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Welcher - von den Ursachengruppen die größere Bedeutung zukommt, - das ist von Fall zu Fall verschieden. Mehr als das Schicksal - irgend eines anderen Tieres bestimmt der Mensch das ganze - Sein und Werden des Haushundes, dessen Umwelt er schafft, - dessen Wachsen und Ausbildung er leitet, dessen Uranlagen - die Züchtungstechnik durch sorgfältige Auswahl von erblichen - Anlagen beeinflußt. Der erste Schritt zur Einwirkung ist, daß - sich der <em>Hundebesitzer</em> seiner Stellung, Aufgaben und Mittel - gegenüber dem ihm überlieferten Hund bewußt ist. Mit viel - Tierliebe und freundlichen Absichten, aber herzlich wenig oder - ohne alles Verständnis wird meist der erste Hund angeschafft. - Es existiert eine größere Anzahl von Lehr- und Dressurbüchern - für die Ausbildung von Polizei-, Kriminal- und Jagdgebrauchshunden, - aber bis jetzt kein einziges, das für Leien - und Anfänger den ganzen Werde- und Lebensgang des - Haushundes, den der Skandinavier bezeichnend Selskabshund - (Gesellschaftshund) nennt und wir früher als Luxushund zu - klassifizieren pflegten, von „Wiege bis zum Grabe” erläuterte. - Alles, was wir vom Hund fordern und ihn lehren wollen, - soll <em>dessen</em> Verstehen angepaßt sein, und wir müssen es - verstehen, ihm das begreiflich zu machen. Im <em>Sein, - Bewußtsein</em> und <em>Selbstbewußtsein</em> stuft sich die Dreiheit der - <!-- Seite 4 --> - Psychologie, d. h. der Lehre von den seelischen Vorgängen - und Zuständen. Dreifach ist daher auch die Tätigkeit, die - wir dem Hund von frühester Jugend an zuwenden. Dem - <em>Welpen,</em> der nur von Daseinstrieben geleitet ist, wenden wir - eine liebevolle <em>Pflege</em> zu. Blind und ohne Gehör kommt - er zur Welt. Jeder an ihn herantretende Reiz, zuerst die - Abkühlung der Außentemperatur in Abwesenheit der Mutter, - Durst, die ersten Lichtstrahlen, wenn sich das Lid am neunten - Tage öffnet, sogar lebhafte Geräusche werden mit Unbehagen - oder Schmerz empfunden, mit Winseln quittiert. Ganz allmählich - gewöhnen wir ihn an äußere Einflüsse, an die Reize - der Umwelt, die später zu Lebensbedürfnissen werden. Der - sorgenden Mutter entwöhnt, beginnt das Sein des <em>Junghundes</em> - in das <em>Bewußtsein</em> überzugehen, er erlebt sich - selbst und entdeckt die Umwelt. Jetzt hat die <em>Erziehung</em> - einzusetzen, die das noch wenig Muskeltrieb und Widerstand - entgegensetzende, werdende Wesen umsichtig zu dem leitet, was - es einmal werden soll, was ihm schon von früher Jugend - im eindrucksfähigsten Alter in Fleisch und Blut übergehen - muß, z. B. bedingungsloser Gehorsam. Hat der Junghund - mit vollendetem Zahnwechsel, der Rüde, der allein gegebene - Liebhaberhund, mit beginnender Geschlechtsreife, das spielerische - Wesen abgelegt, so erwacht im <em>Jährling</em> das <em>Selbstbewusstsein;</em> - er schafft sich jetzt selbst eine Stellung zur - Umwelt, zum Herrn, zu andren Tieren, zum Heim und allem, - was um ihn lebt, im Guten oder Bösen, wenn und soweit - wir es nicht schon vorher durch seine Erziehung und - Gewöhnung verstanden haben, sein ganzes Empfindungsleben so - einzustellen, wie es für seine zukünftige Stellung als - Haushund nützlich und erforderlich ist.</p> - - <p>Wir beschäftigen uns also beim <em>Welpen</em> vorwiegend - mit dessen <em>Körper,</em> beim <em>Junghund</em> mit dessen - <em>Empfinden,</em> beim <em>Jährling</em> mit dessen <em>Willen.</em> - So arbeitet unsere liebevolle Sorge, für den unbewußten Willen des - Welpen, die kluge Erziehung richtet es so ein, daß sie mit - <!-- Seite 5 --> - dem Willen des Junghundes <em>parallel</em> zu laufen scheint, die - konsequente <em>Dressur</em> fordert vom Jährling, was mit dessen - Neigungen und Wünschen weniger oder nicht im Einklang - steht, richtet sich <em>gegen</em> seinen Willen. Die scharfe Dressur - und Strafe beugen oder brechen den mißratenen Bruder des - Selbstbewußtseins, den Eigensinn. Dieser dreifachen Altersstufe - des <em>Welpen, Junghund</em> und <em>Jährlings</em> und unserer dreifachen - Tätigkeit <em>Pflege, Erziehung, Dressur</em> trägt die Einteilung - dieses Buches in drei Abschnitte Rechnung. Jedes Kapitel ist logisch - dem vorhergehenden angefügt, die Reihenfolge und Fortschritte - sind zu beachten. Nur ein rationell auf- und wohlerzogener - Hund gewährt dem Besitzer Genugtuung und Freude, ist unsren - Nachbarn keine anstößige Erscheinung, sondern ein nützliches - Mitglied der menschlichen Gesellschaft. Die Haltung eines - Hundes legt uns Pflichten und auch Verantwortung gegenüber - dem Tier, wie Rücksichten auf unsre Mitmenschen auf. - In diesem Sinne möchten wir dieses Buch aufgefaßt und - beachtet wissen; es ist dem Hunde zu Liebe geschrieben, um - für ihn Verständnis und neue Freunde zu gewinnen.</p> - - <p> <em>Bensheim</em> (Hessen), im Mai 1924.</p> - <p class="center right"> <b>E. v. Otto.</b><br/> - 1885—1914 Herausgeber von <br/> - „Hundesport und Jagd”.<br/> - </p> - - <!-- Seite 6 --> - <h2> Inhalt. </h2> - <hr style="width: 10%"/> - - <table id="toc"> - <tr> - <th colspan="3"> </th> - <th>Seite</th> - </tr> - <tr> - <td class="right"><b>I.</b></td> - <td colspan="2"><a href="#I"><b>Die Verpflegung und erste Anleitung des Welpen.</b></a></td> - <td class="right bottom">7</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">1. Kapitel.</td> - <td><a href="#1">Trächtigkeit; Geburt; Pflege - des Welpen bis zur Abgewöhnung von der Mutter</a></td> - <td class="right bottom">7</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">2. Kapitel.</td> - <td><a href="#2">Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz</a></td> - <td class="right bottom">11</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">3. Kapitel.</td> - <td><a href="#3">Fütterung und Futter</a></td> - <td class="right bottom">14</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">4. Kapitel.</td> - <td><a href="#4">Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer</a></td> - <td class="right bottom">18</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">5. Kapitel.</td> - <td><a href="#5">Lob und Strafe</a></td> - <td class="right bottom">20</td> - </tr> - <tr> - <td class="right"><b>II.</b></td> - <td colspan="2"><a href="#II"><b>Die Erziehung des Junghundes</b></a></td> - <td class="right bottom">23</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">6. Kapitel.</td> - <td><a href="#6"> Stubenreinheit</a></td> - <td class="right bottom">23</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">7. Kapitel.</td> - <td><a href="#7"> Verhalten im Hause, Gewöhnung an Leine und Kette</a></td> - <td class="right bottom">25</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">8. Kapitel.</td> - <td><a href="#8">Melden und Lautgeben</a></td> - <td class="right bottom">28</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">9. Kapitel.</td> - <td><a href="#9">Verhalten auf der Straße (Radfahrer, Wagen, Raufen)</a></td> - <td class="right bottom">30</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">10. Kapitel.</td> - <td><a href="#10">Verhalten auf Spaziergang (Geflügel, Katzen, Wild)</a></td> - <td class="right bottom">33</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">11. Kapitel.</td> - <td><a href="#11">Der Appel (Kommen und Gehen auf Befehl)</a></td> - <td class="right bottom">36</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">12. Kapitel.</td> - <td><a href="#12">Spielende Dressur</a></td> - <td class="right bottom">39</td> - </tr> - <tr> - <td class="right"><b>III.</b></td> - <td colspan="2"><a href="#III"><b>Systematische Dressur des Jährlings</b></a></td> - <td class="right bottom">43</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">13. Kapitel.</td> - <td><a href="#13">Leinenführigkeit, Freifolgen am Fuß</a></td> - <td class="right bottom">43</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">14. Kapitel.</td> - <td><a href="#14">Setz dich, Leg dich, Ablegen</a></td> - <td class="right bottom">44</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">15. Kapitel.</td> - <td><a href="#15">Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd</a></td> - <td class="right bottom">47</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">16. Kapitel.</td> - <td><a href="#16">Apportieren und Verlorensuchen</a></td> - <td class="right bottom">49</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">17. Kapitel.</td> - <td><a href="#17">Kleine Kunststücke</a></td> - <td class="right bottom">53</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">18. Kapitel.</td> - <td><a href="#18">Wasserarbeit und Schwimmen</a></td> - <td class="right bottom">56</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">19. Kapitel.</td> - <td><a href="#19">Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn</a></td> - <td class="right bottom">59</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">20. Kapitel.</td> - <td><a href="#20">Korrektur verdorbener Hunde</a></td> - <td class="right bottom">62</td> - </tr> - <tr> - <td class="right"><b>IV.</b></td> - <td colspan="2"><a href="#IV"><b>Praktische Anleitung zur Hundehaltung</b></a></td> - <td class="right bottom">64</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">21. Kapitel.</td> - <td><a href="#21">Der Zwinger, die Hütte, das Lager</a></td> - <td class="right bottom">64</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">22. Kapitel.</td> - <td><a href="#22">Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde</a></td> - <td class="right bottom">67</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">23. Kapitel.</td> - <td><a href="#23">Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge, Scheren und Baden</a></td> - <td class="right bottom">70</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">24. Kapitel.</td> - <td><a href="#24">Utensilien zur Pflege, Dressur und Reise</a></td> - <td class="right bottom">75</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">25. Kapitel.</td> - <td><a href="#25">Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin</a></td> - <td class="right bottom">80</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td class="right top">26. Kapitel.</td> - <td><a href="#26">Altersschwäche und Tötung</a></td> - <td class="right bottom">84</td> - </tr> - <tr> - <td> </td> - <td> </td> - <td><a href="#bilder">Zu unseren Bildern</a></td> - <td class="right bottom">87</td> - </tr> - </table> - - - <!-- Seite 7 --> - <h2 id="I"><a>I. Teil.</a><br/> - Die Verpflegung und erste Anleitung.</h2> - <hr style="width: 10%"/> - - <h3 id="1"><a>1. Kapitel.</a><br/> - <b>Trächtigkeit. Geburt und Pflege - des Welpen bis zur Abgewöhnung - von der Mutter.</b></h3> - - <p>Der Züchter, der einen lebenskräftigen Wurf erzielen - und sich eine gesunde, die Welpen gut und reichlich ernährende - Mutter erhalten will, muß schon kurz nach dem Belegen mit - rationeller Behandlung und Fütterung einsetzen, damit die - tragende Hündin nicht gezwungen wird, ihr eigenes Blut-, - Kalk- und Fleischreservoir im Körper anzugreifen und zu - erschöpfen. Sie muß in der kurzen Zeit von 9 Wochen eine - Körpermasse bilden, die bis <sup>1</sup>⁄<sub>7</sub> ihrer eigenen beträgt. Innerhalb - der ersten 14 Tage der Tragzeit läßt man einen Futterwechsel - noch nicht eintreten, nur den Bedarf an phosphorsaurem - Kalk verabreicht man ganz allmählich steigernd zunächst - auf natürlichstem Wege durch Knochengaben. Weiche, nicht - ausgekochte Kalbsknochen verdienen vor allem den Vorzug. - Nach 14 Tagen, ist es schon angezeigt, ein Futter von besserer - <em>Qualität</em> zu verabreichen, ohne die Masse zu vermehren, - weil Darm und Magen ohnehin durch die ausgedehnte - Gebärmutter bedrängt werden. Je schneller die Mutter unter - lebhaftem Fungieren aller Organe als Grundzug jeder Fruchtbarkeit - das Futter umsetzt, desto bester; jeder von den 63 Tagen - der Tragzeit ist wertvoll. Luft, Sonne, Bewegung, Haut<!-- Seite 8 -->pflege, - Abwechslung im Futter, Spaziergänge und freundliche - Ansprache, kurz alles, was das Wohlbehagen fördert, sind - unsere Mittel. Von der vierten Woche wird der Auslauf - verringert; Hetzen, Hochsprung, Massage der Hinterhand bei - Bearbeitung mit dem Haarhandschuh, fallen weg. Sobald die - Hündin sichtbar trägt, was man am besten über ihr stehend - von oben feststellt, erhält sie ihr Futter in mehreren Rationen - (3—4 täglich) und vermehrt in Menge. Je verdaulicher zubereitet - und gehaltvoller, desto vollkommener wird sie Welpen - aufzubauen vermögen; sie braucht dazu Eiweiß, Kalksalze, - leimgebende Substanzen, und das alles muß erst von ihr - auf dem Wege der Verdauung ihrem Blute zugeführt werden, - um durch das Blut wiederum in die Gebärmutter zu - gelangen und den Fötus (Leibesfrucht) zu ernähren. Statt - einer Futtermenge von etwa 900—1000 g gemischter Kost - (Fleisch, Knochen und Vegetabilien) im Verhältnis 1—3 für - Bernhardiner, Dogge, 8—600 für Jagd- und Schäferhunde, - 200 für Teckel, Foxterrier, je trocken gewogen, gibt man jetzt - etwa 1250, 900, 300 g im Mischungsverhältnis 2:3 von Fleisch - und Vegetabilien. Fett (z. B. in Fettgrieben), das auch junge - Hunde schlecht vertragen, reicht man sparsam; von viel Milch - ist jetzt abzuraten, da selbst die beste 87% Wasser enthält. - Besteht Verdacht, daß eine Hündin mit Würmern behaftet ist, - so soll eine Wurmkur (siehe Kap. 4) spätestens in der - 5. Woche vorgenommen werden; eine spätere Gewaltkur gegen - Bandwurm führt häufig zum Verwerfen. Ungeziefer (Flöhe) - ist als Blutentzieher nicht zu dulden. Schon in den letzten - Wochen, nicht erst Tagen oder Stunden, wenn die Hündin - bereits unruhig geworden und vor dem Werfen steht, ist das - Wurflager herzurichten. Für harte größte Rassen genügt eine - gegen Zugluft abgeschlossene Hütte im Freien oder im Schuppen, - im Haus die sogenannte Wohnkiste mit etwas erhöhtem Einschlupf - und abdeckbaren Deckel, für kleinere Schläge eine flache - Kiste, deren Seitenwände grade hoch genug sind, das - Herausfallen der Welpen zu verhindern, für kleinste ein flacher - <!-- Seite 9 - Foto 1 --> - Korb. Als Einstreu trockenes Heu, kurzes Stroh, nie Holzwolle, - noch alte Decken, die durch Fruchtwasser durchnäßt - werden würden. Außerdem scharrt jede Hündin die Streu - beim Werfen beiseite und legt die Welpen auf den blanken - Boden, der deshalb nicht kalter Stein sein soll. An dieses - Lager, das ruhig, etwas dunkel und geschützt stehen soll, - gewöhnt man die Hündin schon einige Zeit vor der Fälligkeit - des Wurfes (62.—63. Tag). Der Wurfakt geht meist nachts - völlig glatt vor sich; der Laie vermeide jede, noch so - wohlgemeinte Hilfe. Die Hündin beißt die Nabelschnur selbst durch, - frißt diese, sowie die Nachgeburt, leckt die Welpen sauber und - trocken. Zwischen den Pausen kann man ihr, wenn sie - ersichtlich erhitzt ist und lechzt, etwas Trinkwasser hinhalten. - Ist sie ruhig, so unterbleibt alles für mehrere Stunden. Dann - erst läßt man die Hündin zur nötigen Entleerung ins Freie - führen; inzwischen hat man schon eine Waschlösung (Eimer) - vorbereitet mit warmem Wasser, in das etwa 50 g Septoform - geschüttet wird, um den Boden zu reinigen. Die Welpen - liegen einstweilen warm zugedeckt in einem Korb. Die der - Mutter zu belassenden, bei Erstlingswurf höchstens 3—4, bei - späteren bis 5, legt man der Hündin sofort bei Rückkehr - unter. Die zu tötenden sind inzwischen weit entfernt worden, - so daß die Mutter ihr Winseln nicht hören kann. Man tötet - sie durch kräftiges Aufwerfen auf den Steinboden; der Sturz - hat sie schon betäubt, ehe sie den Boden erreichen. Die - kräftigsten Rüden läßt man leben; Hündinnen nur, wenn sie - von Züchtern bestellt sind, <em>niemals,</em> um sie an Laien zu - verschenken, da sie nur in Hände von <em>Fachleuten</em> gehören.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo01.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - <p>Für die säugende Hündin ist ein <em>allmählicher</em> Futterwechsel - nötig, plötzlicher führt zu Verdauungsbeschwerden, die - auf die Milch übergreifen. In den ersten Tagen gibt man - vorwiegend Milchsuppen mit Hafer-, Gerstenflocken oder Mehlsuppen. - Wie während der Tragzeit darf Kalk nicht fehlen, - man fügt am einfachsten zu jeder Mahlzeit einen Eßlöffel - Kalziumlösung, die man sich durch Auflösen, von 100 g - <!-- Seite 10 --> - Chlorkalzium in <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> l Wasser bereitet hat. Auch Phosphor - ist nötig; er vermehrt und verbessert die Milch, und wird in - Form von Phosphorlebertran verabreicht. Innerhalb der ersten - Tage werden Afterklauen mit desinfizierter Schere (Eintauchen - in schwache Septoformlösung) abgeschnitten und die kleine - Wundstelle mit blutstillender Watte kurze Zeit geschlossen. - Bis spätestens zum 8. Tage läßt man die Ruten von Terriers, - Dobermannpinscher, Schnauzer, Zwergpinscher, Toyspaniel, - Pudel, Rottweiler, Griffons, deutschen Vorstehhunden usw. - kürzen, die Ohren erst mit 8—12 Wochen. Die Wurfkiste - oder Hütte wird fleißig gelüftet, der Boden öfter mit - Septoformlösung (aromatisch riechendes Desinfektionsmittel) gewaschen, - das Lager beständig erneuert, so daß Blutsauger, wie Flöhe - und Läuse, die zudem Überträger von Bandwurm sind, nicht - aufkommen. Die Reinigung der Welpen besorgt die Mutter, - die auch durch Lecken des Unterleibs die Kleinen zur - Entleerung veranlaßt. Hat sie die Nabelwunde durch Übereifer - entzündet, so mildert man mit Borsalbe. Bis zum 9. bis - 10. Tage hören und sehen die Welpen noch nicht; dann - öffnen sich Ohr und Lid, und es ist Zeit sie allmählich an - Licht zu gewöhnen. Auch an Temperaturunterschiede, indem - die Mutter zeitweilig ausgeführt wird. Je weniger Welpen - man ihr beläßt, je rationeller man sie mit milchgebenden - Stoffen füttert: Mehlsuppen, gesalzener Milch mit altem, - eingeweichtem Brot, dazu täglich Fleisch und Knochen nebst - Phosphor-Lebertran, desto länger und besser ernährt sie die - Welpen. Solange sie nur liegen oder herumkriechen, genügt - die flüssige Ernährung; das Zeichen zur halbflüssigen - ist ihr Herumwatscheln oder Gehversuche. Anfangs der dritten - Woche bricht das Milchgebiß durch, ein Signal, daß sie etwas - zu beißen brauchen. Da selbst Pflanzenfresser im Mutterleib - und während des Säugens nur animalisch ernährt - werden, braucht man von kleinen Fütterungsgaben von - geschabtem rohem Fleisch nicht zurückzuscheuen. Dazu gibt man - nach und nach als Beigabe zur Muttermilch pasteurisierte - <!-- Seite 11 --> - Kuh- oder noch besser Ziegenmilch mit etwas Kochsalz. Später - setzt man der Milch Hafergrütze oder Hafermehl zu nebst - kleingewiegtem Fleisch, füttert etwa 5 mal im Tag und läßt - die Mutter nach 6 Wochen nur noch nachts zu den Welpen. - Durch ein erhöhtes Brett oder Lager gibt man ihr Gelegenheit, - sich vor den spitzen Krallen und scharfen Nägeln zu retten. - Je früher und öfter es mildes und trocknes Wetter gestattet, - die Kleinen an die Sonne, sei es auf Kiesplatz, Holzbelag - (nur nicht feuchten Rasen) als Spielplatz zu bringen, desto - besser. Doch nicht überfüttern, lieber öfter und immer - gehaltvoller. Und sobald sie allein sich nähren, also mit etwa - 8—9 Wochen, hinaus damit an die neuen Besitzer, die dem - einzelnen mehr Sorgfalt und Futter zuwenden, können, als - der Züchter einem ganzen Nest. Vorher läßt man die Namen - nebst Züchteraffix bei zuständigem Stammbuch eintragen, da - es Züchterrecht und -Pflicht ist, die Namen dauernd festzulegen, - unter denen die zukünftigen Preisgewinner ihm dereinst Ehre - machen sollen, und sie mit Stammbuchnummer legitimiert - abzugeben. Zugleich mit dem abzugebenden Welpen und der - Bestätigung über erfolgte Eintragung in das Zuchtbuch - sollte jeder Züchter dem Laienkäufer ein Exemplar dieses - Buches überreichen, damit der neue Hund dem Besitzer durch - rationelle Aufzucht und Erziehung einst Freude bereite.</p> - - - <h3 id="2"><a>2. Kapitel.</a><br/> - <b>Die Ankunft des Welpen, erste Eingewöhnung, sein Platz.</b></h3> - - <p>Ein unbeholfenes, noch weltfremdes, drolliges kleines - Lebewesen kommt in eine völlig neue Umgebung und ist - dementsprechend zu behandeln. Falls mit Bahn oder Post - überschickt, sorgt man, daß es morgens durch Expreßboten eintrifft; - der zukünftige Herr öffnet den Behälter selbst, damit ihn der - Hund als Erlöser aus dem Gefängnis betrachtet. Er soll - <!-- Seite 12 --> - einen ganzen Tag Zeit haben, den ersten Trennungsschmerz - zu überwinden, damit er nicht nachts durch Winseln und - Heulen die Familie oder gar das ganze Haus in der Nachtruhe - stört. Durch vorherige Erkundigung beim Züchter - orientiert man sich, ob das Schlaflager in Korb, - Schlafkiste (diese ist mit seitlichem Einschlupf und Schubtür zu versehen, - als Aufenthalt willkommen und zur Erziehung praktisch), - Matratze, dicker Kokosmatte (bequem wegen Reinigung) bestand, - welches Futter und wie oft gegeben wurde. Das erste - Lager wird vorteilhaft aus dem Heu der Transportkiste, das noch - Heimatgeruch hat, gebildet. Bereitzustellen ist außer dem - Lager: ein kleiner Eimer mit Sägespänen und eine Flasche - Septoform zum Desodorieren des Aufwaschwassers. Man - darf sich nicht begnügen, nasse Spuren aufzutrocknen, sondern - muß die betreffende Stelle durch Eingießen von etwas Septoform - verwittern (den Uringeruch überdecken!), weil Hunde - sonst dieselbe Stelle immer wieder benützen würden. Etwas - billiger und ausgiebiger ist Lysol oder Kreolin, aber wegen - des scharfen Geruchs in der Wohnung lästig. Alsbald nach - Ankunft trägt man den Welpen in einen geschlossenen Hof - oder Garten, sobald er durch unruhiges Herumsuchen verrät, - daß er sich lösen oder nässen will. Beobachtet man ihn - darauf in den ersten Tagen beständig, so wird man sehr bald - am Benehmen und tiefer Kopfhaltung des Suchens merken, daß - es Zeit ist, hinauszuführen, was zur Zimmerreinheit hinleitet. - Diese zu erzwingen, ist erst möglich, wenn er sich etwas - eingewöhnt hat und begriffen, daß es Dinge gibt, die ihm - verwehrt sind, also Verbote und Gebote, die er befolgen muß, - um sich nicht üblen Folgen auszusetzen. Das erste Begreifen - ist ihm mit dem „Platz!” beizubringen, das ist das ihm - zugewiesene Lager, auf dem er zu verharren und das er - aufzusuchen hat, wenn das scharf gesprochene Wort „Platz!” - erfolgt. Zunächst ist ein solcher im Zimmer, wo die Familie - und er sich gewöhnlich aufhalten, so zu wählen, daß er von - dort aus selbst übersieht, gesehen wird, aber nicht getreten - <!