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+<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.0 Transitional//EN">
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+<head>
+<title>DAS HAIDEDORF von Adalbert Stifter</title>
+<meta content="text/html; charset=UTF-8" http-equiv=
+"Content-Type">
+</head>
+
+<body>
+
+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Das Haidedorf, by Adalbert Stifter
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Das Haidedorf
+
+Author: Adalbert Stifter
+
+Posting Date: September 11, 2012 [EBook #7068]
+Release Date: December, 2004
+First Posted: March 5, 2003
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS HAIDEDORF ***
+
+
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+
+Produced by David Starner, Delphine Lettau, Olaf Voss, and
+the people at Disributed Proofing
+
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+
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+
+<center>
+<h1>DAS HAIDEDORF</h1>
+
+<p>von</p>
+
+<h2>Adalbert Stifter</h2>
+
+<p>EDITED FOR THE USE OF SCHOOLS</p>
+
+<p>BY</p>
+
+<p>OTTO HELLER</p>
+
+<p>professor of the German language and literature, Washington
+University</p>
+</center>
+
+<h3>PREFACE.</h3>
+
+<p>If any prose-writer may be called a poet, none is more worthy
+of that name than Adalbert Stifter. And, unless it be a
+requirement that, to be ranked as classic, a writer must be dead
+for many years, Stifter is entitled to an honorable place among
+the classic writers of Germany. Not all he has written bears the
+stamp of beauty and genius, but at his best he is truly great,
+and of his best we have a great deal.</p>
+
+<p>Adalbert Stifter was born in Oberplan, Bohemia, October 23d,
+1806. His father was a poor linen-weaver who was killed by an
+accident when the boy was only ten years old. An uncle assumed
+charge of his education and sent him to the monastic Latin School
+at Kremsm&uuml;nster. His education was completed in Vienna,
+whither he went in 1826, principally to study history and
+philosophy, but also to cultivate his love of nature by the
+pursuit of natural science and landscape-painting. His love for
+nature remained throughout his life the most characteristic trait
+of the man. In all his works, but especially in his "Studien," he
+showed himself to be a painter of words who has only one equal in
+German Literature--Paul Heyse. His love of detail confined him to
+one form of literary production, the short novel. And even within
+these narrow limits Stifter's works show little action. But for
+this we are amply compensated by the simple beauty of his
+diction, its calm moderated tone, with never a word superfluous
+or lacking, the manly nobility of his sentiment, and the almost
+womanly delicacy of his perception. No one can read "Das
+Haidedorf" without feeling the poet's love for man and
+nature.</p>
+
+<p>The two volumes of which "Das Haidedorf" forms a small part
+are entitled "Studien." In an English translation of extracts
+from Stifter this is rendered by "Sketches." Far from being
+sketches, they are exquisite studies carefully finished by a
+master hand. It may be said without exaggeration that the
+following beautiful prose-idyl will suggest to a sensitive and
+appreciative mind a succession of pictures destined to remain as
+permanent possessions of art. And, when it is added that the
+style is simple and modern, no further apology need be made for
+this publication, save this, that the "Studien" have not, as far
+as I have been able to gather, been reprinted singly.</p>
+
+<p>Stifter's life, like his writings, was idyllic. He was
+appointed in 1846 to one of the higher educational posts by the
+Austrian government, and took up his residence in Linz. This post
+he had to resign in 1856, owing to impaired health. His remaining
+years were spent in happy retirement, given to literary work,
+landscape-painting and his favorite pastime of horticulture.
+Adalbert Stifter died at Linz, Austria ob der Enns, January 28th,
+1868.</p>
+
+<p>OTTO HELLER.</p>
+
+<p>Philadelphia, February, 1891.</p>
+
+<p>N.B. The orthography of this edition is that used in the
+original edition of the "Studien."</p>
+
+<h3>I.</h3>
+
+<p>DIE HAIDE.</p>
+
+<p>Im eigentlichen Sinne des Wortes ist es nicht eine Haide,
+wohin ich den lieben Leser und Zuh&ouml;rer f&uuml;hren will,
+sondern weit von unserer Stadt ein traurig liebliches Fleckchen
+[1] Landes, das sie die Haide nennen, weil seit unvordenklichen
+Zeiten [2] nur kurzes Gras darauf wuchs, hie und da ein Stamm
+Haidef&ouml;hre, [3] oder die Kr&uuml;ppelbirke, an deren Rinde
+zuweilen ein Wollfl&ouml;ckchen hing, von den wenigen Schafen und
+Ziegen, die zeitweise [4] hier herumgingen. Ferner war noch in
+ziemlicher Verbreitung die Wachholderstaude [5] da, im Weitern
+[6] aber kein andrer Schmuck mehr; man m&uuml;&szlig;te nur [7]
+die fernen Berge hierher rechnen, die ein wundersch&ouml;nes
+blaues Band um das mattfarbige Gel&auml;nde [8] zogen.</p>
+
+<p>Wie es aber des Oeftern [9] geht, da&szlig; tiefsinnige
+Menschen, oder solche, denen die Natur allerlei wunderliche
+Dichtung und seltsame Gef&uuml;hle in das Herz gepflanzt hatte,
+gerade solche Orte aussuchen und liebgewinnen, weil sie da ihren
+Tr&auml;umen und innerem Klingklang nachgehen k&ouml;nnen: so
+geschah es auch auf diesem Haideflecke. Mit den Ziegen und
+Schafen n&auml;mlich kam auch sehr oft ein schwarz&auml;ugiger
+Bube von zehn oder zw&ouml;lf Jahren, eigentlich [10] um
+dieselben zu h&uuml;ten; aber wenn sich die Thiere
+zerstreuten--die Schafe um das kurze w&uuml;rzige Gras zu
+genie&szlig;en, die Ziegen hingegen, f&uuml;r die im Grunde [11]
+kein passendes Futter da war, mehr ihren Betrachtungen und der
+reinen Luft &uuml;berlassen, nur so gelegentlich den einen oder
+andern weichen Sprossen pfl&uuml;ckend--fing er inzwischen an,
+Bekanntschaft mit den allerlei Wesen zu machen, welche die Haide
+hegte [12], und schlo&szlig; mit ihnen B&uuml;ndni&szlig; und
+Freundschaft.</p>
+
+<p>Es war da ein etwas erhabener Punkt, an dem sich das graue
+Gestein, auch ein Mitbesitzer [13] der Haide, reichlicher
+vorfand, und sich gleichsam emporschob, ja sogar am Gipfel mit
+einer &uuml;berh&auml;ngenden Platte ein Obdach und eine
+Rednerb&uuml;hne bildete. Auch der Wachholder dr&auml;ngte sich
+dichter an diesem Orte, sich breit machend in vielzweigiger
+Abstammung [14] und Sippschaft [15] nebst manch
+sch&ouml;nblumiger Distel. B&auml;ume aber waren gerade hier weit
+und breit keine, we&szlig;halb eben die Aussicht weit
+sch&ouml;ner war, als an andern Punkten, vorz&uuml;glich gegen
+S&uuml;den, wo das ferne Moorland, so ungesund f&uuml;r seine
+Bewohner, so sch&ouml;n f&uuml;r das entfernte &Auml;uge,
+blauduftig [16] hinausschwamm in allen Abstufungen der Ferne. Man
+hie&szlig; den Ort den Ro&szlig;berg [17]; aus welchen
+Gr&uuml;nden, ist unbekannt, da hier nie seit Menschenbesinnen
+ein Pferd ging, was &uuml;berhaupt [18] ein f&uuml;r die Haide zu
+kostbares Gut gewesen w&auml;re.</p>
+
+<p>Nach diesem Punkte nun [19] wanderte unser kleiner Freund am
+allerliebsten, wenn auch seine Pflegebefohlenen [20] weit ab in
+ihren Berufsgesch&auml;ften gingen, da er aus Erfahrung
+wu&szlig;te, da&szlig; keines die Gesellschaft verlie&szlig;, und
+er sie am Ende alle wieder vereint fand, wie weit er auch nach
+ihnen suchen mu&szlig;te; ja, das Suchen war ihm selber
+abenteuerlich, vorz&uuml;glich, wenn er weit und breit wandern
+mu&szlig;te. Auf dem H&uuml;gel des Ro&szlig;berges gr&uuml;ndete
+er sein Reich. Unter dem &uuml;berh&auml;ngenden Blocke bildete
+er nach und nach durch manche Zuthat, [21] und durch
+m&uuml;hevolles, mit spitzen Steinen bewerkstelligtes [22]
+Wegh&auml;mmern einen Sitz, anfangs f&uuml;r Einen, dann
+f&uuml;glich f&uuml;r Drei ger&auml;umig [23] genug; auch ein und
+das andere Fach [24] wurde vorgefunden oder hergerichtet, oder
+andere bequeme Stellen und Winkel, wohin er seinen leinenen
+Haidesack legte, und sein Brot, und die unz&auml;hligen
+Haidesch&auml;tze, die er oft hieher zusammen trug. Gesellschaft
+war im Ueberma&szlig;e da. Vorerst [25] die vielen gro&szlig;en
+Bl&ouml;cke, die seine Burg bildeten, ihm alle bekannt und
+benannt, jeder anders an Farbe und Gesichtsbildung, der
+unz&auml;hligen kleinen gar nicht zu gedenken, die oft noch
+bunter und farbenfeuriger waren. Die gro&szlig;en theilte er ein,
+je nachdem sie ihn durch Abenteuerlichkeit entz&uuml;ckten, oder
+durch Gemeinheit &auml;rgerten: die kleinen liebte er alle. Dann
+war der Wachholder, ein widerspenstiger [26] Geselle,
+un&uuml;berwindlich z&auml;he in seinen Gliedern, wenn er einen
+k&ouml;stlichen, wohlriechenden Hirtenstab sollte fahren lassen,
+[27] oder Platz machen f&uuml;r einen anzulegenden [28]
+Weg;--seine Aeste starrten [29] rings von Nadeln, strotzten [30]
+aber auch in allen Zweigen von Gaben der Ehre, die sie Jahr aus
+Jahr ein den reichlichen Haideg&auml;sten auftischten, [31] die
+millionenmal Millionen blauer und gr&uuml;ner Beeren. Dann waren
+die wundersamen Haidebl&uuml;mchen, glutf&auml;rbig oder
+himmelblau brennend, zwischen dem sonnigen Gras des Gesteines,
+oder jene unz&auml;hlbaren kleinen, zwischen dem Wachholder
+sprossend, die ein wei&szlig;es Schn&auml;belchen aussperren, mit
+einem gelben Z&uuml;nglein darinnen--auch manche Erdbeere war hie
+und da, selbst zwei Himbeerstr&auml;uche, und sogar, zwischen den
+Steinen emporwachsend, eine lange Haselruthe. B&ouml;se
+Gesellschaft fehlte wohl [32] auch nicht, die er vom Vater gar
+wohl kannte, wenn sie auch sch&ouml;n war, z. B. hie und da, aber
+sparsam, die Einbeeren, [33] die er nur schonte, weil sie so
+gl&auml;nzend schwarz waren, so schwarz, wie gar nichts auf der
+ganzen Haide, seine Augen ausgenommen, die er freilich [34] nicht
+sehen konnte.</p>
+
+<p>Fast sollte man von der lebenden und bewegenden Gesellschaft
+nun gar nicht mehr reden, so viel ist schon da; aber diese
+Gesellschaft ist erst vollends ausgezeichnet. Ich will von den
+tausend und tausend goldenen, rubinenen, smaragdenen Thierchen
+und W&uuml;rmchen gar nichts sagen, die auf Stein, Gras und Halm
+kletterten, rannten und arbeiteten, weil er von Gold, Rubinen und
+Smaragden noch nichts sah, au&szlig;er was der Himmel und die
+Haide zuweilen zeigte;--aber von Anderem mu&szlig; gesprochen
+werden. Da war einer seiner G&uuml;nstlinge, ein schnarrender
+[35] purpurfl&uuml;gliger Springer, [36] der dutzendweise vor ihm
+aufflog, und sich wieder hinsetzte, wenn er eben seine Gebiete
+durchreiste--da waren dessen unz&auml;hlbare Vettern, die
+gr&ouml;&szlig;ern und kleinern Heuschrecken, in
+mi&szlig;farbiges Gr&uuml;n gekleidete Heiduken, [37] lustig und
+rastlos zirpend [38] und schleifend, [39] da&szlig; an
+Sonnentagen ein zitterndes Gesinge [40] l&auml;ngs der ganzen
+Haide war,--dann waren die Schnecken mit und ohne H&auml;user,
+braune und gestreifte, gew&ouml;lbte und platte, und sie zogen
+silberne Stra&szlig;en &uuml;ber das Haidegras, oder &uuml;ber
+seinen Filzhut, auf den er sie gerne setzte--dann die Fliegen,
+summende, singende, piepende, blaue, gr&uuml;ne,
+glasfl&uuml;glige--dann die Hummel, die schl&auml;frig
+vorbeil&auml;utete [41]--die Schmetterlinge, besonders ein
+kleiner mit himmelblauen Fl&uuml;geln, auf der Kehrseite [42]
+silbergrau mit gar anmuthigen Aeuglein, dann noch ein kleinerer
+mit Fl&uuml;geln, wie eitel [43] Abendr&ouml;the--dann endlich
+war die Ammer, und sang an vielen Stellen; die Goldammer, das
+Rotkehlchen, die Haidelerche, da&szlig; von ihr oft der ganze
+Himmel voll Kirchenmusik hing; der Distelfink, die
+Grasm&uuml;cke, der Kibitz, und andere und wieder andere. Alle
+ihre Nester lagen in seiner Monarchie, und wurden ausgesucht und
+besch&uuml;tzt. Auch manch rothes Feldm&auml;uschen sah er
+schl&uuml;pfen [44] und schonte sein, wenn es pl&ouml;tzlich
+stille hielt, und ihn mit den gl&auml;nzenden erschrockenen
+Aeuglein ansah. Von W&ouml;lfen oder andern gef&auml;hrlichen
+B&ouml;sewichtern war seit Urzeiten [45] aller seiner Vorfahren
+keiner erlebt worden, [46] manches eiersaufende [47] Wiesel
+ausgenommen, das er aber mit Feuer und Schwert verfolgte.</p>
+
+<p>Inmitten all dieser Herrlichkeiten stand er, oder ging, oder
+sprang, oder sa&szlig; er--ein herrlicher Sohn der Haide: aus dem
+tiefbraunen Gesichtchen voll G&uuml;te und Klugheit leuchteten in
+blitzendem, unbewu&szlig;tem Glanze die pechschwarzen Augen, voll
+Liebe und K&uuml;hnheit, und reichlich zeigend jenes gefahrvolle
+Element, was ihm geworden [48] und in der Haideeinsamkeit zu
+sprossen begann, eine dunkle glutenspr&uuml;hige Fantasie. Um die
+Stirne war eine Wildni&szlig; dunkelbrauner Haare, kunstlos den
+Winden der Fl&auml;che hingegeben. Wenn es mir erlaubt w&auml;re,
+so w&uuml;rde ich meinen Liebling vergleich en mit jenem
+Hirtenknaben aus den heiligen B&uuml;chern, der auch auf der
+Haide vor Bethlehem sein Herz fand, und seinen Gott, und die
+Tr&auml;ume der k&uuml;nftigen K&ouml;nigsgr&ouml;&szlig;e. Aber
+so ganz arm, wie unser kleiner Freund, war jener Hirtenknabe
+gewi&szlig; nicht; denn des ganzen lieben Tages L&auml;nge hatte
+er nichts, als ein t&uuml;chtig St&uuml;ck schwarzen Brotes,
+wovon er unbegreiflicher Weise [49] seinen bl&uuml;henden
+K&ouml;rper und den noch bl&uuml;hendern Geist n&auml;hrte, und
+ein klares k&uuml;hles Wasser, das unweit des Ro&szlig;berges
+vorquoll, [50] ein Br&uuml;nnlein f&uuml;llte, und dann flink
+l&auml;ngs der Haide forteilte, um mit andern Schwestern vereint
+jenem fernen Moore zuzugehen, dessen wir oben gedachten. Zu g u t
+e n Zeiten waren auch ein oder zwei Ziegenk&auml;se in der
+Tasche. Aber ein Nahrungsmittel hatte er in einer G&uuml;te und
+F&uuml;lle, wie es der &uuml;berreichste St&auml;dter nicht
+aufweisen kann, einen ganzen Ozean der heilsamsten Luft u m sich,
+und eine Farbe und Gesundheit reifende Lichth&uuml;lle &uuml; b e
+r sich. Abends, wenn er heim kam, wohin er sehr weit hatte,
+kochte ihm die Mutter eine Milchsuppe, oder einen k&ouml;stlichen
+Brei aus Hirse. [51] Sein Kleid war ein halbgebleichtes Linnen.
