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If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Die Hexe - -Author: Wilhelm Weigand - -Release Date: September 29, 2022 [eBook #69066] - -Language: German - -Produced by: Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team - at https://www.pgdp.net (This file was produced from images - generously made available by The Internet Archive) - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HEXE *** - - - - - - - Die Hexe - - Eine Erzählung - - von - - Wilhelm Weigand - - - - - Im Insel-Verlag zu Leipzig - - - - -An einem schönen Maimorgen des Jahres 1751 fuhr eine festliche -Gesellschaft in einem Dutzend alter Staatskutschen aus dem Falkentor -der Reichsstadt Frankenthal auf das Appental los. Es galt, der -Grundsteinlegung des Schlosses Monrepos anzuwohnen, das der -Fürstbischof Adam Friedrich von Helmstätt nach den Plänen Johann -Balthasar Neumanns für seinen Neffen, den jungen Fürsten Lothar Franz -von Weiningen, der sich just auf seiner Kavalierstour durch Europa -befand, an der Stelle eines alten Jagdhauses errichten ließ. Am -Vorabend des bedeutsamen Ereignisses war der Domherr Withold von Hutten -als Vertreter seines Herrn, der in Würzburg an der Gicht darniederlag, -mit einem würdigen Gefolge von Weltgeistlichen und bischöflichen -Beamten in Frankenthal angelangt, um die Ehrengäste auf dem Bauplatze -zu begrüßen und nach der Grundsteinlegung unter einem offenen Zelte -zu bewirten. Auf der Herreise war er in dem Wallfahrtsorte Walldürn -mit einem Sohne des kurmainzischen Oberamtmanns zu Bischofsheim, dem -jungen Freiherrn Emmerich Rüdt von Collenberg, zusammengetroffen, der -in einer Familienangelegenheit an den Hof nach Mainz ging und die -berühmte Reichsstadt nur auf der Durchreise zu berühren gedachte. Doch -das Unglück wollte es, daß der vorausfahrende Kutscher des Freiherrn, -ein gewalttätiger Bursche, in der engen Torgasse gegen einen Prellstein -fuhr und die Achse seines Reisewagens brach. Der junge Herr gab dem -Tölpel einen Fußtritt; aber er mußte sich, trotz aller Eile, wohl -oder übel entschließen, bis zur Ausbesserung des Schadens in der -Stadt zu verweilen, und der Domherr zeigte sich hocherfreut, unter -den zahlreichen Gästen einen Bekannten zu wissen, dessen Späße ihm -die Fahrt kurzweilig gemacht hatten. Der junge Fant machte kein Hehl -aus seinem Wesen: er war für den Hofdienst in Mainz bestimmt; er war -in Venedig und in Paris gewesen, und was er von dem Leben der guten -Gesellschaft an diesen Lustorten der höhern Welt zu erzählen wußte, -ließ die kleinen Äuglein des beleibten geistlichen Herrn bei der -Erinnerung an dieses festliche Treiben immer wieder erglänzen. -- - -In der ersten Festkutsche fuhr der Domherr mit dem Bürgermeister Adam -Lienlein und zwei geistlichen Herren, dem katholischen Dekan Lotter und -dem evangelischen Propst Veit Schlegelmilch, einher; in einer zweiten -folgte die Bürgermeisterin mit den Gattinnen dreier Ratsherren; die -dritte Kutsche war vollbepackt mit Jugend und Schönheit: unter den -vier geputzten Mädchen, die da lachend und kichernd in den Morgen -hineinfuhren, saß ein blondes elfenhaftes Wesen, die Tochter des -verstorbenen Oberförsters von Weiningen, Babette Glock, aufrecht wie -eine junge Königin auf dem Rücksitz und wechselte schelmische Blicke -mit dem Junker Emmerich Rüdt, der in französischem Reitrock neben der -bemalten Kutsche einherritt und unter seinem Federhut mit den Augen -eines glücklichen Siegers auf die zwitschernde Weiblichkeit in dem -Wagen herabsah. Je lustiger aber das Lachen der Mädchen klang, desto -finsterer blickten die jungen Herren drein, die in einem wackeligen -Gefährt hinter dem dritten Wagen einherrasselten: da saß, außer zwei -Ratsherrnsöhnen, der einzige Sohn des Bürgermeisters, Kaspar Lienlein, -der im Frühjahr von der Akademie zu Mainz nach Hause gekommen war, -neben dem neuen Stadtschreiber oder Kanzler Friedrich Lerch, den -der große Rat just am Tag zuvor erst gewählt hatte und der nun der -Bestätigung seiner Wahl nicht ohne Bangen entgegensah: denn es war, -von alters her, der Brauch in Frankenthal, daß auf einen katholischen -Stadtschreiber ein evangelischer folgte, und Friedrich Lerch war, wie -sein Vorgänger, im katholischen Glauben geboren und erzogen und zudem -kein Frankenthaler Kind. Der lustige Junker Emmerich, der hoch zu Roß -neben den jungen Demoiselles einherritt, war den jungen Frankenthaler -Herren ein Dorn im Auge: sie betrachteten den Sohn des kurfürstlichen -Amtmanns als Eindringling in ein Reich, wo die Frankenthaler von jeher -keinen Nebenbuhler zu dulden geneigt waren, und sannen mit gerunzelten -Stirnen darüber nach, welchen Possen sie dem verfluchten Windhund, der -nach Ambra und Moschus duftete, vor seiner Abreise spielen könnten. -- - -Als die Kutschen an dem Bauplatz vorfuhren, begann zunächst ein -würdiges Komplimentieren und Begrüßen, wobei sich der Junker -Collenberg wie ein frisch ausgeschlüpfter Schmetterling unter den -Gästen umherbewegte. Er küßte alten und jungen Damen die Fingerspitzen -mit einer Grazie, vor deren Leichtigkeit die jungen Frankenthaler -Herren vor Neid erblaßten, und sein dünner Zierdegen stach wie ein -Blitz in die Luft, wenn er sich auf eine Frauenhand niederbeugte, -um seine gespitzten Lippen draufzudrücken. Da der Meister Neumann -studierenshalber in Paris weilte und zurzeit dort krank zu Bette lag, -geleitete sein Gehilfe, ein in schwarze Seide gekleideter Italiener, -die Herrschaften beim Klange eines Festmarsches zu den Fundamenten, -wo der Stadtpfarrer die Weihe vornahm, worauf der Domherr von Hutten -den Bau dem Schutz der jungfräulichen Himmelsmutter, der Patronin -Frankens, anempfahl und im Namen der allerheiligsten Dreifaltigkeit -den ersten Hammerschlag tat. Die Bürgermeisterin Lienlein, als die -erste Frau des festlichen Kreises, versenkte sodann ein versiegeltes -Dokument und eine gehäufte Schale voller silberner und goldener -Münzen in den Stein, worauf ihn die anwesenden Mädchen mit den ersten -Rosen des Jahres bewarfen. Während von den Ehrengästen jeder sein -Hammerschläglein tat, bliesen vier Hornisten, die abseits auf einer -Wiese standen, einen Choral und stimmten sodann einen Marsch an, als -die Gesellschaft in feierlicher Stimmung nach dem Zelte aufbrach, wo -eine schweigende Dienerschaft in der bischöflichen Haustracht um die -geschmückte Festtafel bereitstand. Der Domherr von Hutten gedachte, -seinen jungen Reisefreund bei Tisch in seine Nähe zu ziehen; aber -der Fant zog es vor, sich an das andere Ende, zu den jungen Mädchen, -zu setzen, von wo sofort, als die Diener süßen Wein in spitzen -Gläsern reichten, helles und dunkles Lachen wie ein vielstimmiges -Glockengeläute über die festlich schimmernde Tafel hereinbrach. - -Das elfenhafte Fräulein Babette Glock saß anfangs schweigend und wie -von innerem Glücke glühend unter ihren Freundinnen da. Sie hielt ihre -Augenlider gesenkt; aber wenn sie ihre großen blauen Augen aufschlug, -ging ein Leuchten über ihr Gesicht und blieb als Lächeln stehen, wenn -ihre Blicke zu dem Kanzler Friedrich Lerch hinüberschweiften, auf -dessen ernstem Gesicht der Abglanz seiner künftigen Amtswürde lag. -Der Junker Emmerich aber führte das große Wort; er behauptete, die -zierlichsten Füße der Welt habe er in Frankenthal zu Gesicht bekommen, -und als endlich, gegen Ende der Festmahlzeit, einige besonders edle -alte Weine aus dem ehrwürdigen Juliusspitalkeller in die Römer flossen, -erklomm die Lustigkeit des jungen Freiherrn, der sich unter den -lachenden Frauen mehr und mehr als Hahn im Korbe fühlte, die höchste -Staffel. Beim ersten Anstoßen mit dem schweren Tranke neigte er sich zu -seiner Nachbarin und raunte ihr eine leise Mitteilung ins Ohr. Babette -Glock hielt den Blick gesenkt, während ihr Nachbar sein Geheimnis -preisgab, und nahm die Miene eines erstaunten Kindes an, als sie mit -sanftester Stimme entgegnete: „Ich kann es fast nicht glauben, daß der -Herr nur dieser Sache wegen nach Mainz geht!“ - -Der Junker lachte und tat erstaunt: „Hat die Demoiselle von der Sache -läuten hören? Ich mache die Gesellschaft zum Richter meines Herrn -Vaters. Der ist ein Mann von Geschmack: er weiß, daß man auch zum Beten -eine würdige Umgebung braucht. Was tut er also? Er läßt einen alten -baufälligen Altar, den sogenannten Schleieraltar, abbrechen und an -den freigewordenen Pfeiler, mitten in der Pfarrkirche, eine richtige -Gebetsloge bauen, -- ~du meilleur goût, je puis l’assurer~, -- mit -Spiegeln, gepolsterten Gebetstühlen und einer bequemen Rückenlehne, --- den Vorhang nicht zu vergessen. Es soll ja vorkommen, daß die -Predigten einer hochwürdigen Geistlichkeit, besonders an gewöhnlichen -Sonntagen, hie und da einschläfernd wirken, und da wäre es, ~parbleu~, -eine böse Sache, wenn fromme alte Jungfern plötzlich sähen, daß der -würdige Mund des kurfürstlichen Amtmanns sich während der Messe oder -der Vesper zu etwas anderem öffnete als zu einem Vaterunser oder -einem Ave-Maria. Der Vorhang, der solche mißliche Blicke abhalten -soll, ist aus schwerem violettem Samt, und die rosigen kleinen Engel, -die ihn oben zusammenraffen und festhalten, von der Hand eines -Meisters: ich habe, ~parole d’honneur~, selbst in Venedig oder in -Paris, wo ähnliche Liebesengel allerdings andere Vorhänge vor anderen -Gebetstellen in Ordnung halten, keine besseren gesehen. Ich bin also -nicht nur als Sohn, sondern auch als Kenner gezwungen, meinem Herrn -Vater vollständig recht zu geben. Der hochwürdigste Herr Stadtpfarrer -Ferdinand Bingemer, ~un cafard~, ist allerdings anderer Meinung: er hat -beim erzbischöflichen Kommissariat in Mainz Beschwerde gegen unsere -Familiengebetsloge eingelegt und meinen Vater auch noch durch ein paar -Domherren, die uns, ich weiß nicht warum, nicht riechen können, wegen -anderem mehr weltlicher Art anschwärzen lassen. Und diese Sache soll -ich in Ordnung bringen, was ich auch zu tun gedenke --“ - -Schüchtern wie ein Kapellenglöcklein bemerkte Babette: „Aber es -heißt, es sei bei dem Niederreißen des Altars eine kostbare Reliquie -verschwunden.“ - -„Ah, Mademoiselle meint den sogenannten Schleier der Mutter Gottes? Es -bestand ja allerdings der Glaube, daß der Schleier der jungfräulichen -Mutter Gottes auf dem Altar aufbewahrt wurde, der unserer Gebetsloge -weichen mußte. Aber, ~mesdames~, niemand wird mich persuadieren, daß -die Jungfrau Maria einen solchen Schleier getragen hat: denn ich habe -ihn mit meinen eigenen Augen gesehen und weiß, was ein Schleier ist, -oder sein soll. Das Testament, in welchem sie, wie man sagt, den -Schleier unserer Pfarrkirche vermacht haben soll, hat noch kein Mensch -zu Gesicht bekommen, obwohl die Stadt Messina ja, wie ich auf meiner -Tour in Italien an verschiedenen Orten hörte, ein paar Briefe von -ihrer himmlischen Hand besitzen will. Dieser angebliche Marienschleier -war nämlich aus einem grauen, unscheinbaren Zeug, und ich muß sagen: -wenn ich die Mutter Gottes gewesen wäre, ich hätte einen ganz andern -Schleier getragen, aus venezianischen oder Brüsseler Spitzen, ~qui sont -si délicieuses à chiffonner~. Der verschwundene Schleier war wirklich, -wie mir die Damen glauben dürfen, zu simpel für die künftige Königin -des Himmels, und es ist nicht schade darum.“ - -Jetzt mischte sich der rothaarige Sohn des Bürgermeisters, dessen -tückische Augen vor Ingrimm funkelten, in das Gespräch: „Der Herr -sollte nicht über heilige Dinge spotten,“ zischte er mit bebender -Stimme. - -Der Junker Emmerich öffnete vor Erstaunen seinen Mund und wandte -sich an die Mädchen: „O la la! Ist der Herr am Ende Bürgermeister? -Man wird bald nicht mehr lachen dürfen. Ich hoffe jedoch, seiner -kurfürstlichen Durchlaucht eine angenehme Stunde zu bereiten, indem -ich ihr die Geschichte von dem Schleier erzähle. ~Son Altesse aime à -rire, comme tous les vrais grandseigneurs.~ Übrigens“ -- so fuhr er, -nach einem kräftigen Schluck Steinwein, zu dem Sohne des Bürgermeisters -gewandt, fort -- „haben wir uns nicht schon in Venedig gesehen? Als -ich die Gondel zur Abfahrt nach Padua bestieg -- ich wohnte mit meinem -Hofmeister in der ~Stella d’oro~ --, wurde gerade ein Reisender -verprügelt, der Ihnen aufs Haar glich. Solche Schläge habe ich noch nie -mit angesehen und, ~ma foi~, auch noch nie erhalten. Der Herr darf mir -glauben: es ist auch eine Kunst, Schläge mit Grazie einzustecken! Der -Tanz eines Knüppels erinnert mich immer an gewisse Bauerntänze, die -einer Gavotte gleichsehen wie ein Bär dem Hermelin. Sie waren es also -wirklich nicht, der seine Prügel mit solcher Würde einsackte? Das tut -mir leid -- ~pardon~, ich wollte sagen, ich bedaure ~infiniment~, daß -Sie Venedig noch nicht kennen. Eine einzige Stadt, in der man seine -blauen Wunder erleben kann! Dort wäre meinem Herrn Vater die Geschichte -mit dem Gebetstuhl nicht passiert; aber ich säße auch nicht hier in -diesem aimablen Kreise, ~où la grâce règne en maîtresse~.“ - -Die Mädchen lachten errötend, und der Sohn des Bürgermeisters wurde rot -wie ein abgekanzelter Schuljunge. - -Am obersten Tischende, wo die Ehrengäste beisammensaßen und die Gläser -tiefer klangen, hatte das Gespräch einen anderen Weg betreten: die -Herren sprachen von den Hexenbränden, die, nach langer Zwischenzeit, -hie und da wieder in fränkischen Landen aufflammten, und nickten -nachdenklich mit den weinroten Köpfen: vor zwei Jahren war die -Superiorin Maria Renata Singer in Würzburg verbrannt worden; ein Jahr -darauf fingen die Gerolzhofer, die nicht hinter der Bischofsstadt -zurückbleiben wollten, eine junge Hexe, die Frau eines Ofenmachers, um -sie dem gleichen Schicksal zu überantworten, und nun hieß es, da und -dort sei man einem heimlichen Hexlein auf die Spur geraten und werde, -wie früher, wüste Dinge erleben. - -„Sie glauben wohl auch nicht an Hexen, Herr Baron?