diff options
Diffstat (limited to 'old/69359-0.txt')
| -rw-r--r-- | old/69359-0.txt | 3500 |
1 files changed, 0 insertions, 3500 deletions
diff --git a/old/69359-0.txt b/old/69359-0.txt deleted file mode 100644 index dc97937..0000000 --- a/old/69359-0.txt +++ /dev/null @@ -1,3500 +0,0 @@ -The Project Gutenberg eBook of Landesverein Sächsischer Heimatschutz --- Mitteilungen Band XI, Heft 10-12, by Landesverein Sächsischer -Heimatschutz - -This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and -most other parts of the world at no cost and with almost no restrictions -whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms -of the Project Gutenberg License included with this eBook or online at -www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you -will have to check the laws of the country where you are located before -using this eBook. - -Title: Landesverein Sächsischer Heimatschutz -- Mitteilungen Band XI, - Heft 10-12 - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - -Author: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Release Date: November 15, 2022 [eBook #69359] - -Language: German - -Produced by: The Online Distributed Proofreading Team at - https://www.pgdp.net - -*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 10-12 *** - - - - - - Anmerkungen zur Transkription - - - Das Original ist in Fraktur gesetzt. Im Original - unterstrichener oder gesperrter Text ist _so ausgezeichnet_. - Im Original in Antiqua gesetzter Text ist ~so markiert~. Im - Original fetter Text ist =so dargestellt=. - - Weitere Anmerkungen zur Transkription befinden sich am Ende des - Buches. - - - - - Landesverein Sächsischer - Heimatschutz - Dresden - - Mitteilungen - Heft - 10 bis 12 - - Monatsschrift für Heimatschutz und Denkmalpflege - - Band XI - - _Inhalt_: Weihnachtsspiele der Sächsischen Oberlausitz – - Wiedersberg – Zur Geschichte des Jägerhofes zu Dresden – - Das obere sächsische Erzgebirge – Die Schlösser im Walde, - Moritzburg und Fasanenschlößchen – Ludwig Richters - Weihnachtskunst – Edgar Hahnewald: Sächsische Landschaften – - Jagdschloß Rehefeld – Eine wiedergefundene alte Postmeilensäule – - Das Kamenzer Forstfest – Postmeilensäulen – Karl Schmidt † - - Einzelpreis dieses Heftes M. 200.–, Bezugspreis für einen Band - (aus 12 Nummern bestehend) M. 200.–, für Behörden und Büchereien - M. 100.–. Mitglieder erhalten die Mitteilungen kostenlos, - _Mindest_jahresbeitrag M. 100.–, freiwillige Einschätzung - erbeten - - Geschäftsstelle: Dresden-A., Schießgasse 24 - - Postscheckkonto: Leipzig 13987, Dresden 15835 - Stadtgirokrasse Dresden 610 - - Dresden 1922 - - - - -Dank und Bitte an unsre werten Mitglieder! - - -Ein Jahr nähert sich dem Ende, das in seiner zweiten Hälfte eine -Teuerung brachte, die jede und alle Berechnung unmöglich machte. Wenn -wir trotzdem bis hierher durchkamen und dieses stattliche letzte -diesjährige Heft unsrer Mitteilungen in uneingeschränktem Umfang, in -alter Ausstattung – wie früher – herausgeben konnten, so zeugt dies von -der Festigkeit der wirtschaftlichen Lage unsres Vereins, von unserm -unbeugsamen Willen »Durchzuhalten«. Tausende von Zuschriften mit -diesem Wort und reichen Geldspenden haben uns dazu ermuntert und dies -ermöglicht. Wir konnten nicht jedem einzelnen danken – und das lag auch -nicht in der Absicht unsrer Spender –, den Dank unseres Vereins statten -wir durch das weitere Erscheinen der grünen Hefte, durch unsre weitere -Tätigkeit ab. Und dazu bitten wir erneut – was eigentlich in dieser -schweren Zeit selbstverständlich ist – um die Hilfe, die Unterstützung -aller unsrer Mitglieder. Wenn wir den diesjährigen Jahresbeitrag -rückwirkend auf mindestens 100 M. erhöhen müssen, so bedeutet diese -Summe bei der heutigen Teuerung ein so kleines Entgelt bei dem vielen, -das wir bieten, daß wir, um bestehen zu können, auf erneute freiwillige -Beiträge von allen denen, die dazu _irgendwie_ in der Lage sind, direkt -angewiesen sind. Das Postgeld jedes Heftes kostet uns heute schon -12 M., ab 15. Dezember 24 M. Würden wir die alljährlichen Gesamtkosten -unsrer Mitteilungen auf die Zahl unsrer Mitglieder umlegen, so müßten -wir einen Jahresbeitrag von 300 M. fordern. Das wollen und können wir -nicht, weil wir sonst die vielen wirtschaftlich schwachen Mitglieder, -Rentner, Schüler, Schülerinnen und viele andere verlieren würden, und -warum sollen wir so vielen unsrer Volksgenossen die Zugehörigkeit zu -ihrem Heimatverein unmöglich machen, zu einem Verein der ihnen das -letzte, was wir besitzen, die Heimat erst lieb und wert macht. - -Bei der Bemessung eines freiwilligen Weihnachtsbeitrages für uns, der -zur Beschaffung des Papiers für unsre nächstjährigen Mitteilungen -verwendet werden soll, bitten wir an die heutigen Kosten der -illustrierten Zeitschriften und der Tageszeitungen zu denken, um einen -Maßstab für unsre Leistungsfähigkeit zu erhalten. Von der Höhe der -eingehenden Beträge wird das weitere Erscheinen unsrer Mitteilungen -wesentlich abhängen. Wir bitten daher herzlich, uns im schweren Kampf -ums Dasein auch weiter zu helfen und dadurch die größte sächsische -Kulturbewegung lebensfähig zu erhalten zur eigenen Freude. - -=Mögen alle bedenken, daß bei uns eine Arbeit geleistet wird, wo uns -kein politischer Trennungsgraben zerklüftet, auf der uns und unsren -Nachfahren eine verjüngende Freude an Heimat und Vaterland erwachsen -wird.= - - =Weihnachten 1922.= - - =Landesverein Sächsischer Heimatschutz= - - =Dresden-A., Schießgasse.= - - - - - Band XI, Heft 10/12 1922 - -[Illustration: Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden] - -Die Mitteilungen des Vereins werden in Bänden zu 12 Nummern -herausgegeben - -Abgeschlossen am 1. November 1922 - - - - -Weihnachtsspiele der Sächsischen Oberlausitz - -Von _Friedrich Sieber_, Crostau bei Schirgiswalde - - -Ich weiß noch, wie freudig erregt wir Chorjungen eines kleinen Dorfes -der Südlausitz am ersten Adventsonntag auf unsren Chorplätzen saßen, -wie wir mit hellen Stimmen der festlichen Gemeinde das strahlende -Lied entgegenjubelten: »Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit, es -kommt der Herr der Herrlichkeit!« Lag doch das Totenfest mit seinen -Novembernebeln und düstern Melodien hinter uns, war doch endlich die -gleichförmige Zeit der festlosen Trinitatissonntage vorüber! Nun war -die Zeit wieder ahnungsreich geworden. Schnee und Weihnachten dufteten -von ferne. Und am Abende kamen die ersten Boten des hellen Festes: das -Christkind mit seiner wunder- und schauerreichen Begleitung zog durch -das dunkle, schweigende Dorf ... - -Weihnachtsspiele sind bis zur Gegenwart in vielen Ortschaften der -Oberlausitz lebendig geblieben. Aber von Jahr zu Jahr werden die -Aufführungen seltner. Die Kinder spielen die Stücke für sich als -Kinderspiel. Dadurch werden Texte und Melodien immer entstellter. Oft -flattern nur noch schwerverständliche Bruchstücke durch die Köpfe. Und -doch lassen die Trümmer des noch Vorhandenen deutlich erkennen, daß in -unsrer Heimat die Überlieferung einst so üppig und breit strömte, wie -etwa in Schlesien. (Vergleiche das erschöpfende Werk Friedrich Vogts: -Die schlesischen Weihnachtsspiele, Teubner 1901.) Die Oberlausitzer -Weihnachtsspiele zerfallen ihrem Stoffcharakter nach in drei Gruppen: -Adventspiele, Christgeburtspiele, Herodesspiele. Innerhalb der -Oberlausitz bestehen in der Spielüberlieferung augenscheinliche -landschaftliche Besonderheiten. In der nördlichen Lausitz ist -die Überlieferung offenbar treuer und reichhaltiger. Vielleicht -ist dies durch die überwiegend landwirtschaftliche Bevölkerung -bedingt, vielleicht auch durch den Einfluß wendischen Volkstums, das -volkstümlichen Überlieferungen ausgeprägt konservativ gegenüberzustehen -pflegt. - -In der Südlausitz ist das kurze Adventspiel, aus drei oder vier -Personen bestehend, gebräuchlich. Zu dieser Art gehört auch das von -Kruschwitz in den »Bunten Bildern aus dem Sachsenlande« mitgeteilte -Spiel vom Eigenschen Kreise. Engel, Christkind, Ruprecht treten -nacheinander auf. Der Engel übernimmt die Rolle des Ankündigers, -des Anklägers der Kinder, und als das Christkind daraufhin Ernst -macht, mit seinen Gaben zurückzuhalten, die Rolle des erfolgreichen -Verteidigers. Das Christkind, von einem Mädchen gespielt, ist milde, -sanfte Schenkerin. Der Ruprecht spielt die eigentlich pädagogische -Rolle. Das Ziel seines Auftretens ist Einschüchterung, die als erste -Stufe zur Besserung betrachtet wird. Worte und Gebaren sind aber mit -so reichlicher Plumpheit und gewollter Komik verbunden, daß er nur -bei den ganz Kleinen seinen Zweck erreicht, für die Größeren wird er -zur lustigen Figur, die allerdings noch mit einem angenehmen Gruseln -umwoben ist. Die drei immer wiederkehrenden Forderungen, die Ruprecht -den Kindern auferlegt und worüber er sie examiniert, sind: Ihr sollt -fleißig beten! Ihr sollt fleißig in der Schule sein! Ihr sollt den -Eltern gehorchen! - -In der Zittauer Gegend wird das Spiel durch die Einführung des Petrus -erweitert. (Vergleiche die von Paul Stöbe in der »Oberlausitzer -Heimatzeitung« Nummer 7, 1919, mitgeteilten Zittauer Weihnachtsspiele.) -Aber die Gestalt des Petrus ist in der Südlausitz ziemlich -charakterlos. Er kommt über seine Selbstvorstellung als gewissenhafter, -strenger Schließer des Himmels nicht hinaus. Sowohl die Spiele mit -drei als auch mit vier Personen sind ihrer Art nach nahe verwandt -mit denen, die Friedrich Vogt im Riesengebirge sammelte und sammeln -ließ (Agnetendorf, Schreiberhau, Warmbrunn, Liebau). Es finden sich -zahlreiche, wörtlich übereinstimmende Versgruppen, zum Beispiel die -Einführungsworte des Ruprecht: - - Flietz, Flatz, Fladerwiesch, - Drauß’n is mer’sch goar ze friesch, - War mich a de Stube mach’n - Und ’n Kinnern vertreib’n ’s Lach’n. - -Oberlausitzer Spiele, die mit den bei Vogt aufgeführten völlig -übereinstimmten, wenn auch nur in ihrem Aufbau, habe ich nicht -gefunden. Aber nicht nur die Texte weichen voneinander ab; große -Teile der Spiele werden psalmodierend gesungen oder im Sprechgesang -vorgetragen. Melodie sowohl als Sprechgesang sind in der Oberlausitz -den schlesischen Spielen gegenüber oft von eigenartiger selbständiger -Prägung. Die melodische Grundfigur des kurzen Südlausitzer Spiels -klingt folgendermaßen. Der Engel als Spieleröffner singt im -Sprechgesang: - - Gut’n Ab’nd, gut’n Ab’nd zu dieser Frist, - hierher schickt mich der heil’ge Christ; - ich sollte frag’n in der Gemein, - ob fromme Kinder drinne sein. - Ruprecht, Ruprecht komm herein. - -[Music: - - Gut’n Ab’nd, gut’n Ab’nd zu dieser Frist, hierher schickt mich der - heil’ge Christ; ich sollte frag’n in der Gemein, ob - fromme Kinder drinne sein. Ruprecht, Ruprecht komm herein. -] - -In der Nordlausitz ist das Adventspiel mit dem Christgeburtspiele -zu einer innigen Einheit verschmolzen. In der Südlausitz ist mir -keine Überlieferung des Christgeburtspiels zu Gesicht oder zu Gehör -gekommen, trotzdem Zittau wegen seiner ausgelassenen Christaufführungen -berühmt und berüchtigt war. Bestand doch hier um 1700 unter der -Handwerkerschaft sogar ein »Heiliger Christrat«, der die Spiele -in Szene setzte. Das Adventspiel der Nordlausitz weist einige -Besonderheiten auf. Spielankündiger ist das Schäfermädchen. Es tritt -im Dirndlkleid auf, mit einem Hirtenstab, einem Schäfchen und einer -Klingel in den Händen. Es rezitiert im Sprechgesang: - - Guten Abend, guten Abend, ich komm herein geschritten - Und möchte Frau Wirtin bitten, - Ob sie uns wolle vergönn’n - Ein Liedelein zu sing’n. - Maria und Joseph kommt auch herein - Mit euerm kleinen Jesulein. - -[Music: - - Guten Abend, guten Abend, ich komm herein geschritten - und möchte Frau Wirtin bitten, ob sie uns wolle vergönn’n - ein Liedelein zu sing’n. Maria und Joseph kommt - auch herein mit euerm kleinen Jesulein. -] - -Diese eigenartige Spieleröffnerin hat das Nordlausitzer Adventspiel -gemeinsam mit einem Spiele aus der Reichenberger Gegend. Während -des Spiels bleibt das Schäfermädchen geradezu die Spielleiterin. Es -ruft alle erforderlichen Personen mit Klingelzeichen herein. Das -Schäfermädchen hat den Engel aus seiner Rolle verdrängt. Damit ist eine -durchaus volkstümliche, tief im Heimatleben wurzelnde Gestalt in das -Spiel eingedrungen, war doch die Schäferei an den Sudetenhängen und im -Vorlande der Sudeten ein wichtiger Erwerbszweig der Bewohner. In diesem -Zusammenhang ist auch der von Stöbe (a. a. O.) mitgeteilte Hirtenspruch -zu erwähnen: - - O Frede, über Frede, - Ihr Nubbern kummt und hirt, - Wos jetzt ei unsrer Hede - Fer Wunnerding possiert. - Do koam dohar a Ängel - Zu huher Mitternacht, - Ha sung wuhl a Gesängel, - Doaß ’s Harz an Leibe lacht. - -Der Spruch wurde 1753 erstmalig gedruckt und gehört dem kurzen Spiel -»Vom guten Hirten« an, das in das Christgeburtspiel aufging. Das zur -Einheit verschmolzne Nordlausitzer Advent- und Christgeburtspiel ist -verhältnismäßig personenreich. Nach dem Schäfermädchen treten Maria -und Joseph auf, Maria im langen Rock, das Gesicht mit weißem Tuche -verhangen, Joseph in langen schwarzen Hosen, Hemdärmeln, Schnurrbart, -Halbzylinder, Stock, Quirl, Töpfchen in der einen Hand; in der andern -trägt er mit Maria die Wiege, in der das Jesulein als Puppe liegt. Die -Melodie ihres Eingangsliedes klingt an alte kirchliche Tonarten an: - - Guten Abend, guten Abend, wir geben euch Gott, - Wir komm’n zu euch ohn allen Spott. - Habt ihr auch kleine Kinderlein, - Die Vater und Mutter nicht gehorsam sein, - So woll’n wir rufen Knecht Ruprecht herein, - Der soll sie tragen zur Höllenpein. - -[Music: - - Gut’n Ab’nd, gut’n Ab’nd, wir geb’n euch Gott, wir komm’n zu euch - ohn allen - Spott; habt ihr auch kleine Kinderlein, die Vat’r und Mutt’r nicht - gehorsam - sein, so woll’n wir ruf’n Knecht Ruprecht rein, der soll sie trag’n - zur Höllenpein. -] - -In dieser letzten Drohung ist noch der düstre Teufelscharakter -Ruprechts angedeutet. Noch in den gelehrten Weihnachtsspielen des -siebzehnten Jahrhunderts erscheint Ruprecht als eine Art Teufel, der -dem heiligen Christ die Seelen der Kinder abspenstig machen will. -Nun wird vom Schäfermädchen das Christkind hereingerufen. Es trägt -ein weißes Kleid mit Sternen übersät, Stern auf dem Kopfe, Flügel, -geschmücktes Christbäumchen in der Hand. Mit dem Auftreten des -großen Christkindes neben dem kleinen ist das Volk einer beliebten -Darstellungseigentümlichkeit treu geblieben. Es liebt es, eine Person -in einer großen und einer kleinen Ausgabe vor Augen zu stellen und -findet darin nicht den geringsten Widerspruch. Dem Christkind folgt der -Engel Gabriel, dessen Tätigkeit infolge seiner Verdrängung durch das -Schäfermädchen nur darin besteht, zwei Strophen des »Vom Himmel hoch« -zu singen. Eine scharf ausgeprägte Persönlichkeit ist Petrus. Er ist -der heilige, leidenschaftliche Eiferer. Er trägt Vollbart, eine Krone -auf dem Haupte, Zepter und Schlüssel in der Hand: - - Petrus, Petrus bin ich genannt, - Das Zepter hab’ ich in meiner rechten Hand, - Die Schlüssel hab’ ich alle hier, - Damit ich aufschließen kann die Himmelstür. - Die Kinder, wenn sie aus der Schule gehn, - Auf allen Gassen bleiben sie stehn, - Die Bücher zerreißen sie, - Blätter in alle Winkel schmeißen sie, - Ranzen rumschmeißen sie, - Ja solchen Unfug treiben sie. - Christkind, Christkind, wenn ich so wär’ wie du, - Mit Ruten und Peitschen hieb ich zu. - -Während alle Personen in mehr oder weniger reinem Hochdeutsch sprechen, -dröhnt Ruprecht in derbster Mundart herein: - - Holler, woller, kumm ich rei gewollert, - Hoa an gruß’n Zipplsak, - Sibmsibzsch Kinner sein schun drinne, - Die anern, die ne fulg’n, kumm olle no rei, - Doas sull ane Strofe sein. - Hätt’ mich de Mutt’r gewosch’n mit ’n Schwomm, - Wär ’ch weiß wie a Lomm, - Su hut se mich gewosch’n mit ’n Ufnlopp’n, - Do bi ’ch schworz wie a Ropp’n. - -Besonders lehrreich ist das letzte vierreihige rhythmische Gefüge. -Es ist aus dem Dreikönigsspiel (der erste Teil des Herodesspiels) -hierher verweht worden und wird ursprünglich vom Mohrenkönig -gesprochen. Wir gewinnen hier einen tiefen Einblick in die Art und -Weise, wie die Spiele gestaltet werden. Um typische Persönlichkeiten -hat sich ein verwirrender Reichtum sprachlicher Formen gelagert, -die ihr Wesen ausdrücken. Die Hauptsorge der Überlieferung besteht -nicht darin, die Sprachformen getreu zu erhalten, sondern die -typischen Persönlichkeitscharaktere unverfälscht zu bewahren. So -herrscht in der Aneinanderreihung der Wortformen ziemliche Willkür. -Zahlreiche Abweichungen und Lesarten entstehen. Wir werden an die -Form der italienischen Stegreifkomödie (~comoedia dell’ arte~) -erinnert. In dem oben erwähnten Falle findet eine Annäherung zweier -Persönlichkeitssphären statt. Komik hier – Komik da: die Wortform -springt von der einen Sphäre in die andre über. - -Nach dem Auftreten des Ruprecht zieht singend der Engelchor ein. Das -Adventspiel bricht ab, das Christgeburtspiel beginnt. Gemessen an -der, an dieser Stelle besonders breiten schlesischen Überlieferung, -sind die in der Nordlausitz noch lebendigen Reste dürftig zu nennen. -Es fehlt die Herbergsuche, die Erscheinung der Engel, das zögernde, -bäurisch-komische Aufbrechen der Hirten, die Hirtenanbetung, die -Beschenkung des Kindes, die Reue des Wirtes. Es hat sich erhalten der -wertvollste lyrische Kern des Stückes: das Kindelwiegen. Die Szene ist -von außerordentlicher Zartheit und Innigkeit. Sie geht zurück auf ein -hessisches Weihnachtsspiel des fünfzehnten Jahrhunderts. Die älteste -Form des Zwiegesanges zwischen Maria und Joseph ist uns in einer -Leipziger Aufzeichnung vom Jahre 1305 erhalten. - -Maria (singt): - - Joseph, liber neve myn, - hilff mir wiegen daß kindelin, - das got dyn lôner muße syn - im hymmelrich, der meyde sone Maria. - -Joseph: - - Gerne, libe mume myn, - helff ich dir wiegen dyn kindelin, - das got muß myn lôner syn - im hymmelrich, der meyde son Maria. - -Das Lied wurde im Gottesdienst von Knaben und Mädchen gesungen, die den -Reihen um die Krippe schlangen, die am Altarplatz stand. Die gemessenen -Bewegungen wurden von Hymnen begleitet. Das Kindelwiegen hat in der -nördlichen Lausitz folgende Form angenommen: - -[Music: - -Maria: - - Joseph, lieber Joseph mein, hilf mir wiegen das Kindlein ein. - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, hilf mir wiegen das - Kindlein ein. - -Chor der Darsteller wiederholt: - -Nani, nani, nein, trust, trust, trein, hilf mir wiegen das Kindlein -ein.] - -Maria (singt): - - Joseph, lieber Joseph mein, - Hilf mir wiegen das Kindlein ein. - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, - Hilf mir wiegen das Kindlein ein. - -Joseph (spricht): - - Wie kann ich denn das Kindel wiegen, - Kann selber men’ krumm’n Buckel ne biegen. - -Chor der Darsteller wiederholt: - - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, - Kann selber men’ krumm’n Buckel ne biegen. - -In dieser Art wiederholt der Chor während der ganzen Szene, was der -Chorführer vorsingt oder spricht. - -Maria (singt): - - Joseph zieh dein Hemde aus, - Mach dem Kind zwei Windlein draus. - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, - Mach dem Kind zwei Windlein draus. - -Joseph (singt): - - Wie kann ich denn mein Hemd ausziehn, - Kann mit dem Buckel ne nackicht giehn. - -Maria (singt): - - Joseph, lieber Joseph mein, - Koch dem Kind ein Breielein. - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, - Koch dem Kind ein Breielein. - -Joseph (bückt sich und quirlt). - -Schäfermädchen (singt): - - Maria breit dein Schürztuch aus, - Schenk dem Kind Gold, Weihrauch draus. - Nani, nani, nein, trust, trust, trein, - Schenk dem Kind Gold, Weihrauch draus. - -Maria (tut es). - -Die Lausitzer Form des Kindelwiegens zeigt allen schlesischen Lesarten -gegenüber folgende Eigentümlichkeiten auf: es fehlt in Schlesien die -Aufforderung zum Breikochen, die Aufforderung des Schäfermädchens an -Maria, es fehlt der immer wiederkehrende Wiegengesang nani, nani, -nein, der vielleicht einen Rest hymnischer Gesänge darstellt; die -Melodie ist durchaus selbständig, auch der von Bernhard Schneider in -seiner wertvollen Sammlung mitgeteilten gegenüber (»Lied und Spiel -zum Preise des Christkinds«. A. Huhle, 1913, Heft 5). Der allgemeine -Abschiedsgesang aller Darsteller, der im Anfang an die bei Vogt -mitgeteilte Schreiberhauer Lesart erinnert, schließt das Spiel ab: - - Ade, wir müssen scheiden, - Wir müssen weiter ziehn, - Die Zeit will uns nicht reichen, - Wir müssen zum Himmel einziehn. - - Ade, wir könn’n nicht länger warten, - Wir müssen gehn zum Himmelsgarten, - Ade, wir könn’n nicht länger stehn, - Wir müssen zum Himmel eingehn. - - Und hab’n wir auch das Liedel nicht recht gemacht, - So wünschen wir euch eine gute Nacht. - -[Music: - - Ade, wir müssen scheiden, wir müssen weiter ziehn; die - Zeit will uns nicht reichen, wir müssen zum Himmel einziehn. - Ade, wir könn’n nicht länger warten, wir müssen gehn zum - Himmelsgarten. - Ade, wir könn’n nicht länger stehn, wir - müssen zum Himmel eingehn. Und hab’n wir euch das Liedel nicht - recht gemacht, - so wünschen wir euch eine gute Nacht. -] - -Die dritte Gruppe der Weihnachtsspiele bilden die Herodesspiele. Für -sie fließt meiner Erfahrung nach die Überlieferung in der Oberlausitz -am spärlichsten. Bekannt geworden ist das von Professor ~Dr.