+Weiter hatte er noch einen breiten Filzhut, den er aber selten
+aufthat, sondern meistens in seinem Schlosse an einen Holznagel
+hing, der er in die Felsenritze geschlagen hatte.</p>
+
+<p>Dennoch war er stets lustig, und wu&szlig;te sich oft nicht zu
+halten vor Frohsinn. Von seinem K&ouml;nigssitze aus herrschte er
+&uuml;ber die Haide. Theils durchzog er sie weit und breit,
+theils sa&szlig; er hoch oben auf der Platte oder
+Rednerb&uuml;hne, und so weit das Auge gehen konnte, so weit ging
+die Fantasie mit, oder sie ging noch weiter, und &uuml;berspann
+die ganze Fernsicht mit einem Fadennetze von Gedanken und
+Einbildungen, und je l&auml;nger er sa&szlig;, desto dichter
+kamen sie, so da&szlig; er oft am Ende selbst ohnm&auml;chtig
+unter dem Netze steckte. Furcht der Einsamkeit kannte er nicht;
+ja, wenn recht weit und breit kein menschliches Wesen zu
+ersp&auml;hen war, und nichts, als die hei&szlig;e Mittagsluft
+l&auml;ngs der ganzen Haide zitterte, dann kam erst recht das
+ganze Gewimmel seiner innern Gestalten daher; [52] und
+bev&ouml;lkerte die Haide. Nicht selten stieg er dann auf die
+Steinplatte, und hielt sofort eine Predigt und Rede--unten
+standen die K&ouml;nige und Richter, und das Volk und die
+Heerf&uuml;hrer, und Kinder und Kindeskinder, zahlreich, wie der
+Sand am Meere; er predigte Bu&szlig;e und Bekehrung--und Alle
+lauschten auf ihn; er beschrieb ihnen das gelobte Land,
+verhie&szlig;, da&szlig; sie Heldenthaten thun w&uuml;rden, und
+w&uuml;nschte zuletzt nichts sehnlicher, als da&szlig; er auch
+noch ein Wunder zu wirken verm&ouml;chte. Dann stieg er hernieder
+und f&uuml;hrte sie an, in die fernsten und entlegensten Theile
+der Haide, wohin er wohl eine Viertelstunde zu gehen
+hatte--zeigte ihnen nun das ganze Land der V&auml;ter, und nahm
+es ein mit der Sch&auml;rfe des Schwertes. Dann wurde es unter
+die St&auml;mme ausgetheilt, und jedem das Seinige zur
+Vertheidigung angewiesen.</p>
+
+<p>Oder er baute Babilon, eine furchtbare und weitl&auml;ufige
+Stadt--er baute sie aus den kleinen Steinen des Ro&szlig;berges,
+und verk&uuml;ndete den Heuschrecken und K&auml;fern, da&szlig;
+hier ein gewaltiges Reich entstehe, das Niemand &uuml;berwinden
+kann, als Cyrus, der morgen oder &uuml;bermorgen kommen werde,
+den gottlosen K&ouml;nig Balsazar zu z&uuml;chtigen, wie es ja
+Daniel l&auml;ngst vorher gesagt hat.</p>
+
+<p>Oder er grub den Jordan ab, d. i. den Bach, der von der Quelle
+flo&szlig;, und leitete ihn anderer Wege--oder er that das alles
+nicht, sondern entschlief auf der offenen Fl&auml;che, und
+lie&szlig; &uuml;ber sich einen bunten Teppich der Tr&auml;ume
+weben. Die Sonne sah ihn an, und lockte auf die schlummernden
+Wangen eine R&ouml;the, so sch&ouml;n und so gesund, wie an
+gezeitigten Aepfeln, oder so reif, und kr&auml;ftig, wie an der
+Lichtseite vollk&ouml;rniger Haseln&uuml;sse, und wenn sie
+endlich gar die hellen gro&szlig;en Tropfen auf seine Stirne
+gezogen hatte, dann erbarmte ihr der Knabe [53] und sie weckte
+ihn mit einem hei&szlig;en Kusse.</p>
+
+<p>So lebte er nun manchen Tag und manches Jahr auf der Haide,
+und wurde gr&ouml;&szlig;er und st&auml;rker, und in das Herz
+kamen tiefere, dunklere und stillere Gewalten, und es ward ihm
+wehe und sehns&uuml;chtig--und er wu&szlig;te nicht, wie ihm
+geschah. Seine Erziehung hatte er vollendet, und was die Haide
+geben konnte, das hatte sie gegeben; der reife Geist schmachtete
+nun nach seinem Brote, dem W i s s e n, und das Herz nach seinem
+Weine, der L i e b e. Sein Auge ging &uuml;ber die fernen
+Duftstreifen des Moores, und noch weiter hinaus; als m&uuml;sse
+dort drau&szlig;en etwas sein was ihm fehle, und als m&uuml;sse
+er eines Tages seine Lenden g&uuml;rten, den Stab nehmen, und
+weit, weit von seiner Heerde gehen.</p>
+
+<p>Die Wiese, die Blumen, das Feld und seine Aehren, der Wald und
+seine unschuldigen Thierchen sind die ersten und
+nat&uuml;rlichsten Gespielen und Erzieher des Kinderherzens.
+Ueberla&szlig; den kleinen Engel nur seinem eigenen innern Gotte,
+und halte blo&szlig; die D&auml;monen ferne, und er wird sich
+wunderbar erziehen und vorbereiten. Dann, wenn das fruchtbare
+Herz hungert nach Wissen und Gef&uuml;hlen, dann schlie&szlig;
+ihm die Gr&ouml;&szlig;e der Welt, des Menschen und Gottes
+auf.</p>
+
+<p>Und somit la&szlig;t uns Abschied nehmen von dem Knaben auf
+der Haide.</p>
+
+<h3>II.</h3>
+
+<p>Das Haidehaus.</p>
+
+<p>Eine gute Wegestunde von dem Ro&szlig;berge stand ein Haus,
+oder vielmehr eine weitl&auml;ufige H&uuml;tte. Sie stand am
+Rande der Haide weit ab jeder Stra&szlig;e menschlichen
+Verkehres; sie stand ganz allein, und das Land um sie war selber
+wieder eine Haide, nur anders, als die, auf der der Knabe die
+Ziegen h&uuml;tete. Das Haus war ganz aus Holz, fa&szlig;te zwei
+Stuben und ein Hinterst&uuml;bchen, alles mit m&auml;chtigen
+braunschwarzen Tragebalken, daran manch Festkr&uuml;glein hing,
+mit sch&ouml;nen Trinkspr&uuml;chen [54] bemalt. Die Fenster,
+licht und ger&auml;umig, sahen auf die Haide, und das Haus war
+umgeben von dem Stalle, Schuppen [55] und der Scheune. Es war
+auch ein G&auml;rtlein vor demselben, worin Gem&uuml;se wuchs,
+ein Hollunderstrauch und ein alter Apfelbaum stand--weiter ab
+waren noch drei Kirschb&auml;ume, und unansehnliche
+Pflaumengestr&auml;uche. Ein Brunnen flo&szlig; vor dem Hause,
+k&uuml;hl, aber sparsam; er flo&szlig; von dem hohen starken
+Holzschafte in eine Kufe nieder, die aus einem einzigen
+Haidestein gehauen war.</p>
+
+<p>In diesem Hause war es sehr einsam geworden; es wohnten nur
+ein alter Vater und eine alte Mutter darinnen, und eine noch
+&auml;ltere Gro&szlig;mutter--und Alle waren sie traurig; denn er
+war fortgezogen, weit in die Fremde, der das Haus mit seiner
+jugendlichen Gestalt belebt hatte, und der die Freude Aller war.