“ fragte der Sohn -des Bürgermeisters, der einen Brocken des Hexengesprächs aufgeschnappt -hatte, den angeheiterten Junker mit scharfer und hämischer Stimme. - -Dieser lachte: „O doch! Ich habe in Paris Hexen kennen gelernt, -die auch dem hartgesottensten Philosophen den Glauben an das Hexen -beizubringen vermochten; aber dort denkt kein Mensch an Hexenbrand, -sondern die Männer, die Männer, mein Herr, verbrennen im Feuer einer -Liebe, deren Wirkung ich beinah leider auch am eigenen Leib erfahren -hätte. An andere Hexen, von denen es heißt, daß sie Schloßenwetter -machen und andere Zaubereien verüben können, glaube ich nie und nimmer.“ - -Kaspar Lienlein fuhr fort, indem er den Junker herausfordernd mit den -Blicken maß: „Die Ofenmacherin in Gerolzhofen hat ihre Hexereien selber -eingestanden, Herr Baron! Sie ist selbst zum Hexenrichter gekommen und -hat sich der Hexerei bezichtigt: sie habe vor sechs Jahren Gott und -allen Heiligen abgeschworen; sie sei ganz arm und ohne Brot gewesen, -da sei der Böse zu ihr gekommen in einem schönen grünen Kleid. Er -habe sich Federkiel genannt und habe ihr versprochen, wenn sie sein -Eigentum sein wolle, wolle er ihr Geld geben. Er habe ihr auch einen -Vierbätzner gegeben, wofür sie sich Brot gekauft habe; dann habe sie -einen Fastentanz auf dem Galgensteig mitgemacht, wo auch die Pfarrmagd -Margret und eine Beckin aus Grünsfeld mitgetanzt hätten. Der grüne -Pfeifer sei mitten in der Linde gesessen und habe den Burlebanz -gepfiffen. Den Wein hat man in ledernen Flaschen gebracht, und dazu -haben sie gebratene Vöglein, wie Spatzen und Finken, doch ohne Salz, -gegessen. Die Ofenmacherin hat von dem Grünen eine Hexensalbe in -einem hölzernen Büchslein erhalten. Das Ammenfräulein hatte solche -verfertigt. Dazu hat sie ein uneheliches Pfaffenkind aus dem Kirchhof -ausgegraben, in ein Tuch gewickelt und zu Haus gesotten. Mit der Salbe -hat sie zu Weihnachten ein Kieselwetter gemacht, indem sie in des -Teufels Namen Kornähren, Weinaugen, Birnen- und Apfelknospen in den -Main geworfen hat.“ - -Bei jeder dieser Feststellungen, die der Bürgermeisterssohn mit Ingrimm -hervorstieß, fuhr er auch mit dem Finger nach vorn, als ob er seinen -Gegner aufspießen wolle. Babette aber begleitete den Rhythmus dieser -Erregung mit einem goldenen Kuchenmesserchen, indem sie es ganz leicht -auf dem damastnen Tischtuch tanzen ließ. -- - -Der Junker von Collenberg aber spitzte seinen vollen Mund und fragte -mit dem Ernste eines Schalks: „Der Herr hat einen Tanz erwähnt, der mir -neu ist. Ich kenne Gavotten, Sarabanden und -- Allemandes, die auch -ihre Vorzüge haben; aber der Burlebanz ist mir unbekannt. Ich entnehme -übrigens Ihrer geschätzten Mitteilung, daß unsere hiesigen Hexen Musik -und Tanz lieben. Das macht der Stadt, ~où le sexe est si aimable~, alle -Ehre. Wissen Sie vielleicht, Herr Hexenrichter, auf welchem Instrument -der Grüne diesen famosen -- wie sagten Sie? -- Burlebanz geblasen oder -gepfiffen hat?“ - -„Ein Hörnchen war’s!“ - -„Nein, ein Flötchen!“ rief Babette lachend. Sie hatte ein wenig zu viel -von dem schweren Steinwein genippt und wiederholte nun, halb singend, -im Übermut: „Ein Flötchen war’s! Ein Flötchen! Ein kleines goldenes -Flötchen --“ - -Der Junker Emmerich fragte lachend: „Woher wissen Sie denn das?“ - -Babette warf dem Kanzler Lerch, der mürrisch in sein volles Glas -stierte, einen flüchtigen Blick zu und lachte: „Woher ich das weiß? O, -vielleicht bin ich auch schon bei einem Hexentänzchen gewesen --“ - -Der Stadtschreiber Lerch runzelte die Stirn und sah mit gestrenger -Miene zu der Übermütigen herüber, die indessen keinen Blick mehr für -ihn übrig zu haben schien, sondern dem Junker mit lachenden Wangen -zuzwinkerte. Dieser aber erhob sich und zog die Fingerspitzen Babettens -an seinen Mund: „Wenn das so ist, möchte ich die Demoiselle bitten, mit -mir zu einem Hexentänzchen anzutreten.“ - -Die andern jungen Leute standen ebenfalls vom Tische auf; denn ein -Wink des Domherrn von Hutten bezeigte, daß die Tafel aufgehoben sei. -Nur die älteren Festgäste waren noch nicht gesonnen, so bald schon -von den trefflichen Prälatenweinen Abschied zu nehmen; sie blieben -schwatzend und trinkend an der gedeckten Tafel sitzen, und auch die -vier Musikanten, die in den Pausen dem Wein kräftig zusprachen, blieben -auf ihren Stühlen hocken und bliesen von Zeit zu Zeit ihre alten Weisen -weiter. Die Mädchen aber flogen auf verschiedensten Wegen auseinander, -und bald tauchte da und dort ein helles Gewand unter den alten Buchen -des Waldhangs auf, den nah und fern helles Gelächter mit seinem Hall -erfüllte. Der junge Herr von Collenberg trat einen Augenblick zu dem -Domherrn von Hutten, um ihm für das schöne Fest zu danken, das er einem -glücklichen Reisezufall verdankte. Als er sich aber umwandte, um nach -seiner Nachbarin zu spähen, war Babette verschwunden, und er wußte -nicht, welchen Weg er einschlagen sollte, um sie zu erreichen, da der -ganze grüne Maienwald von Sang und Lachen widerhallte. - -Babette aber war, von einem plötzlichen Ernst erfaßt, auf einem kleinen -Wiesenpfade, neben dem ein silberklares Forellenbächlein auf grünem -Kressengrund herlief, taleinwärts gegangen. Es bedrückte sie, daß -Friedrich Lerch, für den sie doch im Grunde dieses ganze Lustspiel -an der Tafel aufgeführt, ihr während des ganzen Festes keinen lieben -Blick gegönnt hatte, und ein leiser Groll gegen den Stillen quoll -mählich in ihr empor, während sie bald langsam, bald schneller für sich -dahinging und hie und da eine Kuckucksblume oder ein Maiglöckchen aus -dem Untergebüsch des Waldhangs herausholte. Als sie nach einer Weile -langsamen Gehens unwillig umkehren wollte, stand plötzlich Kaspar -Lienlein vor ihr; der Rothaarige atmete hastig, während er stotternd -und mit flehendem Blicke fragte: „Darf ich der Jungfer Babette Geleit -geben?“ - -Babette entgegnete schnippisch: „Der Weg ist für alle da!“ Und sie -schlug eine schnellere Gangart an, wobei sie unverwandt auf das -schwatzende Wässerlein zur Rechten blickte, in dem die Forellen -sprangen. - -Da wurde die Stimme Kaspar Lienleins weich und stockend: „Ich -- ich -würde die Jungfer auf den Händen tragen.“ - -Babette blieb stumm und blickte den Sohn des Bürgermeisters von der -Seite an; sie sah nur die Häßlichkeit des Menschen, der mit glühendem -Gesicht neben ihr atmete, und es empörte sie, daß er es wagte, von -Liebe zu sprechen, während ihr der andere, dessen ernste Augen nun wie -ein Vorwurf vor ihrer Seele standen, fernblieb. „Dich nehm ich nicht,“ -schrie sie mit zornfunkelnden Augen, „und wenn du der Kaiser wärst, du -roter Fuchs, mit deinen Roßmucken [Sommersprossen] auf der Hand.“ - -Und ohne eine Antwort abzuwarten, lief sie wie ein Windspiel davon, -um zu der Gesellschaft ihrer Freundinnen zurückzukehren, deren ferner -Gesang aus den dunkelnden Tiefen des Buchenwaldes sehnsüchtig und -gedämpft zu ihr herüberklang. - -Der Abgewiesene blieb wie angewurzelt an der Stelle stehen, wo ihm -Babette seine Rothaarigkeit vorgeworfen hatte; seine Lippen bewegten -sich mechanisch. „Wart, wart,“ sagte er ein über das andere Mal, -während ein paar Mädchen, lachend und schäkernd, an dem Erstarrten -vorbeihuschten und ihn im Vorbeigehen mit frisch gepflückten -Distelschossen bewarfen: denn Kaspar Lienlein galt als halber Tölpel, -vor dessen tückischer Gemütsart sich indessen die halbe Stadt fürchtete. - -Babette aber lief, ehe sie an den Festplatz gelangte, wo Friedrich -Lerch mit seinem verschlossenen Amtsgesicht in der Gesellschaft der -würdigsten Ehrengäste auf und ab wandelte, dem alten Ratsherrn und -Spitalpfleger Christopher Kemmeter in die Arme. Der lange dürre Kauz -stellte sich breitbeinig über den Weg, als Babette mit glühendem -Gesichtchen daherstürmte, und spitzte seinen faltigen Mund, als -wolle er sie mit einem Kusse aufspießen. Sie mußte lachen, als sie -den Alten gewahrte, der nun sein linkes Aug zusammenkniff und mit -seinem rechten Daumen über die Achsel nach dem Festplatz deutete. Der -Spitalpfleger war ihr, wie der ganzen Gegend, von Jugend her wegen -seiner Absonderlichkeiten bekannt: er trug an Werkeltagen niemals -eine andere Tracht als das Gewand eines fränkischen Weinbauern, gelbe -hirschlederne Hosen, grobe Schnallenschuhe, einen langen Tuchrock mit -breiten Silberknöpfen und einen abgeschabten Dreispitz, auf den er, -wenn es nur ging, eine Blume, eine Nelke, eine Rose oder eine Kornrade, -zu stecken pflegte. Auf der Straße schritt er stets mit gesenktem Kopf -und vor sich hinmurmelnd einher, wobei er von Zeit zu Zeit mit seinem -Krückstock nach rechts und links ausschlug, als wolle er die Beine -seiner Feinde und Widersacher absäbeln. Er besaß die besten Weinberge -der Stadt und trieb einen schwunghaften Handel mit Südweinen aus Zypern -und Spanien, die er durch einen Mainzer Hofjuden in Venedig oder Genua -einkaufen ließ. Im Herbste, wenn die Lesewagen mit den schweren Kufen -in die Keltern fuhren, wich er nicht von der Seite seiner Winzer, die -Tag für Tag eine ausgesuchte Nahrung und einen guten Trank aus seinem -Keller erhielten, damit sie beim Lesen weniger Trauben schmausten. In -der Stadt und im Rat besaß er wenig Freunde: er galt als reich und -filzig, und seine Feinde behaupteten, alle Dinge, in die der ehemalige -Armenadvokat die Hand stecke, verfilzten sich zu einem unauflösbaren -Knäuel, von dem man am besten die Hände lasse. Babette wußte, daß -ihm Friedrich Lerch seine Ernennung zum Ratsschreiber verdankte: -Christoph Kemmeter gehörte zwar der Augsburger Konfession an; aber -er war seit Jahren mit dem protestantischen Stadtpfarrer und Propst -Veit Schlegelmilch verfeindet und tat, was er nur konnte, um seine -Glaubensgenossen und deren Seelenhirten bei jeder Gelegenheit zu -ärgern. So hatte er es auch durchgesetzt, daß der katholische Friedrich -Lerch, dessen Vater dem Fürsten von Weiningen als Kammerdirektor -gedient hatte, gegen jedes Herkommen zum Kanzler gewählt wurde. -- - -Als er bemerkte, daß Babettens Blicke über ihn weg nach dem Festplatz -flogen, fragte er: „Hat die Jungfer Babett gesehen, wie die Forellen -springen? Weiß Sie, was das bedeutet? Entweder kommt ein Wetter, oder -es ist ein Hecht unter die Fische geraten. Junge Hechte sind gefräßig -und haben viel Gräten!“ - -Babette wußte nicht, was sie zu dieser Feststellung sagen solle. Da -beschloß sie, den Stier bei den Hörnern zu packen, indem sie plötzlich -fragte: „Werden sie den neuen Stadtschreiber bestätigen?“ - -Der Ratsherr lachte: „Wenn die Jungfer mir ein Küßchen gibt, will ich -ihr den Beschluß des Geheimen Rats wortwörtlich sagen.“ - -„Das Küßchen erhält der Herr nach meiner Hochzeit,“ sagte Babette -lachend. - -Der Spitalpfleger verzog den Mund: „Das ist, wie hier die Hasen -laufen, ein unsicherer Wechsel. Aber ich will Ihr glauben und mich -zufriedengeben.“ - -Er kannte Babette seit ihrer frühesten Kindheit, und schon an dem -Kinde war ihm, wenn er nach Weiningen kam, um dem regierenden Fürsten -seine Aufwartung zu machen und seine Freunde unter den fürstlichen -Beamten zu besuchen, die bezaubernde Anmut, aber auch eine seltsame -Eigenwilligkeit und spielerische Gemütsart des kleinen Mädchens -aufgefallen. - -Als er eines Tages die Gewächshäuser in Weiningen durchschritt, um bei -dem fürstlichen Hofgärtner Tulpenzwiebeln für seinen Blumengarten zu -bestellen, gewahrte er die kleine Babette, die heftig auf den jüngsten -Sohn des Kammerdirektors, den kleinen Friedrich Lerch, einsprach: das -kleine Frauenzimmerchen, das in seiner Puppenhaftigkeit doch schon -etwas Frauliches in seinem Wesen hatte, deutete auf eine Orange, die -im Gezweig eines Topfbaumes hing, und verlangte, daß der Knabe sie -vom Aste breche. Dieser starrte wie gebannt auf die goldene Frucht, -ohne die Hand zu rühren, und sagte nur leise: „Das darf man nicht.