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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/77889-0.txt b/77889-0.txt new file mode 100644 index 0000000..4c6dc71 --- /dev/null +++ b/77889-0.txt @@ -0,0 +1,6946 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 *** + + + + + Gesammelte Schriften + + von + + Marie von Ebner-Eschenbach. + + Erster Band + + Aphorismen. + Parabeln, Märchen und Gedichte. + + [Illustration] + + Berlin. + Verlag von Gebrüder Paetel. + 1893. + + [Illustration: Marie von Ebner-Eschenbach + Grav. Meisenbach, Riffarth & Co.] + + Alle Rechte vorbehalten. + + + + + Aphorismen. + + + Ein Aphorismus + ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette. + + + + + Erstes Hundert. + + + 1. + +Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und Du bist +unsterblich. + + + 2. + +Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die +unsichtbare. + + + 3. + +Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären +läßt. + + + 4. + +Ein Urtheil läßt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurtheil. + + + 5. + +Vertrauen ist Muth, und Treue ist Kraft. + + + 6. + +Die jetzigen Menschen sind zum tadeln geboren. Vom ganzen Achilles +sehen sie nur die Ferse. + + + 7. + +Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft sie +bewiesen haben, daß es keine Freude giebt. + + + 8. + +Es hat noch Niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas +Außerordentliches leisten wollte. + + + 9. + +Siege, aber triumphire nicht. + + + 10. + +Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Nothwendigkeit. + + + 11. + +Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt, +ist Größe. + + + 12. + +Der Hochmuth ist ein plebejisches Laster. + + + 13. + +Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu +begreifen, daß man nicht begreift. + + + 14. + +Die größte Nachsicht mit einem Menschen entspringt aus der Verzweiflung +an ihm. + + + 15. + +Alt werden, heißt sehend werden. + + + 16. + +Anmuth ist ein Ausströmen der inneren Harmonie. + + + 17. + +Wie weise muß man sein, um immer gut zu sein! + + + 18. + +Die einfachste und bekannteste Wahrheit erscheint uns augenblicklich +neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten Male an uns selbst erleben. + + + 19. + +Der Verstandesmensch verhöhnt nichts so bitter als den Edelmuth, dessen +er sich unfähig fühlt. + + + 20. + +Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von Anderen, damit unsere +Fehler sich bequemer breit machen können. + + + 21. + +Der Gescheitere giebt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die +Weltherrschaft der Dummheit. + + + 22. + +Künstler, was Du nicht schaffen mußt, das darfst Du nicht schaffen +wollen. + + + 23. + +Je mehr Du Dich selbst liebst, je mehr bist Du Dein eigener Feind. + + + 24. + +Eiserne Ausdauer und klaglose Entsagung sind die zwei äußersten Pole +der menschlichen Kraft. + + + 25. + +Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit, die +sich täglich bietet. + + + 26. + +Warten lernen wir gewöhnlich erst, wenn wir nichts mehr zu erwarten +haben. + + + 27. + +Die Leidenschaft ist immer ein Leiden, auch die befriedigte. + + + 28. + +Schüchterne Dummheit und verschämte Armuth sind den Göttern heilig. + + + 29. + +Wenn es einen Glauben giebt, der Berge versetzen kann, so ist es der +Glaube an die eigene Kraft. + + + 30. + +Die Consequenzen unserer guten Handlungen verfolgen uns unerbittlich +und sind oft schwerer zu tragen als die der bösen. + + + 31. + +Die Gutmüthigkeit gemeiner Menschen gleicht dem Irrlicht. Vertraue nur +seinem gleißenden Schein, es führt Dich gewiß in den Sumpf. + + + 32. + +Es giebt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden, +schwärmerischen und räthselhaften Liebe lieben, wie Nonnen ihr Kloster. + + + 33. + +Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein. + + + 34. + +Mitleid ist Liebe im Négligé. + + + 35. + +Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut gerathen, darauf +wird dort nicht gesehen. + + + 36. + +Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt +und nie gehaßt. + + + 37. + +Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen. + + + 38. + +Ein Dichter, der ~einen~ Menschen kennt, kann hundert schildern. + + + 39. + +Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die +Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohlthat. + + + 40. + +Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche. + + + 41. + +Haben und nichts geben, ist in manchen Fällen schlechter als stehlen. + + + 42. + +Der Arme rechnet dem Reichen die Großmuth niemals als Tugend an. + + + 43. + +Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche man am +meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet. + + + 44. + +Die meiste Nachsicht übt der, der die wenigste braucht. + + + 45. + +Wenn ein Mensch uns zugleich Mitleid und Ehrfurcht einflößt, dann ist +seine Macht über uns grenzenlos. + + + 46. + +Raison annehmen kann Niemand, der nicht schon welche hat. + + + 47. + +Wenn Jemand etwas kann, das gewöhnliche Menschen nicht können, so +trösten sie sich damit, daß er gewiß von allem, was sie können, nichts +kann. + + + 48. + +Hüte Dich vor der Tugend, die zu besitzen ein Mensch von sich selber +rühmt. + + + 49. + +Wenn man nur die Alten liest, ist man sicher, immer neu zu bleiben. + + + 50. + +Das Mitleid des Schwächlings ist ein Licht, ~das~ nicht wärmt. + + + 51. + +Wer sich seiner eigenen Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein +schlechter Erzieher. + + + 52. + +Die eingebildeten Uebel sind die unheilbarsten. + + + 53. + +Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester +Freund von ihm hält. + + + 54. + +Wenn der Kunst kein Tempel mehr offen steht, dann flüchtet sie in die +Werkstatt. + + + 55. + +Man muß das Gute thun, damit es in der Welt sei. + + + 56. + +Der Haß ist ein fruchtbares, der Neid ein steriles Laster. + + + 57. + +Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reuelosen +um unseretwillen. + + + 58. + +Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes, als zur +rechten Zeit eingetretene Reue. + + + 59. + +Das Vertrauen ist etwas so Schönes, daß selbst der ärgste Betrüger sich +eines gewissen Respects nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt. + + + 60. + +Was Du zu müssen glaubst, ist das, was Du willst. + + + 61. + +Auch die Tugend ist eine Kunst, und auch ihre Anhänger theilen sich in +Ausübende und in bloße Liebhaber. + + + 62. + +Das Alter verklärt oder versteinert. + + + 63. + +Die Güte, die nicht grenzenlos ist, verdient den Namen nicht. + + + 64. + +In der Jugend lernt, im Alter versteht man. + + + 65. + +Es ist ein Unglück, daß ein braves Talent und ein braver Mann so selten +zusammen kommen! + + + 66. + +In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser hinein +zu schreiben meinte. + + + 67. + +Wir entschuldigen nichts so leicht als Thorheiten, die uns zuliebe +begangen wurden. + + + 68. + +Unbegründeter Tadel ist manchmal eine feine Form der Schmeichelei. + + + 69. + +Sei Deines Willens Herr und Deines Gewissens Knecht. + + + 70. + +Natur ist Wahrheit; Kunst ist die höchste Wahrheit. + + + 71. + +Zu späte Erfüllung einer Sehnsucht labt nicht mehr. Die lechzende Seele +zehrt sie auf wie glühendes Eisen einen Wassertropfen. + + + 72. + +Die Thoren wissen gewöhnlich das am besten, was jemals in Erfahrung zu +bringen, der Weise verzweifelt. + + + 73. + +Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie +Wissensdrang. + + + 74. + +Etwas sollen wir unseren sogenannten guten Freunden immer abzulernen +suchen -- ihre Scharfsichtigkeit für unsere Fehler. + + + 75. + +Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht. + + + 76. + +Nur was für die Gegenwart zu gut ist, ist gut genug für die Zukunft. + + + 77. + +Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die +ausweichen. + + + 78. + +In jedem tüchtigen Menschen steckt ein Poet, und kommt beim Schreiben +zum Vorschein, beim Lesen, beim Sprechen oder beim Zuhören. + + + 79. + +Unerreichbare Wünsche werden als »fromme« bezeichnet. Man scheint +anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen. + + + 80. + +Der Geist ist ein intermittirender, die Güte ein permanenter Quell. + + + 81. + +Man kann viele Dinge kaufen, die unbezahlbar sind. + + + 82. + +Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer beide +recht. + + + 83. + +Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht +einem zukünftigen Baume viel ähnlicher als die junge Eiche. + + + 84. + +Wenn die Mißgunst aufhören muß, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt sie +an, es zu ignoriren. + + + 85. + +Die Theilnahme der meisten Menschen besteht aus einer Mischung von +Neugier und Wichtigthuerei. + + + 86. + +Macht ist Pflicht -- Freiheit ist Verantwortlichkeit. + + + 87. + +Seit dem bekannten Siege der Schildkröte über den Hasen hält sie sich +für eine Schnellläuferin. + + + 88. + +Es giebt Fälle, in denen vernünftig sein, feig sein heißt. + + + 89. + +Sich mit Wenigem begnügen ist schwer, sich mit Vielem begnügen noch +schwerer. + + + 90. + +Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben. + + + 91. + +Für das Können giebt es nur einen Beweis: das Thun. + + + 92. + +Wenn Du einen vielbetretenen Weg lange gehst, so gehst Du ihn endlich +allein. + + + 93. + +Es giebt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem +Verstande. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln +sie. + + + 94. + +Man fordre nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so lange man sie in dem +Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei -- zu gefallen. + + + 95. + +An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben. + + + 96. + +Der am unrechten Orte vertraute, wird dafür am unrechten Orte mißtrauen. + + + 97. + +Es würde sehr wenig Böses auf Erden gethan werden, wenn das Böse +niemals im Namen des Guten gethan werden könnte. + + + 98. + +Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von Denen, welchen wir +geborgt haben. + + + 99. + +Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im +Leben. + + + 100. + +Es giebt eine schöne Form der Verstellung: die Selbstüberwindung, -- +und eine schöne Form des Egoismus: die Liebe. + + + + + Zweites Hundert. + + + 1. + +Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es +immer zu ertragen. + + + 2. + +Schwächliche Grämlichkeit, die alle Fünf gerade sein läßt, ist die +Karikatur der Resignation. + + + 3. + +Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler +bekehren. + + + 4. + +Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich giebt, die +subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten +angewendet würde. + + + 5. + +Man kann nicht allen helfen! sagt der Engherzige und -- hilft Keinem. + + + 6. + +Wer nichts weiß, muß alles glauben. + + + 7. + +Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie selbst +ihnen anerzogen haben. + + + 8. + +Wenn ein edler Mensch sich bemüht ein begangenes Unrecht gut zu machen, +kommt seine Herzensgüte am reinsten und schönsten zu Tage. + + + 9. + +Du kannst so rasch sinken, daß Du zu fliegen meinst. + + + 10. + +Was liegt dem Narren an einem vernünftigen Menschen? Die wichtige +Person für ihn ist der andere Narr, der ihn gelten läßt. + + + 11. + +Verständniß des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind Eins. + + + 12. + +Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf. + + + 13. + +Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer. + + + 14. + +Um in eine Versammlung feiner Leute treten zu dürfen, muß man den Frack +tragen, die Uniform oder -- die Livrée. + + + 15. + +Wer Geduld sagt, sagt Muth, Ausdauer, Kraft. + + + 16. + +Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren +unübersetzbaren Worten. + + + 17. + +Das Verständniß reicht oft viel weiter als der Verstand. + + + 18. + +So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven. + + + 19. + +Zwei sehr verschiedene Tugenden können einander lange und scharf +befehden; der Augenblick bleibt nicht aus, in dem sie erkennen, daß sie +Schwestern sind. + + + 20. + +Beim Tode eines geliebten Menschen schöpfen wir eine Art Trost aus dem +Glauben, daß der Schmerz über unseren Verlust sich nie vermindern wird. + + + 21. + +Was ein Mensch glaubt und woran er zweifelt, ist gleich bezeichnend für +die Stärke seines Geistes. + + + 22. + +Der herbste Tadel läßt sich ertragen, wenn man fühlt, daß Derjenige, +der tadelt, lieber loben würde. + + + 23. + +Alte Diener sind kleine Tyrannen, an welche die große Tyrannin +Gewohnheit uns knüpft. + + + 24. + +Verschmähtes Erbarmen kann sich in Grausamkeit verwandeln, wie +verschmähte Liebe in Haß. + + + 25. + +Aus dem Verlangen nach dem Ueberflüssigen ist die Kunst entstanden. + + + 26. + +Es giebt Gelegenheiten, in denen man sonst ganz wahrhaftigen Menschen +keinen Glauben schenken darf. Zum Beispiel, dem Großmüthigen, wenn er +von seinen Ausgaben, und dem Sparsamen, wenn er von seinen Einnahmen +spricht. + + + 27. + +Man kann nicht jedes Unrecht gut, wohl aber jedes Recht schlecht machen. + + + 28. + +Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso gewiß wie übermäßigem +Genuß. + + + 29. + +Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell +unendlichen Leids -- und ein Quell unendlichen Trostes. + + + 30. + +Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht wäre? + + + 31. + +Menschen, die nach immer größerem Reichthum jagen, ohne sich jemals +Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort +kochen, sich aber nie zu Tische setzen. + + + 32. + +Einen Gedanken verfolgen -- wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm +nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von +Neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, +dann läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf -- neckend, +quälend, unserer Ohnmacht ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber +der Kraft unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen +Ringkampf ein beseligendes, unwiderstehliches Bündniß auf Leben und +Tod, und die Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt. + + + 33. + +Die Sittlichkeit verfeinert die Sitte, und die Sitte wiederum die +Sittlichkeit. + + + 34. + +Nichts ist erbärmlicher als die Resignation, die zu früh kommt. + + + 35. + +Arme Leute schenken gern. + + + 36. + +Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen. + + + 37. + +Der eitle, schwache Mensch sieht in Jedem einen Richter, der stolze, +starke hat keinen Richter als sich selbst. + + + 38. + +Autoren, die bestohlen werden, sollten sich darüber nicht beklagen, +sondern freuen. In einer Gegend, in der kein Waldfrevel vorkommt, hat +der Wald keinen Werth. + + + 39. + +Wenn alberne Leute sich bemühen, ein Geheimniß vor uns zu verbergen, +dann erfahren wir es gewiß, so wenig uns auch danach gelüstet. + + + 40. + +Merkmal großer Menschen ist, daß sie an Andere weit geringere +Anforderungen stellen als an sich selbst. + + + 41. + +Denkfaulheit, Oberflächlichkeit, Starrsinn sind weibliche, Genußsucht, +Rücksichtslosigkeit, Roheit sind männliche, Trotz, Eitelkeit, Neugier +sind kindische Fehler. + + + 42. + +Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein +todeswürdiges Verbrechen. + + + 43. + +Die Eitelkeit weist jede gesunde Nahrung von sich, lebt ausschließlich +von dem Gifte der Schmeichelei und gedeiht dabei in üppigster Fülle. + + + 44. + +Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche +entfalten sich die Seelen. + + + 45. + +Der Mann ist der Herr des Hauses; im Hause aber soll nur die Frau +herrschen. + + + 46. + +Treue Liebe kann zwischen Menschen von sehr verschiedenem, dauernde +Freundschaft nur zwischen Menschen von gleichem Werthe bestehen. Aus +diesem Grunde ist die zweite viel seltener als die erste. + + + 47. + +Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: -- alle dummen +Männer. + + + 48. + +Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. +In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich +Vollenden. + + + 49. + +Ein Schwachkopf, der über andere Menschen urtheilen soll, kann sich +höchstens in ihre Lage, nie aber in ihre Denk- und Empfindungsweise +versetzen. + + + 50. + +Es giebt nichts Böses, freilich auch kaum etwas Gutes, das nicht schon +aus Eitelkeit gethan worden wäre. + + + 51. + +Wenig Leidenschaft, große Herzenswärme, Verstand, Anmuth, leichte +Umgangsformen, Respekt vor dem Ernst, Verständniß für den Scherz -- +Summa summarum: -- Liebenswürdigkeit. + + + 52. + +Ein scheinbarer Widerspruch gegen ein Naturgesetz ist nur die selten +vorkommende Bethätigung eines andern Naturgesetzes. + + + 53. + +Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine +Vernunft zusammennehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die +ein Mensch begehen kann. + + + 54. + +Wer es versteht, den Leuten mit Anmuth und Behagen Dinge auseinander zu +setzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am geschwindesten +den Ruf eines gescheiten Menschen. + + + 55. + +Ueber das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als -- die Hoffnung +auf ihr Gehen. + + + 56. + +Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie bilden +die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts. + + + 57. + +Was nennen die Menschen am liebsten dumm? Das Gescheite, das sie nicht +verstehen. + + + 58. + +Der sich keine Annehmlichkeit versagen kann, wird sich nie ein Glück +erobern. + + + 59. + +Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken. + + + 60. + +Die unerträglichsten Heuchler sind diejenigen, die jedes Vergnügen, das +ihnen geboren wird, von der Pflicht zur Taufe tragen lassen. + + + 61. + +Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar +nichts. Gefährlich sind nur die Streitigkeiten zwischen Menschen, die +einander nicht ganz verstehen. + + + 62. + +Es giebt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die an +und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen der +Beschaffenheit einer Seele. + + + 63. + +Wenn die Großmuth vollkommen sein soll, muß sie eine kleine Dosis +Leichtsinn enthalten. + + + 64. + +Es gehört immer etwas guter Wille dazu, selbst das Einfachste zu +begreifen, selbst das Klarste zu verstehen. + + + 65. + +Gemeinverständlich, das heißt: auch den Gemeinen verständlich, und +heißt überdies nicht selten: den Nicht-Gemeinen ungenießbar. + + + 66. + +Jung sein ist schön; alt sein ist bequem. + + + 67. + +Die Gedankenlosigkeit hat mehr ehrliche Namen zu Grunde gerichtet als +die Bosheit. + + + 68. + +Wenn Du durchaus nur die Wahl hast zwischen einer Unwahrheit und einer +Grobheit, dann wähle die Grobheit; wenn jedoch die Wahl getroffen +werden muß zwischen einer Unwahrheit und einer Grausamkeit, dann wähle +die Unwahrheit. + + + 69. + +Die Wortkargen imponiren immer. Man glaubt schwer, daß Jemand kein +anderes Geheimniß zu bewahren hat als das seiner Unbedeutendheit. + + + 70. + +Die Empfindung des Einsamseins ist schmerzlich, wenn sie uns im Gewühl +der Welt, unerträglich jedoch, wenn sie uns im Schoße unserer Familie +überfällt. + + + 71. + +Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in jungen +Jahren die Leiden der Tyrannen kennen. + + + 72. + +Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären +sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu +ertheilen haben. + + + 73. + +Man hat einen zu guten oder einen zu schlechten Ruf; nur den Ruf hat +man nicht, den man verdient. + + + 74. + +Du wüßtest gern, was Deine Bekannten von Dir sagen? Höre, wie sie von +Leuten sprechen, die mehr werth sind als Du. + + + 75. + +Im Laufe des Lebens verliert alles seine Reize wie seine Schrecken; nur +Eines hören wir nie auf zu fürchten: das Unbekannte. + + + 76. + +Der Charakter des Künstlers ernährt oder verzehrt sein Talent. + + + 77. + +Ein Mann, der sich im Gespräche mit seiner Frau widerlegt fühlt, fängt +sogleich an, sie zu überschreien: Er will und kann beweisen, daß ihm +immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt. + + + 78. + +Fähigkeit ruhiger Erwägung --: Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte! + + + 79. + +Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können auch +die Vorboten einer neuen Regel sein. + + + 80. + +Manche Leute wären frei, wenn sie zu dem Bewußtsein ihrer Freiheit +kommen könnten. + + + 81. + +Muth des Schwachen, Milde des Starken -- beide anbetungswürdig! + + + 82. + +Suche immer zu nützen, suche nie Dich unentbehrlich zu machen. + + + 83. + +Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne das +Bewußtsein ihres eigenen Werthes; der Mann kommt erst recht zum +Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau. + + + 84. + +Der Schwächling ist bereit, sogar seine Tugenden zu verleugnen, wenn +sie Anstoß erregen sollten. + + + 85. + +Der Philosoph zieht seine Schlüsse, der Poet muß die seinen entstehen +lassen. + + + 86. + +So manche Wahrheit ging von einem Irrthum aus. + + + 87. + +Ein litterarischer Dieb, der sich das Stehlen recht sauer werden läßt, +kann sein Lebenlang für einen originellen und ehrlichen Mann gelten. + + + 88. + +Wenn Du sicher wählen willst im Conflict zweier Pflichten, wähle +diejenige, die zu erfüllen Dir schwerer fällt. + + + 89. + +Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde +zu unserem Unglück. + + + 90. + +Die Großen schaffen das Große, die Guten das Dauernde. + + + 91. + +Ein anregendes Buch -- eine Speise, die hungrig macht. + + + 92. + +Der Verstand und das Herz stehen auf sehr gutem Fuße. Eines vertritt +oft die Stelle des andern so vollkommen, daß es schwer ist zu +entscheiden, welches von beiden thätig war. + + + 93. + +Manuscripte vermodern im Schranke oder reifen darin. + + + 94. + +Wer in die Oeffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten und +keine zu fordern. + + + 95. + +Ein Mann mit großen Ideen ist ein unbequemer Nachbar. + + + 96. + +Mehr noch als nach dem Glück unserer Jugend sehnen wir uns im Alter +nach den Wünschen unserer Jugend zurück. + + + 97. + +Erstritten ist besser als erbettelt. + + + 98. + +Das Tüttelchen Wahrheit, das in mancher Lüge enthalten ist, das macht +sie furchtbar. + + + 99. + +Unseren schlechten Eigenschaften gegenüber giebt es nur ewigen Kampf +oder schimpflichen Frieden. + + + 100. + +Was Du wirklich besitzest, das wurde Dir geschenkt. + + + + + Drittes Hundert. + + + 1. + +Wohl Jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er soll. + + + 2. + +Die kleinsten Sünder thun die größte Buße. + + + 3. + +An groß angelegte Menschen denkt sich's gut, mit fein angelegten +Menschen lebt sich's gut. + + + 4. + +Für die Anspruchsvollen plagt man sich, aber die Anspruchslosen liebt +man. + + + 5. + +Respect vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten aufgespeicherte +Weisheit. + + + 6. + +Ein fauler und ein fleißiger Mensch können nicht gut mit einander +leben, der faule verachtet den fleißigen gar zu sehr. + + + 7. + +Wenn man nicht aufhören will, die Menschen zu lieben, muß man nicht +aufhören, ihnen Gutes zu thun. + + + 8. + +Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind, als das feige, +selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte! + + + 9. + +Es kommt alles auf die Umgebung an. Die Sonne im lichten Himmelsraume +hat eine viel geringere Meinung von sich als die Unschlittkerze, die im +Keller brennt. + + + 10. + +Der Künstler versäume nie, die Spuren des Schweißes zu verwischen, den +sein Werk gekostet hat. Sichtbare Mühe war zu wenig Mühe. + + + 11. + +Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben. + + + 12. + +Man darf die Phantasie verführen, aber Gewalt darf man ihr nicht anthun +wollen. + + + 13. + +Nicht tödtlich, aber unheilbar, das sind die schlimmsten Krankheiten. + + + 14. + +Kein Mensch steht so hoch, daß er anderen gegenüber nur gerecht sein +dürfte. + + + 15. + +Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man +kann. + + + 16. + +Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die +Nothwehr uns zwingt, allmälig in seinen Fehler zu verfallen. + + + 17. + +Das giebt sich, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer Kinder. O +nein, es giebt sich nicht, es entwickelt sich! + + + 18. + +Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht. + + + 19. + +Der größte Feind des Rechtes ist das Vorrecht. + + + 20. + +Zwischen Können und Thun liegt ein Meer und auf seinem Grunde die +gescheiterte Willenskraft. + + + 21. + +Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein +hochmüthiger schreibt es sich zu. + + + 22. + +Bewunderung der Tugend ist Talent zur Tugend. + + + 23. + +Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, +brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen. + + + 24. + +Die bedauernswerthesten Menschen sind diejenigen, welche Pflichtgefühl +besitzen, aber nicht die Kraft, ihm zu genügen. + + + 25. + +Beim Wiedersehen nach einer Trennung fragen die Bekannten nach dem, was +mit uns, die Freunde nach dem, was in uns vorgegangen. + + + 26. + +Es giebt überall verschämte Arme, nur nicht in der Litteratur. + + + 27. + +Wer sich mit wenig Ruhm begnügt, verdient nicht vielen. + + + 28. + +Sagen, was man denkt, ist manchmal die größte Thorheit und manchmal -- +die größte Kunst. + + + 29. + +Menschen, die viel von sich sprechen, machen -- so ausgezeichnet sie +übrigens sein mögen -- den Eindruck der Unreife. + + + 30. + +Es giebt mehr naive Männer als naive Frauen. + + + 31. + +Der Weise ist selten klug. + + + 32. + +Wie viel Bewegung wird hervorgebracht durch das Streben nach Ruhe! + + + 33. + +Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer +fanatische Anhänger. + + + 34. + +Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer +glücklichen Ehe. + + + 35. + +Demuth ist Unverwundbarkeit. + + + 36. + +Ein guter Witz muß den Schein des Unabsichtlichen haben. Er giebt +sich nicht dafür, aber siehe da, der Scharfsinn des Hörers entdeckt +ihn, entdeckt den geistreichen Gedanken in der Maske eines schlichten +Wortes. Ein guter Witz reist incognito. + + + 37. + +Manche Tugenden kann man dadurch erwerben, daß man sie lange Zeit +hindurch heuchelt. Andere wird man um so weniger erringen, je mehr man +sucht, sich ihren Sein zu geben. Zu den ersten gehört der Muth, zu den +zweiten die Bescheidenheit. + + + 38. + +Wohlerzogene Menschen sprechen in Gesellschaft weder vom Wetter noch +von der Religion. + + + 39. + +Der Staat ist am tiefsten gesunken, dessen Regierung schweigend zuhören +muß, wenn die offenkundige Schufterei ihr Sittlichkeit predigt. + + + 40. + +Nicht leisten können, was Andere leisten -- Du mußt dich bescheiden. +Nicht mehr leisten können, was Du selbst einmal geleistet hast -- zum +verzweifeln. + + + 41. + +Liebhabereien bewahren vor Leidenschaften; ~eine~ Liebhaberei wird zur +Leidenschaft. + + + 42. + +Welch' ein Unterschied liegt darin, wie man's macht und wie sich's +macht! + + + 43. + +Den Strich, den das Genie in Einem Zuge hinwirft, kann das Talent in +glücklichen Stunden aus Punkten zusammensetzen. + + + 44. + +Ein Nichts vermag das Vertrauen in die eigene Kraft zu erschüttern, +aber nur ein Wunder vermag es wieder zu befestigen. + + + 45. + +Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen. + + + 46. + +In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit. + + + 47. + +Die Menschen, bei denen Verstand und Gemüth sich die Wage halten, +gelangen spät zur Reife. + + + 48. + +Der niemals Ehrfurcht empfunden hat, wird sie auch niemals erwecken. + + + 49. + +Wo giebt es noch einmal zwei Dinge so entgegengesetzt und doch so +nahe verwandt, so unähnlich und doch so oft kaum von einander zu +unterscheiden, wie Bescheidenheit und Stolz? + + + 50. + +Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, +macht unser Schicksal aus. + + + 51. + +Es gäbe keine Geselligkeit, alle Familienbande würden gelockert, wenn +die Gedanken der Menschen auf ihrer Stirn zu lesen wären. + + + 52. + +Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, sagt +die Frau. + +Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte komme, sagt der Mann. + + + 53. + +Liebe alle Menschen, der Leidende aber sei Dein Kind. + + + 54. + +Die Langweile, die in manchem Buche herrscht, gereicht ihm zum Heil; +die Kritik, die schon ihren Speer erhoben hatte, schläft ein, bevor sie +ihn geschleudert hat. + + + 55. + +An Rheumatismen und an wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon +befallen wird. + + + 56. + +Aerzte werden gehaßt aus Ueberzeugung oder aus Oekonomie. + + + 57. + +Die Ambrosia der früheren Jahrhunderte ist das tägliche Brod der +späteren. + + + 58. + +Ein wirklich guter und liebenswürdiger Mensch kann soviel Freunde +haben, als er will, aber nicht immer diejenigen, die er will. + + + 59. + +Auf angeborene Tugenden ist man nicht stolz. + + + 60. + +Ein ganzes Buch -- ein ganzes Leben. + + + 61. + +Was Menschen und Dinge werth sind, kann man erst beurtheilen, wenn sie +alt geworden. + + + 62. + +Der Wohlwollende fürchtet Mißgunst nicht. + + + 63. + +Wir hätten wenig Mühe, wenn wir niemals unnöthige Mühe hätten. + + + 64. + +Es findet nicht nur jeder Odysseus seinen Homer, sondern auch jeder +Mahomet seine Chadidscha. + + + 65. + +Jeder Weltmann verkehrt lieber mit einem wohlerzogenen Bösewicht, als +mit einem schlechterzogenen Heiligen. + + + 66. + +Wenn wir an Freuden denken, die wir erlebt haben, oder noch zu erleben +hoffen, denken wir sie uns immer ungetrübt. + + + 67. + +Nicht jeder große Mann ist ein großer Mensch. + + + 68. + +Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück empfinden, +empfinden wir als eine Last. + + + 69. + +Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben, daß +wir Unrecht haben. + + + 70. + +Die Thaten reden, aber den Ungläubigen überzeugen sie doch nicht. + + + 71. + +Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem +Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es +an. + + + 72. + +Je weiter unsere Erkenntniß Gottes dringt, je weiter weicht Gott vor +uns zurück. + + + 73. + +Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn. + + + 74. + +Die Menschen, die wir am meisten verwöhnen, sind nicht immer die, die +wir am meisten lieben. + + + 75. + +Dem großen Dichter muß man ein starkes Selbstgefühl zu gute halten. +Eine gewisse Gottähnlichkeit ist Dem nicht abzusprechen, der aus seinem +Geiste Menschen schafft. + + + 76. + +Ueberlege ein Mal, bevor Du giebst, zwei Mal, bevor Du annimmst, und +tausendmal, bevor Du verlangst. + + + 77. + +Der Maßstab, den wir an die Dinge legen, ist das Maß unseres eigenen +Geistes. + + + 78. + +Der Künstler hat nicht dafür zu sorgen, daß sein Werk Anerkennung +finde, sondern dafür, daß es sie verdiene. + + + 79. + +Ein einziges Wort verräth uns manchmal die Tiefe eines Gemüths, die +Gewalt eines Geistes. + + + 80. + +Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt. + + + 81. + +Die Natur hat leicht verschwenden; auch das scheinbar ganz nutzlos +Verstreute fällt zuletzt doch in ihren Schoß. + + + 82. + +Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zu Liebe ablegt, verleiht ihm +in unseren Augen mehr Werth, als die größten Tugenden, die er sich ohne +unser Zuthun aneignet. + + + 83. + +Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen, viel schlimmer +jedoch ist es, wenn nur Einer von ihnen den Andern langweilt. + + + 84. + +Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar +versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten versteht, daß sie seine +Liebe erwidere. + + + 85. + +Was noch zu leisten ist, das bedenke; was Du schon geleistet hast, das +vergiß. + + + 86. + +Wer die materiellen Genüsse des Lebens seinen idealen Gütern vorzieht, +gleicht dem Besitzer eines Palastes, der sich in den Gesindestuben +einrichtet und die Prachtsäle leer stehen läßt. + + + 87. + +Im Laufe des Lebens nützen unsere Laster sich ab, wie unsere Tugenden. + + + 88. + +Die Welt gehört Denen, die sie haben wollen, und wird von Jenen +verschmäht, denen sie gehören sollte. + + + 89. + +Wenn ich nicht predigen müßte, würde ich mich nicht kasteien, sagte ein +wahrheitsliebender Priester. + + + 90. + +Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück. + + + 91. + +Der Augenblick tritt niemals ein, in welchem der Dummkopf den Weisen +nicht für fähig hielte, einen Unsinn zu sagen oder eine Thorheit zu +begehen. + + + 92. + +Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von +Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer -- +guter Ton. + + + 93. + +Was liegt am Ruhm, da man den Nachruhm nicht erleben kann? + + + 94. + +Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit. + + + 95. + +Es darf so mancher Talentlose von dem Werke so manches Talentvollen +sagen: Wenn ich das machen könnte, würde ich es besser machen. + + + 96. + +Dilettanten haben nicht einmal in einer secundären Kunst etwas +Bleibendes geleistet, sich aber verdient gemacht um die höchste aller +Wissenschaften, die Philosophie. Den Beweis dafür liefern: Montaigne, +La Rochefoucauld, Vauvenargues. + + + 97. + +Wenn wir auch der Schmeichelei keinen Glauben schenken, der Schmeichler +gewinnt uns doch. Einige Dankbarkeit empfinden wir immer für den, der +sich die Mühe giebt, uns angenehm zu belügen. + + + 98. + +Aus dem Mitleid mit Anderen erwächst die feurige, die muthige +Barmherzigkeit; aus dem Mitleid mit uns selbst die weichliche, feige +Sentimentalität. + + + 99. + +Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für die +Axe der Welt. + + + 100. + +Nur die allergescheitesten Leute benützen ihren Scharfsinn nicht bloß +zur Beurtheilung Anderer, sondern auch ihrer selbst. + + + + + Viertes Hundert. + + + 1. + +Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen, und +die ist erbärmlich. + + + 2. + +Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das Vernünftigste +jedoch muß auch das Beste sein. + + + 3. + +Späte Freuden sind die schönsten; sie stehen zwischen entschwundener +Sehnsucht und kommendem Frieden. + + + 4. + +Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren Werken +haben. + + + 5. + +Sehr geringe Unterschiede begründen manchmal sehr große +Verschiedenheiten. + + + 6. + +Der Spott endet, wo das Verständniß beginnt. + + + 7. + +Um ein öffentliches Amt glänzend zu verwalten, braucht man eine gewisse +Anzahl guter und -- schlechter Eigenschaften. + + + 8. + +Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau beklagenswerth. + + + 9. + +Alle Enttäuschungen sind gering im Vergleich zu denen, die wir an uns +selbst erleben. + + + 10. + +Je kürzer der Fleiß, je länger der Tag. + + + 11. + +Den Menschen, die große Eigenschaften besitzen, verzeiht man ihre +kleinen Fehler am schwersten. + + + 12. + +Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Uebersättigten. + + + 13. + +Weh der Frau, die nicht im Falle der Noth ihren Mann zu stellen vermag. + + + 14. + +Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist, +sich ihnen nützlich zu machen. + + + 15. + +Rücksichtslosigkeiten, die edle Menschen erfahren haben, verwandeln +sich in Rücksichten, die sie erweisen. + + + 16. + +Wenn man ein Seher ist, braucht man kein Beobachter sein. + + + 17. + +Der ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu haben. + + + 18. + +Es ist die Frage, was man im Leben sucht, Unterhaltung oder Liebe. Im +ersten Falle darf man es nicht allzu genau mit der moralischen, im +zweiten nicht allzu genau mit der geistigen Beschaffenheit der Menschen +nehmen, mit denen man sich umgiebt. + + + 19. + +Den Feind unserer Marotte unseren Freund nennen, heißt gescheit sein. + + + 20. + +Und ich habe mich so gefreut! sagst Du vorwurfsvoll, wenn Dir eine +Hoffnung zerstört wurde. Du hast Dich gefreut -- ist das nichts? + + + 21. + +Sogar der edelste Mensch ist unfähig, einer Handlung vollkommen gerecht +zu werden, die er selbst unter keiner Bedingung zu vollziehen vermöchte. + + + 22. + +Wenn wir nur noch das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir bei +der geistigen Blindheit angelangt. + + + 23. + +Unser Stolz auf den Besitz irgend einer guten Eigenschaft erleidet +einen argen Stoß, wenn wir sehen, wie stolz Andere auf das +Nichtbesitzen derselben guten Eigenschaft sind. + + + 24. + +Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor. + + + 25. + +Die größte Gleichmacherin ist die Höflichkeit, durch sie werden alle +Standesunterschiede aufgehoben. + + + 26. + +Wenn Jeder dem Andern helfen wollte, wäre Allen geholfen. + + + 27. + +Das Gemüth bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt. + + + 28. + +Ausdauer ist eine Tochter der Kraft, Hartnäckigkeit eine Tochter der +Schwäche, nämlich -- der Verstandesschwäche. + + + 29. + +Theorie und Praxis sind Eins wie Seele und Leib, und wie Seele und Leib +liegen sie großentheils mit einander in Streit. + + + 30. + +Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine kleine üble +Gewohnheit die Liebe überwindet. + + + 31. + +In der großen Welt gefällt nichts so sehr wie die Gleichgültigkeit +darüber, ob man ihr gefällt. + + + 32. + +Die Laster sind unter einander näher verwandt als die Tugenden. + + + 33. + +Man muß schon etwas wissen, um verbergen zu können, daß man nichts weiß. + + + 34. + +Die Palme beugt sich, aber nicht der Pfahl. + + + 35. + +Die meisten Menschen ertragen es leichter, daß man ihnen zuwider +handelt, als daß man ihnen zuwider spricht. + + + 36. + +Die Gelassenheit ist eine anmuthige Form des Selbstbewußtseins. + + + 37. + +Begreifen -- geistiges Berühren. Erfassen -- geistiges Sichaneignen. + + + 38. + +Die Unschuld des Mannes heißt Ehre; die Ehre der Frau heißt Unschuld. + + + 39. + +Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken +erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt allein. + + + 40. + +Es muß sein! -- grausamster Zwang. Es hat sein müssen! -- bester Trost. + + + 41. + +Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt. + + + 42. + +Während des Beisammenseins mit geliebten Menschen kann man sich in den +Zustand der Trennung von ihnen ebenso wenig hineindenken wie in den des +Todes. + + + 43. + +Eitelkeit ist mächtiger als Scham. + + + 44. + +Der Weltmann kennt gewöhnlich die Menschen, aber nicht den Menschen. +Beim Dichter ist's umgekehrt. + + + 45. + +Im Grunde ist jedes Unglück gerade nur so schwer, als man es nimmt. + + + 46. + +Tugend und Gelehrsamkeit haben nichts mit einander gemein, heißt es. +Seht aber zu, wohin es mit Eurem moralischen Fortschreiten kommt, wenn +Ihr von dem geistigen Fortschreiten Eurer Zeit keine Notiz nehmt. + + + 47. + +Das Erfundene kann vervollkommnet, das Geschaffene nur nachgeahmt +werden. + + + 48. + +Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, als +Derjenige, der die alten nicht zu verarbeiten versteht. + + + 49. + +Die Aenderung, die unser Naturell im Laufe des Lebens erfährt, sieht +manchmal aus wie eine Aenderung unseres Charakters. + + + 50. + +Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod. + + + 51. + +Die Sitte ist schon gerichtet zu deren Gunsten wir kein anderes +Argument vorzubringen wissen als das ihrer Allgemeinheit. + + + 52. + +Die Kleinen schaffen, der Große erschafft. + + + 53. + +Daß andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich, +daß wir selbst keines haben, immer unfaßbar. + + + 54. + +Erinnere Dich der Vergessenen -- eine Welt geht Dir auf. + + + 55. + +Alle irdische Gewalt beruht auf Gewaltthätigkeit. + + + 56. + +Die Grausamkeit des Ohnmächtigen äußert sich als Gleichgültigkeit. + + + 57. + +Am unbarmherzigsten im Urtheil über fremde Kunstleistungen sind die +Frauen mittelmäßiger Künstler. + + + 58. + +Im Alter sind wir der Schmeichelei viel zugänglicher als in der Jugend. + + + 59. + +Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen. Die +Frau, die ihn nicht beeinflussen will -- eine Heilige. + + + 60. + +Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst +unbewußt. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen, bitter und +von seinem Recht zu bestehen überzeugt. + + + 61. + +Man bleibt jung so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen +und einen Widerspruch ertragen kann. + + + 62. + +Da zuletzt doch alles auf den Glauben hinaus läuft, müssen wir jedem +Menschen das Recht zugestehen, lieber das zu glauben, was er sich +selbst, als was Andere ihm weiß gemacht. + + + 63. + +Gutmüthigkeit ist eine alltägliche Eigenschaft, Güte die höchste Tugend. + + + 64. + +In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns gewähren +können, sei Gerechtigkeit. Im Alter erfahren wir, daß es das Höchste +ist. + + + 65. + +Genug weiß Niemand, zu viel so Mancher. + + + 66. + +Verlegenheit äußert sich bei unerzogenen Menschen als Grobheit, +bei nervösen Menschen als Schwatzhaftigkeit, bei alten Jungfern +und Junggesellen als Bissigkeit. Phlegmatische Menschen macht die +Verlegenheit stumm. + + + 67. + +Wo Geschmacklosigkeit daheim ist, wird auch immer etwas Rohheit wohnen. + + + 68. + +Der Verstand macht Märtyrer so gut wie die Phantasie, doch er verläßt +die seinen am Ende; sie bleibt den ihren getreu. + + + 69. + +Bis zu einem gewissen Grade selbstlos sollte man schon aus Selbstsucht +sein. + + + 70. + +Die Rücksichten, die uns in der Welt erwiesen werden, stehen meistens +in näherer Beziehung zu unseren Ansprüchen als zu unseren Verdiensten. + + + 71. + +Herrschaft behaupten wollen, heißt kämpfen wollen. Nutzen stiften +wollen, heißt freilich auch kämpfen wollen, aber -- um den Frieden. + + + 72. + +Das Feuer läutert, verdeckte Gluth frißt an. + + + 73. + +Hab' einen guten Gedanken, man borgt Dir zwanzig. + + + 74. + +Es giebt Menschen im Zopfstyl: viele hübsche Einzelheiten, das Ganze +abgeschmackt. + + + 75. + +Das Gefühl schuldiger Dankbarkeit ist eine Last, die nur starke Seelen +zu ertragen vermögen. + + + 76. + +Die Menschen der alten Zeit sind auch die der neuen, aber die Menschen +von gestern sind nicht die von heute. + + + 77. + +Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung der +Leidenschaft zu der des Lasters wendet. + + + 78. + +Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders +kleiden. + + + 79. + +Grobheit -- geistige Unbeholfenheit. + + + 80. + +Wir können uns nie genug darüber wundern, wie so wichtig den Andern +ihre eigenen Angelegenheiten sind. + + + 81. + +Die Kritik ist von geringer Qualität, die meint, ein Kunstwerk nur dann +richtig beurtheilen zu können, wenn sie die Verhältnisse kennt, unter +denen es entstanden ist. + + + 82. + +Dem, der uns Gutes thut, sind wir nie so dankbar, wie Dem, der uns +böses thun könnte, es aber unterläßt. + + + 83. + +So Mancher meint ein Don Juan zu sein und ist nur ein Faun. + + + 84. + +Vorurtheil stützt die Throne, Unwissenheit die Altäre. + + + 85. + +Es kommt vor, daß Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der +entsetzliche Fall ein, daß einer Maus zugemuthet wird, einen Berg zu +gebären. + + + 86. + +Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht. + + + 87. + +Jeder Künstler soll es der Vogelmutter nachmachen, die sich um ihre +Brut nicht mehr bekümmert, sobald sie flügge geworden ist. + + + 88. + +Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn giebst. + + + 89. + +Den Angriffen der Gemeinheit gegenüber ist es schwer, nicht in +Selbstüberhebung zu verfallen. + + + 90. + +Die einzigen von der Welt unbestrittenen Ehren, die einer Frau zu Theil +werden können, sind diejenigen, die sie im Reflex der Ehren ihres +Mannes genießt. + + + 91. + +Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die +Furcht vor dem Unglück geraubt wurde. + + + 92. + +Die Geschichte hat Helden und Werkzeuge, und macht beide unsterblich. + + + 93. + +Die großen Augenblicke im guten wie im bösen Sinne sind die, in denen +wir gethan haben, was wir uns nie zugetraut hätten. + + + 94. + +Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an zu +zirpen. + + + 95. + +Der Witzling ist der Bettler im Reich der Geister; er lebt von Almosen, +die das Glück ihm zuwirft -- von Einfällen. + + + 96. + +An die Stützen, die wir wanken fühlen, klammern wir uns doppelt fest. + + + 97. + +Das Meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit gethan, in der wir meinten, +zu wenig zu thun. + + + 98. + +Die allerstillste Liebe ist die Liebe zum Guten. + + + 99. + +Beim Genie heißt es: Laß Dich gehen! Beim Talent: Nimm Dich zusammen! + + + 100. + +Ein böser Mensch vermag leichter einen guten, als ein guter einen bösen +Vorsatz auszuführen. + + + + + Fünftes Hundert. + + + 1. + +Wisset, die Euch Haß predigen, erlösen Euch nicht. + + + 2. + +Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das +Material an. + + + 3. + +Die Aufgabe vieler Dichter-Generationen ist keine andere, als das +Werkzeug blank zu erhalten. + + + 4. + +Welcher Autor darf sagen, daß der Gedanke an die Oberflächlichkeit der +meisten Leser ihm stets ein peinlicher, und nicht mitunter auch ein +tröstlicher sei? + + + 5. + +Freundlichkeit kann man kaufen. + + + 6. + +Der Platz des Unparteiischen ist auf Erden zwischen den Stühlen, im +Himmel aber wird er zur Rechten Gottes sitzen. + + + 7. + +Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zu Tage kommt, wenn sein +Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen. + + + 8. + +Genire Dich vor Dir selbst, das ist der Anfang aller Vorzüglichkeit. + + + 9. + +Die Litteratur wird heutzutage meist als Kunsthandwerk betrieben. + + + 10. + +Einen mit Weisheit Gesalbten darf man nie warm werden lassen, sonst +trieft er. + + + 11. + +Man kann sich nicht im Besitz von eigentlich unveräußerlichen Gütern +befinden, ohne etwas von seinem Rechtssinn einzubüßen. + + + 12. + +Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den Starken +zum Heiligen. + + + 13. + +Je ungebildeter ein Mensch, je schneller ist er mit einer Ausrede +fertig. + + + 14. + +Die Erfolge des Tages gehören der verwegenen Mittelmäßigkeit. + + + 15. + +Alberne Leute sagen Dummheiten, gescheite Leute machen sie. + + + 16. + +Das scheinbar am unnöthigsten gebrachte, thörichtste Opfer steht +der absoluten Weisheit immer noch näher als die klügste That der +sogenannten berechtigten Selbstsucht. + + + 17. + +Der Verstand wird meist auf Kosten des Gemüthes ausgebildet. -- O nein, +aber es giebt mehr bildungsfähige Köpfe als bildungsfähige Herzen. + + + 18. + +Der Arbeiter soll seine Pflicht thun, der Arbeitgeber soll mehr thun +als seine Pflicht. + + + 19. + +Bei den Hottentotten ist nicht einmal Napoleon berühmt. + + + 20. + +Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann. + + + 21. + +Ob das Werkzeug früher versagt oder die Hand, ist ein großer +Unterschied, kommt aber auf eins heraus. + + + 22. + +Das Leben erzieht die großen Menschen und läßt die kleinen laufen. + + + 23. + +Der Pfennig der Wittwe wird von der Kirche dankbar quittirt. Willst Du +gleichen Lohn empfangen im Tempel der Kunst, dann sei ein Krösus und +bringe Dein Hab' und Gut. + + + 24. + +Geistlose Lustigkeit -- Fratze der Heiterkeit. + + + 25. + +Es glaube doch nicht Jeder, der im Stande war, seine Meinung von einem +Kunstwerk aufzuschreiben, er habe es kritisirt. + + + 26. + +Einen Menschen kennen, heißt ihn lieben oder ihn bedauern. + + + 27. + +Steril ist der, dem nichts einfällt; langweilig ist, der ein paar alte +Gedanken hat, die ihm alle Tage neu einfallen. + + + 28. + +Es giebt wenig aufrichtige Freunde -- die Nachfrage ist auch gering. + + + 29. + +Der von Schaffens~freude~ spricht, hat höchstens Mücken geboren. + + + 30. + +Die Wunden, die unserer Eitelkeit geschlagen werden, sind halb geheilt, +wenn es uns gelingt, sie zu verbergen. + + + 31. + +Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung -- +daß Niemand einstimmt. + + + 32. + +Sei froh, wenn jeder Lober Dir nur ~einen~ Neider erweckt. + + + 33. + +Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst und in der Wissenschaft. + + + 34. + +So weit Deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht Deine Freiheit. + + + 35. + +Was Du bekrittelst, hast Du verloren. + + + 36. + +Der Leichtsinnige kümmert sich nicht einmal um den morgigen Tag, und +Ihr wollt ihn mit der Ewigkeit schrecken? + + + 37. + +Es ist schwer Den, der uns bewundert, für einen Dummkopf zu halten. + + + 38. + +Daß soviel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die +Wohlerzogenheit schuld. + + + 39. + +Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei. + + + 40. + +Wenn Ihr wüßtet, daß Ihr solidarisch seid für jedes begangene Unrecht, +das Lästern würde Euch vergehen. + + + 41. + +Der sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist +selten der Besserung fähig. + + 42. + +Manche Menschen haben ein Herz von Eisen und drin ein Fleckchen so +weich wie Brei. + + + 43. + +Die öffentliche Meinung wird verachtet von den erhabensten und von den +am tiefsten gesunkenen Menschen. + + + 44. + +Es giebt keine schüchternen Lehrlinge mehr; es giebt nur noch +schüchterne Meister. + + + 45. + +Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu +geschehen, so lange sie noch stehen wird. + + + 46. + +Wenn wir nur das Unrecht hassen und nicht Diejenigen, die es thun, +werden wir unsere Kampfgenossen ~und~ unsere Feinde lieben. + + + 47. + +Unbefangenheit, Geradheit, Bescheidenheit sind auch göttliche Tugenden. + + + 48. + +Mißtraue Deinem Urtheil, sobald Du darin den Schatten eines +persönlichen Motivs entdecken kannst. + + + 49. + +Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen. + + + 50. + +Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit ausbreiten +könnte, und richten Schranken gegen sie auf -- die Nationalitäten. + + + 51. + +Nichts Besseres kann der Künstler sich wünschen als grobe Freunde und +höfliche Feinde. + + + 52. + +Alle historischen Rechte veralten. + + + 53. + +Anspruchslosigkeit ist Seligkeit. + + + 54. + +Ein armer wohlthätiger Mensch kann sich manchmal reich fühlen, ein +geiziger Krösus nie. + + + 55. + +Der Ruhm der kleinen Leute heißt Erfolg. + + + 56. + +Besondere Stände haben sich gebildet, um uns zu vermitteln, was nur +durch die unmittelbarste Einwirkung in uns lebendig werden kann. + + + 57. + +Der völlig vorurtheilslos ist, muß es auch gegen das Vorurtheil sein. + + + 58. + +Die »Vornehmen« -- etymologisch Diejenigen, die vor allen Andern +nehmen, und zugleich die Bezeichnung für Adelige oder Edle. + + + 59. + +Wer hat nicht schon das, was er sich zutraut, für das gehalten, was er +vermag? + + + 60. + +Ein Held -- hochheiliger Ernst der Natur; eine Heldin -- Spiel der +Natur. + + + 61. + +Immer wird die Gleichgültigkeit und die Menschenverachtung dem +Mitgefühl und der Menschenliebe gegenüber einen Schein von geistiger +Ueberlegenheit annehmen können. + + + 62. + +Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir +sind. + + + 63. + +So Manches können wir Anderen zu Liebe thun, unsere Schuldigkeit thun +wir immer nur uns selbst zu Liebe. + + + 64. + +Es giebt eine nähere Verwandtschaft als die zwischen Mutter und Kind: +die zwischen dem Künstler und seinem Werke. + + + 65. + +Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt, und +aus dem, was wir vergessen haben. + + + 66. + +Begeisterung spricht nicht immer für Den, der sie erweckt, und immer +für Den, der sie empfindet. + + + 67. + +Die still stehende Uhr, die täglich zwei Mal die richtige Zeit +angezeigt hat, blickt nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen +zurück. + + + 68. + +Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht Niemand nach dem +gestirnten Himmel. + + + 69. + +Was wir unserem besten Freunde nicht anvertrauen würden, rufen wir ins +Publikum. + + + 70. + +Auch der ungewöhnlichste Mensch ist gehalten, seine ganz gewöhnliche +Schuldigkeit zu thun. + + + 71. + +Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demüthigen als ein +wohlbegründeter Tadel. + + + 72. + +Der Hans, der etwas erlernte, was Hänschen nicht gelernt, der weiß es +gut. + + + 73. + +Ein Hauptzweck unserer Selbsterziehung ist: die Eitelkeit in uns zu +ertödten, ohne welche wir nie erzogen worden wären. + + + 74. + +Das Talent zu herrschen, täuscht oft über den Mangel an anderem Talent. + + + 75. + +Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit. + + + 76. + +Was wissen wir nicht alles zur Entschuldigung von Fehlern und +Uebelständen vorzubringen, aus denen wir Nutzen ziehen! + + + 77. + +Nichts bist Du, nichts ohne die Andern. Der verbissenste Misanthrop +braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten. + + + 78. + +Kein Todter ist so gut begraben wie eine erloschene Leidenschaft. + + + 79. + +Man kann den Leuten aus dem Wege gehen, vor lauter Verachtung oder -- +vor lauter Respekt. + + + 80. + +Die Treue ist etwas so Heiliges, daß sie sogar einem unrechtmäßigen +Verhältnisse Weihe verleiht. + + + 81. + +An dem Manna der Anerkennung lassen wir es uns nicht genügen, uns +verlangt nach dem Gifte der Schmeichelei. + + + 82. + +Ueberlege wohl, bevor Du Dich der Einsamkeit ergiebst, ob Du auch für +Dich selbst ein heilsamer Umgang bist. + + + 83. + +Wir sind Herr über unsere gerechtfertigten Neigungen und werden von den +ungerechtfertigten am Narrenseil geführt. + + + 84. + +Glaube Deinen Schmeichlern -- Du bist verloren; glaube Deinen Feinden +-- Du verzweifelst. + + + 85. + +Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf -- es kommt nur auf die +Entfernung an. + + + 86. + +Am weitesten in der Rücksichtslosigkeit bringen es die Menschen, die +vom Leben nichts verlangen als ihr Behagen. + + + 87. + +Der kleinste Hügel vermag uns die Aussicht auf einen Chimborazo zu +verdecken. + + + 88. + +Wir können es im Alter zu nichts Schönerem bringen, als zu einem milden +und anspruchslosen Quietismus. + + + 89. + +Nichts schwerer als Den gelten lassen, der uns nicht gelten läßt. + + + 90. + +Was Dein Wort zu bedeuten hat, erfährst Du durch den Widerhall, den es +erweckt. + + + 91. + +Es steht etwas über unseren schaffensfreudigen Gedanken, das feiner +und schärfer ist als sie. Es sieht ihrem Entstehen zu, es überwacht, +ordnet und zügelt sie, es mildert ihnen oft die Farben, wenn sie Bilder +weben, und hält sie am knappsten, wenn sie Schlüsse ziehen. Seine +Ausbildung hängt von der unserer edelsten Fähigkeiten ab. Es ist nicht +selbst schöpferisch, aber wo es fehlt, kann nichts Dauerndes entstehen; +es ist eine moralische Kraft, ohne die unsere geistige nur Schemen +hervorbringt; es ist das Talent zum Talent, sein Halt, sein Auge, sein +Richter, es ist -- das künstlerische Gewissen. + + + 92. + +Die Großmuth ist nicht immer am rechten Platz, der Geiz aber ist immer +am unrechten. + + + 93. + +Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen. + + + 94. + +Wir sträuben uns gegen das Leiden, wer aber möchte nicht gelitten haben? + + + 95. + +Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen +sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat. + + + 96. + +So reich unser Leben an wohlausgenützten Gelegenheiten war, +vortrefflichen Menschen nahe zu stehen, so reich ist es überhaupt +gewesen. + + + 97. + +Wie theuer Du eine schöne Illusion auch bezahltest, Du hast doch einen +guten Handel gemacht. + + + 98. + +Wohl finden wir unsere Worte auf den Lippen der Freunde wieder, aber +nicht mehr als unser, sondern als ihr Eigenthum. + + + 99. + +Am Ziele Deiner Wünsche wirst Du jedenfalls Eines vermissen: Dein +Wandern zum Ziel. + + + 100. + +Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen. + + + + + Parabeln und Märchen. + + + + + Die Mußmenschen. + + +Ein zum Tode verurtheilter Verbrecher entsprang seiner Haft kurz vor +dem Tage, an welchem er hingerichtet werden sollte, und gelangte +auf der Flucht in ein wildes Bergland, dessen Geklüfte ihm Schutz +vor den verfolgenden Häschern bot. Als der Hunger ihn zwang, seinen +Schlupfwinkel zu verlassen und einen wirthlicheren Aufenthalt zu +suchen, führte ihn sein Weg zu der Hütte eines alten Ziegenhirten, der +dem halb Verschmachteten Gastfreundschaft gewährte. Der Alte wurde +gesprächig, und erzählte unter Anderem von einem merkwürdigen Lande, +in welchem er viele Jahre seines Lebens zugebracht hatte. -- In diesem +Lande, sagte er, herrsche der Glaube an die Unfreiheit des menschlichen +Willens. Dort maße sich Keiner das Recht an, seinen Nächsten zur +Verantwortung zu ziehen; Niemand schreibe sich ein Verdienst zu; +Niemand zeihe sich einer Schuld; den Begriff von gut und böse gebe es +nicht; es gebe kein Thun, sondern nur ein Geschehen; die Handlungen +der Menschen werden genau so betrachtet, wie Naturereignisse, als die +nothwendigen Folgen unabsehbarer, von Ewigkeit her wirkender Ursachen. + +»So giebt es in dem Lande weder Gesetz noch Richter?