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@@ -0,0 +1,6946 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***
+
+
+
+
+ Gesammelte Schriften
+
+ von
+
+ Marie von Ebner-Eschenbach.
+
+ Erster Band
+
+ Aphorismen.
+ Parabeln, Märchen und Gedichte.
+
+ [Illustration]
+
+ Berlin.
+ Verlag von Gebrüder Paetel.
+ 1893.
+
+ [Illustration: Marie von Ebner-Eschenbach
+ Grav. Meisenbach, Riffarth & Co.]
+
+ Alle Rechte vorbehalten.
+
+
+
+
+ Aphorismen.
+
+
+ Ein Aphorismus
+ ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.
+
+
+
+
+ Erstes Hundert.
+
+
+ 1.
+
+Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und Du bist
+unsterblich.
+
+
+ 2.
+
+Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die
+unsichtbare.
+
+
+ 3.
+
+Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären
+läßt.
+
+
+ 4.
+
+Ein Urtheil läßt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurtheil.
+
+
+ 5.
+
+Vertrauen ist Muth, und Treue ist Kraft.
+
+
+ 6.
+
+Die jetzigen Menschen sind zum tadeln geboren. Vom ganzen Achilles
+sehen sie nur die Ferse.
+
+
+ 7.
+
+Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft sie
+bewiesen haben, daß es keine Freude giebt.
+
+
+ 8.
+
+Es hat noch Niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas
+Außerordentliches leisten wollte.
+
+
+ 9.
+
+Siege, aber triumphire nicht.
+
+
+ 10.
+
+Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Nothwendigkeit.
+
+
+ 11.
+
+Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst strebt,
+ist Größe.
+
+
+ 12.
+
+Der Hochmuth ist ein plebejisches Laster.
+
+
+ 13.
+
+Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu
+begreifen, daß man nicht begreift.
+
+
+ 14.
+
+Die größte Nachsicht mit einem Menschen entspringt aus der Verzweiflung
+an ihm.
+
+
+ 15.
+
+Alt werden, heißt sehend werden.
+
+
+ 16.
+
+Anmuth ist ein Ausströmen der inneren Harmonie.
+
+
+ 17.
+
+Wie weise muß man sein, um immer gut zu sein!
+
+
+ 18.
+
+Die einfachste und bekannteste Wahrheit erscheint uns augenblicklich
+neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten Male an uns selbst erleben.
+
+
+ 19.
+
+Der Verstandesmensch verhöhnt nichts so bitter als den Edelmuth, dessen
+er sich unfähig fühlt.
+
+
+ 20.
+
+Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von Anderen, damit unsere
+Fehler sich bequemer breit machen können.
+
+
+ 21.
+
+Der Gescheitere giebt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet die
+Weltherrschaft der Dummheit.
+
+
+ 22.
+
+Künstler, was Du nicht schaffen mußt, das darfst Du nicht schaffen
+wollen.
+
+
+ 23.
+
+Je mehr Du Dich selbst liebst, je mehr bist Du Dein eigener Feind.
+
+
+ 24.
+
+Eiserne Ausdauer und klaglose Entsagung sind die zwei äußersten Pole
+der menschlichen Kraft.
+
+
+ 25.
+
+Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit, die
+sich täglich bietet.
+
+
+ 26.
+
+Warten lernen wir gewöhnlich erst, wenn wir nichts mehr zu erwarten
+haben.
+
+
+ 27.
+
+Die Leidenschaft ist immer ein Leiden, auch die befriedigte.
+
+
+ 28.
+
+Schüchterne Dummheit und verschämte Armuth sind den Göttern heilig.
+
+
+ 29.
+
+Wenn es einen Glauben giebt, der Berge versetzen kann, so ist es der
+Glaube an die eigene Kraft.
+
+
+ 30.
+
+Die Consequenzen unserer guten Handlungen verfolgen uns unerbittlich
+und sind oft schwerer zu tragen als die der bösen.
+
+
+ 31.
+
+Die Gutmüthigkeit gemeiner Menschen gleicht dem Irrlicht. Vertraue nur
+seinem gleißenden Schein, es führt Dich gewiß in den Sumpf.
+
+
+ 32.
+
+Es giebt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden,
+schwärmerischen und räthselhaften Liebe lieben, wie Nonnen ihr Kloster.
+
+
+ 33.
+
+Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.
+
+
+ 34.
+
+Mitleid ist Liebe im Négligé.
+
+
+ 35.
+
+Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut gerathen, darauf
+wird dort nicht gesehen.
+
+
+ 36.
+
+Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie geliebt
+und nie gehaßt.
+
+
+ 37.
+
+Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.
+
+
+ 38.
+
+Ein Dichter, der ~einen~ Menschen kennt, kann hundert schildern.
+
+
+ 39.
+
+Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die
+Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohlthat.
+
+
+ 40.
+
+Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.
+
+
+ 41.
+
+Haben und nichts geben, ist in manchen Fällen schlechter als stehlen.
+
+
+ 42.
+
+Der Arme rechnet dem Reichen die Großmuth niemals als Tugend an.
+
+
+ 43.
+
+Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche man am
+meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet.
+
+
+ 44.
+
+Die meiste Nachsicht übt der, der die wenigste braucht.
+
+
+ 45.
+
+Wenn ein Mensch uns zugleich Mitleid und Ehrfurcht einflößt, dann ist
+seine Macht über uns grenzenlos.
+
+
+ 46.
+
+Raison annehmen kann Niemand, der nicht schon welche hat.
+
+
+ 47.
+
+Wenn Jemand etwas kann, das gewöhnliche Menschen nicht können, so
+trösten sie sich damit, daß er gewiß von allem, was sie können, nichts
+kann.
+
+
+ 48.
+
+Hüte Dich vor der Tugend, die zu besitzen ein Mensch von sich selber
+rühmt.
+
+
+ 49.
+
+Wenn man nur die Alten liest, ist man sicher, immer neu zu bleiben.
+
+
+ 50.
+
+Das Mitleid des Schwächlings ist ein Licht, ~das~ nicht wärmt.
+
+
+ 51.
+
+Wer sich seiner eigenen Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist ein
+schlechter Erzieher.
+
+
+ 52.
+
+Die eingebildeten Uebel sind die unheilbarsten.
+
+
+ 53.
+
+Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester
+Freund von ihm hält.
+
+
+ 54.
+
+Wenn der Kunst kein Tempel mehr offen steht, dann flüchtet sie in die
+Werkstatt.
+
+
+ 55.
+
+Man muß das Gute thun, damit es in der Welt sei.
+
+
+ 56.
+
+Der Haß ist ein fruchtbares, der Neid ein steriles Laster.
+
+
+ 57.
+
+Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem Reuelosen
+um unseretwillen.
+
+
+ 58.
+
+Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes, als zur
+rechten Zeit eingetretene Reue.
+
+
+ 59.
+
+Das Vertrauen ist etwas so Schönes, daß selbst der ärgste Betrüger sich
+eines gewissen Respects nicht erwehren kann vor dem, der es ihm schenkt.
+
+
+ 60.
+
+Was Du zu müssen glaubst, ist das, was Du willst.
+
+
+ 61.
+
+Auch die Tugend ist eine Kunst, und auch ihre Anhänger theilen sich in
+Ausübende und in bloße Liebhaber.
+
+
+ 62.
+
+Das Alter verklärt oder versteinert.
+
+
+ 63.
+
+Die Güte, die nicht grenzenlos ist, verdient den Namen nicht.
+
+
+ 64.
+
+In der Jugend lernt, im Alter versteht man.
+
+
+ 65.
+
+Es ist ein Unglück, daß ein braves Talent und ein braver Mann so selten
+zusammen kommen!
+
+
+ 66.
+
+In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser hinein
+zu schreiben meinte.
+
+
+ 67.
+
+Wir entschuldigen nichts so leicht als Thorheiten, die uns zuliebe
+begangen wurden.
+
+
+ 68.
+
+Unbegründeter Tadel ist manchmal eine feine Form der Schmeichelei.
+
+
+ 69.
+
+Sei Deines Willens Herr und Deines Gewissens Knecht.
+
+
+ 70.
+
+Natur ist Wahrheit; Kunst ist die höchste Wahrheit.
+
+
+ 71.
+
+Zu späte Erfüllung einer Sehnsucht labt nicht mehr. Die lechzende Seele
+zehrt sie auf wie glühendes Eisen einen Wassertropfen.
+
+
+ 72.
+
+Die Thoren wissen gewöhnlich das am besten, was jemals in Erfahrung zu
+bringen, der Weise verzweifelt.
+
+
+ 73.
+
+Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man sie
+Wissensdrang.
+
+
+ 74.
+
+Etwas sollen wir unseren sogenannten guten Freunden immer abzulernen
+suchen -- ihre Scharfsichtigkeit für unsere Fehler.
+
+
+ 75.
+
+Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.
+
+
+ 76.
+
+Nur was für die Gegenwart zu gut ist, ist gut genug für die Zukunft.
+
+
+ 77.
+
+Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die
+ausweichen.
+
+
+ 78.
+
+In jedem tüchtigen Menschen steckt ein Poet, und kommt beim Schreiben
+zum Vorschein, beim Lesen, beim Sprechen oder beim Zuhören.
+
+
+ 79.
+
+Unerreichbare Wünsche werden als »fromme« bezeichnet. Man scheint
+anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen.
+
+
+ 80.
+
+Der Geist ist ein intermittirender, die Güte ein permanenter Quell.
+
+
+ 81.
+
+Man kann viele Dinge kaufen, die unbezahlbar sind.
+
+
+ 82.
+
+Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer beide
+recht.
+
+
+ 83.
+
+Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht
+einem zukünftigen Baume viel ähnlicher als die junge Eiche.
+
+
+ 84.
+
+Wenn die Mißgunst aufhören muß, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt sie
+an, es zu ignoriren.
+
+
+ 85.
+
+Die Theilnahme der meisten Menschen besteht aus einer Mischung von
+Neugier und Wichtigthuerei.
+
+
+ 86.
+
+Macht ist Pflicht -- Freiheit ist Verantwortlichkeit.
+
+
+ 87.
+
+Seit dem bekannten Siege der Schildkröte über den Hasen hält sie sich
+für eine Schnellläuferin.
+
+
+ 88.
+
+Es giebt Fälle, in denen vernünftig sein, feig sein heißt.
+
+
+ 89.
+
+Sich mit Wenigem begnügen ist schwer, sich mit Vielem begnügen noch
+schwerer.
+
+
+ 90.
+
+Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben.
+
+
+ 91.
+
+Für das Können giebt es nur einen Beweis: das Thun.
+
+
+ 92.
+
+Wenn Du einen vielbetretenen Weg lange gehst, so gehst Du ihn endlich
+allein.
+
+
+ 93.
+
+Es giebt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem
+Verstande. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln
+sie.
+
+
+ 94.
+
+Man fordre nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so lange man sie in dem
+Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei -- zu gefallen.
+
+
+ 95.
+
+An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben.
+
+
+ 96.
+
+Der am unrechten Orte vertraute, wird dafür am unrechten Orte mißtrauen.
+
+
+ 97.
+
+Es würde sehr wenig Böses auf Erden gethan werden, wenn das Böse
+niemals im Namen des Guten gethan werden könnte.
+
+
+ 98.
+
+Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von Denen, welchen wir
+geborgt haben.
+
+
+ 99.
+
+Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im
+Leben.
+
+
+ 100.
+
+Es giebt eine schöne Form der Verstellung: die Selbstüberwindung, --
+und eine schöne Form des Egoismus: die Liebe.
+
+
+
+
+ Zweites Hundert.
+
+
+ 1.
+
+Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es
+immer zu ertragen.
+
+
+ 2.
+
+Schwächliche Grämlichkeit, die alle Fünf gerade sein läßt, ist die
+Karikatur der Resignation.
+
+
+ 3.
+
+Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen Zweifler
+bekehren.
+
+
+ 4.
+
+Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich giebt, die
+subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten
+angewendet würde.
+
+
+ 5.
+
+Man kann nicht allen helfen! sagt der Engherzige und -- hilft Keinem.
+
+
+ 6.
+
+Wer nichts weiß, muß alles glauben.
+
+
+ 7.
+
+Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie selbst
+ihnen anerzogen haben.
+
+
+ 8.
+
+Wenn ein edler Mensch sich bemüht ein begangenes Unrecht gut zu machen,
+kommt seine Herzensgüte am reinsten und schönsten zu Tage.
+
+
+ 9.
+
+Du kannst so rasch sinken, daß Du zu fliegen meinst.
+
+
+ 10.
+
+Was liegt dem Narren an einem vernünftigen Menschen? Die wichtige
+Person für ihn ist der andere Narr, der ihn gelten läßt.
+
+
+ 11.
+
+Verständniß des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind Eins.
+
+
+ 12.
+
+Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.
+
+
+ 13.
+
+Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer.
+
+
+ 14.
+
+Um in eine Versammlung feiner Leute treten zu dürfen, muß man den Frack
+tragen, die Uniform oder -- die Livrée.
+
+
+ 15.
+
+Wer Geduld sagt, sagt Muth, Ausdauer, Kraft.
+
+
+ 16.
+
+Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren
+unübersetzbaren Worten.
+
+
+ 17.
+
+Das Verständniß reicht oft viel weiter als der Verstand.
+
+
+ 18.
+
+So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache Nerven.
+
+
+ 19.
+
+Zwei sehr verschiedene Tugenden können einander lange und scharf
+befehden; der Augenblick bleibt nicht aus, in dem sie erkennen, daß sie
+Schwestern sind.
+
+
+ 20.
+
+Beim Tode eines geliebten Menschen schöpfen wir eine Art Trost aus dem
+Glauben, daß der Schmerz über unseren Verlust sich nie vermindern wird.
+
+
+ 21.
+
+Was ein Mensch glaubt und woran er zweifelt, ist gleich bezeichnend für
+die Stärke seines Geistes.
+
+
+ 22.
+
+Der herbste Tadel läßt sich ertragen, wenn man fühlt, daß Derjenige,
+der tadelt, lieber loben würde.
+
+
+ 23.
+
+Alte Diener sind kleine Tyrannen, an welche die große Tyrannin
+Gewohnheit uns knüpft.
+
+
+ 24.
+
+Verschmähtes Erbarmen kann sich in Grausamkeit verwandeln, wie
+verschmähte Liebe in Haß.
+
+
+ 25.
+
+Aus dem Verlangen nach dem Ueberflüssigen ist die Kunst entstanden.
+
+
+ 26.
+
+Es giebt Gelegenheiten, in denen man sonst ganz wahrhaftigen Menschen
+keinen Glauben schenken darf. Zum Beispiel, dem Großmüthigen, wenn er
+von seinen Ausgaben, und dem Sparsamen, wenn er von seinen Einnahmen
+spricht.
+
+
+ 27.
+
+Man kann nicht jedes Unrecht gut, wohl aber jedes Recht schlecht machen.
+
+
+ 28.
+
+Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso gewiß wie übermäßigem
+Genuß.
+
+
+ 29.
+
+Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein Quell
+unendlichen Leids -- und ein Quell unendlichen Trostes.
+
+
+ 30.
+
+Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht wäre?
+
+
+ 31.
+
+Menschen, die nach immer größerem Reichthum jagen, ohne sich jemals
+Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort
+kochen, sich aber nie zu Tische setzen.
+
+
+ 32.
+
+Einen Gedanken verfolgen -- wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm
+nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von
+Neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke,
+dann läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf -- neckend,
+quälend, unserer Ohnmacht ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber
+der Kraft unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen
+Ringkampf ein beseligendes, unwiderstehliches Bündniß auf Leben und
+Tod, und die Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt.
+
+
+ 33.
+
+Die Sittlichkeit verfeinert die Sitte, und die Sitte wiederum die
+Sittlichkeit.
+
+
+ 34.
+
+Nichts ist erbärmlicher als die Resignation, die zu früh kommt.
+
+
+ 35.
+
+Arme Leute schenken gern.
+
+
+ 36.
+
+Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen.
+
+
+ 37.
+
+Der eitle, schwache Mensch sieht in Jedem einen Richter, der stolze,
+starke hat keinen Richter als sich selbst.
+
+
+ 38.
+
+Autoren, die bestohlen werden, sollten sich darüber nicht beklagen,
+sondern freuen. In einer Gegend, in der kein Waldfrevel vorkommt, hat
+der Wald keinen Werth.
+
+
+ 39.
+
+Wenn alberne Leute sich bemühen, ein Geheimniß vor uns zu verbergen,
+dann erfahren wir es gewiß, so wenig uns auch danach gelüstet.
+
+
+ 40.
+
+Merkmal großer Menschen ist, daß sie an Andere weit geringere
+Anforderungen stellen als an sich selbst.
+
+
+ 41.
+
+Denkfaulheit, Oberflächlichkeit, Starrsinn sind weibliche, Genußsucht,
+Rücksichtslosigkeit, Roheit sind männliche, Trotz, Eitelkeit, Neugier
+sind kindische Fehler.
+
+
+ 42.
+
+Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein
+todeswürdiges Verbrechen.
+
+
+ 43.
+
+Die Eitelkeit weist jede gesunde Nahrung von sich, lebt ausschließlich
+von dem Gifte der Schmeichelei und gedeiht dabei in üppigster Fülle.
+
+
+ 44.
+
+Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche
+entfalten sich die Seelen.
+
+
+ 45.
+
+Der Mann ist der Herr des Hauses; im Hause aber soll nur die Frau
+herrschen.
+
+
+ 46.
+
+Treue Liebe kann zwischen Menschen von sehr verschiedenem, dauernde
+Freundschaft nur zwischen Menschen von gleichem Werthe bestehen. Aus
+diesem Grunde ist die zweite viel seltener als die erste.
+
+
+ 47.
+
+Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: -- alle dummen
+Männer.
+
+
+ 48.
+
+Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten.
+In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich
+Vollenden.
+
+
+ 49.
+
+Ein Schwachkopf, der über andere Menschen urtheilen soll, kann sich
+höchstens in ihre Lage, nie aber in ihre Denk- und Empfindungsweise
+versetzen.
+
+
+ 50.
+
+Es giebt nichts Böses, freilich auch kaum etwas Gutes, das nicht schon
+aus Eitelkeit gethan worden wäre.
+
+
+ 51.
+
+Wenig Leidenschaft, große Herzenswärme, Verstand, Anmuth, leichte
+Umgangsformen, Respekt vor dem Ernst, Verständniß für den Scherz --
+Summa summarum: -- Liebenswürdigkeit.
+
+
+ 52.
+
+Ein scheinbarer Widerspruch gegen ein Naturgesetz ist nur die selten
+vorkommende Bethätigung eines andern Naturgesetzes.
+
+
+ 53.
+
+Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine
+Vernunft zusammennehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die
+ein Mensch begehen kann.
+
+
+ 54.
+
+Wer es versteht, den Leuten mit Anmuth und Behagen Dinge auseinander zu
+setzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am geschwindesten
+den Ruf eines gescheiten Menschen.
+
+
+ 55.
+
+Ueber das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als -- die Hoffnung
+auf ihr Gehen.
+
+
+ 56.
+
+Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie bilden
+die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts.
+
+
+ 57.
+
+Was nennen die Menschen am liebsten dumm? Das Gescheite, das sie nicht
+verstehen.
+
+
+ 58.
+
+Der sich keine Annehmlichkeit versagen kann, wird sich nie ein Glück
+erobern.
+
+
+ 59.
+
+Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.
+
+
+ 60.
+
+Die unerträglichsten Heuchler sind diejenigen, die jedes Vergnügen, das
+ihnen geboren wird, von der Pflicht zur Taufe tragen lassen.
+
+
+ 61.
+
+Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar
+nichts. Gefährlich sind nur die Streitigkeiten zwischen Menschen, die
+einander nicht ganz verstehen.
+
+
+ 62.
+
+Es giebt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die an
+und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen der
+Beschaffenheit einer Seele.
+
+
+ 63.
+
+Wenn die Großmuth vollkommen sein soll, muß sie eine kleine Dosis
+Leichtsinn enthalten.
+
+
+ 64.
+
+Es gehört immer etwas guter Wille dazu, selbst das Einfachste zu
+begreifen, selbst das Klarste zu verstehen.
+
+
+ 65.
+
+Gemeinverständlich, das heißt: auch den Gemeinen verständlich, und
+heißt überdies nicht selten: den Nicht-Gemeinen ungenießbar.
+
+
+ 66.
+
+Jung sein ist schön; alt sein ist bequem.
+
+
+ 67.
+
+Die Gedankenlosigkeit hat mehr ehrliche Namen zu Grunde gerichtet als
+die Bosheit.
+
+
+ 68.
+
+Wenn Du durchaus nur die Wahl hast zwischen einer Unwahrheit und einer
+Grobheit, dann wähle die Grobheit; wenn jedoch die Wahl getroffen
+werden muß zwischen einer Unwahrheit und einer Grausamkeit, dann wähle
+die Unwahrheit.
+
+
+ 69.
+
+Die Wortkargen imponiren immer. Man glaubt schwer, daß Jemand kein
+anderes Geheimniß zu bewahren hat als das seiner Unbedeutendheit.
+
+
+ 70.
+
+Die Empfindung des Einsamseins ist schmerzlich, wenn sie uns im Gewühl
+der Welt, unerträglich jedoch, wenn sie uns im Schoße unserer Familie
+überfällt.
+
+
+ 71.
+
+Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in jungen
+Jahren die Leiden der Tyrannen kennen.
+
+
+ 72.
+
+Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären
+sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu
+ertheilen haben.
+
+
+ 73.
+
+Man hat einen zu guten oder einen zu schlechten Ruf; nur den Ruf hat
+man nicht, den man verdient.
+
+
+ 74.
+
+Du wüßtest gern, was Deine Bekannten von Dir sagen? Höre, wie sie von
+Leuten sprechen, die mehr werth sind als Du.
+
+
+ 75.
+
+Im Laufe des Lebens verliert alles seine Reize wie seine Schrecken; nur
+Eines hören wir nie auf zu fürchten: das Unbekannte.
+
+
+ 76.
+
+Der Charakter des Künstlers ernährt oder verzehrt sein Talent.
+
+
+ 77.
+
+Ein Mann, der sich im Gespräche mit seiner Frau widerlegt fühlt, fängt
+sogleich an, sie zu überschreien: Er will und kann beweisen, daß ihm
+immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt.
+
+
+ 78.
+
+Fähigkeit ruhiger Erwägung --: Anfang aller Weisheit, Quell aller Güte!
+
+
+ 79.
+
+Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können auch
+die Vorboten einer neuen Regel sein.
+
+
+ 80.
+
+Manche Leute wären frei, wenn sie zu dem Bewußtsein ihrer Freiheit
+kommen könnten.
+
+
+ 81.
+
+Muth des Schwachen, Milde des Starken -- beide anbetungswürdig!
+
+
+ 82.
+
+Suche immer zu nützen, suche nie Dich unentbehrlich zu machen.
+
+
+ 83.
+
+Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne das
+Bewußtsein ihres eigenen Werthes; der Mann kommt erst recht zum
+Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau.
+
+
+ 84.
+
+Der Schwächling ist bereit, sogar seine Tugenden zu verleugnen, wenn
+sie Anstoß erregen sollten.
+
+
+ 85.
+
+Der Philosoph zieht seine Schlüsse, der Poet muß die seinen entstehen
+lassen.
+
+
+ 86.
+
+So manche Wahrheit ging von einem Irrthum aus.
+
+
+ 87.
+
+Ein litterarischer Dieb, der sich das Stehlen recht sauer werden läßt,
+kann sein Lebenlang für einen originellen und ehrlichen Mann gelten.
+
+
+ 88.
+
+Wenn Du sicher wählen willst im Conflict zweier Pflichten, wähle
+diejenige, die zu erfüllen Dir schwerer fällt.
+
+
+ 89.
+
+Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend Feinde
+zu unserem Unglück.
+
+
+ 90.
+
+Die Großen schaffen das Große, die Guten das Dauernde.
+
+
+ 91.
+
+Ein anregendes Buch -- eine Speise, die hungrig macht.
+
+
+ 92.
+
+Der Verstand und das Herz stehen auf sehr gutem Fuße. Eines vertritt
+oft die Stelle des andern so vollkommen, daß es schwer ist zu
+entscheiden, welches von beiden thätig war.
+
+
+ 93.
+
+Manuscripte vermodern im Schranke oder reifen darin.
+
+
+ 94.
+
+Wer in die Oeffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten und
+keine zu fordern.
+
+
+ 95.
+
+Ein Mann mit großen Ideen ist ein unbequemer Nachbar.
+
+
+ 96.
+
+Mehr noch als nach dem Glück unserer Jugend sehnen wir uns im Alter
+nach den Wünschen unserer Jugend zurück.
+
+
+ 97.
+
+Erstritten ist besser als erbettelt.
+
+
+ 98.
+
+Das Tüttelchen Wahrheit, das in mancher Lüge enthalten ist, das macht
+sie furchtbar.
+
+
+ 99.
+
+Unseren schlechten Eigenschaften gegenüber giebt es nur ewigen Kampf
+oder schimpflichen Frieden.
+
+
+ 100.
+
+Was Du wirklich besitzest, das wurde Dir geschenkt.
+
+
+
+
+ Drittes Hundert.
+
+
+ 1.
+
+Wohl Jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er soll.
+
+
+ 2.
+
+Die kleinsten Sünder thun die größte Buße.
+
+
+ 3.
+
+An groß angelegte Menschen denkt sich's gut, mit fein angelegten
+Menschen lebt sich's gut.
+
+
+ 4.
+
+Für die Anspruchsvollen plagt man sich, aber die Anspruchslosen liebt
+man.
+
+
+ 5.
+
+Respect vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten aufgespeicherte
+Weisheit.
+
+
+ 6.
+
+Ein fauler und ein fleißiger Mensch können nicht gut mit einander
+leben, der faule verachtet den fleißigen gar zu sehr.
+
+
+ 7.
+
+Wenn man nicht aufhören will, die Menschen zu lieben, muß man nicht
+aufhören, ihnen Gutes zu thun.
+
+
+ 8.
+
+Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind, als das feige,
+selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!
+
+
+ 9.
+
+Es kommt alles auf die Umgebung an. Die Sonne im lichten Himmelsraume
+hat eine viel geringere Meinung von sich als die Unschlittkerze, die im
+Keller brennt.
+
+
+ 10.
+
+Der Künstler versäume nie, die Spuren des Schweißes zu verwischen, den
+sein Werk gekostet hat. Sichtbare Mühe war zu wenig Mühe.
+
+
+ 11.
+
+Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben.
+
+
+ 12.
+
+Man darf die Phantasie verführen, aber Gewalt darf man ihr nicht anthun
+wollen.
+
+
+ 13.
+
+Nicht tödtlich, aber unheilbar, das sind die schlimmsten Krankheiten.
+
+
+ 14.
+
+Kein Mensch steht so hoch, daß er anderen gegenüber nur gerecht sein
+dürfte.
+
+
+ 15.
+
+Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man
+kann.
+
+
+ 16.
+
+Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die
+Nothwehr uns zwingt, allmälig in seinen Fehler zu verfallen.
+
+
+ 17.
+
+Das giebt sich, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer Kinder. O
+nein, es giebt sich nicht, es entwickelt sich!
+
+
+ 18.
+
+Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.
+
+
+ 19.
+
+Der größte Feind des Rechtes ist das Vorrecht.
+
+
+ 20.
+
+Zwischen Können und Thun liegt ein Meer und auf seinem Grunde die
+gescheiterte Willenskraft.
+
+
+ 21.
+
+Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein
+hochmüthiger schreibt es sich zu.
+
+
+ 22.
+
+Bewunderung der Tugend ist Talent zur Tugend.
+
+
+ 23.
+
+Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben,
+brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.
+
+
+ 24.
+
+Die bedauernswerthesten Menschen sind diejenigen, welche Pflichtgefühl
+besitzen, aber nicht die Kraft, ihm zu genügen.
+
+
+ 25.
+
+Beim Wiedersehen nach einer Trennung fragen die Bekannten nach dem, was
+mit uns, die Freunde nach dem, was in uns vorgegangen.
+
+
+ 26.
+
+Es giebt überall verschämte Arme, nur nicht in der Litteratur.
+
+
+ 27.
+
+Wer sich mit wenig Ruhm begnügt, verdient nicht vielen.
+
+
+ 28.
+
+Sagen, was man denkt, ist manchmal die größte Thorheit und manchmal --
+die größte Kunst.
+
+
+ 29.
+
+Menschen, die viel von sich sprechen, machen -- so ausgezeichnet sie
+übrigens sein mögen -- den Eindruck der Unreife.
+
+
+ 30.
+
+Es giebt mehr naive Männer als naive Frauen.
+
+
+ 31.
+
+Der Weise ist selten klug.
+
+
+ 32.
+
+Wie viel Bewegung wird hervorgebracht durch das Streben nach Ruhe!
+
+
+ 33.
+
+Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer
+fanatische Anhänger.
+
+
+ 34.
+
+Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer
+glücklichen Ehe.
+
+
+ 35.
+
+Demuth ist Unverwundbarkeit.
+
+
+ 36.
+
+Ein guter Witz muß den Schein des Unabsichtlichen haben. Er giebt
+sich nicht dafür, aber siehe da, der Scharfsinn des Hörers entdeckt
+ihn, entdeckt den geistreichen Gedanken in der Maske eines schlichten
+Wortes. Ein guter Witz reist incognito.
+
+
+ 37.
+
+Manche Tugenden kann man dadurch erwerben, daß man sie lange Zeit
+hindurch heuchelt. Andere wird man um so weniger erringen, je mehr man
+sucht, sich ihren Sein zu geben. Zu den ersten gehört der Muth, zu den
+zweiten die Bescheidenheit.
+
+
+ 38.
+
+Wohlerzogene Menschen sprechen in Gesellschaft weder vom Wetter noch
+von der Religion.
+
+
+ 39.
+
+Der Staat ist am tiefsten gesunken, dessen Regierung schweigend zuhören
+muß, wenn die offenkundige Schufterei ihr Sittlichkeit predigt.
+
+
+ 40.
+
+Nicht leisten können, was Andere leisten -- Du mußt dich bescheiden.
+Nicht mehr leisten können, was Du selbst einmal geleistet hast -- zum
+verzweifeln.
+
+
+ 41.
+
+Liebhabereien bewahren vor Leidenschaften; ~eine~ Liebhaberei wird zur
+Leidenschaft.
+
+
+ 42.
+
+Welch' ein Unterschied liegt darin, wie man's macht und wie sich's
+macht!
+
+
+ 43.
+
+Den Strich, den das Genie in Einem Zuge hinwirft, kann das Talent in
+glücklichen Stunden aus Punkten zusammensetzen.
+
+
+ 44.
+
+Ein Nichts vermag das Vertrauen in die eigene Kraft zu erschüttern,
+aber nur ein Wunder vermag es wieder zu befestigen.
+
+
+ 45.
+
+Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen.
+
+
+ 46.
+
+In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der Dankbarkeit.
+
+
+ 47.
+
+Die Menschen, bei denen Verstand und Gemüth sich die Wage halten,
+gelangen spät zur Reife.
+
+
+ 48.
+
+Der niemals Ehrfurcht empfunden hat, wird sie auch niemals erwecken.
+
+
+ 49.
+
+Wo giebt es noch einmal zwei Dinge so entgegengesetzt und doch so
+nahe verwandt, so unähnlich und doch so oft kaum von einander zu
+unterscheiden, wie Bescheidenheit und Stolz?
+
+
+ 50.
+
+Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben,
+macht unser Schicksal aus.
+
+
+ 51.
+
+Es gäbe keine Geselligkeit, alle Familienbande würden gelockert, wenn
+die Gedanken der Menschen auf ihrer Stirn zu lesen wären.
+
+
+ 52.
+
+Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand, sagt
+die Frau.
+
+Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte komme, sagt der Mann.
+
+
+ 53.
+
+Liebe alle Menschen, der Leidende aber sei Dein Kind.
+
+
+ 54.
+
+Die Langweile, die in manchem Buche herrscht, gereicht ihm zum Heil;
+die Kritik, die schon ihren Speer erhoben hatte, schläft ein, bevor sie
+ihn geschleudert hat.
+
+
+ 55.
+
+An Rheumatismen und an wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon
+befallen wird.
+
+
+ 56.
+
+Aerzte werden gehaßt aus Ueberzeugung oder aus Oekonomie.
+
+
+ 57.
+
+Die Ambrosia der früheren Jahrhunderte ist das tägliche Brod der
+späteren.
+
+
+ 58.
+
+Ein wirklich guter und liebenswürdiger Mensch kann soviel Freunde
+haben, als er will, aber nicht immer diejenigen, die er will.
+
+
+ 59.
+
+Auf angeborene Tugenden ist man nicht stolz.
+
+
+ 60.
+
+Ein ganzes Buch -- ein ganzes Leben.
+
+
+ 61.
+
+Was Menschen und Dinge werth sind, kann man erst beurtheilen, wenn sie
+alt geworden.
+
+
+ 62.
+
+Der Wohlwollende fürchtet Mißgunst nicht.
+
+
+ 63.
+
+Wir hätten wenig Mühe, wenn wir niemals unnöthige Mühe hätten.
+
+
+ 64.
+
+Es findet nicht nur jeder Odysseus seinen Homer, sondern auch jeder
+Mahomet seine Chadidscha.
+
+
+ 65.
+
+Jeder Weltmann verkehrt lieber mit einem wohlerzogenen Bösewicht, als
+mit einem schlechterzogenen Heiligen.
+
+
+ 66.
+
+Wenn wir an Freuden denken, die wir erlebt haben, oder noch zu erleben
+hoffen, denken wir sie uns immer ungetrübt.
+
+
+ 67.
+
+Nicht jeder große Mann ist ein großer Mensch.
+
+
+ 68.
+
+Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück empfinden,
+empfinden wir als eine Last.
+
+
+ 69.
+
+Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben, daß
+wir Unrecht haben.
+
+
+ 70.
+
+Die Thaten reden, aber den Ungläubigen überzeugen sie doch nicht.
+
+
+ 71.
+
+Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem
+Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es
+an.
+
+
+ 72.
+
+Je weiter unsere Erkenntniß Gottes dringt, je weiter weicht Gott vor
+uns zurück.
+
+
+ 73.
+
+Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn.
+
+
+ 74.
+
+Die Menschen, die wir am meisten verwöhnen, sind nicht immer die, die
+wir am meisten lieben.
+
+
+ 75.
+
+Dem großen Dichter muß man ein starkes Selbstgefühl zu gute halten.
+Eine gewisse Gottähnlichkeit ist Dem nicht abzusprechen, der aus seinem
+Geiste Menschen schafft.
+
+
+ 76.
+
+Ueberlege ein Mal, bevor Du giebst, zwei Mal, bevor Du annimmst, und
+tausendmal, bevor Du verlangst.
+
+
+ 77.
+
+Der Maßstab, den wir an die Dinge legen, ist das Maß unseres eigenen
+Geistes.
+
+
+ 78.
+
+Der Künstler hat nicht dafür zu sorgen, daß sein Werk Anerkennung
+finde, sondern dafür, daß es sie verdiene.
+
+
+ 79.
+
+Ein einziges Wort verräth uns manchmal die Tiefe eines Gemüths, die
+Gewalt eines Geistes.
+
+
+ 80.
+
+Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt.
+
+
+ 81.
+
+Die Natur hat leicht verschwenden; auch das scheinbar ganz nutzlos
+Verstreute fällt zuletzt doch in ihren Schoß.
+
+
+ 82.
+
+Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zu Liebe ablegt, verleiht ihm
+in unseren Augen mehr Werth, als die größten Tugenden, die er sich ohne
+unser Zuthun aneignet.
+
+
+ 83.
+
+Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen, viel schlimmer
+jedoch ist es, wenn nur Einer von ihnen den Andern langweilt.
+
+
+ 84.
+
+Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar
+versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten versteht, daß sie seine
+Liebe erwidere.
+
+
+ 85.
+
+Was noch zu leisten ist, das bedenke; was Du schon geleistet hast, das
+vergiß.
+
+
+ 86.
+
+Wer die materiellen Genüsse des Lebens seinen idealen Gütern vorzieht,
+gleicht dem Besitzer eines Palastes, der sich in den Gesindestuben
+einrichtet und die Prachtsäle leer stehen läßt.
+
+
+ 87.
+
+Im Laufe des Lebens nützen unsere Laster sich ab, wie unsere Tugenden.
+
+
+ 88.
+
+Die Welt gehört Denen, die sie haben wollen, und wird von Jenen
+verschmäht, denen sie gehören sollte.
+
+
+ 89.
+
+Wenn ich nicht predigen müßte, würde ich mich nicht kasteien, sagte ein
+wahrheitsliebender Priester.
+
+
+ 90.
+
+Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück.
+
+
+ 91.
+
+Der Augenblick tritt niemals ein, in welchem der Dummkopf den Weisen
+nicht für fähig hielte, einen Unsinn zu sagen oder eine Thorheit zu
+begehen.
+
+
+ 92.
+
+Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von
+Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer --
+guter Ton.
+
+
+ 93.
+
+Was liegt am Ruhm, da man den Nachruhm nicht erleben kann?
+
+
+ 94.
+
+Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit.
+
+
+ 95.
+
+Es darf so mancher Talentlose von dem Werke so manches Talentvollen
+sagen: Wenn ich das machen könnte, würde ich es besser machen.
+
+
+ 96.
+
+Dilettanten haben nicht einmal in einer secundären Kunst etwas
+Bleibendes geleistet, sich aber verdient gemacht um die höchste aller
+Wissenschaften, die Philosophie. Den Beweis dafür liefern: Montaigne,
+La Rochefoucauld, Vauvenargues.
+
+
+ 97.
+
+Wenn wir auch der Schmeichelei keinen Glauben schenken, der Schmeichler
+gewinnt uns doch. Einige Dankbarkeit empfinden wir immer für den, der
+sich die Mühe giebt, uns angenehm zu belügen.
+
+
+ 98.
+
+Aus dem Mitleid mit Anderen erwächst die feurige, die muthige
+Barmherzigkeit; aus dem Mitleid mit uns selbst die weichliche, feige
+Sentimentalität.
+
+
+ 99.
+
+Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für die
+Axe der Welt.
+
+
+ 100.
+
+Nur die allergescheitesten Leute benützen ihren Scharfsinn nicht bloß
+zur Beurtheilung Anderer, sondern auch ihrer selbst.
+
+
+
+
+ Viertes Hundert.
+
+
+ 1.
+
+Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen, und
+die ist erbärmlich.
+
+
+ 2.
+
+Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das Vernünftigste
+jedoch muß auch das Beste sein.
+
+
+ 3.
+
+Späte Freuden sind die schönsten; sie stehen zwischen entschwundener
+Sehnsucht und kommendem Frieden.
+
+
+ 4.
+
+Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren Werken
+haben.
+
+
+ 5.
+
+Sehr geringe Unterschiede begründen manchmal sehr große
+Verschiedenheiten.
+
+
+ 6.
+
+Der Spott endet, wo das Verständniß beginnt.
+
+
+ 7.
+
+Um ein öffentliches Amt glänzend zu verwalten, braucht man eine gewisse
+Anzahl guter und -- schlechter Eigenschaften.
+
+
+ 8.
+
+Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau beklagenswerth.
+
+
+ 9.
+
+Alle Enttäuschungen sind gering im Vergleich zu denen, die wir an uns
+selbst erleben.
+
+
+ 10.
+
+Je kürzer der Fleiß, je länger der Tag.
+
+
+ 11.
+
+Den Menschen, die große Eigenschaften besitzen, verzeiht man ihre
+kleinen Fehler am schwersten.
+
+
+ 12.
+
+Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Uebersättigten.
+
+
+ 13.
+
+Weh der Frau, die nicht im Falle der Noth ihren Mann zu stellen vermag.
+
+
+ 14.
+
+Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen, ist,
+sich ihnen nützlich zu machen.
+
+
+ 15.
+
+Rücksichtslosigkeiten, die edle Menschen erfahren haben, verwandeln
+sich in Rücksichten, die sie erweisen.
+
+
+ 16.
+
+Wenn man ein Seher ist, braucht man kein Beobachter sein.
+
+
+ 17.
+
+Der ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu haben.
+
+
+ 18.
+
+Es ist die Frage, was man im Leben sucht, Unterhaltung oder Liebe. Im
+ersten Falle darf man es nicht allzu genau mit der moralischen, im
+zweiten nicht allzu genau mit der geistigen Beschaffenheit der Menschen
+nehmen, mit denen man sich umgiebt.
+
+
+ 19.
+
+Den Feind unserer Marotte unseren Freund nennen, heißt gescheit sein.
+
+
+ 20.
+
+Und ich habe mich so gefreut! sagst Du vorwurfsvoll, wenn Dir eine
+Hoffnung zerstört wurde. Du hast Dich gefreut -- ist das nichts?
+
+
+ 21.
+
+Sogar der edelste Mensch ist unfähig, einer Handlung vollkommen gerecht
+zu werden, die er selbst unter keiner Bedingung zu vollziehen vermöchte.
+
+
+ 22.
+
+Wenn wir nur noch das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir bei
+der geistigen Blindheit angelangt.
+
+
+ 23.
+
+Unser Stolz auf den Besitz irgend einer guten Eigenschaft erleidet
+einen argen Stoß, wenn wir sehen, wie stolz Andere auf das
+Nichtbesitzen derselben guten Eigenschaft sind.
+
+
+ 24.
+
+Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor.
+
+
+ 25.
+
+Die größte Gleichmacherin ist die Höflichkeit, durch sie werden alle
+Standesunterschiede aufgehoben.
+
+
+ 26.
+
+Wenn Jeder dem Andern helfen wollte, wäre Allen geholfen.
+
+
+ 27.
+
+Das Gemüth bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt.
+
+
+ 28.
+
+Ausdauer ist eine Tochter der Kraft, Hartnäckigkeit eine Tochter der
+Schwäche, nämlich -- der Verstandesschwäche.
+
+
+ 29.
+
+Theorie und Praxis sind Eins wie Seele und Leib, und wie Seele und Leib
+liegen sie großentheils mit einander in Streit.
+
+
+ 30.
+
+Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine kleine üble
+Gewohnheit die Liebe überwindet.
+
+
+ 31.
+
+In der großen Welt gefällt nichts so sehr wie die Gleichgültigkeit
+darüber, ob man ihr gefällt.
+
+
+ 32.
+
+Die Laster sind unter einander näher verwandt als die Tugenden.
+
+
+ 33.
+
+Man muß schon etwas wissen, um verbergen zu können, daß man nichts weiß.
+
+
+ 34.
+
+Die Palme beugt sich, aber nicht der Pfahl.
+
+
+ 35.
+
+Die meisten Menschen ertragen es leichter, daß man ihnen zuwider
+handelt, als daß man ihnen zuwider spricht.
+
+
+ 36.
+
+Die Gelassenheit ist eine anmuthige Form des Selbstbewußtseins.
+
+
+ 37.
+
+Begreifen -- geistiges Berühren. Erfassen -- geistiges Sichaneignen.
+
+
+ 38.
+
+Die Unschuld des Mannes heißt Ehre; die Ehre der Frau heißt Unschuld.
+
+
+ 39.
+
+Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken
+erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt allein.
+
+
+ 40.
+
+Es muß sein! -- grausamster Zwang. Es hat sein müssen! -- bester Trost.
+
+
+ 41.
+
+Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.
+
+
+ 42.
+
+Während des Beisammenseins mit geliebten Menschen kann man sich in den
+Zustand der Trennung von ihnen ebenso wenig hineindenken wie in den des
+Todes.
+
+
+ 43.
+
+Eitelkeit ist mächtiger als Scham.
+
+
+ 44.
+
+Der Weltmann kennt gewöhnlich die Menschen, aber nicht den Menschen.
+Beim Dichter ist's umgekehrt.
+
+
+ 45.
+
+Im Grunde ist jedes Unglück gerade nur so schwer, als man es nimmt.
+
+
+ 46.