“ -Da bemerkte der Zuschauer, daß die Kleine über diese Weigerung in -die hellste Wut geriet; sie stampfte mit den Füßen, sie schlug den -Spielgenossen mit den Blumen, die sie im Händchen trug, und sprang wie -eine Wilde an dem Stamm empor, ohne die Frucht zu erreichen. Selbst -die belehrende Verweisung, die der herzutretende Zuschauer der kleinen -Wilden zuteil werden ließ, vermochte ihren Groll nicht zu stillen: sie -blieb mit zusammengekniffenem Gesichtchen stehen und lief plötzlich -wie ein Wiesel davon, um ihrer Beschämung zu entgehen. Später, auf -dem Heimweg von der Gärtnerei, bekam der Ratsherr die beiden Kinder -noch einmal zu Gesicht: Friedrich zog ein Wägelchen, in dem die kleine -Babette, mit einem Kränzlein in dem Blondhaar, saß und wie eine -kleine Göttin um sich blickte, die in einem Triumphwagen einherfährt. -Im Schimmer dieser Erinnerungen erhob der alte Kemmeter den Finger, -um Babetten zu drohen, und dann geleitete er sie zur Tafel, wo die -älteren Herren noch immer beim Weine saßen und den Worten des Domherrn -von Hutten lauschten. Dieser ließ den Schloßbau mit seinen Hallen, -Gärten, Tempelchen, Bosketts und Springbrunnen vor den Augen der -weinseligen Zuhörer erstehen und verfehlte nicht, die Vorteile, die -der Gegend aus der Bautätigkeit des Kirchenfürsten und der Anwesenheit -des durchlauchtigen jungen Fürsten Franz Lothar erwachsen würden, -ins hellste Licht zu stellen. Als besonderen Spaß tischte er die -Neuigkeit auf, daß der Fürstbischof Adam Friedrich beschlossen habe, -seinen seligen Hofnarren in Stein aushauen und das Standbild über dem -Zufahrtstore aufstellen zu lassen. Die Frankenthaler zwinkerten und -nickten beifällig mit den Köpfen: solche Späße gehörten in das Reich -der eigenen Lustbarkeiten, von deren Schwankhaftigkeit Geschlecht um -Geschlecht zehrte. Dazwischen aber überlegte der eine und der andere, -wie man die Anwesenheit des italienischen Baumeisters, der wie ein -Aal unter den Festgästen umherschlüpfte, zu eigenem Nutz und Fromm -verwenden könnte. Der eine besaß einen geräumigen Ziergarten, in dem -sich ein kleines Lusthaus mit breiten Fenstern und Muschelnischen gut -ausnehmen würde; ein anderer wohnte in einem Hause, dessen Vorderseite -der Erneuerung bedurfte, und jener träumte im Schweifen des Gesprächs -von einer gelb lackierten Kutsche, wie sie mit Bereitern und Läufern -die Welt auf glatten Herrenstraßen durchsausten. So blickten sie im -Bann des schweren Weins in eine neue Zeit, deren Grundstein dort unter -Rosen versteckt in der Erde ruhte und der wachsenden Mauern harrte. -- - -Der Ratsherr Kemmeter nahm am Tische Platz und hob seine Hand ans Ohr, -um nur ja kein Wort der kostbaren Rede zu verlieren. Auch Babette -blieb einen Augenblick lauschend stehen; als sie aber bemerkte, daß -der ehrfurchtsvoll lauschende Friedrich Lerch mit seiner würdigen -Amtsmiene noch immer ihren Blicken auswich, rümpfte sie das Näschen -und ging auf den Junker Collenberg zu, der sie mit einer französischen -Verbeugung begrüßte und ihr die Hand zu einem Tanze auf dem Rasen vor -dem Zelte bot. Und da die Bläser einen deutschen Tanz anstimmten, -flog sie im Nu mit dem Junker im Tanz dahin. Sie schloß die Augen, -um im Arm ihres Tänzers nur die Raserei des Schwebens zu empfinden, -und als die Bläser absetzten, huschte sie auf die Musikanten zu und -bat sie mit fliegenden Worten um die Wiederholung des Tanzes. Sie -merkte nicht, daß ihre Gespielinnen, hämisch flüsternd und tuschelnd, -die Köpfe zusammensteckten; sie sah auch nicht, daß Kaspar Lienlein -neben seiner Mutter unter der Zeltöffnung stand und jede Bewegung der -Tanzenden mit gierigem Blick verschlang. Sie verlor ihren rechten -Schuh und tanzte im weißen Strumpfe auf dem Rasen weiter; sie spürte -es nicht, daß sich ihr Busentuch löste und wie ein geblähtes Segel zu -den Füßen gestrenger Mütter hinfiel; sie fühlte im rasenden Drehen und -Schweben nur das eine: daß eine seltsame Traurigkeit in ihr aufquoll, -durch die ein bitterer Groll wie ein Wässerlein unter Steinen in ihr -emporsickerte. Und als ihr Tänzer sie ins Zelt zurückbegleitete, blieb -sie mit gesenkten Augen vor der Tafel stehen, wo die Herren noch immer -beim Weine saßen und würdige Gespräche pflogen. Sie atmete erst auf, -als dumpfes Grollen ein nahendes Gewitter verkündete und die ganze -Gesellschaft in das Zelt zusammenscheuchte. Da die Festkutschen erst -gegen Abend aus der Stadt erwartet wurden, mußten die Gäste vor dem -Unwetter in einem nahen Bauernhause Schutz suchen, und die Mädchen -kamen erst zu Beginn der Dämmerung wie durchnäßte Mäuse vor dem -Tore an, wo sie kichernd und lachend auseinanderhuschten. Der Junker -Emmerich bekam Babette nicht mehr zu Gesicht; er nahm feierlichen -Abschied von dem Domherrn von Hutten und gab seinem Kutscher Befehl, -mit dem Reisewagen in einer Stunde vorzufahren. - -Als Babette das alte Haus am Lochgraben, in dem sie mit ihrer Tante -Lioba Hippler, der Witwe des städtischen Kellers [Rentmeisters] wohnte, -in der Dämmerung betrat, fand sie die alte Frau in heller Aufregung. -Die Lioba Hippler war seit zehn Jahren auf beiden Augen blind und -pflegte ihre ganze Zeit mit Spinnen zu verbringen. Sie saß dabei mit -ihrem mächtigen Spinnrad auf einem erhöhten Fenstersitz, von wo aus sie -alle Geräusche des stillen Stadtwinkels hören konnte. Jeder Ton, den -sie vernahm, ging wie ein Licht oder ein Zucken über das friedliche -Gesicht der alten Frau, die jeden Nachbarn an seinem Schritt erkannte. -Heute aber fand Babette ihre Tante in seltsamer Unruhe: „Gott sei Dank, -daß du nur da bist,“ sagte die Alte, die ihr bis an die Tür entgegenkam -und dann sofort auf ihren Fenstersitz zuging, um das geliebte Spinnrad -wieder in Bewegung zu setzen. „Ich hab mit einem Male eine solche Angst -gefühlt, wie wenn dir was passiert wär.“ - -Babette strich ihr zärtlich über die Backen und erzählte mit ruhigen -Worten von dem herrlichen Feste, ohne des Junkers von Collenberg mit -einem Worte zu erwähnen; dann huschte sie, leicht wie ein Hauch, die -Bodentreppe hinauf in ihr Gemach, um ein anderes Kleid anzuziehen. -Sie blieb ein Weilchen im bloßen Hemd vor ihrem Spiegel stehen, -legte ein feines Kettlein, an dem ein Herzchen mit Haaren von ihrer -verstorbenen Mutter hing, um den Hals, probierte eine Stutzhaube, -deren breite Atlasbänder bis an ihre Kniee niederwallten, und zog aus -dem schadhaften Haubenboden einen vergoldeten Draht heraus, den sie -mit versonnenem Lächeln um ihren linken Zeigefinger wickelte. Dann -warf sie einen Blick in den gefüllten Schrank, in dem das duftige -Linnenzeug ihrer Ausstattung gehäuft beisammenlag, und fuhr mit -zärtlichen Fingern über die blühweißen Tücher, die alle von ihrer -Mutter stammten. Während sie dann in dem schmalen Giebelgelasse wieder -vor dem Spiegel saß, zuckte es wieder wie ein feines Possenspiel -um ihr schmollendes Mündchen: sie probierte die Miene, mit der sie -Friedrich Lerch am Abend, wenn er käme, zu empfangen gedachte, und das -Armesünderbewußtsein, das sich, fast gegen ihren Willen, für einen -Augenblick auf ihre Züge legte, erfüllte sie jählings mit solchem -Übermut, daß sie hell auflachte und voll seliger Unrast aufstand, um in -dem schmalen Gemach, wo ihre ganze mütterliche Habe in Schränken und -Kommoden verwahrt lag, in halbem Tanzschritt auf und ab zu schreiten. -Sie zweifelte keinen Augenblick, daß der neue Stadtschreiber auch -heute, wie gewöhnlich gegen acht Uhr, kommen werde, um ein Stündchen -bei ihr und ihrer blinden Tante zu versitzen; sie hielt schon ihre -schönsten Blicke für ihn bereit und nahm sich vor, ihn auch noch dahin -zu bringen, daß er sie um Verzeihung für sein mürrisches Wesen bat, das -doch allein schuld an ihrem Spiel mit dem lustigen Junker war. Während -eine geheime Zärtlichkeit ihr Aug mit sehnsüchtigem Leuchten füllte, -beschloß sie, ihn auch noch ein Weilchen mit allerlei Anspielungen auf -den vornehmen Courmacher zu quälen, und ihm dann, zum Seelentrost, ein -Schälchen voll eingemachter Kirschen vorzusetzen, die der Schlecker -gerne aß, und ihm ihr eigenes Kinderlöffelchen dazu zu geben. Als -jedoch plötzlich über die abendlichen Dächer her das Horn eines -Postillions aufklang, der das alte Lied blies: - - Komm heraus, komm heraus, du schöne, schöne Braut, - Deine guten Tage sind alle, alle aus, - O weiele weh! - -da schnitt Babette eine Fratze und lief, die Melodie vor sich -hinsingend, im schönsten Sommerstaat zu ihrer Tante herab, die noch -immer vor ihrem Spinnrad saß. Es war ihr, als sie das dunkle Gemach -betrat, so wohlig zumute wie seit langem nicht, obwohl eine leise -Sehnsucht ihr Herz mit seltsamer Unruh erfüllte. Die Blinde fuhr ihr, -nach ihrer Gewohnheit, zum Gruß über das rosige Gesichtchen, und als -ihre Hände nichts Besonderes fanden, netzte sie den Finger an ihrem -welken Munde, um schweigend weiterzuspinnen. Das leise Schnurren des -Rades erfüllte den Raum mit einem Laut, der Babettes Gedanken, die mit -der sinkenden Dämmerung immer ernster wurden, wie eine leise Musik -begleitete und ihre Erwartung immer sehnsüchtiger stimmte. So saß sie, -mäuschenstill und auf nahende Schritte lauschend, auf einem niederen -Stühlchen da; und nur einmal schlich sie auf den Zehenspitzen an das -Fenster, um auf die Gasse zu spähen, aus deren Dunkel ein leises -Mädchenlachen zu ihr emporklang. Als jedoch der Abend weiter vorrückte -und Friedrich Lerch noch immer nicht kam, riß sie in jäh aufwallender -Wut ihr Batisttüchlein von den Schultern und nahm sich vor, dem -Unverschämten das nächste Mal, und wenn er auch als reuiger Sünder -käme, überhaupt keinen Blick zu gönnen. -- - -Doch Friedrich Lerch ließ sich weder an diesem noch an den folgenden -Tagen in dem alten Hause am Lochgraben sehen, und es war nicht Groll, -was ihn von der Geliebten fernhielt, sondern ein kummervolles Gefühl -der Scham, weil jene gegen das Bild gefrevelt hatte, das er von ihr in -seiner Seele trug. -- - -Babette aber verlor mit einem Male die Lust am Singen, und in -Frankenthal trugen sich, von heute auf morgen, ganz seltsame Dinge -zu: am Montag streckte die beste Milchkuh des Büchsenmachers Kaspar -Bundschuh plötzlich alle viere von sich, und die Augen, mit denen -die Verreckte vor sich hinstarrte, zeigten jedem, der etwas von der -Sache verstand, klipp und klar, daß sie den leibhaftigen Bösen vorher -gesehen hatten; am Dienstag weigerten sich die Geißen des lutherischen -Totengräbers Johannes Felgentreff, Milch zu geben, und weder -gütliches Zureden, noch das beste Grünfutter vermochte die meckernde -Gesellschaft von ihrer höllischen Halsstarrigkeit abzubringen; in der -Nacht von Mittwoch auf den Donnerstag entstand in dem Hühnerstall -des Brückenbecken Wiedehopf ein solcher Aufruhr, daß die ganze -Nachbarschaft aus dem Schlafe aufgeschreckt wurde, und als die Beckin -am Morgen das aufgeregt gackernde Hühnervolk aus dem Stalle ließ, fand -sie, daß die gelegten Eier samt und sonders hohl waren. - -Am meisten Anlaß zu Gerede bot das Verhalten des Bürgermeistersohnes -Kaspar Lienlein: der saß wie von einem bösen Geist besessen stumm -und stöckisch in einem Winkel seines Zimmers, und wenn seine Mutter -mit seinen Lieblingsspeisen kam, um ihn zu trösten, sah er sie mit -bösen Augen an oder fletschte seine Zähne wie ein Hund, dem man seinen -Mittagsfraß stört. Dazu brachte jeder Tag, trotzdem der Mai noch nicht -zu Ende war, ein Unwetter nach dem andern, und alte und junge Weiber -schwelgten in dem Geraun und Gerede, daß solche Kieselwetter teuflisch -Hexenwerk seien. In ganz Kleinfranken, in Gerolzhofen, in Prozelten, -in Freudenberg und anderen Orten waren die Teufelsweiber am Werke, -und im niederen Volke zweifelte bald niemand, daß auch Frankenthal -eine Hexe beherbergte. Bald wurde auch der Name der Hexe, der Stadt -und Gegend die alltäglichen Kieselwetter verdankte, heimlich genannt, -und die Brückenbeckin erzählte jedem, der es hören wollte, daß sie -selbst in der Nacht vor dem ersten Mai ein faselnacktes Hexlein um -den Türmersturm habe fliegen sehen: es sei ganz zusammengekauert -auf einem langen Besenstiel gehockt, und sein loses Haar sei wie -ein feuriger Schweif hinter ihm dreingeflogen, als es mit ein paar -feueräugigen Eulen hinter dem Stadtwald, dem Stöckicht, verschwand. -Aber die schlimmste Verhexung war doch, wie alle munkelten, dem Sohn -des Bürgermeisters Lienlein, dem roten Kaspar, passiert, der wie -zerschlagen in der Stadt herumging und jeden mit Augen anschaute, aus -denen der leibhaftige Teufel in die Welt guckte. -- - -Nach acht Tagen waren alle Hexengläubigen darüber einig, daß die Stadt -in der Babette Glock ein ausbündiges Hexlein bekommen habe, und schon -fingen die kleinen Buben an, „Hexle, hex“ hinter ihr herzuschreien, -wenn sie mit ihrem Körbchen am Arm durch die Gassen ging, um eine -Freundin zu besuchen oder Gewürz beim Krämer einzukaufen. - -An einem heißen Juniabend, am Tage vor Fronleichnam, ließ sich -endlich auch der Kanzler Friedrich Lerch bei der blinden Hipplerin -sehen. Babette, die gerade an einem Kuchenteig knetete, gönnte ihm -keinen Blick, als er eintrat und sich, nach einem scheuen Gruße, zu -der Blinden setzte. Diese streichelte ihm das Gesicht und verlangte -zu wissen, warum er so lange weggeblieben sei. Der Stadtschreiber -entschuldigte sein Fernbleiben mit Arbeit und der Sorge um seine -Stellung; denn seine Bestätigung war noch immer nicht erfolgt, und noch -immer sah er sich einer ungewissen Zukunft gegenüber. Als Babette einen -Augenblick hinausging, um den Teig an einen warmen Ort zu stellen, -folgte ihr Friedrich Lerch auf den Flur, wo er stehen blieb, bis sie -aus der Küche zurückkam. - -„Der Herr Stadtschreiber will schon gehen?“ sagte sie schnippisch, -während sie ihre Hand an ihrer weißen Schürze abwischte. - -„Die Jungfer Babett hat Verwandte in Aschaffenburg,“ entgegnete er, -indem er scheu auf die Seite blickte. „Ich würde Ihr raten, eine -Sommerreise dahin zu machen.“ - -Diese feierliche Haltung und der Umstand, daß er sie nicht mehr duzte, -erbitterte Babette aufs heftigste; sie höhnte: „Wenn ich das tät, -bekäme ich den Herrn Stadtschreiber nicht mehr zu sehen, und das bräch -mir das Herz.“ Sie funkelte ihn dabei mit zornigen Augen an; er aber -überlegte, ob er das wilde Wesen seinem Schicksal überlassen solle oder -nicht, und sagte dann: „Es gibt in der Stadt alte Weiber, die an Hexen -glauben.“ - -Sie lachte höhnisch: „So sag Er doch gleich, daß ich eine Hex bin! -Hat Er nicht gehört, daß ich erst vorgestern auf der Galgenweide -beim Hexentanz gewesen bin? Und weiß Er auch, daß der Grüne, der ein -Flötchen, nein, ein Hörnchen -- ein Hörnchen geblasen hat, Ihm ähnlich -sieht? Ja -- ja --.“ - -Friedrich Lerchs Gemüt wurde weich: „Jungfer Babett,“ sagte er leise, -„man soll mit dem Unglück nicht spaßen.