« fragte der +Verbrecher. + +»Weder Gesetz noch Richter,« antwortete der Hirt. + +»Und Mord und Raub, wie werden sie beurtheilt?« + +»Nicht anders, als wie man Sturm und Wetterschlag beurtheilt.« + +Da hatte der Verbrecher eine große Freude und rief: »Das ist ein Land +für mich, in dem hätte ich geboren werden sollen. Dahin will ich gehen.« + +Sofort erkundigte er sich nach dem Weg, den er einzuschlagen habe, +trat die Wanderung an und erreichte nach vielen Abenteuern und +Fährlichkeiten eines schönen Sommermorgens glücklich sein Ziel. + +Er betrat ein blühendes, sorgfältig bebautes Land. In der Nähe eines +freundlichen Dorfes waren viele Leute mit dem Mähen einer herrlichen +Wiese beschäftigt. Die Männer führten die Sense, die Frauen den Rechen, +Alle arbeiteten eifrig und mit sichtbarem Vergnügen. + +Wie merkwürdig! dachte der Verbrecher, und fragte einen der Mäher: +»Freund, warum plagst Du Dich?« + +»Weil ich muß,« antwortete Jener. + +»So? und wer zwingt Dich?« + +»Wer? Du meinst wohl, ~was~ mich zwingt. Mich zwingt das angeerbte +Bedürfniß des Fleißes, mich zwingt die Einsicht, daß ich arbeiten muß, +da ich leben muß.« + +»Habt Ihr denn hier zu Lande keine reichen Leute, denen Ihr wegnehmen +könntet, was Ihr braucht um zu leben, und noch etwas darüber?« + +»Da würden wir,« erhielt er zur Antwort, »dem Thoren gleichen, der +seiner goldene Eier legenden Henne den Hals abschnitt. So unvernünftig +müssen nur Halbwilde handeln; wir sind ein uraltes Culturvolk und +müssen das Vernünftige thun.« + +Kaum waren diese Worte gesprochen, als sich plötzlich ein Geschrei +erhob, das durchaus nichts Cultivirtes hatte. Eine kleine hübsche Frau +war mit ihrem Mann in Streit gerathen und drosch mit den Fäusten, so +stark und so schnell sie konnte, auf ihn los. Er wehrte sich nicht. + +»Alle Wetter,« sagte der Verbrecher, »diese Frau hagelt ja.« + +»Zu Zeiten. Die Motive, von denen sie veranlaßt wurde, als +immerwährender Sonnenschein an unserem Ehehimmel zu prangen, wirken +leider noch nicht permanent,« entschuldigte der Geprügelte und machte +ein sehr trauriges Gesicht, als jetzt ein hochgewachsenes Weib auf die +kleine Frau zutrat, ihr trotz ihres Sträubens die Hände auf den Rücken +band und sie wegführte. + +Der Verbrecher allein hatte diesem Vorgang mit Neugier und +Schadenfreude zugesehen; alle Uebrigen schenkten ihm nur geringe und +unlustige Aufmerksamkeit. + +Die Raststunde war gekommen; die Mäher ließen sich ins Gras nieder +und begannen das Mittagessen, das Frauen und Kinder aus dem Dorfe +herbeigebracht hatten, gemeinsam zu verzehren. Der Verbrecher setzte +sich zu dem betrübten Ehemann, der nicht aufhören konnte, von seiner +Gattin zu sprechen. + +»Sie hat ihre Mutter früh verloren,« erzählte er, »und ist vom +Vater aus schwer belastet mit ererbtem moralischen Siechthum. Der +Einfluß unserer Schule, dieses herrlichen Gartens, in welchem junge +Menschenblumen unter der Leitung großer Künstler und Denker zur +Entfaltung des schönsten Müssens herangebildet werden, hat sich als +unzureichend zur Besiegung des Uebels meiner armen kleinen Frau +erwiesen.« + +»Deine männliche Oberherrlichkeit desgleichen,« spottete der +Verbrecher. »O, Du Starker, Du Langmüthiger! wie geduldig hast Du Dich +mißhandeln lassen von einem schwachen Weiblein! Welchen Lohn giebt es +bei Euch für solche Tugend?« + +»Lohn? Tugend?« erwiderte man ihm; »haben die Bewohner Deines Landes +nichts gelernt in der Flucht der Jahrtausende? Klebt man bei Euch noch +an so kindischen Begriffen? Wir sind ein uraltes Culturvolk und wissen +von ihnen längst nichts mehr.« + +Diese Entgegnung ergötzte den Verbrecher, und er sprach nun den Wunsch +aus, zu erfahren, wohin die kleine Frau, die so hübsch hageln konnte, +geführt, und wer Diejenige gewesen, von der sie abgeholt worden. + +»Eine Krankenwärterin,« antwortete der Mann, »und sie hat meine Frau +ins Spital bringen müssen.« + +»Ist sie denn krank?« + +»Gewiß. Hast Du nicht gesehen, daß sie eine Krankheit hat, durch die +sie gezwungen wird, mich zu schlagen?« + +»Krankheit nennt Ihr das?« rief der Verbrecher; »nun, wenn sie eine +Krankheit hat, die sie zwingt, zu schlagen, habe ich eine Gesundheit, +die mich zwingt, zu essen. So nehm' ich denn ungeladen an Eurem Mahle +Theil.« + +Damit griff er in die Schüsseln, langte nach den Gläsern und aß und +trank für Zehn. + +Die Mußmenschen schienen erstaunt, ließen ihn jedoch gewähren. Als +die Raststunde zu Ende war, gaben sie ihm eine Sense in die Hand und +sagten: »Du hast gegessen, jetzt arbeite!« + +Aber davon wollte er nichts hören. Er behauptete, sich fortwährend +ausruhen zu müssen, bis zu dem Augenblick, in dem eine ihm zusagende +Thätigkeit sich ihm eröffne. + +Die Arbeiter gingen wieder an ihre Beschäftigung, er blieb bei den +Mädchen und Frauen zurück, die das Ordnen des Eßzeuges besorgten, fing +an mit ihnen zu schäkern, machte einem jungen Weibe Liebesanträge und +wollte, als dieselben abgewiesen wurden, sofort Gewalt brauchen. + +Die Frauen riefen nach Hülfe; einige Männer stürzten herbei und +entrissen dem Verbrecher sein Opfer. Da gerieth er in Wuth, zog +sein Messer und konnte erst nach heftigem Kampfe niedergeworfen und +gebändigt werden. + +Je wilder er gerast hatte, desto schonender war man mit ihm +umgegangen. Alle bedauerten ihn: »Glücklich, die eines heilsamen +Müssens sind,« sprachen sie. »Du bist es nicht; Dein Benehmen ist +gemeinschädlich und macht Dich reif für das große Spital.« + +Und wirklich wurde er nicht in das kleine Dorfspital, sondern nach dem +Hauptspital in die Stadt gebracht. + +Dort übernahm ihn ein Krankenwärter und führte ihn eine breite Treppe +empor durch einen langen Gang, auf den viele Thüren mündeten. An jeder +Thür hing ein Rähmchen, und in jedem Rähmchen stak ein Recept. Hinter +den Thüren hörte man jämmerlich klagen und stöhnen. + +Dem Verbrecher wurde unheimlich zu Muthe, und kleinlaut erkundigte er +sich, was denn da geschehe? + +»Es werden Erinnerungszeichen gepflanzt, lies nur die Recepte.« + +Und er las: Dreimal täglich fünf Ruthenstreiche. -- Allabendlich zwölf +Stockprügel. -- Vierzehn Tage bei Wasser und Brot ... u. s. w. + +»Wie nennt Ihr das?« rief er »Erinnerungszeichen pflanzen? ... Hol' +Euch der Teufel!« + +»Ich kenne die Wurzel nicht, aus der ihm ein zureichender Grund +dazu erwüchse,« versetzte der Wärter. »Die Erinnerungszeichen, die +hier gepflanzt werden, verfehlen ihre Wirkung selten. Sie treiben +so zwingende gesunde Motive, daß diese fast regelmäßig genügen, die +ungesunden, die etwa in dem Reconvalescenten wieder auftauchen möchten, +zu überwinden.« + +»Wenn sie aber nicht genügen?« + +»Dann wird die Kur wiederholt, so oft wiederholt, bis der Eintritt der +gesunden Motive das Selbstverständliche wird und die ungesunden, immer +weiter zurückgedrängten, sich endlich gar nicht mehr melden.« + +»Wenn sie sich aber durchaus nicht zurückdrängen lassen?« + +»Dann geht der Kranke den Weg der Unheilbaren.« + +»Was ist das für ein Weg?« + +»Das ist der Weg zum Richtplatz.« + +»Pfui!« sagte der Verbrecher, »pfui! einen Richtplatz habt Ihr auch?« +Er sprach seinen Abscheu gegen dieses letzte Mittel und gegen die ganze +Motiv treibende Behandlung aus; der Wärter jedoch zuckte die Achseln +und versetzte: + +»Was ist zu thun? Wir Menschen sind einmal angewiesen, in Gesellschaft +zu leben, und da wir es sind, müssen wir suchen, dieses Zusammenleben +möglichst gedeihlich zu gestalten. Nun hat die Erfahrung uns gelehrt, +das geschähe am besten, wenn Frieden, gegenseitige Rücksicht und +Hülfbereitschaft unter uns herrschen. So haben wir denn die ganze Kraft +unseres Müssens auf die Erfüllung jener Bedingungen der allgemeinen +Wohlfahrt gestellt. Giebt sich bei Einzelnen ein ihr widerstrebendes +Müssen kund, können wir es nur als ein krankhaftes ansehen, und müssen +suchen, es zu kuriren.« + +»Durch Prügel und Fasten?« rief der Verbrecher. + +Der Wärter bemühte sich, ihn zu beruhigen. »Wir befinden uns in der +Abtheilung der Schwerkranken«, sprach er. »So scharfe Mittel wie hier +werden nur ausnahmsweise angewandt. Bei unserer weit vorgeschrittenen +Cultur genügt meistens eine leichte Behandlung zum Aufpflanzen eines +dauernden Erinnerungszeichens und zur Heilung eines ungesunden Müssens.« + +»Ach, sprächst Du wahr!« fiel ihm ein Mann ins Wort, der sich genähert +und den letzten Satz seiner Rede mit angehört hatte. »An mir ist Eure +Kunst gescheitert. Ihr habt mich vor einem Jahre als geheilt von +meiner Hochmuthskrankheit entlassen, und heute schon habe ich in einem +Zeitungsartikel mein eigenes philosophisches System auf Kosten aller +bisher aufgestellten gelobt, und jene schmählich heruntergemacht. Gebt +mir mein Geld zurück, oder nehmt mich von Neuem in die Kur.« + +Der Wärter lud ihn ein, ihm ins Ordinationszimmer zu folgen, wohin er +eben einen Fremden, der sehr krank sei, führen müsse. -- Da brach der +Verbrecher jedoch in helle Empörung aus. »Geht ohne mich!« schrie er, +»ich habe des Spaßes genug.« Er wandte sich und wollte entfliehen. Der +Wärter lief ihm nach, hielt ihn fest; ein furchtbares Ringen entstand, +und ehe die aus allen Zellen heraneilenden Kranken es hindern konnten, +hatte der Verbrecher den Wärter erdrosselt. + +Das war die letzte seiner Thaten. + +Nachdem die Spittler ihr wärmstes Mitleid mit seinem hochgefährlichen +Zustand geäußert hatten, überwältigten sie ihn und schleppten ihn vor +die Doctoren. + +Einen Augenblick war dem Verbrecher seine Frechheit abhanden gekommen; +angesichts der Sanftmuth und Ruhe, mit welcher die Aerzte sich gegen +ihn benahmen, kehrte sie wieder zurück, und er beantwortete voll Hohn +die an ihn gestellten Fragen. + +Die Doctoren erklärten seinen Fall als einen unerhört schweren und +dictirten eine allerdings schreckliche Behandlung. Er ließ sie ausreden +und schlug dann ein tolles Gelächter auf. + +»Ihr habt Euch umsonst bemüht,« spottete er; »ich lasse mir Eure +Behandlung nicht gefallen, weil ich Euren Anordnungen nicht unterstehe, +weil ich ein freier Mensch bin.« + +Die Doctoren sahen einander erstaunt an: »Ein freier Mensch? was heißt +das?« fragten sie. + +»Das heißt, Ihr Automaten, daß Ihr Eure Tractirungen an mir nicht +versuchen dürft, weil ich nichts gemein mit Euch habe, weil ich kein +Mußmensch bin. Was ich gethan habe, habe ich thun wollen und hätte auch +ganz anders handeln können.« + +Bei diesen Worten bemächtigte sich der Versammlung ein maßloses +Entsetzen. + +»Weh über Dich!« riefen die Doctoren; »Du hättest das Ungesunde und +Gemeinschädliche nicht thun müssen, und hast es dennoch gethan? +Ungeheuer! scheußliche Ausnahme des allweisen, allherrschenden +Gesetzes! ... Für Dich haben wir keine Behandlung, Du mußt den Weg der +Unheilbaren gehen.« + +Der Verbrecher gerieth außer sich, als dieses Verdict über ihn gefällt +wurde. »Da bin ich schön angekommen«, sprach er. »Vermaledeites +Mußpack! Thut man bei Euch, was man muß, wird man geprügelt; thut man, +was man will, wird man gerichtet.« + +Noch vor dem Blocke schimpfte er fort. + +»Hochmüthige Culturaffen, Ihr seid ebenso dumm, wie bei uns die Leute +sind. Euer Müssen und unser Wollen, Eure Receptschreiber und unsere +Richter, es kommt auf eins heraus.« + +»Ja,« erwiderte der Henker, »es kommt eigentlich auf eins heraus,« und +waltete seines Amtes. + + + + + Ein Vergleich. + + +Der Maulwurfshügel sprach zum Vulkan: »Du Weichling! Was tobst Du und +machst die Welt zum Zeugen Deiner inneren Kämpfe? Auch ich habe die +meinen, -- wer aber hat mich jemals Feuer speien sehen?« + + + + + Zwei Gräber. + + +In ein Massengrab, das eben geschlossen werden sollte, wurde ganz +zuletzt noch ein schmales Särglein gesenkt, und Leute, die der Arbeit +zusahen, fragten: »Wer war der, der so wenig Platz beansprucht in der +Mutter Erde?« + +»Ja,« antwortete ein Handlanger, »das war der Zeisi. Taglöhner seines +Zeichens, haben ihn aber nirgends behalten. Ist dann herumgezogen mit +der Guitarre und hat in den Höfen der Häuser gesungen, um ein Stück +Brot, um ein Paar Stiefel, sehr oft umsonst.« + +Wie der Mann so erzählte, trat eine verhüllte Gestalt heran, warf +Blumen auf den schmalen Sarg und blickte lange wehmüthig zu ihm nieder. + +In ehrfurchtsvoller Scheu wichen die Anderen zurück; ein überirdisches +Wesen erschien sie ihnen; Niemand wagte sie anzureden. Sie selbst aber +sprach: »Hier ward ein Poet begraben.« + +Eine Stunde später kam, von einer unabsehbaren Menge begleitet, ein +prachtvoller Leichenzug auf dem Friedhofe an. Der kostbare Sarg, ganz +bedeckt mit Lorbeerkränzen, barg einen gefeierten Schriftsteller. Er +wurde in die Gruft gesenkt, und der berühmteste Redner der Stadt weihte +dem Dahingeschiedenen einen Nachruf voll dithyrambischen Schwunges. + +Plötzlich hielt er inne ... Er hatte die Herrliche erblickt, die noch +immer an der Ruhestätte der Armen stand. + +»Gebt Raum,« rief er ins Gedränge. »Die hohe Göttin, deren Gunst unsern +großen Todten beglückte, naht heran, mit uns um ihn zu trauern. Gebt +Raum der hohen Göttin!« + +Die Anwesenden gehorchten, und sofort öffnete sich für die nächste, die +edelste Leidtragende ein Weg zur Gruft. + +Sie betrat ihn nicht -- sie schüttelte das Haupt; über ihr schimmerndes +Antlitz flog ein Lächeln himmlischer Verachtung, und sie sprach: »~Der~ +Todte war mir fremd; Ihr habt einen Taglöhner begraben.« + + + + + Prometheus. + + +Als Prometheus nach langer Qual entfesselt vor den Beherrscher der +Welten trat, nahm dieser ihn gnädig auf und hieß ihn fortan mit den +Göttern hausen. Weil aber der Eid, den Zeus einst geschworen: Ewig +solle der Titane an den Kaukasus geschmiedet bleiben, nicht gebrochen +werden durfte, mußte Prometheus einen Fingerreif tragen, in welchem +ein Steinchen aus dem Felsen gefaßt war, an dem er sein Märtyrerthum +erduldet hatte. + +Lächelnd nahm er die leichte Bürde hin, -- kein Leiden mehr, nur noch +des Leidens Symbol. Aber schwerer von Tag zu Tag wurde die anfangs +kaum spürbare Last, und drückte endlich so schwer, wie Vulkans eherne +Spangen gethan. + +Prometheus saß im Rathe der Götter, und sie lauschten den Sprüchen der +Weisheit, die von seinen Lippen kamen. Ehrfurcht und Liebe umgaben ihn: +mit den Unsterblichen wohnte er im Reiche der Freiheit, des Lichtes, +der Schönheit. Aber ein Blick auf den Ring an seiner Hand, und wieder +lag er an den Felsen geschmiedet, und über seinem Haupte rauschte ein +grauser Flügelschlag, und er fühlte den Griff der Geierklauen und das +grausame Haken des Geierschnabels in seinem Fleische. + +Und aufschrie der Titane zum Weltenbeherrscher »Ohnmächtiger Gott, +der nur begnadigen und nicht entsühnen kann! Die Erinnerung an meine +Schmach und Buße spottet Deiner Huld!« + + + + + Eine Begegnung. + + +Der Hochmuth ging eines schönen Tages spazieren. Er trug eine Krone +aus Seifenblasen auf dem Kopf, und sie schillerten bunt und prächtig +im Sonnenschein. An seinem purpurfarbigen Gewand hingen zahllose +vergoldete Glaskugeln; die Plattfüße hatte er in Schuhe mit ungeheuren +Hacken gesteckt und schritt auf ihnen so majestätisch einher, wie ein +hölzerner König in der Puppenkomödie. Sein breites Gesicht strahlte +von Selbstzufriedenheit, seine rothen, fingerdicken Lippen waren +verächtlich verzogen; aus halbgeschlossenen Lidern blickte er um sich, +als ob nichts da wäre, der Mühe werth, ihm einen ganzen Blick zu gönnen. + +Da kam ein Wesen ihm entgegen, bei dessen Erscheinen er stutzte. Ein +Wesen von schlichtem Aussehen; bescheiden sein Gang, seine Haltung, +seine Gebärde; schön sein Angesicht, auf dem ein edler Ernst und +tiefinnerlichster Frieden sich malten. + +»Weiche mir aus!« rief der Hochmuth ihm zu. + +»Gern,« erwiderte der Andere lächelnd, und gab Raum. + +Dennoch fühlte der Hochmuth sich verletzt: »Du lächelst? wie darfst Du +es wagen, zu lächeln in meiner Gegenwart?« schnaubte er und warf sich +wüthend auf den Beleidiger. + +Dieser wehrte ihn nicht ab, regte sich nicht einmal, stand nur +ruhig und fest. Der Hochmuth aber stürzte zur Erde, und alle seine +Seifenblasen zerplatzten, und alle seine Glaskugeln lagen in Scherben +-- er war an das Verdienst angerannt. + + + + + Die Fremde. + + +Durch die Straßen einer großen Stadt wallte eine majestätische, dicht +verhüllte Gestalt. Sie war zum ersten Male zur Erde gekommen, sah zum +ersten Male eine Ansiedlung der Menschen und irrte planlos auf der +unbekannten Stätte umher. Plötzlich machte sie Halt vor einem Palaste, +über dessen mächtigem Portal eine marmorne Statue sich erhob. Das +Bildwerk stellte eine Frau in griechischer Gewandung vor. Ihre Augen +waren verbunden, in der Rechten hielt sie eine Wage. Eine Inschrift auf +dem Sockel der Statue hatte die Aufmerksamkeit der Fremden erweckt. Sie +sah abwechselnd deren goldene Lettern und das steinerne Gebilde an, und +je länger sie es that, je mehr wuchs ihr Staunen. + +Ein Mann, der athemlos daher gerannt kam, riß sie aus ihren +Betrachtungen. Es war ein Beamter, der sich verspätet hatte, und der +nun die Stufen zum Palaste schleunigst hinaneilen wollte. + +Die Fremde hielt ihn zurück. »Wessen Bildniß ist dieses?« fragte sie +und deutete nach der Statue auf dem Portal. + +Den Beamten durchfröstelte es. Die Stimme, mit welcher die Verhüllte +gesprochen, klang unsagbar hart und schauerlich und war mit keiner +Stimme zu vergleichen, die jemals an sein Ohr getönt hatte. Er vergaß +die vorgerückte Stunde; seine Angst vor der Strenge seines Hofraths +war verschwunden. Stehenbleibend starrte er die Geheimnißvolle an und +antwortete: »Es ist das Bildniß der Gerechtigkeit.« + +Ein Lachen erscholl, das ihm das Blut in den Adern gefrieren machte; +doch fuhr er fort: »Unter ihrem Zeichen wird hier gewaltet.« + +»Von wem? -- Wohnen Götter in diesem Hause?« + +Der Beamte dachte an seine Vorgesetzten und an seine Collegen, und +mußte lächeln: »Nur Menschen,« erwiderte er. + +»Wie?« rief die Fremde, »Menschen walten im Namen Einer, die auf Erden +nie war und nie sein wird? Menschen, blinde, irrende, üben das Amt der +Allsehenden und Unfehlbaren?« + +Wieder erklang das gräßliche Lachen. Durch den Schleier der Verhüllten +hindurch drang der Strahl eines Feuerauges, vor dem der arme Beamte wie +vom Blitz getroffen niederstürzte. + +Als er zur Besinnung kam, war die Erscheinung verschwunden, und ein +Wunder war geschehen. Die Statue über dem Portal hatte ihre Form +verändert. Sie stellte nicht mehr die Gerechtigkeit dar; aber was denn? +-- Die Beamten zerbrachen sich vergeblich die Köpfe darüber. Endlich +wurden Gelehrte befragt. Sie hielten eine lange Berathung und erklärten +sodann einstimmig, die Statue sei nichts anderes als eine symbolische +Darstellung der Nothwehr, umgeben mit einer wunderlichen Mischung von +Emblemen der Grausamkeit und der Barmherzigkeit. + + + + + Das Blatt. + + +Vom Winde getrieben flog ein welkes Blatt neben einem Vogel durch die +Luft. + +»Sieh,« raschelte es triumphirend, »ich kann fliegen wie Du.« + +»Wenn Du fliegen kannst, so mache mir das nach!« antwortete der Vogel, +wandte sich und steuerte mit kräftigem Flügel gegen den Wind. + +Das Blatt aber wirbelte ohnmächtig dahin, bis sein Träger plötzlich den +Athem anhielt und es in ein Bächlein fallen ließ, das klar und munter +durch den Wiesengrund jagte. Nun segelte das Blatt auf den Wellen und +gluckste den Fischen zu: »Seht mich an, ich kann schwimmen, wie Ihr!« + +Die stummen Fische widersprachen ihm nicht; da blähte es sich auf und +meinte: »Das sind anständige Creaturen, die lassen einen doch gelten!« + +Weiter glitt es, und merkte nicht, wie es dabei aufquoll und schon faul +war durch und durch. + + + + + Die Siegerin. + + +Es kam einst zu einem ungeheuern, einem echten Titanenkampf. Alle +Tugenden und alle Laster rangen mit einander auf Leben und Tod. +Furchtbare Wunden klafften, in Strömen floß das Blut. Hinterlist und +Tücke hatten die Gerechtigkeit überwältigt und ihr den Arm gelähmt. +Zerfleischt von den Zähnen und Klauen des Hasses und der Eifersucht +erstarb die Liebe; die Großmuth röchelte unter den würgenden Händen +der Habgier. Vielen Tugenden erging es schlecht an dem Tage, aber auch +viele Laster meinten den Rest bekommen zu haben. + +In der ganzen großen Heerschar blieb nur Eine unversehrt; es war eine +der Tugenden; es war die Güte. + +Mit Steinen beworfen, von den Pfeilen des Undanks durchbohrt, hundert +Mal niedergezwungen, erhob sie sich immer wieder unverwundbar, +unüberwindlich, und trat von Neuem in den wüthenden Kampf. + +Es wurde Abend und Nacht; der Streit blieb unentschieden, die Streiter +lagen erschöpft. Die Güte allein wandelte über die Wahlstatt, munter +wie ein sprudelnder Quell, lieblich wie das Morgenroth, und labte die +Leidenden, und in dem Augenblick ließen sogar ihre Feinde es gelten: +Die Stärkste bist Du! + + + + + Verlorene Zuversicht. + + +Vor Jahren lebte in einer großen Handelsstadt ein Mann, dem alles, +was er unternahm, gelang, den niemals ein Mißgeschick traf, der von +Jugend an bis ins reife Alter nur Freude und Erfolg erlebte und nur +Dankbarkeit und Treue erfuhr. Plötzlich verwandelte sich sein Loos; er +sank ins Elend; er lernte den Undank und die Bosheit kennen, und allem, +was er liebte, drohte Gefahr. Eben so rasch jedoch, als es sich von +ihm gekehrt, kam das Glück ihm zurück, ersetzte ihm zehnfach, was er +verloren hatte, überschüttete ihn und Die, die ihm theuer waren, von +Neuem mit seinen reichsten Gaben. + +»Nun,« fragte Jemand, »bist Du zufrieden? Du hast es wieder, Dein +Glück.« + +»Ach,« antwortete er, »wo ist meine Zuversicht! Ich habe ein Glück +wieder, das mich schon einmal verlassen hat.« + + + + + Am Ziel. + + +Es war einmal ein reicher Mann, der am Wohlthun eine so große Freude +fand, daß er ihretwegen jede andere Freude, ja sogar jedes eigene +Behagen aufgab. Er wohnte in einer Dachstube, nährte und kleidete sich +ärmlich, und galt in Folge dessen bei allen seinen Bekannten für einen +abscheulichen Geizhals. Obwohl er das wußte, brachte er es doch nicht +über sich, irgend Jemandem einen Einblick in seine Vermögensverwaltung +zu gestatten. Sich selbst gab er von derselben genaue Rechenschaft in +einem Buche, das er sorgfältig führte, und das er Denen zu hinterlassen +gedachte, deren Tadel ihn am meisten verdrossen hatte. + +Er wurde alt, und am Ende seiner Tage und seines Reichthums angelangt, +blieb das Buch sein Glück, seine Erquickung. Wenn er darin las, stiegen +beseligende Erinnerungen vor ihm empor; er sah Verzweifelte wieder +hoffen, sah gebrochene Menschen sich aufrichten an seiner Hand. Und die +todten Buchstaben belebten sich, und aus den stummen Blättern klang es +wie leises Jauchzen heraus, wie hold geflüsterter Segen. + +Die Sterbestunde des Greises kam; zum letzten Male griff er nach +seinem Buch und dachte: ich gehe, aber du bleibst und wirst von mir +erzählen. -- + +Da durchblitzte ihn plötzlich die Frage: und was? -- daß mir unrecht +geschehen ... den Einen gleichgültig, den Andern ein ewiger Stachel? +Wem zum Nutzen? Keinem. Nur mir zum Nachruhm ... + +Beschämt senkte er sein Haupt. Angesichts der großen Stunde, wie klein +erschien ihm, womit er sich vertröstet hatte, viele Jahre hindurch! Wie +klein, wie eitel! + +Und nun verbrannte er das Buch und freute sich, daß seine erlahmenden +Hände noch die Kraft dazu fanden; und mit den verglimmenden Blättern +zugleich erloschen seine Augen. + + + + + Eine dumme Geschichte. + + + I. + +Vor langer Zeit lebte in einem deutschen Gau ein gewaltiger Ritter. +Er hatte eine herrliche Burg; er hatte kühne und wehrhafte Knechte; +er hatte weite Ländereien, die er alle selbst erobert, und große +Reichthümer, die er alle selbst zusammengeraubt. Er hatte auch eine +schöne und tugendsame Frau. Sie hieß Dina, die Erhabene, hätte aber +eigentlich die Demüthige heißen sollen. Still und fleißig waltete sie +tagsüber am Herd und am Webstuhl, und wenn der Abend einbrach, stieg +sie zum Söller empor und lugte aus nach ihrem reisigen Herrn. + +Sobald sie ihn erblickte, ließ sie ihr goldgesticktes Taschen-Fähnlein +wehen und eilte ihm entgegen in den Burghof. Dann geleiteten sie +und ihr Page den Ritter in sein Gemach, wo er sich auf das mit +einem Bärenfell bedeckte Lager warf, seinem holden Weibe die Beine +entgegenstreckte und sprach: »Stiefel!« + +Und sie nahte in liebevoller Dienstbeflissenheit und zog ihrem Gemahl +die, je nach der Jahreszeit, mit Staub, Koth oder Schnee bedeckten +Stiefel aus. + +Müßig (bis auf einiges Zähneknirschen) stand der Page, ein Jüngling, +voll zarter Empfindung daneben und dachte: deß sollte sie sich doch +nicht unterwinden, trotz aller Weibesgüte und Tugend, deß doch nicht! +Und mehrmals, hingerissen von seinen Gefühlen, wagte er's und erhob +seine Stimme zu wohlgesetzter Rede: + +»Ueberlasse mir, o Herrin, hochgemuthe, des Stiefel-Ausziehens +unrühmlich Bemühen.« + +Aber sein Flehen verhallte unbeachtet, und was er darüber empfand, war +ein tiefer Gram. Seine Heiterkeit verschwand; er wandelte dahin, wie er +nie geahnt hatte, daß man wandeln könne -- in Gedanken. + +Und sein Sinnen war kein todtes, vielmehr ein mit reichen Keimen +belebtes, die nach Entfaltung rangen, wuchsen und endlich aus ihrem +Schattenreiche hinaus in die wirkliche Welt gelangten, als die gereifte +Frucht eines erfinderischen Geistes, als ein Werk! + +Man hatte ihn gesehen, kleine Klötze zuhauen und in den sogenannten +Pagenthurm hinauftragen, und hatte ihn die Nächte hindurch bis zum +frühen Morgen sägen, hobeln, raspeln gehört. Sein Thun blieb ein +geheimnißvolles; er verweigerte jegliche Auskunft darüber, wurde sehr +mager, und aus seinen Augen leuchtete jene Seligkeit, die durch das +Bewußtsein eines von Erfolg gekrönten Strebens hervorgerufen wird. + +Ein schöner Sommertag ging zur Rüste; schon brach der Abend herein, +als Hörnerklang ertönte; der Herr an der Spitze seiner Mannen kehrte +heim. Er hatte sich erkältet, war ganz heiser und sprach, vom Pferde +springend, zu der ihm Willkomm bietenden Gattin: »Würzwein!« + +Sie eilte, das Verlangte zu bereiten; er, von dem Pagen allein gefolgt, +ging auf sein Zimmer. Als er sich dem Lager näherte, fiel ihm ein +seltsames Ding auf, das davor stand. Wie eine kleine Bucht zwischen +vorgestreckten Landzungen war es gestaltet und ruhte schräg, aber fest, +auf kurzen Füßen. + +»Wer hat mir das gebracht, was ist das?« fragte er. + +»Ich habe es gebracht und gemacht,« erwiderte der Page, und seine +Wangen erglühten in freudigem Schöpferstolz: »O Herr, es ist ein +Stiefelknecht.« + +Er unterwies den Ritter im Gebrauche des neuen Hausgeräthes, und der +Ritter freute sich sehr darüber und zog zum puren Vergnügen die Stiefel +gleich zwei Mal nach einander aus und an. + +Er war eben im Begriff, die Vortrefflichkeit der Erfindung zum dritten +Male zu erproben, als seine Hausfrau eintrat, den Würzwein in goldenem +Becher auf silberner Platte tragend. Beinahe wäre ihr beides entsunken. + +»Was thut mein Herr?« fragte sie, und ihre schönen Augen füllten sich +mit Thränen. »Sind meine Dienste meinem Herrn entbehrlich geworden? +Vermag ein Stück Holz mich bei meinem Herrn zu ersetzen?« + +Der Ritter entgegnete: »Nicht alleweil, nur in dem einen Fall.« + +Aber dieser Trost tröstete sie keineswegs. »Wer hat die frevelige +Erfindung ausgeheckt, die mich in irgend einem Falle meinem Herrn +entbehrlich macht?« forschte sie mit Bangen. + +»Der treueste Diener Dein, -- ich!« stammelte der Page und warf sich +ihr zu Füßen. Er bat um Gnade und Verzeihung und betheuerte die +Lauterkeit seiner Absicht. Habe sie ihren Zweck verfehlt, so trage +daran einzig und allein der Begriff schuld, den er von Frauenwürde hege. + +Half alles nichts. Die Herrin blieb dabei, er habe sie um die Ausübung +eines ihr werthen Rechtes betrügen wollen, und befahl ihm, das +Werkzeug, welches arglistig dazu hatte dienen sollen, ins Feuer zu +werfen. + +Dieser Befehl war von einem Blick begleitet, der dem armen Jüngling +das Herz zerschnitt und ihm verkündete, daß er die Huld seiner Herrin +unwiederbringlich verloren hatte. Der bittere Schmerz, von dem nur +die grausam Verkannten wissen, ergriff ihn, zugleich aber auch eine +mächtige Liebe für sein Werk. Er trug es empor in seine Thurmkammer, +schrieb dem guten Stiefelknecht eine genaue Gebrauchs-Anweisung auf +den Rücken und verbarg ihn in einer Vertiefung der Mauer, die er +mit Steinen verlegte. Dann weihte er ihn tiefbewegt dem Verständniß +kommender Geschlechter und entfloh beim ersten Morgengrauen. + +Nie wieder hat man von ihm gehört; er ist vergessen und verschollen, +ein Märtyrer seiner Erfindung. + + + II. + +Hundert Jahre später hauste der Ururenkel des gewaltigen Ritters auf +der Burg. Er war ein friedfertiger Herr, der sich der Gelehrsamkeit +befliß, und besaß eine kleine lebhafte Frau und zwei schöne Kinder. Die +spielten dereinst Verstecken im halb verfallenen Pagenthurm, fanden +dort im Schutte den Stiefelknecht und brachten ihn ihrer Mutter. + +Die kleine Frau wunderte sich über das seltsame Ding, und da sie vor +lauter Neugier lesen gelernt hatte, machte sie sich gleich daran, die +Schriftzüge, mit denen es bedeckt war, zu entziffern. Dabei wurde ihr +Gesicht immer freundlicher; plötzlich lachte sie laut auf, und ihre +Kinder lachten mit; sie hüpfte und tanzte mit dem Stiefelknecht im +Zimmer herum, und die Kinder tanzten und sprangen wie Böcklein und +jubelten über den Jubel ihrer Mutter. + +Der Freudentaumel hatte seinen höchsten Grad erreicht, da kam der Herr +Vater von der Gesundheits-Promenade, die er täglich zu unternehmen +pflegte, nach Hause. Er steckte den Kopf zur Thür herein und sagte: + +»Unziemlich ist es zu jubeln und zu tanzen am Wochentage. Weichet +hinweg zur Schulstube, ihr Kinder, und Du, Thusnelda, Geliebte, zieh' +mir die Stiefel aus.« + +»Schwerlich, schwerlich«, sprach die kleine Frau und machte dazu einen +complicirten mittelalterlichen Knix, »für die Stiefel meines Herrn hat +sich ein Knecht gefunden, die Magd kündigt den Dienst,« und sie stellte +den Stiefelknecht dem Gatten vor die Füße. + +»Thuschen, wonnevolle,« war Alles, was er im ersten Augenblick +hervorbrachte. + +Er mußte sich auf einen Sessel niederlassen, denn ihm schwindelte. + +Vor seinem ahnungsvollen Geiste stieg ein neues Capitel der damals +noch völlig unbekannten Culturgeschichte auf. Er sah alle Frauen dem +Beispiel der seinen folgen, und alle Männer darauf angewiesen, sich +ihrer Stiefel von einem fühllosen Instrumente entledigen zu lassen +statt von liebender Hand. + +»Mein armer Sproß,« sprach er nach einer langen Pause und legte die +Rechte auf seines siebenjährigen Söhnleins Haupt. »Die gefüge Magd +kündigt den Dienst. Hast Du's gehört und wird Dir schlimm wie mir? +Unfroher Zukunft reift mein Sproß entgegen; verschoben zwischen Mann +und Frau ist das Verhältniß.« + +»Nur ein wenig zurechtgerückt,« versetzte Thusnelda und streichelte +ihres Töchterchens Locken. + +»Mich jammert Deines Irrwahns,« klagte der Gatte; »hinweggetilgt mit +der minniglichen Frauen Demuth wird des Hauses Eintracht sein.« + +»Ja, ja,« erwiderte sie, »die Eintracht zwischen Unterwürfigkeit und +Gewalthaberei wird wohl hinweggetilgt sein.« + +Er sah sie mit großen, runden, bestürzten Augen an. + +»Sollen wir hinkünftig auch die Kindlein in die Welt setzen und ihrer +warten?« fragte er. + +Die Frau schlug die Hände zusammen: »Gott steh' mir bei! von den Lippen +meines Hochgelahrten entfleucht Unsinn.« + +Und er wurde böse und sprach: »Wer hat Dir solche Rede zu mir erlaubet? +Meine Zornwuth weckst Du. Törichte Weiber! Preis zu erjagen gedenket +Ihr, und werdet sinken im Preise und sitzen bleiben Alle! Kein +mannlicher Mann wird werben um ein Gespons, das sein nicht magdlich +pflegen will. Unweise und untergeordnet in allen Stücken dem Manne seid +Ihr Weiber. Was an Euch ehren soll er, wenn nicht die Ehre, so Ihr ihm +bietet; was lieben an Euch, wenn nicht die Liebe, so Ihr zu ihm traget? +...« + +Er wollte noch weiter reden, aber Thusnelda unterbrach ihn durch ein +lautes Gelächter. »Schön Dank für dieses Geständniß, o Du mein trauter, +aufrichtiger Geselle!« sagte sie und schlang ihre Arme um seinen Hals. + +Die Ehegatten umarmten einander, während ihre Kinder sich in der +entgegengesetzten Ecke des Gemaches prügelten, weil das Bübchen gesagt +hatte, es werde nie eine Frau nehmen, die sich weigere, ihm die Stiefel +auszuziehen, und das Schwesterchen ihm dafür eine Ohrfeige versetzt +hatte. + +»Laßt ab vom Kampfe, Ihr Kinder,« befahl der Vater. »Vernunft +angenommen hat die reine Süße, Eure Mutter.« + +»O weh!« jammerte sie, ihr hübsches Köpfchen zur Achsel neigend. »Wie +thut das Herz mir weh, daß ich eine Frau nur bin, und demnach unweise, +demnach unfähig, Vernunft anzunehmen. So hat mein gelahrter Herr +gesagt, und seinem Worte darf ich nicht zuwider handeln.« + +»Nicht zuwider handeln,« murmelte der Gatte und versank in tiefes +Sinnen. »O liebe Frau, die Folgen sind unabsehbar,« sprach er endlich, +seufzte und -- bediente sich des Stiefelknechts. + + + + + Der junge Fürst. + + +Ein junger Fürst, der Liebling vieler Götter, übernahm, nach Jahren der +Vorbereitung zu dem wichtigen Amte, die Regierung seines Reiches. + +Von den Göttern geladen, fanden viele herrliche Gäste sich bei der +Krönungsfeier ein, nur eine der Gerufenen blieb aus -- die alte, gute +Mutter Erfahrung. Sie behauptete, erst später kommen zu können. + +Nachdem die Festlichkeiten vorüber waren, versprachen die Götter dem +Fürsten noch die Gewährung der drei ersten Wünsche, die er zu ihnen +emporsenden werde, und nahmen Abschied von ihm. + +Er aber, wohl erkennend, worin seine Aufgabe bestand, ging freudig +an ihre Erfüllung. Besser wollte er die Menschen machen und dadurch +glücklicher. Zur Liebe wollte er sie erziehen, zum Mitleid; er wollte +in jedem Einzelnen einen Feuereifer, für fremdes Wohl, eine freudige +Achtung für fremdes Verdienst erwecken. Ein edles Beispiel alles +Vortrefflichen leuchtete er seinem Volke voran und suchte es zu +bewegen, ihm nachzufolgen. -- Umsonst! Außer der kleinen Schar, die ihn +von allem Anfang an begleitet hatte, schlug Niemand seine Pfade ein. + +Nach einem Jahr nutzlosen Strebens rief er zu den Göttern: + +»Unüberwindlich böse Mächte vergiften mir mein Volk und lassen es nicht +genesen von Unrecht und Leid. Nehmt die unheilbare Krankheit hinweg, +die an ihm zehrt. Nehmt die unverbesserlichen hinweg, nehmt Jeden, der +keiner einzigen guten Regung fähig, Jeden, dessen Dasein nur Unheil und +Uebel für seinen Nebenmenschen ist.« + +Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er sie bereute, meinend ein +Todesurtheil über viele Hunderte gefällt zu haben. Er lag bis zum +Morgen auf den Knieen und weinte vor den Bildern seiner Götter. Dann +begab er sich auf die Reise und fragte angstvoll in den Städten und +Dörfern umher: »Sind heute Nacht viele Leute gestorben?« + +Und allenthalben hieß es: »Nicht mehr als gewöhnlich,« und er wußte +nicht, was er davon denken sollte. + +Erst bei der Heimkehr in seinen Palast wurde er mit der Nachricht +empfangen, daß einer seiner vertrautesten Räthe plötzlich +dahingeschieden sei. + +Zwei Jahre verflossen; so fern wie je stand der König von seinen Zielen. + +Und abermals betete er zu den Göttern: + +»Ich seh' es ein, nicht an den ganz Verderbten scheitert der +Fortschritt im Guten, dazu giebt es ihrer zu wenige. Seine wahrhaft +unüberwindlichen Feinde sind die Lauen, die Gleichgültigen, die +Selbstsüchtigen, diese tilgt hinweg, ihr Allmächtigen!« + +Am nächsten Morgen begab er sich wieder auf die Reise und nahm seinen +jüngeren Bruder mit, der ihm das Theuerste auf Erden war. + +Das goldgeschirrte königliche Gespann flog schimmernd durch die Gefilde +des reichsten und schönsten Landes, und auf allen Wegen und Straßen +kamen lange Leichenzüge ihm entgegen und alle Todtenglocken schallten, +und kein Kirchhof, noch so groß, war groß genug, um alle Särge zu +fassen, die ihm zugeführt wurden. + +Wo der König sich zeigte, allerorten rief man ihm entgegen: + +»O Herr, Dein Reich ist entvölkert!« + +»Es ist gereinigt!« dachte er, »das Unkraut ist ausgerottet, nun sollen +goldene Saaten reifen ...« + +»Eines nur noch, das letzte, gewährt mir, Ihr Götter! Gleichen Sinnes +mit mir laßt die Ueberlebenden sein, ~ein~ Streben beseele sie und mich +... Hab' ich noch einen Widersacher unter ihnen, giebt es einen, der +mir je den Tod gewünscht hat -- er sterbe!« + +Laut sprach's der König, und wie vom Blitze des Himmels getroffen, +stürzte der blühende Jüngling an seiner Seite zusammen. Ein gräßlicher +Schrei ertönte: »Du? -- mein Bruder -- Du?« + +Der Wagenlenker wandte sich entsetzt -- Wahnsinn dräute ihm entgegen +aus dem Antlitz seines Herrn, und wahnsinnig war, was sein Herr beging. +Die Zügel riß er an sich und schleuderte sie über die feurigen, mühsam +nur gebändigten Rosse hin und rief: »Lenkt ihr! lenkt Euch selbst und +mich!« + +»Ins Verderben!« jammerte sein Diener in bleicher Todesangst, und den +König ergriff ein Erbarmen, er hob den Zitternden empor und warf ihn +hinaus aus dem Gefährt, ins hohe Wiesengras. + +Er selbst jedoch, der Willkür der jagenden Rosse überlassen, stürmte +dahin mit fliegenden Locken, den Fuß auf die Leiche des Bruders +gesetzt. Stürmte vorbei an den Wohnungen der Menschen, über rasselnde +Brücken, über Niederungen und Höhen, durch wogende Felder, durch die +schweigende Oede. Endlich sausten die Rosse einen jähen breiten Waldweg +hinab und brachen in der Tiefe nieder, ein wilder, lebendiger Knäuel. +Neben ihnen, besinnungslos, lag der König. + +Als er zum Bewußtsein erwachte, war es Nacht, der Mond schien hell +und leuchtend in den Thalkessel hinein. Im Scheine seines weißen +Lichtes entwirrte der König die Zügel und Stränge, in denen die Pferde +sich verwickelt hatten, half ihnen auf und gab ihnen die Freiheit. +Dann begrub er seinen Bruder unter den hohen Bäumen und wanderte +fort; wanderte bei Nacht, verbarg sich bei Tag und gelangte bis an +die äußerste Grenze seines Landes. In einem Dorfe tauschte er seine +Kleider mit denen eines Hirten und lebte jahrelang unerkannt bald da, +bald dort, pflegte die Kranken, betreute die Greise und die Kinder +und wunderte sich, wenn er bei diesen Kindern Fehler wiederfand, die +er meinte aus der Welt geschafft zu haben. Und er verwies sie ihnen +theils mit Strenge, theils mit Sanftmuth und stand ihnen liebreich bei +im Kampfe menschlicher Schwäche mit menschlichem Vervollkommnungstrieb. + +Er war ein reifer Mann geworden und ruhte eines Abends nach +angestrengtem Tagewerk vor der Hütte, die er bewohnte, aus. Da näherte +sich ihm ein Weib, steinalt, aber rüstig, mit ernsten, klaren Augen, +und wollte bei ihm bleiben und ihm dienen. + +Und er, statt ihr zu danken, sprach vorwurfsvoll: + +»Erfahrung, verläßlichste, unentbehrlichste Führerin, warum hast Du +Dich fern von mir gehalten in den Tagen meiner Macht? -- jetzt kommst +Du zu spät!« + +Seufzend antwortete die alte Mutter: + +»Das ist mein schweres, mein gewohntes Loos.« + + + + + Kosmogonie. + + + I. + +Im Urwalde tief verborgen befand sich ein großartiger Ameisenbau. Das +Völkchen, das ihn bewohnte, war fleißig und weise; es hatte sich im +Laufe der Jahrhunderte eine vortreffliche Verfassung und ebensolche +Gesetze gegeben. Die Wissenschaften wurden in Ehren gehalten, die +Künste gepflegt; so blühten sie denn auch und trieben reiche Früchte. +Fortwährend entdeckten die Gelehrten ewige Wahrheiten, und die Künstler +hörten nicht auf, unsterbliche Werke zu schaffen. »Eine Civilisation +wie die unsere,« sagten die Ameisen, »kann nicht mehr untergehen. +Künftige Geschlechter werden das Erbe antreten, es vermehren und in +unaufhaltsamem Fortschritt zu einer Vollendung gelangen, von der sogar +das ameisliche Ahnungsvermögen sich keinen Begriff machen kann.« + +In diesem Hochgefühle schwelgte die Nation, und es begeisterte sie zu +immer neuen und edleren Bestrebungen. + +Da ereignete es sich, daß eines Tages ein Löwe des Weges kam. Er +bemerkte den Ameisenbau nicht und schritt gemächlich mit breiten Tatzen +über ihn hinweg. Dabei wedelte er mit dem Schwanze, denn ihm war +heiß, und wedelte den ganzen Bau sammt seiner Cultur und den ewigen +Wahrheiten und den unsterblichen Kunstwerken so gründlich fort, daß +keine Spur von ihnen übrig blieb. + + + II. + +»Schau',« sagte ein Kolibri zu seinem Weibchen, das neben ihm auf einer +Lianenblüthe saß, »da hat ein großer Erdentreter eine Menge kleiner +Erdentreter vernichtet.« + +Das Weibchen zwitscherte: »Schade! Diese kleinen Klümpchen sind so nett +hin und her gerollt um ihren großen Klumpen; es schien fast, als ob sie +es wären, die ihn wachsen machten. Ich habe mich manchmal gefragt,« +setzte sie nach einer Pause hinzu und bemühte sich, geistreich +auszusehen, »ob sie sich nicht am Ende doch absichtlich bewegen und +einen Willen und sogar einen Ansatz von Seele haben.« + +»Gerade soviel als die Blätter der Bäume. Die rühren sich auch +zeitweise; sind deshalb sie die Ursache seines Wachsthums?« spöttelte +das Männchen. »Nein, geliebte Einfalt, schreibe ihnen nicht zu, was +das alleinige Erbtheil der ersten unter den geflügelten Lebewesen ist +-- der Vögel, und ganz besonders der Kolibri, weil sie die Feinsten, +die Schönsten sind, und weil die Geschwindigkeit ihres Fluges mit +der Geschwindigkeit des Schalles wetteifern kann. Für uns scheint +die Sonne, für uns bringt die Scholle, das Wasser, die Luft Nahrung +in tausendfältiger Gestalt hervor. Wir sind der Mittelpunkt alles +Seienden, vollendete Vögel, angefangene Engel; denn als solche schweben +die seligen Geister unserer Vorfahren um das Nest des höchsten Engels, +nach dessen Vorbild wir geschaffen sind, der Himmel und Erde und das +Schicksal jedes einzelnen Kolibris in seinen mächtigen Fängen hält.« + +Das Weibchen verstand ihn zwar nicht, bewunderte ihn aber doch sehr, +beeilte sich auch, ihm Recht zu geben, denn sie befanden sich noch in +den Flitterwochen. + + + + + Brautwahl. + + + I. + +Es war einmal ein Märchenprinz, der edelste, schönste, liebenswertheste +von allen, die es je gegeben hat. Als er sechsundzwanzig Jahre alt +geworden, ließ die Königin, seine Mutter, ihn rufen und sprach zu ihm: + +»Die Zeit ist gekommen, in welcher Du eine Lebensgefährtin wählen und +einen Hausstand gründen sollst. Bekanntermaßen findet man die besten +Frauen, die es heutzutage giebt, auf dem Planeten Erde. Dort lebt auch +die holde, Dir bestimmte Braut, ein Wesen, lieber Sohn, Dir gleich an +Seelenadel.« + +Der Prinz erröthete aus Bescheidenheit, und die Königin fuhr fort: + +»Aber nicht ohne Weiteres kann ein so köstliches Gut Dir zu Theil +werden, Du mußt es Dir verdienen.« + +»Wodurch, o Mutter?« + +»Durch rastloses Suchen, o Sohn.« + +»In welcher Gegend der Erde?« + +»In Europa.« + +»Auf dem Lande; in den Städten?« + +»In einer Hauptstadt, unter den Töchtern des höchsten Adels. Du weißt +genug; nun gehe, mein Sohn.« + +Aber dieser rief: »Und das Erkennungszeichen? ... Nur das noch sage +mir, woran erkenn' ich sie?« + +Die Königin stieg von ihrem Throne nieder und flüsterte ihrem Sohne +einige Worte ins Ohr. + + + II. + +In den vornehmsten Gesellschaftskreisen einer großen Stadt war +plötzlich ein junger Mann aufgetaucht, der allenthalben Liebe und +Bewunderung erweckte. Alle historischen Namen wurden von dem seinen, +der dem Mythus angehörte, verdunkelt. Sein Stammbaum war so lang, +daß er nicht einmal in der längsten Straße der Stadt ganz aufgerollt +werden konnte; sein Reichthum schien unermeßlich, seine Großmuth war +es. Hochgeboren, edel und reich, was brauchte er außerdem noch zu sein, +um die Herzen der Töchter und die Zustimmung der Eltern im Sturme +zu erobern? So ritterlich und bescheiden wie er hatte noch nie ein +Mann den jungen Damen den Hof gemacht. Was sie aber am meisten an ihm +entzückte, das war seine Heiterkeit und sein Witz. Daß er den letzteren +stets auf Kosten des lieben Nächsten übte, daß der himmlische Prinz +ein Spötter war, hatten sie bald entdeckt und bemühten sich aus vollen +Kräften, diesen fadendünnen Spalt an dem Panzer seiner Vollkommenheit +zu erweitern. + +Dies geschah aus weiblichem Instinkt. + +Jedes Edelfräulein, mit dem er gelacht und gescherzt, war überzeugt, +seiner Schwäche am geschicktesten geschmeichelt und damit sein Herz +gewonnen zu haben. Doch keine dieser Hoffnungen erfüllte sich, und +eines schönen Tages war der Prinz ebenso plötzlich wie er gekommen -- +verschwunden. + + + III. + +Dasselbe wiederholte sich in vielen anderen Städten. Der Prinz begann +seine Freudigkeit einzubüßen; sein Witz wurde immer schonungsloser; +er spottete nicht mehr, er lästerte. Sein Erdenwallen, das fühlte er +wohl, machte ihn nicht besser, und am meisten kränkte ihn, daß er nur +in seinen eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter, die Mütter, die +Töchter trieben nach wie vor Abgötterei mit ihm und verehrten jedes +seiner Worte. + +»Ewiges Einerlei!« sagte er oft laut vor seinem ganzen Gefolge. »Ich +werde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als alter Junggeselle.« + +Und wirklich begann er zu versauern als ein solcher. + +Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Ekel. »Laß satteln! Unsere Wolken +vor! Die schwärzeste für mich!« befahl er seinem Oberstallmeister. »Wir +reiten!« + +»Heute, Eure Hoheit?« versetzte der Würdenträger. »Ist heute nicht +Hofball, den Eure Hoheit besuchen müssen?« + +Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aber er tanzte nicht, +schwatzte nicht, lachte nicht. Er stand in einer Ecke, sah den +schönen, jungen Damen, die im Tact an ihm vorüber schwebten, traurig +nach und seufzte: »Keine, keine Einzige!« + + + IV. + +Die Melancholie des Prinzen war aufs Höchste gestiegen, als er +plötzlich am anderen Ende des Saales ein liebliches Mädchen erblickte, +das ruhig dasaß und, wie er, dem Tanze zusah. Sie jedoch that es mit +heller Zufriedenheit und schien seelenvergnügt. + +»O Seele!« dachte der Prinz, »wie schön mußt Du sein, um Dich so +zu vergnügen am Vergnügen der Andern!« Sanft, aber unwiderstehlich +angezogen, trat er vor das liebliche Mädchen hin, verbeugte sich und +fragte: »Sie tanzen nicht, mein Fräulein?« + +Sie stand auf, erwiderte seine Höflichkeit und, nachdem sie sich wieder +gesetzt hatte, auch seine Frage: »Nein, mein Herr.« + +»Und warum nicht!« + +»Weil ich keinen Tänzer bekommen habe«, antwortete sie voll heiterer +Gleichgültigkeit; und wie sie den Prinzen dabei mit ihren unschuldigen +Augen anblickte, wurde ihm wohler, als ihm noch je auf Erden geworden +war. + +»Keinen Tänzer heute?« + +»Heute nicht und nie,« und sie lachte so hell, daß er meinte, die +goldenen Zauberglöcklein auf dem Thurme seines heimathlichen Schlosses +den Morgen begrüßen zu hören. + +Er sah nieder zu ihren wunderschönen Füßchen, betrachtete sie +mit großer Aufmerksamkeit, und sagte: »Sie tanzen gewiß gern und +ausgezeichnet?« + +»Sehr gern, o ja, und nicht schlechter als eine Andere.« + +»Und dennoch werden Sie nicht aufgefordert? Warum, warum?« rief der +Prinz, immer mehr in Feuer gerathend, und ergriff ihre Hand. + +Die Kleine erschrak, senkte die Augen und murmelte so undeutlich, daß +nur Einer, der im Begriff ist, sich zu verlieben, es verstehen konnte: +»Weil ich langweilig bin.« + +»Langweilig? ... O, mein Fräulein! ...« Flammende Röthe brannte auf +seinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus seiner Brust: »O, +mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, an Ihrer Seite Platz zu nehmen.« + + + V. + +Man ließ sie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der +andern kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weise ihr +Erstaunen darüber, daß der Vielumworbene, dem die Wahl unter Adler- +und Schwanenjungfrauen freistand, sich mit einem Gänschen beschäftigen +mochte. + +Wie auf Verabredung ließen sie ihren Witz sprühen, daß es nur so +prasselte. Die Funken stoben, fielen über manchen guten Namen her und +vernichteten ihn. + +Und der Prinz, ach, der Prinz stimmte ein. Er sah die Stirne seiner +lieblichen Nachbarin sich verfinstern, aber er stimmte ein. Ja, er +fand ein teuflisches Gefallen daran, jede geistreich vorgebrachte +Bosheit zu überbieten. Es gelang ihm beispiellos. Der Genius der +Verleumdung schien über ihn gekommen, und er brachte dessen grausamste +Eingebungen mit unbändigem Uebermuthe vor. Seine Zuhörerinnen stutzten, +kicherten, errötheten. Viele gaben sich Mühe, eine leise Schadenfreude +zu verbergen; das waren die Pfiffigen, die Klugen, die hatten längst +»so etwas« bemerkt. Einige fühlten Mitleid und Bedauern, Andere waren +erstaunt. + +Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aussagte, stieg in Keiner auf, in +keiner Einzigen. + +Und doch! -- in Einer doch -- in der Lieblichen, die der Prinz, so +lange er sprach, kaum anzusehen gewagt hatte. Sie erhob sich klopfenden +Herzens, Thränen des Zornes standen in ihren Augen. -- + +»Von Allem, was Sie da behaupten,« sagte sie kühn und laut, »glaube ich +nichts!« + +»Nichts? ... von Allem nichts?