~ Curt -Müller im Schulprogramm der Realschule zu Löbau (1900) bearbeitete -Markersdorfer Herodesspiel. Eine nah verwandte, bruchstückartige -Fassung habe ich in Crostau vorgefunden. Das Oberlausitzer Spiel -gehört zu dem Typus, der auf Hans Sachs zurückzuführen ist. Nach einem -kurzen Vorspruch des ersten Weisen hört Herodes ein Geräusch. In -schlesischen Lesarten klopft es, oder Trompeten werden geblasen, oder -ein fürchterlicher Knall erdröhnt. - -Bei uns spricht Herodes: - - Was hör’ ich denn jetzt für ein Singen! - Wer will mich um die Krone bringen? - -Der Marschall (Diener) holt die drei Könige, die Urheber des -Geräusches, herbei. Herodes erkundet Zweck und Ziel der Reise. Jüdische -Schriftgelehrte werden um Rat gefragt. Die Weisen brechen von Herodes -auf. Nun fehlen im Oberlausitzer Spiel wichtige Stücke: die Anbetung -in Bethlehem, die Engelsbotschaft. Dargestellt ist wieder, wie die -Weisen erwachen, ihren Traum austauschen und beschließen, auf andern -Wegen heimwärts zu ziehen. Am Hofe des Herodes herrscht Unruhe über -das Ausbleiben der Weisen. Herodes gibt dem Marschall den Befehl zum -Kindermord. Der Marschall meldet den Vollzug des Befehls. Der Tod -tritt zu Herodes mit der Sense (nicht mit dem Pfeil) und nimmt ihn in -vergeltender Gerechtigkeit mit in sein Totenhaus. - -Es ist nicht verwunderlich, daß die Überlieferung für das Herodesspiel -spärlicher fließt. Der Stoff ist starr und spröde und widersetzt -sich der ästhetischen Verzauberung. Die Form ist in weiten Teilen -der Dialog. Das Spiel ist melodienarm. Trotzdem weist es ausgeprägte -volkstümliche Eigenheiten auf. Die Personen sind in derben Strichen -flächenhaft umrissen. Nuancierende und vertiefende Linien fehlen. Das -Herodesspiel gleicht wie kein andres einem kräftigen, grell bemalten -Holzschnitt. Adventspiel und Christgeburtspiel sind mehr musikalisch -als bildhaft. Sie bringen in überwiegender Weise seelischen Ausdruck, -nicht raum-zeithafte Darstellung. Der reine Sprechvortrag nimmt in -ihnen nur geringen Raum ein. Er steigert sich zum Sprechgesang, um an -den Höhepunkten in reine Ausdruckskunst, Lyrik und Musik, überzugehen. -Das, was den Spielen bei allen technischen Unbeholfenheiten -unaussprechlichen Zauber verleiht, ist ihr Hervorströmen aus einer -machtvollen, innig und tief erlebten Geisteswelt. Der volkstümliche -Spieler steht im magischen Banne zwingender Überlieferung und spricht -sie ergriffen aus. Er wird zum Instrument einer übersinnlichen, -symbolhaft erschauten Welt. Seine engumschränkte Einzelpersönlichkeit -wird dabei ausgelöscht. Ich kann nicht verschweigen, daß ich so -ergreifende Darstellungen in der Oberlausitz nur von Kindern erlebt -habe. In früheren Jahrzehnten hat, wie mir erzählt wurde, ein ähnlich -würdiger Ernst die erwachsenen Spieler beseelt, wie wir es etwa heute -noch in Oberammergau erleben können. Aber zu so ergriffenen Spielern -gehört eine ebenso ergriffene Zuhörerschaft. Die Darstellungen der -Volksspiele waren keine Theateraufführungen; allen gemeinsames -innerstes Seelentum trat bild- und klanghaft vor die Sinne. Über den -Szenen schwebten die magischen Zauber des kultischen Ursprungs. Die -meisten Wiederbelebungsversuche der Spiele durch Erwachsene sind -heute aus tiefen entwicklungspsychologischen Gründen unecht. Der -Durchschnittserwachsene ist ungläubig. Er ist ausgeprägtes Individuum. -Er steht vor seinem Publikum. Neben der Tradition zeigt er sich, er -spielt Theater ... Er weiß, daß er in diesen Spielen eine Rarität vor -sich hat, und all das vernichtet die Wirkung der schlichten Stücke -im Keime. Nur auserlesenen frommen Seelen mag es in hingebender -Liebe und eindringendem Eifer heute noch hier und da gelingen, die -heilige Einfalt, die tiefe Gebundenheit und Innigkeit der Spiele -zum Ausdruck zu bringen (Haas-Berkow). Aber was die fortschreitende -individualistische Zerstäubung dem Erwachsenen genommen hat, das ist -im Kinde lebendig geblieben. Das Kind unsrer Heimat steht noch im -tiefen Banne des Weihnachtszaubers. Mag es auch bereits bei vielen -Gelegenheiten individueller Schauspieler sein: beim Weihnachtsspiel ist -es erklingende Saite großer Symbole. Damit haben die Weihnachtsspiele -wie manches andre uralte Volksgut ihre letzte Pflege- und -Zufluchtstätte erreicht: das Kind ... - - - - -Wiedersberg - -Von _Paul Apitzsch_, Ölsnitz i. V. - - -Unweit der sächsisch-bayrischen Grenze, etwas abseits der Staatsstraße -Plauen-Hof, hockt zwischen den schräggeneigten Waldhängen des oberen -Feilebachtales ein Häuflein Häuser: das vogtländische Kirchdorf -_Wiedersberg_. Hoch über Tal und Dorf liegen im dichten Mischwalde -versteckt die Mauerüberreste des gleichnamigen alten Raubschlosses. Es -ist eigenartig, daß über Entstehung, Geschichte und Verfall der wenigen -vogtländischen Burg- und Kirchenruinen geheimnisvolles Dämmerdunkel -ausgebreitet ist. Oder vielmehr nicht eigenartig. Zahlreiche Kriege und -Brandschatzungen des Mittelalters haben in dem alten Durchzugslande -zwischen Mittel- und Süddeutschland Schloßarchive und Rathausakten, -Klosterurkunden und Kirchenbücher vernichtet. Daß man die Zeit -der Erbauung der Burg Elsterberg, des Schlosses Libau, der Veste -Wiedersberg, der Wallfahrtskirchen am Burgstein nicht mit Bestimmtheit -anzugeben vermag, nimmt weiter nicht wunder. Aber daß man über Zeit -und Art ihres plötzlichen oder allmählichen Untergangs so gar nichts -weiß, daß man nicht einmal anzugeben imstande ist, ob Zerstörung, Brand -oder Verfall vorliegt, ist doch immerhin merkwürdig. So soll die Veste -Elsterberg bereits in dem sogenannten Vogtländischen Kriege 1354 in -Trümmer gesunken sein. Von den andern drei weiß man nicht, ob sie auch -schon in diesem Kriege oder im Hussitenkriege oder im Dreißigjährigen -Kriege zerstört worden sind oder ob sie überhaupt auf gewaltsame Weise -ihren Untergang gefunden haben. Möglicherweise teilen sie alle das -Schicksal eines fünften Schlosses, des zu Geilsdorf. Von diesem ist -urkundlich nachweisbar, daß es 1667 durch den Grafen Tattenbach erbaut -worden ist. Ebenso sicher ist, daß keinerlei Kriegsnöte an seinem Mark -gezehrt haben und daß lediglich der berühmte und berüchtigte Zahn der -Zeit die Ursache seines Dahinscheidens war. - -[Illustration: =Schloß Wiedersberg= - - Nach einer Schwarzweißzeichnung von Kunstmaler Enders -] - -Völlig sagenhaft ist die von einzelnen Historikern vertretene Ansicht, -_Schloß Wiedersberg_ sei von Kaiser Heinrich I. (919 bis 936) zum -Schutze gegen die Sorben angelegt worden. Vielmehr wird 1203 zum -ersten Male eine Burg Wiedersberg erwähnt und 1288 ein Eberhard von -Wiedersperch. Im Jahre 1386 belehnte Markgraf Wilhelm I. von Meißen -den Ritter Jan Rabe mit Wiedersberg. 1421 verkauften die Rabe das -Besitztum an die Familie von Machwitz, die es bis 1580 besaß. Der -Rittersitz wechselte dann rasch nacheinander seinen Eigentümer und -gehört seit 1840 der Familie Gräf. Eine ausführliche Geschichte der -Veste Wiedersberg brachte A. Moschkau im Jahrgange 1878 der Zeitschrift -»Saxonia« (Seite 36, 49 und 56). - -Die _Ruinen_ sind gegenwärtig von sehr geringem Umfange. Sie bestehen -aus einem viereckigen Turm, einigen Mauerresten und dreifachen -Schanzgräben. Ein stark angekohlter Balken im Wartturm deutet auf -Brand. Indes kann dies auch in ursächlichem Zusammenhange mit -der bis in die Mitte des vorigen Jahrhunderts hier betriebenen -Pechsiederei stehen. Denn unmittelbar darunter liegen, halb im -Erdreich vergraben, zwei alte, geborstene Griebenherde. Das neben den -Mauerüberresten stehende ehemalige herrschaftliche Jägerhäuschen ist -in ein bescheidenes _Bergwirtshaus_ umgewandelt worden. Der in dieser -winzigen Waldklause hausende Pächter, Namens Bauer, hat den Krieg 1870 -bis 1871 mitgemacht, wurde verwundet und ins Lazarett nach Dresden -gebracht. Dort gehörte er zu denen, die sich der besonderen Fürsorge -der damaligen Kronprinzessin und nachmaligen Königin Carola zu erfreuen -hatten. Nach Gesundung und Rückkehr in die vogtländische Heimat -entspann sich ein interessanter Briefwechsel zwischen der Königin und -dem einfachen Tischlermeister Bauer in Wiedersberg. Bis zum Tode der -Königin währte das gewiß seltene Freundschaftsband. Der alte Veteran -weiß recht anregend davon zu plaudern und zeigt auf Verlangen die -Originale der zahlreichen Briefe, die er pietätvoll in einer großen -Mappe vereinigt hat. Seine Behausung gleicht dem Knusperhäuschen -der Hexe im Märchen von Hänsel und Gretel. Vor dem Eingange krallt -eine mächtige knorrige Kiefer ihre Wurzeln ins Felsgestein, und am -prächtigsten zeigt sich der Wiedersberger Burgberg, wenn im Frühherbst -die buntfarbigen Laubbäume aus dem dunklen Grün der Fichten und Föhren -hervorleuchten. - -Auf steinigem Wege steigen wir hinunter ins _Dorf Wiedersberg_. Ein -steiler, beschwerlicher Abstieg. Der Klausner im Knusperhäuschen ist -neben seinem Doppelberufe als Gastwirt und Tischlermeister auch noch -als Standesbeamter tätig, und die guten Wiedersberger, die sich dem -Ehejoche zu beugen gedenken, treten einen schweren Gang an, wenn sie -zum Standesamte wallen. - -Im Dorfe selbst sind drei bemerkenswerte Gebäude: Rittergut, Kirche und -Gasthof, welche, wie auch anderswo, eng beisammenliegen. Die _Pfarrei -Wiedersberg_ gehörte nebst Sachsgrün, Eichigt, Krebes und einigen -anderen zu den sogenannten »Streitpfarren«. Obwohl in Sachsen gelegen, -übte in diesen ehemals zum Erzbistum Bamberg gehörigen Kirchgemeinden -die Krone Bayern das Patronatsrecht aus, und erst 1845 wurde dieses -Recht durch Vergleich an Sachsen abgetreten. Das _Wiedersberger -Gotteshaus_ enthält zwei Holzschnitzwerke unbekannter Meister: einen -Taufengel und den mit der Kanzel verbundenen Hochaltar. Den Taufengel -mit dem »hölzernen Wiesenblumenstrauß« hat Kurt Arnold Findeisen in -seinem ersten Versbuch »Mutterland« besungen. - - Zu Wiedersberg im schmalen Gotteshaus - Steht ein großer Engel vor den Bänken, - Der trägt seit Menschengedenken - In der Hand einen hölzernen Wiesenblumenstrauß. - Mit der andern stützt er in Himmelsgeduld - Das samtbeschlagene Lesepult. - -Der Schnitzaltar ist kein Kunstwerk, ist vielmehr in seiner -köstlichen Naivität als Arbeit eines bäuerlichen oder bürgerlichen -Handwerksmeisters anzusprechen. Zwischen den lebensgroßen Figuren -des Petrus und Paulus ist eine etwas kleinere Kreuzigungsgruppe -dargestellt. Als eine Art Predella erhebt sich unmittelbar über -dem Altartisch eine stark realistische »Einsetzung des heiligen -Abendmahls«. Der unbekannte Schnitzmeister war nicht imstande, den -an der Brust Jesu liegenden Lieblingsjünger Johannes naturwahr -darzustellen. Diese Einzelfigur wirkt in ihrer mißratenen Kleinheit -als Knabengestalt. Sehr geschickt dagegen sind die links und rechts -herabhängenden Blumenbänder ausgearbeitet. - -Ein wahres Juwel echter Heimatkunst ist der in der Mitte des -Dorfes gelegene, im Jahre 1711 erbaute _Gasthof_. Das an derselben -Stelle stehende frühere Wiedersberger Wirtshaus beherbergte, wie -eine in Dresden liegende Urkunde berichtet, den im Jahre 1354 -hier durchreisenden Kaiser Karl IV. Eine Stange ragt vom braunen -Fachwerkbau weit über die schmale Dorfstraße. Am vorderen Ende dieser -Stange hängt ein altertümliches, wertvolles Wirtshausschild. Kein -Geringerer als _Hermann Vogel_ hat das Wiedersberger Gasthaus samt -dem Wirtshausschilde im Bilde festgehalten, und zwar im »Märchen -von einem, der auszog, das Fürchten zu lernen« in der illustrierten -Ausgabe der Grimmschen Kinder- und Hausmärchen: An der rechten Seite -der Dorfstraße der Gasthof, links das Holzgeländer am Feilebach. -Droben auf waldiger Höhe das Raubschloß. Auf der Straße der Wirt mit -dem tapferen Junker. Und das Malersignum ~H. V.~ ist eingedrückt dem -feisten Hinterschenkel eines über den Weg laufenden – Schweines. Der -Märchenmaler, der so gern hier oben im abgelegenen Feilebachtal seine -Staffelei aufstellte, ruht nun schon seit zwei Jahren im kleinen -Krebeser Dorfkirchhofe. Zwei noch lebende heimische Künstler traten -sein geistiges Erbe an. Das Mittelalter ging in der künstlerischen -Innen- und Außenschmückung von Gebäuden lediglich bei Schlössern -und Rathäusern, Kirchen- und Patrizierwohnungen über das rein -Handwerksmäßige hinaus. Die neuere Zeit hat das höchst anerkennenswerte -Bestreben, auch bei Neu- und Umbauten großstädtischer Warenhäuser und -Banken, Fabrikanlagen und Fremdenhöfe, Dielen und Bars hervorragende -Künstler und Kunstgewerbler zur Mitarbeit heranzuziehen. Daß aber -ein vom Kunstbetriebe der Großstadt weit abgelegener Dorfgasthof -sich etwas derartiges leistet, dürfte doch wohl zu den Seltenheiten -gehören. Die fünf graugrün gestrichenen Fensterläden des Wiedersberger -Gasthauses sind von den Kunstmalern _Albin Enders, Weischlitz_ und -_Alfred Hofmann, Stollberg_ mit Originalbildern und Sinnsprüchen -geziert worden. Die geräumige _Gaststube_ atmet wohltuende -Beschaulichkeit, und ihre ländlich-einfache Innenausstattung zeugt -von feinem, künstlerischem Empfinden. Buntgeblümte Vorhänge an den -niedrigen Fenstern. Geranien und Levkoien auf allen Simsen. Eine -von der Diele bis zur Decke reichende altmodische Ticktackuhr. Ein -glänzender Spiegel aus Urgroßvaters Zeiten über dem Sofa in der Ecke. -Überhaupt diese Ecke! Die ganze Wand ist bedeckt mit Radierungen von -Albin Enders – Ruine Burgstein, Rittergut Wiedersberg und Rathaus -Plauen –, mit alten Stichen in braungetönten Holzrahmen und allerhand -andern Köstlichkeiten. In der Mitte des Tisches steht ein Strauß -leuchtender Chrysanthemen, blaublütiger Glockenblumen und purpurner -Kuckuckslichtnelken. Daneben liegt, mit seinem buntgekästelten -Buchdeckel stimmungsvoll dazu passend, Kurt Arnold Findeisens -»Mutterland«. In der rechten Wandecke eingebaut, ein kleiner Schrank -mit dem _Fremdenbuch_. Dies Buch ist es wert, daß man ein geruhsam -Stündlein sich mit ihm abgibt. Hier ist Albin Enders, der Hausmaler, -zum Hauspoeten geworden. Das von ihm verfaßte und eigenhändig -eingetragene Geleitwort lautet: - - Trägst sinnig froher Wandrer du, in dieses Buch dich ein, - So wird es eine Freude auch für jeden andern sein. - Und kehrst du selbst nach Jahr und Tag in Wanderlust zurück, - Wirst abermals genießen dann ein längstvergangnes Glück. - -Und dann folgen in bunter Reihe Beiträge von Louis Riedel, Emil -Schwarz und anderen bekannten und unbekannten Poeten des Vogtlandes. -Das Wertvollste aber sind zahlreiche Federzeichnungen des zweiten -Wiedersberger Hauskünstlers Alfred Hofmann, Stollberg. Es gibt im -Vogtlande nur noch _ein_ Fremdenbuch, das sich an künstlerischem Werte -dem Wiedersberger an die Seite stellen könnte: das Burgsteinalbum der -Rahmig-Milda. - -So ist der kleine Raum geweiht durch Eigenarbeiten begnadeter -heimischer Maler und Dichter. - -Die Heimat ist auch in ihren unbedeutendsten und abgelegensten Winkeln -groß und bedeutend für den, der mit offenem Auge und warmem Herzschlag -ihre Schönheiten schaut. - - - - -Zur Geschichte des Jägerhofes zu Dresden - -Von ~Dr.~ _Koepert_ - - -Bei den nahen Beziehungen des _Landesvereins Sächsischer Heimatschutz_ -und dem _Verein für Sächsische Volkskunde und Volkskunst_ dürfte -auch die Geschichte des _Jägerhofes_, in dessen Restgebäude der -letztgenannte Verein sein herrliches Volksmuseum untergebracht hat, -für unsere Leser von Interesse sein. Handelt es sich doch hier um ein -Baudenkmal, das in früheren jagdfrohen Zeiten von großer Bedeutung war, -wie die folgenden Ausführungen beweisen werden. - -Was nun zunächst die _Baugeschichte_ betrifft, so sei bemerkt, daß das -älteste Jägerhaus, von dem berichtet wird, vor dem Wilsdruffer Tor an -der Weißeritz gelegen war. Sein Erbauer war Herzog _Albrecht_. Im Jahre -1492 schenkte Herzog _Georg der Bärtige_ dieses Haus einem alten Diener -seines Vaters wegen treuer Dienste mit dem dazugehörigen Garten. Als -Ersatz hierfür errichtete er in der Nähe des Jakobihospitals ein neues -Jägerhaus, das gleichfalls die Jagdgerätschaften beherbergte, für die -Jäger aber keine Unterkunft bot. Diesem Zwecke diente vielmehr ein -in der Nähe des Schlosses gelegenes Förstereihaus. Kurfürst _August_ -(1553–1586) begnügte sich nicht mit der Jagd auf inländisches Wild, -sondern erwarb einige Löwen, die bei Kampfjagden Verwendung finden -sollten und zu deren Unterbringung er die Herstellung eines besonderen -Löwenzwingers auf der Elbbrücke durch folgendes Schreiben an den -Brückenmeister anordnete: »Lieber getrewer. Wir haben unsern Oberzeug- -und Baumeister und lieben und getrewen Kaspar Vogt ein Baw uf der -ElbBrücken zu Behaltung ezlicher Lewen zu thun befolhen, dargegen -wir begern, Ihr wollet den zum forderlichsten seiner Angabe nach -machen und fertigen lassen, dergleichen Torhaus auch vollenden, wie -er euch anzeigen wirdt und ihn den nichts verhindern lasset, darum -thut er unsere Meinung. Datum Dresden den 8. Tag Aprilis 1554. An den -Brücken Meister.« Daß das Gebäude wirklich vollendet und seinem Zwecke -dienstbar gemacht wurde, geht aus der Tatsache hervor, daß 1558 die -»Brückenlöwen« aus ihren Fängen zu einem Kampfjagen herbeigeführt -wurden. Im Jahre 1612 wurde ein besonderes _Löwenhaus_ auf der -Schössergasse in Form eines viereckigen niedrigen Turmes erbaut, der -aber 1839 wieder abgetragen wurde. Im Jahre 1568 verlegte Kurfürst -August die Jägerei nach Altdresden, der jetzigen Neustadt, und zwar -»um allda, weil selbige Stadt (die jetzige Altstadt) damals ganz offen -und unverschlossen gestanden, der Wildbahne zum Fürsuchen, Spüren und -in Sonderheit den Wolfsjagden desto näher zu sein.« Damit war der -Grund zu dem »_Jägerhofe_« gelegt, dessen Lage noch jetzt ungefähr an -dem stehengebliebenen Restgebäude zu erkennen ist. Der Jägerhof hat -im Laufe der Jahrhunderte mancherlei Erweiterungen und Veränderungen -erfahren, die sich bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts -hinein erstreckten. Nachdem schon die beiden Kurfürsten _Christian_ -I. und II. (1582–1611) den Jägerhof vergrößert hatten, erfolgte -durch Kurfürst _Johann Georg_ I. eine wesentliche Verschönerung und -Vergrößerung, die ihren Abschluß fand in der im Juli 1617 erfolgten -feierlichen Einweihung. Über einige Grundstückserwerbungen, die -für die Vergrößerung benötigt wurden, gibt ein Aktenstück vom 28. -März 1611 Auskunft, das mir gelegentlich meiner Forschungen über -altsächsische Jagdgeschichte im hiesigen Hauptstaatsarchiv zu Gesicht -kam. Dasselbe behandelt eine Grundstückserwerbung aus dem Jahre 1608 -und lautet: »Ew. churfürstliche Gnaden sind meine unterthänigste, -gehorsambste Dienste treuen Vleißes jederzeit zuvorn; gnädigster Herr, -Euer fürstlichen Gnaden soll ich unterthänigst nicht vorbehalten, das -wir Euer fürstlichen Gnaden vor drey Jahren (1608) das Jägerhauß zu -Altdresden erweitern lassen, uf Euer fürstlichen Gnaden gnedigstes -Begern Ich meinen Garten darzu, vor und umb 300 Fl. Meißnische Werung, -21 Groschen für ein Gulden gerechnet, welche der schösser mir davor -einheischigk geworden, und Michaelis 1608 zalett werden sollen, -unterthänigst hinlassen müssen, welcher dann zum teill zu solchem -Jägerhaus gezogen, zum teill aber mit andern daran stoßenden Stücken -verwechselt worden. Wan ich aber solche 300 Fl. bishero nicht bekommen, -viel weniger einige Zinsen davon erlanget, und mir armen gesellen -solcher verzugk zu größtem Schaden gereihen tut, also gelanget an Euer -fürstlichen Gnaden mein unterthänigstes höchst vleißiges Bitten, Euer -fürstlichen Gnaden wollen gnedigst zu befehligen geruhen, das mir 300 -Fl. zu sambt den Zinsen sonder ferneren verzugk gefolget werden mögen. -Unterschrieb: Kilian Prager.« 1625 verkaufte der Bürger und Leineweber -Martin Schilling dem Kurfürsten für 450 Gulden einen Acker, um dessen -Bezahlung er 1628 bittet. Eine bedeutende Erweiterung erfolgte 1632, -als durch Vermittlung des Schössers wieder eine Anzahl Häuser, die auf -der Klostergasse gelegen waren, angekauft wurden. Hierüber ist folgende -Designation, datiert vom 28. Januar 1632, vorhanden: - -1. Auf der Nachtseite, den Röhrenkasten und Weinbergen zu: Christoph -Fröhlich, ein Handelsmann, welcher zwar wegen leibesbeschwerung nicht -selbst erscheinen kann, hat sich durch seine Hausfrau Catharine -erbieten lassen, das er seine beiden wohnhäuser, als eins nach der -gassen, das andre nach der Wiesen gelegen, nebst ein Garthen und -Weinberglein, ganz bezahlt, Ihrer Churfürstlichen Durchlaucht zu -schuldigen, unterthänigst Gehorsamb umb und vor 1200 Thaler abtreten -und abfolgen lassen will, ungeachtet es ihm um viel mehreres kostete. - -2. Joachim Koch, Jagt-Zeugknecht, berichtet, das er sein Hauß umb -und vor 145 Thaler bahrgeld anno 1629 erkaufft, so er auch albereit -bahr bezahlt, erbietet sich, solches umb 145 Thaler, wie er dasselbe -erkaufft, wiederum abzutreten, weil er noch wenig darin gebessert hat. - -3. Valentin Hieße, Jagtzeugschneider, hat sein Hauß vermöge des -Kaufbriefs umb 220 Thaler erkauft; darauf er 150 Thaler bezahlt und ist -die übrigen 70 Thaler wie auch, was an Steuern und andern gefällen, -bis dato fellig, noch zu bezahlen schuldig, erbietet sich bey obiger -Kaufsumme solches wiederumb abzutreten. - -4. Hanns Wolff, Thorwärter im Jägerhauß, hat sein Haus umb 185 Thaler -bahrgeldt erkaufft und bezahlt, auch über 70 Thaler darin verbauet, -will solches um 200 Thaler wieder abtreten. - -Auf der linken Seite, gegen den Althan zu: - -5. Anna Baßin, Hans Andreas Witbe, helt ihr Hauß umb 400 Thaler, weil -es ihr unlängst so viel gelten wolle; Ist eine arme Witbe und viel -schuldig; 20 Thaler ist an der Kaufsumme ihr zurückgehandelt worden, -verbliebe 380 Thaler. - -6. Christian Eckardt, helt sein Hauß umb 400 Thaler. Ist endlich auf -300 Thaler gehandelt worden. - -7. Silvester Kahlhorn, Trommelschläger, hat sein Hauß anfangs umb 480 -Thaler erkaufft, 60 Thaler darin verbessert und gebauet, und 9 Thaler -15 Groschen der Herrschaft vor den Raum geben, will solches umb 350 -Thaler wieder abtreten. - -8. Christian Urban Hoffmanns Witbe, hat ihr Häußlein vor 24 Jahren -umb 160 Thaler bahr geldt erkaufft und bezahlt und diese Zeit über -30 Thaler darin gebessert, will solches, als eine arme Witbe, um 190 -Thaler wieder hinlassen. - -Summe der ganzen Kaufsumme aller ob specifizirten Häußer thuts 2985 -Thaler. - -Für eine Erweiterung des Jägerhofes hatten auch 1639 mehrere Bürger in -Altdresden ihre Grundstücke verkauft. Auf ihre Bitte um Bezahlung ihrer -Häuser äußert sich Kurfürst _Johann Georg_ I. in einem an den Schösser -Paul Weber für den Rat zu Dresden gerichteten Schreiben wie folgt: -»Liebe getrewe, Ihr wißet Euch zu erinnern, was wir wegen Abtragung -teils Häußer auf der Klostergaßen und den Kohlmarkt zu Altdresden -mündlich befohlen. Was es dann aus derlei angeführten vrsachen nicht -zu endern gehet, also begehren wir hiermit, ihr wollet solchen -unsern Befehlich gehorsambst nachkommen, zu verhütung aber vielen -besorglichen Klagens vorher mit den Besizern einen ungefähren Kauff -schließen, die noch rückständigen Herrschaftsgefälle an Landtsteuern, -Jagddienst, Raumgeldern und dergleichen abziehen undt _Sie im übrigen -biß zu beßer Zeit zur gedult vermahnen lassen_, sodann, wie ihr dieser -unser verordnungk nachgekommen, unterthänigst berichten, und unser -~ratificatio~ darüber erwartten« ... - -Demnach scheint in der Zeit des Dreißigjährigen Krieges das Geld sehr -knapp gewesen zu sein, denn wegen obiger Schuld hatten sich die Bürger -Georg Wolf, Soldat in der Untergarde, Michael Basse, Büchsenmacher, -und Martha Tobias Pohlens, »Defensioners allhier selige nachgelassene -arme lahme Witbe« an den Nachfolger Kurfürst _Johann Georg_ II. mit -folgendem Schuldverzeichnis gewandt (5. Dezember 1556): Verzeichniß, -was wir nachgesetzte arme Bürger und Witbe wegen Ihro Churfürstlichen -Durchlaucht nahe gelegenen Jägerhauses anno 1639 im Monat Marty -unser abgebrochenen Häußer, nach Abzug aller Churfürstlichen sowohl -Ratsgefälle annoch zu fordern und bitten unterthänigst, daß Ihro -Churfürstliche Durchlaucht solche uns von den izo einkommenden -Hufengeldern gnädigst bezahlen lassen wollten. Als: 176 Thaler 9 -Groschen 5 Pfennige Michael Basse, dessen Hauß im Kauf 200 Thaler galt; -163 Thaler 4 Groschen George Wolf, dem Kaufe nach 200 Thaler; 276 -Thaler 20 Groschen 11 Pfennige Tobias Pohlens Witbe, dem Kaufe nach 300 -Thaler. Thut 616 Thaler 8 Groschen 4 Pfennige. - -Eine ausführliche Beschreibung des Jägerhofes findet sich in der -_Dresdner Chronik_ von Weck vom Jahre 1680. Hier sind auch die in den -Sälen befindlichen Gemälde ausführlicher geschildert, ferner ist die -Rede von einem Löwenhaus, in welches die früher im Löwenhause auf der -Schössergasse aufbewahrten ausländischen Raubtiere überführt wurden. -In dem Festsaal des Jägerhofes wird