+Freilich spielte noch ein kleines Schwesterlein an der
+Th&uuml;rschwelle, aber sie war noch gar zu klein, und war noch
+zu th&ouml;richt; denn sie fragte ewig, wann der Bruder Felix
+wieder kommen werde. Weil der Vater Feld und Wiese besorgen
+mu&szlig;te, so war ein anderer Ziegenknabe genommen worden;
+allein dieser legte auf der Haide Vogelschlingen, trieb immer
+sehr fr&uuml;h nach Hause, [56] und schlief gleich nach dem
+Abendessen ein. Alle Wesen auf der Haide trauerten um den
+sch&ouml;nen lockigen Knaben, der von ihnen fortgezogen.</p>
+
+<p>Es war ein traurig sch&ouml;ner Tag gewesen, an dem er
+fortgegangen war. Sein Vater war ein verst&auml;ndig stiller
+Mann, der ihm nie ein Scheltwort gegeben hatte, und seine Mutter
+liebte ihn, wie ihren Augapfel;--und aus i h r e m Herzen, dem er
+oft und gerne lauschte, sog er jene Weichheit und
+Fantasief&uuml;lle, die sie hatte, aber zu nichts verwenden
+konnte, als zu lauter Liebe f&uuml;r ihren Sohn. Den Vater ehrte
+sie als den Oberherrn, der sich Tag und Nacht so plagen
+m&uuml;sse, um den Unterhalt herbeizuschaffen, da die Haide karg
+war, und nur gegen gro&szlig;e M&uuml;he sparsame Fr&uuml;chte
+trug, und oft die nicht, wenn Gott ein hei&szlig;es Jahr
+&uuml;ber dieselbe herabsandte. Darum lebten sie in einer
+friedsamen Ehe, und liebten sich pflichtgetreu von Herzen, und
+standen einander in Noth und Kummer bei. Der Knabe kannte daher
+nie den giftigen Mehlthau f&uuml;r Kinderherzen, Hader und Zank,
+au&szlig;er, wenn ein st&ouml;&szlig;iger Bock [57] Irrsal
+stiftete, [58] den er aber immer mit t&uuml;chtigen P&uuml;ffen
+seiner Faust zu Paaren trieb, [59] was das b&ouml;seste Thier von
+ihm, und nur von ihm allein gutwillig litt, weil es wohl
+wu&szlig;te, da&szlig; er sein Besch&uuml;tzer und
+zuversichtlicher Kamerade sei. Der Vater liebte seinen Sohn wohl
+auch, und gewi&szlig; nicht minder als die Mutter, aber nach der
+Versch&auml;mtheit gemeiner St&auml;nde, zeigte er diese Liebe
+nie, am wenigsten dem Sohne--dennoch konnte man sie recht gut
+erkennen an der Unruhe, mit der er aus- und einging, und an den
+Blicken, die er h&auml;ufig gegen den Ro&szlig;berg that, wenn
+der Knabe einmal zuf&auml;llig sp&auml;ter von der Haide heim
+kam, als gew&ouml;hnlich--und der Bube wu&szlig;te und kannte
+diese Liebe sehr wohl, wenn sie sich auch nicht
+&auml;u&szlig;erte.</p>
+
+<p>Von solchen Eltern hatte er keinen Widerstand zu erfahren, als
+er den Entschlu&szlig; aussprach, in die Welt zu gehen, weil er
+durch aus nicht mehr zu Hause zu bleiben verm&ouml;ge. Ja, der
+Vater hatte schon seit langem wahrgenommen, wie der Knabe sich in
+Einbildungen und Dingen abqu&auml;le, die ihm selber von Kindheit
+an nie gekommen waren; er hielt sie de&szlig;halb f&uuml;r
+Geburten der Haideeinsamkeit, und sann auf deren Abhilfe. Die
+Mutter hatte zwar nichts Seltsames an ihrem Sohne bemerkt, weil
+eigentlich ohnehin ihr Herz in dem seinen schlug; allein sie
+willigte doch in seine Abreise aus einem dunklen Instinkte,
+da&szlig; er da ausf&uuml;hre, was ihm Noth thue.</p>
+
+<p>Noch e i n e Person mu&szlig;te gefragt werden, nicht von den
+Eltern, sondern von ihm: die G r o &szlig; m u t t e r. Er liebte
+sie zwar nicht so wie die Mutter, sondern ehrte und scheute sie
+vielmehr; aber sie war es auch gewesen, aus der er die
+Anf&auml;nge jener F&auml;den zog, aus welchen er vorerst seine
+Haidefreuden webte, dann sein Herz und sein ganzes
+zuk&uuml;nftiges Schicksal. Weit &uuml;ber die Grenze des
+menschlichen Lebens schon hinausgeschritten sa&szlig; sie, wie
+ein Schemen hinten am Hause im Garten an der Sonne, ewig einsam
+und ewig allein in der Gesellschaft ihrer Todten, und
+zur&uuml;ckspinnend an ihrer innern ewig langen Geschichte. Aber
+so wie sie dasa&szlig;, war sie nicht das gew&ouml;hnliche Bild
+unheimlichen Hochalters, sondern wenn sie oft pl&ouml;tzlich ein
+oder das andere ihrer innern Gesch&ouml;pfe anredete, als ein
+lebendes und vor ihr wandelndes; oder, wenn sie sanft
+l&auml;chelte, oder betete, oder mit sich selbst redete,
+wundersam spielend in Bl&ouml;dsinn und Dichtung, in Unverstand
+und Geistesf&uuml;lle: so zeigte sie gleichsam, wie eine
+m&auml;chtige Ruine, r&uuml;ckw&auml;rts auf ein
+denkw&uuml;rdiges Dasein. Ja, der Menschenkenner, wenn hier je
+einer hergekommen w&auml;re, w&uuml;rde aus den wenigen Blitzen,
+die noch gelegentlich auffuhren, leicht erkannt haben, da&szlig;
+hier eine Dichtungsf&uuml;lle ganz ungew&ouml;hnlicher Art
+vor&uuml;bergelebt worden war, ungekannt von der Umgebung,
+ungekannt von der Besitzerin, vor&uuml;bergelebt in dem
+schlechten Gef&auml;&szlig;e eines Haidebauerweibes. Ihre
+gem&uuml;threiche Tochter, die Mutter des Knaben, war nur ein
+schwaches Abbild derselben. Das alte Weib hatte in ihrem ganzen
+Leben voll harter Arbeiten nur ein einziges Buch gelesen, die
+Bibel; aber in diesem Buche las und dichtete sie siebenzig Jahre.
+Jetzt that sie es zwar nicht mehr, verlangte auch nicht mehr,
+da&szlig; man ihr vorlese; aber ganze Prophetenstellen sagte sie
+oft laut her, und in ihrem Wesen war Art und Weise jenes Buches
+ausgepr&auml;gt, so da&szlig; selbst zuletzt ihre
+gew&ouml;hnliche Redeweise etwas Fremdes und gleichsam
+Morgenl&auml;ndisches zeigte. Dem Knaben erz&auml;hlte sie die
+heiligen Geschichten. Da sa&szlig; er nun oft an
+Sonntagnachmittagen gekauert [60] an dem Hollunderstrauch--und
+wenn die Wunder, und die Helden kamen, und die
+f&uuml;rchterlichen Schlachten, und die Gottesgerichte--und wenn
+sich dann die Gro&szlig;mutter in die Begeisterung geredet, [61]
+und der alte Geist die Ohnmacht seines K&ouml;rpers
+&uuml;berwunden hatte--und wenn sie nun anfing,
+zur&uuml;ckgesunken in die Tage ihrer Jugend, mit dem welken
+Munde z&auml;rtlich und schw&auml;rmerisch zu reden, mit einem
+Wesen, das er nicht sah, und in Worten, die er nicht verstand,
+aber tief ergriffen instinktm&auml;&szlig;ig nachf&uuml;hlte, und
+wenn sie um sich alle Helden der Erz&auml;hlung versammelte, und
+ihre eigenen Verstorbenen einmischte, und nun alles durcheinander
+reden lie&szlig;: da grauete er sich innerlich entsetzlich ab,
+[62] und um so mehr, wenn er sie gar nicht mehr verstand--allein
+er schlo&szlig; alle Thore seiner Seele weit auf, und lie&szlig;
+den fantastischen Zug [63] eingehen, und nahm des andern Tages
+das ganze Get&uuml;mmel mit auf die Haide, wo er Alles wieder
+nachspielte.</p>
+
+<p>Dieser Gro&szlig;mutter nun wollte er sein Vorhaben deuten,
+damit sie ihn nicht eines Tages zuf&auml;llig vermisse, und sich
+innerlich kr&auml;nke, als sei er gestorben.</p>
+
+<p>Und so--an einem fr&uuml;hen Morgen stand er neben den Eltern
+reisefertig vor der Th&uuml;r, sein d&uuml;rftig Linnenkleid an,
+den breiten Hut auf dem Haupte, den Wacholderstab in der Hand,
+umgeh&auml;ngt den Haidesack, in welchem zwei Hemden waren und
+K&auml;se und Brot. Eingen&auml;ht in die Brusttasche hatte er
+das wenige Geld, welches das Haus vermochte.</p>
+
+<p>Die Gro&szlig;mutter, immer die erste wach, knieete bereits
+nach ihrer Sitte inmitten der Wiese an ihrem Holzschemel, den sie
+dahin getragen, und betete. Der Knabe warf einen Blick auf den
+Haiderand, welcher schwarz den lichten Himmel schnitt--dann trat
+er zu der Gro&szlig;mutter und sagte: "Liebe Mutter, ich gehe
+jetzt, lebet wohl und betet f&uuml;r mich!"</p>
+
+<p>"Kind, du mu&szlig;t der Schafe achten, der Thau ist zu
+fr&uuml;h, und zu k&uuml;hl!"</p>
+
+<p>"Nicht auf die Haide gehe ich, Gro&szlig;mutter, sondern weit
+fort in das Land, um zu lernen und t&uuml;chtig zu werden, wie
+ich es Euch ja gestern Alles gesagt habe."</p>
+
+<p>"Ja, Du sagtest es," erwiederte sie, "Du sagtest es, mein
+Kind--ich habe Dich mit Schmerzen geboren, aber Dir auch Gaben
+gegeben, zu werden, wie einer der Propheten und Seher--ziehe mit
+Gott, aber komme wieder, Jacobus!"</p>
+
+<p>Jacobus hatte ihr Sohn gehei&szlig;en, der auch einmal
+fortgegangen, vor mehr als sechzig Jahren, aber nie wieder
+zur&uuml;ckgekehrt war.</p>
+
+<p>"Mutter," sagte er noch einmal, "gebt mir Eure Hand."</p>
+
+<p>Sie gab sie ihm; er sch&uuml;ttelte sie und sagte: "Lebt wohl,
+lebt wohl."</p>
+
+<p>"Amen, Amen," sagte sie, als h&ouml;rte sie zu beten auf.</p>
+
+<p>Dann wandte sich der Knabe gegen die Eltern; das Herz war ihm
+so sehr emporgeschwollen--er sagte nichts, sondern mit eins hing
+er am Halse der Mutter, und sie, hei&szlig; weinend,
+k&uuml;&szlig;te ihn auf beide Wangen, und schob ihm noch ein
+Geldst&uuml;ck zu, das sie einst als Pathengeschenk empfangen,
+und immer aufgehoben hatte, allein er nahm es nicht. Dem Vater
+reichte er blo&szlig; die Hand, weil er sich nicht getraute, ihn
+zu umarmen. Dieser machte ihm ein Kreuz auf die Stirne, auf den
+Mund und die Brust, und als hierbei seine rauhe Hand zitterte,
+und um den harten Mund ein heftiges Zucken ging, da hielt sich
+der Knabe nicht mehr. Mit einem Thr&auml;nengusse warf er sich an
+die Brust des Vaters, und dessen linker Arm umkrampfte [64] ihn
+eine Sekunde, dann lie&szlig; er ihn los, und schob ihn wortlos
+gegen die Haide. Die Mutter aber rief ihn noch einmal, und sagte,
+er m&ouml;ge doch auch das kleine Schwesterchen gesegnen, [65]
+die man in ihrem Bettlein ganz vergessen habe. Drei Kreuze machte
+er &uuml;ber den schlafenden Engel, dann schritt er schnell
+hinaus, und ging trotzig vorw&auml;rts gegen die Haide.</p>
+
+<p>So ziehe mit Gott, du unschuldiger Mensch, und bringe nur das
+Kleinod wieder, was du so leichtsinnig forttr&auml;gst!</p>
+
+<p>Als er an den Ro&szlig;berg gekommen, ging die Sonne auf, und
+schaute in zwei treuherzige, zuversichtliche, aber rothgeweinte
+Augen. Am Haidehause spiegelte sie sich in den Fenstern, und an
+der Sense des Vaters, der m&auml;hen ging.</p>
+
+<h3>III.</h3>
+
+<p>Das Haidedorf.</p>
+
+<p>Des ersten Abends war es &ouml;de und verlassen, und den
+beiden Eltern that das Herz weh, als sie in der D&auml;mmerung
+des Sommers zu Bette gingen, und auf seine leere Schlafstelle
+sahen. Um denselben Menschen, der vielleicht eben jetzt noch auf
+d&uuml;rrer Heerstra&szlig;e wanderte, und von Keinem beachtet,
+ja von den Meisten v e r a c h t e t wurde, brachen fast zwei
+naturrohe Herzen im entlegenen Haidehause, da&szlig; sie ihn von
+nun an, vielleicht auf immer entbehren sollten; aber sie
+dr&uuml;ckten den Schmerz in sich, und jedes trug ihn einsam,
+weil es zu schamhaft und unbeholfen war, sich zu
+&auml;u&szlig;ern.</p>
+
+<p>Aber es kam ein zweiter Tag, und ein dritter, und ein vierter,
+ein jeder spannte denselben gl&auml;nzenden Himmelsbogen
+&uuml;ber die Haide, und funkelte nieder auf die Fenster und das
+altergraue Dach des Hauses eben so freundlich und lieblich, wie
+als er noch dagewesen war.</p>
+