« ... Er stieß einen Schrei aus, der an +den Wänden des Saales widerhallte wie himmlische Musik, warf sich auf +die Kniee vor seiner anmuthigen Gegnerin und umfaßte mit beiden Armen +ihre zarte Gestalt. + +»Du bist es!« rief er. »O Mutter -- die ist's -- die gab mir das +Erkennungszeichen!« + +Im selben Augenblick öffnete sich die Decke, und auf ihrem +mit Feuervögeln bespannten Sonnenwagen kam die Märchenkönigin +herbeigeflogen. + +Vor ihrer blendenden Erscheinung senkten sich alle Augen, nur die des +Brautpaares nicht. Der Prinz führte seiner Mutter die Erwählte zu, und +die Königin küßte sie dreimal und sprach: + +»Ich wußte wohl, daß es eine lange Trennung von meinem Sohne galt, als +ich ihn zur Erde sandte, eine Gemahlin zu suchen, die an Verleumdung +nicht glaubt. Sei mir gegrüßt, Du holde Seltenheit!« + +Die Königin hieß ihre Kinder einsteigen, die Feuervögel entfalteten +ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das schöne Feenland, +aus dem die Verleumdung verbannt ist, und wo sogar die jungen Damen +schweigen, wenn sie von ihrem Nächsten nichts Gutes zu sagen wissen. + + + + + Werthbestimmung. + + +In einen mit Kreuzern gefüllten Sack gerieth zufällig einmal ein +Dukaten. Nachdem er einige Zeit bei ihnen geweilt hatte, sagten sie: +»Wir müssen unserem Gastfreunde einen Rang anweisen, laßt uns denn +zuvor seinen Werth bestimmen.« + +Die alten, die Patinirten, traten zusammen, beriethen lange und +brachten es endlich zu dem Vorschlage: + +»Der gelbe Bursche ist zwar schwächlich, doch beantragen wir, ihn um +seines hellen Klanges und seiner feinen Legirung willen ebenso viel +gelten zu lassen, wie Unsereinen.« + +»Von Meinesgleichen werde ich höher gehalten,« wagte der Dukaten +einzuwenden, und sogleich brachen die neuen, blanken Kreuzer, die +schon über den Vorschlag der alten gemurrt hatten, in einen Sturm des +Unwillens aus. + +»Was geht uns an, wie Deinesgleichen Dich schätzen,« riefen sie. »Im +Kupferlande gilt das Gold ein für allemal -- nichts.« + +Das wurde zum Gesetz erhoben. + + + + + Geschieden. + + +Der Glauben und die Liebe waren einst ein Paar und führten die +glücklichste Ehe. Eines Tages sprach der Glauben: »Ich muß wandern, ich +muß mich über die Erde verbreiten,« und die Liebe bat: »Nimm mich mit.« +Er aber erwiderte: »Das kann nicht sein. Ohne Dich bin ich stärker; +~allein~ ist der Held.« + +Er ging und verirrte sich unterweges in Nacht und Finsterniß, und als +er heimkam, erkannte die Liebe ihn kaum wieder, so sehr hatte er sich +verändert -- auch gegen sie. Sie hatte ihre Macht über ihn verloren. + +Seitdem wendet er sich gar oft von ihr ab. Finden sie sich flüchtig +zusammen, geschieht es nur, um sich bald wieder zu trennen. + +Ihr Bund war Segen, ihre Uneinigkeit ist Fluch, und die Menschenkinder +fühlen ihn schwer. + + + + + Des kleinen Lob. + + +Einige Künstler und Kunstfreunde standen vor dem Moses des Michel +Angelo. Die Einen liehen ihrer Begeisterung Worte, die Andern schwiegen +von Ehrfurcht übermannt. Es war auch ein Drechsler aus der Vorstadt da, +der blinzelte zu dem mächtigen Bildwerk empor, musterte es eine Weile +und sprach dann mit Gönnermiene: »Recht nett!« + + + + + Besessen. + + +Ein Jüngling hatte ein schönes, treues Liebchen, strebte aber der Gunst +einer Göttin nach. Diese wies ihn ab und sagte: + +»Wie kannst Du glauben, daß ich mich einem Menschen huldreich erweisen +werde, dessen Herz ich theilen müßte mit einem irdischen Weibe?« + +Da verstieß er seine Geliebte, rief die Göttin wieder an und fragte: +»Wirst Du mich belohnen für das Opfer, das ich Dir gebracht habe?« + +»Schon deshalb nicht, weil Du Lohn erwartest,« erwiderte sie. »Ein +Recht auf mich läßt sich nie und durch nichts erwerben.« + +»Ich spreche auch nicht von Recht,« versetzte der Jüngling, »ich flehe +um Deine Gnade.« + +Die Göttin ließ ihr heiteres Lachen erschallen: »Behilf Dich +einstweilen ohne sie. Du hast genug andere Güter; Du hast theure +Eltern, Geschwister, Freunde, ein schmuckes Heim, Reichthum, Jugend, +Gesundheit.« + +Nun verschenkte er Alles, was er besaß, nahm auf Nimmerwiedersehen +Abschied von den Seinen und folgte der Göttin nach -- aus weiter, +weiter Entfernung. + +Weil er nichts Anderes mehr zu opfern hatte, opferte er ihr den Schlaf +seiner Nächte und das Roth seiner Wangen, wachte und sang vor den +Altären der Unsterblichen, verkündete ihren Ruhm und rief die Welt zum +Zeugen seiner Anbetung und seiner ringenden Qual. + +Aber seine Lobpreisungen und seine Klagen blieben ohne Widerhall, denn +die Göttin hatte die Lippen, denen sie entströmten, nicht geküßt. Das +Alter kam, zehrte an seiner Kraft, bleichte ihm die Locken, seine +Sehnsucht blieb jung und heiß, und sie, deren Schrei die Ruhe des +Himmels stört, zwang die Unsterbliche einmal wieder zu ihrem treuesten +Diener herab. + +Er warf sich ihr zu Füßen und flehte: + +»~Einen~ freundlichen Blick gewähre mir, ~ein~ holdes Lächeln, damit +mein Leben nicht ganz verloren sei!« + +»Wenn verloren, ist's meine Schuld?« fragte sie. »Warum wandelst Du auf +meinen Spuren? -- Wann rief ich Dich? -- Laß ab von meinem Dienste, +unberufener Knecht!« + +Zürnend schritt sie hinweg, und er stand auf und folgte ihr. + + + + + Die Nachbarn. + + +Der Blonde und der Braune waren Nachbarn; Jeder von ihnen stand an der +Spitze eines gutmüthigen Hirtenvolkes. Sie tauschten nach Bedarf die +Producte ihrer Ländereien und blieben einander stets hülfreich in Noth +und Gefahr. + +Niemand hätte bestimmen können, welchem von Beiden ihr Bündniß mehr +Nutzen brachte. + +Eines Tages, im Herbste, begab es sich, daß ein heftiger Sturm großen +Schaden anrichtete im Walde des Braunen. Viele junge Bäume wurden +entwurzelt oder gebrochen, viele alte Bäume verloren mächtige Aeste. + +Der Herr rief seine Knechte; sie sammelten die dürren Reiser und +schichteten sie in Bündel. + +Aus dem frischen Holze aber wurden Stöcke zugehauen. Im Frühjahr +sollten sie verwendet werden zu einem neuen Zaune für den Hühnerhof der +braunen Herrin. + +Nun wollte der Zufall, daß ein Diener des Blonden die Stöcke in die +Scheune bringen sah. Ihre Anzahl schien seinen etwas blöden Augen +ungeheuer. Von Angst ergriffen lief er heim und sprach zu seinem +Gebieter: »Ein Verräther will ich sein, wenn der Nachbar nicht Böses +wider uns im Schilde führt!« + +Er und andere ängstliche Leute, -- es waren auch Weise darunter, -- +schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn gegen den Freund +eingeflößt hatten, bis jener sich entschloß, zu rüsten gegen die +vermeintlich Gerüsteten. + +Eine Scheune voll von Stöcken hatte der Braune; der Blonde wollte drei +Scheunen voll von Stöcken haben. + +Holzknechte wurden in den Wald geschickt. Was lag ihnen an seiner hohen +Cultur? Ihnen that es nicht leid, einen jungen Baum zu fällen, ihm +die aufstrebende Krone abzuhauen und die lichtsuchenden Aeste und die +Zweige mit den athmenden Blättern. + +Nach kurzer Zeit war der Wald verwüstet, aber der Blonde hatte viele +tausend Stöcke. + +Wie es ihm ergangen war, erging es nun seinem ehemaligen Freunde. Die +Klugen und die Thörichten, die Verwegenen und die Zaghaften im Lande, +Alle schrieen: »Es ist Deine Pflicht, Herr, dafür zu sorgen, daß uns +der Tag des Kampfes reich an Stöcken finde!« + +Und der Braune und der Blonde überboten einander in der Anschaffung von +Vertheidigungsmitteln, und bedachten nicht, daß sie endlich nichts mehr +zu vertheidigen hatten, als Armuth und Elend. Weit und breit war kein +Baum zu erblicken, die Felder waren unbebaut; nicht Pflug noch Egge, +noch Spaten gab es mehr: Alles war in Stöcke verwandelt. + +Es kam so weit, daß die größte Menge des Volkes zu Gott betete: »Laß +den Kampf ausbrechen, laß den Feind über uns kommen; wir würden +leichter zu Grunde gehen unter seinen Stöcken, als unter den Qualen des +Hungers!« -- + +Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch sie +sehnten sich im Stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und +Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Unterthanen. + +Und einmal wieder trieb der Zufall sein Spiel. + +Die beiden Nachbarn stiegen zugleich auf einen Berg, der die Grenze +zwischen ihren Besitzungen bildete. + +Jeder von ihnen dachte: Ich will mein armes, verwüstetes Reich noch +einmal überschauen. + +Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf dem Grate des Berges +an, standen plötzlich einander gegenüber und taumelten zurück ... Aber +nur einen Augenblick. Ihre abwehrend ausgestreckten Hände sanken herab +und ließen die Stöcke fallen, auf welche sie sich gestützt hatten. + +Die ein halbes Jahrhundert in Haß verkehrte Liebe trat in ihr altes +Recht. Mit schmerzvoller Rührung betrachtete der Freund den Freund aus +halb erloschenen Augen. Nicht mehr der Blonde, nicht mehr der Braune! +Wie aus einem Munde riefen sie: »O, Du Weißer!« und lagen Brust an +Brust. + +Wer zuerst die Arme ausgebreitet, wußten sie ebenso wenig, als sie sich +besinnen konnten, wer dereinst die ersten Stöcke aufgestellt wider den +Anderen. Sie begriffen nicht, wie das Mißtrauen hatte entstehen können, +dem Alles zum Opfer gefallen war, was ihr Dasein, und das der Ihren +lebenswerth gemacht hatte. + +Eines nur stand ihnen fest: die niederdrückende Ueberzeugung, daß +nichts auf Erden ihnen ersetzen konnte, was die Furcht vor dem Verlust +ihrer Erdengüter ihnen geraubt hatte. + + + + + Der gute Feind. + + +Der verkörperte Tadel -- übrigens ein ehrlicher Bursche -- begegnete +einem jungen Poeten, erhob sofort seinen Knüttel und bläute den +ahnungslos Dahinschreitenden tüchtig durch. Wenn aber der Tadel nichts +weniger als ein Höfling war, so war der Poet nichts weniger als ein +Weichling. -- Jetzt weiß ich, dachte er, wo ich zu treffen bin, und +will mir die Lehre zu Nutze machen. + +Er kühlte seine brennenden Striemen an der nächsten frischen Quelle und +schritt unverdrossen weiter. + +Nach langer Zeit stieß er einmal auf das verkörperte Lob. Das hatte +leider seinen unentbehrlichen Halt, den Tact, zu Hause gelassen und +ergoß sich so lawinenartig über den Dichter, daß er sein Gleichgewicht +verlor. Nicht genug. Immer in der besten Absicht, und beeifert, der +Welt zu zeigen, mit welcher Berechtigung sein Hymnus ertöne, nahm das +Lob ein Secirmesser und öffnete dem Poeten das Herz. + +Der Sterbende aber rief: -- »O Tadel, mein guter Feind, singe Du meinen +Grabgesang!« + + + + + Ohne Vorschule. + + +Ein Töpfer hatte zwei faule Söhne, die das väterliche Handwerk durchaus +nicht erlernen wollten. Sein Nachbar, ein Schuster, dem er sein Leid +klagte, tröstete ihn: »-- Schickt sie mir. Vielleicht haben sie zu +meinem Handwerk mehr Lust als zu dem Euren.« + +Der Töpfer folgte diesem Rathe; aber seine faulen Söhne sträubten sich +auch gegen den Unterricht, den sie beim Schuster und ebenso bei einem +Sattler, einem Schneider, einem Schlosser, einem Glaser nehmen sollten, +zu denen sie nach und nach in die Lehre kamen. Sie hielten es nirgends +aus; sie blieben dabei, wir wollen keinen anderen Beruf ergreifen, als +einen, zu dem man nichts zu lernen braucht. + +Endlich sagte der Vater in seiner Verzweiflung: »Auf dem Dorfe finde +ich nimmermehr, was ihnen paßt, ich will mich in der Stadt umsehen.« + +Er ging mit seinen beiden Söhnen und kam bald darauf allein zurück. + +»Habt Ihr sie untergebracht?« fragten die Nachbarn, und er antwortete: +»Ja wohl.« -- »Und in welcher Art? Was ist das für ein Beruf, zu dem +man nichts zu lernen braucht? Doch wenigstens einer, der Euch ein +großes Anlagecapital wird gekostet haben?« + +»Je nun,« erwiderte der Töpfer, »meinem Peter habe im Papier, Federn +und Tinte kaufen, und meinem Paul einen schwarzen Anzug machen +lassen müssen. Der Peter ist nämlich Schriftsteller, und der Paul +Landtags-Abgeordneter geworden.« + + + + + Palemon. + + +Palemon, der Maler, hatte ein Bild vollendet, welches er »Die Königin +des Orients« nannte. + +Es stellte Zenobia dar, wie sie, umringt von ihren Feldherren, +Magiern, Wahrsagern, Künstlern und Gelehrten, die Huldigung der ihr +unterworfenen Völker empfing. Das Gemälde erweckte Entzücken bei Laien +und bei Kennern. Die letzteren lobten besonders die Charakteristik. + +»Wenn man,« sagten sie, »die ganzen Figuren sammt Gewändern und +Kopfschmuck verdecken, und nur die Gesichter unverhüllt lassen würde, +jeder Kenner der ruhmvollen Vergangenheit unseres Vaterlandes müßte +ausrufen: Diese ehernen Züge können nur die des Kriegshauptmanns Phuhl, +und Jener kann nur Kalassar der Fürst sein, von dessen Thaten unsere +Geschichte erzählt, und Dieser Divonibar, der unfehlbare Magier. Und +dort -- o, das ist sie, Zenobia die Große, die Einzige, deren Anblick +uns auf die Kniee niederzwingt. An den Stufen ihres Thrones steht +Longinus, der Rhetor. Seht um seine Lippen den Genius der Beredtsamkeit +schweben!« + +Palemon lächelte zu diesem Lobe: »Wäret Ihr doch in meine Werkstatt +gekommen und hättet meine Modelle gesehen,« sprach er. »Wisset, jener +Kopf, von dem Ihr meint, er müsse der des berühmten Redners sein, +ist der Kopf meines stummen Pferdelenkers; zum Vorbilde der keuschen +Zenobia, vor der Ihr in Anbetung versinkt, hat mir die Tänzerin Myra +gedient; zu dem des Magiers ...« + +Die Kritiker fielen ihm ins Wort: »Um so höher preisen wir Dich, Du +Maler des Unsichtbaren. Zweiter Prometheus, der die Gebilde seiner Hand +zu beseelen versteht mit Funken himmlischen Feuers. Seht sie leuchten +aus der niederen irdischen Form! Seht auf vergänglichen Stirnen +unsterbliche Schönheit thronen. Aus den Augen einer Hetäre grüßt uns +der Geist der großen reinen Zenobia, der Mund eines stummen Knechtes +spricht Worte des Lebens.« + +Ein fremder Kunsthistoriker, der von weither gekommen war, um das Bild +Palemons zu sehen, erhob seine Stimme: »Thoren, veraltete Schwärmer!« +rief er, »wo bleibt bei dieser Auffassung die Wirklichkeit, die Natur? +Glaubt nur: Der Maler, unter dessen Pinsel eine Zenobia zur Hetäre und +ein feiner Denker zum rohen Tölpel wird, steht der Wahrheit näher als +Ihr.« + +Die einheimischen Kritiker wollten den Fremden sofort steinigen; aber +Palemon hielt sie davon ab: + +»Das wäre das Rechte -- todtmachen, den man nicht widerlegen kann. +Nicht ~kann~!« donnerte er die Einwendungen seiner Anhänger nieder, +»es sei denn, Ihr wüßtet, was vorherrscht auf Erden: Licht oder +Schatten, Blüthe oder Fäulniß, das Gute oder das Böse. Aber Ihr und der +und ich, wir wissen es nicht, wir glauben nur, und die Jünger dieses +Fremden thun wie die meinen: sie schaffen im Sinne ihres Glaubens. Ihr +großer Irrthum jedoch ist, daß sie sich für die einzigen Vertreter +der Wahrheit in der Kunst halten, weil sie malen und bilden, was +Jeder, auch der Gemeinste, sieht. Ich erhebe denselben Anspruch auf +treue Wiedergabe der Natur, wie sie, wenn es mir gelingt, überzeugend +darzustellen, was ich allein gesehen habe: einen edlen Zug im Angesicht +der Verworfenen, einen Blitz des Geistes im Auge des Einfältigen. +Unsere alte und das, was sie die neue Kunst nennen, können übrigens +nebeneinander bestehen und sind, wie mich dünkt, Schwingungen desselben +Pendels.« + + + + + Das Beste. + + +Zu dem Erdgeist Gaeus war das Mondwesen Elanuh zu Besuch gekommen. Sie +flogen zusammen durch die herrlichsten Gegenden der Erde, und Elanuh, +entzückt von dem Anblick der Wiesen, der Wälder, der Flüsse und Seen, +rief aus: »Sie haben einen schönen Wohnplatz, die Menschen, es muß sich +gut auf ihm leben lassen.« + +»Ja wohl,« erwiderte der Erdgeist mit Stolz, »besonders dann, wenn sie, +die athmen in dieser reichen Natur, mit ihrer höchsten Kraft begnadet +und fähig sind, das Beste, das es giebt, zu empfinden.« + +»Was ist das Beste?« fragte Elanuh. + +»Die Liebe,« entgegnete der Erdgeist. + +Während ihres Gespräches schwebten sie über den Dächern einer großen +Stadt. Auf einem Hügel, das Häusermeer beherrschend, erhob sich ein +fürstlicher Palast, von einem goldenen Gitter umgeben. Elanuh flog +hinüber, ließ sich an eines der Fenster gleiten und guckte voll Neugier +in ein prunkhaft eingerichtetes Schlafgemach. + +Da sah er ein Weib auf dem Boden liegen, ein reizvolles Weib, in der +Fülle des Lebens. Sie raufte ihr Haar und rang verzweiflungsvoll die +Hände vor einem Christusbilde an der Wand, und betete: + +»Gieb es nicht zu, o Herr! Errette mich! Laß mich nicht unterliegen in +Schmach. Nimm mich zu Dir, eh' ich verderbe! .... Denn ich verderbe, +Herr -- ich bin verloren. Ich war eine treue Frau, eine gute Mutter, +und bin nun verloren. -- Herr! Herr! ... Der Du für uns geblutet hast, +sieh meinen Undank ... Laß Deine Blitze auf mich niedersinken -- ich +frevle, indem ich zu Dir bete, denn während des Gebets denk' ich nur +Sünde. ... Tödte mich, retten kannst Du mich nicht mehr!« + +Sie zerriß ihre prächtigen Gewänder und raste in Verzweiflung gegen +sich selbst. + +Elanuh wandte sich ab und sprach zu Gaeus: »Die Unselige ringt wie in +den Krallen eines wilden Thieres. Was ist die Ursache ihrer Leiden?« + +Gaeus, etwas verlegen, antwortete: »Die Liebe.« + +Er flog weiter mit seinem Gaste, bis dieser vor einer Dachkammer Halt +machte, die, trotz der vorgerückten Nachtstunde, noch erleuchtet +war. Wieder sah er durch das Fenster und überblickte einen kleinen +Raum, eine Stätte der Armuth. Auf einem Bänkchen, an der Wand, saß +ein greises Ehepaar Schulter an Schulter, und Elanuh hörte die Alten +jammern und wehklagen. + +»Sie hat uns verlassen, sie hat uns dem Elend preisgegeben. Was bleibt +uns noch übrig, als zu sterben, da sie fort ist, unsere Erhalterin, +unsere Trösterin, unsere Einzige!« + +»Fluch ihm, der unser Kind verleitet hat,« sprach der Greis, und hob +die geballte, zitternde Faust gen Himmel. -- Und die Greisin, mit dem +Aufblitzen des Wahnsinns in ihren trüben Augen, wiederholte: »Fluch +ihm!« + +»Komm näher Gaeus,« sprach Elanuh, -- »sieh diese Armen, und sage +mir, welche Macht konnte eine gute Tochter bewegen, ihre Eltern, die +hülflosen, -- die sterbenden, in solchem Elend zurückzulassen?« + +Gaeus senkte das Haupt und murmelte: »Die Liebe.« + +Abermals nahmen sie ihren Flug, und plötzlich schoß Elanuh aus seiner +Höhe zu einem kleinen, ebenerdigen Hause herab. Er schmiegte sich an +das Fenster einer einfachen, weiß getünchten Stube, und erblickte ein +liebliches Mädchen, das halb ausgekleidet an ihrem Bette lehnte. Mit +dem Ausdruck der Todesangst ruhten ihre Augen auf einem jungen Manne, +der vor ihr stand, verstört und bleich. + +»Geh,« beschwor sie ihn -- »der Vater erwacht. -- Geh -- was willst Du +von mir?« + +»Dich fragen: Ist morgen Deine Hochzeit?« + +Sie brach in Thränen aus: »Quäle mich nicht -- frage nicht, was Du +weißt.« + +»So ~ist~ Deine Hochzeit?« sprach er knirschend. + +Das Mädchen schluchzte: »Du weißt es ja, und wem mein Herz gehört, das +weißt Du auch.« + +Wild und glühend sah er sie an: »Wenn Du nicht lügst, einen Kuß denn! +-- den ersten, den letzten: Ich will's!« + +Verstohlen zog er mit der Rechten ein Messer hervor, riß mit dem linken +Arme die Widerstrebende an sich, küßte sie und stieß ihr den Stahl in +die Brust. + +»Alle guten Geister! ... Was hat diesen Mann zum Mörder gemacht?« +fragte Elanuh. + +Gaeus verhüllte sein Antlitz und antwortete: »Die Liebe.« + +»Und das ist das Beste, was es auf Erden giebt?« rief sein Gastfreund +entsetzt. »Der gnädige Schöpfer steh' mir bei. Ich wünsche nichts mehr +von Eurem Besten zu sehen. Lebe wohl.« + +»Verweile,« bat Gaeus. »Ein unglücklicher Zufall hat uns geführt. Ich +zeige Dir andere Bilder.« + +»Sei bedankt, Du vermagst mir keine zu zeigen, welche mich diese +vergessen machen könnten.« + +Und ehe Gaeus ihn zurückhalten konnte, war Elanuh entflohen nach seiner +kühlen Heimath. + + + + + Ein Glücklicher. + + +In einer armseligen Hütte kam ein Knäblein zur Welt. Blaß und +schmächtig lag es in den Armen seiner Mutter. Diese fühlte sich sterben +und jammerte: »Was wird aus meinem hülflosen Kinde werden?« + +Da trat ein Engel an ihr Lager: -- »Ein Glücklicher!« sprach er, die +Hand auf das Haupt des Neugeborenen legend. + +»Willst Du ihn groß und geehrt machen?« rief die Mutter aufleuchtenden +Blickes. »Willst Du ihn schmücken mit Schönheit ohne Makel, mit +Weisheit ohne Fehl? Willst Du ihm den Genuß der Reichthümer dieser Erde +schenken, ungetrübt durch die Angriffe der Mißgunst und des Neides?« + +Der Engel erwiderte: »Das kann ich nicht; dem Loos der Sterblichen kann +ich ihn nicht entziehen; wie alle seine Brüder muß er beides erfahren +-- Gutes und Böses. Aber einen Segen sprech' ich über ihn bei seinem +Eintritt ins Leben. Er soll kein blind vertrauender Thor, und dennoch +ohne Gedächtniß für das Böse sein, das die Menschen ihm anthun werden. +Die Erinnerung an das Gute jedoch, das er sie vollbringen sehen und +selbst durch sie genießen wird, soll sich unauslöschlich in seine Seele +prägen. Stirb in Frieden, Du hast einen Glücklichen geboren.« + + + + + Der Gottesleugner. + + +Ein Gottesleugner starb. Drüben im Jenseits traf er zu seiner +entsetzensvollen Ueberraschung Den, dessen Spur ihm auf Erden unfindbar +gewesen, den Schöpfer, den Erhalter, den Urquell alles Lebens. + +Da warf er sich auf sein Angesicht nieder und rief: »O Herr, Du bist, +und ich blinder Wurm habe Dein Dasein verneint. Nun richte und verdamme +mich!« + +Aber unendlich mild und gnädig neigte sich ihm der Herr. »Sei getrost,« +sprach er. »Du hast Deinen Nächsten geliebt und ihn gelten lassen; Du +hast Deine eigene Ueberzeugung nicht für die allein richtige gehalten +und die nicht gehaßt, verachtet, verleumdet, die sie nicht theilten. Ob +ein armes Menschlein wie Du an mich glaubt oder nicht, trübt das meines +Namens Glanz? erfülle ich darum weniger das All? -- Die aber, die +ohne Güte und Duldung sind, denen die Liebe fehlt, und die sich doch +berühmen, in meinem Dienst und zu meiner Ehre zu handeln, die freveln, +die versündigen sich an meiner Majestät, sie werde ich zur Rechenschaft +ziehen. Dich, Du harmloser Thor, nehme ich auf in mein Himmelreich.« + + + + + Die Vervehmte. + + +Wenn die Freuden Versammlung halten, findet so mancher verlotterte +Gesell sich ein. Die hohen, die reinen gehen an ihm vorbei, zürnend, +gleichgültig, wohl auch mit einem mitleidigen Lächeln. + +Eine Freude nur wird immer hinausgeworfen, weil sie gar so gemein ist +-- die Schadenfreude. + + + + + Die Anhänger. + + +Ein Schneckenmännchen, voll von Ehrgeiz und großen Ideen, -- mit gutem +Recht der Stolz seiner Nation, -- unternahm es, an einer hochpolirten, +steinernen Gartenbank emporzuklimmen. Dort oben, meinte er, müsse ein +weiter Ausblick und eine ganz neue Weltanschauung zu gewinnen sein. + +Nach langem mühe- und gefahrvollen Ringen gelang es ihm endlich, die +Kante der Banklehne zu erreichen. + +Behaglich sah er sich um und dachte: Am Ziele seiner Wünsche zu stehen, +ist doch wunderschön; es giebt der Schnecke ein äußerst wohlthuendes +Selbstbewußtsein. Uebrigens habe ich mich umsonst geplagt, denn die +Welt nimmt sich von dieser hohen Warte nicht anders aus, als von meiner +alten Wohnung im Felsenspalt. + +Das sagte er auch seinen zahlreichen Anhängern, die sich ringsum im +Grase versammelt hatten, um ihn zu bewundern. Aber sie erwiderten: +»Verzeih', das können wir nicht glauben. Dein Haus badet im Azur, Deine +Hörner reichen ans Himmelsgewölbe. Bei Tag kannst Du schwelgen in +Sonnennähe, bei Nacht Fangball spielen mit den Sternen. O, Du Großer, +sei auch großmüthig, gönne Deinen treuen Anhängern Antheil an Deinem +Glücke! Hilf Deinem Nebenthier, hilf ihm zu Dir hinauf!« + +Immer hartnäckiger bestürmten sie ihn, und begannen schon, ihm +von allen Seiten nachzukriechen. Da er einsah, daß sie Vernunft +nicht annehmen wollten oder vielleicht nicht -- konnten, wohl auch +geschmeichelt durch ihr Vertrauen, that er, was sie verlangten. Er kam +den Tollkühnen entgegen, beschützte die Zagenden, bugsirte den, schob +jenen vorwärts ... Alles vergeblich. Die Schnecken waren ungeschickt, +und als sich zuletzt gar zu viele von ihnen auf einmal an den Herrn +Patron ankletteten, verließ ihn die Kraft, und er plumpste sammt seinen +Clienten auf die Erde nieder. + +Da schämte und grämte er sich sehr und verlor seinen ganzen Anhang. +Alle seine ehemaligen Verehrer aber erklärten einstimmig: Die Leute an +sich reißen und sie dann ohne Weiteres fallen lassen, ist doch gar zu +schnöde! + + + + + Die Ausgestoßenen. + + +Eine Köchin wollte Vanille kaufen und trat in einen Laden, den sie +seiner Ausstattung nach für einen Gewürzkram hielt. Die Wände waren +bis zur Decke hinauf mit Schränken verkleidet, und jeder Schrank +hatte Abtheilungen und Unterabtheilungen, und diese wieder hatten +Fächer und Fächerchen, Laden und Lädchen, und bis zur kleinsten waren +alle etiquettirt und numerirt. In der Mitte des Saales befand sich +ein Tisch, an dem viele bebrillte Herren von ernstem und gelehrtem +Aussehen saßen. Sie beschäftigten sich damit, Püppchen anzufertigen +nach Vorlagen der Bilder berühmter, bekannter, halbbekannter oder auch +vergessener Dichter und Schriftsteller. + +Wenn die Püppchen vollendet waren, verglich Jeder die seinen mit denen +der Anderen, und nun begannen Verhandlungen über die Aehnlichkeiten +und Unähnlichkeiten dieser Nachbildungen und über den Platz, der ihnen +anzuweisen sei. Jeder einzelnen wurden Buchstaben und Nummern auf den +Rücken gemalt, und die Sortirung begann, und jedes Püppchen wurde in +das ihm zukommende Fach gethan. + +-- Man erlebt doch alle Tage etwas Neues an Ausstattung der Waare, +dachte die Köchin und wollte schon eine Stange Vanille im Goethe-Kostüm +verlangen, als die Gesichter der Herren am Tische sich beängstigend +verdüsterten. + +»Wir müssen endlich zum Beschluß über die Gefangenen kommen,« +sagten sie, und winkten einem Saaldiener, der eine Hühnersteige +vor sie hinstellte, in welcher sich ein halbes Dutzend lebendiger +Gestalten, Männlein und Weiblein, befand. Sie trugen theils ländliche, +theils städtische Tracht und verbreiteten einen frischen Harz- und +Erdgeruch, der den Herren so unangenehm war, daß sie sich die Nasen +zuhielten. Dann entnahmen sie dem Käfig eines der zierlichen Wesen +nach dem anderen. Ein Messen begann, ein Wägen, ein Versuchen, sie +unterzubringen in das richtige Behältniß. + +Aber sie paßten nirgends hin; Fächer und Lädchen, so viele ihrer waren, +erwiesen sich als zu groß oder zu klein, als zu breit oder zu schmal +für die eigenthümlichen Erscheinungen. Die Herren waren rathlos und +fragten: »Was soll man anfangen mit solchen Mißgebilden, die sich in +gar keine Kategorie eintheilen lassen?« + +Da trat die Köchin vor, stellte ihren Korb auf den Tisch und sprach: +»Gebt sie mir da herein, ich bringe sie meinen Kindern zum Spielen +mit.« Gern wurde ihr willfahrt; auf ihre Bemerkung jedoch, sie glaube +einen Gewürzladen betreten zu haben, mit Strenge geantwortet: »Würzig +sei hier nichts, und sie befände sich in einem Taxirungs-Bureau.« + +Sogleich sagte sie, daß sie nicht länger stören wolle, und ging hinweg. +In ihrem Korbe aber erhob sich plötzlich ein wunderlieblicher Gesang. +Von selbst öffnete sich der Deckel, und die Gestalten schwebten heraus. +Sie hatten Flügel bekommen, wuchsen und wuchsen in der frischen Luft +und schwirrten umher wie Lerchen. Ihre Lieder weckten ein Echo in den +nahen Bergen. + +Die Köchin glaubte sie für immer entschwunden, fand aber ihre Gesänge +wieder auf den Lippen der Kinder, in den Herzen der Menschen und in +ihrer eigenen Brust. + + + + + Der Verwöhnte. + + +Die Göttin des Glückes verließ einen ihrer Lieblinge. Weil sie ihm +aber noch im Scheiden einen Rest von Huld bewahrte, sprach sie zu ihm: +»Einen Schein von mir sollst Du behalten. Er sichert Dir bis an Dein +Ende Einfluß, Macht, die Gunst und das Vertrauen der Menschen.« + +Dabei nahm sie einen Strahl aus ihrem Sonnendiadem und warf ihn dem +einst Geliebten zu. + +Er wich aus. + +»Was thust Du?« fragte die Göttin; »ein Schein von Glück gilt auch für +Glück.« + +»Dem nicht, der Dich ganz besessen hat«, sprach er, und wandte sich ab. +»Elend sein und glücklich scheinen, ist die größte Qual.« + + + + + Propheten-Loos. + + +Ein Prophet, eine Leuchte der Welt, war fern von seiner Heimath +hochbetagt gestorben. Tausende hatten ihm das letzte Geleite gegeben +und sich dann zerstreut. Seine Jünger jedoch blieben trauernd an seinem +Grabe stehen, und Einer von ihnen sprach: + +»Wie gern wüßte ich, ob sich auch an diesem Großen, diesem Weisen +und Guten, an diesem Wohlthäter der Menschheit das gewöhnliche +Propheten-Loos erfüllt! Wie gern wüßte ich, ob auch er daheim nichts +gegolten hat!« + +»Ueberzeugen wir uns davon an Ort und Stelle,« versetzte ein Zweiter. +»Ich sehne mich sehr, die heilige Stätte kennen zu lernen, an welcher +er geboren ward und seine besten Mannesjahre verlebt hat.« + +Die Beiden traten die Wanderung an, und feierliche Wehmuth ergriff ihre +Herzen, als sie in der Nähe ihres Reisezieles anlangten, eines hübschen +Städtchens, das zwischen grünen Hügeln und wohlbebauten Feldern dalag +und in der Morgensonne schimmerte. + +Die Jünglinge begaben sich nach dem Martktplatze, wo das Rathhaus +stand, und wollten eben an die Thür pochen, als sie sich öffnete und +der Bürgermeister, begleitet von einem Dutzend Räthen, heraustrat. +Er ließ einen flüchtigen Blick über die Fremden gleiten und schien +unangenehm verwundert, als diese es wagten, ihn ohne weiters anzureden. + +Mit halbem Ohre hörte er ihre Mittheilung an, daß sie die Ueberbringer +einer erschütternden Botschaft seien, sagte: »Bedaure, bedaure,« und +wollte vorübergehen. Aber einer der Jünglinge hielt ihn am Aermel fest, +und der andere sagte: + +»Der größte Mann, den Eure Stadt je hervorgebracht hat, ist in unserer +Weltstadt verschieden.« + +Bei diesen Worten verbreitete sich ein patziges Lächeln über die +Züge des Bürgermeisters und über die aller seiner Beamten. Dreizehn +Gesichter nahmen plötzlich denselben Ausdruck an, in dreizehn Köpfen +stieg ein und derselbe Gedanke auf: Der größte Mann ist nicht +gestorben, denn ich lebe! + +Nun riefen die Jünglinge der stumpfen Gilde den Namen des Verehrten zu; +er brachte nicht den geringsten Eindruck hervor. Die Räthe zuckten die +Achseln, und der Bürgermeister sprach: + +»Von seiner Berühmtheit ist hier nichts bekannt. Uebrigens, seht die +alte Frau, die daher kommt, die gehört zu seiner Familie, die wird Euch +bessere Auskunft über ihn geben können als wir. Sprecht aber laut, denn +sie ist halb taub.« + +Voll Ehrfurcht gingen die Jünglinge der Greisin entgegen, die eines +Blutes mit dem geliebten Meister war, meldeten ihr in schonender Weise +seinen Tod und beklagten, daß er in seiner Vaterstadt nichts gegolten +habe. + +»Nichts gegolten?« wiederholte die Alte, die von der ganzen Rede nur +die letzten Worte und den Namen des Verewigten verstanden hatte. +Und sehr geschmeichelt durch die Aufmerksamkeit, welche die Fremden +ihr erwiesen, und durch die Spannung, mit welcher sie ihrer Antwort +harrten, setzte sie mit vertraulichem Schmunzeln hinzu: »In seiner +Familie hat er wohl für etwas gegolten, nämlich für einen armen Tropf.« + + + + + Ungelöste Aufgaben. + + +Eine kluge Prinzessin wurde von einem beschränkten, aber sehr mächtigen +König geliebt und schenkte seinen Werbungen kein Gehör. Als er immer +dringender und in Folge dessen lästiger wurde, beschloß sie, ihn für +immer aus ihrer Nähe zu entfernen. Dies mußte jedoch in Güte geschehen, +denn die Feindschaft des starken Nachbarn wollte die Prinzessin ihrem +Lande nicht zuziehen. + +So sprach sie denn eines Tages zu ihm: »Deine Treue hat mich gerührt, +und ich will sie belohnen. Du sollst mein Gemahl werden, wofern es Dir +gelingt, die Aufgabe zu lösen, welche ich Dir stellen will.« + +Der König rief: »Nenne sie; wenn es im Bereiche menschlicher Kraft +liegt, werde ich sie erfüllen.« + +»Zieh hin,« erwiderte die Prinzessin, »und suche mir die folgenden drei +Dinge ausfindig zu machen:« + +»Ein Vorurtheil, das durch Vernunft besiegt wurde.« + +»Eine Thorheit, die so groß ist, daß noch kein Mensch sie begangen hat.« + +»Eine Lästerung, so schamlos, daß sich keine Zunge findet, um sie zu +wiederholen.« + +Der König lachte und gab Befehl, die Hochzeitsfeier zu bereiten, denn +er meinte, in wenigen Tagen schon seine Braut heimzuführen. Dann begab +er sich auf die Reise. + +Dies geschah vor tausend Jahren, und bis heute ist er noch nicht +zurückgekommen. + + + + + Die Untrennbaren. + + +Unter den Göttern war ein Streit entstanden, und in Folge dessen +erschien eines Tages im olympischen Staatsanzeiger die Kundmachung: + +»Der Urheber des dichterischen Genies wird gesucht. Wer sich dafür +hält, Mann oder Weib, trete hervor. Apollo und die Musen haben +beschlossen, ihm eine in ihrer Nähe leer gewordene Wohnung anzuweisen.« + +Schon am nächsten Morgen kam durch die Lüfte hergeflogen ein +unabsehbarer Schwarm. An seiner Spitze schwebte auf mächtigen, kühn +ausgebreiteten Flügeln, in thaufrischer Schöne blumenumkränzt, eine +reizumflossene Gestalt. + +Ein goldenes Füllhorn ruhte ihr im Arme, und mit überströmender +Großmuth ausgestreute Segensspenden bezeichneten ihren Weg. Ihr +Gefolge schloß ganze Welten in sich: Verkörperungen des Herrlichsten +und Höchsten, wie des Furchtbarsten und Scheußlichsten; in nicht +unterbrochener Reihe alle Abstufungen vom Wunderbaren bis zum +Wunderlichen, lebendig gewordene Spiegelbilder aller Thaten und +Unthaten aller Leidenschaften, Hoffnungen, Enttäuschungen und Träume. +Die edelsten unter den unendlich mannigfachen Gebilden erschienen +in hehrer Einfachheit, die anderen, unermeßlich reich geschmückt, +schimmerten wie der neugeborene Tag. Ihnen auf den Fersen folgte, +das Kainszeichen auf der Stirn, Brandfackeln schwingend, eine dunkle +Schar. Blitzähnlich schossen diese Dämonen hin und her, und bei jedem +Flügelschlage theilte und verdoppelte sich jede der grauenhaften +Ausgeburten; eine riesige schwarze, mit furchtbarer Geschwindigkeit +wachsende Wetterwolke rollten sie, Verderben verbreitend, durch den +Raum. + +Aber sie hatten ihre Meister. Unscheinbare Wesen, still und mild und +dennoch heldenhaft, demüthig und dennoch unüberwindlich, wiesen die +Unholde in ihre Schranken; und ein Schauspiel boten diese Kämpfe, so +voll hinreißenden Schwunges, unerschöpflicher Abwechslung und Neuheit, +so voll Gefahr und Triumph, so voll Jubel und Leid, daß die Götter ihm +zusahen und horchten in athemloser Spannung. Was jedoch ihre größte +Neugier erregte, das war eine kleine, bunte Menge, die inmitten des +Gewühles auf einem grünen, blühenden Eilande, wie auf einem rettenden +Schifflein segelte. Die schärfsten Contraste prägten sich in diesen +Kleinen aus; Anmuth beseelte die meisten von ihnen; das zweischneidige +Schwert, das Einige führten, traf, ohne zu verwunden. Sie spielten, +waren aber nicht blind für die großen Schicksale, die sich um sie her +vollzogen; mit Thränen in den Augen lachten sie, und ihr Lachen glich +dem fröhlichen Gesang der Drossel und erheiterte den Olymp. + +Momus, der zu den Füßen Melpomene's saß, sprach zu ihr: »Wer sind Die? +Ich sollte sie kennen, ich kenne sie aber nicht.« + +Die Muse erwiderte: »Ein nachgeborenes Völkchen -- humoristisches Pack.« + +Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Führerin des Schwarmes, die +nun vor den Himmlischen stand. Ein Zauber ohne Gleichen ging von ihr +aus; sie schüttelte ihr seidenweiches, welliges Haar und sagte mit +wonniger Zuversicht: + +»Mir und den Gaben, die ich verleihe, verdankt der Dichter den Antrieb +zu all seinem Können und Thun. Ich bin die Phantasie.« + +Die Götter schwiegen, sannen nach und erwogen noch die Berechtigung +dieses Anspruches, als ein Mann, ganz in Eisen gepanzert, sich +wuchtigen Schrittes näherte, neben die Phantasie hintrat und seine +Stimme erhob: + +»Diese Dame prahlt. Ohne mich wird aus dem Können, das sie ihrem +Liebling in die Wiege legt, nie ein Thun; ohne mich bleiben seine +Hervorbringungen eitel Anfänge und vergehen wie Schaum. Ich bin der +Fleiß.« + +Ein heiteres Lachen folgte dieser Erklärung, und alle Augen suchten +den, der es ausgestoßen hatte. + +Es war ein schlichter, kräftig gebauter Bursche, mit hellen Augen und +rothen Wangen. »Meine himmlischen Herrschaften,« sagte er, »nur ungern +wage ich mich in Eure wolkenüberragenden Höhen; doch zwingt mich dazu +mein gutes Recht, das ich zu wahren habe. Du, Genie-Mutter,« -- so +wandte er sich ohne Umstände an die Phantasie, die bei seinem Anblick +die schönen Lippen kaum merklich verzogen hatte, -- »was würde aus +Deinen Kindern, wenn ich nicht zu Gevatter bei ihnen stände? Elend +müßten sie zu Grunde gehen, erdrückt unter den berauschenden Blumen, +mit denen Du sie überschüttest, irre geführt durch Deine webenden +Träume, toll gehetzt auf der Jagd nach Deinen lockenden Früchten, +verzehrt von Deinen rastlos keimenden Gedanken. Und Du,« sprach er +noch strenger zum Fleiße, »Du setzest den Sorgen, die mir diese gute +Mutter und schlechte Erzieherin macht, die Krone auf. Du Maulwurf, Du! +Den Eifer, den Du ihren Kindern in alle Adern spritzest, tausendmal +verwünscht hab' ich ihn. Er zwingt mich, auf Tritt und Schritt hinter +den von Dir besessenen Genies her zu sein, um sie zu leiten, um sie +zu hindern, Deinem blinden Triebe folgend, sich todt zu arbeiten in +einem todten Schachte. Ja, rühmt Euch nur, Ihr Zwei! Ohne mich wird das +Beste, das Ihr zu spenden habt, Euren Auserkorenen zum Unheil und zum +Fluch.« + +Die Phantasie und der Fleiß senkten die Augen und widersprachen nicht. +Apollo jedoch fragte: + +»Wer bist Du, Einfacher und Schlichter, daß Du eine so selbstbewußte +Sprache führen darfst?« + +Die Antwort lautete: »Ich bin der Verstand.« + +Da blickten die Götter einander an, einige von ihnen errötheten, +besonders Venus und ihr Sohn. Sie senkten die olympischen Häupter und +zogen sich zu einer Berathung zurück. + +Der Beschluß, der in derselben gefaßt und durch Mercur verkündet wurde, +war folgender: + +»Wir anerkennen die Ansprüche eines Jeden von Euch auf die in unserem +Erlasse ausgeschriebene Wohnung. Doch haben wir nur diese eine zu +vergeben und können, da unser Reich ohnehin täglich an Boden verliert, +nicht Raum schaffen für Euch Alle. Einen aber auf Kosten der beiden +Anderen zu bevorzugen, widerstrebt unserer ewigen Gerechtigkeit. So +nehmt unsern Dank für Euer Erscheinen und kehrt zur Erde zurück.« + +Die Phantasie winkte ihrem Gefolge und flog davon; der Fleiß und +der Verstand traten zu Fuße den Heimweg an. Der Erstere, ohne sich +umzusehen; der Andere jedoch warf, am Himmelsthor angelangt, mehr +zufällig, als mit Absicht, einen Blick zurück nach den Gefilden der +Unsterblichen. Da sah er Minerva stehen, kampfbereit in ihrem Frieden, +ruhig und gerüstet. Er beugte sich voll Ehrfurcht; und die Göttin der +Weisheit, mit freundlicher Gebärde, ein holdes Lächeln um den ernsten +Mund, grüßte ihn. + + + + + Die Brüder. + + +Es lebten einst zwei Brüder, denen die Fähigkeit gegeben war, Macht +auszuüben über die Gemüther der Menschen. + +Der Aeltere suchte die Darbenden auf und sprach ihnen von ihrem Rechte +auf Genuß. Er ließ die Arbeitenden die Wonnen des Müßigganges kosten +und entflammte die Besitzlosen zum Kampfe gegen die Besitzenden. +Verherrlichung aller Handlungen der Armen und Elenden, Verhöhnung und +Verdächtigung jeder That der Kinder des Glückes war das zweischneidige +Schwert, das er mit glühender Ueberzeugung führte und das ihm einen +blind ergebenen Anhang erwarb. + +Der Jüngere predigte durch Wort und Beispiel nicht einer bestimmten +Klasse, sondern allen Menschen. Er pries die Hochgeborenen und Reichen +nicht als die besonders Begünstigten und bejammerte die Niedrigen und +Armen nicht als die Enterbten des Geschickes. Er forderte von Allen +gleiche Strenge gegen sich, das gleiche Mitleid mit dem Nächsten, +die gleiche Gerechtigkeit gegen den Feind, und von Allen Arbeit. Vom +Armen, weil sie Brot ist für Weib und Kind, vom Reichen, weil sie die +freiwillige Armuth ist. + +Seine Stimme konnte grollen wie der Donner, und seine Augen konnten +dräuen wie der Blitz. Schonungslos schwang er die Geißel über Die, +die er am meisten liebte, und heischte von ihnen fast ebenso viel +Selbstverleugnung, wie von sich selbst. + +Einmal geschah es, daß die getrennten Wege der Brüder sich kreuzten, +und sie einander gegenüber standen. + +»Wie viele Anhänger hast Du?« fragte der Aeltere den Jüngeren. + +»Ich habe zehn gewonnen,« lautete die Antwort, und der ältere Bruder +versetzte: + +»Und ich zehntausend.« + +In der folgenden Nacht hatte jeder von ihnen einen Traum, der ihm +die Zukunft zeigte. Der Aeltere sah sich im Sarge liegen, umtobt von +dem Streite Derer, die das Erbe seiner Macht antreten wollten. Um +die Redegewandten waren kleine Scharen versammelt, lauschten ihren +Schmeicheleien und Verheißungen und schenkten ihnen Glauben. In +Fähnlein zerstückelt, stob das große Heer auseinander. + +Der Führer keuchte und stöhnte im Schlafe; sein Lebenswerk, die Partei, +die er gegründet, endete mit ihm. + +Der Jüngere sah im Traume Wallerzüge durch die Fluren schreiten. +Singend, Blumen und Palmen tragend, pilgerten sie zu einem grünen +Hügel, der sich außerhalb der Mauer eines Dorfkirchhofs erhob. Sie +kamen aus allen Weltgegenden, fremd in der Sprache, im Aussehen, im +Gehaben. Aber am gemeinsamen Ziel angelangt, erkannten sie, daß sie +Brüder waren. Sie reichten einander die Hände über dem Grabe und riefen +in den verschiedensten Sprachen einen ihnen heiligen Namen. + +Es war der des Träumenden -- er hatte eine Religion gestiftet. + + + + + Gedichte. + + + + + Ein kleines Lied. + + + Ein kleines Lied, wie geht's nur an, + Daß man so lieb es haben kann, + Was liegt darin? erzähle! + + Es liegt darin ein wenig Klang, + Ein wenig Wohllaut und Gesang + Und eine ganze Seele. + + + + + _Boule d'or._ + + + O du des himmlischen Reiches Kind, + Du Fremdling im nordischen Moose, + Von Düften umhüllet lieblich und lind, + Des Ostens holdeste Rose. + + Dir gab der leuchtende Sonnenschein + Der Farbe Schimmern und Prunken, + Vom Urquell des Lichtes in dich hinein + Die Strahlen hast du getrunken. + + Zunächst dem Kelch entfaltest du + Die Blätter wie goldene Schwingen, + In deines Herzens träumende Ruh' + Vermag kein Auge zu dringen. + + Die würzigen Lüfte nur flüstern ringsum, + Daß hier ein Geheimniß sich hehle, + Doch hüllt sich in Schatten das Heiligthum + Der schüchternen Blumenseele. + + + + + Sommermorgen. + + + Auf Bergeshöhen schneebedeckt, + Auf grünen Hügeln weitgestreckt + Erglänzt die Morgensonne; + Die thauerfrischten Zweige hebt + Der junge Buchenwald und bebt + Und bebt in Daseinswonne. + + Es stürzt in ungestümer Lust + Herab aus dunkler Felsenbrust + Der Gießbach mit Getose, + Und blühend Leben weckt sein Hauch + Im stolzen Baum, im nied'ren Strauch, + In jedem zarten Moose. + + Und drüben wo die Wiese liegt + Im Blüthenschmuck, da schwirrt und fliegt + Der Mücken Schwarm und Immen. + Wie sich's im hohen Grase regt + Und froh geschäftig sich bewegt, + Und summt mit feinen Stimmen! + + Es steigt die junge Lerche frei + Empor gleich einem Jubelschrei + Im Wirbel ihrer Lieder. + Im nahen Holz der Kuckuck ruft, + Die Amsel segelt durch die Luft + Auf goldenem Gefieder. + + O Welt voll Glanz und Sonnenschein, + O rastlos Werden, holdes Sein, + O höchsten Reichthums Fülle! + Und dennoch, ach -- vergänglich nur + Und todtgeweiht, und die Natur + Ist Schmerz in Schönheitshülle. + + + + + Der Halbpoet. + + + Es ist die allergrößte Pein, + Ein Halbpoet geboren sein, + Zu tragen in sich unerhellt + Das Chaos einer ganzen Welt, + Aus dessen Gähren, dessen Ringen + Kein ganzes Leben will entspringen. + + Zu steh'n in heißen Durstesqualen + Am Zauberborn des Idealen, + Das Schöne liebend zu begreifen, + Heran zur höchsten Klarheit reifen, + Im Reinen wandeln und im Wahren -- + Ohnmächtig es zu offenbaren. + + In dir ein Schaffen unbewußt, + Ein lautlos Schrei'n in deiner Brust, + Ein Wogen, Keimen, Knospensprengen, + Ein ruheloses Vorwärtsdrängen, + Und dennoch keiner Blüthe Prangen, + Und dennoch kein Zumzielgelangen! + -- Es ist die allergrößte Pein, + Ein Halbpoet geboren sein. + + + + + Vanitas. + + + Bin ihr begegnet in allen Gestalten, + Sah sie gehüllt in jedwedes Gewand, + Heut in des Mantels purpurnen Falten, + Gestern in Lumpen wallend durchs Land. + + Schwerer besiegt als Helden in Waffen, + Leichter verletzt als ein hülfloses Kind, + Rastlos in ihrem nichtigen Schaffen, + Thöricht und klug, allsehend und blind. + + Heimisch im Tempel, heimisch im frechen + Hause der Sünde, in Hütte und Schloß, + Weiß sie in jeder Zunge zu sprechen, + -- Bist du ein Mensch, du bist ihr Genoß. + + Räthselhaft Wesen, dem alle wir dienen, + Das uns beherrscht, ob wir groß oder klein, + Keiner ist noch auf Erden erschienen, + Der es gestand, dein Sklave zu sein. + + Hältst du am engsten ein Opfer umsponnen, + Trägt dir's gewiß den bittersten Haß. + Und dich verleugnet, den du gewonnen, + Schimmernde Lügnerin --: Vanitas! + + + + + Das Schiff. + + + Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen + Wie Sturmwind geflogen. + + Voll Jubel ertönt's vom Mast und vom Kiele: + »Wir nahen dem Ziele.« + + Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise: + »Wir segeln im Kreise.« + + + + + Lebenszweck. + + + Hülflos in die Welt gebannt, + Selbst ein Räthsel mir, + In dem schalen Unbestand, + Ach, was soll ich hier? + + -- Leiden, armes Menschenkind, + Jede Erdennoth, + Ringen, armes Menschenkind, + Ringen um den Tod. + + + + + Grabschrift. + + + Im Schatten dieser Weide ruht + Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut, + Er hat gefühlt mehr als gedacht, + Hat mehr geweint als er gelacht, + Er hat geliebt und viel gelitten, + Hat schwer gekämpft und -- nichts erstritten. + Nun liegt er endlich sanft gestreckt, + Wünscht nicht zu werden auferweckt. + Wollt' Gott an ihm das Wunder thun, + Er bäte: Herr, o laß mich ruh'n! + + + + + Sankt Peter und der Blaustrumpf. + + + Ein Weiblein klopft ans Himmelsthor, + Sankt Peter öffnet, guckt hervor: + -- »Wer bist denn Du?« -- »Ein Strumpf, o Herr« ... + Sie stockt, und milde mahnet er: + »Mein Kind, erkläre Dich genauer, + Was für ein Strumpf?« »Vergieb -- ein blauer.« + Er aber grollt: »Man trifft die Sorte + Nicht häufig hier an unsrer Pforte. + Seid sammt und sonders freie Geister, + Der Teufel ist gar oft nicht dreister, + Geh hin! er dürfte von Dir wissen, + Der liebe Herrgott kann Dich missen.« + -- »Das glaub' ich wohl, -- doch ich nicht Ihn, + O Heil'ger, wolle noch verziehn!« + Sie wagt es, sein Gewand zu fassen, + Hat auf die Knie sich sinken lassen. + »Du starker Hort, verstoß' mich nicht, + Laß blicken mich ins Angesicht + Des Ew'gen, den ich stets gesucht.« + »In welcher Weise, ward gebucht. + Man strebt ihm nach wie's vorgeschrieben, + Du bist uns fern und fremd geblieben.« + Das Weib blickt flehend zu ihm auf: + »Wär' Dir bekannt mein Lebenslauf, + Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden + Ich meinen Herrn und Gott gefunden.« + Der Pförtner stutzt: »Allwo? -- Sprich klar!« + -- »Daselbst, wo ich zu Hause war, + (Mein Handwerk brachte das mit sich) + Im Menschenherzen. Wunderlich + War dort der Höchste wohl umgeben; + Oft blieb von Seines Lichtes Weben + Ein glimmend Fünklein übrig nur, + Und führte doch auf Gottes Spur. + Ob er sich nun auf dem Altare + Den Frommen reicher offenbare -- + Das zu entscheiden ist Dein Amt. + Bin ich erlöst? bin ich verdammt?« + Sankt Peter zu derselben Frist + Etwas verlegen worden ist, + Dacht' eine gute Weile nach, + Nahm endlich doch das Wort. Er sprach + Und rückt dabei den Heil'genschein: + »Besprich es drin. -- Ich lass' Dich ein.« + + + + + Liebeserklärung. + + + Du Vielgeliebte, Dich hab' ich geliebt + Von Deinem ersten Lebensstündlein an, + Als kaum entwunden Du dem Schoß der Mutter, + Dalagst auf ihrem Bette klein und roth, + Die Wangen voll von Fältchen und die Stirn, + Und auch die winz'gen, unbeholfnen Hände. + + O, welch' ein Glück, an Deiner Wiege stehn, + Bewundern still, wie schön Du schlafen kannst, + Und Dein Erwachen jubelnd zu begrüßen. -- + Was immer meine Nichte that und ließ, + Ich fand es einzig, fand es genial; + So weint' und lachte niemals noch ein Kind, + So kroch noch keins dahin auf allen Vieren + Und sprach: »Tata« mit solchem Nachdruck aus. + + Indessen leider! meine gute Meinung -- + Weiß Gott, wie's kam -- gar viele theilten sie + Und machten sich höchst ungenirt zu eigen, + Was ich entdeckt in angestammter Weisheit. + + Allmälig wuchsen hundert Toggenburgen + Empor am Strande Deiner wilden Petsch, + Und in den Burgen wohnten hundert Schmachter + Und Schmachterinnen treu bis in den Tod; + Das war ein Werben um klein Stutzis Gunst, + Von Jung und Alt ein Loben, Lieben, Staunen, + Solch' einen Heerbann überzeugter Schmeichler + Besaß nur noch die Königin von Saba. + + Wie sie den ihren lenkte, weiß ich nicht, + Doch um so besser denn, wie kurz und stramm + Der Deine ward gehalten. -- Keine Faxen! + Die Losung galt, Du gabst sie unbewußt, + Eh' sprechen Du, geschweige denken lerntest. + + So trugen wir es heuchlerisch gelassen, + Als Du Dein Herz in feste Hände gabst ... + Was sag' ich, Hände? Pfoten sind's gewesen, + Die langen gelben der verehrten Lady. + + Doch hatt' auch sie Rivalen, vielgehaßte: + Kaninchen, Katzen, allerlei Gethier, + In erster Reih' die Ponies. Weißt Du noch, + Wie denen sie mißgönnte Deine Huld? + Und wie bestürzt, wenn ihnen Du geschmeichelt, + Die Alte floh, sich auf die Rampe setzte, + Den Kopf erhob und laut zum Himmel heulte. + + Nur eines war mit ihrem Schmerz vergleichbar, + Und ihrem Grimm -- der Deine, Kind, als Du + Zu Jahren schon gekommen (ihrer fünf) + »_Mémoires d'un âne_«, von _Comtesse Ségur_ + Zur Kenntniß nahmst. Die Bonne las Dir vor, + Du stricktest stumm, mit ernstem Pflichtgefühl, + An Deinem ersten Strumpfe. Noch erreichten + Den Boden Deine Beinchen nicht, sie wiegten + Sich leise ... Wie Du horchtest, athemlos, + Durchglüht von Freude, Mitleid oder Zorn + Vom Wirbel bis zur Sohle -- je nachdem + Des braven Esels Schicksal sich gestaltet. + Und wenn es rührend wurde, flossen Thränen + In hellen Strömen auf die Stickerei, + Die soviel Nässe gar nicht schlucken konnte. + Es war ein Anblick -- ich vergeß ihn nie! + Und niemals auch, wie Du vor jenem Kitzlein, + Das einst der Jäger aus dem Wald Dir brachte, + Auf Deine beiden Kniee niedersankst, + Es anzufleh'n unendlich liebevoll: + »O fürcht Dich nicht -- ich bin ja Deine Mutter!« + + Und später dann, als Deine Herren Brüder + Erschienen waren und so redlich halfen + Des Hauses kleinen Abgott anzubeten, + Was für Geschichten gäb's da zu erzählen, + Von einer wilden Hummel stets voran + In jeder Fährlichkeit, und ihren blind + Ergebenen Satelliten. -- Doch genug, + Sonst heißt es gleich: das Alter ist geschwätzig. + Nur eins noch höre. Als nach langer Trennung + Du heute kamst mit Deinem schwarzen Jungen + Und seiner blonden Schwester, die kaum zählt + Der Jahre zwei und just so ernsthaft schaut + Wie einstens Du -- da fiel mir Alles, Alles + Urplötzlich ein, vom Größten zum Geringsten, + Was wir durchlebt in Treuen ... Ich gedachte, + Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert, + In dem ich sucht' und fand mein reinstes Glück: + Wie manches neue, kleine Wesen kam, + Das einen Platz erstrebte zwischen uns + Und ihn erhielt und jedes obendrein + Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz. + Das ~ganze Jedes~ -- henkt die Mathematik! + Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig, + Es zu verschenken, wenn es wieder gilt. + Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichthum + Ist unerhört in meinen hohen Jahren. + Ich dank' ihn Euch, so seid mir denn bedankt, + Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen. + Durch meiner Liebe, Eurer Liebe Kraft + Begiebt an mir ein schönes Wunder sich: + »Die Kinderlose hat die meisten Kinder.« + + + + + So ist es. + + + Sie sagen mir: »Das Dichten reibt Dich auf. + Wir bitten, laß es! thu' das uns zuliebe.« + -- »Mir selbst zuliebe thät' ich's, wenn ich könnt'.« + -- »Du kannst, sobald Du willst. Doch daran fehlt's, + Am kräftigen Entschluß, sie zu besiegen + Die liebe Eitelkeit. Man lobt uns ja, + Und der an Lob gewöhnt, entbehrt es schwer.