vor allem ein Gemälde erwähnt, das -den Einzug des Kaisers _Matthias_, König von Böhmen, nebst Erzherzog -_Ferdinand_ in Altdresden (1617), ferner die Jagden, die ihnen zu Ehren -auf dem Altmarkt stattfanden, darstellt; ein anderes Gemälde stellt die -1602 erfolgte Rettung des Kurfürsten aus Lebensgefahr dar, als derselbe -auf einem Schiff infolge einer Pulverexplosion bei Pillnitz beinahe -ums Leben gekommen wäre. Auch befand sich in gedachtem Saal eine große -Tafel, auf welcher alle Tiere, welche Seine Churfürstliche Durchlaucht -von 1611 bis 1653 gefangen, geschossen und gehetzt hat, verzeichnet -sind und deren Zahl sich auf 113629 Stück erstreckte. - -Ein interessantes Aktenstück, das ich der Güte des Herrn Hofrat -Professor _Seyfert_ verdanke, gibt Kunde von einer Reparierung der -Dächer und Aufsetzen des neu vergoldeten Turmknopfes im Jägerhofe und -enthält noch mancherlei wissenswerte Einzelheiten aus der Zeit um 1671; -es sei hier auszugsweise wiedergegeben: »Demnach der Durchlauchtigste -Hochgeborene Fürst und Herr, Herr Johann Georg der Andere, Hertzog zu -Sachßen, Jülich, Kleve und Bergk des Heil. Röm. Reichs Ertz-Marschall -und Churfürst Landtgraff in Düringen, Marggraff zu Meißen, auch -Ober- und Nieder Lausitz, Burggraf zu Magdeburg, Graff zu der Marck -und Ravensberg, Herr zum Ravenstein, Unser allerseits gnädigster -Herr und gütigster Landes-Vater, Bey nothwendiger Reparierung dieses -Churf. Sächß. Jägerhauses und derer Dächer-Außbeßerung, unter -andern auch diesen Thurm besteigen, und selbigen Knopff, weil er -ziemlich wandelbar befunden, den 15. Septembris des 1671sten Jahres -herunter nehmen, hingegen diesen sambt der Fahne gantz neu verfertigt -vergüldeten, den 19ten dieses umb 2 Uhr wieder hinaufsetzen lassen, -haben Höchstermeldte Ihr Churf. Durchl. der werten Posterität zu gutem -Andenken in gegenwertigen Knopff, welcher guter 3. Viertel übern -Diameter, nachfolgende kurtz entworffene Nachricht hinein zu legen und -zu verwahren vor gut befunden und gnädigst anbefohlen, Und zwar, so -soll anitzo nicht weitläuffig berühret, was etwan im Römischen Reich -und andern Orten hin und wieder dieses Jahr geschehen, welches denen -Historien: Chronic und Novellen Schreibern zu überlassen, sondern -nur dieses, was vor weniger Zeit allhier in unsern Landen geschehen. -Wir haben Gott lob und Danck wohlfeile Zeiten, wir wissen von keiner -ungesunden Lufft und graßirenden Seuche, keine so wohl öffentl. als -innerlichen Kriege und rebellion, sondern es blühet und grünet annoch -heutigen Tages bei unß der Anno 1648 durch göttliche Gnade im Heil. -Röm. Reich allgemeine sowol Religion- als Profan Friede, daß dannenhero -dero Churfürstenthum und Lande an Einwohnern und Unterthanen sehr wohl -zugenommen, also daß sowohl in Städten als Dörffern die liebe Jugend -in starker Anzahl heran gewachßen und daß Land sich umb ein merkliches -gebessert, zu welchem ende dann Unser gnädigster Herr aus Landes -Väterl. Vorsorge in seinem gantzen Lande anitzo eine Revision durch -die Herren Ober Consistoriales und hierzu verordnete Commißarien unter -denen geistlichen angestellet die schwachen Pfarren sonderl. aufm Lande -und in den Dörffern von dem benachbarten verstercket, die starcken mit -einsetzung noch eines pfarrers, damit der Gottesdienst desto besser -und füglicher abgewartet, einem Seelsorger auch sein Ambt nicht so -schwer wird: Zertheilet, die Winckel Schüler abgeschafft, hingegen -die öffentlichen Stadt- und Landschulen erweitert ... Inzwischen ist -nicht zu vergessen, daß an der vor drey Jahren durch einen starcken -unversehenen Donnerschlag hohen biß auff den innern Gang gantz -herunter geschlagenen Kreutzthurm Haube und Seiten Thürmchen, nach der -Schule zu in Neu-Dresden, wie auch in diesem Jägerhause nechst den -Bärengarten an einem Löwenhause (so den 8ten July instehenden Jahres -von Churf. Durchl. selbst eigner Person, neben hohen Cavalieren und -hierzu verordnete Baumeister durch legung des Ersten Grundsteins zu -bauen angefangen worden) annoch sehr starck gearbeitet wird, zu dem -ende, damit Stadt Dresden desto ehe wieder gezieret und die beyden -vom Großhertzog von Florentz Ihr Churf. Durchl. von dort aus allhier -nacher Dreßden zu einem Präsent geschickten Löwen, welche nach einem -verflossenen Jahre drey junge Löwen, als in diesen Landen noch nicht -erhört, gezeuget und zumahl wegen des alten in Neu-Dreßden zu kleinen -und sehr baufälligen Löwenhauses [in der Schössergasse] wie auch -besserer Lauff und Bequemlichkeit vor Selbige, mit der Zeit hinein -gethan würden, umb so viel desto mehr und weiln die hiergezeugten -Jungen Löwen eine fürtreffliche rarität beym Hause Sachsen sind, soll -dieses itztgedachte Löwenhauß vor eilff Wochen nunmehr angefangen -und zehn Ellen über die Erden aufgeführt, auch zu einer sonderbaren -künftigen Zierde des Jägerhauses, der vierte Theil davon noch vor -winters ins Dach gebracht werden. Im übrigen ist zum Schluß zu -vermelden, - -Was an Churf. Durchl. und dero Bedienten damahls noch am Leben gewesen - - als: - -Churfürst Johann Georg der Andere dieses Namens als itzt regierender -Herr und Churfürst, sambt dero Vielgel. Herrn Brüdern als: Hertzog -August zu Halle, Hertzog Christian zu Merseburg und Hertzog Moritz zu -Zeitz, wie auch derselben allerseits jungen Herrlein und Fräulein die -Durchlauchtigste Churfürstin zu Sachßen, Frau Magdalena Sibylla geb. -Markgräfin zu Brandenburg. (Folgen die übrigen Prinzen.) - -Die Barmhertzigkeit des Höchsten lasse das Churhaus Sachßen -zu mächtigen Schutz und Schirm der Evangelischen reinen Lehre -unveränderter Augsburgischen Confession unter den Fittichen seiner -väterl. Huld kräftiglich erwachsen, für allen geist- und leibl. Feinden -siegreich bestehen und in seinem allerheyligsten Namen zeitlich und -ewig gesegnet seyn! - - Von Jägerey Bedienten: - -Der Oberjägermeister Herr Loth. von Bomsdorff auf Medingen, der -Oberforstmeister Herr Wolff Siegm. von Pflug, der Pirschmeister Herr -Johann Georg Sittich, der Wagenmeister Herr Christian Angermann. - - Von Steinmetzen, Maurern und Zimmerleuten: - -Nikolaß Sauter, Hofsteinmetz, Andreas Hoffmeister und Jakob Richter, -beyde Hofmaurermeister, Caspar Hempel, Jägermaurermeister, Matthes -Schumann, Hofzimmermeister, Michel Fuchs, Jagtzimmermeister. - - Von Bau-Ambts Bedienten: - -Der Oberlandbaumeister Wolff Caspar von Klengel auf Radeburg und -Nauendorff, welcher zu itztgedachten Löwen Hause die invention gegeben -und der Landbaumeister Johann Albert Eckart, welcher gedachtes Gebäude -fortstellet.« - -Neubauten entstanden noch 1720, 1722, 1723. Im Jahre 1740 kam der -90 Ellen lange und 14 Ellen breite englische Hundestall hinzu. -1743 beantragte der Oberhofjägermeister Graf Wolffersdorf den Bau -eines Stockwerks auf das große Vordergebäude des Jägerhofes als -Dienstwohnung für sich und erbot sich, die Baukosten von 10000 Talern -gegen ratenweise Rückzahlung vorzuschießen. Das Bauholz wurde der -Heide entnommen. Nach einem Plan, der die Lage des Jägerhofes ums Jahr -1750 zeigt, enthält dieser folgende Gebäude und Plätze: Der Jägerhof, -ein freier Platz, auf dem Wassertröge für die Hunde und einige große -Linden standen, wurde umsäumt nach Westen von dem langen und alten -Zeughaus, das nach Süden in das Hauptgebäude nach der Straßenfront zu -überging, dasselbe enthielt im Parterre die englischen Hundeställe, -darüber war der große Jägersaal. Im Parterre waren noch die Reise- -und Jagdwagen untergebracht. In dem anschließenden westlichen Flügel -war die Pirschmeisterwohnung. Auf der anderen Seite des Eingangstores -war das vordere hohe Zeughaus. Der Jägerhofplatz wurde nach Norden -abgeschlossen durch das Wildbretgewölbe, den Hundezwinger und das -Jägerwirtshaus. Hinter diesem Gebäudeblock war zunächst das hohe -Zeughaus, von ihm durch einen schmalen Gang getrennt die Gebäude für -die wilden Tiere: die sogenannten Affenstuben, Tiger- und Löwenfänge -und die Wohnung für den Löwenwärter. Die ganze Anlage hieß das -Löwenhaus, zu dem noch ein großer freier Platz gehörte. Gleich neben -dieser Anlage befand sich der Bärengarten mit dem Bärenfang. Der -Bärengarten wurde nach Süden von einem Wagenschuppen, nach Westen -vom sogenannten Winterlager und nach Norden von den Ställen für die -Kommissariatspferde abgeschlossen. Weitere Plätze waren noch der -Jagdzimmerhof, Jagdröhrenhof und Auslaufplätze für die Hunde. - -Es liegt auf der Hand, daß bei so einer großen Anlage fortwährend -kleinere Umbauten, Reparaturen usw. sich nötig machten, daher man auch -besondere Handwerker anstellte, z. B. Jagdtischler, Jagdschlosser, -Jagdglaser. So z. B. wurden 1728 vier Fänge neu gemacht für das -Löwenhaus. Der vom Zimmermeister Johann Breißner gemachte Anschlag von -119 Taler 23 Groschen 3 Pfennig wurde vom damaligen Landbaumeister -Pöppelmann geprüft und auf 107 Taler 2 Groschen herabgesetzt. Die -Glanzzeit des Jägerhofes fällt entschieden in die erste Hälfte des -achtzehnten Jahrhunderts, aber auch schon Mitte des siebzehnten -Jahrhunderts waren die Hundeställe und Menagerie gut besetzt, wie aus -einem Bericht aus dem Jahre 1654 hervorgeht. Es kamen nämlich wegen -einer Auseinandersetzung in der Jülich-Hatzfeldschen und Erfurtischen -Sache auf Veranlassung des Kurfürsten Johann Georg I. der ~Dr.~ Georg -Franzke, Fürstl. Sächs. Geh. Rat und Kanzler zu Gotha, und ~Dr.~ -Rudolf Wilhelm Krauße, Fürstl. Sächs. Konsistorialrat zu Weimar, nach -Dresden und besuchten außer andern Sehenswürdigkeiten auch das Jagdhaus -in Altdresden. An Jagdzeug ohne Reh-, Wolf- und Hasennetze waren -über dreihundert Fuder zu finden, ohne die, die die Kurfürstlichen -Forstmeister auf dem Lande hatten. Mit den Netzen konnte man fünfzehn -Meilen Weges stellen. Drei große Häuser mit allerhand Jagdzeugen waren -vorhanden, in welchen die Wagen vierfach standen. - -Über das, was die Zeughäuser des Jägerhofes enthielten, sind wir -genau unterrichtet, da aus dem Jahre 1725 ein Inventurverzeichnis, -angefertigt vom Proviantverwalter Johann Friedrich Heylandt, vorhanden -ist. Es waren vorhanden: 22 Fuder und 2 Tücher, hohe Tücher so -grüngefärbete. – 2 Fuder Schuß-Tücher, an 4 Tüchern. – 1 Fuder hohe -Zwilligten Tücher, an 5 Tüchern so bey Lustjagen aufm Schloßhofe wie -auch im Jägerhofe gebrauchet worden. – 14 Fuder Mittel-Tücher, an -42 Tüchern. – 9 Fuder Schmahle Tücher, an 27 Tüchern. – 1 Quertuch -mit dem gemachten Churf. Wappen. – 4 Lauff-Flügel-Tücher. – 6 Fuder -dänisches Zeug, an 36 Tüchern, 5 Tücher oder sog. Fußlappen. – 18 Fuder -und 1 Gebund Hirschlappen, an 361 Gebunden. – 9 Fuder Fang-Netze, -an 25 Netzen. – 1 Fuder Fang-Netze so schwächer, an 13 Netzen. – -2 Krumb-Ruthen-Netze. – 5 Fuder Spiegel-Netze, an 11 Netzen. – 7 -Prell-Netze. – 1 Quertuch-Netze. – 3 Rehe-Netzgen, ums Rehehäusgen zu -stellen. – 11 Rehe- und Hasen-Netze. – 110 Wolfs-Netze. – 1 Netz in -Fuchszwinger gehörig. – 2 Kaninchen-Netze. – 60 Lerchen-Schlebnetze. -– 90 Zwilligtne Wagendecken. – 90 Wagen mit zugehörigen Hemmketten -und Vorläge-Wangen, Zum Hohen-, Mittel- und dähnischen Tüchern, -Lappen und Netzen. – 1 Rock-Wagen. – 1 Wirck-Wagen. – 1 Wagen zur -Blauhuts-Mondur. – 1 Wagen mit der Feldschmiede. – 2 Pirsch-Wagen. – -1 Roll-Wagen. – 5 Schirmwagen. – 1 langer Hunde-Wagen. – 4 Wagen zum -Hirsch-Kasten. – 1 Wagen zum Rehhäusgen. – 1 Kalesche zur Hirsch- und -Schweins-Waage. – 4 eiserne grüngemahlte Gitterwagen vor die Löwen, -Tiger und Bäre. – 3 Bären-Wagen [mit denen die im Lande gefangenen -Bären aus den an verschiedenen Orten z. B. Hohnstein, Augustusburg -befindliche Bärengärten nach Dresden in den Jägerhof transportiert -wurden]. – 9 Zeug-Schlitten, worbey das Stellzeug an Forrkeln, -Gabeln, Schlegeln, Haarken, Krum-Ruthen, Äxten, Picken, Stickeln, -Radehauen, Lampen und Wagen-Winden, desgl. die Bären-, Hirsch-, Sau-, -Wolfs-, Lux-, Fuchs- und Haasenkästen, nicht weniger die Schieß- und -Hundeschirme, Fürstenhäusergen [aus denen die Fürstlichkeiten bei -eingestellten Tagen das Wild beschossen], Fuchsprellen, Wolfs- und -Fuchszeugen, Wolfskeulen, Biber- und Fischottergabeln, auch wenn -was sonsten zur Jagerey gehörig, wegen dessen Weitläufigkeit, nicht -spezificiert ist. - -[Illustration: Abb. 1] - -Nach diesem Verzeichnisse des Proviantverwalters Heylandt kann man -ermessen, wie große Anforderungen an die Jägerei gestellt wurden -und wie umständlich der Jagdbetrieb in der damaligen Zeit sich -gestaltete. In dem bekannten Werke von Fleming: »Der Vollkommene -Teutsche Jäger«, Leipzig 1719 finden sich nähere Angaben über die -damals üblichen Jagdmethoden. Leider ist uns vieles von diesen -Jagdgerätschaften verloren gegangen, aber vieles findet sich vielleicht -noch in den Forstämtern und auf dem Lande zerstreut unbeachtet vor, -dessen Erhaltung und Sammlung aus heimatlichem Interesse äußerst -wünschenswert wäre. Wie schön und erstrebenswert wäre es, wenn in -dem jetzt noch erhaltenen Teile des Jägerhofes, in unserm herrlichen -volkskundlichen Museum, alles das gesammelt und aufgestellt würde, -was von der Altsächsischen Jägerei noch erhalten geblieben ist. Unser -Hofrat _Seyfert_ würde sich gewiß einer solchen Sammlung gegenüber, -die so recht eigentlich im Jägerhof am rechten Platz ist, nicht -ablehnend verhalten und ihr ein bescheidenes Plätzchen einräumen. Es -hat sich auch zu diesem Zweck ein Ausschuß gebildet, denen Herren vom -Deutschen Jagdschutzverein, höhere Forstbeamte und Mitglieder des -Landesvereins Sächsischer Heimatschutz angehören. Hoffentlich nimmt -dieser Ausschuß bald Veranlassung, mit einem diesbezüglichen Aufruf an -die Öffentlichkeit zu treten und zur Sammlung und Ablieferung alter, -auf die Jagd bezüglicher Gebrauchsgegenstände aufzufordern. - -Von lebendem Inventar waren in den Hundeställen vorhanden: 37 große -englische Doggen und Bärenbeißer, jeder an einer eisernen Kette, 30 -Leithunde, 20 Jagdleithunde, 20 Besuchknechtsleithunde, 40 Hirschhunde, -40 Koppeljagdhunde, 5 Leib- und Kammerhunde, 50 englische Hunde, 40 -Saufinder, 50 Dachsschleifer, 20 Streichweidhunde. In besonderen -Behältnissen waren damals 40 Bären zu sehen. Im Löwenhaus befanden sich -zwei weiße Füchse, ein Kreuzfuchs, ein indianischer Fuchs, 25 Luchse, -vier weiße und ein schwarzer Bär, ein Tigertier, gelb mit schwarzen -Flecken (also wahrscheinlich ein Leopard), ein Löwe, eine Löwin, jedes -in einem absonderlichen Behältnis, ein »halber Pavian« und ein Affe. - -Die ausländischen wilden Tiere wurden teils angekauft, teils erhielt -sie der Kurfürst als Geschenk von anderen Fürsten. So erhielt König -Friedrich August I. vom König von Schweden 1731 einen Löwen, zwei -Löwinnen, einen Tiger, eine indische Katze, Tiere, welche ihm selbst -vom Dey von Algier und Tunis geschenkt und durch einen aus Holstein -stammenden freigelassenen Sklaven überbracht worden waren. 1728 erhielt -er vom Markgrafen von Bayreuth vier Tiger geschenkt. Es scheint -übrigens, als ob es sich öfter statt Tigern um Leoparden gehandelt -hat, da auch die Wendung: »ein gefleckt Tigerthier« vorkommt. Der -König Friedrich August I. kaufte auf der Leipziger Ostermesse 1727 -drei Affen, ebenso 1731 ein Stachelschwein, 1729 eine Löwin, einen -Tiger, einen Pavian, ein »arabisch Tier«; 1726 wurden erworben ein -schwarzer Fuchs, Mammarcke genannt, und ein roter afrikanischer Fuchs -(wahrscheinlich Schakal). Im Jahre 1730 rüstete _August der Starke_ -sogar eine Expedition nach Afrika aus, mit der Aufgabe, seltene Tiere -entweder lebendig oder in Häuten, Skeletten oder Abbildungen zu -erlangen. - -K. von _Weber_ hat über diese _sächsische Expedition nach Afrika_ -genaueres im Archiv für die Sächsische Geschichte (Bd. III, 1865) -berichtet. Der Leiter der Expedition, _Hebenstreit_, studierte in -Leipzig Medizin und ward 1729 Doktor. Durch den ihm befreundeten -Leibmedikus von Heucher wurde er dem König empfohlen, dem er einen -Plan einer Entdeckungsreise nach Afrika zur Erlangung seltener Tiere -und Pflanzen entwickelte. Der Plan fand den Beifall des Königs, der -Hebenstreit veranlaßte, sich tüchtige Reisegefährten auszusuchen. Er -wählte als Zeichner Chr. Aug. Ebersbach, als Botanist Chr. Gottlieb -Ludwig, als Anatomist Zach. Phil. Schulze, als Mechanist Joh. -Heinr. Buchner, als Maler Chr. Friedr. Schuberth. In Hebenstreits -Instruktion war bestimmt, daß er in Afrika »für die königlichen -Cabinette und die Menagerie Thiere, Vögel, Kräuter, Blumen, Gewächse, -Steine nebst anderen Dingen, für welche er eine aparte Spezifikation -bekommen, sammeln solle« usw.; lebendige Tiere sollte er in mehreren -Exemplaren kaufen und zu ihrer Wartung Leute annehmen oder Sklaven -und Mohren kaufen. Er sollte flüchtig alle Sachen abmalen lassen und -als Schildereien überschicken. Aus der Hofapotheke wurden ihm die -nötigen Medikamente verabfolgt; außerdem erhielt er zwei Büchsen, zwei -Flinten und zwei Paar Pistolen. Die Reisedauer war auf zwei bis drei -Jahre bestimmt. Am 28. September 1731 wurde Hebenstreit durch den -Kabinettsminister Grafen Brühl vereidigt und am 30. Oktober 1731 wurde -von Leipzig aus die Reise angetreten. Am 24. Januar 1732 schifften sich -die Reisenden auf einem englischen Schiffe nach Algier ein, dessen -Dey die Fremdlinge wohlwollend aufnahm. Dem leidenden Sohne des Dey -konnte Hebenstreit durch seine ärztliche Kunst helfen, und er erhielt -als ärztliches Honorar eine junge Löwin und zwei Stachelschweine. Von -der Stadt Algier reisten sie nach Blida und besuchten das Innere von -Algier. In der Landschaft Amùrah erhielt Hebenstreit vom Aga einen -jungen Löwen und einen jungen Bacheraluasch, ~bubalum Aldrovandi~ -oder wilden Ochsen, »der die Gestalt eines Hirsches habe, dem er in -allem gleiche, bis auf die Beine und Hörner, welche letztere denen -der Gazelle gleichen«. Das noch junge Tier wurde mit der Milch -einiger Ziegen, welche Hebenstreit kaufte, aufgezogen. Ein Marabout -(Priester) beschenkte ihn ebenfalls mit einem Bacheraluasch, und zwar -einem Weibchen. Hebenstreit hatte sich dem Aga angeschlossen, der mit -zahlreicher bewaffneter Begleitung die Steuern eintrieb. Bei einer -botanischen Exkursion erlangte Hebenstreit ein Chamäleon, das ihm -von sehr großer Seltenheit erschien. Am 26. Mai 1732 traf er wieder -in Algier ein und sandte seine Tiere auf einem englischen Schiffe -nach Marseille. Es waren ein junger Löwe, drei Bacheraluasche, die -aber auf dem Schiffe starben, zwei Gazellen, zwei Strauße, zwei -Genetten, zwei Frettchen, zwei afrikanische Hühner und ein schöner -Falke. Zum Wärter bestellte er einen von ihm freigekauften Sklaven, -den Chirurgus Renneberg aus Schleitz. Er selbst blieb noch in Algier, -von wo aus er nach Konstantia, Tunis und Tripolis ging. An der Küste -in der Nähe von Bona, lernte Hebenstreit auch die Korallenfischerei -kennen. In Biserta gelang es ihm, verschiedene Tiere, wie Strauße -und Flamingos, sowie auch schöne Pferde zu erlangen. Zwei Mitglieder -seiner Gesellschaft ließ er nebst den Tieren in Tunis zurück und -ging selbst mit drei Gefährten nach Tripolis. Am 19. Dezember 1732 -schifften sich die Reisenden nach Malta ein, um am 1. Februar wieder -nach Tunis zurückzukehren und von da aus ganz Numidien zu bereisen. In -Zaguan bekam er zwei einjährige Löwen, welche die Einwohner in einer -Höhle gefangengehalten hatten. In dem seichten Kanal, den die Insel -Querquenor bildet, beobachtete Hebenstreit das Fischen der Schwämme -und gelangte auch in den Besitz von acht Antilopen, die dort sehr -häufig waren. In dem Wüstenorte Capra erhielt er ein von ihm Audét -genanntes Tier, das von der Ziege die Hörner, vom Hirsch den Kopf, -die wolligen Haare vom Schaf entlehnt zu haben schien. Von Tunis aus -sandte Hebenstreit am 17. April 1733 seinen Gefährten Ludwig wegen -dessen schwacher Gesundheit mit den erlangten Tieren und Sammlungen -auf einem Hamburger Schiff nach Europa zurück. Ludwig wurde später in -Leipzig Professor der Medizin und veröffentlichte als Ergebnis seiner -Reiseerfahrungen eine ~Epistola de vomitu navigantium~. Da Friedrich -August I. am 1. Dezember 1733 gestorben war, wurde Hebenstreit von -dessen Nachfolger Friedrich August II. zurückgerufen. Im Mai 1733 -landete er in Marseille. Für das Kgl. Naturalien- und Raritätenkabinett -brachte er eine reiche Sammlung von Pflanzen, Muscheln und anderen -ausländischen Seltenheiten mit. Die Zahl der lebenden Tiere war im -Verhältnis zu den Kosten und der Dauer der Reise gering. Dazu kam, -daß eine große Anzahl Tiere noch auf der Seereise umkam, wie z. B. -Antilopen, Chamäleons, zwei Strauße. Von lebenden Tieren gelangten -mit Hebenstreit nach Hamburg: sieben Strauße, welche dann in einem -Gehege bei Moritzburg untergebracht wurden, zwei bunte Esel (Zebras), -einige Schafe mit großen Schwänzen und Hörnern, zwei guinäische -Schafe, ein Tiger (!?), ein Löwe, ein Dabba oder afrikanischer -Wolf, ein Dieb (afrikanischer Fuchs), zwei Stachelschweine, eine -Demoiselle (Jungfernkranich), vier afrikanische Mäuse (wahrscheinlich -Springmäuse), fünf guinäische Hühner, zwei Geier, ein Adler, drei -Meerkatzen, zwei Affen, allerhand Tauben. In dem mitangeführten Tiger -hat man wohl einen Leopard zu vermuten, da die Verbreitung der Tiger -auf Asien beschränkt ist. - -Hebenstreit wirkte dann bis zu seinem im Jahre 1757 erfolgten Tode in -der medizinischen Fakultät der Universität Leipzig als Professor der -Pathologie und Therapie. - -[Illustration: Abb. 2 =Abbildung des Jägerhofes= (aus Weck, Churf. -Sächs. Residenz u. Haupt Vestung, Dresden 1685)] - -Die Bedürfnisse für die Tiere wurden meist durch den -Oberhofjägermeister beim Kammerkollegium beantragt, und zwar für jedes -Tier einzeln. Jedoch kümmerte sich König August der Starke persönlich -eingehend um die Angelegenheiten des Jägerhofes und ließ sich Bericht -erstatten. Das tägliche Deputat für einen Löwen betrug acht Pfund -Rindfleisch, ebenso für den Leoparden; für den Tiger waren fünf Pfund -Rindfleisch bewilligt, für den afrikanischen Fuchs wurden täglich zwei -Groschen Verpflegungsgeld bewilligt, für einen Affen ein Groschen. -Ein Luchs erhielt drei Pfund Rindfleisch. Für die Verpflegung des -Stachelschweins, von dem übrigens ein Paar vorhanden war, waren zwei -Groschen täglich ausgesetzt. Diese hatten sich wiederholt vermehrt, -und so wurde für jedes Junge, nachdem es selbständig geworden war, -ein Groschen bewilligt. Indes die mit der Auszahlung des Geldes -beauftragten Beamten scheinen sehr säumig gewesen zu sein, da sich -der mit der Verpflegung der Stachelschweine betraute Löwenwärter -Naumann mehrfach an den König selbst wendet und um Auszahlung des -rückständigen Verpflegungsgeldes bittet. Trotz der großen Summen, die -die Unterhaltung der Jägerei kostete, war man doch bestrebt, möglichst -sparsam zu wirtschaften, wie aus folgendem Aktenstück hervorgeht. - - »Allerdurchlauchtigster, Großmächtigster König und Herr! - - Ew. Kgl. Majestät und Churf. Durchlaucht haben zwar - dem am 16. Okt. verwichenen Jahres in dero Löwenhaus - anhero gebrachten Leopard zur tägl. Unterhaltung 8 Pfund - Schöpsenfleisch allergnädigst geordnet, welches ich auch - bis ultimo Dezember verwichenen Jahres um denjenigen Preyß, - davor 14 Pf. gleichwie das Rindfleisch mir bezahlet wird, - an den Löwenwärter geliefert. Nachdem aber bekannt, daß - besagtes Schöpsenfleisch jedesmahl im Sommer im Preyß zu - steigen pfleget, daß solches vielmahls das Pfund zu 18, 20 - und mehr Pfennigen zu stehen kommt, welches dann bei heuriger - notorischen Theuerung umb so viel mehr zu besorgen stehet, ich - aber erwehntes Schöpsenfleisch um besagten Preyß weiter nicht - zu liefern vermögend bin. Und aber der Löwenwärter vermöge - beiliegenden Attestates vorzugeben weiß und anführet, wie das - Rindfleisch diesem Leopard zur Speisung viel zuträglicher - als Schöpsenfleisch sei, indem er hierdurch besser gedeyen - und Kraft bekäme, überlasse zu Ew. Kgl. Majestät allergnäd. - resolution, ob dieselbe geruhen wolle, statt des in der - Verordnung enthaltenen Schöpsenfleisches nunmehro Rindfleisch, - welches ich das ganze Jahr über vor 14 Pf. zu liefern verbunden - bin, allergn. zu verwilligen und solches vom 1. Januar a. c. - den Anfang nehmen lassen. - - Dresden 1. Febr. 1727. - - Ew. Kgl. Maj. u. Churf. Durchlaucht - Johann Georg Geym, Hofmetzger.