“ - -Dieses gedrückte Wesen brachte Babette noch mehr auf; sie lachte: „Wenn -ich nur wüßt, wo eine Hexenschul wär, ging ich noch heut hinein. Kann -Er mir keinen Rat geben? Er ist doch in der Welt 'rumgekommen --“ - -Da ging Friedrich Lerch, den dieses Wesen in der Seele quälte, ohne ein -Wort weiterer Entgegnung die hölzerne Treppe hinunter: er gedachte, -eine günstigere Stunde abzuwarten, um Babette zu warnen und zu einer -Reise zu bewegen. Babette blieb jäh verstummend an der Treppe stehen: -sie wußte nicht, was sie von dieser Flucht halten sollte, und dachte -einen Augenblick daran, den Jugendgespielen zurückzurufen; aber sie -brachte es nicht über sich, ein Wort zu sagen, und der Stadtschreiber -hörte beim Beschreiten der Haustürschwelle nur ein gelles Lachen, das -ihn auf seinem Gang durch die Stadt verfolgte. -- - -Am nächsten Morgen aber, in aller Frühe, kamen zwei Stadtknechte, um -die Barbara Glock, die noch im Schlummer lag und just von ihrer eigenen -Hochzeit träumte, aus dem Bett zu holen und in Gewahrsam zu nehmen. -Sie schrie und heulte und stampfte mit dem Fuße, als die Knechte mit -dem Befehl des Rates in ihr Stübchen drangen und sie aus dem Bette -zerrten; allein kein Weinen und kein Bitten half, und auch die blinde -Hipplerin, über deren runzelige Backen die dicksten Tränen herabliefen, -versuchte vergeblich, ihre Nichte loszubitten. Die Gefangene wurde -mit gebundenen Händen in den Hexenturm gebracht, wo sie der städtische -Stockmeister sofort mit einer langen Eisenkette an einen Mauerring -anschloß. Sie konnte sich in kleinem Umkreis umherbewegen und sich am -Tisch, der nicht weit von der tiefen Fensternische in einer dunklen -Ecke stand, auf einen Stuhl setzen. Sonst geschah ihr vorerst nichts; -denn die Frankenthaler pflegten ihre Hexen, zum Unterschied von anderen -Städten, gut zu behandeln, solange sie noch nicht des Vergehens der -Hexerei geständig oder überführt waren. - -Da saß nun die lachende Babette und hatte Zeit, über ihr Schicksal -nachzudenken. Sie ahnte, von welcher Seite der Schlag kam, der sie aus -heiterem Himmel traf; aber sie war empörter gegen den Stadtschreiber -als gegen den rothaarigen Sohn des Bürgermeisters, dem sie es doch -verdankte, daß sie gefesselt und gefangen im Hexenturme saß. Wenn -sie des Gefühls gedachte, das jener verschmäht hatte, stürzten ihr -Tränen der Wut in die Augen, und jedesmal, wenn sie sich eines lieben -Augenblicks in seiner Gesellschaft erinnerte, stampfte sie mit dem -Fuße und warf einen Blick nach der Türe, als ob er jeden Augenblick -hereintreten müßte, um seine Strafe in Empfang zu nehmen. Aber es -kam niemand, und der lange Tag erschien ihr wie eine öde Ewigkeit. -Erst gegen Abend, als es schon dämmerte, trat der Stockmeister, -ein klapperdürres Hutzelmännchen mit schielenden Triefaugen, ein -und setzte ein gebranntes Mehlsüpplein als Hexenfutter auf den -wurmstichigen Holztisch. Er zwinckerte vergnügt vor sich hin, als er -Babette mit einer Handbewegung einlud, das Schüsselchen auszulöffeln; -denn in seiner Erinnerung glänzte noch das letzte Hexenmahl, das -der Rat, altem Brauch zufolge, den Stadtknechten und dem Türmer nach -der Verbrennung zu geben verpflichtet war, als herrlichstes der -Frankenthaler Feste her: es hatte einundzwanzig Gulden gekostet, -und der Stockmeister schnalzte im Gedanken an die Leckerbissen, die -damals aufgefahren wurden, noch jetzt mit der Zunge. Babette floh in -die tiefe Fensternische zurück und starrte mit wütenden Augen auf -den verhutzelten Hexentürmer, der nah und näher an sie herantrat. -Hundertmal war sie früher an dem Hexenturm vorbeigegangen und hatte den -Stockmeister gesehen, wie er mit seiner Frau, einer kahlköpfigen Alten, -zankend und keifend auf einem hölzernen Bänklein vor der Turmtür saß; -nun erfüllte sie der Blick des schielenden Alten mit Wut und Abscheu; -sie stampfte mit dem Fuße und schrie: „Geh, geh, du Aff!“ - -Doch der Türmer blieb vor der Nische stehen und zwinkerte sie -liebäugelnd an: „Wo hast denn das Hexen gelernt, Mädle?“ fragte er mit -meckernder Stimme; „hätt net gedacht, daß ich auf meine alten Täg noch -mal erleb, daß man eine Hex fängt. Die Hexen werden immer rarer. Am -Himmelfahrtstag sind’s fünfunddreißig Jahr her, seit wir die letzte -auf dem Marktplatz verbrannt haben. Wenn ich dir einen Rat geben därf, -so gesteh nur gleich. Was sein muß, muß sein. Hihi, wir Frankenthaler -haben noch keine Hex verbrannt, ohne daß sie gestanden hätt. Verbietet -auch die hochnotpeinliche Gerichtsordnung, daß eine Hex ans Feuerlein -kommt, ehe sie alles bis auf das Tipfele gestanden hat, hehe. Ich weiß, --- ich bin net dumm, -- ich weiß, du denkst: die können lang warten, -bis ich sag, was ich weiß. Aber da legen sie dir die Daumenschrauben -an: die pressen dir die Knöchle, daß du alle Engel im Himmel singen -hörst. Dann wirst du in die spanischen Stiefel geschnürt. Wenn ich dich -aus der Stube lassen dürft, könnt ich dir das gekerbte Brettle zeigen, -das sich beim Zuschrauben ans Schienbein legt. Und wenn du dann noch -nicht sagst, wann du’s letztemal mit dem Junker Federkiel getanzt hast, -kommst du auf die Leiter, die ist ärger wie’s Fegfeuer. Du wirst mit -Winden in die Höh gezogen, und an die Füß hängt man dir ein volles -Essigfäßle. -- Ich hab in meiner Jugend baumstarke Männer gesehen, wo -von der Leiter runterkommen sind und gestöhnt haben: Wir wöllen lieber -zehnmal sterben als einmal die Leiter besteigen! Und wenn du von der -Leiter 'runterkommst und immer noch dein Hexengöschle hältst, bekommst -du den gespickten Hasen zu schmecken. --“ - -Babette hörte nicht mehr, was der Türmer sprach; sie hielt sich -die Ohren zu und blickte durch das verstaubte Gitterfensterchen -auf den Stadtwall, wo in der sinkenden Dämmerung ein paar Dutzend -Gassenbuben standen und warteten, ob das eingetürmte Hexlein vielleicht -geneigt sei, seine Künste zu zeigen und einen Ausflug zu wagen. Die -schadenfrohe Lustigkeit der Stadtjugend erschien ihr erträglicher als -die Folteraugen des Alten, der nun mit einem Mal zu jammern begann: -„Ja, ja, die Zeiten werden immer schlechter, und die Taxordnung is kein -Hellerle wert. Weißt, Mädle, was ich fürs Ohrabschneiden bekomm? Zwei -Schilling und sechs Pfennig. Und für jeden Brand zwei Schilling zwölf -Pfennig. Fürs Auspeitschen gibt mir der Rat nur den Gotteslohn, und -wenn ich nicht am Salben was verdienen tät, könnt ich kein Schöpple -Gützberger trinken --“ - -Nun aber fuhr Babette mit solchen Augen auf das Männlein los, daß -dieses den Rückzug antrat und vor sich hinmeckernd die schmale -Gefängnistür mit den mächtigen Riegeln verschloß. Sie lehnte ihre Wange -an die verstaubten Scheiben und ließ ihre Tränen stillschweigend auf -ihre Hände herunterfallen, die gekreuzt in ihrem Schoße lagen. So blieb -sie die ganze Nacht hindurch sitzen, als ob alles, alles Leben aus -ihr geflohen wäre, und erst am Morgen warf sie sich auf den hölzernen -Schragen, der anstatt eines Bettes in einem Winkel des Turmgemaches -stand. - -Obwohl sich die Frankenthaler sonst zu allem Zeit und Ruhe ließen, -schien es dem hochmögenden Rate doch geboten, das Verhör der Barbara -Glock schon am nächsten Morgen zu beginnen. In aller Herrgottsfrühe -durchschritt ein Ratsknecht mit der Schelle die Straßen, um den -Einwohnern die hochnotpeinliche Vernehmung anzukündigen, indem er mit -lauter Stimme zu den Fenstern der Gerichtsherren hinaufsang: - - „Höret, ihr Ratsherrn, jung und alten, - Heut früh wird Halsgericht gehalten - Über eine gefangene Person, - Die große Übeltat geton! - Zu solchem Rechtstag sollt ihr kommen, - Gemeinem Wesen zu Nutz und Frommen.“ - -Als der Spitalpfleger Christopher Kemmeter die Ratsschelle hörte, -befahl er seiner Schwester Margret, die ihm den Haushalt führte, -ein starkes Weinsüpplein zu kochen und, zu besonderer Süßung, -gehörig Zimt und Zucker hineinzutun. Dann zog er seinen Bürgerrock -an, stopfte sich eine holländische Kreidepfeife und nahm ein altes -Buch zur Hand, in dem die besonderen Rechtsfälle der Stadt seit dem -Jahre 1594 verzeichnet standen. Nicht ohne Seufzen öffnete er das -dickleibige Werk: er wußte, was er von der Frankenthaler Festfreude -erwarten durfte, wenn die Leidenschaft des Volkes erregt war, und -hegte keinen Zweifel, daß dieser Streich gegen das hübsche Babettle -von den Anhängern des Bürgermeisters Lienlein ausging, den er nicht -riechen konnte; denn der Gestrenge trug die Schuld, daß er mit seiner -Schwester als Junggeselle hausen mußte, weil er ihm, als er auf -Freiersfüßen ging, sein Schätzlein, die ehrsame Jungfer Katharina -Ziegenspeck, vor der Nase wegstibitzt hatte. Von diesem Erlebnis war -ihm nicht nur ein alter Groll gegen den regierenden Herrn, sondern -auch eine Geringschätzung der Weiber geblieben, denen er lange Haare -und kurze Gedanken nachsagte, obwohl er seiner leiblichen Schwester -einen scharfen Verstand zubilligen mußte: von der Jungfer Margret -Kemmeter hieß es in der Stadt, sie sei mit Haaren auf den Zähnen auf -die Welt gekommen und schlafe wie ein Drache auf dem Strumpf, in dem -sie ihre Reichstaler verwahre. Als die Schwester des Ratsherrn mit -dem dampfenden Weinsüpplein in das Zimmer trat, sah sie, daß die -Runzeln in dem Gesicht ihres Bruders seltsam zuckten: sie kannte -dieses Schelmengesicht, auf dem das Lachen nicht zum Ausbruch kam, -und gab dem vergnügten Kracher einen Rippenstoß, den er mit einem -meckernden Gelächter beantwortete; aber er war nicht zu bewegen, das -Geheimnis, das ihn in heimliches Behagen versetzte, preiszugeben, und -als er sein süßes Süppchen ausgelöffelt hatte, nahm er sofort Hut und -Stock, um, wie er sagte, auf die Ratsstube zu gehen und da vor der -Hexengerichtssitzung noch einen Herrenschoppen zu stechen und für -die Kehlenklärung des hochweisen Gerichtskollegiums zu sorgen. Er -machte aber, da es noch zeitig am Tage war und er nicht tief in die -Kanne zu steigen gedachte, einen Umweg durch die Talgärten, wo er dem -staatsmäßig in schwarzen Strümpfen und mit dem Dreispitz unterm Arm -einherwandelnden Stadtschreiber Lerch begegnete. - -„Er sucht sich wohl ein Taubenhaus aus, wo Er nach der Hochzeit mit -Seiner Lalage schnäbeln kann?“ fragte er den Trübseligen, und fügte -dann hinzu: - - „Es geht doch, sagt mir, was ihr wollt, - Nichts über Wald- und Gartenleben, - Und schlürfen ein dein trinkbar Gold, - O Morgensonn’, und sorglos schweben - Daher im frischen Blumenduft - Und mit dem sanften Weben - Der freien Luft, - Als wie aus tausend offnen Sinnen - Dich in sich ziehn, Natur, und ganz in dir zerrinnen.“ - -„Es ist schrecklich,“ entgegnete der Stadtschreiber. - -„Meint Er das alamodische Carmen?“ entgegnete der Alte, den das -gedrückte Wesen seines Schützlings reizte. Und plötzlich fuhr er auf: -„Seh Er sich nach einem andern Schätzchen um. Was hat Er an dem kecken -Ding? Ein hübsches Lärvchen und ein Spatzenseelchen, weiter nichts.“ - -„Sie werden sie verbrennen,“ seufzte Friedrich Lerch wieder. - -„Hat Er’s aus hochmögendem Mund gehört, oder hat Er’s aus den Akten -herausgefischt, daß die Frankenthaler noch jede Hexe verbrannt haben? -Er ist ein gewissenhafter Mensch; deswegen sollte Er auch wissen, daß -es noch viele andere hübsche Frauenzimmer in der Welt gibt. Ob Er nun -hier oder sonstwo an eine Hexe gerät, ist gleich: denn Hexen sind sie -alle. Ich bin in meinem Leben mindestens zehnmal verhext worden, aber -durch die Gnade unseres Herrgotts immer heil und gesund davongekommen.“ - -Friedrich Lerch lächelte säuerlich, um seinem Gönner zu zeigen, daß er -dessen Scherze verstehe und zu würdigen wisse; aber in Wirklichkeit war -ihm wund und weh zumute: denn seit Babette im Hexenturm gefangen saß, -quälte ihn die Frage, ob er ihr im Geist doch nicht unrecht getan habe, -in einem fort, und die Erinnerung an die Stunden stummen Glücks, da er -beim Surren des Spinnrades an ihrer Seite gesessen, erfüllte ihn mit -quälender Sehnsucht. - -Als der Ratsherr sah, daß sein Schützling zu keinem Gespräch zu -bringen war, ließ er ihn unwirsch stehen, um noch einen Blick in -die Ratstrinkstube zu werfen, wo die zwölf Gerichtsherren vor der -Sitzung jeweils einen gehörigen Frühtrunk zu tun pflegten. Er fand die -Trinkstube voll wie an höchsten Festtagen. Es saßen da würdige Männer, -die mit ihrer Meinung, daß sich die Stadt mit dieser Hexengeschichte -ein böses Süpplein eingebrockt und, zum mindesten, lächerlich gemacht -habe, nicht hinterm Zaun hielten; aber dafür fehlte es unter den alten -Hochmögenden auch nicht an solchen, die sich im Auftischen saftiger -Hexenstücklein gar nicht genug tun konnten, und wer von ihnen selbst -nicht behext worden war, wußte zu berichten, daß wenigstens sein -Urgroßvater oder dessen Geschwisterkind die schönsten Hexen, wie es -keine mehr gebe, gekannt habe. - -Der Ratsherr Kemmeter hängte seinen Dreispitz an einen Nagel und -stopfte umständlich seine holländische Pfeife; dann ließ er sich von -dem Ratsküfer einen Becher Faßwein reichen und ging von einem der -alten Stecher zum andern, und sein Becher klang beim Anstoßen so klar -und regelrecht wie die kleinen Glocken der Kilianskirche. Aber jeder -der Herren, mit dem er anstieß, bekam eine Bosheit zu hören, ohne daß -die Kracher aus dem Häuschen gerieten: denn sie kannten die Gewohnheit -des alten Spitalpflegers, allen Leuten einen Floh ins Ohr zu setzen, -und die Alten lasen aus den Mienen Kemmeters einen Spaß heraus, von -dem sie sicher waren, daß er zu dem bevorstehenden Hexenspektakel -paßte. Die Gerichtsherren waren samt und sonders voll süßen und sauern -Weins, als sie endlich auf schwankenden Ratsherrnbeinen in die große -Gerichtsstube hinaufstiegen, wo der neue Kanzler Friedrich Lerch, dem -auch das Amt eines Zehntschreibers oblag, mit käseweißem Gesicht schon -hinter seinem Amtstische saß. Er hielt eine neugeschnittene Rabenfeder -in der Hand, und auf seinen Zügen lag ein solcher Kummer, daß der alte -Kemmeter auf ihn zuging und ihn derb am Ohre zupfte. -- - -Babette war schon vorher, nach altem Frankenthaler Rechtsbrauche, aus -dem Hexenturm in eine „feine Stube“ des Rathauses verbracht worden, wo -der Dekan Lotter ihrer wartete, um sie durch geistlichen Zuspruch auf -das