+<p>Und dann kamen wieder Tage und wieder.</p>
+
+<p>Die Arbeit und Freude des Landmanns, durch Jahrtausende
+einf&ouml;rmig, und durch Jahrtausende noch unersch&ouml;pft, zog
+auch hier ger&auml;uschlos und magisch ein St&uuml;ck ihrer
+uralten Kette durch die H&uuml;tte, und an jedem ihrer Glieder
+hing ein Tr&ouml;pflein Vergessenheit.</p>
+
+<p>Die Gro&szlig;mutter trug nach wie vor ihren Holzschemel auf
+die Wiese, und betete daran, und sie und klein Marthe fragten
+t&auml;glich, wann denn Felix komme. Der Vater m&auml;hete Roggen
+und Gerste--die Mutter machte K&auml;se und band Garben--und der
+fremde Ziegenbube trieb t&auml;glich auf die Haide. Von Felix
+wu&szlig;te man nichts.</p>
+
+<p>Die Sonne ging auf, und ging unter, die Haide wurde
+wei&szlig;, und wurde gr&uuml;n, der Hollunderbaum und der
+Apfelbaum bl&uuml;heten vielmal--klein Marthe war gro&szlig;
+geworden, und ging mit, um zu heuen [66] und zu ernten, aber sie
+fragte nicht mehr,--und die Gro&szlig;mutter, ewig und
+unbegreiflich hinaus lebend, wie ein vom Tode vergessener Mensch,
+fragte auch nicht mehr, weil er ihr entfallen war, oder sich zu
+ihren heimlichen Fantasiegestalten gesellt hatte.</p>
+
+<p>Die Felder des Haidebauers besserten sich nachgerade, als ob
+der Himmel seine Einsamkeit segnen und ihm vergelten wollte, und
+es wurde ihm so gut, [67] da&szlig; er schon manchen
+Getreidesack, aufladen, und mit sch&ouml;nen Ochsen
+fortf&uuml;hren konnte, wof&uuml;r er dann einige Thaler Geldes,
+und Neuigkeiten von der Welt drau&szlig;en heimbrachte. Einmal
+kam auch ein Schreinergeselle mit seinem Wanderpacke [68] zu
+Vater Niklas, dem Haidebauer, und brachte einen Gru&szlig; und
+einen Brief von Felix, und sagte, da&szlig; derselbe in der
+gro&szlig;en, weit entfernten Hauptstadt ein schmucker,
+flei&szlig;iger Student sei, da&szlig; ihn Alles liebe, und
+da&szlig; er gar eines Tages Kaplan in der gro&szlig;en Domkirche
+werden k&ouml;nnte. Der Schreinergeselle wurde &uuml;ber Nacht im
+Haidehause gut gehalten, und lie&szlig; eitel Freude [69]
+zur&uuml;ck, als er des andern Tages in entgegengesetzter
+Richtung von dannen zog. [70] So kam es, da&szlig; jedes Jahr
+ein- oder zweimal ein Wandersmann den Umweg &uuml;ber die Haide
+machte, dem sch&ouml;nen, freundlichen, handsamen J&uuml;nglinge
+zu Liebe, der gern einen Gru&szlig; an sein liebes
+M&uuml;tterchen schicken wollte. Ja sogar einesmals kam Einer
+geschritten, und conterfeite das H&auml;uschen sammt dem Brunnen
+und Flieder- und Apfelbaume.</p>
+
+<p>Auch andere Ver&auml;nderungen begannen auf der Haide. Es
+kamen einmal viele Herren und verma&szlig;en ein St&uuml;ck
+Haideland, das seit Menschengedenken keines Herrn Eigenthum
+gewesen war, und es kam ein alter Bauersmann, und zimmerte mit
+vielen S&ouml;hnen und Leuten ein Haus darauf, und fing an, den
+vermessenen Fleck urbar zu machen. Er hatte fremdes Korn
+gebracht, das auf dem Haideboden gut anschlug, [71] und im
+n&auml;chsten Jahre wogte ein gr&uuml;ner Aehrenwald
+zun&auml;chst an Vater Niklas Besitzungen, wo noch im vorigen
+Fr&uuml;hlinge nur Schlehen und Liebfrauenschuh gebl&uuml;ht
+hatten. Der alte Bauer war ein freundlicher Mann, ein Mann vieler
+Kenntnisse, und teilte gerne seinen Rath und sein Wissen und
+seine H&uuml;lfe an die fr&uuml;hern Haidebewohner, und hielt
+gute Nachbarschaft mit Vater Niklas. Sie fuhren nun Beide gar in
+die Stadt, verkauften dort ihr Getreide weit besser, und am
+Getreidemarkt im goldenen Rosse waren die Haidebauern wohl
+gekannt und wohlgelitten.</p>
+
+<p>Nach und nach kamen neue Ansiedler; auch eine Stra&szlig;e
+wurde von der Grundherrschaft [72] &uuml;ber die Haide gebahnt,
+so da&szlig; nun manchmal des Weges ein vornehmer Wagen kam,
+de&szlig;gleichen man noch nie auf der Haide gesehen. Auch des
+alten Bauers S&ouml;hne bauten sich an, [73] und einer, sagte man
+sich in's Ohr, werde wohl sch&ouml;n Marthens Br&auml;utigam
+werden. Und so, ehe sieben Jahre in's Land gegangen, standen
+schon f&uuml;nf H&auml;user mit St&auml;llen und Scheunen, mit
+Giebeln und D&auml;chern um das kleine, alte, graue Haidehaus,
+und Felder und Wiesen und Wege und Z&auml;une gingen fast bis auf
+eine Viertelstunde Weges gegen den Ro&szlig;berg, der aber noch
+immer so einsam war, wie sonst;--und am Pankratiustage hatte
+Vater Niklas die Freude, zum Richter des Haidedorfes gew&auml;hlt
+zu werden,--er der Erste seit der Erschaffung der Welt, der solch
+Amt und W&uuml;rde auf diesem Flecke bekleidete.</p>
+
+<p>Wieder waren Jahre um Jahre vergangen, die Obstbaumsetzlinge,
+zarte Stangen, wie sie der alte Nachbarsbauer gebracht und an
+Niklas mitgeteilt hatte, standen nun schon als wirthliche
+B&auml;ume da, und brachten reiche Frucht, und manchen
+Sonntagstrunk an Obstwein.--Marthe war an Nachbars Benedikt
+verheirathet, und sie trieben eigene Wirthschaft. [74]--Die Haide
+war wei&szlig; und wieder gr&uuml;n geworden; aber des Vaters
+Haare b l i e b e n wei&szlig;, und die Mutter fing bereits an,
+der Gro&szlig;mutter &auml;hnlich zu werden, welche
+Gro&szlig;mutter allein unverw&uuml;stlich und
+unver&auml;nderlich blieb, immer und ewig am Hause sitzend, ein
+tr&auml;umerisches Ueberbleibsel, gleichsam, als warte sie auf
+Felixens R&uuml;ckkehr. Aber Felix schien, wie einst Jacobus,
+verschollen zu sein aus der Haide. Seit drei Jahren kam keine
+Kunde und kein Wandersmann.--In der Hauptstadt, wohin gar
+Benedikt gegangen, um ihn zu suchen, war er nicht zu finden, und
+im Amte sagten ihm die Kanzleiherren [75] aus einem gro&szlig;en
+Buche, er sei au&szlig;er Landes gegangen, vielleicht gar
+&uuml;ber das Meer. Der Vater h&ouml;rte schon auf, von ihm zu
+reden; Marthe hatte ein Kindlein und dachte nicht an ihn, die
+Haided&ouml;rfler kannten ihn nicht, und liebten ihn auch nicht,
+als einen, der da einmal davongegangen; die Gro&szlig;mutter
+fragte nur bisweilen nach Jacobus:--aber das Mutterherz trug ihn
+unverwischt und schmerzhaft in sich, seit dem Tage, als er von
+dannen gezogen und an ihrem Busen geweint hatte--und das
+Mutterherz trug ihn Abends in das Haus, und Morgens auf die
+Felder--und das Mutterherz war es auch allein, das ihn erkannte,
+als einmal am Pfingstsamstage durch die Abendr&ouml;the ein
+wildfremder sonnverbrannter Mann gewandert kam, den Stab in der
+Hand, das R&auml;nzlein auf dem R&uuml;cken, und stehen blieb vor
+dem Haidehause.</p>
+
+<p>"Felix"--"Mutter!"</p>
+
+<p>Ein Schrei und ein Sturz an das Herz.</p>
+
+<p>Das Mutterherz ist der sch&ouml;nste und unverlierbarste Platz
+des Sohnes, selbst wenn er schon graue Haare tr&auml;gt--und
+jeder hat im ganzen Weltall nur ein e i n z i g e s solches
+Herz.</p>
+
+<p>Das alte Weib brach an ihm fast nieder vor Schluchzen, und er,
+vielleicht seit Jahren keiner Thr&auml;ne mehr gewohnt,
+lie&szlig; den Bach seiner Augen str&ouml;men, und hob sie zu
+sich auf, und dr&uuml;ckte sie, und streichelte ihre grauen
+Haare, nicht sehend, da&szlig; Vater und Schwester, und das halbe
+Dorf um sie Beide standen.</p>
+
+<p>"Felix, mein Felix, wo kommst Du denn her?" fragte sie
+endlich.</p>
+
+<p>"Von Jerusalem, Mutter, und von der Haide des Jordans.--Gott
+gr&uuml;&szlig;' Euch, Vater, und Gott gr&uuml;&szlig;e Euch,
+Gro&szlig;mutter! Jetzt bleib' ich lange bei Euch, und geliebt
+[76] es Gott, auf immer."</p>
+
+<p>Er schlo&szlig; den zitternden Vater an's Herz, und dann die
+alte Gro&szlig;mutter, die fast schamhaft und dem&uuml;thig bei
+Seite stand--und dann noch einmal den Vater, den sch&ouml;nen,
+alten, braunen Mann mit den schneewei&szlig;en Haaren, den er mit
+noch dichten dunkeln Locken verlassen hatte, und der doppelt
+liebenswerth da stand durch die unbeh&uuml;lfliche Verlegenheit,
+in die er dem stattlichen Sohne gegen&uuml;ber gerieth;--das
+Mutterherz aber, sich immer ihres unverj&auml;hrbaren Ranges
+bewu&szlig;t, zeigte nichts dem Aehnliches; sie [77] sah nicht
+seine Gestalt und seine Kleider, sondern ihr Auge hing die ganze
+Zeit &uuml;ber an seinem Angesichte, und es gl&auml;nzte und
+funkelte, und sch&auml;umte fast &uuml;ber vor Freude und vor
+Stolz, da&szlig; Felix so sch&ouml;n geworden, und so
+herrlich.</p>
+
+<p>Endlich, als sich sein Herz etwas ges&auml;ttigt, fiel ihm
+klein Marthe bei [78]; er fragte nach ihr, und sein Auge suchte
+am Boden umher--allein die Mutter f&uuml;hrte ihm ein
+bl&uuml;hendes Weib vor, mit hellen blauen Augen, ein Kind auf
+dem Arme, wie eine Madonna, deren er in Welschland [79] auf
+Bildern gesehen--er erkannte im K i n d e klein Marthe, die
+Mutter des Kindes getraute er sich aber nicht zu k&uuml;ssen, und
+auch sie stand bl&ouml;de vor ihm, und sah ihn blo&szlig;
+liebreich an--endlich gr&uuml;&szlig;ten und k&uuml;&szlig;ten
+sie sich herzinnig als Geschwister und der ehrliche Benedikt
+reichte ihm die Hand und sagte, wie er ihn vor zwei Jahren so
+emsig in der ungeheuersten Entfernung gesucht habe.</p>
+
+<p>"Da war ich im Lande Egypten," sagte Felix, "und Ihr
+h&auml;ttet mich auch dort kaum erfragt; denn ich war in der
+W&uuml;ste."</p>
+
+<p>Auch die Bauern und ihre Weiber und Kinder, die sich vor
+Niklas Hause eingefunden hatten, und ehrbar neugierig
+umherstanden, gr&uuml;&szlig;te er alle freundlich, l&uuml;ftete
+den Reisehut, und reichte ihnen, obwohl unbekannt, die Hand.</p>
+
+<p>Endlich ging man in das Haus und nach Haidesitte gingen viele
+Nachbarn mit, und waren dabei, wie er Geschenke und Berichte
+auspackte. Auf der Gasse wurde es stille, die Menschen suchten
+nach dortigem Gebrauche zeitig ihre Schlafstellen, und die rothen
+Pfingstwolken leuchteten noch lange &uuml;ber dem Dorfe.</p>
+
+<h3>IV.</h3>
+
+<p>Der Haidebewohner.</p>
+
+<p>Und als des andern Tages die ersten Sonnenstrahlen
+gl&auml;nzten, und die Haidedorfbewohner bereits im Festputze
+ger&uuml;stet waren, um zur fernen Kirche zu gehen: so war einer
+der Bewohner mehr, und einer der Kirchg&auml;nger mehr. Die Nacht
+hatte es Manchem verwischt, [80] da&szlig; er gekommen, aber der
+Morgen brachte ihnen wieder neu den neuen Besitz, damit sie sich
+daran erg&ouml;tzten: Die Einen mit ihrer Neugierde, die Andern
+mit ihrer Liebe--Alle aber hatten eine unsichere Scheu, selbst
+die Eltern, was es denn w&auml;re, das ihnen an ihm
+zur&uuml;ckgebracht worden sei, und ob er nicht ein fremdes Ding
+in der &uuml;brigen Gleichheit und Einerleiheit [81] des Dorfes
+w&auml;re.</p>
+
+<p>Er aber stand schon angekleidet, Und zwar in dem leinenen
+Haidekleide und dem breiten Hute im Freien, und schaute mit den
+gro&szlig;en, gl&auml;nzenden, sanften Augen um sich, als die
+Mutter zu ihm trat und ihn fragte, ob er auch in die Kirche gehen
+werde, oder ob er m&uuml;de sei, und Gott zu Hause verehren
+wolle.</p>
+
+<p>"Ich bin nicht m&uuml;de," antwortete er freundlich, "und ich