« - -Mit Bezug auf vorstehendes berichtet der Löwenwärter Christian -Naumann: »Ein leobardt ist Anno 1726 den 16. oktober inß Königs -Löwenhauß gebracht worden. Darauf ist täglich gegeben worden 8 Pf. -Schebsenfleisch, nachdem aber solch fleisch nicht umb den Preiß kan -geliefert werden, so hab ich dem leobardt Rindfleisch gegeben und -befindet sich bey Rindfleisch besser als bei Schebsenfleisch. Dahero -ich bei dem Hofmetzger angehalten umb Rindfleisch, bekam auch solches -richtig und ist der anfang gemacht worden.« - -[Illustration: Abb. 3 =Das Landesmuseum für Sächsische Volkskunst=] - -In den Streckenberichten erscheinen zum ersten Male ausländische -Tiere, die bei Kampfjagen usw. verwandt wurden, bei Johann Georg II., -welcher fünf Löwen, vier Löwinnen, zwei Tiger, vier Affen erlegte; -bei Johann Georg III. erschienen ein Löwe, ein Leopard, ein Panther -im Streckenbericht, während König August der Starke drei Löwen, zwei -Panther, fünf Tiger, sechs Affen, ein Tier »Menschenfresser« genannt, -und ein Stachelschwein (!) zur Strecke brachte. - -Daß der Verkehr mit den wilden Tieren auch im Jägerhofe nicht ohne -Gefahr für die Wärter war, zeigt folgender dem »Sammler« entnommener -Bericht: »An bestimmten Tagen wurden diese Tiere aus ihren Tierkästen -gelassen, um diese von Unrat zu reinigen; nachher trieb man sie wieder -in ihr Behältnis und legte ein Schloß vor die Tür. An einem Tage läßt -man einen Tiger aus Unvorsichtigkeit aus dem Kasten bleiben, welcher -sich in einem Winkel des Tiergartens versteckt hatte. Der Hüter begibt -sich, seiner Verbindlichkeit nach, nach dem Tiergarten und wird -plötzlich von dem Tiger, der sich aufrichtet, angefallen. Die Gefahr -flößt dem Manne eine außerordentliche Herzhaftigkeit ein. Er ergriff -mit der linken Hand den Hals dieser Bestie und hat noch Entschließung -genug, um dem Tiere geschwinde die Luftröhre zusammenzudrücken. Er -greift auch mit der rechten Hand zu und drängt mit solcher Gewalt -seine Brust an die Brust des Tieres, daß dieses weder mit seinen -Zähnen noch mit seinen Tatzen dem Leibe des Hüters schaden konnte. In -diesem kläglichen Zustande stunden sie beide vier oder fünf Minuten -gegeneinander angeklemmt. Endlich verzweifelt der Hüter an der längeren -Fortdauer seiner Kräfte, ließ die Bestie plötzlich mit aller Macht aus -seinen Händen und stieß sie weit zurück. In dieser Bestürzung wich sie -geschwind nach dem Winkel des Kastens und ließ ihrem Überwinder Zeit -genug, um in der Flucht wiewohl halbtot die Türe zu erreichen. Eben -dieser Hüter mußte sich 1738 mit einer starken Meerkatze oder einem -Affen herumschlagen, welche sich von der Kette losgerissen hatte. -Dieser Kampf fiel so unglücklich aus, daß er mit großer Not mit dem -Leben davon kam. Seine rechte Hand ward abscheulich zugerichtet und er -lag sehr lange krank.« - -Mit König August III. war der Höhepunkt der sächsischen Jägerei -erreicht, wenigstens was den Aufwand für dieselbe betrifft. König -Friedrich August der Gerechte liebte zwar die Jagd auch, aber -seiner einfachen sparsamen Natur entsprach auch ein einfacher -Jagdbetrieb. Beim Jägerhof waren 1826 noch folgende Offizianten -angestellt: ein Jagdzeughauswagenmeister, ein Jäger bei den Hunden, -ein Jägerhausbursche, ein Rauchmeister, acht Jagd- und Zeugdiener, -ein Pirschkarrenknecht, zwölf Jagdstalleute, ein Hundsbursche. -Dazu kamen noch sieben Jagdhandwerker. 1830 wurde der Jägerhof in -eine Kavalleriekaserne umgewandelt. Über das fernere Schicksal des -Jägerhofes geben die beiden folgenden Schriftstücke Auskunft. Das -erste, ausgestellt am 12. September 1837, lautet: »Unter der Regierung -Sr. Majestät des König Friedrich August II. wurde im Jahre 1837 -der Reiterkasernenflügel ~E~ nebst den daran befindlichen Thürmen -mit Blitzableitern versehen, und deshalb die Spillen und Knöpfe -letzterer abgenommen und so wie die Dächer repariret, wobey die darinn -vorgefundenen älteren Nachrichten hiermit wieder im Originale beygelegt -worden. Wir fügen noch nachrichtlich bey, daß im Jahre 1831 unter -der Regierung Sr. Maj. des höchstsel. Königs Anton, der bis dahin -bestandene Jägerhof mit Ausschluß der Kreis-Oberforstmeisterwohnung, -an die Militärbehörde abgetreten, die alten unpassenden und höchst -schadhaften Gebäude, bis auf den Flügel ~E~ und ~F~ nebst dem alten -Zeugschuppen, abgetragen und aus den gewonnenen Räumen die Flügel ~A~ -~B~ ~C~ und ~D~, sowie das Reitbahngebäude und Arresthaus, nach dem -Entwurfe und unter der Oberleitung des damaligen Commandanten des -Ingenieur-Corps und Direktors des Militär-Oberbauamts, Oberstleutn. -Johann Carl Anton Ulrich neu erbauet wurden ... Die Reparatur der -Thürme besorgte der Schieferdecker Johann Friedrich Streubel.« - -Und endlich in einem aus dem Jahre 1858 stammenden Aktenstück heißt -es: »Als Ergänzung zur Geschichte des ehemaligen Jägerhofes, derzeit -Neustädter Reiter-Caserne genannt, über dessen Einrichtung die Urkunde -vom 12. Sept. 1837 das Nähere besagt, ist noch zu erwähnen, daß der -im Jahre 1831 stehengebliebene alte Jagdzeugschuppen im Jahre 1851 -abgetragen und an dessen Stelle ein neuer Flügel unter der Bezeichnung -›Flügel ~G~ der Neustädter Reiter-Caserne‹ zu erbauen angefangen worden -ist. In demselben Jahre 1851 wurde auch die große Hälfte des Flügels -~E~ der Neustädter Reiter-Caserne zu Lokalitäten einer allgemeinen -Offiziers-Speiseanstalt für die Dresdner Garnison eingerichtet, welche -sich bisher im Flügel ~F~ derselben Caserne befanden. Zu erwähnen -ist noch, daß bei Umwandlung des Jägerhofs in die Reiter-Caserne -der sogen. ›kleine Jägerhof‹ zu einer Pionier-Kaserne eingerichtet -wurde, bestehend aus einem Vordergebäude, dem Hintergebäude und -zwei Stallgebäuden ...« Mit der Verlegung der Kasernen in die sog. -Albertstadt wurde ein Gebäude nach dem andern des alten Jägerhofes -abgebrochen, bis auf eins, in dem sich nach einem zweckmäßigen -Umbau das im September 1913 eröffnete _Landesmuseum für Sächsische -Volkskunst_ befindet. - - - - -Das obere sächsische Erzgebirge - -Wanderbilder aus der Heimat von _Max Esch_ - -Bilder von _A. Heinicke_, Freiberg - - -Der Tiefstand der deutschen Mark hat der regelmäßig vor dem -Kriege eintretenden Reisewut ins Ausland jetzt einen jähen Riegel -vorgeschoben, von welcher Tatsache die landschaftlich hervorragenden -Gegenden Deutschlands, namentlich auch die Gebirge, den meisten Vorteil -hatten. Noch nie hat unser Erzgebirge einen solch starken Fremdenstrom -zu verzeichnen gehabt, wie in diesem Sommer. Namentlich das obere -Erzgebirge und die dortigen drei einzelnen Berge wiesen Massenbesuch -auf, aber auch stille, verschwiegene Winkel in Seitentälern wurden -nicht übersehen, und jedermann war des Lobes voll von den Schönheiten, -dem steten Auf und Ab des Gebirges. - -Das Erzgebirge mit seiner herben Schönheit – im Reiche noch leider viel -zu wenig gewürdigt, denn der Massenbesuch in diesem Sommer entstammte -in der großen Hauptsache aus Sachsen – besitzt ja auch so viele -Gegenden, die wohl verdienen, aufgesucht zu werden. So bringt die Bahn -den Fremden von _Flöha_ – an der Dresden–Chemnitzer Hauptbahnlinie -gelegen – bereits in eines der schönsten deutschen Mittelgebirgstäler, -das der mittleren _Zschopau_, und gibt ihm so förmlich einen Hinweis -auf das, was seiner nun wartet. - -Durch ein enges, vielfach gewundenes Tal mit turmhohen üppig bewaldeten -Felsenwänden, die auch vielfach nackte, zerfurchte basteiartige -Vorsprünge und Felsnasen aus dem umrahmenden Grün hervorstrecken, fährt -die Bahn, fast immer nur wenige Meter über dem Zschopauspiegel bleibend -und den Windungen des wild dahinstürmenden Flüßchens folgend, ins -Gebirge hinein, an den ältesten Siedlungen des Erzgebirges vorüber. Von -links grüßt aus einer Talspalte bei Erdmannsdorf, nur wenige Kilometer -hinter Flöha, die Wartburg des Erzgebirges, die _Augustusburg_, nach -der hinauf eine Drahtseilbahn führt, mit ihren kompakten Türmen nach -dem Zschopautal hinüber. In malerisch schöner Umgebung liegt das -Städtchen _Zschopau_ in dreihundertsiebzig Metern Höhe. Die Gründung -der Burganlage in dem Städtchen, _Wildeck_, wird dem Sachsenherrscher -Heinrich I. zugeschrieben. Noch heute heißt der älteste Teil der -Burganlage (zwischen 920 und 930 erbaut), der auf dem Hofe stehende -Burgfried, der »dicke Heinrich«. Sonst können uns die kleinen Häuschen -des Städtchens, wie überhaupt die in allen Gebirgsorten zumeist nicht -viel Charakteristisches zeigen. Die Nöte des Dreißigjährigen Krieges -haben auch die alten Siedlungen im Erzgebirge nicht verschont, in ihnen -ging das wertvolle Alte an Gebäuden zu Grunde, an deren Stelle trat -ärmliches, nüchternes Bauwerk. - -Man tut gut, in Zschopau die Reise zu unterbrechen, um eine -Fußwanderung zschopauaufwärts bis Wolkenstein durch den romantischsten -Teil des Flußtales zu unternehmen. - -Über _Scharfenstein_ mit seinem hoch oben liegenden alten Schlosse, das -nach dem großen Brande im Mai 1921 wieder in alter Gestalt erstanden -ist, führt der Weg. Auch die Burg Scharfenstein reicht in ihren -ältesten Anfängen bis in die frühesten Jahrhunderte zurück. Sie wird -dann in der Geschichte 1312 erwähnt, als Friedrich der Freudige sie -erstürmte. Seit dem Ende des fünfzehnten Jahrhunderts befindet sie sich -im Besitz des v. Einsiedelschen Geschlechtes. Weiter ist Scharfenstein -auch der Geburtsort des in ganz Sachsen bekannt gewordenen kühnen -Wildschützen _Karl Stülpner_, dessen abenteuerliches Leben in den -Schluchten und Wäldern des Gebirges vom Volke mit dem Mantel der -Romantik umgeben wurde. - -[Illustration: Abb. 1 =Schloß Wildeck= (Zschopau)] - -Hinter Hopfgarten beginnt die sogenannte _Wolkensteiner Schweiz_ -mit ihrem prächtigen Hochwalde, den pittoresken Felsgebilden und -Steilwänden. Straße und Bahn führen unmittelbar an der Zschopau -entlang. Vor Wolkenstein liegt in einem Seitentale das _Warmbad -Wolkenstein_, das schon im dreizehnten Jahrhundert durch seine heißen -Heilquellen von sich reden machte und das unzähligen Leidenden -die Gesundheit wieder brachte. _Wolkenstein_ selbst liegt weiter -flußaufwärts. Hoch oben erhebt sich das Städtchen auf steiler, -grünumsponnener Felsenwand noch heute im Schutze des alten trutzigen -Schlosses, überragt von dem alten Kirchlein. Vierhundertneunzig -Meter am rechten Ufer der Zschopau thront Wolkenstein hoch, während -der Marktplatz zwanzig Meter tiefer und der Bahnhof gar nur -dreihunderteinundneunzig Meter, also fast hundert Meter tiefer, gelegen -ist. Wuchtig blickt die altersgraue Burganlage, die bereits im elften -Jahrhundert in ihren Grundrissen erbaut worden ist, über die Stadt -weit ins Tal hinein. Wir befinden uns hier an einer der ältesten -Siedlungen des Erzgebirges, an einem ehemaligen Zentralpunkte. Es ist -so interessant hier, daß sich der Naturfreund nur schwer von diesem -wunderbaren Erdenfleckchen trennen kann. Die Wanderung von Zschopau -aus beansprucht nur einige Stunden, so daß es ratsam erscheint, noch -weiter nach _Wiesenbad_ – ebenfalls Heilbad – im Tale durch den schönen -Fichtenhochwald und vielfach auch an der Zschopau entlang, zu wandern. -Prächtige Landschaftsbilder erblickt der Wanderer auch hier in reicher -Fülle, so daß die mehrstündige Wanderung wie im Fluge verstrichen ist. -Halbwegs zwischen Wolkenstein und Wiesenbad mündet das romantische -_Preßnitztal_ in das der Zschopau. Den Besuch dieses Tales, das von -Wolkenstein aus durch eine Kleinbahn nach Jöhstadt erschlossen ist -und eine gute Straße im Grunde des Tales aufweist, sollte sich kein -Besucher des Erzgebirges entgehen lassen. - -Von Wiesenbad an würde ich bis Annaberg die Benützung der Bahn -vorschlagen. Zwar interessant ist auch das Zschopautal bis -Schönfeld-Wiesa noch, und ebenso das Sehmatal, in das die Bahnlinie -dann einmündet, doch den schönsten Teil hat der Wanderer, der meinem -Ratschlage gefolgt ist, bereits hinter sich. - -Schnell genug erblickt der Reisende den Hauptort des oberen Erzgebirges -am Westabfall des achthundertzweiunddreißig Meter hohen _Pöhlberges_, -dessen wuchtiger und umfangreicher Fuß sich aus dem Sehma- und aus dem -östlich benachbarten Pöhlbachtal erhebt, um sich nach oben kegelartig -zuzuspitzen und schließlich zu einer gegen hundert Meter abfallenden -breiten tafelförmigen Basaltkuppe auszuwachsen, die mit ihrem dichten -Fichtenhochwalde, von einem der benachbarten Berge gesehen, einer -riesigen Pelzmütze gleicht. - -_Annaberg_ mit seinen gegen zwanzigtausend Einwohnern bildet in jeder -Weise den geschäftlichen und gesellschaftlichen Zentralpunkt des oberen -Gebirges. Es liegt hoch über dem Sehmatal und zieht sich den Hang -nach dem Pöhlberge zu hinauf, klettert auch stellenweise mit seinen -Häuschen ins Tal hinab, doch der Reisende erblickt das freundliche -Stadtbild mit dem hohen Turm der St. Annenkirche, dem niederen des -Bergkirchleins, dem Rathausturm und dem gelblichroten neuen und -umfangreichen Seminargebäude als zusammenhängendes Ganzes auf dem -Bergrücken über dem Tal, überragt von dem dunklen Pöhlberge mit seinem -hellen Unterkunftshause und dem dreißig Meter hohen Aussichtsturm. -Posamenten-, Präge-, Kartonnagen-Industrie, Perldrechslerei, -Perltaschenfabrikation und -handel, Pappen- und Papierfabrikation, -letztere im Tale, wo auch Holzschleifereien vorhanden sind, bilden die -Erwerbszweige der Bevölkerung. Annaberg liegt über sechshundert Meter -hoch. - -Kein Besucher Annabergs sollte sich bei klarem Wetter die Besteigung -des Pöhlbergs, der von den drei einzelnen oberen Basaltbergen -allein einen gut instand gehaltenen Rundgang um den ganzen Berg -aufweist, entgehen lassen. Er genießt von dem Aussichtsturm einen -umfassenden Rundblick über das ganze Erzgebirge und weit ins Tiefland -hinein. Sehenswert ist auch das Innere der Annenkirche und das -gegenüberliegende Erzgebirgsmuseum. - -[Illustration: Abb. 2 =Blick auf Oberwiesenthal=] - -Daran, daß Annaberg dem Erzbergbau seine Entstehung und Blüte verdankt, -wie auch die Schwesterstadt _Buchholz_, erinnern in der Gegend noch -zahlreiche alte Halden, die mit ihrem Buschwerk und Baumbestand -namentlich den westlichen Sehmahöhen, gegenüber von Buchholz und -Annaberg, einen parkartigen Anstrich geben. Gegenüber von Annaberg, -am Fuße des sechshundertsechsundsechzig Meter hohen Schreckenberges, -von dem man einen prächtigen Überblick über das zusammenhängende -Bild Annaberg–Frohnau–Buchholz–Cunersdorf hat, liegt ebenfalls ein -Zeuge aus jenen fernen Glanztagen, der _Frohnauer Hammer_, der das -älteste deutsche Hammerwerk, das in seiner ursprünglichen Gestalt -auf uns überkommen ist, enthält. Er wird bereits um 1300 herum als -Mühlwerk urkundlich erwähnt. Seine Entstehung aber läßt sich nicht -nachweisen. Aus der Mühle wurde zunächst ein Silber-, dann ein -Kupferhammer und schließlich ein Eisenhammer. Die drei alten Hämmer -sind noch in ursprünglicher Gestalt vorhanden, ebenso die beiden großen -Schmiedefeuer mit den riesigen Holzblasebälgen. Sehenswert ist auch -das ehemalige, 1697 erbaute Herrenhaus mit dem reichen Holzwerk, den -Holzdecken und dem dreistöckigen hohen Schieferdach. Es befindet sich -jetzt die weit im Gebirge bekannte gemütliche Hammerschenke (Pächter -Max Lorenz), in der besonders erzgebirgische Lieder zur Laute gepflegt -werden, in dem Gebäude. Der Hammer ist in Heft 5, Band I 1909, dieser -Zeitschrift eingehend gewürdigt. - -Von Annaberg sollte niemand versäumen, dem angrenzenden Buchholz -einen Besuch abzustatten. Beide Städte stoßen aneinander. Tief unten, -wohl gegen hundert Meter tiefer, windet sich die Sehma in engem Tale -dahin, überall eingeengt von steiler baumbewachsener Felsenwand. -_Buchholz_ zählt nicht ganz zehntausend Einwohner und kann die gleiche -Industrie wie Annaberg aufweisen. Es ist, was sein Stadtbild betrifft, -eins der interessantesten Städtchen Sachsens. Die Häuser ziehen sich -terrassenartig die Bergwände, namentlich die an der westlichen Seite, -steil hinauf, so daß es den Anschein erweckt, als ob sieben und noch -mehr ganz stattliche Gebäude übereinanderstehen. Während die Talstraße -an der Sehma eine Höhenlage von gegen fünfhundertzwanzig Metern hat, -weist die Höhenmarke am Rathause fünfhundertachtundfünfzig Meter auf, -und die alte Schlettauer Straße mit ihren Häuschen steigt die steile -Wand bis auf gegen siebenhundert Meter hinan. Im Mittelpunkt aber liegt -die Katharinenkirche mit ihrem reichgegliederten Turme. Von Buchholz -aus kann die Weiterfahrt ins obere Gebirge nun vom Bahnhof Königstraße -oder vom Buchholzer Hauptbahnhofe fortgesetzt werden. - -[Illustration: Abb. 3 =Erzgebirgler bei Oberwiesenthal=] - -Durch das Sehmatal geht die Fahrt aufwärts durch Sehma und Cranzahl -hindurch. In _Cranzahl_ zweigt die Schmalspurbahn nach Oberwiesenthal -ab, während die Hauptbahn in einem großen Bogen um den Fuß des -achthundertachtundneunzig Meter hohen bewaldeten _Bärensteins_ -herum nach Bärenstein und weiter nach Weipert fährt. Der Bärenstein -ähnelt in seinem Aussehen und dem westlichen Steilabsturz nicht nur -dem Pöhlberge, sondern auch dem westlich an der oberen Zschopau -sich erhebenden achthundertsieben Meter hohen _Scheibenberge_. Die -Entfernung zwischen Bärenstein und Pöhlberg beträgt in der Luftlinie -sechseinhalb Kilometer, die zwischen Bärenstein und Scheibenberg -sieben Kilometer. Durch eine Linie verbunden bilden die drei Berge ein -Dreieck. Auch die letzteren beiden besitzen Unterkunftshäuser mit je -dreißig Meter hohen Aussichtstürmen. - -[Illustration: Abb. 4 =Altes Fachwerkhaus bei Zwönitz=] - -Von Cranzahl aus bringt die Kleinbahn uns durch das wohl eine Meile -lange _Neudorf_ im Sehmatale nach dem höchsten Städtchen Deutschlands, -_Oberwiesenthal_, an den Fuß der Kuppe des Fichtelberges, die sich nur -gegen dreihundert Meter höher erhebt und von Oberwiesenthal aus bequem -zu ersteigen ist. Es ist eine interessante Bergfahrt, die namentlich, -wenn die Bahn die Fichtelbergvorberge, vom Sehmatale abbiegend, -erklettert, von hohem landschaftlichen Reize ist. - -Gleich einer dunklen senkrecht aufstrebenden Mauer erheben sich -die Vorberge des Fichtelberges aus dem Sehmatalkessel bis zu -eintausendfünfzig Meter, abgerahmt von dem dunklen stumpfen Kegel des -eintausendzweihundertfünfzehn Meter hohen _Fichtelbergs_ und dem gegen -dreißig Meter höheren des benachbarten böhmischen _Keilbergs_. - -Die Gegend um den Fichtelberg weist auch an klaren Herbst- und -Wintertagen einen regen Verkehr auf. Bei den Schneeschuhläufern -ganz Deutschlands sind die weiten Hänge um den Berg beliebt. In -schneereichen Wintern gibt der Fremdenverkehr in Oberwiesenthal -dem in den Sommer- und Herbstmonaten kaum viel nach, da außer den -Wintersportlern auch Naturfreunde die weiße Bergespracht zu schätzen -wissen, das Zauber- und Feenreich, das der Winter mit seiner dicken -Schnee- und Eisdecke hier aufbaut. Freilich, den Fichten und den -Kronen der übrigen Bäume hier oben rasiert die Schneelast nur zu oft -ganze Seiten fort, so daß die Bäume hier oft ein merkwürdiges Aussehen -angenommen haben. - -[Illustration: Abb. 5 =Beim Klöppeln=] - -Umfassend aber ist bei klarer Sicht der Rundblick vom dreißig Meter -hohen Turme des Unterkunftshauses. Da liegt das ganze Erzgebirge um -uns ausgebreitet, zu unseren Füßen die drei Wiesenthal: Ober- mit -Unter-, Böhmisch- und Hammer-Unterwiesenthal. Im Westen blauen in der -Ferne einzelne Thüringer und Harzberge in schwachen Umrissen, im Osten -reichen die Blicke bis nach dem Lausitzer Gebirge, überall aber um uns -liegt das Erzgebirge mit seinen Bergen, Graten, welligen Hochflächen -und gewundenen Tallinien, erheben sich Ortschaften unter grauen -Schieferdächern in unendlicher Zahl, deren Namen niemand zu nennen weiß. - -Oberwiesenthal, das auch nach seiner Verschmelzung mit Unterwiesenthal -noch nicht dreitausend Einwohner zählt, kann für sich den Ruhm in -Anspruch nehmen, das höchstgelegenste Städtchen Deutschlands zu -sein (neunhundertachtzehn Meter). Es liegt am tiefeingeschnittenen -Grenz-Pöhlbachtale und bildet mit den benachbarten Ortschaften dies- -und jenseits des Bachlaufes fast eine zusammenhängende Linie bis nach -dem deutsch-böhmischen Städtchen _Weipert_, dem Bärenstein gegenüber. - -Die kleinen, zumeist in hellen Farbtönen gehaltenen Häuschen -Oberwiesenthals mit den niedrigen Fenstern und den grauschwärzlichen -Schieferdächern scheinen sich um die weiße stattliche Kirche mit -dem hohen Turm und um das Rathaus im Rechtecke zu gruppieren. Sie -bieten nicht viel des Interessanten, heimeln aber gerade ihrer -Schlichtheit wegen ungemein an. Dem Fremdenverkehr entsprechend -besitzt das Städtchen eine ganze Anzahl einfacher und auch vornehmerer -Unterkunftsstätten, von denen das stattliche Sporthotel und das -Fichtelberg-Unterkunftshaus auch den verwöhntesten Ansprüchen genügen -können, ersteres auch hinsichtlich der Preise. Oberwiesenthal verdankt -seine Gründung gleich Annaberg und Buchholz dem Silberbergbau, der -indes im ganzen oberen Erzgebirge schon vor langen Zeiten eingestellt -worden ist. Jetzt gibt einige Industrie und der lebhafte Fremdenverkehr -der Bewohnerschaft Verdienstmöglichkeiten. In Oberwiesenthal wirkte -auch der Malermeister _Hertel_, der sogenannte erzgebirgische -»Herrgottschnitzer«, dessen Weihnachtsberge weit über Sachsen hinaus -einen guten Ruf genossen. Nach einem arbeitsreichen Leben hat er im -vergangenen Jahre die müden Augen für immer geschlossen. Schüler des -Meisters setzen sein Werk fort. Das Stadtbild Oberwiesenthals wird -recht wirkungsvoll abgerahmt durch die langgestreckten Keilberg- und -Fichtelbergrücken. - -Vom Fichtelberge aus haben ihren Ursprung die große _Mittweida_, -die nach Nordwesten abfließt, _Zschopau_, _Sehma_ und _Pöhlbach_, -die beinahe nördlich in gewundene Täler hinabeilen. Gute Straßen -führen hinab nach _Crottendorf_ ins obere Zschopautal, ins Sehma- und -Pöhlbachtal, so daß der Abstieg vom Fichtelberg nach