+
+Tugend und Gelehrsamkeit haben nichts mit einander gemein, heißt es.
+Seht aber zu, wohin es mit Eurem moralischen Fortschreiten kommt, wenn
+Ihr von dem geistigen Fortschreiten Eurer Zeit keine Notiz nehmt.
+
+
+ 47.
+
+Das Erfundene kann vervollkommnet, das Geschaffene nur nachgeahmt
+werden.
+
+
+ 48.
+
+Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, als
+Derjenige, der die alten nicht zu verarbeiten versteht.
+
+
+ 49.
+
+Die Aenderung, die unser Naturell im Laufe des Lebens erfährt, sieht
+manchmal aus wie eine Aenderung unseres Charakters.
+
+
+ 50.
+
+Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.
+
+
+ 51.
+
+Die Sitte ist schon gerichtet zu deren Gunsten wir kein anderes
+Argument vorzubringen wissen als das ihrer Allgemeinheit.
+
+
+ 52.
+
+Die Kleinen schaffen, der Große erschafft.
+
+
+ 53.
+
+Daß andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht natürlich,
+daß wir selbst keines haben, immer unfaßbar.
+
+
+ 54.
+
+Erinnere Dich der Vergessenen -- eine Welt geht Dir auf.
+
+
+ 55.
+
+Alle irdische Gewalt beruht auf Gewaltthätigkeit.
+
+
+ 56.
+
+Die Grausamkeit des Ohnmächtigen äußert sich als Gleichgültigkeit.
+
+
+ 57.
+
+Am unbarmherzigsten im Urtheil über fremde Kunstleistungen sind die
+Frauen mittelmäßiger Künstler.
+
+
+ 58.
+
+Im Alter sind wir der Schmeichelei viel zugänglicher als in der Jugend.
+
+
+ 59.
+
+Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen. Die
+Frau, die ihn nicht beeinflussen will -- eine Heilige.
+
+
+ 60.
+
+Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst
+unbewußt. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen, bitter und
+von seinem Recht zu bestehen überzeugt.
+
+
+ 61.
+
+Man bleibt jung so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten annehmen
+und einen Widerspruch ertragen kann.
+
+
+ 62.
+
+Da zuletzt doch alles auf den Glauben hinaus läuft, müssen wir jedem
+Menschen das Recht zugestehen, lieber das zu glauben, was er sich
+selbst, als was Andere ihm weiß gemacht.
+
+
+ 63.
+
+Gutmüthigkeit ist eine alltägliche Eigenschaft, Güte die höchste Tugend.
+
+
+ 64.
+
+In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns gewähren
+können, sei Gerechtigkeit. Im Alter erfahren wir, daß es das Höchste
+ist.
+
+
+ 65.
+
+Genug weiß Niemand, zu viel so Mancher.
+
+
+ 66.
+
+Verlegenheit äußert sich bei unerzogenen Menschen als Grobheit,
+bei nervösen Menschen als Schwatzhaftigkeit, bei alten Jungfern
+und Junggesellen als Bissigkeit. Phlegmatische Menschen macht die
+Verlegenheit stumm.
+
+
+ 67.
+
+Wo Geschmacklosigkeit daheim ist, wird auch immer etwas Rohheit wohnen.
+
+
+ 68.
+
+Der Verstand macht Märtyrer so gut wie die Phantasie, doch er verläßt
+die seinen am Ende; sie bleibt den ihren getreu.
+
+
+ 69.
+
+Bis zu einem gewissen Grade selbstlos sollte man schon aus Selbstsucht
+sein.
+
+
+ 70.
+
+Die Rücksichten, die uns in der Welt erwiesen werden, stehen meistens
+in näherer Beziehung zu unseren Ansprüchen als zu unseren Verdiensten.
+
+
+ 71.
+
+Herrschaft behaupten wollen, heißt kämpfen wollen. Nutzen stiften
+wollen, heißt freilich auch kämpfen wollen, aber -- um den Frieden.
+
+
+ 72.
+
+Das Feuer läutert, verdeckte Gluth frißt an.
+
+
+ 73.
+
+Hab' einen guten Gedanken, man borgt Dir zwanzig.
+
+
+ 74.
+
+Es giebt Menschen im Zopfstyl: viele hübsche Einzelheiten, das Ganze
+abgeschmackt.
+
+
+ 75.
+
+Das Gefühl schuldiger Dankbarkeit ist eine Last, die nur starke Seelen
+zu ertragen vermögen.
+
+
+ 76.
+
+Die Menschen der alten Zeit sind auch die der neuen, aber die Menschen
+von gestern sind nicht die von heute.
+
+
+ 77.
+
+Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung der
+Leidenschaft zu der des Lasters wendet.
+
+
+ 78.
+
+Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht anders
+kleiden.
+
+
+ 79.
+
+Grobheit -- geistige Unbeholfenheit.
+
+
+ 80.
+
+Wir können uns nie genug darüber wundern, wie so wichtig den Andern
+ihre eigenen Angelegenheiten sind.
+
+
+ 81.
+
+Die Kritik ist von geringer Qualität, die meint, ein Kunstwerk nur dann
+richtig beurtheilen zu können, wenn sie die Verhältnisse kennt, unter
+denen es entstanden ist.
+
+
+ 82.
+
+Dem, der uns Gutes thut, sind wir nie so dankbar, wie Dem, der uns
+böses thun könnte, es aber unterläßt.
+
+
+ 83.
+
+So Mancher meint ein Don Juan zu sein und ist nur ein Faun.
+
+
+ 84.
+
+Vorurtheil stützt die Throne, Unwissenheit die Altäre.
+
+
+ 85.
+
+Es kommt vor, daß Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der
+entsetzliche Fall ein, daß einer Maus zugemuthet wird, einen Berg zu
+gebären.
+
+
+ 86.
+
+Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht.
+
+
+ 87.
+
+Jeder Künstler soll es der Vogelmutter nachmachen, die sich um ihre
+Brut nicht mehr bekümmert, sobald sie flügge geworden ist.
+
+
+ 88.
+
+Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn giebst.
+
+
+ 89.
+
+Den Angriffen der Gemeinheit gegenüber ist es schwer, nicht in
+Selbstüberhebung zu verfallen.
+
+
+ 90.
+
+Die einzigen von der Welt unbestrittenen Ehren, die einer Frau zu Theil
+werden können, sind diejenigen, die sie im Reflex der Ehren ihres
+Mannes genießt.
+
+
+ 91.
+
+Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die
+Furcht vor dem Unglück geraubt wurde.
+
+
+ 92.
+
+Die Geschichte hat Helden und Werkzeuge, und macht beide unsterblich.
+
+
+ 93.
+
+Die großen Augenblicke im guten wie im bösen Sinne sind die, in denen
+wir gethan haben, was wir uns nie zugetraut hätten.
+
+
+ 94.
+
+Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an zu
+zirpen.
+
+
+ 95.
+
+Der Witzling ist der Bettler im Reich der Geister; er lebt von Almosen,
+die das Glück ihm zuwirft -- von Einfällen.
+
+
+ 96.
+
+An die Stützen, die wir wanken fühlen, klammern wir uns doppelt fest.
+
+
+ 97.
+
+Das Meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit gethan, in der wir meinten,
+zu wenig zu thun.
+
+
+ 98.
+
+Die allerstillste Liebe ist die Liebe zum Guten.
+
+
+ 99.
+
+Beim Genie heißt es: Laß Dich gehen! Beim Talent: Nimm Dich zusammen!
+
+
+ 100.
+
+Ein böser Mensch vermag leichter einen guten, als ein guter einen bösen
+Vorsatz auszuführen.
+
+
+
+
+ Fünftes Hundert.
+
+
+ 1.
+
+Wisset, die Euch Haß predigen, erlösen Euch nicht.
+
+
+ 2.
+
+Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das
+Material an.
+
+
+ 3.
+
+Die Aufgabe vieler Dichter-Generationen ist keine andere, als das
+Werkzeug blank zu erhalten.
+
+
+ 4.
+
+Welcher Autor darf sagen, daß der Gedanke an die Oberflächlichkeit der
+meisten Leser ihm stets ein peinlicher, und nicht mitunter auch ein
+tröstlicher sei?
+
+
+ 5.
+
+Freundlichkeit kann man kaufen.
+
+
+ 6.
+
+Der Platz des Unparteiischen ist auf Erden zwischen den Stühlen, im
+Himmel aber wird er zur Rechten Gottes sitzen.
+
+
+ 7.
+
+Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zu Tage kommt, wenn sein
+Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.
+
+
+ 8.
+
+Genire Dich vor Dir selbst, das ist der Anfang aller Vorzüglichkeit.
+
+
+ 9.
+
+Die Litteratur wird heutzutage meist als Kunsthandwerk betrieben.
+
+
+ 10.
+
+Einen mit Weisheit Gesalbten darf man nie warm werden lassen, sonst
+trieft er.
+
+
+ 11.
+
+Man kann sich nicht im Besitz von eigentlich unveräußerlichen Gütern
+befinden, ohne etwas von seinem Rechtssinn einzubüßen.
+
+
+ 12.
+
+Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den Starken
+zum Heiligen.
+
+
+ 13.
+
+Je ungebildeter ein Mensch, je schneller ist er mit einer Ausrede
+fertig.
+
+
+ 14.
+
+Die Erfolge des Tages gehören der verwegenen Mittelmäßigkeit.
+
+
+ 15.
+
+Alberne Leute sagen Dummheiten, gescheite Leute machen sie.
+
+
+ 16.
+
+Das scheinbar am unnöthigsten gebrachte, thörichtste Opfer steht
+der absoluten Weisheit immer noch näher als die klügste That der
+sogenannten berechtigten Selbstsucht.
+
+
+ 17.
+
+Der Verstand wird meist auf Kosten des Gemüthes ausgebildet. -- O nein,
+aber es giebt mehr bildungsfähige Köpfe als bildungsfähige Herzen.
+
+
+ 18.
+
+Der Arbeiter soll seine Pflicht thun, der Arbeitgeber soll mehr thun
+als seine Pflicht.
+
+
+ 19.
+
+Bei den Hottentotten ist nicht einmal Napoleon berühmt.
+
+
+ 20.
+
+Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.
+
+
+ 21.
+
+Ob das Werkzeug früher versagt oder die Hand, ist ein großer
+Unterschied, kommt aber auf eins heraus.
+
+
+ 22.
+
+Das Leben erzieht die großen Menschen und läßt die kleinen laufen.
+
+
+ 23.
+
+Der Pfennig der Wittwe wird von der Kirche dankbar quittirt. Willst Du
+gleichen Lohn empfangen im Tempel der Kunst, dann sei ein Krösus und
+bringe Dein Hab' und Gut.
+
+
+ 24.
+
+Geistlose Lustigkeit -- Fratze der Heiterkeit.
+
+
+ 25.
+
+Es glaube doch nicht Jeder, der im Stande war, seine Meinung von einem
+Kunstwerk aufzuschreiben, er habe es kritisirt.
+
+
+ 26.
+
+Einen Menschen kennen, heißt ihn lieben oder ihn bedauern.
+
+
+ 27.
+
+Steril ist der, dem nichts einfällt; langweilig ist, der ein paar alte
+Gedanken hat, die ihm alle Tage neu einfallen.
+
+
+ 28.
+
+Es giebt wenig aufrichtige Freunde -- die Nachfrage ist auch gering.
+
+
+ 29.
+
+Der von Schaffens~freude~ spricht, hat höchstens Mücken geboren.
+
+
+ 30.
+
+Die Wunden, die unserer Eitelkeit geschlagen werden, sind halb geheilt,
+wenn es uns gelingt, sie zu verbergen.
+
+
+ 31.
+
+Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung --
+daß Niemand einstimmt.
+
+
+ 32.
+
+Sei froh, wenn jeder Lober Dir nur ~einen~ Neider erweckt.
+
+
+ 33.
+
+Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst und in der Wissenschaft.
+
+
+ 34.
+
+So weit Deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht Deine Freiheit.
+
+
+ 35.
+
+Was Du bekrittelst, hast Du verloren.
+
+
+ 36.
+
+Der Leichtsinnige kümmert sich nicht einmal um den morgigen Tag, und
+Ihr wollt ihn mit der Ewigkeit schrecken?
+
+
+ 37.
+
+Es ist schwer Den, der uns bewundert, für einen Dummkopf zu halten.
+
+
+ 38.
+
+Daß soviel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die
+Wohlerzogenheit schuld.
+
+
+ 39.
+
+Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es vorbei.
+
+
+ 40.
+
+Wenn Ihr wüßtet, daß Ihr solidarisch seid für jedes begangene Unrecht,
+das Lästern würde Euch vergehen.
+
+
+ 41.
+
+Der sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist
+selten der Besserung fähig.
+
+ 42.
+
+Manche Menschen haben ein Herz von Eisen und drin ein Fleckchen so
+weich wie Brei.
+
+
+ 43.
+
+Die öffentliche Meinung wird verachtet von den erhabensten und von den
+am tiefsten gesunkenen Menschen.
+
+
+ 44.
+
+Es giebt keine schüchternen Lehrlinge mehr; es giebt nur noch
+schüchterne Meister.
+
+
+ 45.
+
+Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht zu
+geschehen, so lange sie noch stehen wird.
+
+
+ 46.
+
+Wenn wir nur das Unrecht hassen und nicht Diejenigen, die es thun,
+werden wir unsere Kampfgenossen ~und~ unsere Feinde lieben.
+
+
+ 47.
+
+Unbefangenheit, Geradheit, Bescheidenheit sind auch göttliche Tugenden.
+
+
+ 48.
+
+Mißtraue Deinem Urtheil, sobald Du darin den Schatten eines
+persönlichen Motivs entdecken kannst.
+
+
+ 49.
+
+Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen.
+
+
+ 50.
+
+Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit ausbreiten
+könnte, und richten Schranken gegen sie auf -- die Nationalitäten.
+
+
+ 51.
+
+Nichts Besseres kann der Künstler sich wünschen als grobe Freunde und
+höfliche Feinde.
+
+
+ 52.
+
+Alle historischen Rechte veralten.
+
+
+ 53.
+
+Anspruchslosigkeit ist Seligkeit.
+
+
+ 54.
+
+Ein armer wohlthätiger Mensch kann sich manchmal reich fühlen, ein
+geiziger Krösus nie.
+
+
+ 55.
+
+Der Ruhm der kleinen Leute heißt Erfolg.
+
+
+ 56.
+
+Besondere Stände haben sich gebildet, um uns zu vermitteln, was nur
+durch die unmittelbarste Einwirkung in uns lebendig werden kann.
+
+
+ 57.
+
+Der völlig vorurtheilslos ist, muß es auch gegen das Vorurtheil sein.
+
+
+ 58.
+
+Die »Vornehmen« -- etymologisch Diejenigen, die vor allen Andern
+nehmen, und zugleich die Bezeichnung für Adelige oder Edle.
+
+
+ 59.
+
+Wer hat nicht schon das, was er sich zutraut, für das gehalten, was er
+vermag?
+
+
+ 60.
+
+Ein Held -- hochheiliger Ernst der Natur; eine Heldin -- Spiel der
+Natur.
+
+
+ 61.
+
+Immer wird die Gleichgültigkeit und die Menschenverachtung dem
+Mitgefühl und der Menschenliebe gegenüber einen Schein von geistiger
+Ueberlegenheit annehmen können.
+
+
+ 62.
+
+Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir
+sind.
+
+
+ 63.
+
+So Manches können wir Anderen zu Liebe thun, unsere Schuldigkeit thun
+wir immer nur uns selbst zu Liebe.
+
+
+ 64.
+
+Es giebt eine nähere Verwandtschaft als die zwischen Mutter und Kind:
+die zwischen dem Künstler und seinem Werke.
+
+
+ 65.
+
+Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt, und
+aus dem, was wir vergessen haben.
+
+
+ 66.
+
+Begeisterung spricht nicht immer für Den, der sie erweckt, und immer
+für Den, der sie empfindet.
+
+
+ 67.
+
+Die still stehende Uhr, die täglich zwei Mal die richtige Zeit
+angezeigt hat, blickt nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen
+zurück.
+
+
+ 68.
+
+Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht Niemand nach dem
+gestirnten Himmel.
+
+
+ 69.
+
+Was wir unserem besten Freunde nicht anvertrauen würden, rufen wir ins
+Publikum.
+
+
+ 70.
+
+Auch der ungewöhnlichste Mensch ist gehalten, seine ganz gewöhnliche
+Schuldigkeit zu thun.
+
+
+ 71.
+
+Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demüthigen als ein
+wohlbegründeter Tadel.
+
+
+ 72.
+
+Der Hans, der etwas erlernte, was Hänschen nicht gelernt, der weiß es
+gut.
+
+
+ 73.
+
+Ein Hauptzweck unserer Selbsterziehung ist: die Eitelkeit in uns zu
+ertödten, ohne welche wir nie erzogen worden wären.
+
+
+ 74.
+
+Das Talent zu herrschen, täuscht oft über den Mangel an anderem Talent.
+
+
+ 75.
+
+Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der Freiheit.
+
+
+ 76.
+
+Was wissen wir nicht alles zur Entschuldigung von Fehlern und
+Uebelständen vorzubringen, aus denen wir Nutzen ziehen!
+
+
+ 77.
+
+Nichts bist Du, nichts ohne die Andern. Der verbissenste Misanthrop
+braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten.
+
+
+ 78.
+
+Kein Todter ist so gut begraben wie eine erloschene Leidenschaft.
+
+
+ 79.
+
+Man kann den Leuten aus dem Wege gehen, vor lauter Verachtung oder --
+vor lauter Respekt.
+
+
+ 80.
+
+Die Treue ist etwas so Heiliges, daß sie sogar einem unrechtmäßigen
+Verhältnisse Weihe verleiht.
+
+
+ 81.
+
+An dem Manna der Anerkennung lassen wir es uns nicht genügen, uns
+verlangt nach dem Gifte der Schmeichelei.
+
+
+ 82.
+
+Ueberlege wohl, bevor Du Dich der Einsamkeit ergiebst, ob Du auch für
+Dich selbst ein heilsamer Umgang bist.
+
+
+ 83.
+
+Wir sind Herr über unsere gerechtfertigten Neigungen und werden von den
+ungerechtfertigten am Narrenseil geführt.
+
+
+ 84.
+
+Glaube Deinen Schmeichlern -- Du bist verloren; glaube Deinen Feinden
+-- Du verzweifelst.
+
+
+ 85.
+
+Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf -- es kommt nur auf die
+Entfernung an.
+
+
+ 86.
+
+Am weitesten in der Rücksichtslosigkeit bringen es die Menschen, die
+vom Leben nichts verlangen als ihr Behagen.
+
+
+ 87.
+
+Der kleinste Hügel vermag uns die Aussicht auf einen Chimborazo zu
+verdecken.
+
+
+ 88.
+
+Wir können es im Alter zu nichts Schönerem bringen, als zu einem milden
+und anspruchslosen Quietismus.
+
+
+ 89.
+
+Nichts schwerer als Den gelten lassen, der uns nicht gelten läßt.
+
+
+ 90.
+
+Was Dein Wort zu bedeuten hat, erfährst Du durch den Widerhall, den es
+erweckt.
+
+
+ 91.
+
+Es steht etwas über unseren schaffensfreudigen Gedanken, das feiner
+und schärfer ist als sie. Es sieht ihrem Entstehen zu, es überwacht,
+ordnet und zügelt sie, es mildert ihnen oft die Farben, wenn sie Bilder
+weben, und hält sie am knappsten, wenn sie Schlüsse ziehen. Seine
+Ausbildung hängt von der unserer edelsten Fähigkeiten ab. Es ist nicht
+selbst schöpferisch, aber wo es fehlt, kann nichts Dauerndes entstehen;
+es ist eine moralische Kraft, ohne die unsere geistige nur Schemen
+hervorbringt; es ist das Talent zum Talent, sein Halt, sein Auge, sein
+Richter, es ist -- das künstlerische Gewissen.
+
+
+ 92.
+
+Die Großmuth ist nicht immer am rechten Platz, der Geiz aber ist immer
+am unrechten.
+
+
+ 93.
+
+Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen.
+
+
+ 94.
+
+Wir sträuben uns gegen das Leiden, wer aber möchte nicht gelitten haben?
+
+
+ 95.
+
+Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen
+sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.
+
+
+ 96.
+
+So reich unser Leben an wohlausgenützten Gelegenheiten war,
+vortrefflichen Menschen nahe zu stehen, so reich ist es überhaupt
+gewesen.
+
+
+ 97.
+
+Wie theuer Du eine schöne Illusion auch bezahltest, Du hast doch einen
+guten Handel gemacht.
+
+
+ 98.
+
+Wohl finden wir unsere Worte auf den Lippen der Freunde wieder, aber
+nicht mehr als unser, sondern als ihr Eigenthum.
+
+
+ 99.
+
+Am Ziele Deiner Wünsche wirst Du jedenfalls Eines vermissen: Dein
+Wandern zum Ziel.
+
+
+ 100.
+
+Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.
+
+
+
+
+ Parabeln und Märchen.
+
+
+
+
+ Die Mußmenschen.
+
+
+Ein zum Tode verurtheilter Verbrecher entsprang seiner Haft kurz vor
+dem Tage, an welchem er hingerichtet werden sollte, und gelangte
+auf der Flucht in ein wildes Bergland, dessen Geklüfte ihm Schutz
+vor den verfolgenden Häschern bot. Als der Hunger ihn zwang, seinen
+Schlupfwinkel zu verlassen und einen wirthlicheren Aufenthalt zu
+suchen, führte ihn sein Weg zu der Hütte eines alten Ziegenhirten, der
+dem halb Verschmachteten Gastfreundschaft gewährte. Der Alte wurde
+gesprächig, und erzählte unter Anderem von einem merkwürdigen Lande,
+in welchem er viele Jahre seines Lebens zugebracht hatte. -- In diesem
+Lande, sagte er, herrsche der Glaube an die Unfreiheit des menschlichen
+Willens. Dort maße sich Keiner das Recht an, seinen Nächsten zur
+Verantwortung zu ziehen; Niemand schreibe sich ein Verdienst zu;
+Niemand zeihe sich einer Schuld; den Begriff von gut und böse gebe es
+nicht; es gebe kein Thun, sondern nur ein Geschehen; die Handlungen
+der Menschen werden genau so betrachtet, wie Naturereignisse, als die
+nothwendigen Folgen unabsehbarer, von Ewigkeit her wirkender Ursachen.
+
+»So giebt es in dem Lande weder Gesetz noch Richter?« fragte der
+Verbrecher.
+
+»Weder Gesetz noch Richter,« antwortete der Hirt.
+
+»Und Mord und Raub, wie werden sie beurtheilt?«
+
+»Nicht anders, als wie man Sturm und Wetterschlag beurtheilt.«
+
+Da hatte der Verbrecher eine große Freude und rief: »Das ist ein Land
+für mich, in dem hätte ich geboren werden sollen. Dahin will ich gehen.«
+
+Sofort erkundigte er sich nach dem Weg, den er einzuschlagen habe,
+trat die Wanderung an und erreichte nach vielen Abenteuern und
+Fährlichkeiten eines schönen Sommermorgens glücklich sein Ziel.
+
+Er betrat ein blühendes, sorgfältig bebautes Land. In der Nähe eines
+freundlichen Dorfes waren viele Leute mit dem Mähen einer herrlichen
+Wiese beschäftigt. Die Männer führten die Sense, die Frauen den Rechen,
+Alle arbeiteten eifrig und mit sichtbarem Vergnügen.
+
+Wie merkwürdig! dachte der Verbrecher, und fragte einen der Mäher:
+»Freund, warum plagst Du Dich?«
+
+»Weil ich muß,« antwortete Jener.
+
+»So? und wer zwingt Dich?«
+
+»Wer? Du meinst wohl, ~was~ mich zwingt. Mich zwingt das angeerbte
+Bedürfniß des Fleißes, mich zwingt die Einsicht, daß ich arbeiten muß,
+da ich leben muß.«
+
+»Habt Ihr denn hier zu Lande keine reichen Leute, denen Ihr wegnehmen
+könntet, was Ihr braucht um zu leben, und noch etwas darüber?«
+
+»Da würden wir,« erhielt er zur Antwort, »dem Thoren gleichen, der
+seiner goldene Eier legenden Henne den Hals abschnitt. So unvernünftig
+müssen nur Halbwilde handeln; wir sind ein uraltes Culturvolk und
+müssen das Vernünftige thun.«
+
+Kaum waren diese Worte gesprochen, als sich plötzlich ein Geschrei
+erhob, das durchaus nichts Cultivirtes hatte. Eine kleine hübsche Frau
+war mit ihrem Mann in Streit gerathen und drosch mit den Fäusten, so
+stark und so schnell sie konnte, auf ihn los. Er wehrte sich nicht.
+
+»Alle Wetter,« sagte der Verbrecher, »diese Frau hagelt ja.«
+
+»Zu Zeiten. Die Motive, von denen sie veranlaßt wurde, als
+immerwährender Sonnenschein an unserem Ehehimmel zu prangen, wirken
+leider noch nicht permanent,« entschuldigte der Geprügelte und machte
+ein sehr trauriges Gesicht, als jetzt ein hochgewachsenes Weib auf die
+kleine Frau zutrat, ihr trotz ihres Sträubens die Hände auf den Rücken
+band und sie wegführte.
+
+Der Verbrecher allein hatte diesem Vorgang mit Neugier und
+Schadenfreude zugesehen; alle Uebrigen schenkten ihm nur geringe und
+unlustige Aufmerksamkeit.
+
+Die Raststunde war gekommen; die Mäher ließen sich ins Gras nieder
+und begannen das Mittagessen, das Frauen und Kinder aus dem Dorfe
+herbeigebracht hatten, gemeinsam zu verzehren. Der Verbrecher setzte
+sich zu dem betrübten Ehemann, der nicht aufhören konnte, von seiner
+Gattin zu sprechen.
+
+»Sie hat ihre Mutter früh verloren,« erzählte er, »und ist vom
+Vater aus schwer belastet mit ererbtem moralischen Siechthum. Der
+Einfluß unserer Schule, dieses herrlichen Gartens, in welchem junge
+Menschenblumen unter der Leitung großer Künstler und Denker zur
+Entfaltung des schönsten Müssens herangebildet werden, hat sich als
+unzureichend zur Besiegung des Uebels meiner armen kleinen Frau
+erwiesen.«
+
+»Deine männliche Oberherrlichkeit desgleichen,« spottete der
+Verbrecher. »O, Du Starker, Du Langmüthiger! wie geduldig hast Du Dich
+mißhandeln lassen von einem schwachen Weiblein! Welchen Lohn giebt es
+bei Euch für solche Tugend?«
+
+»Lohn? Tugend?« erwiderte man ihm; »haben die Bewohner Deines Landes
+nichts gelernt in der Flucht der Jahrtausende? Klebt man bei Euch noch
+an so kindischen Begriffen? Wir sind ein uraltes Culturvolk und wissen
+von ihnen längst nichts mehr.«
+
+Diese Entgegnung ergötzte den Verbrecher, und er sprach nun den Wunsch
+aus, zu erfahren, wohin die kleine Frau, die so hübsch hageln konnte,
+geführt, und wer Diejenige gewesen, von der sie abgeholt worden.
+
+»Eine Krankenwärterin,« antwortete der Mann, »und sie hat meine Frau
+ins Spital bringen müssen.«
+
+»Ist sie denn krank?«
+
+»Gewiß. Hast Du nicht gesehen, daß sie eine Krankheit hat, durch die
+sie gezwungen wird, mich zu schlagen?«
+
+»Krankheit nennt Ihr das?« rief der Verbrecher; »nun, wenn sie eine
+Krankheit hat, die sie zwingt, zu schlagen, habe ich eine Gesundheit,
+die mich zwingt, zu essen. So nehm' ich denn ungeladen an Eurem Mahle
+Theil.«
+
+Damit griff er in die Schüsseln, langte nach den Gläsern und aß und
+trank für Zehn.
+
+Die Mußmenschen schienen erstaunt, ließen ihn jedoch gewähren. Als
+die Raststunde zu Ende war, gaben sie ihm eine Sense in die Hand und
+sagten: »Du hast gegessen, jetzt arbeite!«
+
+Aber davon wollte er nichts hören. Er behauptete, sich fortwährend
+ausruhen zu müssen, bis zu dem Augenblick, in dem eine ihm zusagende
+Thätigkeit sich ihm eröffne.
+
+Die Arbeiter gingen wieder an ihre Beschäftigung, er blieb bei den
+Mädchen und Frauen zurück, die das Ordnen des Eßzeuges besorgten, fing
+an mit ihnen zu schäkern, machte einem jungen Weibe Liebesanträge und
+wollte, als dieselben abgewiesen wurden, sofort Gewalt brauchen.
+
+Die Frauen riefen nach Hülfe; einige Männer stürzten herbei und
+entrissen dem Verbrecher sein Opfer. Da gerieth er in Wuth, zog
+sein Messer und konnte erst nach heftigem Kampfe niedergeworfen und
+gebändigt werden.
+
+Je wilder er gerast hatte, desto schonender war man mit ihm
+umgegangen. Alle bedauerten ihn: »Glücklich, die eines heilsamen
+Müssens sind,« sprachen sie. »Du bist es nicht; Dein Benehmen ist
+gemeinschädlich und macht Dich reif für das große Spital.«
+
+Und wirklich wurde er nicht in das kleine Dorfspital, sondern nach dem
+Hauptspital in die Stadt gebracht.
+
+Dort übernahm ihn ein Krankenwärter und führte ihn eine breite Treppe
+empor durch einen langen Gang, auf den viele Thüren mündeten. An jeder
+Thür hing ein Rähmchen, und in jedem Rähmchen stak ein Recept. Hinter
+den Thüren hörte man jämmerlich klagen und stöhnen.
+
+Dem Verbrecher wurde unheimlich zu Muthe, und kleinlaut erkundigte er
+sich, was denn da geschehe?
+
+»Es werden Erinnerungszeichen gepflanzt, lies nur die Recepte.«
+
+Und er las: Dreimal täglich fünf Ruthenstreiche. -- Allabendlich zwölf
+Stockprügel. -- Vierzehn Tage bei Wasser und Brot ... u. s. w.
+
+»Wie nennt Ihr das?« rief er »Erinnerungszeichen pflanzen? ... Hol'
+Euch der Teufel!«
+
+»Ich kenne die Wurzel nicht, aus der ihm ein zureichender Grund
+dazu erwüchse,« versetzte der Wärter. »Die Erinnerungszeichen, die
+hier gepflanzt werden, verfehlen ihre Wirkung selten. Sie treiben
+so zwingende gesunde Motive, daß diese fast regelmäßig genügen, die
+ungesunden, die etwa in dem Reconvalescenten wieder auftauchen möchten,
+zu überwinden.«
+
+»Wenn sie aber nicht genügen?«
+
+»Dann wird die Kur wiederholt, so oft wiederholt, bis der Eintritt der
+gesunden Motive das Selbstverständliche wird und die ungesunden, immer
+weiter zurückgedrängten, sich endlich gar nicht mehr melden.«
+
+»Wenn sie sich aber durchaus nicht zurückdrängen lassen?«
+
+»Dann geht der Kranke den Weg der Unheilbaren.«
+
+»Was ist das für ein Weg?«
+
+»Das ist der Weg zum Richtplatz.«
+
+»Pfui!« sagte der Verbrecher, »pfui! einen Richtplatz habt Ihr auch?«
+Er sprach seinen Abscheu gegen dieses letzte Mittel und gegen die ganze
+Motiv treibende Behandlung aus; der Wärter jedoch zuckte die Achseln
+und versetzte:
+
+»Was ist zu thun? Wir Menschen sind einmal angewiesen, in Gesellschaft
+zu leben, und da wir es sind, müssen wir suchen, dieses Zusammenleben
+möglichst gedeihlich zu gestalten. Nun hat die Erfahrung uns gelehrt,
+das geschähe am besten, wenn Frieden, gegenseitige Rücksicht und
+Hülfbereitschaft unter uns herrschen. So haben wir denn die ganze Kraft
+unseres Müssens auf die Erfüllung jener Bedingungen der allgemeinen
+Wohlfahrt gestellt. Giebt sich bei Einzelnen ein ihr widerstrebendes
+Müssen kund, können wir es nur als ein krankhaftes ansehen, und müssen
+suchen, es zu kuriren.«
+
+»Durch Prügel und Fasten?« rief der Verbrecher.
+
+Der Wärter bemühte sich, ihn zu beruhigen. »Wir befinden uns in der
+Abtheilung der Schwerkranken«, sprach er. »So scharfe Mittel wie hier
+werden nur ausnahmsweise angewandt. Bei unserer weit vorgeschrittenen
+Cultur genügt meistens eine leichte Behandlung zum Aufpflanzen eines
+dauernden Erinnerungszeichens und zur Heilung eines ungesunden Müssens.«
+
+»Ach, sprächst Du wahr!« fiel ihm ein Mann ins Wort, der sich genähert
+und den letzten Satz seiner Rede mit angehört hatte. »An mir ist Eure
+Kunst gescheitert. Ihr habt mich vor einem Jahre als geheilt von
+meiner Hochmuthskrankheit entlassen, und heute schon habe ich in einem
+Zeitungsartikel mein eigenes philosophisches System auf Kosten aller
+bisher aufgestellten gelobt, und jene schmählich heruntergemacht. Gebt
+mir mein Geld zurück, oder nehmt mich von Neuem in die Kur.«
+
+Der Wärter lud ihn ein, ihm ins Ordinationszimmer zu folgen, wohin er
+eben einen Fremden, der sehr krank sei, führen müsse. -- Da brach der
+Verbrecher jedoch in helle Empörung aus. »Geht ohne mich!« schrie er,
+»ich habe des Spaßes genug.« Er wandte sich und wollte entfliehen. Der
+Wärter lief ihm nach, hielt ihn fest; ein furchtbares Ringen entstand,
+und ehe die aus allen Zellen heraneilenden Kranken es hindern konnten,
+hatte der Verbrecher den Wärter erdrosselt.
+
+Das war die letzte seiner Thaten.
+
+Nachdem die Spittler ihr wärmstes Mitleid mit seinem hochgefährlichen
+Zustand geäußert hatten, überwältigten sie ihn und schleppten ihn vor
+die Doctoren.
+
+Einen Augenblick war dem Verbrecher seine Frechheit abhanden gekommen;
+angesichts der Sanftmuth und Ruhe, mit welcher die Aerzte sich gegen
+ihn benahmen, kehrte sie wieder zurück, und er beantwortete voll Hohn
+die an ihn gestellten Fragen.
+
+Die Doctoren erklärten seinen Fall als einen unerhört schweren und
+dictirten eine allerdings schreckliche Behandlung. Er ließ sie ausreden
+und schlug dann ein tolles Gelächter auf.
+
+»Ihr habt Euch umsonst bemüht,« spottete er; »ich lasse mir Eure
+Behandlung nicht gefallen, weil ich Euren Anordnungen nicht unterstehe,
+weil ich ein freier Mensch bin.«
+
+Die Doctoren sahen einander erstaunt an: »Ein freier Mensch? was heißt
+das?« fragten sie.
+
+»Das heißt, Ihr Automaten, daß Ihr Eure Tractirungen an mir nicht
+versuchen dürft, weil ich nichts gemein mit Euch habe, weil ich kein
+Mußmensch bin. Was ich gethan habe, habe ich thun wollen und hätte auch
+ganz anders handeln können.«
+
+Bei diesen Worten bemächtigte sich der Versammlung ein maßloses
+Entsetzen.
+
+»Weh über Dich!« riefen die Doctoren; »Du hättest das Ungesunde und
+Gemeinschädliche nicht thun müssen, und hast es dennoch gethan?
+Ungeheuer! scheußliche Ausnahme des allweisen, allherrschenden
+Gesetzes! ... Für Dich haben wir keine Behandlung, Du mußt den Weg der
+Unheilbaren gehen.«
+
+Der Verbrecher gerieth außer sich, als dieses Verdict über ihn gefällt
+wurde. »Da bin ich schön angekommen«, sprach er. »Vermaledeites
+Mußpack! Thut man bei Euch, was man muß, wird man geprügelt; thut man,
+was man will, wird man gerichtet.«
+
+Noch vor dem Blocke schimpfte er fort.
+
+»Hochmüthige Culturaffen, Ihr seid ebenso dumm, wie bei uns die Leute
+sind. Euer Müssen und unser Wollen, Eure Receptschreiber und unsere
+Richter, es kommt auf eins heraus.«
+
+»Ja,« erwiderte der Henker, »es kommt eigentlich auf eins heraus,« und
+waltete seines Amtes.
+
+
+
+
+ Ein Vergleich.
+
+
+Der Maulwurfshügel sprach zum Vulkan: »Du Weichling! Was tobst Du und
+machst die Welt zum Zeugen Deiner inneren Kämpfe? Auch ich habe die
+meinen, -- wer aber hat mich jemals Feuer speien sehen?«
+
+
+
+
+ Zwei Gräber.
+
+
+In ein Massengrab, das eben geschlossen werden sollte, wurde ganz
+zuletzt noch ein schmales Särglein gesenkt, und Leute, die der Arbeit
+zusahen, fragten: »Wer war der, der so wenig Platz beansprucht in der
+Mutter Erde?«
+
+»Ja,« antwortete ein Handlanger, »das war der Zeisi. Taglöhner seines
+Zeichens, haben ihn aber nirgends behalten. Ist dann herumgezogen mit
+der Guitarre und hat in den Höfen der Häuser gesungen, um ein Stück
+Brot, um ein Paar Stiefel, sehr oft umsonst.«
+
+Wie der Mann so erzählte, trat eine verhüllte Gestalt heran, warf
+Blumen auf den schmalen Sarg und blickte lange wehmüthig zu ihm nieder.
+
+In ehrfurchtsvoller Scheu wichen die Anderen zurück; ein überirdisches
+Wesen erschien sie ihnen; Niemand wagte sie anzureden. Sie selbst aber
+sprach: »Hier ward ein Poet begraben.«
+
+Eine Stunde später kam, von einer unabsehbaren Menge begleitet, ein
+prachtvoller Leichenzug auf dem Friedhofe an. Der kostbare Sarg, ganz
+bedeckt mit Lorbeerkränzen, barg einen gefeierten Schriftsteller. Er
+wurde in die Gruft gesenkt, und der berühmteste Redner der Stadt weihte
+dem Dahingeschiedenen einen Nachruf voll dithyrambischen Schwunges.
+
+Plötzlich hielt er inne ... Er hatte die Herrliche erblickt, die noch
+immer an der Ruhestätte der Armen stand.
+
+»Gebt Raum,« rief er ins Gedränge. »Die hohe Göttin, deren Gunst unsern
+großen Todten beglückte, naht heran, mit uns um ihn zu trauern. Gebt
+Raum der hohen Göttin!«
+
+Die Anwesenden gehorchten, und sofort öffnete sich für die nächste, die
+edelste Leidtragende ein Weg zur Gruft.
+
+Sie betrat ihn nicht -- sie schüttelte das Haupt; über ihr schimmerndes
+Antlitz flog ein Lächeln himmlischer Verachtung, und sie sprach: »~Der~
+Todte war mir fremd; Ihr habt einen Taglöhner begraben.«
+
+
+
+
+ Prometheus.
+
+
+Als Prometheus nach langer Qual entfesselt vor den Beherrscher der
+Welten trat, nahm dieser ihn gnädig auf und hieß ihn fortan mit den
+Göttern hausen. Weil aber der Eid, den Zeus einst geschworen: Ewig
+solle der Titane an den Kaukasus geschmiedet bleiben, nicht gebrochen
+werden durfte, mußte Prometheus einen Fingerreif tragen, in welchem
+ein Steinchen aus dem Felsen gefaßt war, an dem er sein Märtyrerthum
+erduldet hatte.
+
+Lächelnd nahm er die leichte Bürde hin, -- kein Leiden mehr, nur noch
+des Leidens Symbol. Aber schwerer von Tag zu Tag wurde die anfangs
+kaum spürbare Last, und drückte endlich so schwer, wie Vulkans eherne
+Spangen gethan.
+
+Prometheus saß im Rathe der Götter, und sie lauschten den Sprüchen der
+Weisheit, die von seinen Lippen kamen. Ehrfurcht und Liebe umgaben ihn:
+mit den Unsterblichen wohnte er im Reiche der Freiheit, des Lichtes,
+der Schönheit. Aber ein Blick auf den Ring an seiner Hand, und wieder
+lag er an den Felsen geschmiedet, und über seinem Haupte rauschte ein
+grauser Flügelschlag, und er fühlte den Griff der Geierklauen und das
+grausame Haken des Geierschnabels in seinem Fleische.
+
+Und aufschrie der Titane zum Weltenbeherrscher »Ohnmächtiger Gott,
+der nur begnadigen und nicht entsühnen kann! Die Erinnerung an meine
+Schmach und Buße spottet Deiner Huld!«
+
+
+
+
+ Eine Begegnung.
+
+
+Der Hochmuth ging eines schönen Tages spazieren. Er trug eine Krone
+aus Seifenblasen auf dem Kopf, und sie schillerten bunt und prächtig
+im Sonnenschein. An seinem purpurfarbigen Gewand hingen zahllose
+vergoldete Glaskugeln; die Plattfüße hatte er in Schuhe mit ungeheuren
+Hacken gesteckt und schritt auf ihnen so majestätisch einher, wie ein
+hölzerner König in der Puppenkomödie. Sein breites Gesicht strahlte
+von Selbstzufriedenheit, seine rothen, fingerdicken Lippen waren
+verächtlich verzogen; aus halbgeschlossenen Lidern blickte er um sich,
+als ob nichts da wäre, der Mühe werth, ihm einen ganzen Blick zu gönnen.
+
+Da kam ein Wesen ihm entgegen, bei dessen Erscheinen er stutzte. Ein
+Wesen von schlichtem Aussehen; bescheiden sein Gang, seine Haltung,
+seine Gebärde; schön sein Angesicht, auf dem ein edler Ernst und
+tiefinnerlichster Frieden sich malten.
+
+»Weiche mir aus!« rief der Hochmuth ihm zu.
+
+»Gern,« erwiderte der Andere lächelnd, und gab Raum.
+
+Dennoch fühlte der Hochmuth sich verletzt: »Du lächelst? wie darfst Du
+es wagen, zu lächeln in meiner Gegenwart?« schnaubte er und warf sich
+wüthend auf den Beleidiger.
+
+Dieser wehrte ihn nicht ab, regte sich nicht einmal, stand nur
+ruhig und fest. Der Hochmuth aber stürzte zur Erde, und alle seine
+Seifenblasen zerplatzten, und alle seine Glaskugeln lagen in Scherben
+-- er war an das Verdienst angerannt.
+
+
+
+
+ Die Fremde.
+
+
+Durch die Straßen einer großen Stadt wallte eine majestätische, dicht
+verhüllte Gestalt. Sie war zum ersten Male zur Erde gekommen, sah zum
+ersten Male eine Ansiedlung der Menschen und irrte planlos auf der
+unbekannten Stätte umher. Plötzlich machte sie Halt vor einem Palaste,
+über dessen mächtigem Portal eine marmorne Statue sich erhob. Das
+Bildwerk stellte eine Frau in griechischer Gewandung vor. Ihre Augen
+waren verbunden, in der Rechten hielt sie eine Wage. Eine Inschrift auf
+dem Sockel der Statue hatte die Aufmerksamkeit der Fremden erweckt. Sie
+sah abwechselnd deren goldene Lettern und das steinerne Gebilde an, und
+je länger sie es that, je mehr wuchs ihr Staunen.
+
+Ein Mann, der athemlos daher gerannt kam, riß sie aus ihren
+Betrachtungen. Es war ein Beamter, der sich verspätet hatte, und der
+nun die Stufen zum Palaste schleunigst hinaneilen wollte.
+
+Die Fremde hielt ihn zurück. »Wessen Bildniß ist dieses?« fragte sie
+und deutete nach der Statue auf dem Portal.