-- Seite 13 --> - werden kann oder lästig fällt. Nachdem er sich einige Zeit - frei bewegen durfte, wird er dorthin geführt, sanft zum Legen - niedergedrückt unter Kommando „Platz”. Macht er Miene - aufzustehen, so drückt man wieder nieder: „Platz”. Wiederholt - es mehrmals mit viel Geduld. Hilft energisches Befehlen - bei dem kleinen Quecksilber nicht, so unterstützt man - das Kommando mit leichtem Schlag, doch nicht mit der Hand, - die nie zum Schlagen dienen soll, sondern mit leichter Gerte - (Zweig). Die Hand ist etwas, was der Hund nie fürchten - soll; diese belohnt, streichelt, gibt, deutet. Ein gut behandelter - und richtig erzogener Hund wird mit der Schnauze die Hand - des Herren suchen, seinen Kopf in diese legen, nie nach der - Hand von Menschen schnappen, auch wenn diese z. B. einmal - genötigt ist, einen Knochen wegzunehmen oder energisch - einzugreifen. Allzulange zwingt man anfangs zum Verharren - auf dem „Platz” nicht, sondern gibt durch freundlichen Anruf - des Namens, der kurz, höchstens zweisilbig sein soll, Erlaubnis - zum Verlassen. Einsilbig und kurz, wie ein Ruck, suggestiv - seien die ersten Kommandos und das Wehren: Pfui, Hier, - Platz, Aus. Beim Anruf und überall, wo er beschleunigt - folgen soll, klatscht man in die Hände; auch das wirkt - aufstachelnd, suggestive. Niemals verzichte man darauf, daß der - einmal gegebene Befehl „Platz” nicht ausgeführt oder auch - nur nachlässig beachtet wird; folgt der Hund nicht, so führt - oder trägt man ihn energisch zum Lager, wo er einige Zeit - verharren muß, worauf man ihn belobt. Von den ersten - Anfängen an muß es dem jungen Tier in Fleisch und Blut - übergehen, daß jeder Befehl unweigerlich zu befolgen ist. Das - ist für die ganze Erziehung und Dressur ausschlaggebend. - Hat er nach mehrmaligen täglichen Übungen begriffen, was - er soll und daß er muß, so wird der Ort des Lagers - gewechselt, falls dieser z. B. nachts nicht im Wohnzimmer, - sondern im Vorhaus sich befinden soll. Wer ein Landhaus - allein bewohnt, wird immer das Treppenhaus dazu wählen, - so daß der Hund nicht zu fern der Haustür liegt. In einem - <!-- Seite 14 --> - Mietshaus empfiehlt sich dies für untere Stockwerke weniger, - damit der Hund nicht wegen später nachts heimkehrender - Mitbewohner alles im Schlafe stört. Selbstverständlich - muß der Hund, falls man beim Verlassen des Zimmers das - Kommando „Platz” gibt, dort verweilen, auch wenn er allein - gelassen wird. Man überzeugt sich, indem man rasch zurückkehrt, - spricht ihn bei Ungehorsam scharf an und unterstützt - den neuen Befehl durch Drohung mit Gerte oder leichtem - Schlag. Wenn das alles auch überflüssig erscheint, so führe - man doch alle diese Übungen konsequent durch; es ist die - eindrucksvollste, leichteste Vorbereitung für alle spätere Dressur. - Das nächste Wort, das der junge Hund sehr rasch begreifen - wird, weil das Hinausgeleiten aus der Monotonie des Zimmers, - in dem er sich gesittet benehmen muß, ihm Freude macht, ist - „<em>Hinaus</em>”. So oft es hinausgeht, wird das Wort mehrmals - lebhaft wiederholt, bis sich für ihn damit der Begriff von - Bewegung und Verlassen des Zimmers verbindet. Die <em>Worte</em> - „Platz” und „Hinaus” sind es aber nicht allein, sondern der - Ton und Klang, und dafür haben alle Hunde ein sehr feines - Verständnis, da sie <em>nie ein Wort</em> selbst und dessen - <em>Bedeutung</em> erfassen, sondern nur den <em>Begriff,</em> der sich für - sie damit innig verbindet. Kinder haben dem Junghund nie - zu befehlen; sie dürfen sich höchstens mit ihm befassen und - spielen. Aber sie sollten unbewußt viel von dessen Erziehung - profitieren.</p> - - - <h3 id="3"><a>3. Kapitel.</a><br/> - <b>Fütterung und Futter.</b></h3> - - <p>Die älteste Hundehaltung war auf einen Abfallfresser - zugeschnitten; sie ist es auf dem Lande im allgemeinen heute - noch, durch gelegentliche Zugaben etwas verbessert. Unsre - anspruchsvoller gezüchteten Rassehunde wären damit nicht auf - der Höhe zu erhalten, und doch sollte sich die Ernährung nicht - allzuweit davon entfernen, nur eine gewisse Nachhilfe ist - <!-- Seite 15 --> - während der Entwicklungszeit unentbehrlich. Ebenso wichtig - ist die Gleichmäßigkeit der Rationen, dem Alter angepaßt, die - Regelmäßigkeiten der Mahlzeiten, endlich Vorhandensein der - Aufbaustoffe. Konsequente Durchführung befördert ordnungsmäßiges - Fungieren des ganzen Verdauungsapparats und der - Auswertung. Einige Grundregeln für die Fütterung sind: - Das Futter soll immer <em>gut gewärmt</em> werden, denn ehe die - Verdauung beginnt, muß der Speisebrei auf Blutwärme im - Magen gebracht werden. Hunde neigen alle zum raschen Verschlingen, - deshalb gebe man das frische Gemüse <em>klein</em> gewiegt - Fleisch klein geschnitten. Was sie nicht sofort auffressen, - wird <em>weggenommen; niemals</em> soll die Futterschüssel - <em>stehen bleiben;</em> weder im Winter, noch weniger im Sommer. - Wird regelmäßig übrig gelassen, so war die Ration zu groß. - Jeder Hund hat seine eigne Futterschüssel zu erhalten, womöglich - in folgender Form des Querschnittes, damit sie nicht - zu leicht umgeworfen wird: ┗━┛. Für junge Hunde oder - kleine Rassen sind die sogenannten Kaninchenfuttergeschirre aus - Ton sehr praktisch; sie dienen zugleich zum Abmessen der - Tagesrationen. Selbstverständlich sind sie <em>peinlich sauber</em> - zu halten. Niemals stelle man ihnen das Futter in Tellern - oder Schüsseln hin, die in der Küche verwendet werden oder - gedient hatten. Damit wäre, abgesehen von dem Unästhetischen, - ja Gefährlichen wegen der Übertragung von Würmern, der erste - Schritt getan, die Hunde zum Stehlen anzuleiten. Sie - müssen wissen, daß es <em>ihr</em> Futter nur aus <em>ihrem</em> Geschirr - gibt. Genau so ihr Wasser am gleichen Platz. Entgegen - allen Lehren, daß den Hunden <em>immer</em> frisches Wasser zur - Verfügung stehen soll, halten wir das für einen Mißgriff. - Im breiigen Futter und in der Milch ist so reichlicher - Wassergehalt, daß Hunde überhaupt nur 1—2 mal im Tag ein wenig - Wasser brauchen. Das Futter belastet ohnehin den Leib, daß - es nicht nötig ist, den Speisebrei noch mehr zu verdünnen. - Viel Gelegenheit macht zu Gewohnheitstrinkern. Kommt der - Hund im Sommer erhitzt heim, so genügt, um den Staub - <!-- Seite 16 --> - wegzuspülen und den Gaumen zu erfrischen, soviel Wasser als - den Boden der Schüssel bedeckt. Stellt sich der kluge Hund an - sein leeres Trinkgeschirr, so deutet er an, daß er Durst hat und - mag etwas Wasser erhalten. <em>Unerläßlich</em> sind für Junghunde - <em>harte</em> Hundekuchen, Hartbrot und vor allem weiche - <em>Kalbsknochen</em>. Bis zu 5 Wochen wachsen den Welpen ihre Milchzähne, - mit 2—4 Monaten wechseln sie die Zangen- und Milchzähne, - mit 3—5 die Eck-, mit 4—6 die Hakenzähne; die Milchbackzähne - werden mit 5—6 Monaten gewechselt, die Molaren - brechen mit 4—7, die Lückzähne zwischen 3—5 Monaten durch. - Diese Vorgänge bedingen eine <em>starke mechanische Tätigkeit - des Gebisses;</em> geben wir dem Hund während des Wachstums - und der Skelettbildung nicht reichlich Knochen, so wird er den - erforderlichen mechanischen Reiz an Stiefeln, Teppichen, - Möbelstücken ausüben, Kohlen oder Mauer anfressen. Was - man in Form von Knochen gibt, die 6—7 % Kalk-Kohlensäure, - 58—63 % Kalkphosphat, 1—2 % Magnesium-Phosphat, - 2 % Fluorkalzium, den Rest Eiweiß und Leimstoffe - enthalten, erspart man an Fleisch. Hunde von mehr als - 5—6 Jahren sollen <em>niemals</em> Knochen bekommen. Die - letzte Regel lautet endlich: <em>niemals sofort nach einer Hauptmahlzeit - mit Junghunden</em> Spaziergänge; denn - Verdauung ist eine Arbeit, und die noch weichen Bänder und - Gelenke würden sich bei der Belastung des Leibes zu stark - dehnen und lockern. Es gibt leicht krumme Gliedmaßen, - weichen Rücken und schwache Muskulatur. Breitstehende, massige, - starkknochige Rassen wie Bulldoggen, St. Bernhardshunde, - Rottweiler, Boxer, Bordeauxdoggen dürfen eher etwas - mastiger gefüttert werden. Leichtere hochstehende, wie Windhunde, - Whippets, Dobermannpinscher, sollen konsistentes, trockenes - Futter erhalten: viel Gehalt in wenig Menge. Ebenso - dürfen Jagd- und sonstige Gebrauchshunde nicht zu weichlichen, - überschwemmten Gestalten aufgezogen werden, sondern gehaltvoll, - trocken, starkknochig. An der Form des Kotes (Exkremente) - ersieht man schon, ob richtig gefüttert wurde; er soll nicht - <!-- Seite 17 - Foto 2 --> - dünnflüssig, weich sein. Zu hart deutet auf zu reichliche - Knochenmenge und Mangel an Wasser. Als Grundfutter - kommt in Betracht Haferschrot, Gerstenflocken, Roggenschrot, - Buchweizengrütze. Reis (arm an Eiweiß, aber sehr reich an - Stärkemehl), weniger Kartoffel und nie in Stücken, da sie nur - als Brei ausgenützt wird. Das Minimum an täglicher Fettzugabe, - die das Futter schmackhaft macht, ist für größte Rassen - 16—25 g in der Jugend, für ältere 20—30 g, im Winter - etwas mehr. Vorteilhaft wird Fett bei Welpen durch - Phosphorlebertran ersetzt. Auch Fettgrieben sind wegen des hohen - Eiweißgehaltes sehr zu empfehlen. Hülsenfrüchte sind stark eiweißhaltig, - werden aber wenig gern gefressen und müssen durch - Fett- und Fleischzusatz schmackhaft gemacht werden. Am besten - wechselt man häufig, auch bei den 4—6 Tagesrationen: morgens - entrahmte Milch mit Brot, 1—2 mal Gemischtkost, abends - trockne Hundekuchen oder Knochen. Letztere niemals in das - Futter, immer separat <em>nachher</em>. Fehlen sie zeitweilig, so - ersetzt man sie durch Chlorkalzium (150 g auf <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> l Wasser, - davon 1 Eßlöffel in das Futter gerührt). Man rechnet - <sup>1</sup>⁄<sub>10</sub> g auf 1 kg Körpergewicht. Futterkalk (Schlämmkreide) - darf <em>nie</em> zum Futter gegeben werden, da er durch - Salzsäurebindung die Hauptverdauung im Magen erheblich beeinträchtigt. - Mit kleinen Beigaben von Rohzucker (höchstens 20 g für - Welpen) kann man den Nährwert von Magermilch oder Grundfutter - vorteilhaft erhöhen. Aber niemals sollen Zucker, - Semmel oder sonstige Leckerbissen außerhalb der feststehenden - Stunde gegeben werden; diese dienen höchstens als Belohnung - bei der Dressur. Mit solchen Verwöhnungen erzielt man schlechte - Fresser und Bettler. Während der Mahlzeiten der Familie darf - sich der Hund wohl im Eßzimmer, aber nur in angemessener - Entfernung vom Tisch auf seinem Lager („Platz”) aufhalten. - Ein Herantreten des Hundes, dessen Fütterung mit zugesteckten - Brocken, wäre ein nicht mehr gutzumachender Erziehungsfehler. - Ihn auf sein Lager zu bannen, ist wertvolles Mittel, um - Gehorsam vorzubilden. Auch Gehorsam muß gelehrt und geübt werden.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo02.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <!-- Seite 18 --> - <h3 id="4"><a>4. Kapitel.</a><br/> - <b>Untersuchung auf Ungeziefer und Würmer.</b></h3> - - - <p>Die beste Fütterung und Pflege versagt, wenn Junghunde - mit Würmern behaftet sind; ja es gehen mehr Welpen an - Spulwürmern (Darmentzündung) zugrunde als an Staupe - (Sucht). Äußerlich ist das Vorhandensein an Magerkeit, - glanzlosem Fell, zeitweilig aufgetriebenem Leib, Aufstoßen - nach den Mahlzeiten, viel Durst, sogar Erbrechen, aufgebogenem - Rücken (Katzenbuckel) bemerkbar. Spulwürmer (3—8 cm lang, - rötlich gelb, 1 mm stark, im Kot sehr leicht festzustellen) haben - fast alle Junghunde, sind durch Masse gefährlich, durch - Chenopodiumöl ohne üble Nebenerscheinungen leicht zu entfernen. - Weit schlimmer sind die kürbiskernförmigen Bandwürmer, - da sie durch Flöhe sehr leicht überall verbreitet - werden, sich sehr rasch vermehren, und dann zu Darmverstopfungen - führen. Wo Fleischabfälle nicht roh verfüttert - werden, ist der aus etwa <sup>1</sup>⁄<sub>3</sub> cm langen Gliedern bestehende - Bandwurm seltener; seine Jugendform, die durch Maul oder - After des Hundes abgeht, ist für Menschen lebensgefährlich, - weshalb man das Ablecken von Händen oder gar Gesicht nie - dulden soll. Ist auch nur der leiseste Verdacht auf Würmer - vorhanden, so verabfolge man morgens in der Milch 1 bis - 2 Santonintabletten, die, mit Kakao gepreßt, in jeder Apotheke - für Kinder vorrätig zu haben sind, oder das billigere Chenopodiumöl - (2—3 Tropfen je nach Größe), noch besser das entgiftete - Präparat Chenoposan und beobachte den nächsten Kotabgang. - Fast alle Wurmmittel reizen durch ihre Schärfe den - Darm, weshalb man durch leichten Kotabgang die Kur - unterstützt und starke Mittel bei noch zarten Tieren sich vom - Tierarzt oder einem hundeliebenden Apotheker dosieren läßt. Das - beste neuere Mittel ist Megan (Bayer) gegen alle Arten Würmer. - Man gibt 0,65 g pro Kilogramm Körpergewicht. Harmloser - <!-- Seite 19 --> - sind die sich im Mastdarm aufhaltenden, weißen fadenförmigen - Würmer (5—8 cm lang), die nur ein lebhaftes Jucken im - After Hervorrufen und den Hund quälen, so daß er sich reibt, - scheuert oder zu beißen sucht. Durch ein Klistier (Knoblauch - in Milch gekocht) kann man ihn davon rasch erlösen. Billiger - als Santonin ist das Präparat Santoperonin (Orbiswerke) - und relativ ungiftig. Gegen Flöhe gibt es nichts besseres - als den engen Kamm und tägliches Nachsehen, wenn sich - der Hund kratzt. Bei Überfülle vorheriges Einreiben mit - Cuprex (Merck). Ebenso gegen Läuse. Ungeziefer soll man - gar nicht aufkommen lassen, weshalb die Decke über Matratze, - die Matte täglich ausgeschüttelt, das Heu oder kurze Stroh - in der Kiste öfter erneuert wird. Ein gutes Vertilgungsmittel - für Läuse ist Chloroform oder Benzin. Da letzteres - feuergefährlich, nicht bei Licht einreiben. Radikal wirkt Cuprex - (Merck), es vernichtet auch die zäh auf den Haaren klebenden - Eier (Nisse). Harmlos ist ein Betupfen mit einer Lösung von - 9 Teilen Olivenöl und 1 Teil Anisöl. Das oft empfohlene - Petroleum verwende man nur bei robusten Rassen. Wohnt - man in Nähe von Laubwald und kommen die Hunde nach - Spaziergang mit Zecken (Holzböcken) behaftet heim, so reißt - man sie nicht aus, sondern betupft sie mit Terpentinöl aus - einem Kännchen mit spitzem Auslauf, wie sie für Nähmaschine - und Fahrräder benützt werden. Bäder sind für Welpen nicht - zu empfehlen, da sich die Tiere nach solchen, wenn nicht - völlig trocken, leicht erkälten; auch müßte jede Lösung, um - Parasiten oder Milben zu töten, so scharf sein (2 % Kreolin), - daß die zarte Haut entzündet würde. Selbst wenn die - Hundebesitzer aus Rücksicht auf das Wohlbefinden ihrer Tiere die - Würmer und deren Überträger und Verbreiter (Flöhe) nicht - vernichten wollten, so sollte das schon wegen der Übertragungsgefahr - erfolgen. Um sich ein Bild von deren Umfang zu machen, - sei darauf hingewiesen, daß ein einziger Spulwurm, deren - der Hundedarm oft dicke Knäuel beherbergt, nach Prof. - Dr. Günther (Der Darwinismus und die Probleme des Lebens; - <!-- Seite 20 --> - S. 10) in einem Jahr 64 Millionen winzigster Eier, ein - Bandwurm bis 100 Millionen zu produzieren vermag, die - meist durch den After abgehen. Irgend ein wirksames - Wurmmittel muß in der Hausapotheke jederzeit vorrätig sein. Über - das Eingeben von Medikamenten s. Kap. 25.</p> - - - <h3 id="5"><a>5. Kapitel.</a><br/> - <b>Lob und Strafe.</b></h3> - - <p>Die alten Dressurbücher kennen als Dressurmittel nur - Korallenhalsband und Prügel, und sie erörtern höchstens, ob - man mit der Hand, zusammengelegter doppelter Führungsleine, - Ochsenziemer oder lederner Hundepeitsche und auf welche - Körperteile man schlagen solle. Ehe man je zu einer Züchtigung schreitet, - prüfe man genau die Ursachen des Nichtgehorsams, ob etwa - ein Befehl oder Verbot, in gereiztem, unbekanntem Ton, also - dem Hund ungewohnt und unverständlich war, oder ob er - während Ablenkung der Aufmerksamkeit durch Nebenumstände - erfolgte. Vor allem, hatte der Hund überhaupt verstanden, - was man von ihm wollte und kann man schon eine <em>aktive</em> - Betätigung (Ausführung) erwarten? Es ist gar nicht zu - verlangen, daß er entgegen seinem Trieb, Vergnügen oder - Behagen auf jede Aufforderung nachgiebig eingeht, daß er - eine Marionette ist, die durch Befehle in Bewegung gesetzt, - durch Verbote zur Ruhe genötigt wird. Die Antwort auf - die an sich selbst gestellte Frage, wann man strafend schlagen - sollte, müßte man sich dahin geben: schlage womöglich <em>nie,</em> - so wenig wie dein Kind, suche immer mit andern Mitteln - auszukommen; man kommandiere aber auch so wenig als möglich, - sonst entwertet man dieses Hauptmittel der Autorität. - Das Kommando sei kurz, straff, ruhig; eher leise, niemals - schreiend; der Ton muß sich wesentlich von der sonstigen, - freundlichen Ansprache unterscheiden. Mit Kindern und - Hunden parlamentiert und überredet man nicht, sondern man - <!-- Seite 21 --> - <em>befiehlt</em>. Etwas anderes ist es, durch einen mechanischen Druck - (zum Hinlegen oder Setzen), durch Winke einen Befehl - verständlich zu machen und der Ausführung nachzuhelfen. Zum - Abwehren schadet ein Schlag mit der dünnen Gerte nicht, da - es ja bei dem Hunde steht, sich solche zu ersparen. Neben - dem leichten Schlag kommt als Strafe bei Ungehorsam in - Betracht: Anlegen an Kette, oder Leine (auf Spaziergang), - Einsperren. Strafe und Schlagen ist nicht dasselbe! Noch - größer ist der Unterschied zwischen Wehren und Befehlen. Je - fester der Gehorsam gegenüber dem Wehren und Verbieten - (Unreinlichkeit, Anbeißen von Verbotenem, Springen auf Möbel, - Winseln oder Heulen bei Alleinsein, Betteln bei Tisch, - Herumtollen trotz Verweisens auf den „Platz”) sitzt, desto leichter - ist später das Befehlen. Bis es zu diesem kommt, muß der - Welpe verstehen und beachten lernen, muß eine gewisse Triebkraft, - Bewegungslust, Tatendrang, veranlaßt durch Muskulatur - und Interesse an allen Vorgängen der Außenwelt, also - Vertrautsein mit dieser, sowie der innere Zusammenhang mit dem - Dressurlehrer vorhanden sein, der geistige Reife voraussetzt. - Zum Wehren und Verbieten ist es nie zu früh, weil wir - durch mechanische Nachhilfe das Verständnis unterstützen können. - Das Befehlen darf erst einsetzen, wenn sich der Lehrer von der - nötigen körperlichen Energie und Regsamkeit überzeugt hat. - Also: den richtigen Moment erfassen und nur verlangen, was - der Hund auch <em>verstanden</em> hat. Führt er das aus, so darf - für die ersten Male mit einem Leckerbissen (Biskuit, Zuckerstücke) - nicht gespart werden. Und später muß jede Erfüllung mit - freundlichem Lob und lebhafter Anerkennung belohnt werden. - Pflichtgefühl besitzt selbstverständlich kein Tier, wohl aber - ist der Hund sehr empfänglich für Lob und Aufmunterung. - Ungehorsam gegenüber Kommando kann zur Ursache haben: - Furcht vor der schlagenden Hand, verspätetes oder mangelndes - Auffassungsvermögen, motorische Langsamkeit, Eigenwillen; - letzterer äußert sich durch Flucht, Kundgabe des Unmuts, - Hinlegen, nervöse Empfindlichkeit, Erregungszustände. Ehe - <!-- Seite 22 --> - man also zur Strafe schreitet, prüfe man die <em>Ursachen</em> und - versuche sie durch freundliche Ansprache, einen kurzen ruhigen - Spaziergang an der Leine zu beseitigen. Dann wird man - selbst zu der Überzeugung kommen, daß Zuhauen das - ungeeignetste Mittel ist, den Hund zur Ausführung von - Befehlen gefügig zu machen, dann wende man die systematischen - Mittel an, die in Teil III aufgeführt sind, auch wenn sie - etwas Geduld und Zeit erfordern. Unbedingte Züchtigung - (auf die Keulen) verdient nur <em>offensichtliche Widersetzlichkeit</em> - bei zweifellosem Verständnis für Befehl oder Verbot; - diese erfolge jedoch ohne Zorn und Nervosität nach klarer - Prüfung, damit der Hund fühle, wer seine Unfolgsamkeit - straft, und daß es eine energische Kraft über ihm gibt.</p> - - - <!-- Seite 23 --> - <h2 id="II"><a>II. Teil.</a><br/> - Die Erziehung des Junghundes.</h2> - <hr style="width: 10%"/> - - <h3 id="6"><a>6. Kapitel.</a><br/> - <b>Stubenreinheit.</b></h3> - - <p>Die zielbewußte Erziehung hat dem Lernen vorauszugehen. - Grundregel ist: dulde bei dem jungen Hund nie etwas, was - du später verbieten wirst! Mag es noch so harmlos sein, - wenn das saubere Tierchen auf einen Stuhl oder Divan gehoben - wird, oder sich an den Kleidern aufrichtet; es versteht - nicht, warum das, wenn es von der Straße naß oder schmutzig - ist, nicht geschehen soll. Verbotene Räume, wie die Küche, sollen - das immer bleiben. Laß ihn nicht seine schwachen Zähnchen - an einem alten Hausschuh probieren: er kennt nicht den - Unterschied zwischen alt und neu. Amüsiere dich nicht, wenn er - in kindlichem Heldenmut Pferde anbellt, Geflügel hetzt; kleine - Fehler geben später schwer auszurottende Laster. Je früher - der Welpe mit der Großstadt, dem Lärm der Wagen, Pferde, - Autos vertraut gemacht wird, desto leichter geht es; ahnungslos - trottelt er im Schutz des Herrn, während er reifer geworden, - nervös davon läuft und sich schwer an Großstadtverkehr gewöhnt. - Um ihn zimmerrein zu erziehen, muß er an der Leine - gehen; ein weicher Lederriemen genügt als Halsband, eine - solide längere Schnur, in deren eines Ende ein Karabiner, - in das andre eine Handschleife geknotet ist, genügt als Leine - zum Führen; die richtige Leinenführigkeit kommt später, wenn - er nicht mehr unreif und spielerisch ist. Zunächst achtet man - <!-- Seite 24 --> - auf den Hund, wenn er vom Lager morgens aufsteht und - sich nach einer Ecke des Zimmers begibt; man legt schnell - den Zangenkarabiner an, ruft „Hinaus”! und führt oder lockt - ihn auf die Straße. Nicht tragen, sondern führen. Liegt - die Wohnung an belebter Straße, so läßt man ihn in den - Hof oder zur nächsten ruhigen Seitenstraße bringen; denn - über Beachtung von Menschen, Tieren, Wagen, Geräuschen - kommt er nicht zu der Ruhe, die Entleerung auslöst. Der - Hund verdaut sehr gut, aber langsam; der Magen eines - Schäferhundes hat das Fassungsvermögen, das dem eines - Pferdes gleichkommt. Die langsame Verdauung kommt von - der oberflächlichen Zerkauung und Einspeichelung. Erhält er - seine Hauptmahlzeit mittags, so sind die unverdauten Reste - nach etwa 9 Stunden bis in den Mastdarm vorgerückt, so - daß er etwa gegen 10—11 Uhr abends entleeren und ein - ihn weniger belastendes Futter bis zum Morgen im Darm behalten - kann. Wasser erhält er nach Spätnachmittag überhaupt - nicht mehr. Je behaglicher sein Lager ist, womöglich in Korb - oder flacher Kiste, mit etwas Mühe zum Verlassen verbunden, - desto weniger wird er nachts aufstehen, herumlaufen und sich - im Haus lösen. Hat er es trotzdem getan, so führt man ihn - jedesmal morgens zur Stelle mit den Worten „Pfui, Hinaus”, - beschleunigt seinen Gang zur Tür mit der Gerte. Sobald er - (s. Kap. 8, Lautgeben und Melden) schon durch Ungeduld bei - vorgehaltenem Futter, Knochen, Leckerbissen gelernt hat, auf - Kommando Laut zu geben, wird man bei jedem Ausgang, - Hinausführen, ihn an der Türe kurz bellen lassen, wodurch - er anzudeuten hat, daß er hinaus will. Viele Dressurlehrer - wollen das durch Kratzen an der Türe markieren lassen; das - ist indessen für den Welpen schwieriger zu verstehen. Viele - Hunde hingegen begreifen sehr rasch, daß sie eine nur - angelehnte Türe mit der Nase aufstoßen können und markieren - das auch bei den verschlossenen. Da man das aber nachts - nicht hört, ist die Stimme des Hundes das natürlichste. - Es wird oft im Leben vorkommen, daß der Hund auf diese - <!