« + »Das weiß ich nicht, doch eines weiß ich gut: + Ob tausendmal auch mehr, als sich gebührte, + Mir Schätzung wurde, dennoch, glaubt mir, dennoch + Mein armes Rühmchen wär mir feil, und mit + Entzücken gäb' ich's für die Freiheit hin. + Ich diene ja, seht Ihr, bin willenlos + In meines Dämons Macht ... Wie nenn ich ihn? + Heißt er vielleicht, -- daß Gott erbarm'! -- Talent? + -- Man sagt, die meisten, die von ihm besessen, + Sie wähnten ihn zu lenken, hielten ihn + Für ein Geschenk der gütigen Natur + Und pflegten sein mit stolzer, treuer Liebe. + Doch fass' ich's nicht. Ist's möglich denn, zu lieben + Was Dir das Höchste raubt, die Selbstbestimmung? + Was Dir mißgönnt die unbefang'ne Freude; + Entwerthet Deinen edelsten Genuß + Durch seiner Flüsterstimme rastlos Mahnen: + -- Besinne Dich! was machst Du wohl daraus? + Gäb's nicht ein Bild -- ein Streiflicht -- ein Detail? + Der Dämon nimmt Dein Herz, stiehlt Dir die Seele, + Er füllt allein Dein ganzes Denken aus. + Du hast nur ihn; ja Dein ureignes Leben, + Dein menschlich Irren, jegliches Empfinden, + Dein glühend Mitleid, Haß und Zorn und Schmerz, + Dein stillstes Sehnen, Dein geheimster Traum -- + In seinem Dienst wird alles ausgemünzt. + -- Und dann? was dann? ... Ach Zweifelsqualen, denn, + Ob auf der Münze auch die Prägung echt, + Und angethan, zu dauern wie das Gute, + Wie ~nur~ das Gute dauert und besteht; -- + Das bleibt Dir unbekannt und bleibt es Jedem, + Der mit Dir wandelt noch im Tagesschein.« + Dünkt Euch dies Schicksal so beneidenswerth, + Ertrüg' es Einer, der es wenden könnte? + O Himmel! wenn ich's könnte, ginge mir + Im Alter noch ein neues Leben auf, + Ein Leben voller Ruhe, voller Frieden, + Und abgeschlossen ganz in meiner Liebe + Zu Euch, Ihr Menschenkinder, Brüder, Schwestern. + -- So nach wie vor blieb Euer Leid das meine, + Und Euer Glück durchsonnte mir das Herz, + Doch Euch zu schildern hätt' ich aufgehört. + + + + + Einschlafen. + + + Der Tag ist aus, und nun -- wie himmlisch wohl wird's thun, + Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruh'n. + -- Es war ein harter Tag. -- Vorüber und vorbei! + Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei; + Wenn nicht -- nun denn, nun denn! -- zu leiden und zu streben, + Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben. + Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende, + Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände. + Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht, + Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht? + Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten + Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten + Jedwedem einst bestimmt. -- Wär's Jedem auch beschieden, + Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden. + In sel'gem Frieden ... Ach, braucht ich zu wünschen nur, + Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur, + Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm, + Ich schafft auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm .... + Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen + Und konnt' darüber nie zu voller Klarheit kommen. + -- Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit! -- + Nicht denken jetzt, nicht mehr -- es ist ja Schlafenszeit, + Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke + Mich allem Leid. + + Ich wollt', ich fänd' einmal die Brücke, + Die aus dem wachen uns, dem voll bewußten Sein, + Ins halb bewußte Reich des Traumes führt hinein. + Ein zarter Wunderbau, ein räthselhafter Steg, + Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg. -- + Ei horch, wie's summt und klingt: -- die Spieluhr regt sich wieder + Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ... + Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, Du, + Wann endlich kehrst Du heim? wann jauchzst Dein Gruß mir zu? + Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein, + Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ... + Da steht er ja, er selbst -- umhaucht von Harzesduft, + Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft -- + Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten + Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten. + So komm! -- wo bist Du nun? ... gar nirgends zu entdecken -- + Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken -- -- + Mit ihm entschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen, + Die qualmend sich zerstreu'n, die sich zusammenballen -- + Und jetzt -- o Seligkeit -- o Himmelsblumen: Sterne! + Ich schweb', im Wolkenraum ... aus lichtverklärter Ferne + Erhebt sich's wie Gesang so mild und rein -- + Ich schlafe nicht, noch lange nicht -- o nein -- -- -- + + + + + Spruchverse. + + + Was Gutes Du gethan und nicht vergessen hast, + Allmälig wandelt sich's in Unrecht fast. + Begang'ne Schuld, denkst ihrer Du mit Schmerzen, + Verklärt zur Tugend sich in Deinem Herzen. + + Die Großen säen, + Die Kleinen mähen, + Die Kleinsten heimsen ein + So war's -- so wird es sein. + + Ein Mensch -- und stolz? O sieh, Dein Thun, + Dein Lassen, Deine Meinung, + Das Alles ist, Du selber bist + Des Scheins Reflexerscheinung. + + Verständniß für jedwedes Leid, + Erbarmen mild mit jedem Fehle; + Daran in dieser Zeitlichkeit, + Erkennst Du die erwählte Seele. + + Die Eintagsfliege, wie so manche Leute, + Vergönnt sich keine Freude an dem Heute, + Denn ruh- und rastlos immer muß sie sorgen, + arme Eintagsfliege -- für das Morgen. + + Freundeslob und Feindestadel + Sind von zweifelhaftem Adel. + + Es ist noch Jeder leicht durch diese Welt geschritten, + Der gut zu danken wußt', und wußte gut zu bitten. + + 's ist Alles schon gesagt, man kann nur wiederholen + Der ehrlichste Poet hat unbewußt gestohlen. + + Zwei Dinge lern' geduldig tragen: + Dein eigen Leid, der Andern Klagen. + + Unsterblich wandelt durch der Zeiten Frist + Das Werk des Denkers, der ein Künstler ist. + + Ein Federheld von echtem Muth, + Der greift beherzt nach seinem Gut + Und Alles, was er brauchen kann, + Sieht als sein Eigenthum er an. + + Wie lang' hat sich geübt im Täuschen und im Lügen, + Der endlich sagen darf: Mich kann man nicht betrügen? + + Das Selbstvertraun, der feste Wille, + Auf die zuletzt kommt Alles an. + »Mein Freund, ins Schwarze zielt ein Jeder, + Doch trifft es nur der rechte Mann.« + + Magst den Tadel noch so fein, + Noch so zart bereiten, + Weckt er Widerstreiten. + + Lob darf ganz geschmacklos sein, + Hocherfreut und munter + Schlucken sie's hinunter. + + Den alten Aposteln + Fast gleichen die jungen, + Nichts fehlt ihnen mehr + Als feurige Zungen. + + Sich des Unrechtes wehren + Allezeit bringt Ehren. + + Den Menschen, den nur Neider hassen, + Den muß der Neid selbst gelten lassen. + + Was noch so fein Philosophie gesponnen, + Das bringt die Poesie ans Licht der Sonnen. + + Nur der das Leiden kennt, + Kennt auch ein heiß Erbarmen; + Der selber darbt, der giebt; + Großmüthig sind die Armen. + + + + + Gänsezug. + + + Die erste Gans im Gänsezug, + Sie schnattert: »Seht, ich führe!« + Die letzte Gans im Gänsezug, + Sie schnattert: »Seht, ich leite!« + + Und jede Gans im Gänsezug, + Sie denkt: -- Daß ich mich breite + So selbstbewußt, das kommt daher, + Weil ich, ein unumschränkter Herr, + Den Weg mir wähl' nach eignem Sinn, + All meiner Schritte Schreiter bin + Und meine Freiheit spüre! + + + + + Die Erdbeerfrau. + + + »A loadi's Erdbeer-Jahr, natürli, gel'? + Am Benno-Tag, der Frost, der hat's dawischt!« -- + Sprach sie mich an und lächelte dazu + Mit welkem Mund und wasserblauen Augen, + So harmlos wie ein Kind, die dürre Alte. + + »Recht schlimm für uns, und schlimmer noch für Euch,« + Erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst, + Den besten wohl im Sommer.« + + »I? No wiss'ns, + Geit's ihrer weni, wern's halt besser zahlt + Die Erdbeer, gar die schöni, aus'm G'stoan, + Wie ebba selli da!« + + Sie rückt hinweg + Den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen + Auf Tannenreislein und auf frischen Blättern + Erdbeeren duftend und so purpurroth, + Daß schon ihr Anblick eine Labung war. + Der Alten bot er wahren Hochgenuß: + »Die wachs'n auf'n Stauf'n, in die Schlucht'n,« + Sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen. + + Ich hätte seinen Inhalt gern erworben; + Er war verkauft. Vom Berge kam die Frau, + Nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt, + Ein wenig müd' und sehnte sich nach Hause. + »Es warten Eurer«, meint' ich, »Eure Kinder + Und kleine Enkel dort.« + + »Auf mi' wart' koa's, + I bin alloa,« gab sie zerstreut zurück, + Und mit der Rechten ihre Augen deckend, + Blickt' in die Sonne sie, die goldig fluthend + Soeben hinter Bergeshöh'n versank. + + »Da schaug'ns hin, zum Zwisl schaug'ns hin, + Da bin i morg'n um die Zeit scho' g'west. + Gon Ab'nd hoaßt's zur Alm no auffikrabin, + Im Heubüh drob'n schlaft ma woltern guat + Und fruh um zwoa geht's ani scho' in d'Staud'n.« + + Und wieder lag auf ihrem greisen Antlitz + Das Kinderlächeln, das mich gleich bezwang, + Als sie nun sprach von ihren Wanderungen + Im Morgendämmer und beim Sonnenaufgang, + Durch Waldesdunkel, durch das Felsgeklüft, + Und drob so Müdigkeit vergaß, wie Hunger. + Ein Jäger nur erzählt mit solcher Freude + Von seinen Abenteuern auf der Pirsch, + Wie von den ihren sie »beim Erber'-Brocken.« + + Mit stillem Neide horcht' ich. Aus der Noth + Nicht eine Tugend nur, auch Glück zu machen, + Das ist die allerhöchste Lebenskunst. + Ihr freilich mag sie leicht geworden sein, + Der schlichten, alten Freundin der Natur, + In diesem Dasein, halb im Traum geführt, + Dem Kampf der Welt entrückt, von Leiden frei. + + »G'sund bin i, Gott sei Dank!« schloß sie vergnügt, + Und zwinkert' nach den gluthumsäumten Bergen + Voll Liebe hin, »und hon aa' koani Sorg'n.« + »Im Sommer, doch wie sieht's im Winter aus? + Mit Gottes Gnad', an diem, a bissl wiescht, + Ma hofft halt immer, daß bal' Frühling wird. + An Oaschicks bringt ihm scho' so kloanweis furt.« + »Das ist der Trost der Einsamen,« sagt ich, + Wie Ihr es seid, und wohl von jeher war't?« + + Gutmüthig, heit'ren Spotts zuckt sie die Achseln, + Ob meines Irrthums. »Na, von jeher nit, + I hon amal a schön's A'wes'n g'heit, + An braven Mo', fünf Kinder -- ja amal!« + »Fünf Kinder? Hab' und Gut? Und steht allein + Und arm jetzt in der Welt? ... Wie ging das zu?« + »No, schiefri ebba. 's Unglück hat uns hoamg'sucht, + Verbrunnen san mer aa'«, gab sie zur Antwort + Und schien zu denken: Ei, was kümmert's Dich? + Doch mählich eines Bessern sich besinnend, + Hob leise seufzend sie von Neuem an: + »Vor dreizehn Jahren, -- warten's -- na, vor achtzehn, + Ja wirkli, achtzehn -- wie die Zeit vergeht! + Da is bei uns das großi Feuer g'west. + In d' Tenna ei'gschlag'n hat der Blitz von Himmi -- + Und voll mit Troad wie's war, so is verbrunnen, + Und aa der Mo', sex Küh', zwoa Kinder, all's + Verbrunna.« + »Wie? Verbrannt?!« + + »Ja, ja verbrennt. + Mi selba hat der Nachbar no am Zopf + Der damal armsdick war -- wer möcht' dees glaub'n? -- + Herauszerrt aus die licht'rloh'n Flammen. + Die Gloabiger hon si' den Grund biholten, + Und wiar i gang'n, wiar i g'stand'n bin, + So bin i von der Brandg'stätt weiterzog'n.« + »Mit Euren Kindern?« + + »Jo, mit denen drei, + Die übri blieb'n san, zwoa Diendln und + An kloan'n Bueb'n,« entgegnet sie gelassen. + »Und dann? Wie habt Ihr dann Euch fortgeholfen?« + Sie hob den Kopf empor: »No, ehrli halt. + Viel g'arbeit, viel, und aa' a biß'l' bet', + A biß'l nur, denn damaln, wissen's, Frau, + Da war i bös mit unsern lieben Herrgott, + Und bin's aa' blieben no a lange Weil', + Denn oans vo meini Diendln is schlecht g'rath'n + Und leit da drauß'n ~vor~ der Kirchhofmauer, + I mach en Umweg, mueß i dort vorbi.« + »Die Zweite aber? -- die?« + + »Die hat an Bauern, + In Hammerau, an reich'n, is versorgt.« + »Und sorgt für ihre Mutter, will ich hoffen.« + »Für mi? Was denken's denn? Sie hat den Mo', + Hat ihm ins Haus koan rothi Heller bracht + Und wird aa' koanen 'naustrag'n -- dees hoff' i!« + »Und Euer Sohn?« + + »Seidat war'r, Schandarm ... + I sag, er war, jetzunder is er todt, + Erschoss'n von die Pascher an der Grenz'. + In letzten Hirgscht hon i die Nachricht kriegt.« + Sie sprach es langsam, leise, unbewegt, + Sann nach ein Weilchen; wie ein Lichtstrahl flog's + Erhellend freudig über ihr Gesicht. + »Der is mit mir gar oft in d' Erdber' ganga + Wier er a Bua no war und später aa', + Der hat die Berg so guot gekennt, wiar i.« + Sie blickte in die Weite, ganz verklärt + Vom sanften Glück des lieblichsten Erinnerns, + Und wandt' zum Gehen sich mit kurzem Gruß. + Doch plötzlich hielt sie an. Die lichten Augen + Erglänzten wild und stoben Zornesfunken. + An uns vorbeigeschritten kam ein Knabe, + Der in der Hand ein Schüßlein voll mit Beeren, + Armselgen, halbgereiften, trug. -- »Du Lump,« + Rief ihm die Alte zu, »kanst's nit derwart'n + Daß d' Erber' roth wer'n, muaßt di greani rupf'n?« + Mit hoch erhobner Faust bedroht sie ihn, + Und ein gewaltig Fluchwort flog ihm nah, + Als schleunig er und still die Flucht ergriff. + Dann aber ganz erregt vor Schmerz und Grimm + Sprach sie: »Dees is mei' allerirgster Kumma, + Wenn's d' Erber' brock'n u'reif und kloanleizi, + Ma mirkt's ja deutli, 's thuat der Pflanzen weh. + Sie wehrt sie drum, was sie nur ko', die Armi, + Just wier a Muatta um ihr liebis Kind, + Do' wenn die Frucht recht zeiti wor'n is, + Geits 's geduldi her; no jo, sie hat + Das ihre redli' tho', und denkt ihm halt: + Jetz' werst der endli aa dein Frieden gunna.« + Da stockte sie und sah mich fragend an, + Bestürzt beinah ob dieser Worte Sinn, + Der dämmernd nur ihr zum Bewußtsein kam, + »Wo wohnen's?« sprach sie hastig. »In Sankt Zeno.« + »Da kimm i lei' an nächst'n Sunnta hin, + Und Erber' bring' i Ihna, solchi haben's + No niemal koana gsegn. Bfüth' Ihna Gott!« + + + + + Inhalt. + + + I. Aphorismen. + + Seite + + Aerzte werden 47 + + Alberne Leute 74 + + Alle Enttäuschungen 56 + + Alle historischen 80 + + Alle irdische Gewalt 63 + + Alles wird uns 18 + + Als eine Frau 61 + + Alte Diener 23 + + Alt werden heißt 5 + + Am unbarmherzigsten 64 + + Am weitesten in 85 + + Am Ziele 88 + + An das Gute 18 + + An dem Manna 84 + + Andere neidlos 4 + + An die Stützen 70 + + An groß angelegte 38 + + Anmuth ist 5 + + An Rheumatismen 46 + + Anspruchslosigkeit 80 + + Arme Leute 26 + + Auch das kleinste 87 + + Auch der ungewöhnlichste 83 + + Auch die Tugend 12 + + Auch in ein neues 26 + + Auch was wir 22 + + Auf angeborne 47 + + Ausdauer ist 59 + + Aus dem Mitleid 54 + + Aus dem Verlangen 24 + + Ausnahmen sind 34 + + Autoren die 26 + + Begeisterung spricht 82 + + Begreifen 60 + + Bei den Hottentotten 75 + + Beim Genie 71 + + Beim Tode 23 + + Beim Wiedersehen 42 + + Besondere Stände 81 + + Bewunderung 41 + + Bis zu einem 66 + + Da zuletzt 65 + + Das Alter 12 + + Das edle: Ich will 39 + + Das Erfundene 62 + + Das Feuer läutert 66 + + Das Gefühl 67 + + Das Gemüth 59 + + Das giebt sich 40 + + Das Leben 75 + + Das Meiste 71 + + Das Mitleid 11 + + Das Motiv einer 12 + + Das Recht des 41 + + Das scheinbar 74 + + Das Talent 83 + + Das Tüttelchen Wahrheit 37 + + Das unfehlbare 57 + + Das Vernünftige 55 + + Das Verständniß 22 + + Das Vertrauen 12 + + Daß andere Leute 63 + + Daß so viel 78 + + Dem großen Dichter 50 + + Dem Hungrigen 56 + + Dem, der uns 68 + + Demuth ist 43 + + Den Angriffen 69 + + Den Feind 58 + + Denkfaulheit 27 + + Den Menschen 56 + + Den Strich 44 + + Der alte Satz 28 + + Der am unrechten 18 + + Der ans Ziel 57 + + Der Arbeiter 75 + + Der Arme 9 + + Der Augenblick 52 + + Der Charakter 33 + + Der Egoismus 64 + + Der eitle, schwache 26 + + Der Gedanke 24 + + Der Geist einer 22 + + Der Geist ist 15 + + Der Genius 49 + + Der Gescheitere 6 + + Der Gläubige 20 + + Der größte Feind 41 + + Der Hans 83 + + Der Haß 11 + + Der herbste Tadel 23 + + Der Hochmuth 4 + + Der Ignorant 79 + + Der kleinste Fehler 51 + + Der kleinste Hügel 85 + + Der Künstler hat 50 + + Der Künstler versäume 39 + + Der Leichtsinnige 77 + + Der Mann 27 + + Der Maßstab 50 + + Der niemals Ehrfurcht 45 + + Der Pfennig 75 + + Der Philosoph 35 + + Der Platz 73 + + Der Ruhm 80 + + Der Schmerz 27 + + Der Schwächling 34 + + Der sich gar 78 + + Der sich keine 30 + + Der Spott 56 + + Der Staat 44 + + Der Umgang 40 + + Der Verstandesmensch 6 + + Der Verstand macht 66 + + Der Verstand und 36 + + Der Verstand wird 74 + + Der völlig vorurtheilslos 81 + + Der von Schaffensfreude 76 + + Der Weise 42 + + Der Weltmann 62 + + Der Witzling 70 + + Der Wohlwollende 47 + + Der Zufall 4 + + Die Aenderung 63 + + Die allerstillste Liebe 71 + + Die Ambrosia 47 + + Die Aufgabe 72 + + Die bedauernswerthesten 41 + + Die Bescheidenheit 17 + + Die Consequenzen 7 + + Die einfachste 5 + + Die eingebildeten 11 + + Die einzigen 69 + + Die Eitelkeit 27 + + Die Empfindung des 32 + + Die Erfolge 74 + + Die Frau, die 64 + + Die Frau verliert 34 + + Die Gedankenlosigkeit 31 + + Die Gelassenheit 60 + + Die Geschichte hat 70 + + Die Gleichgültigkeit 53 + + Die glücklichen Pessimisten 4 + + Die glücklichen Sklaven 84 + + Die Grausamkeit 64 + + Die größte Gewalt 51 + + Die größte Gleichmacherin 59 + + Die größte Nachsicht 5 + + Die großen Augenblicke 70 + + Die Großen schaffen 35 + + Die Großmuth 87 + + Die Güte 13 + + Die Gutmüthigkeit 8 + + Die Herrschaft 39 + + Die jetzigen 4 + + Die Katzen 75 + + Die Kleinen 63 + + Die kleinsten Sünder 38 + + Die Kraft verleiht 69 + + Die Kritik 68 + + Die Kunst 67 + + Die Langweile 46 + + Die Laster 60 + + Die Leidenschaft 7 + + Die Leute 9 + + Die Liebe hat 15 + + Die Liebe überwindet 59 + + Die Litteratur 73 + + Die meiste Nachsicht 10 + + Die meisten Menschen brauchen 9 + + Die meisten Menschen ertragen 60 + + Die meisten Nachahmer 9 + + Die Menschen, bei 45 + + Die Menschen denen 19 + + Die Menschen der 67 + + Die Menschen die 49 + + Die Natur 51 + + Die öffentliche Meinung 78 + + Die Palme 60 + + Die Reue 74 + + Die Rücksichten 66 + + Die Sitte 63 + + Die Sittlichkeit 25 + + Die still stehende 82 + + Die Summe unserer 82 + + Die Thaten 49 + + Die Theilnahme 16 + + Die Thoren 14 + + Die Treue 84 + + Die unerträglichsten 30 + + Die Unschuld 61 + + Die uns gespendete 48 + + Die verstehen 3 + + Die Vornehmen 81 + + Die wahre Ehrfurcht 58 + + Die Welt gehört 52 + + Die Wortkargen 32 + + Die Wunden 76 + + Dilettanten 53 + + Du kannst so rasch 21 + + Du wüßtest 33 + + Echte Propheten 43 + + Ehen werden 8 + + Ein anregendes Buch 36 + + Ein armer 80 + + Ein böser Mensch 71 + + Ein Dichter 9 + + Eine gescheite Frau 28 + + Ein einziges Wort 50 + + Einen Gedanken 25 + + Einen Menschen 76 + + Einen mit Weisheit 73 + + Einer der seltensten 9 + + Eine ungeschickte 83 + + Eine Vernunftehe 29 + + Ein fauler 39 + + Ein ganzes Buch 47 + + Ein Gedanke kann 30 + + Ein guter Witz 43 + + Ein Hauptzweck 83 + + Ein Held 81 + + Ein litterarischer Dieb 35 + + Ein Mann, der 33 + + Ein Mann mit 36 + + Ein Nichts 45 + + Ein scheinbarer Widerspruch 29 + + Ein Schwachkopf 28 + + Ein stolzer Mensch 41 + + Ein Streit 30 + + Ein Urtheil 3 + + Ein wahrer Freund 35 + + Ein wirklich guter 47 + + Eiserne Ausdauer 6 + + Eitelkeit 61 + + Eltern verzeihen 21 + + Erinnere Dich 63 + + Er ist ein guter 32 + + Erstritten 37 + + Es darf so mancher 53 + + Es findet nicht nur 48 + + Es gäbe keine 46 + + Es gehört immer 31 + + Es giebt eine Menge 31 + + Es giebt eine nähere 82 + + Es giebt eine schöne 19 + + Es giebt Fälle 17 + + Es giebt Frauen 8 + + Es giebt Gelegenheiten 24 + + Es giebt keine 79 + + Es giebt mehr naive 42 + + Es giebt Menschen 67 + + Es giebt Menschen mit 18 + + Es giebt nichts Böses 28 + + Es giebt überall 42 + + Es giebt wenig 76 + + Es glaube doch 76 + + Es hat noch Niemand 4 + + Es ist die Frage 57 + + Es ist ein Unglück 13 + + Es ist schlimm 51 + + Es ist schwer 77 + + Es kommt alles 39 + + Es kommt vor 69 + + Es muß sein 61 + + Es stände besser 20 + + Es steht etwas 86 + + Es würde sehr wenig 18 + + Etwas sollen wir 14 + + Fähigkeit ruhiger 33 + + Fortwährendem Entbehren 24 + + Freundlichkeit 72 + + Frieden kannst Du 69 + + Für das Können 17 + + Für die Anspruchsvollen 38 + + Gebrannte Kinder 8 + + Gedanken, die 61 + + Geduld mit der 5 + + Geistlose Lustigkeit 76 + + Gemeinverständlich 31 + + Genire Dich 73 + + Genug weiß 65 + + Glaube Deinen 85 + + Grobheit 68 + + Gutmüthigkeit 65 + + Hab' einen guten 67 + + Haben und nichts 9 + + Herrschaft behaupten 66 + + Hoffnungslose Liebe 56 + + Hüte Dich 10 + + Im Alter 64 + + Im Grunde 62 + + Im Laufe des Lebens 52 + + Im Laufe des Lebens verliert 33 + + Immer wird 81 + + Im Unglück 70 + + In der großen Welt 60 + + In der Jugend 13 + + In der Jugend meinen 65 + + In einem guten 13 + + In jede hohe 45 + + In jedem 15 + + Jeder Dichter 49 + + Jeder Künstler 69 + + Jeder Mensch 85 + + Jeder Weltmann 48 + + Je kleiner das 54 + + Je kürzer der 56 + + Je mehr Du 6 + + Je ungebildeter 74 + + Je weiter unsere 49 + + Jung sein 31 + + Kein Mensch steht 40 + + Kein Mensch weiß 73 + + Kein Todter ist 84 + + Klarheit ist 77 + + Künstler haben 55 + + Künstler! was Du 6 + + Liebe alle Menschen 46 + + Liebe ist Qual 63 + + Liebhabereien 44 + + Macht ist 16 + + Man bleibt jung 64 + + Manche Leute 34 + + Manche Menschen 78 + + Manche Tugenden 43 + + Man darf anders 67 + + Man darf die Phantasie 40 + + Man fordre nicht 18 + + Man hat einen zu 33 + + Man kann den 84 + + Man kann nicht allen 21 + + Man kann nicht jedes 24 + + Man kann sich 73 + + Man kann viele 16 + + Man muß das 11 + + Man muß schon 60 + + Manuscripte 36 + + Mehr noch als 36 + + Menschen, die nach 25 + + Menschen, die viel 42 + + Merkmal großer 27 + + Mißtraue Deinem 79 + + Mitleid ist 8 + + Muth des Schwachen 34 + + Nächstenliebe 55 + + Natur ist Wahrheit 14 + + Nenne Dich nicht 87 + + Nicht jeder große 48 + + Nicht jene, die streiten 15 + + Nicht leisten können 44 + + Nichts Besseres 80 + + Nichts bist du 84 + + Nichts ist erbärmlicher 26 + + Nichts ist weniger 16 + + Nichts lernen wir so 49 + + Nichts schwerer als 86 + + Nichts wird so oft 7 + + Nicht tödtlich, aber 40 + + Nicht was wir erleben 46 + + Niemand ist so 62 + + Nur der Denkende 78 + + Nur die allergescheitesten 54 + + Nur was für 15 + + Ob das Werkzeug 75 + + Raison annehmen 10 + + Respekt vor dem 38 + + Rücksichtslosigkeiten 57 + + Sag' etwas, das sich 3 + + Sagen was man 42 + + Schüchterne Dummheit 7 + + Schwächliche Grämlichkeit 20 + + Sehr geringe 55 + + Sei Deines Willens 14 + + Sei froh, wenn 77 + + Seit dem bekannten 17 + + Selbst der bescheidenste 11 + + Sich mit Wenigem 17 + + Siege aber 4 + + Sobald eine Mode 50 + + Sogar der edelste 58 + + So mancher meint ein Don Juan 68 + + So mancher meint ein gutes 23 + + So Manches 82 + + So manche Wahrheit 35 + + So reich unser 87 + + So weit Deine 77 + + Soweit die Erde 43 + + Späte Freuden 55 + + Steril ist 76 + + Suche immer 34 + + Theorie und Praxis 59 + + Treue Liebe 28 + + Treue üben 52 + + Tugend und Gelehrsamkeit 62 + + Ueber das Kommen 29 + + Ueberlege ein Mal 50 + + Ueberlege wohl 85 + + Um ein öffentliches 56 + + Um in eine 22 + + Unbefangenheit 79 + + Unbegründeter Tadel 13 + + Und ich habe mich 58 + + Unerreichbare Wünsche 15 + + Unseren schlechten 37 + + Unser Stolz 58 + + Verlegenheit äußert 65 + + Verschmähtes Erbarmen 24 + + Verständniß des 22 + + Vertrauen ist Muth 3 + + Verwöhnte Kinder 32 + + Viele Leute glauben 41 + + Vieles erfahren haben 45 + + Vorurtheil stützt die 68 + + Während des 61 + + Während ein 83 + + Warten lernen wir 7 + + Was Dein Wort 86 + + Was Du bekrittelst 77 + + Was Du wirklich 37 + + Was Du zu 12 + + Was ein Mensch 23 + + Was geschehen ist 79 + + Was liegt am 53 + + Was liegt dem 21 + + Was Menschen und 47 + + Was nennen die 30 + + Was noch zu 51 + + Was uns an 3 + + Was wir unserem 83 + + Was wissen wir 84 + + Weh der Frau 57 + + Welch ein Unterschied 44 + + Welcher Autor 72 + + Wenig Leidenschaft 29 + + Wenn alberne 26 + + Wenn der Kunst 11 + + Wenn die Großmuth 31 + + Wenn die Mißgunst 16 + + Wenn die Nachtigallen 70 + + Wenn die Neugier 14 + + Wenn die Zeit 40 + + Wenn Du durchaus 32 + + Wenn Du einen 17 + + Wenn Du sicher 35 + + Wenn ein edler 21 + + Wenn ein Mensch 10 + + Wenn es einen 7 + + Wenn ich nicht 52 + + Wenn Ihr wüßtet 78 + + Wenn Jeder dem 59 + + Wenn Jemand etwas 10 + + Wenn man das 20 + + Wenn man ein 57 + + Wenn man nicht 39 + + Wenn man nur 10 + + Wenn mein Herz 46 + + Wenn wir an Freuden 48 + + Wenn wir auch 54 + + Wenn wir nur das 79 + + Wenn wir nur noch 58 + + Wenn zwei brave 16 + + Wer an die 8 + + Wer die materiellen 52 + + Wer es versteht 29 + + Wer Geduld sagt 22 + + Wer hat nicht 81 + + Wer in der Gegenwart 27 + + Wer in die 36 + + Wer nichts weiß 21 + + Wer sich mit 42 + + Wer sich seiner eigenen 11 + + Wie theuer Du 87 + + Wie viel Bewegung 43 + + Wie weise muß 5 + + Wir entschuldigen 13 + + Wir hätten wenig 48 + + Wir können es 86 + + Wir können uns 68 + + Wir müssen immer 88 + + Wir sind für nichts 53 + + Wir sind Herr 85 + + Wir sind in 80 + + Wir sind leicht 77 + + Wir sollen immer 12 + + Wir sträuben uns 87 + + Wir unterschätzen 82 + + Wir verlangen 6 + + Wir werden vom 72 + + Wisset, die Euch 72 + + Wo die Eitelkeit 22 + + Wo Geschmacklosigkeit 66 + + Wo giebt es noch 45 + + Wohlerzogene 44 + + Wohl finden wir 88 + + Wohl Jedem, der 38 + + Wo wäre die 25 + + Zu jeder Zeit 30 + + Zu späte Erfüllung 14 + + Zwei sehr 23 + + Zwischen Können 41 + + + II. Parabeln und Märchen. + + Die Mußmenschen 91 + + Ein Vergleich 101 + + Zwei Gräber 102 + + Prometheus 104 + + Eine Begegnung 106 + + Die Fremde 108 + + Das Blatt 111 + + Die Siegerin 112 + + Verlorene Zuversicht 114 + + Am Ziel 115 + + Eine dumme Geschichte 117 + + Der junge Fürst 125 + + Kosmogonie 130 + + Brautwahl 133 + + Werthbestimmung 140 + + Geschieden 141 + + Des Kleinen Lob 142 + + Besessen 143 + + Die Nachbarn 145 + + Der gute Feind 149 + + Ohne Vorschule 150 + + Palemon 152 + + Das Beste 155 + + Ein Glücklicher 159 + + Der Gottesleugner 161 + + Die Vervehmte 162 + + Die Anhänger 163 + + Die Ausgestoßenen 165 + + Der Verwöhnte 168 + + Propheten-Loos 169 + + Ungelöste Aufgaben 172 + + Die Untrennbaren 174 + + Die Brüder 179 + + + III. Gedichte. + + Ein kleines Lied 185 + + _Boule d'or_ 185 + + Sommermorgen 186 + + Der Halbpoet 187 + + Vanitas 188 + + Das Schiff 189 + + Lebenszweck 190 + + Grabschrift 190 + + Sankt Peter und der Blaustrumpf 191 + + Liebeserklärung 193 + + So ist es 196 + + Einschlafen 198 + + Spruchverse 201 + + Gänsezug 204 + + Die Erdbeerfrau 205 + + + Druck von ~G. Bernstein~ in Berlin. + + + + + Anmerkungen des Bearbeiters + + +Die Verwendung der Anführungszeichen wurde stillschweigend +vereinheitlicht. + +G e s p e r r t e r Text im Original ist durch ~Tilden~ markiert +worden. Antiqua gesetzter Text wurde mit _Unterstrichen_ markiert. + +Die folgenden wahrscheinlichen Druckfehler wurden im Text geändert. + + Seite: 30 + »Meuschen« wurde in »Menschen« geändert: + Was nennen die Menschen am liebsten dumm? + + Seite: 134 + »Töchter« wurde in »Töchtern« geändert: + ...unter den Töchtern des höchsten Adels. + + Seite: 207 + »au s?« wurde in »aus?« geändert: + Im Sommer, doch wie sieht's im Winter aus? + + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 *** diff --git a/77889-h/77889-h.htm b/77889-h/77889-h.htm new file mode 100644 index 0000000..079909f --- /dev/null +++ b/77889-h/77889-h.htm @@ -0,0 +1,7900 @@ +<!DOCTYPE html> +<html lang="de"> +<head> + <meta charset="UTF-8"> + <title> + Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach. Erster Band | Project Gutenberg + </title> + <link rel="icon" href="images/cover.jpg" type="image/x-cover"> + <style> + +body { + margin-left: 10%; + margin-right: 10%; +} + +h1,h2,h3,h4 { + text-align: center; + clear: both; +} + +.s3 {font-size: 1.17em;} +.s4 {font-size: 1em;} + +p { + margin-top: 0.5em; + text-align: justify; + margin-bottom: 0.5em; +} + +[lang="fr"] { + font-style: italic; +} + +.p1 {padding-top: 1em;} +.p2 {padding-top: 2em;} + +hr { + margin-top: 2em; + margin-bottom: 2em; + margin-left: 35%; + margin-right: 35%; +} + +hr.chap { + margin-left: 20%; + margin-right: 20%; +} + +@media print { hr.chap {display: none; visibility: hidden;} } + +h1.title { + text-align: center; +} + +h1.title span { + display: block; + text-align: center; +} + +h1.title .von { + font-size: 0.6em; + margin-top: 1em; + text-align: center; +} + +h1.title .author { + font-size: 0.75em; + margin-top: 1em; + text-align: center; +} + +h1.title .band { + font-size: 0.65em; + margin-top: 3em; + text-align: center; +} + +h1.title .divider{ + display: block; + height: 0; + width: 25%; + margin: 1em auto; + border-top: 2px solid black; +} + +div.chapter { + page-break-before: always; +} + +.chapter > h2, +.chapter > h3 { + page-break-after: avoid; + page-break-inside: avoid; + page-break-before: avoid; +} + +a { + text-decoration: none; + font-weight: 600; + color: #1a4fa3; +} + +li { + text-align: left; + padding: 0.4em; +} + +table { + margin-left: auto; + margin-right: auto; +} + +.tdl { + text-align: left; + padding: 0.1em 0.5em; +} + +.tdr { + text-align: right; + padding: 0.1em 0.5em; +} +.tdc { + text-align: center; + font-weight: bold; + padding: 1em; +} + +.index { + padding: 0.1em; +} + +/*Centered Container*/ +.cc{ + display: inline-block; + text-align: left; + margin: 1em auto; +} + +.x-ebookmaker .cc { + display: block; + margin: 1em 0 1em 2em; + text-align: left; +} + +.center {text-align: center;} + +.bold {font-weight: bold;} + +.gesperrt +{ + letter-spacing: 0.2em; + margin-right: -0.2em; +} + +/* Images */ + +img { + max-width: 100%; + height: auto; + page-break-inside: avoid; +} + +.cover { + padding: 1em; + width: 25em; + display: block; + margin: 0 auto; + page-break-inside: avoid; +} + +.author_image { + display: block; + margin: 0 auto; + padding: 1em; + width: 25em; + page-break-inside: avoid; +} + +.engraver { + margin-top: 0.1em; + text-align: right; + font-size: 0.7em; + } + +.logo { + padding: 1em; + width: 5em; + display: block; + margin: 0 auto; + page-break-inside: avoid; +} + +.x-ebookmaker .cover {max-width: 90%;} +.x-ebookmaker .author_image {max-width: 90%;} +.x-ebookmaker .logo {max-width: 20%;} + +/* Poetry */ + +/* +Use .p-indentX only on p-elements (block-level) +Use .indentX only on span inside paragraphs (inline-level) +*/ + +.indent1 { padding-left: 1em; } +.indent2 { padding-left: 2em; } +.indent14 { padding-left: 14em; } + +p.p-indent2 { padding-left: 2em; } +p.p-indent4 { padding-left: 4em; } +p.p-indent6 { padding-left: 6em; } + +.poem { + line-height: 1.4; + font-family: serif; + text-align: left !important; + page-break-before: avoid; + page-break-inside: auto; +} + +/* Transcriber's notes */ +.transnote {background-color: #E6E6FA; + color: black; + padding:0.5em; + margin-bottom:5em; + font-family:sans-serif, serif; + border: solid black 1px; +} + </style> +</head> +<body> +<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***</div> + +<!-- C O V E R P A G E --> +<div class="chapter cover"> + <img src="images/cover.jpg" alt="Book Cover" + width="1750" height="2651"> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- T I T L E P A G E --> +<div class="chapter center"> +<h1 class="title"> + Gesammelte Schriften + <span class="von">von</span> + <span class="author">Marie von Ebner-Eschenbach.</span> + <span class="divider"></span> + <span class="band">Erster Band</span> +</h1> +<p class="center s3">Aphorismen.</p> +<p class="center s3">Parabeln, Märchen und Gedichte.</p> + +<img src="images/logo.jpg" class="p1 logo" height="515" + width="409" alt="Printer's Logo"> + +<p class="center s3 p1 bold">Berlin.</p> +<p class="center s3">Verlag von Gebrüder Paetel.</p> +<p class="center">1893.</p> + +<p class="center p2 s4">Alle Rechte vorbehalten.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- A U T H O R I M A G E --> +<div class="chapter center author_image"> + <img src="images/mvonee.jpg" alt="Marie von Ebner-Eschenbach" + height="1200" width="900"> + <p class="engraver"> + Grav. Meisenbach, Riffarth & Co. + </p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- A P H O R I S M E N --> +<div class="chapter center"> +<!-- page2 --> + <h2>Aphorismen.</h2> + +<div class="cc center"> +<p>Ein Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.</p> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- A P H O R I S M E N : Erstes Hundert --> +<div class="chapter"> +<!-- page3 --><a id="page3"></a> + <h3>Erstes Hundert.</h3> + +<ol> +<li>Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und Du +bist unsterblich.</li> + +<li>Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die +unsichtbare.</li> + +<li>Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären +läßt.</li> + +<li>Ein Urtheil läßt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurtheil.</li> + +<li>Vertrauen ist Muth, und Treue ist Kraft.</li> + +<li>Die jetzigen Menschen sind zum tadeln geboren. Vom ganzen Achilles +sehen sie nur die Ferse.<!-- page4 --><a id="page4"></a></li> + +<li>Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft +sie bewiesen haben, daß es keine Freude giebt.</li> + +<li>Es hat noch Niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas +Außerordentliches leisten wollte.</li> + +<li>Siege, aber triumphire nicht.</li> + +<li>Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Nothwendigkeit.</li> + +<li>Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst +strebt, ist Größe.</li> + +<li>Der Hochmuth ist ein plebejisches Laster.</li> + +<li>Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu +begreifen, daß man nicht begreift. <!-- page5 --><a id="page5"></a></li> + +<li>Die größte Nachsicht mit einem Menschen entspringt aus der +Verzweiflung an ihm.</li> + +<li>Alt werden, heißt sehend werden.</li> + +<li>Anmuth ist ein Ausströmen der inneren Harmonie.</li> + +<li>Wie weise muß man sein, um immer gut zu sein!</li> + +<li>Die einfachste und bekannteste Wahrheit erscheint uns +augenblicklich neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten Male an uns +selbst erleben.</li> + +<li>Der Verstandesmensch verhöhnt nichts so bitter als den Edelmuth, +dessen er sich unfähig fühlt. <!-- page6 --><a id="page6"></a></li> + +<li>Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von Anderen, damit +unsere Fehler sich bequemer breit machen können.</li> + +<li>Der Gescheitere giebt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet +die Weltherrschaft der Dummheit.</li> + +<li>Künstler, was Du nicht schaffen mußt, das darfst Du nicht schaffen +wollen.</li> + +<li>Je mehr Du Dich selbst liebst, je mehr bist Du Dein eigener +Feind.</li> + +<li>Eiserne Ausdauer und klaglose Entsagung sind die zwei äußersten +Pole der menschlichen Kraft. <!-- page7 --><a id="page7"></a></li> + +<li>Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit, +die sich täglich bietet.</li> + +<li>Warten lernen wir gewöhnlich erst, wenn wir nichts mehr zu erwarten +haben.</li> + +<li>Die Leidenschaft ist immer ein Leiden, auch die befriedigte.</li> + +<li>Schüchterne Dummheit und verschämte Armuth sind den Göttern +heilig.</li> + +<li>Wenn es einen Glauben giebt, der Berge versetzen kann, so ist es +der Glaube an die eigene Kraft.</li> + +<li>Die Consequenzen unserer guten Handlungen verfolgen uns +unerbittlich und sind oft schwerer zu tragen als die der bösen. <!-- +page8 --><a id="page8"></a></li> + +<li>Die Gutmüthigkeit gemeiner Menschen gleicht dem Irrlicht. Vertraue +nur seinem gleißenden Schein, es führt Dich gewiß in den Sumpf.</li> + +<li>Es giebt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden, +schwärmerischen und räthselhaften Liebe lieben, wie Nonnen ihr +Kloster.</li> + +<li>Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.</li> + +<li>Mitleid ist Liebe im Négligé.</li> + +<li>Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut gerathen, +darauf wird dort nicht gesehen.</li> + +<li>Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie +geliebt und nie gehaßt. <!-- page9 --><a id="page9"></a></li> + +<li>Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.</li> + +<li>Ein Dichter, der <span class="gesperrt">einen</span> Menschen +kennt, kann hundert schildern.</li> + +<li>Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die +Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohlthat.</li> + +<li>Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.</li> + +<li>Haben und nichts geben, ist in manchen Fällen schlechter als +stehlen.</li> + +<li>Der Arme rechnet dem Reichen die Großmuth niemals als Tugend +an.</li> + +<li>Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche +man am meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet.</li> + +<li>Die meiste Nachsicht übt der, der die wenigste braucht. <!-- page10 +--><a id="page10"></a></li> + +<li>Wenn ein Mensch uns zugleich Mitleid und Ehrfurcht einflößt, dann +ist seine Macht über uns grenzenlos.</li> + +<li>Raison annehmen kann Niemand, der nicht schon welche hat.</li> + +<li>Wenn Jemand etwas kann, das gewöhnliche Menschen nicht können, so +trösten sie sich damit, daß er gewiß von allem, was sie können, nichts +kann.</li> + +<li>Hüte Dich vor der Tugend, die zu besitzen ein Mensch von sich +selber rühmt.</li> + +<li>Wenn man nur die Alten liest, ist man sicher, immer neu zu bleiben. +<!-- page11 --><a id="page11"></a></li> + +<li>Das Mitleid des Schwächlings ist ein Licht, +<span class="gesperrt">das</span> nicht wärmt.</li> + +<li>Wer sich seiner eigenen Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist +ein schlechter Erzieher.</li> + +<li>Die eingebildeten Uebel sind die unheilbarsten.</li> + +<li>Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester +Freund von ihm hält.</li> + +<li>Wenn der Kunst kein Tempel mehr offen steht, dann flüchtet sie in +die Werkstatt.</li> + +<li>Man muß das Gute thun, damit es in der Welt sei.</li> + +<li>Der Haß ist ein fruchtbares, der Neid ein steriles Laster. <!-- +page12 --><a id="page12"></a></li> + +<li>Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem +Reuelosen um unseretwillen.</li> + +<li>Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes, als zur +rechten Zeit eingetretene Reue.</li> + +<li>Das Vertrauen ist etwas so Schönes, daß selbst der ärgste Betrüger +sich eines gewissen Respects nicht erwehren kann vor dem, der es ihm +schenkt.</li> + +<li>Was Du zu müssen glaubst, ist das, was Du willst.</li> + +<li>Auch die Tugend ist eine Kunst, und auch ihre Anhänger theilen sich +in Ausübende und in bloße Liebhaber.</li> + +<li>Das Alter verklärt oder versteinert. <!-- page13 --> +<a id="page13"></a></li> + +<li>Die Güte, die nicht grenzenlos ist, verdient den Namen nicht.</li> + +<li>In der Jugend lernt, im Alter versteht man.</li> + +<li>Es ist ein Unglück, daß ein braves Talent und ein braver Mann so +selten zusammen kommen!</li> + +<li>In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser +hinein zu schreiben meinte.</li> + +<li>Wir entschuldigen nichts so leicht als Thorheiten, die uns zuliebe +begangen wurden.</li> + +<li>Unbegründeter Tadel ist manchmal eine feine Form der Schmeichelei. +<!-- page14 --><a id="page14"></a></li> + +<li>Sei Deines Willens Herr und Deines Gewissens Knecht.</li> + +<li>Natur ist Wahrheit; Kunst ist die höchste Wahrheit.</li> + +<li>Zu späte Erfüllung einer Sehnsucht labt nicht mehr. Die lechzende +Seele zehrt sie auf wie glühendes Eisen einen Wassertropfen.</li> + +<li>Die Thoren wissen gewöhnlich das am besten, was jemals in Erfahrung +zu bringen, der Weise verzweifelt.</li> + +<li>Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man +sie Wissensdrang.</li> + +<li>Etwas sollen wir unseren sogenannten guten Freunden immer +abzulernen suchen — ihre Scharfsichtigkeit für unsere Fehler. <!-- +page15 --><a id="page15"></a></li> + +<li>Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.</li> + +<li>Nur was für die Gegenwart zu gut ist, ist gut genug für die +Zukunft.</li> + +<li>Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die +ausweichen.</li> + +<li>In jedem tüchtigen Menschen steckt ein Poet, und kommt beim +Schreiben zum Vorschein, beim Lesen, beim Sprechen oder beim +Zuhören.</li> + +<li>Unerreichbare Wünsche werden als »fromme« bezeichnet. Man scheint +anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen.</li> + +<li>Der Geist ist ein intermittirender, die Güte ein permanenter Quell. +<!-- page16 --><a id="page16"></a></li> + +<li>Man kann viele Dinge kaufen, die unbezahlbar sind.</li> + +<li>Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer +beide recht.</li> + +<li>Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht +einem zukünftigen Baume viel ähnlicher als die junge Eiche.</li> + +<li>Wenn die Mißgunst aufhören muß, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt +sie an, es zu ignoriren.</li> + +<li>Die Theilnahme der meisten Menschen besteht aus einer Mischung von +Neugier und Wichtigthuerei.</li> + +<li>Macht ist Pflicht — Freiheit ist Verantwortlichkeit. <!-- page17 +--><a id="page17"></a></li> + +<li>Seit dem bekannten Siege der Schildkröte über den Hasen hält sie +sich für eine Schnellläuferin.</li> + +<li>Es giebt Fälle, in denen vernünftig sein, feig sein heißt.</li> + +<li>Sich mit Wenigem begnügen ist schwer, sich mit Vielem begnügen noch +schwerer.</li> + +<li>Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben.</li> + +<li>Für das Können giebt es nur einen Beweis: das Thun.</li> + +<li>Wenn Du einen vielbetretenen Weg lange gehst, so gehst Du ihn +endlich allein. <!-- page18 --><a id="page18"></a></li> + +<li>Es giebt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem +Verstande. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln +sie.</li> + +<li>Man fordre nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so lange man sie in +dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei — zu gefallen.</li> + +<li>An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben.</li> + +<li>Der am unrechten Orte vertraute, wird dafür am unrechten Orte +mißtrauen.</li> + +<li>Es würde sehr wenig Böses auf Erden gethan werden, wenn das Böse +niemals im Namen des Guten gethan werden könnte.</li> + +<li>Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von Denen, welchen wir +geborgt haben. <!-- page19 --><a id="page19"></a></li> + +<li>Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im +Leben.</li> + +<li>Es giebt eine schöne Form der Verstellung: die Selbstüberwindung, — +und eine schöne Form des Egoismus: die Liebe.</li> +</ol> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- A P H O R I S M E N : Zweites Hundert --> +<div class="chapter"> +<!-- page20 --><a id="page20"></a> + <h3> + Zweites Hundert. + </h3> + +<ol> +<li>Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es +immer zu ertragen.</li> + +<li>Schwächliche Grämlichkeit, die alle Fünf gerade sein läßt, ist die +Karikatur der Resignation.</li> + +<li>Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen +Zweifler bekehren.</li> + +<li>Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich giebt, +die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten +angewendet würde. <!-- page21 --><a id="page21"></a></li> + +<li>Man kann nicht allen helfen! sagt der Engherzige und — hilft +Keinem.</li> + +<li>Wer nichts weiß, muß alles glauben.</li> + +<li>Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie +selbst ihnen anerzogen haben.</li> + +<li>Wenn ein edler Mensch sich bemüht ein begangenes Unrecht gut zu +machen, kommt seine Herzensgüte am reinsten und schönsten zu Tage.</li> + +<li>Du kannst so rasch sinken, daß Du zu fliegen meinst.</li> + +<li>Was liegt dem Narren an einem vernünftigen Menschen? Die wichtige +Person für ihn ist der andere Narr, der ihn gelten läßt. <!-- page22 +--><a id="page22"></a></li> + +<li>Verständniß des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind +Eins.</li> + +<li>Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.</li> + +<li>Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer.</li> + +<li>Um in eine Versammlung feiner Leute treten zu dürfen, muß man den +Frack tragen, die Uniform oder — die Livrée.</li> + +<li>Wer Geduld sagt, sagt Muth, Ausdauer, Kraft.</li> + +<li>Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren +unübersetzbaren Worten.</li> + +<li>Das Verständniß reicht oft viel weiter als der Verstand. <!-- +page23 --><a id="page23"></a></li> + +<li>So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache +Nerven.</li> + +<li>Zwei sehr verschiedene Tugenden können einander lange und scharf +befehden; der Augenblick bleibt nicht aus, in dem sie erkennen, daß sie +Schwestern sind.</li> + +<li>Beim Tode eines geliebten Menschen schöpfen wir eine Art Trost aus +dem Glauben, daß der Schmerz über unseren Verlust sich nie vermindern +wird.</li> + +<li>Was ein Mensch glaubt und woran er zweifelt, ist gleich bezeichnend +für die Stärke seines Geistes.</li> + +<li>Der herbste Tadel läßt sich ertragen, wenn man fühlt, daß +Derjenige, der tadelt, lieber loben würde.</li> + +<li>Alte Diener sind kleine Tyrannen, an welche die große Tyrannin +Gewohnheit uns knüpft. <!-- page24 --><a id="page24"></a></li> + +<li>Verschmähtes Erbarmen kann sich in Grausamkeit verwandeln, wie +verschmähte Liebe in Haß.</li> + +<li>Aus dem Verlangen nach dem Ueberflüssigen ist die Kunst +entstanden.</li> + +<li>Es giebt Gelegenheiten, in denen man sonst ganz wahrhaftigen +Menschen keinen Glauben schenken darf. Zum Beispiel, dem Großmüthigen, +wenn er von seinen Ausgaben, und dem Sparsamen, wenn er von seinen +Einnahmen spricht.</li> + +<li>Man kann nicht jedes Unrecht gut, wohl aber jedes Recht schlecht +machen.</li> + +<li>Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso gewiß wie +übermäßigem Genuß.</li> + +<li>Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein +Quell unendlichen Leids — und ein Quell unendlichen Trostes. <!-- +page25 --><a id="page25"></a></li> + +<li>Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht +wäre?</li> + +<li>Menschen, die nach immer größerem Reichthum jagen, ohne sich jemals +Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort +kochen, sich aber nie zu Tische setzen.</li> + +<li>Einen Gedanken verfolgen — wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm +nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von +Neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, dann +läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf — neckend, quälend, +unserer Ohnmacht ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber der Kraft +unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen Ringkampf +ein beseligendes, unwiderstehliches Bündniß auf Leben und Tod, und die +Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt.</li> + +<li>Die Sittlichkeit verfeinert die Sitte, und die Sitte wiederum die +Sittlichkeit. <!-- page26 --><a id="page26"></a></li> + +<li>Nichts ist erbärmlicher als die Resignation, die zu früh kommt.</li> + +<li>Arme Leute schenken gern.</li> + +<li>Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen.</li> + +<li>Der eitle, schwache Mensch sieht in Jedem einen Richter, der +stolze, starke hat keinen Richter als sich selbst.</li> + +<li>Autoren, die bestohlen werden, sollten sich darüber nicht beklagen, +sondern freuen. In einer Gegend, in der kein Waldfrevel vorkommt, hat +der Wald keinen Werth.</li> + +<li>Wenn alberne Leute sich bemühen, ein Geheimniß vor uns zu +verbergen, dann erfahren wir es gewiß, so wenig uns auch danach +gelüstet. <!-- page27 --><a id="page27"></a></li> + +<li>Merkmal großer Menschen ist, daß sie an Andere weit geringere +Anforderungen stellen als an sich selbst.</li> + +<li>Denkfaulheit, Oberflächlichkeit, Starrsinn sind weibliche, +Genußsucht, Rücksichtslosigkeit, Roheit sind männliche, Trotz, +Eitelkeit, Neugier sind kindische Fehler.</li> + +<li>Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein +todeswürdiges Verbrechen.</li> + +<li>Die Eitelkeit weist jede gesunde Nahrung von sich, lebt +ausschließlich von dem Gifte der Schmeichelei und gedeiht dabei in +üppigster Fülle.</li> + +<li>Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche +entfalten sich die Seelen.</li> + +<li>Der Mann ist der Herr des Hauses; im Hause aber soll nur die Frau +herrschen. <!-- page28 --><a id="page28"></a></li> + +<li>Treue Liebe kann zwischen Menschen von sehr verschiedenem, dauernde +Freundschaft nur zwischen Menschen von gleichem Werthe bestehen. Aus +diesem Grunde ist die zweite viel seltener als die erste.</li> + +<li>Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: — alle dummen +Männer.</li> + +<li>Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten. +In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich +Vollenden.</li> + +<li>Ein Schwachkopf, der über andere Menschen urtheilen soll, kann sich +höchstens in ihre Lage, nie aber in ihre Denk- und Empfindungsweise +versetzen.</li> + +<li>Es giebt nichts Böses, freilich auch kaum etwas Gutes, das +nicht schon aus Eitelkeit gethan worden wäre. <!-- page29 --> +<a id="page29"></a></li> + +<li>Wenig Leidenschaft, große Herzenswärme, Verstand, Anmuth, leichte +Umgangsformen, Respekt vor dem Ernst, Verständniß für den Scherz — +Summa summarum: — Liebenswürdigkeit.</li> + +<li>Ein scheinbarer Widerspruch gegen ein Naturgesetz ist nur die +selten vorkommende Bethätigung eines andern Naturgesetzes.</li> + +<li>Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine +Vernunft zusammennehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die +ein Mensch begehen kann.</li> + +<li>Wer es versteht, den Leuten mit Anmuth und Behagen Dinge +auseinander zu setzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am +geschwindesten den Ruf eines gescheiten Menschen.</li> + +<li>Ueber das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als — die +Hoffnung auf ihr Gehen. <!-- page30 --><a id="page30"></a></li> + +<li>Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie +bilden die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts.</li> + +<li>Was nennen die <a href="#30b" id="30a">Menschen</a> am liebsten +dumm? Das Gescheite, das sie nicht verstehen.</li> + +<li>Der sich keine Annehmlichkeit versagen kann, wird sich nie ein +Glück erobern.</li> + +<li>Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.</li> + +<li>Die unerträglichsten Heuchler sind diejenigen, die jedes Vergnügen, +das ihnen geboren wird, von der Pflicht zur Taufe tragen lassen.</li> + +<li>Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar +nichts. Gefährlich sind nur die Streitigkeiten zwischen Menschen, die +einander nicht ganz verstehen. <!-- page31 --><a id="page31"></a></li> + +<li>Es giebt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die +an und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen +der Beschaffenheit einer Seele.</li> + +<li>Wenn die Großmuth vollkommen sein soll, muß sie eine kleine Dosis +Leichtsinn enthalten.</li> + +<li>Es gehört immer etwas guter Wille dazu, selbst das Einfachste zu +begreifen, selbst das Klarste zu verstehen.</li> + +<li>Gemeinverständlich, das heißt: auch den Gemeinen verständlich, und +heißt überdies nicht selten: den Nicht-Gemeinen ungenießbar.</li> + +<li>Jung sein ist schön; alt sein ist bequem.</li> + +<li>Die Gedankenlosigkeit hat mehr ehrliche Namen zu Grunde gerichtet +als die Bosheit. <!-- page32 --><a id="page32"></a></li> + +<li>Wenn Du durchaus nur die Wahl hast zwischen einer Unwahrheit und +einer Grobheit, dann wähle die Grobheit; wenn jedoch die Wahl getroffen +werden muß zwischen einer Unwahrheit und einer Grausamkeit, dann wähle +die Unwahrheit.</li> + +<li>Die Wortkargen imponiren immer. Man glaubt schwer, daß Jemand kein +anderes Geheimniß zu bewahren hat als das seiner Unbedeutendheit.</li> + +<li>Die Empfindung des Einsamseins ist schmerzlich, wenn sie uns im +Gewühl der Welt, unerträglich jedoch, wenn sie uns im Schoße unserer +Familie überfällt.</li> + +<li>Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in +jungen Jahren die Leiden der Tyrannen kennen.</li> + +<li>Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären +sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu +ertheilen haben. <!-- page33 --><a id="page33"></a></li> + +<li>Man hat einen zu guten oder einen zu schlechten Ruf; nur den Ruf +hat man nicht, den man verdient.</li> + +<li>Du wüßtest gern, was Deine Bekannten von Dir sagen? Höre, wie sie +von Leuten sprechen, die mehr werth sind als Du.</li> + +<li>Im Laufe des Lebens verliert alles seine Reize wie seine Schrecken; +nur Eines hören wir nie auf zu fürchten: das Unbekannte.</li> + +<li>Der Charakter des Künstlers ernährt oder verzehrt sein Talent.</li> + +<li>Ein Mann, der sich im Gespräche mit seiner Frau widerlegt fühlt, +fängt sogleich an, sie zu überschreien: Er will und kann beweisen, daß +ihm immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt.</li> + +<li>Fähigkeit ruhiger Erwägung —: Anfang aller Weisheit, Quell aller +Güte! <!-- page34 --><a id="page34"></a></li> + +<li>Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können +auch die Vorboten einer neuen Regel sein.</li> + +<li>Manche Leute wären frei, wenn sie zu dem Bewußtsein ihrer Freiheit +kommen könnten.</li> + +<li>Muth des Schwachen, Milde des Starken — beide anbetungswürdig!