. Am Abend vorher fällt das Futter, vor allem der Knochen, weg; der
-Magen muß möglichst leer sein, besonders bei Wurmmitteln, die rasch mit den
-toten Würmern abgehen sollen. Mancher scheinbare Mißerfolg (keine Würmer im
-Kot) grade prompter Wurmmittel (Allegan-Bayer) beruht darauf, daß die toten
-Würmer verdaut worden sind, was leicht zu Darmkatarrh führt. Hunden, die
-jedes Medikament sofort erbrechen, gibt man 1⁄2 Stunde vorher etwas dicke
-Schleimsuppe. Hilft auch das nicht, vorher ein Anästhesinpulver oder eine
-Lösung von Novocain. (1 %) mit Suprarenin in Bittermandelwasser.
-Ausgenommen bei Wurmkuren verschont man die Hunde möglichst mit
-Arzneimitteln, selbst wenn man gerne helfen möchte. Einige Tage kein
-Wasser, dafür Diät (Schleimsuppen) sind besser als Verstopfungs-, Abführ-,
-Brech-, Stärkungsmittel. Von letzteren ist Rotwein mit Ei (falls nicht
-freiwillig genommen, eingegossen), geschabtes oder kleingewiegtes Fleisch
-das beste. Der ruhende Hund braucht sehr wenig. Ein Kalbsschwanz genügt für
-einen Tag. Und auch sonst lieber etwas knapp gehalten, so daß man die
-Rippen ganz leicht angedeutet durchsieht, ist gesünder als gemästet.
-Natürlich darf der Junghund nie wie ein Gerippe mit Fell überzogen sich
-anfühlen, sondern eher prall. Der ältere Hund hingegen sei hart durch
-Muskulatur, so daß es die Hand schmerzt, wenn man fest auf ihn klopft. Ist
-das der Fall, so ist er nicht nur in vollster Gesundheit, sondern auch ein
-Muster rationeller Haltung, die dem Besitzer Ehre macht.
-
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-26. Kapitel.
-=Altersschwäche und Tötung.=
-
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-Das traurigste Kapitel dieses Buches, dem wir an Härte nehmen wenn wir die
-Naturnotwendigkeit uns klar machen. Von mehr als einem Hundebesitzer haben
-wir, von dessen ehemaligem Liebling sprechend, gehört, daß sein Tod der
-einzige Schmerz gewesen sei, den er je seinem Herrn zugefügt habe. Wird ein
-Hund vernünftig gehalten, erhält er, völlig ausgewachsen, nicht zuviel
-Eiweiß dessen Schlacken das Leben kürzen, auch nicht zu viel Salze, die
-durch Flüssigkeits- aufnahme die wichtigsten Säfte verdünnen, so wird er
-bei Kraft und Wohlgestalt, die zugleich Schönheit und Gesundheit sind, ein
-hohes Alter ohne frühe Altersschwächen erreichen. Wir wollen nicht durch
-Aufzählungen von einzelnen Hunden, wie Barzois, Spitze, Foxterriers, die 18
-bis sogar etwas über 20 Jahre alt werden, falsche Erwartungen erwecken. Das
-sind Ausnahmen. Sicher ist nur, daß sogenannte trockne Rassen (von harter
-Struktur mit Stahlknochen) um 1⁄4—1⁄3 älter werden, als solche von Masse
-mit Falten, Halshaut, starken Knochen. Letztere gehen früher „aus dem
-Leim”, bekommen unförmigen Kopf, neigen zu Fettansatz, dem rechtzeitig
-durch trockne Ernährung Vorgebeugt werden muß. Was rastet, rostet. Um vor
-frühzeitigem Altern zu schützen, darf es auch dem älteren Hund nie an
-erfrischender, angemessener Bewegung fehlen. Knochen werden nach
-vollendetem 4. bis 5. Jahr keine mehr gegeben, die Zähne sorgfältig
-gepflegt und gegen Belag vorgegangen. Riesen und Zwerge altern früher,
-solche mittlerer Größe später. Hunde von brauner Farbe, schwarze mit
-gelben, statt rostroten Abzeichen, bekommen früher graue Schnauze als
-erstes, jedermann kenntliches Alterszeichen. Doch wer denkt bei Anschaffen
-des Welpen oder Junghundes schon an dessen Alter. Stellen sich merkliche
-Altersschwächen ein, Trübung des Auges, und verminderte Sehfähigkeit,
-abgenütztes Gebiß, Unfähigkeit und infolgedessen Unlust zur Bewegung,
-mürrisches Wesen als Abwehr gegen Störung des Ruhebedürfnisses, das sich
-bei Unbehagen bis zur Bissigkeit steigert (bösartig aus Laune wird kein
-Hund!), so wäre es falsches Mitgefühl, hier nicht erlösend einzugreifen.