Verhör in dem Hexenrichtercollegio vorzubereiten. Der geistliche -Herr nahm es gelassen hin, daß sein Beichtkind alle Schuld bestritt; -aber es mißstimmte ihn, daß Babette allem Zuspruch ein hartnäckiges -Schweigen entgegensetzte, die Hand, mit der er ihr die Backe streicheln -wollte, voller Abscheu wegschlug und sich mit gesenktem Köpfchen an die -Tür stellte, wo der Stockmeister auf einem hölzernen Stühlchen hockte. -Die Tränen liefen ihr noch wie helle Perlen über die Wangen, als sie, -von zwei Ratsknechten geführt, in die Gerichtsstube trat, wo die zwölf -Richter hinter einem langen Tische beisammen saßen. Auf Befragen des -uralten Hexenrichters Götz Schlegelmilch erklärte sie schluchzend, daß -jedermann sie kenne: sie sei von ihrer Tante in christlicher Zucht und -Ehrbarkeit erzogen worden; sie habe wohl gehört, daß es Hexen gebe; -aber sie wisse nicht, was Hexerei sei, und glaube auch nicht, daß in -Frankenthal Hexen zu finden seien. Da erhob sich der Gerichtsherr -Valtin Zipfel und sagte stammelnd aus, als er aus der Trinkstube -gekommen, habe er plötzlich, im Vorraum vor dem Gerichtssaal, einen -solchen unterirdischen Ruch von Rosen um sich gespürt, daß er vermeine, -solches könne nur die Frucht des teuflischen Hexenwerks sein. - -Darauf erklärte der Ratsherr Kemmeter, auch er habe diesen Ruch -mit seiner Nase wahrgenommen; aber der sei, wie er beim Evangelio -beschwören könne, aus den zinnernen Bechern der Ratsstube -emporgestiegen, von einem Jahrgang Wein, den er, vor zehn Jahren, -zu sechs Gulden das Fuder und also um einen Jammerpreis, an den -hochmögenden Rat geliefert habe. Im übrigen müsse er bemerken, daß der -Stechheber, mit dem der Ratsküfer den Schoppenwein aus den hahnenlosen -Fässern ziehe, schon längst schadhaft sei, weil er nicht genug geputzt -und gescheuert werde; er selbst habe hie und da mit Abscheu beim ersten -Schluck ein vermischtes Geschmäcklein auf der Zunge verschmeckt, was, -gegen alles städtische Herkommen, aus zwei Fässern zugleich stammte, -und eine solche Schlamperei sei dazu angetan, Geschmack und Wein der -Stadt in schlechten Geruch bei den Nachbarn zu bringen. - -Dies brachte den Hexenrichter Götz Schlegelmilch in Harnisch: er -bekundete, daß er jüngst, als er von einem Nachttrunk heimgekehrt, aus -der Hottenlochgasse ein solch teuflisches Getöse, Toben, Schreien, -Singen vernommen, daß er nicht anders meine, als diese Lustbarkeit sei -von dem Erzfeind und Teufel wider alles Verbot der Obrigkeit angestellt -worden, um eine Hexe zu feiern und sein Reich zu heben. Worauf der -Ratsherr Kemmeter zwinkernd im Kreis umherblickte und erklärte: Daß -Weinsümpfe doppelt sähen, habe er gewußt; daß sie doppelt hörten, habe -er nun erfahren. Im übrigen rühre aber dies Geschrei, das guten Bürgern -die Nachtruhe störe, von den welschen Arbeitern am Schloßbau her, die -mit ihren Menschern die halbe Nacht durchtanzten und das Messer los im -Sacke trügen. - -Doch der Gerichtsherr Schlegelmilch blieb bei seiner Aussage und -verlangte, daß die Malefikantin Barbara Glock alsogleich, nach altem -Brauch, zu Recht nackt ausgezogen, auf ihre Hexenmale untersucht und, -wenn solche nicht gefunden würden, mit Schrauben gepreßt werde. - -Worauf der Ratsherr Christopher Kemmeter erwiderte: Er müsse die Schuld -an besagter Augentrübung des Hexenrichters noch einmal auf den schlecht -gehaltenen Wein schieben, der es bewirkt habe, daß er seine eigenen -Miträte auf dem Vorplatz für Hexenmeister genommen habe; er schlage -vor, den Ratsküfer ~edictaliter~ zu zitieren, um ihn zu christlicher -Verwaltung seines Amtes zu vermahnen, die Füllung der Weinfässer durch -ein wohlbestalltes Kollegium prüfen zu lassen und zwei Stechheber, -einen für die Katholiken und einen für die Evangelischen, auf Kosten -der Republik Frankenthal anzuschaffen. - -Während die Ratsherren die Köpfe zusammensteckten, um über die -vorgebrachten Anträge zu beraten, ließ der Stadtschreiber Friedrich -Lerch Babette nicht aus dem Auge. Der Anblick des blassen Köpfchens, -das seinen Blicken auswich, erfüllte ihn mit unendlichem Mitleid, und -immer wieder gedachte er der Augenblicke, wo ihm das Licht ihrer Augen -das wunderbarste Glück verhieß. - -Das eifrige Getuschel und Gerede der Gerichtsherren fand jedoch -ein jähes Ende, als sich der alte Kemmeter wieder erhob und mit -flötenweicher Stimme erklärte, er müsse, noch ehe ein Bescheid des -Hohen Collegii ergehe, die hochmögenden Gerichtsherren auf eine alte -Verordnung vom 13. Aprilis de anno 1563 hinweisen, wonach es den -Katholischen nicht erlaubt sei, eine Hexe allein der hochnotpeinlichen -Halsgerichtsbarkeit zu überliefern, sondern wonach es zu Recht bestehe, -daß die Lutherischen ebenfalls eine Hexe beizubringen hätten, wenn -den Katholischen der Fang eines solchen Tierleins gelungen wäre, -und so verlange er, als Bekenner der Augsburger Konfession, daß man -das peinliche Verfahren aussetze, bis es auch den Evangelischen -beliebe, eine Hexe ihres Glaubens aufzustöbern und der von Gott mit -scharfem Verstand begabten Obrigkeit zu peinlicher Rechtfertigung oder -Aburteilung zu übergeben. Seit der Glaube an die höllische Hexenzunft -bestehe, sei in Frankenthal niemals eine Hexe allein geschwemmt oder -verbrannt worden, und dies gleichzeitige Verfahren habe dem Stadtsäckel -manchen Batzen erspart, der dann auf schicklichere Weise, in einem -guten Trunk oder Schmaus, vertan worden sei. Auch sei es in Frankenthal -von alters her der Brauch, daß vor Vernehmung einer beschuldigten -Person ein dreitägiges Fasten für die Gerichtsherren aufzuschreiben -sei, womit verhindert werde, daß üble Dünste aus dem Magen aufwärts -steigen und die Helligkeit des Hirns trüben. Er heische übrigens noch -einmal die Herbeiführung eines Ratskonklusums über die Anschaffung -zweier neuer Stechheber, und falls sie der Ratsküfer in Zukunft nicht -paritätisch blank und sauber halte, solle er, zu Pfingsten und zu -Weihnachten, gestäupt und bei widerspenstiger Beharrung in seiner -Faulheit seines Amtes zu Ungnaden enthoben werden. Die Ratsherren sahen -sich mit langen Gesichtern an: der eine oder der andere hatte von der -alten Verordnung munkeln gehört, und da die Reichsstadt wegen der -Treue, mit der sie an den Verordnungen der Väter hing, in ganz Franken -berühmt war, so erging denn zunächst der Bescheid, daß Babette Glock, -die ob des Gehörten an allen Gliedern zitterte, ohne Verweilen zu -weiterem Gewahrsam in den Hexenturm zurückgebracht werde. -- - -Inzwischen redeten und schrien die Hochmögenden, die nun deutlich in -zwei feindliche Gegnerschaften auseinander traten, mit vorgestreckten -Gesichtern und spitzen Fingern aufeinander ein. Der alte Kemmeter aber -stand wie ein Fels dazwischen, rieb sich die Hände und zwinkerte den -Stadtschreiber Lerch mit vergnügten Äuglein an: er wußte zwar noch -nicht, wie die Regierenden seinen Antrag aufnehmen würden und was -daraus entstehen mochte; allein die Tatsache, daß er den hochmögenden -Herren einen richtigen Kemmeterstreich gespielt und einen Stein in den -Frankenthaler Karpfenteich geworfen habe, erfüllte ihn mit einer wahren -Weinfreude: entweder, so sagte er sich, gingen seine Glaubensgenossen -selbst daran, eine lutherische Hexe in den Turm zu liefern, damit das -hochnotpeinliche Gericht seinen Fortgang nehmen konnte, und dann sah -sich der Propst Schlegelmilch, der aus seinem geläuterten Rationalismus -kein Hehl machte, in einer üblen Lage; oder die Katholiken machten sich -selbst auf die Hexenjagd, um ein evangelisches Hexenstück zu erwischen, -und dann konnte es geschehen, daß Mord und Todschlag einrissen. Zwar -waren die Evangelischen in früheren Zeiten immer von dem löblichsten -Wetteifer geplagt gewesen, nicht weniger Hexen zu liefern als ihre -katholischen Mitbürger; aber sie hatten es stets aus freien Stücken -getan, ohne daß der hie und da aufflammende Glaubenszwist der beiden -Konfessionen bei diesen Hexenstreitigkeiten eine Milderung erlitten -hätte; ja, er war gerade bei derartigen Gelegenheiten in solche -Heftigkeit ausgeartet, daß sogar die Hexen beim Verhör erzählten, es -habe niemals eine lutherische Hexe mit einer katholischen auf einem -Maientanz tanzen mögen. Auch war es vorgekommen, daß die Aussagen der -Hexen über die Gebräuche bei den Walpurgisnachttänzen manchmal, je nach -dem Glauben der Beklagten, ganz wesentlich voneinander abwichen: bei -dem großen Hexenbrand im Jahre 1617 war, wie aus den Aufzeichnungen des -ehrsamen Ratschreibers Veit Unruh hervorging, ein gewaltiger Streit -zwischen den beiden angeklagten Hexen entstanden, weil die lutherische -Hexe steif und fest behauptete, bei dem Hexenmahl sei süßer Wein -getrunken worden, während die katholische selbst in den spanischen -Stiefeln nicht von ihrer Aussage abzubringen war, der Wein, den ein -rothaariger Küfer mit einer Feder hinter dem Ohr auf den Tisch gestellt -habe, sei so sauer gewesen, daß sie ihn heimlich, damit der Grüne es -nicht sehe, weggespien habe. -- - -An den nun folgenden Tagen summte und brummte die alte Reichsstadt -wie ein Bienenkorb vor dem Schwärmen. Meister und Gesellen verließen -ihre Arbeit und standen feiernd an den Straßenecken beieinander. -Die breitesten Gassen rochen wie eine dampfende Wurstküche, und die -zahlreichen Becken, die ein ererbtes Schenkrecht ausübten, sowie die -Zunftküfer und Weinwirte des niederen Volkes mußten ihre ältesten -Fässer anstechen, um den Hexenbrand der Meister und Gesellen zu -löschen, die sich hinter den Kannen mit listigen Äuglein maßen. Die -alten evangelischen Mainfischer schrien in ihrer Mundart, daß sie -sich kein Brotkrümlein von ihrem Rechte abzwicken ließen; denn es -sei eine Frechheit, wenn die Katholischen sich herausnähmen, ein -eigenes Hexenrecht zu schaffen. Die Aufgeklärten, die sich in solche -Konventikel verirrten, suchten die wilden Männer zu beruhigen, indem -sie erklärten, daß es in Frankenthal schon seit einer halben Ewigkeit -keine Hexen mehr gebe, weil die Vorväter, in vorausschauender Weisheit, -die ganze Brut schon längst mit Stumpf und Stiel ausgerottet hätten. -Daraufhin erklärten die Parteigänger des Bürgermeisters Lienlein, daß -man schon eine protestantische Hexe finden könne, wenn man nur wolle: -denn daß noch ungefangene Hexenweiber in Frankenthal herumgingen, -beweise der Umstand, daß der Sohn des Bürgermeisters in der Nacht -zuvor, als er an dem Hexenturm vorbeigegangen, von unsichtbaren Fäusten -so zerbläut worden sei, daß er die blau und gelben Male noch an seinem -Körper trage. Bald hieß es auch, daß Kaspar Lienlein, der seit einer -Woche die halbe Nacht in dem Weinhaus „Zur warmen Wand“ liege, mit -seinen Freunden auf eigene Faust und Gefahr ein evangelisches Hexlein -zu fangen gedenke, damit die eingetürmte Babette Glock endlich dem -Urteil überantwortet und geschwemmt oder zu Asche verbrannt werde. -Indessen ging es auf dieser Jagd dem Sohne des Bürgermeisters schlecht: -er wurde von unbekannten Händen in eine randvolle Jauchengrube -geworfen, und als man den jämmerlich Schreienden herauszog, fand es -sich, daß ihm sein rechtes Auge heraushing. -- - -Da unter solchen Umständen der Bürgerkrieg in Frankenthal drohte, -traten die beiden Geistlichen, der protestantische Propst Ehrwürden -Veit Schlegelmilch und der katholische Dekan Kilian Lotter, zu einer -Beratung zusammen. Die beiden Herren lächelten süß, als sie sich in -einem Ratszimmer trafen, um diese leidige Sache zu erwägen und mit -Gottes Hilfe einen Ausweg zu finden. Der Dekan Lotter, dessen feistes -Prälatengesicht den Himmel auf Erden widerspiegelte, beklagte zunächst -den Umstand, daß man ein Kind seines Glaubens der Hexerei bezichtige; -aber weder seine Miene noch seine Worte verrieten die geringste -Unruhe: er erklärte, er habe dem fürstbischöflichen Kommissariat einen -Bericht erstattet und sehe nun allen Weiterungen mit der Ruhe eines -guten Gewissens entgegen. Da jedoch in jedem geistlichen Gemüt ein -Flickereien Rost glänzt oder ein Tröpfchen Bosheit giert, belehrte er -den Propst, daß schon der Pater Friedrich Spee sein Leben daran gesetzt -habe, den greulichen Hexenwahn zu bekämpfen, und der Eindruck, den -der fromme Priester von dem Elend der Hexenprozesse gewonnen, sei so -groß gewesen, daß sein Haar im schönsten Mannesalter weiß wie frischer -Schnee geworden sei, wie aus seinem Buche „~Cautio criminalis~“ -hervorgehe. Und als Gegenstück zu dieser frommen Lichtgestalt ließ -er den sächsischen Kanzler und Protestanten Carpzow auftauchen, der -allein das Todesurteil von zwanzigtausend Hexen unterzeichnet habe. - -Der Propst Schlegelmilch hörte diese Unterweisung mit mildem -evangelischen Lächeln an; sein Gemüt war zwiespältig: während er einem -gemäßigten Vernunftglauben zuneigte, ging seine Seele heimlich in -verschlossenen Seelengärtchen spazieren, wo Liebeswunder herrnhutischen -Gepräges geschahen und Weltliches und Geistliches wie Rosen- und -Liliendüfte ineinanderflossen. Er bedauerte den Geist der Stadt, der -allzusehr an Altem hänge und nicht davor zurückschrecke, um eines -Festes willen sein Seelenheil aufs Spiel zu setzen; aber im stillen -gelobte er sich, seinem katholischen Amtsbruder die Anspielung auf den -lutherischen Kanzler Carpzow bei Gelegenheit mit Zins und Zinseszinsen -heimzuzahlen und bei der Verteilung des städtischen Deputatholzes -darauf zu sehen, daß die katholischen Holzknechte nicht die schönsten -Scheite ihrem Seelenhirten zu übermäßigen Klaftern schichteten. -- - -So verlief die Unterredung der beiden Geistlichen, ohne eine Wendung -im Schicksal der Babette Glock herbeizuführen. Dafür beschlossen die -beiden Gerichtsherren Unruh und Zipfel, bei dem störrischen Babettchen -selbst auf den Busch zu klopfen, um aus ihrem Munde zu erfahren, -mit welchen Hexen sie zu Pfingsten auf der Galgenweide getanzt und -geschmaust habe. Sie fanden die Gefangene blaß, aber gefaßt in der -Fensternische ihres Turmes sitzen: sie dachte just des Tages, da ihr -Jugendgespiele Friedrich Lerch, von der Akademie heimkehrend, zum -erstenmal in die Stube bei ihrer Tante getreten war, und ein Gefühl -glücklicher Erwartung erquoll aufs neue in ihrer Brust. Als die beiden -Kracher von dem Hexentanz anfingen, flammte das alte Wesen in ihr -auf: sie ging mit geballten Fäusten auf die Alten los, so daß diese -mit aufgehobenen Händen bis an die schwere Eisentür des Verließes -zurückwichen, von wo aus sie erschreckt und zitternd auf das bebende -Mädchen blickten. - -Der Ratsherr Zipfel begann als erster zu lachen: „He, Jungfer Glock, -nichts für ungut, mit Euch möcht ich selbst ein Hexentänzchen wagen.