</li> + +<li>Suche immer zu nützen, suche nie Dich unentbehrlich zu machen.</li> + +<li>Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne +das Bewußtsein ihres eigenen Werthes; der Mann kommt erst recht zum +Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau.</li> + +<li>Der Schwächling ist bereit, sogar seine Tugenden zu +verleugnen, wenn sie Anstoß erregen sollten. <!-- page35 --> +<a id="page35"></a></li> + +<li>Der Philosoph zieht seine Schlüsse, der Poet muß die seinen +entstehen lassen.</li> + +<li>So manche Wahrheit ging von einem Irrthum aus.</li> + +<li>Ein litterarischer Dieb, der sich das Stehlen recht sauer werden +läßt, kann sein Lebenlang für einen originellen und ehrlichen Mann +gelten.</li> + +<li>Wenn Du sicher wählen willst im Conflict zweier Pflichten, wähle +diejenige, die zu erfüllen Dir schwerer fällt.</li> + +<li>Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend +Feinde zu unserem Unglück.</li> + +<li>Die Großen schaffen das Große, die Guten das Dauernde. <!-- page36 +--><a id="page36"></a></li> + +<li>Ein anregendes Buch — eine Speise, die hungrig macht.</li> + +<li>Der Verstand und das Herz stehen auf sehr gutem Fuße. Eines +vertritt oft die Stelle des andern so vollkommen, daß es schwer ist zu +entscheiden, welches von beiden thätig war.</li> + +<li>Manuscripte vermodern im Schranke oder reifen darin.</li> + +<li>Wer in die Oeffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten +und keine zu fordern.</li> + +<li>Ein Mann mit großen Ideen ist ein unbequemer Nachbar.</li> + +<li>Mehr noch als nach dem Glück unserer Jugend sehnen wir uns im +Alter nach den Wünschen unserer Jugend zurück. <!-- page37 --> +<a id="page37"></a></li> + +<li>Erstritten ist besser als erbettelt.</li> + +<li>Das Tüttelchen Wahrheit, das in mancher Lüge enthalten ist, das +macht sie furchtbar.</li> + +<li>Unseren schlechten Eigenschaften gegenüber giebt es nur ewigen +Kampf oder schimpflichen Frieden.</li> + +<li>Was Du wirklich besitzest, das wurde Dir geschenkt.</li> +</ol> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- A P H O R I S M E N : Drittes Hundert --> +<div class="chapter"> +<!-- page38 --><a id="page38"></a> + <h3> + Drittes Hundert. + </h3> + +<ol> +<li>Wohl Jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er +soll.</li> + +<li>Die kleinsten Sünder thun die größte Buße.</li> + +<li>An groß angelegte Menschen denkt sich's gut, mit fein angelegten +Menschen lebt sich's gut.</li> + +<li>Für die Anspruchsvollen plagt man sich, aber die Anspruchslosen +liebt man.</li> + +<li>Respect vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten +aufgespeicherte Weisheit. <!-- page39 --><a id="page39"></a></li> + +<li>Ein fauler und ein fleißiger Mensch können nicht gut mit einander +leben, der faule verachtet den fleißigen gar zu sehr.</li> + +<li>Wenn man nicht aufhören will, die Menschen zu lieben, muß man nicht +aufhören, ihnen Gutes zu thun.</li> + +<li>Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind, als das feige, +selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!</li> + +<li>Es kommt alles auf die Umgebung an. Die Sonne im lichten +Himmelsraume hat eine viel geringere Meinung von sich als die +Unschlittkerze, die im Keller brennt.</li> + +<li>Der Künstler versäume nie, die Spuren des Schweißes zu verwischen, +den sein Werk gekostet hat. Sichtbare Mühe war zu wenig Mühe.</li> + +<li>Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das +Leben. <!-- page40 --><a id="page40"></a></li> + +<li>Man darf die Phantasie verführen, aber Gewalt darf man ihr nicht +anthun wollen.</li> + +<li>Nicht tödtlich, aber unheilbar, das sind die schlimmsten +Krankheiten.</li> + +<li>Kein Mensch steht so hoch, daß er anderen gegenüber nur gerecht +sein dürfte.</li> + +<li>Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man +kann.</li> + +<li>Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die +Nothwehr uns zwingt, allmälig in seinen Fehler zu verfallen.</li> + +<li>Das giebt sich, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer Kinder. +O nein, es giebt sich nicht, es entwickelt sich! <!-- page41 --> +<a id="page41"></a></li> + +<li>Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.</li> + +<li>Der größte Feind des Rechtes ist das Vorrecht.</li> + +<li>Zwischen Können und Thun liegt ein Meer und auf seinem Grunde die +gescheiterte Willenskraft.</li> + +<li>Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein +hochmüthiger schreibt es sich zu.</li> + +<li>Bewunderung der Tugend ist Talent zur Tugend.</li> + +<li>Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben, +brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.</li> + +<li>Die bedauernswerthesten Menschen sind diejenigen, welche +Pflichtgefühl besitzen, aber nicht die Kraft, ihm zu genügen. <!-- +page42 --><a id="page42"></a></li> + +<li>Beim Wiedersehen nach einer Trennung fragen die Bekannten nach dem, +was mit uns, die Freunde nach dem, was in uns vorgegangen.</li> + +<li>Es giebt überall verschämte Arme, nur nicht in der Litteratur.</li> + +<li>Wer sich mit wenig Ruhm begnügt, verdient nicht vielen.</li> + +<li>Sagen, was man denkt, ist manchmal die größte Thorheit und manchmal +— die größte Kunst.</li> + +<li>Menschen, die viel von sich sprechen, machen — so ausgezeichnet sie +übrigens sein mögen — den Eindruck der Unreife.</li> + +<li>Es giebt mehr naive Männer als naive Frauen.</li> + +<li>Der Weise ist selten klug. <!-- page43 --><a id="page43"></a></li> + +<li>Wie viel Bewegung wird hervorgebracht durch das Streben nach +Ruhe!</li> + +<li>Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer +fanatische Anhänger.</li> + +<li>Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer +glücklichen Ehe.</li> + +<li>Demuth ist Unverwundbarkeit.</li> + +<li>Ein guter Witz muß den Schein des Unabsichtlichen haben. Er giebt +sich nicht dafür, aber siehe da, der Scharfsinn des Hörers entdeckt +ihn, entdeckt den geistreichen Gedanken in der Maske eines schlichten +Wortes. Ein guter Witz reist incognito.</li> + +<li>Manche Tugenden kann man dadurch erwerben, daß man sie lange Zeit +hindurch heuchelt. Andere wird man um so weniger erringen, je mehr man +sucht, sich ihren Sein zu geben. Zu den ersten gehört der Muth, zu den +zweiten die Bescheidenheit. <!-- page44 --><a id="page44"></a></li> + +<li>Wohlerzogene Menschen sprechen in Gesellschaft weder vom Wetter +noch von der Religion.</li> + +<li>Der Staat ist am tiefsten gesunken, dessen Regierung schweigend +zuhören muß, wenn die offenkundige Schufterei ihr Sittlichkeit +predigt.</li> + +<li>Nicht leisten können, was Andere leisten — Du mußt dich bescheiden. +Nicht mehr leisten können, was Du selbst einmal geleistet hast — zum +verzweifeln.</li> + +<li>Liebhabereien bewahren vor Leidenschaften; +<span class="gesperrt">eine</span> Liebhaberei wird zur Leidenschaft. +</li> + +<li>Welch' ein Unterschied liegt darin, wie man's macht und wie sich's +macht!</li> + +<li>Den Strich, den das Genie in Einem Zuge hinwirft, kann das Talent +in glücklichen Stunden aus Punkten zusammensetzen. <!-- page45 --> +<a id="page45"></a></li> + +<li>Ein Nichts vermag das Vertrauen in die eigene Kraft zu erschüttern, +aber nur ein Wunder vermag es wieder zu befestigen.</li> + +<li>Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen.</li> + +<li>In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der +Dankbarkeit.</li> + +<li>Die Menschen, bei denen Verstand und Gemüth sich die Wage halten, +gelangen spät zur Reife.</li> + +<li>Der niemals Ehrfurcht empfunden hat, wird sie auch niemals +erwecken.</li> + +<li>Wo giebt es noch einmal zwei Dinge so entgegengesetzt und doch +so nahe verwandt, so unähnlich und doch so oft kaum von einander +zu unterscheiden, wie Bescheidenheit und Stolz? <!-- page46 --> +<a id="page46"></a></li> + +<li>Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben, +macht unser Schicksal aus.</li> + +<li>Es gäbe keine Geselligkeit, alle Familienbande würden gelockert, +wenn die Gedanken der Menschen auf ihrer Stirn zu lesen wären.</li> + +<li>Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, +sagt die Frau.<br> Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte komme, +sagt der Mann.</li> + +<li>Liebe alle Menschen, der Leidende aber sei Dein Kind.</li> + +<li>Die Langweile, die in manchem Buche herrscht, gereicht ihm zum +Heil; die Kritik, die schon ihren Speer erhoben hatte, schläft ein, +bevor sie ihn geschleudert hat.</li> + +<li>An Rheumatismen und an wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon +befallen wird. <!-- page47 --><a id="page47"></a></li> + +<li>Aerzte werden gehaßt aus Ueberzeugung oder aus Oekonomie.</li> + +<li>Die Ambrosia der früheren Jahrhunderte ist das tägliche Brod der +späteren.</li> + +<li>Ein wirklich guter und liebenswürdiger Mensch kann soviel Freunde +haben, als er will, aber nicht immer diejenigen, die er will.</li> + +<li>Auf angeborene Tugenden ist man nicht stolz.</li> + +<li>Ein ganzes Buch — ein ganzes Leben.</li> + +<li>Was Menschen und Dinge werth sind, kann man erst beurtheilen, wenn +sie alt geworden.</li> + +<li>Der Wohlwollende fürchtet Mißgunst nicht. <!-- page48 --> +<a id="page48"></a></li> + +<li>Wir hätten wenig Mühe, wenn wir niemals unnöthige Mühe hätten.</li> + +<li>Es findet nicht nur jeder Odysseus seinen Homer, sondern auch jeder +Mahomet seine Chadidscha.</li> + +<li>Jeder Weltmann verkehrt lieber mit einem wohlerzogenen Bösewicht, +als mit einem schlechterzogenen Heiligen.</li> + +<li>Wenn wir an Freuden denken, die wir erlebt haben, oder noch zu +erleben hoffen, denken wir sie uns immer ungetrübt.</li> + +<li>Nicht jeder große Mann ist ein großer Mensch.</li> + +<li>Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück +empfinden, empfinden wir als eine Last. <!-- page49 --> +<a id="page49"></a></li> + +<li>Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben, +daß wir Unrecht haben.</li> + +<li>Die Thaten reden, aber den Ungläubigen überzeugen sie doch +nicht.</li> + +<li>Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem +Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es +an.</li> + +<li>Je weiter unsere Erkenntniß Gottes dringt, je weiter weicht Gott +vor uns zurück.</li> + +<li>Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn.</li> + +<li>Die Menschen, die wir am meisten verwöhnen, sind nicht immer die, +die wir am meisten lieben. <!-- page50 --><a id="page50"></a></li> + +<li>Dem großen Dichter muß man ein starkes Selbstgefühl zu gute halten. +Eine gewisse Gottähnlichkeit ist Dem nicht abzusprechen, der aus seinem +Geiste Menschen schafft.</li> + +<li>Ueberlege ein Mal, bevor Du giebst, zwei Mal, bevor Du annimmst, +und tausendmal, bevor Du verlangst.</li> + +<li>Der Maßstab, den wir an die Dinge legen, ist das Maß unseres +eigenen Geistes.</li> + +<li>Der Künstler hat nicht dafür zu sorgen, daß sein Werk Anerkennung +finde, sondern dafür, daß es sie verdiene.</li> + +<li>Ein einziges Wort verräth uns manchmal die Tiefe eines Gemüths, die +Gewalt eines Geistes.</li> + +<li>Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt. +<!-- page51 --><a id="page51"></a></li> + +<li>Die Natur hat leicht verschwenden; auch das scheinbar ganz nutzlos +Verstreute fällt zuletzt doch in ihren Schoß.</li> + +<li>Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zu Liebe ablegt, verleiht +ihm in unseren Augen mehr Werth, als die größten Tugenden, die er sich +ohne unser Zuthun aneignet.</li> + +<li>Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen, viel +schlimmer jedoch ist es, wenn nur Einer von ihnen den Andern +langweilt.</li> + +<li>Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar +versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten versteht, daß sie seine +Liebe erwidere.</li> + +<li>Was noch zu leisten ist, das bedenke; was Du schon geleistet hast, +das vergiß. <!-- page52 --><a id="page52"></a></li> + +<li>Wer die materiellen Genüsse des Lebens seinen idealen Gütern +vorzieht, gleicht dem Besitzer eines Palastes, der sich in den +Gesindestuben einrichtet und die Prachtsäle leer stehen läßt.</li> + +<li>Im Laufe des Lebens nützen unsere Laster sich ab, wie unsere +Tugenden.</li> + +<li>Die Welt gehört Denen, die sie haben wollen, und wird von Jenen +verschmäht, denen sie gehören sollte.</li> + +<li>Wenn ich nicht predigen müßte, würde ich mich nicht kasteien, sagte +ein wahrheitsliebender Priester.</li> + +<li>Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück.</li> + +<li>Der Augenblick tritt niemals ein, in welchem der Dummkopf den +Weisen nicht für fähig hielte, einen Unsinn zu sagen oder eine Thorheit +zu begehen. <!-- page53 --><a id="page53"></a></li> + +<li>Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von +Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer — +guter Ton.</li> + +<li>Was liegt am Ruhm, da man den Nachruhm nicht erleben kann?</li> + +<li>Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit.</li> + +<li>Es darf so mancher Talentlose von dem Werke so manches Talentvollen +sagen: Wenn ich das machen könnte, würde ich es besser machen.</li> + +<li>Dilettanten haben nicht einmal in einer secundären Kunst etwas +Bleibendes geleistet, sich aber verdient gemacht um die höchste aller +Wissenschaften, die Philosophie. Den Beweis dafür liefern: Montaigne, +La Rochefoucauld, Vauvenargues. <!-- page54 --><a id="page54"></a></li> + +<li>Wenn wir auch der Schmeichelei keinen Glauben schenken, der +Schmeichler gewinnt uns doch. Einige Dankbarkeit empfinden wir immer +für den, der sich die Mühe giebt, uns angenehm zu belügen.</li> + +<li>Aus dem Mitleid mit Anderen erwächst die feurige, die muthige +Barmherzigkeit; aus dem Mitleid mit uns selbst die weichliche, feige +Sentimentalität.</li> + +<li>Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für +die Axe der Welt.</li> + +<li>Nur die allergescheitesten Leute benützen ihren Scharfsinn nicht +bloß zur Beurtheilung Anderer, sondern auch ihrer selbst.</li> +</ol> +</div> + +<!-- page55 --><a id="page55"></a> + +<!-- A P H O R I S M E N : Viertes Hundert --> +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> +<div class="chapter"> + <h3> + Viertes Hundert. + </h3> + +<ol> +<li>Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen, +und die ist erbärmlich.</li> + +<li>Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das +Vernünftigste jedoch muß auch das Beste sein.</li> + +<li>Späte Freuden sind die schönsten; sie stehen zwischen +entschwundener Sehnsucht und kommendem Frieden.</li> + +<li>Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren +Werken haben.</li> + +<li>Sehr geringe Unterschiede begründen manchmal sehr große +Verschiedenheiten. <!-- page56 --><a id="page56"></a></li> + +<li>Der Spott endet, wo das Verständniß beginnt.</li> + +<li>Um ein öffentliches Amt glänzend zu verwalten, braucht man eine +gewisse Anzahl guter und — schlechter Eigenschaften.</li> + +<li>Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau +beklagenswerth.</li> + +<li>Alle Enttäuschungen sind gering im Vergleich zu denen, die wir an +uns selbst erleben.</li> + +<li>Je kürzer der Fleiß, je länger der Tag.</li> + +<li>Den Menschen, die große Eigenschaften besitzen, verzeiht man ihre +kleinen Fehler am schwersten.</li> + +<li>Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Uebersättigten. <!-- +page57 --><a id="page57"></a></li> + +<li>Weh der Frau, die nicht im Falle der Noth ihren Mann zu stellen +vermag.</li> + +<li>Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, +ist, sich ihnen nützlich zu machen.</li> + +<li>Rücksichtslosigkeiten, die edle Menschen erfahren haben, verwandeln +sich in Rücksichten, die sie erweisen.</li> + +<li>Wenn man ein Seher ist, braucht man kein Beobachter sein.</li> + +<li>Der ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu +haben.</li> + +<li>Es ist die Frage, was man im Leben sucht, Unterhaltung oder Liebe. +Im ersten Falle darf man es nicht allzu genau mit der moralischen, +im zweiten nicht allzu genau mit der geistigen Beschaffenheit der +Menschen nehmen, mit denen man sich umgiebt. <!-- page58 --> +<a id="page58"></a></li> + +<li>Den Feind unserer Marotte unseren Freund nennen, heißt gescheit +sein.</li> + +<li>Und ich habe mich so gefreut! sagst Du vorwurfsvoll, wenn Dir eine +Hoffnung zerstört wurde. Du hast Dich gefreut — ist das nichts?</li> + +<li>Sogar der edelste Mensch ist unfähig, einer Handlung vollkommen +gerecht zu werden, die er selbst unter keiner Bedingung zu vollziehen +vermöchte.</li> + +<li>Wenn wir nur noch das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir +bei der geistigen Blindheit angelangt.</li> + +<li>Unser Stolz auf den Besitz irgend einer guten Eigenschaft +erleidet einen argen Stoß, wenn wir sehen, wie stolz Andere auf das +Nichtbesitzen derselben guten Eigenschaft sind.</li> + +<li>Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor. <!-- +page59 --><a id="page59"></a></li> + +<li>Die größte Gleichmacherin ist die Höflichkeit, durch sie werden +alle Standesunterschiede aufgehoben.</li> + +<li>Wenn Jeder dem Andern helfen wollte, wäre Allen geholfen.</li> + +<li>Das Gemüth bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt.</li> + +<li>Ausdauer ist eine Tochter der Kraft, Hartnäckigkeit eine Tochter +der Schwäche, nämlich — der Verstandesschwäche.</li> + +<li>Theorie und Praxis sind Eins wie Seele und Leib, und wie Seele und +Leib liegen sie großentheils mit einander in Streit.</li> + +<li>Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine +kleine üble Gewohnheit die Liebe überwindet. <!-- page60 --> +<a id="page60"></a></li> + +<li>In der großen Welt gefällt nichts so sehr wie die Gleichgültigkeit +darüber, ob man ihr gefällt.</li> + +<li>Die Laster sind unter einander näher verwandt als die Tugenden.</li> + +<li>Man muß schon etwas wissen, um verbergen zu können, daß man nichts +weiß.</li> + +<li>Die Palme beugt sich, aber nicht der Pfahl.</li> + +<li>Die meisten Menschen ertragen es leichter, daß man ihnen zuwider +handelt, als daß man ihnen zuwider spricht.</li> + +<li>Die Gelassenheit ist eine anmuthige Form des Selbstbewußtseins.</li> + +<li>Begreifen — geistiges Berühren. Erfassen — geistiges Sichaneignen. +<!-- page61 --><a id="page61"></a></li> + +<li>Die Unschuld des Mannes heißt Ehre; die Ehre der Frau heißt +Unschuld.</li> + +<li>Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken +erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt +allein.</li> + +<li>Es muß sein! — grausamster Zwang. Es hat sein müssen! — bester +Trost.</li> + +<li>Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.</li> + +<li>Während des Beisammenseins mit geliebten Menschen kann man sich in +den Zustand der Trennung von ihnen ebenso wenig hineindenken wie in den +des Todes.</li> + +<li>Eitelkeit ist mächtiger als Scham. <!-- page62 --> +<a id="page62"></a></li> + +<li>Der Weltmann kennt gewöhnlich die Menschen, aber nicht den +Menschen. Beim Dichter ist's umgekehrt.</li> + +<li>Im Grunde ist jedes Unglück gerade nur so schwer, als man es +nimmt.</li> + +<li>Tugend und Gelehrsamkeit haben nichts mit einander gemein, heißt +es. Seht aber zu, wohin es mit Eurem moralischen Fortschreiten kommt, +wenn Ihr von dem geistigen Fortschreiten Eurer Zeit keine Notiz +nehmt.</li> + +<li>Das Erfundene kann vervollkommnet, das Geschaffene nur nachgeahmt +werden.</li> + +<li>Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, als +Derjenige, der die alten nicht zu verarbeiten versteht. <!-- page63 +--><a id="page63"></a></li> + +<li>Die Aenderung, die unser Naturell im Laufe des Lebens erfährt, +sieht manchmal aus wie eine Aenderung unseres Charakters.</li> + +<li>Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.</li> + +<li>Die Sitte ist schon gerichtet zu deren Gunsten wir kein anderes +Argument vorzubringen wissen als das ihrer Allgemeinheit.</li> + +<li>Die Kleinen schaffen, der Große erschafft.</li> + +<li>Daß andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht +natürlich, daß wir selbst keines haben, immer unfaßbar.</li> + +<li>Erinnere Dich der Vergessenen — eine Welt geht Dir auf.</li> + +<li>Alle irdische Gewalt beruht auf Gewaltthätigkeit. <!-- page64 +--><a id="page64"></a></li> + +<li>Die Grausamkeit des Ohnmächtigen äußert sich als +Gleichgültigkeit.</li> + +<li>Am unbarmherzigsten im Urtheil über fremde Kunstleistungen sind die +Frauen mittelmäßiger Künstler.</li> + +<li>Im Alter sind wir der Schmeichelei viel zugänglicher als in der +Jugend.</li> + +<li>Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen. +Die Frau, die ihn nicht beeinflussen will — eine Heilige.</li> + +<li>Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst +unbewußt. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen, bitter und +von seinem Recht zu bestehen überzeugt.</li> + +<li>Man bleibt jung so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten +annehmen und einen Widerspruch ertragen kann. <!-- page65 --> +<a id="page65"></a></li> + +<li>Da zuletzt doch alles auf den Glauben hinaus läuft, müssen wir +jedem Menschen das Recht zugestehen, lieber das zu glauben, was er sich +selbst, als was Andere ihm weiß gemacht.</li> + +<li>Gutmüthigkeit ist eine alltägliche Eigenschaft, Güte die höchste +Tugend.</li> + +<li>In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns +gewähren können, sei Gerechtigkeit. Im Alter erfahren wir, daß es das +Höchste ist.</li> + +<li>Genug weiß Niemand, zu viel so Mancher.</li> + +<li>Verlegenheit äußert sich bei unerzogenen Menschen als Grobheit, +bei nervösen Menschen als Schwatzhaftigkeit, bei alten Jungfern +und Junggesellen als Bissigkeit. Phlegmatische Menschen macht die +Verlegenheit stumm. <!-- page66 --><a id="page66"></a></li> + +<li>Wo Geschmacklosigkeit daheim ist, wird auch immer etwas Rohheit +wohnen.</li> + +<li>Der Verstand macht Märtyrer so gut wie die Phantasie, doch er +verläßt die seinen am Ende; sie bleibt den ihren getreu.</li> + +<li>Bis zu einem gewissen Grade selbstlos sollte man schon aus +Selbstsucht sein.</li> + +<li>Die Rücksichten, die uns in der Welt erwiesen werden, stehen +meistens in näherer Beziehung zu unseren Ansprüchen als zu unseren +Verdiensten.</li> + +<li>Herrschaft behaupten wollen, heißt kämpfen wollen. Nutzen stiften +wollen, heißt freilich auch kämpfen wollen, aber — um den Frieden.</li> + +<li>Das Feuer läutert, verdeckte Gluth frißt an. <!-- page67 --> +<a id="page67"></a></li> + +<li>Hab' einen guten Gedanken, man borgt Dir zwanzig.</li> + +<li>Es giebt Menschen im Zopfstyl: viele hübsche Einzelheiten, das +Ganze abgeschmackt.</li> + +<li>Das Gefühl schuldiger Dankbarkeit ist eine Last, die nur starke +Seelen zu ertragen vermögen.</li> + +<li>Die Menschen der alten Zeit sind auch die der neuen, aber die +Menschen von gestern sind nicht die von heute.</li> + +<li>Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung +der Leidenschaft zu der des Lasters wendet.</li> + +<li>Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht +anders kleiden. <!-- page68 --><a id="page68"></a></li> + +<li>Grobheit — geistige Unbeholfenheit.</li> + +<li>Wir können uns nie genug darüber wundern, wie so wichtig den Andern +ihre eigenen Angelegenheiten sind.</li> + +<li>Die Kritik ist von geringer Qualität, die meint, ein Kunstwerk nur +dann richtig beurtheilen zu können, wenn sie die Verhältnisse kennt, +unter denen es entstanden ist.</li> + +<li>Dem, der uns Gutes thut, sind wir nie so dankbar, wie Dem, der uns +böses thun könnte, es aber unterläßt.</li> + +<li>So Mancher meint ein Don Juan zu sein und ist nur ein Faun.</li> + +<li>Vorurtheil stützt die Throne, Unwissenheit die Altäre. <!-- page69 +--><a id="page69"></a></li> + +<li>Es kommt vor, daß Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der +entsetzliche Fall ein, daß einer Maus zugemuthet wird, einen Berg zu +gebären.</li> + +<li>Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht.</li> + +<li>Jeder Künstler soll es der Vogelmutter nachmachen, die sich um ihre +Brut nicht mehr bekümmert, sobald sie flügge geworden ist.</li> + +<li>Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn giebst.</li> + +<li>Den Angriffen der Gemeinheit gegenüber ist es schwer, nicht in +Selbstüberhebung zu verfallen.</li> + +<li>Die einzigen von der Welt unbestrittenen Ehren, die einer Frau zu +Theil werden können, sind diejenigen, die sie im Reflex der Ehren ihres +Mannes genießt. <!-- page70 --><a id="page70"></a></li> + +<li>Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die +Furcht vor dem Unglück geraubt wurde.</li> + +<li>Die Geschichte hat Helden und Werkzeuge, und macht beide +unsterblich.</li> + +<li>Die großen Augenblicke im guten wie im bösen Sinne sind die, in +denen wir gethan haben, was wir uns nie zugetraut hätten.</li> + +<li>Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an +zu zirpen.</li> + +<li>Der Witzling ist der Bettler im Reich der Geister; er lebt von +Almosen, die das Glück ihm zuwirft — von Einfällen.</li> + +<li>An die Stützen, die wir wanken fühlen, klammern wir uns doppelt +fest. <!-- page71 --><a id="page71"></a></li> + +<li>Das Meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit gethan, in der wir +meinten, zu wenig zu thun.</li> + +<li>Die allerstillste Liebe ist die Liebe zum Guten.</li> + +<li>Beim Genie heißt es: Laß Dich gehen! Beim Talent: Nimm Dich +zusammen!</li> + +<li>Ein böser Mensch vermag leichter einen guten, als ein guter einen +bösen Vorsatz auszuführen.</li> +</ol> +</div> + +<!-- A P H O R I S M E N : Fünftes Hundert --> +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> +<div class="chapter"> +<!-- page72 --><a id="page72"></a> + <h3> + Fünftes Hundert. + </h3> + +<ol> +<li>Wisset, die Euch Haß predigen, erlösen Euch nicht.</li> + +<li>Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das +Material an.</li> + +<li>Die Aufgabe vieler Dichter-Generationen ist keine andere, als das +Werkzeug blank zu erhalten.</li> + +<li>Welcher Autor darf sagen, daß der Gedanke an die Oberflächlichkeit +der meisten Leser ihm stets ein peinlicher, und nicht mitunter auch ein +tröstlicher sei?</li> + +<li>Freundlichkeit kann man kaufen. <!-- page73 --> +<a id="page73"></a></li> + +<li>Der Platz des Unparteiischen ist auf Erden zwischen den Stühlen, im +Himmel aber wird er zur Rechten Gottes sitzen.</li> + +<li>Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zu Tage kommt, wenn +sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.</li> + +<li>Genire Dich vor Dir selbst, das ist der Anfang aller +Vorzüglichkeit.</li> + +<li>Die Litteratur wird heutzutage meist als Kunsthandwerk +betrieben.</li> + +<li>Einen mit Weisheit Gesalbten darf man nie warm werden lassen, sonst +trieft er.</li> + +<li>Man kann sich nicht im Besitz von eigentlich unveräußerlichen +Gütern befinden, ohne etwas von seinem Rechtssinn einzubüßen. <!-- +page74 --><a id="page74"></a></li> + +<li>Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den +Starken zum Heiligen.</li> + +<li>Je ungebildeter ein Mensch, je schneller ist er mit einer Ausrede +fertig.</li> + +<li>Die Erfolge des Tages gehören der verwegenen Mittelmäßigkeit.</li> + +<li>Alberne Leute sagen Dummheiten, gescheite Leute machen sie.</li> + +<li>Das scheinbar am unnöthigsten gebrachte, thörichtste Opfer steht +der absoluten Weisheit immer noch näher als die klügste That der +sogenannten berechtigten Selbstsucht.</li> + +<li>Der Verstand wird meist auf Kosten des Gemüthes ausgebildet. — +O nein, aber es giebt mehr bildungsfähige Köpfe als bildungsfähige +Herzen. <!-- page75 --><a id="page75"></a></li> + +<li>Der Arbeiter soll seine Pflicht thun, der Arbeitgeber soll mehr +thun als seine Pflicht.</li> + +<li>Bei den Hottentotten ist nicht einmal Napoleon berühmt.</li> + +<li>Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.</li> + +<li>Ob das Werkzeug früher versagt oder die Hand, ist ein großer +Unterschied, kommt aber auf eins heraus.</li> + +<li>Das Leben erzieht die großen Menschen und läßt die kleinen +laufen.</li> + +<li>Der Pfennig der Wittwe wird von der Kirche dankbar quittirt. Willst +Du gleichen Lohn empfangen im Tempel der Kunst, dann sei ein Krösus und +bringe Dein Hab' und Gut. <!-- page76 --><a id="page76"></a></li> + +<li>Geistlose Lustigkeit — Fratze der Heiterkeit.</li> + +<li>Es glaube doch nicht Jeder, der im Stande war, seine Meinung von +einem Kunstwerk aufzuschreiben, er habe es kritisirt.</li> + +<li>Einen Menschen kennen, heißt ihn lieben oder ihn bedauern.</li> + +<li>Steril ist der, dem nichts einfällt; langweilig ist, der ein paar +alte Gedanken hat, die ihm alle Tage neu einfallen.</li> + +<li>Es giebt wenig aufrichtige Freunde — die Nachfrage ist auch +gering.</li> + +<li>Der von Schaffens<span class="gesperrt">freude</span> spricht, hat +höchstens Mücken geboren.</li> + +<li>Die Wunden, die unserer Eitelkeit geschlagen werden, sind halb +geheilt, wenn es uns gelingt, sie zu verbergen. <!-- page77 --> +<a id="page77"></a></li> + +<li>Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung — +daß Niemand einstimmt.</li> + +<li>Sei froh, wenn jeder Lober Dir nur +<span class="gesperrt">einen</span> Neider erweckt.</li> + +<li>Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst und in der +Wissenschaft.</li> + +<li>So weit Deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht Deine +Freiheit.</li> + +<li>Was Du bekrittelst, hast Du verloren.</li> + +<li>Der Leichtsinnige kümmert sich nicht einmal um den morgigen Tag, +und Ihr wollt ihn mit der Ewigkeit schrecken?</li> + +<li>Es ist schwer Den, der uns bewundert, für einen Dummkopf zu halten. +<!-- page78 --><a id="page78"></a></li> + +<li>Daß soviel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die +Wohlerzogenheit schuld.</li> + +<li>Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es +vorbei.</li> + +<li>Wenn Ihr wüßtet, daß Ihr solidarisch seid für jedes begangene +Unrecht, das Lästern würde Euch vergehen.</li> + +<li>Der sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist +selten der Besserung fähig.</li> + +<li>Manche Menschen haben ein Herz von Eisen und drin ein Fleckchen so +weich wie Brei.</li> + +<li>Die öffentliche Meinung wird verachtet von den erhabensten +und von den am tiefsten gesunkenen Menschen. <!-- page79 --> +<a id="page79"></a></li> + +<li>Es giebt keine schüchternen Lehrlinge mehr; es giebt nur noch +schüchterne Meister.</li> + +<li>Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht +zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.</li> + +<li>Wenn wir nur das Unrecht hassen und nicht Diejenigen, die es thun, +werden wir unsere Kampfgenossen <span class="gesperrt">und</span> +unsere Feinde lieben.</li> + +<li>Unbefangenheit, Geradheit, Bescheidenheit sind auch göttliche +Tugenden.</li> + +<li>Mißtraue Deinem Urtheil, sobald Du darin den Schatten eines +persönlichen Motivs entdecken kannst.</li> + +<li>Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen. <!-- +page80 --><a id="page80"></a></li> + +<li>Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit +ausbreiten könnte, und richten Schranken gegen sie auf — die +Nationalitäten.</li> + +<li>Nichts Besseres kann der Künstler sich wünschen als grobe Freunde +und höfliche Feinde.</li> + +<li>Alle historischen Rechte veralten.</li> + +<li>Anspruchslosigkeit ist Seligkeit.</li> + +<li>Ein armer wohlthätiger Mensch kann sich manchmal reich fühlen, ein +geiziger Krösus nie.</li> + +<li>Der Ruhm der kleinen Leute heißt Erfolg. <!-- page81 --> +<a id="page81"></a></li> + +<li>Besondere Stände haben sich gebildet, um uns zu vermitteln, was nur +durch die unmittelbarste Einwirkung in uns lebendig werden kann.</li> + +<li>Der völlig vorurtheilslos ist, muß es auch gegen das Vorurtheil +sein.</li> + +<li>Die »Vornehmen« — etymologisch Diejenigen, die vor allen Andern +nehmen, und zugleich die Bezeichnung für Adelige oder Edle.</li> + +<li>Wer hat nicht schon das, was er sich zutraut, für das gehalten, was +er vermag?</li> + +<li>Ein Held — hochheiliger Ernst der Natur; eine Heldin — Spiel der +Natur.</li> + +<li>Immer wird die Gleichgültigkeit und die Menschenverachtung dem +Mitgefühl und der Menschenliebe gegenüber einen Schein von geistiger +Ueberlegenheit annehmen können. <!-- page82 --><a id="page82"></a></li> + +<li>Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir +sind.</li> + +<li>So Manches können wir Anderen zu Liebe thun, unsere Schuldigkeit +thun wir immer nur uns selbst zu Liebe.</li> + +<li>Es giebt eine nähere Verwandtschaft als die zwischen Mutter und +Kind: die zwischen dem Künstler und seinem Werke.</li> + +<li>Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt, +und aus dem, was wir vergessen haben.</li> + +<li>Begeisterung spricht nicht immer für Den, der sie erweckt, und +immer für Den, der sie empfindet.</li> + +<li>Die still stehende Uhr, die täglich zwei Mal die richtige Zeit +angezeigt hat, blickt nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen +zurück. <!-- page83 --><a id="page83"></a></li> + +<li>Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht Niemand nach dem +gestirnten Himmel.</li> + +<li>Was wir unserem besten Freunde nicht anvertrauen würden, rufen wir +ins Publikum.</li> + +<li>Auch der ungewöhnlichste Mensch ist gehalten, seine ganz +gewöhnliche Schuldigkeit zu thun.</li> + +<li>Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demüthigen als ein +wohlbegründeter Tadel.</li> + +<li>Der Hans, der etwas erlernte, was Hänschen nicht gelernt, der weiß +es gut.</li> + +<li>Ein Hauptzweck unserer Selbsterziehung ist: die Eitelkeit in uns zu +ertödten, ohne welche wir nie erzogen worden wären.</li> + +<li>Das Talent zu herrschen, täuscht oft über den Mangel an anderem +Talent. <!-- page84 --><a id="page84"></a></li> + +<li>Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der +Freiheit.</li> + +<li>Was wissen wir nicht alles zur Entschuldigung von Fehlern und +Uebelständen vorzubringen, aus denen wir Nutzen ziehen!</li> + +<li>Nichts bist Du, nichts ohne die Andern. Der verbissenste Misanthrop +braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten.</li> + +<li>Kein Todter ist so gut begraben wie eine erloschene +Leidenschaft.</li> + +<li>Man kann den Leuten aus dem Wege gehen, vor lauter Verachtung oder +— vor lauter Respekt.</li> + +<li>Die Treue ist etwas so Heiliges, daß sie sogar einem unrechtmäßigen +Verhältnisse Weihe verleiht.</li> + +<li>An dem Manna der Anerkennung lassen wir es uns nicht genügen, +uns verlangt nach dem Gifte der Schmeichelei. <!-- page85 --> +<a id="page85"></a></li> + +<li>Ueberlege wohl, bevor Du Dich der Einsamkeit ergiebst, ob Du auch +für Dich selbst ein heilsamer Umgang bist.</li> + +<li>Wir sind Herr über unsere gerechtfertigten Neigungen und werden von +den ungerechtfertigten am Narrenseil geführt.</li> + +<li>Glaube Deinen Schmeichlern — Du bist verloren; glaube Deinen +Feinden — Du verzweifelst.</li> + +<li>Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf — es kommt nur auf die +Entfernung an.</li> + +<li>Am weitesten in der Rücksichtslosigkeit bringen es die Menschen, +die vom Leben nichts verlangen als ihr Behagen.</li> + +<li>Der kleinste Hügel vermag uns die Aussicht auf einen Chimborazo zu +verdecken. <!-- page86 --><a id="page86"></a></li> + +<li>Wir können es im Alter zu nichts Schönerem bringen, als zu einem +milden und anspruchslosen Quietismus.</li> + +<li>Nichts schwerer als Den gelten lassen, der uns nicht gelten +läßt.</li> + +<li>Was Dein Wort zu bedeuten hat, erfährst Du durch den Widerhall, den +es erweckt.</li> + +<li>Es steht etwas über unseren schaffensfreudigen Gedanken, das feiner +und schärfer ist als sie. Es sieht ihrem Entstehen zu, es überwacht, +ordnet und zügelt sie, es mildert ihnen oft die Farben, wenn sie Bilder +weben, und hält sie am knappsten, wenn sie Schlüsse ziehen. Seine +Ausbildung hängt von der unserer edelsten Fähigkeiten ab. Es ist nicht +selbst schöpferisch, aber wo es fehlt, kann nichts Dauerndes entstehen; +es ist eine moralische Kraft, ohne die unsere geistige nur Schemen +hervorbringt; es ist das Talent zum Talent, sein Halt, sein Auge, +sein Richter, es ist — das künstlerische Gewissen. <!-- page87 --> +<a id="page87"></a></li> + +<li>Die Großmuth ist nicht immer am rechten Platz, der Geiz aber ist +immer am unrechten.</li> + +<li>Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen.</li> + +<li>Wir sträuben uns gegen das Leiden, wer aber möchte nicht gelitten +haben?</li> + +<li>Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen +sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.</li> + +<li>So reich unser Leben an wohlausgenützten Gelegenheiten war, +vortrefflichen Menschen nahe zu stehen, so reich ist es überhaupt +gewesen.</li> + +<li>Wie theuer Du eine schöne Illusion auch bezahltest, Du hast doch +einen guten Handel gemacht. <!-- page88 --><a id="page88"></a> </li> + +<li>Wohl finden wir unsere Worte auf den Lippen der Freunde wieder, +aber nicht mehr als unser, sondern als ihr Eigenthum.</li> + +<li>Am Ziele Deiner Wünsche wirst Du jedenfalls Eines vermissen: Dein +Wandern zum Ziel.</li> + +<li>Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.</li> +</ol> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page89 --> + <h2> + Parabeln und Märchen. + </h2> +</div> +<!-- page90 --> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page91 --> + <h3 id="DieMussmenschen"> + Die Mußmenschen. + </h3> + +<p>Ein zum Tode verurtheilter Verbrecher entsprang seiner Haft kurz +vor dem Tage, an welchem er hingerichtet werden sollte, und gelangte +auf der Flucht in ein wildes Bergland, dessen Geklüfte ihm Schutz +vor den verfolgenden Häschern bot. Als der Hunger ihn zwang, seinen +Schlupfwinkel zu verlassen und einen wirthlicheren Aufenthalt zu +suchen, führte ihn sein Weg zu der Hütte eines alten Ziegenhirten, der +dem halb Verschmachteten Gastfreundschaft gewährte. Der Alte wurde +gesprächig, und erzählte unter Anderem von einem merkwürdigen Lande, +in welchem er viele Jahre seines Lebens zugebracht hatte. — In diesem +Lande, sagte er, herrsche der Glaube an die Unfreiheit des menschlichen +Willens. Dort maße sich Keiner das Recht an, seinen Nächsten zur +Verantwortung zu ziehen; Niemand schreibe sich ein Verdienst zu; +Niemand zeihe sich einer Schuld; den Begriff von gut und böse gebe es +nicht; es gebe kein Thun, sondern nur ein Geschehen; die Handlungen +der Menschen werden genau so betrachtet, wie Naturereignisse, als die +nothwendigen Folgen unabsehbarer, von Ewigkeit her wirkender Ursachen. +</p> + +<p><!-- page92 -->»So giebt es in dem Lande weder Gesetz noch Richter?« +fragte der Verbrecher.</p> + +<p>»Weder Gesetz noch Richter,« antwortete der Hirt.</p> + +<p>»Und Mord und Raub, wie werden sie beurtheilt?«</p> + +<p>»Nicht anders, als wie man Sturm und Wetterschlag beurtheilt.«</p> + +<p>Da hatte der Verbrecher eine große Freude und rief: »Das ist ein +Land für mich, in dem hätte ich geboren werden sollen. Dahin will ich +gehen.«</p> + +<p>Sofort erkundigte er sich nach dem Weg, den er einzuschlagen +habe, trat die Wanderung an und erreichte nach vielen Abenteuern und +Fährlichkeiten eines schönen Sommermorgens glücklich sein Ziel.</p> + +<p>Er betrat ein blühendes, sorgfältig bebautes Land. In der Nähe eines +freundlichen Dorfes waren viele Leute mit dem Mähen einer herrlichen +Wiese beschäftigt. Die Männer führten die Sense, die Frauen den Rechen, +Alle arbeiteten eifrig und mit sichtbarem Vergnügen.</p> + +<p>Wie merkwürdig! dachte der Verbrecher, und fragte einen der Mäher: +»Freund, warum plagst Du Dich?«</p> + +<p>»Weil ich muß,« antwortete Jener.</p> + +<p>»So? und wer zwingt Dich?«</p> + +<p>»Wer? Du meinst wohl, <span class="gesperrt">was</span> mich zwingt. +Mich zwingt das angeerbte Bedürfniß des Fleißes, mich zwingt die +Einsicht, daß ich arbeiten muß, da ich leben muß.«</p> + +<p>»Habt Ihr denn hier zu Lande keine reichen Leute, <!-- page93 --> +denen Ihr wegnehmen könntet, was Ihr braucht um zu leben, und noch +etwas darüber?«</p> + +<p>»Da würden wir,« erhielt er zur Antwort, »dem Thoren gleichen, der +seiner goldene Eier legenden Henne den Hals abschnitt. So unvernünftig +müssen nur Halbwilde handeln; wir sind ein uraltes Culturvolk und +müssen das Vernünftige thun.«</p> + +<p>Kaum waren diese Worte gesprochen, als sich plötzlich ein Geschrei +erhob, das durchaus nichts Cultivirtes hatte. Eine kleine hübsche Frau +war mit ihrem Mann in Streit gerathen und drosch mit den Fäusten, so +stark und so schnell sie konnte, auf ihn los. Er wehrte sich nicht.</p> + +<p>»Alle Wetter,« sagte der Verbrecher, »diese Frau hagelt ja.«</p> + +<p>»Zu Zeiten. Die Motive, von denen sie veranlaßt wurde, als +immerwährender Sonnenschein an unserem Ehehimmel zu prangen, wirken +leider noch nicht permanent,« entschuldigte der Geprügelte und machte +ein sehr trauriges Gesicht, als jetzt ein hochgewachsenes Weib auf die +kleine Frau zutrat, ihr trotz ihres Sträubens die Hände auf den Rücken +band und sie wegführte.</p> + +<p>Der Verbrecher allein hatte diesem Vorgang mit Neugier und +Schadenfreude zugesehen; alle Uebrigen schenkten ihm nur geringe und +unlustige Aufmerksamkeit.</p> + +<p>Die Raststunde war gekommen; die Mäher ließen sich ins Gras nieder +und begannen das Mittagessen, das Frauen und Kinder aus dem Dorfe +herbeigebracht hatten, gemeinsam zu verzehren. Der Verbrecher setzte +sich zu <!-- page94 --> dem betrübten Ehemann, der nicht aufhören +konnte, von seiner Gattin zu sprechen.</p> + +<p>»Sie hat ihre Mutter früh verloren,« erzählte er, »und ist vom +Vater aus schwer belastet mit ererbtem moralischen Siechthum. Der +Einfluß unserer Schule, dieses herrlichen Gartens, in welchem junge +Menschenblumen unter der Leitung großer Künstler und Denker zur +Entfaltung des schönsten Müssens herangebildet werden, hat sich als +unzureichend zur Besiegung des Uebels meiner armen kleinen Frau +erwiesen.«</p> + +<p>»Deine männliche Oberherrlichkeit desgleichen,« spottete der +Verbrecher. »O, Du Starker, Du Langmüthiger! wie geduldig hast Du Dich +mißhandeln lassen von einem schwachen Weiblein! Welchen Lohn giebt es +bei Euch für solche Tugend?«</p> + +<p>»Lohn? Tugend?« erwiderte man ihm; »haben die Bewohner Deines Landes +nichts gelernt in der Flucht der Jahrtausende? Klebt man bei Euch noch +an so kindischen Begriffen? Wir sind ein uraltes Culturvolk und wissen +von ihnen längst nichts mehr.«</p> + +<p>Diese Entgegnung ergötzte den Verbrecher, und er sprach nun den +Wunsch aus, zu erfahren, wohin die kleine Frau, die so hübsch hageln +konnte, geführt, und wer Diejenige gewesen, von der sie abgeholt +worden.</p> + +<p>»Eine Krankenwärterin,« antwortete der Mann, »und sie hat meine Frau +ins Spital bringen müssen.«</p> + +<p>»Ist sie denn krank?«</p> + +<p>»Gewiß. Hast Du nicht gesehen, daß sie eine <!-- page95 --> +Krankheit hat, durch die sie gezwungen wird, mich zu schlagen?«</p> + +<p>»Krankheit nennt Ihr das?« rief der Verbrecher; »nun, wenn sie eine +Krankheit hat, die sie zwingt, zu schlagen, habe ich eine Gesundheit, +die mich zwingt, zu essen. So nehm' ich denn ungeladen an Eurem Mahle +Theil.«</p> + +<p>Damit griff er in die Schüsseln, langte nach den Gläsern und aß und +trank für Zehn.</p> + +<p>Die Mußmenschen schienen erstaunt, ließen ihn jedoch gewähren. Als +die Raststunde zu Ende war, gaben sie ihm eine Sense in die Hand und +sagten: »Du hast gegessen, jetzt arbeite!«</p> + +<p>Aber davon wollte er nichts hören. Er behauptete, sich fortwährend +ausruhen zu müssen, bis zu dem Augenblick, in dem eine ihm zusagende +Thätigkeit sich ihm eröffne.</p> + +<p>Die Arbeiter gingen wieder an ihre Beschäftigung, er blieb bei den +Mädchen und Frauen zurück, die das Ordnen des Eßzeuges besorgten, fing +an mit ihnen zu schäkern, machte einem jungen Weibe Liebesanträge und +wollte, als dieselben abgewiesen wurden, sofort Gewalt brauchen.</p> + +<p>Die Frauen riefen nach Hülfe; einige Männer stürzten herbei und +entrissen dem Verbrecher sein Opfer. Da gerieth er in Wuth, zog +sein Messer und konnte erst nach heftigem Kampfe niedergeworfen und +gebändigt werden.</p> + +<p>Je wilder er gerast hatte, desto schonender war man <!-- page96 +--> mit ihm umgegangen. Alle bedauerten ihn: »Glücklich, die eines +heilsamen Müssens sind,« sprachen sie. »Du bist es nicht; Dein Benehmen +ist gemeinschädlich und macht Dich reif für das große Spital.«</p> + +<p>Und wirklich wurde er nicht in das kleine Dorfspital, sondern nach +dem Hauptspital in die Stadt gebracht.</p> + +<p>Dort übernahm ihn ein Krankenwärter und führte ihn eine breite +Treppe empor durch einen langen Gang, auf den viele Thüren mündeten. An +jeder Thür hing ein Rähmchen, und in jedem Rähmchen stak ein Recept. +Hinter den Thüren hörte man jämmerlich klagen und stöhnen.</p> + +<p>Dem Verbrecher wurde unheimlich zu Muthe, und kleinlaut erkundigte +er sich, was denn da geschehe?</p> + +<p>»Es werden Erinnerungszeichen gepflanzt, lies nur die Recepte.«</p> + +<p>Und er las: Dreimal täglich fünf Ruthenstreiche. — Allabendlich +zwölf Stockprügel. — Vierzehn Tage bei Wasser und Brot ... u. s. w.</p> + +<p>»Wie nennt Ihr das?« rief er »Erinnerungszeichen pflanzen? ... Hol' +Euch der Teufel!«</p> + +<p>»Ich kenne die Wurzel nicht, aus der ihm ein zureichender Grund +dazu erwüchse,« versetzte der Wärter. »Die Erinnerungszeichen, die +hier gepflanzt werden, verfehlen ihre Wirkung selten. Sie treiben +so zwingende gesunde Motive, daß diese fast regelmäßig genügen, die +ungesunden, die etwa in dem Reconvalescenten wieder auftauchen möchten, +zu überwinden.«</p> + +<p><!-- page97 -->»Wenn sie aber nicht genügen?«</p> + +<p>»Dann wird die Kur wiederholt, so oft wiederholt, bis der Eintritt +der gesunden Motive das Selbstverständliche wird und die ungesunden, +immer weiter zurückgedrängten, sich endlich gar nicht mehr melden.«</p> + +<p>»Wenn sie sich aber durchaus nicht zurückdrängen lassen?«</p> + +<p>»Dann geht der Kranke den Weg der Unheilbaren.«</p> + +<p>»Was ist das für ein Weg?«</p> + +<p>»Das ist der Weg zum Richtplatz.«</p> + +<p>»Pfui!« sagte der Verbrecher, »pfui! einen Richtplatz habt Ihr +auch?« Er sprach seinen Abscheu gegen dieses letzte Mittel und gegen +die ganze Motiv treibende Behandlung aus; der Wärter jedoch zuckte die +Achseln und versetzte:</p> + +<p>»Was ist zu thun? Wir Menschen sind einmal angewiesen, in +Gesellschaft zu leben, und da wir es sind, müssen wir suchen, dieses +Zusammenleben möglichst gedeihlich zu gestalten. Nun hat die Erfahrung +uns gelehrt, das geschähe am besten, wenn Frieden, gegenseitige +Rücksicht und Hülfbereitschaft unter uns herrschen. So haben wir denn +die ganze Kraft unseres Müssens auf die Erfüllung jener Bedingungen +der allgemeinen Wohlfahrt gestellt. Giebt sich bei Einzelnen ein ihr +widerstrebendes Müssen kund, können wir es nur als ein krankhaftes +ansehen, und müssen suchen, es zu kuriren.«</p> + +<p>»Durch Prügel und Fasten?« rief der Verbrecher.</p> + +<p>Der Wärter bemühte sich, ihn zu beruhigen. »Wir <!-- page98 --> +befinden uns in der Abtheilung der Schwerkranken«, sprach er. »So +scharfe Mittel wie hier werden nur ausnahmsweise angewandt. Bei unserer +weit vorgeschrittenen Cultur genügt meistens eine leichte Behandlung +zum Aufpflanzen eines dauernden Erinnerungszeichens und zur Heilung +eines ungesunden Müssens.«</p> + +<p>»Ach, sprächst Du wahr!« fiel ihm ein Mann ins Wort, der sich +genähert und den letzten Satz seiner Rede mit angehört hatte. »An mir +ist Eure Kunst gescheitert. Ihr habt mich vor einem Jahre als geheilt +von meiner Hochmuthskrankheit entlassen, und heute schon habe ich in +einem Zeitungsartikel mein eigenes philosophisches System auf Kosten +aller bisher aufgestellten gelobt, und jene schmählich heruntergemacht. +Gebt mir mein Geld zurück, oder nehmt mich von Neuem in die Kur.«</p> + +<p>Der Wärter lud ihn ein, ihm ins Ordinationszimmer zu folgen, wohin +er eben einen Fremden, der sehr krank sei, führen müsse. — Da brach der +Verbrecher jedoch in helle Empörung aus. »Geht ohne mich!« schrie er, +»ich habe des Spaßes genug.« Er wandte sich und wollte entfliehen. Der +Wärter lief ihm nach, hielt ihn fest; ein furchtbares Ringen entstand, +und ehe die aus allen Zellen heraneilenden Kranken es hindern konnten, +hatte der Verbrecher den Wärter erdrosselt.</p> + +<p>Das war die letzte seiner Thaten.</p> + +<p>Nachdem die Spittler ihr wärmstes Mitleid mit seinem +hochgefährlichen Zustand geäußert hatten, überwältigten sie ihn und +schleppten ihn vor die Doctoren. <!-- page99 --></p> + +<p>Einen Augenblick war dem Verbrecher seine Frechheit abhanden +gekommen; angesichts der Sanftmuth und Ruhe, mit welcher die Aerzte +sich gegen ihn benahmen, kehrte sie wieder zurück, und er beantwortete +voll Hohn die an ihn gestellten Fragen.</p> + +<p>Die Doctoren erklärten seinen Fall als einen unerhört schweren und +dictirten eine allerdings schreckliche Behandlung. Er ließ sie ausreden +und schlug dann ein tolles Gelächter auf.</p> + +<p>»Ihr habt Euch umsonst bemüht,« spottete er; »ich lasse mir Eure +Behandlung nicht gefallen, weil ich Euren Anordnungen nicht unterstehe, +weil ich ein freier Mensch bin.«</p> + +<p>Die Doctoren sahen einander erstaunt an: »Ein freier Mensch? was +heißt das?« fragten sie.</p> + +<p>»Das heißt, Ihr Automaten, daß Ihr Eure Tractirungen an mir nicht +versuchen dürft, weil ich nichts gemein mit Euch habe, weil ich kein +Mußmensch bin. Was ich gethan habe, habe ich thun wollen und hätte auch +ganz anders handeln können.«</p> + +<p>Bei diesen Worten bemächtigte sich der Versammlung ein maßloses +Entsetzen.</p> + +<p>»Weh über Dich!« riefen die Doctoren; »Du hättest das Ungesunde +und Gemeinschädliche nicht thun müssen, und hast es dennoch gethan? +Ungeheuer! scheußliche Ausnahme des allweisen, allherrschenden +Gesetzes! ... Für Dich haben wir keine Behandlung, Du mußt den Weg der +Unheilbaren gehen.«<!-- page100 --></p> + +<p>Der Verbrecher gerieth außer sich, als dieses Verdict über ihn +gefällt wurde. »Da bin ich schön angekommen«, sprach er. »Vermaledeites +Mußpack! Thut man bei Euch, was man muß, wird man geprügelt; thut man, +was man will, wird man gerichtet.«</p> + +<p>Noch vor dem Blocke schimpfte er fort.</p> + +<p>»Hochmüthige Culturaffen, Ihr seid ebenso dumm, wie bei uns die +Leute sind. Euer Müssen und unser Wollen, Eure Receptschreiber und +unsere Richter, es kommt auf eins heraus.«</p> + +<p>»Ja,« erwiderte der Henker, »es kommt eigentlich auf eins heraus,« +und waltete seines Amtes.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> + <!-- page101 --> + <h3 id="Vergleich"> + Ein Vergleich. + </h3> + +<p>Der Maulwurfshügel sprach zum Vulkan: »Du Weichling! Was tobst Du +und machst die Welt zum Zeugen Deiner inneren Kämpfe? Auch ich habe die +meinen, — wer aber hat mich jemals Feuer speien sehen?«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page102 --> + <h3 id="Graeber"> + Zwei Gräber. + </h3> + +<p>In ein Massengrab, das eben geschlossen werden sollte, wurde ganz +zuletzt noch ein schmales Särglein gesenkt, und Leute, die der Arbeit +zusahen, fragten: »Wer war der, der so wenig Platz beansprucht in der +Mutter Erde?«</p> + +<p>»Ja,« antwortete ein Handlanger, »das war der Zeisi. Taglöhner +seines Zeichens, haben ihn aber nirgends behalten. Ist dann +herumgezogen mit der Guitarre und hat in den Höfen der Häuser gesungen, +um ein Stück Brot, um ein Paar Stiefel, sehr oft umsonst.«</p> + +<p>Wie der Mann so erzählte, trat eine verhüllte Gestalt heran, warf +Blumen auf den schmalen Sarg und blickte lange wehmüthig zu ihm +nieder.</p> + +<p>In ehrfurchtsvoller Scheu wichen die Anderen zurück; ein +überirdisches Wesen erschien sie ihnen; Niemand wagte sie anzureden. +Sie selbst aber sprach: »Hier ward ein Poet begraben.«</p> + +<p>Eine Stunde später kam, von einer unabsehbaren Menge begleitet, ein +prachtvoller Leichenzug auf dem <!-- page103 --> Friedhofe an. Der +kostbare Sarg, ganz bedeckt mit Lorbeerkränzen, barg einen gefeierten +Schriftsteller. Er wurde in die Gruft gesenkt, und der berühmteste +Redner der Stadt weihte dem Dahingeschiedenen einen Nachruf voll +dithyrambischen Schwunges.</p> + +<p>Plötzlich hielt er inne ... Er hatte die Herrliche erblickt, die +noch immer an der Ruhestätte der Armen stand.</p> + +<p>»Gebt Raum,« rief er ins Gedränge. »Die hohe Göttin, deren Gunst +unsern großen Todten beglückte, naht heran, mit uns um ihn zu trauern. +Gebt Raum der hohen Göttin!«</p> + +<p>Die Anwesenden gehorchten, und sofort öffnete sich für die nächste, +die edelste Leidtragende ein Weg zur Gruft.</p> + +<p>Sie betrat ihn nicht — sie schüttelte das Haupt; über ihr +schimmerndes Antlitz flog ein Lächeln himmlischer Verachtung, und sie +sprach: »<span class="gesperrt">Der</span> Todte war mir fremd; Ihr +habt einen Taglöhner begraben.