+
+Den Beamten durchfröstelte es. Die Stimme, mit welcher die Verhüllte
+gesprochen, klang unsagbar hart und schauerlich und war mit keiner
+Stimme zu vergleichen, die jemals an sein Ohr getönt hatte. Er vergaß
+die vorgerückte Stunde; seine Angst vor der Strenge seines Hofraths
+war verschwunden. Stehenbleibend starrte er die Geheimnißvolle an und
+antwortete: »Es ist das Bildniß der Gerechtigkeit.«
+
+Ein Lachen erscholl, das ihm das Blut in den Adern gefrieren machte;
+doch fuhr er fort: »Unter ihrem Zeichen wird hier gewaltet.«
+
+»Von wem? -- Wohnen Götter in diesem Hause?«
+
+Der Beamte dachte an seine Vorgesetzten und an seine Collegen, und
+mußte lächeln: »Nur Menschen,« erwiderte er.
+
+»Wie?« rief die Fremde, »Menschen walten im Namen Einer, die auf Erden
+nie war und nie sein wird? Menschen, blinde, irrende, üben das Amt der
+Allsehenden und Unfehlbaren?«
+
+Wieder erklang das gräßliche Lachen. Durch den Schleier der Verhüllten
+hindurch drang der Strahl eines Feuerauges, vor dem der arme Beamte wie
+vom Blitz getroffen niederstürzte.
+
+Als er zur Besinnung kam, war die Erscheinung verschwunden, und ein
+Wunder war geschehen. Die Statue über dem Portal hatte ihre Form
+verändert. Sie stellte nicht mehr die Gerechtigkeit dar; aber was denn?
+-- Die Beamten zerbrachen sich vergeblich die Köpfe darüber. Endlich
+wurden Gelehrte befragt. Sie hielten eine lange Berathung und erklärten
+sodann einstimmig, die Statue sei nichts anderes als eine symbolische
+Darstellung der Nothwehr, umgeben mit einer wunderlichen Mischung von
+Emblemen der Grausamkeit und der Barmherzigkeit.
+
+
+
+
+ Das Blatt.
+
+
+Vom Winde getrieben flog ein welkes Blatt neben einem Vogel durch die
+Luft.
+
+»Sieh,« raschelte es triumphirend, »ich kann fliegen wie Du.«
+
+»Wenn Du fliegen kannst, so mache mir das nach!« antwortete der Vogel,
+wandte sich und steuerte mit kräftigem Flügel gegen den Wind.
+
+Das Blatt aber wirbelte ohnmächtig dahin, bis sein Träger plötzlich den
+Athem anhielt und es in ein Bächlein fallen ließ, das klar und munter
+durch den Wiesengrund jagte. Nun segelte das Blatt auf den Wellen und
+gluckste den Fischen zu: »Seht mich an, ich kann schwimmen, wie Ihr!«
+
+Die stummen Fische widersprachen ihm nicht; da blähte es sich auf und
+meinte: »Das sind anständige Creaturen, die lassen einen doch gelten!«
+
+Weiter glitt es, und merkte nicht, wie es dabei aufquoll und schon faul
+war durch und durch.
+
+
+
+
+ Die Siegerin.
+
+
+Es kam einst zu einem ungeheuern, einem echten Titanenkampf. Alle
+Tugenden und alle Laster rangen mit einander auf Leben und Tod.
+Furchtbare Wunden klafften, in Strömen floß das Blut. Hinterlist und
+Tücke hatten die Gerechtigkeit überwältigt und ihr den Arm gelähmt.
+Zerfleischt von den Zähnen und Klauen des Hasses und der Eifersucht
+erstarb die Liebe; die Großmuth röchelte unter den würgenden Händen
+der Habgier. Vielen Tugenden erging es schlecht an dem Tage, aber auch
+viele Laster meinten den Rest bekommen zu haben.
+
+In der ganzen großen Heerschar blieb nur Eine unversehrt; es war eine
+der Tugenden; es war die Güte.
+
+Mit Steinen beworfen, von den Pfeilen des Undanks durchbohrt, hundert
+Mal niedergezwungen, erhob sie sich immer wieder unverwundbar,
+unüberwindlich, und trat von Neuem in den wüthenden Kampf.
+
+Es wurde Abend und Nacht; der Streit blieb unentschieden, die Streiter
+lagen erschöpft. Die Güte allein wandelte über die Wahlstatt, munter
+wie ein sprudelnder Quell, lieblich wie das Morgenroth, und labte die
+Leidenden, und in dem Augenblick ließen sogar ihre Feinde es gelten:
+Die Stärkste bist Du!
+
+
+
+
+ Verlorene Zuversicht.
+
+
+Vor Jahren lebte in einer großen Handelsstadt ein Mann, dem alles,
+was er unternahm, gelang, den niemals ein Mißgeschick traf, der von
+Jugend an bis ins reife Alter nur Freude und Erfolg erlebte und nur
+Dankbarkeit und Treue erfuhr. Plötzlich verwandelte sich sein Loos; er
+sank ins Elend; er lernte den Undank und die Bosheit kennen, und allem,
+was er liebte, drohte Gefahr. Eben so rasch jedoch, als es sich von
+ihm gekehrt, kam das Glück ihm zurück, ersetzte ihm zehnfach, was er
+verloren hatte, überschüttete ihn und Die, die ihm theuer waren, von
+Neuem mit seinen reichsten Gaben.
+
+»Nun,« fragte Jemand, »bist Du zufrieden? Du hast es wieder, Dein
+Glück.«
+
+»Ach,« antwortete er, »wo ist meine Zuversicht! Ich habe ein Glück
+wieder, das mich schon einmal verlassen hat.«
+
+
+
+
+ Am Ziel.
+
+
+Es war einmal ein reicher Mann, der am Wohlthun eine so große Freude
+fand, daß er ihretwegen jede andere Freude, ja sogar jedes eigene
+Behagen aufgab. Er wohnte in einer Dachstube, nährte und kleidete sich
+ärmlich, und galt in Folge dessen bei allen seinen Bekannten für einen
+abscheulichen Geizhals. Obwohl er das wußte, brachte er es doch nicht
+über sich, irgend Jemandem einen Einblick in seine Vermögensverwaltung
+zu gestatten. Sich selbst gab er von derselben genaue Rechenschaft in
+einem Buche, das er sorgfältig führte, und das er Denen zu hinterlassen
+gedachte, deren Tadel ihn am meisten verdrossen hatte.
+
+Er wurde alt, und am Ende seiner Tage und seines Reichthums angelangt,
+blieb das Buch sein Glück, seine Erquickung. Wenn er darin las, stiegen
+beseligende Erinnerungen vor ihm empor; er sah Verzweifelte wieder
+hoffen, sah gebrochene Menschen sich aufrichten an seiner Hand. Und die
+todten Buchstaben belebten sich, und aus den stummen Blättern klang es
+wie leises Jauchzen heraus, wie hold geflüsterter Segen.
+
+Die Sterbestunde des Greises kam; zum letzten Male griff er nach
+seinem Buch und dachte: ich gehe, aber du bleibst und wirst von mir
+erzählen. --
+
+Da durchblitzte ihn plötzlich die Frage: und was? -- daß mir unrecht
+geschehen ... den Einen gleichgültig, den Andern ein ewiger Stachel?
+Wem zum Nutzen? Keinem. Nur mir zum Nachruhm ...
+
+Beschämt senkte er sein Haupt. Angesichts der großen Stunde, wie klein
+erschien ihm, womit er sich vertröstet hatte, viele Jahre hindurch! Wie
+klein, wie eitel!
+
+Und nun verbrannte er das Buch und freute sich, daß seine erlahmenden
+Hände noch die Kraft dazu fanden; und mit den verglimmenden Blättern
+zugleich erloschen seine Augen.
+
+
+
+
+ Eine dumme Geschichte.
+
+
+ I.
+
+Vor langer Zeit lebte in einem deutschen Gau ein gewaltiger Ritter.
+Er hatte eine herrliche Burg; er hatte kühne und wehrhafte Knechte;
+er hatte weite Ländereien, die er alle selbst erobert, und große
+Reichthümer, die er alle selbst zusammengeraubt. Er hatte auch eine
+schöne und tugendsame Frau. Sie hieß Dina, die Erhabene, hätte aber
+eigentlich die Demüthige heißen sollen. Still und fleißig waltete sie
+tagsüber am Herd und am Webstuhl, und wenn der Abend einbrach, stieg
+sie zum Söller empor und lugte aus nach ihrem reisigen Herrn.
+
+Sobald sie ihn erblickte, ließ sie ihr goldgesticktes Taschen-Fähnlein
+wehen und eilte ihm entgegen in den Burghof. Dann geleiteten sie
+und ihr Page den Ritter in sein Gemach, wo er sich auf das mit
+einem Bärenfell bedeckte Lager warf, seinem holden Weibe die Beine
+entgegenstreckte und sprach: »Stiefel!«
+
+Und sie nahte in liebevoller Dienstbeflissenheit und zog ihrem Gemahl
+die, je nach der Jahreszeit, mit Staub, Koth oder Schnee bedeckten
+Stiefel aus.
+
+Müßig (bis auf einiges Zähneknirschen) stand der Page, ein Jüngling,
+voll zarter Empfindung daneben und dachte: deß sollte sie sich doch
+nicht unterwinden, trotz aller Weibesgüte und Tugend, deß doch nicht!
+Und mehrmals, hingerissen von seinen Gefühlen, wagte er's und erhob
+seine Stimme zu wohlgesetzter Rede:
+
+»Ueberlasse mir, o Herrin, hochgemuthe, des Stiefel-Ausziehens
+unrühmlich Bemühen.«
+
+Aber sein Flehen verhallte unbeachtet, und was er darüber empfand, war
+ein tiefer Gram. Seine Heiterkeit verschwand; er wandelte dahin, wie er
+nie geahnt hatte, daß man wandeln könne -- in Gedanken.
+
+Und sein Sinnen war kein todtes, vielmehr ein mit reichen Keimen
+belebtes, die nach Entfaltung rangen, wuchsen und endlich aus ihrem
+Schattenreiche hinaus in die wirkliche Welt gelangten, als die gereifte
+Frucht eines erfinderischen Geistes, als ein Werk!
+
+Man hatte ihn gesehen, kleine Klötze zuhauen und in den sogenannten
+Pagenthurm hinauftragen, und hatte ihn die Nächte hindurch bis zum
+frühen Morgen sägen, hobeln, raspeln gehört. Sein Thun blieb ein
+geheimnißvolles; er verweigerte jegliche Auskunft darüber, wurde sehr
+mager, und aus seinen Augen leuchtete jene Seligkeit, die durch das
+Bewußtsein eines von Erfolg gekrönten Strebens hervorgerufen wird.
+
+Ein schöner Sommertag ging zur Rüste; schon brach der Abend herein,
+als Hörnerklang ertönte; der Herr an der Spitze seiner Mannen kehrte
+heim. Er hatte sich erkältet, war ganz heiser und sprach, vom Pferde
+springend, zu der ihm Willkomm bietenden Gattin: »Würzwein!«
+
+Sie eilte, das Verlangte zu bereiten; er, von dem Pagen allein gefolgt,
+ging auf sein Zimmer. Als er sich dem Lager näherte, fiel ihm ein
+seltsames Ding auf, das davor stand. Wie eine kleine Bucht zwischen
+vorgestreckten Landzungen war es gestaltet und ruhte schräg, aber fest,
+auf kurzen Füßen.
+
+»Wer hat mir das gebracht, was ist das?« fragte er.
+
+»Ich habe es gebracht und gemacht,« erwiderte der Page, und seine
+Wangen erglühten in freudigem Schöpferstolz: »O Herr, es ist ein
+Stiefelknecht.«
+
+Er unterwies den Ritter im Gebrauche des neuen Hausgeräthes, und der
+Ritter freute sich sehr darüber und zog zum puren Vergnügen die Stiefel
+gleich zwei Mal nach einander aus und an.
+
+Er war eben im Begriff, die Vortrefflichkeit der Erfindung zum dritten
+Male zu erproben, als seine Hausfrau eintrat, den Würzwein in goldenem
+Becher auf silberner Platte tragend. Beinahe wäre ihr beides entsunken.
+
+»Was thut mein Herr?« fragte sie, und ihre schönen Augen füllten sich
+mit Thränen. »Sind meine Dienste meinem Herrn entbehrlich geworden?
+Vermag ein Stück Holz mich bei meinem Herrn zu ersetzen?«
+
+Der Ritter entgegnete: »Nicht alleweil, nur in dem einen Fall.«
+
+Aber dieser Trost tröstete sie keineswegs. »Wer hat die frevelige
+Erfindung ausgeheckt, die mich in irgend einem Falle meinem Herrn
+entbehrlich macht?« forschte sie mit Bangen.
+
+»Der treueste Diener Dein, -- ich!« stammelte der Page und warf sich
+ihr zu Füßen. Er bat um Gnade und Verzeihung und betheuerte die
+Lauterkeit seiner Absicht. Habe sie ihren Zweck verfehlt, so trage
+daran einzig und allein der Begriff schuld, den er von Frauenwürde hege.
+
+Half alles nichts. Die Herrin blieb dabei, er habe sie um die Ausübung
+eines ihr werthen Rechtes betrügen wollen, und befahl ihm, das
+Werkzeug, welches arglistig dazu hatte dienen sollen, ins Feuer zu
+werfen.
+
+Dieser Befehl war von einem Blick begleitet, der dem armen Jüngling
+das Herz zerschnitt und ihm verkündete, daß er die Huld seiner Herrin
+unwiederbringlich verloren hatte. Der bittere Schmerz, von dem nur
+die grausam Verkannten wissen, ergriff ihn, zugleich aber auch eine
+mächtige Liebe für sein Werk. Er trug es empor in seine Thurmkammer,
+schrieb dem guten Stiefelknecht eine genaue Gebrauchs-Anweisung auf
+den Rücken und verbarg ihn in einer Vertiefung der Mauer, die er
+mit Steinen verlegte. Dann weihte er ihn tiefbewegt dem Verständniß
+kommender Geschlechter und entfloh beim ersten Morgengrauen.
+
+Nie wieder hat man von ihm gehört; er ist vergessen und verschollen,
+ein Märtyrer seiner Erfindung.
+
+
+ II.
+
+Hundert Jahre später hauste der Ururenkel des gewaltigen Ritters auf
+der Burg. Er war ein friedfertiger Herr, der sich der Gelehrsamkeit
+befliß, und besaß eine kleine lebhafte Frau und zwei schöne Kinder. Die
+spielten dereinst Verstecken im halb verfallenen Pagenthurm, fanden
+dort im Schutte den Stiefelknecht und brachten ihn ihrer Mutter.
+
+Die kleine Frau wunderte sich über das seltsame Ding, und da sie vor
+lauter Neugier lesen gelernt hatte, machte sie sich gleich daran, die
+Schriftzüge, mit denen es bedeckt war, zu entziffern. Dabei wurde ihr
+Gesicht immer freundlicher; plötzlich lachte sie laut auf, und ihre
+Kinder lachten mit; sie hüpfte und tanzte mit dem Stiefelknecht im
+Zimmer herum, und die Kinder tanzten und sprangen wie Böcklein und
+jubelten über den Jubel ihrer Mutter.
+
+Der Freudentaumel hatte seinen höchsten Grad erreicht, da kam der Herr
+Vater von der Gesundheits-Promenade, die er täglich zu unternehmen
+pflegte, nach Hause. Er steckte den Kopf zur Thür herein und sagte:
+
+»Unziemlich ist es zu jubeln und zu tanzen am Wochentage. Weichet
+hinweg zur Schulstube, ihr Kinder, und Du, Thusnelda, Geliebte, zieh'
+mir die Stiefel aus.«
+
+»Schwerlich, schwerlich«, sprach die kleine Frau und machte dazu einen
+complicirten mittelalterlichen Knix, »für die Stiefel meines Herrn hat
+sich ein Knecht gefunden, die Magd kündigt den Dienst,« und sie stellte
+den Stiefelknecht dem Gatten vor die Füße.
+
+»Thuschen, wonnevolle,« war Alles, was er im ersten Augenblick
+hervorbrachte.
+
+Er mußte sich auf einen Sessel niederlassen, denn ihm schwindelte.
+
+Vor seinem ahnungsvollen Geiste stieg ein neues Capitel der damals
+noch völlig unbekannten Culturgeschichte auf. Er sah alle Frauen dem
+Beispiel der seinen folgen, und alle Männer darauf angewiesen, sich
+ihrer Stiefel von einem fühllosen Instrumente entledigen zu lassen
+statt von liebender Hand.
+
+»Mein armer Sproß,« sprach er nach einer langen Pause und legte die
+Rechte auf seines siebenjährigen Söhnleins Haupt. »Die gefüge Magd
+kündigt den Dienst. Hast Du's gehört und wird Dir schlimm wie mir?
+Unfroher Zukunft reift mein Sproß entgegen; verschoben zwischen Mann
+und Frau ist das Verhältniß.«
+
+»Nur ein wenig zurechtgerückt,« versetzte Thusnelda und streichelte
+ihres Töchterchens Locken.
+
+»Mich jammert Deines Irrwahns,« klagte der Gatte; »hinweggetilgt mit
+der minniglichen Frauen Demuth wird des Hauses Eintracht sein.«
+
+»Ja, ja,« erwiderte sie, »die Eintracht zwischen Unterwürfigkeit und
+Gewalthaberei wird wohl hinweggetilgt sein.«
+
+Er sah sie mit großen, runden, bestürzten Augen an.
+
+»Sollen wir hinkünftig auch die Kindlein in die Welt setzen und ihrer
+warten?« fragte er.
+
+Die Frau schlug die Hände zusammen: »Gott steh' mir bei! von den Lippen
+meines Hochgelahrten entfleucht Unsinn.«
+
+Und er wurde böse und sprach: »Wer hat Dir solche Rede zu mir erlaubet?
+Meine Zornwuth weckst Du. Törichte Weiber! Preis zu erjagen gedenket
+Ihr, und werdet sinken im Preise und sitzen bleiben Alle! Kein
+mannlicher Mann wird werben um ein Gespons, das sein nicht magdlich
+pflegen will. Unweise und untergeordnet in allen Stücken dem Manne seid
+Ihr Weiber. Was an Euch ehren soll er, wenn nicht die Ehre, so Ihr ihm
+bietet; was lieben an Euch, wenn nicht die Liebe, so Ihr zu ihm traget?
+...«
+
+Er wollte noch weiter reden, aber Thusnelda unterbrach ihn durch ein
+lautes Gelächter. »Schön Dank für dieses Geständniß, o Du mein trauter,
+aufrichtiger Geselle!« sagte sie und schlang ihre Arme um seinen Hals.
+
+Die Ehegatten umarmten einander, während ihre Kinder sich in der
+entgegengesetzten Ecke des Gemaches prügelten, weil das Bübchen gesagt
+hatte, es werde nie eine Frau nehmen, die sich weigere, ihm die Stiefel
+auszuziehen, und das Schwesterchen ihm dafür eine Ohrfeige versetzt
+hatte.
+
+»Laßt ab vom Kampfe, Ihr Kinder,« befahl der Vater. »Vernunft
+angenommen hat die reine Süße, Eure Mutter.«
+
+»O weh!« jammerte sie, ihr hübsches Köpfchen zur Achsel neigend. »Wie
+thut das Herz mir weh, daß ich eine Frau nur bin, und demnach unweise,
+demnach unfähig, Vernunft anzunehmen. So hat mein gelahrter Herr
+gesagt, und seinem Worte darf ich nicht zuwider handeln.«
+
+»Nicht zuwider handeln,« murmelte der Gatte und versank in tiefes
+Sinnen. »O liebe Frau, die Folgen sind unabsehbar,« sprach er endlich,
+seufzte und -- bediente sich des Stiefelknechts.
+
+
+
+
+ Der junge Fürst.
+
+
+Ein junger Fürst, der Liebling vieler Götter, übernahm, nach Jahren der
+Vorbereitung zu dem wichtigen Amte, die Regierung seines Reiches.
+
+Von den Göttern geladen, fanden viele herrliche Gäste sich bei der
+Krönungsfeier ein, nur eine der Gerufenen blieb aus -- die alte, gute
+Mutter Erfahrung. Sie behauptete, erst später kommen zu können.
+
+Nachdem die Festlichkeiten vorüber waren, versprachen die Götter dem
+Fürsten noch die Gewährung der drei ersten Wünsche, die er zu ihnen
+emporsenden werde, und nahmen Abschied von ihm.
+
+Er aber, wohl erkennend, worin seine Aufgabe bestand, ging freudig
+an ihre Erfüllung. Besser wollte er die Menschen machen und dadurch
+glücklicher. Zur Liebe wollte er sie erziehen, zum Mitleid; er wollte
+in jedem Einzelnen einen Feuereifer, für fremdes Wohl, eine freudige
+Achtung für fremdes Verdienst erwecken. Ein edles Beispiel alles
+Vortrefflichen leuchtete er seinem Volke voran und suchte es zu
+bewegen, ihm nachzufolgen. -- Umsonst! Außer der kleinen Schar, die ihn
+von allem Anfang an begleitet hatte, schlug Niemand seine Pfade ein.
+
+Nach einem Jahr nutzlosen Strebens rief er zu den Göttern:
+
+»Unüberwindlich böse Mächte vergiften mir mein Volk und lassen es nicht
+genesen von Unrecht und Leid. Nehmt die unheilbare Krankheit hinweg,
+die an ihm zehrt. Nehmt die unverbesserlichen hinweg, nehmt Jeden, der
+keiner einzigen guten Regung fähig, Jeden, dessen Dasein nur Unheil und
+Uebel für seinen Nebenmenschen ist.«
+
+Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er sie bereute, meinend ein
+Todesurtheil über viele Hunderte gefällt zu haben. Er lag bis zum
+Morgen auf den Knieen und weinte vor den Bildern seiner Götter. Dann
+begab er sich auf die Reise und fragte angstvoll in den Städten und
+Dörfern umher: »Sind heute Nacht viele Leute gestorben?«
+
+Und allenthalben hieß es: »Nicht mehr als gewöhnlich,« und er wußte
+nicht, was er davon denken sollte.
+
+Erst bei der Heimkehr in seinen Palast wurde er mit der Nachricht
+empfangen, daß einer seiner vertrautesten Räthe plötzlich
+dahingeschieden sei.
+
+Zwei Jahre verflossen; so fern wie je stand der König von seinen Zielen.
+
+Und abermals betete er zu den Göttern:
+
+»Ich seh' es ein, nicht an den ganz Verderbten scheitert der
+Fortschritt im Guten, dazu giebt es ihrer zu wenige. Seine wahrhaft
+unüberwindlichen Feinde sind die Lauen, die Gleichgültigen, die
+Selbstsüchtigen, diese tilgt hinweg, ihr Allmächtigen!«
+
+Am nächsten Morgen begab er sich wieder auf die Reise und nahm seinen
+jüngeren Bruder mit, der ihm das Theuerste auf Erden war.
+
+Das goldgeschirrte königliche Gespann flog schimmernd durch die Gefilde
+des reichsten und schönsten Landes, und auf allen Wegen und Straßen
+kamen lange Leichenzüge ihm entgegen und alle Todtenglocken schallten,
+und kein Kirchhof, noch so groß, war groß genug, um alle Särge zu
+fassen, die ihm zugeführt wurden.
+
+Wo der König sich zeigte, allerorten rief man ihm entgegen:
+
+»O Herr, Dein Reich ist entvölkert!«
+
+»Es ist gereinigt!« dachte er, »das Unkraut ist ausgerottet, nun sollen
+goldene Saaten reifen ...«
+
+»Eines nur noch, das letzte, gewährt mir, Ihr Götter! Gleichen Sinnes
+mit mir laßt die Ueberlebenden sein, ~ein~ Streben beseele sie und mich
+... Hab' ich noch einen Widersacher unter ihnen, giebt es einen, der
+mir je den Tod gewünscht hat -- er sterbe!«
+
+Laut sprach's der König, und wie vom Blitze des Himmels getroffen,
+stürzte der blühende Jüngling an seiner Seite zusammen. Ein gräßlicher
+Schrei ertönte: »Du? -- mein Bruder -- Du?«
+
+Der Wagenlenker wandte sich entsetzt -- Wahnsinn dräute ihm entgegen
+aus dem Antlitz seines Herrn, und wahnsinnig war, was sein Herr beging.
+Die Zügel riß er an sich und schleuderte sie über die feurigen, mühsam
+nur gebändigten Rosse hin und rief: »Lenkt ihr! lenkt Euch selbst und
+mich!«
+
+»Ins Verderben!« jammerte sein Diener in bleicher Todesangst, und den
+König ergriff ein Erbarmen, er hob den Zitternden empor und warf ihn
+hinaus aus dem Gefährt, ins hohe Wiesengras.
+
+Er selbst jedoch, der Willkür der jagenden Rosse überlassen, stürmte
+dahin mit fliegenden Locken, den Fuß auf die Leiche des Bruders
+gesetzt. Stürmte vorbei an den Wohnungen der Menschen, über rasselnde
+Brücken, über Niederungen und Höhen, durch wogende Felder, durch die
+schweigende Oede. Endlich sausten die Rosse einen jähen breiten Waldweg
+hinab und brachen in der Tiefe nieder, ein wilder, lebendiger Knäuel.
+Neben ihnen, besinnungslos, lag der König.
+
+Als er zum Bewußtsein erwachte, war es Nacht, der Mond schien hell
+und leuchtend in den Thalkessel hinein. Im Scheine seines weißen
+Lichtes entwirrte der König die Zügel und Stränge, in denen die Pferde
+sich verwickelt hatten, half ihnen auf und gab ihnen die Freiheit.
+Dann begrub er seinen Bruder unter den hohen Bäumen und wanderte
+fort; wanderte bei Nacht, verbarg sich bei Tag und gelangte bis an
+die äußerste Grenze seines Landes. In einem Dorfe tauschte er seine
+Kleider mit denen eines Hirten und lebte jahrelang unerkannt bald da,
+bald dort, pflegte die Kranken, betreute die Greise und die Kinder
+und wunderte sich, wenn er bei diesen Kindern Fehler wiederfand, die
+er meinte aus der Welt geschafft zu haben. Und er verwies sie ihnen
+theils mit Strenge, theils mit Sanftmuth und stand ihnen liebreich bei
+im Kampfe menschlicher Schwäche mit menschlichem Vervollkommnungstrieb.
+
+Er war ein reifer Mann geworden und ruhte eines Abends nach
+angestrengtem Tagewerk vor der Hütte, die er bewohnte, aus. Da näherte
+sich ihm ein Weib, steinalt, aber rüstig, mit ernsten, klaren Augen,
+und wollte bei ihm bleiben und ihm dienen.
+
+Und er, statt ihr zu danken, sprach vorwurfsvoll:
+
+»Erfahrung, verläßlichste, unentbehrlichste Führerin, warum hast Du
+Dich fern von mir gehalten in den Tagen meiner Macht? -- jetzt kommst
+Du zu spät!«
+
+Seufzend antwortete die alte Mutter:
+
+»Das ist mein schweres, mein gewohntes Loos.«
+
+
+
+
+ Kosmogonie.
+
+
+ I.
+
+Im Urwalde tief verborgen befand sich ein großartiger Ameisenbau. Das
+Völkchen, das ihn bewohnte, war fleißig und weise; es hatte sich im
+Laufe der Jahrhunderte eine vortreffliche Verfassung und ebensolche
+Gesetze gegeben. Die Wissenschaften wurden in Ehren gehalten, die
+Künste gepflegt; so blühten sie denn auch und trieben reiche Früchte.
+Fortwährend entdeckten die Gelehrten ewige Wahrheiten, und die Künstler
+hörten nicht auf, unsterbliche Werke zu schaffen. »Eine Civilisation
+wie die unsere,« sagten die Ameisen, »kann nicht mehr untergehen.
+Künftige Geschlechter werden das Erbe antreten, es vermehren und in
+unaufhaltsamem Fortschritt zu einer Vollendung gelangen, von der sogar
+das ameisliche Ahnungsvermögen sich keinen Begriff machen kann.«
+
+In diesem Hochgefühle schwelgte die Nation, und es begeisterte sie zu
+immer neuen und edleren Bestrebungen.
+
+Da ereignete es sich, daß eines Tages ein Löwe des Weges kam. Er
+bemerkte den Ameisenbau nicht und schritt gemächlich mit breiten Tatzen
+über ihn hinweg. Dabei wedelte er mit dem Schwanze, denn ihm war
+heiß, und wedelte den ganzen Bau sammt seiner Cultur und den ewigen
+Wahrheiten und den unsterblichen Kunstwerken so gründlich fort, daß
+keine Spur von ihnen übrig blieb.
+
+
+ II.
+
+»Schau',« sagte ein Kolibri zu seinem Weibchen, das neben ihm auf einer
+Lianenblüthe saß, »da hat ein großer Erdentreter eine Menge kleiner
+Erdentreter vernichtet.«
+
+Das Weibchen zwitscherte: »Schade! Diese kleinen Klümpchen sind so nett
+hin und her gerollt um ihren großen Klumpen; es schien fast, als ob sie
+es wären, die ihn wachsen machten. Ich habe mich manchmal gefragt,«
+setzte sie nach einer Pause hinzu und bemühte sich, geistreich
+auszusehen, »ob sie sich nicht am Ende doch absichtlich bewegen und
+einen Willen und sogar einen Ansatz von Seele haben.«
+
+»Gerade soviel als die Blätter der Bäume. Die rühren sich auch
+zeitweise; sind deshalb sie die Ursache seines Wachsthums?« spöttelte
+das Männchen. »Nein, geliebte Einfalt, schreibe ihnen nicht zu, was
+das alleinige Erbtheil der ersten unter den geflügelten Lebewesen ist
+-- der Vögel, und ganz besonders der Kolibri, weil sie die Feinsten,
+die Schönsten sind, und weil die Geschwindigkeit ihres Fluges mit
+der Geschwindigkeit des Schalles wetteifern kann. Für uns scheint
+die Sonne, für uns bringt die Scholle, das Wasser, die Luft Nahrung
+in tausendfältiger Gestalt hervor. Wir sind der Mittelpunkt alles
+Seienden, vollendete Vögel, angefangene Engel; denn als solche schweben
+die seligen Geister unserer Vorfahren um das Nest des höchsten Engels,
+nach dessen Vorbild wir geschaffen sind, der Himmel und Erde und das
+Schicksal jedes einzelnen Kolibris in seinen mächtigen Fängen hält.«
+
+Das Weibchen verstand ihn zwar nicht, bewunderte ihn aber doch sehr,
+beeilte sich auch, ihm Recht zu geben, denn sie befanden sich noch in
+den Flitterwochen.
+
+
+
+
+ Brautwahl.
+
+
+ I.
+
+Es war einmal ein Märchenprinz, der edelste, schönste, liebenswertheste
+von allen, die es je gegeben hat. Als er sechsundzwanzig Jahre alt
+geworden, ließ die Königin, seine Mutter, ihn rufen und sprach zu ihm:
+
+»Die Zeit ist gekommen, in welcher Du eine Lebensgefährtin wählen und
+einen Hausstand gründen sollst. Bekanntermaßen findet man die besten
+Frauen, die es heutzutage giebt, auf dem Planeten Erde. Dort lebt auch
+die holde, Dir bestimmte Braut, ein Wesen, lieber Sohn, Dir gleich an
+Seelenadel.«
+
+Der Prinz erröthete aus Bescheidenheit, und die Königin fuhr fort:
+
+»Aber nicht ohne Weiteres kann ein so köstliches Gut Dir zu Theil
+werden, Du mußt es Dir verdienen.«
+
+»Wodurch, o Mutter?«
+
+»Durch rastloses Suchen, o Sohn.«
+
+»In welcher Gegend der Erde?«
+
+»In Europa.«
+
+»Auf dem Lande; in den Städten?«
+
+»In einer Hauptstadt, unter den Töchtern des höchsten Adels. Du weißt
+genug; nun gehe, mein Sohn.«
+
+Aber dieser rief: »Und das Erkennungszeichen? ... Nur das noch sage
+mir, woran erkenn' ich sie?«
+
+Die Königin stieg von ihrem Throne nieder und flüsterte ihrem Sohne
+einige Worte ins Ohr.
+
+
+ II.
+
+In den vornehmsten Gesellschaftskreisen einer großen Stadt war
+plötzlich ein junger Mann aufgetaucht, der allenthalben Liebe und
+Bewunderung erweckte. Alle historischen Namen wurden von dem seinen,
+der dem Mythus angehörte, verdunkelt. Sein Stammbaum war so lang,
+daß er nicht einmal in der längsten Straße der Stadt ganz aufgerollt
+werden konnte; sein Reichthum schien unermeßlich, seine Großmuth war
+es. Hochgeboren, edel und reich, was brauchte er außerdem noch zu sein,
+um die Herzen der Töchter und die Zustimmung der Eltern im Sturme
+zu erobern? So ritterlich und bescheiden wie er hatte noch nie ein
+Mann den jungen Damen den Hof gemacht. Was sie aber am meisten an ihm
+entzückte, das war seine Heiterkeit und sein Witz. Daß er den letzteren
+stets auf Kosten des lieben Nächsten übte, daß der himmlische Prinz
+ein Spötter war, hatten sie bald entdeckt und bemühten sich aus vollen
+Kräften, diesen fadendünnen Spalt an dem Panzer seiner Vollkommenheit
+zu erweitern.
+
+Dies geschah aus weiblichem Instinkt.
+
+Jedes Edelfräulein, mit dem er gelacht und gescherzt, war überzeugt,
+seiner Schwäche am geschicktesten geschmeichelt und damit sein Herz
+gewonnen zu haben. Doch keine dieser Hoffnungen erfüllte sich, und
+eines schönen Tages war der Prinz ebenso plötzlich wie er gekommen --
+verschwunden.
+
+
+ III.
+
+Dasselbe wiederholte sich in vielen anderen Städten. Der Prinz begann
+seine Freudigkeit einzubüßen; sein Witz wurde immer schonungsloser;
+er spottete nicht mehr, er lästerte. Sein Erdenwallen, das fühlte er
+wohl, machte ihn nicht besser, und am meisten kränkte ihn, daß er nur
+in seinen eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter, die Mütter, die
+Töchter trieben nach wie vor Abgötterei mit ihm und verehrten jedes
+seiner Worte.
+
+»Ewiges Einerlei!« sagte er oft laut vor seinem ganzen Gefolge. »Ich
+werde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als alter Junggeselle.«
+
+Und wirklich begann er zu versauern als ein solcher.
+
+Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Ekel. »Laß satteln! Unsere Wolken
+vor! Die schwärzeste für mich!« befahl er seinem Oberstallmeister. »Wir
+reiten!«
+
+»Heute, Eure Hoheit?« versetzte der Würdenträger. »Ist heute nicht
+Hofball, den Eure Hoheit besuchen müssen?«
+
+Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aber er tanzte nicht,
+schwatzte nicht, lachte nicht. Er stand in einer Ecke, sah den
+schönen, jungen Damen, die im Tact an ihm vorüber schwebten, traurig
+nach und seufzte: »Keine, keine Einzige!«
+
+
+ IV.
+
+Die Melancholie des Prinzen war aufs Höchste gestiegen, als er
+plötzlich am anderen Ende des Saales ein liebliches Mädchen erblickte,
+das ruhig dasaß und, wie er, dem Tanze zusah. Sie jedoch that es mit
+heller Zufriedenheit und schien seelenvergnügt.
+
+»O Seele!« dachte der Prinz, »wie schön mußt Du sein, um Dich so
+zu vergnügen am Vergnügen der Andern!« Sanft, aber unwiderstehlich
+angezogen, trat er vor das liebliche Mädchen hin, verbeugte sich und
+fragte: »Sie tanzen nicht, mein Fräulein?«
+
+Sie stand auf, erwiderte seine Höflichkeit und, nachdem sie sich wieder
+gesetzt hatte, auch seine Frage: »Nein, mein Herr.«
+
+»Und warum nicht!«
+
+»Weil ich keinen Tänzer bekommen habe«, antwortete sie voll heiterer
+Gleichgültigkeit; und wie sie den Prinzen dabei mit ihren unschuldigen
+Augen anblickte, wurde ihm wohler, als ihm noch je auf Erden geworden
+war.
+
+»Keinen Tänzer heute?«
+
+»Heute nicht und nie,« und sie lachte so hell, daß er meinte, die
+goldenen Zauberglöcklein auf dem Thurme seines heimathlichen Schlosses
+den Morgen begrüßen zu hören.
+
+Er sah nieder zu ihren wunderschönen Füßchen, betrachtete sie
+mit großer Aufmerksamkeit, und sagte: »Sie tanzen gewiß gern und
+ausgezeichnet?«
+
+»Sehr gern, o ja, und nicht schlechter als eine Andere.«
+
+»Und dennoch werden Sie nicht aufgefordert? Warum, warum?« rief der
+Prinz, immer mehr in Feuer gerathend, und ergriff ihre Hand.
+
+Die Kleine erschrak, senkte die Augen und murmelte so undeutlich, daß
+nur Einer, der im Begriff ist, sich zu verlieben, es verstehen konnte:
+»Weil ich langweilig bin.«
+
+»Langweilig? ... O, mein Fräulein! ...« Flammende Röthe brannte auf
+seinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus seiner Brust: »O,
+mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, an Ihrer Seite Platz zu nehmen.«
+
+
+ V.
+
+Man ließ sie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der
+andern kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weise ihr
+Erstaunen darüber, daß der Vielumworbene, dem die Wahl unter Adler-
+und Schwanenjungfrauen freistand, sich mit einem Gänschen beschäftigen
+mochte.
+
+Wie auf Verabredung ließen sie ihren Witz sprühen, daß es nur so
+prasselte. Die Funken stoben, fielen über manchen guten Namen her und
+vernichteten ihn.
+
+Und der Prinz, ach, der Prinz stimmte ein. Er sah die Stirne seiner
+lieblichen Nachbarin sich verfinstern, aber er stimmte ein. Ja, er
+fand ein teuflisches Gefallen daran, jede geistreich vorgebrachte
+Bosheit zu überbieten. Es gelang ihm beispiellos. Der Genius der
+Verleumdung schien über ihn gekommen, und er brachte dessen grausamste
+Eingebungen mit unbändigem Uebermuthe vor. Seine Zuhörerinnen stutzten,
+kicherten, errötheten. Viele gaben sich Mühe, eine leise Schadenfreude
+zu verbergen; das waren die Pfiffigen, die Klugen, die hatten längst
+»so etwas« bemerkt. Einige fühlten Mitleid und Bedauern, Andere waren
+erstaunt.
+
+Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aussagte, stieg in Keiner auf, in
+keiner Einzigen.
+
+Und doch! -- in Einer doch -- in der Lieblichen, die der Prinz, so
+lange er sprach, kaum anzusehen gewagt hatte. Sie erhob sich klopfenden
+Herzens, Thränen des Zornes standen in ihren Augen. --
+
+»Von Allem, was Sie da behaupten,« sagte sie kühn und laut, »glaube ich
+nichts!«
+
+»Nichts? ... von Allem nichts?« ... Er stieß einen Schrei aus, der an
+den Wänden des Saales widerhallte wie himmlische Musik, warf sich auf
+die Kniee vor seiner anmuthigen Gegnerin und umfaßte mit beiden Armen
+ihre zarte Gestalt.
+
+»Du bist es!« rief er. »O Mutter -- die ist's -- die gab mir das
+Erkennungszeichen!«
+
+Im selben Augenblick öffnete sich die Decke, und auf ihrem
+mit Feuervögeln bespannten Sonnenwagen kam die Märchenkönigin
+herbeigeflogen.
+
+Vor ihrer blendenden Erscheinung senkten sich alle Augen, nur die des
+Brautpaares nicht. Der Prinz führte seiner Mutter die Erwählte zu, und
+die Königin küßte sie dreimal und sprach:
+
+»Ich wußte wohl, daß es eine lange Trennung von meinem Sohne galt, als
+ich ihn zur Erde sandte, eine Gemahlin zu suchen, die an Verleumdung
+nicht glaubt. Sei mir gegrüßt, Du holde Seltenheit!«
+
+Die Königin hieß ihre Kinder einsteigen, die Feuervögel entfalteten
+ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das schöne Feenland,
+aus dem die Verleumdung verbannt ist, und wo sogar die jungen Damen
+schweigen, wenn sie von ihrem Nächsten nichts Gutes zu sagen wissen.
+
+
+
+
+ Werthbestimmung.
+
+
+In einen mit Kreuzern gefüllten Sack gerieth zufällig einmal ein
+Dukaten. Nachdem er einige Zeit bei ihnen geweilt hatte, sagten sie:
+»Wir müssen unserem Gastfreunde einen Rang anweisen, laßt uns denn
+zuvor seinen Werth bestimmen.«
+
+Die alten, die Patinirten, traten zusammen, beriethen lange und
+brachten es endlich zu dem Vorschlage:
+
+»Der gelbe Bursche ist zwar schwächlich, doch beantragen wir, ihn um
+seines hellen Klanges und seiner feinen Legirung willen ebenso viel
+gelten zu lassen, wie Unsereinen.«
+
+»Von Meinesgleichen werde ich höher gehalten,« wagte der Dukaten
+einzuwenden, und sogleich brachen die neuen, blanken Kreuzer, die
+schon über den Vorschlag der alten gemurrt hatten, in einen Sturm des
+Unwillens aus.
+
+»Was geht uns an, wie Deinesgleichen Dich schätzen,« riefen sie. »Im
+Kupferlande gilt das Gold ein für allemal -- nichts.«
+
+Das wurde zum Gesetz erhoben.
+
+
+
+
+ Geschieden.
+
+
+Der Glauben und die Liebe waren einst ein Paar und führten die
+glücklichste Ehe. Eines Tages sprach der Glauben: »Ich muß wandern, ich
+muß mich über die Erde verbreiten,« und die Liebe bat: »Nimm mich mit.«
+Er aber erwiderte: »Das kann nicht sein. Ohne Dich bin ich stärker;
+~allein~ ist der Held.«
+
+Er ging und verirrte sich unterweges in Nacht und Finsterniß, und als
+er heimkam, erkannte die Liebe ihn kaum wieder, so sehr hatte er sich
+verändert -- auch gegen sie. Sie hatte ihre Macht über ihn verloren.
+
+Seitdem wendet er sich gar oft von ihr ab. Finden sie sich flüchtig
+zusammen, geschieht es nur, um sich bald wieder zu trennen.
+
+Ihr Bund war Segen, ihre Uneinigkeit ist Fluch, und die Menschenkinder
+fühlen ihn schwer.
+
+
+
+
+ Des kleinen Lob.
+
+
+Einige Künstler und Kunstfreunde standen vor dem Moses des Michel
+Angelo. Die Einen liehen ihrer Begeisterung Worte, die Andern schwiegen
+von Ehrfurcht übermannt. Es war auch ein Drechsler aus der Vorstadt da,
+der blinzelte zu dem mächtigen Bildwerk empor, musterte es eine Weile
+und sprach dann mit Gönnermiene: »Recht nett!«
+
+
+
+
+ Besessen.
+
+
+Ein Jüngling hatte ein schönes, treues Liebchen, strebte aber der Gunst
+einer Göttin nach. Diese wies ihn ab und sagte:
+
+»Wie kannst Du glauben, daß ich mich einem Menschen huldreich erweisen
+werde, dessen Herz ich theilen müßte mit einem irdischen Weibe?«
+
+Da verstieß er seine Geliebte, rief die Göttin wieder an und fragte:
+»Wirst Du mich belohnen für das Opfer, das ich Dir gebracht habe?«
+
+»Schon deshalb nicht, weil Du Lohn erwartest,« erwiderte sie. »Ein
+Recht auf mich läßt sich nie und durch nichts erwerben.«
+
+»Ich spreche auch nicht von Recht,« versetzte der Jüngling, »ich flehe
+um Deine Gnade.«
+
+Die Göttin ließ ihr heiteres Lachen erschallen: »Behilf Dich
+einstweilen ohne sie. Du hast genug andere Güter; Du hast theure
+Eltern, Geschwister, Freunde, ein schmuckes Heim, Reichthum, Jugend,
+Gesundheit.«
+
+Nun verschenkte er Alles, was er besaß, nahm auf Nimmerwiedersehen
+Abschied von den Seinen und folgte der Göttin nach -- aus weiter,
+weiter Entfernung.