“ -Und er spitzte den Mund, als ob er ein Schmätzlein pflücken wolle. -Im stillen war er jedoch voll Ärgers, daß er nicht allein gekommen -war, um dem schönen Kind das Hexenherzchen schwer zu machen. Er trat, -da Babette ruhig blieb, wieder einen Schritt näher und fuhr meckernd -fort: „Aber so sagt uns doch nur, mit welchen Hexen Ihr beim letzten -Tanz zusammen waret. Ist kein lutherisch Hexle dabei gewesen? Aus der -Hottenlochgasse, wo die Hexen von alters her wachsen? So sagt es doch. -Verbrannt werdet Ihr doch; denn es ist noch niemals erlebt worden, daß -eine Frankenthaler Hexe freigekommen ist.“ - -Da ging Babette in jäh ausbrechender Wut wieder auf die Alten los, -und aus ihren Augen flammte ein solches Licht, daß die Gerichtsherren -zähneklappernd die Flucht ergriffen. Sie vergaßen sogar, die eichene -Gefängnistüre mit dem Schlüssel zu schließen, und keiner wußte zu -sagen, wie er die ausgetretene Wendeltreppe heruntergekommen war. Der -Ratsherr Unruh erzählte am Abend in der Ratsstube, er habe nun auch den -Rosengeruch gespürt, der den Gerichtsherren dazumalen, beim Gang aus -der Ratstrinkstube, in die Nase gestiegen sei; aber es sei ihm dabei -so elendiglich zumute geworden, daß er in seiner Seele nicht mehr froh -geworden, bis er bei seinem ehelichen Weib zu Hause gesessen und drei -Rosenkränze nebst der lauretanischen Litanei gebetet habe. -- - -Unterdessen geschah es in der aufgewühlten Stadt, daß bald diese -oder jene Frankenthalerin als Hexe genannt wurde. Infolge dieses -heimlichen Geredes kam es an verschiedenen Abenden zu blutigen -Schlägereien zwischen Katholiken und Evangelischen, und da auch die -Frankenthalerinnen ihre Zungen gehen ließen, gerieten die Gemüter in -solche Erhitzung, daß bald jede Frau in jeder andern eine heimliche -Hexe sah. - -Indessen saß Babette weltverlassen in ihrem Turm und brütete in -wechselnder Gemütsart vor sich hin. Sie konnte es nicht begreifen, -daß kein Wunder geschah und Tag um Tag verging, ohne daß der Geliebte -erschien, um sie aus dem Jammer fortzuführen. Der Blick, den er -ihr zugeworfen, als sie den Rathaussaal verlassen hatte, wo die -leibhaftigen Teufel in Ratsherrengestalt auf ihren hochlehnigen Stühlen -hockten, glänzte noch immer vor ihr her, und wenn sie unwillig wegen -seiner Schüchternheit werden wollte, die alles verschuldet habe, -löschte dieser lange Blick jeden Groll in ihrer Seele aus. Sie schloß -ihre Augen, um diesen Blick immer wieder mit vollem Herzen zu genießen, -und das Glück, das sie ersehnte, stand dabei so klar vor ihrer Seele, -daß sich ihre Wangen mit brennendem Rot färbten, wenn sie seiner -gedachte. Von einem Augenblicke seligen Beisammenseins spann sich ein -goldenes Fädchen in ähnliche Augenblicke späteren Daseins hinüber, und -wenn sie die Augen aufschlug und das blecherne Eßgeschirr vor sich -stehen sah, floh sie eiligst in die Mauernische, wo sie nur den Schrei -der Dohlen vernahm, die den Knauf des alten Hexenturms umschwärmten. -Dann quoll ein seltsames Mitleid mit sich selbst, das doch nicht ohne -Süße war, in ihrem Herzen auf, und die Gassenbuben, die vom Stadtwall -aus nach dem Hexenturm herüberblickten, erschienen ihr, wie durch einen -Schleier hindurch, zum Greifen nah und doch unendlich ferne. - -Als aber Tag für Tag verfloß, ohne daß der Geliebte ein Zeichen seines -Daseins oder seiner Hilfsbereitschaft gab, flammte wieder die alte -Empörung gegen dessen ganzes Wesen in ihr auf, und nun wandte sich -ihr Sehnen und Denken der Gestalt des Junkers Emmerich zu, dem sie -nun in hellem Trotz alle Mannesherrlichkeit, allen Wagemut und alle -Liebestreue andichtete. Sie durchlebte noch einmal die Stunden des -Festes der Grundsteinlegung mit sehnendem Gemüte, und der Ton der -Stimme, die sie zu hören glaubte, drang wie ein Strahl himmlischer -Wonne in ihr Herz. Sie zweifelte nicht, daß jener auf den ersten Ruf -erscheinen werde, um sie aus diesem Kerker, in dem nur alte triefäugige -Männer Zutritt hatten, hinwegzuführen. Doch die Tage vergingen, ohne -daß ein Zeichen sorgender Liebe in das muffige Düster des Hexengemaches -drang. Als einziges Liebeszeichen legte eines Abends der Stockmeister -ein Stück Kuchen neben die blecherne Suppenschüssel; da wußte sie, daß -die blinde Tante ihrer gedachte, und brach in bittere Tränen aus, die -noch flossen, als sie wie in einem Traum den ersten Biß in den frischen -Kuchen tat. -- - -In der Nische, wo sie tagsüber saß und in das Grün des nahen Waldhangs -hinüberblickte, hausten Spinnen, kleine schwarze Tierlein. Als sie -zum ersten Male ihrer gewahr wurde, hatte sie voller Abscheu ihre -zarten Gewebe zerstört, die wie gebauschte Segel in den verstaubten -Ecken hingen. Als aber die schwarzen Spinnerinnen sofort wieder daran -gingen, einen Faden zu ziehen und ihr Fangnetz in der halben Dämmerung -aufzuhängen, ließ sie die Emsigen gewähren und sah neugierig zu, wie -zuweilen ein Mücklein in das gebauschte Netz geriet und von der Spinne -zu künftigem Fraße eingewickelt wurde. Ja, es regte sich bei diesem -Spiel eine seltsame Grausamkeit in ihr, und diese bösartige Regung -wurde schwärend, als sie eines Tages von ihrer Nische aus drei ihrer -besten Freundinnen erblickte, die Arm in Arm auf dem Waldpfad über dem -Stadtgraben standen und nach dem Fenster des Gemaches herüberäugten, -in dem Babette gefangen saß. Sie floh in den hintersten Winkel des -Hexengemaches zurück, um diesem Anblick zu entgehen, und wünschte, voll -jähen Grimms, wirklich eine Hexe zu sein, um diesen Docken jedes Übel -anzutun; aber das helle Lachen ihrer Freundinnen trieb sie wieder ans -Fenster zurück, und als bald darauf die Mädchen singend weitergingen -und im Wald verschwanden, überfiel sie ein Frösteln, das nicht weichen -wollte. Und wieder suchten ihre Gedanken Trost und Zuflucht bei dem -Junker, dessen Gestalt bei dem Gedanken, daß er in Mainz in Glanz und -Ehren weile, mit überwältigendem Zauber vor ihre Seele trat. -- - -Doch als auch dieser Seelentrost wie ein Schein erblich, regte sich -in ihrer Seele ein seltsam Gären und Schwären: alles was sie an -Spinnabenden von Knechten und Mägden über Hexen und Hexenbräuche, -Marientänze, Salben und Wettermachen gehört hatte, begann ihr Denken -in einen Hexenring zu ziehen. Und wenn sie voll heimlichen Grauens -sich selber fragte, ob es wirklich Frauen gebe, die zum Heuberg oder -zur Galgenweide führen, vermischte sich der Durst nach Rache an ihren -Peinigern wie ein süßes Labsal mit diesem Denken und Sinnen. Und -noch süßer als der Wunsch, die ganze Stadt in einem Kieselwetter zu -ersäufen, erschien ihr der Gedanke, sich dem Geliebten, der sie in -solchem Jammer schmachten ließ, als triumphierende Hexe zu zeigen und -sich an seinem staunenden Entsetzen zu ergötzen und zu laben. Indessen -nahm auch dieses Spiel mit Hohn und Bitterkeit ein Ende, und da der -geifernde Hexentürmer wieder von der Folterung zu faseln begann, geriet -sie in eine verzweiflungsvolle Erwartung unentrinnbar nahen Entsetzens. - -Da fuhr sie, eines Tages, in aller Frühe aus einem bleiern schweren -Schlummer auf: ganz deutlich hörte sie, aus naher Ferne her, das Horn -des Kutschers, der das Lied von der jungen schönen Braut blies, unter -dessen Klängen einst der Junker Emmerich Rüdt von Collenberg aus den -Toren der Stadt gefahren war. Endlich war ihr Retter erschienen! Sie -sprang von dem Schragen auf und lief an die verriegelte Türe und pochte -mit den Füßchen an die dicken Bohlen. Und da der Ton des Posthorns -laut und lauter näher kam, hielt sie fast den Atem an, und ein klarer -Plan reifte jählings in ihrem Gemüt. Als der Hexentürmer gleich darauf -mit dem gebrannten Morgensüpplein daherhumpelte, verlangte sie, -stammelnd vor Hast, vor ihre Richter geführt zu werden. Der Alte, der -ein Geständnis witterte und nun seinen Hexenschmaus ganz nah gerückt -sah, schlurfte eilends davon, und eine Stunde darauf wußte schon die -halbe Stadt, daß die Hexe Babette Glock endlich mürb geworden sei und -ihre Hexereien gestehen wolle. Die Katholiken unter den Hexengläubigen -hofften, endlich zu erfahren, ob nicht doch eine evangelische Hexe -unter ihnen weile, und die Evangelischen versahen sich mit Stöcken und -Prügeln, um lose Mäuler mit ungebrannter Asche zu stopfen. Um neun Uhr -schon waren die zwölf Gerichtsherren und der ganze Rat auf dem Rathaus -versammelt. Wie eine Mauer aber stand das Volk, der Hexe harrend, -links und rechts auf dem Platze vor dem Hexenturm, und als endlich der -Schlüssel knarrte und Babette, bleich und abgezehrt, wie ein Schatten, -über die Schwelle trat, legte sich auf die Harrenden eine atemlose -Stille, in die, über die nahen Dächer her, plötzlich wieder, klar und -kräftig, das Posthorn hereinklang. Die Mütter drückten ihre Kinder an -die Brust, damit der Blick der Hexe ihnen kein Unheil antun könne, und -die männliche Jugend, der beim Anblick der hübschen Babette das Wasser -im Mund zusammenlief, blickte sich zwinkernd an. - -Hinter der Hexe ging der Türmer, mit einem alten Hütchen auf dem -Kopf, und hielt den Strick, an dessen Enden die Hände der Gefangenen -gefesselt waren, in seinen zitternden Fäusten fest. - -Da aber geschah etwas Unerwartetes: das bleiche Mädchen, das vor den -Blicken der Menge den Blick niedergeschlagen und nur zögernd den Fuß -auf die Gasse gesetzt hatte, erhob beim Aufklingen des Posthorns -jählings den Kopf: dieser Ton bedeutete Heil und Rettung, und mit einem -jähen Ruck riß sich Babette los und flog wie eine aufgescheuchte Taube -zwischen der erstarrten Menge hindurch. Niemand wagte es, in der ersten -Überraschung, nach der Fliehenden zu greifen, und erst als sie in -einem Seitengäßchen verschwunden war, brach die Menge zusammenflutend -in ein wildes Geheul aus. Ein altes Männlein schrie, es hätte den Atem -des leibhaftigen Satans gespürt; den jungen Frauen tanzten schon die -Höllenfunken vor den Augen, und die alten guckten gleich in die Höhe, -denn sie zweifelten keinen Augenblick, daß die Hexe sofort ein Wetter -machen werde, um die Stadt in einer Sintflut zu ersäufen. - -Doch nichts von alledem geschah. Wie der Wind durcheilte Babette ein -paar winkelige Gassen und Gäßchen, um den Marktplatz zu erreichen, -wo der Gasthof „Zum Elefanten“ stand, in dem die vornehmen Fremden -abzusteigen pflegten. Auf dem weiten Platze blieb sie einen Augenblick -stehen, um zu verschnaufen. Ihr einziger Gedanke war gewesen, den -Reisewagen des Junkers von Collenberg vor dem Gasthaus zu erreichen; -da aber kein Fuhrwerk vor der Treppe hielt, flog sie weiter, um durch -das Falkentor zu entkommen. Doch schon gellte der Volksruf: „Fangt -die Hexe!“ hinter ihr her und erregte die Aufmerksamkeit einiger -Fuhrknechte, die vor dem halbverschlossenen Tore beieinander standen -und rasch die Arme ausstreckten, um die Fliehende abzufangen. Da bog -sie wie der Wind in ein anderes Seitengäßchen ein; doch überall, wohin -sie sich auch wenden mochte, überall begegnete sie feindseligen oder -lachenden Gesichtern: denn den Frankenthalern war es inzwischen zum -Bewußtsein gekommen, daß für die Hexe kein Türlein zum Entwischen offen -stand, und nun gedachten sie die Atemlose wie eine Maus bis zu letzter -Erschöpfung im Kreise herumzuhetzen und sie erst zu fangen, wenn sie -keinen Fuß mehr heben konnte. - -So gelangte sie in wilder Hatz ein zweites Mal vor das Falkentor, -über dessen Zinnendach nun der Ton des Posthorns noch einmal wie ein -ersterbender Hauch aus weitester Ferne hereinklang. Einen Augenblick -stand die Atemlose still, um sich zu besinnen: da hörte sie, wie sich -das Gejohl und Geschrei ihrer Verfolger nah und näher wälzte, wie -es gellend und pfeifend aus allen Gassen zusammenbrauste und über -den Dächern zusammenschlug. In jäher Todesangst floh sie in den Turm -und stürmte die schmale Holztreppe empor, die aus der Torhalle auf -den uralten Wehrgang hinter der Stadtmauer führte, und eilte unter -der niederen Bedachung des Umgangs weiter. Und wie ein himmlischer -Schutzort glänzte ganz plötzlich das Haus des Ratsherrn Kemmeter vor -ihr her, dessen Garten, wie ihr nun einfiel, an die Stadtmauer grenzte. -Sie mußte allerdings, um in den Garten zu gelangen, einen Sprung in -die Tiefe wagen. Da sie aber schon die Tritte der Verfolger zu hören -glaubte, ließ sie sich ohne langes Besinnen von der hölzernen Brüstung -des Wehrganges auf ein umgegrabenes Beet fallen und gelangte, bis zum -Tode erschöpft, vor die Hintertüre des Flures, deren Klinke dem Drucke -ihrer Hand nachgab. Margret, die Schwester des Spitalpflegers, die -gerade eine Windel für ein Waisenkindchen säumte, machte große Augen, -als Babette Glock wie ein gehetztes Wild in die Stube stürzte und mit -hauchloser Stimme um einen Zufluchtsort bat. Die alte Jungfer sah -nicht gerade mit liebevollen Augen