+werde mit Euch gehen;" denn er sah, da&szlig; die Mutter zum
+Kirchengehen angezogen war, und da&szlig; auch der Vater in
+seinem Sonntagsrocke aus dem Hause komme.</p>
+
+<p>Festliche Gruppen zeigten sich hie und da auf dem Anger des
+Dorfes; Manche traten n&auml;her und gr&uuml;&szlig;ten, Andere
+hielten sich versch&auml;mt zur&uuml;ck, besonders die
+M&auml;dchen, und wieder andere, welche zu Hause blieben, und in
+der Festtagseinsamkeit das Dorf h&uuml;ten mu&szlig;ten, standen
+unter den Hausth&uuml;ren oder sonst wo, und schauten zu.</p>
+
+<p>Und als noch Pfingstthau auf den Haidegr&auml;sern funkelte
+und gl&auml;nzte, und als die Morgenk&uuml;hle wehte, setzte sich
+schon Alles in Bewegung, um zu rechter Zeit anzulangen--und so
+f&uuml;hrte denn Felix das alte Weib an seiner Hand, und leitete
+sie so z&auml;rtlich um den sanften Haideb&uuml;hel [82] hinan,
+wie sie einstens ihn, da er noch ein schwacher Knabe war und
+Sonntags Vormittags die Ziegen und Schafe zu Hause lassen durfte,
+damit er hinausgehe und das Wort Gottes h&ouml;re. Der Vater ging
+innerlich erfreut daneben, die Andern theils voran, theils
+hinten. Endlich war die letzte Gruppe hinter dem B&uuml;hel
+verschwunden, die Nachschauenden traten in ihre H&auml;user
+zur&uuml;ck, und kurz darauf war jene funkelnde Einsamkeit
+&uuml;ber den D&auml;chern, die so gern an heitern
+Sonntagvormittagen in den verlassenen D&ouml;rfern ist;--die
+Stunden r&uuml;ckten trockener und hei&szlig;er vor, eine
+d&uuml;nne blaue Rauchs&auml;ule stieg hie und da auf, und mitten
+in dem Garten des Haidehauses kniete die hagere Gro&szlig;mutter
+und betete.--Und wie endlich nach stundenlanger Stille durch die
+d&uuml;nne, weiche ruhende Luft, wie es sich zuweilen an ganz
+besonders schweigenden Tagen zutrug, der ferne feine Ton eines
+Gl&ouml;ckleins kam, da kniete manche Gestalt auf den Rasen
+nieder, und klopfte an die Brust;--dann war es wieder stille und
+blieb stille----die Sonnenstrahlen sanken auf die H&auml;user
+nieder, mehr und mehr senkrecht, dann wieder schr&auml;ge,
+da&szlig; die Schatten auf der andern Seite waren--endlich kam
+der Mittag, und mit ihm alle Kirchg&auml;nger--sie legten die
+sch&ouml;nsten Kleider und T&uuml;cher von dem erhitzten
+K&ouml;rper, thaten leichtere an, und jedes Haus verzehrte sein
+vorgerichtetes Pfingstmahl.</p>
+
+<p>Und was war es denn, was ihnen an Felix zur&uuml;ckgebracht
+worden war, und warum ist er denn so lange nicht gekommen, und wo
+ist er denn gewesen?</p>
+
+<p>Sie wu&szlig;ten es nicht.</p>
+
+<p>In der Kirche war er mit gewesen;--fast so kindlich
+and&auml;chtig, wie einst, hatte er auf die Worte des Priesters
+gehorcht, sanftm&uuml;thig war er neben der Mutter nach Hause
+gekehrt, und wenn dann bei Tische der Vater das Wort nahm, so
+brach Felix das seine aufmerksam ab, und h&ouml;rte zu--und gegen
+Abend sa&szlig; er mit der Gro&szlig;mutter im Schatten des
+Hollunderbusches, und redete mit ihr, die ihm ganz sonderbare und
+unverst&auml;ndliche Geschichten vorlallte [83]---und wenn dann
+so den Tag &uuml;ber die Neugier der Mutter in sein Auge blickte,
+halb selig, halb schmerzenreich, wenn sie nach den einstigen
+weichen Z&uuml;gen forschte--ihren ehemaligen heitern,
+treuherzigen, sch&ouml;nen Haideknaben suchte sie----und siehe,
+sie fand ihn auch: in leisen Spuren war das Bild des gutherzigen
+Knaben gepr&auml;gt in dem Antlitze des Mannes, aber unendlich
+sch&ouml;ner--so sch&ouml;n, da&szlig; sie oft einen Augenblick
+dachte, sie k&ouml;nne nicht seine Mutter sein;--wenn er den
+ruhigen Spiegel seiner Augen gegen sie richtete, so
+verst&auml;ndig und so g&uuml;tig--oder wenn sie die Wangen
+ansah, fast so jung, wie einst, nur noch viel dunkler
+gebr&auml;unt, da&szlig; dagegen die Z&auml;hne wie Perlen
+leuchteten, dieselben Z&auml;hne, die schon an dem Haidebuben so
+unschuldig und gesund gegl&auml;nzt--und um sie herum noch
+dieselben lieblichen Lippen, die aber jetzt reif und
+m&auml;nnlich waren, und so sch&ouml;n, als sollte sogleich ein
+s&uuml;&szlig;es Wort daraus hervorgehen, sei's der Liebe, sei's
+der Belehrung----</p>
+
+<p>"Er ist gut geblieben," jauchzte in ihr dann das Mutterherz;
+"er ist gut geblieben, wenn er auch viel vornehmer ist, als
+wir."</p>
+
+<p>Und in der That, es war ein solcher Glanz keuscher Reinheit um
+den Mann, da&szlig; er selbst von dem rohen Herzen des
+Haideweibes erkannt und geehrt wurde.</p>
+
+<p>Was lebte denn in ihm, das ihn unanger&uuml;hrt durch die Welt
+getragen, da&szlig; er seinen K&ouml;rper als einen Tempel
+wiederbrachte, wie er ihn einst aus der Einsamkeit
+fortgenommen?----</p>
+
+<p>Sie wu&szlig;ten es nicht; nur immer heiterer und fast
+einf&auml;ltiger legte sich sein Herz dar, [84]so wie die Stunden
+des ruhigen Festtages nach und nach verflossen.</p>
+
+<p>Sp&auml;t Abends erz&auml;hlte er ihnen, da alle um den
+wei&szlig;en buchenen Tisch sa&szlig;en, und auch Marthe mit
+ihrem Kinde da war, und Benedikt und andere Nachbarn-- er
+erz&auml;hlte ihnen von dem gelobten Lande, wie er dort gewesen,
+wie er Jerusalem und Bethlehem gesehen habe, wie er auf dem Tabor
+gesessen, sich in dem Jordan gewaschen;----den Sinai habe er
+gesehen, den furchtbar zerkl&uuml;fteten Berg, und in der
+W&uuml;ste sei er gewandelt.--Er sagte ihnen, wie seine
+gezimmerten Truhen mit dem Postboten kommen w&uuml;rden; dann
+werde er ihnen Erde zeigen, die er aus den heiligen L&auml;ndern
+mitgebracht--auch getrocknete Blumen habe er, und Kr&auml;uter,
+aus jenem Lande und Fu&szlig;tritte des Herrn, und was nur immer
+dort das Erdreich erzeuge und bringe--und viel heiliger, viel
+hei&szlig;er und viel einsamer seien je [85] Haiden und
+W&uuml;sten, als die hiesige, die eher ein Garten zu
+nennen----und wie er so redete, sahen alle auf ihn, und
+horchten--und sie verga&szlig;en, da&szlig; es Schlafenszeit
+vor&uuml;ber, da&szlig; die Abendr&ouml;the l&auml;ngst
+verglommen, da&szlig; die Sterne emporgezogen, und in dichter
+Schaar &uuml;ber den D&auml;chern gl&auml;nzten.</p>
+
+<p>Von St&auml;dten, den Menschen und ihrem Treiben hatte er
+nichts gesagt, und sie hatten nicht gefragt. Die Worte seines
+Mundes thaten so wohl, da&szlig; ihnen gerade das, was er sagte,
+das Rechte d&auml;uchte, und sie nicht nach Anderem fragten.</p>
+
+<p>Marthe trug endlich das schlafende Kind fort, Benedikt ging
+auch, die Nachbarn entfernten sich--und noch seliger und noch
+freudenreicher, als gestern gingen die Eltern zu Bette, und
+selbst der Vater dachte, Felix sei ja fast wie ein Prediger und
+Priester des Herrn.</p>
+
+<p>Auch auf die Haide war er gleich nach den Feiertagen gegangen,
+auf seiner Rednerb&uuml;hne war er gesessen; die K&auml;fer, die
+Fliegen, die Falter, die Stimme der Haidelerche und die Augen der
+Feldm&auml;uschen waren die n&auml;mlichen. Er schweifte herum,
+die Sonnenstrahlen spannen,--dort d&auml;mmerte das Moor, und ein
+Zittern und Zirpen und Singen----und wie der Vater ihn so wandeln
+sah, mu&szlig;te er sich &uuml;ber die d&uuml;nnen grauen Haare
+fahren, und mit der schwielenvollen Hand &uuml;ber die Runzeln
+des Angesichts streichen, damit er nicht glaube, sein K n a b e
+gehe noch dort, und es fehlen nur die Ziegen und Schafe,
+da&szlig; es sei wie einst, und da&szlig; die lange, lange Zeit
+nur ein Traum gewesen sei. Auch die Nachbarn, wie er so Tag nach
+Tag unter ihnen wandelte, wie ihn schon alle Kinder kannten, wie
+er jedem derselben, auch mit dem h&auml;&szlig;lichen, so
+freundlich redete, und wie er so im Linnenkleide durch die neuen
+Felder ging--glaubten ganz deutlich, er sei einer von ihnen, und
+doch war es auch wieder ganz deutlich, wie er ein weit anderer
+sei, als sie.</p>
+
+<p>Eine That m&uuml;ssen wir erz&auml;hlen, ehe wir weiter gehen,
+und von seinem Leben noch entwickeln, was vorliegt--eine That,
+die eigentlich geheim bleiben sollte, aber ausgebreitet wurde,
+und ihm mit eins alle Herzen der Haidebewohner gewann.</p>
+
+<p>Als endlich die gezimmerten Truhen mit dem Postboten in die
+Stadt, und von da durch Getreidewagen auf die Haide gekommen
+waren, als er daraus die Geschenke hervorgesucht und ausgetheilt,
+als er tausenderlei Merkw&uuml;rdiges gezeigt, Blumen, Federn,
+Steine, Waffen--und alles genug bewundert worden war,--trat er
+desselben Tages Abends zu dem Vater in die hintere Kammer, als er
+gesehen hatte, da&szlig; derselbe hineingegangen, und, wie er
+gern that, sich in den hineinfallenden Fliederschatten gesetzt
+hatte--er trat beklommen hinein und sagte fast mit bebender
+Stimme: "Vater, Ihr habt mich auferzogen, und mir Liebes gethan,
+seit ich lebe--ich aber habe es schlecht vergolten; denn ich bin
+fortgegangen, da&szlig; Ihr keinen Geh&uuml;lfen Eurer Arbeit
+hattet, und Eurer Sorge f&uuml;r Mutter und Gro&szlig;mutter--und
+als ich gekommen, warfet Ihr mir nichts vor, sondern waret nur
+freundlich und lieb; ich kann es nicht vergelten, als da&szlig;
+ich Euch nicht mehr verlassen und Euch noch mehr verehren und
+lieben will, als sonst. So viel Jahre mu&szlig;tet Ihr sein, ohne
+in mein Auge schauen zu k&ouml;nnen, wie es Eurem Herzen
+wohlgethan h&auml;tte;--aber ich bleibe jetzt immer, immer bei
+Euch.--Allein weil mich Euch Gott auch zur H&uuml;lfe geboren
+werden lie&szlig;, so lernte ich drau&szlig;en allerlei
+Wissenschaft, wodurch ich mir mein Brot verdiente, und da ich
+wenig brauchte, so blieb Manches f&uuml;r Euch &uuml;brig. Ich
+bringe es nun, da&szlig; Ihr es auf Euer Haus wendet, [86] und im
+Alter zu Gute bekommet, [87] und ich bitte Euch, Vater, nehmt es
+mit Freundlichkeit an."</p>
+
+<p>Der Alte aber, hochroth, zitternd vor Scham und vor Freude,
+war aufgesprungen und wies mit beiden H&auml;nden die
+dargebotenen Papiere von sich, indem er sagte: "Was kommt Dir
+bei, [88] Felix? Ich bin so erschrocken,--da sei Gott vor, [89]
+da&szlig; ich die Arbeit und M&uuml;he meines Kindes nehme--ach,
+mein Gott, ich habe Dir ja nichts geben k&ouml;nnen, nicht einmal
+eine andere Erziehung, als die Dir der Herr auf der Haide gab,
+nicht einmal das fromme Herz, das Dir von selber gekommen.--Du
+bist mir nichts schuldig--die Kinder sind eine Gottesgabe,
+da&szlig; wir sie erziehen, wie es ihnen frommt, nicht wie es uns
+n&uuml;tzt;--verzeihe mir nur, ich habe Dich nicht erziehen
+k&ouml;nnen, und doch scheint es mir, bist Du so gut geworden, so
+gut, da&szlig; ich vor Freuden weinen m&ouml;chte."----</p>
+
+<p>Und kaum hatte er das Wort heraus, so brach er in lautes
+Weinen aus, und tastete ungeschickt nach Felix Hand--Dieser
+reichte sie; er konnte sich nicht helfen, er mu&szlig;te sein
+Antlitz gegen die Schulter des Vaters dr&uuml;cken, und das grobe
+Tuch des Rockes mit seinen hei&szlig;esten Thr&auml;nen netzen.