allen Richtungen -aus angetreten werden kann, da außer den eben genannten Straßen -auch solche nach dem _Keilberg_ und nach _Gottesgab_ ins Böhmische -hineinführen. Über Crottendorf gelangen wir über den _Scheibenberg_ mit -seiner prachtvollen Fernsicht über das westliche Gebirge nach dem an -seiner Kuppe nur etwas über einhundertfünfzig Meter niedriger liegenden -gleichnamigen Städtchen, von dort in das schöne Mittweidatal über Ober- -und Unter-Scheibe nach Mittweida-Markersbach, Raschau, Grünstädtel -nach _Schwarzenberg_ ins romantische Schwarzwassertal. Eine reichliche -Tagestour aber ist dazu erforderlich. Bilder hoher Romantik und solche -wunderbarer Lieblichkeit wechseln in steter Folge. Von Schwarzenberg -ist es bis _Aue_ nicht allzu fern. Beide Städte liegen an der -Werdau–Zwickau–Aue–Buchholz–Annaberger Bahnlinie, die das Erzgebirge -von Westen erschließt. Es würde den Raum aber weit überschreiten -heißen, wollte ich hier des Näheren auf diese Route eingehen. - -Die Wege ins Sehmatal und in das des Pöhlbaches bringen uns wieder den -alten Weg zurück, den wir gekommen sind. Nur daß das Pöhlbachtal weiter -östlicher verläuft und in Sachsen nach _Bärenstein_ noch _Königswalde_, -in prächtiger Talmulde gelegen, _Geyersdorf_ am Ostfuße des Pöhlberges -aufzuweisen hat. - -[Illustration: Abb. 6 =Der Frohnauer Hammer=] - -Eine prachtvolle Wanderung, hart an der Grenze entlang führt uns von -Bärenstein aus durch schönen Fichtenhochwald über Berg und Tal nach -dem Grenzstädtchen _Jöhstadt_ (siebenhundertneunundvierzig Meter). -Es liegt zum Teil tief unten im Schwarzwassertale, teils oben auf -der Höhe und zeigt den Charakter eines echten Erzgebirgsstädtchens. -Das forellenreiche, über Felsgestein einhertollende Schwarzwasser -stürmt der Preßnitz zu, das es bei _Schmalzgrube_ erreicht. -Höhenzüge, Bergkuppen und -wellen von achthundertzwölf, -achthundertsiebenundzwanzig, siebenhundertvierundneunzig, -siebenhunderteinundachtzig, siebenhundertachtundachtzig, -achthundertachtundfünfzig, achthunderteinundzwanzig Metern Höhe geben -uns mit ihren dunklen Waldbekrönungen das stete Geleit auf dieser -Wanderung nach dem Preßnitztal. - -Schmalzgrube selbst besteht nur aus wenigen im Walde fast versteckten -und verstreuten Häusern und Gehöften und ist von allen Seiten von -Bergen umschlossen. Ruhe und Einsamkeit kann der Naturfreund in diesem -Tale auskosten und daneben ladet die Schönheit der Natur, die köstlich -reine Höhenwaldluft, die durch keinen Essenrauch verpestet wird, -unwillkürlich zum Verweilen ein. Wald und Berge, soweit das Auge reicht! - -Gern wird man in dem freundlichen Ort übernachten, um am nächsten -Morgen eine Talwanderung nach Wolkenstein anzutreten oder aber mit der -Kleinbahn dorthin zu fahren, denn auch diese führt das Tal, nur wenige -Meter über der Preßnitz gelegen, und den vielen Windungen des Flüßchens -treu folgend, hinab. - -Das Preßnitztal mit seinen hohen Talwänden gehört zu den Perlen des -oberen Erzgebirges und sollte viel mehr aufgesucht werden. Es besitzt -romantische, aber noch mehr idyllische Reize auf engem Raume vereint -und trägt bald Thüringer Charakter. Ich möchte es mit dem oberen -Schwarzatale zwischen Katzhütte und Schwarzburg vergleichen. Schmale -Bachtäler münden zudem von allen Seiten in das Tal und gestalten -die Szenerie noch mannigfaltiger. Dazu kommt, daß das sächsische -Preßnitztal von Schmalzgrube bis nach der Mündung eine gute Straße -aufweist, die etwa drei Meilen lang ist, so daß die Talwanderung in -einer bequemen Tagestour mit reichlichen Rastpunkten zu erledigen ist. -Noch manche schöne Wanderung könnte ich hier anführen, doch befürchte -ich, den Leser zu ermüden und auch den mir zur Verfügung stehenden Raum -zu überschreiten. Vielleicht in späteren Wanderbildern etwas mehr vom -Erzgebirge. - - - - -Die Schlösser im Walde - -Moritzburg und Fasanenschlößchen - -Von _K. Berger_, Leipzig - -Aufnahmen von _Walter Hahn_, Dresden - - -Es liegt eine tiefe Symbolik darin, wie die deutsche Sprache die -Entfernung und Entfremdung von der heimatlichen Scholle bezeichnet: -»Elend« hieß im Mittelalter der Landfremde und »bodenlos«, das ist -uns mehr als schlimm noch heute. Und daß gerade wir Deutschen die so -tiefsinnige und weise Sage von Antäus, dessen Kraft sich immer wieder -erneute, so oft er Mutter Erde berührte, so wohl nachzuempfinden -vermögen, das beweist allein überzeugender als dicke Folianten die -Seelenverwandtschaft, die über Zeiten und Meere das Volk Hölderlins -und Winkelmanns mit dem begnadeten Stamme im klassischen Griechenland -verbindet. - -Ja, draußen, vor der Stadt, wo der frische Wind das dicke graue Gewölk -der Alltagssorgen, etwas unsanft vielleicht, aber desto nachhaltiger -hinwegfegt, draußen in Feld und Heide, von denen so viele kräftige -Sprüche und frohe deutsche Lieder wissen, dort suche dir Erholung und -Belebung zugleich. Trotz Winters und aller Not der Zeit wirst du sie -dort auch jetzt noch immer neu finden. - -[Illustration: Abb. 1 =Jagdschloß Moritzburg=] - -Dichter gütiger Schnee deckt nach Wochen rauhen Barfrostes Wald und -Wiesen und so manche Verunzierungen älterer und neuester Zeit, indes -wir langsam durch den Lößnitzgrund aufwärts steigen. Ganz still ist es, -so still, daß es leise seidig knistert, so oft einer der gefiederten, -heute, ach, so kleinlaut verstimmten Sänger mit seiner Schwinge Schnee -von einem Zweige streift. Hinter der Meierei weitet sich das Tal; -eine Wiese, rings umhegt von herben Kiefern und schütteren Birken. -Ein Häuschen in Efeu steht am Rande. Spielplatz der Waldelfen im -sommerlichen Mittagsflirren oder doch der Ferienkinder mit Zupfgeige -und bunten Bändern und viel Sonnenglanz auf Wangen und in Augen. Wie -lange noch? Vom Hange rechts ist schon mancher stattliche Stamm in den -letzten Monaten zuviel abgeschlagen worden, und doppelt solange als auf -gutem Boden, wird es auf dem kargen Hange währen, bis in Menschenaltern -auch nur ein Baum wieder erwachsen ist, wie er, zwei Handbreit im -Durchmesser, auf dem Stamme selbst heute nur wenige _Papier_taler -erbringt. Das geltende Recht, noch stehend unter den Nachwirkungen der -Freihandelslehre, die auch dem sächsischen »Heimatschutzgesetz« von -1909 noch allenthalben grundsätzlichen Widerspruch entgegensetzte, -gestattet leider den Schutz des reinen Naturdenkmals nur erst in -sehr kümmerlichem Umfange. Möchte bald in unserer Zeit der gedanken- -und bedenkenlosen Geldmacher und der heimatlosen wirtschaftlichen -Machthaber solchem Tun durch Maßnahmen (Forstschutzgesetz!) gesteuert -werden, die die Erschöpfung der besten Kraftquellen und Jungbrunnen -unserer Städte und ihrer Kinder durch Fortentwicklung des geltenden -Rechtes wirksam und entsprechend der Überzeugung weitester und bester -Teile der Bevölkerung des Landes künftig unmöglich machen. _Bannwald_, -Freiwald, »Friedewald« – das Blockhaus der Eisenbahnstation, die wir -inzwischen durchschreiten, erinnert noch daran –, das war gerade der -Forst ringsum, die spätere Burggrafenheide von der Meißner Gegend -bis nach Klotzsche, selbst schon in grauen, rauheren Jahrhunderten -mittelalterlicher Geschichte. - -Bei Dippelsdorf endet der Grund. Jenseits liegt ein großer Teich, -der den Namen des Dorfes trägt. Mitten hindurch führt auf schmalem -Damme die Bahn. Wie brauste und wogte er damals, als sich tausend und -abertausend weiße Wellenkämme in jenen Tag- und Nachtgleichestürmen -überstürzten, die an dem Septembersonntage 1914, mit der Kunde von -dem großen Siege an den masurischen Seen zugleich, brausend über das -deutsche Land fuhren und drüben an der Landstraße zum Moritzburger -Schlosse so manchen Stamm krachend zerpellten. Heute freilich liegen -all die Teiche in der Runde tot unter Winters lähmender kalter Faust, -so wie das deutsche Land ringsum. - -[Illustration: Abb. 2 =Jagdschloß Moritzburg, Monströsensaal=] - -Aber es wird ein Auferstehen kommen in neuen Lenzen nach Jahren -der Not, der Raffsucht und des Neides; ein echteres dauernderes -Auferstehen und Leben wird es sein als jenes, das die Treibhausluft -der Filmwelt der Moritzburger Wald- und Wasserherrlichkeit und -seinem ehrwürdigen Schlosse bereitet hat. Der Film wollte diese -großartige großlinige Landschaft zur billigen Staffage herausgeputzter -Herrschaften herabdrücken. Doch da rächte sie sich und erdrückte all -ihr turbulentes Gewimmel so, daß von zweihundert Brokatgewändern und -vierhundert Perücken weniger Erinnerung übrig blieb als von dem _einen_ -naturgetreuen Bilde des sonnenbeschienenen Sees mit der schlanken -Gondel und der Insel, die auf seinen Wassern schwimmt. - -Und die kleine Insel mit den wispernden und doch diskreten Espen -träumt auch heute vor unseren entzückten Augen friedvoll, ahnungslos -sozusagen, nun wir durch die große Allee allmählich den Schloßteich -erreicht haben, vorbei an dem Kuppelbau der Kirche, die in den Maßen -etwas überheblich erscheint und vorüber am Landstallamt, an dessen -Tore ein weiser oder doch launiger Herrscher seinen churfürstlichen -Hofnarren Fröhlich und Schmiedel zum Dank für manche erfrischende -Wahrheit Büsten setzen ließ. - -[Illustration: Abb. 3 =Jagdschloß Moritzburg, Speisesaal=] - -Der Schloßteich ist erst in den Jahren 1722 bis 1730 durch umfangreiche -Ausschachtungen aus drei kleineren Weihern entstanden. August der -Starke war es, der aus dem kleinen Jagdschlosse, das Kurfürst -Moritz 1542 begonnen hatte, durch den Meister des Zwingers, Daniel -Pöppelmann, den Bau in der heutigen Gestalt mit seiner bezwingend -selbstverständlichen Ausgeglichenheit der Maße und Massen errichten -ließ. Die besten Meister standen ihm bei: Longuelune, der auch die -vornehm verhaltene Pracht des Japanischen Palais in Dresden erschuf, -Knöffel und Permoser als Plastiker, Louis Silvester als Maler. Ihrem -Zusammenwirken danken wir all die beruhigten und beruhigenden Harmonien -des Zusammenklangs und Ineinanderfließens ihrer Künste im Innern wie im -Äußern und in der Umgebung dieses wahrhaft königlichen Waldschlosses. -Nur die Türme des Baues gehen im wesentlichen noch bis auf das -sechzehnte Jahrhundert zurück. Damals aber verband sie wie es noch -jetzt im Hermsdorfer Schlosse des Fürsten Schönburg zu sehen ist, nur -eine Mauer, _innerhalb_ deren das weit kleinere alte Jagdschloß stand. -Auch die Kapelle stammt aus älterer Zeit. 1661–1672 erbaute sie der -jagdfrohe Johann Georg der Zweite, der sich 1638 mit der Tochter des -Kurfürsten von Brandenburg in Moritzburg vermählt hatte. In jener hohen -Zeit des Weidwerks und des Weines ließ der Fürst eine Tafel anbringen, -darauf stand: - - »Ich ergetze meinen Fürsten, - Den nach Jagtlust pflegt zu dürsten; - Kurtzweill ist hier gut zu treiben, - Wer nicht kann, der laß es bleiben.« - -Und in den Grundstein der Kapelle mauerte er eine Kapsel mit einer -Flasche roten und weißen Weines. – – Es war derselbe Fürst, der sich -auch das Schlößchen Hoflößnitz unten in den Weinbergen erbauen und so -lebensfroh auszieren ließ. Seine Mahnung aber fand genug Nachahmung: -Aurora von Königsmarck und Peter der Große, Friedrich der Große und der -erste Napoleon, sein Bruder König »Lustigk« von Westfalen und noch im -Weltkriege der Kaiser Karl von Österreich und mit ihm die Kaiserin aus -Welschland auf dem wohl letzten feierlichen Fürstenbesuche alten Stils, -den Moritzburg und Sachsen überhaupt sah. Nur einige der glänzenden -Gäste sind das, die die Säle des Schlosses im Laufe der Jahrhunderte -durchschritten. - -[Illustration: Abb. 4 =Moritzburg, Fasanenschlößchen=] - -Sollen wir auch von den einzelnen Räumen noch sprechen? Wer in Sachsen -Sinn für ehrwürdige und kunstreiche Pracht hat, kennt sie ja: den -Speisesaal und den Monströsensaal mit den stärksten und seltsamsten -Edelhirschgeweihen, die überhaupt bekannt sind, Geweihe wie sie nur -bei der freien Wildbahn und der reichlichen Tierfütterung früherer -Jahrhunderte sich überhaupt entwickeln konnten, darunter jener -einzigartige 66-Ender. Und er kennt auch die Zimmer mit den alten -China- und Japanporzellanen auf den Kaminen in dämmriger Pracht, den -Gobelins und Intarsien, den vergoldeten Ledertapeten und all der andern -Herrlichkeit. - -Eher noch wäre von dem Schlößchen eine halbe Stunde ostwärts, jenseits -der durch Roheit und Habsucht der letzten Jahre fast verwaisten -Wildfütterung zu erzählen, drüben am alten Fasanengehege mit der leider -abgebrochenen Volière voll umständlicher ländlicher Schnitzarbeit, -die der weidfrohe Sieger von Beaumont so liebte. Um 1775 baute es -sich Friedrich August der Gerechte am Ufer des sanften Großteiches, -dessen Lieblichkeit ein düsterer Leuchtturm und die dräuende -»Dardanellen«mauer vergeblich ins Heroische zu steigern versuchen. -Er entsprach der Wesensart des fürstlichen Bauherrn, der beinahe der -sächsische Zeitgenosse und Geistesverwandte Friedrich Wilhelms des -Dritten war, und anderen Formats des Leibes wie des Lebenszuschnitts -als August der Starke. Und auch das zierliche Rokoko und Empire und -die spielerischen Chinoiserien seines _Fasanenschlößchens_ spiegeln -seine Wesensart ähnlich wieder wie etwa die saubere Bürgerlichkeit -des Schlößchens auf der Potsdamer Pfaueninsel die des Gemahls der -Königin Luise und umgekehrt der große kraftvolle Zug des Moritzburger -Jagdschlosses selbst die Vollkraft seiner beiden großen Bauherrn Moritz -und August. - -Aber das Beste, das dem Wanderer beschieden, ist vielleicht gar nicht -der langsam verdunkelnde äußere Glanz im Innern dieser Schlösser, -für die jetzt leider, wenn nicht Pflege, so doch Leben, Nimbus, und -zumal Ehrfurcht allzusehr schon oder noch fehlen. Das Beste ist, was -nicht sichtbar um die Mauern und Statuen und auf den Teichen webt und -raunt, und was dem nie fehlen wird, der den Weg zur Mutter Natur zu -finden weiß und dabei immerhin bei Frau Historia einmal mit beschaulich -einkehren mag. Die beiden Chinesen auf dem geschweiften Dache des -Fasanenpalais nicken im Winde bestätigend. Und sie sind alt genug, die -Welt zu kennen. - - - - -Ludwig Richters Weihnachtskunst - -Von _Walther Hoffmann_ - - - O Weihnacht! Weihnacht! Höchste Feier, - Wir fassen ihre Wonnen nicht, - Sie hüllt in ihre heil’gen Schleier - Das seligste Geheimnis dicht. - -Diese Worte von Nikolaus Lenau finden auch in dieser trüben Zeit -in unsern Herzen den stärksten Widerhall. Lenau war auch einer der -deutschen Romantiker. Und die deutsche Romantik in der ersten Hälfte -des neunzehnten Jahrhunderts ist es ja gewesen, die, wie allen unsern -Sitten, Bräuchen und Liedern, so auch unserm Weihnachtsfest seine -schönsten Geheimnisse abgelauscht und sich in seinen Zauber am tiefsten -versenkt hat. Ihr entstammen unsere liebsten Weihnachtslieder, sowie -die Sitte des Christbaums, von dem z. B. Schleiermacher in einer -Schrift von 1806 noch nichts weiß. Zwar hatte auch das achtzehnte -Jahrhundert schon sein Weihnachten. Ein Brief von Goethe aus Frankfurt, -am Christtag früh 1772 geschrieben, bezeugt es. »Ich habe diese Zeit -des Jahres gar lieb, die Lieder, die man singt, und die Kälte, die -eingefallen ist, macht mich vollends vergnügt.« Des Türmers Lied: -»Gelobet seyst du Jesu Christ« hat ihn ergriffen. Am Christabend ist er -über den Markt gegangen und sah »die vielen Lichter und Spielsachen«. -Aber wenn wir uns solch eine Weihnachtsstube des achtzehnten -Jahrhunderts mit der steifen, aus Stöcken gezimmerten Lichterpyramide -auf einem der alten Stiche des bekannten Berliner Kupferstechers -Chodowiecki ansehen, und das nicht minder steife Gehaben der Menschen -darauf, bis herab zu den Kindern, so mutet uns das alles doch recht -wenig volkstümlich und kindertümlich an. - -[Illustration: Abb. 1 Aus: Illustr. Zeitung für die Jugend. 1847] - -Die Romantik brachte uns eine Rückkehr zur Natur, auch zur menschlichen -Natürlichkeit. Und sie schenkte uns einen Künstler, in dessen ganzer -Erscheinung das natürliche Wesen so wahr und echt uns entgegentritt und -zugleich wie von einem verklärenden Schimmer umflossen ist. Das ist -Ludwig Richter. Und in seiner Weihnachtskunst tritt uns dies alles ganz -besonders vor Augen. - -Richters Weihnachtskunst ist, wie es jedes echte Kunstwerk sein muß, -aus seinem Leben erwachsen. Seine Kindheit und das Leben im Elternhaus -war nüchtern. Dort und in der Schule blieb das religiöse Bedürfnis -unbefriedigt und ungenährt. Und es ist bezeichnend, daß er aus seiner -Jugend, aus der er sonst in seinen herrlichen »Lebenserinnerungen« -jeden anheimelnden Zug mit Liebe festgehalten hat, niemals etwas von -Weihnachten erzählt, als nur das eine, daß er Weihnachten 1820 in -Frankreich »mit den Gedanken viel daheim« war und am zweiten Feiertag -an einen Ball denken mußte, den er vor Jahr und Tag mit seiner Braut -Auguste besucht hatte. - -Das große Erwachen kam über ihn erst in Rom, wo er durch die Güte des -Dresdner Buchhändlers Christoph Arnold seit Herbst 1823 leben und sich -weiter ausbilden durfte. Dort ist ihm das Weihnachten 1824 zu einem -besonders tiefen Erlebnis geworden. Wehmütig sehnte er sich heimwärts -inmitten der Herrlichkeiten Roms. »O hätte ich doch ein kleines -Stündchen in Dresden sein können, um unerkannt durch die nächtlichen -Gassen zu laufen und die erleuchteten Fenster zu sehen!« Es verlangte -ihn, daheim »diese alten, schönen Feste recht innig zu begehen unter -lieben Freunden oder an der Seite der Geliebten«. Da schwärmt er nun -doch in seinem Tagebuche von den »schönen, süßen Zeiten«, von »unsern -alten, heiligen, herrlichen Gebräuchen«, ohne die der Deutsche nicht -leben könne, ohne kalt und endlich schlecht zu werden. Das ist es, -was ihm unter dem Klang aller Glocken Roms zum Bewußtsein kam. Und es -fielen ihm Schillers Worte ein: - -[Illustration: Abb. 2 Aus: An der Krippe zu Bethlehem. 1852] - - Wortgehalten wird in jenen Räumen - Jedem schönen, gläubigen Gefühl! - Wer es glaubt, dem ist das Heil’ge nah! - -Am Neujahrstag 1825 aber schrieb er in sein Tagebuch: »Mir ist um -Mitternacht ein neu Gestirn aufgegangen, es leuchtet und wärmt zum -Leben, und ich fange nun erst an zu leben, nämlich im Glauben und in -der Wahrheit.« Diese Worte beziehen sich auf den Silvesterabend, den -er wenige Stunden vorher mit seinen drei vertrautesten Freunden in -dem Dachstübchen einer engen Gasse verbracht hatte. Unter dem Läuten -aller Glocken der ewigen Stadt feierten sie das Neujahr mit dem Choral -»Nun danket alle Gott«. Dieser Abend hatte die weihevolle Stimmung -vom Weihnachtstag her noch verstärkt und vertieft, und Richter hat -später wiederholt von jenen Tagen als den entscheidendsten seines -Lebens gesprochen. »Die Weihnachts- und Neujahrszeit ist mir immer -doppelt lieb und heilig, weil es die Zeit meiner zweiten Geburt zu -einem wahrhaften und besseren Leben geworden ist.« Liegt über Richters -Briefen auch sonst immer ein Hauch zarten, feinen Empfindens, so -erhalten vollends die um die Jahreswende geschriebenen immer einen -besonderen tiefen Klang. - -[Illustration: Abb. 3 Aus: An der Krippe zu Bethlehem. 1852] - -Dies alles kann nicht übergangen werden, wenn wir uns nach Richters -Weihnachtskunst umschauen. Denn hier zeigt sich das, was auch aus -seinen Bildern spricht, daß er nicht nur die ästhetischen Werte, -sondern auch die religiösen Kräfte dieses Festes aller Feste -nachzuerleben wußte. Und aus diesem frommen Erleben, nicht nur aus -der künstlerischen Begabung, erklärt sich der Reichtum, die Kraft -und Lebendigkeit seiner Weihnachtsbilder. Der große Dichter Otto -Ludwig, der damals auch in Dresden lebte, labte sich noch auf seinem -letzten Krankenlager an Richters Bildern, fuhr mit knöchernem Finger -darüber hin und sagte: »Das ist noch einer, der den Kindern ihren -Weihnachtsbaum anzünden kann. Nach ihm wird’s keiner mehr so können.« - -[Illustration: Abb. 4 Aus: Knecht Ruprecht. 1854] - -Ja, es müssen doch schöne Jahre gewesen sein, die stillen vierziger -und fünfziger Jahre, die solche edlen Früchte deutscher Kunst und -deutschen Gemütes zeitigten. Da verging kaum ein Weihnachten, zu dem -nicht unser Dresdner Meister seinem Volk ein Werk von seiner Hand auf -den Weihnachtstisch legte: 1840 die Geschichte des deutschen Volkes -von Duller mit vierundvierzig Holzschnitten, 1841 den Landprediger von -Wakefield, 1842 Musäus’ Volksmärchen mit sogar hunderteinundfünfzig -Holzschnitten, 1844 die köstlichen Illustrationen zu den -Studentenliedern, denen 1846 die Volkslieder folgten und so fort bis zu -dem großen Bechstein von 1853 mit seinen hundertsiebzig meisterhaften -Märchenbildern. Aber das sind nur die bekanntesten. Dazwischen laufen -die alljährlich erscheinenden Volkskalender von Nieritz und die -»Spinnstuben« des rheinischen Volksschriftstellers W. O. von Horn. Vor -allem aber weihnachtlichen Charakter trugen die kleinen, heute fast -vergessenen und verschollenen Kinderbücher des Dresdner Schriftstellers -und Buchhändlers Löschke, der sich Traugott nannte: An der Krippe zu -Bethlehem, Familienlieder und der in drei Jahren wiederkehrende Knecht -Ruprecht. Das alles waren Gaben an das deutsche Volk, die sich trotz -ihrer äußeren Schlichtheit mit allem messen dürfen, was nachmals »für -den Büchertisch« zu Weihnachten geschaffen worden ist. Und es ist -bemerkenswert, daß auch jetzt noch immer die Bücher und Mappen Ludwig -Richters sich auf dem Bücher-Weihnachtsmarkt siegreich behaupten. - -[Illustration: Abb. 5 Aus: Beschauliches und Erbauliches. 1855] - -Leider läßt sich meine Absicht nicht durchführen, Richters -Weihnachtsbilder in größerer Zahl hier darzubieten. Man nehme mit den -wenigen Proben vorlieb. Sein ältestes Weihnachtsbild finde ich in dem -Büchlein »Bilder und Reime für Kinder«, das zuerst 1844 bei Justus -Naumann in Dresden erschien. Da ist der Christmarkt dargestellt, eine -Weihnachtsbude, um die sich die Kinder drängen, mit der stolzen Firma -»Caspar Mops aus Chemnitz«. Die erste Darstellung aber des lieblichen -Wunders von Bethlehem, der sich mit immer neuer Gestaltungslust unsres -Meisters so viele anreihten, erschien 1847 (Abb. 1) in einer heute -fast unauffindbaren Illustrierten Jugendzeitung (Leipzig, Brockhaus). -Wie ist hier das hohe Thema, das die Kunst ganzer Jahrhunderte in -allen Variationen gespielt und bis zum Höchsten gesteigert hatte, so -ganz ins Schlicht-Menschliche übertragen! Am ersten werden wir dabei -noch an Meister Dürer erinnert, dessen geniale, derbe, ausdrucksfähige -Holzschnittkunst ja auch auf Richter wie eine Offenbarung wirkte. In -Rom hatte er beim Freunde Veit zum ersten Male diese Blätter gesehen, -und seinen Einzug in Meißen als junger Ehemann feierte er, der damals -am allerwenigsten zu brechen und zu beißen hatte, mit dem Erwerb von -Dürers Marienleben für zweiundzwanzig harte Taler. Gerade Richters -Weihnachtskunst bestätigt es, daß diese für ihn bedeutende Summe -»reiche Zinsen getragen« hat. Doch diese starke Anregung des deutschen -Altmeisters hat ihn nicht zu schwächlicher Nachahmung verleitet. -Richter blieb ein Eigener, so sehr, daß man ihn in seinen Holzschnitten -sofort erkennt. Er ist weicher, kindlicher als Dürer, aber nicht -weichlich, nicht sentimental wie die »Nazarener« jener Zeit, sondern -immer gesund, natürlich, einfältig. - -[Illustration: Abb. 6 Aus: Beschauliches und Erbauliches. 