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Welcher von den Ursachengruppen die größere Bedeutung -zukommt, das ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr als das Schicksal -irgend eines anderen Tieres bestimmt der Mensch das ganze Sein und Werden -des Haushundes, dessen Umwelt er schafft, dessen Wachsen und Ausbildung er -leitet, dessen Uranlagen die Züchtungstechnik durch sorgfältige Auswahl von -erblichen Anlagen beeinflußt. Der erste Schritt zur Einwirkung ist, daß -sich der _Hundebesitzer_ seiner Stellung, Aufgaben und Mittel gegenüber dem -ihm überlieferten Hund bewußt ist. Mit viel Tierliebe und freundlichen -Absichten, aber herzlich wenig oder ohne alles Verständnis wird meist der -erste Hund angeschafft. Es existiert eine größere Anzahl von Lehr- und -Dressurbüchern für die Ausbildung von Polizei-, Kriminal- und -Jagdgebrauchshunden, aber bis jetzt kein einziges, das für Leien und -Anfänger den ganzen Werde- und Lebensgang des Haushundes, den der -Skandinavier bezeichnend Selskabshund (Gesellschaftshund) nennt und wir -früher als Luxushund zu klassifizieren pflegten, von „Wiege bis zum Grabe” -erläuterte. Alles, was wir vom Hund fordern und ihn lehren wollen, soll -_dessen_ Verstehen angepaßt sein, und wir müssen es verstehen, ihm das -begreiflich zu machen. Im _Sein, Bewußtsein_ und _Selbstbewußtsein_ stuft -sich die Dreiheit der Psychologie, d. h. der Lehre von den seelischen -Vorgängen und Zuständen. Dreifach ist daher auch die Tätigkeit, die wir dem -Hund von frühester Jugend an zuwenden. Dem _Welpen,_ der nur von -Daseinstrieben geleitet ist, wenden wir eine liebevolle _Pflege_ zu. Blind -und ohne Gehör kommt er zur Welt. Jeder an ihn herantretende Reiz, zuerst -die Abkühlung der Außentemperatur in Abwesenheit der Mutter, Durst, die -ersten Lichtstrahlen, wenn sich das Lid am neunten Tage öffnet, sogar -lebhafte Geräusche werden mit Unbehagen oder Schmerz empfunden, mit Winseln -quittiert. Ganz allmählich gewöhnen wir ihn an äußere Einflüsse, an die -Reize der Umwelt, die später zu Lebensbedürfnissen werden. Der sorgenden -Mutter entwöhnt, beginnt das Sein des _Junghundes_ in das _Bewußtsein_ -überzugehen, er erlebt sich selbst und entdeckt die Umwelt. Jetzt hat die -_Erziehung_ einzusetzen, die das noch wenig Muskeltrieb und Widerstand -entgegensetzende, werdende Wesen umsichtig zu dem leitet, was es einmal -werden soll, was ihm schon von früher Jugend im eindrucksfähigsten Alter in -Fleisch und Blut übergehen muß, z. B. bedingungsloser Gehorsam. Hat der -Junghund mit vollendetem Zahnwechsel, der Rüde, der allein gegebene -Liebhaberhund, mit beginnender Geschlechtsreife, das spielerische Wesen -abgelegt, so erwacht im _Jährling_ das _Selbstbewusstsein;_ er schafft sich -jetzt selbst eine Stellung zur Umwelt, zum Herrn, zu andren Tieren, zum -Heim und allem, was um ihn lebt, im Guten oder Bösen, wenn und soweit wir -es nicht schon vorher durch seine Erziehung und Gewöhnung verstanden haben, -sein ganzes Empfindungsleben so einzustellen, wie es für seine zukünftige -Stellung als Haushund nützlich und erforderlich ist. - -Wir beschäftigen uns also beim _Welpen_ vorwiegend mit dessen _Körper,_ -beim _Junghund_ mit dessen _Empfinden,_ beim _Jährling_ mit dessen -_Willen._ So arbeitet unsere liebevolle Sorge, für den unbewußten Willen -des Welpen, die kluge Erziehung richtet es so ein, daß sie mit dem Willen -des Junghundes _parallel_ zu laufen scheint, die konsequente _Dressur_ -fordert vom Jährling, was mit dessen Neigungen und Wünschen weniger oder -nicht im Einklang steht, richtet sich _gegen_ seinen Willen. Die scharfe -Dressur und Strafe beugen oder brechen den mißratenen Bruder des -Selbstbewußtseins, den Eigensinn. Dieser dreifachen Altersstufe des -_Welpen, Junghund_ und _Jährlings_ und unserer dreifachen Tätigkeit -_Pflege, Erziehung, Dressur_ trägt die Einteilung dieses Buches in drei -Abschnitte Rechnung. Jedes Kapitel ist logisch dem vorhergehenden angefügt, -die Reihenfolge und Fortschritte sind zu beachten. Nur ein rationell auf- -und wohlerzogener Hund gewährt dem Besitzer Genugtuung und Freude, ist -unsren Nachbarn keine anstößige Erscheinung, sondern ein nützliches -Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Haltung eines Hundes legt uns -Pflichten und auch Verantwortung gegenüber dem Tier, wie Rücksichten auf -unsre Mitmenschen auf. In diesem Sinne möchten wir dieses Buch aufgefaßt -und beachtet wissen; es ist dem Hunde zu Liebe geschrieben, um für ihn -Verständnis und neue Freunde zu gewinnen. - -_Bensheim_ (Hessen), im Mai 1924. - - =E. v. Otto.= - 1885—1914 Herausgeber von - „Hundesport und Jagd”. - - - - -=Inhalt.= - - - - - Seite -= I. Die Verpflegung und erste Anleitung des Welpen= . . . . . . . . . 7 - 1. Kapitel. Trächtigkeit; Geburt; Pflege des Welpen bis - zur Abgewöhnung von der Mutter . . . . . . . . . . . . . . . 7 - 2. Kapitel. Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein - Platz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 11 - 3. Kapitel. Fütterung und Futter . . . . . . . . . . . . . . 14 - 4. „ Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer . . . . . 18 - 5. „ Lob und Strafe . . . . . . . . . . . . . . . . . 20 -= II. Die Erziehung des Junghundes=. . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 - 6. Kapitel. Stubenreinheit . . . . . . . . . . . . . . . . . 23 - 7. „ Verhalten im Hause, Gewöhnung an Leine - und Kette. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .25 - 8. Kapitel. Melden und Lautgeben . . . . . . . . . . . . . . 28 - 9. „ Verhalten auf der Straße (Radfahrer, Wagen, - Raufen) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 30 - 10. Kapitel. Verhalten auf Spaziergang (Geflügel, Katzen, - Wild) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 33 - 11. Kapitel. Der Appel (Kommen und Gehen auf Befehl). . . . . 36 - 12. „ Spielende Dressur. . . . . . . . . . . . . . . . 39 -=III. Systematische Dressur des Jährlings= . . . . . . . . . . . . . . 43 - 13. Kapitel. Leinenführigkeit, Freifolgen am Fuß. . . . . . . 43 - 14. „ Setz dich, Leg dich, Ablegen . . . . . . . . . . 44 - 15. „ Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd . . . . . . . 47 - 16. „ Apportieren und Verlorensuchen . . . . . . . . . 49 - 17. „ Kleine Kunststücke . . . . . . . . . . . . . . . 53 - 18. „ Wasserarbeit und Schwimmen . . . . . . . . . . . 56 - 19. „ Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn . . . 59 - 20. „ Korrektur verdorbener Hunde. . . . . . . . . . . 62 -= IV. Praktische Anleitung zur Hundehaltung= . . . . . . . . . . . . . 64 - 21. Kapitel. Der Zwinger, die Hütte, das Lager. . . . . . . . 64 - 22. „ Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde . . . . 67 - 23. „ Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge, - Scheren und Baden. . . . . . . . . . . . . . . . 70 - 24. Kapitel. Utensilien zur Pflege, Dressur und Reise . . . . 75 - 25. „ Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von - Medizin. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 80 - 26. Kapitel. Altersschwäche und Tötung. . . . . . . . . . . . 84 - Zu unseren Bildern. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 87 - - - - -I. Teil. -Die Verpflegung und erste Anleitung. - -1. Kapitel. -=Trächtigkeit. Geburt und Pflege des Welpen bis zur Abgewöhnung von der -Mutter.= - - -Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen und sich eine gesunde, -die Welpen gut und reichlich ernährende Mutter erhalten will, muß schon -kurz nach dem Belegen mit rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen, -damit die tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, Kalk- -und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu erschöpfen. Sie muß in -der kurzen Zeit von 9 Wochen eine Körpermasse bilden, die bis 1⁄7 ihrer -eigenen beträgt. Innerhalb der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen -Futterwechsel noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem Kalk -verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst auf natürlichstem Wege -durch Knochengaben. Weiche, nicht ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor -allem den Vorzug. Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von -besserer _Qualität_ zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, weil Darm -und Magen ohnehin durch die ausgedehnte Gebärmutter bedrängt werden. Je -schneller die Mutter unter lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug -jeder Fruchtbarkeit das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63 -Tagen der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Hautpflege, -Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche Ansprache, kurz alles, -was das Wohlbehagen fördert, sind unsere Mittel. Von der vierten Woche wird -der Auslauf verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei -Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die Hündin sichtbar -trägt, was man am besten über ihr stehend von oben feststellt, erhält sie -ihr Futter in mehreren Rationen (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je -verdaulicher zubereitet und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie -Welpen aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, leimgebende -Substanzen, und das alles muß erst von ihr auf dem Wege der Verdauung ihrem -Blute zugeführt werden, um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu -gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt einer Futtermenge -von etwa 900—1000 g gemischter Kost (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im -Verhältnis 1—3 für Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde, -200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt etwa 1250, -900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch und Vegetabilien. Fett -(z. B. in Fettgrieben), das auch junge Hunde schlecht vertragen, reicht man -sparsam; von viel Milch ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser -enthält. Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, so -soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der 5. Woche vorgenommen -werden; eine spätere Gewaltkur gegen Bandwurm führt häufig zum Verwerfen. -Ungeziefer (Flöhe) ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den -letzten Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin bereits -unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das Wurflager herzurichten. -Für harte größte Rassen genügt eine gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im -Freien oder im Schuppen, im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas -erhöhtem Einschlupf und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine -flache Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das Herausfallen der -Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher Korb. Als Einstreu trockenes -Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, noch alte Decken, die durch Fruchtwasser -durchnäßt werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu beim Werfen -beiseite und legt die Welpen auf den blanken Boden, der deshalb nicht -kalter Stein sein soll. An dieses Lager, das ruhig, etwas dunkel und -geschützt stehen soll, gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der -Fälligkeit des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts völlig -glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so wohlgemeinte Hilfe. Die -Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, frißt diese, sowie die -Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und trocken. Zwischen den Pausen kann -man ihr, wenn sie ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser -hinhalten. Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann -erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie führen; -inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) vorbereitet mit warmem -Wasser, in das etwa 50 g Septoform geschüttet wird, um den Boden zu -reinigen. Die Welpen liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die -der Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei späteren -bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr unter. Die zu tötenden sind -inzwischen weit entfernt worden, so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören -kann. Man tötet sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz -hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die kräftigsten Rüden -läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie von Züchtern bestellt sind, -_niemals,_ um sie an Laien zu verschenken, da sie nur in Hände von -_Fachleuten_ gehören. - -Für die säugende Hündin ist ein _allmählicher_ Futterwechsel -nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die auf die Milch -übergreifen. In den ersten Tagen gibt man vorwiegend Milchsuppen mit -Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. Wie während der Tragzeit darf Kalk -nicht fehlen, man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel -Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g Chlorkalzium in 1⁄2 l -Wasser bereitet hat. Auch Phosphor ist nötig; er vermehrt und verbessert -die Milch, und wird in Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb -der ersten Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen in -schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine Wundstelle mit -blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. Bis spätestens zum 8. Tage -läßt man die Ruten von Terriers, Dobermannpinscher, Schnauzer, -Zwergpinscher, Toyspaniel, Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen -Vorstehhunden usw. kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste -oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit Septoformlösung -(aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, das Lager beständig -erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe und Läuse, die zudem Überträger von -Bandwurm sind, nicht aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die -Mutter, die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur Entleerung -veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer entzündet, so mildert man -mit Borsalbe. Bis zum 9. bis 10. Tage hören und sehen die Welpen noch -nicht; dann öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an -Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem die Mutter -zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen man ihr beläßt, je -rationeller man sie mit milchgebenden Stoffen füttert: Mehlsuppen, -gesalzener Milch mit altem, eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und -Knochen nebst Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die -Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt die flüssige -Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen ist ihr Herumwatscheln oder -Gehversuche. Anfangs der dritten Woche bricht das Milchgebiß durch, ein -Signal, daß sie etwas zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im -Mutterleib und während des Säugens nur animalisch ernährt werden, braucht -man von kleinen Fütterungsgaben von geschabtem rohem Fleisch nicht -zurückzuscheuen. Dazu gibt man nach und nach als Beigabe zur Muttermilch -pasteurisierte Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später -setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst kleingewiegtem -Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt die Mutter nach 6 Wochen nur -noch nachts zu den Welpen. Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr -Gelegenheit, sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. Je -früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, die Kleinen an -die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag (nur nicht feuchten Rasen) als -Spielplatz zu bringen, desto besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter -und immer gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa -8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem einzelnen mehr -Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als der Züchter einem ganzen Nest. -Vorher läßt man die Namen nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch -eintragen, da es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd -festzulegen, unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre -machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert abzugeben. Zugleich -mit dem abzugebenden Welpen und der Bestätigung über erfolgte Eintragung in -das Zuchtbuch sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses -Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch rationelle -Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite. - - - - -2. Kapitel. -=Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.= - - -Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines Lebewesen kommt in -eine völlig neue Umgebung und ist dementsprechend zu behandeln. Falls mit -Bahn oder Post überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten -eintrifft; der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der -Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll einen ganzen Tag -Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz zu überwinden, damit er nicht -nachts durch Winseln und Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der -Nachtruhe stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter orientiert man -sich, ob das Schlaflager in Korb, Schlafkiste (diese ist mit seitlichem -Einschlupf und Schubtür zu versehen, als Aufenthalt willkommen und zur -Erziehung praktisch), Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung) -bestand, welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste Lager wird -vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch Heimatgeruch hat, -gebildet. Bereitzustellen ist außer dem Lager: ein kleiner Eimer mit -Sägespänen und eine Flasche Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers. -Man darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern muß die -betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform verwittern (den -Uringeruch überdecken!), weil Hunde sonst dieselbe Stelle immer wieder -benützen würden. Etwas billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin, -aber wegen des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach Ankunft -trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof oder Garten, sobald er -durch unruhiges Herumsuchen verrät, daß er sich lösen oder nässen will. -Beobachtet man ihn darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr -bald am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß es Zeit -ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. Diese zu erzwingen, -ist erst möglich, wenn er sich etwas eingewöhnt hat und begriffen, daß es -Dinge gibt, die ihm verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen -muß, um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen ist ihm -mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm zugewiesene Lager, auf dem -er zu verharren und das er aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene -Wort „Platz!” erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie -und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von dort aus selbst -übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten werden kann oder lästig fällt. -Nachdem er sich einige Zeit frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt, -sanft zum Legen niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene -aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt es mehrmals -mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen bei dem kleinen Quecksilber -nicht, so unterstützt man das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit -der Hand, die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte -(Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten soll; diese belohnt, -streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter und richtig erzogener Hund -wird mit der Schnauze die Hand des Herren suchen, seinen Kopf in diese -legen, nie nach der Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B. -einmal genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch einzugreifen. -Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren auf dem „Platz” nicht, sondern -gibt durch freundlichen Anruf des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig -sein soll, Erlaubnis zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck, -suggestiv seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, Platz, -Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt folgen soll, klatscht man -in die Hände; auch das wirkt aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte -man darauf, daß der einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder -auch nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt oder -trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit verharren muß, worauf -man ihn belobt. Von den ersten Anfängen an muß es dem jungen Tier in -Fleisch und Blut übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist. -Das ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. Hat er nach -mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was er soll und daß er muß, so -wird der Ort des Lagers gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im -Wohnzimmer, sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus allein -bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, so daß der Hund nicht zu -fern der Haustür liegt. In einem Mietshaus empfiehlt sich dies für untere -Stockwerke weniger, damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender -Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich muß der Hund, falls -man beim Verlassen des Zimmers das Kommando „Platz” gibt, dort verweilen, -auch wenn er allein gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch -zurückkehrt, spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt den neuen -Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem Schlag. Wenn das alles auch -überflüssig erscheint, so führe man doch alle diese Übungen konsequent -durch; es ist die eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle -spätere Dressur. Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen -wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, in dem er sich -gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist _„Hinaus”._ So oft es -hinausgeht, wird das Wort mehrmals lebhaft wiederholt, bis sich für ihn -damit der Begriff von Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die -_Worte „Platz”_ und _„Hinaus”_ sind es aber nicht allein, sondern der Ton -und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines Verständnis, da sie -_nie ein Wort_ selbst und dessen _Bedeutung_ erfassen, sondern nur den -_Begriff,_ der sich für sie damit innig verbindet. Kinder haben dem -Junghund nie zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und -spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung profitieren. - - - - -3. Kapitel. -=Fütterung und Futter.= - - -Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser zugeschnitten; sie ist -es auf dem Lande im allgemeinen heute noch, durch gelegentliche Zugaben -etwas verbessert. Unsre anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit -nicht auf der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht -allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist während der -Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig ist die Gleichmäßigkeit der -Rationen, dem Alter angepaßt, die Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich -Vorhandensein der Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert -ordnungsmäßiges Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der Auswertung. -Einige Grundregeln für die Fütterung sind: Das Futter soll immer -_gutgewärmt_ werden, denn ehe die Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf -Blutwärme im Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen -Verschlingen, deshalb gebe man das frische Gemüse _klein_ gewiegt Fleisch -klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, wird _weggenommen; -niemals_ soll die Futterschüssel _stehen bleiben;_ weder im Winter, noch -weniger im Sommer. Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu -groß. Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich in -folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht zu leicht umgeworfen -wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder kleine Rassen sind die sogenannten -Kaninchenfuttergeschirre aus Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum -Abmessen der Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie _peinlich sauber_ -zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern oder Schüsseln -hin, die in der Küche verwendet werden oder gedient hatten. Damit wäre, -abgesehen von dem Unästhetischen, ja Gefährlichen wegen der Übertragung von -Würmern, der erste Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie -müssen wissen, daß es _ihr_ Futter nur aus _ihrem_ Geschirr gibt. Genau so -ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen allen Lehren, daß den Hunden _immer_ -frisches Wasser zur Verfügung stehen soll, halten wir das für einen -Mißgriff. Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher -Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig Wasser -brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß es nicht nötig ist, den -Speisebrei noch mehr zu verdünnen. Viel Gelegenheit macht zu -Gewohnheitstrinkern. Kommt der Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um -den Staub wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als den -Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an sein leeres -Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und mag etwas Wasser -erhalten. _Unerläßlich_ sind für Junghunde _harte_ Hundekuchen, Hartbrot -und vor allem weiche _Kalbsknochen._ Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen -ihre Milchzähne, mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne, -mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne werden mit 5—6 -Monaten gewechselt, die Molaren brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5 -Monaten durch. Diese Vorgänge bedingen eine _starke mechanische Tätigkeit -Gebisses;_ geben wir dem Hund während des Wachstums und der Skelettbildung -nicht reichlich Knochen, so wird er den erforderlichen mechanischen Reiz an -Stiefeln, Teppichen, Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was -man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, 58—63 % -Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß -und Leimstoffe enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als 5—6 -Jahren sollen _niemals _Knochen bekommen. Die letzte Regel lautet -endlich: _niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit mit Junghunden_ -Spaziergänge; denn Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder -und Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark dehnen und -lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, weichen Rücken und schwache -Muskulatur. Breitstehende, massige, starkknochige Rassen wie Bulldoggen, -St. Bernhardshunde, Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas -mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, Whippets, -Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes Futter erhalten: viel -Gehalt in wenig Menge. Ebenso dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde -nicht zu weichlichen, überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern -gehaltvoll, trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente) -ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht dünnflüssig, -weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche Knochenmenge und Mangel an -Wasser. Als Grundfutter kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken, -Roggenschrot, Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an -Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur als Brei -ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, die das Futter -schmackhaft macht, ist für größte Rassen 16—25 g in der Jugend, für ältere -20—30 g, im Winter etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch -Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen -Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig, -werden aber wenig gern gefressen und müssen durch Fett- und Fleischzusatz -schmackhaft gemacht werden. Am besten wechselt man häufig, auch bei den 4—6 -Tagesrationen: morgens entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost, -abends trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das Futter, -immer separat _nachher._ Fehlen sie zeitweilig, so ersetzt man sie durch -Chlorkalzium (150 g auf 1⁄2 l Wasser, davon 1 Eßlöffel in das Futter -gerührt). Man rechnet 1⁄10 g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk -(Schlämmkreide) darf _nie_ zum Futter gegeben werden, da er durch -Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. Mit -kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für Welpen) kann man den -Nährwert von Magermilch oder Grundfutter vorteilhaft erhöhen. Aber niemals -sollen Zucker, Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der -feststehenden Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung -bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte Fresser und -Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf sich der Hund wohl im -Eßzimmer, aber nur in angemessener Entfernung vom Tisch auf seinem Lager -(„Platz”) aufhalten. Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit -zugesteckten Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler. -Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um Gehorsam -vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden. - - - - -4. Kapitel. -=Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.= - - -Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde mit Würmern behaftet -sind; ja es gehen mehr Welpen an Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als -an Staupe (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, glanzlosem -Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen nach den Mahlzeiten, viel -Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar. -Spulwürmer (3—8 cm lang, rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht -festzustellen) haben fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich, -durch Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. Weit -schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, da sie durch Flöhe sehr -leicht überall verbreitet werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu -Darmverstopfungen führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert werden, -ist der aus etwa 1⁄3 cm langen Gliedern bestehende Bandwurm seltener; seine -Jugendform, die durch Maul oder After des Hundes abgeht, ist für Menschen -lebensgefährlich, weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie -dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer vorhanden, so -verabfolge man morgens in der Milch 1 bis 2 Santonintabletten, die, mit -Kakao gepreßt, in jeder Apotheke für Kinder vorrätig zu haben sind, oder -das billigere Chenopodiumöl (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das -entgiftete Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. Fast -alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den Darm, weshalb man durch -leichten Kotabgang die Kur unterstützt und starke Mittel bei noch zarten -Tieren sich vom Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt. -Das beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. Man gibt -0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser sind die sich im Mastdarm -aufhaltenden, weißen fadenförmigen Würmer (5—8 cm lang), die nur ein -lebhaftes Jucken im After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich -reibt, scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch in -Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger als Santonin ist -das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) und relativ ungiftig. Gegen Flöhe -gibt es nichts besseres als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn -sich der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit Cuprex -(Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man gar nicht aufkommen -lassen, weshalb die Decke über Matratze, die Matte täglich ausgeschüttelt, -das Heu oder kurze Stroh in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes -Vertilgungsmittel für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres -feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex (Merck), -es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden Eier (Nisse). Harmlos -ist ein Betupfen mit einer Lösung von 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl. -Das oft empfohlene Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt -man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach Spaziergang mit Zecken -(Holzböcken) behaftet heim, so reißt man sie nicht aus, sondern betupft sie -mit Terpentinöl aus einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für -Nähmaschine und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht zu -empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht völlig trocken, -leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um Parasiten oder Milben zu töten, -so scharf sein (2 % Kreolin), daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst -wenn die Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die -Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht vernichten -wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr erfolgen. Um sich -ein Bild von deren Umfang zu machen, sei darauf hingewiesen, daß ein -einziger Spulwurm, deren der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach -Prof. Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens; S. 10) in -einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein Bandwurm bis 100 Millionen zu -produzieren vermag, die meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames -Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über das -Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25. - - - - -5. Kapitel. -=Lob und Strafe.= - - -Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur Korallenhalsband und -Prügel, und sie erörtern höchstens, ob man mit der Hand, zusammengelegter -doppelter Führungsleine, Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf -welche Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung -schreitet, prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa ein -Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also dem Hund ungewohnt -und unverständlich war, oder ob er während Ablenkung der Aufmerksamkeit -durch Nebenumstände erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt -verstanden, was man von ihm wollte und kann man schon eine _aktive_ -Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu verlangen, daß er -entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder Behagen auf jede Aufforderung -nachgiebig eingeht, daß er eine Marionette ist, die durch Befehle in -Bewegung gesetzt, durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf die -an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen sollte, müßte -man sich dahin geben: schlage womöglich _nie,_ so wenig wie dein Kind, -suche immer mit andern Mitteln auszukommen; man kommandiere aber auch so -wenig als möglich, sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität. -Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals schreiend; der -Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, freundlichen Ansprache -unterscheiden. Mit Kindern und Hunden parlamentiert und überredet man -nicht, sondern man _befiehlt._ Etwas anderes ist es, durch einen -mechanischen Druck (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl -verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum Abwehren -schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da es ja bei dem Hunde -steht, sich solche zu ersparen. Neben dem leichten Schlag kommt als Strafe -bei Ungehorsam in Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang), -Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch größer ist der -Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je fester der Gehorsam gegenüber -dem Wehren und Verbieten (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen -auf Möbel, Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch, -Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter ist -später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der Welpe verstehen und -beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, Bewegungslust, Tatendrang, -veranlaßt durch Muskulatur und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt, -also Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem -Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. Zum Wehren -und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir durch mechanische Nachhilfe das -Verständnis unterstützen können. Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn -sich der Lehrer von der nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit -überzeugt hat. Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was -der Hund auch _verstanden_ hat. Führt er das aus, so darf für die ersten -Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) nicht gespart werden. -Und später muß jede Erfüllung mit freundlichem Lob und lebhafter -Anerkennung belohnt werden. Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein -Tier, wohl aber ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung. -Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: Furcht vor der -schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes Auffassungsvermögen, -motorische Langsamkeit, Eigenwillen; letzterer äußert sich durch Flucht, -Kundgabe des Unmuts, Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände. -Ehe man also zur Strafe schreitet, prüfe man die _Ursachen_ und versuche -sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen Spaziergang an der -Leine zu beseitigen. Dann wird man selbst zu der Überzeugung kommen, daß -Zuhauen das ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von Befehlen -gefügig zu machen, dann wende man die systematischen Mittel an, die in Teil -III aufgeführt sind, auch wenn sie etwas Geduld und Zeit erfordern. -Unbedingte Züchtigung (auf die Keulen) verdient nur _offensichtliche -Widersetzlichkeit_ bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot; -diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer Prüfung, damit -der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit straft, und daß es eine energische -Kraft über ihm gibt. - - - - -II. Teil. -Die Erziehung des Junghundes. - -6. Kapitel. -=Stubenreinheit.= - - -Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. Grundregel ist: -dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was du später verbieten wirst! Mag es -noch so harmlos sein, wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan -gehoben wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht nicht, -warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig ist, nicht geschehen -soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen das immer bleiben. Laß ihn -nicht seine schwachen Zähnchen an einem alten Hausschuh probieren: er kennt -nicht den Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er in -kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine Fehler geben -später schwer auszurottende Laster. Je früher der Welpe mit der Großstadt, -dem Lärm der Wagen, Pferde, Autos vertraut gemacht wird, desto leichter -geht es; ahnungslos trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer -geworden, nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt. -Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine gehen; ein weicher -Lederriemen genügt als Halsband, eine solide längere Schnur, in deren eines -Ende ein Karabiner, in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als -Leine zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn er nicht -mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man auf den Hund, wenn er -vom Lager morgens aufsteht und sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man -legt schnell den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt -ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt die Wohnung an -belebter Straße, so läßt man ihn in den Hof oder zur nächsten ruhigen -Seitenstraße bringen; denn über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen, -Geräuschen kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der Hund -verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines Schäferhundes hat das -Fassungsvermögen, das dem eines Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung -kommt von der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er seine -Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste nach etwa 9 Stunden -bis in den Mastdarm vorgerückt, so daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends -entleeren und ein ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm -behalten kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt nicht mehr. -Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb oder flacher Kiste, mit -etwas Mühe zum Verlassen verbunden, desto weniger wird er nachts aufstehen, -herumlaufen und sich im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man -ihn jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, beschleunigt -seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er (s. Kap. 8, Lautgeben und -Melden) schon durch Ungeduld bei vorgehaltenem Futter, Knochen, -Leckerbissen gelernt hat, auf Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem -Ausgang, Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch er -anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer wollen das durch -Kratzen an der Türe markieren lassen; das ist indessen für den Welpen -schwieriger zu verstehen. Viele Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß -sie eine nur angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren -das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts nicht hört, ist die -Stimme des Hundes das natürlichste. Es wird oft im Leben vorkommen, daß der -Hund auf diese Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der -Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. Ein kluger -Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das ihm zum Apportieren zu groß ist. -Ein lockerer Hals ist immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich -durch seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der Tür -verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, die Tür zu -beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall und Aufrichten selbst die -Tür zu öffnen, was er nicht lernen soll. Den Hund mit der Nase in den Kot -zu stoßen, ist sehr unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der -Missetat gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt ihn -zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu stecken. Ist ein Hund -trotz Anweisung, Unterstützung durch Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht -viel Kot, belastet stark), trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt -unreinlich, so bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden -gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, da -Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. Hilft das und auch -fühlbare Strafen nichts, so muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren, -die so hoch ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends -erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein Wasser. - - - - -7. Kapitel. -=Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.