-- Bild 3 - Seite 25 --> - Weise den Herrn alarmiert. Das natürliche Verbellen der - Jagdhunde ist nichts andres als ein Rufen des Jägers. - Ein kluger Jagdspaniel verbellt jedes Stück Wild, das - ihm zum Apportieren zu groß ist. Ein lockerer Hals ist - immer Zeichen von Intelligenz und des Triebs, sich durch - seine Sprache verständlich zu machen. Das Kratzen an der - Tür verleitet den Junghund, wenn er allein gelassen wird, - die Tür zu beschädigen; größer, gelingt es ihm durch Zufall - und Aufrichten selbst die Tür zu öffnen, was er nicht lernen - soll. Den Hund mit der Nase in den Kot zu stoßen, ist sehr - unappetitlich, auch überflüssig; schon in die Nähe der Missetat - gebracht, weiß er ganz genau, daß er gesündigt hat; es genügt - ihn zur Stelle zu bringen, ihn zu strafen und hinaus zu - stecken. Ist ein Hund trotz Anweisung, Unterstützung durch - Futter (Kartoffel, Schwarzbrot macht viel Kot, belastet stark), - trotz späteren Hinausführens nachts fortgesetzt unreinlich, so - bleibt nichts übrig, als ihn abends an eine in den Boden - gedrehte Ringschraube mit kurzer Kette dicht am „Platz” anzuhängen, - da Hunde fast nie ihr Lager oder dessen Nähe verunreinigen. - Hilft das und auch fühlbare Strafen nichts, so - muß man ihn nachts in eine Schlafkiste sperren, die so hoch - ist, daß er nur mit gesenktem Kopf darin stehen kann. Abends - erhält er dann höchstens einen Knochen als Futter, kein - Wasser.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo03.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <h3 id="7"><a>7. Kapitel.</a><br/> - <b>Gewöhnen an Kette und Leine. Verhalten im Haus.</b></h3> - - <p>Wie es viele Kinder gibt, die man dadurch, daß man - sie immer herumträgt und sich beständig mit ihnen beschäftigt, - verzogen und verwöhnt hat, so widmet sich auch häufig das - ganze Haus mit dem neuen reizvollen Spielzeug. Die Folge - ist, daß man den Welpen unruhig, anspruchsvoll, unleidlich - macht. Grade in den ersten Tagen muß er zeitweilig - ab<!-- Seite 26 -->gestellt werden, sein Lager auf Stunden im Vorhaus, Treppenhaus - angewiesen erhalten, um auch sich zu bescheiden und - Ruhe zu lernen. Durch beständige Beschäftigung mit ihm - verlernt er ganz unter Tags zu ruhen und wird nervös. - Nach Mahlzeiten heißt es „Platz”, beim Verlassen sofort: - Hinaus! Diese Übungen dürfen nicht erst vorgenommen werden, - wenn er schon verwöhnt und unrastig geworden, dann kostet es - Mühe, und man muß sein Winseln und Herumlaufen wehrend - bestrafen, das man selbst verschuldet hat. Windhunde, - Airedaleterriers, Boxer, französische Bulldoggen fügen sich williger; - Schäferhunde, Dobermannpinscher, Foxterriers nur ungern; - wünscht man ruhigere Tiere, so mag man das schon bei - Anschaffung berücksichtigen. Jung gewohnt, alt getan. Läßt - man den Hund ohne solche Vorübungen allein im Haus, so - wird er heulen oder seine Langeweile in Zerstörungen, - Anbeißen von Portieren, Stiefeln, Polstern auslassen, die Türe - zerkratzen, wenn sehr temperamentvoll, sogar annagen. Nachts, - oder allein im Haus gelassen, wird ihm sein „Platz” im - Treppenhaus angewiesen. Die Ruheübungen sind anfangs - kurz, wenn älter, länger auszudehnen. Junge Hunde sollen - nicht beständig an der Kette liegen, da sie dadurch in der - Gebäudeentwicklung, namentlich an Vorderläufen und Brustpartie - Schaden leiden, sie müssen es aber lernen, sich darein zu - fügen, daß sie zeitweilig angekettet werden, um ihnen begreiflich - zu machen, daß eine Gewalt über ihnen existiert, auch wenn - der Herr nicht drohend vor ihnen steht. Wenn sie am Lager - kurz angekettet, sich auch anfangs etwas aufgeregt benehmen, - so ist es besser, sie gewähren und selbst zur Einsicht kommen - zu lassen, als ihnen sofort zuzusprechen und zu drohen. Nur - wenn sie es mit Heulen und Zerren allzu toll treiben, muß - man kurz und energisch sie zur Ruhe verweisen, um sie bald - zu erlösen, wenn sie sich eine Zeitlang gefügt haben. Zur - weiteren Übung wird die Dauer verlängert. Haben sie so - eingesehen, daß der Zwang stärker ist als sie, so wird man - bei allen späteren Dressuren nicht erst den Kopf brechen - <!-- Seite 27 --> - müssen. Springen auf Stühle ist sofort energisch durch einen - Schlag mit der Gerte zu verweisen, ebenso jeder Versuch auf - Divan oder im Bett Platz zu suchen. Niemals darf der - Junghund irgend welche Gegenstände, die zufällig auf dem - Boden liegen (Schuhe, Besen, nicht einmal ein Scheit Holz) - oder fallen, mit den Zähnen erfassen oder gar auf sein Lager - schleppen, um damit zu spielen. Das würde zum Zerbeißen - führen. Beim ersten Versuch muß das ein kräftiger Schlag - über die Schnauze rügen oder ihm der Gegenstand sofort - unter Rüge abgenommen werden. Um die Strafe eindringlicher - zu machen, legt man den betreffenden Gegenstand noch eine - Zeitlang vor ihm hin und zwingt ihn zum ruhigen Liegen - davor. Sucht sich ein Junghund mit besonderer Hartnäckigkeit - ihn anreizende Gegenstände aus, so bestreue man diese mit - Tabakstaub oder Pfeffer. Ein sehr nützliches und billiges - Hilfsmittel zur Erziehung ist eine kleine Schlagmausefalle, die - man zum Fang gespannt (natürlich ohne Köder) auf einen - Hausschuh stellt. Berührt der Hund trotz Verbots den Schuh, - so klappt die Falle zu, und der Bügel gibt einen energischen - Schlag auf die Nase. Mit derselben Falle gewöhnt man - Junghunden und auch älteren das Naschen gründlich ab. Auf - die Falle wird ein Stück Brot oder Zucker gelegt und diese - kommt auf einen Stuhl oder Tisch. Beim Stehlen erfolgt - dann der Schlag, der für den Hund um so heilsamer ist, da - er niemand bemerkt, der die Lektion austeilte. Besucher und - Freunde bittet man, den Hund nicht anzulocken oder anzusprechen, - ja bei Annäherung ihn mit leichtem Klaps oder - Pfui abzuweisen; wir wollen keinen Allerweltsfreund, sondern - einen zuverlässigen und treuen Wächter erziehen, der auf der - Straße später Fremde vollkommen ignorieren muß. Das alles - sind zwar Selbstverständlichkeiten, doch soll sich der Erzieher - eines Hundes schon vorher bestimmt im Klaren sein, nicht - erst nach Mißgriffen und Unterlassungen zur Erkenntnis - kommen. Vorbeugen ist leichter als korrigieren. Ehe man - lange überlegt und dann beschließt, muß schon das Kommando - <!-- Seite 28 --> - der Abwehr erfolgen. Manches hängt auch von Rasse und - Größe ab. Es gibt gewiß nichts schöneres, als wenn der - freudig erregte Hund seinen Herrn stürmisch begrüßt, an ihm - aufspringt und sich wie toll gebärdet, und doch muß das bei - größeren Rassen gewehrt werden. Sollen wir da mit scharfem - Verweis verbieten, was uns erfreuen müßte? Wir beugen bei - unserem persönlichen Liebling vor, befehlen rasch: „Setz dich, - gib Pfote” und drücken ihm diese. Ein Kompromiß. Wo - geht es ohne solche im Leben?</p> - - - <h3 id="8"><a>8. Kapitel.</a><br/> - <b>Melden und Lautgeben.</b></h3> - - <p>Unerläßlich ist es für den nützlichen Haushund, daß er - sowohl auf Kommando, sowie bei allen auffälligen - Erscheinungen Laut gibt. d. h. kurz anschlägt und das wiederholt, - bis sein Verhalten beachtet worden ist. Wie der Hund - genau den Tonfall der Stimme seines Herrn kennt und sogar - selbst verwirrt wird, wenn dieser in heftiger Erregung - Befehle gibt, so wird der Herr mit der Zeit genau - unterscheiden, ob der Hund aus Ungeduld kurz und halblaut wie - fragend, ob scharf tief grollend oder zornig als Drohung - beim Wachen anschlägt, ob er nur mechanisch beim Bellen - anderer Hunde mitmacht, was in langes Geheul oft in stiller - Nacht übergeht, oder ob er einen zwar gegebenen Anlaß aus - Übermut zu einer willkommenen Emotion für sich selbst steigert. - Bei manchen Rassen, Dobermannpinscher, Pinscher und besonders - Spitz, muß man zurückhalten und dämpfen, um nicht - durch Erschrecken von Kindern und alten Leuten in Konflikt - zu kommen, so daß man sie sogar morgens nicht frei, sondern - nur angeleint hinausführt oder sie einen Gegenstand im Maul - tragen läßt. Bei anderen Rassen muß das Lautgeben erst - geweckt werden, indem man den Junghund auf ein Stichwort - z. B. das kurz herausgestoßene, suggestive „Gib Laut” gewöhnt. - <!-- Seite 29 --> - Fast alle Hunde schlagen an, wenn sie ungeduldig die Futterschüssel - erwarten, bemerkt man nur den Ansatz dazu, so ruft - man unter Vorhalten der Schüssel „Gib Laut”. Sobald das - geschieht, wird das Futter gegeben und diese Übung so oft - wiederholt, bis er sofort auf Kommando reagiert. Dann das - Kommando ohne Schüssel, doch die Befolgung belohnt, später - nur belobt. Andere Hunde, bei welchen der Trieb zur Bewegung - lebhafter ist als der Hunger, bellen vor Ungeduld, - wenn man an der Tür beim Hinauslaufen zögert; hier - verfährt man ebenso. Andere lockt der abendliche Knochen mehr, - den man beriechen läßt, ohne ihn zu geben. Wieder andere - geben Laut aus Wachsamkeit, wenn sie fremde Stimmen hören, - wenn es klingelt, was das Kommen von Menschen andeutet, - oder wenn es an der Tür klopft. Auch hier bestärkt man - durch Zuruf, verhindert aber den Übergang des Meldens in - heftigen Zornesausbruch durch Kommando „Platz, leg dich”! - Auf seinem Lager und in dieser Stellung hat absolute Ruhe - zu herrschen, die man nötigenfalls durch so kurzes Anhängen - mechanisch erzielt, so daß der Hund den Kopf nicht erheben - kann. Jeder solche körperliche Zwang ist besser als ein - strafendes Wehren, das vom Hund leicht als Strafe für - Bellen, nicht aber als Befehl zum Aufhören aufgefaßt wird. - Der Gelegenheiten und zufälligen Anlässe zum Lautwerden - gibt es noch mehr; oft schon Anziehen von Paletot oder - Ergreifen des Hutes, Poltern durch Hilfspersonen an der - Tür, scharfes Fixieren, leichte Schläge auf die Vorderpfoten, - wozu der Hund angelegt wird; je leichter der Hund aus sich - heraus bellt, desto schneller lernt er auch auf bloßen Befehl - und später bei den Anlässen, bei welchen der Befehl wiederholt - gegeben wurde, auch ohne Befehl anzuschlagen. Solche - sind: Eintritt oder Ankündigung fremder Personen, Warten - vor geschlossener Tür auf Befehl „Hinaus”, nächtliches Stoßen - auf verdächtige Geräusche und Dinge, auf Schuß. Ist es - z. B. nachts nötig, daß er plötzlich verstummt und befolgt in - Erregung den Befehl (st, st) nicht, so drückt man den Kopf - <!-- Seite 30 --> - nieder oder wickelt schnell die Leine um den Fang, ohne - Schmerzen zu verursachen. Für alle Fälle ist auch nützlich, - sobald der Hund willig auf Befehl Laut gibt, mehrmals eine - Zeitung im Keller oder Speicher anzubrennen und ihn direkt - vor dieser fortgesetzt bellen zu lassen; dann wird er sicher - jedes Feuer im Haus melden, dessen Geruch er wahrnimmt, - wenn er es selbst nicht sieht.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo04.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <h3 id="9"><a>9. Kapitel.</a><br/> - <b>Verhalten auf der Straße.</b></h3> - - <p>Durch Begleiten am Fuß und exakte Leinenführigkeit - (s. Kap. 13) ergibt sich diese für den erwachsenen Hund von - selbst; vom Junghund kann das noch nicht gefordert werden; - er läuft dem Herrn nach oder wird an der längeren Leine - mehr geleitet, also kurz gehalten. Ohne solche soll er anfangs - in der Großstadt mit Autos und starkem Menschenstrom während - der lebhaften Verkehrsstunden nicht auf die Straße kommen. - Man gewöhne sich und ihn, bis er sich gelöst hat, auf der - Straße (nicht Trottoir) zu gehen; das sind wir unseren Mitmenschen, - ihren Augen, Nasen, Stiefelsohlen schuldig, genau - so wie sie unser Hund nie durch Bellen erschrecken darf. Noch - weniger sollen sich Hunde allein aufsichtslos, selbst nicht in - einsamen Straßen herumtreiben. Vermeiden wir durch rücksichtsvolle - Haltung alles, was Anstoß erregt, so wird die - Hundeliebhaberei mit Steuererhöhung, Maulkorb- oder - Leinenzwang verschont bleiben. Zunächst wird der Junghund aus - Spielerei allem, was sich rasch bewegt, Wagen, Radfahrer, - Auto, Kindern, nachlaufen und nachbellen wollen. Ein scharfer - Ruck und plötzlicher Schlag über Schnauze mit Gerte muß - das im Keim ersticken, wenn es noch so harmlos erscheint. - Ebenso das Hineinlaufen in fremde Häuser und Vorgärten, - das Hinziehen zu andren Hunden. Hat man ihn nicht schon - mehrmals im Haus durch Verabredung üble Erfahrung beim - <!-- Seite 31 --> - Einschmeicheln bei Fremden machen lassen, so muß man das - mit einer Vertrauensperson für die Straße verabreden, der - man die Gerte in die Hand gibt. Sobald der Junghund sich - vertrauensselig dieser nähert, erfolgen durch diesen einige - energische plötzliche Schläge. Nach 2—3, Lektionen, besonders - nützlich, wenn die Gehilfen selbst einen Hund mit sich führen, - ist der Sünder für immer kuriert. Die kleine Mühe, wozu - jeder gern die Hand bietet, lohnt sich für alle Zeit und reichlich, - während man allein durch zehnmaliges Warnen weniger erzielt. - Auch wir haben im Leben alle schlechte Erfahrungen - selbst machen müssen, obschon es an „guten Lehren” von - Jugend auf in Schrift und Wort nicht gefehlt hat. Genau - so der Hund, der dabei zugleich lernt, daß es immer nützlich - ist, sich nur an seinen <em>Herrn</em> zu halten. Tollt der Hund - Wagen nach, so würde der temperamentvolle Terrier oder - Schäferhund bei erbetnem Schlagen und Knallen des Kutschers - erst recht in Erregung geraten, nur der von der Peitsche - getroffene aufschreiend ablassen. Das beste Erziehungsmittel - ist deshalb die <em>Gummischleuder</em> (Abb. 1), die zum Kurieren - für Raufer, Geflügel- und Hasenhetzer unersetzlich wertvoll ist. - Ein scharfer Pfiff und dazu einige Schrotkörner, deren Herkunft - dem Hund unheimlich ist, wirken Wunder. Die Schleuder, - spielend zu handhaben, bequem in der Tasche zu tragen, eine - kleine Ausgabe, ist auch gegen fremde Raufer nie versagend - <!-- Seite 32 --> - und erspart bei lebhaften Hunden die hohen Unkosten für - Dressur oder für manchen verhüteten Schaden. Haben wir - in einsamer Straße unseren Rüden von der Leine gelöst und - es nähert sich ein größerer Rüde, so sieht man schon an der - aufgerichteten Kampfstellung, gesträubtem Rückenhaar, erhobner - steiler Rute, ob Rauflust vorhanden ist. Anlage dazu haben - fast alle geschlechtsreifen Terriers, Schäferhunde, Boxer, - Doggenschläge, Dobermannpinscher; hält man einen solchen, - so versäume man Anschaffung der Gummischleuder (Zwille) - nicht und beobachte scharf, besonders im Alter beginnender - Geschlechtsreife. Durch beständiges Führen, sofortiges Anlegen - kann man wohl Vorbeugen, aber nicht heilen. Bei den - ersten Anzeichen von Erregung, Stutzen beim Anblick des - Gegners muß schon der Strafschuß erfolgen und dann sofort - an die Leine, aber nicht vom anderen Hund in entgegengesetzter - Richtung wegführend, sondern an diesem dicht vorbei - unter scharfer Mahnung. Pudel, französische Bulldoggen, - Schnauzer, Bernhardiner. Neufundländer, Rottweiler, Zwergrassen - sind weniger kampflustig veranlagt; diese werden nur - bisweilen durch bissige Angreifer verdorben. Jene soll man - durch einen Schreckschuß seinem Schützling fernhalten. Auch - bei nächtlicher Ruhestörung des im Hofe im Zwinger befindlichen - Hundes ist diese „lange Peitsche” nützlich, sowie - das wirksamste Mittel aufdringliche Rüden fern vom Hause - zu halten, wenn man eine Hündin besitzt und diese läufig ist. - Betritt man einen Laden, so hält man den Junghund sehr - kurz, duldet nicht das Beriechen der am Eingang stehenden - Körbe, Säcke, Kisten, da das häufig vom Aufheben des Beines - begleitet ist. Da er aber leicht aus Spielerei fortlaufen oder - überfahren werden könnte, läßt man erst vor dem Laden allein - warten, wenn er fest im Appell ist.</p> - <div class="image-center"> - <img src="images/gummischleuder.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - <!-- Foto 4 - Seite 33 --> - <h3 id="10"><a>10. Kapitel.</a><br/> - <b>Verhalten auf Spaziergang.</b></h3> - - <p>Im Gegensatz zur Aufsicht und Beherrschung auf der - Verkehrsstraße, soll beim Spaziergang hinaus <em>möglichste - Freiheit</em> für den Hund angestrebt werden; hier soll er - sich ausleben und körperlich entwickeln. Nur flotter Auslauf - auf hartem Boden gibt gesunde Glieder, harmonische Bewegung, - geschlossene Zehen, festen Rücken, widerstandsfähige Konstitution, - kurz alles, was gegen Krankheiten stählt, zum Gebrauchs-, - Zucht- und Arbeitshund stempelt, und zu jener schönen Erscheinung - macht, die der Preisrichter auf Ausstellungen über - alles stellt und hoch auszeichnet. Doch auch was uns selbst - eine ästhetische Freude beim Anblick ist, zumal wir es sich - entwickeln sehen und durch rationelles, immer dem Können - und Alter angepaßtes Trainieren unterstützen. Auf langen - Spaziergängen lernen sich Herr und Hund kennen und wachsen - zu einer Einheit zusammen. Von der Erfrischung und Erholung - für uns selbst noch gar nicht zu sprechen. Winselnd - und ratlos bleibt der schwächlich aufgezogene, mangelhaft ernährte, - energielose Hund vor einer steilen Böschung, die wir - überklettern, stehen, während der temperamentvolle es drei- - und sechsmal versucht, bis es ihm gelingt, uns nachzufolgen. - Er wird gelobt, wie man überhaupt viel mit dem Hunde - <em>sprechen soll</em>. Zeigt er Spuren von Ermüdung, z. B. nach - lebhaftem Tollen etwas eingesenkten Rücken oder lockre Ellenbogen, - so wird länger gerastet. Hat man statt eines Welpen - einen halbfertigen oder älteren Hund erworben, so kann man - ihn mit achttagelanger Haltung im Haus und an Leine nicht - so fest an sich gewöhnen, als wenn man schon am zweiten - Tage ihn über einige Stunden hinaus in die Einsamkeit von - Feldwegen bringt, und dann springen läßt. Läuft er auch - scheinbar davon, so rufe man nicht und gehe in entgegengesetzter - Richtung. Kehrt er zurück in die Nähe, so spricht - <!-- Seite 34 --> - man freundlich mit ihm, ohne ihn anzulegen und läßt ihn - weiter herumspringen. Bis er ermüdet selbst dicht herbei - kommt und erst kurz vor der Wohnung oder Stadt wieder - angelegt wird. Fremde zogen hinaus, zwei gute Freunde - kehren zurück. Freiheit ist aber nicht gleichbedeutend mit - Zügellosigkeit. Wenn es auch ein schönes Bild ist, einen - Hund hinter einem Hasen über die Felder fliegen zu sehe, - so muß man doch sofort anrufen, wenn der Hund mit tiefer - Nase auf Wildspur sucht. Aus dem gelegentlichen Hetzer, - den jeder Jäger zu erschießen berechtigt ist, wird ein Gewohnheitswilderer. - Und außerdem soll jeder Natur- und Tierfreund - das Recht des Jagdinhabers respektieren und - dessen Wild nicht beunruhigen. Es ist wohl kein Unglück, - wenn unser Hund Krähen hoch macht, aber zwischen schwarzen - Haushühnern im Hof und Krähen ist für ihn kein Unterschied; - er versteht nicht, warum ihm dort erlaubt wäre, was hier - scharf gewehrt werden muß. Wenn auch Hundefreunde selten - Katzenliebhaber sind, so müssen wir doch den Junghund sofort - abrufen und anlegen, wenn er Miene macht, solche anzugreifen. - Es könnte leicht ein Auge kosten. Fast alle Katzenwürger - entstehen durch Anhetzen, wobei allerdings die sogenannte - natürliche Feindschaft, die nichts ist als Kampflust des großen - Hundes gegen das kleine fauchende, drohende Tier, unterstützt. - Unterläßt man anfangs das Anhetzen, so ist es leicht abzurufen, - ebenso von ruhigem Geflügel. Ein gutes Mittel zur - Geflügelfrommheit ist es im Einvernehmen mit dem - Geflügelhalter den Junghund an der Leine nahe an eine ihre Kücken - führende Henne zu bringen. Diese geht in Mutterliebe so - energisch auf den Hund los, daß dieser für immer belehrt ist. - Allzuängstlich braucht man bei Begegnung mit fremden Hunden - in der Einsamkeit nicht zu sein, es gibt höchstens Flöhe. - Sonst aber meist: viel Lärm um nichts. Muß man aber eingreifen, - so fasse man <em>nie mit ungeschützter Hand</em> nach dem - Halsband, das hat schon manchem gefährliche Bisse eingebracht. - Eher nach Hinterlauf oder noch besser an der Rute. Fremde - <!-- Seite 35 --> - drohende Bauernhunde lassen sich meist verscheuchen, wenn - man sich nur bückt, um einen Stein aufzuheben. Sie haben - darin Erfahrung. Mit Stock bei größten Hunden dreinschlagen, - steigert die Wut der Kämpfer. Bei vielen Hunden hilft rasches - Entfernen und Abpfeifen mehr als Dabeistehen und Schelten. - Zur Abwehr von Gewohnheitsraufern, bei denen uns vielleicht - ein liebgewordener Weg vorbeiführt, leistet ein Schrotschuß - mit der Gummischleuder allerbeste Dienste. Nach 2—3 maliger - Anwendung weicht der Köter schon aus Entfernung aus, wenn - er die Vorbereitung bemerkt. Ferner tritt die Schleuder in - Dienst, wenn der Hund Radfahrern oder Wagen nachprellt, - was er selten tun wird, wenn man fleißig mit ihm ins Freie - geht. Auf einsamen Wegen kann es passieren, daß der Hund - auf Aas stößt (tote Mäuse oder dgl.) und sich darauf wälzt, - so daß er mit entsetzlichem Gestank behaftet zurückkommt. - Hunde, die dazu neigen, das Aas auf große Entfernung wittern - und darauf zulaufen, muß man im Auge behalten, sofort - anrufen, wenn sie erst mit der Nase prüfen. Gehorchen sie nicht, - so erfolgt der Schrotschuß, darauf anleinen und sie unter - Verweis der betreffenden Stelle führen. Manche Hunde, die zu - einseitig ernährt werden (Mangel an Nährsalzen), neigen zum - Kotfressen. Auch hier hilft nur Aufpassen, wenn man versteckte - Stellen, Mauern, Gräben oder sonst für menschliche Kotablage - geeignete Plätze passiert. Eine tägliche Gabe von Chlorkalzium - in das Futter getropft (Dosierung s. 1. Kap.), sowie Fleisch oder - Knochenbeigaben, unterdrücken diese üble Neigung. Sonst wird - man möglichst wenig auf Ausgängen erziehen, anrufen, - dirigieren. Der Hund soll sich nach dem Herrn umsehen; wer ihn - an jeder Straßenecke ruft, erzieht einen Hund, der geht, wohin - er will, statt daß er den <em>Herrn</em> beständig im Auge behält.