1855] - -Man soll gerade auch Richters frühe Arbeiten im kleineren Format nicht -übersehen. Sie gehören zu seinen schönsten und ursprünglichsten. -Zwei Perlen sind die Abb. 2 und 3 aus dem Büchlein »An der Krippe zu -Bethlehem« von 1852, der nächtliche, vom Öllämpchen erleuchtete Stall -mit den Dudelsack blasenden Hirten und vor allem das ganz zarte Bild -des schwebenden Kindleins in der Krippe unter dem Christbaum mit den -singenden Engeln. Aus dem »Knecht Ruprecht« von 1854 ist dann die -versonnene »Flucht nach Ägypten« durch den deutschen Wald, aus dessen -Dunkel die heilige Familie heraustritt (Abb. 4). - -[Illustration: Abb. 7 Aus: Gesammeltes. 1869] - -Mit den Jahren nimmt Richters Kunst einen größeren Stil an. So schuf er -1855 für die Mappe »Beschauliches und Erbauliches« den Weihnachtschoral -vom alten Meißner Stadtturm (Abb. 5). Christmorgen ist es. Das erste -Tageslicht dämmert unter den Sternen herauf. In den Häusern brennen -die Lichter, denn man rüstet sich zum Gang in die Christmette. Im -Turm aber schwingt die Weihnachtsglocke. Und nun schwingen die Klänge -des Chorals über der eben erwachenden Stadt. Die Kinder sind so -munter, wie sonst nie im ganzen Jahr in so früher Morgenstunde. Hell -bescheinen die Kerzen und Windlaternen ihre pausbäckigen Gesichter. Ihr -Gesang aber wird von dem schwarzen Kater auf dem Dach akkompagniert. -Ja, es ist so vieles in diesem Bilde, was wir uns auch für unsre -Weihnachtsfeier wieder herbeiwünschen möchten. Richter hat dieses Bild -geschaffen mit wundem und wehem Herzen, als ihm sein liebes Weib durch -einen Herzschlag plötzlich entrissen worden war. Er hat sich nicht -verbittern lassen, er wußte nun noch viel besser, was Weihnachtsfreude -ist: »Christenfreude«, wie er ein ganzes Buch aus demselben Jahr, ein -rechtes Bekenntnisbuch seiner selbst und Trostbuch für das deutsche -Haus, betitelte. - -[Illustration: Abb. 8 Aus: Schillers Lied von der Glocke. 1857] - -Dieselbe Mappe enthält auch das Bild vom Dresdner Weihnachtsmarkt -(Abb. 6) mit dem Schloßturm im Hintergrunde, wo das kümmerliche Dasein -dieser kleinen Geschäftsleute mit ihren Pflaumenmännern durch goldenen -Humor verklärt wird. - -Uralte Volkssitte steigt vor uns auf in dem Bilde aus Richters -Spätzeit, den heiligen drei Königen (Abb. 7), diesem alten Mummenschanz -der Weihnachtszeit. Die volkstümliche Theatralik der drei Darsteller -ist köstlich getroffen. Aber auch der ganze Friede der stillen heiligen -Nacht umschwebt dieses Bild. - -Ja, Friede! Das ist auch der Inhalt des letzten Bildes, das wir hier -zeigen (Abb. 8), aus Schillers Glocke, obwohl es kein Weihnachtsbild -ist. Friede auf Erden! Weihnachten bringt ihn uns, auch in einer -friedlosen Zeit. Es ist die Aufgabe des deutschen Hauses, sich trotz -allen Kämpfen draußen auch jetzt dem Geiste des Friedens von neuem -zu öffnen, besonders in der Weihnachtszeit. Und Ludwig Richter ist -der Mann, der mit seiner Weihnachtskunst auch uns den Weg zeigt, zur -rechten Christfreude zu kommen und selber die rechte Weihnachtskunst -zu lernen. Denn Weihnachten zu feiern ist auch eine Kunst, die gelernt -und geübt sein will. Möchte darum gerade Ludwig Richter unser guter -treuer Hausfreund bleiben und noch viel mehr werden, bei alt und jung, -besonders in der Winters- und Weihnachtszeit[1]. - - -Fußnoten: - - [1] Anmerkung der Schriftleitung. Wir verweisen auf die - köstliche Veröffentlichung des Verfassers »Ludwig Richter - als Radierer«. Großquart, 80 Seiten mit 51 Bildern, hart - gebunden. Preis M. 1200,–, zu beziehen beim Heimatschutz, - Dresden-A., Schießgasse 24. - - - - -Edgar Hahnewald: Sächsische Landschaften - -III. Band der Heimatbücherei des Landesvereins Sächsischer -Heimatschutz, Dresden 1922[2] - - -»Sehne dich und wandre«, unter dieses Leitwort sind die Schilderungen -des neuen Bandes der Heimatbücherei gestellt. Ja, Sehnsucht lernt man -und fühlt man, wenn man im Geiste mit ihm geht. Man spürt fühlbar einen -Reiz und innerlichen Zwang, hinauszuwandern in die so mannigfaltigen -sächsischen Landschaften, deren Fülle und Reichtum an Formen, Farben -und Gestalten hier so stimmungsvoll an uns vorüberziehen. - -Das Auge des Malers, der Mund des Dichters, die Gestaltungskraft des -Künstlers vereinen sich, um uns mitten hineinzuführen und erleben zu -lassen, was uns das Herz warm macht und die Augen hell, wie schön die -Heimat ist und wie köstlich das Wandern und Schauen in ihrem seligen -Raum. Vor allem aber spürt man in dem Buche das Herzpochen eines, -der seine Heimat heiß liebt und mit immer neuer Sehnsucht sucht. Er -liegt im grünen Grase unter schwanken Halmen. »Im Felde schlägt die -Wachtel. Und da draußen, grün und blau, duftig und glasklar liegen die -sächsischen Lande. Sie sind unsre Heimat. Und in sie hinauszuschauen, -war lange ein ersehntes Glück.« »Du bist meine Heimat, du bist der -Boden, auf dem mein Geschlecht durch die Jahrhunderte wuchs, auf dem -es die Scholle grub, in Dörfern webte, in Städten strebte, auf dem es -lebte und liebte und litt und lachte und starb ... - -Du bist Orplid, mein Land ...!« - -Diese Heimatliebe und Bodenständigkeit machen ihn zum rechten Führer, -der zu schauen, zu beseelen und zu deuten weiß. Nicht bloß im -Sonnenschein und blühenden Sommerwinde, nein auch in triefendem Regen -unter grauem Gewölk, auf leuchtenden, blaubeschatteten Schneepfaden und -in stiebendem Flockenwirbel und auch in duftender Nacht auf holprigem -Steig im schwarzen Walde werden wir von ihm heimatfroh gemacht. - -Eine wunderbare Fülle von Farben tönt in seinen Worten wieder und -köstliche Bilder leuchten in seinen Schilderungen wie schimmernder -Schmuck auf. - -»Alte Kastanien senken ihre Zweige tief zur Wiese hinab und ihre -Blätterhände scheinen weiße Blütenleuchter behutsam aus dem Grase zu -heben.« So werden tausendfach gesehene Dinge zu Bildern voll poetischen -Reizes und schimmernder Farbigkeit. – - -Möge das Buch hinausgehen und die Freude und Liebe zur Heimat vermehren -und vertiefen. In unsrer Armut und Knechtschaft sind wir noch reich, -denn unsrer Heimat Herrlichkeit ist uns geblieben. Wir wollen sie uns -nicht rauben lassen, sondern immer tiefer und fester erfassen. Ein -berufener Mund ist es, der sie uns hier kündet. Laß dich von ihm zur -Heimatfreude führen, zum Heimatstolz erheben, mit neuer Heimatliebe -segnen. - - Rieß, Freiberg. - - -Fußnoten: - - [2] Preis M. 950,–. Bestellkarte in diesem Heft. - - - - -Jagdschloß Rehefeld - -Von _A. Klengel_ - - -Auf der Wanderung durchs deutsche Märchenland führt uns der Weg oft -an verwunschenen Schlössern vorüber! Burgen liegen, unnahbar unserm -Schritt, verträumt auf hohen Bergen, Schlösser einsam und versteckt -im tiefen Walde, durch einen Machtspruch verzaubert und der Erlösung -harrend. - -Weit hinter uns liegt heute dies Traumland unsrer Kindheit, kaum die -Erinnerung ist geblieben an die Märchen, denen wir einst so gern und -andächtig lauschten. Und doch tauchen auf unsern Wanderungen durchs -schöne Heimatland zuweilen Gestalten auf, die urplötzlich in uns -wachrufen, was eingeschlummert war unter den Eindrücken des Alltags, -was verweht schien in den Stürmen des Lebens. Dann liegt greifbar vor -uns, was einst das Kinderherz erfreute, das kindliche Gemüt beseelte. - -Ein solches Märchenbild ist das Jagdschloß Rehefeld droben an der -Landesgrenze im meilenweiten Hochwald des Erzgebirges. Einsam und -verlassen liegt das turmüberragte und erkergeschmückte Bauwerk hoch am -Hange des Weißeritztales. Zum verwunschenen Märchenschloß wurde es, -als das Königspaar Albert und Carola dahingegangen war. Das muntere -Treiben königlicher Weidmannsherrlichkeit verstummte, des Jagdhorns -letzter Ton war verhallt, die Läden schlossen sich über den blinkenden -Fenstern des Schlosses und nur ernstes Waldesrauschen umklingt noch die -Stätte, wo einst ein edles Herrscherpaar, fern von höfischen Pflichten, -Erholung suchte in unberührter Waldnatur und Mensch war auf herbschöner -Heimaterde. - -Ein Märchenschloß liegt vor uns! Dicht heran drängt sich der dunkle -Wald und des Waldes Tiere suchen vertraut seine Nähe. Zu Füßen des -Schloßberghanges strömt die Weißeritz in jugendlicher Schnelle talwärts -und bietet mit den verstreut liegenden Holzhäuschen der Dörfer Zaunhaus -und Rehefeld ein Bild, das in seiner schlichten Anmut an ein einsames -Hochgebirgstal erinnert. Und darüber hinaus, soweit das Auge reicht, -breitet sich dunkler, harzduftender Fichtenwald aus in ernster, herber -Schönheit. - -[Illustration: =Rehefeld= - - Aufnahme von Walter Hahn, Dresden -] - -Die weiten Wälder um das Jagdschloß Rehefeld sind mit der nun -Geschichte gewordenen alten kursächsischen und königlichen -Weidmannsherrlichkeit untrennbar verbunden. Schon Name und Entstehung -der beiden nahen Dörfchen Zaunhaus und Rehefeld lassen dies erkennen. -Zaunhaus verdankt seinen Ursprung dem Zaun- und Forsthause, das -Kurfürst Moritz um die Mitte des sechzehnten Jahrhunderts als -Amtswohnung des Zaunknechtes am großen Wildzaun an der nahen -böhmischen Grenze errichtete. Der eigentliche Ort entstand im -achtzehnten Jahrhundert, als sich Waldarbeiter auf Räumen ansiedelten, -die man ihnen aus den kurfürstlichen Waldungen »vererbte«. Einen -ähnlichen Ursprung hat das Dörfchen Rehefeld. Kurfürst Johann Georg -II. errichtete um 1670 dort im Wald ein Forsthäuschen, das dem -Oberforstmeister überwiesen wurde und später, gleich einem kleinen -Rittergut, Schriftsässigkeit und Jurisdiktion erhielt; es ist das -heutige Forstamt. Auch hier siedelten sich Waldarbeiter auf geräumtem -Kahlschlag am Weißeritzufer an. Es entstand ein Dörfchen, das -ursprünglich Sorgenfrey genannt wurde, aber vom König August II. bei -einer Jagd den Namen Rehefeld erhielt. - -Die weiten und zum Teil unwegsamen Waldungen boten dem Wild seit alter -Zeit treffliche, geschützte Standorte und den Landesherren reiches -Weidmannsheil. Zwar fließen die Quellen, die von der Erlegung des -ritterlichen Wildes vergangener Tage – Bär, Wolf und Sau – in dieser -Gegend berichten, nur spärlich; daß jedoch ein urwüchsiger Wildbestand -vorhanden war, ist daraus zu erkennen, daß noch im Jahre 1715 in der -Nähe ein Vielfraß (~Gulo borealis~) erlegt wurde. - -Von größter Bedeutung für diese heimatlichen Jagdgründe war jedoch -immer das stolze Edelwild unsrer Gebirgswälder, der Rothirsch. Der -Hirschjagd und Hirschhege, die unter König Albert dort ihren Höhepunkt -erreichten, verdankt auch das Jagdschloß Rehefeld sein Dasein. -Infolge der ums Jahr 1860 einsetzenden sorgsamen Hege hatte sich -der etwas verkümmerte Edelhirsch des östlichen Erzgebirges prächtig -entwickelt und gut vermehrt, standen doch z. B. im Jahre 1892 auf -dem etwa sechzehntausend Hektar umfassenden Rehefelder Jagdrevier -gegen siebenhundert Stück Rotwild. Stattliche Vierzehnender mit einer -Stangenhöhe bis zu ein Meter zehn Zentimeter waren keine Seltenheit und -noch heute erzählen die alten Gebirgsbewohner gern von den gewaltigen -Rudeln prächtiger Edelhirsche, die im hohen Schnee zur Fütterung zogen -und von den kapitalen Platzhirschen, die an nebelfeuchten Herbsttagen -mit dumpfdröhnendem Brunftschrei ihre Rivalen zum Kampfe riefen. - -König Albert lag schon als Kronprinz oft und auf längere Zeit -dem Weidwerk in Rehefeld ob. Da er und seine oft zahlreichen -Jagdgäste in den kleinen und weit voneinander entfernten Orten -nur unter Schwierigkeiten Unterkunft fanden, wurde im Jahre 1869 -das schlichte Jagdschlößchen erbaut. Der überaus zierliche, in -nordischer Bauweise ausgeführte Holzbau ist ein Weihnachtsgeschenk der -damaligen Kronprinzessin Carola an ihren Gemahl. Auch die fürstliche -Geschenkgeberin hatte Gefallen gefunden an dem herrlichen Fleckchen -Erde, auf dem Rehefeld liegt. Bis zu ihrem Tode verbrachte sie die -Sommerwochen im Jagdschloß Rehefeld, im freundnachbarlichen Verkehr mit -den schlichten Gebirgsbewohnern und von ihnen geliebt und verehrt. - -Obwohl das Schlößchen das Königspaar regelmäßig auf längere -Zeit beherbergte, ist seine innere Ausführung und Ausstattung -außerordentlich bescheiden. Es reicht jedenfalls bei weitem nicht an -das heran, was man gemeinhin unter einem vornehmen Landhause versteht, -von höfischem Prunk kann überhaupt keine Rede sein. Die innere -Ausstattung, der sogar die gemütliche erzgebirgische Ofenbank um den -mächtigen Kachelofen des Eßzimmers nicht fehlt, ist ganz dazu angetan, -Naturfreunden ein trauliches Heim zu bieten, die schwerer Pflichten -ledig für einige Zeit ganz der herrlichen Waldumgebung leben wollen. - -Den Bedürfnissen eines längeren Aufenthalts der Besitzer und -ihrer Gäste entsprechend, machten sich später einige Ergänzungen -erforderlich. In der Nähe entstand ein Stallgebäude und ein schlichtes -Haus für Hofpersonal und Küche. Ein Schmuckstück für sich ist die -im Jahre 1879 nach Plänen der Meyerschen Kunstanstalt in München in -skandinavischer Bauweise errichtete winzige Kapelle. In den neunziger -Jahren des vorigen Jahrhunderts erhielt die Südseite des Schlosses -einen niedrigen spitzbedachten Turm. War das Bauwerk, streng genommen, -zuerst nur ein Jagdhaus gewesen, so konnte es nunmehr Anspruch auf -den Namen Schloß erheben; denn nach landläufigen Begriffen gehört nun -einmal zu jedem Schloß ein Turm. - -Das Schloß und seine Nebengebäude sind bis auf die Grundmauern durchweg -aus Holz erbaut. Es darf deshalb nicht wundernehmen, daß uns beim -Eintritt in die Vorhalle das Bild des St. Florian entgegenleuchtet, des -Schutzheiligen gegen Feuersgefahr, zu dem man in Süddeutschland einst -betete: O du heil’ger Florian, laß stehn dies Haus, zünd’ andre an! -Die schmückende Ausstattung des Jagdschlosses entspricht ganz seiner -Bestimmung und Umgebung. Außer Gemälden der Jagdmaler Mühlig und Guido -Hammer bildet eine Sammlung starker Geweihe von Hirschen, die König -Albert auf Rehefelder Revier erlegte, die Hauptzierde. Dazu gesellen -sich andre jagdliche Erinnerungen aus König Alberts Zeit. - -Nach König Alberts Ableben verblaßte der Stern Rehefelds. Zwar hielt -sich die Königin Carola bis zu ihrem Tode noch alljährlich längere Zeit -dort auf, doch die Bedeutung des Schlößchens als Stätte fröhlichen -Weidwerks war geschwunden. Der reiche Bestand an Edelhirschen wurde -herabgemindert, und was heute dort noch durch den Wald zieht als alter -deutscher Weidmannsherrlichkeit letztes Vermächtnis ist kaum ein -schwacher Abglanz aus der Zeit, da die schwarzgelbe Standarte auf dem -Schloßturme verkündete, daß der greise königliche Jäger seine geliebten -Rehefelder Jagdgründe aufgesucht hatte und daß die Königin gekommen -war, um mit der Rehefelder Jugend schlicht-fröhliche Kinderfeste zu -feiern. - -Fest verriegelt sind heute Türen und Fenster des vom Wind und Wetter -gebräunten Jagdschlosses. Vergeblich klopft der Wandrer, Einlaß -begehrend, beim Schloßverwalter an; Rehefeld ist als Privateigentum für -jeden Besuch gesperrt! - -Man tut recht daran! Warum die wenigen Sehenswürdigkeiten des Schlosses -öffentlicher Schaulust preisgeben? Das Königspaar wohnte hier, um -sich der herrlichen Waldnatur zu freuen, die selten so schön und -ursprünglich erhalten ist, wie hier im stillen Weißeritztal. Auch den -sinnigen Wandrer schlägt der Heimatwald in seinen Bann, er freut sich -seiner Schönheit und zieht zufrieden seine Straße, auch ohne den Fuß -über die Schwelle des Schlosses gesetzt zu haben. - -[Illustration] - - - - -Eine wiedergefundene alte Postmeilensäule - - -Erfreulicherweise haben die in diesen Blättern wiederholt gegebenen -Hinweise jetzt zur Auffindung einer der so selten gewordenen -Halbe-Meilensäulen aus der Zeit August des Starken geführt. - -[Illustration: =Wiederaufgerichtete Postmeilensäule an der Staatsstraße -von Öderan nach Freiberg=] - -Seit alters stand an der Staatsstraße von Öderan nach Freiberg, in -der Nähe des Öderaner Schützenhauses eine alte Steinbank. Architekt -Kempe aus Öderan, dem die eigenartige Form des Steinsitzes aufgefallen -war, ließ in diesem Sommer die Bank abbrechen und es ergab sich, daß -diese aus Teilen einer der alten Postmeilensäulen aufgebaut war. Die -Initialen, Posthorn und Jahreszahl 1722 waren noch wohl erhalten, -desgleichen auch die Entfernungsangaben: Öderan ½ Stunde und Chemnitz -5¹/₈ Stunde. Mit dankenswerter Hilfe des Erzgebirgsvereins Öderan und -des Landesamtes für Denkmalpflege gelang es den Bemühungen des Herrn -Kempe, das seltene Stück wieder am alten Platz aufzustellen, wo es nun -als Zeuge vergangener sächsischer Geschichte eindringlich und reizvoll -im Landschaftsbilde steht (siehe Abbildung). - - ~Dr.~ _Bachmann_. - - - - -Das Kamenzer Forstfest - -Von ~Dr. phil.~ _Gerhard Stephan_ - - -Wohl jedes Dorf und auch die meisten kleineren Städte haben ihre -Schulfeste. Was diese Feiern vor vielen andern besonders in den -jetzigen Zeiten auszeichnet, ist ihr ganz und gar unpolitischer -Charakter: arm und reich, hoch und niedrig nehmen daran teil und freuen -sich an dem Jubel der Kinder. Alle Gegensätze sind verschwunden und -jeder fühlt sich als ein Teil des Ganzen. Wenn es doch im Staatsleben -auch so wäre! - -An Größe wohl, kaum aber an Bedeutung und innerem Werte dürfte eine -Stadt oder ein Dorf durch das Kamenzer Forstfest übertroffen werden, -das jährlich in der Zeit des Bartholomäustages (24. August) gefeiert -wird. Fast eine ganze Woche, vom Montag, oder wenn man will, gar vom -Sonntag an bis zum Freitag wird da unser Städtchen in Atem gehalten. -Ich vermag es selbst nicht zu sagen, was es ist, das dieses Fest für -einen Kamenzer so lieb macht, denn der Jahrmarktsrummel im nahen -»Forst«, von dem diese Schulfeier seinen Namen hat, mit seinen -Karussells, Luftschaukeln, Schieß-, Würstchen- und Würfelbuden ist ja -überall anzutreffen und auch der Kinderauszug gehört eigentlich auch -anderswo zur Veranstaltung, wenn auch vielleicht nicht in derartig -reicher Ausstattung. Tatsache ist und bleibt jedenfalls, daß man einen -Kamenzer nie tiefer beleidigen kann, als wenn man über »sein« Forstfest -spottet oder überhaupt daran herummäkelt. Für ihn gibt es eben nur -dieses Fest, es sind sozusagen seine Nationalfeiertage, die er da -erlebt. Wer sich in der Fremde aufhält, sieht zu, daß er seine Ferien -zur Forstzeit legen kann, und es gibt viele unsrer Landsleute, die -jahre- und jahrzehntelang nicht in ihre Heimat gekommen sind, dann aber -plötzlich zum Forstfest eintreffen[3]. - -Die Sage hat diese Kinderfeiertage umrankt. Zur Hussitenzeit, so -erzählt man – die Geschichte ähnelt ganz der von Naumburg – lag -ein feindlicher Fürst mit seinen Horden vor der Stadt und drohte, -ungeduldig ob ihres langen Widerstandes und ergrimmt über den Tod -vieler seiner Krieger, mit dem Schlimmsten. In der Stadt aber sah -es übel aus, der Hunger mußte bald die Übergabe erzwingen. Man bot -dem Tschechen Geld, daß er den Ort schone, doch der Böhme hatte sich -verschworen, Kamenz auszuplündern und niederzubrennen. Da, in der -höchsten Not, zog der Schulmeister mit den Kindern, jedes im weißen -Sterbekleide, ins Lager hinaus vor das Zelt des feindlichen Führers -und stimmte dort das Lied »Du Friedensfürst, Herr Jesu Christ« an. Der -wilde Slawe wurde von dem Gesang der unschuldigen Kinder so gerührt, -daß er noch in der Nacht abzog und Kamenz unbehelligt ließ. - -Der böse Historikus freilich hat an dieser schönen Erzählung nichts -Wahres gelassen. Die Geschichte weiß vielmehr nur von Greueln dieser -fanatischen Glaubensstreiter zu berichten. Im Jahre 1429 drangen -sie durch das baufällige Schloß in die Stadt ein und brannten -sie nieder. Und zwei Jahre später, als sie wiederkamen, mußte man -ein schweres Lösegeld zahlen, um sie loszuwerden. – Man wird es -dem Lokalpatriotismus des Kamenzers zugute rechnen, wenn er, sich -derartiger unangenehmer Sachen ungern erinnernd, sie durch jene hübsche -Sage zu verdecken sucht, aber freilich, diese Entschuldigung zählt bei -dem Kritiker nicht. - -[Illustration: =Das Kamenzer Forstfest=] - -Doch der Geschichtsforscher suchte nach einem anderen Grund und glaubte -ihn in den alten Stadtannalen des trefflichen Caspar Haferkorn gefunden -zu haben, der etwa folgendes berichtet: Im Jahre 1520 herrschte -infolge langanhaltender Hitze eine große Dürre. Um Regen vom Himmel zu -erflehen, zogen der Schulmeister, seine Kinder und über dreihundert -Jungfrauen in weißen Kleidern, ein Wermutkränzlein auf dem Kopf und ein -Paternoster in den Händen, barfuß nach den umliegenden Kapellen St. -Just, St. Anna, St. Walpurgis, St. Jacob und St. Wolfgang. Gott erhörte -ihr Gebet und sandte am nächsten Tag den langersehnten Regen. Der -alte Oberlehrer Klix, ein besonders um die Familie Lessing verdienter -Forscher, vermutete nun, daß diese Prozessionen, von denen diese eine -wegen ihrer gewaltigen Wirkung in der Stadtchronik Aufnahme gefunden -hat, die Ursache zum Forstfeste sei. Doch dieser Grund befriedigt -ebensowenig – an einer Prozession pflegen auch Erwachsene teilzunehmen -– wie der, daß der Ursprung des Forstfestes in den Gregoriusfesten des -Mittelalters, Kinderfeiern, die am Gregoriustage abgehalten wurden, -läge. Denn der Gregoriustag fällt in das Frühjahr – 12. März. - -In der vorjährigen »Forstfestzeitung« – auch eine solche gibt es! – -hat nun Georg Uhlig, der derzeitige Stadtarchivar, eine den Ursprung -des Festes wohl richtigtreffende Deutung gegeben, wenn er es als -Nachfolgerin der alten Schülerfeste der Lateinschulen erklärt. Ob -es sich nun um den »Rutenzug« (~virgatum~), – das heißt die Schüler -zogen aus und schnitten die Ruten, mit denen sie dann das Jahr über -verprügelt wurden – oder eine Ursache anderer Art handelt, ist letzten -Endes gleichgültig. – – – – - -Forstfest! Die Kinder träumen das ganze Jahr davon. »Nach den Großen -Ferien ham mer ’ne Woche Schule – da wird nischt gemacht – und dann -– nu da is eben Forscht.