auf das Mädchen, das als keckes, -mundfertiges Wesen in ihrem Gedächtnis lebte und nun, da sie als -Flüchtige kam, vielleicht Sorge und Belästigung in das Haus brachte. -Da sie nicht wußte, was der nächste Augenblick bringen würde, und sie -gewohnt war, nichts ohne ihren Bruder zu tun, löste sie den Strick von -den Händen der Erschöpften und sperrte, ohne ein Wort zu sagen, das -still vor sich hinweinende Mädchen in eine Bodenkammer. Dann verschloß -sie, der weiteren Dinge harrend, die Gassentüre des Hauses. Nach einer -Weile hörte sie, wie eine johlende Menge in dem Wehrgang über dem -Garten hin und her stürmte; aber es erschien niemand in dem Hause, um -nach der Entflohenen zu spähen, und so hielt sie es für angebracht, -die dumpf vor sich Hinbrütende zu heiligem Schweigen zu mahnen, da die -Magd bald vom Markte heimkäme. Sie fragte unwirsch, ob Babette ein -Gläschen Wein wolle, und brummte wie ein Hausdrache vor sich hin, als -die Erschöpfte mit aufgehobenen Händen und erloschener Stimme nach dem -Ratsherrn verlangte. -- - -Als der Spitalpfleger eine Stunde später nach Hause kam, ließ sich die -Jungfer Margret erst die Flucht der Hexe erzählen, und dann geleitete -sie, ohne einen Muckser von sich zu geben, ihren Bruder in die Kammer, -wo Babette mit weiten Augen und schwer atmend auf einer niedern Truhe -saß. Sie hatte in dem dunklen Gelaß jede Hoffnung auf Rettung verloren -und war gewärtig, jeden Augenblick ergriffen zu werden. - -„Du hast uns da ein hübsches Süpple eingebrockt,“ sagte der Ratsherr -unwirsch, als er gewahrte, wie die Tränen über die Wangen der Gehetzten -niederrannen. „Und ich soll’s ausessen, gelt? Aber so ist die Jugend: -nur wenn sie uns braucht, kommt sie zu uns, damit wir die Fädchen, -an denen sie zappelt, zu einem seidenen Stricklein drehen, um das -Glück an ein rechtes Handgelenk zu binden. Wenn wir aber auch am -Tischle sitzen wollen, wo sie aus vollen Bechern trinkt, dann heißt -es: Geh, du hast dein Teil gehabt! Die Jungfer weiß vielleicht, daß -ich französisch parlieren kann und zwei Jahre auf der Akademie in -Straßburg gemeines und kirchliches Recht studiert hab? Aber Sie weiß -nicht, daß ich mich da auch um andere Dinge gekümmert habe, die auf -keinem Kirschbaum wachsen. Und einen Trost von da hab ich mitgebracht: -Es kommt immer anders! Die Jungfer muß erst Großmutter werden, eh Sie -versteht, was das besagen will. Was aber sollen wir mit Ihr anfangen? -Nun, was das Hexensüpplein anbelangt, so soll mir der Rat beim Essen -helfen und tüchtig blasen, damit er sich die Zunge nicht verbrennt -und, ~vel votando vel consulendo~, lernt, wie Hexenmählchen schmecken. -He, Jungfer Glock, Ihr könnt Euch rühmen, den alten Bienenkorb fein in -Aufruhr gebracht zu haben. Hört Ihr den Lärm? Nun wird sich zeigen, -ob Seine Ehrwürden der Propst recht hat, wenn er behauptet, die Zeit -himmlischer Erleuchtung sei nie näher gewesen als heute, Apokalypse -dies oder jenes Kapitel. Es wäre zum Lachen, wenn ein fliehendes -Frauenzimmerchen den Herren dieses Lichtlein aufgesteckt hätte, damit -sie auch sehen, welches Süpplein sie blasen. Und auch die Zunft der -Bader wird heut zu tun bekommen.“ - -Da Babette schwieg, hob Christopher Kemmeter das Kinn der Sitzenden -empor und lachte dann: „Was seht Ihr mich an? Habt Ihr vielleicht schon -einen schöneren Jüngling gesehen? Was würdet Ihr sagen, wenn ich Euch -bei der keuschen Susanna im Bad ersuchte, meine liebwerte Ehefrau zu -werden? Ich möchte auch einmal, wenn ich abends aus dem Ratskeller nach -Hause komme, von weichen Pfoten gekrault werden. Meine Schwester ist -ein altes Fegefeuer und hat nicht die Hand dazu.“ - -„Der Herr von Collenberg ist durchgefahren?“ fragte Babette, mit einem -Blick, aus dem fast kein Leben leuchtete. - -„Mit einer Braut, die sich der Batzenschmelzer aus Mainz geholt hat. -Laßt ihn fahren; den seht Ihr niemals wieder.“ - -Babette Glock sank auf die Truhe zurück und starrte vor sich hin: was -sie da vernahm, stieß sie wieder in den Jammer öder Hoffnungslosigkeit -zurück, und doch wunderte es sie selbst, daß sie keinen tieferen -Schmerz ob dieser Nachricht empfand. Der Spitalpfleger scherzte -indessen weiter: „Und ich gefall Euch nicht?“ - -Da überkam die Reglose jählings ein Gefühl der Beruhigung, und -plötzlich erwachte die Schelmin in ihr: „Ich will keine Wittib werden,“ -sagte sie seufzend, während ihr die hellen Tränen in die Augen schossen. - -Der Ratsherr zwinkerte mit den Äuglein unter seinen buschigen Brauen: -„Ihr verurteilt mich ja zu einem raschen Sterben! Aber was habt Ihr, -wenn Ihr einen verängstigten Hungerleider nehmt, der nicht lachen kann -und seine Bettelsuppe mit saurem Gesicht ißt?“ - -„Ich hab zuviel gelacht,“ seufzte sie, worauf sie in ihre vorige -Trübsal zurücksank. - -„Wenn es der Geiß zu wohl wird, geht sie gern aufs Eis. Nichts für -ungut, Jungfer: Ihr habt ein Schelmenaug, das schlimmere Dinge verrät, -als ein roter Mädchenmund sagen kann. Ich würde Euch gern einen Mann -schicken, der meine Sache führen soll; aber ich kenne keinen: zu -Frankenthaler Kanzlern nimmt man niemals aufrechte Männer, weil man sie -in diesem Amt nicht brauchen kann.“ - -„Ihr sollt nichts Schlimmes über ihn sagen,“ bat Babette mit leiser -Stimme. - -„Frauenwille, Gotteswille,“ drohte Christoph Kemmeter mit erhobenem -Finger, und in ausbrechender Sorge fügte er hinzu: „Nun aber halt dich -still. Es darf keine Seele erfahren, daß wir ein Hexlein beherbergen. -Und muckse nicht, wenn unsere Magd, die alte Urschel, auf dem Speicher -rumort: den Schlüssel zu der Kammer da hab ich verloren, wenn sie ihn -verlangt. Und deiner Tante will ich zur Gemütsberuhigung sagen, sie -soll uns doch noch einen Hochzeitskuchen, einen echten Frankenthaler -Blatz mit Weinbeeren, backen.“ - -Da saß nun Babette zum zweiten Male in Gefangenschaft und hatte -Muße, über das Wesen der Menschen nachzudenken. Von dem schmalen -Giebelfensterchen aus konnte sie einen Teil des Gartens überblicken, -der sich hinter dem Hause des Spitalpflegers bis an die Mauer -erstreckte, und wenn sie das Köpfchen aus dem Fenster streckte, konnte -sie den Duft der Blumen riechen, der aus der stillen Mauergartenwelt -in ihre Kammer emporstieg. In dem ummauerten Garten herrschte ein -geheimnisvolles Leben: die Amseln huschten zankend über die Beete, -ein Brünnlein perlte in ein zerborstenes Becken, und die ersten Rosen -glühten aus der grünen Tiefe. Einmal sah sie auch den alten Kemmeter, -wie er mit einem Kännchen von Beet zu Beet ging und dann die Faust -gegen den Wehrgang schüttelte, über dessen Brüstung von Zeit zu Zeit -neugierige Gesichter lugten. Da zog sie sich in das Innere zurück. Sie -hatte gehofft, der alte Ratsherr werde in einem Stündchen schon mit -dem Geliebten daherkommen, damit sie gemeinsam berieten, wie sie zu -ihrer Base in Zell entkommen könne; doch die Stunden zogen sich hin, -und erst gegen Abend erschien der Ratsherr mit der Nachricht, der Herr -Stadtschreiber habe sich bei einem Hexengespräch gegen jede Würde -hinreißen lassen, in einer Weinstube die Hand gegen ein paar Laffen aus -der Freundschaft des Bürgermeisters zu erheben, und liege nun mit einer -Stirnwunde zu Bette. - -„Sie hat den Heldengeist in ihm geweckt,“ scherzte der Alte, und -Babette entgegnete leise, aber fest: „Ich werde noch ganz andere Dinge -in ihm wecken.“ Aber sie zeigte, zum Erstaunen des Ratsherrn, weiter -keine Neugier, Näheres über diese Schlägerei zu erfahren, sondern -fragte nur: „Wann kann ich ihn sehen?“ - -Der Alte versprach, ihren Wunsch zu erfüllen; er habe ihr Versteck noch -nicht verraten; aber er werde den Helden am nächsten Tage lebendig oder -tot herbeischaffen, und Babette, die in dieser Nacht zum erstenmal -wieder traumlos ruhig schlief, erbat sich am nächsten Morgen ein -Nähzeug, um ihr Busentuch auszubessern. Die Jungfer Margret sah ihr -dabei ein Weilchen zu und brachte dann ein paar Waisenhemdchen herbei, -die Babette säumen sollte. Sie hatte sich vorgenommen, dem kecken Ding -gehörig auf die Finger zu gucken; aber wenn Babette die leuchtenden -Augen aufschlug, blieben der alten Jungfer die Scheltworte in der Kehle -stecken, und nur ein Knurren der Abziehenden verriet, daß sie mit sich -selber unzufrieden war. - -Mit sinkender Nacht betrat Friedrich Lerch, den Dreispitz tief auf -die Stutzperücke gedrückt, das Haus des Spitalpflegers. Dieser ließ -sich zuerst des weiten und breiten berichten, was die Frankenthaler -über die verschwundene Hexe hin und her redeten und wem das Fell von -Prügeln juckte; dann ging er hüstelnd in dem Gemach auf und ab, guckte -in ein Schränkchen und schloß es wieder zu, stopfte seine holländische -Pfeife und holte endlich aus dem Keller eine Kanne Wein, aus der -er dem Stadtschreiber fleißig einschenkte. Als er selbst ein paar -Gläser getrunken hatte, fing er an: „Friedrich Lerch, ich hab Seinen -Vater gekannt, und weiß Er, was mir mein guter Freund, der selige -Kammerdirektor Lerch, eines Tages, auf einer Schweinshatz, sagte: ‚Ich -hab sieben Buben, und einen, der ist zu allem unbrauchbar. Nicht einmal -zum Haferschneiden weiß er sich anzuschicken.‘ -- Ich tröstete den -Vater dieses Sorgenbuben und sagte: ‚Laßt ihn lateinisch lernen!‘ Hat -Er’s gelernt? Weiß Er, was Horaz vom Tage sagt? ~Carpe diem!~“ - -Ein bitteres Lächeln umflog den Mund des unbestätigten Kanzlers; -doch der Alte fuhr fort: „Hat Er so an den Kosttischen gelächelt, -die Er in Altdorf ausgefressen? Nichts für ungut: daß Er mit Seinen -Brüdern nicht aus dem Vollen schöpfen konnte, kam daher, daß sich mein -getreuer Freund, Sein seliger Vater, zu früh aus dem Staub gemacht -hat in ein besseres Jenseits. Nicht ohne Grund: denn ich könnte -allerlei Geschichten erzählen, wie man an kleinen Höfen lebt und -seine Leute preßt. Als ich das letztemal bei Seinem Herrn Vater in -Weiningen weilte, gab er mir ein Reskript zu lesen, dessen Wortlaut -ich mir eingeprägt habe. ‚Von Gottes Gnaden, Wir Ulrich Ernst, Fürst -von Weiningen (und das und das und so weiter). Lieber, Getreuer! -Nachdem Unsere Fürstliche Gemahlin Durchlaucht eine Reise ins Bad nach -Pyrmont vorzunehmen gnädigst beschlossen haben, hiezu aber noch ein -Reisezuschuß von 500 Dukaten in Gold unumgänglich erforderlich ist, -also befehlen Wir dir in Gnaden, besagte Summe aus deiner Amtskasse, -in Ermanglung deren aber aus eigenen Mitteln, binnen vierundzwanzig -Stunden, bei Vermeidung der Exekution, herbeizuschaffen.‘ - -Und weiß Er, was Sein Vater tat? Er meldete, daß er aus seinem eigenen -Säckel bereits 150 Gulden in die Hofküche gespendet, worauf ihm ein -Schreiben zukam: ‚Wir u. s. w. Lieber, Getreuer! Nachdem Wir aus -deinem untertänigen Bericht ~de dato hesterno et praesentato hodierno~ -in Gnaden ersehen haben, daß ~Pars prima rescripti nostri~ nicht in -Anwendung zu bringen, also hat es bei ~Pars secunda~ desselben sein -unausbleibliches Bewenden.‘ Das wollte besagen, daß die besagten 500 -Dukaten von dem Kammerdirektor Lerch beschafft werden mußten, und daß -Seine Mutter später mit der Rentkasse im Streit lag, um ihren hungrigen -Buben das Vorgeschossene zu erstreiten. Er weiß auch, daß Sein Vater -längere Zeit gelähmt dalag und nur noch das eine Wort ‚Hundsfötter‘ -hervorbringen konnte. Ich weiß nicht, wen er damit meinte, kann mir’s -aber denken. -- Hundsfötter und Herrgötter gibt einen Reim, womit -ich übrigens keine Blasphemie gegen unsern lieben alten Herrgott und -Seligmacher an den Mann gebracht haben möchte. Doch nun frag ich Ihn: -Was gedenkt Er zu tun?“ - -Friedrich Lerch zuckte die Achseln. - -Doch der Alte fuhr fort, und aus seiner Stimme klang es wie Hohn und -Grimm: „Er ist ein studierter Mann. Weiß Er nicht, daß alle Dinge an -ein Fädchen geknüpft und so miteinander verstrickt und verwoben sind, -daß man kein Mäschlein auflösen kann, ohne ein Löchlein in das Geweb zu -machen? Und daß, wer A sagt, auch B sagen muß? Und daß des Herrgotts -Boten so leis zur Tür hereinkommen, daß wir gar keine Zeit finden, sie -hinauszuwerfen, ehe sie ihre Botschaft an den Mann gebracht haben? Er -ist eine brave, aber furchtsame Seele. Hat Er sich’s schon überlegt, -daß man damit den Weibsen nicht in die Augen sticht?“ - -Friedrich Lerch seufzte. - -„So denkt Er immer noch an die Hexe? Schlag Er sich das Frauenzimmer -aus dem Sinn. Er ist nicht gemacht, um mit Hexen zu leben. Ich rate -Ihm, eine gestandene Jungfer zu nehmen, die eine doppelte Aussteuer in -ihrer Kammer, einen Gültbrief in ihrem Laden und hundert Kronentaler in -ihrem Strumpf versteckt hat. Zwölf Kinder soll Er bekommen, und beim -dreizehnten kann Er mich zum Dot bitten.