-Dem Tier ist das Geistesleben, das dem Menschen das Greisenalter in
-liebevoller Umgebung noch erträglich macht, versagt; es vegetiert, sich
-selbst und anderen zur Last. Man verwechsle nicht die Wehleidigkeit, sich
-selbst einen kurzen Abschiedsschmerz zu ersparen, mit falschem Mitgefühl,
-das ein Tier langsam verkümmern läßt. Ohne Beratung und quälende
-Erörterungen mit den Angehörigen faßt man den Entschluß selbst, erzählt
-erst bei Rückkehr _ohne_ Hund, was unvermeidlich war und hält schon den
-Ersatz in Gestalt des pflegebedürftigen Nachfolgers bereit. Das
-herzerfrischende Spiel des jungen Hundes, sein sprudelnder Übermut, lassen
-fast wider Willen den Schmerz vergessen, und die Entwicklungsmöglichkeiten
-des noch unreifen Charakters trösten besser als es der Ersatz durch einen
-schon fertig ausgewachsenen Hund je vermöchte. Niemals gebe man den
-gealterten Hund in _fremde_ Hand ab. Ein Schuß aus kleinkalibrigem
-Gewehr, dicht hinter dem Ohr von rückwärts eingesetzt, tötete durch
-Eindringen in das Kleingehirn sofort. Am besten gibt eine geübte, sichre
-Hand den Schuß ab, man entfernt sich erst, wenn man den Schuß gehört und
-sich durch Anblick vom Tod überzeugt hat. Tötung mit starker Morphiumgabe
-ist nicht zu empfehlen; es wird meist erbrochen und müßte durch
-Einspritzung direkt in den Blutlauf gebracht werden. Gegen Vorhalten von
-Chloroform wehren sich Hunde heftig. Die wäßrige Lösung von Blausäure,
-zersetzt sich trotz besten Verschlusses rasch. Andre Gifte, wie Strichnin,
-sind zu langsam in der Wirkung. Mit Recht wünscht jeder Hundefreund daß
-sein Tier nicht leide und sofort tot sei. Tierarzt Hauck-Wien empfiehlt
-nach zahlreichen Anwendungen seinen Kollegen folgendes einfache und leicht
-ausführbare Verfahren bei Zuführung von Hunden zur Tötung: Man löst für
-Hund größter Rasse 5 g Kalium cyanatum in etwa 15 g Wasser, schüttet aus
-dem Fläschchen diese Lösung im Lefzenwinkel ein. Rechts vom Einschüttenden
-steht ein Gehilfe mit einem Fläschchen gewöhnlichen Haushaltessigs. Sofort
-nachdem der Hund den letzten Schluck der Cyankaliumlösung zu sich genommen,
-wird schnell etwas Essig hinterher eingeflößt und der Hund sich selbst
-überlassen. Der Tod tritt innerhalb weniger Sekunden durch die plötzliche
-Blausäureentwicklung ein, kaum daß man die Hand von ihm losgelassen hat.