= - - -Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man sie immer herumträgt und -sich beständig mit ihnen beschäftigt, verzogen und verwöhnt hat, so widmet -sich auch häufig das ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die -Folge ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich macht. -Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig abgestellt werden, sein Lager -auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus angewiesen erhalten, um auch sich zu -bescheiden und Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm -verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. Nach Mahlzeiten heißt -es „Platz”, beim Verlassen sofort: Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst -vorgenommen werden, wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann -kostet es Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend bestrafen, -das man selbst verschuldet hat. Windhunde, Airedaleterriers, Boxer, -französische Bulldoggen fügen sich williger; Schäferhunde, -Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; wünscht man ruhigere Tiere, so -mag man das schon bei Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan. -Läßt man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so wird er heulen -oder seine Langeweile in Zerstörungen, Anbeißen von Portieren, Stiefeln, -Polstern auslassen, die Türe zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar -annagen. Nachts, oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im -Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs kurz, wenn älter, -länger auszudehnen. Junge Hunde sollen nicht beständig an der Kette liegen, -da sie dadurch in der Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und -Brustpartie Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu -fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich zu -machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn der Herr nicht -drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager kurz angekettet, sich auch -anfangs etwas aufgeregt benehmen, so ist es besser, sie gewähren und selbst -zur Einsicht kommen zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen. -Nur wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß man kurz und -energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald zu erlösen, wenn sie sich -eine Zeitlang gefügt haben. Zur weiteren Übung wird die Dauer verlängert. -Haben sie so eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man bei -allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen müssen. Springen auf -Stühle ist sofort energisch durch einen Schlag mit der Gerte zu verweisen, -ebenso jeder Versuch auf Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf -der Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem Boden liegen -(Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) oder fallen, mit den Zähnen -erfassen oder gar auf sein Lager schleppen, um damit zu spielen. Das würde -zum Zerbeißen führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag über -die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort unter Rüge abgenommen -werden. Um die Strafe eindringlicher zu machen, legt man den betreffenden -Gegenstand noch eine Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen -davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit ihn anreizende -Gegenstände aus, so bestreue man diese mit Tabakstaub oder Pfeffer. Ein -sehr nützliches und billiges Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine -Schlagmausefalle, die man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf -einen Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, so klappt -die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen Schlag auf die Nase. Mit -derselben Falle gewöhnt man Junghunden und auch älteren das Naschen -gründlich ab. Auf die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und -diese kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt dann der -Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da er niemand bemerkt, der -die Lektion austeilte. Besucher und Freunde bittet man, den Hund nicht -anzulocken oder anzusprechen, ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder -Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern einen -zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der Straße später Fremde -vollkommen ignorieren muß. Das alles sind zwar Selbstverständlichkeiten, -doch soll sich der Erzieher eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren -sein, nicht erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis kommen. -Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man lange überlegt und dann -beschließt, muß schon das Kommando der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch -von Rasse und Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der -freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm aufspringt und -sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei größeren Rassen gewehrt -werden. Sollen wir da mit scharfem Verweis verbieten, was uns erfreuen -müßte? Wir beugen bei unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch: -„Setz dich, gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo geht es -ohne solche im Leben? - - - - -8. Kapitel. -=Melden und Lautgeben.= - - -Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er sowohl auf Kommando, -sowie bei allen auffälligen Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt -und das wiederholt, bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund -genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar selbst verwirrt -wird, wenn dieser in heftiger Erregung Befehle gibt, so wird der Herr mit -der Zeit genau unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut -wie fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung beim Wachen -anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen anderer Hunde mitmacht, was in -langes Geheul oft in stiller Nacht übergeht, oder ob er einen zwar -gegebenen Anlaß aus Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst -steigert. Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders -Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht durch Erschrecken von -Kindern und alten Leuten in Konflikt zu kommen, so daß man sie sogar -morgens nicht frei, sondern nur angeleint hinausführt oder sie einen -Gegenstand im Maul tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst -geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort z. B. das kurz -herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. Fast alle Hunde schlagen -an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel erwarten, bemerkt man nur den -Ansatz dazu, so ruft man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald -das geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft wiederholt, -bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das Kommando ohne Schüssel, doch -die Befolgung belohnt, später nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der -Trieb zur Bewegung lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, wenn -man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier verfährt man ebenso. Andere -lockt der abendliche Knochen mehr, den man beriechen läßt, ohne ihn zu -geben. Wieder andere geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen -hören, wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, oder wenn es -an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man durch Zuruf, verhindert aber den -Übergang des Meldens in heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg -dich”! Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe zu -herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen mechanisch -erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben kann. Jeder solche -körperliche Zwang ist besser als ein strafendes Wehren, das vom Hund leicht -als Strafe für Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird. -Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden gibt es noch mehr; -oft schon Anziehen von Paletot oder Ergreifen des Hutes, Poltern durch -Hilfspersonen an der Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die -Vorderpfoten, wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich -heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl und später -bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt gegeben wurde, auch -ohne Befehl anzuschlagen. Solche sind: Eintritt oder Ankündigung fremder -Personen, Warten vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches -Stoßen auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es z. B. nachts -nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in Erregung den Befehl (st, -st) nicht, so drückt man den Kopf nieder oder wickelt schnell die Leine um -den Fang, ohne Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich, -sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine Zeitung im -Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt vor dieser fortgesetzt -bellen zu lassen; dann wird er sicher jedes Feuer im Haus melden, dessen -Geruch er wahrnimmt, wenn er es selbst nicht sieht. - - - - -9. Kapitel. -=Verhalten auf der Straße.= - - -Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit (s. Kap. 13) ergibt sich -diese für den erwachsenen Hund von selbst; vom Junghund kann das noch nicht -gefordert werden; er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine -mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs in der -Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während der lebhaften -Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. Man gewöhne sich und ihn, bis -er sich gelöst hat, auf der Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir -unseren Mitmenschen, ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau so -wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch weniger sollen -sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in einsamen Straßen -herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle Haltung alles, was Anstoß -erregt, so wird die Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder -Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus Spielerei -allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, Auto, Kindern, nachlaufen -und nachbellen wollen. Ein scharfer Ruck und plötzlicher Schlag über -Schnauze mit Gerte muß das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos -erscheint. Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, das -Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon mehrmals im Haus durch -Verabredung üble Erfahrung beim Einschmeicheln bei Fremden machen lassen, -so muß man das mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der -man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich vertrauensselig -dieser nähert, erfolgen durch diesen einige energische plötzliche Schläge. -Nach 2—3, Lektionen, besonders nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen -Hund mit sich führen, ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe, -wozu jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich, -während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. Auch wir haben -im Leben alle schlechte Erfahrungen selbst machen müssen, obschon es an -„guten Lehren” von Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau -so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich ist, sich nur -an seinen _Herrn_ zu halten. Tollt der Hund Wagen nach, so würde der -temperamentvolle Terrier oder Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen -des Kutschers erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche -getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel ist deshalb -die _Gummischleuder_ (Abb. 1), die zum Kurieren für Raufer, Geflügel- und -Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. Ein scharfer Pfiff und dazu einige -Schrotkörner, deren Herkunft dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die -Schleuder, spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine -kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend und erspart bei -lebhaften Hunden die hohen Unkosten für Dressur oder für manchen verhüteten -Schaden. Haben wir in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst -und es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der -aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner steiler -Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben fast alle -geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, Doggenschläge, -Dobermannpinscher; hält man einen solchen, so versäume man Anschaffung der -Gummischleuder (Zwille) nicht und beobachte scharf, besonders im Alter -beginnender Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen -kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den ersten Anzeichen von -Erregung, Stutzen beim Anblick des Gegners muß schon der Strafschuß -erfolgen und dann sofort an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in -entgegengesetzter Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei unter -scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, Schnauzer, Bernhardiner. -Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen sind weniger kampflustig veranlagt; -diese werden nur bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man -durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch bei nächtlicher -Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen Hundes ist diese „lange -Peitsche” nützlich, sowie das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern -vom Hause zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist. -Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr kurz, duldet nicht -das Beriechen der am Eingang stehenden Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig -vom Aufheben des Beines begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei -fortlaufen oder überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden -allein warten, wenn er fest im Appell ist. - - -[Illustration: Strichzeichnung Mann mit Gummischleuder/Zwille] - - - -10. Kapitel. -=Verhalten auf Spaziergang.= - - -Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der Verkehrsstraße, soll -beim Spaziergang hinaus _möglichste Freiheit_ für den Hund angestrebt -werden; hier soll er sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter -Auslauf auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung, -geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, kurz -alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, Zucht- und Arbeitshund -stempelt, und zu jener schönen Erscheinung macht, die der Preisrichter auf -Ausstellungen über alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns -selbst eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich -entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können und Alter -angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen Spaziergängen lernen sich -Herr und Hund kennen und wachsen zu einer Einheit zusammen. Von der -Erfrischung und Erholung für uns selbst noch gar nicht zu sprechen. -Winselnd und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft -ernährte, energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir -überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- und sechsmal -versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. Er wird gelobt, wie man -überhaupt viel mit dem Hunde _sprechen soll._ Zeigt er Spuren von Ermüdung, -z. B. nach lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre -Ellenbogen, so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen einen -halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man ihn mit achttagelanger -Haltung im Haus und an Leine nicht so fest an sich gewöhnen, als wenn man -schon am zweiten Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von -Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch scheinbar davon, so -rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter Richtung. Kehrt er zurück in -die Nähe, so spricht man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt -ihn weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei kommt und erst -kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder angelegt wird. Fremde zogen hinaus, -zwei gute Freunde kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend -mit Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen Hund hinter -einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, so muß man doch sofort -anrufen, wenn der Hund mit tiefer Nase auf Wildspur sucht. Aus dem -gelegentlichen Hetzer, den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird -ein Gewohnheitswilderer. Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund das -Recht des Jagdinhabers respektieren und dessen Wild nicht beunruhigen. Es -ist wohl kein Unglück, wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen -schwarzen Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; er -versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier scharf gewehrt werden -muß. Wenn auch Hundefreunde selten Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch -den Junghund sofort abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche -anzugreifen. Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger -entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte natürliche -Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen Hundes gegen das -kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. Unterläßt man anfangs das -Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, ebenso von ruhigem Geflügel. Ein -gutes Mittel zur Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem -Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken führende -Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so energisch auf den Hund los, -daß dieser für immer belehrt ist. Allzuängstlich braucht man bei Begegnung -mit fremden Hunden in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens -Flöhe. Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, so -fasse man _nie mit _ungeschützter Hand_ nach dem Halsband, das hat schon -manchem gefährliche Bisse eingebracht. Eher nach Hinterlauf oder noch -besser an der Rute. Fremde drohende Bauernhunde lassen sich meist -verscheuchen, wenn man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben -darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, steigert die -Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches Entfernen und Abpfeifen -mehr als Dabeistehen und Schelten. Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei -denen uns vielleicht ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein -Schrotschuß mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger -Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn er die -Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in Dienst, wenn der Hund -Radfahrern oder Wagen nachprellt, was er selten tun wird, wenn man fleißig -mit ihm ins Freie geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund -auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, so daß er mit -entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. Hunde, die dazu neigen, das Aas -auf große Entfernung wittern und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten, -sofort anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, so -erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter Verweis der -betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu einseitig ernährt werden -(Mangel an Nährsalzen), neigen zum Kotfressen. Auch hier hilft nur -Aufpassen, wenn man versteckte Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für -menschliche Kotablage geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von -Chlorkalzium in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch -oder Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird man -möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, dirigieren. Der Hund soll -sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn an jeder Straßenecke ruft, erzieht -einen Hund, der geht, wohin er will, statt daß er den _Herrn_ beständig im -Auge behält. - - - - -11. Kapitel. -=Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).= - - -Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der Hund noch im -unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der Gehorsam muß anerzogen in -sein ganzes Wesen übergehen, nicht durch Dressurlektionen erzwungen werden. -Der Nachhilfe, die dazu unerläßlich, setzt der _Junghund_ noch weniger -Muskelkraft entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei durch -kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches Befolgen für ihn von -_Vorteil_ ist. Hat er begriffen, _was_ er soll, so genügt später -freundliches Lob. Das vertrauensvolle bedingungslose Herkommen soll auch -deshalb der systematischen Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen -Zwang und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der Junghund im -Kommen nur das Laufen zum freundlichen Herrn erblickt, der ihn noch nicht -mit Lernen und sonstigen Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen -erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis (kurz nach der -Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter Emotion (Spiel, -Springen, Bellen), in deren Bann seine Aufmerksamkeit voll steht, noch in -Anwesenheit ablenkender Personen (Kinder, belebter Hof). An die -Führungsleine muß er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser -nicht ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie durch -eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser voll nach, legt die -Schleife um das Handgelenk und ruft den Namen, dazu lockend: „herein”, in -die Hände klatschend. Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen -Gang zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. Kommt -er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran falls nötig mit -leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt man ihn freundlich, als ob er -von selbst gekommen wäre. Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten -Leine läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben. -Sobald er das erste Mal willig und von selbst kommt, erhält er eine -Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne Ablenkung durch die Umwelt wird jeder -Hund nach 3 Tagen verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen -an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. Kommt er willig, -so löst man ihn nach Belohnung und springt selbst mit ihm ein Stück, was -immer für jeden Hund ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist. -Plötzlich bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und ruft -unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch einer Pfeife -bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, um den Weg zu kürzen, -entgegen, weil das Zugehen eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der -Annahme veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, gemäß -der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen sind so lange an der langen -Leine fortzusetzen, bis der Hund genau begreift, was er soll und daß er -_muß._ Hierauf kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder -mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich nicht einmal um, -so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne vorherige Drohung. Auf diesen der -freundlichste Anruf. Hierauf wieder einige Übungen an der langen Leine. -Hört der Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt machend, so -wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man sich rasch und lockt; -wiederholt die Übungen an der Leine. Überflüssiges Pfeifen und Anrufen -(Kommando, etwas anderes als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf -Gehör (Ruf, Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem Arm -unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. Später wird das Deuten -mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, wo er einen Gegenstand zu suchen, also -seine Aufmerksamkeit hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum -Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das Winken mit dem Arm -allein genügen. Sitzt das Herkommen fest — geübt wird es seltener, nur -praktisch angewandt —, so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male -im Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und Armbewegung, -scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom Hause: „Geh Platz!” unter Lösen -von der Leine scharf gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er -erwartet und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst -umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum Fressen zu -verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung erhöht auf 30 m und der Hund -nach 1⁄4 Stunde abgeholt und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig, -so begleitet man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando „Geh -Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle Entfernungen -ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn man seinen Hund mit einer -Botschaft nach Hause senden kann, werden sie später nach vollendeter Reife -wiederholt, wenn der Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht -abfangen zu lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den -Junghund lehren sofort nach Hause zu _finden,_ wenn er sich vom Herrn -zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das Haus verlassen hätte. Ist -er im Nachhausegehen nie geübt worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht -zu Verlust geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang in -Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando „Geh Platz” -vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er gefolgt hat und ruft dem an der -Haustür wartenden Hund aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das -Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste Mal wird er von -selbst durch Bellen Einlaß verlangen. - - - - -12. Kapitel. -=Spielende Dressur.= - - -Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen -Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden einsetzen dürfe, -schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in 6—8 Wochen einen Hund in -allen Fächern firm machen soll, kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie -aber anwendet, muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund _spielen,_ -sondern den _Trieb zum Spiel_ ausnützen, der nichts ist als -Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles sah (s. dessen -„Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, 27. Brief). Dem Kind ist -sein Spiel tiefer Ernst; nur wer darauf eingeht, es nicht als gehaltlose -Tändelei ansieht, wird das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den -zum Spiel aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere, -bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind nicht vom Dresseur -erfunden und geschaffen, sondern vom Tier selbst; der Vorführende schleift -höchstens ab und inszeniert. Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von -Dressur erreicht auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter -beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer Pose und einem -Versuch etwas macht, dazu das Kommando und Nebenumstände schafft. Was wir -selbst nach Vorschriften für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein -Wehren unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein mechanisches -Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen von Sinnesanlagen (Gehör, -Nase) und Urtrieben (Suchen, Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr -oder minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder geringere -Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser der Individuen, das -allein unterscheidet die Resultate an den Hunden trotz aller Erziehung und -Dressur. Den Jagd- und Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht. -Anders beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine -Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der Spieltrieb ein, das -Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. Kommt der Besitzer dem nicht -entgegen, bietet er nicht die äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft -gehaltene Tier ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach -Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das unliebsame -Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei Kindern. Vorbeugend sperrt -man tateneifrige Hunde in den Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie -störrisch werden und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung -wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie intelligent, -lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb apportieren; wenn er -sich irgendwelche Gegenstände auf seinen Platz schleppt, ist der richtige -Zeitpunkt. Man läßt vom Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von -folgendem Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht rollt, -je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn dicht vor den Augen des -Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, fängt ihn auf, um so die -Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn dann an einen glatten Platz: Hausflur, -Garten, nach Ruhe während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen -Augen fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund springt sofort -nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht sogleich, so kommt man zuvor, -nimmt ihn weg, bewegt das Holz vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für -Foxterriers, Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel -oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit mit der leichten -Beute davon eilen. Und es kommt darauf an, daß der Hund den Gegenstand -alsbald abgenommen erhält, bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine -Fortsetzung des Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das -noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund gefaßt hat erfolgt das -Kommando: „herein”, auf das er in seinem Eifer meist nicht prompt folgt, -nur mit Aufhorchen oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit -sanfter Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue: -„Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, so daß es Reiz -des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden oder langweilen, niemals dürfen -wertlose Holzstücke oder gar Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen -werden, benützt werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen -Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, so stiftet man -für spätere Dressur zum korrekten Apportieren Schaden, verleitet man ihn -sich Gegenstände des Haushalts zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund -Freude am Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig -abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male an langer Leine. Für -jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig -Entgegenkommen muß man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter. -Gestraft wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn man -zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder Vollball ersetzt. -Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt man sie mit hellem Stoffstück, um -sie sie mit dem Auge zu finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des -Einfallens und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen, -eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig für alle -spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, wenn der Hund -selbst sein Lager verläßt und zum Herrn kommt, sich meldet; dann ist er -aufgelegt, empfänglich. Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht -befehlen. Setzt er sich fragend vor uns, so richten wir ihn an den -Vorderpfoten auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände -dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. Macht er Miene -sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, brechen ab, ehe er -herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das nächste Mal halten wir ihm unter -dergleichen Mahnung einen Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn -nach kurzer Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden diese und -ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst zum Herrn kommt, so -haften sie nach 3—6 mal. Holt man ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach -10 maliger Anweisung noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung -brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach Anlocken unter -Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den Hinterbeinen auf, so ist es -Kleinigkeit, diese Stellung zu verlängern durch langsames Entfernen über -ihm nach rückwärts, unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen -auf den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben aufgerichtet und -Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. Sie müssen selbst die dazu -nötige Stellung ausbalancieren und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir -ruhig im Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns mit der -Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. Hält dann die offne -Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, so stößt man leicht von rückwärts -den Vorderlauf an: _„Gib Pfote.”_ Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen -sich immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer Menschen sind -der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene zu erfassen macht den Laien -zum Dressurkünstler, nicht das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen -mag man nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht, -muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen. - - - - - -III. Teil. -Systematische Dressur des Jährlings. - -13. Kapitel. -=Leinenführigkeit.= - - -Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder in der Gewalt, das -endgültige Gebiß bekommen, so geht der Junghund in den Jährling über, je -nach Rasse im 7., bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten -lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren erzogen -wurden, Rassen mit Tradition der Dressur wie Jagdspaniels begreifen fast -von selbst. Statt des Lederriemens erhält der Jährling sein solides Zug-, -der Polizeihund sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur tritt -die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt bisherige -Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen und Ausführung, sind -aber unerbittlich in exakter Befolgung. Leinenführig ist nur der Hund, der -an _linker Seite, dicht_ am Knie, den Kopf für Führer -_sichtbar,_ die Vorderläufe in gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die -Leine je zu _spannen._ Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen -Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, so daß uns -der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader Vorgärtenreihe, Häuserwänden -ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, deutlicher Anruf, kurze stille Rast, -Anlegen. Leine kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: _„am Fuß”_ -und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen wir ganz langsam -so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, daß der Hund links durch diese, -rechts durch das linke Bein eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die -Länge der Leine. Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes -Zurückziehen und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender Schlag mit -der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die vorgestreckte Nase. Leichtes -Lob, lebhaftes würde zum Springen veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen -Nachschleichen. Das Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht -teilnahmlos nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt sich das „am -Fuß” fester ein als bei dem bisherigen gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man -mal stehen, so wird das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem -Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, wenigstens -die ersten, damit die Bewegungsart die Führung unterstützt. Erster Tag ohne -Hindernisse und Wendungen; am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum -Vorspringen mit aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am -zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst erst bei dritter -oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges vorteilhaft, später auf -anderer Straßenseite ohne die bannende Wand oder Mauer links. Nächste -Steigerung: belebtere Wege unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei -Annäherung von Hunden; Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. Jedes -scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando „am Fuß”! und leicht -angezogener Leine. Wiederholung frei „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und -Entlassung: „Voraus”. - - - - -14. Kapitel. -=Setz dich, Leg dich, Ablegen.= - - -Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund begreifen muß, was er soll; das -Verharren ist das Folgen aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart. -Anfangs übt man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, zu denen -auch der Trieb des ersten Auslaufens beim Ausgang gehört. Zunächst -Namenanruf, Anhängen der Leine, Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt -nach Halsband unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt -die Keulen nieder, kurzes Kommando _„Setz”!_ Die rechte Hand läßt nach, -zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase gehaltene Handfläche (späteres -Zeichen ohne Kommando), die linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen -der rechten Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück, -leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, wenn -angezeigt, Abmarsch mit _„am Fuß”!_ Später Wiederholungen, kurzes Kommando -und Hilfe zur Ausführung ergänzen sich rasch zusammenfallend. -Nutzanwendung: so oft der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt, -jedesmal _„Setz dich”!_ Bald nur noch auf Vorhalten der Hand senkrecht vor -die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald und wo immer der Herr -still steht. Zweck: würde der Hund ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie -durch Unterhaltung, Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist, -stehen, so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend weiter -bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am Ort, ohne daß er leicht -getreten wird oder in Versuchung kommt. Je temperamentvoller die Rasse -(Polizeihund), desto wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es -selten, da ungeduldig. - -Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere Dressur -unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. Gut erzogene Hunde -wissen schon aus dem Befehl: „Platz, leg dich”, was sie jetzt sollen. -Führen sie es aus dem Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl: -„Leg dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, während die -rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne schiebend. Die linke -Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich wagrecht wie hypnotisierend über -den Augen. Allmählich hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit -wagrechter Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand auf -den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von Übungen muß der Hund -lediglich auf Erheben des rechten Arms mit wagrechter Hand und allmählichem -Senken auch ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser -Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. Vollen Erfolg -hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte Befolgung fordert, falls -nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes Nachgeben und Verzicht auf Ausführung -lockert auch die Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für -Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn damit das -Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße verbunden ist, so ist es -bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn man sie im Hause zum pünktlichen -Gehorchen auf „Platz, leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte -niemand verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” ausführen, -sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung: - -1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme gegen Wind nicht hört, -können wir ihn durch Armaufheben bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn -anleinen. - -2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder Gegenstand fügt -der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch trägt (Handschuh). Hierzu wählt man -einen ruhigen Ort, wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm im -Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit angehängter Leine. Nach -Ermahnung entfernt sich der Herr, verhält sich ruhig verborgen; schleicht -der Hund nach, wird er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht, -aber alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platz!” damit er -nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was zu bewachen ist, darf nie -verlassen werden. - -Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber auch schon -eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen zwischen Herr und -Hund. Ist man überhaupt zur An- schaffung des sogenannten Torquatushalsband -(Stachelhalsband) geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast -unerläßlich, so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate -erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. Aber ein -solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde benutzt werden, die -auch durch ein paar kräftige Schläge nicht verdorben (scheu) werden. Sehr -nützliche Gehorsamsübungen sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der -gefüllten Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht -in Freiheit. - - - - -15. Kapitel. -=Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.= - - -Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen die schweren -Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu folgen, dessen Tempo für -Junghunde zu mäßigen ist, da sie sonst leicht dauernd in Hinterhand -ruiniert werden. Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel, -den Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten zu -trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten Male muß man sich -allerdings die Mühe machen, das Rad zu schieben und zwar ganz scharf auf -rechter Straßenseite; ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am -Fuß, sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren Leine zu -führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr geschickter Fahrer -mit einem außerordentlich lenksamen, leinenfesten Hund riskieren und hätte -höchstens den Erfolg, daß der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem -geschobenen Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb hinter sich -und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf einsamer Landstraße, die -noch wenig von Autos befahren ist auf, hält sich zur Erziehung dicht -rechts, nimmt sofort flottes Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab -veranlaßt und nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen. -Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk oder um den Hals; -nützlich ist vorn an der Lenkstange an einer vernickelten Klemmvorrichtung -die Peitsche zur Abwehr fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide -Räder mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil an dem -der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der zweite gelegentlich -korrigierend und überwachend, folgt. Eine Stunde zum Rad begleiten ist -soviel Bewegung wie 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf -belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen Wochen des -Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den etwas reiferen Hund zum Laufen -neben dem Wagen zu erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes -Fuhrwerk zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder Spielerei -nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem Rückweg nach längerem -Spaziergang ersuchen wir den Lenker eines langsam fahrenden Lastwagens uns -zu Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten -Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den Herrn sieht und -hört, sich an die für ihn verwunderliche Tatsache gewöhnt, daß er nicht -dicht herangehen kann. Bellen und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und -vorausgegangener ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet, -mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. Hilft das nichts, so springt -man ab, legt ihn an lange Leine und steigt rückwärts auf. Erst nach -mehrmaligem Üben, nachdem rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr -unheimlich Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde -läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst Stall und Pferd, -und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen und vorherigen Aufenthalt im Stall -mit dem Pferd vertraut, meidet die Nähe der Hufe, springt das sich -bewegende Pferd nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim -Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu lassen. Der vorher -an das Rad gewöhnte wird sich auch da sofort anpassen und dem Reiter -folgen. - - - - -16. Kapitel. -=Apportieren und Verlorensuchen.= - - -Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des Kapitel 12 schon -„spielend gelernt”, — das Wort ist sehr bezeichnend und hat tiefen Sinn — -hat, muß man ihm doch noch eine vollständige systematische Dressuranleitung -zum _korrekten_ Apportieren geben. Manche Rassen sind auch weniger -arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen mit ausgeprägten -Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) ist es überhaupt möglich das -Apportieren vor vollendetem 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu -ausgeschlossen oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball -und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: ein ruhiges Zimmer -ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. Damit das Greifstück lieber gefaßt wird -und die Zähne nicht verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das -Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, faß, apport, -setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die längere Leine (nicht die kurze -Führleine) an das Halsband ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen. -Fiebert es vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm „am Fuß” -einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund soll in Erwartung sein, aber -nicht in Erregung, wenn es etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre -oder Gebell andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der Fall, -so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der Übung „leg dich”! Eine -erfolgreiche Übung zu richtigem Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend -erfolgloser. Sitzt der Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das -Apportierholz herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang, -legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von unten und -spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge behaltend. Hält der Hund, so -zieht man die Hand langsam zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen -Augenblicken nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte -drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando _„Gib aus”!_ Man -belobt, aber belohnt noch nicht. Nach einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes -Setzen und Wiederholung. Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”. -Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig in den Fang -ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor die Schnauze: „Faß apport” -ihm leicht entgegenkommend. Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird -er nach „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am Fuß” -abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, weil der Hund sonst -während des Unterrichts nur an diesen denkt. Am besten erfolgen solche -Stunden an langweiligen Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es -gehört dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem -Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung mit dem -Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht ängstlich oder unlustig -wird. Eher kann man das „Setz dich” vorher etwas scharf fordern, „leg dich” -üben, aber dann das Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm -einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, schreitet -man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene sogleich auf Befehl, so -wird es das nächste Mal etwas weg und tiefer gehalten, nach alsbaldigem -„gib aus” belohnt und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit -bringt mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste Übung ist -Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von selbst nimmt, sei es, daß wir -das Holz bei kleineren Rassen auf den Boden, bei größten dicht vor seinen -Augen auf bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden, -die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer Lektion (mit -einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. Ist ein Hund besonders -hartnäckig und will sich das Holz absolut nicht einlegen lassen, so hilft -oft ein Gewaltmittel. Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es -ihm weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches Umschlingen -im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. Mit dieser Befestigung -macht man mit ihm einen mehrstündigen Spaziergang, wodurch oft der -Widerstand für immer gebrochen ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am -Fuß nötig. Die Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband -befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige Raufer und -Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. Nimmt der Schüler das Holz -vom Boden auf, so darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch -soll der Hund _erst auf Befehl_ „Faß apport” zuspringen. Dieses abwarten zu -lernen, ist die Ursache, weshalb auch Hunde, die schon Ball, Kugel usw. -bringen, die systematische Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit -sofortigem Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz -exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände mittels -mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem Stein oder Ast geübt -werden. Schütteln, Beißen, Spielen, Herumziehen ist streng zu rügen und -durch kurze scharf betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer, -Hof) zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer Steigerung der -bisherige Gegenstand durch beliebige andre, die anfangs die Witterung des -Herrn tragen sollen, ersetzt. Niemand als der Herr darf mit ihm üben. -Schwierige Aufgaben, z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern -mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die Äpportierfreude zu stärken. -Dem „Faß apport” (Ergreifen und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such -apport”, womit der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen” -erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen Augen ins -Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, so daß der Hund zwar das -Werfen, also die Richtung, nicht aber den eingefallenen Gegenstand liegen -sieht. Diesen muß er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die -Kugel in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen Anisöl -parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem Werfen vorgehalten, -so kommt der Hund rasch von selbst darauf, die Nase zu benützen. Meist -genügt es und ist auch für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück -einige Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu haben. Beim -Werfen im Winter im Schneefeld benützt man ein helles Leinenstück. Weiß der -Hund genau, was „Such apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die -umwickelte Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such -verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im Zimmer unter -Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der Hand gibt man die Richtung an, -damit der Hund lernt, diese als Hilfsmittel zu betrachten. Erste -Nutzanwendung: während Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel -fallen, nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, daß es -etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm weg, dicht am Boden entlang -nach mit der Hand rückwärts: „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen -wir langsam mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand auf 5 -Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er auf Rückspur suchen soll. -Nach einer Reihe von Übungen begreift der Hund unter Benützung und -Beobachtung der Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der -Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche Behandlung wird das -Apportieren und Suchen bei den meisten Hunden zur Leidenschaft; es darf -sich nur niemals mit den Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder -Strafen verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige -Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung langweilen oder -ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. Weitergehende Dressur der -Spurenarbeit mit Gehilfen ist Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus -Sozialdressurbüchern. - - - - -17. Kapitel. -=Kleine Kunststücke.= - - -Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten und der bei -spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten Anlage lassen sich viele -sogenannte Kunststücke beibringen, die man aus der Lust des Hundes am -Springen, Apportieren, Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund -verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, der muß ihn -nur mit leisesten Winken, kaum merklicher Bewegung der Lippen, Zucken der -Schulter dirigieren. Dazu sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem -Herrn ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als hören. Wer -seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften Körperbewegungen begleitet, -gewöhnt hat, darf nicht erwarten, daß er auf ein leises, mit geschlossenen -Lippen hervorgebrachtes „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein -Bewegen der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des Leders -verursachen, beachtet. Auf solchen, von den Mitmenschen nicht bemerkten -Zeichen beruht das Lesenkönnen der Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste -Rechenaufgaben zu lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in -Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist sicherlich schon -ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, wenn ein Hund immer wieder -Buchstaben oder Zahlen klopft, scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man -möge sich also trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von -sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — Hunde, -die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr leicht springen, wenn -man z. B. an langen Regentagen sie nicht hinausführen kann. Zwischen eine -Tür stellt man ein Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4 -Höhe des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser entfernt, -übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf „Komm hopp”. Und ebenso -zurück. Wiederholt es mehrmals, später auch ohne vorher setzen zu lassen. -Sodann wirft man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”, -bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. Das nächste Mal -wird das Brett durch vier zusammengestellte Leisten in folgender Form -zwischen der Türöffnung ▭ ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil -sonst der Hund darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die -Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre Seite -begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich stellt man nur noch die -obere Latte allein an verschiedenen Stellen gelegentlich auch allmählich -erhöhend wieder zwischen die Türöffnung, bis der Hund freudig die -wohlbekannte Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten -Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte zwischen der -Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen und anfangs durch Umwicklung -mit Packpapier vergrößert, gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas -verengten Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den -Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen springen, den man -mit beiden Armen, anfangs noch über der Türlatte, bildet. Alle Steigerungen -erst, wenn das Kommando „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig -ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu sparen, als -Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen Rassen (Terrier, Pudel, -Pinscher, französische Bulldoggen, Dobermann) sind sprungwillig, weniger -die längeren, auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund, -Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine Wandung -zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch hier kann man Apportierlust -dazu benutzen, namentlich wenn der Sprung aus Garten oder Hof zum -Spaziergang ins Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen -kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter „Nimm” -begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er die Erlaubnis erhält. -Man hängt die Leine an das Halsband, was dem Hund immer das Bewußtsein -gibt, doppelt an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”, -hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt leise ein Stück Zucker -auf die Nase und läßt langsam den Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der -ungewohnte Anblick die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und -fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an den -Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” gibt die Erlaubnis -danach zu schnappen; fällt es zur Erde, so wirft man es nochmals in die -Höhe mit „Nimm”. Am nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne -Leine aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — Das vorgehaltene -Stück Zucker dient auch als Lockmittel zum Durchschlüpfen zwischen die Füße -im Gehen. Man stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der -linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, so wird das -andre Bein vorgestellt und der Zucker in die rechte Hand genommen, bis man -3 oder 4 Schritte gemacht hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das -immer zum Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, es zum -Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier durch” in Erwartung der -späteren Belohnung von selbst kommt und bei jedem Schritt zwischen den -Beinen durchläuft. Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie -fixiert. Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre Hunde -reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, fiebt) prompt -durch kurzes Bellen. Man wiederholt dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal, -belohnt jedesmal, namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der -Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende Hund -erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit Belohnung nicht gespart -werden. Ist man sicher, daß der Hund 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann -man ihn als Rechenkünstler vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4 -mal 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den verborgenen Ball, -wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu verwirren” etwa 10 Schritt weit -entfernt gehalten werden, so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls -in der Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der Hosentasche -vernehmen können. - -Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne praktischen Wert. In -Wahrheit ist _alles_ nützlich, was der Hund lernt. Aus einem ergibt sich -das andre. Noch bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er -erlernt dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein Hund auf -Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen zwischen Mensch und Tier -wächst; der Hund wird mit jedem neuen Begreifen leichter erfassen und -fester behalten. Bis er Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft -irrig sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit zur -Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen Kakes, Zucker) auch -als solche empfunden werden, darf der Hund nicht überfüttert sein, auch -außer den regelmäßigen Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je -Leckerbissen zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag -(Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern. - - - - -18. Kapitel. -=Wasserarbeit und Schwimmen.= - - -Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins Wasser, wenn sie -nicht unvernünftig behandelt, d. h. hineingeworfen oder an einer plötzlich -abschüssigen Stelle den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den -mindestens 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich -schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich nach -Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt man ihn gewähren und -selbst Bekanntschaft mit dem nassen Element suchen. Jeder Zwang ist von -Übel, Beispiel älterer Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich -ins Wasser gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes -Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen zur Sicherheit -versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins flache Wasser: „Apport”. Sobald -er herauskommt, schnell das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich -noch schütteln kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des -Apportgegenstands ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand -fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des Jägers, -entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß exakt sein. Hat man das Holz -abgenommen, so mag er erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft. -Nicht ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg namentlich -später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später versucht man es in tiefem -Wasser; scheut er es, so geht man ohne Tadel nach Hause, versucht es -nochmals. Das Versagen ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie -versagendes Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu brauchen wir -einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, 1 m lang, unten spitz zum -Einschlagen; oben (etwas unter Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort -ein Bach, der zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist, -Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir mit kräftigem -Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa 1⁄2 m noch herausragt, ziehen -durch die Ringschraube eine lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden -auf das andre Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück. -Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke zu der dem Pfahl -gegenüber liegenden flachen Stelle. Das eine Ende wird an das genügend eng -gestellte, aber nicht würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in -die rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser und ziehen -nun mit der rechten Hand langsam aber fest die durch die jenseitige -Ringschraube laufende Schnur. „Voraus, so ist's brav.” Der Hund fühlt sich -geführt an der Hand des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den -Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, noch unsicher -wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser treten. Kurz vor dem Ufer, noch -ehe er herausspringen kann, erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das -andre Ende der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann -denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund am Halsband -hält, während man die lange Leine ans andre Ufer wirft, über die Brücke -geht und nun selbst den Hund an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht. -Dort wird er gelobt. Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille -ohne Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, wie rasch -jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts gefährliches ist, und daß er -an der führenden Hand des Herrn immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel -muß in vollster Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es -hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen wird, als ob -man schon 10 Hunde auf diese Weise von der Harmlosigkeit des Wassers -überzeugt hätte. Am besten setzt man sich einige Minuten vor dem Anlegen an -die hinübergeworfene Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was auch zum -Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, Nervosität oder -Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den Hund, den wir auch nie über -Trauer oder Niedergeschlagenheit täuschen können, wie unsre Angehörigen, -die wir aus Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen. - -Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur solche Rassen machen, die -ererbte Wasserpassion infolge Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer) -oder Abstammung von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die -Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige Gelegenheit durch -Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder Seeufer, harte Schläge, wie -rauhhaarige Terriers und Pincher dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr -klares, ruhiges Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch -Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, benützt. Will man -den schwarzen Schnürenpudel in voller Schönheit und Farbe erhalten, so darf -er nach dem Baden wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt -werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch lasse man sich nicht -verleiten, an kühlen windigen Abenden Hunde ins Wasser zu schicken, -besonders nicht kurz behaarte. Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch -mit und frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, die -viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch Nierenleiden und -Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. Hat der passionierte Hund -gegen Willen des Herrn ein eisiges Bad genommen, so begibt man sich im -Eilschritt zur nächsten Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz -vor Ofen oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu -erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem Tier Mitgefühl -versagen, was zudem nichts kostet. Lieber eine halbe Stunde Aufenthalt, als -ein krankes Tier, für das der Herr verantwortlich ist. - - - - -19. Kapitel. -=Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn.= - - -Wenn manche Hunde auf Schuß ausreißen, und sogar schußscheue Jagdhunde -vorkommen, so ist nervöse Veranlagung, der nicht rechtzeitig -entgegengetreten wurde, sowie ein erstmals in nächster Nähe abgegebener -Schuß schuld. Der Jäger schießt vom Hund weg auf ein Ziel, der Jagdhund muß -auf Schuß sich legen und Befehl abwarten. Der Schuß gegen Herrn des -Schutzhundes kommt in der Richtung auf diesen. Also ist hier die Gewöhnung -eine andere. Der Abfeuernde soll nie der Herr sein, sondern immer ein -Zweiter, ein Feind. — Der Gehilfe erhält einen Revolver, geladen mit -Platzpatrone-(ohne Kugel, anfangs wenig Pulver); er hat sich im freien -Gelände, etwa 100 m weit aufzustellen und zunächst nur durch lebhafte -Bewegung und rüden Anruf auf sich aufmerksam zu machen. Der Hund steht -angeleint links vom Herrn. Der erste Schuß fällt, Kommando: „Gib Laut!”. -Man lobt, hält den Hund zurück. Der Gehilfe nähert sich auf Wink, gibt -weiteren Schuß ab. Je lebhafter der Hund bellt, desto weniger hört er die -Schüsse, deren letzter auf höchstens 6 m Nähe erfolgen darf. Jetzt rückt -man mit dem Hund vor, worauf der Gehilfe sofort zurückweicht. Hier wie bei -allen Mannübungen muß der Hund immer den Eindruck haben, daß er der Sieger -sei, der mit drohendem Bellen den Feind in die Flucht schlägt. Aber _nie_ -darf Manndressur und Angriff mit einem Hund geübt werden, der nicht eine -volle systematische Dressur hinter sich hat und _fest im Appell ist._ Bei -scharf veranlagten, kräftigen Rassen könnten Mißverständnisse von Schuß, -Bewegung, Verwechslung des Gehilfen oder dgl. zu verhängnisvollen Folgen -führen. Man muß immer wissen, wo man nur anleiten und mehr den Zurückruf -üben muß, und wo man den etwas schüchternen Hund zum Draufgänger steigern -kann. Also Vorsicht bei Schäferhunden, Rottweiler, Dobermannpinscher, -Doggen, Bulldoggen; bei diesen wird nicht scharf gehetzt, sondern nur die -Richtung angegeben und Gehorsam geübt. Den regungslos stehenden Menschen -(oder Gehilfen) hat der Hund nur zu verbellen, nie anzugreifen. Das -Bewachen erfolgt in liegender Stellung, Kopf in Richtung des Feindes. -Reagiert der Schutzhund auf den „Verbrecher” nicht, so wird er wie folgt -immer scharf zu machen sein. Der Hund steht an kurzer Leine an linker Seite -des Herrn; der Gehilfe in auffälliger Kleidung (umgedrehter Joppe) nähert -sich mit einem größeren Ast, ärgert damit mit krächzenden Tönen den Hund. -Entweicht sofort, wenn dieser auf Kommando bellt, begibt sich auf erhöhte -Stelle (Mauer, auf Baum mittels angelegter kurzer Leiter), so daß ihn der -Hund keinesfalls erreichen kann. Von obenher reizt er den Hund mit dem Ast; -gibt dieser lebhaft Laut, so kommt der Herr hinzu, lobt ihn und führt ihn -weg an der Leine, doch nur wenige Schritte, worauf der Hund frei „an Fuß” -als Gehorsamsübung zu folgen hat. Systematische Dressur zum Fassen des -Gehilfen („Verbrechers”) erfordern Hetzgewand, Schutzärmel, Dressurplatz -und sollte von Laien nur unter Anleitung erfahrener Dressurleiter im -Polizeihundverein, Schäferhundverein erfolgen. Vieles Üben und Beißenlassen -wird besser vermieden; man erzieht damit bißwütige Hunde. Ist ein Hund -nicht scheu, hat er nur einige Male den flüchtenden Gehilfen verfolgt, so -weiß er im Ernstfall von selbst von seinen Zähnen Gebrauch zu machen. -Allerdings soll der Schutzhund auch nicht ausreißen, wenn ihm jemand mit -Ast oder Stock droht, und das ist nur damit zu erreichen, daß man einen -Gehilfen gegen den angeleinten, dicht beim Herrn stehenden, bellenden Hund -vorgehen läßt. Zieht er sich scheu zurück, so wächst dem Hund sofort der -Mut, er geht vor und weicht auch nicht zurück, wenn absichtlich -ungeschickte Schläge zunächst nur auf den Boden klatschen. Erst wenn der -Hund wütend bellt, darf ihn ein Schlag mit Ast berühren, wird aber dann -nicht schaden, sondern den Hund nur angriffsmutiger machen. Immer muß der -Herr dabei stehen, animieren, aber doch den Hund so kurz halten, daß eine -Verletzung des Gehilfen ausgeschlossen ist. Plötzlich steht dieser ganz -still, dann wird auch der Hund mit kurzem Kommando „ab! Leg dich”, zur -Ruhe verwiesen. Den gegebenen Schutzhund liefert die Züchtung, erzieht die -Liebe zum Herrn. Nicht die Hetzarbeit, die oft verdirbt und fast nur für -Hundebesitzer in einer gefährdeten Berufsstellung angezeigt ist. Hunde an -die Kette der Hütte anzulegen und necken zu lassen, veranlaßt sie zwar bei -jedem geringfügigen Anlaß zu bellen, zu schnappen und sich wie toll zu -gebärden, macht also einen drohenden Kettenhund, aber niemals einen -zuverlässigen Schützer. Von der Kette und dem örtlichen Rückhalt wie Hütte -gelöst, sind solche Hunde meist feige, schnappen höchstens aus Angst für -sich selbst von rückwärts zu. Der richtiglernende Beschützer kann nur durch -den fingierten Angriff gegen ihn, wenn er dicht beim Herrn steht, oder -gegen den Herrn selbst im Dunkeln zum Begreifen des Schützens gebracht -werden. Auch der tobende „Verbrecher” hinter einer Holzwand, der den Hund -reizt, führt nicht auf das Ziel _Schutz,_ sondern zur _Rauflust,_ die dann -erst wieder gebändigt und in gesunde Richtung gestellt werden muß. - - - - - -20. Kapitel. -=Korrektur verdorbener Hunde.= - - -Ein Erzieher und Dresseur, der selbst erst einen Hund verdorben hat, eignet -sich auch nicht zur Berichtigung, die noch weit höhere Anforderungen an -Konsequenz, Geduld, Ruhe, Eingehen auf den Charakter fordert. Unbedingt -hoffnungslos ist kein jüngerer Hund, den man aus fremder Hand mit Fehlern -mangelhafter Dressur, hand- oder schußscheu, zum Entweichen geneigt erhält. -Die Hauptbedingung ist, daß der Hund und neue Herr sich innig aneinander -anschließen, sehr viel beisammen sind, daß der auf Straße etwa unbändige, -Wagen nachprellende, rauflustige, Geflügel hetzende Hund möglichst wenig -Gelegenheit zu Übeltaten findet, solange er nicht eine vollständige neue -systematische Dressur (Kapitel 13 bis 17) durchgemacht hat, als ob er noch -nie etwas gelernt hätte. Und von allen Übungen reichliche Wiederholungen -unter peinlichster Beachtung des vorgeschriebenen Anlegens und dazu „Setz -dich”. Vor Beginn des Kursus muss man einige Tage der Woche weiten -Spaziergängen oder Radtouren in allerlei Gegenden vor der Stadt opfern. In -den Straßen aber an kurze Leine links „am Fuß”. Niemand füttert als der -Herr, in dessen Schlafzimmer (oder nebenan bei offener Tür das Schlaflager -(„Platz”) sich befindet. Fremden Hunden, Wagen, Autos, allem, was der Hund -scheut oder ihn reizt, weicht man nicht aus, sondern führt den Hund so -dicht als möglich vorbei. Hier wie bei allen sonstigen Gelegenheiten wird -viel mit ihm gesprochen. Je mehr der Hund lernt (Kapitel 17) und man übt, -desto besser. Er muß seine ganze _Vergangenheit vergessen,_ viel Bewegung -haben und Abends müde sein. Der neue Besitzer soll womöglich den früheren -Herrn (aber nicht in Gegenwart des Hundes) persönlich kennenlernen und -dessen Wesen studieren, damit er in allen Kundgaben zum Hund sich auf das -_Gegenteil_ einstelle. Spricht jener laut, rasch, lebhaft, so übertreibe er -im Verkehr mit dem Hund das Gegenteil. Dieser muß sich immer beobachtet -wissen und mit dem Herrn verbunden fühlen. Ehe Befehle erfolgen, muß sich -der Hund setzen, den Herrn anblicken lernen, das Kommando abwarten und -ablesen. Hat man aber dazu nicht Zeit, so fange man besser den Versuch gar -nicht an, verschiebe den Erwerb auf die Ferien. Man glaube nicht, daß man -mit Strafen einen verstockten Jungen oder Hund korrigieren könne; damit mag -man ihn höchstens zurückhalten, solange er dicht unter den Augen in der -Hand ist. Er muß ganz neu sich selbst erleben lernen und im Verhältnis zum -Herrn eingestellt werden. Gehorsamsübungen können nicht oft genug (aber -ohne Strafen) gemacht werden; rasch und prompt hat „Setz dich, leg dich, -apport, Platz, herein, am Fuß” zu erfolgen. Dazu viel Arbeit, -Sprungübungen, Kunststücke, Verlorensuchen, Apportieren aus Wasser, -Gewöhnen an Schuß ohne Hetzarbeit, das Leben im Hause streng regelmäßig, -nie allein ohne Aufsicht auf die Straße. Eine große Summe von gütigen -Mühen; ehe man sich dieser unterzieht, wäge man, ob diese der betreffende -Hund nach Rassenschönheit und Anlagen, die das Auge und der -Gesichtsausdruck verrät, wert ist. Nach Charakter ist der verdorbene Hund -ursprünglich oft mehr wert als der, an dem nicht leicht etwas zu verderben -ist. - - - - -IV. Teil. -Praktische Anleitung zur Hundehaltung. - -21. Kapitel. -=Der Zwinger, die Hütte, das Lager.= - - -Ein altes Wort sagt: „Einmal Hundefreund, immer Hundefreund.” Zu einem -Dauerzustand für das Leben lohnt es auch ein Dauerheim zu schaffen, da aus -dem Hundebesitzer, dem erfolgreichen Aussteller, sehr oft der Züchter wird, -der die häufigen Bitten aus Freundeskreis nach einem Abkömmling seines -Musterhundes erfüllen will. Bei einem Einfamilienhaus, sei es Stadtmiethaus -oder Eigentum vor der Stadt, sollte der Zwinger nicht fehlen. Er -erleichtert die Haltung, ermöglicht die Zucht, hilft Haus und Wohnung -sauber halten, wenn der Hund nach Spaziergang bei Regen oder Schneeschlamm -naß heimkommt und vor Einlaß in das Haus eine Stunde auf reichlichem -Strohlager trocken und sauber geworden. Die läufige Hündin ist dort während -der Zeit, in der jede zum Entweichen neigt, sicher bewahrt. Die Zuchthündin -kann dort in Ruhe werfen und mit den Welpen bleiben, bis sie anfangen -selbst zu fressen und weggegeben werden. Auch in einer Villa mit 2—3 -Wohnungen erspart ein schlichter Zwinger viel Beschwerden wegen -beschmutzter Treppenhäuser, und die im Verhältnis zu dem Luxus eines Hauses -ganz geringfügigen Kosten für einen Hundezwinger werden reichlich -ausgewogen. In manchen Großstädten verbieten die Besitzer die Haltung eines -größeren Hundes; ein Zwinger würde diese Härte überflüssig machen. Die sehr -hohe Zahl der Familienhunde in England, das Fehlen von Kreuzungen und -wertlosen Straßenkötern geht sicher auf Konto der Zwinger beim englischen -Familienhaus als bequeme Unterbringung und Bewahrungsmittel der Hündinnen -vor Fehltritten. Der Zwinger lehnt sich am besten an eine geschützte Mauer -in Nordost, er habe möglichst viel Sonne, der Boden muß unbedingt -betoniert, undurchlässig, also waschbar sein, da er sonst nach kurzer Zeit -verseucht und übel riecht. Auch würde auf durchlässigem, feuchtbleibendem -Boden der Holzzwinger rasch unten verfaulen. Die Betonunterlage etwas höher -als der Hof und leicht schräg geneigt von der Mauer weg, damit Regen -schnell abläuft. Eine rechtwinklige Ecke des Hofes oder an Hausrückwand -angefügt, macht nur zwei Gitterseiten nötig und gewährt mehr Wetterschutz, -ist auch leichter stabil anzulegen. Das Gitter vorn mit Tür, aus -Eisenstäben, die nur einmalige Ausgabe sind, die Enden nach Innen gebogen, -was Überspringen oder Klettern verhindert. Drahtgeflecht rostet zu rasch -und läßt sich dagegen nicht durch Anstreichen schützen. Für mittelkleine -Rassen unter Stuhlsitzhöhe ist der Zwinger entbehrlich, höchstens für den -Züchter solcher (z. B. Foxterriers) nötig. Also sei er gleich so groß -angelegt, daß ein Mann mit gebücktem Kopf darin stehen kann. Eine geräumige -Hütte aus Hartholz, mit heißem Leinöl getränkt und mit Ölfarbe gestrichen, -genügt auch; das Holz innen und außen glatt behobelte, sogenannte Nut- und -Federbretter, von außen mit Decklatten an den Fugen benagelt. Kein -Satteldach, sondern ein glattes, schräges Dach mit Dachpappe benagelt zum -Aufheben. Bei großer Kälte läßt sich leicht innen auf Leisten ein zweites -Dach nur aus Brettstücken auflegen und damit die Höhe reduzieren. Ähnlich -soll ein von unten wärmender Doppelboden nicht fehlen, der Zwischenraum mit -Torfmull gefüllt. Dieser hält warm; saugt Feuchtigkeit geruchlos auf. Als -Windschutz wird bei Kälte ein Sack vor den Einschlupf gehängt, den der Hund -beim Einkriechen verschiebt. Der Zwinger sei eine vergrößerte Hütte mit -Tür; in diese kommt das Einschlupfloch, durch ein herablaßbares Fallbrett -verschließbar, wie an Hühnerhäusern üblich. Innen dient eine erhöhte -Pritsche mit reichlich Stroh als behagliches Lager. Das Verbringen in -Zwinger oder zur Hütte soll nie eine Strafe sein, wird auch nach Rückkehr -von Spaziergang als solche nicht empfunden, zumal nach 1⁄2—1 Stunde die -Erlösung zur Futterstunde schlägt. Gelegentlich wird auch das Futter in den -Zwinger gebracht oder dient er als Nachtaufenthalt. Die tragende Hündin -wird schon 14 Tage vor dem Wurftage an den Zwinger allmählich gewöhnt, -indem sie dort ihre Mahlzeiten erhält. Die Gittertür ist nach Innen, die -des Hauses nach Außen zum Öffnen. Gegen unbefugtes Füttern, Zustecken von -Knochen schützt, wenn nötig, ein von außen an das Gitter mit Bindedraht -befestigtes Geflecht. Da der Zwinger für den Familienhund niemals ständiger -Aufenthaltsort sein soll, weil er dort verdummt und seinem Zweck als -Gesellschafter und Wächter entzogen würde, ist kein kunstvoller Steinbau -nötig. Dient der Zwinger als Wurfraum, so ist in diesem mit etwa 12 cm -breiten, 20 mm starken Brettern ein Wurfplatz abzugrenzen, benutzt man dazu -die Hütte, so wird mit ebensolchem Brettstück nach vorn zum Einschlupf -abgegrenzt, damit die Welpen nicht herausfallen können und auch nicht zu -nahe vorn am Eingang liegen. - -_Ein Lager in der Wohnung_ muß jeder Hund haben, besser noch -ein solches im Zimmer und ein zweites im Vorhaus (Treppenhaus des -Einfamilienhauses). Fehlt es, so suchen die Hunde, deren Bauchseite dürftig -behaart, aus Wärmebedürfnis Polstermöbel auf. Alle Hunde, die auf blanker -Erde oder Holzboden beständig liegen, bekommen häßliche, kahle Liegebeulen -an den Ellenbogen. Für kleine Rassen genügt als Lager eine Kokosmatte. Für -größere bewährt sich am besten eine Matratze, mit Seegras gefüllt, vom -Tapezierer in Form solid durchgenäht, aus Gründen der Reinlichkeit mit -abzuknöpfendem Überzug, die Ösen zum Knöpfen aus Leder unterhalb der -Matratze zu befestigen, damit sie der Hund nicht aus Langeweile nachts -annagt. Aus Verdoppelung (Zusammennähen) zweier Stücken eines ausgedienten -Teppichs kann man auch für mittelgroße Rassen ein Lager stabil herstellen. -In vielen Geschäften sind fertige Hundelager für kleinere Schläge -erhältlich, die aus Eisenrahmen mit starkem Drellbezug bestehen; in diese -gehört aber unbedingt eine genau dazu passende Kokosmatte. Körbe in flacher -Form empfehlen sich nur für kleine Tiere; das darin liegende Kissen muß -jeden Morgen sauber ausgeschüttelt werden. Für Hausflur oder Treppenhaus -kann man mit 4 Eckpfosten, 4 Brettstücken von etwa 15 cm Breite und -darunter Bodenbretter eine erhöhte Pritsche von etwa 30 cm Höhe, für -mittlere Rassen (50x75 Bodenfläche) sehr leicht zusammennageln. Als Lager -eine genau hineinpassende Matratze. Hütten im Haus oder Schlafkisten -verhindern die Hautausdünstung und sperren den Hund ab, mit abschließbarer -Tür mögen sie höchstens vorübergehend zur Erziehung dienen, wenn ein -Junghund nachts nicht zimmerrein ist oder man gezwungen ist, ihn öfter -allein im Hause zu lassen und fürchtet, daß er diese Zeit zum Anbeißen von -Gegenständen mißbraucht. Für kleinste Nassen eignen sich dazu sehr gut die -sogenannten Bruthäuschen für Hühner, die vorn mit aufklappbarem -Drahtgeflecht versehen sind. Dauernd sollten sie aber nicht nötig und durch -gute Erziehung überflüssig gemacht werden. - - - - -22. Kapitel. -=Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde.= - - -Im allgemeinen gehört die Hündin _nicht in Laienhände,_ am -wenigsten in der Mietwohnung und Großstadt. Man lasse sich also nicht zur -Anschaffung eines weiblichen Welpen verleiten; nur wer schon mit -Hundehaltung vertraut ist und genügend Platz mit Sonne und Auslauf zur Ver- -fügung hat, darf an Erwerb einer Zuchthündin denken. Aus der Stadt, dem -Miethaus sollten alle Hündinnen ganz verschwinden, so daß weder sie noch -ihre Witterung anzutreffen ist, dann würden wir treuere, weniger -rauflustige Rüden haben, keine häßlichen Bilder mehr sehen, die -Hundefeinden — das sind jene, die den Hund nicht kennen — den Vorwand zur -Agitation bieten. Obschon unsere Forschungen in dieser Richtung noch nicht -geschlossen, möchten wir behaupten, daß mit Abschaffung der herumlaufenden -Hündinnen die Tollwut verschwinden wird, die immer aus dem Osten nach -Europa hereingebracht wird. Aus den Ländern der halbwildlebenden -Straßenhunde. Für Hündinnen, die nicht im Besitz eines Züchters, -ausgewiesen durch das stammbuchmäßige, anerkannte Züchteraffix, sollte die -3 fache Hundesteuer erhoben werden. Hündinnen sind weder treuer noch -leichter zu dressieren, das Nachlaufen der Rüden hinter Hündinnen würde -abnehmen, wenn es weniger und nur gut behütete Hündinnen in Züchterhänden -gäbe. Hat man aber als Geschenk doch eine Hündin erhalten, so ist zu -beachten, daß diese erstmals mit 7—9 Monaten hitzig (läufig) wird, sodann -mit Pausen von etwa 5—6 Monaten zweimal im Jahr. Infolge Blutandranges nach -den Genitalien schwellen diese an, während der ersten 9—12 Tage findet eine -Blutabsonderung statt, die während der zweiten Hälfte der Hitze in einen -helleren Ausfluß übergeht. Die Witterung des Zustandes wird vom Rüden schon -einige Tage vorher wahrgenommen; doch pflegen Hündinnen den Rüden während -der ersten Tage abzuweisen. Trotzdem ist es auf alle Fälle nötig, die -Hündin vom ersten Tage an sorgfältigste zu behüten, sie nie allein -hinauszulassen und auch beim Hinausführen an die Leine zu legen. Wo es -räumliche Verhältnisse gestatten, läßt man sie während dieser Tage nur in -Hof oder Garten oder trägt die kleine Hündin auf dem Arm in eine ruhige -Seitenstraße morgens früh und spät abends, damit möglichst wenig Spuren zum -und in das Haus führen, dessen Tür tunlichst geschlossen gehalten wird. -Trotz aller Vorsicht läßt es sich schwer vermeiden, daß während dieser Tage -das Haus von schlecht behüteten Rüden der Nachbarschaft belagert wird. Mit -Gummischleuder (grobe Schrotkörner), Wasser, Peitsche muß man eben sehen -die Zudringlichen zu vertreiben. Beim Ausgehen wird das Halsband gut -gesichert und zur Abwehr von Rüden die Peitsche mitgenommen. Besser zu viel -Vorsicht als zu wenig. Der Zustand ist ein pathologischer, und viele -Hündinnen suchen zu entweichen, solche hängt man am Lager an die Kette, -wenn man das Haus verläßt. Kommt es trotz Vorsicht zu ungewollter -Verbindung, wobei der Rüde auf Dauer von 20 bis 30 Minuten fest mit der -Hündin körperlich verbunden ist, so unterlasse man jeden Versuch -gewaltsamer Trennung, stelle das Paar abseits vom Verkehr und warte -geduldig das Ende ab. Soll aber die ausgewachsene Hündin (nicht vor 1 1⁄2 -Jahr) belegt werden, so geschieht das etwa am 13. oder 15. Tag der Hitze. -Der Gesundheit schadet es nicht, wenn eine Hündin nie zur Zucht verwendet -wird; doch ist es gefährlich, sie erst mit 3—4 Jahren oder später decken zu -lassen, da die Genitalorgane dann oft nicht mehr elastisch genug sind. -Kastrieren entwertet, führt zu Fettsucht und Temperamentlosigkeit. Wird man -als Besitzer eines schönen Rüden gebeten, dessen Tätigkeit für eine -vollwertige Rassenhündin zur Verfügung zu stellen, so mag, falls Bedenken -wegen der Persönlichkeit des etwa unbekannten Besitzers nicht vorliegen, -dem Gesuch stattgegeben, nur soll die _Hündin_ zum richtigen Zeitpunkt -ins Haus gebracht werden. Führt man den Rüden zur Hündin, so steht zu -befürchten, daß der Rüde die nächste Gelegenheit zum Entweichen ergreift, -und die Hündin sucht. Während des Deckakts soll der Besitzer seine Hündin -an kurzer Leine halten; einmaliges Belegen genügt. Vor vollendeter -systematischer Dressur, vor allem vor zweitem Lebensjahr sollte ein Rüde -nicht, oder höchstens ausnahmsweise zur Zucht verwendet werden. Geschieht -es überhaupt nie, so schadet es auch nichts, vorausgesetzt, daß man seinen -Hund vernünftig hält, nicht überfüttert und für ausgiebigen Auslauf und -Tätigkeit sorgt. Ein besonders kluges und zugleich schönheitlich -hervorragendes Tier der Zucht ganz zu entziehen, wäre eine Schädigung für -die Hochzucht und Rasse, da ohnehin die für Vermehrung tätigsten Zuchthunde -leider vielfach Zwingerhunde sind, also zur Hebung von Intelligenz und -guten Charaktereigenschaften selten beitragen. Wenn Rüden häufig Zeichen -von Geschlechtserregung geben, auf andren Hunden reiten, so ist das ein -Zeichen zu üppiger Fütterung, muß man reduzieren und für ausgiebige -Bewegung sorgen. - - - - -23. Kapitel. -=Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge; Scheren und Baden.