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page104 --> + <h3 id="Prometheus"> + Prometheus. + </h3> + +<p>Als Prometheus nach langer Qual entfesselt vor den Beherrscher der +Welten trat, nahm dieser ihn gnädig auf und hieß ihn fortan mit den +Göttern hausen. Weil aber der Eid, den Zeus einst geschworen: Ewig +solle der Titane an den Kaukasus geschmiedet bleiben, nicht gebrochen +werden durfte, mußte Prometheus einen Fingerreif tragen, in welchem +ein Steinchen aus dem Felsen gefaßt war, an dem er sein Märtyrerthum +erduldet hatte.</p> + +<p>Lächelnd nahm er die leichte Bürde hin, — kein Leiden mehr, nur noch +des Leidens Symbol. Aber schwerer von Tag zu Tag wurde die anfangs +kaum spürbare Last, und drückte endlich so schwer, wie Vulkans eherne +Spangen gethan.</p> + +<p>Prometheus saß im Rathe der Götter, und sie lauschten den Sprüchen +der Weisheit, die von seinen Lippen kamen. Ehrfurcht und Liebe umgaben +ihn: mit den Unsterblichen wohnte er im Reiche der Freiheit, des +Lichtes, der Schönheit. Aber ein Blick auf den Ring an seiner Hand, +und wieder lag er an den Felsen geschmiedet, <!-- page105 -->und über +seinem Haupte rauschte ein grauser Flügelschlag, und er fühlte den +Griff der Geierklauen und das grausame Haken des Geierschnabels in +seinem Fleische.</p> + +<p>Und aufschrie der Titane zum Weltenbeherrscher »Ohnmächtiger Gott, +der nur begnadigen und nicht entsühnen kann! Die Erinnerung an meine +Schmach und Buße spottet Deiner Huld!«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page106 --> + <h3 id="Begegnung"> + Eine Begegnung. + </h3> + +<p>Der Hochmuth ging eines schönen Tages spazieren. Er trug eine Krone +aus Seifenblasen auf dem Kopf, und sie schillerten bunt und prächtig +im Sonnenschein. An seinem purpurfarbigen Gewand hingen zahllose +vergoldete Glaskugeln; die Plattfüße hatte er in Schuhe mit ungeheuren +Hacken gesteckt und schritt auf ihnen so majestätisch einher, wie ein +hölzerner König in der Puppenkomödie. Sein breites Gesicht strahlte +von Selbstzufriedenheit, seine rothen, fingerdicken Lippen waren +verächtlich verzogen; aus halbgeschlossenen Lidern blickte er um sich, +als ob nichts da wäre, der Mühe werth, ihm einen ganzen Blick zu +gönnen.</p> + +<p>Da kam ein Wesen ihm entgegen, bei dessen Erscheinen er stutzte. Ein +Wesen von schlichtem Aussehen; bescheiden sein Gang, seine Haltung, +seine Gebärde; schön sein Angesicht, auf dem ein edler Ernst und +tiefinnerlichster Frieden sich malten.</p> + +<p>»Weiche mir aus!« rief der Hochmuth ihm zu.</p> + +<p>»Gern,« erwiderte der Andere lächelnd, und gab Raum.</p> + +<p><!-- page107 -->Dennoch fühlte der Hochmuth sich verletzt: »Du +lächelst? wie darfst Du es wagen, zu lächeln in meiner Gegenwart?« +schnaubte er und warf sich wüthend auf den Beleidiger.</p> + +<p>Dieser wehrte ihn nicht ab, regte sich nicht einmal, stand nur +ruhig und fest. Der Hochmuth aber stürzte zur Erde, und alle seine +Seifenblasen zerplatzten, und alle seine Glaskugeln lagen in Scherben — +er war an das Verdienst angerannt.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> +<!-- page108 --> +<div class="chapter"> + <h3 id="DieFremde"> + Die Fremde. + </h3> + +<p>Durch die Straßen einer großen Stadt wallte eine majestätische, +dicht verhüllte Gestalt. Sie war zum ersten Male zur Erde gekommen, sah +zum ersten Male eine Ansiedlung der Menschen und irrte planlos auf der +unbekannten Stätte umher. Plötzlich machte sie Halt vor einem Palaste, +über dessen mächtigem Portal eine marmorne Statue sich erhob. Das +Bildwerk stellte eine Frau in griechischer Gewandung vor. Ihre Augen +waren verbunden, in der Rechten hielt sie eine Wage. Eine Inschrift auf +dem Sockel der Statue hatte die Aufmerksamkeit der Fremden erweckt. Sie +sah abwechselnd deren goldene Lettern und das steinerne Gebilde an, und +je länger sie es that, je mehr wuchs ihr Staunen.</p> + +<p>Ein Mann, der athemlos daher gerannt kam, riß sie aus ihren +Betrachtungen. Es war ein Beamter, der sich verspätet hatte, und der +nun die Stufen zum Palaste schleunigst hinaneilen wollte.</p> + +<p>Die Fremde hielt ihn zurück. »Wessen Bildniß ist dieses?« fragte sie +und deutete nach der Statue auf dem Portal.</p> + +<p><!-- page109 -->Den Beamten durchfröstelte es. Die Stimme, mit +welcher die Verhüllte gesprochen, klang unsagbar hart und schauerlich +und war mit keiner Stimme zu vergleichen, die jemals an sein Ohr +getönt hatte. Er vergaß die vorgerückte Stunde; seine Angst vor der +Strenge seines Hofraths war verschwunden. Stehenbleibend starrte +er die Geheimnißvolle an und antwortete: »Es ist das Bildniß der +Gerechtigkeit.«</p> + +<p>Ein Lachen erscholl, das ihm das Blut in den Adern gefrieren machte; +doch fuhr er fort: »Unter ihrem Zeichen wird hier gewaltet.«</p> + +<p>»Von wem? — Wohnen Götter in diesem Hause?«</p> + +<p>Der Beamte dachte an seine Vorgesetzten und an seine Collegen, und +mußte lächeln: »Nur Menschen,« erwiderte er.</p> + +<p>»Wie?« rief die Fremde, »Menschen walten im Namen Einer, die auf +Erden nie war und nie sein wird? Menschen, blinde, irrende, üben das +Amt der Allsehenden und Unfehlbaren?«</p> + +<p>Wieder erklang das gräßliche Lachen. Durch den Schleier der +Verhüllten hindurch drang der Strahl eines Feuerauges, vor dem der arme +Beamte wie vom Blitz getroffen niederstürzte.</p> + +<p>Als er zur Besinnung kam, war die Erscheinung verschwunden, und +ein Wunder war geschehen. Die Statue über dem Portal hatte ihre Form +verändert. Sie stellte nicht mehr die Gerechtigkeit dar; aber was denn? +</p> + +<p><!-- page110 -->—Die Beamten zerbrachen sich vergeblich die Köpfe +darüber. Endlich wurden Gelehrte befragt. Sie hielten eine lange +Berathung und erklärten sodann einstimmig, die Statue sei nichts +anderes als eine symbolische Darstellung der Nothwehr, umgeben mit +einer wunderlichen Mischung von Emblemen der Grausamkeit und der +Barmherzigkeit.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page111 --> + <h3 id="DasBlatt"> + Das Blatt. + </h3> + +<p>Vom Winde getrieben flog ein welkes Blatt neben einem Vogel durch +die Luft.</p> + +<p>»Sieh,« raschelte es triumphirend, »ich kann fliegen wie Du.«</p> + +<p>»Wenn Du fliegen kannst, so mache mir das nach!« antwortete der +Vogel, wandte sich und steuerte mit kräftigem Flügel gegen den Wind.</p> + +<p>Das Blatt aber wirbelte ohnmächtig dahin, bis sein Träger plötzlich +den Athem anhielt und es in ein Bächlein fallen ließ, das klar und +munter durch den Wiesengrund jagte. Nun segelte das Blatt auf den +Wellen und gluckste den Fischen zu: »Seht mich an, ich kann schwimmen, +wie Ihr!«</p> + +<p>Die stummen Fische widersprachen ihm nicht; da blähte es sich auf +und meinte: »Das sind anständige Creaturen, die lassen einen doch +gelten!«</p> + +<p>Weiter glitt es, und merkte nicht, wie es dabei aufquoll und schon +faul war durch und durch.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page112 --> + <h3 id="DieSiegerin"> + Die Siegerin. + </h3> + +<p>Es kam einst zu einem ungeheuern, einem echten Titanenkampf. Alle +Tugenden und alle Laster rangen mit einander auf Leben und Tod. +Furchtbare Wunden klafften, in Strömen floß das Blut. Hinterlist und +Tücke hatten die Gerechtigkeit überwältigt und ihr den Arm gelähmt. +Zerfleischt von den Zähnen und Klauen des Hasses und der Eifersucht +erstarb die Liebe; die Großmuth röchelte unter den würgenden Händen +der Habgier. Vielen Tugenden erging es schlecht an dem Tage, aber auch +viele Laster meinten den Rest bekommen zu haben.</p> + +<p>In der ganzen großen Heerschar blieb nur Eine unversehrt; es war +eine der Tugenden; es war die Güte.</p> + +<p>Mit Steinen beworfen, von den Pfeilen des Undanks durchbohrt, +hundert Mal niedergezwungen, erhob sie sich immer wieder unverwundbar, +unüberwindlich, und trat von Neuem in den wüthenden Kampf.</p> + +<p><!-- page113 -->Es wurde Abend und Nacht; der Streit blieb +unentschieden, die Streiter lagen erschöpft. Die Güte allein wandelte +über die Wahlstatt, munter wie ein sprudelnder Quell, lieblich wie das +Morgenroth, und labte die Leidenden, und in dem Augenblick ließen sogar +ihre Feinde es gelten: Die Stärkste bist Du!</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page114 --> + <h3 id="Zuversicht"> + Verlorene Zuversicht. + </h3> + +<p>Vor Jahren lebte in einer großen Handelsstadt ein Mann, dem alles, +was er unternahm, gelang, den niemals ein Mißgeschick traf, der von +Jugend an bis ins reife Alter nur Freude und Erfolg erlebte und nur +Dankbarkeit und Treue erfuhr. Plötzlich verwandelte sich sein Loos; er +sank ins Elend; er lernte den Undank und die Bosheit kennen, und allem, +was er liebte, drohte Gefahr. Eben so rasch jedoch, als es sich von +ihm gekehrt, kam das Glück ihm zurück, ersetzte ihm zehnfach, was er +verloren hatte, überschüttete ihn und Die, die ihm theuer waren, von +Neuem mit seinen reichsten Gaben.</p> + +<p>»Nun,« fragte Jemand, »bist Du zufrieden? Du hast es wieder, Dein +Glück.«</p> + +<p>»Ach,« antwortete er, »wo ist meine Zuversicht! Ich habe ein Glück +wieder, das mich schon einmal verlassen hat.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page115 --> + <h3 id="Ziel"> + Am Ziel. + </h3> + +<p>Es war einmal ein reicher Mann, der am Wohlthun eine so große Freude +fand, daß er ihretwegen jede andere Freude, ja sogar jedes eigene +Behagen aufgab. Er wohnte in einer Dachstube, nährte und kleidete sich +ärmlich, und galt in Folge dessen bei allen seinen Bekannten für einen +abscheulichen Geizhals. Obwohl er das wußte, brachte er es doch nicht +über sich, irgend Jemandem einen Einblick in seine Vermögensverwaltung +zu gestatten. Sich selbst gab er von derselben genaue Rechenschaft in +einem Buche, das er sorgfältig führte, und das er Denen zu hinterlassen +gedachte, deren Tadel ihn am meisten verdrossen hatte.</p> + +<p>Er wurde alt, und am Ende seiner Tage und seines Reichthums +angelangt, blieb das Buch sein Glück, seine Erquickung. Wenn er +darin las, stiegen beseligende Erinnerungen vor ihm empor; er sah +Verzweifelte wieder hoffen, sah gebrochene Menschen sich aufrichten +an seiner Hand. Und die todten Buchstaben belebten sich, und aus +den stummen Blättern klang es wie leises Jauchzen heraus, wie hold +geflüsterter Segen.</p> + +<p>Die Sterbestunde des Greises kam; zum letzten Male <!-- page116 --> +griff er nach seinem Buch und dachte: ich gehe, aber du bleibst und +wirst von mir erzählen. —</p> + +<p>Da durchblitzte ihn plötzlich die Frage: und was? — daß mir unrecht +geschehen ... den Einen gleichgültig, den Andern ein ewiger Stachel? +Wem zum Nutzen? Keinem. Nur mir zum Nachruhm ...</p> + +<p>Beschämt senkte er sein Haupt. Angesichts der großen Stunde, wie +klein erschien ihm, womit er sich vertröstet hatte, viele Jahre +hindurch! Wie klein, wie eitel!</p> + +<p>Und nun verbrannte er das Buch und freute sich, daß seine +erlahmenden Hände noch die Kraft dazu fanden; und mit den verglimmenden +Blättern zugleich erloschen seine Augen.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page117 --> + <h3 id="dummeGeschichte"> + Eine dumme Geschichte. + </h3> + <h4>I.</h4> + +<p>Vor langer Zeit lebte in einem deutschen Gau ein gewaltiger Ritter. +Er hatte eine herrliche Burg; er hatte kühne und wehrhafte Knechte; +er hatte weite Ländereien, die er alle selbst erobert, und große +Reichthümer, die er alle selbst zusammengeraubt. Er hatte auch eine +schöne und tugendsame Frau. Sie hieß Dina, die Erhabene, hätte aber +eigentlich die Demüthige heißen sollen. Still und fleißig waltete sie +tagsüber am Herd und am Webstuhl, und wenn der Abend einbrach, stieg +sie zum Söller empor und lugte aus nach ihrem reisigen Herrn.</p> + +<p>Sobald sie ihn erblickte, ließ sie ihr goldgesticktes +Taschen-Fähnlein wehen und eilte ihm entgegen in den Burghof. Dann +geleiteten sie und ihr Page den Ritter in sein Gemach, wo er sich auf +das mit einem Bärenfell bedeckte Lager warf, seinem holden Weibe die +Beine entgegenstreckte und sprach: »Stiefel!«</p> + +<p>Und sie nahte in liebevoller Dienstbeflissenheit und zog ihrem +Gemahl die, je nach der Jahreszeit, mit Staub, Koth oder Schnee +bedeckten Stiefel aus.</p> + +<p><!-- page118 -->Müßig (bis auf einiges Zähneknirschen) stand der +Page, ein Jüngling, voll zarter Empfindung daneben und dachte: deß +sollte sie sich doch nicht unterwinden, trotz aller Weibesgüte und +Tugend, deß doch nicht! Und mehrmals, hingerissen von seinen Gefühlen, +wagte er's und erhob seine Stimme zu wohlgesetzter Rede:</p> + +<p>»Ueberlasse mir, o Herrin, hochgemuthe, des Stiefel-Ausziehens +unrühmlich Bemühen.«</p> + +<p>Aber sein Flehen verhallte unbeachtet, und was er darüber empfand, +war ein tiefer Gram. Seine Heiterkeit verschwand; er wandelte dahin, +wie er nie geahnt hatte, daß man wandeln könne — in Gedanken.</p> + +<p>Und sein Sinnen war kein todtes, vielmehr ein mit reichen Keimen +belebtes, die nach Entfaltung rangen, wuchsen und endlich aus ihrem +Schattenreiche hinaus in die wirkliche Welt gelangten, als die gereifte +Frucht eines erfinderischen Geistes, als ein Werk!</p> + +<p>Man hatte ihn gesehen, kleine Klötze zuhauen und in den sogenannten +Pagenthurm hinauftragen, und hatte ihn die Nächte hindurch bis zum +frühen Morgen sägen, hobeln, raspeln gehört. Sein Thun blieb ein +geheimnißvolles; er verweigerte jegliche Auskunft darüber, wurde sehr +mager, und aus seinen Augen leuchtete jene Seligkeit, die durch das +Bewußtsein eines von Erfolg gekrönten Strebens hervorgerufen wird.</p> + +<p>Ein schöner Sommertag ging zur Rüste; schon brach der Abend herein, +als Hörnerklang ertönte; der Herr an der Spitze seiner Mannen kehrte +heim. Er hatte <!-- page119 --> sich erkältet, war ganz heiser und +sprach, vom Pferde springend, zu der ihm Willkomm bietenden Gattin: +»Würzwein!«</p> + +<p>Sie eilte, das Verlangte zu bereiten; er, von dem Pagen allein +gefolgt, ging auf sein Zimmer. Als er sich dem Lager näherte, fiel ihm +ein seltsames Ding auf, das davor stand. Wie eine kleine Bucht zwischen +vorgestreckten Landzungen war es gestaltet und ruhte schräg, aber fest, +auf kurzen Füßen.</p> + +<p>»Wer hat mir das gebracht, was ist das?« fragte er.</p> + +<p>»Ich habe es gebracht und gemacht,« erwiderte der Page, und seine +Wangen erglühten in freudigem Schöpferstolz: »O Herr, es ist ein +Stiefelknecht.«</p> + +<p>Er unterwies den Ritter im Gebrauche des neuen Hausgeräthes, und der +Ritter freute sich sehr darüber und zog zum puren Vergnügen die Stiefel +gleich zwei Mal nach einander aus und an.</p> + +<p>Er war eben im Begriff, die Vortrefflichkeit der Erfindung zum +dritten Male zu erproben, als seine Hausfrau eintrat, den Würzwein in +goldenem Becher auf silberner Platte tragend. Beinahe wäre ihr beides +entsunken.</p> + +<p>»Was thut mein Herr?« fragte sie, und ihre schönen Augen füllten +sich mit Thränen. »Sind meine Dienste meinem Herrn entbehrlich +geworden? Vermag ein Stück Holz mich bei meinem Herrn zu ersetzen?«</p> + +<p>Der Ritter entgegnete: »Nicht alleweil, nur in dem einen Fall.«</p> + +<p><!-- page120 -->Aber dieser Trost tröstete sie keineswegs. »Wer hat +die frevelige Erfindung ausgeheckt, die mich in irgend einem Falle +meinem Herrn entbehrlich macht?« forschte sie mit Bangen.</p> + +<p>»Der treueste Diener Dein, — ich!« stammelte der Page und warf +sich ihr zu Füßen. Er bat um Gnade und Verzeihung und betheuerte die +Lauterkeit seiner Absicht. Habe sie ihren Zweck verfehlt, so trage +daran einzig und allein der Begriff schuld, den er von Frauenwürde +hege.</p> + +<p>Half alles nichts. Die Herrin blieb dabei, er habe sie um die +Ausübung eines ihr werthen Rechtes betrügen wollen, und befahl ihm, +das Werkzeug, welches arglistig dazu hatte dienen sollen, ins Feuer zu +werfen.</p> + +<p>Dieser Befehl war von einem Blick begleitet, der dem armen Jüngling +das Herz zerschnitt und ihm verkündete, daß er die Huld seiner Herrin +unwiederbringlich verloren hatte. Der bittere Schmerz, von dem nur +die grausam Verkannten wissen, ergriff ihn, zugleich aber auch eine +mächtige Liebe für sein Werk. Er trug es empor in seine Thurmkammer, +schrieb dem guten Stiefelknecht eine genaue Gebrauchs-Anweisung auf +den Rücken und verbarg ihn in einer Vertiefung der Mauer, die er +mit Steinen verlegte. Dann weihte er ihn tiefbewegt dem Verständniß +kommender Geschlechter und entfloh beim ersten Morgengrauen.</p> + +<p>Nie wieder hat man von ihm gehört; er ist vergessen und verschollen, +ein Märtyrer seiner Erfindung.</p> + +<h4>II.</h4> + +<p><!-- page121 -->Hundert Jahre später hauste der Ururenkel des +gewaltigen Ritters auf der Burg. Er war ein friedfertiger Herr, der +sich der Gelehrsamkeit befliß, und besaß eine kleine lebhafte Frau +und zwei schöne Kinder. Die spielten dereinst Verstecken im halb +verfallenen Pagenthurm, fanden dort im Schutte den Stiefelknecht und +brachten ihn ihrer Mutter.</p> + +<p>Die kleine Frau wunderte sich über das seltsame Ding, und da sie +vor lauter Neugier lesen gelernt hatte, machte sie sich gleich daran, +die Schriftzüge, mit denen es bedeckt war, zu entziffern. Dabei wurde +ihr Gesicht immer freundlicher; plötzlich lachte sie laut auf, und +ihre Kinder lachten mit; sie hüpfte und tanzte mit dem Stiefelknecht +im Zimmer herum, und die Kinder tanzten und sprangen wie Böcklein und +jubelten über den Jubel ihrer Mutter.</p> + +<p>Der Freudentaumel hatte seinen höchsten Grad erreicht, da kam der +Herr Vater von der Gesundheits-Promenade, die er täglich zu unternehmen +pflegte, nach Hause. Er steckte den Kopf zur Thür herein und sagte:</p> + +<p>»Unziemlich ist es zu jubeln und zu tanzen am Wochentage. Weichet +hinweg zur Schulstube, ihr Kinder, und Du, Thusnelda, Geliebte, zieh' +mir die Stiefel aus.«</p> + +<p>»Schwerlich, schwerlich«, sprach die kleine Frau und machte dazu +einen complicirten mittelalterlichen Knix, <!-- page122 --> »für die +Stiefel meines Herrn hat sich ein Knecht gefunden, die Magd kündigt den +Dienst,« und sie stellte den Stiefelknecht dem Gatten vor die Füße.</p> + +<p>»Thuschen, wonnevolle,« war Alles, was er im ersten Augenblick +hervorbrachte.</p> + +<p>Er mußte sich auf einen Sessel niederlassen, denn ihm +schwindelte.</p> + +<p>Vor seinem ahnungsvollen Geiste stieg ein neues Capitel der damals +noch völlig unbekannten Culturgeschichte auf. Er sah alle Frauen dem +Beispiel der seinen folgen, und alle Männer darauf angewiesen, sich +ihrer Stiefel von einem fühllosen Instrumente entledigen zu lassen +statt von liebender Hand.</p> + +<p>»Mein armer Sproß,« sprach er nach einer langen Pause und legte die +Rechte auf seines siebenjährigen Söhnleins Haupt. »Die gefüge Magd +kündigt den Dienst. Hast Du's gehört und wird Dir schlimm wie mir? +Unfroher Zukunft reift mein Sproß entgegen; verschoben zwischen Mann +und Frau ist das Verhältniß.«</p> + +<p>»Nur ein wenig zurechtgerückt,« versetzte Thusnelda und streichelte +ihres Töchterchens Locken.</p> + +<p>»Mich jammert Deines Irrwahns,« klagte der Gatte; »hinweggetilgt mit +der minniglichen Frauen Demuth wird des Hauses Eintracht sein.«</p> + +<p>»Ja, ja,« erwiderte sie, »die Eintracht zwischen Unterwürfigkeit und +Gewalthaberei wird wohl hinweggetilgt sein.«</p> + +<p>Er sah sie mit großen, runden, bestürzten Augen an.</p> + +<p><!-- page123 -->»Sollen wir hinkünftig auch die Kindlein in die Welt +setzen und ihrer warten?« fragte er.</p> + +<p>Die Frau schlug die Hände zusammen: »Gott steh' mir bei! von den +Lippen meines Hochgelahrten entfleucht Unsinn.«</p> + +<p>Und er wurde böse und sprach: »Wer hat Dir solche Rede zu mir +erlaubet? Meine Zornwuth weckst Du. Törichte Weiber! Preis zu erjagen +gedenket Ihr, und werdet sinken im Preise und sitzen bleiben Alle! Kein +mannlicher Mann wird werben um ein Gespons, das sein nicht magdlich +pflegen will. Unweise und untergeordnet in allen Stücken dem Manne seid +Ihr Weiber. Was an Euch ehren soll er, wenn nicht die Ehre, so Ihr ihm +bietet; was lieben an Euch, wenn nicht die Liebe, so Ihr zu ihm traget? +...«</p> + +<p>Er wollte noch weiter reden, aber Thusnelda unterbrach ihn durch ein +lautes Gelächter. »Schön Dank für dieses Geständniß, o Du mein trauter, +aufrichtiger Geselle!« sagte sie und schlang ihre Arme um seinen +Hals.</p> + +<p>Die Ehegatten umarmten einander, während ihre Kinder sich in der +entgegengesetzten Ecke des Gemaches prügelten, weil das Bübchen gesagt +hatte, es werde nie eine Frau nehmen, die sich weigere, ihm die Stiefel +auszuziehen, und das Schwesterchen ihm dafür eine Ohrfeige versetzt +hatte.</p> + +<p>»Laßt ab vom Kampfe, Ihr Kinder,« befahl der Vater. »Vernunft +angenommen hat die reine Süße, Eure Mutter.«</p> + +<p><!-- page124 -->»O weh!« jammerte sie, ihr hübsches Köpfchen zur +Achsel neigend. »Wie thut das Herz mir weh, daß ich eine Frau nur bin, +und demnach unweise, demnach unfähig, Vernunft anzunehmen. So hat +mein gelahrter Herr gesagt, und seinem Worte darf ich nicht zuwider +handeln.«</p> + +<p>»Nicht zuwider handeln,« murmelte der Gatte und versank in tiefes +Sinnen. »O liebe Frau, die Folgen sind unabsehbar,« sprach er endlich, +seufzte und — bediente sich des Stiefelknechts.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page125 --> + <h3 id="Fuerst"> + Der junge Fürst. + </h3> + +<p>Ein junger Fürst, der Liebling vieler Götter, übernahm, nach +Jahren der Vorbereitung zu dem wichtigen Amte, die Regierung seines +Reiches.</p> + +<p>Von den Göttern geladen, fanden viele herrliche Gäste sich bei der +Krönungsfeier ein, nur eine der Gerufenen blieb aus — die alte, gute +Mutter Erfahrung. Sie behauptete, erst später kommen zu können.</p> + +<p>Nachdem die Festlichkeiten vorüber waren, versprachen die Götter dem +Fürsten noch die Gewährung der drei ersten Wünsche, die er zu ihnen +emporsenden werde, und nahmen Abschied von ihm.</p> + +<p>Er aber, wohl erkennend, worin seine Aufgabe bestand, ging freudig +an ihre Erfüllung. Besser wollte er die Menschen machen und dadurch +glücklicher. Zur Liebe wollte er sie erziehen, zum Mitleid; er wollte +in jedem Einzelnen einen Feuereifer, für fremdes Wohl, eine freudige +Achtung für fremdes Verdienst erwecken. Ein edles Beispiel alles +Vortrefflichen leuchtete er seinem Volke voran und suchte es zu +bewegen, ihm nachzufolgen. — Umsonst! Außer der kleinen Schar, die ihn +von allem Anfang an begleitet hatte, schlug Niemand seine Pfade ein.</p> + +<p><!-- page126 -->Nach einem Jahr nutzlosen Strebens rief er zu den +Göttern:</p> + +<p>»Unüberwindlich böse Mächte vergiften mir mein Volk und lassen es +nicht genesen von Unrecht und Leid. Nehmt die unheilbare Krankheit +hinweg, die an ihm zehrt. Nehmt die unverbesserlichen hinweg, nehmt +Jeden, der keiner einzigen guten Regung fähig, Jeden, dessen Dasein nur +Unheil und Uebel für seinen Nebenmenschen ist.«</p> + +<p>Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er sie bereute, meinend +ein Todesurtheil über viele Hunderte gefällt zu haben. Er lag bis zum +Morgen auf den Knieen und weinte vor den Bildern seiner Götter. Dann +begab er sich auf die Reise und fragte angstvoll in den Städten und +Dörfern umher: »Sind heute Nacht viele Leute gestorben?«</p> + +<p>Und allenthalben hieß es: »Nicht mehr als gewöhnlich,« und er wußte +nicht, was er davon denken sollte.</p> + +<p>Erst bei der Heimkehr in seinen Palast wurde er mit der +Nachricht empfangen, daß einer seiner vertrautesten Räthe plötzlich +dahingeschieden sei.</p> + +<p>Zwei Jahre verflossen; so fern wie je stand der König von seinen +Zielen.</p> + +<p>Und abermals betete er zu den Göttern:</p> + +<p>»Ich seh' es ein, nicht an den ganz Verderbten scheitert der +Fortschritt im Guten, dazu giebt es ihrer zu wenige. Seine wahrhaft +unüberwindlichen Feinde sind die Lauen, die Gleichgültigen, die +Selbstsüchtigen, diese tilgt hinweg, ihr Allmächtigen!«</p> + +<p><!-- page127 -->Am nächsten Morgen begab er sich wieder auf die +Reise und nahm seinen jüngeren Bruder mit, der ihm das Theuerste auf +Erden war.</p> + +<p>Das goldgeschirrte königliche Gespann flog schimmernd durch die +Gefilde des reichsten und schönsten Landes, und auf allen Wegen und +Straßen kamen lange Leichenzüge ihm entgegen und alle Todtenglocken +schallten, und kein Kirchhof, noch so groß, war groß genug, um alle +Särge zu fassen, die ihm zugeführt wurden.</p> + +<p>Wo der König sich zeigte, allerorten rief man ihm entgegen:</p> + +<p>»O Herr, Dein Reich ist entvölkert!«</p> + +<p>»Es ist gereinigt!« dachte er, »das Unkraut ist ausgerottet, nun +sollen goldene Saaten reifen ...«</p> + +<p>»Eines nur noch, das letzte, gewährt mir, Ihr Götter! +Gleichen Sinnes mit mir laßt die Ueberlebenden sein, +<span class="gesperrt">ein</span> Streben beseele sie und mich ... Hab' +ich noch einen Widersacher unter ihnen, giebt es einen, der mir je den +Tod gewünscht hat — er sterbe!«</p> + +<p>Laut sprach's der König, und wie vom Blitze des Himmels getroffen, +stürzte der blühende Jüngling an seiner Seite zusammen. Ein gräßlicher +Schrei ertönte: »Du? — mein Bruder — Du?«</p> + +<p>Der Wagenlenker wandte sich entsetzt — Wahnsinn dräute ihm entgegen +aus dem Antlitz seines Herrn, und wahnsinnig war, was sein Herr beging. +Die Zügel riß er an sich und schleuderte sie über die feurigen, mühsam +<!-- page128 --> nur gebändigten Rosse hin und rief: »Lenkt ihr! lenkt +Euch selbst und mich!«</p> + +<p>»Ins Verderben!« jammerte sein Diener in bleicher Todesangst, und +den König ergriff ein Erbarmen, er hob den Zitternden empor und warf +ihn hinaus aus dem Gefährt, ins hohe Wiesengras.</p> + +<p>Er selbst jedoch, der Willkür der jagenden Rosse überlassen, stürmte +dahin mit fliegenden Locken, den Fuß auf die Leiche des Bruders +gesetzt. Stürmte vorbei an den Wohnungen der Menschen, über rasselnde +Brücken, über Niederungen und Höhen, durch wogende Felder, durch die +schweigende Oede. Endlich sausten die Rosse einen jähen breiten Waldweg +hinab und brachen in der Tiefe nieder, ein wilder, lebendiger Knäuel. +Neben ihnen, besinnungslos, lag der König.</p> + +<p>Als er zum Bewußtsein erwachte, war es Nacht, der Mond schien hell +und leuchtend in den Thalkessel hinein. Im Scheine seines weißen +Lichtes entwirrte der König die Zügel und Stränge, in denen die Pferde +sich verwickelt hatten, half ihnen auf und gab ihnen die Freiheit. +Dann begrub er seinen Bruder unter den hohen Bäumen und wanderte +fort; wanderte bei Nacht, verbarg sich bei Tag und gelangte bis an +die äußerste Grenze seines Landes. In einem Dorfe tauschte er seine +Kleider mit denen eines Hirten und lebte jahrelang unerkannt bald da, +bald dort, pflegte die Kranken, betreute die Greise und die Kinder +und wunderte sich, wenn er bei diesen Kindern Fehler wiederfand, die +er meinte aus der Welt geschafft <!-- page129 --> zu haben. Und er +verwies sie ihnen theils mit Strenge, theils mit Sanftmuth und stand +ihnen liebreich bei im Kampfe menschlicher Schwäche mit menschlichem +Vervollkommnungstrieb.</p> + +<p>Er war ein reifer Mann geworden und ruhte eines Abends nach +angestrengtem Tagewerk vor der Hütte, die er bewohnte, aus. Da näherte +sich ihm ein Weib, steinalt, aber rüstig, mit ernsten, klaren Augen, +und wollte bei ihm bleiben und ihm dienen.</p> + +<p>Und er, statt ihr zu danken, sprach vorwurfsvoll:</p> + +<p>»Erfahrung, verläßlichste, unentbehrlichste Führerin, warum hast Du +Dich fern von mir gehalten in den Tagen meiner Macht? — jetzt kommst Du +zu spät!«</p> + +<p>Seufzend antwortete die alte Mutter:</p> + +<p>»Das ist mein schweres, mein gewohntes Loos.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page130 --> + <h3 id="Kosmogonie"> + Kosmogonie. + </h3> + +<h4>I.</h4> + +<p>Im Urwalde tief verborgen befand sich ein großartiger Ameisenbau. +Das Völkchen, das ihn bewohnte, war fleißig und weise; es hatte sich +im Laufe der Jahrhunderte eine vortreffliche Verfassung und ebensolche +Gesetze gegeben. Die Wissenschaften wurden in Ehren gehalten, die +Künste gepflegt; so blühten sie denn auch und trieben reiche Früchte. +Fortwährend entdeckten die Gelehrten ewige Wahrheiten, und die Künstler +hörten nicht auf, unsterbliche Werke zu schaffen. »Eine Civilisation +wie die unsere,« sagten die Ameisen, »kann nicht mehr untergehen. +Künftige Geschlechter werden das Erbe antreten, es vermehren und in +unaufhaltsamem Fortschritt zu einer Vollendung gelangen, von der sogar +das ameisliche Ahnungsvermögen sich keinen Begriff machen kann.«</p> + +<p>In diesem Hochgefühle schwelgte die Nation, und es begeisterte sie +zu immer neuen und edleren Bestrebungen.</p> + +<p>Da ereignete es sich, daß eines Tages ein Löwe des Weges kam. Er +bemerkte den Ameisenbau nicht und schritt gemächlich mit breiten Tatzen +über ihn hinweg. <!-- page131 --> Dabei wedelte er mit dem Schwanze, +denn ihm war heiß, und wedelte den ganzen Bau sammt seiner Cultur und +den ewigen Wahrheiten und den unsterblichen Kunstwerken so gründlich +fort, daß keine Spur von ihnen übrig blieb.</p> + +<h4>II.</h4> + +<p>»Schau',« sagte ein Kolibri zu seinem Weibchen, das neben ihm auf +einer Lianenblüthe saß, »da hat ein großer Erdentreter eine Menge +kleiner Erdentreter vernichtet.«</p> + +<p>Das Weibchen zwitscherte: »Schade! Diese kleinen Klümpchen sind +so nett hin und her gerollt um ihren großen Klumpen; es schien fast, +als ob sie es wären, die ihn wachsen machten. Ich habe mich manchmal +gefragt,« setzte sie nach einer Pause hinzu und bemühte sich, +geistreich auszusehen, »ob sie sich nicht am Ende doch absichtlich +bewegen und einen Willen und sogar einen Ansatz von Seele haben.«</p> + +<p>»Gerade soviel als die Blätter der Bäume. Die rühren sich auch +zeitweise; sind deshalb sie die Ursache seines Wachsthums?« spöttelte +das Männchen. »Nein, geliebte Einfalt, schreibe ihnen nicht zu, was +das alleinige Erbtheil der ersten unter den geflügelten Lebewesen ist +— der Vögel, und ganz besonders der Kolibri, weil sie die Feinsten, +die Schönsten sind, und weil die Geschwindigkeit ihres Fluges mit der +Geschwindigkeit des Schalles wetteifern kann. Für uns scheint die +Sonne, für uns bringt die Scholle, das Wasser, die Luft Nahrung <!-- +page132 --> in tausendfältiger Gestalt hervor. Wir sind der Mittelpunkt +alles Seienden, vollendete Vögel, angefangene Engel; denn als solche +schweben die seligen Geister unserer Vorfahren um das Nest des höchsten +Engels, nach dessen Vorbild wir geschaffen sind, der Himmel und Erde +und das Schicksal jedes einzelnen Kolibris in seinen mächtigen Fängen +hält.«</p> + +<p>Das Weibchen verstand ihn zwar nicht, bewunderte ihn aber doch sehr, +beeilte sich auch, ihm Recht zu geben, denn sie befanden sich noch in +den Flitterwochen.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page133 --> + <h3 id="Brautwahl"> + Brautwahl. + </h3> + +<h4>I.</h4> + +<p>Es war einmal ein Märchenprinz, der edelste, schönste, +liebenswertheste von allen, die es je gegeben hat. Als er +sechsundzwanzig Jahre alt geworden, ließ die Königin, seine Mutter, ihn +rufen und sprach zu ihm:</p> + +<p>»Die Zeit ist gekommen, in welcher Du eine Lebensgefährtin wählen +und einen Hausstand gründen sollst. Bekanntermaßen findet man die +besten Frauen, die es heutzutage giebt, auf dem Planeten Erde. Dort +lebt auch die holde, Dir bestimmte Braut, ein Wesen, lieber Sohn, Dir +gleich an Seelenadel.«</p> + +<p>Der Prinz erröthete aus Bescheidenheit, und die Königin fuhr +fort:</p> + +<p>»Aber nicht ohne Weiteres kann ein so köstliches Gut Dir zu Theil +werden, Du mußt es Dir verdienen.«</p> + +<p>»Wodurch, o Mutter?«</p> + +<p>»Durch rastloses Suchen, o Sohn.«</p> + +<p>»In welcher Gegend der Erde?«</p> + +<p>»In Europa.«</p> + +<p>»Auf dem Lande; in den Städten?«</p> + +<p><!-- page134 -->»In einer Hauptstadt, unter den +<a href="#134b" id="134a">Töchtern</a> des höchsten Adels. Du weißt +genug; nun gehe, mein Sohn.«</p> + +<p>Aber dieser rief: »Und das Erkennungszeichen? ... Nur das noch sage +mir, woran erkenn' ich sie?«</p> + +<p>Die Königin stieg von ihrem Throne nieder und flüsterte ihrem Sohne +einige Worte ins Ohr.</p> + +<h4>II.</h4> + +<p>In den vornehmsten Gesellschaftskreisen einer großen Stadt war +plötzlich ein junger Mann aufgetaucht, der allenthalben Liebe und +Bewunderung erweckte. Alle historischen Namen wurden von dem seinen, +der dem Mythus angehörte, verdunkelt. Sein Stammbaum war so lang, +daß er nicht einmal in der längsten Straße der Stadt ganz aufgerollt +werden konnte; sein Reichthum schien unermeßlich, seine Großmuth war +es. Hochgeboren, edel und reich, was brauchte er außerdem noch zu sein, +um die Herzen der Töchter und die Zustimmung der Eltern im Sturme +zu erobern? So ritterlich und bescheiden wie er hatte noch nie ein +Mann den jungen Damen den Hof gemacht. Was sie aber am meisten an ihm +entzückte, das war seine Heiterkeit und sein Witz. Daß er den letzteren +stets auf Kosten des lieben Nächsten übte, daß der himmlische Prinz +ein Spötter war, hatten sie bald entdeckt und bemühten sich aus vollen +Kräften, diesen fadendünnen Spalt an dem Panzer seiner Vollkommenheit +zu erweitern.</p> + +<p>Dies geschah aus weiblichem Instinkt.</p> + +<p><!-- page135 -->Jedes Edelfräulein, mit dem er gelacht und +gescherzt, war überzeugt, seiner Schwäche am geschicktesten +geschmeichelt und damit sein Herz gewonnen zu haben. Doch keine dieser +Hoffnungen erfüllte sich, und eines schönen Tages war der Prinz ebenso +plötzlich wie er gekommen — verschwunden.</p> + +<h4>III.</h4> + +<p>Dasselbe wiederholte sich in vielen anderen Städten. Der +Prinz begann seine Freudigkeit einzubüßen; sein Witz wurde immer +schonungsloser; er spottete nicht mehr, er lästerte. Sein Erdenwallen, +das fühlte er wohl, machte ihn nicht besser, und am meisten kränkte +ihn, daß er nur in seinen eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter, +die Mütter, die Töchter trieben nach wie vor Abgötterei mit ihm und +verehrten jedes seiner Worte.</p> + +<p>»Ewiges Einerlei!« sagte er oft laut vor seinem ganzen Gefolge. +»Ich werde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als alter +Junggeselle.«</p> + +<p>Und wirklich begann er zu versauern als ein solcher.</p> + +<p>Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Ekel. »Laß satteln! Unsere Wolken +vor! Die schwärzeste für mich!« befahl er seinem Oberstallmeister. »Wir +reiten!«</p> + +<p>»Heute, Eure Hoheit?« versetzte der Würdenträger. »Ist heute nicht +Hofball, den Eure Hoheit besuchen müssen?«</p> + +<p>Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aber er tanzte nicht, +schwatzte nicht, lachte nicht. Er stand <!-- page136 --> in einer +Ecke, sah den schönen, jungen Damen, die im Tact an ihm vorüber +schwebten, traurig nach und seufzte: »Keine, keine Einzige!«</p> + +<h4>IV.</h4> + +<p>Die Melancholie des Prinzen war aufs Höchste gestiegen, als er +plötzlich am anderen Ende des Saales ein liebliches Mädchen erblickte, +das ruhig dasaß und, wie er, dem Tanze zusah. Sie jedoch that es mit +heller Zufriedenheit und schien seelenvergnügt.</p> + +<p>»O Seele!« dachte der Prinz, »wie schön mußt Du sein, um Dich so +zu vergnügen am Vergnügen der Andern!« Sanft, aber unwiderstehlich +angezogen, trat er vor das liebliche Mädchen hin, verbeugte sich und +fragte: »Sie tanzen nicht, mein Fräulein?«</p> + +<p>Sie stand auf, erwiderte seine Höflichkeit und, nachdem sie sich +wieder gesetzt hatte, auch seine Frage: »Nein, mein Herr.«</p> + +<p>»Und warum nicht!«</p> + +<p>»Weil ich keinen Tänzer bekommen habe«, antwortete sie voll heiterer +Gleichgültigkeit; und wie sie den Prinzen dabei mit ihren unschuldigen +Augen anblickte, wurde ihm wohler, als ihm noch je auf Erden geworden +war.</p> + +<p>»Keinen Tänzer heute?«</p> + +<p>»Heute nicht und nie,« und sie lachte so hell, daß er meinte, die +goldenen Zauberglöcklein auf dem Thurme <!-- page137 --> seines +heimathlichen Schlosses den Morgen begrüßen zu hören.</p> + +<p>Er sah nieder zu ihren wunderschönen Füßchen, betrachtete sie +mit großer Aufmerksamkeit, und sagte: »Sie tanzen gewiß gern und +ausgezeichnet?«</p> + +<p>»Sehr gern, o ja, und nicht schlechter als eine Andere.«</p> + +<p>»Und dennoch werden Sie nicht aufgefordert? Warum, warum?« rief der +Prinz, immer mehr in Feuer gerathend, und ergriff ihre Hand.</p> + +<p>Die Kleine erschrak, senkte die Augen und murmelte so undeutlich, +daß nur Einer, der im Begriff ist, sich zu verlieben, es verstehen +konnte: »Weil ich langweilig bin.«</p> + +<p>»Langweilig? ... O, mein Fräulein! ...« Flammende Röthe brannte +auf seinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus seiner Brust: +»O, mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, an Ihrer Seite Platz zu +nehmen.«</p> + +<h4>V.</h4> + +<p>Man ließ sie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der +andern kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weise ihr +Erstaunen darüber, daß der Vielumworbene, dem die Wahl unter Adler- +und Schwanenjungfrauen freistand, sich mit einem Gänschen beschäftigen +mochte.</p> + +<p>Wie auf Verabredung ließen sie ihren Witz sprühen, daß es nur so +prasselte. Die Funken stoben, fielen über manchen guten Namen her und +vernichteten ihn.</p> + +<p><!-- page138 -->Und der Prinz, ach, der Prinz stimmte ein. +Er sah die Stirne seiner lieblichen Nachbarin sich verfinstern, +aber er stimmte ein. Ja, er fand ein teuflisches Gefallen daran, +jede geistreich vorgebrachte Bosheit zu überbieten. Es gelang ihm +beispiellos. Der Genius der Verleumdung schien über ihn gekommen, und +er brachte dessen grausamste Eingebungen mit unbändigem Uebermuthe vor. +Seine Zuhörerinnen stutzten, kicherten, errötheten. Viele gaben sich +Mühe, eine leise Schadenfreude zu verbergen; das waren die Pfiffigen, +die Klugen, die hatten längst »so etwas« bemerkt. Einige fühlten +Mitleid und Bedauern, Andere waren erstaunt.</p> + +<p>Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aussagte, stieg in Keiner auf, +in keiner Einzigen.</p> + +<p>Und doch! — in Einer doch — in der Lieblichen, die der Prinz, so +lange er sprach, kaum anzusehen gewagt hatte. Sie erhob sich klopfenden +Herzens, Thränen des Zornes standen in ihren Augen. —</p> + +<p>»Von Allem, was Sie da behaupten,« sagte sie kühn und laut, »glaube +ich nichts!«</p> + +<p>»Nichts? ... von Allem nichts?« ... Er stieß einen Schrei aus, der +an den Wänden des Saales widerhallte wie himmlische Musik, warf sich +auf die Kniee vor seiner anmuthigen Gegnerin und umfaßte mit beiden +Armen ihre zarte Gestalt.</p> + +<p>»Du bist es!« rief er. »O Mutter — die ist's — die gab mir das +Erkennungszeichen!«</p> + +<p>Im selben Augenblick öffnete sich die Decke, und auf <!-- page139 +--> ihrem mit Feuervögeln bespannten Sonnenwagen kam die Märchenkönigin +herbeigeflogen.</p> + +<p>Vor ihrer blendenden Erscheinung senkten sich alle Augen, nur die +des Brautpaares nicht. Der Prinz führte seiner Mutter die Erwählte zu, +und die Königin küßte sie dreimal und sprach:</p> + +<p>»Ich wußte wohl, daß es eine lange Trennung von meinem Sohne +galt, als ich ihn zur Erde sandte, eine Gemahlin zu suchen, die an +Verleumdung nicht glaubt. Sei mir gegrüßt, Du holde Seltenheit!«</p> + +<p>Die Königin hieß ihre Kinder einsteigen, die Feuervögel entfalteten +ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das schöne Feenland, +aus dem die Verleumdung verbannt ist, und wo sogar die jungen Damen +schweigen, wenn sie von ihrem Nächsten nichts Gutes zu sagen wissen.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page140 --> + <h3 id="Werthbestimmung"> + Werthbestimmung. + </h3> + +<p>In einen mit Kreuzern gefüllten Sack gerieth zufällig einmal ein +Dukaten. Nachdem er einige Zeit bei ihnen geweilt hatte, sagten sie: +»Wir müssen unserem Gastfreunde einen Rang anweisen, laßt uns denn +zuvor seinen Werth bestimmen.«</p> + +<p>Die alten, die Patinirten, traten zusammen, beriethen lange und +brachten es endlich zu dem Vorschlage:</p> + +<p>»Der gelbe Bursche ist zwar schwächlich, doch beantragen wir, ihn +um seines hellen Klanges und seiner feinen Legirung willen ebenso viel +gelten zu lassen, wie Unsereinen.«</p> + +<p>»Von Meinesgleichen werde ich höher gehalten,« wagte der Dukaten +einzuwenden, und sogleich brachen die neuen, blanken Kreuzer, die +schon über den Vorschlag der alten gemurrt hatten, in einen Sturm des +Unwillens aus.</p> + +<p>»Was geht uns an, wie Deinesgleichen Dich schätzen,« riefen sie. »Im +Kupferlande gilt das Gold ein für allemal — nichts.«</p> + +<p>Das wurde zum Gesetz erhoben.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page141 --> + <h3 id="Geschieden"> + Geschieden. + </h3> + +<p>Der Glauben und die Liebe waren einst ein Paar und führten die +glücklichste Ehe. Eines Tages sprach der Glauben: »Ich muß wandern, ich +muß mich über die Erde verbreiten,« und die Liebe bat: »Nimm mich mit.« +Er aber erwiderte: »Das kann nicht sein. Ohne Dich bin ich stärker; +<span class="gesperrt">allein</span> ist der Held.«</p> + +<p>Er ging und verirrte sich unterweges in Nacht und Finsterniß, und +als er heimkam, erkannte die Liebe ihn kaum wieder, so sehr hatte +er sich verändert — auch gegen sie. Sie hatte ihre Macht über ihn +verloren.</p> + +<p>Seitdem wendet er sich gar oft von ihr ab. Finden sie sich flüchtig +zusammen, geschieht es nur, um sich bald wieder zu trennen.</p> + +<p>Ihr Bund war Segen, ihre Uneinigkeit ist Fluch, und die +Menschenkinder fühlen ihn schwer.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page142 --> + <h3 id="Lob"> + Des kleinen Lob. + </h3> + +<p>Einige Künstler und Kunstfreunde standen vor dem Moses des Michel +Angelo. Die Einen liehen ihrer Begeisterung Worte, die Andern schwiegen +von Ehrfurcht übermannt. Es war auch ein Drechsler aus der Vorstadt da, +der blinzelte zu dem mächtigen Bildwerk empor, musterte es eine Weile +und sprach dann mit Gönnermiene: »Recht nett!«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page143 --> + <h3 id="Besessen"> + Besessen. + </h3> + +<p>Ein Jüngling hatte ein schönes, treues Liebchen, strebte aber der +Gunst einer Göttin nach. Diese wies ihn ab und sagte:</p> + +<p>»Wie kannst Du glauben, daß ich mich einem Menschen huldreich +erweisen werde, dessen Herz ich theilen müßte mit einem irdischen +Weibe?«</p> + +<p>Da verstieß er seine Geliebte, rief die Göttin wieder an und fragte: +»Wirst Du mich belohnen für das Opfer, das ich Dir gebracht habe?«</p> + +<p>»Schon deshalb nicht, weil Du Lohn erwartest,« erwiderte sie. »Ein +Recht auf mich läßt sich nie und durch nichts erwerben.«</p> + +<p>»Ich spreche auch nicht von Recht,« versetzte der Jüngling, »ich +flehe um Deine Gnade.«</p> + +<p>Die Göttin ließ ihr heiteres Lachen erschallen: »Behilf Dich +einstweilen ohne sie. Du hast genug andere Güter; Du hast theure +Eltern, Geschwister, Freunde, ein schmuckes Heim, Reichthum, Jugend, +Gesundheit.«</p> + +<p>Nun verschenkte er Alles, was er besaß, nahm auf Nimmerwiedersehen +Abschied von den Seinen und folgte der Göttin nach — aus weiter, weiter +Entfernung.</p> + +<p><!-- page144 -->Weil er nichts Anderes mehr zu opfern hatte, opferte +er ihr den Schlaf seiner Nächte und das Roth seiner Wangen, wachte und +sang vor den Altären der Unsterblichen, verkündete ihren Ruhm und rief +die Welt zum Zeugen seiner Anbetung und seiner ringenden Qual.</p> + +<p>Aber seine Lobpreisungen und seine Klagen blieben ohne Widerhall, +denn die Göttin hatte die Lippen, denen sie entströmten, nicht geküßt. +Das Alter kam, zehrte an seiner Kraft, bleichte ihm die Locken, seine +Sehnsucht blieb jung und heiß, und sie, deren Schrei die Ruhe des +Himmels stört, zwang die Unsterbliche einmal wieder zu ihrem treuesten +Diener herab.</p> + +<p>Er warf sich ihr zu Füßen und flehte:</p> + +<p>»<span class="gesperrt">Einen</span> freundlichen Blick gewähre mir, +<span class="gesperrt">ein</span> holdes Lächeln, damit mein Leben +nicht ganz verloren sei!«</p> + +<p>»Wenn verloren, ist's meine Schuld?« fragte sie. »Warum wandelst Du +auf meinen Spuren? — Wann rief ich Dich? — Laß ab von meinem Dienste, +unberufener Knecht!«</p> + +<p>Zürnend schritt sie hinweg, und er stand auf und folgte ihr.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page145 --> + <h3 id="DieNachbarn"> + Die Nachbarn. + </h3> + +<p>Der Blonde und der Braune waren Nachbarn; Jeder von ihnen stand an +der Spitze eines gutmüthigen Hirtenvolkes. Sie tauschten nach Bedarf +die Producte ihrer Ländereien und blieben einander stets hülfreich in +Noth und Gefahr.</p> + +<p>Niemand hätte bestimmen können, welchem von Beiden ihr Bündniß mehr +Nutzen brachte.</p> + +<p>Eines Tages, im Herbste, begab es sich, daß ein heftiger Sturm +großen Schaden anrichtete im Walde des Braunen. Viele junge Bäume +wurden entwurzelt oder gebrochen, viele alte Bäume verloren mächtige +Aeste.</p> + +<p>Der Herr rief seine Knechte; sie sammelten die dürren Reiser und +schichteten sie in Bündel.</p> + +<p>Aus dem frischen Holze aber wurden Stöcke zugehauen. Im Frühjahr +sollten sie verwendet werden zu einem neuen Zaune für den Hühnerhof der +braunen Herrin.</p> + +<p>Nun wollte der Zufall, daß ein Diener des Blonden die Stöcke in +die Scheune bringen sah. Ihre Anzahl schien seinen etwas blöden Augen +ungeheuer. Von Angst ergriffen lief er heim und sprach zu seinem +Gebieter: <!-- page146 --> »Ein Verräther will ich sein, wenn der +Nachbar nicht Böses wider uns im Schilde führt!«</p> + +<p>Er und andere ängstliche Leute, — es waren auch Weise darunter, — +schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn gegen den Freund +eingeflößt hatten, bis jener sich entschloß, zu rüsten gegen die +vermeintlich Gerüsteten.</p> + +<p>Eine Scheune voll von Stöcken hatte der Braune; der Blonde wollte +drei Scheunen voll von Stöcken haben.</p> + +<p>Holzknechte wurden in den Wald geschickt. Was lag ihnen an seiner +hohen Cultur? Ihnen that es nicht leid, einen jungen Baum zu fällen, +ihm die aufstrebende Krone abzuhauen und die lichtsuchenden Aeste und +die Zweige mit den athmenden Blättern.</p> + +<p>Nach kurzer Zeit war der Wald verwüstet, aber der Blonde hatte viele +tausend Stöcke.</p> + +<p>Wie es ihm ergangen war, erging es nun seinem ehemaligen Freunde. +Die Klugen und die Thörichten, die Verwegenen und die Zaghaften im +Lande, Alle schrieen: »Es ist Deine Pflicht, Herr, dafür zu sorgen, daß +uns der Tag des Kampfes reich an Stöcken finde!«</p> + +<p>Und der Braune und der Blonde überboten einander in der Anschaffung +von Vertheidigungsmitteln, und bedachten nicht, daß sie endlich nichts +mehr zu vertheidigen hatten, als Armuth und Elend. Weit und breit war +kein Baum zu erblicken, die Felder waren unbebaut; nicht Pflug noch +Egge, noch Spaten gab es mehr: Alles war in Stöcke verwandelt.</p> + +<p><!-- page147 -->Es kam so weit, daß die größte Menge des Volkes zu +Gott betete: »Laß den Kampf ausbrechen, laß den Feind über uns kommen; +wir würden leichter zu Grunde gehen unter seinen Stöcken, als unter den +Qualen des Hungers!« —</p> + +<p>Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch +sie sehnten sich im Stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und +Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Unterthanen.</p> + +<p>Und einmal wieder trieb der Zufall sein Spiel.</p> + +<p>Die beiden Nachbarn stiegen zugleich auf einen Berg, der die Grenze +zwischen ihren Besitzungen bildete.</p> + +<p>Jeder von ihnen dachte: Ich will mein armes, verwüstetes Reich noch +einmal überschauen.</p> + +<p>Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf dem Grate des Berges +an, standen plötzlich einander gegenüber und taumelten zurück ... Aber +nur einen Augenblick. Ihre abwehrend ausgestreckten Hände sanken herab +und ließen die Stöcke fallen, auf welche sie sich gestützt hatten.</p> + +<p>Die ein halbes Jahrhundert in Haß verkehrte Liebe trat in ihr altes +Recht. Mit schmerzvoller Rührung betrachtete der Freund den Freund aus +halb erloschenen Augen. Nicht mehr der Blonde, nicht mehr der Braune! +Wie aus einem Munde riefen sie: »O, Du Weißer!« und lagen Brust an +Brust.</p> + +<p>Wer zuerst die Arme ausgebreitet, wußten sie ebenso wenig, als sie +sich besinnen konnten, wer dereinst die ersten <!-- page148 --> Stöcke +aufgestellt wider den Anderen. Sie begriffen nicht, wie das Mißtrauen +hatte entstehen können, dem Alles zum Opfer gefallen war, was ihr +Dasein, und das der Ihren lebenswerth gemacht hatte.</p> + +<p>Eines nur stand ihnen fest: die niederdrückende Ueberzeugung, daß +nichts auf Erden ihnen ersetzen konnte, was die Furcht vor dem Verlust +ihrer Erdengüter ihnen geraubt hatte.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page149 --> + <h3 id="Feind"> + Der gute Feind. + </h3> + +<p>Der verkörperte Tadel — übrigens ein ehrlicher Bursche — begegnete +einem jungen Poeten, erhob sofort seinen Knüttel und bläute den +ahnungslos Dahinschreitenden tüchtig durch. Wenn aber der Tadel nichts +weniger als ein Höfling war, so war der Poet nichts weniger als ein +Weichling. — Jetzt weiß ich, dachte er, wo ich zu treffen bin, und will +mir die Lehre zu Nutze machen.</p> + +<p>Er kühlte seine brennenden Striemen an der nächsten frischen Quelle +und schritt unverdrossen weiter.</p> + +<p>Nach langer Zeit stieß er einmal auf das verkörperte Lob. Das hatte +leider seinen unentbehrlichen Halt, den Tact, zu Hause gelassen und +ergoß sich so lawinenartig über den Dichter, daß er sein Gleichgewicht +verlor. Nicht genug. Immer in der besten Absicht, und beeifert, der +Welt zu zeigen, mit welcher Berechtigung sein Hymnus ertöne, nahm das +Lob ein Secirmesser und öffnete dem Poeten das Herz.</p> + +<p>Der Sterbende aber rief: — »O Tadel, mein guter Feind, singe Du +meinen Grabgesang!«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page150 --> + <h3 id="Vorschule"> + Ohne Vorschule. + </h3> + +<p>Ein Töpfer hatte zwei faule Söhne, die das väterliche Handwerk +durchaus nicht erlernen wollten. Sein Nachbar, ein Schuster, dem er +sein Leid klagte, tröstete ihn: »— Schickt sie mir. Vielleicht haben +sie zu meinem Handwerk mehr Lust als zu dem Euren.«</p> + +<p>Der Töpfer folgte diesem Rathe; aber seine faulen Söhne sträubten +sich auch gegen den Unterricht, den sie beim Schuster und ebenso bei +einem Sattler, einem Schneider, einem Schlosser, einem Glaser nehmen +sollten, zu denen sie nach und nach in die Lehre kamen. Sie hielten +es nirgends aus; sie blieben dabei, wir wollen keinen anderen Beruf +ergreifen, als einen, zu dem man nichts zu lernen braucht.</p> + +<p>Endlich sagte der Vater in seiner Verzweiflung: »Auf dem Dorfe finde +ich nimmermehr, was ihnen paßt, ich will mich in der Stadt umsehen.«</p> + +<p>Er ging mit seinen beiden Söhnen und kam bald darauf allein +zurück.</p> + +<p>»Habt Ihr sie untergebracht?« fragten die Nachbarn, und er +antwortete: »Ja wohl.« — »Und in welcher Art? Was ist das für ein +Beruf, zu dem man nichts zu lernen <!-- page151 --> braucht? Doch +wenigstens einer, der Euch ein großes Anlagecapital wird gekostet +haben?«</p> + +<p>»Je nun,« erwiderte der Töpfer, »meinem Peter habe im Papier, +Federn und Tinte kaufen, und meinem Paul einen schwarzen Anzug machen +lassen müssen. Der Peter ist nämlich Schriftsteller, und der Paul +Landtags-Abgeordneter geworden.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page152 --> + <h3 id="Palemon"> + Palemon. + </h3> + +<p>Palemon, der Maler, hatte ein Bild vollendet, welches er »Die +Königin des Orients« nannte.</p> + +<p>Es stellte Zenobia dar, wie sie, umringt von ihren Feldherren, +Magiern, Wahrsagern, Künstlern und Gelehrten, die Huldigung der ihr +unterworfenen Völker empfing. Das Gemälde erweckte Entzücken bei Laien +und bei Kennern. Die letzteren lobten besonders die Charakteristik.</p> + +<p>»Wenn man,« sagten sie, »die ganzen Figuren sammt Gewändern und +Kopfschmuck verdecken, und nur die Gesichter unverhüllt lassen würde, +jeder Kenner der ruhmvollen Vergangenheit unseres Vaterlandes müßte +ausrufen: Diese ehernen Züge können nur die des Kriegshauptmanns Phuhl, +und Jener kann nur Kalassar der Fürst sein, von dessen Thaten unsere +Geschichte erzählt, und Dieser Divonibar, der unfehlbare Magier. Und +dort — o, das ist sie, Zenobia die Große, die Einzige, deren Anblick +uns auf die Kniee niederzwingt. An den Stufen ihres Thrones steht +Longinus, der Rhetor. Seht um seine Lippen den Genius der Beredtsamkeit +schweben!«</p> + +<p><!-- page153 -->Palemon lächelte zu diesem Lobe: »Wäret Ihr doch +in meine Werkstatt gekommen und hättet meine Modelle gesehen,« sprach +er. »Wisset, jener Kopf, von dem Ihr meint, er müsse der des berühmten +Redners sein, ist der Kopf meines stummen Pferdelenkers; zum Vorbilde +der keuschen Zenobia, vor der Ihr in Anbetung versinkt, hat mir die +Tänzerin Myra gedient; zu dem des Magiers ...