-Ehe wir diesen Ratschlag hier weitergaben, haben wir selbst bei einigen
-solchen Vergiftungen assistiert und uns überzeugt, daß der Hund ohne
-Krampf, lautlos wie völlig gelähmt, zusammenfällt und niedersinkt, selbst
-die Gesichtszüge zeigten keine Spur von überstandenen Schmerzempfindungen.
-Selbstverständlich kann der Tierarzt auch eine eigens neu angefertigte
-Lösung einspritzen, doch muß er dann einige Tage vorher von dem Besuch
-zwecks Tötung unterrichtet werden.
-
-Und einige Tage vorher wird auch schon der Nachfolger erworben; am besten
-ein noch hilfloses, pflegebedürftiges Hündchen, das unsre Zeit und Gedanken
-völlig in Anspruch nimmt und unsre Angehörigen über den schmerzlichen
-Verlust eines treuen Freundes hinwegbringt. Bei der zweiten Erziehung hat
-man viel gelernt, was nun praktisch verwertet wird. Allerdings handelt es
-sich ebenso wie in den Ausführungen dieses Buches nur um kleine Hilfsmittel
-und Handgriffe. Die Hauptsache muß der Erzieher _selbst_ besitzen und
-mitbringen, und das ist genau dasselbe wie beim Einreiten des Pferdes:
-_eine unendliche Geduld, ein feines Gerechtigkeitsgefühl und eine
-hochanständige Gesinnung._
-
-
-
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-=Zu unseren Bildern.=
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-1. Langh. St. Bernhardshündin, Champion _„Fatime Cannstatt”_ 2274.
-Besitzer: Frau Hofkapellmeister Marg. Kahler, Schwerin. Züchter: H. Voppel, Cannstatt.
-
-2. Deutsche Dogge, _„Rolf v. d. Rheinschanze”._ Züchter u. Besitzer: Jos. Rembold, Ludwigshafen a. Rh.
-
-3. Brauner Dobermann, _„Salto v. Rottal”._ Besitzer: Boxler, München.
-Züchter: Jos. Schweiger, Pfarrkirchen i. Rottal, Nied.-Bay.
-
-4. Importierter Airedaleterrier, _„Zetland Recruit”_ 6032. Besitzer: F.
-Röhrl, München.
-
-5. Engl. Windhund, Champion _„Tasso v. Solten”._ 381. Besitzer: Oblt. Gg.
-Boxler, Augsburg. Züchter: Tierarzt Dr. Erb, Gießen.
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-6. Münchener Boxerrüde, Sieger _„Udo v. Adelegg”._ Züchter u. Besitzer:
-Edmund Halter, Isny.
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-7. Importierte engl. Bulldogge, _„Astor Astoria”_ 1193. Besitzer: M.
-Gruber, Hamburg.
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-8. Importierter engl, drahthaariger Foxterrier, Sieger _„Handy Maesthead”._
-Besitzer: Rud. Piesbergen, Berlin W. 8.
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-9. Rauhh. Pinscher, Sieger _„Strupp v. Schnauzerluft”_ 1936. Besitzer u.
-Züchter: Wilh. Stierle, Pforzheim.
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-10. Kleiner Pudel, _„Nang-i-Lat v. Sadowa”_ 4324. Züchter: Wolf, Berlin.
-Besitzer: Pudelzwinger Sirius (Frl. Flora Kalender) Ebersteinburg bei
-Baden-Baden.
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-11. Französ. kleine Bulldogge, „Jubicka Patzig”._ Züchter u. Besitzer: Frau
-Flora Kunstmann, Murnau-München.
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-12. Blenheimspaniel, _„Darling v. Ravensburg”._ Besitzer: Theo Krumm,
-Ravensburg.
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-Bilder sollen für sich selbst sprechen und keine Erklärung benötigen.