= - - -Jedem Haushund muß man sofort auf erstem Blick am Gesamteindruck ansehen, -daß er gepflegt ist; das unterscheidet ihn von Straßenköter und Zwingerhund -in Verbindung mit einer gewissen Haltung, die nur der wohlerzogene Hund -zeigt. Dadurch übertrifft er selbst Ausstellungstiere von höheren -Rassenwerten. Ein einmaliges Waschen und Bürsten gibt diesen Eindruck noch -nicht; Pflege sitzt wie ein gutgearbeiteter und selbstverständlich -getragner neuer Anzug. Wer durch etwas Ausübung Verständnis erhalten hat, -wird — um durch sorgfältige Pflege seinen Kameraden zu heben — sogar den -Pudel, den rauh- oder langhaarigen Rassenhund dem stock- und kurzhaarigen -vorziehen. Allerdings sind die erstgenannten ohne oder mit mangelhafter -Haarpflege geradezu abstoßend, die letzteren (kurzhaarige) auch dann noch -erträglich. Da sie sehr wenig Pflege brauchen, unterbleibt leider oft das -Wenige, doppelt beschämend für den Besitzer, zumal der, der keine Zeit für -solche Äußerlichkeiten hat, die alle Welt feststellen und kritisieren kann, -noch weniger Lust und Sinn für Erziehung und Innenleben seines Hausgenossen -hegen wird und besser täte, gar keinen Hund zu halten. Pünktlichkeit ist -das Rückgrat der Pflichterfüllung, deshalb soll eine ganz bestimmte, -alltäglich innegehaltene Viertelstunde gewählt und unerbittlich (gegen sich -selbst) festgehalten werden, z. B. kurz vor dem Mittagessen, weil da die -Hygiene ohnehin geistige und anstrengende körperliche Arbeit verbietet, -also eine halbe Ruhepause als Übergang von Arbeit recht nützlich ist. Gibt -es auch noch so wenig am Hund zu tun, er wird doch so täglich kontrolliert. -Zunächst wird das Haar gebürstet; je länger oder seidiger dieses ist, desto -weicher und länger muß die Bürste dazu sein. Ganz kurzhaarige Rassen auch -Schäferhunde werden mit einer Borstenkartätsche, wie für Pferde üblich mit -Lederschlaufe über Handrücken, behandelt. Vom Kopf nach rückwärts bis zum -Rutenansatz, sodann Keulen und Läufe abwärts. Dieses Bürsten ist zugleich -eine sehr wohltätige Hautmassage, es entfernt Staub und Schmutz, die für -Ungeziefer und Räudeansteckung der Nährboden sind. Für zarte Rassen oder -solche mit feiner Haut (Windhunde, Barzois, glatte Terriers, kurzhaarige -Zwergpinscher) wird die Bürste am besten durch den sogenannten -_Haarhandschuh_ ersetzt. Nach Gebrauch wird letzterer, kräftig ausgeklopft, -von Zeit zu Zeit mit Seife gewaschen. Die Bürste, mit Tuch sauber gerieben. -Ein Kamm wird für langhaarige Rassen _niemals_ benützt; einem Collie, -Bernhardiner, Chin, Pekingesen, Malteser würde damit alle Schönheit -(Haarreichtum mit dichter Unterwolle) hoffnungslos ruiniert. Filzt sich -Haar je zusammen, so wird es nur mit den Fingerspitzen vorsichtig -aufgezupft. Ein Kamm voll Haare nach dem Auskämmen wäre nicht Beweis von -Pflege, sondern von unverstandener Mißhandlung. Der schöne Hund soll -(ausgenommen Setter und Spaniel) nicht von dünner Haardecke leicht umgeben -sein, sondern in einem vollen Haarschmuck prangen. Der harte _Stahlkamm_ -dient lediglich _zur Korrektur_ für zu zottig und üppig behaarte -Rauhhaarrassen, wie Airedales, Schnauzer, Brüssler Griffons, namentlich muß -damit das überragende Haar am Hals, Oberkopf, Läufen, Backen entfernt -werden, um eine elegante Erscheinung herzustellen, die nicht wie ein -Wollpudel aussieht. Ferner wird mit weitem Kamm täglich beim Wollpudel das -Haar auf Kopf und Körper offen gehalten, damit es sich nicht zu Schnüren -schließt. Zur Kontrolle, ob Flöhe vorhanden, dient der enge Staubkamm bei -kurzhaarigen Rassen. Solche dürfen beim sauber gehaltenen Haushund nie -Vorkommen; sie quälen den Hund (abirrend den Menschen) und sind -Zwischenträger von Würmern. Sich wegen Ungeziefer kratzende Hunde ruinieren -sich damit ihr Haar und ziehen sich leicht Hautverletzungen (Ekzem) zu. Ein -gepflegter und gesunder Hund muß immer ein glänzendes Fell haben und auch -ohne Bäder sauber aussehen. Nach der Haarpflege wird mit besonderem Tuch -das Auge täglich gereinigt, so daß sich in den Winkeln nie Sekret -festsetzt. Ist es katarrhalisch entzündet, so wird es mit leichter -Borsäurelösung gewaschen, darauf gut getrocknet, damit nicht bei kühlem -Wetter eine Erkältung eintritt. Nach den Augen wird das Ohrinnere mit -feuchtem Schwämmchen (der in sogenannter Seifenschale geschlossen -aufbewahrt und nach Gebrauch ausgewaschen wird) täglich gereinigt. Zeigt -sich Ausfluß, so bläst man mit kleinem Röhrchen etwas pulverisierte -Borsäure in den Gehörgang. Die Zähne der Junghunde bedürfen noch keiner -Pflege; nur bei ersten Anzeichen von _Staupe_ muß _täglichmehr malsdas -ganze Gebiß_ mit desinfizierender Flüssigkeit (verdünntem Spiritus, Lösung -von hypermangansaurem Kali, essigsaurer Tonerde oder dgl.) gründlich -gesäubert werden, um das sogenannte Staupegebiß (kariös, ohne Schmelz) zu -verhindern. Mit etwa 5 Monaten ist nachzuprüfen, ob die ersten Hakenzähne, -dicht hinter den zweiten stehen geblieben sind. Da sich zwischen diese -Speisereste festsetzen, riechen solche Hunde faulig aus dem Maul. Bei -Zwerghunden ist das häufig. Die ersten Zähnchen sind mit dafür -konstruierten Zange leicht zu entfernen, oft schon mit der Hand; doch soll -man sie herausziehen, nicht abbrechen. Erhalten Jährlinge harte -Hundekuchen, Knochen für das kräftige Gebiß, das danach verlangt, so wird -sich selten ein gelblicher Belag an den Eckzähnen bilden. Wo die Neigung -dazu vorhanden ist, genügt ein tägliches energisches Darüberstreichen mit -harter Zahnbürste, woran sich Hunde sehr rasch gewöhnen. Die erstmalige -Entfernung des schon leicht verhärteten Belags kann mit Fingernagel oder -Messer erfolgen. Laufen Hunde wenig auf harter Straße, so werden oft die -Krallen zu lang; sie zersplittern sich auch bisweilen, so daß man von Zeit -zu Zeit kontrolliert und mit Eisenfeile etwas kürzt. Abzwicken mit Zange -erfordert scharfes Instrument (Nagelzangenschere), da sonst die Kralle -splittert oder Blutung eintritt, wenn man zuviel wegnimmt. Allmähliches -Abfeilen, wobei jemand den Hund beschäftigen und die Pfote halten mag, ist -vorzuziehen. Namentlich ist bei Hunden mit Afterklauen (lose, fünfte Zehe -am Hinterlauf) die Kralle zu kürzen, da sie sonst in das Fleisch -hineinwächst. Vor Abzwicken mit warmem Wasser weich machen, schützt vor -Splittern. Ausgenommen bei Hautkrankheiten zu intensiver Behandlung werden -Hunde nie geschoren und so des natürlichen Schutzes auch gegen Sonnenbrand -beraubt. Infolge des natürlichen Haarwechsels ist im Sommer ohnehin die -sogenannte Unterwolle der dichtbehaarten Rassen dünner. Einen dicken -Haarpelz, für bestimmte Rassen besonders erwünscht, z. B. für Collies, -Chow-Chow, russische Windhunde, erzielt man nur, wenn man sie auch im -Winter im Freien schlafen läßt. Die einzige Ausnahme macht der -halbgeschorene Pudel, an dessen Keulen, Hüftknochen, Gelenken kleine -Krausen stehen bleiben. Die Schnauze wird mit Ausnahme des Bartes bis etwa -2 cm über die Augen geschoren, das Kinn und die Kehle bis etwa unter -Halsbandtiefe. Zum Füttern werden die langen Ohren mit einer Klammer -(Schnurrbartklammer, bei Friseuren erhältlich) über dem Kopf befestigt. -Sein Bart ist täglich mit Schwamm zu reinigen. Wird der Hund täglich mit -der Bürste oder Haarhandschuh gereinigt, was die meisten als eine Wohltat -empfinden, so daß sie dazu willig sich stellen, so sind Bäder sehr selten -nötig. _Junge Hunde,_ die noch Mutterwolle tragen, sollte man überhaupt -nicht baden, man setzt sie selbst bei aller Vorsicht im überhitzten Raum -der Gefahr von Erkältung aus. Wird der ältere Hund gebadet, so hebt man ihn -in eine Wanne, in der das Wasser nicht ganz bis zur Bauchhöhe reicht. In -einer Schüssel wird etwas milde Seife im warmen Wasser aufgelöst und damit -mittels Bürste (bei kleinen Rassen mit Schwamm) von der Mitte des Rückens -nach rechts und links abwärts abgewaschen. Sodann kräftig mit Wasser -nachgespült, das Haar energisch nach der Richtung des Wuchses ausgedrückt. -Wollte man kräftig den Hund selbst einseifen, so brauchte man eine Unmenge -Wasser, um alle Seifenspuren zu entfernen und verfilzt das Langhaar -derartig, daß man später beim Auskämmen zu viel ausreißt. Hat man das -Wasser aus dem Haar gestrichen, so überdeckt man mit einem Frottiertuch und -klopft mit flacher Hand trocken. Zarte Seidenrassen, wie Malteser, -Yorkshireterriers werden nachher dicht am wärmenden Feuer mit der Bürste -trocken gebürstet; würde man das Haar am Feuer ohne Bürste (immer vom -Scheitel abwärts) trocknen, so wird, es wellig, was ein großer -Schönheitsfehler ist. Derbe Rassen wie Schäferhunde, Boxer, französische -Bulldoggen, Foxterriers kann man etwas kräftiger abreiben, doch benütze man -immer milde (überfettete) Seifen und lasse bei Kälte oder Wind die Hunde -erst einige Stunden nach dem warmen Bad ins Freie, da die geöffneten Poren -leicht zu Erkältung führen. Sehr bequem ist die sogenannte Trockenwäsche -für weiße Hunde; doch soll man damit nur das äußere Haar reinigen, nicht -die Hautporen verschließen. Trockenwaschpulver (eine Mischung von -Kartoffelmehl und Magnesia) ist in Spezialgeschäften für Hundeutensilien -erhältlich. Zur Erhaltung der Gesundheit und Sauberkeit wird das lange -Stirnhaar (der Fall) von Pudel, Malteser, Yorkshireterrier mit einem -Seidenband zusammengebunden, man umfaßt es mit linker Hand, zieht es nach -oben, umwickelt mehrmals mit farbigem Band fest zusammen, die Enden werden -zu einer Schleife geknüpft. Ein sehr langer „Fall” wird zum Zopf -geflochten. - - - - -24. Kapitel. -=Utensilien zur Pflege und Dressur.= - - -Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede Hantierung, kostet -mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg und läßt schließlich von kleinen -Manipulationen absehen, deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten -verursacht. Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die -Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt worden. -Zunächst zur Haarpflege _nur Borstenbürsten,_ niemals Marterinstrumente mit -Stahlborsten, selbst nicht solche auf Gummiunterlage, man entzündet damit -die Haut. Für stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten in -Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange Borsten, die den Kamm -ersetzen. Nur in Spezialhäusern für Hundeartikel erhält man die Stahlkämme -mit ganz kurzen Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden Haares -für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang werden, daß es die -Körperformen merklich überragt. Abgesehen von Bart und Augenbrauen -erscheint Rauhhaar, speziell der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht -kurzh.) Hund; der deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger -im Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte Rupfkamm nicht. -Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), harten Zahnbürste ist oben -beschrieben. Zwei Porzellanschalen mit Deckel enthalten kleine, -dichtgeschlossene Schwämme für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in -leichtem Desinfektionswasser (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz) -ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres Staubtuch dient zum -Nachtrocknen der Ohren und Augen. Ein vorzügliches Putzmittel zum -Nachpolieren nach dem Abbürsten ist der _Samthandschuh,_ den man nach -Benutzung mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit -waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege einbildete einen -sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich durch Anblick des Tuches nach -Abreiben des Samthandschuhes überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war. -Kein Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen feucht in -das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit wird der Haushund zum -Hausgenossen, den man auch berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife -und heißem Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege das -richtige praktische blanke Werkzeug gehört. _Schutzdecken_ (Schabracken) -werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black and Tan Terriers, -Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren nach Renntraining sofort -umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; um ihnen ein gefälliges -sportliches Aussehen zu geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen, -blauen oder gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche aus -Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um aufgeschlagene Rute zu -heilen. Für zarte Schoßhunde schneidet man von abgelegten, gestrickten -Handschuhen die Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau -nachgiebig einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter über -die Füße als _Schutzsocken._ Blendend schön behaarte Yorkshireterriers und -Malteser, die für Ausstellungen vorbereitet werden, müssen solche Schuhe -beständig tragen, damit sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des -_Herrn_ nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack und -Eleganz verrät, so auch das _Halsband_ des Hundes, das bei der Dogge, dünn -und rund genäht, den eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang -zum Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder Terrier als -glattes weißes Band das tief glänzende Fell hebt. Dem gedrungenen Bau mit -kurzem Hals durch Wucht und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und -den Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an schwerstem -Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi und Pudel oder Collie besteht es nur -aus einer vernickelten Kette, die im Haar verschwindet, ohne dieses zu -verletzen. Sportrassen wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales -hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar Zughalsband -ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes solche sein sollte, -dazu weit genug, um über den Kopf gestreift zu werden. Auffällig als -solches durch Farbe oder Zierbeschläge darf nur das Halsband der Bulldogge, -der japanische Originalkragen des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte -der französischen Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen -und Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine. -Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem Ziehen am -Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). Ein angehängtes -Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; geht man aber abends aus, -so ist es nicht unpraktisch, ein solches an kleinem Karabiner zu besitzen, -damit man die Anwesenheit des Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen -Kerl nicht sieht. Zum Ausgang in die Stadt gehört die _kurze Führleine;_ je -kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester hat man ihn in -der Gewalt. Zur Dressur kann man sich selbst die lange Leine aus fester -gedrehter Hanfschnur herstellen. Für harte Hunde benutzt man zur _Dressur_ -das unwendbare _Stachelgliederhalsband_ (Torquatus) oder den über das -glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über- zustreifende Stachelriemen, -Marke Horridoh, der nach außen gedreht zum Schutz gegen fremde bissige -Hunde dient. Für Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man -sich einen sogenannten _Knüppel_ herstellen. Das ist ein rundes -Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach Größe, diese für -Dobermannpinscher angegeben), dreht in der Mitte eine Ringschraube ein und -befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern einen Karabiner, so daß der an das -Halsband eingehängte „Knüppel” bis auf die Vorderläufe 1⁄3 von oben) -herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem Kopf gehen, -auch ganz langsam traben, sobald er aber springt oder hetzt, schlägt ihm -der Knüppel beständig auf die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus -gehaltenen zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber im Garten frei -laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. Hat er sich einige Zeit -bewährt, so kann man ihn durch Absägen auf beiden Seiten kürzen, er wirkt -als Warnung trotz Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von -mittlerer Größe oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen -_Reise-transportkorb_ mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage vor -der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so daß sich der Hund -gar nicht aufregt, wenn er in diesem als Reisegepäck aufgegeben oder im -Hotel bei Ausgang eingesperrt wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so -überdeckt man den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das -Hundegehirn Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann ruhiger -verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die _Haarschere,_ die für großen Schlag -eine Schnittbreite von 42—44 mm, kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge -von 1⁄4 mm (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit 1⁄2 mm schneiden -zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut und setzt kräftig die an der -Stellschraube energisch angezogene Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat -das erstemal ein geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann -eine Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden alle 8—14 -Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im Winter jede dritte Woche -nachgeschoren. Überragende Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der -Handschere. Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise -trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den aufgezwungenen -Utensilien auch der _Maulkorb_ für alle, oder doch größere Rassen, der -natürlich gegen Verbreitung der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei -Schutz bietet, aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde -„beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen hergestellt und so -lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze nicht scheuert; gegen das -Kahlreiben auf Nasenrücken schützt Umwicklung des aufliegenden Lederteils -mit Tuchstreifen. Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen -eine Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. Man nehme ihn -lieber etwas größer als nötig und schütze ihn gegen Abstreifen durch eine -Lederschleife hinten, die durch das Halsband gezogen wird. Es ist -vorteilhaft, den Maulkorb aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu -lassen; hellgelb irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze -Hornbrille weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das Angewöhnen -erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern nach flottem Spaziergang, der -die Aufmerksamkeit ablenkt und zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch -gut erzogne und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen -herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang von selbst wegfallen. -Die Hundepeitsche braucht nur der Dresseur für den Berufshund (Jäger, -Polizeihundführer), _nicht der Erzieher;_ ihm genügt die Gerte oder ein -leichtes spanisches Rohr. - - - - -25. Kapitel. -=Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.