«</p> + +<p>Die Kritiker fielen ihm ins Wort: »Um so höher preisen wir Dich, Du +Maler des Unsichtbaren. Zweiter Prometheus, der die Gebilde seiner Hand +zu beseelen versteht mit Funken himmlischen Feuers. Seht sie leuchten +aus der niederen irdischen Form! Seht auf vergänglichen Stirnen +unsterbliche Schönheit thronen. Aus den Augen einer Hetäre grüßt uns +der Geist der großen reinen Zenobia, der Mund eines stummen Knechtes +spricht Worte des Lebens.«</p> + +<p>Ein fremder Kunsthistoriker, der von weither gekommen war, um +das Bild Palemons zu sehen, erhob seine Stimme: »Thoren, veraltete +Schwärmer!« rief er, »wo bleibt bei dieser Auffassung die Wirklichkeit, +die Natur? Glaubt nur: Der Maler, unter dessen Pinsel eine Zenobia zur +Hetäre und ein feiner Denker zum rohen Tölpel wird, steht der Wahrheit +näher als Ihr.«</p> + +<p>Die einheimischen Kritiker wollten den Fremden sofort steinigen; +aber Palemon hielt sie davon ab:</p> + +<p>»Das wäre das Rechte — todtmachen, den man nicht widerlegen kann. +Nicht <span class="gesperrt">kann</span>!« donnerte er die <!-- +page154 --> Einwendungen seiner Anhänger nieder, »es sei denn, Ihr +wüßtet, was vorherrscht auf Erden: Licht oder Schatten, Blüthe oder +Fäulniß, das Gute oder das Böse. Aber Ihr und der und ich, wir wissen +es nicht, wir glauben nur, und die Jünger dieses Fremden thun wie die +meinen: sie schaffen im Sinne ihres Glaubens. Ihr großer Irrthum jedoch +ist, daß sie sich für die einzigen Vertreter der Wahrheit in der Kunst +halten, weil sie malen und bilden, was Jeder, auch der Gemeinste, +sieht. Ich erhebe denselben Anspruch auf treue Wiedergabe der Natur, +wie sie, wenn es mir gelingt, überzeugend darzustellen, was ich allein +gesehen habe: einen edlen Zug im Angesicht der Verworfenen, einen Blitz +des Geistes im Auge des Einfältigen. Unsere alte und das, was sie die +neue Kunst nennen, können übrigens nebeneinander bestehen und sind, wie +mich dünkt, Schwingungen desselben Pendels.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page155 --> + <h3 id="DasBeste"> + Das Beste. + </h3> + +<p>Zu dem Erdgeist Gaeus war das Mondwesen Elanuh zu Besuch gekommen. +Sie flogen zusammen durch die herrlichsten Gegenden der Erde, und +Elanuh, entzückt von dem Anblick der Wiesen, der Wälder, der Flüsse und +Seen, rief aus: »Sie haben einen schönen Wohnplatz, die Menschen, es +muß sich gut auf ihm leben lassen.«</p> + +<p>»Ja wohl,« erwiderte der Erdgeist mit Stolz, »besonders dann, wenn +sie, die athmen in dieser reichen Natur, mit ihrer höchsten Kraft +begnadet und fähig sind, das Beste, das es giebt, zu empfinden.«</p> + +<p>»Was ist das Beste?« fragte Elanuh.</p> + +<p>»Die Liebe,« entgegnete der Erdgeist.</p> + +<p>Während ihres Gespräches schwebten sie über den Dächern einer großen +Stadt. Auf einem Hügel, das Häusermeer beherrschend, erhob sich ein +fürstlicher Palast, von einem goldenen Gitter umgeben. Elanuh flog +hinüber, ließ sich an eines der Fenster gleiten und guckte voll Neugier +in ein prunkhaft eingerichtetes Schlafgemach.</p> + +<p>Da sah er ein Weib auf dem Boden liegen, ein reizvolles Weib, in +der Fülle des Lebens. Sie raufte <!-- page156 --> ihr Haar und rang +verzweiflungsvoll die Hände vor einem Christusbilde an der Wand, und +betete:</p> + +<p>»Gieb es nicht zu, o Herr! Errette mich! Laß mich nicht unterliegen +in Schmach. Nimm mich zu Dir, eh' ich verderbe! .... Denn ich verderbe, +Herr — ich bin verloren. Ich war eine treue Frau, eine gute Mutter, und +bin nun verloren. — Herr! Herr! ... Der Du für uns geblutet hast, sieh +meinen Undank ... Laß Deine Blitze auf mich niedersinken — ich frevle, +indem ich zu Dir bete, denn während des Gebets denk' ich nur Sünde. ... +Tödte mich, retten kannst Du mich nicht mehr!«</p> + +<p>Sie zerriß ihre prächtigen Gewänder und raste in Verzweiflung gegen +sich selbst.</p> + +<p>Elanuh wandte sich ab und sprach zu Gaeus: »Die Unselige ringt +wie in den Krallen eines wilden Thieres. Was ist die Ursache ihrer +Leiden?«</p> + +<p>Gaeus, etwas verlegen, antwortete: »Die Liebe.«</p> + +<p>Er flog weiter mit seinem Gaste, bis dieser vor einer Dachkammer +Halt machte, die, trotz der vorgerückten Nachtstunde, noch erleuchtet +war. Wieder sah er durch das Fenster und überblickte einen kleinen +Raum, eine Stätte der Armuth. Auf einem Bänkchen, an der Wand, saß +ein greises Ehepaar Schulter an Schulter, und Elanuh hörte die Alten +jammern und wehklagen.</p> + +<p>»Sie hat uns verlassen, sie hat uns dem Elend preisgegeben. Was +bleibt uns noch übrig, als zu sterben, da sie fort ist, unsere +Erhalterin, unsere Trösterin, unsere Einzige!«</p> + +<p><!-- page157 -->»Fluch ihm, der unser Kind verleitet hat,« sprach +der Greis, und hob die geballte, zitternde Faust gen Himmel. — Und +die Greisin, mit dem Aufblitzen des Wahnsinns in ihren trüben Augen, +wiederholte: »Fluch ihm!«</p> + +<p>»Komm näher Gaeus,« sprach Elanuh, — »sieh diese Armen, und sage +mir, welche Macht konnte eine gute Tochter bewegen, ihre Eltern, die +hülflosen, — die sterbenden, in solchem Elend zurückzulassen?«</p> + +<p>Gaeus senkte das Haupt und murmelte: »Die Liebe.«</p> + +<p>Abermals nahmen sie ihren Flug, und plötzlich schoß Elanuh aus +seiner Höhe zu einem kleinen, ebenerdigen Hause herab. Er schmiegte +sich an das Fenster einer einfachen, weiß getünchten Stube, und +erblickte ein liebliches Mädchen, das halb ausgekleidet an ihrem Bette +lehnte. Mit dem Ausdruck der Todesangst ruhten ihre Augen auf einem +jungen Manne, der vor ihr stand, verstört und bleich.</p> + +<p>»Geh,« beschwor sie ihn — »der Vater erwacht. — Geh — was willst Du +von mir?«</p> + +<p>»Dich fragen: Ist morgen Deine Hochzeit?«</p> + +<p>Sie brach in Thränen aus: »Quäle mich nicht — frage nicht, was Du +weißt.«</p> + +<p>»So <span class="gesperrt">ist</span> Deine Hochzeit?« sprach er +knirschend.</p> + +<p>Das Mädchen schluchzte: »Du weißt es ja, und wem mein Herz gehört, +das weißt Du auch.«</p> + +<p>Wild und glühend sah er sie an: »Wenn Du nicht <!-- page158 --> +lügst, einen Kuß denn! — den ersten, den letzten: Ich will's!«</p> + +<p>Verstohlen zog er mit der Rechten ein Messer hervor, riß mit dem +linken Arme die Widerstrebende an sich, küßte sie und stieß ihr den +Stahl in die Brust.</p> + +<p>»Alle guten Geister! ... Was hat diesen Mann zum Mörder gemacht?« +fragte Elanuh.</p> + +<p>Gaeus verhüllte sein Antlitz und antwortete: »Die Liebe.«</p> + +<p>»Und das ist das Beste, was es auf Erden giebt?« rief sein +Gastfreund entsetzt. »Der gnädige Schöpfer steh' mir bei. Ich wünsche +nichts mehr von Eurem Besten zu sehen. Lebe wohl.«</p> + +<p>»Verweile,« bat Gaeus. »Ein unglücklicher Zufall hat uns geführt. +Ich zeige Dir andere Bilder.«</p> + +<p>»Sei bedankt, Du vermagst mir keine zu zeigen, welche mich diese +vergessen machen könnten.«</p> + +<p>Und ehe Gaeus ihn zurückhalten konnte, war Elanuh entflohen nach +seiner kühlen Heimath.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page159 --> + <h3 id="Gluecklicher"> + Ein Glücklicher. + </h3> + +<p>In einer armseligen Hütte kam ein Knäblein zur Welt. Blaß und +schmächtig lag es in den Armen seiner Mutter. Diese fühlte sich sterben +und jammerte: »Was wird aus meinem hülflosen Kinde werden?«</p> + +<p>Da trat ein Engel an ihr Lager: — »Ein Glücklicher!« sprach er, die +Hand auf das Haupt des Neugeborenen legend.</p> + +<p>»Willst Du ihn groß und geehrt machen?« rief die Mutter +aufleuchtenden Blickes. »Willst Du ihn schmücken mit Schönheit ohne +Makel, mit Weisheit ohne Fehl? Willst Du ihm den Genuß der Reichthümer +dieser Erde schenken, ungetrübt durch die Angriffe der Mißgunst und des +Neides?«</p> + +<p>Der Engel erwiderte: »Das kann ich nicht; dem Loos der Sterblichen +kann ich ihn nicht entziehen; wie alle seine Brüder muß er beides +erfahren — Gutes und Böses. Aber einen Segen sprech' ich über ihn bei +seinem Eintritt ins Leben. Er soll kein blind vertrauender Thor, und +dennoch ohne Gedächtniß für das Böse sein, das die <!-- page160 --> +Menschen ihm anthun werden. Die Erinnerung an das Gute jedoch, das er +sie vollbringen sehen und selbst durch sie genießen wird, soll sich +unauslöschlich in seine Seele prägen. Stirb in Frieden, Du hast einen +Glücklichen geboren.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page161 --> + <h3 id="DerGottesleugner"> + Der Gottesleugner. + </h3> + +<p>Ein Gottesleugner starb. Drüben im Jenseits traf er zu seiner +entsetzensvollen Ueberraschung Den, dessen Spur ihm auf Erden unfindbar +gewesen, den Schöpfer, den Erhalter, den Urquell alles Lebens.</p> + +<p>Da warf er sich auf sein Angesicht nieder und rief: »O Herr, Du +bist, und ich blinder Wurm habe Dein Dasein verneint. Nun richte und +verdamme mich!«</p> + +<p>Aber unendlich mild und gnädig neigte sich ihm der Herr. »Sei +getrost,« sprach er. »Du hast Deinen Nächsten geliebt und ihn gelten +lassen; Du hast Deine eigene Ueberzeugung nicht für die allein richtige +gehalten und die nicht gehaßt, verachtet, verleumdet, die sie nicht +theilten. Ob ein armes Menschlein wie Du an mich glaubt oder nicht, +trübt das meines Namens Glanz? erfülle ich darum weniger das All? — Die +aber, die ohne Güte und Duldung sind, denen die Liebe fehlt, und die +sich doch berühmen, in meinem Dienst und zu meiner Ehre zu handeln, die +freveln, die versündigen sich an meiner Majestät, sie werde ich zur +Rechenschaft ziehen. Dich, Du harmloser Thor, nehme ich auf in mein +Himmelreich.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page162 --> + <h3 id="DieVervehmte"> + Die Vervehmte. + </h3> + +<p>Wenn die Freuden Versammlung halten, findet so mancher verlotterte +Gesell sich ein. Die hohen, die reinen gehen an ihm vorbei, zürnend, +gleichgültig, wohl auch mit einem mitleidigen Lächeln.</p> + +<p>Eine Freude nur wird immer hinausgeworfen, weil sie gar so gemein +ist — die Schadenfreude.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page163 --> + <h3 id="DieAnhaenger"> + Die Anhänger. + </h3> + +<p>Ein Schneckenmännchen, voll von Ehrgeiz und großen Ideen, — +mit gutem Recht der Stolz seiner Nation, — unternahm es, an einer +hochpolirten, steinernen Gartenbank emporzuklimmen. Dort oben, meinte +er, müsse ein weiter Ausblick und eine ganz neue Weltanschauung zu +gewinnen sein.</p> + +<p>Nach langem mühe- und gefahrvollen Ringen gelang es ihm endlich, die +Kante der Banklehne zu erreichen.</p> + +<p>Behaglich sah er sich um und dachte: Am Ziele seiner Wünsche zu +stehen, ist doch wunderschön; es giebt der Schnecke ein äußerst +wohlthuendes Selbstbewußtsein. Uebrigens habe ich mich umsonst geplagt, +denn die Welt nimmt sich von dieser hohen Warte nicht anders aus, als +von meiner alten Wohnung im Felsenspalt.</p> + +<p>Das sagte er auch seinen zahlreichen Anhängern, die sich ringsum +im Grase versammelt hatten, um ihn zu bewundern. Aber sie erwiderten: +»Verzeih', das können wir nicht glauben. Dein Haus badet im Azur, Deine +Hörner reichen ans Himmelsgewölbe. Bei Tag kannst Du schwelgen in +Sonnennähe, bei Nacht Fangball spielen mit den Sternen. O, Du Großer, +sei auch großmüthig, <!-- page164 --> gönne Deinen treuen Anhängern +Antheil an Deinem Glücke! Hilf Deinem Nebenthier, hilf ihm zu Dir +hinauf!«</p> + +<p>Immer hartnäckiger bestürmten sie ihn, und begannen schon, ihm +von allen Seiten nachzukriechen. Da er einsah, daß sie Vernunft +nicht annehmen wollten oder vielleicht nicht — konnten, wohl auch +geschmeichelt durch ihr Vertrauen, that er, was sie verlangten. Er kam +den Tollkühnen entgegen, beschützte die Zagenden, bugsirte den, schob +jenen vorwärts ... Alles vergeblich. Die Schnecken waren ungeschickt, +und als sich zuletzt gar zu viele von ihnen auf einmal an den Herrn +Patron ankletteten, verließ ihn die Kraft, und er plumpste sammt seinen +Clienten auf die Erde nieder.</p> + +<p>Da schämte und grämte er sich sehr und verlor seinen ganzen Anhang. +Alle seine ehemaligen Verehrer aber erklärten einstimmig: Die Leute an +sich reißen und sie dann ohne Weiteres fallen lassen, ist doch gar zu +schnöde!</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page165 --> + <h3 id="DieAusgestossenen"> + Die Ausgestoßenen. + </h3> + +<p>Eine Köchin wollte Vanille kaufen und trat in einen Laden, den sie +seiner Ausstattung nach für einen Gewürzkram hielt. Die Wände waren +bis zur Decke hinauf mit Schränken verkleidet, und jeder Schrank +hatte Abtheilungen und Unterabtheilungen, und diese wieder hatten +Fächer und Fächerchen, Laden und Lädchen, und bis zur kleinsten waren +alle etiquettirt und numerirt. In der Mitte des Saales befand sich +ein Tisch, an dem viele bebrillte Herren von ernstem und gelehrtem +Aussehen saßen. Sie beschäftigten sich damit, Püppchen anzufertigen +nach Vorlagen der Bilder berühmter, bekannter, halbbekannter oder auch +vergessener Dichter und Schriftsteller.</p> + +<p>Wenn die Püppchen vollendet waren, verglich Jeder die seinen +mit denen der Anderen, und nun begannen Verhandlungen über die +Aehnlichkeiten und Unähnlichkeiten dieser Nachbildungen und über den +Platz, der ihnen anzuweisen sei. Jeder einzelnen wurden Buchstaben und +Nummern auf den Rücken gemalt, und die Sortirung begann, und jedes +Püppchen wurde in das ihm zukommende Fach gethan.</p> + +<p>— Man erlebt doch alle Tage etwas Neues an Ausstattung <!-- page166 +--> der Waare, dachte die Köchin und wollte schon eine Stange Vanille +im Goethe-Kostüm verlangen, als die Gesichter der Herren am Tische sich +beängstigend verdüsterten.</p> + +<p>»Wir müssen endlich zum Beschluß über die Gefangenen kommen,« +sagten sie, und winkten einem Saaldiener, der eine Hühnersteige +vor sie hinstellte, in welcher sich ein halbes Dutzend lebendiger +Gestalten, Männlein und Weiblein, befand. Sie trugen theils ländliche, +theils städtische Tracht und verbreiteten einen frischen Harz- und +Erdgeruch, der den Herren so unangenehm war, daß sie sich die Nasen +zuhielten. Dann entnahmen sie dem Käfig eines der zierlichen Wesen +nach dem anderen. Ein Messen begann, ein Wägen, ein Versuchen, sie +unterzubringen in das richtige Behältniß.</p> + +<p>Aber sie paßten nirgends hin; Fächer und Lädchen, so viele ihrer +waren, erwiesen sich als zu groß oder zu klein, als zu breit oder zu +schmal für die eigenthümlichen Erscheinungen. Die Herren waren rathlos +und fragten: »Was soll man anfangen mit solchen Mißgebilden, die sich +in gar keine Kategorie eintheilen lassen?«</p> + +<p>Da trat die Köchin vor, stellte ihren Korb auf den Tisch und sprach: +»Gebt sie mir da herein, ich bringe sie meinen Kindern zum Spielen +mit.« Gern wurde ihr willfahrt; auf ihre Bemerkung jedoch, sie glaube +einen Gewürzladen betreten zu haben, mit Strenge geantwortet: »Würzig +sei hier nichts, und sie befände sich in einem Taxirungs-Bureau.«</p> + +<p><!-- page167 -->Sogleich sagte sie, daß sie nicht länger stören +wolle, und ging hinweg. In ihrem Korbe aber erhob sich plötzlich ein +wunderlieblicher Gesang. Von selbst öffnete sich der Deckel, und die +Gestalten schwebten heraus. Sie hatten Flügel bekommen, wuchsen und +wuchsen in der frischen Luft und schwirrten umher wie Lerchen. Ihre +Lieder weckten ein Echo in den nahen Bergen.</p> + +<p>Die Köchin glaubte sie für immer entschwunden, fand aber ihre +Gesänge wieder auf den Lippen der Kinder, in den Herzen der Menschen +und in ihrer eigenen Brust.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page168 --> + <h3 id="DerVerwoehnte"> + Der Verwöhnte. + </h3> + +<p>Die Göttin des Glückes verließ einen ihrer Lieblinge. Weil sie ihm +aber noch im Scheiden einen Rest von Huld bewahrte, sprach sie zu ihm: +»Einen Schein von mir sollst Du behalten. Er sichert Dir bis an Dein +Ende Einfluß, Macht, die Gunst und das Vertrauen der Menschen.«</p> + +<p>Dabei nahm sie einen Strahl aus ihrem Sonnendiadem und warf ihn dem +einst Geliebten zu.</p> + +<p>Er wich aus.</p> + +<p>»Was thust Du?« fragte die Göttin; »ein Schein von Glück gilt auch +für Glück.«</p> + +<p>»Dem nicht, der Dich ganz besessen hat«, sprach er, und wandte sich +ab. »Elend sein und glücklich scheinen, ist die größte Qual.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page169 --> + <h3 id="Propheten-Loos"> + Propheten-Loos. + </h3> + +<p>Ein Prophet, eine Leuchte der Welt, war fern von seiner Heimath +hochbetagt gestorben. Tausende hatten ihm das letzte Geleite gegeben +und sich dann zerstreut. Seine Jünger jedoch blieben trauernd an seinem +Grabe stehen, und Einer von ihnen sprach:</p> + +<p>»Wie gern wüßte ich, ob sich auch an diesem Großen, diesem Weisen +und Guten, an diesem Wohlthäter der Menschheit das gewöhnliche +Propheten-Loos erfüllt! Wie gern wüßte ich, ob auch er daheim nichts +gegolten hat!«</p> + +<p>»Ueberzeugen wir uns davon an Ort und Stelle,« versetzte ein +Zweiter. »Ich sehne mich sehr, die heilige Stätte kennen zu lernen, an +welcher er geboren ward und seine besten Mannesjahre verlebt hat.«</p> + +<p>Die Beiden traten die Wanderung an, und feierliche Wehmuth ergriff +ihre Herzen, als sie in der Nähe ihres Reisezieles anlangten, eines +hübschen Städtchens, das zwischen grünen Hügeln und wohlbebauten +Feldern dalag und in der Morgensonne schimmerte.</p> + +<p>Die Jünglinge begaben sich nach dem Martktplatze, wo das Rathhaus +stand, und wollten eben an die Thür pochen, als sie sich öffnete und +der Bürgermeister, begleitet <!-- page170 --> von einem Dutzend +Räthen, heraustrat. Er ließ einen flüchtigen Blick über die Fremden +gleiten und schien unangenehm verwundert, als diese es wagten, ihn ohne +weiters anzureden.</p> + +<p>Mit halbem Ohre hörte er ihre Mittheilung an, daß sie die +Ueberbringer einer erschütternden Botschaft seien, sagte: »Bedaure, +bedaure,« und wollte vorübergehen. Aber einer der Jünglinge hielt ihn +am Aermel fest, und der andere sagte:</p> + +<p>»Der größte Mann, den Eure Stadt je hervorgebracht hat, ist in +unserer Weltstadt verschieden.«</p> + +<p>Bei diesen Worten verbreitete sich ein patziges Lächeln über die +Züge des Bürgermeisters und über die aller seiner Beamten. Dreizehn +Gesichter nahmen plötzlich denselben Ausdruck an, in dreizehn Köpfen +stieg ein und derselbe Gedanke auf: Der größte Mann ist nicht +gestorben, denn ich lebe!</p> + +<p>Nun riefen die Jünglinge der stumpfen Gilde den Namen des Verehrten +zu; er brachte nicht den geringsten Eindruck hervor. Die Räthe zuckten +die Achseln, und der Bürgermeister sprach:</p> + +<p>»Von seiner Berühmtheit ist hier nichts bekannt. Uebrigens, seht die +alte Frau, die daher kommt, die gehört zu seiner Familie, die wird Euch +bessere Auskunft über ihn geben können als wir. Sprecht aber laut, denn +sie ist halb taub.«</p> + +<p>Voll Ehrfurcht gingen die Jünglinge der Greisin entgegen, die eines +Blutes mit dem geliebten Meister <!-- page171 --> war, meldeten ihr in +schonender Weise seinen Tod und beklagten, daß er in seiner Vaterstadt +nichts gegolten habe.</p> + +<p>»Nichts gegolten?« wiederholte die Alte, die von der ganzen Rede +nur die letzten Worte und den Namen des Verewigten verstanden hatte. +Und sehr geschmeichelt durch die Aufmerksamkeit, welche die Fremden +ihr erwiesen, und durch die Spannung, mit welcher sie ihrer Antwort +harrten, setzte sie mit vertraulichem Schmunzeln hinzu: »In seiner +Familie hat er wohl für etwas gegolten, nämlich für einen armen +Tropf.«</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page172 --> + <h3 id="Aufgaben"> + Ungelöste Aufgaben. + </h3> + +<p>Eine kluge Prinzessin wurde von einem beschränkten, aber sehr +mächtigen König geliebt und schenkte seinen Werbungen kein Gehör. +Als er immer dringender und in Folge dessen lästiger wurde, beschloß +sie, ihn für immer aus ihrer Nähe zu entfernen. Dies mußte jedoch in +Güte geschehen, denn die Feindschaft des starken Nachbarn wollte die +Prinzessin ihrem Lande nicht zuziehen.</p> + +<p>So sprach sie denn eines Tages zu ihm: »Deine Treue hat mich +gerührt, und ich will sie belohnen. Du sollst mein Gemahl werden, +wofern es Dir gelingt, die Aufgabe zu lösen, welche ich Dir stellen +will.«</p> + +<p>Der König rief: »Nenne sie; wenn es im Bereiche menschlicher Kraft +liegt, werde ich sie erfüllen.«</p> + +<p>»Zieh hin,« erwiderte die Prinzessin, »und suche mir die folgenden +drei Dinge ausfindig zu machen:«</p> + +<p>»Ein Vorurtheil, das durch Vernunft besiegt wurde.«</p> + +<p>»Eine Thorheit, die so groß ist, daß noch kein Mensch sie begangen +hat.«</p> + +<p>»Eine Lästerung, so schamlos, daß sich keine Zunge findet, um sie zu +wiederholen.«</p> + +<p><!-- page173 -->Der König lachte und gab Befehl, die Hochzeitsfeier +zu bereiten, denn er meinte, in wenigen Tagen schon seine Braut +heimzuführen. Dann begab er sich auf die Reise.</p> + +<p>Dies geschah vor tausend Jahren, und bis heute ist er noch nicht +zurückgekommen.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> +<div class="chapter"> +<!-- page174 --> + <h3 id="DieUntrennbaren"> + Die Untrennbaren. + </h3> + +<p>Unter den Göttern war ein Streit entstanden, und in Folge dessen +erschien eines Tages im olympischen Staatsanzeiger die Kundmachung:</p> + +<p>»Der Urheber des dichterischen Genies wird gesucht. Wer sich +dafür hält, Mann oder Weib, trete hervor. Apollo und die Musen +haben beschlossen, ihm eine in ihrer Nähe leer gewordene Wohnung +anzuweisen.«</p> + +<p>Schon am nächsten Morgen kam durch die Lüfte hergeflogen ein +unabsehbarer Schwarm. An seiner Spitze schwebte auf mächtigen, kühn +ausgebreiteten Flügeln, in thaufrischer Schöne blumenumkränzt, eine +reizumflossene Gestalt.</p> + +<p>Ein goldenes Füllhorn ruhte ihr im Arme, und mit überströmender +Großmuth ausgestreute Segensspenden bezeichneten ihren Weg. Ihr +Gefolge schloß ganze Welten in sich: Verkörperungen des Herrlichsten +und Höchsten, wie des Furchtbarsten und Scheußlichsten; in nicht +unterbrochener Reihe alle Abstufungen vom Wunderbaren bis zum +Wunderlichen, lebendig gewordene Spiegelbilder aller Thaten und +Unthaten aller Leidenschaften, Hoffnungen, Enttäuschungen und Träume. +Die edelsten unter den <!-- page175 --> unendlich mannigfachen +Gebilden erschienen in hehrer Einfachheit, die anderen, unermeßlich +reich geschmückt, schimmerten wie der neugeborene Tag. Ihnen auf den +Fersen folgte, das Kainszeichen auf der Stirn, Brandfackeln schwingend, +eine dunkle Schar. Blitzähnlich schossen diese Dämonen hin und her, +und bei jedem Flügelschlage theilte und verdoppelte sich jede der +grauenhaften Ausgeburten; eine riesige schwarze, mit furchtbarer +Geschwindigkeit wachsende Wetterwolke rollten sie, Verderben +verbreitend, durch den Raum.</p> + +<p>Aber sie hatten ihre Meister. Unscheinbare Wesen, still und mild und +dennoch heldenhaft, demüthig und dennoch unüberwindlich, wiesen die +Unholde in ihre Schranken; und ein Schauspiel boten diese Kämpfe, so +voll hinreißenden Schwunges, unerschöpflicher Abwechslung und Neuheit, +so voll Gefahr und Triumph, so voll Jubel und Leid, daß die Götter ihm +zusahen und horchten in athemloser Spannung. Was jedoch ihre größte +Neugier erregte, das war eine kleine, bunte Menge, die inmitten des +Gewühles auf einem grünen, blühenden Eilande, wie auf einem rettenden +Schifflein segelte. Die schärfsten Contraste prägten sich in diesen +Kleinen aus; Anmuth beseelte die meisten von ihnen; das zweischneidige +Schwert, das Einige führten, traf, ohne zu verwunden. Sie spielten, +waren aber nicht blind für die großen Schicksale, die sich um sie her +vollzogen; mit Thränen in den Augen lachten sie, und ihr Lachen glich +dem fröhlichen Gesang der Drossel und erheiterte den Olymp.</p> + +<p><!-- page176 -->Momus, der zu den Füßen Melpomene's saß, sprach +zu ihr: »Wer sind Die? Ich sollte sie kennen, ich kenne sie aber +nicht.«</p> + +<p>Die Muse erwiderte: »Ein nachgeborenes Völkchen — humoristisches +Pack.«</p> + +<p>Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Führerin des Schwarmes, +die nun vor den Himmlischen stand. Ein Zauber ohne Gleichen ging von +ihr aus; sie schüttelte ihr seidenweiches, welliges Haar und sagte mit +wonniger Zuversicht:</p> + +<p>»Mir und den Gaben, die ich verleihe, verdankt der Dichter den +Antrieb zu all seinem Können und Thun. Ich bin die Phantasie.«</p> + +<p>Die Götter schwiegen, sannen nach und erwogen noch die Berechtigung +dieses Anspruches, als ein Mann, ganz in Eisen gepanzert, sich +wuchtigen Schrittes näherte, neben die Phantasie hintrat und seine +Stimme erhob:</p> + +<p>»Diese Dame prahlt. Ohne mich wird aus dem Können, das sie ihrem +Liebling in die Wiege legt, nie ein Thun; ohne mich bleiben seine +Hervorbringungen eitel Anfänge und vergehen wie Schaum. Ich bin der +Fleiß.«</p> + +<p>Ein heiteres Lachen folgte dieser Erklärung, und alle Augen suchten +den, der es ausgestoßen hatte.</p> + +<p>Es war ein schlichter, kräftig gebauter Bursche, mit hellen Augen +und rothen Wangen. »Meine himmlischen Herrschaften,« sagte er, »nur +ungern wage ich mich in Eure wolkenüberragenden Höhen; doch zwingt +mich dazu <!-- page177 --> mein gutes Recht, das ich zu wahren habe. +Du, Genie-Mutter,« — so wandte er sich ohne Umstände an die Phantasie, +die bei seinem Anblick die schönen Lippen kaum merklich verzogen +hatte, — »was würde aus Deinen Kindern, wenn ich nicht zu Gevatter bei +ihnen stände? Elend müßten sie zu Grunde gehen, erdrückt unter den +berauschenden Blumen, mit denen Du sie überschüttest, irre geführt +durch Deine webenden Träume, toll gehetzt auf der Jagd nach Deinen +lockenden Früchten, verzehrt von Deinen rastlos keimenden Gedanken. Und +Du,« sprach er noch strenger zum Fleiße, »Du setzest den Sorgen, die +mir diese gute Mutter und schlechte Erzieherin macht, die Krone auf. Du +Maulwurf, Du! Den Eifer, den Du ihren Kindern in alle Adern spritzest, +tausendmal verwünscht hab' ich ihn. Er zwingt mich, auf Tritt und +Schritt hinter den von Dir besessenen Genies her zu sein, um sie zu +leiten, um sie zu hindern, Deinem blinden Triebe folgend, sich todt zu +arbeiten in einem todten Schachte. Ja, rühmt Euch nur, Ihr Zwei! Ohne +mich wird das Beste, das Ihr zu spenden habt, Euren Auserkorenen zum +Unheil und zum Fluch.«</p> + +<p>Die Phantasie und der Fleiß senkten die Augen und widersprachen +nicht. Apollo jedoch fragte:</p> + +<p>»Wer bist Du, Einfacher und Schlichter, daß Du eine so selbstbewußte +Sprache führen darfst?«</p> + +<p>Die Antwort lautete: »Ich bin der Verstand.«</p> + +<p>Da blickten die Götter einander an, einige von ihnen errötheten, +besonders Venus und ihr Sohn. Sie <!-- page178 --> senkten die +olympischen Häupter und zogen sich zu einer Berathung zurück.</p> + +<p>Der Beschluß, der in derselben gefaßt und durch Mercur verkündet +wurde, war folgender:</p> + +<p>»Wir anerkennen die Ansprüche eines Jeden von Euch auf die in +unserem Erlasse ausgeschriebene Wohnung. Doch haben wir nur diese +eine zu vergeben und können, da unser Reich ohnehin täglich an Boden +verliert, nicht Raum schaffen für Euch Alle. Einen aber auf Kosten der +beiden Anderen zu bevorzugen, widerstrebt unserer ewigen Gerechtigkeit. +So nehmt unsern Dank für Euer Erscheinen und kehrt zur Erde zurück.«</p> + +<p>Die Phantasie winkte ihrem Gefolge und flog davon; der Fleiß und +der Verstand traten zu Fuße den Heimweg an. Der Erstere, ohne sich +umzusehen; der Andere jedoch warf, am Himmelsthor angelangt, mehr +zufällig, als mit Absicht, einen Blick zurück nach den Gefilden der +Unsterblichen. Da sah er Minerva stehen, kampfbereit in ihrem Frieden, +ruhig und gerüstet. Er beugte sich voll Ehrfurcht; und die Göttin der +Weisheit, mit freundlicher Gebärde, ein holdes Lächeln um den ernsten +Mund, grüßte ihn.</p> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page179 --> + <h3 id="DieBrueder"> + Die Brüder. + </h3> + +<p>Es lebten einst zwei Brüder, denen die Fähigkeit gegeben war, Macht +auszuüben über die Gemüther der Menschen.</p> + +<p>Der Aeltere suchte die Darbenden auf und sprach ihnen von ihrem +Rechte auf Genuß. Er ließ die Arbeitenden die Wonnen des Müßigganges +kosten und entflammte die Besitzlosen zum Kampfe gegen die Besitzenden. +Verherrlichung aller Handlungen der Armen und Elenden, Verhöhnung und +Verdächtigung jeder That der Kinder des Glückes war das zweischneidige +Schwert, das er mit glühender Ueberzeugung führte und das ihm einen +blind ergebenen Anhang erwarb.</p> + +<p>Der Jüngere predigte durch Wort und Beispiel nicht einer bestimmten +Klasse, sondern allen Menschen. Er pries die Hochgeborenen und Reichen +nicht als die besonders Begünstigten und bejammerte die Niedrigen und +Armen nicht als die Enterbten des Geschickes. Er forderte von Allen +gleiche Strenge gegen sich, das gleiche Mitleid mit dem Nächsten, +die gleiche Gerechtigkeit gegen den Feind, und von Allen Arbeit. Vom +Armen, weil sie Brot ist für Weib und Kind, vom Reichen, weil sie die +freiwillige Armuth ist.</p> + +<p><!-- page180 -->Seine Stimme konnte grollen wie der Donner, und +seine Augen konnten dräuen wie der Blitz. Schonungslos schwang er die +Geißel über Die, die er am meisten liebte, und heischte von ihnen fast +ebenso viel Selbstverleugnung, wie von sich selbst.</p> + +<p>Einmal geschah es, daß die getrennten Wege der Brüder sich kreuzten, +und sie einander gegenüber standen.</p> + +<p>»Wie viele Anhänger hast Du?« fragte der Aeltere den Jüngeren.</p> + +<p>»Ich habe zehn gewonnen,« lautete die Antwort, und der ältere Bruder +versetzte:</p> + +<p>»Und ich zehntausend.«</p> + +<p>In der folgenden Nacht hatte jeder von ihnen einen Traum, der ihm +die Zukunft zeigte. Der Aeltere sah sich im Sarge liegen, umtobt von +dem Streite Derer, die das Erbe seiner Macht antreten wollten. Um +die Redegewandten waren kleine Scharen versammelt, lauschten ihren +Schmeicheleien und Verheißungen und schenkten ihnen Glauben. In +Fähnlein zerstückelt, stob das große Heer auseinander.</p> + +<p>Der Führer keuchte und stöhnte im Schlafe; sein Lebenswerk, die +Partei, die er gegründet, endete mit ihm.</p> + +<p>Der Jüngere sah im Traume Wallerzüge durch die Fluren schreiten. +Singend, Blumen und Palmen tragend, pilgerten sie zu einem grünen +Hügel, der sich außerhalb der Mauer eines Dorfkirchhofs erhob. Sie +kamen aus allen Weltgegenden, fremd in der Sprache, im Aussehen, <!-- +page181 --> im Gehaben. Aber am gemeinsamen Ziel angelangt, erkannten +sie, daß sie Brüder waren. Sie reichten einander die Hände über dem +Grabe und riefen in den verschiedensten Sprachen einen ihnen heiligen +Namen.</p> + +<p>Es war der des Träumenden — er hatte eine Religion gestiftet.</p> +</div> +<!-- page182 --> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter"> +<!-- page183 --> + <h2>Gedichte.</h2> +</div> +<!-- page184 --> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> +<!-- page185 --> + <h3 id="Lied"> + Ein kleines Lied. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Ein kleines Lied, wie geht's nur an,</span><br> + Daß man so lieb es haben kann,<br> + Was liegt darin? erzähle! +</p> +<p> + <span class="indent1">Es liegt darin ein wenig Klang,</span><br> + Ein wenig Wohllaut und Gesang<br> + Und eine ganze Seele. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Boule"> + <span lang="fr">Boule d'or.</span> + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">O du des himmlischen Reiches Kind,</span><br> + Du Fremdling im nordischen Moose,<br> + Von Düften umhüllet lieblich und lind,<br> + Des Ostens holdeste Rose. +</p> +<p> + <span class="indent1">Dir gab der leuchtende Sonnenschein</span><br> + Der Farbe Schimmern und Prunken,<br> + Vom Urquell des Lichtes in dich hinein<br> + Die Strahlen hast du getrunken. +</p> +<!-- page186 --> +<p> + <span class="indent2">Zunächst dem Kelch entfaltest du</span><br> + Die Blätter wie goldene Schwingen,<br> + In deines Herzens träumende Ruh'<br> + Vermag kein Auge zu dringen. +</p> +<p> + <span class="indent1">Die würzigen Lüfte nur flüstern + ringsum,</span><br> + Daß hier ein Geheimniß sich hehle,<br> + Doch hüllt sich in Schatten das Heiligthum<br> + Der schüchternen Blumenseele. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Sommermorgen"> + Sommermorgen. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Auf Bergeshöhen schneebedeckt,</span><br> + Auf grünen Hügeln weitgestreckt<br> + Erglänzt die Morgensonne;<br> + Die thauerfrischten Zweige hebt<br> + Der junge Buchenwald und bebt<br> + Und bebt in Daseinswonne. +</p> +<p> + <span class="indent1">Es stürzt in ungestümer Lust</span><br> + Herab aus dunkler Felsenbrust<br> + Der Gießbach mit Getose,<br> + Und blühend Leben weckt sein Hauch<br> + Im stolzen Baum, im nied'ren Strauch,<br> + In jedem zarten Moose. +</p> +<!-- page187 --> +<p> + <span class="indent1">Und drüben wo die Wiese liegt</span><br> + Im Blüthenschmuck, da schwirrt und fliegt<br> + Der Mücken Schwarm und Immen.<br> + Wie sich's im hohen Grase regt<br> + Und froh geschäftig sich bewegt,<br> + Und summt mit feinen Stimmen! +</p> +<p> + <span class="indent1">Es steigt die junge Lerche frei</span><br> + Empor gleich einem Jubelschrei<br> + Im Wirbel ihrer Lieder.<br> + Im nahen Holz der Kuckuck ruft,<br> + Die Amsel segelt durch die Luft<br> + Auf goldenem Gefieder. +</p> +<p> + <span class="indent1">O Welt voll Glanz und Sonnenschein,</span><br> + O rastlos Werden, holdes Sein,<br> + O höchsten Reichthums Fülle!<br> + Und dennoch, ach — vergänglich nur<br> + Und todtgeweiht, und die Natur<br> + Ist Schmerz in Schönheitshülle. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="DerHalbpoet"> + Der Halbpoet. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Es ist die allergrößte Pein,</span><br> + Ein Halbpoet geboren sein,<br> + Zu tragen in sich unerhellt<br> +<!-- page188 --> + Das Chaos einer ganzen Welt,<br> + Aus dessen Gähren, dessen Ringen<br> + Kein ganzes Leben will entspringen. +</p> +<p> + <span class="indent1">Zu steh'n in heißen Durstesqualen</span><br> + Am Zauberborn des Idealen,<br> + Das Schöne liebend zu begreifen,<br> + Heran zur höchsten Klarheit reifen,<br> + Im Reinen wandeln und im Wahren —<br> + Ohnmächtig es zu offenbaren. +</p> +<p> + <span class="indent1">In dir ein Schaffen unbewußt,</span><br> + Ein lautlos Schrei'n in deiner Brust,<br> + Ein Wogen, Keimen, Knospensprengen,<br> + Ein ruheloses Vorwärtsdrängen,<br> + Und dennoch keiner Blüthe Prangen,<br> + Und dennoch kein Zumzielgelangen!<br> + — Es ist die allergrößte Pein,<br> + Ein Halbpoet geboren sein. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Vanitas"> + Vanitas. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Bin ihr begegnet in allen Gestalten,</span><br> + Sah sie gehüllt in jedwedes Gewand,<br> + Heut in des Mantels purpurnen Falten,<br> + Gestern in Lumpen wallend durchs Land. +</p> +<!-- page189 --> +<p> + <span class="indent1">Schwerer besiegt als Helden in + Waffen,</span><br> + Leichter verletzt als ein hülfloses Kind,<br> + Rastlos in ihrem nichtigen Schaffen,<br> + Thöricht und klug, allsehend und blind. +</p> +<p> + <span class="indent1">Heimisch im Tempel, heimisch im + frechen</span><br> + Hause der Sünde, in Hütte und Schloß,<br> + Weiß sie in jeder Zunge zu sprechen,<br> + — Bist du ein Mensch, du bist ihr Genoß. +</p> +<p> + <span class="indent1">Räthselhaft Wesen, dem alle wir + dienen,</span><br> + Das uns beherrscht, ob wir groß oder klein,<br> + Keiner ist noch auf Erden erschienen,<br> + Der es gestand, dein Sklave zu sein. +</p> +<p> + <span class="indent1">Hältst du am engsten ein Opfer + umsponnen,</span><br> + Trägt dir's gewiß den bittersten Haß.<br> + Und dich verleugnet, den du gewonnen,<br> + Schimmernde Lügnerin —: Vanitas! +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="DasSchiff"> + Das Schiff. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Das eilende Schiff, es kommt durch die + Wogen</span><br> + Wie Sturmwind geflogen. +</p> +<p> + <span class="indent1">Voll Jubel ertönt's vom Mast und vom + Kiele:</span><br> + »Wir nahen dem Ziele.« +</p> +<!-- page190 --> +<p> + <span class="indent1">Der Fährmann am Steuer spricht traurig und + leise:</span><br> + »Wir segeln im Kreise.« +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Lebenszweck"> + Lebenszweck. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Hülflos in die Welt gebannt,</span><br> + Selbst ein Räthsel mir,<br> + In dem schalen Unbestand,<br> + Ach, was soll ich hier? +</p> +<p> + <span class="indent1">— Leiden, armes Menschenkind,</span><br> + Jede Erdennoth,<br> + Ringen, armes Menschenkind,<br> + Ringen um den Tod. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Grabschrift"> + Grabschrift. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Im Schatten dieser Weide ruht</span><br> + Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut,<br> + Er hat gefühlt mehr als gedacht,<br> + Hat mehr geweint als er gelacht,<br> + Er hat geliebt und viel gelitten,<br> + <!-- page191 --> + Hat schwer gekämpft und — nichts erstritten.<br> + Nun liegt er endlich sanft gestreckt,<br> + Wünscht nicht zu werden auferweckt.<br> + Wollt' Gott an ihm das Wunder thun,<br> + Er bäte: Herr, o laß mich ruh'n! +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="SP-Blaustrumpf"> + Sankt Peter und der Blaustrumpf. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Ein Weiblein klopft ans Himmelsthor,</span><br> + Sankt Peter öffnet, guckt hervor:<br> + — »Wer bist denn Du?« — »Ein Strumpf, o Herr« ...<br> + Sie stockt, und milde mahnet er:<br> + »Mein Kind, erkläre Dich genauer,<br> + Was für ein Strumpf?« »Vergieb — ein blauer.«<br> + Er aber grollt: »Man trifft die Sorte<br> + Nicht häufig hier an unsrer Pforte.<br> + Seid sammt und sonders freie Geister,<br> + Der Teufel ist gar oft nicht dreister,<br> + Geh hin! er dürfte von Dir wissen,<br> + Der liebe Herrgott kann Dich missen.«<br> + — »Das glaub' ich wohl, — doch ich nicht Ihn,<br> + O Heil'ger, wolle noch verziehn!«<br> + Sie wagt es, sein Gewand zu fassen,<br> + Hat auf die Knie sich sinken lassen.<br> + »Du starker Hort, verstoß' mich nicht,<br> + Laß blicken mich ins Angesicht<br> + Des Ew'gen, den ich stets gesucht.«<br> + <!-- page192 --> + »In welcher Weise, ward gebucht.<br> + Man strebt ihm nach wie's vorgeschrieben,<br> + Du bist uns fern und fremd geblieben.«<br> + Das Weib blickt flehend zu ihm auf:<br> + »Wär' Dir bekannt mein Lebenslauf,<br> + Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden<br> + Ich meinen Herrn und Gott gefunden.«<br> + Der Pförtner stutzt: »Allwo? — Sprich klar!«<br> + — »Daselbst, wo ich zu Hause war,<br> + (Mein Handwerk brachte das mit sich)<br> + Im Menschenherzen. Wunderlich<br> + War dort der Höchste wohl umgeben;<br> + Oft blieb von Seines Lichtes Weben<br> + Ein glimmend Fünklein übrig nur,<br> + Und führte doch auf Gottes Spur.<br> + Ob er sich nun auf dem Altare<br> + Den Frommen reicher offenbare —<br> + Das zu entscheiden ist Dein Amt.<br> + Bin ich erlöst? bin ich verdammt?«<br> + Sankt Peter zu derselben Frist<br> + Etwas verlegen worden ist,<br> + Dacht' eine gute Weile nach,<br> + Nahm endlich doch das Wort. Er sprach<br> + Und rückt dabei den Heil'genschein:<br> + »Besprich es drin. — Ich lass' Dich ein.« +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<!-- page193 --> +<div class="cc"> + <h3 id="Liebeserklaerung"> + Liebeserklärung. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Du Vielgeliebte, Dich hab' ich + geliebt</span><br> + Von Deinem ersten Lebensstündlein an,<br> + Als kaum entwunden Du dem Schoß der Mutter,<br> + Dalagst auf ihrem Bette klein und roth,<br> + Die Wangen voll von Fältchen und die Stirn,<br> + Und auch die winz'gen, unbeholfnen Hände. +</p> +<p> + <span class="indent1">O, welch' ein Glück, an Deiner Wiege + stehn,</span><br> + Bewundern still, wie schön Du schlafen kannst,<br> + Und Dein Erwachen jubelnd zu begrüßen. —<br> + Was immer meine Nichte that und ließ,<br> + Ich fand es einzig, fand es genial;<br> + So weint' und lachte niemals noch ein Kind,<br> + So kroch noch keins dahin auf allen Vieren<br> + Und sprach: »Tata« mit solchem Nachdruck aus. +</p> +<p> + <span class="indent1">Indessen leider! meine gute Meinung + —</span><br> + Weiß Gott, wie's kam — gar viele theilten sie<br> + Und machten sich höchst ungenirt zu eigen,<br> + Was ich entdeckt in angestammter Weisheit. +</p> +<p> + <span class="indent1">Allmälig wuchsen hundert Toggenburgen</span><br> + Empor am Strande Deiner wilden Petsch,<br> + Und in den Burgen wohnten hundert Schmachter<br> + Und Schmachterinnen treu bis in den Tod;<br> + <!-- page194 --> + Das war ein Werben um klein Stutzis Gunst,<br> + Von Jung und Alt ein Loben, Lieben, Staunen,<br> + Solch' einen Heerbann überzeugter Schmeichler<br> + Besaß nur noch die Königin von Saba. +</p> +<p> + <span class="indent1">Wie sie den ihren lenkte, weiß ich + nicht,</span><br> + Doch um so besser denn, wie kurz und stramm<br> + Der Deine ward gehalten. — Keine Faxen!<br> + Die Losung galt, Du gabst sie unbewußt,<br> + Eh' sprechen Du, geschweige denken lerntest. +</p> +<p> + <span class="indent1">So trugen wir es heuchlerisch + gelassen,</span><br> + Als Du Dein Herz in feste Hände gabst ...<br> + Was sag' ich, Hände? Pfoten sind's gewesen,<br> + Die langen gelben der verehrten Lady. +</p> +<p> + <span class="indent1">Doch hatt' auch sie Rivalen, + vielgehaßte:</span><br> + Kaninchen, Katzen, allerlei Gethier,<br> + In erster Reih' die Ponies. Weißt Du noch,<br> + Wie denen sie mißgönnte Deine Huld?<br> + Und wie bestürzt, wenn ihnen Du geschmeichelt,<br> + Die Alte floh, sich auf die Rampe setzte,<br> + Den Kopf erhob und laut zum Himmel heulte. +</p> +<p> + <span class="indent1">Nur eines war mit ihrem Schmerz + vergleichbar,</span><br> + Und ihrem Grimm — der Deine, Kind, als Du<br> + Zu Jahren schon gekommen (ihrer fünf)<br> + »<span lang="fr">Mémoires d'un âne</span>«, von + <span lang="fr">Comtesse Ségur</span><br> + <!-- page195 --> + Zur Kenntniß nahmst. Die Bonne las Dir vor,<br> + Du stricktest stumm, mit ernstem Pflichtgefühl,<br> + An Deinem ersten Strumpfe. Noch erreichten<br> + Den Boden Deine Beinchen nicht, sie wiegten<br> + Sich leise ... Wie Du horchtest, athemlos,<br> + Durchglüht von Freude, Mitleid oder Zorn<br> + Vom Wirbel bis zur Sohle — je nachdem<br> + Des braven Esels Schicksal sich gestaltet.<br> + Und wenn es rührend wurde, flossen Thränen<br> + In hellen Strömen auf die Stickerei,<br> + Die soviel Nässe gar nicht schlucken konnte.<br> + Es war ein Anblick — ich vergeß ihn nie!<br> + Und niemals auch, wie Du vor jenem Kitzlein,<br> + Das einst der Jäger aus dem Wald Dir brachte,<br> + Auf Deine beiden Kniee niedersankst,<br> + Es anzufleh'n unendlich liebevoll:<br> + »O fürcht Dich nicht — ich bin ja Deine Mutter!« +</p> +<p> + <span class="indent1">Und später dann, als Deine Herren + Brüder</span><br> + Erschienen waren und so redlich halfen<br> + Des Hauses kleinen Abgott anzubeten,<br> + Was für Geschichten gäb's da zu erzählen,<br> + Von einer wilden Hummel stets voran<br> + In jeder Fährlichkeit, und ihren blind<br> + Ergebenen Satelliten. — Doch genug,<br> + Sonst heißt es gleich: das Alter ist geschwätzig.<br> + Nur eins noch höre. Als nach langer Trennung<br> + Du heute kamst mit Deinem schwarzen Jungen<br> + <!-- page196 --> + Und seiner blonden Schwester, die kaum zählt<br> + Der Jahre zwei und just so ernsthaft schaut<br> + Wie einstens Du — da fiel mir Alles, Alles<br> + Urplötzlich ein, vom Größten zum Geringsten,<br> + Was wir durchlebt in Treuen ... Ich gedachte,<br> + Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert,<br> + In dem ich sucht' und fand mein reinstes Glück:<br> + Wie manches neue, kleine Wesen kam,<br> + Das einen Platz erstrebte zwischen uns<br> + Und ihn erhielt und jedes obendrein<br> + Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz.<br> + Das <span class="gesperrt">ganze Jedes</span> — henkt die + Mathematik!<br> + Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig,<br> + Es zu verschenken, wenn es wieder gilt.<br> + Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichthum<br> + Ist unerhört in meinen hohen Jahren.<br> + Ich dank' ihn Euch, so seid mir denn bedankt,<br> + Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen.<br> + Durch meiner Liebe, Eurer Liebe Kraft<br> + Begiebt an mir ein schönes Wunder sich:<br> + »Die Kinderlose hat die meisten Kinder.« +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Soistes"> + So ist es. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Sie sagen mir: »Das Dichten reibt Dich + auf.</span><br> + Wir bitten, laß es! thu' das uns zuliebe.«<br> + — »Mir selbst zuliebe thät' ich's, wenn ich könnt'.«<br> + <!-- page197 --> + — »Du kannst, sobald Du willst. Doch daran fehlt's,<br> + Am kräftigen Entschluß, sie zu besiegen<br> + Die liebe Eitelkeit. Man lobt uns ja,<br> + Und der an Lob gewöhnt, entbehrt es schwer.«<br> + »Das weiß ich nicht, doch eines weiß ich gut:<br> + Ob tausendmal auch mehr, als sich gebührte,<br> + Mir Schätzung wurde, dennoch, glaubt mir, dennoch<br> + Mein armes Rühmchen wär mir feil, und mit<br> + Entzücken gäb' ich's für die Freiheit hin.<br> + Ich diene ja, seht Ihr, bin willenlos<br> + In meines Dämons Macht ... Wie nenn ich ihn?<br> + Heißt er vielleicht, — daß Gott erbarm'! — Talent?<br> + — Man sagt, die meisten, die von ihm besessen,<br> + Sie wähnten ihn zu lenken, hielten ihn<br> + Für ein Geschenk der gütigen Natur<br> + Und pflegten sein mit stolzer, treuer Liebe.<br> + Doch fass' ich's nicht. Ist's möglich denn, zu lieben<br> + Was Dir das Höchste raubt, die Selbstbestimmung?<br> + Was Dir mißgönnt die unbefang'ne Freude;<br> + Entwerthet Deinen edelsten Genuß<br> + Durch seiner Flüsterstimme rastlos Mahnen:<br> + — Besinne Dich! was machst Du wohl daraus?<br> + Gäb's nicht ein Bild — ein Streiflicht — ein Detail?<br> + Der Dämon nimmt Dein Herz, stiehlt Dir die Seele,<br> + Er füllt allein Dein ganzes Denken aus.<br> + Du hast nur ihn; ja Dein ureignes Leben,<br> + Dein menschlich Irren, jegliches Empfinden,<br> + Dein glühend Mitleid, Haß und Zorn und Schmerz,<br> + <!-- page198 --> + Dein stillstes Sehnen, Dein geheimster Traum —<br> + In seinem Dienst wird alles ausgemünzt.<br> + — Und dann? was dann? ... Ach Zweifelsqualen, denn,<br> + Ob auf der Münze auch die Prägung echt,<br> + Und angethan, zu dauern wie das Gute,<br> + Wie <span class="gesperrt">nur</span> das Gute dauert und besteht; + —<br> + Das bleibt Dir unbekannt und bleibt es Jedem,<br> + Der mit Dir wandelt noch im Tagesschein.«<br> + Dünkt Euch dies Schicksal so beneidenswerth,<br> + Ertrüg' es Einer, der es wenden könnte?<br> + O Himmel! wenn ich's könnte, ginge mir<br> + Im Alter noch ein neues Leben auf,<br> + Ein Leben voller Ruhe, voller Frieden,<br> + Und abgeschlossen ganz in meiner Liebe<br> + Zu Euch, Ihr Menschenkinder, Brüder, Schwestern.<br> + — So nach wie vor blieb Euer Leid das meine,<br> + Und Euer Glück durchsonnte mir das Herz,<br> + Doch Euch zu schildern hätt' ich aufgehört. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Einschlafen"> + Einschlafen. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Der Tag ist aus, und nun — wie himmlisch wohl + wird's thun,</span><br> + Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruh'n.<br> + — Es war ein harter Tag. — Vorüber und vorbei!<br> + Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei;<br> +<!-- page199 --> + Wenn nicht — nun denn, nun denn! — zu leiden und zu streben,<br> + Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben.<br> + Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende,<br> + Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände.<br> + Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht,<br> + Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht?<br> + Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten<br> + Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten<br> + Jedwedem einst bestimmt. — Wär's Jedem auch beschieden,<br> + Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden.<br> + In sel'gem Frieden ... Ach, braucht ich zu wünschen nur,<br> + Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur,<br> + Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm,<br> + Ich schafft auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm ....<br> + Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen<br> + Und konnt' darüber nie zu voller Klarheit kommen.<br> + — Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit! —<br> + Nicht denken jetzt, nicht mehr — es ist ja Schlafenszeit,<br> + Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke<br> + Mich allem Leid. +</p> +<p> + <span class="indent1">Ich wollt', ich fänd' einmal die + Brücke,</span><br> + Die aus dem wachen uns, dem voll bewußten Sein,<br> + Ins halb bewußte Reich des Traumes führt hinein.<br> + Ein zarter Wunderbau, ein räthselhafter Steg,<br> + <!-- page200 --> + Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg. —<br> + Ei horch, wie's summt und klingt: — die Spieluhr regt sich wieder<br> + Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ...<br> + Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, Du,<br> + Wann endlich kehrst Du heim? wann jauchzst Dein Gruß mir zu?<br> + Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein,<br> + Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ...<br> + Da steht er ja, er selbst — umhaucht von Harzesduft,<br> + Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft —<br> + Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten<br> + Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten.<br> + So komm! — wo bist Du nun? ... gar nirgends zu entdecken —<br> + Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken — —<br> + Mit ihm entschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen,<br> + Die qualmend sich zerstreu'n, die sich zusammenballen —<br> + Und jetzt — o Seligkeit — o Himmelsblumen: Sterne!<br> + Ich schweb', im Wolkenraum ... aus lichtverklärter Ferne<br> + Erhebt sich's wie Gesang so mild und rein —<br> + Ich schlafe nicht, noch lange nicht — o nein — — — +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> +<!-- page201 --> + <h3 id="Spruchverse"> + Spruchverse. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + Was Gutes Du gethan und nicht vergessen hast,<br> + Allmälig wandelt sich's in Unrecht fast.<br> + Begang'ne Schuld, denkst ihrer Du mit Schmerzen,<br> + Verklärt zur Tugend sich in Deinem Herzen. +</p> +<p class="p-indent4"> + Die Großen säen,<br> + Die Kleinen mähen,<br> + Die Kleinsten heimsen ein<br> + So war's — so wird es sein. +</p> +<p> + Ein Mensch — und stolz? O sieh, Dein Thun,<br> + Dein Lassen, Deine Meinung,<br> + Das Alles ist, Du selber bist<br> + Des Scheins Reflexerscheinung. +</p> +<p class="p-indent4"> + Verständniß für jedwedes Leid,<br> + Erbarmen mild mit jedem Fehle;<br> + Daran in dieser Zeitlichkeit,<br> + Erkennst Du die erwählte Seele. +</p> +<p> + Die Eintagsfliege, wie so manche Leute,<br> + Vergönnt sich keine Freude an dem Heute,<br> + Denn ruh- und rastlos immer muß sie sorgen,<br> + arme Eintagsfliege — für das Morgen. +</p> +<p class="p-indent4"> +<!-- page202 --> + Freundeslob und Feindestadel<br> + Sind von zweifelhaftem Adel. +</p> +<p> + Es ist noch Jeder leicht durch diese Welt geschritten,<br> + Der gut zu danken wußt', und wußte gut zu bitten. +</p> +<p> + 's ist Alles schon gesagt, man kann nur wiederholen<br> + Der ehrlichste Poet hat unbewußt gestohlen. +</p> +<p class="p-indent4"> + Zwei Dinge lern' geduldig tragen:<br> + Dein eigen Leid, der Andern Klagen. +</p> +<p class="p-indent2"> + Unsterblich wandelt durch der Zeiten Frist<br> + Das Werk des Denkers, der ein Künstler ist. +</p> +<p class="p-indent4"> + Ein Federheld von echtem Muth,<br> + Der greift beherzt nach seinem Gut<br> + Und Alles, was er brauchen kann,<br> + Sieht als sein Eigenthum er an. +</p> +<p> + Wie lang' hat sich geübt im Täuschen und im Lügen,<br> + Der endlich sagen darf: Mich kann man nicht betrügen? +</p> +<p class="p-indent2"> +<!-- page203 --> + Das Selbstvertraun, der feste Wille,<br> + Auf die zuletzt kommt Alles an.<br> + »Mein Freund, ins Schwarze zielt ein Jeder,<br> + Doch trifft es nur der rechte Mann.« +</p> +<p class="p-indent4"> + Magst den Tadel noch so fein,<br> + Noch so zart bereiten,<br> + Weckt er Widerstreiten. +</p> +<p class="p-indent4"> + Lob darf ganz geschmacklos sein,<br> + Hocherfreut und munter<br> + Schlucken sie's hinunter. +</p> +<p class="p-indent6"> + Den alten Aposteln<br> + Fast gleichen die jungen,<br> + Nichts fehlt ihnen mehr<br> + Als feurige Zungen. +</p> +<p class="p-indent6"> + Sich des Unrechtes wehren<br> + Allezeit bringt Ehren. +</p> +<p class="p-indent2"> + Den Menschen, den nur Neider hassen,<br> + Den muß der Neid selbst gelten lassen. +</p> +<p class="p-indent2"> +<!