+Der Vater war gleich wieder still, und sich gleichsam
+sch&auml;mend und beruhigend sagte er die Worte: "Du bist
+verst&auml;ndiger als wir, Felix. Wenn Du bei uns bleibst,
+arbeite, was Du willst; ich verlange nicht, da&szlig; Du mir
+hilfst--da ist ja Benedikt und seine Knechte, wenn es noth
+th&auml;te; auch habe ich schon ein Erspartes, da&szlig; ich mir
+im Alter einen Knecht nehmen kann.--Du aber wirst etwas arbeiten,
+wie es Gott gef&auml;llig und wie es recht ist."</p>
+
+<p>Felix aber dachte in seinem Herzen, er werde doch in Zukunft,
+wenn es n&ouml;tig sei, lieber in der That selbst, und durch
+Leistung des eben Mangelnden beistehen, damit ihm das Herz nicht
+so weh th&auml;te, wenn er dem Vater gar nichts Gutes bringen
+k&ouml;nnte. Ach, das Beste hat er ja schon gebracht, und
+wu&szlig;te es nicht, das gute, das &uuml;berquellende Herz, das
+jedem, selbst dem geh&auml;rtetsten Vater ein freudigeres Kleinod
+ist, als alle G&uuml;ter der Erde, weil es nicht Lohn nach
+au&szlig;en ist, sondern Lohn in der tiefsten, innersten
+Seele.</p>
+
+<p>Der Vater that nun gleichg&uuml;ltig [90] und machte sich mit
+diesem und jenem im Zimmer zu thun [91]; kaum aber war Felix
+hinaus, so lief er eiligst zur Mutter und erz&auml;hlte ihr, was
+der Sohn hatte thun wollen--sie aber faltete die H&auml;nde, lief
+vor die Heiligenbilder der Stube und that ein Gebet, das halb ein
+Frevel st&uuml;rmenden Stolzes, halb ein Dank der tiefsten Demuth
+war.</p>
+
+<p>Dann aber ging sie hin und breitete es aus.</p>
+
+<p>Das war nun klar, da&szlig; er gut war, da&szlig; er sanft,
+treu und weich war, und das sahen sie auch, da&szlig; er
+sch&ouml;n und herrlich war;--des Weiteren forschten sie nicht,
+was es sei, und was es sein werde.</p>
+
+<p>Er aber ging her, und lie&szlig; sich weit drau&szlig;en von
+dem Dorfe entlegen, auf der Haide ein St&uuml;ck Landes zumessen,
+und begann mit vielen Arbeitern ein steinernes Haus zu
+errichten.--Da&szlig; es gr&ouml;&szlig;er werde, als er a l l e
+i n brauche, fiel Allen auf; aber als es im Herbste fertig war,
+als es eingerichtet und geschm&uuml;ckt war, bezog er es
+gleichwohl allein, und so verging der Winter. Es kam der
+bl&uuml;thenreiche Fr&uuml;hling--und Felix sa&szlig; in seinem
+Hause auf der Haide, und herrschte, wie einst, &uuml;ber alle
+ihre Gesch&ouml;pfe, und &uuml;ber all die hohen stillen
+Gestalten, die sie jetzt bev&ouml;lkerten.</p>
+
+<p>Was war es denn aber, was den Eltern und Nachbarn an ihm
+zur&uuml;ckgebracht worden ist?</p>
+
+<p>Sie wu&szlig;ten es nicht.</p>
+
+<p>Ich aber wei&szlig; es. Ein Geschenk ist ihm geworden, das den
+Menschen hoch stellt, und ihn doch verkannt macht unter seinen
+Br&uuml;dern--das einzige Geschenk auf dieser Erde, das kein
+Mensch von sich weisen kann. Auf der Haide hatte es begonnen, auf
+die Haide mu&szlig;te er es zur&uuml;cktragen. Bei wem eine
+G&ouml;ttin eingekehrt ist, l&auml;chelnden Antlitzes,
+sch&ouml;ner als alles Irdische, der kann nichts anders thun, als
+ihr in Demuth dienen.</p>
+
+<p>Damals war er fortgegangen, er wu&szlig;te nicht, was er
+werden w&uuml;rde--eine F&uuml;lle von Wissen hatte er in sich
+gesogen: es war der n &auml; c h s t e Durst gewesen, aber er war
+nicht gestillt; er ging unter Menschen, er suchte sie
+v&ouml;lkerweise--er hatte Freunde--er strebte fort, er hoffte,
+w&uuml;nschte und arbeitete f&uuml;r ein unbekanntes Ziel--selbst
+nach G&uuml;tern der Welt und nach Besitz trachtete er: aber
+durch alles Erlangte,--durch Wissen, Arbeiten, Menschen,
+Eigenthum war es immer, als schimmere weit zur&uuml;ckliegend
+etwas, wie eine gl&auml;nzende Ruhe, wie eine sanfte
+Einsamkeit----hatte sein Herz die Haide, die unschuldsvolle,
+liebe Kindheitshaide mitgenommen? oder war es selber eine solche
+liebe, stille, gl&auml;nzende Haide?----Er suchte die W&uuml;sten
+und die Ein&ouml;den des Orients, nicht br&uuml;tend, nicht
+trauernd, sondern einsam, ruhig, heiter, dichtend.--Und so trug
+ihn dieses sanfte, stille Meer zur&uuml;ck in die Einsamkeit, und
+auf die Haide seiner Kindheit----und wenn er nun so sa&szlig; auf
+der Rednerb&uuml;hne, wie einst, wenn die Sonnenfl&auml;che der
+Haide vor ihm zitterte und sich f&uuml;llte mit einem Gewimmel
+von Gestalten, wie einst, und manche daraus ihn anschauten mit
+den stillen Augen der Geschichte, andere mit den seligen der
+Liebe, andere den weiten Mantel gro&szlig;er Thaten &uuml;ber die
+Haide schleifend--und wenn sie erz&auml;hlten von der Seele und
+ihrem Gl&uuml;cke, von dem Sterben und was nachher sei, und von
+Anderem, was die Worte nicht sagen k&ouml;nnen--und wenn es ihm
+tief im Innersten so fromm wurde, da&szlig; er oft meinte, als
+sehe er weit in der Oede drau&szlig;en Gott selbst stehen, eine
+ruhige silberne Gestalt: dann wurde es ihm unendlich gro&szlig;
+im Herzen, er wurde selig, da&szlig; er denken k&ouml;nne, was er
+dachte--und es war ihm, [92] da&szlig; es nun so gut sei, wie es
+sei.</p>
+
+<p>Die bl&ouml;dsinnige Gro&szlig;mutter war die erste gewesen,
+die ihn erkannt hatte.</p>
+
+<p>"Es sind der Gaben eine Unendlichkeit &uuml;ber diese Erde
+ausgestreut worden," hatte sie eines Tages gerufen, "die Halmen
+der Getreide, das Sonnenlicht und die Winde der Gebirge--da sind
+Menschen, die den Segen der Gew&auml;chse erziehen, und ihn
+ausf&uuml;hren in die Theile der Erde; es sind, die da
+Stra&szlig;en ziehen, H&auml;user bauen, dann sind andere, die
+das Gold ausbreiten, das in den Herzen der Menschen w&auml;chst,
+das Wort, und die Gedanken die Gott aufgehen l&auml;&szlig;t in
+den Seelen. Er ist geworden, wie einer der alten Seher und
+Propheten, und ist er ein solcher, so hab' ich es
+vorausgewu&szlig;t, und ich habe ihn dazu gemacht, weil ich die
+K&ouml;rner des Buches der B&uuml;cher in ihn geworfen; denn er
+war immer weich wie Wachs, und hochgesinnt, wie einer der
+Helden."</p>
+
+<p>Die Gro&szlig;mutter war es aber auch, mit der er sich allein
+mehr besch&auml;ftigte, als alle Andern mit ihr; er war der
+Einzige, der sie zu fl&uuml;ssigen Reden bringen konnte, und der
+Einzige, der ihre Reden verstand; er las ihr oft aus einem Buche
+vor, und die hundertj&auml;hrige Sch&uuml;lerin horchte emsig
+auf, und in ihrem Angesichte waren Sonnenlichter, als
+verst&auml;nde sie das Gelesene.</p>
+
+<p>So war der Fr&uuml;hling vergangen, so waren wieder Pfingsten
+gekommen:--aber wie waren es die&szlig;mal a n d e r e Pfingsten,
+als vor einem Jahre. Eine doppelte furchtbare Schw&uuml;le lag
+auf beiden, auf dem Dorfe und auf Felix; und bei beiden
+l&ouml;sete sich die Schw&uuml;le am Pfingsttage--aber wie
+verschieden bei beiden!</p>
+
+<p>Ich will noch, ehe wir von seinem einfachen Leben scheiden,
+dieses letzte Ergebni&szlig;, da&szlig; ich wei&szlig;,
+erz&auml;hlen.</p>
+
+<p>Wenn er so manchmal von der Haide kam und durch das Dorf ging,
+Geschenke f&uuml;r die Kinder seiner Schwester tragend,
+Steinchen, Muscheln, Schneckenh&auml;user und dergleichen, die
+Locken um die hohe Stirne geworfen, wie ein Kriegsgott, und doch
+die schwarzen Augen so sehnsuchtsvoll und schmachtend: dann war
+er so sch&ouml;n, und es trug ihn wohl manche Dirne der Haide als
+heimlichen Abgott im Herzen verborgen, aber er selber hatte einen
+Abgott im Herzen;--einen einzigen Punkt s&uuml;&szlig;en
+heimlichen Gl&uuml;ckes hatte er aus der Welt getragen, als er
+ihre Aemter und Reichth&uuml;mer lie&szlig;-- einen einzig
+s&uuml;&szlig;en Punkt durch alle W&uuml;sten--und heute, morgen,
+dieser Tage sollte es sich zeigen, ob er sein Haus f&uuml;r sich
+allein gebaut, oder nicht.--Alle Kraft seiner Seele hatte er zu
+der Bitte aufgeboten, und mit Angst harrte er der Antwort, die
+ewig, ewig z&ouml;gerte.</p>
+
+<p>Wohl kam Pfingsten n&auml;her und n&auml;her, aber zu der
+Schw&uuml;le, die unbekannt und unsichtbar &uuml;ber des
+J&uuml;nglings Herzen hing, gesellte sich noch eine andere
+&uuml;ber dem ganzen Dorfe drohend, ein Gespenst, das mit
+unh&ouml;rbaren Schritten nahte;--n&auml;mlich jener
+gl&auml;nzende Himmel, zu dem Felix sein inbr&uuml;nstiges Auge
+erhoben, als er jene schwere Bitte abgesandt hatte, jener
+gl&auml;nzende Himmel, zu dem er vielleicht damals ganz allein
+emporgeblickt, war seit der Zeit w o c h e n l a n g ein
+gl&auml;nzender geblieben, und wohl hundert Augen schauten nun zu
+ihm &auml;ngstlich auf. Felix, in seiner Erwartung befangen,
+hatte es nicht bemerkt; aber eines Nachmittags, da er gerade von
+der Haide dem Dorfe zuging, fiel ihm auf, [93] wie denn heuer gar
+so sch&ouml;nes Wetter sei; denn eben stand &uuml;ber der
+verwelkenden Haide eine jener pr&auml;chtigen Erscheinungen, wie
+er wohl &ouml;fters, auch in morgenl&auml;ndischen W&uuml;sten,
+aber nie so sch&ouml;n gesehen, n&auml;mlich das Wasserziehen der
+Sonne [94]:--aus der ungeheuren Himmelsglocke, die &uuml;ber der
+Haide lag, wimmelnd von gl&auml;nzenden Wolken, schossen an
+verschiedenen Stellen majest&auml;tische Str&ouml;me des Lichtes,
+und, auseinanderfahrende Stra&szlig;en am Himmelszelte bildend,
+schnitten sie von der gedehnten Haide blendend goldne Bilder
+heraus, w&auml;hrend das ferne Moor in einem schwachen milchigten
+H&ouml;henrauche verschwamm.</p>
+
+<p>So war es dieser Tage oft gewesen, und der heutige
+schlo&szlig; sich wie seine Vorg&auml;nger; n&auml;mlich zu
+Abends war der Himmel gefegt, und zeigte eine blanke hochgelb
+schimmernde Kuppel.</p>
+
+<p>Felix ging zu der Schwester, und als er sp&auml;t Abends in
+sein Haus zur&uuml;ckkehrte, bemerkte er auch, wie man im Dorfe