+
+Weil er nichts Anderes mehr zu opfern hatte, opferte er ihr den Schlaf
+seiner Nächte und das Roth seiner Wangen, wachte und sang vor den
+Altären der Unsterblichen, verkündete ihren Ruhm und rief die Welt zum
+Zeugen seiner Anbetung und seiner ringenden Qual.
+
+Aber seine Lobpreisungen und seine Klagen blieben ohne Widerhall, denn
+die Göttin hatte die Lippen, denen sie entströmten, nicht geküßt. Das
+Alter kam, zehrte an seiner Kraft, bleichte ihm die Locken, seine
+Sehnsucht blieb jung und heiß, und sie, deren Schrei die Ruhe des
+Himmels stört, zwang die Unsterbliche einmal wieder zu ihrem treuesten
+Diener herab.
+
+Er warf sich ihr zu Füßen und flehte:
+
+»~Einen~ freundlichen Blick gewähre mir, ~ein~ holdes Lächeln, damit
+mein Leben nicht ganz verloren sei!«
+
+»Wenn verloren, ist's meine Schuld?« fragte sie. »Warum wandelst Du auf
+meinen Spuren? -- Wann rief ich Dich? -- Laß ab von meinem Dienste,
+unberufener Knecht!«
+
+Zürnend schritt sie hinweg, und er stand auf und folgte ihr.
+
+
+
+
+ Die Nachbarn.
+
+
+Der Blonde und der Braune waren Nachbarn; Jeder von ihnen stand an der
+Spitze eines gutmüthigen Hirtenvolkes. Sie tauschten nach Bedarf die
+Producte ihrer Ländereien und blieben einander stets hülfreich in Noth
+und Gefahr.
+
+Niemand hätte bestimmen können, welchem von Beiden ihr Bündniß mehr
+Nutzen brachte.
+
+Eines Tages, im Herbste, begab es sich, daß ein heftiger Sturm großen
+Schaden anrichtete im Walde des Braunen. Viele junge Bäume wurden
+entwurzelt oder gebrochen, viele alte Bäume verloren mächtige Aeste.
+
+Der Herr rief seine Knechte; sie sammelten die dürren Reiser und
+schichteten sie in Bündel.
+
+Aus dem frischen Holze aber wurden Stöcke zugehauen. Im Frühjahr
+sollten sie verwendet werden zu einem neuen Zaune für den Hühnerhof der
+braunen Herrin.
+
+Nun wollte der Zufall, daß ein Diener des Blonden die Stöcke in die
+Scheune bringen sah. Ihre Anzahl schien seinen etwas blöden Augen
+ungeheuer. Von Angst ergriffen lief er heim und sprach zu seinem
+Gebieter: »Ein Verräther will ich sein, wenn der Nachbar nicht Böses
+wider uns im Schilde führt!«
+
+Er und andere ängstliche Leute, -- es waren auch Weise darunter, --
+schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn gegen den Freund
+eingeflößt hatten, bis jener sich entschloß, zu rüsten gegen die
+vermeintlich Gerüsteten.
+
+Eine Scheune voll von Stöcken hatte der Braune; der Blonde wollte drei
+Scheunen voll von Stöcken haben.
+
+Holzknechte wurden in den Wald geschickt. Was lag ihnen an seiner hohen
+Cultur? Ihnen that es nicht leid, einen jungen Baum zu fällen, ihm
+die aufstrebende Krone abzuhauen und die lichtsuchenden Aeste und die
+Zweige mit den athmenden Blättern.
+
+Nach kurzer Zeit war der Wald verwüstet, aber der Blonde hatte viele
+tausend Stöcke.
+
+Wie es ihm ergangen war, erging es nun seinem ehemaligen Freunde. Die
+Klugen und die Thörichten, die Verwegenen und die Zaghaften im Lande,
+Alle schrieen: »Es ist Deine Pflicht, Herr, dafür zu sorgen, daß uns
+der Tag des Kampfes reich an Stöcken finde!«
+
+Und der Braune und der Blonde überboten einander in der Anschaffung von
+Vertheidigungsmitteln, und bedachten nicht, daß sie endlich nichts mehr
+zu vertheidigen hatten, als Armuth und Elend. Weit und breit war kein
+Baum zu erblicken, die Felder waren unbebaut; nicht Pflug noch Egge,
+noch Spaten gab es mehr: Alles war in Stöcke verwandelt.
+
+Es kam so weit, daß die größte Menge des Volkes zu Gott betete: »Laß
+den Kampf ausbrechen, laß den Feind über uns kommen; wir würden
+leichter zu Grunde gehen unter seinen Stöcken, als unter den Qualen des
+Hungers!« --
+
+Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch sie
+sehnten sich im Stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und
+Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Unterthanen.
+
+Und einmal wieder trieb der Zufall sein Spiel.
+
+Die beiden Nachbarn stiegen zugleich auf einen Berg, der die Grenze
+zwischen ihren Besitzungen bildete.
+
+Jeder von ihnen dachte: Ich will mein armes, verwüstetes Reich noch
+einmal überschauen.
+
+Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf dem Grate des Berges
+an, standen plötzlich einander gegenüber und taumelten zurück ... Aber
+nur einen Augenblick. Ihre abwehrend ausgestreckten Hände sanken herab
+und ließen die Stöcke fallen, auf welche sie sich gestützt hatten.
+
+Die ein halbes Jahrhundert in Haß verkehrte Liebe trat in ihr altes
+Recht. Mit schmerzvoller Rührung betrachtete der Freund den Freund aus
+halb erloschenen Augen. Nicht mehr der Blonde, nicht mehr der Braune!
+Wie aus einem Munde riefen sie: »O, Du Weißer!« und lagen Brust an
+Brust.
+
+Wer zuerst die Arme ausgebreitet, wußten sie ebenso wenig, als sie sich
+besinnen konnten, wer dereinst die ersten Stöcke aufgestellt wider den
+Anderen. Sie begriffen nicht, wie das Mißtrauen hatte entstehen können,
+dem Alles zum Opfer gefallen war, was ihr Dasein, und das der Ihren
+lebenswerth gemacht hatte.
+
+Eines nur stand ihnen fest: die niederdrückende Ueberzeugung, daß
+nichts auf Erden ihnen ersetzen konnte, was die Furcht vor dem Verlust
+ihrer Erdengüter ihnen geraubt hatte.
+
+
+
+
+ Der gute Feind.
+
+
+Der verkörperte Tadel -- übrigens ein ehrlicher Bursche -- begegnete
+einem jungen Poeten, erhob sofort seinen Knüttel und bläute den
+ahnungslos Dahinschreitenden tüchtig durch. Wenn aber der Tadel nichts
+weniger als ein Höfling war, so war der Poet nichts weniger als ein
+Weichling. -- Jetzt weiß ich, dachte er, wo ich zu treffen bin, und
+will mir die Lehre zu Nutze machen.
+
+Er kühlte seine brennenden Striemen an der nächsten frischen Quelle und
+schritt unverdrossen weiter.
+
+Nach langer Zeit stieß er einmal auf das verkörperte Lob. Das hatte
+leider seinen unentbehrlichen Halt, den Tact, zu Hause gelassen und
+ergoß sich so lawinenartig über den Dichter, daß er sein Gleichgewicht
+verlor. Nicht genug. Immer in der besten Absicht, und beeifert, der
+Welt zu zeigen, mit welcher Berechtigung sein Hymnus ertöne, nahm das
+Lob ein Secirmesser und öffnete dem Poeten das Herz.
+
+Der Sterbende aber rief: -- »O Tadel, mein guter Feind, singe Du meinen
+Grabgesang!«
+
+
+
+
+ Ohne Vorschule.
+
+
+Ein Töpfer hatte zwei faule Söhne, die das väterliche Handwerk durchaus
+nicht erlernen wollten. Sein Nachbar, ein Schuster, dem er sein Leid
+klagte, tröstete ihn: »-- Schickt sie mir. Vielleicht haben sie zu
+meinem Handwerk mehr Lust als zu dem Euren.«
+
+Der Töpfer folgte diesem Rathe; aber seine faulen Söhne sträubten sich
+auch gegen den Unterricht, den sie beim Schuster und ebenso bei einem
+Sattler, einem Schneider, einem Schlosser, einem Glaser nehmen sollten,
+zu denen sie nach und nach in die Lehre kamen. Sie hielten es nirgends
+aus; sie blieben dabei, wir wollen keinen anderen Beruf ergreifen, als
+einen, zu dem man nichts zu lernen braucht.
+
+Endlich sagte der Vater in seiner Verzweiflung: »Auf dem Dorfe finde
+ich nimmermehr, was ihnen paßt, ich will mich in der Stadt umsehen.«
+
+Er ging mit seinen beiden Söhnen und kam bald darauf allein zurück.
+
+»Habt Ihr sie untergebracht?« fragten die Nachbarn, und er antwortete:
+»Ja wohl.« -- »Und in welcher Art? Was ist das für ein Beruf, zu dem
+man nichts zu lernen braucht? Doch wenigstens einer, der Euch ein
+großes Anlagecapital wird gekostet haben?«
+
+»Je nun,« erwiderte der Töpfer, »meinem Peter habe im Papier, Federn
+und Tinte kaufen, und meinem Paul einen schwarzen Anzug machen
+lassen müssen. Der Peter ist nämlich Schriftsteller, und der Paul
+Landtags-Abgeordneter geworden.«
+
+
+
+
+ Palemon.
+
+
+Palemon, der Maler, hatte ein Bild vollendet, welches er »Die Königin
+des Orients« nannte.
+
+Es stellte Zenobia dar, wie sie, umringt von ihren Feldherren,
+Magiern, Wahrsagern, Künstlern und Gelehrten, die Huldigung der ihr
+unterworfenen Völker empfing. Das Gemälde erweckte Entzücken bei Laien
+und bei Kennern. Die letzteren lobten besonders die Charakteristik.
+
+»Wenn man,« sagten sie, »die ganzen Figuren sammt Gewändern und
+Kopfschmuck verdecken, und nur die Gesichter unverhüllt lassen würde,
+jeder Kenner der ruhmvollen Vergangenheit unseres Vaterlandes müßte
+ausrufen: Diese ehernen Züge können nur die des Kriegshauptmanns Phuhl,
+und Jener kann nur Kalassar der Fürst sein, von dessen Thaten unsere
+Geschichte erzählt, und Dieser Divonibar, der unfehlbare Magier. Und
+dort -- o, das ist sie, Zenobia die Große, die Einzige, deren Anblick
+uns auf die Kniee niederzwingt. An den Stufen ihres Thrones steht
+Longinus, der Rhetor. Seht um seine Lippen den Genius der Beredtsamkeit
+schweben!«
+
+Palemon lächelte zu diesem Lobe: »Wäret Ihr doch in meine Werkstatt
+gekommen und hättet meine Modelle gesehen,« sprach er. »Wisset, jener
+Kopf, von dem Ihr meint, er müsse der des berühmten Redners sein,
+ist der Kopf meines stummen Pferdelenkers; zum Vorbilde der keuschen
+Zenobia, vor der Ihr in Anbetung versinkt, hat mir die Tänzerin Myra
+gedient; zu dem des Magiers ...«
+
+Die Kritiker fielen ihm ins Wort: »Um so höher preisen wir Dich, Du
+Maler des Unsichtbaren. Zweiter Prometheus, der die Gebilde seiner Hand
+zu beseelen versteht mit Funken himmlischen Feuers. Seht sie leuchten
+aus der niederen irdischen Form! Seht auf vergänglichen Stirnen
+unsterbliche Schönheit thronen. Aus den Augen einer Hetäre grüßt uns
+der Geist der großen reinen Zenobia, der Mund eines stummen Knechtes
+spricht Worte des Lebens.«
+
+Ein fremder Kunsthistoriker, der von weither gekommen war, um das Bild
+Palemons zu sehen, erhob seine Stimme: »Thoren, veraltete Schwärmer!«
+rief er, »wo bleibt bei dieser Auffassung die Wirklichkeit, die Natur?
+Glaubt nur: Der Maler, unter dessen Pinsel eine Zenobia zur Hetäre und
+ein feiner Denker zum rohen Tölpel wird, steht der Wahrheit näher als
+Ihr.«
+
+Die einheimischen Kritiker wollten den Fremden sofort steinigen; aber
+Palemon hielt sie davon ab:
+
+»Das wäre das Rechte -- todtmachen, den man nicht widerlegen kann.
+Nicht ~kann~!« donnerte er die Einwendungen seiner Anhänger nieder,
+»es sei denn, Ihr wüßtet, was vorherrscht auf Erden: Licht oder
+Schatten, Blüthe oder Fäulniß, das Gute oder das Böse. Aber Ihr und der
+und ich, wir wissen es nicht, wir glauben nur, und die Jünger dieses
+Fremden thun wie die meinen: sie schaffen im Sinne ihres Glaubens. Ihr
+großer Irrthum jedoch ist, daß sie sich für die einzigen Vertreter
+der Wahrheit in der Kunst halten, weil sie malen und bilden, was
+Jeder, auch der Gemeinste, sieht. Ich erhebe denselben Anspruch auf
+treue Wiedergabe der Natur, wie sie, wenn es mir gelingt, überzeugend
+darzustellen, was ich allein gesehen habe: einen edlen Zug im Angesicht
+der Verworfenen, einen Blitz des Geistes im Auge des Einfältigen.
+Unsere alte und das, was sie die neue Kunst nennen, können übrigens
+nebeneinander bestehen und sind, wie mich dünkt, Schwingungen desselben
+Pendels.«
+
+
+
+
+ Das Beste.
+
+
+Zu dem Erdgeist Gaeus war das Mondwesen Elanuh zu Besuch gekommen. Sie
+flogen zusammen durch die herrlichsten Gegenden der Erde, und Elanuh,
+entzückt von dem Anblick der Wiesen, der Wälder, der Flüsse und Seen,
+rief aus: »Sie haben einen schönen Wohnplatz, die Menschen, es muß sich
+gut auf ihm leben lassen.«
+
+»Ja wohl,« erwiderte der Erdgeist mit Stolz, »besonders dann, wenn sie,
+die athmen in dieser reichen Natur, mit ihrer höchsten Kraft begnadet
+und fähig sind, das Beste, das es giebt, zu empfinden.«
+
+»Was ist das Beste?« fragte Elanuh.
+
+»Die Liebe,« entgegnete der Erdgeist.
+
+Während ihres Gespräches schwebten sie über den Dächern einer großen
+Stadt. Auf einem Hügel, das Häusermeer beherrschend, erhob sich ein
+fürstlicher Palast, von einem goldenen Gitter umgeben. Elanuh flog
+hinüber, ließ sich an eines der Fenster gleiten und guckte voll Neugier
+in ein prunkhaft eingerichtetes Schlafgemach.
+
+Da sah er ein Weib auf dem Boden liegen, ein reizvolles Weib, in der
+Fülle des Lebens. Sie raufte ihr Haar und rang verzweiflungsvoll die
+Hände vor einem Christusbilde an der Wand, und betete:
+
+»Gieb es nicht zu, o Herr! Errette mich! Laß mich nicht unterliegen in
+Schmach. Nimm mich zu Dir, eh' ich verderbe! .... Denn ich verderbe,
+Herr -- ich bin verloren. Ich war eine treue Frau, eine gute Mutter,
+und bin nun verloren. -- Herr! Herr! ... Der Du für uns geblutet hast,
+sieh meinen Undank ... Laß Deine Blitze auf mich niedersinken -- ich
+frevle, indem ich zu Dir bete, denn während des Gebets denk' ich nur
+Sünde. ... Tödte mich, retten kannst Du mich nicht mehr!«
+
+Sie zerriß ihre prächtigen Gewänder und raste in Verzweiflung gegen
+sich selbst.
+
+Elanuh wandte sich ab und sprach zu Gaeus: »Die Unselige ringt wie in
+den Krallen eines wilden Thieres. Was ist die Ursache ihrer Leiden?«
+
+Gaeus, etwas verlegen, antwortete: »Die Liebe.«
+
+Er flog weiter mit seinem Gaste, bis dieser vor einer Dachkammer Halt
+machte, die, trotz der vorgerückten Nachtstunde, noch erleuchtet
+war. Wieder sah er durch das Fenster und überblickte einen kleinen
+Raum, eine Stätte der Armuth. Auf einem Bänkchen, an der Wand, saß
+ein greises Ehepaar Schulter an Schulter, und Elanuh hörte die Alten
+jammern und wehklagen.
+
+»Sie hat uns verlassen, sie hat uns dem Elend preisgegeben. Was bleibt
+uns noch übrig, als zu sterben, da sie fort ist, unsere Erhalterin,
+unsere Trösterin, unsere Einzige!«
+
+»Fluch ihm, der unser Kind verleitet hat,« sprach der Greis, und hob
+die geballte, zitternde Faust gen Himmel. -- Und die Greisin, mit dem
+Aufblitzen des Wahnsinns in ihren trüben Augen, wiederholte: »Fluch
+ihm!«
+
+»Komm näher Gaeus,« sprach Elanuh, -- »sieh diese Armen, und sage
+mir, welche Macht konnte eine gute Tochter bewegen, ihre Eltern, die
+hülflosen, -- die sterbenden, in solchem Elend zurückzulassen?«
+
+Gaeus senkte das Haupt und murmelte: »Die Liebe.«
+
+Abermals nahmen sie ihren Flug, und plötzlich schoß Elanuh aus seiner
+Höhe zu einem kleinen, ebenerdigen Hause herab. Er schmiegte sich an
+das Fenster einer einfachen, weiß getünchten Stube, und erblickte ein
+liebliches Mädchen, das halb ausgekleidet an ihrem Bette lehnte. Mit
+dem Ausdruck der Todesangst ruhten ihre Augen auf einem jungen Manne,
+der vor ihr stand, verstört und bleich.
+
+»Geh,« beschwor sie ihn -- »der Vater erwacht. -- Geh -- was willst Du
+von mir?«
+
+»Dich fragen: Ist morgen Deine Hochzeit?«
+
+Sie brach in Thränen aus: »Quäle mich nicht -- frage nicht, was Du
+weißt.«
+
+»So ~ist~ Deine Hochzeit?« sprach er knirschend.
+
+Das Mädchen schluchzte: »Du weißt es ja, und wem mein Herz gehört, das
+weißt Du auch.«
+
+Wild und glühend sah er sie an: »Wenn Du nicht lügst, einen Kuß denn!
+-- den ersten, den letzten: Ich will's!«
+
+Verstohlen zog er mit der Rechten ein Messer hervor, riß mit dem linken
+Arme die Widerstrebende an sich, küßte sie und stieß ihr den Stahl in
+die Brust.
+
+»Alle guten Geister! ... Was hat diesen Mann zum Mörder gemacht?«
+fragte Elanuh.
+
+Gaeus verhüllte sein Antlitz und antwortete: »Die Liebe.«
+
+»Und das ist das Beste, was es auf Erden giebt?« rief sein Gastfreund
+entsetzt. »Der gnädige Schöpfer steh' mir bei. Ich wünsche nichts mehr
+von Eurem Besten zu sehen. Lebe wohl.«
+
+»Verweile,« bat Gaeus. »Ein unglücklicher Zufall hat uns geführt. Ich
+zeige Dir andere Bilder.«
+
+»Sei bedankt, Du vermagst mir keine zu zeigen, welche mich diese
+vergessen machen könnten.«
+
+Und ehe Gaeus ihn zurückhalten konnte, war Elanuh entflohen nach seiner
+kühlen Heimath.
+
+
+
+
+ Ein Glücklicher.
+
+
+In einer armseligen Hütte kam ein Knäblein zur Welt. Blaß und
+schmächtig lag es in den Armen seiner Mutter. Diese fühlte sich sterben
+und jammerte: »Was wird aus meinem hülflosen Kinde werden?«
+
+Da trat ein Engel an ihr Lager: -- »Ein Glücklicher!« sprach er, die
+Hand auf das Haupt des Neugeborenen legend.
+
+»Willst Du ihn groß und geehrt machen?« rief die Mutter aufleuchtenden
+Blickes. »Willst Du ihn schmücken mit Schönheit ohne Makel, mit
+Weisheit ohne Fehl? Willst Du ihm den Genuß der Reichthümer dieser Erde
+schenken, ungetrübt durch die Angriffe der Mißgunst und des Neides?«
+
+Der Engel erwiderte: »Das kann ich nicht; dem Loos der Sterblichen kann
+ich ihn nicht entziehen; wie alle seine Brüder muß er beides erfahren
+-- Gutes und Böses. Aber einen Segen sprech' ich über ihn bei seinem
+Eintritt ins Leben. Er soll kein blind vertrauender Thor, und dennoch
+ohne Gedächtniß für das Böse sein, das die Menschen ihm anthun werden.
+Die Erinnerung an das Gute jedoch, das er sie vollbringen sehen und
+selbst durch sie genießen wird, soll sich unauslöschlich in seine Seele
+prägen. Stirb in Frieden, Du hast einen Glücklichen geboren.«
+
+
+
+
+ Der Gottesleugner.
+
+
+Ein Gottesleugner starb. Drüben im Jenseits traf er zu seiner
+entsetzensvollen Ueberraschung Den, dessen Spur ihm auf Erden unfindbar
+gewesen, den Schöpfer, den Erhalter, den Urquell alles Lebens.
+
+Da warf er sich auf sein Angesicht nieder und rief: »O Herr, Du bist,
+und ich blinder Wurm habe Dein Dasein verneint. Nun richte und verdamme
+mich!«
+
+Aber unendlich mild und gnädig neigte sich ihm der Herr. »Sei getrost,«
+sprach er. »Du hast Deinen Nächsten geliebt und ihn gelten lassen; Du
+hast Deine eigene Ueberzeugung nicht für die allein richtige gehalten
+und die nicht gehaßt, verachtet, verleumdet, die sie nicht theilten. Ob
+ein armes Menschlein wie Du an mich glaubt oder nicht, trübt das meines
+Namens Glanz? erfülle ich darum weniger das All? -- Die aber, die
+ohne Güte und Duldung sind, denen die Liebe fehlt, und die sich doch
+berühmen, in meinem Dienst und zu meiner Ehre zu handeln, die freveln,
+die versündigen sich an meiner Majestät, sie werde ich zur Rechenschaft
+ziehen. Dich, Du harmloser Thor, nehme ich auf in mein Himmelreich.«
+
+
+
+
+ Die Vervehmte.
+
+
+Wenn die Freuden Versammlung halten, findet so mancher verlotterte
+Gesell sich ein. Die hohen, die reinen gehen an ihm vorbei, zürnend,
+gleichgültig, wohl auch mit einem mitleidigen Lächeln.
+
+Eine Freude nur wird immer hinausgeworfen, weil sie gar so gemein ist
+-- die Schadenfreude.
+
+
+
+
+ Die Anhänger.
+
+
+Ein Schneckenmännchen, voll von Ehrgeiz und großen Ideen, -- mit gutem
+Recht der Stolz seiner Nation, -- unternahm es, an einer hochpolirten,
+steinernen Gartenbank emporzuklimmen. Dort oben, meinte er, müsse ein
+weiter Ausblick und eine ganz neue Weltanschauung zu gewinnen sein.
+
+Nach langem mühe- und gefahrvollen Ringen gelang es ihm endlich, die
+Kante der Banklehne zu erreichen.
+
+Behaglich sah er sich um und dachte: Am Ziele seiner Wünsche zu stehen,
+ist doch wunderschön; es giebt der Schnecke ein äußerst wohlthuendes
+Selbstbewußtsein. Uebrigens habe ich mich umsonst geplagt, denn die
+Welt nimmt sich von dieser hohen Warte nicht anders aus, als von meiner
+alten Wohnung im Felsenspalt.
+
+Das sagte er auch seinen zahlreichen Anhängern, die sich ringsum im
+Grase versammelt hatten, um ihn zu bewundern. Aber sie erwiderten:
+»Verzeih', das können wir nicht glauben. Dein Haus badet im Azur, Deine
+Hörner reichen ans Himmelsgewölbe. Bei Tag kannst Du schwelgen in
+Sonnennähe, bei Nacht Fangball spielen mit den Sternen. O, Du Großer,
+sei auch großmüthig, gönne Deinen treuen Anhängern Antheil an Deinem
+Glücke! Hilf Deinem Nebenthier, hilf ihm zu Dir hinauf!«
+
+Immer hartnäckiger bestürmten sie ihn, und begannen schon, ihm
+von allen Seiten nachzukriechen. Da er einsah, daß sie Vernunft
+nicht annehmen wollten oder vielleicht nicht -- konnten, wohl auch
+geschmeichelt durch ihr Vertrauen, that er, was sie verlangten. Er kam
+den Tollkühnen entgegen, beschützte die Zagenden, bugsirte den, schob
+jenen vorwärts ... Alles vergeblich. Die Schnecken waren ungeschickt,
+und als sich zuletzt gar zu viele von ihnen auf einmal an den Herrn
+Patron ankletteten, verließ ihn die Kraft, und er plumpste sammt seinen
+Clienten auf die Erde nieder.
+
+Da schämte und grämte er sich sehr und verlor seinen ganzen Anhang.
+Alle seine ehemaligen Verehrer aber erklärten einstimmig: Die Leute an
+sich reißen und sie dann ohne Weiteres fallen lassen, ist doch gar zu
+schnöde!
+
+
+
+
+ Die Ausgestoßenen.
+
+
+Eine Köchin wollte Vanille kaufen und trat in einen Laden, den sie
+seiner Ausstattung nach für einen Gewürzkram hielt. Die Wände waren
+bis zur Decke hinauf mit Schränken verkleidet, und jeder Schrank
+hatte Abtheilungen und Unterabtheilungen, und diese wieder hatten
+Fächer und Fächerchen, Laden und Lädchen, und bis zur kleinsten waren
+alle etiquettirt und numerirt. In der Mitte des Saales befand sich
+ein Tisch, an dem viele bebrillte Herren von ernstem und gelehrtem
+Aussehen saßen. Sie beschäftigten sich damit, Püppchen anzufertigen
+nach Vorlagen der Bilder berühmter, bekannter, halbbekannter oder auch
+vergessener Dichter und Schriftsteller.
+
+Wenn die Püppchen vollendet waren, verglich Jeder die seinen mit denen
+der Anderen, und nun begannen Verhandlungen über die Aehnlichkeiten
+und Unähnlichkeiten dieser Nachbildungen und über den Platz, der ihnen
+anzuweisen sei. Jeder einzelnen wurden Buchstaben und Nummern auf den
+Rücken gemalt, und die Sortirung begann, und jedes Püppchen wurde in
+das ihm zukommende Fach gethan.
+
+-- Man erlebt doch alle Tage etwas Neues an Ausstattung der Waare,
+dachte die Köchin und wollte schon eine Stange Vanille im Goethe-Kostüm
+verlangen, als die Gesichter der Herren am Tische sich beängstigend
+verdüsterten.
+
+»Wir müssen endlich zum Beschluß über die Gefangenen kommen,«
+sagten sie, und winkten einem Saaldiener, der eine Hühnersteige
+vor sie hinstellte, in welcher sich ein halbes Dutzend lebendiger
+Gestalten, Männlein und Weiblein, befand. Sie trugen theils ländliche,
+theils städtische Tracht und verbreiteten einen frischen Harz- und
+Erdgeruch, der den Herren so unangenehm war, daß sie sich die Nasen
+zuhielten. Dann entnahmen sie dem Käfig eines der zierlichen Wesen
+nach dem anderen. Ein Messen begann, ein Wägen, ein Versuchen, sie
+unterzubringen in das richtige Behältniß.
+
+Aber sie paßten nirgends hin; Fächer und Lädchen, so viele ihrer waren,
+erwiesen sich als zu groß oder zu klein, als zu breit oder zu schmal
+für die eigenthümlichen Erscheinungen. Die Herren waren rathlos und
+fragten: »Was soll man anfangen mit solchen Mißgebilden, die sich in
+gar keine Kategorie eintheilen lassen?«
+
+Da trat die Köchin vor, stellte ihren Korb auf den Tisch und sprach:
+»Gebt sie mir da herein, ich bringe sie meinen Kindern zum Spielen
+mit.« Gern wurde ihr willfahrt; auf ihre Bemerkung jedoch, sie glaube
+einen Gewürzladen betreten zu haben, mit Strenge geantwortet: »Würzig
+sei hier nichts, und sie befände sich in einem Taxirungs-Bureau.«
+
+Sogleich sagte sie, daß sie nicht länger stören wolle, und ging hinweg.
+In ihrem Korbe aber erhob sich plötzlich ein wunderlieblicher Gesang.
+Von selbst öffnete sich der Deckel, und die Gestalten schwebten heraus.
+Sie hatten Flügel bekommen, wuchsen und wuchsen in der frischen Luft
+und schwirrten umher wie Lerchen. Ihre Lieder weckten ein Echo in den
+nahen Bergen.
+
+Die Köchin glaubte sie für immer entschwunden, fand aber ihre Gesänge
+wieder auf den Lippen der Kinder, in den Herzen der Menschen und in
+ihrer eigenen Brust.
+
+
+
+
+ Der Verwöhnte.
+
+
+Die Göttin des Glückes verließ einen ihrer Lieblinge. Weil sie ihm
+aber noch im Scheiden einen Rest von Huld bewahrte, sprach sie zu ihm:
+»Einen Schein von mir sollst Du behalten. Er sichert Dir bis an Dein
+Ende Einfluß, Macht, die Gunst und das Vertrauen der Menschen.«
+
+Dabei nahm sie einen Strahl aus ihrem Sonnendiadem und warf ihn dem
+einst Geliebten zu.
+
+Er wich aus.
+
+»Was thust Du?« fragte die Göttin; »ein Schein von Glück gilt auch für
+Glück.«
+
+»Dem nicht, der Dich ganz besessen hat«, sprach er, und wandte sich ab.
+»Elend sein und glücklich scheinen, ist die größte Qual.«
+
+
+
+
+ Propheten-Loos.
+
+
+Ein Prophet, eine Leuchte der Welt, war fern von seiner Heimath
+hochbetagt gestorben. Tausende hatten ihm das letzte Geleite gegeben
+und sich dann zerstreut. Seine Jünger jedoch blieben trauernd an seinem
+Grabe stehen, und Einer von ihnen sprach:
+
+»Wie gern wüßte ich, ob sich auch an diesem Großen, diesem Weisen
+und Guten, an diesem Wohlthäter der Menschheit das gewöhnliche
+Propheten-Loos erfüllt! Wie gern wüßte ich, ob auch er daheim nichts
+gegolten hat!«
+
+»Ueberzeugen wir uns davon an Ort und Stelle,« versetzte ein Zweiter.
+»Ich sehne mich sehr, die heilige Stätte kennen zu lernen, an welcher
+er geboren ward und seine besten Mannesjahre verlebt hat.«
+
+Die Beiden traten die Wanderung an, und feierliche Wehmuth ergriff ihre
+Herzen, als sie in der Nähe ihres Reisezieles anlangten, eines hübschen
+Städtchens, das zwischen grünen Hügeln und wohlbebauten Feldern dalag
+und in der Morgensonne schimmerte.
+
+Die Jünglinge begaben sich nach dem Martktplatze, wo das Rathhaus
+stand, und wollten eben an die Thür pochen, als sie sich öffnete und
+der Bürgermeister, begleitet von einem Dutzend Räthen, heraustrat.
+Er ließ einen flüchtigen Blick über die Fremden gleiten und schien
+unangenehm verwundert, als diese es wagten, ihn ohne weiters anzureden.
+
+Mit halbem Ohre hörte er ihre Mittheilung an, daß sie die Ueberbringer
+einer erschütternden Botschaft seien, sagte: »Bedaure, bedaure,« und
+wollte vorübergehen. Aber einer der Jünglinge hielt ihn am Aermel fest,
+und der andere sagte:
+
+»Der größte Mann, den Eure Stadt je hervorgebracht hat, ist in unserer
+Weltstadt verschieden.«
+
+Bei diesen Worten verbreitete sich ein patziges Lächeln über die
+Züge des Bürgermeisters und über die aller seiner Beamten. Dreizehn
+Gesichter nahmen plötzlich denselben Ausdruck an, in dreizehn Köpfen
+stieg ein und derselbe Gedanke auf: Der größte Mann ist nicht
+gestorben, denn ich lebe!
+
+Nun riefen die Jünglinge der stumpfen Gilde den Namen des Verehrten zu;
+er brachte nicht den geringsten Eindruck hervor. Die Räthe zuckten die
+Achseln, und der Bürgermeister sprach:
+
+»Von seiner Berühmtheit ist hier nichts bekannt. Uebrigens, seht die
+alte Frau, die daher kommt, die gehört zu seiner Familie, die wird Euch
+bessere Auskunft über ihn geben können als wir. Sprecht aber laut, denn
+sie ist halb taub.«
+
+Voll Ehrfurcht gingen die Jünglinge der Greisin entgegen, die eines
+Blutes mit dem geliebten Meister war, meldeten ihr in schonender Weise
+seinen Tod und beklagten, daß er in seiner Vaterstadt nichts gegolten
+habe.
+
+»Nichts gegolten?« wiederholte die Alte, die von der ganzen Rede nur
+die letzten Worte und den Namen des Verewigten verstanden hatte.
+Und sehr geschmeichelt durch die Aufmerksamkeit, welche die Fremden
+ihr erwiesen, und durch die Spannung, mit welcher sie ihrer Antwort
+harrten, setzte sie mit vertraulichem Schmunzeln hinzu: »In seiner
+Familie hat er wohl für etwas gegolten, nämlich für einen armen Tropf.«
+
+
+
+
+ Ungelöste Aufgaben.
+
+
+Eine kluge Prinzessin wurde von einem beschränkten, aber sehr mächtigen
+König geliebt und schenkte seinen Werbungen kein Gehör. Als er immer
+dringender und in Folge dessen lästiger wurde, beschloß sie, ihn für
+immer aus ihrer Nähe zu entfernen. Dies mußte jedoch in Güte geschehen,
+denn die Feindschaft des starken Nachbarn wollte die Prinzessin ihrem
+Lande nicht zuziehen.
+
+So sprach sie denn eines Tages zu ihm: »Deine Treue hat mich gerührt,
+und ich will sie belohnen. Du sollst mein Gemahl werden, wofern es Dir
+gelingt, die Aufgabe zu lösen, welche ich Dir stellen will.«
+
+Der König rief: »Nenne sie; wenn es im Bereiche menschlicher Kraft
+liegt, werde ich sie erfüllen.«
+
+»Zieh hin,« erwiderte die Prinzessin, »und suche mir die folgenden drei
+Dinge ausfindig zu machen:«
+
+»Ein Vorurtheil, das durch Vernunft besiegt wurde.«
+
+»Eine Thorheit, die so groß ist, daß noch kein Mensch sie begangen hat.«
+
+»Eine Lästerung, so schamlos, daß sich keine Zunge findet, um sie zu
+wiederholen.«
+
+Der König lachte und gab Befehl, die Hochzeitsfeier zu bereiten, denn
+er meinte, in wenigen Tagen schon seine Braut heimzuführen. Dann begab
+er sich auf die Reise.
+
+Dies geschah vor tausend Jahren, und bis heute ist er noch nicht
+zurückgekommen.
+
+
+
+
+ Die Untrennbaren.
+
+
+Unter den Göttern war ein Streit entstanden, und in Folge dessen
+erschien eines Tages im olympischen Staatsanzeiger die Kundmachung:
+
+»Der Urheber des dichterischen Genies wird gesucht. Wer sich dafür
+hält, Mann oder Weib, trete hervor. Apollo und die Musen haben
+beschlossen, ihm eine in ihrer Nähe leer gewordene Wohnung anzuweisen.«
+
+Schon am nächsten Morgen kam durch die Lüfte hergeflogen ein
+unabsehbarer Schwarm. An seiner Spitze schwebte auf mächtigen, kühn
+ausgebreiteten Flügeln, in thaufrischer Schöne blumenumkränzt, eine
+reizumflossene Gestalt.
+
+Ein goldenes Füllhorn ruhte ihr im Arme, und mit überströmender
+Großmuth ausgestreute Segensspenden bezeichneten ihren Weg. Ihr
+Gefolge schloß ganze Welten in sich: Verkörperungen des Herrlichsten
+und Höchsten, wie des Furchtbarsten und Scheußlichsten; in nicht
+unterbrochener Reihe alle Abstufungen vom Wunderbaren bis zum
+Wunderlichen, lebendig gewordene Spiegelbilder aller Thaten und
+Unthaten aller Leidenschaften, Hoffnungen, Enttäuschungen und Träume.
+Die edelsten unter den unendlich mannigfachen Gebilden erschienen
+in hehrer Einfachheit, die anderen, unermeßlich reich geschmückt,
+schimmerten wie der neugeborene Tag. Ihnen auf den Fersen folgte,
+das Kainszeichen auf der Stirn, Brandfackeln schwingend, eine dunkle
+Schar. Blitzähnlich schossen diese Dämonen hin und her, und bei jedem
+Flügelschlage theilte und verdoppelte sich jede der grauenhaften
+Ausgeburten; eine riesige schwarze, mit furchtbarer Geschwindigkeit
+wachsende Wetterwolke rollten sie, Verderben verbreitend, durch den
+Raum.
+
+Aber sie hatten ihre Meister. Unscheinbare Wesen, still und mild und
+dennoch heldenhaft, demüthig und dennoch unüberwindlich, wiesen die
+Unholde in ihre Schranken; und ein Schauspiel boten diese Kämpfe, so
+voll hinreißenden Schwunges, unerschöpflicher Abwechslung und Neuheit,
+so voll Gefahr und Triumph, so voll Jubel und Leid, daß die Götter ihm
+zusahen und horchten in athemloser Spannung. Was jedoch ihre größte
+Neugier erregte, das war eine kleine, bunte Menge, die inmitten des
+Gewühles auf einem grünen, blühenden Eilande, wie auf einem rettenden
+Schifflein segelte. Die schärfsten Contraste prägten sich in diesen
+Kleinen aus; Anmuth beseelte die meisten von ihnen; das zweischneidige
+Schwert, das Einige führten, traf, ohne zu verwunden. Sie spielten,
+waren aber nicht blind für die großen Schicksale, die sich um sie her
+vollzogen; mit Thränen in den Augen lachten sie, und ihr Lachen glich
+dem fröhlichen Gesang der Drossel und erheiterte den Olymp.
+
+Momus, der zu den Füßen Melpomene's saß, sprach zu ihr: »Wer sind Die?
+Ich sollte sie kennen, ich kenne sie aber nicht.«
+
+Die Muse erwiderte: »Ein nachgeborenes Völkchen -- humoristisches Pack.«
+
+Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Führerin des Schwarmes, die
+nun vor den Himmlischen stand. Ein Zauber ohne Gleichen ging von ihr
+aus; sie schüttelte ihr seidenweiches, welliges Haar und sagte mit
+wonniger Zuversicht:
+
+»Mir und den Gaben, die ich verleihe, verdankt der Dichter den Antrieb
+zu all seinem Können und Thun. Ich bin die Phantasie.«
+
+Die Götter schwiegen, sannen nach und erwogen noch die Berechtigung
+dieses Anspruches, als ein Mann, ganz in Eisen gepanzert, sich
+wuchtigen Schrittes näherte, neben die Phantasie hintrat und seine
+Stimme erhob:
+
+»Diese Dame prahlt. Ohne mich wird aus dem Können, das sie ihrem
+Liebling in die Wiege legt, nie ein Thun; ohne mich bleiben seine
+Hervorbringungen eitel Anfänge und vergehen wie Schaum. Ich bin der
+Fleiß.«
+
+Ein heiteres Lachen folgte dieser Erklärung, und alle Augen suchten
+den, der es ausgestoßen hatte.
+
+Es war ein schlichter, kräftig gebauter Bursche, mit hellen Augen und
+rothen Wangen. »Meine himmlischen Herrschaften,« sagte er, »nur ungern
+wage ich mich in Eure wolkenüberragenden Höhen; doch zwingt mich dazu
+mein gutes Recht, das ich zu wahren habe. Du, Genie-Mutter,« -- so
+wandte er sich ohne Umstände an die Phantasie, die bei seinem Anblick
+die schönen Lippen kaum merklich verzogen hatte, -- »was würde aus
+Deinen Kindern, wenn ich nicht zu Gevatter bei ihnen stände? Elend
+müßten sie zu Grunde gehen, erdrückt unter den berauschenden Blumen,
+mit denen Du sie überschüttest, irre geführt durch Deine webenden
+Träume, toll gehetzt auf der Jagd nach Deinen lockenden Früchten,
+verzehrt von Deinen rastlos keimenden Gedanken. Und Du,« sprach er
+noch strenger zum Fleiße, »Du setzest den Sorgen, die mir diese gute
+Mutter und schlechte Erzieherin macht, die Krone auf. Du Maulwurf, Du!
+Den Eifer, den Du ihren Kindern in alle Adern spritzest, tausendmal
+verwünscht hab' ich ihn. Er zwingt mich, auf Tritt und Schritt hinter
+den von Dir besessenen Genies her zu sein, um sie zu leiten, um sie
+zu hindern, Deinem blinden Triebe folgend, sich todt zu arbeiten in
+einem todten Schachte. Ja, rühmt Euch nur, Ihr Zwei! Ohne mich wird das
+Beste, das Ihr zu spenden habt, Euren Auserkorenen zum Unheil und zum
+Fluch.«
+
+Die Phantasie und der Fleiß senkten die Augen und widersprachen nicht.
+Apollo jedoch fragte:
+
+»Wer bist Du, Einfacher und Schlichter, daß Du eine so selbstbewußte
+Sprache führen darfst?«
+
+Die Antwort lautete: »Ich bin der Verstand.«
+
+Da blickten die Götter einander an, einige von ihnen errötheten,
+besonders Venus und ihr Sohn. Sie senkten die olympischen Häupter und
+zogen sich zu einer Berathung zurück.
+
+Der Beschluß, der in derselben gefaßt und durch Mercur verkündet wurde,
+war folgender:
+
+»Wir anerkennen die Ansprüche eines Jeden von Euch auf die in unserem
+Erlasse ausgeschriebene Wohnung. Doch haben wir nur diese eine zu
+vergeben und können, da unser Reich ohnehin täglich an Boden verliert,
+nicht Raum schaffen für Euch Alle. Einen aber auf Kosten der beiden
+Anderen zu bevorzugen, widerstrebt unserer ewigen Gerechtigkeit. So
+nehmt unsern Dank für Euer Erscheinen und kehrt zur Erde zurück.«
+
+Die Phantasie winkte ihrem Gefolge und flog davon; der Fleiß und
+der Verstand traten zu Fuße den Heimweg an. Der Erstere, ohne sich
+umzusehen; der Andere jedoch warf, am Himmelsthor angelangt, mehr
+zufällig, als mit Absicht, einen Blick zurück nach den Gefilden der
+Unsterblichen. Da sah er Minerva stehen, kampfbereit in ihrem Frieden,
+ruhig und gerüstet. Er beugte sich voll Ehrfurcht; und die Göttin der
+Weisheit, mit freundlicher Gebärde, ein holdes Lächeln um den ernsten
+Mund, grüßte ihn.
+
+
+
+
+ Die Brüder.
+
+
+Es lebten einst zwei Brüder, denen die Fähigkeit gegeben war, Macht
+auszuüben über die Gemüther der Menschen.