</p> - - - <!-- Seite 36 --> - <h3 id="11"><a>11. Kapitel.</a><br/> - <b>Der Appell (Kommen und Gehen auf Befehl).</b></h3> - - <p>Zu dieser sehr wichtigen Übung raten wir, solange der - Hund noch im unreifen, aber eindruckfähigen Alter steht. Der - Gehorsam muß anerzogen in sein ganzes Wesen übergehen, nicht - durch Dressurlektionen erzwungen werden. Der Nachhilfe, die - dazu unerläßlich, setzt der <em>Junghund</em> noch weniger Muskelkraft - entgegen, ist noch leicht einzufangen, auch soll er dabei - durch kleine Belohnungen den Eindruck gewinnen, daß rasches - Befolgen für ihn von <em>Vorteil</em> ist. Hat er begriffen, <em>was</em> - er soll, so genügt später freundliches Lob. Das vertrauensvolle - bedingungslose Herkommen soll auch deshalb der systematischen - Dressur, bei welcher man ohne gelegentlichen Zwang - und gewisse Härte nicht auskommt, voraus gehen, da der - Junghund im Kommen nur das Laufen zum freundlichen - Herrn erblickt, der ihn noch nicht mit Lernen und sonstigen - Zumutungen bedrückt hat. Wie alle späteren Übungen - erfolgt diese im Anfang nicht bei starkem Ruhebedürfnis - (kurz nach der Hauptmahlzeit), auch nicht direkt während lebhafter - Emotion (Spiel, Springen, Bellen), in deren Bann seine - Aufmerksamkeit voll steht, noch in Anwesenheit ablenkender - Personen (Kinder, belebter Hof). An die Führungsleine muß - er schon so weit gewöhnt sein, daß er sich an dieser nicht - ungebärdig benimmt, in diese beißt. Für diese Übung wird sie - durch eine längere (3—5 m) ersetzt. Man gibt ihm an dieser - voll nach, legt die Schleife um das Handgelenk und ruft den - Namen, dazu lockend: „herein”, in die Hände klatschend. - Dieses Klatschen war oben schon angedeutet, um seinen Gang - zu beschleunigen, wenn ihm die Futterschüssel hingestellt wird. - Kommt er nicht sofort, so zieht man ihn unter Anruf heran - falls nötig mit leichtem Ruck. Dann beklopft und streichelt - man ihn freundlich, als ob er von selbst gekommen wäre. - <!-- Seite 37 --> - Nach einigen Minuten und Gehen an der verkürzten Leine - läßt man diese nach und wiederholt den Anruf, wie oben angegeben. - Sobald er das erste Mal willig und von selbst - kommt, erhält er eine Belohnung und lebhaftes Lob. Ohne - Ablenkung durch die Umwelt wird jeder Hund nach 3 Tagen - verstehen, was er soll. Immer noch erfolgen die Übungen - an langer Leine, die man versuchsweise aus der Hand läßt. - Kommt er willig, so löst man ihn nach Belohnung und - springt selbst mit ihm ein Stück, was immer für jeden Hund - ein wohl verstandenes Zeichen von Anerkennung ist. Plötzlich - bleibt man stehen, entfernt sich rasch nach rückwärts und - ruft unter Händeklatschen. Wer es vorzieht, kann sich auch - einer Pfeife bedienen. Aber niemals geht man beim Hereinrufen, - um den Weg zu kürzen, entgegen, weil das Zugehen - eher etwas Drohendes hat, oder den Hund zu der Annahme - veranlaßt, es gehe weiter, und bisher war er immer gewöhnt, - gemäß der Richtung des Herrn zu laufen. Diese Übungen - sind so lange an der langen Leine fortzusetzen, bis der Hund - genau begreift, was er soll und daß er <em>muß.</em> Hierauf - kommen Übungen in Freiheit, wozu man die Gummischleuder - mitnimmt. Ignoriert der Hund den Anruf völlig, dreht sich - nicht einmal um, so erfolgt plötzlich der Strafschuß ohne - vorherige Drohung. Auf diesen der freundlichste Anruf. Hierauf - wieder einige Übungen an der langen Leine. Hört der - Hund auf Anruf, nähert sich aber nur zögernd und halt - machend, so wäre ein Strafschuß falsch; dann entfernt man - sich rasch und lockt; wiederholt die Übungen an der Leine. - Überflüssiges Pfeifen und Anrufen (Kommando, etwas anderes - als Unterhaltung) ist zu vermeiden; außer auf Gehör (Ruf, - Klatschen) wird man vorteilhaft durch Anwinken mit dem - Arm unterstützen und so zugleich auf das Auge einwirken. - Später wird das Deuten mit dem Zeigefinger eine Hilfe sein, - wo er einen Gegenstand zu suchen, also seine Aufmerksamkeit - hinzulenken hat. Zunächst deute man mit dem Arm zum - Herrn: „herein”; für den fertigen Hund muß später das - <!-- Seite 38 --> - Winken mit dem Arm allein genügen. Sitzt das Herkommen - fest — geübt wird es seltener, nur praktisch angewandt —, - so wird das entgegengesetzte geübt. Erst einige Male im - Zimmer blitzschnell „Platz”, unter Lösen der Leine und - Armbewegung, scharf gegeben. Sodann etwa 20 Schritte vom - Hause: „Geh Platz!” unter Lösen von der Leine scharf - gegeben unter Drohung mit Gerte. Zu Hause wird er erwartet - und gelobt, aber nicht belohnt, weil er sonst leicht von selbst - umkehren könnte, in der Erwartung, sich damit etwas zum - Fressen zu verdienen. Nächsten Tages wird die Entfernung - erhöht auf 30 m und der Hund nach <sup>1</sup>⁄<sub>4</sub> Stunde abgeholt - und mitgenommen. Geht er nicht sofort freiwillig, so begleitet - man anfangs einige Schritte und wiederholt das Kommando - „Geh Platz”. Diese Übungen müssen zunächst nicht auf alle - Entfernungen ausgedehnt werden; da es aber nützlich ist, wenn - man seinen Hund mit einer Botschaft nach Hause senden kann, - werden sie später nach vollendeter Reife wiederholt, wenn der - Hund alt und selbständig genug ist, sich nicht abfangen zu - lassen. Jetzt sollen einige solche Übungen zunächst nur den - Junghund lehren sofort nach Hause zu <em>finden,</em> wenn er sich - vom Herrn zufällig verirrt oder allein unbeaufsichtigt das - Haus verlassen hätte. Ist er im Nachhausegehen nie geübt - worden, so irrt er ratlos ab und kann leicht zu Verlust - geraten. Nützlich ist es auch bei Heimkehr vom Spaziergang - in Nähe des Hauses stehen zu bleiben und ihn mit Kommando - „Geh Platz” vorauszuschicken. Man geht nach, wenn er - gefolgt hat und ruft dem an der Haustür wartenden Hund - aus etwas Entfernung zu: „Gib Laut”, worauf ihm das - Tor oder die Tür dort geöffnet werden soll. Das nächste - Mal wird er von selbst durch Bellen Einlaß verlangen.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo05.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <!-- Seite 39 --> - <h3 id="12"><a>12. Kapitel.</a><br/> - <b>Spielende Dressur.</b></h3> - - <p>Die spielende Dressur wird von Anhängern der scharfen - Parforce-(Gewalt)-Dressur, die erst bei fertigen Hunden - einsetzen dürfe, schroff verurteilt. Der Berufsdresseur, der in - 6—8 Wochen einen Hund in allen Fächern firm machen soll, - kann freilich damit nicht arbeiten. Wer sie aber anwendet, - muß sich bewußt sein, daß er nicht mit dem Hund <em>spielen,</em> - sondern den <em>Trieb zum Spiel</em> ausnützen, der nichts - ist als Kräfteüberschuß, worin schon Schiller das Wesen des Spieles - sah (s. dessen „Über die ästhetische Erziehung des Menschen”, - 27. Brief). Dem Kind ist sein Spiel tiefer Ernst; nur wer - darauf eingeht, es nicht als gehaltlose Tändelei ansieht, wird - das Kind verstehen und richtig leiten. Ebenso den zum Spiel - aufgelegten Hund. Die besten Tricks der Dressur wilder Tiere, - bewunderte Paraden von Freiheits- und Schulpferden sind - nicht vom Dresseur erfunden und geschaffen, sondern vom Tier - selbst; der Vorführende schleift höchstens ab und inszeniert. - Ebenso bei den Hunden; kleine Wunder von Dressur erreicht - auch bei Hunden nur, wer ihren Spieltrieb im Jugendalter - beobachtet, ihn ausnützt durch Entgegenkommen, aus einer - Pose und einem Versuch etwas macht, dazu das Kommando - und Nebenumstände schafft. Was wir selbst nach Vorschriften - für alle Hunde an Erfolgen erzielen, ist nur ein Wehren - unter Drohung und Zwang, Erziehung genannt, und ein - mechanisches Einpauken von Gehorsamsübungen unter Ausnützen - von Sinnesanlagen (Gehör, Nase) und Urtrieben (Suchen, - Revieren, Wachen, Haß gegen andre Tiere). Mehr oder - minder scharf gedrillt und prompt ausgeführt, größere oder - geringere Anlagen bei einzelnen Rassen und innerhalb dieser - der Individuen, das allein unterscheidet die Resultate an den - Hunden trotz aller Erziehung und Dressur. Den Jagd- und - Gebrauchshund in Vollendung macht die Hochzucht. Anders - <!-- Seite 40 --> - beim Gesellschaftshund. Sobald ihm Bewegung nicht mehr eine - Anstrengung ist, er auch geistig regsam wird, setzt der - Spieltrieb ein, das Verlangen nach Beschäftigung, etwas Tätigkeit. - Kommt der Besitzer dem nicht entgegen, bietet er nicht die - äußeren Anreize, deren das in Gefangenschaft gehaltene Tier - ebenso bedarf, wie der Mensch, so sucht der Hund selbst nach - Betätigung. Je nach Kraft, Größe, Temperament ergibt das - unliebsame Vorkommnisse; Zerstörungssucht nennt man es bei - Kindern. Vorbeugend sperrt man tateneifrige Hunde in den - Zwinger ein, hängt sie an die Kette, wo sie störrisch werden - und verdummen, während gerade die beste Zeit zur Erziehung - wäre. Beständig in menschlicher Gesellschaft werden sie - intelligent, lenksam. Am leichtesten lernt der Hund im Spieltrieb - apportieren; wenn er sich irgendwelche Gegenstände auf - seinen Platz schleppt, ist der richtige Zeitpunkt. Man läßt vom - Drechsler aus Buchenholz einen Apportierbock von folgendem - Querschnitt ◻═◻, schlicht ohne Politur drehen, der leicht - rollt, je nach Größe der Rasse 15—30 cm lang, bewegt ihn - dicht vor den Augen des Hundes, wirft ihn leicht in die Höhe, - fängt ihn auf, um so die Aufmerksamkeit zu erregen, rollt ihn - dann an einen glatten Platz: Hausflur, Garten, nach Ruhe - während des Spaziergangs an einsamer Stelle vor seinen Augen - fort mit dem aufmunternden Ruf: „Apport”. Der Hund - springt sofort nach, um ihn zu fangen. Ergreift er nicht - sogleich, so kommt man zuvor, nimmt ihn weg, bewegt das Holz - vor ihm und wirft aufs neue: „Apport”. Für Foxterriers, - Airedales, die gerne springen, kann man auch eine Holzkugel - oder Vollgummiball wählen, doch werden diese dann zuweit - mit der leichten Beute davon eilen. Und es kommt darauf - an, daß der Hund den Gegenstand alsbald abgenommen erhält, - bis er selbst merkt, daß Ablieferung eine Fortsetzung des - Spiels bedeutet. Das Apportierholz ist immerhin für das - noch schwache Gebiß eine kleine Last. Sowie der Hund - gefaßt hat erfolgt das Kommando: „herein”, auf das er in - seinem Eifer meist nicht prompt folgt, nur mit Aufhorchen - <!-- Foto 5 - Seite 41 --> - oder Zögern reagiert. Man eilt herzu, nimmt ihm mit sanfter - Gewalt das Holz ab, reizt ihn ein wenig und wirft aufs neue: - „Apport”. Dieses Spiel wird höchstens 3—4 mal wiederholt, - so daß es Reiz des Neuen hat. Keinesfalls darf es ermüden - oder langweilen, niemals dürfen wertlose Holzstücke oder gar - Steine, an denen häufig Zähne abgebrochen werden, benützt - werden. Läßt man auch nur einmal den fortgeworfenen - Gegenstand zum Zerbeißen oder den Hund achtlos wegwerfen, - so stiftet man für spätere Dressur zum korrekten Apportieren - Schaden, verleitet man ihn sich Gegenstände des Haushalts - zum Zerstören einzuholen. Hat der Junghund Freude am - Nachspringen und Ergreifen, läßt sich aber nur widerwillig - abnehmen oder jagt damit davon, so übt man einige Male - an langer Leine. Für jedes Abnehmenlassen oder gar Bringen - erfolgt lebhaftes Lob. Mit ein wenig Entgegenkommen muß - man schon zufrieden sein, dann wirft man weiter. Gestraft - wird hierbei nie, höchstens die Übung abgebrochen. Erst wenn - man zufrieden ist, wird der Holzbock durch Holzkugel oder - Vollball ersetzt. Wirft man letztere in Rasen, so umwickelt - man sie mit hellem Stoffstück, um sie sie mit dem Auge zu - finden. Kluge Hunde beobachten die Stelle des Einfallens - und lernen bald, was sie nicht sehen, mit der Nase zu suchen, - eine wertvolle Erleichterung für Verlorenapportieren. Wichtig - für alle spielende Dressur ist der richtige Zeitpunkt; dieser ist, - wenn der Hund selbst sein Lager verläßt und zum Herrn - kommt, sich meldet; dann ist er aufgelegt, empfänglich. - Spiellust läßt sich anregen, fördern, nicht befehlen. Setzt er sich - fragend vor uns, so richten wir ihn an den Vorderpfoten - auf, halten ihn einen Augenblick, lassen los, aber die Hände - dicht vor ihm und sagen: „so schön”, ihn scharf ansehend. - Macht er Miene sich herabzulassen, so mahnen wir mit „schön”, - brechen ab, ehe er herabgeht, beloben und belohnen ihn. Das - nächste Mal halten wir ihm unter dergleichen Mahnung einen - Bissen dicht vor die Nase: „so schön”, werfen ihn nach kurzer - Zeit im Bogen von oben zu mit dem Ruf „Nimm”! Werden - <!-- Seite 42 --> - diese und ähnliche Übungen gemacht, wenn der Hund von selbst - zum Herrn kommt, so haften sie nach 3—6 mal. Holt man - ihn und nötigt ihn dazu, so wird er nach 10 maliger Anweisung - noch immer die mechanische Unterstützung und Anleitung - brauchen. Richtet sich der Hund von selbst oder nach - Anlocken unter Vorhaltung von Knochen oder Zucker auf den - Hinterbeinen auf, so ist es Kleinigkeit, diese Stellung zu - verlängern durch langsames Entfernen über ihm nach rückwärts, - unter Zeigen und Vorhalten des Bissens ihn das Gehen auf - den Hinterbeinen (Tanzen) zu lehren. Durch Aufheben - aufgerichtet und Zuspruch lernt er es schwer, viele, gar nicht. - Sie müssen selbst die dazu nötige Stellung ausbalancieren - und einen Zweck vor Augen sehen. Sitzen wir ruhig im - Zimmer, und der Hund kommt langsam heran, berührt uns - mit der Pfote, so ergreift man diese lebhaft und drückt sie. - Hält dann die offne Hand vor die Pfote. Erhebt er sie nicht, - so stößt man leicht von rückwärts den Vorderlauf an: „<em>Gib - Pfote</em>.” Handbewegung, Armhaltung und Wort müssen sich - immer ergänzen. Stille im Zimmer, Abwesenheit anderer - Menschen sind der richtige Moment. Das im Augenblick gegebene - zu erfassen macht den Laien zum Dressurkünstler, nicht - das Programm und Lehrbuch. In allem sonstigen mag man - nachlesen und Rat hier einholen, was in diesem Kapitel 12 steht, - muß in das Gefühl übergehen und in den Fingerspitzen sitzen.</p> - - - <!-- Seite 43 --> - <h2 id="III"><a>III. Teil.</a><br/> - Systematische Dressur des Jährlings.</h2> - <hr style="width: 10%"/> - - <h3 id="13"><a>13. Kapitel.</a><br/> - <b>Leinenführigkeit.</b></h3> - - <p>Hat der Hund das spielende Wesen abgelegt, seine Glieder - in der Gewalt, das endgültige Gebiß bekommen, so geht der - Junghund in den Jährling über, je nach Rasse im 7., - bei größten Schlägen im 9. Lebensmonat. Am schnellsten - lernt jedes Tier, wenn es genau nach Methode wie die Vorfahren - erzogen wurden, Rassen mit Tradition der Dressur - wie Jagdspaniels begreifen fast von selbst. Statt des Lederriemens - erhält der Jährling sein solides Zug-, der Polizeihund - sein Dressurhalsband; an Stelle der Führungsschnur - tritt die Lederleine, Zwang zu exakter Ausführung ersetzt - bisherige Nachgiebigkeit. Wir erleichtern nur noch Begreifen - und Ausführung, sind aber unerbittlich in exakter Befolgung. - Leinenführig ist nur der Hund, der an <em>linker Seite, dicht</em> - am Knie, den Kopf für Führer <em>sichtbar,</em> die Vorderläufe in - gleicher Höhe wie der Herr geht, ohne die Leine je zu - <em>spannen.</em> Bester Zeitpunkt der Übung: Rückkehr vom langen - Spaziergang, nicht sofort bei Ausgang. Wir überdenken vorher, - so daß uns der Rückweg längere Zeit an Mauern, grader - Vorgärtenreihe, Häuserwänden ruhig vorbeiführt. Dort angekommen, - deutlicher Anruf, kurze stille Rast, Anlegen. Leine - kurz in linke Hand, in rechte Gerte, Kommando: „<em>am Fuß</em>” - und im gleichen Augenblick energisch antreten. Nun gehen - <!-- Seite 44 --> - wir ganz langsam so dicht an der Mauer oder Häuserreihe, - daß der Hund links durch diese, rechts durch das linke Bein - eingeengt ist. Die Kopfstellung leitet die Länge der Leine. - Prellt er mit dem Kopf vor, so erfolgt ein leichtes Zurückziehen - und Zuruf „zurück”. Genügt das nicht, ein warnender - Schlag mit der Gerte aus dem rechten Handgelenk über die - vorgestreckte Nase. Leichtes Lob, lebhaftes würde zum Springen - veranlassen, harte Strafe zum ängstlichen Nachschleichen. Das - Marschtempo sei alsbald flotter, damit der Hund nicht teilnahmlos - nebenher trottelt, sondern animiert geht, da prägt - sich das „am Fuß” fester ein als bei dem bisherigen - gewohnten Nebenherlaufen. Bleibt man mal stehen, so wird - das Kommando „am Fuß!” mit Kurzhalten und lebhaftem - Antritt neu gegeben, die Schritte sollen tunlichst hart hallen, - wenigstens die ersten, damit die Bewegungsart die Führung - unterstützt. Erster Tag ohne Hindernisse und Wendungen; - am Endpunkt lösen, loben, Erlaubnis zum Vorspringen mit - aufmunterndem „Voraus”. Nach voller Zufriedenheit am - zweiten Tag zeitweilig unmerkliches Lösen der Leine, sonst - erst bei dritter oder vierter Wiederholung. Wechsel des Weges - vorteilhaft, später auf anderer Straßenseite ohne die bannende - Wand oder Mauer links. Nächste Steigerung: belebtere Wege - unter leichtem beruhigendem Zuspruch bei Annäherung von Hunden; - Lob und Ermahnung sollen von Abirren abhalten. - Jedes scharfe Abbiegen nach rechts erfolgt unter Kommando - „am Fuß”! und leicht angezogener Leine. Wiederholung frei - „am Fuß”. Zum Schluß jedesmal Lob und Entlassung: - „Voraus”.</p> - - - <h3 id="14"><a>14. Kapitel.</a><br/> - <b>Setz dich, Leg dich, Ablegen.</b></h3> - - <p>Drei reine Gehorsamsübungen, wozu der Hund - begreifen muß, was er soll; das Verharren ist das Folgen - aus Einsicht, daß er sich damit Strafe erspart. Anfangs übt - <!-- Seite 45 --> - man im leeren Raum unter Ausschaltung von Ablenkungen, - zu denen auch der Trieb des ersten Auslaufens beim - Ausgang gehört. Zunächst Namenanruf, Anhängen der Leine, - Stehen dicht vor Herrn, die linke Hand faßt nach Halsband - unter der Kehle und drückt leicht zurück, die rechte drückt die - Keulen nieder, kurzes Kommando „<em>Setz</em>”! Die rechte Hand - läßt nach, zeigt dem Hund die senkrecht vor die Nase - gehaltene Handfläche (späteres Zeichen ohne Kommando), die - linke bleibt noch. Bannender Blick und Zeigen der rechten - Hand. Macht er keine Miene aufzustehen, so tritt man zurück, - leises Lob. Alsbald beim Ausgang Erlaubnis zum Voranspringen, - wenn angezeigt, Abmarsch mit „<em>am Fuß</em>”! Später - Wiederholungen, kurzes Kommando und Hilfe zur Ausführung - ergänzen sich rasch zusammenfallend. Nutzanwendung: so oft - der Hund am Fuß geht und der Herr stehen bleibt, jedesmal - „<em>Setz dich</em>”! Bald nur noch auf Vorhalten der Hand - senkrecht vor die Nase, bis,sich der Hund von selbst setzt, sobald - und wo immer der Herr still steht. Zweck: würde der Hund - ungeleint neben dem Herrn, der irgendwie durch Unterhaltung, - Blick in Schaufenster, auf Plakat usw. beschäftigt ist, stehen, - so wird er leicht zu fremden Hunden laufen, sich langweilend - weiter bummeln. Das konsequente Setzen ist ein Bannen am - Ort, ohne daß er leicht getreten wird oder in Versuchung - kommt. Je temperamentvoller die Rasse (Polizeihund), desto - wichtiger ist dieses Bannen; Zwerghunde lernen es selten, da - ungeduldig.</p> - - <p>Ein weiterer Schritt, etwas schwieriger, für jede höhere - Dressur unerläßlich, ist das Legen auf gedehntes Kommando. - Gut erzogene Hunde wissen schon aus dem Befehl: „Platz, - leg dich”, was sie jetzt sollen. Führen sie es aus dem - Gehen beim Fuß angeleint, nicht auf gedehnten Befehl: „Leg - dich” aus, so drückt man mit linker Hand auf den Rücken, - während die rechte unter die Vorderläufe greift, sie nach vorne - schiebend. Die linke Hand bleibt, der rechte Arm erhebt sich - wagrecht wie hypnotisierend über den Augen. Allmählich - <!-- Seite 46 --> - hebt sich die linke weg, der rechte Arm bleibt mit wagrechter - Hand erhoben; will der Hund aufstehen, so klappt die Hand - auf den Oberkopf unter „Leg dich”! Nach einer Reihe von - Übungen muß der Hund lediglich auf Erheben des rechten - Arms mit wagrechter Hand und allmählichem Senken auch - ohne Wortbefehl sich legen. Dieses erfolgt immer mit leiser - Stimme, die auf den Hund eindringlicher wirkt, als Schreien. - Vollen Erfolg hat nur, wer öfter wiederholt, aber unbedingte - Befolgung fordert, falls nötig mit Gerte nachhelfend. Jedes - Nachgeben und Verzicht auf Ausführung lockert auch die - Disziplin auf andren Gebieten. Ist das Legen (Down) für - Jagdhunde unerläßlich, für manche die halbe Dressur, wenn - damit das Niedersenken des Kopfes zwischen die Vorderfüße - verbunden ist, so ist es bei kleinen Rassen entbehrlich, wenn - man sie im Hause zum pünktlichen Gehorchen auf „Platz, - leg dich”! erzogen hat. Auf „Setz dich”, sollte niemand - verzichten. Alle Polizeihundrassen müssen das „Leg dich” - ausführen, sowohl auf Wort wie Wink. Nutzanwendung:<br/> - - 1. Wenn der Hund auf größere Entfernung unsre Stimme - gegen Wind nicht hört, können wir ihn durch Armaufheben - bannen, bis wir zu ihm herangehen und ihn anleinen.<br/> - - 2. Ablegen zum Bewachen eines Gegenstandes, falls fremder - Gegenstand fügt der Herr etwas hinzu, was seinen Geruch - trägt (Handschuh). Hierzu wählt man einen ruhigen Ort, - wenn möglich an Wandung, Böschung, Mauer, Baumstamm - im Schatten, anfangs angelegt oder mindestens mit - angehängter Leine. Nach Ermahnung entfernt sich der Herr, - verhält sich ruhig verborgen; schleicht der Hund nach, wird - er unter „Pfui” und Zeigen der Gerte zurückgebracht, aber - alsbald persönlich abgeholt, unter Mahnung: ruhig „Platzt” - damit er nicht entgegenspringt. Abrufen wäre falsch; was - zu bewachen ist, darf nie verlassen werden.<br/> - - Zur korrekten Befolgung gehören viele Übungen und Geduld, aber - auch schon eine gewisse Reife des Hundes, sowie gutes Einvernehmen - zwischen Herr und Hund. Ist man überhaupt zur An<!-- Seite 47 -->schaffung - des sogenannten Torquatushalsband (Stachelhalsband) - geschritten, das für Jagd und Polizeihund fast unerläßlich, - so wird man durch Anlegen an solches sicher Resultate - erzielen, ebenso den Hund rascher zum Gehen an Fuß bringen. - Aber ein solches Instrument sollte nur für dickfellige Hunde - benutzt werden, die auch durch ein paar kräftige Schläge nicht - verdorben (scheu) werden. Sehr nützliche Gehorsamsübungen - sind „Setz dich” und „Leg dich” dicht vor der gefüllten - Futterschüssel. Hunde, die so geübt sind, versagen nicht leicht - in Freiheit.</p> - - - <h3 id="15"><a>15. Kapitel.</a><br/> - <b>Begleiten zu Fahrrad, Wagen, Pferd.