+geklagt, da&szlig; die Halme des Kornes so d&uuml;nne standen, so
+zart, die wolligen Aehren pfeilrecht empor streckend, wie
+ohnm&auml;chtige Lanzen.</p>
+
+<p>Am andern Tage war es sch&ouml;n, und immer sch&ouml;nere Tage
+kamen und sch&ouml;nere.</p>
+
+<p>Alles und jedes Gef&uuml;hl verstummte endlich vor der
+furchtbaren Angst, die t&auml;glich in den Herzen der Menschen
+stieg. Nun waren auch gar keine Wolken mehr am Himmel, sondern
+ewig blau und ewig mild l&auml;chelte er nieder auf die
+verzweifelnden Menschen. Auch eine andere Erscheinung sah man
+jetzt oft auf der Haide, die sich wohl fr&uuml;her auch mochte
+ereignet haben, jedoch von Niemand beachtet; aber jetzt, wo viele
+tausend und tausend Blicke t&auml;glich nach dem Himmel gingen,
+wurden sie als ungl&uuml;ckweissagender Spuk betrachtet:
+n&auml;mlich ein Waldes- und H&ouml;henzug, jenseits der Haide
+gelegen, und von ihr aus durchaus nicht sichtbar, stand nun
+&ouml;fters sehr deutlich am Himmel, das ihn nicht nur Alles sah,
+sondern da&szlig; man sich die einzelnen R&uuml;cken und Gipfel
+zu nennen und zu zeigen vermochte--und wenn es im Dorfe
+hie&szlig;, es sei wieder zu sehen, so ging Alles hinaus, und sah
+es an, und es blieb manchmal stundenlang stehen, bis es
+schwankte, sich in L&auml;ngen- und Breitenstreifen zog, sich
+zerst&uuml;ckte, und mit eins verschwand.</p>
+
+<p>Die Haidelerche war verstummt; aber daf&uuml;r t&ouml;nte den
+ganzen Tag, und auch in den warmen thaulosen N&auml;chten das
+ewige einsame Zirpen und Wetzen der Heuschrecken &uuml;ber die
+Haide, und der Angstschrei des Kibitz. Das Flinke W&auml;sserlein
+ging nur mehr wie ein d&uuml;nner Seidenfaden &uuml;ber die graue
+Fl&auml;che, und das Korn und die Gerste im Dorfe standen
+fahlgr&uuml;n und wesenlos in die Luft, [95] und erz&auml;hlten
+bei dem Hauche derselben mit leichtfertigem Rauschen ihre innere
+Leere. Die Baumfr&uuml;chte lagen klein und mi&szlig;reif auf der
+Erde, die Bl&auml;tter waren staubig und von Bl&uuml;mlein war
+nichts mehr auf dem Rasen, der sich selber wie rauschend Papier
+zwischen den Feldern hinzog.</p>
+
+<p>Es war die &auml;u&szlig;erste Zeit. Man flehte mit Inbrunst
+zu dem verschlossenen Gew&ouml;lbe des Himmels. Wohl stand wieder
+mancher Wolkenberg tagelang am s&uuml;dlichen Himmel, und nie
+noch wurde ein so stoffloses Ding wie eine Wolke, von so vielen
+Augen angeschaut, so sehns&uuml;chtig angeschaut, als hier--aber
+wenn es Abend wurde, ergl&uuml;hte der Wolkenberg purpurig [96]
+sch&ouml;n, zerging, l&ouml;sete sich in lauter wundersch&ouml;ne
+zerstreute Rosen am Firmamente auf, und verschwand--und die
+Millionen freundlicher Sterne besetzten den Himmel.</p>
+
+<p>So war der Freitag vor Pfingsten gekommen; die weiche blaue
+Luft war ein blanker Felsen geworden. Vater Niklas war
+Nachmittags &uuml;ber die Haide gekommen, das B&auml;chlein war
+nun auch versiecht, [97] das Gras bis auf eine Decke von
+schalgrauem [98] Filze verschwunden, nicht Futter gebend f&uuml;r
+ein einzig Kaninchen; nur der unverw&uuml;stliche und
+unverderbliche Haidesohn, der mi&szlig;handelte und verachtete
+Strauch, der Wachholder, stand mit eiserner Ausdauer da, der
+einzige lebhafte Feldbusch, das gr&uuml;ne Banner der Hoffnung;
+denn er bot freiwillig gerade heuer eine solche F&uuml;lle der
+gr&ouml;&szlig;ten blauen Beeren, so &uuml;berschwenglich, wie
+sich keines Haidebewohners Ged&auml;chtni&szlig;, entsinnen
+konnte.--Eine pl&ouml;tzliche Hoffnung ging in Niklas Haupte auf,
+und er dachte als Richter mit den Aeltesten des Dorfes
+dar&uuml;ber zu rathen, wenn es nicht morgen oder &uuml;bermorgen
+sich &auml;nderte. Er ging weit und breit und betrachtete die
+Ernte, die keiner ges&auml;et, und auf die keiner gedacht, und er
+fand sie immer ergiebiger und reicher, sich, wei&szlig; Gott, in
+welche Ferne erstreckend--aber da fielen ihm die armen tausend
+Thiere ein, [99] die dadurch werden in Nothstand versetzt sein,
+wenn man die Beeren sammle: allein er dachte, Gott der Herr wird
+ihnen schon eingeben, wohin der Krammetsvogel fliegen, das Reh
+laufen m&uuml;sse, um andere Nahrung zu finden.</p>
+
+<p>Da er heimw&auml;rts in die Felder kam, nahm er eine Scholle
+und zerdr&uuml;ckte sie; aber sie ging unter seinen H&auml;nden
+wie Kreide auseinander--und das Getreide, vor der Zeit Greis,
+fing schon an, sich zu einer tauben Ernte [100] zu bleichen. Wohl
+standen Wolken am Himmel, die in langen milchwei&szlig;en
+Streifen tausendfarbig und verwaschen die Bl&auml;ue
+durchstreiften, sonst immer Vorboten des Regens; aber er traute
+ihnen nicht, weil sie schon drei Tage da waren, und immer wieder
+verschwanden, als w&uuml;rden sie eingesogen von der
+uners&auml;ttlichen Bl&auml;ue. Auch manch anderer Hausvater ging
+h&auml;nderingend zwischen den Feldern und als es Abend geworden,
+und selbst zerst&uuml;ckte Gewitter um den Rand des Horizontes
+standen, und sich gegenseitig Blitze zusandten,--sah ein von der
+Stadt heimfahrender Bauer selbst die halbgestorbene [101]
+Gro&szlig;mutter mitten im Felde knien, und mit emporgehobenen
+H&auml;nden beten, als sei sie durch die allgemeine Noth zu
+Bewu&szlig;tsein und Kraft gelangt, und als sei sie die Person im
+Dorfe, deren Wort vor allen Geltung haben m&uuml;sse im
+Jenseits.</p>
+
+<p>Die Wolken wurden dichter, aber blitzten nur und regneten
+nicht.</p>
+
+<p>Wie Vater Niklas zwischen die Z&auml;une bog, begegnete er
+seinem Sohne und siehe, dieser ging mit traurigem Angesichte
+einher, mit weit traurigerem, als jeder Andere im Dorfe.</p>
+
+<p>"Guten Abend, Felix," sagte der Vater zu ihm, "giebst Du denn
+die Hoffnung ganz auf?"</p>
+
+<p>"Welche Hoffnung, Vater?"</p>
+
+<p>"Giebt es denn eine andere, als die Ernte?"</p>
+
+<p>"Ja, Vater, es giebt eine andere;--die der Ernte wird in
+Erf&uuml;llung gehen, die andere nicht. Ich will es Euch sagen,
+ich selber habe etwas f&uuml;r Euch und das Dorf gethan. Ich habe
+zu der Obrigkeiten der fernen Hauptstadt geschrieben, und ihnen
+der Stand der Dinge gemeldet; ich habe Freunde dort und manche
+haben mich lieb gehabt,--sie werden Euch helfen, da&szlig; ihr
+keinen Hauch von Noth empfindet sollet, und auch ich werde so
+viel helfen, als in meiner Kraft ist. Aber tr&ouml;stet Euch und
+tr&ouml;stet das Dorf: alle Hilfe von Menschen werdet Ihr nicht
+brauchen; ich habe den Himmel und seine Zeichen auf meinen
+Wanderungen kennen gelernt, und er zeigt, da&szlig; es morgen
+regnen werde.--Gott macht ja immer Alles, Alles gut, und es wird
+auch dort gut sein, wo er Schmerz und Entsagung sendet."</p>
+
+<p>"M&ouml;ge Dein Wort in Erf&uuml;llung gehen, Sohn, da&szlig;
+wir zusammen gl&uuml;ckliche Festtage feiern."</p>
+
+<p>"Amen," sagte der Sohn, "ich begleite Euch zur Mutter; wir
+wollen gl&uuml;ckliche Festtage feiern."</p>
+
+<p>Pfingstsamstags-Morgen war angebrochen und der ganze Himmel
+hing voll Wolken; aber noch war kein Tropfen gefallen. So ist der
+Mensch. Gestern gab jeder die Hoffnung der Ernte auf, und heute
+glaubte jeder, mit einigen Tropfen w&auml;re ihr geholfen. Die
+Weiber und M&auml;gde standen auf dem Dorfplatze und hatten
+F&auml;sser und Geschirr hergebracht, um, wenn es regne, und der
+Dorfbach sich f&uuml;lle, doch auch heuer wie sonst, ihre
+Festtagsreinigungen vornehmen zu k&ouml;nnen und feierliche
+Pfingsten zu halten. Aber es wurde Nachmittag, und noch kein
+Tropfen war gefallen, die Wolken wurden zwar nicht
+d&uuml;nner--aber es kam auch Abend, und kein Tropfen war
+gefallen.</p>
+
+<p>Sp&auml;t Nachts war der Bote zur&uuml;ckgekommen, den Felix
+in die Stadt zur Post gesendet, und brachte einen Brief f&uuml;r
+ihn. Er lohnte [102] den Boten, trat, als er allein war, vor die
+Lampe seines Tisches, und entsiegelte die wohlbekannte
+Handschrift: "Es macht mir vielen Kummer, in der That, s c h w e
+r e n Kummer, da&szlig; ich Ihre Bitte abschlagen mu&szlig;. Ihre
+selbstgew&auml;hlte Stellung in der Welt macht es unm&ouml;glich
+zu willfahren; meine Tochter sieht ein, da&szlig; so nichts sein
+kann, und hat nachgegeben. Sie wird den Sommer und Winter in
+Italien zubringen, um sich zu erholen, und sendet Ihnen durch
+mich die besten Gr&uuml;&szlig;e. Sonst ihr treuer, ewiger
+Freund."</p>
+
+<p>Der Mann, als er gelesen, trat mit schneebleichem Angesichte
+und mit zuckenden Lippen von dem Tische weg--an den Wimpern
+zitterten Thr&auml;nen vor. Er ging ein paarmal auf und ab, legte
+endlich das erhaltene Schreiben langsam auf den Tisch, schritt
+mit dem Lichte gegen einen Schrein, nahm ein P&auml;ckchen Briefe
+heraus, legte sie sch&ouml;n zusammen, umwickelte sie mit einem
+feinen Umschlage, und siegelte sie zu--dann legte er sie wieder
+in den Schrein.</p>
+
+<p>"Es ist geschehen," sagte er athmend, und trat an's Fenster,
+sein Auge an den dicken finstern Nachthimmel legend. Unten stand
+ein verwelkter Garten--die Haide schlummerte--und auch das
+entfernte Dorf lag in hoffnungsvollen Tr&auml;umen.</p>
+
+<p>Es war eine lange, lange Stille.</p>
+
+<p>"Meine selbstgew&auml;hlte Stellung," sagte er endlich sich
+emporrichtend--und im tiefen, tiefen Schmerze war es wie eine
+zuckende Seligkeit, die ihn lohnte. Dann l&ouml;schte er das
+Licht aus und ging zu Bette.</p>
+
+<p>Des andern Morgens, als sich die Augen aller Menschen
+&ouml;ffneten, war der ganze Haidehimmel grau, und ein dichter
+sanfter Landregen tr&auml;ufelte nieder.</p>
+
+<p>Alles, alles war nun gel&ouml;set; die freudigen Festgruppen
+der Kirchg&auml;nger r&uuml;steten sich, und lie&szlig;en gern
+das k&ouml;stliche Na&szlig; durch ihre Kleider sinken, um nur