+
+Der Aeltere suchte die Darbenden auf und sprach ihnen von ihrem Rechte
+auf Genuß. Er ließ die Arbeitenden die Wonnen des Müßigganges kosten
+und entflammte die Besitzlosen zum Kampfe gegen die Besitzenden.
+Verherrlichung aller Handlungen der Armen und Elenden, Verhöhnung und
+Verdächtigung jeder That der Kinder des Glückes war das zweischneidige
+Schwert, das er mit glühender Ueberzeugung führte und das ihm einen
+blind ergebenen Anhang erwarb.
+
+Der Jüngere predigte durch Wort und Beispiel nicht einer bestimmten
+Klasse, sondern allen Menschen. Er pries die Hochgeborenen und Reichen
+nicht als die besonders Begünstigten und bejammerte die Niedrigen und
+Armen nicht als die Enterbten des Geschickes. Er forderte von Allen
+gleiche Strenge gegen sich, das gleiche Mitleid mit dem Nächsten,
+die gleiche Gerechtigkeit gegen den Feind, und von Allen Arbeit. Vom
+Armen, weil sie Brot ist für Weib und Kind, vom Reichen, weil sie die
+freiwillige Armuth ist.
+
+Seine Stimme konnte grollen wie der Donner, und seine Augen konnten
+dräuen wie der Blitz. Schonungslos schwang er die Geißel über Die,
+die er am meisten liebte, und heischte von ihnen fast ebenso viel
+Selbstverleugnung, wie von sich selbst.
+
+Einmal geschah es, daß die getrennten Wege der Brüder sich kreuzten,
+und sie einander gegenüber standen.
+
+»Wie viele Anhänger hast Du?« fragte der Aeltere den Jüngeren.
+
+»Ich habe zehn gewonnen,« lautete die Antwort, und der ältere Bruder
+versetzte:
+
+»Und ich zehntausend.«
+
+In der folgenden Nacht hatte jeder von ihnen einen Traum, der ihm
+die Zukunft zeigte. Der Aeltere sah sich im Sarge liegen, umtobt von
+dem Streite Derer, die das Erbe seiner Macht antreten wollten. Um
+die Redegewandten waren kleine Scharen versammelt, lauschten ihren
+Schmeicheleien und Verheißungen und schenkten ihnen Glauben. In
+Fähnlein zerstückelt, stob das große Heer auseinander.
+
+Der Führer keuchte und stöhnte im Schlafe; sein Lebenswerk, die Partei,
+die er gegründet, endete mit ihm.
+
+Der Jüngere sah im Traume Wallerzüge durch die Fluren schreiten.
+Singend, Blumen und Palmen tragend, pilgerten sie zu einem grünen
+Hügel, der sich außerhalb der Mauer eines Dorfkirchhofs erhob. Sie
+kamen aus allen Weltgegenden, fremd in der Sprache, im Aussehen, im
+Gehaben. Aber am gemeinsamen Ziel angelangt, erkannten sie, daß sie
+Brüder waren. Sie reichten einander die Hände über dem Grabe und riefen
+in den verschiedensten Sprachen einen ihnen heiligen Namen.
+
+Es war der des Träumenden -- er hatte eine Religion gestiftet.
+
+
+
+
+ Gedichte.
+
+
+
+
+ Ein kleines Lied.
+
+
+ Ein kleines Lied, wie geht's nur an,
+ Daß man so lieb es haben kann,
+ Was liegt darin? erzähle!
+
+ Es liegt darin ein wenig Klang,
+ Ein wenig Wohllaut und Gesang
+ Und eine ganze Seele.
+
+
+
+
+ _Boule d'or._
+
+
+ O du des himmlischen Reiches Kind,
+ Du Fremdling im nordischen Moose,
+ Von Düften umhüllet lieblich und lind,
+ Des Ostens holdeste Rose.
+
+ Dir gab der leuchtende Sonnenschein
+ Der Farbe Schimmern und Prunken,
+ Vom Urquell des Lichtes in dich hinein
+ Die Strahlen hast du getrunken.
+
+ Zunächst dem Kelch entfaltest du
+ Die Blätter wie goldene Schwingen,
+ In deines Herzens träumende Ruh'
+ Vermag kein Auge zu dringen.
+
+ Die würzigen Lüfte nur flüstern ringsum,
+ Daß hier ein Geheimniß sich hehle,
+ Doch hüllt sich in Schatten das Heiligthum
+ Der schüchternen Blumenseele.
+
+
+
+
+ Sommermorgen.
+
+
+ Auf Bergeshöhen schneebedeckt,
+ Auf grünen Hügeln weitgestreckt
+ Erglänzt die Morgensonne;
+ Die thauerfrischten Zweige hebt
+ Der junge Buchenwald und bebt
+ Und bebt in Daseinswonne.
+
+ Es stürzt in ungestümer Lust
+ Herab aus dunkler Felsenbrust
+ Der Gießbach mit Getose,
+ Und blühend Leben weckt sein Hauch
+ Im stolzen Baum, im nied'ren Strauch,
+ In jedem zarten Moose.
+
+ Und drüben wo die Wiese liegt
+ Im Blüthenschmuck, da schwirrt und fliegt
+ Der Mücken Schwarm und Immen.
+ Wie sich's im hohen Grase regt
+ Und froh geschäftig sich bewegt,
+ Und summt mit feinen Stimmen!
+
+ Es steigt die junge Lerche frei
+ Empor gleich einem Jubelschrei
+ Im Wirbel ihrer Lieder.
+ Im nahen Holz der Kuckuck ruft,
+ Die Amsel segelt durch die Luft
+ Auf goldenem Gefieder.
+
+ O Welt voll Glanz und Sonnenschein,
+ O rastlos Werden, holdes Sein,
+ O höchsten Reichthums Fülle!
+ Und dennoch, ach -- vergänglich nur
+ Und todtgeweiht, und die Natur
+ Ist Schmerz in Schönheitshülle.
+
+
+
+
+ Der Halbpoet.
+
+
+ Es ist die allergrößte Pein,
+ Ein Halbpoet geboren sein,
+ Zu tragen in sich unerhellt
+ Das Chaos einer ganzen Welt,
+ Aus dessen Gähren, dessen Ringen
+ Kein ganzes Leben will entspringen.
+
+ Zu steh'n in heißen Durstesqualen
+ Am Zauberborn des Idealen,
+ Das Schöne liebend zu begreifen,
+ Heran zur höchsten Klarheit reifen,
+ Im Reinen wandeln und im Wahren --
+ Ohnmächtig es zu offenbaren.
+
+ In dir ein Schaffen unbewußt,
+ Ein lautlos Schrei'n in deiner Brust,
+ Ein Wogen, Keimen, Knospensprengen,
+ Ein ruheloses Vorwärtsdrängen,
+ Und dennoch keiner Blüthe Prangen,
+ Und dennoch kein Zumzielgelangen!
+ -- Es ist die allergrößte Pein,
+ Ein Halbpoet geboren sein.
+
+
+
+
+ Vanitas.
+
+
+ Bin ihr begegnet in allen Gestalten,
+ Sah sie gehüllt in jedwedes Gewand,
+ Heut in des Mantels purpurnen Falten,
+ Gestern in Lumpen wallend durchs Land.
+
+ Schwerer besiegt als Helden in Waffen,
+ Leichter verletzt als ein hülfloses Kind,
+ Rastlos in ihrem nichtigen Schaffen,
+ Thöricht und klug, allsehend und blind.
+
+ Heimisch im Tempel, heimisch im frechen
+ Hause der Sünde, in Hütte und Schloß,
+ Weiß sie in jeder Zunge zu sprechen,
+ -- Bist du ein Mensch, du bist ihr Genoß.
+
+ Räthselhaft Wesen, dem alle wir dienen,
+ Das uns beherrscht, ob wir groß oder klein,
+ Keiner ist noch auf Erden erschienen,
+ Der es gestand, dein Sklave zu sein.
+
+ Hältst du am engsten ein Opfer umsponnen,
+ Trägt dir's gewiß den bittersten Haß.
+ Und dich verleugnet, den du gewonnen,
+ Schimmernde Lügnerin --: Vanitas!
+
+
+
+
+ Das Schiff.
+
+
+ Das eilende Schiff, es kommt durch die Wogen
+ Wie Sturmwind geflogen.
+
+ Voll Jubel ertönt's vom Mast und vom Kiele:
+ »Wir nahen dem Ziele.«
+
+ Der Fährmann am Steuer spricht traurig und leise:
+ »Wir segeln im Kreise.«
+
+
+
+
+ Lebenszweck.
+
+
+ Hülflos in die Welt gebannt,
+ Selbst ein Räthsel mir,
+ In dem schalen Unbestand,
+ Ach, was soll ich hier?
+
+ -- Leiden, armes Menschenkind,
+ Jede Erdennoth,
+ Ringen, armes Menschenkind,
+ Ringen um den Tod.
+
+
+
+
+ Grabschrift.
+
+
+ Im Schatten dieser Weide ruht
+ Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut,
+ Er hat gefühlt mehr als gedacht,
+ Hat mehr geweint als er gelacht,
+ Er hat geliebt und viel gelitten,
+ Hat schwer gekämpft und -- nichts erstritten.
+ Nun liegt er endlich sanft gestreckt,
+ Wünscht nicht zu werden auferweckt.
+ Wollt' Gott an ihm das Wunder thun,
+ Er bäte: Herr, o laß mich ruh'n!
+
+
+
+
+ Sankt Peter und der Blaustrumpf.
+
+
+ Ein Weiblein klopft ans Himmelsthor,
+ Sankt Peter öffnet, guckt hervor:
+ -- »Wer bist denn Du?« -- »Ein Strumpf, o Herr« ...
+ Sie stockt, und milde mahnet er:
+ »Mein Kind, erkläre Dich genauer,
+ Was für ein Strumpf?« »Vergieb -- ein blauer.«
+ Er aber grollt: »Man trifft die Sorte
+ Nicht häufig hier an unsrer Pforte.
+ Seid sammt und sonders freie Geister,
+ Der Teufel ist gar oft nicht dreister,
+ Geh hin! er dürfte von Dir wissen,
+ Der liebe Herrgott kann Dich missen.«
+ -- »Das glaub' ich wohl, -- doch ich nicht Ihn,
+ O Heil'ger, wolle noch verziehn!«
+ Sie wagt es, sein Gewand zu fassen,
+ Hat auf die Knie sich sinken lassen.
+ »Du starker Hort, verstoß' mich nicht,
+ Laß blicken mich ins Angesicht
+ Des Ew'gen, den ich stets gesucht.«
+ »In welcher Weise, ward gebucht.
+ Man strebt ihm nach wie's vorgeschrieben,
+ Du bist uns fern und fremd geblieben.«
+ Das Weib blickt flehend zu ihm auf:
+ »Wär' Dir bekannt mein Lebenslauf,
+ Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden
+ Ich meinen Herrn und Gott gefunden.«
+ Der Pförtner stutzt: »Allwo? -- Sprich klar!«
+ -- »Daselbst, wo ich zu Hause war,
+ (Mein Handwerk brachte das mit sich)
+ Im Menschenherzen. Wunderlich
+ War dort der Höchste wohl umgeben;
+ Oft blieb von Seines Lichtes Weben
+ Ein glimmend Fünklein übrig nur,
+ Und führte doch auf Gottes Spur.
+ Ob er sich nun auf dem Altare
+ Den Frommen reicher offenbare --
+ Das zu entscheiden ist Dein Amt.
+ Bin ich erlöst? bin ich verdammt?«
+ Sankt Peter zu derselben Frist
+ Etwas verlegen worden ist,
+ Dacht' eine gute Weile nach,
+ Nahm endlich doch das Wort. Er sprach
+ Und rückt dabei den Heil'genschein:
+ »Besprich es drin. -- Ich lass' Dich ein.«
+
+
+
+
+ Liebeserklärung.
+
+
+ Du Vielgeliebte, Dich hab' ich geliebt
+ Von Deinem ersten Lebensstündlein an,
+ Als kaum entwunden Du dem Schoß der Mutter,
+ Dalagst auf ihrem Bette klein und roth,
+ Die Wangen voll von Fältchen und die Stirn,
+ Und auch die winz'gen, unbeholfnen Hände.
+
+ O, welch' ein Glück, an Deiner Wiege stehn,
+ Bewundern still, wie schön Du schlafen kannst,
+ Und Dein Erwachen jubelnd zu begrüßen. --
+ Was immer meine Nichte that und ließ,
+ Ich fand es einzig, fand es genial;
+ So weint' und lachte niemals noch ein Kind,
+ So kroch noch keins dahin auf allen Vieren
+ Und sprach: »Tata« mit solchem Nachdruck aus.
+
+ Indessen leider! meine gute Meinung --
+ Weiß Gott, wie's kam -- gar viele theilten sie
+ Und machten sich höchst ungenirt zu eigen,
+ Was ich entdeckt in angestammter Weisheit.
+
+ Allmälig wuchsen hundert Toggenburgen
+ Empor am Strande Deiner wilden Petsch,
+ Und in den Burgen wohnten hundert Schmachter
+ Und Schmachterinnen treu bis in den Tod;
+ Das war ein Werben um klein Stutzis Gunst,
+ Von Jung und Alt ein Loben, Lieben, Staunen,
+ Solch' einen Heerbann überzeugter Schmeichler
+ Besaß nur noch die Königin von Saba.
+
+ Wie sie den ihren lenkte, weiß ich nicht,
+ Doch um so besser denn, wie kurz und stramm
+ Der Deine ward gehalten. -- Keine Faxen!
+ Die Losung galt, Du gabst sie unbewußt,
+ Eh' sprechen Du, geschweige denken lerntest.
+
+ So trugen wir es heuchlerisch gelassen,
+ Als Du Dein Herz in feste Hände gabst ...
+ Was sag' ich, Hände? Pfoten sind's gewesen,
+ Die langen gelben der verehrten Lady.
+
+ Doch hatt' auch sie Rivalen, vielgehaßte:
+ Kaninchen, Katzen, allerlei Gethier,
+ In erster Reih' die Ponies. Weißt Du noch,
+ Wie denen sie mißgönnte Deine Huld?
+ Und wie bestürzt, wenn ihnen Du geschmeichelt,
+ Die Alte floh, sich auf die Rampe setzte,
+ Den Kopf erhob und laut zum Himmel heulte.
+
+ Nur eines war mit ihrem Schmerz vergleichbar,
+ Und ihrem Grimm -- der Deine, Kind, als Du
+ Zu Jahren schon gekommen (ihrer fünf)
+ »_Mémoires d'un âne_«, von _Comtesse Ségur_
+ Zur Kenntniß nahmst. Die Bonne las Dir vor,
+ Du stricktest stumm, mit ernstem Pflichtgefühl,
+ An Deinem ersten Strumpfe. Noch erreichten
+ Den Boden Deine Beinchen nicht, sie wiegten
+ Sich leise ... Wie Du horchtest, athemlos,
+ Durchglüht von Freude, Mitleid oder Zorn
+ Vom Wirbel bis zur Sohle -- je nachdem
+ Des braven Esels Schicksal sich gestaltet.
+ Und wenn es rührend wurde, flossen Thränen
+ In hellen Strömen auf die Stickerei,
+ Die soviel Nässe gar nicht schlucken konnte.
+ Es war ein Anblick -- ich vergeß ihn nie!
+ Und niemals auch, wie Du vor jenem Kitzlein,
+ Das einst der Jäger aus dem Wald Dir brachte,
+ Auf Deine beiden Kniee niedersankst,
+ Es anzufleh'n unendlich liebevoll:
+ »O fürcht Dich nicht -- ich bin ja Deine Mutter!«
+
+ Und später dann, als Deine Herren Brüder
+ Erschienen waren und so redlich halfen
+ Des Hauses kleinen Abgott anzubeten,
+ Was für Geschichten gäb's da zu erzählen,
+ Von einer wilden Hummel stets voran
+ In jeder Fährlichkeit, und ihren blind
+ Ergebenen Satelliten. -- Doch genug,
+ Sonst heißt es gleich: das Alter ist geschwätzig.
+ Nur eins noch höre. Als nach langer Trennung
+ Du heute kamst mit Deinem schwarzen Jungen
+ Und seiner blonden Schwester, die kaum zählt
+ Der Jahre zwei und just so ernsthaft schaut
+ Wie einstens Du -- da fiel mir Alles, Alles
+ Urplötzlich ein, vom Größten zum Geringsten,
+ Was wir durchlebt in Treuen ... Ich gedachte,
+ Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert,
+ In dem ich sucht' und fand mein reinstes Glück:
+ Wie manches neue, kleine Wesen kam,
+ Das einen Platz erstrebte zwischen uns
+ Und ihn erhielt und jedes obendrein
+ Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz.
+ Das ~ganze Jedes~ -- henkt die Mathematik!
+ Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig,
+ Es zu verschenken, wenn es wieder gilt.
+ Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichthum
+ Ist unerhört in meinen hohen Jahren.
+ Ich dank' ihn Euch, so seid mir denn bedankt,
+ Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen.
+ Durch meiner Liebe, Eurer Liebe Kraft
+ Begiebt an mir ein schönes Wunder sich:
+ »Die Kinderlose hat die meisten Kinder.«
+
+
+
+
+ So ist es.
+
+
+ Sie sagen mir: »Das Dichten reibt Dich auf.
+ Wir bitten, laß es! thu' das uns zuliebe.«
+ -- »Mir selbst zuliebe thät' ich's, wenn ich könnt'.«
+ -- »Du kannst, sobald Du willst. Doch daran fehlt's,
+ Am kräftigen Entschluß, sie zu besiegen
+ Die liebe Eitelkeit. Man lobt uns ja,
+ Und der an Lob gewöhnt, entbehrt es schwer.«
+ »Das weiß ich nicht, doch eines weiß ich gut:
+ Ob tausendmal auch mehr, als sich gebührte,
+ Mir Schätzung wurde, dennoch, glaubt mir, dennoch
+ Mein armes Rühmchen wär mir feil, und mit
+ Entzücken gäb' ich's für die Freiheit hin.
+ Ich diene ja, seht Ihr, bin willenlos
+ In meines Dämons Macht ... Wie nenn ich ihn?
+ Heißt er vielleicht, -- daß Gott erbarm'! -- Talent?
+ -- Man sagt, die meisten, die von ihm besessen,
+ Sie wähnten ihn zu lenken, hielten ihn
+ Für ein Geschenk der gütigen Natur
+ Und pflegten sein mit stolzer, treuer Liebe.
+ Doch fass' ich's nicht. Ist's möglich denn, zu lieben
+ Was Dir das Höchste raubt, die Selbstbestimmung?
+ Was Dir mißgönnt die unbefang'ne Freude;
+ Entwerthet Deinen edelsten Genuß
+ Durch seiner Flüsterstimme rastlos Mahnen:
+ -- Besinne Dich! was machst Du wohl daraus?
+ Gäb's nicht ein Bild -- ein Streiflicht -- ein Detail?
+ Der Dämon nimmt Dein Herz, stiehlt Dir die Seele,
+ Er füllt allein Dein ganzes Denken aus.
+ Du hast nur ihn; ja Dein ureignes Leben,
+ Dein menschlich Irren, jegliches Empfinden,
+ Dein glühend Mitleid, Haß und Zorn und Schmerz,
+ Dein stillstes Sehnen, Dein geheimster Traum --
+ In seinem Dienst wird alles ausgemünzt.
+ -- Und dann? was dann? ... Ach Zweifelsqualen, denn,
+ Ob auf der Münze auch die Prägung echt,
+ Und angethan, zu dauern wie das Gute,
+ Wie ~nur~ das Gute dauert und besteht; --
+ Das bleibt Dir unbekannt und bleibt es Jedem,
+ Der mit Dir wandelt noch im Tagesschein.«
+ Dünkt Euch dies Schicksal so beneidenswerth,
+ Ertrüg' es Einer, der es wenden könnte?
+ O Himmel! wenn ich's könnte, ginge mir
+ Im Alter noch ein neues Leben auf,
+ Ein Leben voller Ruhe, voller Frieden,
+ Und abgeschlossen ganz in meiner Liebe
+ Zu Euch, Ihr Menschenkinder, Brüder, Schwestern.
+ -- So nach wie vor blieb Euer Leid das meine,
+ Und Euer Glück durchsonnte mir das Herz,
+ Doch Euch zu schildern hätt' ich aufgehört.
+
+
+
+
+ Einschlafen.
+
+
+ Der Tag ist aus, und nun -- wie himmlisch wohl wird's thun,
+ Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruh'n.
+ -- Es war ein harter Tag. -- Vorüber und vorbei!
+ Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei;
+ Wenn nicht -- nun denn, nun denn! -- zu leiden und zu streben,
+ Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben.
+ Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende,
+ Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände.
+ Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht,
+ Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht?
+ Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten
+ Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten
+ Jedwedem einst bestimmt. -- Wär's Jedem auch beschieden,
+ Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden.
+ In sel'gem Frieden ... Ach, braucht ich zu wünschen nur,
+ Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur,
+ Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm,
+ Ich schafft auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm ....
+ Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen
+ Und konnt' darüber nie zu voller Klarheit kommen.
+ -- Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit! --
+ Nicht denken jetzt, nicht mehr -- es ist ja Schlafenszeit,
+ Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke
+ Mich allem Leid.
+
+ Ich wollt', ich fänd' einmal die Brücke,
+ Die aus dem wachen uns, dem voll bewußten Sein,
+ Ins halb bewußte Reich des Traumes führt hinein.
+ Ein zarter Wunderbau, ein räthselhafter Steg,
+ Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg. --
+ Ei horch, wie's summt und klingt: -- die Spieluhr regt sich wieder
+ Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ...
+ Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, Du,
+ Wann endlich kehrst Du heim? wann jauchzst Dein Gruß mir zu?
+ Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein,
+ Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ...
+ Da steht er ja, er selbst -- umhaucht von Harzesduft,
+ Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft --
+ Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten
+ Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten.
+ So komm! -- wo bist Du nun? ... gar nirgends zu entdecken --
+ Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken -- --
+ Mit ihm entschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen,
+ Die qualmend sich zerstreu'n, die sich zusammenballen --
+ Und jetzt -- o Seligkeit -- o Himmelsblumen: Sterne!
+ Ich schweb', im Wolkenraum ... aus lichtverklärter Ferne
+ Erhebt sich's wie Gesang so mild und rein --
+ Ich schlafe nicht, noch lange nicht -- o nein -- -- --
+
+
+
+
+ Spruchverse.
+
+
+ Was Gutes Du gethan und nicht vergessen hast,
+ Allmälig wandelt sich's in Unrecht fast.
+ Begang'ne Schuld, denkst ihrer Du mit Schmerzen,
+ Verklärt zur Tugend sich in Deinem Herzen.
+
+ Die Großen säen,
+ Die Kleinen mähen,
+ Die Kleinsten heimsen ein
+ So war's -- so wird es sein.
+
+ Ein Mensch -- und stolz? O sieh, Dein Thun,
+ Dein Lassen, Deine Meinung,
+ Das Alles ist, Du selber bist
+ Des Scheins Reflexerscheinung.
+
+ Verständniß für jedwedes Leid,
+ Erbarmen mild mit jedem Fehle;
+ Daran in dieser Zeitlichkeit,
+ Erkennst Du die erwählte Seele.
+
+ Die Eintagsfliege, wie so manche Leute,
+ Vergönnt sich keine Freude an dem Heute,
+ Denn ruh- und rastlos immer muß sie sorgen,
+ arme Eintagsfliege -- für das Morgen.
+
+ Freundeslob und Feindestadel
+ Sind von zweifelhaftem Adel.
+
+ Es ist noch Jeder leicht durch diese Welt geschritten,
+ Der gut zu danken wußt', und wußte gut zu bitten.
+
+ 's ist Alles schon gesagt, man kann nur wiederholen
+ Der ehrlichste Poet hat unbewußt gestohlen.
+
+ Zwei Dinge lern' geduldig tragen:
+ Dein eigen Leid, der Andern Klagen.
+
+ Unsterblich wandelt durch der Zeiten Frist
+ Das Werk des Denkers, der ein Künstler ist.
+
+ Ein Federheld von echtem Muth,
+ Der greift beherzt nach seinem Gut
+ Und Alles, was er brauchen kann,
+ Sieht als sein Eigenthum er an.
+
+ Wie lang' hat sich geübt im Täuschen und im Lügen,
+ Der endlich sagen darf: Mich kann man nicht betrügen?
+
+ Das Selbstvertraun, der feste Wille,
+ Auf die zuletzt kommt Alles an.
+ »Mein Freund, ins Schwarze zielt ein Jeder,
+ Doch trifft es nur der rechte Mann.«
+
+ Magst den Tadel noch so fein,
+ Noch so zart bereiten,
+ Weckt er Widerstreiten.
+
+ Lob darf ganz geschmacklos sein,
+ Hocherfreut und munter
+ Schlucken sie's hinunter.
+
+ Den alten Aposteln
+ Fast gleichen die jungen,
+ Nichts fehlt ihnen mehr
+ Als feurige Zungen.
+
+ Sich des Unrechtes wehren
+ Allezeit bringt Ehren.
+
+ Den Menschen, den nur Neider hassen,
+ Den muß der Neid selbst gelten lassen.
+
+ Was noch so fein Philosophie gesponnen,
+ Das bringt die Poesie ans Licht der Sonnen.
+
+ Nur der das Leiden kennt,
+ Kennt auch ein heiß Erbarmen;
+ Der selber darbt, der giebt;
+ Großmüthig sind die Armen.
+
+
+
+
+ Gänsezug.
+
+
+ Die erste Gans im Gänsezug,
+ Sie schnattert: »Seht, ich führe!«
+ Die letzte Gans im Gänsezug,
+ Sie schnattert: »Seht, ich leite!«
+
+ Und jede Gans im Gänsezug,
+ Sie denkt: -- Daß ich mich breite
+ So selbstbewußt, das kommt daher,
+ Weil ich, ein unumschränkter Herr,
+ Den Weg mir wähl' nach eignem Sinn,
+ All meiner Schritte Schreiter bin
+ Und meine Freiheit spüre!
+
+
+
+
+ Die Erdbeerfrau.
+
+
+ »A loadi's Erdbeer-Jahr, natürli, gel'?
+ Am Benno-Tag, der Frost, der hat's dawischt!« --
+ Sprach sie mich an und lächelte dazu
+ Mit welkem Mund und wasserblauen Augen,
+ So harmlos wie ein Kind, die dürre Alte.
+
+ »Recht schlimm für uns, und schlimmer noch für Euch,«
+ Erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst,
+ Den besten wohl im Sommer.«
+
+ »I? No wiss'ns,
+ Geit's ihrer weni, wern's halt besser zahlt
+ Die Erdbeer, gar die schöni, aus'm G'stoan,
+ Wie ebba selli da!«
+
+ Sie rückt hinweg
+ Den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen
+ Auf Tannenreislein und auf frischen Blättern
+ Erdbeeren duftend und so purpurroth,
+ Daß schon ihr Anblick eine Labung war.
+ Der Alten bot er wahren Hochgenuß:
+ »Die wachs'n auf'n Stauf'n, in die Schlucht'n,«
+ Sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen.
+
+ Ich hätte seinen Inhalt gern erworben;
+ Er war verkauft. Vom Berge kam die Frau,
+ Nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt,
+ Ein wenig müd' und sehnte sich nach Hause.
+ »Es warten Eurer«, meint' ich, »Eure Kinder
+ Und kleine Enkel dort.«
+
+ »Auf mi' wart' koa's,
+ I bin alloa,« gab sie zerstreut zurück,
+ Und mit der Rechten ihre Augen deckend,
+ Blickt' in die Sonne sie, die goldig fluthend
+ Soeben hinter Bergeshöh'n versank.
+
+ »Da schaug'ns hin, zum Zwisl schaug'ns hin,
+ Da bin i morg'n um die Zeit scho' g'west.
+ Gon Ab'nd hoaßt's zur Alm no auffikrabin,
+ Im Heubüh drob'n schlaft ma woltern guat
+ Und fruh um zwoa geht's ani scho' in d'Staud'n.«
+
+ Und wieder lag auf ihrem greisen Antlitz
+ Das Kinderlächeln, das mich gleich bezwang,
+ Als sie nun sprach von ihren Wanderungen
+ Im Morgendämmer und beim Sonnenaufgang,
+ Durch Waldesdunkel, durch das Felsgeklüft,
+ Und drob so Müdigkeit vergaß, wie Hunger.
+ Ein Jäger nur erzählt mit solcher Freude
+ Von seinen Abenteuern auf der Pirsch,
+ Wie von den ihren sie »beim Erber'-Brocken.«
+
+ Mit stillem Neide horcht' ich. Aus der Noth
+ Nicht eine Tugend nur, auch Glück zu machen,
+ Das ist die allerhöchste Lebenskunst.
+ Ihr freilich mag sie leicht geworden sein,
+ Der schlichten, alten Freundin der Natur,
+ In diesem Dasein, halb im Traum geführt,
+ Dem Kampf der Welt entrückt, von Leiden frei.
+
+ »G'sund bin i, Gott sei Dank!« schloß sie vergnügt,
+ Und zwinkert' nach den gluthumsäumten Bergen
+ Voll Liebe hin, »und hon aa' koani Sorg'n.«
+ »Im Sommer, doch wie sieht's im Winter aus?
+ Mit Gottes Gnad', an diem, a bissl wiescht,
+ Ma hofft halt immer, daß bal' Frühling wird.
+ An Oaschicks bringt ihm scho' so kloanweis furt.«
+ »Das ist der Trost der Einsamen,« sagt ich,
+ Wie Ihr es seid, und wohl von jeher war't?«
+
+ Gutmüthig, heit'ren Spotts zuckt sie die Achseln,
+ Ob meines Irrthums. »Na, von jeher nit,
+ I hon amal a schön's A'wes'n g'heit,
+ An braven Mo', fünf Kinder -- ja amal!«
+ »Fünf Kinder? Hab' und Gut? Und steht allein
+ Und arm jetzt in der Welt? ... Wie ging das zu?«
+ »No, schiefri ebba. 's Unglück hat uns hoamg'sucht,
+ Verbrunnen san mer aa'«, gab sie zur Antwort
+ Und schien zu denken: Ei, was kümmert's Dich?
+ Doch mählich eines Bessern sich besinnend,
+ Hob leise seufzend sie von Neuem an:
+ »Vor dreizehn Jahren, -- warten's -- na, vor achtzehn,
+ Ja wirkli, achtzehn -- wie die Zeit vergeht!
+ Da is bei uns das großi Feuer g'west.
+ In d' Tenna ei'gschlag'n hat der Blitz von Himmi --
+ Und voll mit Troad wie's war, so is verbrunnen,
+ Und aa der Mo', sex Küh', zwoa Kinder, all's
+ Verbrunna.«
+ »Wie? Verbrannt?!«
+
+ »Ja, ja verbrennt.
+ Mi selba hat der Nachbar no am Zopf
+ Der damal armsdick war -- wer möcht' dees glaub'n? --
+ Herauszerrt aus die licht'rloh'n Flammen.
+ Die Gloabiger hon si' den Grund biholten,
+ Und wiar i gang'n, wiar i g'stand'n bin,
+ So bin i von der Brandg'stätt weiterzog'n.«
+ »Mit Euren Kindern?«
+
+ »Jo, mit denen drei,
+ Die übri blieb'n san, zwoa Diendln und
+ An kloan'n Bueb'n,« entgegnet sie gelassen.
+ »Und dann? Wie habt Ihr dann Euch fortgeholfen?«
+ Sie hob den Kopf empor: »No, ehrli halt.
+ Viel g'arbeit, viel, und aa' a biß'l' bet',
+ A biß'l nur, denn damaln, wissen's, Frau,
+ Da war i bös mit unsern lieben Herrgott,
+ Und bin's aa' blieben no a lange Weil',
+ Denn oans vo meini Diendln is schlecht g'rath'n
+ Und leit da drauß'n ~vor~ der Kirchhofmauer,
+ I mach en Umweg, mueß i dort vorbi.«
+ »Die Zweite aber? -- die?«
+
+ »Die hat an Bauern,
+ In Hammerau, an reich'n, is versorgt.«
+ »Und sorgt für ihre Mutter, will ich hoffen.«
+ »Für mi? Was denken's denn? Sie hat den Mo',
+ Hat ihm ins Haus koan rothi Heller bracht
+ Und wird aa' koanen 'naustrag'n -- dees hoff' i!«
+ »Und Euer Sohn?«
+
+ »Seidat war'r, Schandarm ...
+ I sag, er war, jetzunder is er todt,
+ Erschoss'n von die Pascher an der Grenz'.
+ In letzten Hirgscht hon i die Nachricht kriegt.«
+ Sie sprach es langsam, leise, unbewegt,
+ Sann nach ein Weilchen; wie ein Lichtstrahl flog's
+ Erhellend freudig über ihr Gesicht.
+ »Der is mit mir gar oft in d' Erdber' ganga
+ Wier er a Bua no war und später aa',
+ Der hat die Berg so guot gekennt, wiar i.«
+ Sie blickte in die Weite, ganz verklärt
+ Vom sanften Glück des lieblichsten Erinnerns,
+ Und wandt' zum Gehen sich mit kurzem Gruß.
+ Doch plötzlich hielt sie an. Die lichten Augen
+ Erglänzten wild und stoben Zornesfunken.
+ An uns vorbeigeschritten kam ein Knabe,
+ Der in der Hand ein Schüßlein voll mit Beeren,
+ Armselgen, halbgereiften, trug. -- »Du Lump,«
+ Rief ihm die Alte zu, »kanst's nit derwart'n
+ Daß d' Erber' roth wer'n, muaßt di greani rupf'n?«
+ Mit hoch erhobner Faust bedroht sie ihn,
+ Und ein gewaltig Fluchwort flog ihm nah,
+ Als schleunig er und still die Flucht ergriff.
+ Dann aber ganz erregt vor Schmerz und Grimm
+ Sprach sie: »Dees is mei' allerirgster Kumma,
+ Wenn's d' Erber' brock'n u'reif und kloanleizi,
+ Ma mirkt's ja deutli, 's thuat der Pflanzen weh.
+ Sie wehrt sie drum, was sie nur ko', die Armi,
+ Just wier a Muatta um ihr liebis Kind,
+ Do' wenn die Frucht recht zeiti wor'n is,
+ Geits 's geduldi her; no jo, sie hat
+ Das ihre redli' tho', und denkt ihm halt:
+ Jetz' werst der endli aa dein Frieden gunna.«
+ Da stockte sie und sah mich fragend an,
+ Bestürzt beinah ob dieser Worte Sinn,
+ Der dämmernd nur ihr zum Bewußtsein kam,
+ »Wo wohnen's?« sprach sie hastig. »In Sankt Zeno.«
+ »Da kimm i lei' an nächst'n Sunnta hin,
+ Und Erber' bring' i Ihna, solchi haben's
+ No niemal koana gsegn. Bfüth' Ihna Gott!«
+
+
+
+
+ Inhalt.
+
+
+ I. Aphorismen.