</b></h3> - - <p>Alle mittelgroßen und größeren Rassen, ausgenommen - die schweren Bernhardiner, müssen lernen, dem Fahrrad zu - folgen, dessen Tempo für Junghunde zu mäßigen ist, da sie - sonst leicht dauernd in Hinterhand ruiniert werden. - Andererseits gibt es kein besseres und bequemeres Mittel, den - Junghund zu einem gesunden, kräftigen, bruststarken, wohlgestalteten - zu trainieren als das Laufen hinter dem Rad. Die ersten - Male muß man sich allerdings die Mühe machen, das Rad - zu schieben und zwar ganz scharf auf rechter Straßenseite; - ausnahmsweise folgt der Hund nicht links, dicht am Fuß, - sondern darf frei gehen. Vom Rad aus ihn an der längeren - Leine zu führen, empfiehlt sich nicht, das könnte nur ein sehr - geschickter Fahrer mit einem außerordentlich lenksamen, - leinenfesten Hund riskieren und hätte höchstens den Erfolg, daß - der Hund den Weg nur einmal macht. Hat der dem geschobenen - Rad aufmerksam folgende Hund den ersten Lauftrieb - hinter sich und seine Geschäfte verrichtet, so steigt man auf - einsamer Landstraße, die noch wenig von Autos befahren ist - auf, hält sich zur Erziehung dicht rechts, nimmt sofort flottes - Tempo, das den Hund zu gestrecktem Trab veranlaßt und - nicht viel Zeit läßt, nach links und rechts abzuschweifen. - Die schrille Trillerpfeife hängt an Schnur am Handgelenk - <!-- Seite 48 --> - oder um den Hals; nützlich ist vorn an der Lenkstange an - einer vernickelten Klemmvorrichtung die Peitsche zur Abwehr - fremder Hunde. Führt man zu zweit, so sollen beide Räder - mit etwas Abstand hintereinander folgen; vorn derjenige Teil - an dem der Hund mehr gewöhnt ist, als der führende, der - zweite gelegentlich korrigierend und überwachend, folgt. - Eine Stunde zum Rad begleiten ist soviel Bewegung wie - 4 Stunden Spaziergang. In der Stadt selbst und auf - belebten Straßen fährt man erst, wenn der Hund nach einigen - Wochen des Mitlaufens achtsam geworden ist. Um den - etwas reiferen Hund zum Laufen neben dem Wagen zu - erziehen, wäre es falsch, sogleich ein flott fahrendes Fuhrwerk - zu besteigen; der Hund würde leicht aus Übermut oder - Spielerei nach dem Pferd springen oder umkreisen. Auf dem - Rückweg nach längerem Spaziergang ersuchen wir den Lenker - eines langsam fahrenden Lastwagens uns zu - Erziehungszwecken das Aufsitzen zu gestatten und nehmen rechts hinten - Platz. Es kommt hierbei nur darauf an, daß der Hund den - Herrn sieht und hört, sich an die für ihn verwunderliche - Tatsache gewöhnt, daß er nicht dicht herangehen kann. Bellen - und Anspringen, was bei langsamer Fahrt und vorausgegangener - ausgiebiger Bewegung ohnehin selten, wird nicht geduldet, - mit „Pfui” oder Drohung mit Gerte verwiesen. - Hilft das nichts, so springt man ab, legt ihn an lange Leine - und steigt rückwärts auf. Erst nach mehrmaligem Üben, nachdem - rollende Räder und Pferd dem Hund nichts mehr unheimlich - Fremdes, wird ein etwas flotterer Wagen bestiegen. Junge Hunde - läßt man zum Ausritt nicht begleiten, außer man hat selbst - Stall und Pferd, und der Hund ist durch öfteres Mitnehmen - und vorherigen Aufenthalt im Stall mit dem Pferd vertraut, - meidet die Nähe der Hufe, springt das sich bewegende Pferd - nicht mehr an. Und auch dann ist es nützlich, vorher beim - Ausführen des Pferdes den Hund einige Male mitgehen zu - lassen. Der vorher an das Rad gewöhnte wird sich auch da - sofort anpassen und dem Reiter folgen.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo06.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <!-- Foto 6 - Seite 49 --> - <h3 id="16"><a>16. Kapitel.</a><br/> - <b>Apportieren und Verlorensuchen.</b></h3> - - <p>Selbst wenn der Junghund nach den Anweisungen des - Kapitel 12 schon „spielend gelernt”, — das Wort ist sehr - bezeichnend und hat tiefen Sinn — hat, muß man ihm doch - noch eine vollständige systematische Dressuranleitung zum - <em>korrekten</em> Apportieren geben. Manche Rassen sind auch - weniger arbeitswillig und zum Spiel nicht aufgelegt. Solchen - mit ausgeprägten Sonderanlagen (z. B. Teckel, Windhund) - ist es überhaupt möglich das Apportieren vor vollendetem - 8.-10. Monat beizubringen, später ist es nahezu ausgeschlossen - oder doch sehr langwierig. Zum Üben wird jetzt nicht Ball - und Kugel, nur das Apportierholz verwendet. Raum dazu: - ein ruhiges Zimmer ohne Ablenkungen, keine Zuschauer. - Damit das Greifstück lieber gefaßt wird und die Zähne nicht - verletzt, umnagelt man es mit einem Lederstreifen. Das - Apportieren setzt sich aus 5 Handlungen zusammen (setz dich, - faß, apport, setz dich, aus). Man ruft „herein” hängt die - längere Leine (nicht die kurze Führleine) an das Halsband - ohne das Tier durch Lebhaftigkeit zu erregen. Fiebert es - vor Erregung hinaus zu kommen, so macht man mit ihm - „am Fuß” einige Gänge; Kommando: „Setz dich”! Der Hund - soll in Erwartung sein, aber nicht in Erregung, wenn es - etwa die Zeit zum gewohnten Spaziergang wäre oder Gebell - andrer Hunde, Lärm, Geräusche ihn ablenken. Ist das der - Fall, so verschiebt man die Lektion, begnügt sich mit der - Übung „leg dich”! Eine erfolgreiche Übung zu richtigem - Zeitpunkt ist mehr wert als ein Dutzend erfolgloser. Sitzt der - Hund in ruhiger Erwartung, so holt man das Apportierholz - herbei öffnet ihm den Fang (Schnauze) mit leichtem Zwang, - legt das Holz hinein, hebt leicht, den Kopf durch Druck von - unten und spricht deutlich „Faß”, ihn scharf im Auge - behaltend. Hält der Hund, so zieht man die Hand langsam - <!-- Seite 50 --> - zurück unter Mahnung „Faß”! Nach wenigen Augenblicken - nimmt man ihm das Holz mit der linken Hand ab, die rechte - drückt leicht den Kopf nieder und hilft nach mit Kommando - „<em>Gib aus</em>”! Man belobt, aber belohnt noch nicht. Nach - einem kurzen Gang „am Fuß” erneutes Setzen und Wiederholung. - Inzwischen Pause mit Ablegen. „Herein, setz dich”. - Hält der Hund ohne Unterstützung, läßt sich das Holz willig - in den Fang ohne Nachhilfe legen, so hält man es dicht vor - die Schnauze: „Faß apport” ihm leicht entgegenkommend. - Hat er das erstemal von selbst gefaßt, so wird er nach - „aus” belohnt und die Lektion mit einem Rundgang „am - Fuß” abgebrochen, aber nicht durch Spaziergang abgelöst, - weil der Hund sonst während des Unterrichts nur an diesen - denkt. Am besten erfolgen solche Stunden an langweiligen - Regentagen, am stillen Sonntag Nachmittag. Es gehört - dazu viel Nachsicht, Geduld und Zufriedenheit mit kleinem - Fortschritt. Der Hund darf angesichts und während der Übung - mit dem Apportierholz nie gestraft werden, damit er nicht - ängstlich oder unlustig wird. Eher kann man das „Setz dich” - vorher etwas scharf fordern, „leg dich” üben, aber dann das - Holz noch nicht zeigen und erst bei erneutem Setzen ihm - einlegen. Solange nicht das „Faß Apport” ohne Beihilfe klappt, - schreitet man nicht weiter. Nimmt er das dicht vorgehaltene - sogleich auf Befehl, so wird es das nächste Mal etwas weg - und tiefer gehalten, nach alsbaldigem „gib aus” belohnt - und abgebrochen. Eine kurze Lektion zur Zufriedenheit bringt - mehr Erfolg als stundenlanges Wiederholen. Die nächste - Übung ist Vergrößerung der Entfernung bis der Hund von - selbst nimmt, sei es, daß wir das Holz bei kleineren Rassen - auf den Boden, bei größten dicht vor seinen Augen auf - bereitstehendem Holzschemel legen. Bei arbeitswilligen Hunden, - die schon vorher spielend lernten, geht das alles in einer - Lektion (mit einigen Pausen), bei andren kostet es 6—12 Tage. - Ist ein Hund besonders hartnäckig und will sich das Holz - absolut nicht einlegen lassen, so hilft oft ein Gewaltmittel. - <!-- Seite 51 --> - Man nimmt ein ähnlich dickes Stück Rundholz, legt es ihm - weit rückwärts in den Fang und bindet es durch mehrfaches - Umschlingen im Nacken fest, doch ohne zu scharf abzuschnüren. - Mit dieser Befestigung macht man mit ihm einen mehrstündigen - Spaziergang, wodurch oft der Widerstand für immer gebrochen - ist. Dabei ist Kontrolle und viel Gehen am Fuß nötig. Die - Schnur im Nacken wird zur Sicherheit noch an das Halsband - befestigt. Mit derselben Verschnürung haben wir hartnäckige - Raufer und Katzenwürger besser als mit Maulkorb kuriert. - Nimmt der Schüler das Holz vom Boden auf, so - darf es nunmehr fortgerollt oder geworfen werden, doch soll - der Hund <em>erst auf Befehl</em> „Faß apport” zuspringen. - Dieses abwarten zu lernen, ist die Ursache, weshalb auch - Hunde, die schon Ball, Kugel usw. bringen, die systematische - Übung mit Sitzen vor Kommando, und mit sofortigem - Abliefern mit Hinsetzen durchmachen müssen. Erst nach ganz - exakter Ausführung darf das Apportieren im freien Gelände - mittels mitgenommenen Gegenstands, nie mit aufgehobenem - Stein oder Ast geübt werden. Schütteln, Beißen, Spielen, - Herumziehen ist streng zu rügen und durch kurze scharf - betonte Übung im geschlossenen ruhigen Raum (Zimmer, Hof) - zu korrigieren. Nur ganz allmählich wird in langsamer - Steigerung der bisherige Gegenstand durch beliebige andre, - die anfangs die Witterung des Herrn tragen sollen, ersetzt. - Niemand als der Herr darf mit ihm üben. Schwierige Aufgaben, - z. B. Bringen von Metall (Schlüssel), das Hunde ungern - mit den Zähnen berühren, werden belohnt, um die - Äpportierfreude zu stärken. Dem „Faß apport” (Ergreifen - und Bringen des Sichtbaren) folgt das „Such apport”, womit - der Hund die erste Anleitung zum Verstehen von „Suchen” - erhält. Der verwitterte (riechende) Gegenstand wird vor seinen - Augen ins Gras, Klee, Heidekraut oder dergleichen geworfen, - so daß der Hund zwar das Werfen, also die Richtung, nicht - aber den eingefallenen Gegenstand liegen sieht. Diesen muß - er durch Absuchen mit Auge oder Nase finden. Ist die Kugel - <!-- Seite 52 --> - in ein grünes Tuchstück, das man mit einigen Tropfen - Anisöl parfümiert hat, gewickelt und erhält er diese vor dem - Werfen vorgehalten, so kommt der Hund rasch von selbst - darauf, die Nase zu benützen. Meist genügt es und ist auch - für spätere Nutzanwendung klüger, nur das Tuchstück einige - Stunden in der Tasche oder auf bloßer Haut getragen zu - haben. Beim Werfen im Winter im Schneefeld benützt man - ein helles Leinenstück. Weiß der Hund genau, was „Such - apport” bedeutet, so versteckt man im Zimmer die umwickelte - Kugel, läßt den Hund erst setzen und animiert mit „Such - verloren”. Der gefundene Gegenstand ist immer, auch im - Zimmer unter Hinsetzen vor den Herrn abzuliefern. Mit der - Hand gibt man die Richtung an, damit der Hund lernt, diese - als Hilfsmittel zu betrachten. Erste Nutzanwendung: während - Gehen „am Fuß” lassen wir die umwickelte Kugel fallen, - nach zehn Schritten: Kehrt. „Setz dich”, der Hund weiß, - daß es etwas zum Apportieren gibt. Wir deuten von ihm - weg, dicht am Boden entlang nach mit der Hand rückwärts: - „Such verloren”. Versteht er nicht, so gehen wir langsam - mit ihm zurück und verkürzen das nächste Mal den Abstand - auf 5 Schritte. Das Deuten am Boden lehrt ihn, daß er - auf Rückspur suchen soll. Nach einer Reihe von Übungen - begreift der Hund unter Benützung und Beobachtung der - Winke mit Hand oder Arm ganz von selbst, ob er auf der - Fährte oder frei suchen soll. Durch Lob und freundliche - Behandlung wird das Apportieren und Suchen bei den meisten - Hunden zur Leidenschaft; es darf sich nur niemals mit den - Übungen der Begriff von schroffer Behandlung oder Strafen - verbinden. Auch darf man den Hund nie durch allzuhäufige - Wiederholung am gleichen Platz genau derselben Übung - langweilen oder ermüden. Abschluß immer Lob und Zufriedenheit. - Weitergehende Dressur der Spurenarbeit mit Gehilfen ist - Sache der sogenannten Polizeihunddressur aus - Sozialdressurbüchern.</p> - - - <!-- Seite 53 --> - <h3 id="17"><a>17. Kapitel.</a><br/> - <b>Kleine Kunststücke.</b></h3> - - <p>Unter teilweiser Ausnützung des schon vorher Gelernten - und der bei spielender Dressur (Kap. 12) festgestellten - Anlage lassen sich viele sogenannte Kunststücke beibringen, die - man aus der Lust des Hundes am Springen, Apportieren, - Verbindung von beiden, ableitet. Wer mit seinem Hund - verblüffen will, daß dieser scheinbar rechnen oder lesen kann, - der muß ihn nur mit leisesten Winken, kaum merklicher - Bewegung der Lippen, Zucken der Schulter dirigieren. Dazu - sind nur Hunde brauchbar, die mit Spannung dem Herrn - ins Gesicht sehen, die Kommandos dort mehr ablesen als - hören. Wer seinen Schüler an laute Befehle, von lebhaften - Körperbewegungen begleitet, gewöhnt hat, darf nicht erwarten, - daß er auf ein leises, mit geschlossenen Lippen hervorgebrachtes - „Ss” reagiert. Oder ein Zucken von Schulter, ein Bewegen - der Zehen, die im Stiefel ein Knarren oder Biegung des - Leders verursachen, beachtet. Auf solchen, von den - Mitmenschen nicht bemerkten Zeichen beruht das Lesenkönnen der - Hunde oder ihre Fähigkeit, schwierigste Rechenaufgaben zu - lösen. Noch nie hat ein denkender Hund oder Pferd in - Abwesenheit des Herrn eine Frage beantwortet. Doch es ist - sicherlich schon ein Beweis außerordentlicher Arbeitsfreude, - wenn ein Hund immer wieder Buchstaben oder Zahlen klopft, - scharrt, Buchstabenblätter herbeibringt. Man möge sich also - trösten, wenn der eigne Hund nur mechanisch Gelerntes von - sich gibt; selbst die gelehrtesten Hunde arbeiten nicht anders. — - Hunde, die lebhaft sind und bewegungsfreudig, lernen sehr - leicht springen, wenn man z. B. an langen Regentagen sie - nicht hinausführen kann. Zwischen eine Tür stellt man ein - Brett (Kistendeckel) in Länge der Türöffnung und in 3/4 Höhe - des Hundes), befiehlt „setz dich” etwa 1—2 m von dieser - entfernt, übersteigt selber lebhaft das Brett mit dem Ruf - <!-- Seite 54 --> - „Komm hopp”. Und ebenso zurück. Wiederholt es mehrmals, - später auch ohne vorher setzen zu lassen. Sodann wirft - man den Ball oder Apportierholz und befiehlt: „Hopp, apport”, - bis der Hund freudig auf Kommando das Brett überspringt. - Das nächste Mal wird das Brett durch vier zusammengestellte - Leisten in folgender Form zwischen der Türöffnung ▭ - ersetzt, die nicht höher sein dürfen als er, weil sonst der Hund - darunter durchschlüpft. Springt er freudig, so wird die - Lattenumrahmung einerseits frei an eine Wand gedrückt, die andre - Seite begrenzt man selbst und kommandiert „Hopp”. Endlich - stellt man nur noch die obere Latte allein an verschiedenen - Stellen gelegentlich auch allmählich erhöhend wieder zwischen - die Türöffnung, bis der Hund freudig die wohlbekannte - Sprungplatte übersetzt. Dann wird diese durch ausgestreckten - Arm oder Spazierstock ersetzt. Über der eingeklemmten Latte - zwischen der Tür wird ein Reifen, aus Spanischrohr gebogen - und anfangs durch Umwicklung mit Packpapier vergrößert, - gehalten, bis der Hund durch den dünnen, etwas verengten - Reif über die Latte zugleich setzt und schließlich durch den - Reifen allerorten. Dann wird er gradso durch einen Bogen - springen, den man mit beiden Armen, anfangs noch über der - Türlatte, bildet. Alle Steigerungen erst, wenn das Kommando - „hopp” über das Brett sofort verstanden und willig - ausgeführt wird. Mit Lob, freundlichem Abklopfen nicht zu - sparen, als Abschluß eine kleine Belohnung. Alle kurzrückigen - Rassen (Terrier, Pudel, Pinscher, französische Bulldoggen, - Dobermann) sind sprungwillig, weniger die längeren, - auf kürzeren Läufen, oder die Trabläufer (Schäferhund, - Rottweiler), die es aber aus Galopplauf im Freien über eine - Wandung zwischen Gartentür ebenso rasch begreifen. Auch - hier kann man Apportierlust dazu benutzen, namentlich wenn - der Sprung aus Garten oder Hof zum Spaziergang ins - Freie führt. — Hat der kleine Hund durch öfteres Zuwerfen - kleiner Brocken, anfangs aus der Nähe, das Auffangen unter - „Nimm” begriffen, so muß er auch lernen, zu warten bis er - <!-- Seite 55 --> - die Erlaubnis erhält. Man hängt die Leine an das Halsband, - was dem Hund immer das Bewußtsein gibt, doppelt - an den Herrn zum Folgen gebunden zu sein, und läßt „setzen”, - hält den Kopf unter Mahnung zur Ruhe, wagrecht, legt - leise ein Stück Zucker auf die Nase und läßt langsam den - Kopf los. Auch ohne Mahnung pflegt der ungewohnte Anblick - die Augen zu bannen, unter „st” entfernt man sich und - fixiert scharf. Tritt herzu, ein leichter Schlag von unten an - den Unterkiefer wirft das Zuckerstück in die Luft „Nimm” - gibt die Erlaubnis danach zu schnappen; fällt es zur Erde, - so wirft man es nochmals in die Höhe mit „Nimm”. Am - nächsten Tag wird die Übung wiederholt, später ohne Leine - aber immer mit vorherigem Kommando: „Setz dich.” — - Das vorgehaltene Stück Zucker dient auch als Lockmittel - zum Durchschlüpfen zwischen die Füße im Gehen. Man - stellt sich mit vorgestelltem Fuß vor den Hund, lockt mit der - linken Hand den rechts sitzenden Hund. Ist er durchgeschlüpft, - so wird das andre Bein vorgestellt und der Zucker in die - rechte Hand genommen, bis man 3 oder 4 Schritte gemacht - hat. Hierauf erhält er das verdiente Stück, das immer zum - Schluß gegeben wird, auch wenn man nicht mehr nötig hat, - es zum Locken vorzuhalten und der Hund auf Befehl „hier - durch” in Erwartung der späteren Belohnung von selbst - kommt und bei jedem Schritt zwischen den Beinen durchläuft. - Manche Hunde niesen aus Verlegenheit, wenn man sie fixiert. - Man fragt dazu: „Wie niest der Hund”? und belohnt. Andre - Hunde reagieren auf Quietschball (Gummiball, der zusammengedrückt, - fiebt) prompt durch kurzes Bellen. Man wiederholt - dicht vor ihnen das Geräusch 3—4 mal, belohnt jedesmal, - namentlich wenn der Hund öfter antwortet. Dann wird der - Ball in der Hand verborgen, ganz leicht gedrückt, der sitzende - Hund erwartungsvoll angesehen. Auf Antwort darf mit - Belohnung nicht gespart werden. Ist man sicher, daß der Hund - 5—6 mal unbedingt anschlägt, so kann man ihn als Rechenkünstler - vorführen und fragen: „Setz dich”, wieviel ist 4 mal - <!-- Seite 56 --> - 8 weniger 29. Darauf dreimaliges Drücken auf den - verborgenen Ball, wobei die Zuschauer, „um den Hund nicht zu - verwirren” etwa 10 Schritt weit entfernt gehalten werden, - so daß sie unmöglich das leise Geräusch des Balls in der - Brusttasche durch den angepreßten Arm oder in der - Hosentasche vernehmen können.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo07.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <p>Alles das sind scheinbar überflüssige Spielereien ohne - praktischen Wert. In Wahrheit ist <em>alles</em> nützlich, was der - Hund lernt. Aus einem ergibt sich das andre. Noch - bedeutungsvoller ist das Lehren für den Besitzer; er erlernt - dabei den Hund behandeln und zu ermessen, wie weit ein - Hund auf Erinnerung und Reize reagiert. Das Einvernehmen - zwischen Mensch und Tier wächst; der Hund wird mit jedem - neuen Begreifen leichter erfassen und fester behalten. Bis er - Stimme, Ton, jede Regung versteht, worüber man oft irrig - sagt: er versteht jedes Wort. Alle hohe Dressur ist Willigkeit - zur Beachtung von Zeichen. Damit Belohnungen (ein Stückchen - Kakes, Zucker) auch als solche empfunden werden, darf der - Hund nicht überfüttert sein, auch außer den regelmäßigen - Mahlzeiten in seiner Schüssel von niemand je Leckerbissen - zugesteckt erhalten. Eher etwas knapp an einem Schultag - (Regentag): ein voller Bauch studiert nicht gern.</p> - - - <h3 id="18"><a>18. Kapitel.</a><br/> - <b>Wasserarbeit und Schwimmen.</b></h3> - - <p>Die meisten Hunde gehen gern von selbst bei Hitze ins - Wasser, wenn sie nicht unvernünftig behandelt, d. h. - hineingeworfen oder an einer plötzlich abschüssigen Stelle - den Grund verlieren und erschrecken. Ehe man den mindestens - 6—8 Monate alten Hund ans Wasser führen will, sucht man sich - schon in Gedanken eine flache Uferstelle aus, an der man sich - nach Spaziergang an heißen Sommertagen lagert. Dann läßt - man ihn gewähren und selbst Bekanntschaft mit dem nassen - <!-- Foto 7 - Seite 57 --> - Element suchen. Jeder Zwang ist von Übel, Beispiel älterer - Hund nützlich, aber nicht unerläßlich. Hat er sich ins Wasser - gestellt und macht darin Gehversuche, so wirft man ein rundes - Holzstück das mit langer dünner Schnur zum Herausholen - zur Sicherheit versehen ist, wenige Meter von ihm noch ins - flache Wasser: „Apport”. Sobald er herauskommt, schnell - das Kommando „Setz dich, gib aus”!, ehe er sich noch schütteln - kann. Wasserabschütteln vor Ablieferung des Apportgegenstands - ist ein Dressurfehler, weil dabei meist der Gegenstand - fallen gelassen wird und liegen bleibt oder, falls Ente des - Jägers, entweicht. Was auch der Schüler ausführt, muß - exakt sein. Hat man das Holz abgenommen, so mag er - erst etwas herumspringen, ehe man aufs neue wirft. Nicht - ermüden, und mit Lob abschließen, sodann flotter Heimweg - namentlich später bei kühlerem Wetter. Einige Tage später - versucht man es in tiefem Wasser; scheut er es, so geht man - ohne Tadel nach Hause, versucht es nochmals. Das Versagen - ist kein Unglück an sich, aber es gibt ein nie versagendes - Mittel jeden Hund zum Schwimmen zu bringen. Dazu - brauchen wir einen lebenden Gehilfen oder einen kurzen Pfahl, - 1 m lang, unten spitz zum Einschlagen; oben (etwas unter - Rand) wird eine Ringschraube eingedreht. Ort ein Bach, der - zum Durchwaten für den Hund zu tief aber nicht reißend ist, - Nähe einer Brücke. Auf dem einen flachen Ufer schlagen wir - mit kräftigem Stein den Pfahl in den Boden, so daß er etwa - <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> m noch herausragt, ziehen durch die Ringschraube eine - lange kräftige Leine, werfen die beiden Enden auf das andre - Ufer, zum sicheren Wurf mit angebundenem starken Holzstück. - Sodann begeben wir uns mit dem Schüler über die Brücke - zu der dem Pfahl gegenüber liegenden flachen Stelle. Das - eine Ende wird an das genügend eng gestellte, aber nicht - würgende Halsband befestigt, das andre nehmen wir in die - rechte Hand. Mit der linken führen wir dicht an das Wasser - und ziehen nun mit der rechten Hand langsam aber fest die - durch die jenseitige Ringschraube laufende Schnur. „Voraus, - <!