-Unsere kurzen Ausführungen gelten auch nicht ihnen, sondern den
-dargestellten Hunden, deren Züchtern oder Besitzern. Unter etwa 100
-Aufnahmen von nahezu gleicher technischer Vollendung, die eine Spezialität
-des Münchener Tierphotographen A. Dauer,Briennerstr. 17 ist, wurde nur ein
-Dutzend ausgewählt teils weil sie hervorragende, verdienstvollste
-Zuchttiere waren oder noch sind (wie Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 u. 10), teils
-weil sie charakteristisch für die erfolgreichen Zwinger sind, aus denen sie
-hervorgingen oder in welchen sie heute noch stehen und wirken. Nicht mehr
-aktuell, da sie eine frühere Generation darstellen, sind nur zwei Bilder (1
-u. 12). Im Bild der St. Bernhardshündin Champion Fatime ehren wir den vor
-einigen Jahren verstorbenen Altmeister Hch. Boppel, Cannstadt dem diese
-Rasse zu unauslöschlichem Dank verpflichtet ist. Gerade in dem
-Charakteristischen dieser Rasse dem seelenvollen Ausdruck, ist die Aufnahme
-kaum zu übertreffen. Dasselbe gilt von dem letzten Portrait, des kleinen
-weißroten Blenheimspaniel Darling, was die Darstellung eines nich mehr
-lebenden Siegers entschuldigen mag. Trotzdem bleiben diese zwei Abbildungen
-immer lebendig. Mit der Zusammenstellung und Auswahl der Rassen, unter
-etwas 40 solcher, sollte zugleich dem Anfänger ein Wink gegeben werden. Die
-Riesen der Hundewelt, den mächtigen St. Bernhardshund und die kraftvolle
-Dogge, verpflanze man nicht in die Großstadt und Mietwohnung, wo sie
-verkümmern. Im Garten, Park, Lagerplatz, Fabrikhof, auf auf dem Lande, wo
-sie wachen und zugleich schützen, sind sie am Platze. Die gelbe Dogge Rolf
-(Nr. 2) ist aus dem ersten Doggenzwinger des Südwestens hervorgegangen,
-dessen Zuchtideal Verbindung von Größe und Adel ist. Auch
-Polizeihundrassen, wie der so dressurwillige und wuchtige Airedale, dem
-Energie aus den Äugen leuchtet, oder der schneidige Dobermannpinscher
-benötigen Auslauf und Arbeit; sie sind keine Zimmerhunde. Zetland Recruit
-(Nr. 4) zeigt die Rassig- keit der Importation, mit der von Zeit zu Zeit
-unsere festländische Zucht kluger Haushunde aufgefrischt werden muß. Wem
-Rauhhaar etwas mühsam in Behandlung ist, der wählt den Dobermann im kurzen,
-glänzenden Gewand. Sieger Salto v. Rottal (Nr. 3) entstammt der Zucht des
-niederbayerischen Kenners edler Hunde, Jos. Schweiger in Pfarrkirchen.
-Leichter und flotter als der Dobermann ist der englische Windhund, auch zur
-Pflege von Rennsport geeignet, ein eleganter, sauberer Haushund, der in Dr.
-Erb, Gießen, einen sachverständigen Förderer gefunden hat. Unter den
-Bildern fehlt der Schäferhund, der mehr als Haushund ist. Eine einzige
-Aufnahme von ihm würde der Verbreitung und Vielseitigkeit nicht genügend
-Rechnung tragen. Das erfolgt dafür in einem stattlichen Sonderwerk im
-gleichen Verlag: „Der deutsche Schäferhund in Liebhaberhand” in
-weitestgehender Weise. Hingegen durfte unter den Haushunden im engeren
-Sinne der kleinere, stämmige Münchener Boxer nicht fehlen, der seine
-Anspruchslosigkeit an Raum der Mietwohnung anpaßt. Er quittiert nicht durch
-Nervosität wenn er einmal während einiger Regenwochen den geliebten Auslauf
-entbehrt, ist klug, gelehrig; doch wenn nötig, stellt er seinen Mann. Etwas
-phlegmatischer ist die breite, niedrige, englische Bulldogge (Nr. 7),
-Knochen, ein Stiernacken, dunkle Falten, vorstehender, breiter Unterkiefer
-lassen sie drohend erscheinen, während sie der gutmütigste Hausgenosse ist.