-- page204 --> + Was noch so fein Philosophie gesponnen,<br> + Das bringt die Poesie ans Licht der Sonnen. +</p> +<p class="p-indent6"> + Nur der das Leiden kennt,<br> + Kennt auch ein heiß Erbarmen;<br> + Der selber darbt, der giebt;<br> + Großmüthig sind die Armen. +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> + <h3 id="Gaensezug"> + Gänsezug. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">Die erste Gans im Gänsezug,</span><br> + Sie schnattert: »Seht, ich führe!«<br> + Die letzte Gans im Gänsezug,<br> + Sie schnattert: »Seht, ich leite!« +</p> +<p> + <span class="indent1">Und jede Gans im Gänsezug,</span><br> + Sie denkt: — Daß ich mich breite<br> + So selbstbewußt, das kommt daher,<br> + Weil ich, ein unumschränkter Herr,<br> + Den Weg mir wähl' nach eignem Sinn,<br> + All meiner Schritte Schreiter bin<br> + Und meine Freiheit spüre! +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<div class="chapter center"> +<div class="cc"> +<!-- page205 --> + <h3 id="DieErdbeerfrau"> + Die Erdbeerfrau. + </h3> + +<div class="poem"> +<p> + <span class="indent1">»A loadi's Erdbeer-Jahr, natürli, + gel'?</span><br> + Am Benno-Tag, der Frost, der hat's dawischt!« —<br> + Sprach sie mich an und lächelte dazu<br> + Mit welkem Mund und wasserblauen Augen,<br> + So harmlos wie ein Kind, die dürre Alte.<br> + <span class="indent1">»Recht schlimm für uns, und schlimmer noch für + Euch,«</span><br> + Erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst,<br> + Den besten wohl im Sommer.« +</p> +<p><span class="indent14">»I? No wiss'ns,</span><br> + Geit's ihrer weni, wern's halt besser zahlt<br> + Die Erdbeer, gar die schöni, aus'm G'stoan,<br> + Wie ebba selli da!« +</p> +<p><span class="indent14">Sie rückt hinweg</span><br> + Den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen<br> + Auf Tannenreislein und auf frischen Blättern<br> + Erdbeeren duftend und so purpurroth,<br> + Daß schon ihr Anblick eine Labung war.<br> + Der Alten bot er wahren Hochgenuß:<br> + »Die wachs'n auf'n Stauf'n, in die Schlucht'n,«<br> + Sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen.<br> + <span class="indent1">Ich hätte seinen Inhalt gern + erworben;</span><br> + Er war verkauft. Vom Berge kam die Frau,<br> + Nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt,<br> + Ein wenig müd' und sehnte sich nach Hause.<br> + »Es warten Eurer«, meint' ich, »Eure Kinder<br> + Und kleine Enkel dort.«<br> + <!-- page206 --> + <span class="indent14">»Auf mi' wart' koa's,</span><br> + I bin alloa,« gab sie zerstreut zurück,<br> + Und mit der Rechten ihre Augen deckend,<br> + Blickt' in die Sonne sie, die goldig fluthend<br> + Soeben hinter Bergeshöh'n versank.<br> + <span class="indent1">»Da schaug'ns hin, zum Zwisl schaug'ns + hin,</span><br> + Da bin i morg'n um die Zeit scho' g'west.<br> + Gon Ab'nd hoaßt's zur Alm no auffikrabin,<br> + Im Heubüh drob'n schlaft ma woltern guat<br> + Und fruh um zwoa geht's ani scho' in d'Staud'n.«<br> + <span class="indent1">Und wieder lag auf ihrem greisen + Antlitz</span><br> + Das Kinderlächeln, das mich gleich bezwang,<br> + Als sie nun sprach von ihren Wanderungen<br> + Im Morgendämmer und beim Sonnenaufgang,<br> + Durch Waldesdunkel, durch das Felsgeklüft,<br> + Und drob so Müdigkeit vergaß, wie Hunger.<br> + Ein Jäger nur erzählt mit solcher Freude<br> + Von seinen Abenteuern auf der Pirsch,<br> + Wie von den ihren sie »beim Erber'-Brocken.«<br> + <span class="indent1">Mit stillem Neide horcht' ich. Aus der + Noth</span><br> + Nicht eine Tugend nur, auch Glück zu machen,<br> + Das ist die allerhöchste Lebenskunst.<br> + Ihr freilich mag sie leicht geworden sein,<br> + Der schlichten, alten Freundin der Natur,<br> + In diesem Dasein, halb im Traum geführt,<br> + Dem Kampf der Welt entrückt, von Leiden frei.<br> + »G'sund bin i, Gott sei Dank!« schloß sie vergnügt,<br> + Und zwinkert' nach den gluthumsäumten Bergen<br> + <!-- page207 --> + Voll Liebe hin, »und hon aa' koani Sorg'n.«<br> + »Im Sommer, doch wie sieht's im Winter + <a href="#207b" id="207a">aus?</a><br> + Mit Gottes Gnad', an diem, a bissl wiescht,<br> + Ma hofft halt immer, daß bal' Frühling wird.<br> + An Oaschicks bringt ihm scho' so kloanweis furt.«<br> + »Das ist der Trost der Einsamen,« sagt ich,<br> + Wie Ihr es seid, und wohl von jeher war't?«<br> + Gutmüthig, heit'ren Spotts zuckt sie die Achseln,<br> + Ob meines Irrthums. »Na, von jeher nit,<br> + I hon amal a schön's A'wes'n g'heit,<br> + An braven Mo', fünf Kinder — ja amal!«<br> + »Fünf Kinder? Hab' und Gut? Und steht allein<br> + Und arm jetzt in der Welt? ... Wie ging das zu?«<br> + »No, schiefri ebba. 's Unglück hat uns hoamg'sucht,<br> + Verbrunnen san mer aa'«, gab sie zur Antwort<br> + Und schien zu denken: Ei, was kümmert's Dich?<br> + Doch mählich eines Bessern sich besinnend,<br> + Hob leise seufzend sie von Neuem an:<br> + »Vor dreizehn Jahren, — warten's — na, vor achtzehn,<br> + Ja wirkli, achtzehn — wie die Zeit vergeht!<br> + Da is bei uns das großi Feuer g'west.<br> + In d' Tenna ei'gschlag'n hat der Blitz von Himmi —<br> + Und voll mit Troad wie's war, so is verbrunnen,<br> + Und aa der Mo', sex Küh', zwoa Kinder, all's<br> + Verbrunna.«<br> + <span class="p-indent6">»Wie? Verbrannt?!«</span><br> + <span class="indent14">»Ja, ja verbrennt.</span><br> + Mi selba hat der Nachbar no am Zopf<br> +<!-- page208 --> + Der damal armsdick war — wer möcht' dees glaub'n? —<br> + Herauszerrt aus die licht'rloh'n Flammen.<br> + Die Gloabiger hon si' den Grund biholten,<br> + Und wiar i gang'n, wiar i g'stand'n bin,<br> + So bin i von der Brandg'stätt weiterzog'n.«<br> + <span class="indent1">»Mit Euren Kindern?«</span><br> + <span class="indent14">»Jo, mit denen drei,</span><br> + Die übri blieb'n san, zwoa Diendln und<br> + An kloan'n Bueb'n,« entgegnet sie gelassen.<br> + <span class="indent1">»Und dann? Wie habt Ihr dann Euch + fortgeholfen?«</span><br> + <span class="indent1">Sie hob den Kopf empor: »No, ehrli halt. + </span><br> + Viel g'arbeit, viel, und aa' a biß'l' bet',<br> + A biß'l nur, denn damaln, wissen's, Frau,<br> + Da war i bös mit unsern lieben Herrgott,<br> + Und bin's aa' blieben no a lange Weil',<br> + Denn oans vo meini Diendln is schlecht g'rath'n<br> + Und leit da drauß'n <span class="gesperrt">vor</span> der + Kirchhofmauer,<br> + I mach en Umweg, mueß i dort vorbi.«<br> + <span class="indent1">»Die Zweite aber? — die?«</span><br> + <span class="indent14">»Die hat an Bauern,</span><br> + In Hammerau, an reich'n, is versorgt.«<br> + <span class="indent1">»Und sorgt für ihre Mutter, will ich + hoffen.«</span><br> + <span class="indent1">»Für mi? Was denken's denn? Sie hat den + Mo',</span><br> + Hat ihm ins Haus koan rothi Heller bracht<br> + Und wird aa' koanen 'naustrag'n — dees hoff' i!«<br> + <span class="indent1">»Und Euer Sohn?«</span><br> + <span class="p-indent6">»Seidat war'r, Schandarm ...</span><br> + I sag, er war, jetzunder is er todt,<br> + <!-- page209 --> + Erschoss'n von die Pascher an der Grenz'.<br> + In letzten Hirgscht hon i die Nachricht kriegt.«<br> + <span class="indent1">Sie sprach es langsam, leise, unbewegt, + </span><br> + Sann nach ein Weilchen; wie ein Lichtstrahl flog's<br> + Erhellend freudig über ihr Gesicht.<br> + »Der is mit mir gar oft in d' Erdber' ganga<br> + Wier er a Bua no war und später aa',<br> + Der hat die Berg so guot gekennt, wiar i.«<br> + <span class="indent1">Sie blickte in die Weite, ganz verklärt + </span><br> + Vom sanften Glück des lieblichsten Erinnerns,<br> + Und wandt' zum Gehen sich mit kurzem Gruß.<br> + Doch plötzlich hielt sie an. Die lichten Augen<br> + Erglänzten wild und stoben Zornesfunken.<br> + An uns vorbeigeschritten kam ein Knabe,<br> + Der in der Hand ein Schüßlein voll mit Beeren,<br> + Armselgen, halbgereiften, trug. — »Du Lump,«<br> + Rief ihm die Alte zu, »kanst's nit derwart'n<br> + Daß d' Erber' roth wer'n, muaßt di greani rupf'n?«<br> + <span class="indent1">Mit hoch erhobner Faust bedroht sie ihn, + </span><br> + Und ein gewaltig Fluchwort flog ihm nah,<br> + Als schleunig er und still die Flucht ergriff.<br> + Dann aber ganz erregt vor Schmerz und Grimm<br> + Sprach sie: »Dees is mei' allerirgster Kumma,<br> + Wenn's d' Erber' brock'n u'reif und kloanleizi,<br> + Ma mirkt's ja deutli, 's thuat der Pflanzen weh.<br> + Sie wehrt sie drum, was sie nur ko', die Armi,<br> + Just wier a Muatta um ihr liebis Kind,<br> + Do' wenn die Frucht recht zeiti wor'n is,<br> +<!-- page210 --> + Geits 's geduldi her; no jo, sie hat<br> + Das ihre redli' tho', und denkt ihm halt:<br> + Jetz' werst der endli aa dein Frieden gunna.«<br> + <span class="indent1">Da stockte sie und sah mich fragend an, + </span><br> + Bestürzt beinah ob dieser Worte Sinn,<br> + Der dämmernd nur ihr zum Bewußtsein kam,<br> + <span class="indent1">»Wo wohnen's?« sprach sie hastig. »In Sankt + Zeno.«</span><br> + <span class="indent1">»Da kimm i lei' an nächst'n Sunnta hin, + </span><br> + Und Erber' bring' i Ihna, solchi haben's<br> + No niemal koana gsegn. Bfüth' Ihna Gott!« +</p> +</div> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- I N H A L T --> +<div class="chapter"> +<!-- page211 --> + <h2> + Inhalt. + </h2> + +<div class="center s4"> +<table class="index"> + <tr> + <td colspan="2" class="tdc">I. Aphorismen.</td> + </tr> + <tr> + <td colspan="2" class="tdr">Seite</td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl">Aerzte werden</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alberne Leute</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alle Enttäuschungen</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alle historischen</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alle irdische Gewalt</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alles wird uns</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Als eine Frau</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alte Diener</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Alt werden heißt</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Am unbarmherzigsten</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Am weitesten in</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Am Ziele</td> + <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + An das Gute</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + An dem Manna</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Andere neidlos</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + An die Stützen</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + An groß angelegte</td> + <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Anmuth ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + An Rheumatismen</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Anspruchslosigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Arme Leute</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auch das kleinste</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auch der ungewöhnlichste</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auch die Tugend</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auch in ein neues</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auch was wir</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Auf angeborne</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ausdauer ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Aus dem Mitleid</td> + <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Aus dem Verlangen</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ausnahmen sind</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Autoren die</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Begeisterung spricht</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Begreifen</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Bei den Hottentotten</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Beim Genie</td> + <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Beim Tode</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Beim Wiedersehen</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Besondere Stände</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Bewunderung</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Bis zu einem</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Da zuletzt</td> + <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Alter</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das edle: Ich will</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Erfundene</td> + <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Feuer läutert</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page212 --> + Das Gefühl</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Gemüth</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das giebt sich</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Leben</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Meiste</td> + <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Mitleid</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Motiv einer</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Recht des</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das scheinbar</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Talent</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Tüttelchen Wahrheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das unfehlbare</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Vernünftige</td> + <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Verständniß</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Vertrauen</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Daß andere Leute</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Daß so viel</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Dem großen Dichter</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Dem Hungrigen</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Dem, der uns</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Demuth ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Den Angriffen</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Den Feind</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Denkfaulheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Den Menschen</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Den Strich</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der alte Satz</td> + <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der am unrechten</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der ans Ziel</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Arbeiter</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Arme</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Augenblick</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Charakter</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Egoismus</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der eitle, schwache</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Gedanke</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Geist einer</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Geist ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Genius</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Gescheitere</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Gläubige</td> + <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der größte Feind</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Hans</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Haß</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der herbste Tadel</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Hochmuth</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Ignorant</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der kleinste Fehler</td> + <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der kleinste Hügel</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Künstler hat</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Künstler versäume</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Leichtsinnige</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Mann</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Maßstab</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der niemals Ehrfurcht</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Pfennig</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> +</tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Philosoph</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> +</tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Platz</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Ruhm</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Schmerz</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Schwächling</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der sich gar</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der sich keine</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Spott</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Staat</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Umgang</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Verstandesmensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Verstand macht</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Verstand und</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Verstand wird</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der völlig vorurtheilslos</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der von Schaffensfreude</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page213 --> + Der Weise</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Weltmann</td> + <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Witzling</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Wohlwollende</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Zufall</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Aenderung</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die allerstillste Liebe</td> + <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Ambrosia</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Aufgabe</td> + <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die bedauernswerthesten</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Bescheidenheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Consequenzen</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die einfachste</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die eingebildeten</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die einzigen</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Eitelkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Empfindung des</td> + <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Erfolge</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Frau, die</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Frau verliert</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Gedankenlosigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Gelassenheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Geschichte hat</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Gleichgültigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die glücklichen Pessimisten</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die glücklichen Sklaven</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Grausamkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die größte Gewalt</td> + <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die größte Gleichmacherin</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die größte Nachsicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die großen Augenblicke</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Großen schaffen</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Großmuth</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Güte</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Gutmüthigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Herrschaft</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die jetzigen</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Katzen</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Kleinen</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die kleinsten Sünder</td> + <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Kraft verleiht</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Kritik</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Kunst</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Langweile</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Laster</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Leidenschaft</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Leute</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Liebe hat</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Liebe überwindet</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Litteratur</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die meiste Nachsicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die meisten Menschen brauchen</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die meisten Menschen ertragen</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die meisten Nachahmer</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Menschen, bei</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Menschen denen</td> + <td class="tdr"><a href="#page19">19</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Menschen der</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Menschen die</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Natur</td> + <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die öffentliche Meinung</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Palme</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Reue</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Rücksichten</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Sitte</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Sittlichkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die still stehende</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Summe unserer</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Thaten</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Theilnahme</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Thoren</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Treue</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die unerträglichsten</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page214 --> + Die Unschuld</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die uns gespendete</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die verstehen</td> + <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Vornehmen</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die wahre Ehrfurcht</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Welt gehört</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Wortkargen</td> + <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Wunden</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Dilettanten</td> + <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Du kannst so rasch</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Du wüßtest</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Echte Propheten</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ehen werden</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein anregendes Buch</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein armer</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein böser Mensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Dichter</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eine gescheite Frau</td> + <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein einziges Wort</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Einen Gedanken</td> + <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Einen Menschen</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Einen mit Weisheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Einer der seltensten</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eine ungeschickte</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eine Vernunftehe</td> + <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein fauler</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein ganzes Buch</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Gedanke kann</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein guter Witz</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Hauptzweck</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Held</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein litterarischer Dieb</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Mann, der</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Mann mit</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Nichts</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein scheinbarer Widerspruch</td> + <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Schwachkopf</td> + <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein stolzer Mensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Streit</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Urtheil</td> + <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein wahrer Freund</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein wirklich guter</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eiserne Ausdauer</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eitelkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eltern verzeihen</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Erinnere Dich</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Er ist ein guter</td> + <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Erstritten</td> + <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es darf so mancher</td> + <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es findet nicht nur</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es gäbe keine</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es gehört immer</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt eine Menge</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt eine nähere</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt eine schöne</td> + <td class="tdr"><a href="#page19">19</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt Fälle</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt Frauen</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt Gelegenheiten</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt keine</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt mehr naive</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt Menschen</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt Menschen mit</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt nichts Böses</td> + <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt überall</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es giebt wenig</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es glaube doch</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es hat noch Niemand</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es ist die Frage</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es ist ein Unglück</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es ist schlimm</td> + <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es ist schwer</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page215 --> + Es kommt alles</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es kommt vor</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es muß sein</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es stände besser</td> + <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es steht etwas</td> + <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Es würde sehr wenig</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Etwas sollen wir</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Fähigkeit ruhiger</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Fortwährendem Entbehren</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Freundlichkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Frieden kannst Du</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Für das Können</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Für die Anspruchsvollen</td> + <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Gebrannte Kinder</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Gedanken, die</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Geduld mit der</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Geistlose Lustigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Gemeinverständlich</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Genire Dich</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Genug weiß</td> + <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Glaube Deinen</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Grobheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Gutmüthigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Hab' einen guten</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Haben und nichts</td> + <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Herrschaft behaupten</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Hoffnungslose Liebe</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Hüte Dich</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Im Alter</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Im Grunde</td> + <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Im Laufe des Lebens</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Im Laufe des Lebens verliert</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Immer wird</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Im Unglück</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In der großen Welt</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In der Jugend</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In der Jugend meinen</td> + <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In einem guten</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In jede hohe</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + In jedem</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Jeder Dichter</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Jeder Künstler</td> + <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Jeder Mensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Jeder Weltmann</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Je kleiner das</td> + <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Je kürzer der</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Je mehr Du</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Je ungebildeter</td> + <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Je weiter unsere</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Jung sein</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Kein Mensch steht</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Kein Mensch weiß</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Kein Todter ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Klarheit ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Künstler haben</td> + <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Künstler! was Du</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Liebe alle Menschen</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Liebe ist Qual</td> + <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Liebhabereien</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Macht ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man bleibt jung</td> + <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Manche Leute</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Manche Menschen</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Manche Tugenden</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page216 --> + Man darf anders</td> + <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man darf die Phantasie</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man fordre nicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man hat einen zu</td> + <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man kann den</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man kann nicht allen</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man kann nicht jedes</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man kann sich</td> + <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man kann viele</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man muß das</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Man muß schon</td> + <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Manuscripte</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Mehr noch als</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Menschen, die nach</td> + <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Menschen, die viel</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Merkmal großer</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Mißtraue Deinem</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Mitleid ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Muth des Schwachen</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nächstenliebe</td> + <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Natur ist Wahrheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nenne Dich nicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nicht jeder große</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nicht jene, die streiten</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nicht leisten können</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts Besseres</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts bist du</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts ist erbärmlicher</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts ist weniger</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts lernen wir so</td> + <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts schwerer als</td> + <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nichts wird so oft</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nicht tödtlich, aber</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nicht was wir erleben</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Niemand ist so</td> + <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nur der Denkende</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nur die allergescheitesten</td> + <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Nur was für</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ob das Werkzeug</td> + <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Raison annehmen</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Respekt vor dem</td> + <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Rücksichtslosigkeiten</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sag' etwas, das sich</td> + <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sagen was man</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Schüchterne Dummheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Schwächliche Grämlichkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sehr geringe</td> + <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sei Deines Willens</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sei froh, wenn</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Seit dem bekannten</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Selbst der bescheidenste</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sich mit Wenigem</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Siege aber</td> + <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sobald eine Mode</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sogar der edelste</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So mancher meint ein Don Juan</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So mancher meint ein gutes</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So Manches</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So manche Wahrheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So reich unser</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So weit Deine</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Soweit die Erde</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Späte Freuden</td> + <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Steril ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Suche immer</td> + <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Theorie und Praxis</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Treue Liebe</td> + <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page217 --> + Treue üben</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Tugend und Gelehrsamkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ueber das Kommen</td> + <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ueberlege ein Mal</td> + <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ueberlege wohl</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Um ein öffentliches</td> + <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Um in eine</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Unbefangenheit</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Unbegründeter Tadel</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Und ich habe mich</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Unerreichbare Wünsche</td> + <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Unseren schlechten</td> + <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Unser Stolz</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Verlegenheit äußert</td> + <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Verschmähtes Erbarmen</td> + <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Verständniß des</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Vertrauen ist Muth</td> + <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Verwöhnte Kinder</td> + <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Viele Leute glauben</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Vieles erfahren haben</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Vorurtheil stützt die</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Während des</td> + <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Während ein</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Warten lernen wir</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was Dein Wort</td> + <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was Du bekrittelst</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was Du wirklich</td> + <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was Du zu</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was ein Mensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was geschehen ist</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was liegt am</td> + <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was liegt dem</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was Menschen und</td> + <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was nennen die</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was noch zu</td> + <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was uns an</td> + <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was wir unserem</td> + <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Was wissen wir</td> + <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Weh der Frau</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Welch ein Unterschied</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Welcher Autor</td> + <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenig Leidenschaft</td> + <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn alberne</td> + <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn der Kunst</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn die Großmuth</td> + <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn die Mißgunst</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn die Nachtigallen</td> + <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn die Neugier</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn die Zeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Du durchaus</td> + <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Du einen</td> + <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Du sicher</td> + <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn ein edler</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn ein Mensch</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn es einen</td> + <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn ich nicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Ihr wüßtet</td> + <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Jeder dem</td> + <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn Jemand etwas</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn man das</td> + <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn man ein</td> + <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn man nicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn man nur</td> + <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn mein Herz</td> + <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn wir an Freuden</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn wir auch</td> + <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn wir nur das</td> + <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn wir nur noch</td> + <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wenn zwei brave</td> + <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <!-- page218 --> + Wer an die</td> + <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer die materiellen</td> + <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer es versteht</td> + <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer Geduld sagt</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer hat nicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer in der Gegenwart</td> + <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer in die</td> + <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer nichts weiß</td> + <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer sich mit</td> + <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wer sich seiner eigenen</td> + <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wie theuer Du</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wie viel Bewegung</td> + <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wie weise muß</td> + <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir entschuldigen</td> + <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir hätten wenig</td> + <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir können es</td> + <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir können uns</td> + <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir müssen immer</td> + <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sind für nichts</td> + <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sind Herr</td> + <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sind in</td> + <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sind leicht</td> + <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sollen immer</td> + <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir sträuben uns</td> + <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir unterschätzen</td> + <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir verlangen</td> + <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wir werden vom</td> + <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wisset, die Euch</td> + <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wo die Eitelkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wo Geschmacklosigkeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wo giebt es noch</td> + <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wohlerzogene</td> + <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wohl finden wir</td> + <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wohl Jedem, der</td> + <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Wo wäre die</td> + <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Zu jeder Zeit</td> + <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Zu späte Erfüllung</td> + <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Zwei sehr</td> + <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Zwischen Können</td> + <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td> + </tr> + <tr> + <td colspan="2" class="tdc">II. Parabeln und Märchen.</td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Mußmenschen</td> + <td class="tdr"><a href="#DieMussmenschen">91</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Vergleich</td> + <td class="tdr"><a href="#Vergleich">101</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Zwei Gräber</td> + <td class="tdr"><a href="#Graeber">102</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Prometheus</td> + <td class="tdr"><a href="#Prometheus">104</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eine Begegnung</td> + <td class="tdr"><a href="#Begegnung">106</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Fremde</td> + <td class="tdr"><a href="#DieFremde">108</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Blatt</td> + <td class="tdr"><a href="#DasBlatt">111</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Siegerin</td> + <td class="tdr"><a href="#DieSiegerin">112</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Verlorene Zuversicht</td> + <td class="tdr"><a href="#Zuversicht">114</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Am Ziel</td> + <td class="tdr"><a href="#Ziel">115</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Eine dumme Geschichte</td> + <td class="tdr"><a href="#dummeGeschichte">117</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der junge Fürst</td> + <td class="tdr"><a href="#Fuerst">125</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Kosmogonie</td> + <td class="tdr"><a href="#Kosmogonie">130</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Brautwahl</td> + <td class="tdr"><a href="#Brautwahl">133</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Werthbestimmung</td> + <td class="tdr"><a href="#Werthbestimmung">140</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Geschieden</td> + <td class="tdr"><a href="#Geschieden">141</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Des Kleinen Lob</td> + <td class="tdr"><a href="#Lob">142</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Besessen</td> + <td class="tdr"><a href="#Besessen">143</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Nachbarn</td> + <td class="tdr"><a href="#DieNachbarn">145</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der gute Feind</td> + <td class="tdr"><a href="#Feind">149</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ohne Vorschule</td> + <td class="tdr"><a href="#Vorschule">150</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Palemon</td> + <td class="tdr"><a href="#Palemon">152</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Beste</td> + <td class="tdr"><a href="#DasBeste">155</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein Glücklicher</td> + <td class="tdr"><a href="#Gluecklicher">159</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Gottesleugner</td> + <td class="tdr"><a href="#DerGottesleugner">161</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Vervehmte</td> + <td class="tdr"><a href="#DieVervehmte">162</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Anhänger + <!-- page219 --> + </td> + <td class="tdr"><a href="#DieAnhaenger">163</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Ausgestoßenen</td> + <td class="tdr"><a href="#DieAusgestossenen">165</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Verwöhnte</td> + <td class="tdr"><a href="#DerVerwoehnte">168</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Propheten-Loos</td> + <td class="tdr"><a href="#Propheten-Loos">169</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ungelöste Aufgaben</td> + <td class="tdr"><a href="#Aufgaben">172</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Untrennbaren</td> + <td class="tdr"><a href="#DieUntrennbaren">174</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Brüder</td> + <td class="tdr"><a href="#DieBrueder">179</a></td> + </tr> + <tr> + <td colspan="2" class="tdc">III. Gedichte.</td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Ein kleines Lied</td> + <td class="tdr"><a href="#Lied">185</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + <span lang="fr">Boule d'or</span></td> + <td class="tdr"><a href="#Boule">185</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sommermorgen</td> + <td class="tdr"><a href="#Sommermorgen">186</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Der Halbpoet</td> + <td class="tdr"><a href="#DerHalbpoet">187</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Vanitas</td> + <td class="tdr"><a href="#Vanitas">188</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Das Schiff</td> + <td class="tdr"><a href="#DasSchiff">189</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Lebenszweck</td> + <td class="tdr"><a href="#Lebenszweck">190</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Grabschrift</td> + <td class="tdr"><a href="#Grabschrift">190</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Sankt Peter und der Blaustrumpf</td> + <td class="tdr"><a href="#SP-Blaustrumpf">191</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Liebeserklärung</td> + <td class="tdr"><a href="#Liebeserklaerung">193</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + So ist es</td> + <td class="tdr"><a href="#Soistes">196</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Einschlafen</td> + <td class="tdr"><a href="#Einschlafen">198</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Spruchverse</td> + <td class="tdr"><a href="#Spruchverse">201</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Gänsezug</td> + <td class="tdr"><a href="#Gaensezug">204</a></td> + </tr> + <tr> + <td class="tdl"> + Die Erdbeerfrau</td> + <td class="tdr"><a href="#DieErdbeerfrau">205</a></td> + </tr> +</table> + +<p class="p2 center">Druck von + <span class="gesperrt">G. Bernstein</span> +in Berlin.</p> +</div> +</div> + +<hr class="chap x-ebookmaker-drop"> + +<!-- T R A N S C R I B E R S ' N O T E S --> +<div class="chapter"> + <h2> +Anmerkungen des Bearbeiters + </h2> + +<div class="center"> +<div class="transnote cc"> +<p> +Das Umschlagbild wurde vom Bearbeiter gestaltet und in die Public +Domain eingebracht. +</p> +<p> +Die Verwendung der Anführungszeichen wurde stillschweigend +vereinheitlicht. +</p> +<p> +Die folgenden wahrscheinlichen Druckfehler wurden im Text geändert. +</p> +<p> +Seite: 30<br> +»Meuschen« wurde in »Menschen« geändert:<br> +<i>Was nennen die <a href="#30a" id="30b">Menschen</a> am liebsten +dumm?</i> +</p> +<p> +Seite: 134<br> +»Töchter« wurde in »Töchtern« geändert:<br> +<i>...unter den <a href="#134a" id="134b">Töchtern</a> des höchsten +Adels.</i> +</p> +<p> +Seite: 207<br> +»au s?« wurde in »aus?« geändert:<br> +<i>Im Sommer, doch wie sieht's im Winter +<a href="#207a" id="207b">aus?</a></i> +</p> +</div> +</div> +</div> +<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***</div> +</body> +</html> diff --git a/77889-h/images/cover.jpg b/77889-h/images/cover.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..5f644c0 --- /dev/null +++ b/77889-h/images/cover.jpg diff --git a/77889-h/images/logo.jpg b/77889-h/images/logo.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..636acc8 --- /dev/null +++ b/77889-h/images/logo.jpg diff --git a/77889-h/images/mvonee.jpg b/77889-h/images/mvonee.jpg Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..3849c1b --- /dev/null +++ b/77889-h/images/mvonee.jpg diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt new file mode 100644 index 0000000..6c72794 --- /dev/null +++ b/LICENSE.txt @@ -0,0 +1,11 @@ +This book, including all associated images, markup, improvements, +metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be +in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES. + +Procedures for determining public domain status are described in +the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org. + +No investigation has been made concerning possible copyrights in +jurisdictions other than the United States. 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