« Und die guten Mütters haben Arbeit über -Arbeit, daß ja das weiße Kleid, der weiße Anzug, die weißen Schuhe und -Strümpfe, die Schärpen und was weiß ich, in Ordnung sind. Die Mädels -gehen seit den Großen Ferien meist recht merkwürdig frisiert, ihre -Haare sind alle ganz fest an den Kopf zu kleinen Röllchen (Schnecken -nennt sie der Volksmund) zusammengedreht »von wegen der Locken«. -Weißwarenhändler, Schuhmacher und alle verwandten Handarbeiter machen -glänzende Geschäfte, und die Gärtner haben alle Hände voll zu tun, um -die Kränze, Girlanden, Blumenkörbchen, Bögen herzustellen, Gere und -Marschallstäbe zu umwinden. Manch einer geht freilich auch mit einem -großen Korb zu dem nahen Busch und holt sich da sein Eichenlaub, und -Gott sei Dank verträgt unser Kamenzer Wald diese kleine Schädigung, -ebenso die Heide, die auch ihre roten Blüten zum Schmuck hergeben muß. - -Sonntag. Im »Forst« entwickelt sich das eifrigste Jahrmarktsleben und -der Städter eilt hinaus, um schon die Vorfreuden des nahenden Festes -zu genießen. Auch der Landmann ist hergekommen, um für seine Lieben -was zu erhaschen, er hat in der Woche meist keine Zeit für solche -»Albernheiten«, aber Sonntags – ja das ist ganz was anderes, - -Forstfest-Montag. Überall regen sich fleißige Hände, um die Straßen -zu schmücken: Girlanden werden von einem Hause zum gegenüberliegenden -gespannt, Kränze aufgehängt, Fahnen hochgezogen. Einige fremde -Schulen mit ihren Lehrern pilgern durch die Straßen und begucken -einstweilen die »Sehenswürdigkeiten«, wobei sie meist das Innere des -Andreasbrunnens interessanter finden als den schmucken Renaissancebau -darüber, der von ~Dr. Andreas Guntherius proconsul Camicianus~ meldet, -daß er »~patriae pietate impulsus~« (also »aus Heimatliebe«!) den -Brunnen auf seine Kosten habe 1570 erbauen lassen. - -½12 Uhr. Eifriges Streben der festlich geputzten Kleinen mit ihren -Kränzlein und Fähnchen zur Schule. Für gewöhnlich haben sie es nicht -so eilig, aber heute! Die Alten suchen sich inzwischen einen Platz -auf dem Schulhofe zu sichern, sie wollen das Forstfestlied hören, -das sie einst als Kinder selbst gesungen haben. Die Turner mit ihrem -schmucken Eichenzweig am Hut und die gestrenge »Polizei«, an der heute -hocherhobenen Hauptes mancher Junge vorbeischreitet: »Achtung, jetzt -komme ich, heute kannst du mir nichts tun,« ja, sie haben eifrig -aufzupassen, damit hübsch Ordnung gehalten wird, und die Kinder ins -Schulhaus hereinkommen. - -12 Uhr. Die Musik setzt ein, die Schultore öffnen sich und hervor -ergießt sich der Kinderschwarm. Es sind weit über tausend, die da -herausmarschiert kommen. Voran einige ältere mit Kränzen, sie dienen -zum festen Halt, denn hinter ihnen strömen die ganz kleinen, die dies -Jahr das erstemal mitfeiern. Von den Jungens einige mit Kränzen um -ihren Ersten, der die Klassenfahne trägt, die Mehrzahl mit Fähnchen, -wobei die jüngsten beiden Jahrgänge die Stadtfarben rot-weiß tragen. -Die nächsten die Landesfarben weiß-grün, die älteren die Reichsfarben, -bis voriges Jahr schwarz-weiß-rot, heuer schwarz-rot-gold (neben -mir stand ein Graubart, dem man ansieht, daß er in seinem Leben -gearbeitet, der meinte, wie im Selbstgespräch: »Unser Schwarzweißrot -war doch schöner! Das sind außerdem die jahrhundertealten (!!) -Farben!« – Volksmeinung, wann wird sie von unsern »Volksvertretern« -einmal respektiert werden?). Die ältesten Jungen trugen efeuumwundene -Gere. Die Mädels bieten ein fast noch abwechslungsreicheres Bild: -Blumenkörbchen wechseln mit Girlanden, ihnen folgen Bogen und Kränze. -Die Realschule als Schluß zieht in ihren rotweißen Schulfarben heraus, -Jungens, Mädels und wieder Jungens, ihrer schönen seidenen Fahne -folgend. Nach mancherlei Verschlingungen hat sich alles im weiten -Umkreis aufgestellt. Die Musik macht eine kleine Pause, dann setzt sie -von neuem ein und heraus treten die Fahnengruppen mit den alten, einst -von Jugendfreunden gestifteten Bannern. - -Auch sie nehmen Aufstellung und nun ertönt das liebe Forstfestlied (es -ist erst in den neunziger Jahren des vorigen Jahrhunderts mit Ausnahme -des ersten Verses entstanden (Melodie ~Gaudeamus igitur~)): - - Festlich schwebt ein Freudentag - Unserm Kreise nieder, - Jeder Stunde dumpfer Schlag - Hallt uns Wonne wieder. - Wer ein Herz im Busen trägt, - Wem es laut und feurig schlägt, - Singe Jubellieder. - - Wiederkehrt die Forstfestlust - Mit den Blütenkränzen, - Freudig hebt sich jede Brust, - Aller Augen glänzen! - Kinderfreude, Elternglück! - Manchen sel’gen Augenblick - Bringen diese Tage! - - Wer in unsern Reihen stand, - Denket gern der Stunden, - Da auch ihm der Liebe Hand - Kränze einst gewunden - In die Locken, an den Stab! - Welche Jugendwonne gab - Uns des Festes Zauber! - - Mögen noch in später Zeit - Forstfestlieder tönen, - Die dem Vaterland geweiht, - Allem Guten, Schönen! - Für mein Kamenz schlägt mein Herz, - Sein gedenk ich allerwärts, - Haltet hoch die Fahnen! - -Der alte Kamenzer Oberlehrer Klix war es, der dieses Gedicht einst -verfertigt[4], es spricht so recht jedem Kamenzer aus dem Herzen und -man sieht gar oft manches Auge tränengefüllt, wenn das Lied erklingt. -Da denkt erst mancher an seine Kindheit zurück, die nun so weit und -unwiederbringlich zurückliegt »da auch ihm der Liebe Hand Kränze einst -gewunden«. - -Was soll ich nun, nach dem eigentlichen Höhepunkt des Festes, noch -erzählen? Der Schuldirektor spricht einige Worte, dann ertönt ein neues -Lied, hierauf setzt sich der Zug durchs Klostertor nach dem Markt in -Bewegung, singt hier, nach vollendetem Aufmarsch, abermals und rückt -dann durch die Bautzner Straße bis zum Eulenberg, wo er sich auflöst. -Alles eilt nach Hause, oft von der treusorgenden Mutter oder dem lieben -Vater oder Bruder in Empfang genommen, die dann den schweren Kranz -abnehmen, um ihn nach Hause zu tragen. Dort aber läßt es der »kleinen -Welt« keine Ruhe, sie können kaum Kaffee trinken, dann gehts eiligst -nach den Wiesen auf dem Forstfestplatz, wo die Kleineren spielen, die -Größeren kegeln oder schießen. »Herr Manke, wir wollen mal das machen,« -bittet so ein kleines Mädel und flüstert ihrem geduldigen Lehrer ihre -Wünsche ins Ohr, »Herr Klugmann, kanns losgehen?« meint ein größerer -Junge schon selbstbewußt, denn er brennt darauf, als erster den bunten -Vogel da oben um einen Span zu erleichtern, und ist dann wenig erbaut, -als, unter Freudegeheul der ganzen Meute, sein Schuß »in weitem stets -geschweiftem Bogen hinauf bis in des Himmels Blau« fliegt. Die lieben -Angehörigen stehen dabei, um ein bißchen zuzusehen, aber ihre »Herren« -Kinder haben heute meist keine Zeit, denn da gilts bald mal einen -großen Zwieback zu holen, der dieses Jahr an Stelle des »Würstchens -mit Semmel« getreten war und auch nur deshalb, weil die Stadtväter -in kluger Berechnung auf die gute Laune der Forstfestbesucher eine -allgemeine Feststeuer in Höhe von fünf Meter eingeführt hatten, bald -»muß« man auf der Riesenbahn, der Luftschaukel oder dem Karussell -fahren oder »~Modo homo~« (!) dem lebenden Toten, von dem sein Herr in -eindringlicher Sprache versichert, daß ganze Berge Geschirr vor ihm -zerworfen werden könnten, ohne daß er aus seiner Suggestion erwache -(»er hat gut reden, nur wird heute kein Geschirr zerschmissen,« meinte -einer recht trocken), während das Fräulein an der Kasse ebenfalls in -Hypnose fällt, aber jedesmal wieder erwacht, wenn einer sich zur Kasse -»drängt«, einen Besuch abzustatten. Ja, ja, die guten Eltern werden -eigentlich erst dann wieder gebraucht, wenn das nötige Kleingeld -fehlt. – – – - -Den folgenden Tag ziehen nur die oberen Klassen aus, hinaus in den -Forst zum Schauturnen. Am Mittwoch ist »Lehrerschießen« – es soll meist -recht »fröhlich« dabei zugehen, doch darüber schweigt des Sängers -Höflichkeit. Und am Donnerstag wiederholt sich nur der Auszug vom -Montag, ebenso das Spielen und Schießen. - -Abends aber bei Dunkelwerden ist der »Einzug« der Kinder mit Musik und -Buntfeuer. Die meisten Häuser, durch die sich der Zug bewegt, haben -illuminiert und der Jubelruf der Kleinen mit ihrem »Vivat, vivat hoch!« -will kein Ende nehmen. Bis zum Markt bewegt sich der Strom, dort findet -das schöne Fest mit einer kurzen Rede des Direktors, dessen Schlußworte -meist die typische Wendung haben: »Morgen früh um 8 Uhr auf Wiedersehn! -Gute Nacht!« und dem schönen Leuthener Choral »Nun danket alle Gott« -seinen offiziellen Schluß. - -»Offiziell« sage ich, denn daran halten sich die Bogenschützen absolut -nicht, denn dieses Völkchen zieht vielmehr am Freitag mit großem -Tschingterassassa durch alle Straßen der Stadt, um, wie es »offiziell« -heißt, die Würdenträger des vorigen Jahres, die Fahne und so weiter -abzuholen, aber ich glaube, sie wollen auch die Stadt ein bißchen -aus dem Schlafe wecken nach dem bekannten Unteroffiziers-Weckruf: -»Aufstehen, ich muß auch aufstehen!« Nun, jedenfalls macht das viele -Herumziehen auch durstig, und deshalb wird öfters mal Halt gemacht und -eingekehrt, einmal beim »Schützenbruder« Büsche, dann im »Feuerhaus«, -und so geht das erst noch eine Weile so fort. Jedenfalls ist es meist -schon etwas spät–er, bis man sich zum regelrechten Ausmarsch aufmacht -– natürlich in den Forst, wo auch wieder eifrig ge–so–en, i nu, -geschossen wird. - -Damit ist aber nun auch wirklich das Forstfest ganz zu Ende und die -Schaubudenleutchen und Luftschaukelbesitzer müssen ihr Krämchen -zumachen – bis zum nächsten Male. - - -Fußnoten: - - [3] So war in diesem Jahre (1922) aus dem fernen Amerika ein - Kamenzer hergekommen, und hat – dank der Valuta – manchem - Kinde und auch Erwachsenen mit seinen Dollars eine Freude - gemacht. - - [4] Mit Ausnahme des ersten Verses, dessen Verfasser mir - unbekannt ist. Früher – vor 1892 – wurde der erste Vers des - jetzigen Liedes gesungen und dann als zweiter, dritter und - vierter Vers die entsprechenden des alten: Brüder laßt uns - lustig sein! von Joh. Christian Günther. - - - - -Die kursächsischen Postmeilensäulen - - -Zu meiner Abhandlung in Heft 4 bis 6 der Mitteilungen habe ich eine -große Zahl von Zuschriften erhalten, in denen mir Postzeichen genannt -werden, die in meinen Verzeichnissen fehlen. Ich will versuchen, diese -Funde nach und nach an ihren Standorten selbst aufzusuchen und werde im -Sommer nächsten Jahres in Form eines Nachtrages darüber berichten. - -Ich bitte deshalb auch weiterhin, mich auf unbekannte Stücke, mit -möglichst genauer Beschreibung von Standort und Aussehen (Skizze) -aufmerksam zu machen. - - ~Dr.~ _Kuhfahl_, - Dresden-A., Lipsiusstraße 14. - -[Illustration] - - - - -Karl Schmidt † - - -Am 7. Oktober ist in Dresden, in seinem Heim an der Dresdner Heide, -der Begründer und der erste Vorsitzende des Landesvereins Sächsischer -Heimatschutz, unser Geheimer Baurat ~Dr. ing. e. h.~ _Karl Schmidt_ in -die ewige Heimat gegangen. Während des Druckes dieses Heftes erreichte -uns die Trauerbotschaft. Mit nie ermüdetem Schaffen hat er unsern -Verein geleitet und betreut, hat ihn mit seinen zweiundzwanzigtausend -Mitgliedern zu dem stärksten und einflußreichsten in unserm deutschen -Vaterlande gestaltet, und erst der Tod konnte seinem rastlosen Mühen -ein Ende bereiten. In schweren Zeiten führte er den »Heimatschutz« zu -der Höhe, die er jetzt einnimmt, unserm Volke zum Segen. Wohl ist er -von uns geschieden, sein Werk wird aber so lange leben, als Heimatliebe -lebt. - -Karl Schmidt wurde am 16. November 1853 in Erfurt geboren. Er -studierte an der Berliner Bauakademie und am Dresdner Polytechnikum. -Er war 1878 bis 1882 beim Rate zu Dresden als Hilfsarchitekt -tätig, um dann in den Staatsdienst einzutreten. Hier wurde er 1885 -Landbau-Assistent, 1888 Regierungsbaumeister und 1891 Landbauinspektor. -In dieser Zeit war er den Bauämtern Dresden und Zwickau und der -Zentralstelle der Hochbauverwaltung in Dresden zuerteilt. Als -Landbaumeister, welchen Titel er 1898 erhielt, hatte er die technische -Leitung des Ständehausneubaues in Dresden, dessen künstlerische -Gestaltung Meister Wallot schuf. Die Leitung des Landbauamtes -Meißen vertauschte er im Jahre 1900 mit der des Amtes Dresden I. Im -Jahre 1900 wurde er zum Baurat, 1902 zum Finanz- und Baurat und zum -Vorstand des hochbautechnischen Bureaus und damit zum Stellvertreter -der hochbautechnischen Räte und zum Mitglied des Technischen -Oberprüfungsamtes ernannt. Zugleich trat er in die Kommission zur -Erhaltung der Kunstdenkmäler ein. In vielseitigen Ämtern wirkte er, der -inzwischen Oberbaurat und Geheimer Baurat geworden war, bis zum Jahre -1913, wo er in das Ministerium als Vortragender Rat berufen wurde. Am -1. Juli 1919 trat er in den Ruhestand. Die Technische Hochschule zu -Hannover zeichnete ihn aus, indem sie ihn zu ihrem Ehrendoktor erwählte. - -[Illustration: Geh. Baurat ~Dr. ing. e. h.~ =Karl Schmidt=, Gründer und -Führer des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz bis zu seinem Tode. -† 7. Oktober 1922] - -In seinen Stellungen, die ihn zur Gestaltung zahlreicher staatlicher -Bauten beriefen, hat er mit allen Kräften zur Gesundung unsres -Bauwesens gewirkt. Er hat es verstanden, hinsichtlich der sächsischen -staatlichen Hochbauverwaltung die frühere künstlerische Unterwertigkeit -der »amtlichen« Baukunst zu beseitigen. Ganz besonders aber hat er -sich um den _Kleinwohnungsbau_ verdient gemacht. Wenn ihm dies in -geradezu vorbildlicher Weise gelungen ist, so verdankt er das zumal -der überzeugenden Art, wie er die Behörden und jedermann für seine -Ideen zu gewinnen wußte. Was Karl Schmidt wollte, kann man mit kurzen -Worten als bodenständige Bauweise, Rückkehr zur Einfachheit und -Selbstverständlichkeit im Bauwesen bezeichnen. Noch ist es allen, die -sich mit diesen wichtigen Fragen beschäftigt haben, in der Erinnerung, -wie nüchtern und schematisch in der zweiten Hälfte des vorigen -Jahrhunderts die staatlichen Bauten auf dem Lande gestaltet waren, wie -immer mehr und mehr die Nachahmung _städtischer_ Formen die _ländliche_ -Bauweise in Dorfkirchen, Pfarr- und Schulhäusern und Wohngebäuden -verdrängt hatte, wie die Vorstädte der Großstädte nach charakterlosen -Bauplänen emporwuchsen. - -Da besann man sich allmählich auf die alten trefflichen Grundsätze -unserer Vorfahren. Der Gedanke des _Heimatschutzes_ brach sich Bahn. -Und unser Schmidt stellte sich mit Gleichgesinnten begeistert an die -Spitze der neuen Bewegung. - -Bereits im Jahre 1896 bei der Ausstellung des sächsischen Handwerkes -und Kunstgewerbes in Dresden, der eine Alte Stadt, eine Dorfanlage -sowie zwei Museen ländlicher Kunst angegliedert waren, bei der weiter -das große Volkstrachtenfest veranstaltet ward, trat Karl Schmidt mit -seinen Freunden tatkräftig für den neuen Gedanken ein. - -Im Verfolg dieser Bestrebungen, die dem Volkstum und der Wiederbelebung -der bodenständigen Bauweise gewidmet waren, wurde 1897 der Verein -für Sächsische Volkskunde (und Volkskunst) gegründet, aus dem dann -der Landesverein zur Pflege heimatlicher Natur, Kunst und Bauweise -emporwuchs, der später den Namen Landesverein Sächsischer Heimatschutz -annahm. Die Gründung des letzteren ist Schmidts eigenstes Werk. - -Schmidt hat, um seine Gedanken in die weitesten Kreise zu tragen, eine -große Anzahl wertvoller Veröffentlichungen geschaffen. Dadurch konnte -er auch seine überraschenden Erfolge verzeichnen. - -Im Anfang blieben ihm Anfechtungen nicht erspart. Der Vorwurf, der -Heimatschutz gehe auf Nachahmung überlebter Formen im Bauwesen aus, -die nicht mehr zeitgemäß seien, traf aber in _keiner Weise_ den -Kern des Heimatschutzgedankens. Nur der Geist, nur die Gesinnung -der alten Bauweise sollten wieder aufleben, die harmonischen Bilder -in der Stadt und auf dem Lande wollte Karl Schmidt gewahrt wissen, -nichts Fremdartiges sollte in unsre Städte und Dörfer, in unsere -Forsten hineingetragen werden. Den _neuen_ Errungenschaften aber -sollte Rechnung getragen werden. Durchschlagend und überzeugend war -auch der vielfach von Schmidt geführte Nachweis, daß die Bauten in -bodenständiger Bauweise wirtschaftlicher und sparsamer sind, als -die bekämpften. Ausschlaggebend wirkten hier zumal die wiederholten -Ausstellungen von Beispielen und Gegenbeispielen, in denen häßliche -und mustergültige Industriebauten, harmonische Stadtbilder und -Dorfansichten mit solchen, die durch gefühllose Neubauten gestört -waren, gute Bauernhäuser mit städtisch empfundenen Neubauten -zusammengestellt waren. Daß bei den empfohlenen Beispielen stets auch -in erster Linie die wirtschaftlichen Bedürfnisse berücksichtigt waren, -hat nicht an letzter Stelle den neuen Gedanken, die Schmidt verfocht, -zum Siege verholfen. - -Kein geringes Verdienst Schmidts war es, daß er immer die richtigen -Männer zur Ausführung seiner Pläne zu finden wußte, daß sich -wieder Baukünstler fanden, die es nicht verschmähten, ihre Kräfte -den einfachen Aufgaben zu widmen, die ihnen der Heimatschutz -entgegenbrachte, die wieder schlichte Häuser und Wohnungen in -künstlerischem Sinne durchzugestalten lernten, anstatt nur in hoher -Architektur zu machen. Und seine Gründung, der Landesverein Sächsischer -Heimatschutz, seine Mitarbeiter und gleichgesinnte Männer waren bei -all seinen Bestrebungen getreue Helfer. Die Worte, die der zweite -Vorsitzende unsres Vereins, der langjährige Freund des Entschlafenen, -Hofrat Professor O. Seyffert, am Sarge des Verewigten sprach, seien -hier angeführt: - -Wer älter wird, muß oft, sehr oft von lieben Freunden Abschied nehmen, -deren Leben und Schaffen ein Teil des eigenen Lebens und Schaffens war. - -Heute stehen Alte und Junge, Männer und Frauen an der Bahre des Mannes, -der ihr Freund, ihr Führer gewesen ist. Heute trauern Tausende des -sächsischen Volkes um Einen, der unendlich viel gegeben hat und dessen -reiches Geschenk in unserer harten, schweren Zeit immer bedeutsamer, -immer kostbarer wird. Er hat der Heimat gedient in jenen Zeiten, wo -wir Alten jung waren, er hat uns dereinst zur Mitarbeit aufgerufen, -er hat uns unser Leben wünschenswert gemacht, da er mit uns _uns_ und -_anderen_ die Heimat eroberte, nicht in Kampf und Streit, sondern in -friedvoller Arbeit. Und Segen krönte sein Werk. - -Wandern wir heute durch unser sächsisches Vaterland, so werden wir -überall an unsern Karl Schmidt gemahnt, überall werden wir die Spuren -seines Heimatschutzes antreffen. Da rauscht es aus den Bächen, da tönt -es aus den Gipfeln alter Bäume, da jubelt es im Sange der Vögel, da -klingt es aus den Volksliedern wanderfroher Gesellen, da leuchtet es -von den schlichten Dorfkirchen, Friedhöfen und traulichen Forsthäusern -und anderen Menschenwerken: _Heimatschutz_. - -Wer seine Heimat liebt, liebt auch sein Volk. - -Und wir wollen sagen: Wer seine Heimat liebt, den liebt auch das Volk. - -Und so erntete er, der reichen Segen spendete, reichen Dank. - -Als der Weltkrieg beendet war, als es galt, die Heimat vor dem -Materialismus, der sein widerwärtiges Haupt erhob, zu schützen, wo -unser Vaterland mehr Liebe als je gebrauchte, weil es krank und siech -war, wo so manches zusammenbrach, was wir dereinst hoffnungsfroh -errichtet, war es wieder unser Führer, der rastlos uns zu neuer Arbeit -rief. - -Und er war tätig bis in die letzte Zeit, wo seine Kräfte anfingen, -nachzulassen, wo er Anrecht hatte, vom Schaffen auszuruhen. Er tat es -nicht, der Nimmermüde, da er selbst seine Aufgabe nicht erfüllt sah. -Nun hat ihn der Tod in die ewige Heimat gerufen und seiner Arbeit ein -Ende gesetzt. - -Aber eins wissen wir. Uns ist er nicht gestorben, uns lebt er weiter. -Und wir wissen noch mehr. Wenn wir Alten ihm folgen werden, treten -die Jungen, die mit uns schon jetzt am gemeinsamen Werk arbeiteten, -in unsere vordersten Reihen, denn unsre heilige Sache ist nicht an -Personen gebunden. Sie wird uns stark machen, das Lebenswerk des -Heimgegangenen zwar nicht zu vollenden, aber weiterzuführen: denn -vollenden kann es ja niemand in der sich ewig neugestaltenden Welt, die -nicht alt wird wie wir Menschen, sondern jung bleibt. Aber die Liebe -wird nimmer aufhören, die dem Menschen mit seiner Heimat verbindet. - -Und das ist unser Trost und unser Glaube. Nun gilt es Abschied nehmen -von unsrem Freunde. Noch einmal sagen wir unseren Dank. Wir geloben, -wir Alten und wir Jungen, weiter zu wirken und zu schaffen im Dienste -_seines_ Heimatschutzes. Und dies Gelöbnis, lieber Karl Schmidt, ist -unser Dank, und so wirst du in uns und in späteren Geschlechtern -weiterleben. - - -Gedächtnisrede - -Von Pfarrer _W. Hoffmann_, Chemnitz - - Müder Glanz der Sonne, - blasses Himmelsblau, - von verklungner Wonne - träumet still die Au. - - Von der letzten Rose - löset lebenssatt - sich das letzte lose - bleiche Blumenblatt. - - Der Herbst ist wieder ins Land gekommen. Er ist die Zeit - des Sterbens. Aber auch er hat seine Schönheit und seinen - besonderen Segen. Denn er ist auch die Zeit der Ernte und - der Frucht. Wenn aber ein geliebter Mensch uns durch den Tod - entrissen wird, und das bittere Weh des Scheidens und Sterbens - über uns kommt, dann soll es uns ein Trost sein, daß wir auch - das menschliche Leben als eine Saat und Ernte anschauen dürfen. - Ihr, liebe trauernde Freunde, steht jetzt noch ganz unter den - dunklen Schatten des Todes. Die letzten Tage und Wochen, die - vielen bangen, schweren Stunden bis zum letzten Atemzug Eures - Heißgeliebten haben sich Euren Herzen aufs tiefste eingeprägt. - Zum letzten Male habt Ihr in sein stilles bleiches Antlitz - geschaut und seine erkalteten Hände gefaßt, die sonst so warm - in den Euren lagen. Und doch geht es auch durch diese dunklen - Tage wie ein stilles Leuchten. Denn welch’ ein reiches, - gesegnetes Leben ist hier zum Ziele gekommen! Und wenn wir - nun in dieser Stunde in Liebe und Verehrung und in großer - Dankbarkeit dieses Mannes gedenken, der so vielen teuer war, so - dürfen wir es tun mit dem Wort des Neuen Testaments: - - Wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen. - - Er war ein gesegneter Mann. Indem wir das aussprechen, geben - wir Gott die Ehre und danken ihm für dieses nun vollendete - Mannesleben. Gott hatte ihn gesegnet mit reichen Gaben, mit - körperlicher Kraft und Rüstigkeit bis ins Alter, und mit - den besonderen Geistesgaben, die ihn hinleiteten zu seinem - Lebensberuf. Und er hat den Acker seines Lebens nicht brach - liegen lassen. Im Segen hat er gesäet, hat sich in seinen - Lehrjahren die gründliche Ausbildung und Durchbildung - verschafft, die ihn dann befähigte, in seinen Meisterjahren so - große Aufgaben zu erfüllen. Das Geheimnis seiner Erfolge beruht - vor allem auch darin, daß er auch als Schaffender immer ein - Lernender blieb, getreu dem Goethewort: - - Wer fertig ist, dem ist nichts recht zu machen, - ein Werdender wird immer dankbar sein. - - Durfte er doch die Wiedergeburt der so tief daniederliegenden - deutschen Baukunst mit erleben und mit heraufführen helfen. Im - Staatsdienst allmählich zu leitenden Stellungen und zuletzt zur - höchsten für ihn erreichbaren Stelle emporsteigend, hat er das - Bauwesen in unserm engeren Vaterland entscheidend beeinflußt. - Viele öffentlichen Bauwerke geben Zeugnis von seinem Schaffen. - Auch die Baukunst ist beseelte Kunst. Sie weckt den harten, - toten Stein zu einem neuen Leben. Auch in den Bauten eines - Volkes offenbart sich sein Geist und sein Charakter. Denn es - ist der Geist, der sich den Körper baut. Unser Entschlafener - aber hat als einer der Ersten erkannt, daß wir auch auf diesem - Gebiet unsere Stammesart pflegen müssen. Darum ging er bei - unsern Vätern in die Schule, nicht um in falscher Altertümelei - und Deutschtümelei ihre Weise nachzuahmen, wie man es wohl - früher versuchte, sondern um in dieser Schule der Alten das - wiederzugewinnen, was wir verloren hatten, den Sinn für unsre - deutsche Eigenart, insbesondere den Sinn für Schlichtheit - und Klarheit. Daß er sich so als ein immer Lernender in den - Geist seiner Kunst versenkte, das war eine Saat, aus der dann, - besonders in den letzten Jahren vor dem Kriege, eine reiche - Ernte hervorging. So aber gehört auch er zu den Männern, die - uns den Weg in die Zukunft gewiesen haben. Denn wenn wir jetzt - durch