-Ihr Antipode, ganz Temperament, das ihn manchmal fortreißt, wenn er nicht
-beschäftigt wird oder er keine Hand über sich weiß, ist der drahthaarige
-Foxterrier. Richtig geleitet eine Perle und ebenso gefälliger, wie
-lebhafter Begleithund. Etwas beherrschter, klug und dressurwillig ist der
-deutsche Schnauzer. Sieger Strupp (Nr. 9) entstammt der Zucht, von Wilh.
-Stierle in Pforzheim. Der Vollendetste Familienhund für die Großstadt ist
-her kleine Pudel (fälschlich Zwerg genannt), Boxer nd Pinscher haben etwas
-über Stuhlsitzhöhe, der Pudel steht um eine Handbreite darunter. Er ist
-ganz Gemüt, von überraschender Intelligenz, dabei ein kluger Wächter, dem
-nichts entgeht, der aber auch nie aus Übereifer Lärm schlägt wie der
-cholerische Spitz. Zur Vollendung ist der kleine Pudel durch Zwinger Sirius
-(Frl. Flora Kalender, Neckarsteinburg) gebracht. Ihr Stamm basiert auf
-Champ. Nang-i-Lat (Nr. 10); mindestens ein Dutzend dieser Schwarzen tummelt
-sich beständig in dem auf waldigem Bergesgipfel gelegenen Zwinger. Der
-Clown unter den Hunden, grotesk in der Form, immer freudig erregt, ist die
-Moderasse der französischen Bulldogge, von der zwei Schläge, eine geströmte
-und weißbunte (Caille) existieren. Der Klub für franz. Bulldoggen mit Sitz
-in München, wo auch die abgebildete „Jubicka” (Nr. 11) gezüchtet ist, hat
-diese Auslandsrasse eingeführt und zu einer der französischen Zucht jetzt
-mindestens ebenbürtigen Höhe geführt. Unter den zahlreichen
-Zwerghundrassen, von denen die des glatthaarigen Zwergpinschers die
-verbreitetste, die des Affenpinschers die härteste ist, dürfte die Palme
-der Schönheit den langhaarigen Seidenhunden (Malteser, Toyspaniels)
-gebühren. Fremdartiger noch sind die Chins und Pekingesen. In bestechender
-Farbe, weiß mit orangeroten Platten, seidigschlichter Behaarung, klugem
-Gesichtseindruck steht der Blenheim (Nr. 12) an der Spitze der 4
-Toyspanielarten. Doch äußere bestechende Schönheit macht nur einen kleinen
-Teil des Wertes unserer vierfüßiigen Lieblinge aus. Die Hauptsache sind
-ihre _innersten Eigenschaften,_ ihre Charakter- und Gemütsanlagen, die wir
-durch Erziehung wecken und zur Entfaltung bringen, durch Dressur in
-nützliche Bahnen lenken.
-
-
-
-
-=Anmerkungen zur Transkription.=
-
-
-Nur eine sehr kleine Anzahl offensichtlicher Rechtschreibfehler wurden
-korrigiert. Grenzfälle wurden belassen um eine möglichst genaue
-Repräsentation der Erstausgabe von 1924 zu erstellen.
-
-Der original Schriftsatz verwendet g e s p e r r t e Schrift zur
-Hervorhebung von Begriffen. Für die vorliegende „Plain Text” Version sind
-diese durch _Unterstriche_ markiert.
-
-Die Verwendung von schwerer Schrifttype (z.B. in den Kapitelüberschriften)
-wird durch =Gleichheitszeichen= ausgezeichnet.
-
-
-*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 69045 ***