+
+ Seite
+
+ Aerzte werden 47
+
+ Alberne Leute 74
+
+ Alle Enttäuschungen 56
+
+ Alle historischen 80
+
+ Alle irdische Gewalt 63
+
+ Alles wird uns 18
+
+ Als eine Frau 61
+
+ Alte Diener 23
+
+ Alt werden heißt 5
+
+ Am unbarmherzigsten 64
+
+ Am weitesten in 85
+
+ Am Ziele 88
+
+ An das Gute 18
+
+ An dem Manna 84
+
+ Andere neidlos 4
+
+ An die Stützen 70
+
+ An groß angelegte 38
+
+ Anmuth ist 5
+
+ An Rheumatismen 46
+
+ Anspruchslosigkeit 80
+
+ Arme Leute 26
+
+ Auch das kleinste 87
+
+ Auch der ungewöhnlichste 83
+
+ Auch die Tugend 12
+
+ Auch in ein neues 26
+
+ Auch was wir 22
+
+ Auf angeborne 47
+
+ Ausdauer ist 59
+
+ Aus dem Mitleid 54
+
+ Aus dem Verlangen 24
+
+ Ausnahmen sind 34
+
+ Autoren die 26
+
+ Begeisterung spricht 82
+
+ Begreifen 60
+
+ Bei den Hottentotten 75
+
+ Beim Genie 71
+
+ Beim Tode 23
+
+ Beim Wiedersehen 42
+
+ Besondere Stände 81
+
+ Bewunderung 41
+
+ Bis zu einem 66
+
+ Da zuletzt 65
+
+ Das Alter 12
+
+ Das edle: Ich will 39
+
+ Das Erfundene 62
+
+ Das Feuer läutert 66
+
+ Das Gefühl 67
+
+ Das Gemüth 59
+
+ Das giebt sich 40
+
+ Das Leben 75
+
+ Das Meiste 71
+
+ Das Mitleid 11
+
+ Das Motiv einer 12
+
+ Das Recht des 41
+
+ Das scheinbar 74
+
+ Das Talent 83
+
+ Das Tüttelchen Wahrheit 37
+
+ Das unfehlbare 57
+
+ Das Vernünftige 55
+
+ Das Verständniß 22
+
+ Das Vertrauen 12
+
+ Daß andere Leute 63
+
+ Daß so viel 78
+
+ Dem großen Dichter 50
+
+ Dem Hungrigen 56
+
+ Dem, der uns 68
+
+ Demuth ist 43
+
+ Den Angriffen 69
+
+ Den Feind 58
+
+ Denkfaulheit 27
+
+ Den Menschen 56
+
+ Den Strich 44
+
+ Der alte Satz 28
+
+ Der am unrechten 18
+
+ Der ans Ziel 57
+
+ Der Arbeiter 75
+
+ Der Arme 9
+
+ Der Augenblick 52
+
+ Der Charakter 33
+
+ Der Egoismus 64
+
+ Der eitle, schwache 26
+
+ Der Gedanke 24
+
+ Der Geist einer 22
+
+ Der Geist ist 15
+
+ Der Genius 49
+
+ Der Gescheitere 6
+
+ Der Gläubige 20
+
+ Der größte Feind 41
+
+ Der Hans 83
+
+ Der Haß 11
+
+ Der herbste Tadel 23
+
+ Der Hochmuth 4
+
+ Der Ignorant 79
+
+ Der kleinste Fehler 51
+
+ Der kleinste Hügel 85
+
+ Der Künstler hat 50
+
+ Der Künstler versäume 39
+
+ Der Leichtsinnige 77
+
+ Der Mann 27
+
+ Der Maßstab 50
+
+ Der niemals Ehrfurcht 45
+
+ Der Pfennig 75
+
+ Der Philosoph 35
+
+ Der Platz 73
+
+ Der Ruhm 80
+
+ Der Schmerz 27
+
+ Der Schwächling 34
+
+ Der sich gar 78
+
+ Der sich keine 30
+
+ Der Spott 56
+
+ Der Staat 44
+
+ Der Umgang 40
+
+ Der Verstandesmensch 6
+
+ Der Verstand macht 66
+
+ Der Verstand und 36
+
+ Der Verstand wird 74
+
+ Der völlig vorurtheilslos 81
+
+ Der von Schaffensfreude 76
+
+ Der Weise 42
+
+ Der Weltmann 62
+
+ Der Witzling 70
+
+ Der Wohlwollende 47
+
+ Der Zufall 4
+
+ Die Aenderung 63
+
+ Die allerstillste Liebe 71
+
+ Die Ambrosia 47
+
+ Die Aufgabe 72
+
+ Die bedauernswerthesten 41
+
+ Die Bescheidenheit 17
+
+ Die Consequenzen 7
+
+ Die einfachste 5
+
+ Die eingebildeten 11
+
+ Die einzigen 69
+
+ Die Eitelkeit 27
+
+ Die Empfindung des 32
+
+ Die Erfolge 74
+
+ Die Frau, die 64
+
+ Die Frau verliert 34
+
+ Die Gedankenlosigkeit 31
+
+ Die Gelassenheit 60
+
+ Die Geschichte hat 70
+
+ Die Gleichgültigkeit 53
+
+ Die glücklichen Pessimisten 4
+
+ Die glücklichen Sklaven 84
+
+ Die Grausamkeit 64
+
+ Die größte Gewalt 51
+
+ Die größte Gleichmacherin 59
+
+ Die größte Nachsicht 5
+
+ Die großen Augenblicke 70
+
+ Die Großen schaffen 35
+
+ Die Großmuth 87
+
+ Die Güte 13
+
+ Die Gutmüthigkeit 8
+
+ Die Herrschaft 39
+
+ Die jetzigen 4
+
+ Die Katzen 75
+
+ Die Kleinen 63
+
+ Die kleinsten Sünder 38
+
+ Die Kraft verleiht 69
+
+ Die Kritik 68
+
+ Die Kunst 67
+
+ Die Langweile 46
+
+ Die Laster 60
+
+ Die Leidenschaft 7
+
+ Die Leute 9
+
+ Die Liebe hat 15
+
+ Die Liebe überwindet 59
+
+ Die Litteratur 73
+
+ Die meiste Nachsicht 10
+
+ Die meisten Menschen brauchen 9
+
+ Die meisten Menschen ertragen 60
+
+ Die meisten Nachahmer 9
+
+ Die Menschen, bei 45
+
+ Die Menschen denen 19
+
+ Die Menschen der 67
+
+ Die Menschen die 49
+
+ Die Natur 51
+
+ Die öffentliche Meinung 78
+
+ Die Palme 60
+
+ Die Reue 74
+
+ Die Rücksichten 66
+
+ Die Sitte 63
+
+ Die Sittlichkeit 25
+
+ Die still stehende 82
+
+ Die Summe unserer 82
+
+ Die Thaten 49
+
+ Die Theilnahme 16
+
+ Die Thoren 14
+
+ Die Treue 84
+
+ Die unerträglichsten 30
+
+ Die Unschuld 61
+
+ Die uns gespendete 48
+
+ Die verstehen 3
+
+ Die Vornehmen 81
+
+ Die wahre Ehrfurcht 58
+
+ Die Welt gehört 52
+
+ Die Wortkargen 32
+
+ Die Wunden 76
+
+ Dilettanten 53
+
+ Du kannst so rasch 21
+
+ Du wüßtest 33
+
+ Echte Propheten 43
+
+ Ehen werden 8
+
+ Ein anregendes Buch 36
+
+ Ein armer 80
+
+ Ein böser Mensch 71
+
+ Ein Dichter 9
+
+ Eine gescheite Frau 28
+
+ Ein einziges Wort 50
+
+ Einen Gedanken 25
+
+ Einen Menschen 76
+
+ Einen mit Weisheit 73
+
+ Einer der seltensten 9
+
+ Eine ungeschickte 83
+
+ Eine Vernunftehe 29
+
+ Ein fauler 39
+
+ Ein ganzes Buch 47
+
+ Ein Gedanke kann 30
+
+ Ein guter Witz 43
+
+ Ein Hauptzweck 83
+
+ Ein Held 81
+
+ Ein litterarischer Dieb 35
+
+ Ein Mann, der 33
+
+ Ein Mann mit 36
+
+ Ein Nichts 45
+
+ Ein scheinbarer Widerspruch 29
+
+ Ein Schwachkopf 28
+
+ Ein stolzer Mensch 41
+
+ Ein Streit 30
+
+ Ein Urtheil 3
+
+ Ein wahrer Freund 35
+
+ Ein wirklich guter 47
+
+ Eiserne Ausdauer 6
+
+ Eitelkeit 61
+
+ Eltern verzeihen 21
+
+ Erinnere Dich 63
+
+ Er ist ein guter 32
+
+ Erstritten 37
+
+ Es darf so mancher 53
+
+ Es findet nicht nur 48
+
+ Es gäbe keine 46
+
+ Es gehört immer 31
+
+ Es giebt eine Menge 31
+
+ Es giebt eine nähere 82
+
+ Es giebt eine schöne 19
+
+ Es giebt Fälle 17
+
+ Es giebt Frauen 8
+
+ Es giebt Gelegenheiten 24
+
+ Es giebt keine 79
+
+ Es giebt mehr naive 42
+
+ Es giebt Menschen 67
+
+ Es giebt Menschen mit 18
+
+ Es giebt nichts Böses 28
+
+ Es giebt überall 42
+
+ Es giebt wenig 76
+
+ Es glaube doch 76
+
+ Es hat noch Niemand 4
+
+ Es ist die Frage 57
+
+ Es ist ein Unglück 13
+
+ Es ist schlimm 51
+
+ Es ist schwer 77
+
+ Es kommt alles 39
+
+ Es kommt vor 69
+
+ Es muß sein 61
+
+ Es stände besser 20
+
+ Es steht etwas 86
+
+ Es würde sehr wenig 18
+
+ Etwas sollen wir 14
+
+ Fähigkeit ruhiger 33
+
+ Fortwährendem Entbehren 24
+
+ Freundlichkeit 72
+
+ Frieden kannst Du 69
+
+ Für das Können 17
+
+ Für die Anspruchsvollen 38
+
+ Gebrannte Kinder 8
+
+ Gedanken, die 61
+
+ Geduld mit der 5
+
+ Geistlose Lustigkeit 76
+
+ Gemeinverständlich 31
+
+ Genire Dich 73
+
+ Genug weiß 65
+
+ Glaube Deinen 85
+
+ Grobheit 68
+
+ Gutmüthigkeit 65
+
+ Hab' einen guten 67
+
+ Haben und nichts 9
+
+ Herrschaft behaupten 66
+
+ Hoffnungslose Liebe 56
+
+ Hüte Dich 10
+
+ Im Alter 64
+
+ Im Grunde 62
+
+ Im Laufe des Lebens 52
+
+ Im Laufe des Lebens verliert 33
+
+ Immer wird 81
+
+ Im Unglück 70
+
+ In der großen Welt 60
+
+ In der Jugend 13
+
+ In der Jugend meinen 65
+
+ In einem guten 13
+
+ In jede hohe 45
+
+ In jedem 15
+
+ Jeder Dichter 49
+
+ Jeder Künstler 69
+
+ Jeder Mensch 85
+
+ Jeder Weltmann 48
+
+ Je kleiner das 54
+
+ Je kürzer der 56
+
+ Je mehr Du 6
+
+ Je ungebildeter 74
+
+ Je weiter unsere 49
+
+ Jung sein 31
+
+ Kein Mensch steht 40
+
+ Kein Mensch weiß 73
+
+ Kein Todter ist 84
+
+ Klarheit ist 77
+
+ Künstler haben 55
+
+ Künstler! was Du 6
+
+ Liebe alle Menschen 46
+
+ Liebe ist Qual 63
+
+ Liebhabereien 44
+
+ Macht ist 16
+
+ Man bleibt jung 64
+
+ Manche Leute 34
+
+ Manche Menschen 78
+
+ Manche Tugenden 43
+
+ Man darf anders 67
+
+ Man darf die Phantasie 40
+
+ Man fordre nicht 18
+
+ Man hat einen zu 33
+
+ Man kann den 84
+
+ Man kann nicht allen 21
+
+ Man kann nicht jedes 24
+
+ Man kann sich 73
+
+ Man kann viele 16
+
+ Man muß das 11
+
+ Man muß schon 60
+
+ Manuscripte 36
+
+ Mehr noch als 36
+
+ Menschen, die nach 25
+
+ Menschen, die viel 42
+
+ Merkmal großer 27
+
+ Mißtraue Deinem 79
+
+ Mitleid ist 8
+
+ Muth des Schwachen 34
+
+ Nächstenliebe 55
+
+ Natur ist Wahrheit 14
+
+ Nenne Dich nicht 87
+
+ Nicht jeder große 48
+
+ Nicht jene, die streiten 15
+
+ Nicht leisten können 44
+
+ Nichts Besseres 80
+
+ Nichts bist du 84
+
+ Nichts ist erbärmlicher 26
+
+ Nichts ist weniger 16
+
+ Nichts lernen wir so 49
+
+ Nichts schwerer als 86
+
+ Nichts wird so oft 7
+
+ Nicht tödtlich, aber 40
+
+ Nicht was wir erleben 46
+
+ Niemand ist so 62
+
+ Nur der Denkende 78
+
+ Nur die allergescheitesten 54
+
+ Nur was für 15
+
+ Ob das Werkzeug 75
+
+ Raison annehmen 10
+
+ Respekt vor dem 38
+
+ Rücksichtslosigkeiten 57
+
+ Sag' etwas, das sich 3
+
+ Sagen was man 42
+
+ Schüchterne Dummheit 7
+
+ Schwächliche Grämlichkeit 20
+
+ Sehr geringe 55
+
+ Sei Deines Willens 14
+
+ Sei froh, wenn 77
+
+ Seit dem bekannten 17
+
+ Selbst der bescheidenste 11
+
+ Sich mit Wenigem 17
+
+ Siege aber 4
+
+ Sobald eine Mode 50
+
+ Sogar der edelste 58
+
+ So mancher meint ein Don Juan 68
+
+ So mancher meint ein gutes 23
+
+ So Manches 82
+
+ So manche Wahrheit 35
+
+ So reich unser 87
+
+ So weit Deine 77
+
+ Soweit die Erde 43
+
+ Späte Freuden 55
+
+ Steril ist 76
+
+ Suche immer 34
+
+ Theorie und Praxis 59
+
+ Treue Liebe 28
+
+ Treue üben 52
+
+ Tugend und Gelehrsamkeit 62
+
+ Ueber das Kommen 29
+
+ Ueberlege ein Mal 50
+
+ Ueberlege wohl 85
+
+ Um ein öffentliches 56
+
+ Um in eine 22
+
+ Unbefangenheit 79
+
+ Unbegründeter Tadel 13
+
+ Und ich habe mich 58
+
+ Unerreichbare Wünsche 15
+
+ Unseren schlechten 37
+
+ Unser Stolz 58
+
+ Verlegenheit äußert 65
+
+ Verschmähtes Erbarmen 24
+
+ Verständniß des 22
+
+ Vertrauen ist Muth 3
+
+ Verwöhnte Kinder 32
+
+ Viele Leute glauben 41
+
+ Vieles erfahren haben 45
+
+ Vorurtheil stützt die 68
+
+ Während des 61
+
+ Während ein 83
+
+ Warten lernen wir 7
+
+ Was Dein Wort 86
+
+ Was Du bekrittelst 77
+
+ Was Du wirklich 37
+
+ Was Du zu 12
+
+ Was ein Mensch 23
+
+ Was geschehen ist 79
+
+ Was liegt am 53
+
+ Was liegt dem 21
+
+ Was Menschen und 47
+
+ Was nennen die 30
+
+ Was noch zu 51
+
+ Was uns an 3
+
+ Was wir unserem 83
+
+ Was wissen wir 84
+
+ Weh der Frau 57
+
+ Welch ein Unterschied 44
+
+ Welcher Autor 72
+
+ Wenig Leidenschaft 29
+
+ Wenn alberne 26
+
+ Wenn der Kunst 11
+
+ Wenn die Großmuth 31
+
+ Wenn die Mißgunst 16
+
+ Wenn die Nachtigallen 70
+
+ Wenn die Neugier 14
+
+ Wenn die Zeit 40
+
+ Wenn Du durchaus 32
+
+ Wenn Du einen 17
+
+ Wenn Du sicher 35
+
+ Wenn ein edler 21
+
+ Wenn ein Mensch 10
+
+ Wenn es einen 7
+
+ Wenn ich nicht 52
+
+ Wenn Ihr wüßtet 78
+
+ Wenn Jeder dem 59
+
+ Wenn Jemand etwas 10
+
+ Wenn man das 20
+
+ Wenn man ein 57
+
+ Wenn man nicht 39
+
+ Wenn man nur 10
+
+ Wenn mein Herz 46
+
+ Wenn wir an Freuden 48
+
+ Wenn wir auch 54
+
+ Wenn wir nur das 79
+
+ Wenn wir nur noch 58
+
+ Wenn zwei brave 16
+
+ Wer an die 8
+
+ Wer die materiellen 52
+
+ Wer es versteht 29
+
+ Wer Geduld sagt 22
+
+ Wer hat nicht 81
+
+ Wer in der Gegenwart 27
+
+ Wer in die 36
+
+ Wer nichts weiß 21
+
+ Wer sich mit 42
+
+ Wer sich seiner eigenen 11
+
+ Wie theuer Du 87
+
+ Wie viel Bewegung 43
+
+ Wie weise muß 5
+
+ Wir entschuldigen 13
+
+ Wir hätten wenig 48
+
+ Wir können es 86
+
+ Wir können uns 68
+
+ Wir müssen immer 88
+
+ Wir sind für nichts 53
+
+ Wir sind Herr 85
+
+ Wir sind in 80
+
+ Wir sind leicht 77
+
+ Wir sollen immer 12
+
+ Wir sträuben uns 87
+
+ Wir unterschätzen 82
+
+ Wir verlangen 6
+
+ Wir werden vom 72
+
+ Wisset, die Euch 72
+
+ Wo die Eitelkeit 22
+
+ Wo Geschmacklosigkeit 66
+
+ Wo giebt es noch 45
+
+ Wohlerzogene 44
+
+ Wohl finden wir 88
+
+ Wohl Jedem, der 38
+
+ Wo wäre die 25
+
+ Zu jeder Zeit 30
+
+ Zu späte Erfüllung 14
+
+ Zwei sehr 23
+
+ Zwischen Können 41
+
+
+ II. Parabeln und Märchen.
+
+ Die Mußmenschen 91
+
+ Ein Vergleich 101
+
+ Zwei Gräber 102
+
+ Prometheus 104
+
+ Eine Begegnung 106
+
+ Die Fremde 108
+
+ Das Blatt 111
+
+ Die Siegerin 112
+
+ Verlorene Zuversicht 114
+
+ Am Ziel 115
+
+ Eine dumme Geschichte 117
+
+ Der junge Fürst 125
+
+ Kosmogonie 130
+
+ Brautwahl 133
+
+ Werthbestimmung 140
+
+ Geschieden 141
+
+ Des Kleinen Lob 142
+
+ Besessen 143
+
+ Die Nachbarn 145
+
+ Der gute Feind 149
+
+ Ohne Vorschule 150
+
+ Palemon 152
+
+ Das Beste 155
+
+ Ein Glücklicher 159
+
+ Der Gottesleugner 161
+
+ Die Vervehmte 162
+
+ Die Anhänger 163
+
+ Die Ausgestoßenen 165
+
+ Der Verwöhnte 168
+
+ Propheten-Loos 169
+
+ Ungelöste Aufgaben 172
+
+ Die Untrennbaren 174
+
+ Die Brüder 179
+
+
+ III. Gedichte.
+
+ Ein kleines Lied 185
+
+ _Boule d'or_ 185
+
+ Sommermorgen 186
+
+ Der Halbpoet 187
+
+ Vanitas 188
+
+ Das Schiff 189
+
+ Lebenszweck 190
+
+ Grabschrift 190
+
+ Sankt Peter und der Blaustrumpf 191
+
+ Liebeserklärung 193
+
+ So ist es 196
+
+ Einschlafen 198
+
+ Spruchverse 201
+
+ Gänsezug 204
+
+ Die Erdbeerfrau 205
+
+
+ Druck von ~G. Bernstein~ in Berlin.
+
+
+
+
+ Anmerkungen des Bearbeiters
+
+
+Die Verwendung der Anführungszeichen wurde stillschweigend
+vereinheitlicht.
+
+G e s p e r r t e r Text im Original ist durch ~Tilden~ markiert
+worden. Antiqua gesetzter Text wurde mit _Unterstrichen_ markiert.
+
+Die folgenden wahrscheinlichen Druckfehler wurden im Text geändert.
+
+ Seite: 30
+ »Meuschen« wurde in »Menschen« geändert:
+ Was nennen die Menschen am liebsten dumm?
+
+ Seite: 134
+ »Töchter« wurde in »Töchtern« geändert:
+ ...unter den Töchtern des höchsten Adels.
+
+ Seite: 207
+ »au s?« wurde in »aus?« geändert:
+ Im Sommer, doch wie sieht's im Winter aus?
+
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***
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+ Gesammelte Schriften von Marie von Ebner-Eschenbach. Erster Band | Project Gutenberg
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+<div style='text-align:center'>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***</div>
+
+<!-- C O V E R P A G E -->
+<div class="chapter cover">
+ <img src="images/cover.jpg" alt="Book Cover"
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+</div>
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+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- T I T L E P A G E -->
+<div class="chapter center">
+<h1 class="title">
+ Gesammelte Schriften
+ <span class="von">von</span>
+ <span class="author">Marie von Ebner-Eschenbach.</span>
+ <span class="divider"></span>
+ <span class="band">Erster Band</span>
+</h1>
+<p class="center s3">Aphorismen.</p>
+<p class="center s3">Parabeln, Märchen und Gedichte.</p>
+
+<img src="images/logo.jpg" class="p1 logo" height="515"
+ width="409" alt="Printer's Logo">
+
+<p class="center s3 p1 bold">Berlin.</p>
+<p class="center s3">Verlag von Gebrüder Paetel.</p>
+<p class="center">1893.</p>
+
+<p class="center p2 s4">Alle Rechte vorbehalten.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- A U T H O R I M A G E -->
+<div class="chapter center author_image">
+ <img src="images/mvonee.jpg" alt="Marie von Ebner-Eschenbach"
+ height="1200" width="900">
+ <p class="engraver">
+ Grav. Meisenbach, Riffarth &amp; Co.
+ </p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- A P H O R I S M E N -->
+<div class="chapter center">
+<!-- page2 -->
+ <h2>Aphorismen.</h2>
+
+<div class="cc center">
+<p>Ein Aphorismus ist der letzte Ring einer langen Gedankenkette.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- A P H O R I S M E N : Erstes Hundert -->
+<div class="chapter">
+<!-- page3 --><a id="page3"></a>
+ <h3>Erstes Hundert.</h3>
+
+<ol>
+<li>Sag etwas, das sich von selbst versteht, zum ersten Mal, und Du
+bist unsterblich.</li>
+
+<li>Was uns an der sichtbaren Schönheit entzückt, ist ewig nur die
+unsichtbare.</li>
+
+<li>Die verstehen sehr wenig, die nur das verstehen, was sich erklären
+läßt.</li>
+
+<li>Ein Urtheil läßt sich widerlegen, aber niemals ein Vorurtheil.</li>
+
+<li>Vertrauen ist Muth, und Treue ist Kraft.</li>
+
+<li>Die jetzigen Menschen sind zum tadeln geboren. Vom ganzen Achilles
+sehen sie nur die Ferse.<!-- page4 --><a id="page4"></a></li>
+
+<li>Die glücklichen Pessimisten! Welche Freude empfinden sie, so oft
+sie bewiesen haben, daß es keine Freude giebt.</li>
+
+<li>Es hat noch Niemand etwas Ordentliches geleistet, der nicht etwas
+Außerordentliches leisten wollte.</li>
+
+<li>Siege, aber triumphire nicht.</li>
+
+<li>Der Zufall ist die in Schleier gehüllte Nothwendigkeit.</li>
+
+<li>Andere neidlos Erfolge erringen sehen, nach denen man selbst
+strebt, ist Größe.</li>
+
+<li>Der Hochmuth ist ein plebejisches Laster.</li>
+
+<li>Geduld mit der Streitsucht der Einfältigen! Es ist nicht leicht zu
+begreifen, daß man nicht begreift. <!-- page5 --><a id="page5"></a></li>
+
+<li>Die größte Nachsicht mit einem Menschen entspringt aus der
+Verzweiflung an ihm.</li>
+
+<li>Alt werden, heißt sehend werden.</li>
+
+<li>Anmuth ist ein Ausströmen der inneren Harmonie.</li>
+
+<li>Wie weise muß man sein, um immer gut zu sein!</li>
+
+<li>Die einfachste und bekannteste Wahrheit erscheint uns
+augenblicklich neu und wunderbar, sobald wir sie zum ersten Male an uns
+selbst erleben.</li>
+
+<li>Der Verstandesmensch verhöhnt nichts so bitter als den Edelmuth,
+dessen er sich unfähig fühlt. <!-- page6 --><a id="page6"></a></li>
+
+<li>Wir verlangen sehr oft nur deshalb Tugenden von Anderen, damit
+unsere Fehler sich bequemer breit machen können.</li>
+
+<li>Der Gescheitere giebt nach! Ein unsterbliches Wort. Es begründet
+die Weltherrschaft der Dummheit.</li>
+
+<li>Künstler, was Du nicht schaffen mußt, das darfst Du nicht schaffen
+wollen.</li>
+
+<li>Je mehr Du Dich selbst liebst, je mehr bist Du Dein eigener
+Feind.</li>
+
+<li>Eiserne Ausdauer und klaglose Entsagung sind die zwei äußersten
+Pole der menschlichen Kraft. <!-- page7 --><a id="page7"></a></li>
+
+<li>Nichts wird so oft unwiederbringlich versäumt wie eine Gelegenheit,
+die sich täglich bietet.</li>
+
+<li>Warten lernen wir gewöhnlich erst, wenn wir nichts mehr zu erwarten
+haben.</li>
+
+<li>Die Leidenschaft ist immer ein Leiden, auch die befriedigte.</li>
+
+<li>Schüchterne Dummheit und verschämte Armuth sind den Göttern
+heilig.</li>
+
+<li>Wenn es einen Glauben giebt, der Berge versetzen kann, so ist es
+der Glaube an die eigene Kraft.</li>
+
+<li>Die Consequenzen unserer guten Handlungen verfolgen uns
+unerbittlich und sind oft schwerer zu tragen als die der bösen. <!--
+page8 --><a id="page8"></a></li>
+
+<li>Die Gutmüthigkeit gemeiner Menschen gleicht dem Irrlicht. Vertraue
+nur seinem gleißenden Schein, es führt Dich gewiß in den Sumpf.</li>
+
+<li>Es giebt Frauen, die ihre Männer mit einer ebenso blinden,
+schwärmerischen und räthselhaften Liebe lieben, wie Nonnen ihr
+Kloster.</li>
+
+<li>Gebrannte Kinder fürchten das Feuer oder vernarren sich darein.</li>
+
+<li>Mitleid ist Liebe im Négligé.</li>
+
+<li>Ehen werden im Himmel geschlossen, aber daß sie gut gerathen,
+darauf wird dort nicht gesehen.</li>
+
+<li>Wer an die Freiheit des menschlichen Willens glaubt, hat nie
+geliebt und nie gehaßt. <!-- page9 --><a id="page9"></a></li>
+
+<li>Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.</li>
+
+<li>Ein Dichter, der <span class="gesperrt">einen</span> Menschen
+kennt, kann hundert schildern.</li>
+
+<li>Einer der seltensten Glücksfälle, die uns werden können, ist die
+Gelegenheit zu einer gut angewendeten Wohlthat.</li>
+
+<li>Die meisten Nachahmer lockt das Unnachahmliche.</li>
+
+<li>Haben und nichts geben, ist in manchen Fällen schlechter als
+stehlen.</li>
+
+<li>Der Arme rechnet dem Reichen die Großmuth niemals als Tugend
+an.</li>
+
+<li>Die Leute, denen man nie widerspricht, sind entweder die, welche
+man am meisten liebt, oder die, welche man am geringsten achtet.</li>
+
+<li>Die meiste Nachsicht übt der, der die wenigste braucht. <!-- page10
+--><a id="page10"></a></li>
+
+<li>Wenn ein Mensch uns zugleich Mitleid und Ehrfurcht einflößt, dann
+ist seine Macht über uns grenzenlos.</li>
+
+<li>Raison annehmen kann Niemand, der nicht schon welche hat.</li>
+
+<li>Wenn Jemand etwas kann, das gewöhnliche Menschen nicht können, so
+trösten sie sich damit, daß er gewiß von allem, was sie können, nichts
+kann.</li>
+
+<li>Hüte Dich vor der Tugend, die zu besitzen ein Mensch von sich
+selber rühmt.</li>
+
+<li>Wenn man nur die Alten liest, ist man sicher, immer neu zu bleiben.
+<!-- page11 --><a id="page11"></a></li>
+
+<li>Das Mitleid des Schwächlings ist ein Licht,
+<span class="gesperrt">das</span> nicht wärmt.</li>
+
+<li>Wer sich seiner eigenen Kindheit nicht mehr deutlich erinnert, ist
+ein schlechter Erzieher.</li>
+
+<li>Die eingebildeten Uebel sind die unheilbarsten.</li>
+
+<li>Selbst der bescheidenste Mensch hält mehr von sich, als sein bester
+Freund von ihm hält.</li>
+
+<li>Wenn der Kunst kein Tempel mehr offen steht, dann flüchtet sie in
+die Werkstatt.</li>
+
+<li>Man muß das Gute thun, damit es in der Welt sei.</li>
+
+<li>Der Haß ist ein fruchtbares, der Neid ein steriles Laster. <!--
+page12 --><a id="page12"></a></li>
+
+<li>Wir sollen immer verzeihen, dem Reuigen um seinetwillen, dem
+Reuelosen um unseretwillen.</li>
+
+<li>Das Motiv einer guten Handlung ist manchmal nichts anderes, als zur
+rechten Zeit eingetretene Reue.</li>
+
+<li>Das Vertrauen ist etwas so Schönes, daß selbst der ärgste Betrüger
+sich eines gewissen Respects nicht erwehren kann vor dem, der es ihm
+schenkt.</li>
+
+<li>Was Du zu müssen glaubst, ist das, was Du willst.</li>
+
+<li>Auch die Tugend ist eine Kunst, und auch ihre Anhänger theilen sich
+in Ausübende und in bloße Liebhaber.</li>
+
+<li>Das Alter verklärt oder versteinert. <!-- page13 -->
+<a id="page13"></a></li>
+
+<li>Die Güte, die nicht grenzenlos ist, verdient den Namen nicht.</li>
+
+<li>In der Jugend lernt, im Alter versteht man.</li>
+
+<li>Es ist ein Unglück, daß ein braves Talent und ein braver Mann so
+selten zusammen kommen!</li>
+
+<li>In einem guten Buche stehen mehr Wahrheiten, als sein Verfasser
+hinein zu schreiben meinte.</li>
+
+<li>Wir entschuldigen nichts so leicht als Thorheiten, die uns zuliebe
+begangen wurden.</li>
+
+<li>Unbegründeter Tadel ist manchmal eine feine Form der Schmeichelei.
+<!-- page14 --><a id="page14"></a></li>
+
+<li>Sei Deines Willens Herr und Deines Gewissens Knecht.</li>
+
+<li>Natur ist Wahrheit; Kunst ist die höchste Wahrheit.</li>
+
+<li>Zu späte Erfüllung einer Sehnsucht labt nicht mehr. Die lechzende
+Seele zehrt sie auf wie glühendes Eisen einen Wassertropfen.</li>
+
+<li>Die Thoren wissen gewöhnlich das am besten, was jemals in Erfahrung
+zu bringen, der Weise verzweifelt.</li>
+
+<li>Wenn die Neugier sich auf ernsthafte Dinge richtet, dann nennt man
+sie Wissensdrang.</li>
+
+<li>Etwas sollen wir unseren sogenannten guten Freunden immer
+abzulernen suchen — ihre Scharfsichtigkeit für unsere Fehler. <!--
+page15 --><a id="page15"></a></li>
+
+<li>Die Liebe hat nicht nur Rechte, sie hat auch immer recht.</li>
+
+<li>Nur was für die Gegenwart zu gut ist, ist gut genug für die
+Zukunft.</li>
+
+<li>Nicht jene, die streiten, sind zu fürchten, sondern jene, die
+ausweichen.</li>
+
+<li>In jedem tüchtigen Menschen steckt ein Poet, und kommt beim
+Schreiben zum Vorschein, beim Lesen, beim Sprechen oder beim
+Zuhören.</li>
+
+<li>Unerreichbare Wünsche werden als »fromme« bezeichnet. Man scheint
+anzunehmen, daß nur die profanen in Erfüllung gehen.</li>
+
+<li>Der Geist ist ein intermittirender, die Güte ein permanenter Quell.
+<!-- page16 --><a id="page16"></a></li>
+
+<li>Man kann viele Dinge kaufen, die unbezahlbar sind.</li>
+
+<li>Wenn zwei brave Menschen über Grundsätze streiten, haben immer
+beide recht.</li>
+
+<li>Nichts ist weniger verheißend als Frühreife; die junge Distel sieht
+einem zukünftigen Baume viel ähnlicher als die junge Eiche.</li>
+
+<li>Wenn die Mißgunst aufhören muß, fremdes Verdienst zu leugnen, fängt
+sie an, es zu ignoriren.</li>
+
+<li>Die Theilnahme der meisten Menschen besteht aus einer Mischung von
+Neugier und Wichtigthuerei.</li>
+
+<li>Macht ist Pflicht — Freiheit ist Verantwortlichkeit. <!-- page17
+--><a id="page17"></a></li>
+
+<li>Seit dem bekannten Siege der Schildkröte über den Hasen hält sie
+sich für eine Schnellläuferin.</li>
+
+<li>Es giebt Fälle, in denen vernünftig sein, feig sein heißt.</li>
+
+<li>Sich mit Wenigem begnügen ist schwer, sich mit Vielem begnügen noch
+schwerer.</li>
+
+<li>Die Bescheidenheit, die zum Bewußtsein kommt, kommt ums Leben.</li>
+
+<li>Für das Können giebt es nur einen Beweis: das Thun.</li>
+
+<li>Wenn Du einen vielbetretenen Weg lange gehst, so gehst Du ihn
+endlich allein. <!-- page18 --><a id="page18"></a></li>
+
+<li>Es giebt Menschen mit leuchtendem und Menschen mit glänzendem
+Verstande. Die ersten erhellen ihre Umgebung, die zweiten verdunkeln
+sie.</li>
+
+<li>Man fordre nicht Wahrhaftigkeit von den Frauen, so lange man sie in
+dem Glauben erzieht, ihr vornehmster Lebenszweck sei — zu gefallen.</li>
+
+<li>An das Gute glauben nur die Wenigen, die es üben.</li>
+
+<li>Der am unrechten Orte vertraute, wird dafür am unrechten Orte
+mißtrauen.</li>
+
+<li>Es würde sehr wenig Böses auf Erden gethan werden, wenn das Böse
+niemals im Namen des Guten gethan werden könnte.</li>
+
+<li>Alles wird uns heimgezahlt, wenn auch nicht von Denen, welchen wir
+geborgt haben. <!-- page19 --><a id="page19"></a></li>
+
+<li>Die Menschen, denen wir eine Stütze sind, die geben uns den Halt im
+Leben.</li>
+
+<li>Es giebt eine schöne Form der Verstellung: die Selbstüberwindung, —
+und eine schöne Form des Egoismus: die Liebe.</li>
+</ol>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- A P H O R I S M E N : Zweites Hundert -->
+<div class="chapter">
+<!-- page20 --><a id="page20"></a>
+ <h3>
+ Zweites Hundert.
+ </h3>
+
+<ol>
+<li>Wenn man das Dasein als eine Aufgabe betrachtet, dann vermag man es
+immer zu ertragen.</li>
+
+<li>Schwächliche Grämlichkeit, die alle Fünf gerade sein läßt, ist die
+Karikatur der Resignation.</li>
+
+<li>Der Gläubige, der nie gezweifelt hat, wird schwerlich einen
+Zweifler bekehren.</li>
+
+<li>Es stände besser um die Welt, wenn die Mühe, die man sich giebt,
+die subtilsten Moralgesetze auszuklügeln, zur Ausübung der einfachsten
+angewendet würde. <!-- page21 --><a id="page21"></a></li>
+
+<li>Man kann nicht allen helfen! sagt der Engherzige und — hilft
+Keinem.</li>
+
+<li>Wer nichts weiß, muß alles glauben.</li>
+
+<li>Eltern verzeihen ihren Kindern die Fehler am schwersten, die sie
+selbst ihnen anerzogen haben.</li>
+
+<li>Wenn ein edler Mensch sich bemüht ein begangenes Unrecht gut zu
+machen, kommt seine Herzensgüte am reinsten und schönsten zu Tage.</li>
+
+<li>Du kannst so rasch sinken, daß Du zu fliegen meinst.</li>
+
+<li>Was liegt dem Narren an einem vernünftigen Menschen? Die wichtige
+Person für ihn ist der andere Narr, der ihn gelten läßt. <!-- page22
+--><a id="page22"></a></li>
+
+<li>Verständniß des Schönen und Begeisterung für das Schöne sind
+Eins.</li>
+
+<li>Wo die Eitelkeit anfängt, hört der Verstand auf.</li>
+
+<li>Auch was wir am meisten sind, sind wir nicht immer.</li>
+
+<li>Um in eine Versammlung feiner Leute treten zu dürfen, muß man den
+Frack tragen, die Uniform oder — die Livrée.</li>
+
+<li>Wer Geduld sagt, sagt Muth, Ausdauer, Kraft.</li>
+
+<li>Der Geist einer Sprache offenbart sich am deutlichsten in ihren
+unübersetzbaren Worten.</li>
+
+<li>Das Verständniß reicht oft viel weiter als der Verstand. <!--
+page23 --><a id="page23"></a></li>
+
+<li>So mancher meint ein gutes Herz zu haben und hat nur schwache
+Nerven.</li>
+
+<li>Zwei sehr verschiedene Tugenden können einander lange und scharf
+befehden; der Augenblick bleibt nicht aus, in dem sie erkennen, daß sie
+Schwestern sind.</li>
+
+<li>Beim Tode eines geliebten Menschen schöpfen wir eine Art Trost aus
+dem Glauben, daß der Schmerz über unseren Verlust sich nie vermindern
+wird.</li>
+
+<li>Was ein Mensch glaubt und woran er zweifelt, ist gleich bezeichnend
+für die Stärke seines Geistes.</li>
+
+<li>Der herbste Tadel läßt sich ertragen, wenn man fühlt, daß
+Derjenige, der tadelt, lieber loben würde.</li>
+
+<li>Alte Diener sind kleine Tyrannen, an welche die große Tyrannin
+Gewohnheit uns knüpft. <!-- page24 --><a id="page24"></a></li>
+
+<li>Verschmähtes Erbarmen kann sich in Grausamkeit verwandeln, wie
+verschmähte Liebe in Haß.</li>
+
+<li>Aus dem Verlangen nach dem Ueberflüssigen ist die Kunst
+entstanden.</li>
+
+<li>Es giebt Gelegenheiten, in denen man sonst ganz wahrhaftigen
+Menschen keinen Glauben schenken darf. Zum Beispiel, dem Großmüthigen,
+wenn er von seinen Ausgaben, und dem Sparsamen, wenn er von seinen
+Einnahmen spricht.</li>
+
+<li>Man kann nicht jedes Unrecht gut, wohl aber jedes Recht schlecht
+machen.</li>
+
+<li>Fortwährendem Entbehren folgt Stumpfheit ebenso gewiß wie
+übermäßigem Genuß.</li>
+
+<li>Der Gedanke an die Vergänglichkeit aller irdischen Dinge ist ein
+Quell unendlichen Leids — und ein Quell unendlichen Trostes. <!--
+page25 --><a id="page25"></a></li>
+
+<li>Wo wäre die Macht der Frauen, wenn die Eitelkeit der Männer nicht
+wäre?</li>
+
+<li>Menschen, die nach immer größerem Reichthum jagen, ohne sich jemals
+Zeit zu gönnen, ihn zu genießen, sind wie Hungrige, die immerfort
+kochen, sich aber nie zu Tische setzen.</li>
+
+<li>Einen Gedanken verfolgen — wie bezeichnend dies Wort! Wir eilen ihm
+nach, erhaschen ihn, er entwindet sich uns, und die Jagd beginnt von
+Neuem. Der Sieg bleibt zuletzt dem Stärkeren. Ist es der Gedanke, dann
+läßt er uns nicht ruhen, immer wieder taucht er auf — neckend, quälend,
+unserer Ohnmacht ihn zu fassen, spottend. Gelingt es aber der Kraft
+unseres Geistes, ihn zu bewältigen, dann folgt dem heißen Ringkampf
+ein beseligendes, unwiderstehliches Bündniß auf Leben und Tod, und die
+Kinder, die ihm entspringen, erobern die Welt.</li>
+
+<li>Die Sittlichkeit verfeinert die Sitte, und die Sitte wiederum die
+Sittlichkeit. <!-- page26 --><a id="page26"></a></li>
+
+<li>Nichts ist erbärmlicher als die Resignation, die zu früh kommt.</li>
+
+<li>Arme Leute schenken gern.</li>
+
+<li>Auch in ein neues Glück muß man sich schicken lernen.</li>
+
+<li>Der eitle, schwache Mensch sieht in Jedem einen Richter, der
+stolze, starke hat keinen Richter als sich selbst.</li>
+
+<li>Autoren, die bestohlen werden, sollten sich darüber nicht beklagen,
+sondern freuen. In einer Gegend, in der kein Waldfrevel vorkommt, hat
+der Wald keinen Werth.</li>
+
+<li>Wenn alberne Leute sich bemühen, ein Geheimniß vor uns zu
+verbergen, dann erfahren wir es gewiß, so wenig uns auch danach
+gelüstet. <!-- page27 --><a id="page27"></a></li>
+
+<li>Merkmal großer Menschen ist, daß sie an Andere weit geringere
+Anforderungen stellen als an sich selbst.</li>
+
+<li>Denkfaulheit, Oberflächlichkeit, Starrsinn sind weibliche,
+Genußsucht, Rücksichtslosigkeit, Roheit sind männliche, Trotz,
+Eitelkeit, Neugier sind kindische Fehler.</li>
+
+<li>Wer in der Gegenwart von Kindern spottet oder lügt, begeht ein
+todeswürdiges Verbrechen.</li>
+
+<li>Die Eitelkeit weist jede gesunde Nahrung von sich, lebt
+ausschließlich von dem Gifte der Schmeichelei und gedeiht dabei in
+üppigster Fülle.</li>
+
+<li>Der Schmerz ist der große Lehrer der Menschen. Unter seinem Hauche
+entfalten sich die Seelen.</li>
+
+<li>Der Mann ist der Herr des Hauses; im Hause aber soll nur die Frau
+herrschen. <!-- page28 --><a id="page28"></a></li>
+
+<li>Treue Liebe kann zwischen Menschen von sehr verschiedenem, dauernde
+Freundschaft nur zwischen Menschen von gleichem Werthe bestehen. Aus
+diesem Grunde ist die zweite viel seltener als die erste.</li>
+
+<li>Eine gescheite Frau hat Millionen geborener Feinde: — alle dummen
+Männer.</li>
+
+<li>Der alte Satz: Aller Anfang ist schwer, gilt nur für Fertigkeiten.
+In der Kunst ist nichts schwerer als Beenden und bedeutet zugleich
+Vollenden.</li>
+
+<li>Ein Schwachkopf, der über andere Menschen urtheilen soll, kann sich
+höchstens in ihre Lage, nie aber in ihre Denk- und Empfindungsweise
+versetzen.</li>
+
+<li>Es giebt nichts Böses, freilich auch kaum etwas Gutes, das
+nicht schon aus Eitelkeit gethan worden wäre. <!-- page29 -->
+<a id="page29"></a></li>
+
+<li>Wenig Leidenschaft, große Herzenswärme, Verstand, Anmuth, leichte
+Umgangsformen, Respekt vor dem Ernst, Verständniß für den Scherz —
+Summa summarum: — Liebenswürdigkeit.</li>
+
+<li>Ein scheinbarer Widerspruch gegen ein Naturgesetz ist nur die
+selten vorkommende Bethätigung eines andern Naturgesetzes.</li>
+
+<li>Eine Vernunftehe schließen, heißt in den meisten Fällen, alle seine
+Vernunft zusammennehmen, um die wahnsinnigste Handlung zu begehen, die
+ein Mensch begehen kann.</li>
+
+<li>Wer es versteht, den Leuten mit Anmuth und Behagen Dinge
+auseinander zu setzen, die sie ohnehin wissen, der verschafft sich am
+geschwindesten den Ruf eines gescheiten Menschen.</li>
+
+<li>Ueber das Kommen mancher Leute tröstet uns nichts als — die
+Hoffnung auf ihr Gehen. <!-- page30 --><a id="page30"></a></li>
+
+<li>Zu jeder Zeit liegen einige große Wahrheiten in der Luft; sie
+bilden die geistige Atmosphäre des Jahrhunderts.</li>
+
+<li>Was nennen die <a href="#30b" id="30a">Menschen</a> am liebsten
+dumm? Das Gescheite, das sie nicht verstehen.</li>
+
+<li>Der sich keine Annehmlichkeit versagen kann, wird sich nie ein
+Glück erobern.</li>
+
+<li>Ein Gedanke kann nicht erwachen, ohne andere zu wecken.</li>
+
+<li>Die unerträglichsten Heuchler sind diejenigen, die jedes Vergnügen,
+das ihnen geboren wird, von der Pflicht zur Taufe tragen lassen.</li>
+
+<li>Ein Streit zwischen wahren Freunden, wahren Liebenden bedeutet gar
+nichts. Gefährlich sind nur die Streitigkeiten zwischen Menschen, die
+einander nicht ganz verstehen. <!-- page31 --><a id="page31"></a></li>
+
+<li>Es giebt eine Menge kleiner Unarten und Rücksichtslosigkeiten, die
+an und für sich nichts bedeuten, aber furchtbar sind als Kennzeichen
+der Beschaffenheit einer Seele.</li>
+
+<li>Wenn die Großmuth vollkommen sein soll, muß sie eine kleine Dosis
+Leichtsinn enthalten.</li>
+
+<li>Es gehört immer etwas guter Wille dazu, selbst das Einfachste zu
+begreifen, selbst das Klarste zu verstehen.</li>
+
+<li>Gemeinverständlich, das heißt: auch den Gemeinen verständlich, und
+heißt überdies nicht selten: den Nicht-Gemeinen ungenießbar.</li>
+
+<li>Jung sein ist schön; alt sein ist bequem.</li>
+
+<li>Die Gedankenlosigkeit hat mehr ehrliche Namen zu Grunde gerichtet
+als die Bosheit. <!-- page32 --><a id="page32"></a></li>
+
+<li>Wenn Du durchaus nur die Wahl hast zwischen einer Unwahrheit und
+einer Grobheit, dann wähle die Grobheit; wenn jedoch die Wahl getroffen
+werden muß zwischen einer Unwahrheit und einer Grausamkeit, dann wähle
+die Unwahrheit.</li>
+
+<li>Die Wortkargen imponiren immer. Man glaubt schwer, daß Jemand kein
+anderes Geheimniß zu bewahren hat als das seiner Unbedeutendheit.</li>
+
+<li>Die Empfindung des Einsamseins ist schmerzlich, wenn sie uns im
+Gewühl der Welt, unerträglich jedoch, wenn sie uns im Schoße unserer
+Familie überfällt.</li>
+
+<li>Verwöhnte Kinder sind die unglücklichsten; sie lernen schon in
+jungen Jahren die Leiden der Tyrannen kennen.</li>
+
+<li>Er ist ein guter Mensch! sagen die Leute gedankenlos. Sie wären
+sparsamer mit diesem Lobe, wenn sie wüßten, daß sie kein höheres zu
+ertheilen haben. <!-- page33 --><a id="page33"></a></li>
+
+<li>Man hat einen zu guten oder einen zu schlechten Ruf; nur den Ruf
+hat man nicht, den man verdient.</li>
+
+<li>Du wüßtest gern, was Deine Bekannten von Dir sagen? Höre, wie sie
+von Leuten sprechen, die mehr werth sind als Du.</li>
+
+<li>Im Laufe des Lebens verliert alles seine Reize wie seine Schrecken;
+nur Eines hören wir nie auf zu fürchten: das Unbekannte.</li>
+
+<li>Der Charakter des Künstlers ernährt oder verzehrt sein Talent.</li>
+
+<li>Ein Mann, der sich im Gespräche mit seiner Frau widerlegt fühlt,
+fängt sogleich an, sie zu überschreien: Er will und kann beweisen, daß
+ihm immer, auch wenn er falsch singt, die erste Stimme gebührt.</li>
+
+<li>Fähigkeit ruhiger Erwägung —: Anfang aller Weisheit, Quell aller
+Güte! <!-- page34 --><a id="page34"></a></li>
+
+<li>Ausnahmen sind nicht immer Bestätigung der alten Regel; sie können
+auch die Vorboten einer neuen Regel sein.</li>
+
+<li>Manche Leute wären frei, wenn sie zu dem Bewußtsein ihrer Freiheit
+kommen könnten.</li>
+
+<li>Muth des Schwachen, Milde des Starken — beide anbetungswürdig!</li>
+
+<li>Suche immer zu nützen, suche nie Dich unentbehrlich zu machen.</li>
+
+<li>Die Frau verliert in der Liebe zu einem ausgezeichneten Manne
+das Bewußtsein ihres eigenen Werthes; der Mann kommt erst recht zum
+Bewußtsein des seinen durch die Liebe einer edlen Frau.</li>
+
+<li>Der Schwächling ist bereit, sogar seine Tugenden zu
+verleugnen, wenn sie Anstoß erregen sollten. <!-- page35 -->
+<a id="page35"></a></li>
+
+<li>Der Philosoph zieht seine Schlüsse, der Poet muß die seinen
+entstehen lassen.</li>
+
+<li>So manche Wahrheit ging von einem Irrthum aus.</li>
+
+<li>Ein litterarischer Dieb, der sich das Stehlen recht sauer werden
+läßt, kann sein Lebenlang für einen originellen und ehrlichen Mann
+gelten.</li>
+
+<li>Wenn Du sicher wählen willst im Conflict zweier Pflichten, wähle
+diejenige, die zu erfüllen Dir schwerer fällt.</li>
+
+<li>Ein wahrer Freund trägt mehr zu unserem Glück bei, als tausend
+Feinde zu unserem Unglück.</li>
+
+<li>Die Großen schaffen das Große, die Guten das Dauernde. <!-- page36
+--><a id="page36"></a></li>
+
+<li>Ein anregendes Buch — eine Speise, die hungrig macht.</li>
+
+<li>Der Verstand und das Herz stehen auf sehr gutem Fuße. Eines
+vertritt oft die Stelle des andern so vollkommen, daß es schwer ist zu
+entscheiden, welches von beiden thätig war.</li>
+
+<li>Manuscripte vermodern im Schranke oder reifen darin.</li>
+
+<li>Wer in die Oeffentlichkeit tritt, hat keine Nachsicht zu erwarten
+und keine zu fordern.</li>
+
+<li>Ein Mann mit großen Ideen ist ein unbequemer Nachbar.</li>
+
+<li>Mehr noch als nach dem Glück unserer Jugend sehnen wir uns im
+Alter nach den Wünschen unserer Jugend zurück. <!-- page37 -->
+<a id="page37"></a></li>
+
+<li>Erstritten ist besser als erbettelt.</li>
+
+<li>Das Tüttelchen Wahrheit, das in mancher Lüge enthalten ist, das
+macht sie furchtbar.</li>
+
+<li>Unseren schlechten Eigenschaften gegenüber giebt es nur ewigen
+Kampf oder schimpflichen Frieden.</li>
+
+<li>Was Du wirklich besitzest, das wurde Dir geschenkt.</li>
+</ol>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- A P H O R I S M E N : Drittes Hundert -->
+<div class="chapter">
+<!-- page38 --><a id="page38"></a>
+ <h3>
+ Drittes Hundert.