= - - -Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut der der Gesundheit. Ein -glattes glänzendes, gut anliegendes Haar verbürgt in Verbindung mit klarem -Auge und kaltfeuchter Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten -und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, konsistent, wenn zu hart -und steinig, so gebe man weniger Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in -breiiger Form verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr -Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung und -Verdauung ist also tägliche Beobachtung des Kots. Ist alles in Ordnung, so -genügt ein Blick darauf. Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen -Aussehen erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit, -Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege sofort -festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von Nase und Auge wird sofort -beim Junghund die Körpertemperatur (im After, Spitze des Fiebertermometers -behufs leichten Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen, -beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut übel aus, so liegt -Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man sofort etwas Hefe, hält den Hund warm -im Zimmer und ruft einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von -Hunden ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes rohes -Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten und ganz klein -geschnitten. Man versäume keine Zeit mit „unfehlbaren Staupemitteln”, die -je nur _eine_ bestimmte der zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige -Injektion dem Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe -bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; es ist nur -wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die Staupe überstanden, gegen -nächste Infektion geschützt ist oder sie leicht überwindet. Bleibt nach -schwerer Sucht ein Nervenleiden (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll -das unheilbare Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling -ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne Fieber und Mattigkeit -wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang kein kaltes Wasser, gegen Durst -höchstens Reiswasser, als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen -Fettzusatz schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, noch -Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch wirksam sind kleine -Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges Erbrechen, namentlich von Gras oder -ähnlichen Fremdkörpern gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge -Hunde leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der Hund auf -Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken aufgenommen hat, so ist -innerlich mit Kalomel (Dosierung je nach Größe durch Apotheker) zu reinigen -und gegen Herzschwäche etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig -ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, Lebertran -gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist er widerstandsfähig und -wird höchst selten erkranken, namentlich wenn ihn Reinlichkeit gegen -Infektion und Hautkrankheiten schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche, -kahle Stellen ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen -werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig sein -sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, häßliche Hautstellen -verraten Räude. Selbst die früher für unheilbar gehaltene Acarusräude ist -durch energische Einreibung mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik -Marienfelde-Berlin) heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu -befolgen, da sonst wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur -bei den meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger auf das -Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem Mittel genügt einmalige -Einreibung. Hervorragend gegen Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich -Odhlen (Bayer) bewährt. - -Bei zufälligen Verletzungen wasche man nicht mit nächstem Wasser aus, damit -bringt man nur Keime aus der Umgebung in die Wunde; man betupfe die -Umgebung der Wunde mit Jodtinktur, sorge daß der Hund nicht kratzt und -scharrt. Den Wundrand selbst bepinselt man mit Perubalsam, der in jede -Hundehausapotheke gehört, um bei Räude, Flechte, empfindliche Stellen wie -die Augenumgebung zu behandeln. Ebenso soll eine Schachtel mit Borsäure -immer vorrätig sein, am besten in kleinen Dosierungen (von 3 oder 6 g), um -z. B. mit 100 g Wasser sofort eine 3prozent. Lösung zum Waschen tränender -Augen herstellen zu können. Eine weitere Schachtel stehe mit einem -trocknenden Desinfektionsmittel bereit wie Tannoform (Merck), Euguform -(Güstrow), letzteres ein Idealmittel gegen alle Hautentzündungen -(Wespenstiche) und Brandwunden, um kleine Wunden damit zu bestreuen. Da -diese Pulver nasse Wunden rasch abtrocknen, entziehen sie den Mikroben ihre -Lebensbedingungen. Hautabschürfungen überzieht man mit Jodoform-Kollodium. -Tiefere Bißwunden spült man mit 5prozent. Karbollösung mit Wundirrigator -und taucht die Fingerspitzen in diese vor Berührung. Zerschneidet sich der -Hund durch Tritt in Glasscherben einen Ballen, so stillt man die Blutung -mit Eisenchloridwatte, desinfiziert die Wunde, überstreicht sie mit -Jodoformkollodium. Hierüber quer Heftpflaster, Mullbinde und Beobachtung -des Hundes gegen Abreißen des Verbandes (Anlegen an Lager an kurze Kette -oder sogenannten Halskranz, in Spezialgeschäften vorrätig). Da man Tiere -nicht überreden kann, muß man Medikamente „eingeben”. Lösliche Arznei und -Emulsionen gießt man aus der Flasche am Lefzenwinkel bei erhobnem Kopf ein, -hält einen Augenblick die Nase zu, so daß der Hund durch das Maul atmen -muß, wobei er schluckt. Größere Pillen taucht man in Öl und steckt sie tief -in den Schlund, hält das Maul einige Zeit zu, streichelt die Kehle entlang. -Pulver oder Tropfen kann man in Gelatinekapsel füllen und ebenso in den -Schlund schieben. Der Apparat „Pilleneingeber” erfordert sachkundige -Handhabung. Bei kleinen jungen Hunden ist das schwierig; einige Tropfen (z. -B. Chenoposanöl gegen Spulwürmer, das scharf riecht) bringt man durch List -bei. Aus fetter Wurst, die sich streichen läßt, bereite man eine flache -Oblate in Größe einer Kupfermünze, tropft darauf 1—3 Tropfen Medizin in -kleine Höhlung. Das Ganze wird vorsichtig zusammengerollt, so daß kein -Geruch nach außen dringt. Dann gibt man als Lockmittel von derselben Wurst -einige Kugeln gleicher Größe, zuletzt die mit der Arznei, die gierig -morgens nüchtern hinabgeschlungen und gar nicht erst mit der Nase geprüft -wird. Am Abend vorher fällt das Futter, vor allem der Knochen, weg; der -Magen muß möglichst leer sein, besonders bei Wurmmitteln, die rasch mit den -toten Würmern abgehen sollen. Mancher scheinbare Mißerfolg (keine Würmer im -Kot) grade prompter Wurmmittel (Allegan-Bayer) beruht darauf, daß die toten -Würmer verdaut worden sind, was leicht zu Darmkatarrh führt. Hunden, die -jedes Medikament sofort erbrechen, gibt man 1⁄2 Stunde vorher etwas dicke -Schleimsuppe. Hilft auch das nicht, vorher ein Anästhesinpulver oder eine -Lösung von Novocain. (1 %) mit Suprarenin in Bittermandelwasser. -Ausgenommen bei Wurmkuren verschont man die Hunde möglichst mit -Arzneimitteln, selbst wenn man gerne helfen möchte. Einige Tage kein -Wasser, dafür Diät (Schleimsuppen) sind besser als Verstopfungs-, Abführ-, -Brech-, Stärkungsmittel. Von letzteren ist Rotwein mit Ei (falls nicht -freiwillig genommen, eingegossen), geschabtes oder kleingewiegtes Fleisch -das beste. Der ruhende Hund braucht sehr wenig. Ein Kalbsschwanz genügt für -einen Tag. Und auch sonst lieber etwas knapp gehalten, so daß man die -Rippen ganz leicht angedeutet durchsieht, ist gesünder als gemästet. -Natürlich darf der Junghund nie wie ein Gerippe mit Fell überzogen sich -anfühlen, sondern eher prall. Der ältere Hund hingegen sei hart durch -Muskulatur, so daß es die Hand schmerzt, wenn man fest auf ihn klopft. Ist -das der Fall, so ist er nicht nur in vollster Gesundheit, sondern auch ein -Muster rationeller Haltung, die dem Besitzer Ehre macht. - - - - -26. Kapitel. -=Altersschwäche und Tötung.= - - -Das traurigste Kapitel dieses Buches, dem wir an Härte nehmen wenn wir die -Naturnotwendigkeit uns klar machen. Von mehr als einem Hundebesitzer haben -wir, von dessen ehemaligem Liebling sprechend, gehört, daß sein Tod der -einzige Schmerz gewesen sei, den er je seinem Herrn zugefügt habe. Wird ein -Hund vernünftig gehalten, erhält er, völlig ausgewachsen, nicht zuviel -Eiweiß dessen Schlacken das Leben kürzen, auch nicht zu viel Salze, die -durch Flüssigkeits- aufnahme die wichtigsten Säfte verdünnen, so wird er -bei Kraft und Wohlgestalt, die zugleich Schönheit und Gesundheit sind, ein -hohes Alter ohne frühe Altersschwächen erreichen. Wir wollen nicht durch -Aufzählungen von einzelnen Hunden, wie Barzois, Spitze, Foxterriers, die 18 -bis sogar etwas über 20 Jahre alt werden, falsche Erwartungen erwecken. Das -sind Ausnahmen. Sicher ist nur, daß sogenannte trockne Rassen (von harter -Struktur mit Stahlknochen) um 1⁄4—1⁄3 älter werden, als solche von Masse -mit Falten, Halshaut, starken Knochen. Letztere gehen früher „aus dem -Leim”, bekommen unförmigen Kopf, neigen zu Fettansatz, dem rechtzeitig -durch trockne Ernährung Vorgebeugt werden muß. Was rastet, rostet. Um vor -frühzeitigem Altern zu schützen, darf es auch dem älteren Hund nie an -erfrischender, angemessener Bewegung fehlen. Knochen werden nach -vollendetem 4. bis 5. Jahr keine mehr gegeben, die Zähne sorgfältig -gepflegt und gegen Belag vorgegangen. Riesen und Zwerge altern früher, -solche mittlerer Größe später. Hunde von brauner Farbe, schwarze mit -gelben, statt rostroten Abzeichen, bekommen früher graue Schnauze als -erstes, jedermann kenntliches Alterszeichen. Doch wer denkt bei Anschaffen -des Welpen oder Junghundes schon an dessen Alter. Stellen sich merkliche -Altersschwächen ein, Trübung des Auges, und verminderte Sehfähigkeit, -abgenütztes Gebiß, Unfähigkeit und infolgedessen Unlust zur Bewegung, -mürrisches Wesen als Abwehr gegen Störung des Ruhebedürfnisses, das sich -bei Unbehagen bis zur Bissigkeit steigert (bösartig aus Laune wird kein -Hund!), so wäre es falsches Mitgefühl, hier nicht erlösend einzugreifen. -Dem Tier ist das Geistesleben, das dem Menschen das Greisenalter in -liebevoller Umgebung noch erträglich macht, versagt; es vegetiert, sich -selbst und anderen zur Last. Man verwechsle nicht die Wehleidigkeit, sich -selbst einen kurzen Abschiedsschmerz zu ersparen, mit falschem Mitgefühl, -das ein Tier langsam verkümmern läßt. Ohne Beratung und quälende -Erörterungen mit den Angehörigen faßt man den Entschluß selbst, erzählt -erst bei Rückkehr _ohne_ Hund, was unvermeidlich war und hält schon den -Ersatz in Gestalt des pflegebedürftigen Nachfolgers bereit. Das -herzerfrischende Spiel des jungen Hundes, sein sprudelnder Übermut, lassen -fast wider Willen den Schmerz vergessen, und die Entwicklungsmöglichkeiten -des noch unreifen Charakters trösten besser als es der Ersatz durch einen -schon fertig ausgewachsenen Hund je vermöchte. Niemals gebe man den -gealterten Hund in _fremde_ Hand ab. Ein Schuß aus kleinkalibrigem -Gewehr, dicht hinter dem Ohr von rückwärts eingesetzt, tötete durch -Eindringen in das Kleingehirn sofort. Am besten gibt eine geübte, sichre -Hand den Schuß ab, man entfernt sich erst, wenn man den Schuß gehört und -sich durch Anblick vom Tod überzeugt hat. Tötung mit starker Morphiumgabe -ist nicht zu empfehlen; es wird meist erbrochen und müßte durch -Einspritzung direkt in den Blutlauf gebracht werden. Gegen Vorhalten von -Chloroform wehren sich Hunde heftig. Die wäßrige Lösung von Blausäure, -zersetzt sich trotz besten Verschlusses rasch. Andre Gifte, wie Strichnin, -sind zu langsam in der Wirkung. Mit Recht wünscht jeder Hundefreund daß -sein Tier nicht leide und sofort tot sei. Tierarzt Hauck-Wien empfiehlt -nach zahlreichen Anwendungen seinen Kollegen folgendes einfache und leicht -ausführbare Verfahren bei Zuführung von Hunden zur Tötung: Man löst für -Hund größter Rasse 5 g Kalium cyanatum in etwa 15 g Wasser, schüttet aus -dem Fläschchen diese Lösung im Lefzenwinkel ein. Rechts vom Einschüttenden -steht ein Gehilfe mit einem Fläschchen gewöhnlichen Haushaltessigs. Sofort -nachdem der Hund den letzten Schluck der Cyankaliumlösung zu sich genommen, -wird schnell etwas Essig hinterher eingeflößt und der Hund sich selbst -überlassen. Der Tod tritt innerhalb weniger Sekunden durch die plötzliche -Blausäureentwicklung ein, kaum daß man die Hand von ihm losgelassen hat. -Ehe wir diesen Ratschlag hier weitergaben, haben wir selbst bei einigen -solchen Vergiftungen assistiert und uns überzeugt, daß der Hund ohne -Krampf, lautlos wie völlig gelähmt, zusammenfällt und niedersinkt, selbst -die Gesichtszüge zeigten keine Spur von überstandenen Schmerzempfindungen. -Selbstverständlich kann der Tierarzt auch eine eigens neu angefertigte -Lösung einspritzen, doch muß er dann einige Tage vorher von dem Besuch -zwecks Tötung unterrichtet werden. - -Und einige Tage vorher wird auch schon der Nachfolger erworben; am besten -ein noch hilfloses, pflegebedürftiges Hündchen, das unsre Zeit und Gedanken -völlig in Anspruch nimmt und unsre Angehörigen über den schmerzlichen -Verlust eines treuen Freundes hinwegbringt. Bei der zweiten Erziehung hat -man viel gelernt, was nun praktisch verwertet wird. Allerdings handelt es -sich ebenso wie in den Ausführungen dieses Buches nur um kleine Hilfsmittel -und Handgriffe. Die Hauptsache muß der Erzieher _selbst_ besitzen und -mitbringen, und das ist genau dasselbe wie beim Einreiten des Pferdes: -_eine unendliche Geduld, ein feines Gerechtigkeitsgefühl und eine -hochanständige Gesinnung._ - - - - -=Zu unseren Bildern.= - - -1. Langh. St. Bernhardshündin, Champion _„Fatime Cannstatt”_ 2274. -Besitzer: Frau Hofkapellmeister Marg. Kahler, Schwerin. Züchter: H. Voppel, Cannstatt. - -2. Deutsche Dogge, _„Rolf v. d. Rheinschanze”._ Züchter u. Besitzer: Jos. Rembold, Ludwigshafen a. Rh. - -3. Brauner Dobermann, _„Salto v. Rottal”._ Besitzer: Boxler, München. -Züchter: Jos. Schweiger, Pfarrkirchen i. Rottal, Nied.-Bay. - -4. Importierter Airedaleterrier, _„Zetland Recruit”_ 6032. Besitzer: F. -Röhrl, München. - -5. Engl. Windhund, Champion _„Tasso v. Solten”._ 381. Besitzer: Oblt. Gg. -Boxler, Augsburg. Züchter: Tierarzt Dr. Erb, Gießen. - -6. Münchener Boxerrüde, Sieger _„Udo v. Adelegg”._ Züchter u. Besitzer: -Edmund Halter, Isny. - -7. Importierte engl. Bulldogge, _„Astor Astoria”_ 1193. Besitzer: M. -Gruber, Hamburg. - -8. Importierter engl, drahthaariger Foxterrier, Sieger _„Handy Maesthead”._ -Besitzer: Rud. Piesbergen, Berlin W. 8. - -9. Rauhh. Pinscher, Sieger _„Strupp v. Schnauzerluft”_ 1936. Besitzer u. -Züchter: Wilh. Stierle, Pforzheim. - -10. Kleiner Pudel, _„Nang-i-Lat v. Sadowa”_ 4324. Züchter: Wolf, Berlin. -Besitzer: Pudelzwinger Sirius (Frl. Flora Kalender) Ebersteinburg bei -Baden-Baden. - -11. Französ. kleine Bulldogge, „Jubicka Patzig”._ Züchter u. Besitzer: Frau -Flora Kunstmann, Murnau-München. - -12. Blenheimspaniel, _„Darling v. Ravensburg”._ Besitzer: Theo Krumm, -Ravensburg. - -Bilder sollen für sich selbst sprechen und keine Erklärung benötigen. -Unsere kurzen Ausführungen gelten auch nicht ihnen, sondern den -dargestellten Hunden, deren Züchtern oder Besitzern. Unter etwa 100 -Aufnahmen von nahezu gleicher technischer Vollendung, die eine Spezialität -des Münchener Tierphotographen A. Dauer,Briennerstr. 17 ist, wurde nur ein -Dutzend ausgewählt teils weil sie hervorragende, verdienstvollste -Zuchttiere waren oder noch sind (wie Nr. 2, 3, 4, 5, 6, 7, 9 u. 10), teils -weil sie charakteristisch für die erfolgreichen Zwinger sind, aus denen sie -hervorgingen oder in welchen sie heute noch stehen und wirken. Nicht mehr -aktuell, da sie eine frühere Generation darstellen, sind nur zwei Bilder (1 -u. 12). Im Bild der St. Bernhardshündin Champion Fatime ehren wir den vor -einigen Jahren verstorbenen Altmeister Hch. Boppel, Cannstadt dem diese -Rasse zu unauslöschlichem Dank verpflichtet ist. Gerade in dem -Charakteristischen dieser Rasse dem seelenvollen Ausdruck, ist die Aufnahme -kaum zu übertreffen. Dasselbe gilt von dem letzten Portrait, des kleinen -weißroten Blenheimspaniel Darling, was die Darstellung eines nich mehr -lebenden Siegers entschuldigen mag. Trotzdem bleiben diese zwei Abbildungen -immer lebendig. Mit der Zusammenstellung und Auswahl der Rassen, unter -etwas 40 solcher, sollte zugleich dem Anfänger ein Wink gegeben werden. Die -Riesen der Hundewelt, den mächtigen St. Bernhardshund und die kraftvolle -Dogge, verpflanze man nicht in die Großstadt und Mietwohnung, wo sie -verkümmern. Im Garten, Park, Lagerplatz, Fabrikhof, auf auf dem Lande, wo -sie wachen und zugleich schützen, sind sie am Platze. Die gelbe Dogge Rolf -(Nr. 2) ist aus dem ersten Doggenzwinger des Südwestens hervorgegangen, -dessen Zuchtideal Verbindung von Größe und Adel ist. Auch -Polizeihundrassen, wie der so dressurwillige und wuchtige Airedale, dem -Energie aus den Äugen leuchtet, oder der schneidige Dobermannpinscher -benötigen Auslauf und Arbeit; sie sind keine Zimmerhunde. Zetland Recruit -(Nr. 4) zeigt die Rassig- keit der Importation, mit der von Zeit zu Zeit -unsere festländische Zucht kluger Haushunde aufgefrischt werden muß. Wem -Rauhhaar etwas mühsam in Behandlung ist, der wählt den Dobermann im kurzen, -glänzenden Gewand. Sieger Salto v. Rottal (Nr. 3) entstammt der Zucht des -niederbayerischen Kenners edler Hunde, Jos. Schweiger in Pfarrkirchen. -Leichter und flotter als der Dobermann ist der englische Windhund, auch zur -Pflege von Rennsport geeignet, ein eleganter, sauberer Haushund, der in Dr. -Erb, Gießen, einen sachverständigen Förderer gefunden hat. Unter den -Bildern fehlt der Schäferhund, der mehr als Haushund ist. Eine einzige -Aufnahme von ihm würde der Verbreitung und Vielseitigkeit nicht genügend -Rechnung tragen. Das erfolgt dafür in einem stattlichen Sonderwerk im -gleichen Verlag: „Der deutsche Schäferhund in Liebhaberhand” in -weitestgehender Weise. Hingegen durfte unter den Haushunden im engeren -Sinne der kleinere, stämmige Münchener Boxer nicht fehlen, der seine -Anspruchslosigkeit an Raum der Mietwohnung anpaßt. Er quittiert nicht durch -Nervosität wenn er einmal während einiger Regenwochen den geliebten Auslauf -entbehrt, ist klug, gelehrig; doch wenn nötig, stellt er seinen Mann. Etwas -phlegmatischer ist die breite, niedrige, englische Bulldogge (Nr. 7), -Knochen, ein Stiernacken, dunkle Falten, vorstehender, breiter Unterkiefer -lassen sie drohend erscheinen, während sie der gutmütigste Hausgenosse ist. -Ihr Antipode, ganz Temperament, das ihn manchmal fortreißt, wenn er nicht -beschäftigt wird oder er keine Hand über sich weiß, ist der drahthaarige -Foxterrier. Richtig geleitet eine Perle und ebenso gefälliger, wie -lebhafter Begleithund. Etwas beherrschter, klug und dressurwillig ist der -deutsche Schnauzer. Sieger Strupp (Nr. 9) entstammt der Zucht, von Wilh. -Stierle in Pforzheim. Der Vollendetste Familienhund für die Großstadt ist -her kleine Pudel (fälschlich Zwerg genannt), Boxer nd Pinscher haben etwas -über Stuhlsitzhöhe, der Pudel steht um eine Handbreite darunter. Er ist -ganz Gemüt, von überraschender Intelligenz, dabei ein kluger Wächter, dem -nichts entgeht, der aber auch nie aus Übereifer Lärm schlägt wie der -cholerische Spitz. Zur Vollendung ist der kleine Pudel durch Zwinger Sirius -(Frl. Flora Kalender, Neckarsteinburg) gebracht. Ihr Stamm basiert auf -Champ. Nang-i-Lat (Nr. 10); mindestens ein Dutzend dieser Schwarzen tummelt -sich beständig in dem auf waldigem Bergesgipfel gelegenen Zwinger. Der -Clown unter den Hunden, grotesk in der Form, immer freudig erregt, ist die -Moderasse der französischen Bulldogge, von der zwei Schläge, eine geströmte -und weißbunte (Caille) existieren. Der Klub für franz. Bulldoggen mit Sitz -in München, wo auch die abgebildete „Jubicka” (Nr. 11) gezüchtet ist, hat -diese Auslandsrasse eingeführt und zu einer der französischen Zucht jetzt -mindestens ebenbürtigen Höhe geführt. Unter den zahlreichen -Zwerghundrassen, von denen die des glatthaarigen Zwergpinschers die -verbreitetste, die des Affenpinschers die härteste ist, dürfte die Palme -der Schönheit den langhaarigen Seidenhunden (Malteser, Toyspaniels) -gebühren. Fremdartiger noch sind die Chins und Pekingesen. In bestechender -Farbe, weiß mit orangeroten Platten, seidigschlichter Behaarung, klugem -Gesichtseindruck steht der Blenheim (Nr. 12) an der Spitze der 4 -Toyspanielarten. Doch äußere bestechende Schönheit macht nur einen kleinen -Teil des Wertes unserer vierfüßiigen Lieblinge aus. Die Hauptsache sind -ihre _innersten Eigenschaften,_ ihre Charakter- und Gemütsanlagen, die wir -durch Erziehung wecken und zur Entfaltung bringen, durch Dressur in -nützliche Bahnen lenken. - - - - -=Anmerkungen zur Transkription.= - - -Nur eine sehr kleine Anzahl offensichtlicher Rechtschreibfehler wurden -korrigiert. Grenzfälle wurden belassen um eine möglichst genaue -Repräsentation der Erstausgabe von 1924 zu erstellen. - -Der original Schriftsatz verwendet g e s p e r r t e Schrift zur -Hervorhebung von Begriffen. Für die vorliegende „Plain Text” Version sind -diese durch _Unterstriche_ markiert. - -Die Verwendung von schwerer Schrifttype (z.B. in den Kapitelüberschriften) -wird durch =Gleichheitszeichen= ausgezeichnet. - - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 69045 *** |