-- Seite 58 --> - so ist's brav.” Der Hund fühlt sich geführt an der Hand - des Herrn, wenn er auch im Wasser den Boden unter den - Füßen verliert, zieht ihn die Leine, daß er nicht versinkt, - noch unsicher wird oder Zeit hat zum Paddeln oder Wasser - treten. Kurz vor dem Ufer, noch ehe er herausspringen kann, - erfolgt das Kommando „herein, hierher”! und das andre Ende - der Leine, das bisher nur nachgab, zieht zurück. Man kann - denselben Effekt mit einem Gehilfen erreichen, der den Hund - am Halsband hält, während man die lange Leine ans andre - Ufer wirft, über die Brücke geht und nun selbst den Hund - an dieser zu sich unter Anruf hinüberzieht. Dort wird er gelobt. - Besser ist es aber, das ganz allein in aller Stille ohne - Zuschauer und Teilnehmer abzumachen. Man wird erstaunt sein, - wie rasch jeder Hund begreift, daß das Wasser gar nichts - gefährliches ist, und daß er an der führenden Hand des Herrn - immer in Sicherheit ist. Dieses Hilfsmittel muß in vollster - Ruhe und Bedächtigkeit benützt werden, überzeugt, daß es - hilft und daß der Hund ohne jede Aufregung sich leiten lassen - wird, als ob man schon 10 Hunde auf diese Weise von der - Harmlosigkeit des Wassers überzeugt hätte. Am besten setzt - man sich einige Minuten vor dem Anlegen an die hinübergeworfene - Leine ans Ufer und raucht eine Zigarette, was - auch zum Vertreiben von Mücken nützlich ist. Jede Unruhe, - Nervosität oder Unsicherheit des Herrn überträgt sich auf den - Hund, den wir auch nie über Trauer oder Niedergeschlagenheit - täuschen können, wie unsre Angehörigen, die wir aus - Rücksicht leicht mit Worten zu beruhigen vermögen.</p> - - <p>Zu Schwimmkünstlern und Tauchern kann man nur - solche Rassen machen, die ererbte Wasserpassion infolge - Lebensweise der Vorfahren (Neufundländer) oder Abstammung - von Arbeitsschlägen (Pudel, Spaniel. Airedaleterriers, die - Otterhundblut führen) besitzen. Öfter führt auch häufige - Gelegenheit durch Nähe von Teichen, Flüssen, Meeres- oder - Seeufer, harte Schläge, wie rauhhaarige Terriers und Pincher - dazu. Vorbedingung zum Tauchen ist sehr klares, ruhiges - <!-- Seite 59 --> - Wasser und freudiges Apportieren, wozu man Holzstücke durch - Beschweren zum Untersinken präpariert, aber nie Steine, - benützt. Will man den schwarzen Schnürenpudel in voller - Schönheit und Farbe erhalten, so darf er nach dem Baden - wie Schwimmen nicht lebhaften Sonnenstrahlen ausgesetzt - werden; man wählt dazu die warmen Sommerabende. Auch - lasse man sich nicht verleiten, an kühlen windigen Abenden - Hunde ins Wasser zu schicken, besonders nicht kurz behaarte. - Zum mindesten nehme man ein altes Handtuch mit und - frottiere kräftig dem Haarstrich entlang. Ältere Jagdhunde, - die viel zur Entenjagd benützt werden, zeigen durch - Nierenleiden und Rheumatismus, wohin solche Zumutungen führen. - Hat der passionierte Hund gegen Willen des Herrn ein eisiges - Bad genommen, so begibt man sich im Eilschritt zur nächsten - Behausung und scheue sich nicht, dort Wärmeschutz vor Ofen - oder, nach Trockenreibung mit Heu oder Stroh, im Stall zu - erbitten. Es wird selten gemütlose Menschen geben, die einem - Tier Mitgefühl versagen, was zudem nichts kostet. Lieber - eine halbe Stunde Aufenthalt, als ein krankes Tier, für das - der Herr verantwortlich ist.</p> - - - <h3 id="19"><a>19. Kapitel.</a><br/> - <b>Schußfestigkeit und Verteidigung des Herrn.</b></h3> - - <p>Wenn manche Hunde auf Schuß ausreißen, und sogar - schußscheue Jagdhunde vorkommen, so ist nervöse Veranlagung, - der nicht rechtzeitig entgegengetreten wurde, sowie ein - erstmals in nächster Nähe abgegebener Schuß schuld. Der Jäger - schießt vom Hund weg auf ein Ziel, der Jagdhund muß auf - Schuß sich legen und Befehl abwarten. Der Schuß gegen - Herrn des Schutzhundes kommt in der Richtung auf - diesen. Also ist hier die Gewöhnung eine andere. Der - Abfeuernde soll nie der Herr sein, sondern immer ein Zweiter, - <!-- Seite 60 --> - ein Feind. — Der Gehilfe erhält einen Revolver, geladen - mit Platzpatrone-(ohne Kugel, anfangs wenig Pulver); er - hat sich im freien Gelände, etwa 100 m weit aufzustellen - und zunächst nur durch lebhafte Bewegung und rüden Anruf - auf sich aufmerksam zu machen. Der Hund steht angeleint - links vom Herrn. Der erste Schuß fällt, Kommando: „Gib - Laut!”. Man lobt, hält den Hund zurück. Der Gehilfe - nähert sich auf Wink, gibt weiteren Schuß ab. Je lebhafter - der Hund bellt, desto weniger hört er die Schüsse, deren - letzter auf höchstens 6 m Nähe erfolgen darf. Jetzt rückt - man mit dem Hund vor, worauf der Gehilfe sofort zurückweicht. - Hier wie bei allen Mannübungen muß der Hund - immer den Eindruck haben, daß er der Sieger sei, der mit - drohendem Bellen den Feind in die Flucht schlägt. Aber - <em>nie</em> darf Manndressur und Angriff mit einem Hund geübt - werden, der nicht eine volle systematische Dressur hinter sich - hat und <em>fest im Appell ist</em>. Bei scharf veranlagten, kräftigen - Rassen könnten Mißverständnisse von Schuß, Bewegung, - Verwechslung des Gehilfen oder dgl. zu verhängnisvollen - Folgen führen. Man muß immer wissen, wo man nur - anleiten und mehr den Zurückruf üben muß, und wo man den - etwas schüchternen Hund zum Draufgänger steigern kann. - Also Vorsicht bei Schäferhunden, Rottweiler, Dobermannpinscher, - Doggen, Bulldoggen; bei diesen wird nicht scharf gehetzt, - sondern nur die Richtung angegeben und Gehorsam - geübt. Den regungslos stehenden Menschen (oder Gehilfen) - hat der Hund nur zu verbellen, nie anzugreifen. Das - Bewachen erfolgt in liegender Stellung, Kopf in Richtung des - Feindes. Reagiert der Schutzhund auf den „Verbrecher” - nicht, so wird er wie folgt immer scharf zu machen sein. - Der Hund steht an kurzer Leine an linker Seite des Herrn; - der Gehilfe in auffälliger Kleidung (umgedrehter Joppe) nähert - sich mit einem größeren Ast, ärgert damit mit krächzenden - Tönen den Hund. Entweicht sofort, wenn dieser auf Kommando - bellt, begibt sich auf erhöhte Stelle (Mauer, auf Baum mittels - <!-- Seite 61 --> - angelegter kurzer Leiter), so daß ihn der Hund keinesfalls - erreichen kann. Von obenher reizt er den Hund mit dem Ast; - gibt dieser lebhaft Laut, so kommt der Herr hinzu, lobt ihn - und führt ihn weg an der Leine, doch nur wenige Schritte, - worauf der Hund frei „an Fuß” als Gehorsamsübung zu - folgen hat. Systematische Dressur zum Fassen des Gehilfen - („Verbrechers”) erfordern Hetzgewand, Schutzärmel, Dressurplatz - und sollte von Laien nur unter Anleitung erfahrener Dressurleiter - im Polizeihundverein, Schäferhundverein erfolgen. - Vieles Üben und Beißenlassen wird besser vermieden; man - erzieht damit bißwütige Hunde. Ist ein Hund nicht scheu, - hat er nur einige Male den flüchtenden Gehilfen verfolgt, so - weiß er im Ernstfall von selbst von seinen Zähnen Gebrauch - zu machen. Allerdings soll der Schutzhund auch nicht - ausreißen, wenn ihm jemand mit Ast oder Stock droht, und das - ist nur damit zu erreichen, daß man einen Gehilfen gegen - den angeleinten, dicht beim Herrn stehenden, bellenden Hund - vorgehen läßt. Zieht er sich scheu zurück, so wächst dem - Hund sofort der Mut, er geht vor und weicht auch nicht - zurück, wenn absichtlich ungeschickte Schläge zunächst nur auf - den Boden klatschen. Erst wenn der Hund wütend bellt, - darf ihn ein Schlag mit Ast berühren, wird aber dann nicht - schaden, sondern den Hund nur angriffsmutiger machen. - Immer muß der Herr dabei stehen, animieren, aber doch den - Hund so kurz halten, daß eine Verletzung des Gehilfen - ausgeschlossen ist. Plötzlich steht dieser ganz still, dann wird - auch der Hund mit kurzem Kommando „ab ! Leg dich”, zur - Ruhe verwiesen. Den gegebenen Schutzhund liefert die Züchtung, - erzieht die Liebe zum Herrn. Nicht die Hetzarbeit, die - oft verdirbt und fast nur für Hundebesitzer in einer - gefährdeten Berufsstellung angezeigt ist. Hunde an die Kette - der Hütte anzulegen und necken zu lassen, veranlaßt sie zwar - bei jedem geringfügigen Anlaß zu bellen, zu schnappen und - sich wie toll zu gebärden, macht also einen drohenden - Kettenhund, aber niemals einen zuverlässigen Schützer. Von der - <!-- Seite 62 --> - Kette und dem örtlichen Rückhalt wie Hütte gelöst, sind - solche Hunde meist feige, schnappen höchstens aus Angst für - sich selbst von rückwärts zu. Der richtiglernende Beschützer - kann nur durch den fingierten Angriff gegen ihn, wenn er - dicht beim Herrn steht, oder gegen den Herrn selbst im Dunkeln - zum Begreifen des Schützens gebracht werden. Auch der - tobende „Verbrecher” hinter einer Holzwand, der den Hund - reizt, führt nicht auf das Ziel <em>Schutz,</em> sondern zur - <em>Rauflust,</em> die dann erst wieder gebändigt und in - gesunde Richtung gestellt werden muß.</p> - - - <h3 id="20"><a>20. Kapitel.</a><br/> - <b>Korrektur verdorbener Hunde.</b></h3> - - <p>Ein Erzieher und Dresseur, der selbst erst einen Hund - verdorben hat, eignet sich auch nicht zur Berichtigung, die - noch weit höhere Anforderungen an Konsequenz, Geduld, - Ruhe, Eingehen auf den Charakter fordert. Unbedingt - hoffnungslos ist kein jüngerer Hund, den man aus fremder Hand - mit Fehlern mangelhafter Dressur, hand- oder schußscheu, zum - Entweichen geneigt erhält. Die Hauptbedingung ist, daß der - Hund und neue Herr sich innig aneinander anschließen, sehr - viel beisammen sind, daß der auf Straße etwa unbändige, - Wagen nachprellende, rauflustige, Geflügel hetzende Hund - möglichst wenig Gelegenheit zu Übeltaten findet, solange er - nicht eine vollständige neue systematische Dressur (Kapitel 13 - bis 17) durchgemacht hat, als ob er noch nie etwas gelernt - hätte. Und von allen Übungen reichliche Wiederholungen - unter peinlichster Beachtung des vorgeschriebenen Anlegens - und dazu „Setz dich”. Vor Beginn des Kursus muss man - einige Tage der Woche weiten Spaziergängen oder Radtouren - in allerlei Gegenden vor der Stadt opfern. In den Straßen - aber an kurze Leine links „am Fuß”. Niemand füttert als - der Herr, in dessen Schlafzimmer (oder nebenan bei offener - Tür das Schlaflager („Platz”) sich befindet. Fremden Hunden, - <!-- Seite 63 --> - Wagen, Autos, allem, was der Hund scheut oder ihn reizt, - weicht man nicht aus, sondern führt den Hund so dicht als - möglich vorbei. Hier wie bei allen sonstigen Gelegenheiten - wird viel mit ihm gesprochen. Je mehr der Hund lernt - (Kapitel 17) und man übt, desto besser. Er muß seine ganze - <em>Vergangenheit vergessen,</em> viel Bewegung haben und - Abends müde sein. Der neue Besitzer soll womöglich den - früheren Herrn (aber nicht in Gegenwart des Hundes) persönlich - kennenlernen und dessen Wesen studieren, damit er in - allen Kundgaben zum Hund sich auf das <em>Gegenteil</em> einstelle. - Spricht jener laut, rasch, lebhaft, so übertreibe er im Verkehr - mit dem Hund das Gegenteil. Dieser muß sich immer beobachtet - wissen und mit dem Herrn verbunden fühlen. Ehe - Befehle erfolgen, muß sich der Hund setzen, den Herrn - anblicken lernen, das Kommando abwarten und ablesen. Hat - man aber dazu nicht Zeit, so fange man besser den Versuch - gar nicht an, verschiebe den Erwerb auf die Ferien. Man - glaube nicht, daß man mit Strafen einen verstockten Jungen - oder Hund korrigieren könne; damit mag man ihn höchstens - zurückhalten, solange er dicht unter den Augen in der Hand - ist. Er muß ganz neu sich selbst erleben lernen und im - Verhältnis zum Herrn eingestellt werden. Gehorsamsübungen - können nicht oft genug (aber ohne Strafen) gemacht werden; - rasch und prompt hat „Setz dich, leg dich, apport, Platz, - herein, am Fuß” zu erfolgen. Dazu viel Arbeit, - Sprungübungen, Kunststücke, Verlorensuchen, Apportieren aus Wasser, - Gewöhnen an Schuß ohne Hetzarbeit, das Leben im Hause - streng regelmäßig, nie allein ohne Aufsicht auf die Straße. - Eine große Summe von gütigen Mühen; ehe man sich dieser - unterzieht, wäge man, ob diese der betreffende Hund nach - Rassenschönheit und Anlagen, die das Auge und der - Gesichtsausdruck verrät, wert ist. Nach Charakter ist der verdorbene - Hund ursprünglich oft mehr wert als der, an dem nicht leicht - etwas zu verderben ist.</p> - - - <!-- Seite 64 --> - <h2 id="IV"><a>IV. Teil.</a><br/> - Praktische Anleitung zur Hundehaltung.</h2> - <hr style="width: 10%"/> - - <h3 id="21"><a>21. Kapitel.</a><br/> - <b>Der Zwinger, die Hütte, das Lager.</b></h3> - - <p>Ein altes Wort sagt: „Einmal Hundefreund, immer - Hundefreund.” Zu einem Dauerzustand für das Leben lohnt - es auch ein Dauerheim zu schaffen, da aus dem Hundebesitzer, - dem erfolgreichen Aussteller, sehr oft der Züchter - wird, der die häufigen Bitten aus Freundeskreis nach einem - Abkömmling seines Musterhundes erfüllen will. Bei einem - Einfamilienhaus, sei es Stadtmiethaus oder Eigentum vor - der Stadt, sollte der Zwinger nicht fehlen. Er erleichtert die - Haltung, ermöglicht die Zucht, hilft Haus und Wohnung - sauber halten, wenn der Hund nach Spaziergang bei Regen - oder Schneeschlamm naß heimkommt und vor Einlaß in das - Haus eine Stunde auf reichlichem Strohlager trocken und - sauber geworden. Die läufige Hündin ist dort während der - Zeit, in der jede zum Entweichen neigt, sicher bewahrt. Die - Zuchthündin kann dort in Ruhe werfen und mit den Welpen - bleiben, bis sie anfangen selbst zu fressen und weggegeben - werden. Auch in einer Villa mit 2—3 Wohnungen erspart - ein schlichter Zwinger viel Beschwerden wegen beschmutzter - Treppenhäuser, und die im Verhältnis zu dem Luxus eines - Hauses ganz geringfügigen Kosten für einen Hundezwinger - werden reichlich ausgewogen. In manchen Großstädten verbieten - die Besitzer die Haltung eines größeren Hundes; ein - <!-- Seite 65 --> - Zwinger würde diese Härte überflüssig machen. Die sehr - hohe Zahl der Familienhunde in England, das Fehlen von - Kreuzungen und wertlosen Straßenkötern geht sicher auf Konto - der Zwinger beim englischen Familienhaus als bequeme Unterbringung - und Bewahrungsmittel der Hündinnen vor Fehltritten. - Der Zwinger lehnt sich am besten an eine geschützte - Mauer in Nordost, er habe möglichst viel Sonne, der Boden - muß unbedingt betoniert, undurchlässig, also waschbar sein, - da er sonst nach kurzer Zeit verseucht und übel riecht. Auch - würde auf durchlässigem, feuchtbleibendem Boden der Holzzwinger - rasch unten verfaulen. Die Betonunterlage etwas - höher als der Hof und leicht schräg geneigt von der Mauer - weg, damit Regen schnell abläuft. Eine rechtwinklige Ecke - des Hofes oder an Hausrückwand angefügt, macht nur zwei - Gitterseiten nötig und gewährt mehr Wetterschutz, ist auch - leichter stabil anzulegen. Das Gitter vorn mit Tür, aus - Eisenstäben, die nur einmalige Ausgabe sind, die Enden nach - Innen gebogen, was Überspringen oder Klettern verhindert. - Drahtgeflecht rostet zu rasch und läßt sich dagegen nicht durch - Anstreichen schützen. Für mittelkleine Rassen unter Stuhlsitzhöhe - ist der Zwinger entbehrlich, höchstens für den Züchter - solcher (z. B. Foxterriers) nötig. Also sei er gleich so groß - angelegt, daß ein Mann mit gebücktem Kopf darin stehen - kann. Eine geräumige Hütte aus Hartholz, mit heißem Leinöl - getränkt und mit Ölfarbe gestrichen, genügt auch; das Holz - innen und außen glatt behobelte, sogenannte Nut- und Federbretter, - von außen mit Decklatten an den Fugen benagelt. - Kein Satteldach, sondern ein glattes, schräges Dach mit Dachpappe - benagelt zum Aufheben. Bei großer Kälte läßt sich - leicht innen auf Leisten ein zweites Dach nur aus Brettstücken - auflegen und damit die Höhe reduzieren. Ähnlich soll ein - von unten wärmender Doppelboden nicht fehlen, der Zwischenraum - mit Torfmull gefüllt. Dieser hält warm; saugt Feuchtigkeit - geruchlos auf. Als Windschutz wird bei Kälte ein Sack - vor den Einschlupf gehängt, den der Hund beim Einkriechen - <!-- Seite 66 --> - verschiebt. Der Zwinger sei eine vergrößerte Hütte mit Tür; - in diese kommt das Einschlupfloch, durch ein herablaßbares - Fallbrett verschließbar, wie an Hühnerhäusern üblich. Innen - dient eine erhöhte Pritsche mit reichlich Stroh als behagliches - Lager. Das Verbringen in Zwinger oder zur Hütte soll nie - eine Strafe sein, wird auch nach Rückkehr von Spaziergang - als solche nicht empfunden, zumal nach <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub>—1 Stunde die - Erlösung zur Futterstunde schlägt. Gelegentlich wird auch - das Futter in den Zwinger gebracht oder dient er als Nachtaufenthalt. - Die tragende Hündin wird schon 14 Tage vor - dem Wurftage an den Zwinger allmählich gewöhnt, indem - sie dort ihre Mahlzeiten erhält. Die Gittertür ist nach Innen, - die des Hauses nach Außen zum Öffnen. Gegen unbefugtes - Füttern, Zustecken von Knochen schützt, wenn nötig, ein von - außen an das Gitter mit Bindedraht befestigtes Geflecht. - Da der Zwinger für den Familienhund niemals ständiger - Aufenthaltsort sein soll, weil er dort verdummt und seinem - Zweck als Gesellschafter und Wächter entzogen würde, ist kein - kunstvoller Steinbau nötig. Dient der Zwinger als Wurfraum, - so ist in diesem mit etwa 12 cm breiten, 20 mm - starken Brettern ein Wurfplatz abzugrenzen, benutzt man dazu - die Hütte, so wird mit ebensolchem Brettstück nach vorn zum - Einschlupf abgegrenzt, damit die Welpen nicht herausfallen - können und auch nicht zu nahe vorn am Eingang liegen.</p> - - <p><em>Ein Lager in der Wohnung</em> muß jeder Hund haben, - besser noch ein solches im Zimmer und ein zweites im Vorhaus - (Treppenhaus des Einfamilienhauses). Fehlt es, so - suchen die Hunde, deren Bauchseite dürftig behaart, aus Wärmebedürfnis - Polstermöbel auf. Alle Hunde, die auf blanker Erde - oder Holzboden beständig liegen, bekommen häßliche, - kahle Liegebeulen an den Ellenbogen. Für kleine Rassen genügt - als Lager eine Kokosmatte. Für größere bewährt sich - am besten eine Matratze, mit Seegras gefüllt, vom Tapezierer - in Form solid durchgenäht, aus Gründen der - Reinlichkeit mit abzuknöpfendem Überzug, die Ösen zum Knöpfen aus Leder - <!-- Seite 67 --> - unterhalb der Matratze zu befestigen, damit sie der Hund - nicht aus Langeweile nachts annagt. Aus Verdoppelung - (Zusammennähen) zweier Stücken eines ausgedienten Teppichs - kann man auch für mittelgroße Rassen ein Lager stabil herstellen. - In vielen Geschäften sind fertige Hundelager für - kleinere Schläge erhältlich, die aus Eisenrahmen mit starkem - Drellbezug bestehen; in diese gehört aber unbedingt eine genau - dazu passende Kokosmatte. Körbe in flacher Form - empfehlen sich nur für kleine Tiere; das darin liegende Kissen - muß jeden Morgen sauber ausgeschüttelt werden. Für Hausflur - oder Treppenhaus kann man mit 4 Eckpfosten, 4 Brettstücken - von etwa 15 cm Breite und darunter Bodenbretter - eine erhöhte Pritsche von etwa 30 cm Höhe, für mittlere - Rassen (50x75 Bodenfläche) sehr leicht zusammennageln. - Als Lager eine genau hineinpassende Matratze. Hütten im - Haus oder Schlafkisten verhindern die Hautausdünstung und - sperren den Hund ab, mit abschließbarer Tür mögen sie - höchstens vorübergehend zur Erziehung dienen, wenn ein - Junghund nachts nicht zimmerrein ist oder man gezwungen - ist, ihn öfter allein im Hause zu lassen und fürchtet, daß er - diese Zeit zum Anbeißen von Gegenständen mißbraucht. Für - kleinste Nassen eignen sich dazu sehr gut die sogenannten - Bruthäuschen für Hühner, die vorn mit aufklappbarem Drahtgeflecht - versehen sind. Dauernd sollten sie aber nicht nötig - und durch gute Erziehung überflüssig gemacht werden.</p> - - - <h3 id="22"><a>22. Kapitel.</a><br/> - <b>Die Läufigkeit der Hündin, der Zuchtrüde.</b></h3> - - <p>Im allgemeinen gehört die Hündin <em>nicht in Laienhände,</em> - am wenigsten in der Mietwohnung und Großstadt. - Man lasse sich also nicht zur Anschaffung eines weiblichen - Welpen verleiten; nur wer schon mit Hundehaltung vertraut - ist und genügend Platz mit Sonne und Auslauf zur Ver<!-- Seite 68 -->fügung - hat, darf an Erwerb einer Zuchthündin denken. Aus - der Stadt, dem Miethaus sollten alle Hündinnen ganz verschwinden, - so daß weder sie noch ihre Witterung anzutreffen - ist, dann würden wir treuere, weniger rauflustige Rüden - haben, keine häßlichen Bilder mehr sehen, die Hundefeinden - — das sind jene, die den Hund nicht kennen — den Vorwand - zur Agitation bieten. Obschon unsere Forschungen in - dieser Richtung noch nicht geschlossen, möchten wir behaupten, - daß mit Abschaffung der herumlaufenden Hündinnen die Tollwut - verschwinden wird, die immer aus dem Osten nach - Europa hereingebracht wird. Aus den Ländern der halbwildlebenden - Straßenhunde. Für Hündinnen, die nicht im Besitz - eines Züchters, ausgewiesen durch das stammbuchmäßige, - anerkannte Züchteraffix, sollte die 3 fache Hundesteuer erhoben - werden. Hündinnen sind weder treuer noch leichter zu - dressieren, das Nachlaufen der Rüden hinter Hündinnen - würde abnehmen, wenn es weniger und nur gut behütete - Hündinnen in Züchterhänden gäbe. Hat man aber als Geschenk - doch eine Hündin erhalten, so ist zu beachten, daß - diese erstmals mit 7—9 Monaten hitzig (läufig) wird, sodann - mit Pausen von etwa 5—6 Monaten zweimal im Jahr. - Infolge Blutandranges nach den Genitalien schwellen diese - an, während der ersten 9—12 Tage findet eine Blutabsonderung - statt, die während der zweiten Hälfte der Hitze - in einen helleren Ausfluß übergeht. Die Witterung des - Zustandes wird vom Rüden schon einige Tage vorher wahrgenommen; - doch pflegen Hündinnen den Rüden während der - ersten Tage abzuweisen. Trotzdem ist es auf alle Fälle - nötig, die Hündin vom ersten Tage an sorgfältigste zu behüten, - sie nie allein hinauszulassen und auch beim Hinausführen - an die Leine zu legen. Wo es räumliche Verhältnisse - gestatten, läßt man sie während dieser Tage nur in Hof oder - Garten oder trägt die kleine Hündin auf dem Arm in eine - ruhige Seitenstraße morgens früh und spät abends, damit - möglichst wenig Spuren zum und in das Haus führen, - <!-- Seite 69 --> - dessen Tür tunlichst geschlossen gehalten wird. Trotz aller - Vorsicht läßt es sich schwer vermeiden, daß während dieser - Tage das Haus von schlecht behüteten Rüden der Nachbarschaft - belagert wird. Mit Gummischleuder (grobe Schrotkörner), - Wasser, Peitsche muß man eben sehen die Zudringlichen - zu vertreiben. Beim Ausgehen wird das Halsband - gut gesichert und zur Abwehr von Rüden die Peitsche mitgenommen. - Besser zu viel Vorsicht als zu wenig. Der - Zustand ist ein pathologischer, und viele Hündinnen suchen zu - entweichen, solche hängt man am Lager an die Kette, wenn - man das Haus verläßt. Kommt es trotz Vorsicht zu ungewollter - Verbindung, wobei der Rüde auf Dauer von 20 - bis 30 Minuten fest mit der Hündin körperlich verbunden - ist, so unterlasse man jeden Versuch gewaltsamer Trennung, - stelle das Paar abseits vom Verkehr und warte geduldig das - Ende ab. Soll aber die ausgewachsene Hündin (nicht vor - 1 <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> Jahr) belegt werden, so geschieht das etwa am 13. oder - 15. Tag der Hitze. Der Gesundheit schadet es nicht, wenn - eine Hündin nie zur Zucht verwendet wird; doch ist es gefährlich, - sie erst mit 3—4 Jahren oder später decken zu - lassen, da die Genitalorgane dann oft nicht mehr elastisch genug - sind. Kastrieren entwertet, führt zu Fettsucht und - Temperamentlosigkeit. Wird man als Besitzer eines , schönen - Rüden gebeten, dessen Tätigkeit für eine vollwertige Rassenhündin - zur Verfügung zu stellen, so mag, falls Bedenken - wegen der Persönlichkeit des etwa unbekannten Besitzers nicht - vorliegen, dem Gesuch stattgegeben, nur soll die <em>Hündin</em> zum - richtigen Zeitpunkt ins Haus gebracht werden. Führt man - den Rüden zur Hündin, so steht zu befürchten, daß der Rüde - die nächste Gelegenheit zum Entweichen ergreift, und die - Hündin sucht. Während des Deckakts soll der Besitzer seine - Hündin an kurzer Leine halten; einmaliges Belegen genügt. - Vor vollendeter systematischer Dressur, vor allem vor zweitem - Lebensjahr sollte ein Rüde nicht, oder höchstens ausnahmsweise - zur Zucht verwendet werden. Geschieht es überhaupt - <!