+ </h3>
+
+<ol>
+<li>Wohl Jedem, der nur liebt, was er darf, und nur haßt, was er
+soll.</li>
+
+<li>Die kleinsten Sünder thun die größte Buße.</li>
+
+<li>An groß angelegte Menschen denkt sich's gut, mit fein angelegten
+Menschen lebt sich's gut.</li>
+
+<li>Für die Anspruchsvollen plagt man sich, aber die Anspruchslosen
+liebt man.</li>
+
+<li>Respect vor dem Gemeinplatz! Er ist seit Jahrhunderten
+aufgespeicherte Weisheit. <!-- page39 --><a id="page39"></a></li>
+
+<li>Ein fauler und ein fleißiger Mensch können nicht gut mit einander
+leben, der faule verachtet den fleißigen gar zu sehr.</li>
+
+<li>Wenn man nicht aufhören will, die Menschen zu lieben, muß man nicht
+aufhören, ihnen Gutes zu thun.</li>
+
+<li>Das edle: Ich will! hat keinen schlimmeren Feind, als das feige,
+selbstbetrügerische: Ja, wenn ich wollte!</li>
+
+<li>Es kommt alles auf die Umgebung an. Die Sonne im lichten
+Himmelsraume hat eine viel geringere Meinung von sich als die
+Unschlittkerze, die im Keller brennt.</li>
+
+<li>Der Künstler versäume nie, die Spuren des Schweißes zu verwischen,
+den sein Werk gekostet hat. Sichtbare Mühe war zu wenig Mühe.</li>
+
+<li>Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das
+Leben. <!-- page40 --><a id="page40"></a></li>
+
+<li>Man darf die Phantasie verführen, aber Gewalt darf man ihr nicht
+anthun wollen.</li>
+
+<li>Nicht tödtlich, aber unheilbar, das sind die schlimmsten
+Krankheiten.</li>
+
+<li>Kein Mensch steht so hoch, daß er anderen gegenüber nur gerecht
+sein dürfte.</li>
+
+<li>Wenn die Zeit kommt, in der man könnte, ist die vorüber, in der man
+kann.</li>
+
+<li>Der Umgang mit einem Egoisten ist darum so verderblich, weil die
+Nothwehr uns zwingt, allmälig in seinen Fehler zu verfallen.</li>
+
+<li>Das giebt sich, sagen schwache Eltern von den Fehlern ihrer Kinder.
+O nein, es giebt sich nicht, es entwickelt sich! <!-- page41 -->
+<a id="page41"></a></li>
+
+<li>Das Recht des Stärkeren ist das stärkste Unrecht.</li>
+
+<li>Der größte Feind des Rechtes ist das Vorrecht.</li>
+
+<li>Zwischen Können und Thun liegt ein Meer und auf seinem Grunde die
+gescheiterte Willenskraft.</li>
+
+<li>Ein stolzer Mensch verlangt von sich das Außerordentliche, ein
+hochmüthiger schreibt es sich zu.</li>
+
+<li>Bewunderung der Tugend ist Talent zur Tugend.</li>
+
+<li>Viele Leute glauben, wenn sie einen Fehler erst eingestanden haben,
+brauchen sie ihn nicht mehr abzulegen.</li>
+
+<li>Die bedauernswerthesten Menschen sind diejenigen, welche
+Pflichtgefühl besitzen, aber nicht die Kraft, ihm zu genügen. <!--
+page42 --><a id="page42"></a></li>
+
+<li>Beim Wiedersehen nach einer Trennung fragen die Bekannten nach dem,
+was mit uns, die Freunde nach dem, was in uns vorgegangen.</li>
+
+<li>Es giebt überall verschämte Arme, nur nicht in der Litteratur.</li>
+
+<li>Wer sich mit wenig Ruhm begnügt, verdient nicht vielen.</li>
+
+<li>Sagen, was man denkt, ist manchmal die größte Thorheit und manchmal
+— die größte Kunst.</li>
+
+<li>Menschen, die viel von sich sprechen, machen — so ausgezeichnet sie
+übrigens sein mögen — den Eindruck der Unreife.</li>
+
+<li>Es giebt mehr naive Männer als naive Frauen.</li>
+
+<li>Der Weise ist selten klug. <!-- page43 --><a id="page43"></a></li>
+
+<li>Wie viel Bewegung wird hervorgebracht durch das Streben nach
+Ruhe!</li>
+
+<li>Echte Propheten haben manchmal, falsche Propheten haben immer
+fanatische Anhänger.</li>
+
+<li>Soweit die Erde Himmel sein kann, soweit ist sie es in einer
+glücklichen Ehe.</li>
+
+<li>Demuth ist Unverwundbarkeit.</li>
+
+<li>Ein guter Witz muß den Schein des Unabsichtlichen haben. Er giebt
+sich nicht dafür, aber siehe da, der Scharfsinn des Hörers entdeckt
+ihn, entdeckt den geistreichen Gedanken in der Maske eines schlichten
+Wortes. Ein guter Witz reist incognito.</li>
+
+<li>Manche Tugenden kann man dadurch erwerben, daß man sie lange Zeit
+hindurch heuchelt. Andere wird man um so weniger erringen, je mehr man
+sucht, sich ihren Sein zu geben. Zu den ersten gehört der Muth, zu den
+zweiten die Bescheidenheit. <!-- page44 --><a id="page44"></a></li>
+
+<li>Wohlerzogene Menschen sprechen in Gesellschaft weder vom Wetter
+noch von der Religion.</li>
+
+<li>Der Staat ist am tiefsten gesunken, dessen Regierung schweigend
+zuhören muß, wenn die offenkundige Schufterei ihr Sittlichkeit
+predigt.</li>
+
+<li>Nicht leisten können, was Andere leisten — Du mußt dich bescheiden.
+Nicht mehr leisten können, was Du selbst einmal geleistet hast — zum
+verzweifeln.</li>
+
+<li>Liebhabereien bewahren vor Leidenschaften;
+<span class="gesperrt">eine</span> Liebhaberei wird zur Leidenschaft.
+</li>
+
+<li>Welch' ein Unterschied liegt darin, wie man's macht und wie sich's
+macht!</li>
+
+<li>Den Strich, den das Genie in Einem Zuge hinwirft, kann das Talent
+in glücklichen Stunden aus Punkten zusammensetzen. <!-- page45 -->
+<a id="page45"></a></li>
+
+<li>Ein Nichts vermag das Vertrauen in die eigene Kraft zu erschüttern,
+aber nur ein Wunder vermag es wieder zu befestigen.</li>
+
+<li>Vieles erfahren haben, heißt noch nicht Erfahrung besitzen.</li>
+
+<li>In jede hohe Freude mischt sich eine Empfindung der
+Dankbarkeit.</li>
+
+<li>Die Menschen, bei denen Verstand und Gemüth sich die Wage halten,
+gelangen spät zur Reife.</li>
+
+<li>Der niemals Ehrfurcht empfunden hat, wird sie auch niemals
+erwecken.</li>
+
+<li>Wo giebt es noch einmal zwei Dinge so entgegengesetzt und doch
+so nahe verwandt, so unähnlich und doch so oft kaum von einander
+zu unterscheiden, wie Bescheidenheit und Stolz? <!-- page46 -->
+<a id="page46"></a></li>
+
+<li>Nicht, was wir erleben, sondern wie wir empfinden, was wir erleben,
+macht unser Schicksal aus.</li>
+
+<li>Es gäbe keine Geselligkeit, alle Familienbande würden gelockert,
+wenn die Gedanken der Menschen auf ihrer Stirn zu lesen wären.</li>
+
+<li>Wenn mein Herz nicht spricht, dann schweigt auch mein Verstand,
+sagt die Frau.<br> Schweige, Herz, damit der Verstand zu Worte komme,
+sagt der Mann.</li>
+
+<li>Liebe alle Menschen, der Leidende aber sei Dein Kind.</li>
+
+<li>Die Langweile, die in manchem Buche herrscht, gereicht ihm zum
+Heil; die Kritik, die schon ihren Speer erhoben hatte, schläft ein,
+bevor sie ihn geschleudert hat.</li>
+
+<li>An Rheumatismen und an wahre Liebe glaubt man erst, wenn man davon
+befallen wird. <!-- page47 --><a id="page47"></a></li>
+
+<li>Aerzte werden gehaßt aus Ueberzeugung oder aus Oekonomie.</li>
+
+<li>Die Ambrosia der früheren Jahrhunderte ist das tägliche Brod der
+späteren.</li>
+
+<li>Ein wirklich guter und liebenswürdiger Mensch kann soviel Freunde
+haben, als er will, aber nicht immer diejenigen, die er will.</li>
+
+<li>Auf angeborene Tugenden ist man nicht stolz.</li>
+
+<li>Ein ganzes Buch — ein ganzes Leben.</li>
+
+<li>Was Menschen und Dinge werth sind, kann man erst beurtheilen, wenn
+sie alt geworden.</li>
+
+<li>Der Wohlwollende fürchtet Mißgunst nicht. <!-- page48 -->
+<a id="page48"></a></li>
+
+<li>Wir hätten wenig Mühe, wenn wir niemals unnöthige Mühe hätten.</li>
+
+<li>Es findet nicht nur jeder Odysseus seinen Homer, sondern auch jeder
+Mahomet seine Chadidscha.</li>
+
+<li>Jeder Weltmann verkehrt lieber mit einem wohlerzogenen Bösewicht,
+als mit einem schlechterzogenen Heiligen.</li>
+
+<li>Wenn wir an Freuden denken, die wir erlebt haben, oder noch zu
+erleben hoffen, denken wir sie uns immer ungetrübt.</li>
+
+<li>Nicht jeder große Mann ist ein großer Mensch.</li>
+
+<li>Die uns gespendete Liebe, die wir nicht als Segen und Glück
+empfinden, empfinden wir als eine Last. <!-- page49 -->
+<a id="page49"></a></li>
+
+<li>Nichts lernen wir so spät und verlernen wir so früh, als zugeben,
+daß wir Unrecht haben.</li>
+
+<li>Die Thaten reden, aber den Ungläubigen überzeugen sie doch
+nicht.</li>
+
+<li>Jeder Dichter und alle ehrlichen Dilettanten schreiben mit ihrem
+Herzblute, aber wie diese Flüssigkeit beschaffen ist, darauf kommt es
+an.</li>
+
+<li>Je weiter unsere Erkenntniß Gottes dringt, je weiter weicht Gott
+vor uns zurück.</li>
+
+<li>Der Genius weist den Weg, das Talent geht ihn.</li>
+
+<li>Die Menschen, die wir am meisten verwöhnen, sind nicht immer die,
+die wir am meisten lieben. <!-- page50 --><a id="page50"></a></li>
+
+<li>Dem großen Dichter muß man ein starkes Selbstgefühl zu gute halten.
+Eine gewisse Gottähnlichkeit ist Dem nicht abzusprechen, der aus seinem
+Geiste Menschen schafft.</li>
+
+<li>Ueberlege ein Mal, bevor Du giebst, zwei Mal, bevor Du annimmst,
+und tausendmal, bevor Du verlangst.</li>
+
+<li>Der Maßstab, den wir an die Dinge legen, ist das Maß unseres
+eigenen Geistes.</li>
+
+<li>Der Künstler hat nicht dafür zu sorgen, daß sein Werk Anerkennung
+finde, sondern dafür, daß es sie verdiene.</li>
+
+<li>Ein einziges Wort verräth uns manchmal die Tiefe eines Gemüths, die
+Gewalt eines Geistes.</li>
+
+<li>Sobald eine Mode allgemein geworden ist, hat sie sich überlebt.
+<!-- page51 --><a id="page51"></a></li>
+
+<li>Die Natur hat leicht verschwenden; auch das scheinbar ganz nutzlos
+Verstreute fällt zuletzt doch in ihren Schoß.</li>
+
+<li>Der kleinste Fehler, den ein Mensch uns zu Liebe ablegt, verleiht
+ihm in unseren Augen mehr Werth, als die größten Tugenden, die er sich
+ohne unser Zuthun aneignet.</li>
+
+<li>Es ist schlimm, wenn zwei Eheleute einander langweilen, viel
+schlimmer jedoch ist es, wenn nur Einer von ihnen den Andern
+langweilt.</li>
+
+<li>Die größte Gewalt über einen Mann hat die Frau, die sich ihm zwar
+versagt, ihn aber in dem Glauben zu erhalten versteht, daß sie seine
+Liebe erwidere.</li>
+
+<li>Was noch zu leisten ist, das bedenke; was Du schon geleistet hast,
+das vergiß. <!-- page52 --><a id="page52"></a></li>
+
+<li>Wer die materiellen Genüsse des Lebens seinen idealen Gütern
+vorzieht, gleicht dem Besitzer eines Palastes, der sich in den
+Gesindestuben einrichtet und die Prachtsäle leer stehen läßt.</li>
+
+<li>Im Laufe des Lebens nützen unsere Laster sich ab, wie unsere
+Tugenden.</li>
+
+<li>Die Welt gehört Denen, die sie haben wollen, und wird von Jenen
+verschmäht, denen sie gehören sollte.</li>
+
+<li>Wenn ich nicht predigen müßte, würde ich mich nicht kasteien, sagte
+ein wahrheitsliebender Priester.</li>
+
+<li>Treue üben ist Tugend, Treue erfahren ist Glück.</li>
+
+<li>Der Augenblick tritt niemals ein, in welchem der Dummkopf den
+Weisen nicht für fähig hielte, einen Unsinn zu sagen oder eine Thorheit
+zu begehen. <!-- page53 --><a id="page53"></a></li>
+
+<li>Die Gleichgültigkeit, der innere Tod, ist manchmal ein Zeichen von
+Erschöpfung, meistens ein Zeichen von geistiger Impotenz und immer —
+guter Ton.</li>
+
+<li>Was liegt am Ruhm, da man den Nachruhm nicht erleben kann?</li>
+
+<li>Wir sind für nichts so dankbar wie für Dankbarkeit.</li>
+
+<li>Es darf so mancher Talentlose von dem Werke so manches Talentvollen
+sagen: Wenn ich das machen könnte, würde ich es besser machen.</li>
+
+<li>Dilettanten haben nicht einmal in einer secundären Kunst etwas
+Bleibendes geleistet, sich aber verdient gemacht um die höchste aller
+Wissenschaften, die Philosophie. Den Beweis dafür liefern: Montaigne,
+La Rochefoucauld, Vauvenargues. <!-- page54 --><a id="page54"></a></li>
+
+<li>Wenn wir auch der Schmeichelei keinen Glauben schenken, der
+Schmeichler gewinnt uns doch. Einige Dankbarkeit empfinden wir immer
+für den, der sich die Mühe giebt, uns angenehm zu belügen.</li>
+
+<li>Aus dem Mitleid mit Anderen erwächst die feurige, die muthige
+Barmherzigkeit; aus dem Mitleid mit uns selbst die weichliche, feige
+Sentimentalität.</li>
+
+<li>Je kleiner das Sandkörnlein ist, desto sicherer hält es sich für
+die Axe der Welt.</li>
+
+<li>Nur die allergescheitesten Leute benützen ihren Scharfsinn nicht
+bloß zur Beurtheilung Anderer, sondern auch ihrer selbst.</li>
+</ol>
+</div>
+
+<!-- page55 --><a id="page55"></a>
+
+<!-- A P H O R I S M E N : Viertes Hundert -->
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+<div class="chapter">
+ <h3>
+ Viertes Hundert.
+ </h3>
+
+<ol>
+<li>Nächstenliebe lebt mit tausend Seelen, Egoismus mit einer einzigen,
+und die ist erbärmlich.</li>
+
+<li>Das Vernünftige ist durchaus nicht immer das Gute, das
+Vernünftigste jedoch muß auch das Beste sein.</li>
+
+<li>Späte Freuden sind die schönsten; sie stehen zwischen
+entschwundener Sehnsucht und kommendem Frieden.</li>
+
+<li>Künstler haben gewöhnlich die Meinung von uns, die wir von ihren
+Werken haben.</li>
+
+<li>Sehr geringe Unterschiede begründen manchmal sehr große
+Verschiedenheiten. <!-- page56 --><a id="page56"></a></li>
+
+<li>Der Spott endet, wo das Verständniß beginnt.</li>
+
+<li>Um ein öffentliches Amt glänzend zu verwalten, braucht man eine
+gewisse Anzahl guter und — schlechter Eigenschaften.</li>
+
+<li>Hoffnungslose Liebe macht den Mann kläglich und die Frau
+beklagenswerth.</li>
+
+<li>Alle Enttäuschungen sind gering im Vergleich zu denen, die wir an
+uns selbst erleben.</li>
+
+<li>Je kürzer der Fleiß, je länger der Tag.</li>
+
+<li>Den Menschen, die große Eigenschaften besitzen, verzeiht man ihre
+kleinen Fehler am schwersten.</li>
+
+<li>Dem Hungrigen ist leichter geholfen als dem Uebersättigten. <!--
+page57 --><a id="page57"></a></li>
+
+<li>Weh der Frau, die nicht im Falle der Noth ihren Mann zu stellen
+vermag.</li>
+
+<li>Das unfehlbare Mittel, Autorität über die Menschen zu gewinnen,
+ist, sich ihnen nützlich zu machen.</li>
+
+<li>Rücksichtslosigkeiten, die edle Menschen erfahren haben, verwandeln
+sich in Rücksichten, die sie erweisen.</li>
+
+<li>Wenn man ein Seher ist, braucht man kein Beobachter sein.</li>
+
+<li>Der ans Ziel getragen wurde, darf nicht glauben, es erreicht zu
+haben.</li>
+
+<li>Es ist die Frage, was man im Leben sucht, Unterhaltung oder Liebe.
+Im ersten Falle darf man es nicht allzu genau mit der moralischen,
+im zweiten nicht allzu genau mit der geistigen Beschaffenheit der
+Menschen nehmen, mit denen man sich umgiebt. <!-- page58 -->
+<a id="page58"></a></li>
+
+<li>Den Feind unserer Marotte unseren Freund nennen, heißt gescheit
+sein.</li>
+
+<li>Und ich habe mich so gefreut! sagst Du vorwurfsvoll, wenn Dir eine
+Hoffnung zerstört wurde. Du hast Dich gefreut — ist das nichts?</li>
+
+<li>Sogar der edelste Mensch ist unfähig, einer Handlung vollkommen
+gerecht zu werden, die er selbst unter keiner Bedingung zu vollziehen
+vermöchte.</li>
+
+<li>Wenn wir nur noch das sehen, was wir zu sehen wünschen, sind wir
+bei der geistigen Blindheit angelangt.</li>
+
+<li>Unser Stolz auf den Besitz irgend einer guten Eigenschaft
+erleidet einen argen Stoß, wenn wir sehen, wie stolz Andere auf das
+Nichtbesitzen derselben guten Eigenschaft sind.</li>
+
+<li>Die wahre Ehrfurcht geht niemals aus der Furcht hervor. <!--
+page59 --><a id="page59"></a></li>
+
+<li>Die größte Gleichmacherin ist die Höflichkeit, durch sie werden
+alle Standesunterschiede aufgehoben.</li>
+
+<li>Wenn Jeder dem Andern helfen wollte, wäre Allen geholfen.</li>
+
+<li>Das Gemüth bleibt jung, solange es leidensfähig bleibt.</li>
+
+<li>Ausdauer ist eine Tochter der Kraft, Hartnäckigkeit eine Tochter
+der Schwäche, nämlich — der Verstandesschwäche.</li>
+
+<li>Theorie und Praxis sind Eins wie Seele und Leib, und wie Seele und
+Leib liegen sie großentheils mit einander in Streit.</li>
+
+<li>Die Liebe überwindet den Tod, aber es kommt vor, daß eine
+kleine üble Gewohnheit die Liebe überwindet. <!-- page60 -->
+<a id="page60"></a></li>
+
+<li>In der großen Welt gefällt nichts so sehr wie die Gleichgültigkeit
+darüber, ob man ihr gefällt.</li>
+
+<li>Die Laster sind unter einander näher verwandt als die Tugenden.</li>
+
+<li>Man muß schon etwas wissen, um verbergen zu können, daß man nichts
+weiß.</li>
+
+<li>Die Palme beugt sich, aber nicht der Pfahl.</li>
+
+<li>Die meisten Menschen ertragen es leichter, daß man ihnen zuwider
+handelt, als daß man ihnen zuwider spricht.</li>
+
+<li>Die Gelassenheit ist eine anmuthige Form des Selbstbewußtseins.</li>
+
+<li>Begreifen — geistiges Berühren. Erfassen — geistiges Sichaneignen.
+<!-- page61 --><a id="page61"></a></li>
+
+<li>Die Unschuld des Mannes heißt Ehre; die Ehre der Frau heißt
+Unschuld.</li>
+
+<li>Gedanken, die schockweise kommen, sind Gesindel. Gute Gedanken
+erscheinen in kleiner Gesellschaft. Ein göttlicher Gedanke kommt
+allein.</li>
+
+<li>Es muß sein! — grausamster Zwang. Es hat sein müssen! — bester
+Trost.</li>
+
+<li>Als eine Frau lesen lernte, trat die Frauenfrage in die Welt.</li>
+
+<li>Während des Beisammenseins mit geliebten Menschen kann man sich in
+den Zustand der Trennung von ihnen ebenso wenig hineindenken wie in den
+des Todes.</li>
+
+<li>Eitelkeit ist mächtiger als Scham. <!-- page62 -->
+<a id="page62"></a></li>
+
+<li>Der Weltmann kennt gewöhnlich die Menschen, aber nicht den
+Menschen. Beim Dichter ist's umgekehrt.</li>
+
+<li>Im Grunde ist jedes Unglück gerade nur so schwer, als man es
+nimmt.</li>
+
+<li>Tugend und Gelehrsamkeit haben nichts mit einander gemein, heißt
+es. Seht aber zu, wohin es mit Eurem moralischen Fortschreiten kommt,
+wenn Ihr von dem geistigen Fortschreiten Eurer Zeit keine Notiz
+nehmt.</li>
+
+<li>Das Erfundene kann vervollkommnet, das Geschaffene nur nachgeahmt
+werden.</li>
+
+<li>Niemand ist so beflissen, immer neue Eindrücke zu sammeln, als
+Derjenige, der die alten nicht zu verarbeiten versteht. <!-- page63
+--><a id="page63"></a></li>
+
+<li>Die Aenderung, die unser Naturell im Laufe des Lebens erfährt,
+sieht manchmal aus wie eine Aenderung unseres Charakters.</li>
+
+<li>Liebe ist Qual, Lieblosigkeit ist Tod.</li>
+
+<li>Die Sitte ist schon gerichtet zu deren Gunsten wir kein anderes
+Argument vorzubringen wissen als das ihrer Allgemeinheit.</li>
+
+<li>Die Kleinen schaffen, der Große erschafft.</li>
+
+<li>Daß andere Leute kein Glück haben, finden wir sehr leicht
+natürlich, daß wir selbst keines haben, immer unfaßbar.</li>
+
+<li>Erinnere Dich der Vergessenen — eine Welt geht Dir auf.</li>
+
+<li>Alle irdische Gewalt beruht auf Gewaltthätigkeit. <!-- page64
+--><a id="page64"></a></li>
+
+<li>Die Grausamkeit des Ohnmächtigen äußert sich als
+Gleichgültigkeit.</li>
+
+<li>Am unbarmherzigsten im Urtheil über fremde Kunstleistungen sind die
+Frauen mittelmäßiger Künstler.</li>
+
+<li>Im Alter sind wir der Schmeichelei viel zugänglicher als in der
+Jugend.</li>
+
+<li>Die Frau, die ihren Mann nicht beeinflussen kann, ist ein Gänschen.
+Die Frau, die ihn nicht beeinflussen will — eine Heilige.</li>
+
+<li>Der Egoismus glücklicher Menschen ist leichtsinnig, seiner selbst
+unbewußt. Der Egoismus unglücklicher Menschen ist verbissen, bitter und
+von seinem Recht zu bestehen überzeugt.</li>
+
+<li>Man bleibt jung so lange man noch lernen, neue Gewohnheiten
+annehmen und einen Widerspruch ertragen kann. <!-- page65 -->
+<a id="page65"></a></li>
+
+<li>Da zuletzt doch alles auf den Glauben hinaus läuft, müssen wir
+jedem Menschen das Recht zugestehen, lieber das zu glauben, was er sich
+selbst, als was Andere ihm weiß gemacht.</li>
+
+<li>Gutmüthigkeit ist eine alltägliche Eigenschaft, Güte die höchste
+Tugend.</li>
+
+<li>In der Jugend meinen wir, das Geringste, das die Menschen uns
+gewähren können, sei Gerechtigkeit. Im Alter erfahren wir, daß es das
+Höchste ist.</li>
+
+<li>Genug weiß Niemand, zu viel so Mancher.</li>
+
+<li>Verlegenheit äußert sich bei unerzogenen Menschen als Grobheit,
+bei nervösen Menschen als Schwatzhaftigkeit, bei alten Jungfern
+und Junggesellen als Bissigkeit. Phlegmatische Menschen macht die
+Verlegenheit stumm. <!-- page66 --><a id="page66"></a></li>
+
+<li>Wo Geschmacklosigkeit daheim ist, wird auch immer etwas Rohheit
+wohnen.</li>
+
+<li>Der Verstand macht Märtyrer so gut wie die Phantasie, doch er
+verläßt die seinen am Ende; sie bleibt den ihren getreu.</li>
+
+<li>Bis zu einem gewissen Grade selbstlos sollte man schon aus
+Selbstsucht sein.</li>
+
+<li>Die Rücksichten, die uns in der Welt erwiesen werden, stehen
+meistens in näherer Beziehung zu unseren Ansprüchen als zu unseren
+Verdiensten.</li>
+
+<li>Herrschaft behaupten wollen, heißt kämpfen wollen. Nutzen stiften
+wollen, heißt freilich auch kämpfen wollen, aber — um den Frieden.</li>
+
+<li>Das Feuer läutert, verdeckte Gluth frißt an. <!-- page67 -->
+<a id="page67"></a></li>
+
+<li>Hab' einen guten Gedanken, man borgt Dir zwanzig.</li>
+
+<li>Es giebt Menschen im Zopfstyl: viele hübsche Einzelheiten, das
+Ganze abgeschmackt.</li>
+
+<li>Das Gefühl schuldiger Dankbarkeit ist eine Last, die nur starke
+Seelen zu ertragen vermögen.</li>
+
+<li>Die Menschen der alten Zeit sind auch die der neuen, aber die
+Menschen von gestern sind nicht die von heute.</li>
+
+<li>Die Kunst ist im Niedergang begriffen, die sich von der Darstellung
+der Leidenschaft zu der des Lasters wendet.</li>
+
+<li>Man darf anders denken als seine Zeit, aber man darf sich nicht
+anders kleiden. <!-- page68 --><a id="page68"></a></li>
+
+<li>Grobheit — geistige Unbeholfenheit.</li>
+
+<li>Wir können uns nie genug darüber wundern, wie so wichtig den Andern
+ihre eigenen Angelegenheiten sind.</li>
+
+<li>Die Kritik ist von geringer Qualität, die meint, ein Kunstwerk nur
+dann richtig beurtheilen zu können, wenn sie die Verhältnisse kennt,
+unter denen es entstanden ist.</li>
+
+<li>Dem, der uns Gutes thut, sind wir nie so dankbar, wie Dem, der uns
+böses thun könnte, es aber unterläßt.</li>
+
+<li>So Mancher meint ein Don Juan zu sein und ist nur ein Faun.</li>
+
+<li>Vorurtheil stützt die Throne, Unwissenheit die Altäre. <!-- page69
+--><a id="page69"></a></li>
+
+<li>Es kommt vor, daß Berge Mäuse gebären; manchmal tritt aber auch der
+entsetzliche Fall ein, daß einer Maus zugemuthet wird, einen Berg zu
+gebären.</li>
+
+<li>Die Kraft verleiht Gewalt, die Liebe leiht Macht.</li>
+
+<li>Jeder Künstler soll es der Vogelmutter nachmachen, die sich um ihre
+Brut nicht mehr bekümmert, sobald sie flügge geworden ist.</li>
+
+<li>Frieden kannst Du nur haben, wenn Du ihn giebst.</li>
+
+<li>Den Angriffen der Gemeinheit gegenüber ist es schwer, nicht in
+Selbstüberhebung zu verfallen.</li>
+
+<li>Die einzigen von der Welt unbestrittenen Ehren, die einer Frau zu
+Theil werden können, sind diejenigen, die sie im Reflex der Ehren ihres
+Mannes genießt. <!-- page70 --><a id="page70"></a></li>
+
+<li>Im Unglück finden wir meistens die Ruhe wieder, die uns durch die
+Furcht vor dem Unglück geraubt wurde.</li>
+
+<li>Die Geschichte hat Helden und Werkzeuge, und macht beide
+unsterblich.</li>
+
+<li>Die großen Augenblicke im guten wie im bösen Sinne sind die, in
+denen wir gethan haben, was wir uns nie zugetraut hätten.</li>
+
+<li>Wenn die Nachtigallen aufhören zu schlagen, fangen die Grillen an
+zu zirpen.</li>
+
+<li>Der Witzling ist der Bettler im Reich der Geister; er lebt von
+Almosen, die das Glück ihm zuwirft — von Einfällen.</li>
+
+<li>An die Stützen, die wir wanken fühlen, klammern wir uns doppelt
+fest. <!-- page71 --><a id="page71"></a></li>
+
+<li>Das Meiste haben wir gewöhnlich in der Zeit gethan, in der wir
+meinten, zu wenig zu thun.</li>
+
+<li>Die allerstillste Liebe ist die Liebe zum Guten.</li>
+
+<li>Beim Genie heißt es: Laß Dich gehen! Beim Talent: Nimm Dich
+zusammen!</li>
+
+<li>Ein böser Mensch vermag leichter einen guten, als ein guter einen
+bösen Vorsatz auszuführen.</li>
+</ol>
+</div>
+
+<!-- A P H O R I S M E N : Fünftes Hundert -->
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+<div class="chapter">
+<!-- page72 --><a id="page72"></a>
+ <h3>
+ Fünftes Hundert.
+ </h3>
+
+<ol>
+<li>Wisset, die Euch Haß predigen, erlösen Euch nicht.</li>
+
+<li>Wir werden vom Schicksal hart oder weich geklopft; es kommt auf das
+Material an.</li>
+
+<li>Die Aufgabe vieler Dichter-Generationen ist keine andere, als das
+Werkzeug blank zu erhalten.</li>
+
+<li>Welcher Autor darf sagen, daß der Gedanke an die Oberflächlichkeit
+der meisten Leser ihm stets ein peinlicher, und nicht mitunter auch ein
+tröstlicher sei?</li>
+
+<li>Freundlichkeit kann man kaufen. <!-- page73 -->
+<a id="page73"></a></li>
+
+<li>Der Platz des Unparteiischen ist auf Erden zwischen den Stühlen, im
+Himmel aber wird er zur Rechten Gottes sitzen.</li>
+
+<li>Kein Mensch weiß, was in ihm schlummert und zu Tage kommt, wenn
+sein Schicksal anfängt, ihm über den Kopf zu wachsen.</li>
+
+<li>Genire Dich vor Dir selbst, das ist der Anfang aller
+Vorzüglichkeit.</li>
+
+<li>Die Litteratur wird heutzutage meist als Kunsthandwerk
+betrieben.</li>
+
+<li>Einen mit Weisheit Gesalbten darf man nie warm werden lassen, sonst
+trieft er.</li>
+
+<li>Man kann sich nicht im Besitz von eigentlich unveräußerlichen
+Gütern befinden, ohne etwas von seinem Rechtssinn einzubüßen. <!--
+page74 --><a id="page74"></a></li>
+
+<li>Die Reue treibt den Schwachen zur Verzweiflung und macht den
+Starken zum Heiligen.</li>
+
+<li>Je ungebildeter ein Mensch, je schneller ist er mit einer Ausrede
+fertig.</li>
+
+<li>Die Erfolge des Tages gehören der verwegenen Mittelmäßigkeit.</li>
+
+<li>Alberne Leute sagen Dummheiten, gescheite Leute machen sie.</li>
+
+<li>Das scheinbar am unnöthigsten gebrachte, thörichtste Opfer steht
+der absoluten Weisheit immer noch näher als die klügste That der
+sogenannten berechtigten Selbstsucht.</li>
+
+<li>Der Verstand wird meist auf Kosten des Gemüthes ausgebildet. —
+O nein, aber es giebt mehr bildungsfähige Köpfe als bildungsfähige
+Herzen. <!-- page75 --><a id="page75"></a></li>
+
+<li>Der Arbeiter soll seine Pflicht thun, der Arbeitgeber soll mehr
+thun als seine Pflicht.</li>
+
+<li>Bei den Hottentotten ist nicht einmal Napoleon berühmt.</li>
+
+<li>Die Katzen halten keinen für eloquent, der nicht miauen kann.</li>
+
+<li>Ob das Werkzeug früher versagt oder die Hand, ist ein großer
+Unterschied, kommt aber auf eins heraus.</li>
+
+<li>Das Leben erzieht die großen Menschen und läßt die kleinen
+laufen.</li>
+
+<li>Der Pfennig der Wittwe wird von der Kirche dankbar quittirt. Willst
+Du gleichen Lohn empfangen im Tempel der Kunst, dann sei ein Krösus und
+bringe Dein Hab' und Gut. <!-- page76 --><a id="page76"></a></li>
+
+<li>Geistlose Lustigkeit — Fratze der Heiterkeit.</li>
+
+<li>Es glaube doch nicht Jeder, der im Stande war, seine Meinung von
+einem Kunstwerk aufzuschreiben, er habe es kritisirt.</li>
+
+<li>Einen Menschen kennen, heißt ihn lieben oder ihn bedauern.</li>
+
+<li>Steril ist der, dem nichts einfällt; langweilig ist, der ein paar
+alte Gedanken hat, die ihm alle Tage neu einfallen.</li>
+
+<li>Es giebt wenig aufrichtige Freunde — die Nachfrage ist auch
+gering.</li>
+
+<li>Der von Schaffens<span class="gesperrt">freude</span> spricht, hat
+höchstens Mücken geboren.</li>
+
+<li>Die Wunden, die unserer Eitelkeit geschlagen werden, sind halb
+geheilt, wenn es uns gelingt, sie zu verbergen. <!-- page77 -->
+<a id="page77"></a></li>
+
+<li>Wir sind leicht bereit, uns selbst zu tadeln, unter der Bedingung —
+daß Niemand einstimmt.</li>
+
+<li>Sei froh, wenn jeder Lober Dir nur
+<span class="gesperrt">einen</span> Neider erweckt.</li>
+
+<li>Klarheit ist Wahrhaftigkeit in der Kunst und in der
+Wissenschaft.</li>
+
+<li>So weit Deine Selbstbeherrschung geht, so weit geht Deine
+Freiheit.</li>
+
+<li>Was Du bekrittelst, hast Du verloren.</li>
+
+<li>Der Leichtsinnige kümmert sich nicht einmal um den morgigen Tag,
+und Ihr wollt ihn mit der Ewigkeit schrecken?</li>
+
+<li>Es ist schwer Den, der uns bewundert, für einen Dummkopf zu halten.
+<!-- page78 --><a id="page78"></a></li>
+
+<li>Daß soviel Ungezogenheit gut durch die Welt kommt, daran ist die
+Wohlerzogenheit schuld.</li>
+
+<li>Nur der Denkende erlebt sein Leben, am Gedankenlosen zieht es
+vorbei.</li>
+
+<li>Wenn Ihr wüßtet, daß Ihr solidarisch seid für jedes begangene
+Unrecht, das Lästern würde Euch vergehen.</li>
+
+<li>Der sich gar zu leicht bereit findet, seine Fehler einzusehen, ist
+selten der Besserung fähig.</li>
+
+<li>Manche Menschen haben ein Herz von Eisen und drin ein Fleckchen so
+weich wie Brei.</li>
+
+<li>Die öffentliche Meinung wird verachtet von den erhabensten
+und von den am tiefsten gesunkenen Menschen. <!-- page79 -->
+<a id="page79"></a></li>
+
+<li>Es giebt keine schüchternen Lehrlinge mehr; es giebt nur noch
+schüchterne Meister.</li>
+
+<li>Was geschehen ist, so lange die Welt steht, braucht deshalb nicht
+zu geschehen, so lange sie noch stehen wird.</li>
+
+<li>Wenn wir nur das Unrecht hassen und nicht Diejenigen, die es thun,
+werden wir unsere Kampfgenossen <span class="gesperrt">und</span>
+unsere Feinde lieben.</li>
+
+<li>Unbefangenheit, Geradheit, Bescheidenheit sind auch göttliche
+Tugenden.</li>
+
+<li>Mißtraue Deinem Urtheil, sobald Du darin den Schatten eines
+persönlichen Motivs entdecken kannst.</li>
+
+<li>Der Ignorant weiß nichts, der Parteimann will nichts wissen. <!--
+page80 --><a id="page80"></a></li>
+
+<li>Wir sind in Todesangst, daß die Nächstenliebe sich zu weit
+ausbreiten könnte, und richten Schranken gegen sie auf — die
+Nationalitäten.</li>
+
+<li>Nichts Besseres kann der Künstler sich wünschen als grobe Freunde
+und höfliche Feinde.</li>
+
+<li>Alle historischen Rechte veralten.</li>
+
+<li>Anspruchslosigkeit ist Seligkeit.</li>
+
+<li>Ein armer wohlthätiger Mensch kann sich manchmal reich fühlen, ein
+geiziger Krösus nie.</li>
+
+<li>Der Ruhm der kleinen Leute heißt Erfolg. <!-- page81 -->
+<a id="page81"></a></li>
+
+<li>Besondere Stände haben sich gebildet, um uns zu vermitteln, was nur
+durch die unmittelbarste Einwirkung in uns lebendig werden kann.</li>
+
+<li>Der völlig vorurtheilslos ist, muß es auch gegen das Vorurtheil
+sein.</li>
+
+<li>Die »Vornehmen« — etymologisch Diejenigen, die vor allen Andern
+nehmen, und zugleich die Bezeichnung für Adelige oder Edle.</li>
+
+<li>Wer hat nicht schon das, was er sich zutraut, für das gehalten, was
+er vermag?</li>
+
+<li>Ein Held — hochheiliger Ernst der Natur; eine Heldin — Spiel der
+Natur.</li>
+
+<li>Immer wird die Gleichgültigkeit und die Menschenverachtung dem
+Mitgefühl und der Menschenliebe gegenüber einen Schein von geistiger
+Ueberlegenheit annehmen können. <!-- page82 --><a id="page82"></a></li>
+
+<li>Wir unterschätzen das, was wir haben, und überschätzen das, was wir
+sind.</li>
+
+<li>So Manches können wir Anderen zu Liebe thun, unsere Schuldigkeit
+thun wir immer nur uns selbst zu Liebe.</li>
+
+<li>Es giebt eine nähere Verwandtschaft als die zwischen Mutter und
+Kind: die zwischen dem Künstler und seinem Werke.</li>
+
+<li>Die Summe unserer Erkenntnisse besteht aus dem, was wir gelernt,
+und aus dem, was wir vergessen haben.</li>
+
+<li>Begeisterung spricht nicht immer für Den, der sie erweckt, und
+immer für Den, der sie empfindet.</li>
+
+<li>Die still stehende Uhr, die täglich zwei Mal die richtige Zeit
+angezeigt hat, blickt nach Jahren auf eine lange Reihe von Erfolgen
+zurück. <!-- page83 --><a id="page83"></a></li>
+
+<li>Während ein Feuerwerk abgebrannt wird, sieht Niemand nach dem
+gestirnten Himmel.</li>
+
+<li>Was wir unserem besten Freunde nicht anvertrauen würden, rufen wir
+ins Publikum.</li>
+
+<li>Auch der ungewöhnlichste Mensch ist gehalten, seine ganz
+gewöhnliche Schuldigkeit zu thun.</li>
+
+<li>Eine ungeschickte Schmeichelei kann uns tiefer demüthigen als ein
+wohlbegründeter Tadel.</li>
+
+<li>Der Hans, der etwas erlernte, was Hänschen nicht gelernt, der weiß
+es gut.</li>
+
+<li>Ein Hauptzweck unserer Selbsterziehung ist: die Eitelkeit in uns zu
+ertödten, ohne welche wir nie erzogen worden wären.</li>
+
+<li>Das Talent zu herrschen, täuscht oft über den Mangel an anderem
+Talent. <!-- page84 --><a id="page84"></a></li>
+
+<li>Die glücklichen Sklaven sind die erbittertsten Feinde der
+Freiheit.</li>
+
+<li>Was wissen wir nicht alles zur Entschuldigung von Fehlern und
+Uebelständen vorzubringen, aus denen wir Nutzen ziehen!</li>
+
+<li>Nichts bist Du, nichts ohne die Andern. Der verbissenste Misanthrop
+braucht die Menschen doch, wenn auch nur, um sie zu verachten.</li>
+
+<li>Kein Todter ist so gut begraben wie eine erloschene
+Leidenschaft.</li>
+
+<li>Man kann den Leuten aus dem Wege gehen, vor lauter Verachtung oder
+— vor lauter Respekt.</li>
+
+<li>Die Treue ist etwas so Heiliges, daß sie sogar einem unrechtmäßigen
+Verhältnisse Weihe verleiht.</li>
+
+<li>An dem Manna der Anerkennung lassen wir es uns nicht genügen,
+uns verlangt nach dem Gifte der Schmeichelei. <!-- page85 -->
+<a id="page85"></a></li>
+
+<li>Ueberlege wohl, bevor Du Dich der Einsamkeit ergiebst, ob Du auch
+für Dich selbst ein heilsamer Umgang bist.</li>
+
+<li>Wir sind Herr über unsere gerechtfertigten Neigungen und werden von
+den ungerechtfertigten am Narrenseil geführt.</li>
+
+<li>Glaube Deinen Schmeichlern — Du bist verloren; glaube Deinen
+Feinden — Du verzweifelst.</li>
+
+<li>Jeder Mensch hat ein Brett vor dem Kopf — es kommt nur auf die
+Entfernung an.</li>
+
+<li>Am weitesten in der Rücksichtslosigkeit bringen es die Menschen,
+die vom Leben nichts verlangen als ihr Behagen.</li>
+
+<li>Der kleinste Hügel vermag uns die Aussicht auf einen Chimborazo zu
+verdecken. <!-- page86 --><a id="page86"></a></li>
+
+<li>Wir können es im Alter zu nichts Schönerem bringen, als zu einem
+milden und anspruchslosen Quietismus.</li>
+
+<li>Nichts schwerer als Den gelten lassen, der uns nicht gelten
+läßt.</li>
+
+<li>Was Dein Wort zu bedeuten hat, erfährst Du durch den Widerhall, den
+es erweckt.</li>
+
+<li>Es steht etwas über unseren schaffensfreudigen Gedanken, das feiner
+und schärfer ist als sie. Es sieht ihrem Entstehen zu, es überwacht,
+ordnet und zügelt sie, es mildert ihnen oft die Farben, wenn sie Bilder
+weben, und hält sie am knappsten, wenn sie Schlüsse ziehen. Seine
+Ausbildung hängt von der unserer edelsten Fähigkeiten ab. Es ist nicht
+selbst schöpferisch, aber wo es fehlt, kann nichts Dauerndes entstehen;
+es ist eine moralische Kraft, ohne die unsere geistige nur Schemen
+hervorbringt; es ist das Talent zum Talent, sein Halt, sein Auge,
+sein Richter, es ist — das künstlerische Gewissen. <!-- page87 -->
+<a id="page87"></a></li>
+
+<li>Die Großmuth ist nicht immer am rechten Platz, der Geiz aber ist
+immer am unrechten.</li>
+
+<li>Auch das kleinste Licht hat sein Atmosphärchen.</li>
+
+<li>Wir sträuben uns gegen das Leiden, wer aber möchte nicht gelitten
+haben?</li>
+
+<li>Nenne Dich nicht arm, weil Deine Träume nicht in Erfüllung gegangen
+sind; wirklich arm ist nur, der nie geträumt hat.</li>
+
+<li>So reich unser Leben an wohlausgenützten Gelegenheiten war,
+vortrefflichen Menschen nahe zu stehen, so reich ist es überhaupt
+gewesen.</li>
+
+<li>Wie theuer Du eine schöne Illusion auch bezahltest, Du hast doch
+einen guten Handel gemacht. <!-- page88 --><a id="page88"></a> </li>
+
+<li>Wohl finden wir unsere Worte auf den Lippen der Freunde wieder,
+aber nicht mehr als unser, sondern als ihr Eigenthum.</li>
+
+<li>Am Ziele Deiner Wünsche wirst Du jedenfalls Eines vermissen: Dein
+Wandern zum Ziel.</li>
+
+<li>Wir müssen immer lernen, zuletzt auch noch sterben lernen.</li>
+</ol>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page89 -->
+ <h2>
+ Parabeln und Märchen.