die Not der Zeit zur Einfachheit geradezu gezwungen sind, - so hat die Lebensarbeit dieses klarschauenden Mannes schon seit - Jahren diesen Weg bahnen helfen. - - Doch mitten in seinem Schaffen blieb er ein Mensch mit einem - warmen Herzen. Auch von seinem persönlichen Leben dürfen wir - es sagen. Wer da säet im Segen, der wird auch ernten im Segen. - Viele danken ihm heute für seine treue Hilfsbereitschaft - und Liebe. Vor allen aber danken es ihm die Seinen. Vierzig - Jahre sollten sich in diesem Herbst vollenden, seit er mit - der Erwählten seines Herzens den Lebensbund schloß. Und heute - bezeugt es ihm die Gattin wieder, daß jener 20. November ein - Segenstag gewesen ist. Liebe hat einst das Band geknüpft, und - Treue hat es befestigt von Jahr zu Jahr. Liebe und Treue sind - die gute Saat gewesen, die Euch einen herrlichen Lebenssommer - schenkte und Euch auch den Herbst Eures Lebens vergoldete, - selbst noch die letzten Tage, als die sorgende Liebe der - Gattin nicht vom Bette des Kranken wich. Wo die echte Liebe - in zwei Herzen Wurzel geschlagen hat, da wird ja jeder Tag - des gemeinsamen Lebens, auch der Alltag mit seinen Pflichten - und Sorgen, ja selbst der Tag der Trübsal und der Schmerzen - zu einem goldnen Erntetag. So habt Ihr’s erleben dürfen, und - dafür dankt Ihr Gott. Und wie habt Ihr, seine drei Söhne, unter - dem besonderen Segen dieses Mannes, Eures Vaters, gestanden. - Des Vaters Segen bauet den Kindern Häuser, sagt ein anderes - Bibelwort. Er hat so viele Häuser im Lande gebaut. Aber Euch - half er bauen am Bau Eures eigenen Lebens, und jedes gute Wort, - jeder väterliche Rat, jede Warnung und Ermutigung und sein - ganzes Vorbild durften Euch als Bausteine dazu dienen. Und - _seine_ Freude war es, daß er selber den Segen seiner Liebe - ernten durfte im Blick auf seine Kinder und Schwiegerkinder und - im Anblick der jungen Enkelkinder, die er noch ganz besonders - in sein Herz geschlossen hatte. Auch er durfte sagen mitten in - allen Kämpfen, die ihm in seinem Wirken nicht erspart geblieben - sind: - - Laß Neider neiden, laß Hasser hassen, - was Gott mir gibt, das müssen sie mir lassen. - - Der Friede des Hauses, das Glück der Familie, die Gemeinschaft - der innig Verbundenen, das war die Ernte seiner Liebe, die Gott - ihm gegeben. - - Was Gott mir gibt, das müssen sie mir lassen. Das gilt aber - auch von einem besonderen Werke, dem er gedient, ja das er - selbst ins Leben gerufen hat. Das Herz wird mir warm, wenn - ich nun sprechen darf im Namen vieler Tausende hier an diesem - Sarge. Du gesegneter Mann, was bist du uns geworden als ein - Vorkämpfer für die deutsche Heimat und für alles, was uns - die Heimat lieb und wert macht! Unter deiner Führung haben - wir erkannt, daß wir nicht nur im Kriege, sondern auch im - Frieden die Heimat schützen müssen, unsre Hände halten müssen - über all den Schätzen, die durch Natur und Geschichte, durch - Gottes Hand und durch die Hände unsrer Väter dem Heimatlande - geschenkt sind. Es sind jene Schätze, die nichts mit der Valuta - und mit dem Marktwert zu tun haben, die aber eben darum unsre - kostbarsten sind. Es sind die Güter, in denen unsre Gemütswerte - ruhen. Diese Werte zu schützen gegenüber den allbeherrschenden - materiellen Interessen, und zugleich in dem, was Neues - geschaffen wird, den Sinn für das Heimatliche und Bodenständige - neu zu wecken, das ist unsrem Freunde und Führer die besondere - Aufgabe seines späteren Lebens geworden. Aus den Erfahrungen - seines Berufes ist ihm diese neue Aufgabe erwachsen. Und er - griff sie auf mit der ganzen Wärme seines Herzens, zugleich - aber auch mit der ganzen Tatkraft seines Willens. Weil sich - in ihm das Starke und das Milde paarten, das zarte, feine - Verständnis für alles Heimatliche und der überlegene Wille, - diesem Verständnis neue Geltung in unsrem Volke zu schaffen, - darum war er der berufene Mann, unsren Sächsischen Heimatschutz - ins Leben zu rufen und ihn zur stärksten derartigen - Organisation in Deutschland zu machen. Bald genug freilich - mußte er die Wahrheit des Wortes erfahren: - - Leicht beieinander wohnen die Gedanken, - Doch hart im Raume stoßen sich die Sachen. - - Aber in den Kämpfen um die Verwirklichung des - Heimatschutzgedankens hat er es immer wieder wahr gemacht: - Was Gott mir gibt, das müssen sie mir lassen. So hat er - sich als ein wahrer Freund seines Volkes bewährt. Er hat - mitgekämpft für das große Ziel, jedem Deutschen ein wirkliches - Heim und ein Stück Heimaterde zu verschaffen. Und sind wir - auch von diesem Ziele noch weit entfernt, so ist es ihm doch - beschieden gewesen, auch hier aus seiner Saat schon eine reiche - Ernte hervorgehen zu sehen. Der Gedanke des Heimatschutzes - marschiert. Er kann nicht mehr aufgehalten werden. Die Idee hat - sich stärker erwiesen, als die ihr entgegenstehenden Mächte. - Sie ist schon eine Macht und ein Segen geworden. Wer da säet im - Segen, der wird auch ernten im Segen. - - Wo aber Ideen lebendig sind, die das System der bloßen - Nützlichkeit und des nackten persönlichen Vorteils - durchbrechen, wo der Sinn für das Ganze und die Liebe zum - Volke erwacht, da ist Gott. Wir danken Gott, daß er uns diesen - Mann schenkte und vielen zum Segen werden ließ. Und dem - allmächtigen, gnädigen Gott dürfen wir ihn getrost befehlen. - Sein Heimgang lenke unsre Blicke in die ewige Heimat, und die - hoffenden Herzen sprechen: Die Heimat der Seele ist droben im - Licht. Amen. - -Unter den Klängen des Liedes »Stille Nacht, heilige Nacht«, des -Lieblingsliedes des Verewigten, senkten wir am 10. Oktober auf dem -Inneren Neustädter Friedhof in Dresden die sterblichen Überreste -unseres unvergeßlichen Gründers und Führers in die Erde. - -[Illustration] - - - Für die Schriftleitung des Textes verantwortlich: Werner Schmidt - – Druck: Lehmannsche Buchdruckerei - Klischees von Römmler & Jonas, sämtlich in Dresden. - - - - -Soeben erschienen: - -Edgar Hahnewald - -Sächsische Landschaften - -Band III der Heimatbücherei - -des Landesvereins Sächsischer Heimatschutz - -Großoktav 250 Seiten ✤ hart gebunden - -_Vorzugspreis_ für Mitglieder des Landesvereins Sächsischer -Heimatschutz =M. 950.–= - -Bestellkarte in diesem Heft - - -Gerhard Platz »Vom Wandern und Weilen im Heimatland«, der erste -Band unsrer Heimatbücherei ist vergriffen und wird Ostern 1923 neu -erscheinen. Der zweite Band: Max Zeibig »Bunte Gassen, helle Straßen« -ist noch vorrätig und kostet jetzt M. 400.–. Nun reiht sich diesen -beiden köstlichen Büchern Edgar Hahnewalds »Sächsische Landschaften« -an. Stadtbaurat Rieß gab ihm auf Seite 253 dieses Heftes einige -warmherzige Einführungsworte. Und so hoffen wir, daß auch das dritte -Buch unsrer Heimatbücherei seinen Weg nehmen, die Sachsen Daheim und in -der Fremde erfreuen und unserm Heimatlande zum Segen gereichen möge. Es -entstand mit einem Kostenaufwand von mehreren Millionen Mark in einer -der wirtschaftlich schwersten Zeit Deutschlands, in einer Zeit, wo -viele verzagten. - - - - -Weihnachts-Verkaufs-Ausstellung - -sächsischer Volks- und Kleinkunst - -Spielwaren, Töpfereien, Holzarbeiten, Trachtenpuppen, erzgebirgische -Klöppelarbeiten, Spankorbwaren usw. - -Landesverein Sächsischer Heimatschutz - -Dresden-A., Schießgasse 24 - -gegenüber dem Polizeipräsidium - -Besichtigung ohne Kaufzwang gern gestattet - - -Lehmannsche Buchdruckerei, Dresden-A. - - - - - Weitere Anmerkungen zur Transkription - - - Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Die - Darstellung der Ellipsen wurde vereinheitlicht. Die Sperrung - der Autorennamen der Artikel wurde vereinheitlicht. - -*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK LANDESVEREIN SÄCHSISCHER -HEIMATSCHUTZ -- MITTEILUNGEN BAND XI, HEFT 10-12 *** - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the -United States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. Project Gutenberg is a registered trademark, -and may not be used if you charge for an eBook, except by following -the terms of the trademark license, including paying royalties for use -of the Project Gutenberg trademark. If you do not charge anything for -copies of this eBook, complying with the trademark license is very -easy. You may use this eBook for nearly any purpose such as creation -of derivative works, reports, performances and research. Project -Gutenberg eBooks may be modified and printed and given away--you may -do practically ANYTHING in the United States with eBooks not protected -by U.S. copyright law. Redistribution is subject to the trademark -license, especially commercial redistribution. - -START: FULL LICENSE - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full -Project Gutenberg-tm License available with this file or online at -www.gutenberg.org/license. - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project -Gutenberg-tm electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all -the terms of this agreement, you must cease using and return or -destroy all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your -possession. If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a -Project Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound -by the terms of this agreement, you may obtain a refund from the -person or entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph -1.E.8. - -1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be -used on or associated in any way with an electronic work by people who -agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few -things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works -even without complying with the full terms of this agreement. See -paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project -Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this -agreement and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm -electronic works. See paragraph 1.E below. - -1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the -Foundation" or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection -of Project Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual -works in the collection are in the public domain in the United -States. If an individual work is unprotected by copyright law in the -United States and you are located in the United States, we do not -claim a right to prevent you from copying, distributing, performing, -displaying or creating derivative works based on the work as long as -all references to Project Gutenberg are removed. Of course, we hope -that you will support the Project Gutenberg-tm mission of promoting -free access to electronic works by freely sharing Project Gutenberg-tm -works in compliance with the terms of this agreement for keeping the -Project Gutenberg-tm name associated with the work. You can easily -comply with the terms of this agreement by keeping this work in the -same format with its attached full Project Gutenberg-tm License when -you share it without charge with others. - -1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern -what you can do with this work. Copyright laws in most countries are -in a constant state of change. If you are outside the United States, -check the laws of your country in addition to the terms of this -agreement before downloading, copying, displaying, performing, -distributing or creating derivative works based on this work or any -other Project Gutenberg-tm work. The Foundation makes no -representations concerning the copyright status of any work in any -country other than the United States. - -1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg: - -1.E.1. The following sentence, with active links to, or other -immediate access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear -prominently whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work -on which the phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the -phrase "Project Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, -performed, viewed, copied or distributed: - - This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and - most other parts of the world at no cost and with almost no - restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it - under the terms of the Project Gutenberg License included with this - eBook or online at www.gutenberg.org. If you are not located in the - United States, you will have to check the laws of the country where - you are located before using this eBook. - -1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is -derived from texts not protected by U.S. copyright law (does not -contain a notice indicating that it is posted with permission of the -copyright holder), the work can be copied and distributed to anyone in -the United States without paying any fees or charges. If you are -redistributing or providing access to a work with the phrase "Project -Gutenberg" associated with or appearing on the work, you must comply -either with the requirements of paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 or -obtain permission for the use of the work and the Project Gutenberg-tm -trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted -with the permission of the copyright holder, your use and distribution -must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any -additional terms imposed by the copyright holder. Additional terms -will be linked to the Project Gutenberg-tm License for all works -posted with the permission of the copyright holder found at the -beginning of this work. - -1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm -License terms from this work, or any files containing a part of this -work or any other work associated with Project Gutenberg-tm. - -1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this -electronic work, or any part of this electronic work, without -prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with -active links or immediate access to the full terms of the Project -Gutenberg-tm License. - -1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary, -compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including -any word processing or hypertext form. However, if you provide access -to or distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format -other than "Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official -version posted on the official Project Gutenberg-tm website -(www.gutenberg.org), you must, at no additional cost, fee or expense -to the user, provide a copy, a means of exporting a copy, or a means -of obtaining a copy upon request, of the work in its original "Plain -Vanilla ASCII" or other form. Any alternate format must include the -full Project Gutenberg-tm License as specified in paragraph 1.E.1. - -1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying, -performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works -unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9. - -1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing -access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works -provided that: - -* You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from - the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method - you already use to calculate your applicable taxes. The fee is owed - to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he has - agreed to donate royalties under this paragraph to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments must be paid - within 60 days following each date on which you prepare (or are - legally required to prepare) your periodic tax returns. Royalty - payments should be clearly marked as such and sent to the Project - Gutenberg Literary Archive Foundation at the address specified in - Section 4, "Information about donations to the Project Gutenberg - Literary Archive Foundation." - -* You provide a full refund of any money paid by a user who notifies - you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he - does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm - License. You must require such a user to return or destroy all - copies of the works possessed in a physical medium and discontinue - all use of and all access to other copies of Project Gutenberg-tm - works. - -* You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of - any money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the - electronic work is discovered and reported to you within 90 days of - receipt of the work. - -* You comply with all other terms of this agreement for free - distribution of Project Gutenberg-tm works. - -1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project -Gutenberg-tm electronic work or group of works on different terms than -are set forth in this agreement, you must obtain permission in writing -from the Project Gutenberg Literary Archive Foundation, the manager of -the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the Foundation as set -forth in Section 3 below. - -1.F. - -1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable -effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread -works not protected by U.S. copyright law in creating the Project -Gutenberg-tm collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm -electronic works, and the medium on which they may be stored, may -contain "Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate -or corrupt data, transcription errors, a copyright or other -intellectual property infringement, a defective or damaged disk or -other medium, a computer virus, or computer codes that damage or -cannot be read by your equipment. - -1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right -of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project -Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project -Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all -liability to you for damages, costs and expenses, including legal -fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT -LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE -PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE -TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE -LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR -INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH -DAMAGE. - -1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a -defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can -receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a -written explanation to the person you received the work from. If you -received the work on a physical medium, you must return the medium -with your written explanation. The person or entity that provided you -with the defective work may elect to provide a replacement copy in -lieu of a refund. If you received the work electronically, the person -or entity providing it to you may choose to give you a second -opportunity to receive the work electronically in lieu of a refund. If -the second copy is also defective, you may demand a refund in writing -without further opportunities to fix the problem. - -1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth -in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO -OTHER WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT -LIMITED TO WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE. - -1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied -warranties or the exclusion or limitation of certain types of -damages. If any disclaimer or limitation set forth in this agreement -violates the law of the state applicable to this agreement, the -agreement shall be interpreted to make the maximum disclaimer or -limitation permitted by the applicable state law. The invalidity or -unenforceability of any provision of this agreement shall not void the -remaining provisions. - -1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the -trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone -providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in -accordance with this agreement, and any volunteers associated with the -production, promotion and distribution of Project Gutenberg-tm -electronic works, harmless from all liability, costs and expenses, -including legal fees, that arise directly or indirectly from any of -the following which you do or cause to occur: (a) distribution of this -or any Project Gutenberg-tm work, (b) alteration, modification, or -additions or deletions to any Project Gutenberg-tm work, and (c) any -Defect you cause. - -Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm - -Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of -electronic works in formats readable by the widest variety of -computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It -exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations -from people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future -generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see -Sections 3 and 4 and the Foundation information page at -www.gutenberg.org - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non-profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by -U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's business office is located at 809 North 1500 West, -Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up -to date contact information can be found at the Foundation's website -and official page at www.gutenberg.org/contact - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without -widespread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine-readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. To SEND -DONATIONS or determine the status of compliance for any particular -state visit www.gutenberg.org/donate - -While we cannot and do not solicit contributions from states where we -have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition -against accepting unsolicited donations from donors in such states who -approach us with offers to donate. - -International donations are gratefully accepted, but we cannot make -any statements concerning tax treatment of donations received from -outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff. - -Please check the Project Gutenberg web pages for current donation -methods and addresses. Donations are accepted in a number of other -ways including checks, online payments and credit card donations. To -donate, please visit: www.gutenberg.org/donate - -Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works - -Professor Michael S. Hart was the originator of the Project -Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be -freely shared with anyone. For forty years, he produced and -distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of -volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as not protected by copyright in -the U.S. unless a copyright notice is included. Thus, we do not -necessarily keep eBooks in compliance with any particular paper -edition. - -Most people start at our website which has the main PG search -facility: www.gutenberg.org - -This website includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. |