-- Seite 70 --> - nie, so schadet es auch nichts, vorausgesetzt, daß man seinen - Hund vernünftig hält, nicht überfüttert und für ausgiebigen - Auslauf und Tätigkeit sorgt. Ein besonders kluges und - zugleich schönheitlich hervorragendes Tier der Zucht ganz zu - entziehen, wäre eine Schädigung für die Hochzucht und Rasse, - da ohnehin die für Vermehrung tätigsten Zuchthunde leider - vielfach Zwingerhunde sind, also zur Hebung von Intelligenz - und guten Charaktereigenschaften selten beitragen. Wenn - Rüden häufig Zeichen von Geschlechtserregung geben, auf - andren Hunden reiten, so ist das ein Zeichen zu üppiger - Fütterung, muß man reduzieren und für ausgiebige Bewegung - sorgen.</p> - - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo09.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <h3 id="23"><a>23. Kapitel.</a><br/> - <b>Die Pflege von Haar, Zähnen, Ohr, Auge; Scheren und Baden.</b></h3> - - <p>Jedem Haushund muß man sofort auf erstem Blick am - Gesamteindruck ansehen, daß er gepflegt ist; das unterscheidet - ihn von Straßenköter und Zwingerhund in Verbindung mit - einer gewissen Haltung, die nur der wohlerzogene Hund zeigt. - Dadurch übertrifft er selbst Ausstellungstiere von höheren - Rassenwerten. Ein einmaliges Waschen und Bürsten gibt - diesen Eindruck noch nicht; Pflege sitzt wie ein gutgearbeiteter - und selbstverständlich getragner neuer Anzug. Wer durch - etwas Ausübung Verständnis erhalten hat, wird — um durch - sorgfältige Pflege seinen Kameraden zu heben — sogar den - Pudel, den rauh- oder langhaarigen Rassenhund dem stock- - und kurzhaarigen vorziehen. Allerdings sind die erstgenannten - ohne oder mit mangelhafter Haarpflege geradezu abstoßend, - die letzteren (kurzhaarige) auch dann noch erträglich. Da sie - sehr wenig Pflege brauchen, unterbleibt leider oft das Wenige, - doppelt beschämend für den Besitzer, zumal der, der keine Zeit - für solche Äußerlichkeiten hat, die alle Welt feststellen und - <!-- Seite 71 --> - kritisieren kann, noch weniger Lust und Sinn für Erziehung - und Innenleben seines Hausgenossen hegen wird und besser - täte, gar keinen Hund zu halten. Pünktlichkeit ist das Rückgrat - der Pflichterfüllung, deshalb soll eine ganz bestimmte, - alltäglich innegehaltene Viertelstunde gewählt und unerbittlich - (gegen sich selbst) festgehalten werden, z. B. kurz vor dem - Mittagessen, weil da die Hygiene ohnehin geistige und anstrengende - körperliche Arbeit verbietet, also eine halbe Ruhepause - als Übergang von Arbeit recht nützlich ist. Gibt es - auch noch so wenig am Hund zu tun, er wird doch so täglich - kontrolliert. Zunächst wird das Haar gebürstet; je länger - oder seidiger dieses ist, desto weicher und länger muß die - Bürste dazu sein. Ganz kurzhaarige Rassen auch Schäferhunde - werden mit einer Borstenkartätsche, wie für Pferde - üblich mit Lederschlaufe über Handrücken, behandelt. Vom - Kopf nach rückwärts bis zum Rutenansatz, sodann Keulen - und Läufe abwärts. Dieses Bürsten ist zugleich eine sehr - wohltätige Hautmassage, es entfernt Staub und Schmutz, die - für Ungeziefer und Räudeansteckung der Nährboden sind. - Für zarte Rassen oder solche mit feiner Haut (Windhunde, - Barzois, glatte Terriers, kurzhaarige Zwergpinscher) wird die - Bürste am besten durch den sogenannten <em>Haarhandschuh</em> - ersetzt. Nach Gebrauch wird letzterer, kräftig ausgeklopft, von - Zeit zu Zeit mit Seife gewaschen. Die Bürste, mit Tuch - sauber gerieben. Ein Kamm wird für langhaarige Rassen - <em>niemals</em> benützt; einem Collie, Bernhardiner, Chin, Pekingesen, - Malteser würde damit alle Schönheit (Haarreichtum mit - dichter Unterwolle) hoffnungslos ruiniert. Filzt sich Haar - je zusammen, so wird es nur mit den Fingerspitzen vorsichtig - aufgezupft. Ein Kamm voll Haare nach dem Auskämmen - wäre nicht Beweis von Pflege, sondern von unverstandener - Mißhandlung. Der schöne Hund soll (ausgenommen Setter - und Spaniel) nicht von dünner Haardecke leicht umgeben sein, - sondern in einem vollen Haarschmuck prangen. Der harte - <em>Stahlkamm</em> dient lediglich <em>zur Korrektur</em> für zu zottig - <!-- Seite 72 --> - und üppig behaarte Rauhhaarrassen, wie Airedales, Schnauzer, - Brüssler Griffons, namentlich muß damit das überragende - Haar am Hals, Oberkopf, Läufen, Backen entfernt werden, - um eine elegante Erscheinung herzustellen, die nicht wie ein - Wollpudel aussieht. Ferner wird mit weitem Kamm täglich - beim Wollpudel das Haar auf Kopf und Körper offen gehalten, - damit es sich nicht zu Schnüren schließt. Zur Kontrolle, - ob Flöhe vorhanden, dient der enge Staubkamm bei - kurzhaarigen Rassen. Solche dürfen beim sauber gehaltenen - Haushund nie Vorkommen; sie quälen den Hund (abirrend - den Menschen) und sind Zwischenträger von Würmern. Sich - wegen Ungeziefer kratzende Hunde ruinieren sich damit ihr - Haar und ziehen sich leicht Hautverletzungen (Ekzem) zu. - Ein gepflegter und gesunder Hund muß immer ein glänzendes - Fell haben und auch ohne Bäder sauber aussehen. Nach - der Haarpflege wird mit besonderem Tuch das Auge täglich - gereinigt, so daß sich in den Winkeln nie Sekret festsetzt. Ist - es katarrhalisch entzündet, so wird es mit leichter Borsäurelösung - gewaschen, darauf gut getrocknet, damit nicht bei kühlem - Wetter eine Erkältung eintritt. Nach den Augen wird das - Ohrinnere mit feuchtem Schwämmchen (der in sogenannter - Seifenschale geschlossen aufbewahrt und nach Gebrauch ausgewaschen - wird) täglich gereinigt. Zeigt sich Ausfluß, so bläst - man mit kleinem Röhrchen etwas pulverisierte Borsäure in den - Gehörgang. Die Zähne der Junghunde bedürfen noch keiner - Pflege; nur bei ersten Anzeichen von <em>Staupe</em> muß <em>täglich - mehrmals das ganze Gebiß</em> mit desinfizierender Flüssigkeit - (verdünntem Spiritus, Lösung von hypermangansaurem Kali, - essigsaurer Tonerde oder dgl.) gründlich gesäubert werden, um - das sogenannte Staupegebiß (kariös, ohne Schmelz) zu verhindern. - Mit etwa 5 Monaten ist nachzuprüfen, ob die - ersten Hakenzähne, dicht hinter den zweiten stehen geblieben - sind. Da sich zwischen diese Speisereste festsetzen, riechen solche - Hunde faulig aus dem Maul. Bei Zwerghunden ist das - häufig. Die ersten Zähnchen sind mit dafür konstruierten - <!-- Foto 9 - Seite 73 --> - Zange leicht zu entfernen, oft schon mit der Hand; doch soll - man sie herausziehen, nicht abbrechen. Erhalten Jährlinge - harte Hundekuchen, Knochen für das kräftige Gebiß, das - danach verlangt, so wird sich selten ein gelblicher Belag an - den Eckzähnen bilden. Wo die Neigung dazu vorhanden ist, - genügt ein tägliches energisches Darüberstreichen mit harter - Zahnbürste, woran sich Hunde sehr rasch gewöhnen. Die erstmalige - Entfernung des schon leicht verhärteten Belags kann mit - Fingernagel oder Messer erfolgen. Laufen Hunde wenig auf - harter Straße, so werden oft die Krallen zu lang; sie zersplittern - sich auch bisweilen, so daß man von Zeit zu Zeit kontrolliert - und mit Eisenfeile etwas kürzt. Abzwicken mit Zange erfordert - scharfes Instrument (Nagelzangenschere), da sonst die - Kralle splittert oder Blutung eintritt, wenn man zuviel wegnimmt. - Allmähliches Abfeilen, wobei jemand den Hund beschäftigen - und die Pfote halten mag, ist vorzuziehen. Namentlich - ist bei Hunden mit Afterklauen (lose, fünfte Zehe am - Hinterlauf) die Kralle zu kürzen, da sie sonst in das Fleisch - hineinwächst. Vor Abzwicken mit warmem Wasser weich - machen, schützt vor Splittern. Ausgenommen bei Hautkrankheiten - zu intensiver Behandlung werden Hunde nie geschoren - und so des natürlichen Schutzes auch gegen Sonnenbrand - beraubt. Infolge des natürlichen Haarwechsels ist im - Sommer ohnehin die sogenannte Unterwolle der dichtbehaarten - Rassen dünner. Einen dicken Haarpelz, für bestimmte Rassen - besonders erwünscht, z. B. für Collies, Chow-Chow, russische - Windhunde, erzielt man nur, wenn man sie auch im Winter - im Freien schlafen läßt. Die einzige Ausnahme macht der - halbgeschorene Pudel, an dessen Keulen, Hüftknochen, Gelenken - kleine Krausen stehen bleiben. Die Schnauze wird - mit Ausnahme des Bartes bis etwa 2 cm über die Augen - geschoren, das Kinn und die Kehle bis etwa unter Halsbandtiefe. - Zum Füttern werden die langen Ohren mit einer Klammer - (Schnurrbartklammer, bei Friseuren erhältlich) über dem Kopf - befestigt. Sein Bart ist täglich mit Schwamm zu reinigen. - <!-- Seite 74 --> - Wird der Hund täglich mit der Bürste oder Haarhandschuh - gereinigt, was die meisten als eine Wohltat empfinden, so - daß sie dazu willig sich stellen, so sind Bäder sehr selten - nötig. <em>Junge Hunde,</em> die noch Mutterwolle tragen, sollte - man überhaupt nicht baden, man setzt sie selbst bei aller - Vorsicht im überhitzten Raum der Gefahr von Erkältung aus. - Wird der ältere Hund gebadet, so hebt man ihn in eine - Wanne, in der das Wasser nicht ganz bis zur Bauchhöhe - reicht. In einer Schüssel wird etwas milde Seife im warmen - Wasser aufgelöst und damit mittels Bürste (bei kleinen Rassen - mit Schwamm) von der Mitte des Rückens nach rechts und - links abwärts abgewaschen. Sodann kräftig mit Wasser - nachgespült, das Haar energisch nach der Richtung des Wuchses - ausgedrückt. Wollte man kräftig den Hund selbst einseifen, - so brauchte man eine Unmenge Wasser, um alle Seifenspuren - zu entfernen und verfilzt das Langhaar derartig, daß man - später beim Auskämmen zu viel ausreißt. Hat man das - Wasser aus dem Haar gestrichen, so überdeckt man mit einem - Frottiertuch und klopft mit flacher Hand trocken. Zarte - Seidenrassen, wie Malteser, Yorkshireterriers werden nachher - dicht am wärmenden Feuer mit der Bürste trocken gebürstet; - würde man das Haar am Feuer ohne Bürste (immer vom - Scheitel abwärts) trocknen, so wird, es wellig, was ein großer - Schönheitsfehler ist. Derbe Rassen wie Schäferhunde, Boxer, - französische Bulldoggen, Foxterriers kann man etwas kräftiger - abreiben, doch benütze man immer milde (überfettete) Seifen - und lasse bei Kälte oder Wind die Hunde erst einige Stunden - nach dem warmen Bad ins Freie, da die geöffneten Poren - leicht zu Erkältung führen. Sehr bequem ist die sogenannte - Trockenwäsche für weiße Hunde; doch soll man damit nur das - äußere Haar reinigen, nicht die Hautporen verschließen. - Trockenwaschpulver (eine Mischung von Kartoffelmehl und - Magnesia) ist in Spezialgeschäften für Hundeutensilien erhältlich. - Zur Erhaltung der Gesundheit und Sauberkeit - wird das lange Stirnhaar (der Fall) von Pudel, Malteser, - <!-- Seite 75 --> - Yorkshireterrier mit einem Seidenband zusammengebunden, - man umfaßt es mit linker Hand, zieht es nach oben, umwickelt - mehrmals mit farbigem Band fest zusammen, die Enden - werden zu einer Schleife geknüpft. Ein sehr langer „Fall” - wird zum Zopf geflochten.</p> - - - <h3 id="24"><a>24. Kapitel.</a><br/> - <b>Utensilien zur Pflege und Dressur.</b></h3> - - <p>Mangelhaftes, improvisiertes Werkzeug erschwert jede - Hantierung, kostet mehr Mühe und Zeit, bringt geringen Erfolg - und läßt schließlich von kleinen Manipulationen absehen, - deren Unterlassung später Arbeit und Unkosten verursacht. - Vor Ankunft des Hundes muß schon alles bereit liegen, die - Anwendung ist zum Teil schon in vorherigen Kapiteln erklärt - worden. Zunächst zur Haarpflege <em>nur Borstenbürsten,</em> - niemals Marterinstrumente mit Stahlborsten, selbst nicht solche - auf Gummiunterlage, man entzündet damit die Haut. Für - stockhaarige und rauhhaarige Rassen kurze kräftige Borsten - in Kartätschenform. Für Schoßhunde ganz Weiche lange - Borsten, die den Kamm ersetzen. Nur in Spezialhäusern für - Hundeartikel erhält man die Stahlkämme mit ganz kurzen - Zähnen, die zugleich zum Abrupfen des überwuchernden - Haares für Rauhhaarrassen dienen. Dieses soll nie so lang - werden, daß es die Körperformen merklich überragt. Abgesehen - von Bart und Augenbrauen erscheint Rauhhaar, speziell - der Terrier, wie ein glatthaariger (nicht kurzh.) Hund; der - deutsche Pinscher, Affenpinscher, wird ein wenig länger im - Haar gehalten, doch schadet auch für ihn der sogenannte - Rupfkamm nicht. Der Zweck der Eisenfeile (für Nagelpflege), - harten Zahnbürste ist oben beschrieben. Zwei Porzellanschalen - mit Deckel enthalten kleine, dichtgeschlossene Schwämme - für Augen- und Ohrenpflege, die öfter in leichtem Desinfektionswasser - (Wasser mit etwas Wasserstoffsuperoxydzusatz) - <!-- Seite 76 --> - ausgewaschen werden. Ebenso die Bürsten. Ein feineres - Staubtuch dient zum Nachtrocknen der Ohren und Augen. - Ein vorzügliches Putzmittel zum Nachpolieren nach dem Abbürsten - ist der <em>Samthandschuh,</em> den man nach Benutzung - mit trockenem Tuch abreibt und gleichfalls von Zeit zu Zeit - waschen läßt. Wenn man sich vor regelmäßiger Haarpflege - einbildete einen sauberen Hund zu besitzen, so wird man sich - durch Anblick des Tuches nach Abreiben des Samthandschuhes - überzeugen, daß das Gegenteil der Fall war. Kein - Wunder, daß manche Hunde übelriechen, wenn sie nach Regen - feucht in das Zimmer kommen. Erst durch peinlichste Sauberkeit - wird der Haushund zum Hausgenossen, den man auch - berühren darf, ohne sich sofort darauf mit Seife und heißem - Wasser waschen zu müssen. Begreiflich, daß zu solcher Pflege - das richtige praktische blanke Werkzeug gehört. <em>Schutzdecken</em> - (Schabracken) werden nur für kurzhaarige Rassen wie Black - and Tan Terriers, Zwergpinscher, Windhund, Whippet (letzteren - nach Renntraining sofort umgelegt), besonders Windspiel angeschafft; - um ihnen ein gefälliges sportliches Aussehen zu - geben, sind sie aus dunklem Tuch, mit Hellen, blauen oder - gelben Streifen eingefaßt. Ausnahmsweise legt man solche - aus Segeltuch und hinten rings geschlossen Doggen an, um - aufgeschlagene Rute zu heilen. Für zarte Schoßhunde - schneidet man von abgelegten, gestrickten Handschuhen die - Spitzen ab, läßt den Schnittrand von der Hausfrau nachgiebig - einfassen und zieht sie vor Ausgang bei nassem Schneewetter - über die Füße als <em>Schutzsocken</em>. Blendend schön behaarte - Yorkshireterriers und Malteser, die für Ausstellungen - vorbereitet werden, müssen solche Schuhe beständig tragen, damit - sie sich nicht kratzen können. Wie die Kravatte des - <em>Herrn</em> nebst Nadel das einzige Bekleidungsstück ist, das Geschmack - und Eleganz verrät, so auch das <em>Halsband</em> des - Hundes, das bei der Dogge, dünn und rund genäht, den - eleganten Hals unterstreicht und diskret den Übergang zum - Rücken nicht stört, bei dem schwarzroten Dobermann oder - <!-- Seite 77 --> - Terrier als glattes weißes Band das tief glänzende Fell - hebt. Dem gedrungenen Bau mit kurzem Hals durch Wucht - und Nägelbeschlag bei der Bulldogge sich anpaßt und den - Schein hervorruft, als müßte dieses fürchterliche Tier an - schwerstem Halsband gebändigt werden. Beim Barzoi - und Pudel oder Collie besteht es nur aus einer vernickelten Kette, - die im Haar verschwindet, ohne dieses zu verletzen. Sportrassen - wie Foxterriers, Airedales tragen glattes, schmales - hellgelbes Lederhalsband, z. B. Dreigliederhalsband, das zwar - Zughalsband ist, aber sich nicht völlig zuziehen läßt, wie jedes - solche sein sollte, dazu weit genug, um über den Kopf gestreift - zu werden. Auffällig als solches durch Farbe oder Zierbeschläge - darf nur das Halsband der Bulldogge, der japanische Originalkragen - des Chins oder das mit Dachshaaren besetzte der französischen - Bulldoggen sein. Das Eigenartige liegt sonst im Passen und - Schlichtheit. Zum weißen Halsband gehört die Weiße Leine. - Brustgeschirre erhalten nur solche Rassen, die bei fortgesetztem - Ziehen am Riemen zu Kropf neigen (glatth. Zwergpinscher, Mops). - Ein angehängtes Glöckchen ist eine Zumutung an Nerven des Hundes; - geht man aber abends aus, so ist es nicht unpraktisch, ein solches - an kleinem Karabiner zu besitzen, damit man die Anwesenheit des - Hundes hört, wenn man den kleinen dunklen Kerl nicht sieht. Zum - Ausgang in die Stadt gehört die <em>kurze Führleine;</em> je - kürzer man den großen Hund hält, desto leichter und fester - hat man ihn in der Gewalt. Zur Dressur kann man sich - selbst die lange Leine aus fester gedrehter Hanfschnur herstellen. - Für harte Hunde benutzt man zur <em>Dressur</em> das - unwendbare <em>Stachelgliederhalsband</em> (Torquatus) oder den - über das glatte Lederhalsband an zwei Schleifen über<!-- Seite 78 -->zustreifende - Stachelriemen, Marke Horridoh, der nach außen - gedreht zum Schutz gegen fremde bissige Hunde dient. Für - Hunde, die zum Entweichen oder Wildern neigen, läßt man - sich einen sogenannten <em>Knüppel</em> herstellen. Das ist ein rundes - Hartholzstück von etwa 50 cm Länge und 8 cm Dicke (je nach - Größe, diese für Dobermannpinscher angegeben), dreht in der - Mitte eine Ringschraube ein und befestigt mit 2—3 Verbindungsgliedern - einen Karabiner, so daß der an das Halsband eingehängte - „Knüppel” bis auf die Vorderläufe <sup>1</sup>⁄<sub>3</sub> von oben) - herabreicht. Mit diesem „Knüppel” kann der Hund mit gehobnem - Kopf gehen, auch ganz langsam traben, sobald er - aber springt oder hetzt, schlägt ihm der Knüppel beständig auf - die Vorderbeine. Namentlich für den im Landhaus gehaltenen - zum Ausbrechen geneigten Hund, den man tagsüber - im Garten frei laufen läßt, ist der „Knüppel” zu empfehlen. - Hat er sich einige Zeit bewährt, so kann man ihn durch Absägen - auf beiden Seiten kürzen, er wirkt als Warnung trotz - Kleinheit weiter. Wer öfter reist und den Hund von mittlerer Größe - oder Zwerghund mitnimmt, wird sich vorteilhaft einen <em>Reisetransportkorb</em> - mit Gittertür anschaffen, der schon einige Tage - vor der Reise nachts als Lager (geschlossen) dienen soll, so - daß sich der Hund gar nicht aufregt, wenn er in diesem als - Reisegepäck aufgegeben oder im Hotel bei Ausgang eingesperrt - wird. Verläßt man das Hotel bei Tage, so überdeckt man - den in dunkle Ecke gestellten Korb, weil sich für das Hundegehirn - Dunkelheit mit Nachtzeit verbindet und er sich dann - ruhiger verhält. Der Pudelbesitzer benötigt die <em>Haarschere,</em> - die für großen Schlag eine Schnittbreite von 42—44 mm, - kleinen Schlag 32—35 mm, eine Schnittlänge von <sup>1</sup>⁄<sub>4</sub> mm - (sogenannte Bartschere) haben soll. Solche mit <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> mm - schneiden zuweit über der Haut und rupfen. Man ölt gut - und setzt kräftig die an der Stellschraube energisch angezogene - Maschine gegen den Haarstrich ein. Hat das erstemal ein - geübter Pudelscherer den Hund frisiert, so ist es dann eine - Kleinigkeit ihn so zu erhalten. Zehen und Gesicht werden - <!-- Seite 79 --> - alle 8—14 Tage, der Hinterkörper im Sommer alle 14, im - Winter jede dritte Woche nachgeschoren. Überragende - Haarspitzen entfernt man beim Wollpudel mit der Handschere. - Nach dem Bad werden die Schnüren mit Tüchern partienweise - trocken frottiert. Leider gehört in vielen Städten zu den - aufgezwungenen Utensilien auch der <em>Maulkorb</em> für alle, - oder doch größere Rassen, der natürlich gegen Verbreitung - der Tollwut durch entweichende Hunde keinerlei Schutz bietet, - aber für ängstliche Menschen, die meinen, daß alle Hunde - „beißen”, eine Beruhigung ist. Er soll aus Lederriemen - hergestellt und so lang sein, daß er vorn Nase und Schnauze - nicht scheuert; gegen das Kahlreiben auf Nasenrücken schützt - Umwicklung des aufliegenden Lederteils mit Tuchstreifen. - Drahtkörbe sind wohl haltbarer, für kurzhaarige Rassen eine - Marter, sollten höchstens für Zughunde benützt werden. - Man nehme ihn lieber etwas größer als nötig und schütze - ihn gegen Abstreifen durch eine Lederschleife hinten, die durch - das Halsband gezogen wird. Es ist vorteilhaft, den Maulkorb - aus schwarzem, weichem Leder Herstellen zu lassen; hellgelb - irritiert das Hundeauge, wie ja auch die schwarze Hornbrille - weniger stört als die mit glänzendem Goldrand. Das - Angewöhnen erfolgt nicht in Haus oder Garten, sondern - nach flottem Spaziergang, der die Aufmerksamkeit ablenkt und - zwar in früher Jugend. Haben wir nur noch gut erzogne - und wohlbehütete Hunde, keine beständig sich auf Straßen - herumtreibenden Köter mehr, so wird der Maulkorbzwang - von selbst wegfallen. Die Hundepeitsche braucht nur der - Dresseur für den Berufshund (Jäger, Polizeihundführer), - <em>nicht der Erzieher;</em> ihm genügt die Gerte oder ein - leichtes spanisches Rohr.</p> - - - <!-- Seite 80 --> - <h3 id="25"><a>25. Kapitel.</a><br/> - <b>Erkrankungen, Verletzungen, Eingeben von Medizin.</b></h3> - - <p>Wie das Auge der Spiegel der Seele, so ist die Haut - der der Gesundheit. Ein glattes glänzendes, gut anliegendes - Haar verbürgt in Verbindung mit klarem Auge und kaltfeuchter - Nase das Wohlbefinden. Munteres, lebhaftes Verhalten - und guter Appetit sind die Folge. Die Exkremente, - konsistent, wenn zu hart und steinig, so gebe man weniger - Knochen und mehr Getränk. Zu viel Kot in breiiger Form - verrät gehaltloses Beifutter, man füttere daher besser (mehr - Eiweißgehalt). Die einfachste Kontrolle für richtige Ernährung - und Verdauung ist also tägliche Beobachtung des - Kots. Ist alles in Ordnung, so genügt ein Blick darauf. - Jede Abweichung von dem eingangs beschriebenen Aussehen - erfordert Beachtung. Krankheit kündet sich durch Mattigkeit, - Ruhebedürfnis, Appetitlosigkeit an, wird bei täglicher Haarpflege - sofort festgestellt. Bei katarrhalischem Aussehen von - Nase und Auge wird sofort beim Junghund die Körpertemperatur - (im After, Spitze des Fiebertermometers behufs leichten - Einführens mit Vaseline oder Öl eingefettet) gemessen, - beträgt sie über 39 ° C., etwa 39,5 und dünstet die Haut - übel aus, so liegt Staupeverdacht (Sucht) vor, gibt man - sofort etwas Hefe, hält den Hund warm im Zimmer und ruft - einen Tierarzt, der selbst Züchter oder Spezialist von Hunden - ist. Das übliche Futter bleibt sogleich weg, etwas geschabtes - rohes Fleisch, falls roh nicht genommen, leicht angebraten - und ganz klein geschnitten. Man versäume keine Zeit mit - „unfehlbaren Staupemitteln”, die je nur <em>eine</em> bestimmte der - zahlreichen Formen treffen, überlasse etwaige Injektion dem - Tierarzt. Es ist weder nötig, daß alle Hunde die Staupe - bekommen, noch schützt ein Anfall unbedingt gegen weitere; - es ist nur wahrscheinlich, daß ein kräftiger Hund, der die - <!