“ - -„Sie werden sie wieder fangen,“ seufzte der Stadtschreiber, der in -einem fort an Babette dachte. - -„O, la la,“ lachte der Alte. - -„Und ich könnte sie alle an den Galgen bringen, wenn es noch Recht und -Gerechtigkeit gäbe,“ schrie Friedrich Lerch, in dem nun der Wein zu -wirken begann, ganz plötzlich auf. „Ich habe erst einen Blick in die -Vetterleswirtschaft am Ort getan und weiß doch schon, daß sie alle, die -hochmögenden Herren, Taschen mit doppelten Böden haben. Der hat einen -Sohn und jener eine Tochter, die alle meinen, es schmecke kein Kuchen -so süß als der, den sie aus dem Stadtmehl backen. --“ - -Der Ratsherr lachte aus vollem Halse: „Er ist toll. Weiß Er am End -auch schon, daß man am weichsten auf dem Leder geht, das man aus -dem Rücken der anderen schneidet? Hat Er darüber nachgedacht, warum -wir von der gleichen Konfession die gleiche Anzahl Ratsherren, -Pfaffen, Stadtausrufer, Hochzeitansager, Büchsenmacher, Glockengießer, -Apotheker, Ärzte und Scharfrichter haben, warum aber nur ein -Bürgermeister regiert? Hat Er noch nicht bemerkt, daß der katholische -Totengräber seine Leute mit einem anderen Gesicht eingräbt als der -lutherische? Und was will Er machen, wenn Er, wie ich als Armenadvokat, -eines Tages zum Waisenvater und Rentmeister des Waisenhauses zugleich -ernannt wird und in die seltsamste Zwickmühle gerät? Setz Er den -Fall, der Waisenvater -- Er -- befehle dem Rentmeister -- Ihm --, den -unglücklichen Waisenkindern einen Osterkuchen aus Weizenmehl backen zu -lassen, und der Rentmeister weigere sich, Seinem Befehl zu gehorchen, -weil kein Geld in der Kasse ist? Wird Er den Lümmel nicht koramisieren? -Wird Er -- als Waisenvater -- dulden, daß der Rentmeister Ihm auf -ein ungeschriebenes ~Promemoria~ von hundert Seiten keine Antwort -gibt, sondern Ihn vielleicht gar auf die immerwährende Frankenthaler -Kirchweih lädt? Wenn Er in solchen Lagen, wie ich sie zu hundert -Malen durchgemacht habe, nicht zum voraus Bescheid weiß, versteht -Er nichts ~in politicis~, und ich rat Ihm als guter Freund, lieber -heut als morgen eine gut dotierte Stellung in dem Utopien des weiland -Kanzlers Morus zu suchen, nicht aber in einer paritätischen Republik, -deren Verfassung auf dem Westfälischen Frieden gutgeheißen wurde und -dem kaiserlichen Hofrat in Wien auch heut noch zuweilen den heiligen -Amtsschlaf stört. Ich will Ihm, falls Er als Scriba beim Amt zu -bleiben und das Juramentum zu leisten gedenkt, einen guten Rat geben: -Trag Er nur fein immer den Hut in der Hand, wenn Er dem regierenden -Herrn Bürgermeister oder einem hochmögenden Ratsherrn begegnet, und -katzenbuckle Er wie ein Hungerleider, der Schlehen für Pflaumen frißt, -wenn die Not an den Mann geht. Und wenn von der hochmögenden Obrigkeit -die Rede ist, die, wie ich jüngst in einem alten Hexenurteil gelesen, -von Gott eingesetzt und mit scharfem Verstand begabt ist, so sitz Er -mit ehrfürchtigem Gesicht da und laß Er Seine Ohren hängen, wie es die -bockigen Esel tun. Sollte Er zufällig ein Weinglas vor sich stehen -haben, so kann Er trinken; aber Er lasse es nicht merken, daß Er es -vielleicht tut, um Seinen Ärger hinabzuspülen. Vor allem aber mach -Er sich nie mit der Geistlichkeit zu schaffen; denn da wird Er, wie -ich Ihm auf Eid und Treu versichern kann, immer den kürzeren ziehen, -obwohl ich Leute kenne, welche die wohlehrwürdigen, großachtbaren und -hochgelahrten Herren mit und ohne Beffchen zu eigenem Gaudio hie und -da hübsch gezaust haben, hihi. Und wenn Er Geld hat, laß Er es nie -merken, sondern sperre Seine errackerten Kronentaler in einen Strumpf -ohne Loch; denn die Strümpfe sind nicht dazu da, daß man darauf gehe, -sondern daß man sie voller Batzen im Bettstroh verstecke. Und wenn Er, -was nicht immer ein Glück ist, Söhne bekommt, so laß Er sie nicht in -den metaphysischen ~Terris incognitis~ herumvagieren, sondern laß Er -sie wieder Stadtschreiber werden, welches Amt mit Gehalt und Gefällen -seinen Mann redlich und kümmerlich nährt in Ewigkeit. Amen.“ - -„Sie hat keinen Menschen auf der Welt,“ jammerte der Stadtschreiber, -der immer wieder an Babette dachte, weiter. - -„Will Er um eines Weibsbilds willen auf die schönste Stadtschreiberei -in der schönsten Stadt Kleinfrankens verzichten, über deren Rathaustor -die vielsagenden Buchstaben ~S. P. Q. F.~, das heißt ~Senatus -Populusque Frankenthalensis~, eingemeißelt stehen? Weiß Er, wie Hunger -tut, und wie kleine Kinder schreien, wenn sie kein Brot haben? Meint -Er, Verliebte leben von Nektar und Ambrosia? Oder will Er wirklich in -der Welt draußen Seinen gelahrten Mann stellen und sehen, wie Er sich -in den Händeln ein Haus zimmert?“ - -„Den Bettel werf ich ihnen vor die Füße,“ schrie der Kanzler. - -„Weiß Er, daß man an weltlichen Höfen kriechen und an geistlichen ein -Aug zudrücken muß, falls man eine schöne Frau mitbringt?“ - -„Heut noch geh ich aus der Stadt.“ - -„Will Er das wirklich? Nun, vielleicht ist Er der Mann, um an einem -geistlichen Hof besser fortzukommen als in dieser Stadt, von der ihre -Nachbarn seit Methusalems Zeiten absonderliche Schwänke erzählen. -Es heißt, unter dem Krummstab ist gut wohnen, und die hochgeborenen -Domherren in Mainz, Würzburg oder Bamberg haben Leute, die nach dem -Verse ‚~On trouve avec le ciel des accommodements~‘ leben, nicht ungern -um sich. Aber wenn Er solche Pläne in Seinem Cerebro wälzt, so nehm -Er sich auch gefälligst eine gute Lehre von dem Mohren mit, der auf -unserem alten Wachturm dem ganzen heiligen römischen Reich die Zunge -zeigt und den Leuten mit dieser Geste verkündet, was ein Biedermann von -ihnen und der Welt ~sub rosa~ zu denken hat. Aber eh Er Seine Höhle -aufsucht, will ich Ihm noch etwas Hübsches zeigen.“ - -Ehe er sich erhob, blickte Christopher Kemmeter mit gespitztem Mund in -die Kanne, um zu sehen, ob sie leer sei, und dann nahm er den wild -dreinblickenden Kanzler am Arm, führte ihn eine knarrende Holztreppe -hinauf und stieß ihn in eine Gerümpelkammer, wo Babette blaß und gefaßt -bei einer geschnäbelten Öllampe am Tische saß und ein Waisenhemdlein -säumte. Sie wollte aufflammen, als Friedrich Lerch stolpernd eintrat; -als sie aber sein gedrücktes Wesen bemerkte, warf sie sich in seine -Arme und brach in herzzerreißendes Weinen aus. Er streichelte ihr -zärtlich die blassen abgemagerten Backen; aber er wagte noch lange kein -Wort zu reden, bis sie endlich tief aufseufzte und fragte: „Was soll -nun werden?“ - -Da erwachte der Mann in Friedrich Lerch, und er besaß mit einem Male -eine Menge von Talenten und Schlichen, mit deren Hilfe er es zu einem -schönen Ämtchen in einem der zahllosen Ländchen des Gaus zu bringen -gedachte. Er tat, als ob er zeit seines Lebens nur mit Domherren, -Kammerdirektoren, Rentmeistern und Sekretären Umgang gepflogen hätte, -und ließ sein Rößlein immer wilder steigen. Babette hörte ernsthaft -zu; als er aber mit dem Auskramen seiner Pläne fertig war und wieder -in seine alte Mutlosigkeit zurücksinken wollte, gab sie ihm einen -zärtlichen Rippenstoß, und als er ihre schimmernden Augen gewahrte, -empfand er die tröstliche Gewißheit, daß die alte Babette noch lebe, -und glückselig schloß er die Erglühende zum erstenmal in seinem Leben -in die Arme. - -So saßen sie eine Weile wortlos da, bis die wie ein Vögelein sich -duckende Babette sich plötzlich losmachte und fragte: „Wenn ich nun -aber doch ein Hexle wär?“ Und als Friedrich Lerch leise lachte, verzog -sie schmollend ihr blühendes Mündchen und seufzte: „Ach ja, das kommt -davon!“ - -Die Wahl des Friedrich Lerch zum Stadtschreiber wurde von den -hochmögenden Regierenden in Frankenthal nicht bestätigt. Die -Evangelischen setzten es durch, daß, nach altem Recht und Brauch, -einer der Ihrigen an die Stelle kam, und zu ihrem Erstaunen erhob der -Spitalpfleger Christopher Kemmeter keine Einsprache. Er wurde überhaupt -in diesen Tagen selten in der Stadt und im Rat gesehen, und wenn Gaffer -kamen, um nach ihm zu sehen, erzählte er ihnen des langen und breiten, -daß sein guter Freund, der Abt von Fulda, drei Fässer Zypernwein bei -ihm bestellt habe, die er in nächster Zeit zu liefern gedenke. Wenn die -Rede auf die verschwundene Hexe kam, spielte er den Schwerhörigen, und -wenn ihm einer auf den Kopf zusagte, daß er bei dem Handel die Hand -im Spiele habe, brummte er, ihm tue nur leid, daß die Gerichtsherren -um ihr dreitägig Fasten gekommen seien. Er wußte, daß die Anhänger -des Bürgermeisters sein Haus umschlichen und auch draußen, vor den -Mauern, ihre Späher hatten; allein die Späher fanden es doch in der -Ordnung, daß eine Woche nach dem Verschwinden Babettes ein Wagen mit -drei Fässern vor dem Keller des Ratsherrn hielt, und kein Mensch ahnte, -daß Babette unter dem mittleren, das keinen Boden hatte, saß und mit -angstvollen Ohren dem Spiel des Postillions lauschte, der eine fromme -Weise blies, als er langsam aus dem Falkentore fuhr. -- - -Friedrich Lerch selbst war eines Tages ohne Sang und Klang aus der -Stadt verschwunden, und ein Gerücht wollte bald darauf wissen, er sei -mit der Hexe Babette Glock in Bischofsheim gesehen worden. - -Der Ratsherr Christoph Kemmeter erbot sich daraufhin, bei dem -kurmainzischen Oberamtmann, dem Herrn Hans Rüdt von Collenberg, Klage -zu erheben, falls das Gerücht von dem sündhaften Hexenschutz auf -Wahrheit beruhen sollte. Als er in einem alten Roquelaure, der seit -zwanzig Jahren unbenützt im Schranke hing und da und dort Mottenlöcher -sehen ließ, in den Postwagen steigen wollte, hörte er, daß zwei -Wäscherinnen im Nachbarsgarten die Hexe Babette Glock gesehen haben -wollten, wie sie, mit fliegendem Haar und auf einem Besenstiel reitend, -dreimal um den Türmersturm geflogen sei und dem zungenreckenden Mohren -ihr spitzes Zünglein gezeigt habe. Die beiden Gevatterinnen schwuren -hoch und teuer, daß ihnen das Luder nicht mehr entwischen werde, wenn -sie sie wieder fangen würden. Der Herr Spitalpfleger ließ sich die -Geschichte zweimal erzählen und bemerkte dann, die Nürnberger hätten -noch nie eine Hexe verbrannt, ohne sie zu haben, und so riet er auch -den beiden Gevatterinnen, doch ja den Rat dafür zu stimmen, daß dieser -löbliche Rechtsbrauch der Nürnberger nicht in Verfall gerate. - -In der alten Tauberstadt ging er erst seinen Weingeschäften nach und -ließ sich dann bei dem Junker Emmerich melden, den er in dem schmalen -Schloßgarten zwischen zwei geputzten Frauenzimmern auf und ab wandelnd -fand: es waren die junge Freifrau Ottilie und Babette, die nun ganz -französisch ausstaffiert war und ein bemaltes Fächerchen in der Hand -trug, an der ein goldenes Ringlein glänzte. Sie lief leichtfüßig auf -den alten Ratsherrn zu, gab ihm einen Kuß und flüsterte ihm ins Ohr: -„Wir halten übermorgen Hochzeit. Und dann will ich _ihn_ ziehen.“ -Und dann floh sie wieder zu ihrer neuen Freundin und faßte sie, wie -Zuflucht suchend, am Arm, während der Junker seine Fahrt an den Hof zu -Mainz erzählte und dem Gast den beklagten Gebetsstuhl der Familie von -Collenberg zur Verfügung stellte. -- - -Da in diesem Augenblicke Friedrich Lerch aus der Rentstube daherkam, -um seinen Gönner zu begrüßen, benützte dieser die Gelegenheit zu einem -Scherze; er rief: „Er kommt gelegen. Er kennt doch die Geschichte von -dem Gebetsstuhl, den mir der Herr Baron soeben zum Gebrauch für eine -Hochzeit angeboten? So sag Er mir doch, welchen Bescheid Er hätte -ergehen lassen, wenn Er Geheimer Rat des durchlauchtigsten Erzkanzlers -gewesen wär.“ - -Friedrich Lerch sah Babette an und entgegnete nach einer Weile: „Wir -Johann Karl Friedrich von Gottes Gnaden, des Heiligen Römischen Reiches -durch Germanien Erzkanzler und Kurfürst etc. fügen Unserm lieben -getreuen Amtmann zu wissen, daß der beklagte Gebetsstuhl in Unserer -Pfarrkirche zu Bischofsheim an seinem Platz zu bleiben hat; aber Wir -geben ihm den wohlmeinenden Rat, den Vorhang offen zu halten, wenn -der Herr Dekan predigt oder das Hochamt zelebriert, und die beklagte -Schließung des Vorhangs, die Wir seiner christlichen Demut zugute -halten wollen, für die Predigten und stillen Messen der Vikare und -Kapläne zu versparen --“ - -Der Ratsherr lachte: „Er hat etwas gelernt! Er wird Sein Glück an einem -Hof machen.“ - -Doch da mischte sich Babette ins Gespräch: „Und wie haben wir uns im -Betstuhl zu verhalten?“ - -Der Frankenthaler Ratsherr entgegnete: „Die Jungfer wird nie das -Gelüsten haben, den Vorhang zuzuziehen; denn die Frauenzimmer wollen -auch beim Beten gesehen werden.“ - -Babette knickste und ergriff die Hand ihres Liebsten, um mit der -Gesellschaft den Gang in die Kirche anzutreten, wo der Betstuhl in -seiner funkelnagelneuen Pracht mitten in dem Hauptgang vor dem Chore -stand. -- - -Christopher Kemmeter kam erst nach einer vollen Woche mit einem -Hochzeitssträußchen an seinem Roquelaure und einem verschmitzten -Gesicht heim. Er sprach zuerst bei der Margret Hippler vor, die wie -sonst mit friedlichem Gesicht an ihrem Spinnrad saß, und erzählte dann -in der Trinkstube und im Geheimen Rat, daß er in der Stadt der heiligen -Lioba zwar auch einen festen, runden Hexenturm, aber keine Hexe darin -gefunden habe, da die Hexen im Taubergrunde gründlich ausgestorben -seien. - -Friedrich Lerch half dem kurmainzischen Amtmann Collenberg eine -Zeitlang bei dessen Amtsgeschäften, und später, als der Graf Stadion -den Junker Emmerich als Rat des Erzkanzlers nach Mainz zog, begleitete -er den jungen Herrn an den kurfürstlichen Hof, wo er selbst bald darauf -eine Stellung als Geheimschreiber fand und durch Josef II. in den -Adelsstand erhoben wurde. Babette Glock schenkte ihm ein einziges -Töchterchen, das sich im Blütenalter von sechzehn Jahren mit dem -Hauptmann Ignaz von Schreckenbach vermählte und sieben Söhne zur Welt -brachte, die nach Wien gerieten und da in kaiserliche Dienste traten. -Sie hatten alle sieben das Gemüt ihrer Großmutter geerbt, und wenn es -heute unter den vielgepriesenen Wienerinnen noch viele heimliche Hexen -gibt, so ist diese Wesenheit gewiß zu einem kleinen Teil auf das Blut -der letzten Frankenthaler Hexe zurückzuführen. - - - - - Im Insel-Verlag zu Leipzig - - erschienen von - - Wilhelm Weigand - - - - - Die Frankenthaler. Roman. 11.-15. Tausend. - - Der Ring. Ein Novellenkreis. - - Wendelins Heimkehr. Eine Erzählung aus der Fremdenlegion. - (Insel-Bücherei Nr. 167.) - - Der verschlossene Garten. Gedichte aus den Jahren 1901-1909. - - Könige. Ein Schauspiel in fünf Akten. - - Psyches Erwachen. Ein Schauspiel in drei Akten. - - Stendhal und Balzac. Essays. - - -Druck von Ernst Hedrich Nachf., G. m. b. H., Leipzig - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE HEXE *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. 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