+zum Tempel Gottes zu gehen und zu danken--auch Felix lie&szlig;
+es durch seine Kleider sinken, ging mit und dankte mit, und
+Keiner wu&szlig;te, was seine sanften, ruhigen Augen bargen.</p>
+
+<p>So weit geht unsere Wissenschaft von Felix, dem
+Haidebewohner.--Von seinem Wirken und dessen Fr&uuml;chten liegt
+nichts vor: aber sei es so oder so--trete nur getrost dereinst
+vor deinen Richter, du reiner Mensch, und sage: "Herr, ich konnte
+nicht anders, als dein Pfund pflegen, das du mir anvertraut
+hast," und w&auml;re dann selbst dein Pfund zu leicht gewesen,
+der Richter wird gn&auml;diger richten als die Menschen.</p>
+
+<h3>NOTES.</h3>
+
+<p>To forestall one criticism to which the following short
+commentary would seem to lay itself open, I wish to state that
+the plan of making the notes partly in English and partly in
+German has been formed after considerable reflection. Stifter's
+use of language is so peculiar and original in places, that the
+nearest approach to the force of an expression is often made in
+German, as [29], [41], [46], [47], etc. A mere translation in
+such places would be misleading without a full explanation of the
+idiomatic bearing of the word or phrase in question. On the other
+hand, the pregnant meaning of words like [15], [72], [75], etc.,
+it has been thought, would best be suggested in English for the
+sake of simplicity, and further elucidation left to the
+teacher.</p>
+
+<p>O. H.</p>
+
+<h4>I.</h4>
+
+<p>[1] FLECKCHEN, <i>a little spot</i>.</p>
+
+<p>[2] SEIT UNVORDENKLICHEN ZEITEN, <i>beyond man's
+memory</i>.</p>
+
+<p>[3] HAIDEF&Ouml;HRE; F&ouml;hre = Fichte.</p>
+
+<p>[4] ZEITWEISE, zuweilen, hie und da, dann und wann.</p>
+
+<p>[5] WACHHOLDERSTAUDE, <i>juniper-bush</i>.</p>
+
+<p>[6] IM WEITERN, sonst.</p>
+
+<p>[7] MAN M&Uuml;&szlig;TE NUR, <i>unless one, etc</i>.</p>
+
+<p>[8] GEL&Auml;NDE, <i>tract of land, landscape</i>.</p>
+
+<p>[9] DES &Ouml;FTERN, &ouml;fters.</p>
+
+<p>[10] EIGENTLICH, genau, wirklich, wahrhaft,
+urspr&uuml;nglich.</p>
+
+<p>[11] IM GRUNDE, <i>in fact</i>.</p>
+
+<p>[12] HEGTE, <i>cherished</i>.</p>
+
+<p>[13] MITBESITZER; one who shares the possession of something
+with others.</p>
+
+<p>[14] ABSTAMMUNG; a play upon the original word "Stamm"; means
+ramification as well as descent.</p>
+
+<p>[15] SIPPSCHAFT, generally used in a contemptuous sense.</p>
+
+<p>[16] BLAUDUFTIG, <i>in a blue haze</i>.</p>
+
+<p>[17] RO&szlig;BERG, von Ro&szlig;, syn. Pferd.</p>
+
+<p>[18] &Uuml;BERHAUPT, <i>altogether</i>.</p>
+
+<p>[19] NUN, hier zu &uuml;bersetzen mit <i>then</i>.</p>
+
+<p>[20] PFLEGEBEFOHLENEN, syn. Sch&uuml;tzlinge.</p>
+
+<p>[21] ZUTHAT, <i>addition</i>.</p>
+
+<p>[22] BEWERKSTELLIGTES, part. pass. von bewerkstelligen, zu
+Stande bringen, vollenden.</p>
+
+<p>[23] GER&Auml;UMIG; abgeleitet von Raum.</p>
+
+<p>[24] EIN UND DAS ANDERE FACH, einige F&auml;cher.</p>
+
+<p>[25] VORERST, zuerst.</p>
+
+<p>[26] WIDERSPENSTIGER, eigensinniger.</p>
+
+<p>[27] FAHREN LASSEN, hergeben, abgeben, aufgeben (<i>to let
+go</i>).</p>
+
+<p>[28] ANZULEGENDEN; Part. fut. pass.</p>
+
+<p>[29] STARRTEN, starren hei&szlig;t hier, wie oft, starr sein,
+wie z.B. vor Frost, Entsetzen, aber auch Waffen, etc. starr =
+unbeugsam.</p>
+
+<p>[30] STROTZTEN; strotzten mit Pr&auml;p. von, in F&uuml;lle
+schwellen, oft mit dem Nebenbegriff des Stolzes.</p>
+
+<p>[31] AUFTISCHTEN, vorsetzten.</p>
+
+<p>[32] WOHL, <i>it is true that</i> ...</p>
+
+<p>[33] EINBEEREN; die Einbeere oder Wolfsbeere,
+<i>true-love</i>, a plant.</p>
+
+<p>[34] FREILICH, <i>of course</i>.</p>
+
+<p>[35] SCHNARRENDER; from schnarren (onomatopoeic), the
+colorless sound produced by the vibrations of a string; used also
+of the drum.</p>
+
+<p>[36] SPRINGER; gemeint ist der Heuspringer oder die
+Heuschrecke, Gryllus.</p>
+
+<p>[37] HEIDUKEN; localism; what is meant is probably
+Heidschnacken or Heidschnucken (pl.), <i>heath-muttons</i>.</p>
+
+<p>[38] ZIRPEND; onomatopoeic from the "zirp, zirp" of these
+insects.</p>
+
+<p>[39] SCHLEIFEND; descriptive, again, of the sound produced by
+these insects, which resembles the whetting of scythes.</p>
+
+<p>[40] GESINGE, monotonous singing, <i>sing-song</i>.</p>
+
+<p>[41] VORBEIL&Auml;UTETE; der Ton der Hummel wird mit dem einer
+Glocke verglichen.</p>
+
+<p>[42] KEHRSEITE, R&uuml;ckseite.</p>
+
+<p>[43] EITEL, lauter; <i>pure</i>.</p>
+
+<p>����"Esset eitel unges&auml;uert Brot," 2. Mos. 12, 20.</p>
+
+<p>[44] SCHL&Uuml;PFEN, scil. in das und aus dem Loch.</p>
+
+<p>[45] SEIT URZEITEN, siehe Anmerkung 2, p. 3.</p>
+
+<p>[46] WAR KEINER ERLEBT WORDEN, niemand hatte in seinem ganzen
+Leben einen gesehen.</p>
+
+<p>[47] EIERSAUFENDE; Saufen ist das Trinken der Thiere; man
+w&uuml;rde erwarten eierschl&uuml;rfende.</p>
+
+<p>[48] WAS IHM GEWORDEN, <i>which had fallen to his
+share</i>.</p>
+
+<p>[49] UNBEGREIFLICHER WEISE, <i>in some incomprehensible
+manner</i>.</p>
+
+<p>[50] VORQUOLL, hervorquoll.</p>
+
+<p>[51] BREI AUS HIRSE, <i>millet-pudding or pap</i>.</p>
+
+<p>[52] KAM ... DAHER, <i>came along</i>.</p>
+
+<p>[53] ERBARMTE IHR DER KNABE; erbarmen, ordinarily used as a
+reflexive verb with a genitive in the sense of <i>take pity on
+someone</i>, is used here in the sense of <i>cause pity to
+someone</i>.</p>
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p>[54] TRINKSPRUCH, <i>toper's adage</i>.</p>
+
+<p>[55] SCHUPPEN, <i>carriage-house</i>.</p>
+
+<p>[56] TRIEB IMMER SEHR FR&Uuml;H NACH HAUSE, scil. die Schafe.
+The parents are described somewhat after the fashion of Goethe's
+account of his parents, of whom he said:</p>
+
+<p>����Vom Vater hab' ich die Statur,<br>
+����Des Lebens ernstes F&uuml;hren,<br>
+����Vom M&uuml;tterchen die Frohnatur,<br>
+����Und Lust zum Fabulieren.<br>
+</p>
+
+<p>[57] ST&Ouml;SSIGER BOCK; einer der st&ouml;&szlig;t (mit den
+H&ouml;rnern).</p>
+
+<p>[58] IRRSAL STIFTETE, <i>made trouble</i>.</p>
+
+<p>[59] ZU PAAREN TRIEB, <i>mastered, subdued</i>.</p>
+
+<p>[60] GEKAUERT; part. from kauern, <i>to cower</i>.</p>
+
+<p>[61] SICH IN DIE BEGEISTERUNG GEREDET, <i>talked herself into
+enthusiasm</i>.</p>
+
+<p>[62] DA GRAUTE ER SICH AB, more expressive than es graute
+ihm.</p>
+
+<p>[63] ZUG, here <i>procession</i>.</p>
+
+<p>[64] UMKRAMPFTE, <i>seized him as if in a spasm</i>.</p>
+
+<p>[65] GESEGNEN, segnen.</p>
+
+<h4>III.</h4>
+
+<p>[66] HEUEN, Heu machen.</p>
+
+<p>[67] UND ES WURDE IHM SO GUT, <i>and he was doing so
+well</i>.</p>
+
+<p>[68] WANDERPACK, R&auml;nzel, Felleisen.</p>
+
+<p>[69] EITEL FREUDE, nichts als Freude.</p>
+
+<p>[70] VON DANNEN ZOG, <i>went on his way</i>.</p>
+
+<p>[71] DAS ... GUT ANSCHLUG, <i>which was doing well</i>.</p>
+
+<p>[72] GRUNDHERRSCHAFT, <i>the landlord</i>; lit. <i>the
+landlordship</i>.</p>
+
+<p>[73] BAUTEN SICH AN, <i>built houses, settled there</i>.</p>
+
+<p>[74] TRIEBEN EIGENE WIRTHSCHAFT, <i>kept house by
+themselves</i>.</p>
+
+<p>[75] KANZLEIHERRN, <i>the officials</i>; note the significance
+of Herrn in the context.</p>
+
+<p>[76] GELIEBT, beliebt, gef&auml;llt.</p>
+
+<p>[77] SIE SAH NICHT, das Mutterherz sah nicht.</p>
+
+<p>[78] FIEL IHM KLEIN MARTHA BEI; beifallen, einfallen.</p>
+
+<p>[79] WELSCHLAND, hier Italien; welsch hei&szlig;t
+&uuml;berhaupt ausl&auml;ndisch, genauer romanisch. "Welsh with
+these men means foreign and is used for all people of Europe who
+are not of Gothic or Teutonic blood." (William Morris, "A Tale of
+the House of the Wolfings," etc.)</p>
+
+<h4>IV</h4>
+
+<p>[80] HATTE ES MANCHEM VERWISCHT; hatte Manchem die Erinnerung
+daran ausgel&ouml;scht.</p>
+
+<p>[81] EINERLEIHEIT, <i>monotony</i>.</p>
+
+<p>[82] HAIDEB&Uuml;HEL; B&uuml;hel, H&uuml;gel.</p>
+
+<p>[83] VORLALLTE; lallen, das unverst&auml;ndliche Sprechen der
+Kinder.</p>
+
+<p>[84] LEGTE SICH SEIN HERZ DAR, zeigte sich sein Herz.</p>
+
+<p>[85] JE; hier soviel wie dort. Sehr ungew&ouml;hnlicher
+Gebrauch.</p>
+
+<p>[86] WENDET, verwendet.</p>
+
+<p>[87] ZU GUTE BEKOMMET, <i>get the good of it.</i></p>
+
+<p>[88] WAS KOMMT BEI DIR, <i>what are you thinking of</i>?</p>
+
+<p>[89] DA SEI GOTT VOR, GOTT BEWAHRE; <i>God forbid</i>.</p>
+
+<p>[90] THAT GLEICHG&Uuml;LTIG, <i>tried to act
+indifferently</i>.</p>
+
+<p>[91] MACHTE SICH ZU THUN, <i>busied himself</i>.</p>
+
+<p>[92] UND ES WAR IHM, <i>and he felt</i>.</p>
+
+<p>[93] FIEL IHM AUF, <i>he noticed with astonishment</i>.</p>
+
+<p>[94] WASSERZIEHEN DER SONNE, "<i>The sun drawing
+water</i>."</p>
+
+<p>[95] STANDEN IN DIE LUFT, note the accusative.</p>
+
+<p>[96] PURPURIG; until very recently (the discovery and
+exhibition of the "Resurrected of Kerke") the notion prevailed in
+Germany that the "purple" of the ancients was a golden or scarlet
+hue.</p>
+
+<p>[97] VERSIECHT, versiegt.</p>
+
+<p>[98] SCHALGRAUEM; schal, <i>flat, insipid</i>.</p>
+
+<p>[99] FIELEN IHM EIN, <i>occurred to him</i>.</p>
+
+<p>[100] TAUBE ERNTE; <i>a useless crop</i>; taub in the
+secondary sense designates that which lacks the most
+essential.</p>
+
+<p>[101] HALBGESTORBENE; note the difference between this and
+halbtote.</p>
+
+<p>[102] LOHNTE, bezahlte. The pay of a messenger is called
+Botenlohn.</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Das Haidedorf, by Adalbert Stifter
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DAS HAIDEDORF ***
+
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
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+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+
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