-- Foto 10 - Seite 81 --> - Staupe überstanden, gegen nächste Infektion geschützt ist oder - sie leicht überwindet. Bleibt nach schwerer Sucht ein Nervenleiden - (Zucken, Schwäche in Hinterhand), so soll das unheilbare - Tier lieber erlöst werden, es ist zeitlebens ein Schwächling - ohne Zuchtwert. Abgang von dünnflüssigem Kot ohne - Fieber und Mattigkeit wird sofort mit Diät bekämpft. Tagelang - kein kaltes Wasser, gegen Durst höchstens Reiswasser, - als Nahrung Schleimsuppe durch ganz geringen Fettzusatz - schmackhaft gemacht. Dazu Ruhe, Wärme, keine Medikamente, - noch Heilmittel nach Laienvorschlägen. Unschädlich, doch - wirksam sind kleine Gaben von Bismut. salicyl. Einmaliges - Erbrechen, namentlich von Gras oder ähnlichen Fremdkörpern - gibt zur Beunruhigung noch nicht Anlaß, zumal junge Hunde - leicht erbrechen. Liegt bei solchem Verdacht vor, daß der - Hund auf Spaziergang Aas (Fleischgift) oder Giftbrocken - aufgenommen hat, so ist innerlich mit Kalomel (Dosierung je - nach Größe durch Apotheker) zu reinigen und gegen Herzschwäche - etwas Kognak einzuflößen. Wird ein Hund richtig - ernährt, erhält er in der Jugend genügend Knochen, Nährsalze, - Lebertran gegen Rachitis, hat er reichlich Bewegung, so ist - er widerstandsfähig und wird höchst selten erkranken, namentlich - wenn ihn Reinlichkeit gegen Infektion und Hautkrankheiten - schützt. Zeigt die Haut kleine, rundliche, kahle Stellen - ohne Juckreiz, so liegt Flechte vor; die befallenen Stellen - werden mit Jodtinktur, die immer in kleinen Fläschchen vorrätig - sein sollte, bepinselt. Haarausfall, heftiger Juckreiz, - häßliche Hautstellen verraten Räude. Selbst die früher für - unheilbar gehaltene Acarusräude ist durch energische Einreibung - mit Schwefeloxydul (Chem. Fabrik Marienfelde-Berlin) - heilbar, die gegebnen Vorschriften sind genau zu befolgen, da sonst - wirkungslos. Fast alle Mittel helfen, nur muß die Kur bei den - meisten sehr gewissenhaft befolgt werden. Es kommt weniger - auf das Mittel selbst als auf die Anwendung an. Bei obigem - Mittel genügt einmalige Einreibung. Hervorragend gegen - <!-- Seite 82 --> - Sarkoptesräude, Ekzem, Herpes hat sich Odhlen (Bayer) bewährt.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo10.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <p>Bei zufälligen Verletzungen wasche man nicht mit nächstem - Wasser aus, damit bringt man nur Keime aus der Umgebung - in die Wunde; man betupfe die Umgebung der Wunde mit - Jodtinktur, sorge daß der Hund nicht kratzt und scharrt. Den - Wundrand selbst bepinselt man mit Perubalsam, der in jede - Hundehausapotheke gehört, um bei Räude, Flechte, empfindliche - Stellen wie die Augenumgebung zu behandeln. Ebenso - soll eine Schachtel mit Borsäure immer vorrätig sein, am - besten in kleinen Dosierungen (von 3 oder 6 g), um z. B. mit - 100 g Wasser sofort eine 3prozent. Lösung zum Waschen - tränender Augen herstellen zu können. Eine weitere Schachtel - stehe mit einem trocknenden Desinfektionsmittel bereit wie - Tannoform (Merck), Euguform (Güstrow), letzteres ein Idealmittel - gegen alle Hautentzündungen (Wespenstiche) und Brandwunden, - um kleine Wunden damit zu bestreuen. Da diese - Pulver nasse Wunden rasch abtrocknen, entziehen sie den - Mikroben ihre Lebensbedingungen. Hautabschürfungen überzieht - man mit Jodoform-Kollodium. Tiefere Bißwunden spült - man mit 5prozent. Karbollösung mit Wundirrigator und - taucht die Fingerspitzen in diese vor Berührung. Zerschneidet - sich der Hund durch Tritt in Glasscherben einen Ballen, so - stillt man die Blutung mit Eisenchloridwatte, desinfiziert die - Wunde, überstreicht sie mit Jodoformkollodium. Hierüber - quer Heftpflaster, Mullbinde und Beobachtung des Hundes - gegen Abreißen des Verbandes (Anlegen an Lager an kurze - Kette oder sogenannten Halskranz, in Spezialgeschäften vorrätig). - Da man Tiere nicht überreden kann, muß man Medikamente - „eingeben”. Lösliche Arznei und Emulsionen gießt - man aus der Flasche am Lefzenwinkel bei erhobnem Kopf - ein, hält einen Augenblick die Nase zu, so daß der Hund - durch das Maul atmen muß, wobei er schluckt. Größere - Pillen taucht man in Öl und steckt sie tief in den Schlund, - hält das Maul einige Zeit zu, streichelt die Kehle entlang. - <!-- Seite 83 --> - Pulver oder Tropfen kann man in Gelatinekapsel füllen und - ebenso in den Schlund schieben. Der Apparat „Pilleneingeber” - erfordert sachkundige Handhabung. Bei kleinen jungen Hunden - ist das schwierig; einige Tropfen (z. B. Chenoposanöl gegen - Spulwürmer, das scharf riecht) bringt man durch List bei. - Aus fetter Wurst, die sich streichen läßt, bereite man eine - flache Oblate in Größe einer Kupfermünze, tropft darauf - 1—3 Tropfen Medizin in kleine Höhlung. Das Ganze wird - vorsichtig zusammengerollt, so daß kein Geruch nach außen - dringt. Dann gibt man als Lockmittel von derselben Wurst - einige Kugeln gleicher Größe, zuletzt die mit der Arznei, die - gierig morgens nüchtern hinabgeschlungen und gar nicht erst - mit der Nase geprüft wird. Am Abend vorher fällt das - Futter, vor allem der Knochen, weg; der Magen muß möglichst - leer sein, besonders bei Wurmmitteln, die rasch mit den - toten Würmern abgehen sollen. Mancher scheinbare Mißerfolg - (keine Würmer im Kot) grade prompter Wurmmittel - (Allegan-Bayer) beruht darauf, daß die toten Würmer verdaut - worden sind, was leicht zu Darmkatarrh führt. Hunden, die - jedes Medikament sofort erbrechen, gibt man <sup>1</sup>⁄<sub>2</sub> Stunde vorher - etwas dicke Schleimsuppe. Hilft auch das nicht, vorher - ein Anästhesinpulver oder eine Lösung von Novocain. (1 %) - mit Suprarenin in Bittermandelwasser. Ausgenommen bei - Wurmkuren verschont man die Hunde möglichst mit Arzneimitteln, - selbst wenn man gerne helfen möchte. Einige Tage - kein Wasser, dafür Diät (Schleimsuppen) sind besser als Verstopfungs-, - Abführ-, Brech-, Stärkungsmittel. Von letzteren ist - Rotwein mit Ei (falls nicht freiwillig genommen, eingegossen), - geschabtes oder kleingewiegtes Fleisch das beste. - Der ruhende Hund braucht sehr wenig. Ein Kalbsschwanz - genügt für einen Tag. Und auch sonst lieber etwas knapp - gehalten, so daß man die Rippen ganz leicht angedeutet - durchsieht, ist gesünder als gemästet. Natürlich darf der - Junghund nie wie ein Gerippe mit Fell überzogen sich anfühlen, - sondern eher prall. Der ältere Hund hingegen sei - <!-- Seite 84 --> - hart durch Muskulatur, so daß es die Hand schmerzt, wenn - man fest auf ihn klopft. Ist das der Fall, so ist er nicht nur - in vollster Gesundheit, sondern auch ein Muster rationeller - Haltung, die dem Besitzer Ehre macht.</p> - - - <h3 id="26"><a>26. Kapitel.</a><br/> - <b>Altersschwäche und Tötung.</b></h3> - - <p>Das traurigste Kapitel dieses Buches, dem wir an - Härte nehmen wenn wir die Naturnotwendigkeit uns klar - machen. Von mehr als einem Hundebesitzer haben wir, von - dessen ehemaligem Liebling sprechend, gehört, daß sein Tod - der einzige Schmerz gewesen sei, den er je seinem Herrn zugefügt - habe. Wird ein Hund vernünftig gehalten, erhält er, - völlig ausgewachsen, nicht zuviel Eiweiß dessen Schlacken - das Leben kürzen, auch nicht zu viel Salze, die durch Flüssigkeitsaufnahme - die wichtigsten Säfte verdünnen, so wird er - bei Kraft und Wohlgestalt, die zugleich Schönheit und Gesundheit - sind, ein hohes Alter ohne frühe Altersschwächen - erreichen. Wir wollen nicht durch Aufzählungen von einzelnen - Hunden, wie Barzois, Spitze, Foxterriers, die 18 bis sogar - etwas über 20 Jahre alt werden, falsche Erwartungen erwecken. - Das sind Ausnahmen. Sicher ist nur, daß sogenannte - trockne Rassen (von harter Struktur mit Stahlknochen) - um <sup>1</sup>⁄<sub>4</sub>—<sup>1</sup>⁄<sub>3</sub> älter werden, als solche von Masse mit Falten, - Halshaut, starken Knochen. Letztere gehen früher „aus dem Leim”, - bekommen unförmigen Kopf, neigen zu Fettansatz, dem rechtzeitig - durch trockne Ernährung Vorgebeugt werden muß. Was - rastet, rostet. Um vor frühzeitigem Altern zu schützen, darf - es auch dem älteren Hund nie an erfrischender, angemessener - Bewegung fehlen. Knochen werden nach vollendetem 4. bis - 5. Jahr keine mehr gegeben, die Zähne sorgfältig gepflegt - und gegen Belag vorgegangen. Riesen und Zwerge - altern früher, solche mittlerer Größe später. Hunde von - <!-- Foto 11 - Seite 85 --> - brauner Farbe, schwarze mit gelben, statt rostroten Abzeichen, - bekommen früher graue Schnauze als erstes, jedermann kenntliches - Alterszeichen. Doch wer denkt bei Anschaffen des - Welpen oder Junghundes schon an dessen Alter. Stellen - sich merkliche Altersschwächen ein, Trübung des Auges, und - verminderte Sehfähigkeit, abgenütztes Gebiß, Unfähigkeit und - infolgedessen Unlust zur Bewegung, mürrisches Wesen als - Abwehr gegen Störung des Ruhebedürfnisses, das sich bei - Unbehagen bis zur Bissigkeit steigert (bösartig aus Laune - wird kein Hund!), so wäre es falsches Mitgefühl, hier nicht - erlösend einzugreifen. Dem Tier ist das Geistesleben, das - dem Menschen das Greisenalter in liebevoller Umgebung noch - erträglich macht, versagt; es vegetiert, sich selbst und anderen - zur Last. Man verwechsle nicht die Wehleidigkeit, sich selbst - einen kurzen Abschiedsschmerz zu ersparen, mit falschem Mitgefühl, - das ein Tier langsam verkümmern läßt. Ohne - Beratung und quälende Erörterungen mit den Angehörigen faßt - man den Entschluß selbst, erzählt erst bei Rückkehr <em>ohne</em> - Hund, was unvermeidlich war und hält schon den Ersatz in - Gestalt des pflegebedürftigen Nachfolgers bereit. Das herzerfrischende - Spiel des jungen Hundes, sein sprudelnder Übermut, - lassen fast wider Willen den Schmerz vergessen, und die - Entwicklungsmöglichkeiten des noch unreifen Charakters trösten - besser als es der Ersatz durch einen schon fertig ausgewachsenen - Hund je vermöchte. Niemals gebe man den gealterten Hund - in <em>fremde</em> Hand ab. Ein Schuß aus kleinkalibrigem Gewehr, - dicht hinter dem Ohr von rückwärts eingesetzt, tötete - durch Eindringen in das Kleingehirn sofort. Am besten gibt - eine geübte, sichre Hand den Schuß ab, man entfernt sich - erst, wenn man den Schuß gehört und sich durch Anblick - vom Tod überzeugt hat. Tötung mit starker Morphiumgabe - ist nicht zu empfehlen; es wird meist erbrochen und müßte - durch Einspritzung direkt in den Blutlauf gebracht werden. - Gegen Vorhalten von Chloroform wehren sich Hunde heftig. - Die wäßrige Lösung von Blausäure, zersetzt sich trotz besten - <!-- Seite 86 --> - Verschlusses rasch. Andre Gifte, wie Strichnin, sind zu langsam - in der Wirkung. Mit Recht wünscht jeder Hundefreund - daß sein Tier nicht leide und sofort tot sei. Tierarzt - Hauck-Wien empfiehlt nach zahlreichen Anwendungen seinen - Kollegen folgendes einfache und leicht ausführbare Verfahren - bei Zuführung von Hunden zur Tötung: Man löst für - Hund größter Rasse 5 g Kalium cyanatum in etwa - 15 g Wasser, schüttet aus dem Fläschchen diese Lösung im - Lefzenwinkel ein. Rechts vom Einschüttenden steht ein Gehilfe - mit einem Fläschchen gewöhnlichen Haushaltessigs. - Sofort nachdem der Hund den letzten Schluck der Cyankaliumlösung - zu sich genommen, wird schnell etwas Essig hinterher - eingeflößt und der Hund sich selbst überlassen. Der Tod - tritt innerhalb weniger Sekunden durch die plötzliche Blausäureentwicklung - ein, kaum daß man die Hand von ihm losgelassen - hat. Ehe wir diesen Ratschlag hier weitergaben, - haben wir selbst bei einigen solchen Vergiftungen assistiert und - uns überzeugt, daß der Hund ohne Krampf, lautlos wie völlig - gelähmt, zusammenfällt und niedersinkt, selbst die Gesichtszüge - zeigten keine Spur von überstandenen Schmerzempfindungen. - Selbstverständlich kann der Tierarzt auch eine eigens neu angefertigte - Lösung einspritzen, doch muß er dann einige Tage - vorher von dem Besuch zwecks Tötung unterrichtet werden.</p> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo11.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <p>Und einige Tage vorher wird auch schon der Nachfolger - erworben; am besten ein noch hilfloses, pflegebedürftiges - Hündchen, das unsre Zeit und Gedanken völlig in Anspruch - nimmt und unsre Angehörigen über den schmerzlichen Verlust - eines treuen Freundes hinwegbringt. Bei der zweiten Erziehung - hat man viel gelernt, was nun praktisch verwertet wird. - Allerdings handelt es sich ebenso wie in den Ausführungen - dieses Buches nur um kleine Hilfsmittel und Handgriffe. Die - Hauptsache muß der Erzieher <em>selbst</em> besitzen und mitbringen, - und das ist genau dasselbe wie beim Einreiten des Pferdes: - <em>eine unendliche Geduld, ein feines Gerechtigkeitsgefühl - und eine hochanständige Gesinnung</em>.</p> - <hr style="width: 10%"/> - - - <!-- Seite 87 --> - <h2 id="bilder"><a><b>Zu unseren Bildern.</b></a></h2> - - <p>1. Langh. St. Bernhardshündin, Champion „<em>Fatime Cannstatt</em>” 2274. - Besitzer: Frau Hofkapellmeister Marg. Kahler, Schwerin. Züchter: H. Voppel, Cannstatt.</p> - <p>2. Deutsche Dogge, „<em>Rolf v. d. Rheinschanze</em>”. Züchter u. Besitzer: Jos. Rembold, Ludwigshafen a. Rh.</p> - <p>3. Brauner Dobermann, „<em>Salto v. Rottal</em>”. - Besitzer: Boxler, München. Züchter: Jos. Schweiger, Pfarrkirchen i. Rottal, Nied.-Bay.</p> - <p>4. Importierter Airedaleterrier, „<em>Zetland Recruit</em>” 6032. Besitzer: F. Röhrl, München.</p> - <p>5. Engl. Windhund, Champion „<em>Tasso v. Solten</em>”. 381. - Besitzer: Oblt. Gg. Boxler, Augsburg. Züchter: Tierarzt Dr. Erb, Gießen.</p> - <p>6. Münchener Boxerrüde, Sieger „<em>Udo v. Adelegg</em>”. - Züchter u. Besitzer: Edmund Halter, Isny.</p> - <p>7. Importierte engl. Bulldogge, „<em>Astor Astoria</em>” 1193. Besitzer: M. Gruber, Hamburg.</p> - <p>8. Importierter engl, drahthaariger Foxterrier, Sieger <em>„Handy Maesthead”.</em> - Besitzer: Rud. Piesbergen, Berlin W. 8.</p> - <p>9. Rauhh. Pinscher, Sieger „<em>Strupp v. Schnauzerluft</em>” 1936. - Besitzer u. Züchter: Wilh. Stierle, Pforzheim.</p> - <p>10. Kleiner Pudel, „<em>Nang-i-Lat v. Sadowa</em>” 4324. - Züchter: Wolf, Berlin. Besitzer: Pudelzwinger Sirius - (Frl. Flora Kalender) Ebersteinburg bei Baden-Baden.</p> - <p>11. Französ. kleine Bulldogge, „<em>Jubicka Patzig</em>”. Züchter u. Besitzer: Frau Flora Kunstmann, - Murnau-München.</p> - <p>12. Blenheimspaniel, „<em>Darling v. Ravensburg</em>”. Besitzer: Theo Krumm, Ravensburg.</p> - - <!-- Seite 88 --> - <p>Bilder sollen für sich selbst sprechen und keine Erklärung - benötigen. Unsere kurzen Ausführungen gelten auch nicht - ihnen, sondern den dargestellten Hunden, deren Züchtern oder - Besitzern. Unter etwa 100 Aufnahmen von nahezu gleicher - technischer Vollendung, die eine Spezialität des Münchener - Tierphotographen A. Dauer,Briennerstr. 17 ist, wurde nur - ein Dutzend ausgewählt teils weil sie hervorragende, verdienstvollste - Zuchttiere waren oder noch sind (wie Nr. 2, 3, 4, 5, - 6, 7, 9 u. 10), teils weil sie charakteristisch für die erfolgreichen - Zwinger sind, aus denen sie hervorgingen oder in - welchen sie heute noch stehen und wirken. Nicht mehr aktuell, da - sie eine frühere Generation darstellen, sind nur zwei Bilder - (1 u. 12). Im Bild der St. Bernhardshündin Champion - Fatime ehren wir den vor einigen Jahren verstorbenen Altmeister - Hch. Boppel, Cannstadt dem diese Rasse zu unauslöschlichem - Dank verpflichtet ist. Gerade in dem Charakteristischen - dieser Rasse dem seelenvollen Ausdruck, ist die Aufnahme - kaum zu übertreffen. Dasselbe gilt von dem letzten - Portrait, des kleinen weißroten Blenheimspaniel Darling, - was die Darstellung eines nich mehr lebenden Siegers entschuldigen - mag. Trotzdem bleiben diese zwei Abbildungen - immer lebendig. Mit der Zusammenstellung und Auswahl - der Rassen, unter etwas 40 solcher, sollte zugleich dem Anfänger - ein Wink gegeben werden. Die Riesen der Hundewelt, - den mächtigen St. Bernhardshund und die kraftvolle Dogge, - verpflanze man nicht in die Großstadt und Mietwohnung, wo - sie verkümmern. Im Garten, Park, Lagerplatz, Fabrikhof, auf - auf dem Lande, wo sie wachen und zugleich schützen, sind sie - am Platze. Die gelbe Dogge Rolf (Nr. 2) ist aus dem ersten - Doggenzwinger des Südwestens hervorgegangen, dessen Zuchtideal - Verbindung von Größe und Adel ist. Auch Polizeihundrassen, - wie der so dressurwillige und wuchtige Airedale, - dem Energie aus den Äugen leuchtet, oder der schneidige - Dobermannpinscher benötigen Auslauf und Arbeit; sie sind - keine Zimmerhunde. Zetland Recruit (Nr. 4) zeigt die Rassig<!-- Foto 12 - Seite 89 -->keit - der Importation, mit der von Zeit zu Zeit unsere festländische - Zucht kluger Haushunde aufgefrischt werden muß. - Wem Rauhhaar etwas mühsam in Behandlung ist, der wählt - den Dobermann im kurzen, glänzenden Gewand. Sieger - Salto v. Rottal (Nr. 3) entstammt der Zucht des niederbayerischen - Kenners edler Hunde, Jos. Schweiger in Pfarrkirchen. - Leichter und flotter als der Dobermann ist der englische - Windhund, auch zur Pflege von Rennsport geeignet, ein - eleganter, sauberer Haushund, der in Dr. Erb, Gießen, einen - sachverständigen Förderer gefunden hat. Unter den Bildern - fehlt der Schäferhund, der mehr als Haushund ist. Eine - einzige Aufnahme von ihm würde der Verbreitung und Vielseitigkeit - nicht genügend Rechnung tragen. Das erfolgt dafür - in einem stattlichen Sonderwerk im gleichen Verlag: „Der - deutsche Schäferhund in Liebhaberhand” in weitestgehender - Weise. Hingegen durfte unter den Haushunden im engeren - Sinne der kleinere, stämmige Münchener Boxer nicht fehlen, der - seine Anspruchslosigkeit an Raum der Mietwohnung anpaßt. - Er quittiert nicht durch Nervosität wenn er einmal während - einiger Regenwochen den geliebten Auslauf entbehrt, ist klug, - gelehrig; doch wenn nötig, stellt er seinen Mann. Etwas - phlegmatischer ist die breite, niedrige, englische Bulldogge - (Nr. 7), Knochen, ein Stiernacken, dunkle Falten, vorstehender, - breiter Unterkiefer lassen sie drohend erscheinen, während sie - der gutmütigste Hausgenosse ist. Ihr Antipode, ganz Temperament, - das ihn manchmal fortreißt, wenn er nicht beschäftigt - wird oder er keine Hand über sich weiß, ist der drahthaarige - Foxterrier. Richtig geleitet eine Perle und ebenso gefälliger, - wie lebhafter Begleithund. Etwas beherrschter, klug und dressurwillig - ist der deutsche Schnauzer. Sieger Strupp (Nr. 9) entstammt - der Zucht, von Wilh. Stierle in Pforzheim. Der - Vollendetste Familienhund für die Großstadt ist her kleine Pudel - (fälschlich Zwerg genannt), Boxer nd Pinscher haben etwas über - Stuhlsitzhöhe, der Pudel steht um eine Handbreite darunter. - Er ist ganz Gemüt, von überraschender Intelligenz, dabei ein - <!-- Seite 90 --> - kluger Wächter, dem nichts entgeht, der aber auch nie aus - Übereifer Lärm schlägt wie der cholerische Spitz. Zur Vollendung - ist der kleine Pudel durch Zwinger Sirius (Frl. - Flora Kalender, Neckarsteinburg) gebracht. Ihr Stamm basiert - auf Champ. Nang-i-Lat (Nr. 10); mindestens ein Dutzend - dieser Schwarzen tummelt sich beständig in dem auf waldigem - Bergesgipfel gelegenen Zwinger. Der Clown unter den Hunden, - grotesk in der Form, immer freudig erregt, ist die Moderasse - der französischen Bulldogge, von der zwei Schläge, eine geströmte - und weißbunte (Caille) existieren. Der Klub für - franz. Bulldoggen mit Sitz in München, wo auch die abgebildete - „Jubicka” (Nr. 11) gezüchtet ist, hat diese Auslandsrasse - eingeführt und zu einer der französischen Zucht jetzt - mindestens ebenbürtigen Höhe geführt. Unter den zahlreichen - Zwerghundrassen, von denen die des glatthaarigen Zwergpinschers - die verbreitetste, die des Affenpinschers die härteste - ist, dürfte die Palme der Schönheit den langhaarigen Seidenhunden - (Malteser, Toyspaniels) gebühren. Fremdartiger noch - sind die Chins und Pekingesen. In bestechender Farbe, weiß - mit orangeroten Platten, seidigschlichter Behaarung, klugem - Gesichtseindruck steht der Blenheim (Nr. 12) an der Spitze - der 4 Toyspanielarten. Doch äußere bestechende Schönheit - macht nur einen kleinen Teil des Wertes unserer vierfüßiigen - Lieblinge aus. Die Hauptsache sind ihre <em>innersten Eigenschaften,</em> - ihre Charakter- und Gemütsanlagen, die wir durch - Erziehung wecken und zur Entfaltung bringen, durch Dressur - in nützliche Bahnen lenken.</p> - - <hr style="width: 10%"/> - - <div class="image-center"> - <img src="images/photo12.png" alt="" style="width: 100%"/> - </div> - - - <h2><b>Anmerkungen zur Transkription.</b></h2> - <p> Nur eine sehr kleine Anzahl offensichtlicher Rechtschreibfehler - wurden korrigiert. Grenzfälle wurden belassen um eine möglichst genaue - Repräsentation der Erstausgabe von 1924 zu erstellen. - </p> - - <p> Die Paginierung des Originals ist den eingefügten HTML Kommentaren - zu entnehmen. Diese Seitenzahlkommentare markieren den <em>Beginn</em> - jeder neuen Seite. Beispiel:</p> - <pre> - <!-- Seite 1 --> - </pre> - - <p> Die 12 vollseitigen Hundefotografien des gedruckten Buches wurden zwischen - Absätze verschoben. Die genaue Position der Fotos im Originaltext ist im - Seitenzahlkommentar der dem Foto folgenden Seite vermerkt. - </p> - <pre> - <!-- Foto 1 - Seite 9 --> - </pre> - <p>Dem zur Digitalisierung verwendete Exemplar fehlt Foto 8. Das es nicht möglich - war die genaue Platzierung des Bildes zu ermitteln, ist es nicht in den - Seitenzahlkommentaren erwähnt.</p> - -<div lang='en' xml:lang='en'> -<div style='text-align:center; margin-top:1em;'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 69045 ***</div> -</div> - </body> -</html> |