+ </h2>
+</div>
+<!-- page90 -->
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page91 -->
+ <h3 id="DieMussmenschen">
+ Die Mußmenschen.
+ </h3>
+
+<p>Ein zum Tode verurtheilter Verbrecher entsprang seiner Haft kurz
+vor dem Tage, an welchem er hingerichtet werden sollte, und gelangte
+auf der Flucht in ein wildes Bergland, dessen Geklüfte ihm Schutz
+vor den verfolgenden Häschern bot. Als der Hunger ihn zwang, seinen
+Schlupfwinkel zu verlassen und einen wirthlicheren Aufenthalt zu
+suchen, führte ihn sein Weg zu der Hütte eines alten Ziegenhirten, der
+dem halb Verschmachteten Gastfreundschaft gewährte. Der Alte wurde
+gesprächig, und erzählte unter Anderem von einem merkwürdigen Lande,
+in welchem er viele Jahre seines Lebens zugebracht hatte. — In diesem
+Lande, sagte er, herrsche der Glaube an die Unfreiheit des menschlichen
+Willens. Dort maße sich Keiner das Recht an, seinen Nächsten zur
+Verantwortung zu ziehen; Niemand schreibe sich ein Verdienst zu;
+Niemand zeihe sich einer Schuld; den Begriff von gut und böse gebe es
+nicht; es gebe kein Thun, sondern nur ein Geschehen; die Handlungen
+der Menschen werden genau so betrachtet, wie Naturereignisse, als die
+nothwendigen Folgen unabsehbarer, von Ewigkeit her wirkender Ursachen.
+</p>
+
+<p><!-- page92 -->»So giebt es in dem Lande weder Gesetz noch Richter?«
+fragte der Verbrecher.</p>
+
+<p>»Weder Gesetz noch Richter,« antwortete der Hirt.</p>
+
+<p>»Und Mord und Raub, wie werden sie beurtheilt?«</p>
+
+<p>»Nicht anders, als wie man Sturm und Wetterschlag beurtheilt.«</p>
+
+<p>Da hatte der Verbrecher eine große Freude und rief: »Das ist ein
+Land für mich, in dem hätte ich geboren werden sollen. Dahin will ich
+gehen.«</p>
+
+<p>Sofort erkundigte er sich nach dem Weg, den er einzuschlagen
+habe, trat die Wanderung an und erreichte nach vielen Abenteuern und
+Fährlichkeiten eines schönen Sommermorgens glücklich sein Ziel.</p>
+
+<p>Er betrat ein blühendes, sorgfältig bebautes Land. In der Nähe eines
+freundlichen Dorfes waren viele Leute mit dem Mähen einer herrlichen
+Wiese beschäftigt. Die Männer führten die Sense, die Frauen den Rechen,
+Alle arbeiteten eifrig und mit sichtbarem Vergnügen.</p>
+
+<p>Wie merkwürdig! dachte der Verbrecher, und fragte einen der Mäher:
+»Freund, warum plagst Du Dich?«</p>
+
+<p>»Weil ich muß,« antwortete Jener.</p>
+
+<p>»So? und wer zwingt Dich?«</p>
+
+<p>»Wer? Du meinst wohl, <span class="gesperrt">was</span> mich zwingt.
+Mich zwingt das angeerbte Bedürfniß des Fleißes, mich zwingt die
+Einsicht, daß ich arbeiten muß, da ich leben muß.«</p>
+
+<p>»Habt Ihr denn hier zu Lande keine reichen Leute, <!-- page93 -->
+denen Ihr wegnehmen könntet, was Ihr braucht um zu leben, und noch
+etwas darüber?«</p>
+
+<p>»Da würden wir,« erhielt er zur Antwort, »dem Thoren gleichen, der
+seiner goldene Eier legenden Henne den Hals abschnitt. So unvernünftig
+müssen nur Halbwilde handeln; wir sind ein uraltes Culturvolk und
+müssen das Vernünftige thun.«</p>
+
+<p>Kaum waren diese Worte gesprochen, als sich plötzlich ein Geschrei
+erhob, das durchaus nichts Cultivirtes hatte. Eine kleine hübsche Frau
+war mit ihrem Mann in Streit gerathen und drosch mit den Fäusten, so
+stark und so schnell sie konnte, auf ihn los. Er wehrte sich nicht.</p>
+
+<p>»Alle Wetter,« sagte der Verbrecher, »diese Frau hagelt ja.«</p>
+
+<p>»Zu Zeiten. Die Motive, von denen sie veranlaßt wurde, als
+immerwährender Sonnenschein an unserem Ehehimmel zu prangen, wirken
+leider noch nicht permanent,« entschuldigte der Geprügelte und machte
+ein sehr trauriges Gesicht, als jetzt ein hochgewachsenes Weib auf die
+kleine Frau zutrat, ihr trotz ihres Sträubens die Hände auf den Rücken
+band und sie wegführte.</p>
+
+<p>Der Verbrecher allein hatte diesem Vorgang mit Neugier und
+Schadenfreude zugesehen; alle Uebrigen schenkten ihm nur geringe und
+unlustige Aufmerksamkeit.</p>
+
+<p>Die Raststunde war gekommen; die Mäher ließen sich ins Gras nieder
+und begannen das Mittagessen, das Frauen und Kinder aus dem Dorfe
+herbeigebracht hatten, gemeinsam zu verzehren. Der Verbrecher setzte
+sich zu <!-- page94 --> dem betrübten Ehemann, der nicht aufhören
+konnte, von seiner Gattin zu sprechen.</p>
+
+<p>»Sie hat ihre Mutter früh verloren,« erzählte er, »und ist vom
+Vater aus schwer belastet mit ererbtem moralischen Siechthum. Der
+Einfluß unserer Schule, dieses herrlichen Gartens, in welchem junge
+Menschenblumen unter der Leitung großer Künstler und Denker zur
+Entfaltung des schönsten Müssens herangebildet werden, hat sich als
+unzureichend zur Besiegung des Uebels meiner armen kleinen Frau
+erwiesen.«</p>
+
+<p>»Deine männliche Oberherrlichkeit desgleichen,« spottete der
+Verbrecher. »O, Du Starker, Du Langmüthiger! wie geduldig hast Du Dich
+mißhandeln lassen von einem schwachen Weiblein! Welchen Lohn giebt es
+bei Euch für solche Tugend?«</p>
+
+<p>»Lohn? Tugend?« erwiderte man ihm; »haben die Bewohner Deines Landes
+nichts gelernt in der Flucht der Jahrtausende? Klebt man bei Euch noch
+an so kindischen Begriffen? Wir sind ein uraltes Culturvolk und wissen
+von ihnen längst nichts mehr.«</p>
+
+<p>Diese Entgegnung ergötzte den Verbrecher, und er sprach nun den
+Wunsch aus, zu erfahren, wohin die kleine Frau, die so hübsch hageln
+konnte, geführt, und wer Diejenige gewesen, von der sie abgeholt
+worden.</p>
+
+<p>»Eine Krankenwärterin,« antwortete der Mann, »und sie hat meine Frau
+ins Spital bringen müssen.«</p>
+
+<p>»Ist sie denn krank?«</p>
+
+<p>»Gewiß. Hast Du nicht gesehen, daß sie eine <!-- page95 -->
+Krankheit hat, durch die sie gezwungen wird, mich zu schlagen?«</p>
+
+<p>»Krankheit nennt Ihr das?« rief der Verbrecher; »nun, wenn sie eine
+Krankheit hat, die sie zwingt, zu schlagen, habe ich eine Gesundheit,
+die mich zwingt, zu essen. So nehm' ich denn ungeladen an Eurem Mahle
+Theil.«</p>
+
+<p>Damit griff er in die Schüsseln, langte nach den Gläsern und aß und
+trank für Zehn.</p>
+
+<p>Die Mußmenschen schienen erstaunt, ließen ihn jedoch gewähren. Als
+die Raststunde zu Ende war, gaben sie ihm eine Sense in die Hand und
+sagten: »Du hast gegessen, jetzt arbeite!«</p>
+
+<p>Aber davon wollte er nichts hören. Er behauptete, sich fortwährend
+ausruhen zu müssen, bis zu dem Augenblick, in dem eine ihm zusagende
+Thätigkeit sich ihm eröffne.</p>
+
+<p>Die Arbeiter gingen wieder an ihre Beschäftigung, er blieb bei den
+Mädchen und Frauen zurück, die das Ordnen des Eßzeuges besorgten, fing
+an mit ihnen zu schäkern, machte einem jungen Weibe Liebesanträge und
+wollte, als dieselben abgewiesen wurden, sofort Gewalt brauchen.</p>
+
+<p>Die Frauen riefen nach Hülfe; einige Männer stürzten herbei und
+entrissen dem Verbrecher sein Opfer. Da gerieth er in Wuth, zog
+sein Messer und konnte erst nach heftigem Kampfe niedergeworfen und
+gebändigt werden.</p>
+
+<p>Je wilder er gerast hatte, desto schonender war man <!-- page96
+--> mit ihm umgegangen. Alle bedauerten ihn: »Glücklich, die eines
+heilsamen Müssens sind,« sprachen sie. »Du bist es nicht; Dein Benehmen
+ist gemeinschädlich und macht Dich reif für das große Spital.«</p>
+
+<p>Und wirklich wurde er nicht in das kleine Dorfspital, sondern nach
+dem Hauptspital in die Stadt gebracht.</p>
+
+<p>Dort übernahm ihn ein Krankenwärter und führte ihn eine breite
+Treppe empor durch einen langen Gang, auf den viele Thüren mündeten. An
+jeder Thür hing ein Rähmchen, und in jedem Rähmchen stak ein Recept.
+Hinter den Thüren hörte man jämmerlich klagen und stöhnen.</p>
+
+<p>Dem Verbrecher wurde unheimlich zu Muthe, und kleinlaut erkundigte
+er sich, was denn da geschehe?</p>
+
+<p>»Es werden Erinnerungszeichen gepflanzt, lies nur die Recepte.«</p>
+
+<p>Und er las: Dreimal täglich fünf Ruthenstreiche. — Allabendlich
+zwölf Stockprügel. — Vierzehn Tage bei Wasser und Brot ... u. s. w.</p>
+
+<p>»Wie nennt Ihr das?« rief er »Erinnerungszeichen pflanzen? ... Hol'
+Euch der Teufel!«</p>
+
+<p>»Ich kenne die Wurzel nicht, aus der ihm ein zureichender Grund
+dazu erwüchse,« versetzte der Wärter. »Die Erinnerungszeichen, die
+hier gepflanzt werden, verfehlen ihre Wirkung selten. Sie treiben
+so zwingende gesunde Motive, daß diese fast regelmäßig genügen, die
+ungesunden, die etwa in dem Reconvalescenten wieder auftauchen möchten,
+zu überwinden.«</p>
+
+<p><!-- page97 -->»Wenn sie aber nicht genügen?«</p>
+
+<p>»Dann wird die Kur wiederholt, so oft wiederholt, bis der Eintritt
+der gesunden Motive das Selbstverständliche wird und die ungesunden,
+immer weiter zurückgedrängten, sich endlich gar nicht mehr melden.«</p>
+
+<p>»Wenn sie sich aber durchaus nicht zurückdrängen lassen?«</p>
+
+<p>»Dann geht der Kranke den Weg der Unheilbaren.«</p>
+
+<p>»Was ist das für ein Weg?«</p>
+
+<p>»Das ist der Weg zum Richtplatz.«</p>
+
+<p>»Pfui!« sagte der Verbrecher, »pfui! einen Richtplatz habt Ihr
+auch?« Er sprach seinen Abscheu gegen dieses letzte Mittel und gegen
+die ganze Motiv treibende Behandlung aus; der Wärter jedoch zuckte die
+Achseln und versetzte:</p>
+
+<p>»Was ist zu thun? Wir Menschen sind einmal angewiesen, in
+Gesellschaft zu leben, und da wir es sind, müssen wir suchen, dieses
+Zusammenleben möglichst gedeihlich zu gestalten. Nun hat die Erfahrung
+uns gelehrt, das geschähe am besten, wenn Frieden, gegenseitige
+Rücksicht und Hülfbereitschaft unter uns herrschen. So haben wir denn
+die ganze Kraft unseres Müssens auf die Erfüllung jener Bedingungen
+der allgemeinen Wohlfahrt gestellt. Giebt sich bei Einzelnen ein ihr
+widerstrebendes Müssen kund, können wir es nur als ein krankhaftes
+ansehen, und müssen suchen, es zu kuriren.«</p>
+
+<p>»Durch Prügel und Fasten?« rief der Verbrecher.</p>
+
+<p>Der Wärter bemühte sich, ihn zu beruhigen. »Wir <!-- page98 -->
+befinden uns in der Abtheilung der Schwerkranken«, sprach er. »So
+scharfe Mittel wie hier werden nur ausnahmsweise angewandt. Bei unserer
+weit vorgeschrittenen Cultur genügt meistens eine leichte Behandlung
+zum Aufpflanzen eines dauernden Erinnerungszeichens und zur Heilung
+eines ungesunden Müssens.«</p>
+
+<p>»Ach, sprächst Du wahr!« fiel ihm ein Mann ins Wort, der sich
+genähert und den letzten Satz seiner Rede mit angehört hatte. »An mir
+ist Eure Kunst gescheitert. Ihr habt mich vor einem Jahre als geheilt
+von meiner Hochmuthskrankheit entlassen, und heute schon habe ich in
+einem Zeitungsartikel mein eigenes philosophisches System auf Kosten
+aller bisher aufgestellten gelobt, und jene schmählich heruntergemacht.
+Gebt mir mein Geld zurück, oder nehmt mich von Neuem in die Kur.«</p>
+
+<p>Der Wärter lud ihn ein, ihm ins Ordinationszimmer zu folgen, wohin
+er eben einen Fremden, der sehr krank sei, führen müsse. — Da brach der
+Verbrecher jedoch in helle Empörung aus. »Geht ohne mich!« schrie er,
+»ich habe des Spaßes genug.« Er wandte sich und wollte entfliehen. Der
+Wärter lief ihm nach, hielt ihn fest; ein furchtbares Ringen entstand,
+und ehe die aus allen Zellen heraneilenden Kranken es hindern konnten,
+hatte der Verbrecher den Wärter erdrosselt.</p>
+
+<p>Das war die letzte seiner Thaten.</p>
+
+<p>Nachdem die Spittler ihr wärmstes Mitleid mit seinem
+hochgefährlichen Zustand geäußert hatten, überwältigten sie ihn und
+schleppten ihn vor die Doctoren. <!-- page99 --></p>
+
+<p>Einen Augenblick war dem Verbrecher seine Frechheit abhanden
+gekommen; angesichts der Sanftmuth und Ruhe, mit welcher die Aerzte
+sich gegen ihn benahmen, kehrte sie wieder zurück, und er beantwortete
+voll Hohn die an ihn gestellten Fragen.</p>
+
+<p>Die Doctoren erklärten seinen Fall als einen unerhört schweren und
+dictirten eine allerdings schreckliche Behandlung. Er ließ sie ausreden
+und schlug dann ein tolles Gelächter auf.</p>
+
+<p>»Ihr habt Euch umsonst bemüht,« spottete er; »ich lasse mir Eure
+Behandlung nicht gefallen, weil ich Euren Anordnungen nicht unterstehe,
+weil ich ein freier Mensch bin.«</p>
+
+<p>Die Doctoren sahen einander erstaunt an: »Ein freier Mensch? was
+heißt das?« fragten sie.</p>
+
+<p>»Das heißt, Ihr Automaten, daß Ihr Eure Tractirungen an mir nicht
+versuchen dürft, weil ich nichts gemein mit Euch habe, weil ich kein
+Mußmensch bin. Was ich gethan habe, habe ich thun wollen und hätte auch
+ganz anders handeln können.«</p>
+
+<p>Bei diesen Worten bemächtigte sich der Versammlung ein maßloses
+Entsetzen.</p>
+
+<p>»Weh über Dich!« riefen die Doctoren; »Du hättest das Ungesunde
+und Gemeinschädliche nicht thun müssen, und hast es dennoch gethan?
+Ungeheuer! scheußliche Ausnahme des allweisen, allherrschenden
+Gesetzes! ... Für Dich haben wir keine Behandlung, Du mußt den Weg der
+Unheilbaren gehen.«<!-- page100 --></p>
+
+<p>Der Verbrecher gerieth außer sich, als dieses Verdict über ihn
+gefällt wurde. »Da bin ich schön angekommen«, sprach er. »Vermaledeites
+Mußpack! Thut man bei Euch, was man muß, wird man geprügelt; thut man,
+was man will, wird man gerichtet.«</p>
+
+<p>Noch vor dem Blocke schimpfte er fort.</p>
+
+<p>»Hochmüthige Culturaffen, Ihr seid ebenso dumm, wie bei uns die
+Leute sind. Euer Müssen und unser Wollen, Eure Receptschreiber und
+unsere Richter, es kommt auf eins heraus.«</p>
+
+<p>»Ja,« erwiderte der Henker, »es kommt eigentlich auf eins heraus,«
+und waltete seines Amtes.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+ <!-- page101 -->
+ <h3 id="Vergleich">
+ Ein Vergleich.
+ </h3>
+
+<p>Der Maulwurfshügel sprach zum Vulkan: »Du Weichling! Was tobst Du
+und machst die Welt zum Zeugen Deiner inneren Kämpfe? Auch ich habe die
+meinen, — wer aber hat mich jemals Feuer speien sehen?«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page102 -->
+ <h3 id="Graeber">
+ Zwei Gräber.
+ </h3>
+
+<p>In ein Massengrab, das eben geschlossen werden sollte, wurde ganz
+zuletzt noch ein schmales Särglein gesenkt, und Leute, die der Arbeit
+zusahen, fragten: »Wer war der, der so wenig Platz beansprucht in der
+Mutter Erde?«</p>
+
+<p>»Ja,« antwortete ein Handlanger, »das war der Zeisi. Taglöhner
+seines Zeichens, haben ihn aber nirgends behalten. Ist dann
+herumgezogen mit der Guitarre und hat in den Höfen der Häuser gesungen,
+um ein Stück Brot, um ein Paar Stiefel, sehr oft umsonst.«</p>
+
+<p>Wie der Mann so erzählte, trat eine verhüllte Gestalt heran, warf
+Blumen auf den schmalen Sarg und blickte lange wehmüthig zu ihm
+nieder.</p>
+
+<p>In ehrfurchtsvoller Scheu wichen die Anderen zurück; ein
+überirdisches Wesen erschien sie ihnen; Niemand wagte sie anzureden.
+Sie selbst aber sprach: »Hier ward ein Poet begraben.«</p>
+
+<p>Eine Stunde später kam, von einer unabsehbaren Menge begleitet, ein
+prachtvoller Leichenzug auf dem <!-- page103 --> Friedhofe an. Der
+kostbare Sarg, ganz bedeckt mit Lorbeerkränzen, barg einen gefeierten
+Schriftsteller. Er wurde in die Gruft gesenkt, und der berühmteste
+Redner der Stadt weihte dem Dahingeschiedenen einen Nachruf voll
+dithyrambischen Schwunges.</p>
+
+<p>Plötzlich hielt er inne ... Er hatte die Herrliche erblickt, die
+noch immer an der Ruhestätte der Armen stand.</p>
+
+<p>»Gebt Raum,« rief er ins Gedränge. »Die hohe Göttin, deren Gunst
+unsern großen Todten beglückte, naht heran, mit uns um ihn zu trauern.
+Gebt Raum der hohen Göttin!«</p>
+
+<p>Die Anwesenden gehorchten, und sofort öffnete sich für die nächste,
+die edelste Leidtragende ein Weg zur Gruft.</p>
+
+<p>Sie betrat ihn nicht — sie schüttelte das Haupt; über ihr
+schimmerndes Antlitz flog ein Lächeln himmlischer Verachtung, und sie
+sprach: »<span class="gesperrt">Der</span> Todte war mir fremd; Ihr
+habt einen Taglöhner begraben.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page104 -->
+ <h3 id="Prometheus">
+ Prometheus.
+ </h3>
+
+<p>Als Prometheus nach langer Qual entfesselt vor den Beherrscher der
+Welten trat, nahm dieser ihn gnädig auf und hieß ihn fortan mit den
+Göttern hausen. Weil aber der Eid, den Zeus einst geschworen: Ewig
+solle der Titane an den Kaukasus geschmiedet bleiben, nicht gebrochen
+werden durfte, mußte Prometheus einen Fingerreif tragen, in welchem
+ein Steinchen aus dem Felsen gefaßt war, an dem er sein Märtyrerthum
+erduldet hatte.</p>
+
+<p>Lächelnd nahm er die leichte Bürde hin, — kein Leiden mehr, nur noch
+des Leidens Symbol. Aber schwerer von Tag zu Tag wurde die anfangs
+kaum spürbare Last, und drückte endlich so schwer, wie Vulkans eherne
+Spangen gethan.</p>
+
+<p>Prometheus saß im Rathe der Götter, und sie lauschten den Sprüchen
+der Weisheit, die von seinen Lippen kamen. Ehrfurcht und Liebe umgaben
+ihn: mit den Unsterblichen wohnte er im Reiche der Freiheit, des
+Lichtes, der Schönheit. Aber ein Blick auf den Ring an seiner Hand,
+und wieder lag er an den Felsen geschmiedet, <!-- page105 -->und über
+seinem Haupte rauschte ein grauser Flügelschlag, und er fühlte den
+Griff der Geierklauen und das grausame Haken des Geierschnabels in
+seinem Fleische.</p>
+
+<p>Und aufschrie der Titane zum Weltenbeherrscher »Ohnmächtiger Gott,
+der nur begnadigen und nicht entsühnen kann! Die Erinnerung an meine
+Schmach und Buße spottet Deiner Huld!«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page106 -->
+ <h3 id="Begegnung">
+ Eine Begegnung.
+ </h3>
+
+<p>Der Hochmuth ging eines schönen Tages spazieren. Er trug eine Krone
+aus Seifenblasen auf dem Kopf, und sie schillerten bunt und prächtig
+im Sonnenschein. An seinem purpurfarbigen Gewand hingen zahllose
+vergoldete Glaskugeln; die Plattfüße hatte er in Schuhe mit ungeheuren
+Hacken gesteckt und schritt auf ihnen so majestätisch einher, wie ein
+hölzerner König in der Puppenkomödie. Sein breites Gesicht strahlte
+von Selbstzufriedenheit, seine rothen, fingerdicken Lippen waren
+verächtlich verzogen; aus halbgeschlossenen Lidern blickte er um sich,
+als ob nichts da wäre, der Mühe werth, ihm einen ganzen Blick zu
+gönnen.</p>
+
+<p>Da kam ein Wesen ihm entgegen, bei dessen Erscheinen er stutzte. Ein
+Wesen von schlichtem Aussehen; bescheiden sein Gang, seine Haltung,
+seine Gebärde; schön sein Angesicht, auf dem ein edler Ernst und
+tiefinnerlichster Frieden sich malten.</p>
+
+<p>»Weiche mir aus!« rief der Hochmuth ihm zu.</p>
+
+<p>»Gern,« erwiderte der Andere lächelnd, und gab Raum.</p>
+
+<p><!-- page107 -->Dennoch fühlte der Hochmuth sich verletzt: »Du
+lächelst? wie darfst Du es wagen, zu lächeln in meiner Gegenwart?«
+schnaubte er und warf sich wüthend auf den Beleidiger.</p>
+
+<p>Dieser wehrte ihn nicht ab, regte sich nicht einmal, stand nur
+ruhig und fest. Der Hochmuth aber stürzte zur Erde, und alle seine
+Seifenblasen zerplatzten, und alle seine Glaskugeln lagen in Scherben —
+er war an das Verdienst angerannt.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+<!-- page108 -->
+<div class="chapter">
+ <h3 id="DieFremde">
+ Die Fremde.
+ </h3>
+
+<p>Durch die Straßen einer großen Stadt wallte eine majestätische,
+dicht verhüllte Gestalt. Sie war zum ersten Male zur Erde gekommen, sah
+zum ersten Male eine Ansiedlung der Menschen und irrte planlos auf der
+unbekannten Stätte umher. Plötzlich machte sie Halt vor einem Palaste,
+über dessen mächtigem Portal eine marmorne Statue sich erhob. Das
+Bildwerk stellte eine Frau in griechischer Gewandung vor. Ihre Augen
+waren verbunden, in der Rechten hielt sie eine Wage. Eine Inschrift auf
+dem Sockel der Statue hatte die Aufmerksamkeit der Fremden erweckt. Sie
+sah abwechselnd deren goldene Lettern und das steinerne Gebilde an, und
+je länger sie es that, je mehr wuchs ihr Staunen.</p>
+
+<p>Ein Mann, der athemlos daher gerannt kam, riß sie aus ihren
+Betrachtungen. Es war ein Beamter, der sich verspätet hatte, und der
+nun die Stufen zum Palaste schleunigst hinaneilen wollte.</p>
+
+<p>Die Fremde hielt ihn zurück. »Wessen Bildniß ist dieses?« fragte sie
+und deutete nach der Statue auf dem Portal.</p>
+
+<p><!-- page109 -->Den Beamten durchfröstelte es. Die Stimme, mit
+welcher die Verhüllte gesprochen, klang unsagbar hart und schauerlich
+und war mit keiner Stimme zu vergleichen, die jemals an sein Ohr
+getönt hatte. Er vergaß die vorgerückte Stunde; seine Angst vor der
+Strenge seines Hofraths war verschwunden. Stehenbleibend starrte
+er die Geheimnißvolle an und antwortete: »Es ist das Bildniß der
+Gerechtigkeit.«</p>
+
+<p>Ein Lachen erscholl, das ihm das Blut in den Adern gefrieren machte;
+doch fuhr er fort: »Unter ihrem Zeichen wird hier gewaltet.«</p>
+
+<p>»Von wem? — Wohnen Götter in diesem Hause?«</p>
+
+<p>Der Beamte dachte an seine Vorgesetzten und an seine Collegen, und
+mußte lächeln: »Nur Menschen,« erwiderte er.</p>
+
+<p>»Wie?« rief die Fremde, »Menschen walten im Namen Einer, die auf
+Erden nie war und nie sein wird? Menschen, blinde, irrende, üben das
+Amt der Allsehenden und Unfehlbaren?«</p>
+
+<p>Wieder erklang das gräßliche Lachen. Durch den Schleier der
+Verhüllten hindurch drang der Strahl eines Feuerauges, vor dem der arme
+Beamte wie vom Blitz getroffen niederstürzte.</p>
+
+<p>Als er zur Besinnung kam, war die Erscheinung verschwunden, und
+ein Wunder war geschehen. Die Statue über dem Portal hatte ihre Form
+verändert. Sie stellte nicht mehr die Gerechtigkeit dar; aber was denn?
+</p>
+
+<p><!-- page110 -->—Die Beamten zerbrachen sich vergeblich die Köpfe
+darüber. Endlich wurden Gelehrte befragt. Sie hielten eine lange
+Berathung und erklärten sodann einstimmig, die Statue sei nichts
+anderes als eine symbolische Darstellung der Nothwehr, umgeben mit
+einer wunderlichen Mischung von Emblemen der Grausamkeit und der
+Barmherzigkeit.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page111 -->
+ <h3 id="DasBlatt">
+ Das Blatt.
+ </h3>
+
+<p>Vom Winde getrieben flog ein welkes Blatt neben einem Vogel durch
+die Luft.</p>
+
+<p>»Sieh,« raschelte es triumphirend, »ich kann fliegen wie Du.«</p>
+
+<p>»Wenn Du fliegen kannst, so mache mir das nach!« antwortete der
+Vogel, wandte sich und steuerte mit kräftigem Flügel gegen den Wind.</p>
+
+<p>Das Blatt aber wirbelte ohnmächtig dahin, bis sein Träger plötzlich
+den Athem anhielt und es in ein Bächlein fallen ließ, das klar und
+munter durch den Wiesengrund jagte. Nun segelte das Blatt auf den
+Wellen und gluckste den Fischen zu: »Seht mich an, ich kann schwimmen,
+wie Ihr!«</p>
+
+<p>Die stummen Fische widersprachen ihm nicht; da blähte es sich auf
+und meinte: »Das sind anständige Creaturen, die lassen einen doch
+gelten!«</p>
+
+<p>Weiter glitt es, und merkte nicht, wie es dabei aufquoll und schon
+faul war durch und durch.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page112 -->
+ <h3 id="DieSiegerin">
+ Die Siegerin.
+ </h3>
+
+<p>Es kam einst zu einem ungeheuern, einem echten Titanenkampf. Alle
+Tugenden und alle Laster rangen mit einander auf Leben und Tod.
+Furchtbare Wunden klafften, in Strömen floß das Blut. Hinterlist und
+Tücke hatten die Gerechtigkeit überwältigt und ihr den Arm gelähmt.
+Zerfleischt von den Zähnen und Klauen des Hasses und der Eifersucht
+erstarb die Liebe; die Großmuth röchelte unter den würgenden Händen
+der Habgier. Vielen Tugenden erging es schlecht an dem Tage, aber auch
+viele Laster meinten den Rest bekommen zu haben.</p>
+
+<p>In der ganzen großen Heerschar blieb nur Eine unversehrt; es war
+eine der Tugenden; es war die Güte.</p>
+
+<p>Mit Steinen beworfen, von den Pfeilen des Undanks durchbohrt,
+hundert Mal niedergezwungen, erhob sie sich immer wieder unverwundbar,
+unüberwindlich, und trat von Neuem in den wüthenden Kampf.</p>
+
+<p><!-- page113 -->Es wurde Abend und Nacht; der Streit blieb
+unentschieden, die Streiter lagen erschöpft. Die Güte allein wandelte
+über die Wahlstatt, munter wie ein sprudelnder Quell, lieblich wie das
+Morgenroth, und labte die Leidenden, und in dem Augenblick ließen sogar
+ihre Feinde es gelten: Die Stärkste bist Du!</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page114 -->
+ <h3 id="Zuversicht">
+ Verlorene Zuversicht.
+ </h3>
+
+<p>Vor Jahren lebte in einer großen Handelsstadt ein Mann, dem alles,
+was er unternahm, gelang, den niemals ein Mißgeschick traf, der von
+Jugend an bis ins reife Alter nur Freude und Erfolg erlebte und nur
+Dankbarkeit und Treue erfuhr. Plötzlich verwandelte sich sein Loos; er
+sank ins Elend; er lernte den Undank und die Bosheit kennen, und allem,
+was er liebte, drohte Gefahr. Eben so rasch jedoch, als es sich von
+ihm gekehrt, kam das Glück ihm zurück, ersetzte ihm zehnfach, was er
+verloren hatte, überschüttete ihn und Die, die ihm theuer waren, von
+Neuem mit seinen reichsten Gaben.</p>
+
+<p>»Nun,« fragte Jemand, »bist Du zufrieden? Du hast es wieder, Dein
+Glück.«</p>
+
+<p>»Ach,« antwortete er, »wo ist meine Zuversicht! Ich habe ein Glück
+wieder, das mich schon einmal verlassen hat.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page115 -->
+ <h3 id="Ziel">
+ Am Ziel.
+ </h3>
+
+<p>Es war einmal ein reicher Mann, der am Wohlthun eine so große Freude
+fand, daß er ihretwegen jede andere Freude, ja sogar jedes eigene
+Behagen aufgab. Er wohnte in einer Dachstube, nährte und kleidete sich
+ärmlich, und galt in Folge dessen bei allen seinen Bekannten für einen
+abscheulichen Geizhals. Obwohl er das wußte, brachte er es doch nicht
+über sich, irgend Jemandem einen Einblick in seine Vermögensverwaltung
+zu gestatten. Sich selbst gab er von derselben genaue Rechenschaft in
+einem Buche, das er sorgfältig führte, und das er Denen zu hinterlassen
+gedachte, deren Tadel ihn am meisten verdrossen hatte.</p>
+
+<p>Er wurde alt, und am Ende seiner Tage und seines Reichthums
+angelangt, blieb das Buch sein Glück, seine Erquickung. Wenn er
+darin las, stiegen beseligende Erinnerungen vor ihm empor; er sah
+Verzweifelte wieder hoffen, sah gebrochene Menschen sich aufrichten
+an seiner Hand. Und die todten Buchstaben belebten sich, und aus
+den stummen Blättern klang es wie leises Jauchzen heraus, wie hold
+geflüsterter Segen.</p>
+
+<p>Die Sterbestunde des Greises kam; zum letzten Male <!-- page116 -->
+griff er nach seinem Buch und dachte: ich gehe, aber du bleibst und
+wirst von mir erzählen. —</p>
+
+<p>Da durchblitzte ihn plötzlich die Frage: und was? — daß mir unrecht
+geschehen ... den Einen gleichgültig, den Andern ein ewiger Stachel?
+Wem zum Nutzen? Keinem. Nur mir zum Nachruhm ...</p>
+
+<p>Beschämt senkte er sein Haupt. Angesichts der großen Stunde, wie
+klein erschien ihm, womit er sich vertröstet hatte, viele Jahre
+hindurch! Wie klein, wie eitel!</p>
+
+<p>Und nun verbrannte er das Buch und freute sich, daß seine
+erlahmenden Hände noch die Kraft dazu fanden; und mit den verglimmenden
+Blättern zugleich erloschen seine Augen.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page117 -->
+ <h3 id="dummeGeschichte">
+ Eine dumme Geschichte.
+ </h3>
+ <h4>I.</h4>
+
+<p>Vor langer Zeit lebte in einem deutschen Gau ein gewaltiger Ritter.
+Er hatte eine herrliche Burg; er hatte kühne und wehrhafte Knechte;
+er hatte weite Ländereien, die er alle selbst erobert, und große
+Reichthümer, die er alle selbst zusammengeraubt. Er hatte auch eine
+schöne und tugendsame Frau. Sie hieß Dina, die Erhabene, hätte aber
+eigentlich die Demüthige heißen sollen. Still und fleißig waltete sie
+tagsüber am Herd und am Webstuhl, und wenn der Abend einbrach, stieg
+sie zum Söller empor und lugte aus nach ihrem reisigen Herrn.</p>
+
+<p>Sobald sie ihn erblickte, ließ sie ihr goldgesticktes
+Taschen-Fähnlein wehen und eilte ihm entgegen in den Burghof. Dann
+geleiteten sie und ihr Page den Ritter in sein Gemach, wo er sich auf
+das mit einem Bärenfell bedeckte Lager warf, seinem holden Weibe die
+Beine entgegenstreckte und sprach: »Stiefel!«</p>
+
+<p>Und sie nahte in liebevoller Dienstbeflissenheit und zog ihrem
+Gemahl die, je nach der Jahreszeit, mit Staub, Koth oder Schnee
+bedeckten Stiefel aus.</p>
+
+<p><!-- page118 -->Müßig (bis auf einiges Zähneknirschen) stand der
+Page, ein Jüngling, voll zarter Empfindung daneben und dachte: deß
+sollte sie sich doch nicht unterwinden, trotz aller Weibesgüte und
+Tugend, deß doch nicht! Und mehrmals, hingerissen von seinen Gefühlen,
+wagte er's und erhob seine Stimme zu wohlgesetzter Rede:</p>
+
+<p>»Ueberlasse mir, o Herrin, hochgemuthe, des Stiefel-Ausziehens
+unrühmlich Bemühen.«</p>
+
+<p>Aber sein Flehen verhallte unbeachtet, und was er darüber empfand,
+war ein tiefer Gram. Seine Heiterkeit verschwand; er wandelte dahin,
+wie er nie geahnt hatte, daß man wandeln könne — in Gedanken.</p>
+
+<p>Und sein Sinnen war kein todtes, vielmehr ein mit reichen Keimen
+belebtes, die nach Entfaltung rangen, wuchsen und endlich aus ihrem
+Schattenreiche hinaus in die wirkliche Welt gelangten, als die gereifte
+Frucht eines erfinderischen Geistes, als ein Werk!</p>
+
+<p>Man hatte ihn gesehen, kleine Klötze zuhauen und in den sogenannten
+Pagenthurm hinauftragen, und hatte ihn die Nächte hindurch bis zum
+frühen Morgen sägen, hobeln, raspeln gehört. Sein Thun blieb ein
+geheimnißvolles; er verweigerte jegliche Auskunft darüber, wurde sehr
+mager, und aus seinen Augen leuchtete jene Seligkeit, die durch das
+Bewußtsein eines von Erfolg gekrönten Strebens hervorgerufen wird.</p>
+
+<p>Ein schöner Sommertag ging zur Rüste; schon brach der Abend herein,
+als Hörnerklang ertönte; der Herr an der Spitze seiner Mannen kehrte
+heim. Er hatte <!-- page119 --> sich erkältet, war ganz heiser und
+sprach, vom Pferde springend, zu der ihm Willkomm bietenden Gattin:
+»Würzwein!«</p>
+
+<p>Sie eilte, das Verlangte zu bereiten; er, von dem Pagen allein
+gefolgt, ging auf sein Zimmer. Als er sich dem Lager näherte, fiel ihm
+ein seltsames Ding auf, das davor stand. Wie eine kleine Bucht zwischen
+vorgestreckten Landzungen war es gestaltet und ruhte schräg, aber fest,
+auf kurzen Füßen.</p>
+
+<p>»Wer hat mir das gebracht, was ist das?« fragte er.</p>
+
+<p>»Ich habe es gebracht und gemacht,« erwiderte der Page, und seine
+Wangen erglühten in freudigem Schöpferstolz: »O Herr, es ist ein
+Stiefelknecht.«</p>
+
+<p>Er unterwies den Ritter im Gebrauche des neuen Hausgeräthes, und der
+Ritter freute sich sehr darüber und zog zum puren Vergnügen die Stiefel
+gleich zwei Mal nach einander aus und an.</p>
+
+<p>Er war eben im Begriff, die Vortrefflichkeit der Erfindung zum
+dritten Male zu erproben, als seine Hausfrau eintrat, den Würzwein in
+goldenem Becher auf silberner Platte tragend. Beinahe wäre ihr beides
+entsunken.</p>
+
+<p>»Was thut mein Herr?« fragte sie, und ihre schönen Augen füllten
+sich mit Thränen. »Sind meine Dienste meinem Herrn entbehrlich
+geworden? Vermag ein Stück Holz mich bei meinem Herrn zu ersetzen?«</p>
+
+<p>Der Ritter entgegnete: »Nicht alleweil, nur in dem einen Fall.«</p>
+
+<p><!-- page120 -->Aber dieser Trost tröstete sie keineswegs. »Wer hat
+die frevelige Erfindung ausgeheckt, die mich in irgend einem Falle
+meinem Herrn entbehrlich macht?« forschte sie mit Bangen.</p>
+
+<p>»Der treueste Diener Dein, — ich!« stammelte der Page und warf
+sich ihr zu Füßen. Er bat um Gnade und Verzeihung und betheuerte die
+Lauterkeit seiner Absicht. Habe sie ihren Zweck verfehlt, so trage
+daran einzig und allein der Begriff schuld, den er von Frauenwürde
+hege.</p>
+
+<p>Half alles nichts. Die Herrin blieb dabei, er habe sie um die
+Ausübung eines ihr werthen Rechtes betrügen wollen, und befahl ihm,
+das Werkzeug, welches arglistig dazu hatte dienen sollen, ins Feuer zu
+werfen.</p>
+
+<p>Dieser Befehl war von einem Blick begleitet, der dem armen Jüngling
+das Herz zerschnitt und ihm verkündete, daß er die Huld seiner Herrin
+unwiederbringlich verloren hatte. Der bittere Schmerz, von dem nur
+die grausam Verkannten wissen, ergriff ihn, zugleich aber auch eine
+mächtige Liebe für sein Werk. Er trug es empor in seine Thurmkammer,
+schrieb dem guten Stiefelknecht eine genaue Gebrauchs-Anweisung auf
+den Rücken und verbarg ihn in einer Vertiefung der Mauer, die er
+mit Steinen verlegte. Dann weihte er ihn tiefbewegt dem Verständniß
+kommender Geschlechter und entfloh beim ersten Morgengrauen.</p>
+
+<p>Nie wieder hat man von ihm gehört; er ist vergessen und verschollen,
+ein Märtyrer seiner Erfindung.</p>
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p><!-- page121 -->Hundert Jahre später hauste der Ururenkel des
+gewaltigen Ritters auf der Burg. Er war ein friedfertiger Herr, der
+sich der Gelehrsamkeit befliß, und besaß eine kleine lebhafte Frau
+und zwei schöne Kinder. Die spielten dereinst Verstecken im halb
+verfallenen Pagenthurm, fanden dort im Schutte den Stiefelknecht und
+brachten ihn ihrer Mutter.</p>
+
+<p>Die kleine Frau wunderte sich über das seltsame Ding, und da sie
+vor lauter Neugier lesen gelernt hatte, machte sie sich gleich daran,
+die Schriftzüge, mit denen es bedeckt war, zu entziffern. Dabei wurde
+ihr Gesicht immer freundlicher; plötzlich lachte sie laut auf, und
+ihre Kinder lachten mit; sie hüpfte und tanzte mit dem Stiefelknecht
+im Zimmer herum, und die Kinder tanzten und sprangen wie Böcklein und
+jubelten über den Jubel ihrer Mutter.</p>
+
+<p>Der Freudentaumel hatte seinen höchsten Grad erreicht, da kam der
+Herr Vater von der Gesundheits-Promenade, die er täglich zu unternehmen
+pflegte, nach Hause. Er steckte den Kopf zur Thür herein und sagte:</p>
+
+<p>»Unziemlich ist es zu jubeln und zu tanzen am Wochentage. Weichet
+hinweg zur Schulstube, ihr Kinder, und Du, Thusnelda, Geliebte, zieh'
+mir die Stiefel aus.«</p>
+
+<p>»Schwerlich, schwerlich«, sprach die kleine Frau und machte dazu
+einen complicirten mittelalterlichen Knix, <!-- page122 --> »für die
+Stiefel meines Herrn hat sich ein Knecht gefunden, die Magd kündigt den
+Dienst,« und sie stellte den Stiefelknecht dem Gatten vor die Füße.</p>
+
+<p>»Thuschen, wonnevolle,« war Alles, was er im ersten Augenblick
+hervorbrachte.</p>
+
+<p>Er mußte sich auf einen Sessel niederlassen, denn ihm
+schwindelte.</p>
+
+<p>Vor seinem ahnungsvollen Geiste stieg ein neues Capitel der damals
+noch völlig unbekannten Culturgeschichte auf. Er sah alle Frauen dem
+Beispiel der seinen folgen, und alle Männer darauf angewiesen, sich
+ihrer Stiefel von einem fühllosen Instrumente entledigen zu lassen
+statt von liebender Hand.</p>
+
+<p>»Mein armer Sproß,« sprach er nach einer langen Pause und legte die
+Rechte auf seines siebenjährigen Söhnleins Haupt. »Die gefüge Magd
+kündigt den Dienst. Hast Du's gehört und wird Dir schlimm wie mir?
+Unfroher Zukunft reift mein Sproß entgegen; verschoben zwischen Mann
+und Frau ist das Verhältniß.«</p>
+
+<p>»Nur ein wenig zurechtgerückt,« versetzte Thusnelda und streichelte
+ihres Töchterchens Locken.</p>
+
+<p>»Mich jammert Deines Irrwahns,« klagte der Gatte; »hinweggetilgt mit
+der minniglichen Frauen Demuth wird des Hauses Eintracht sein.«</p>
+
+<p>»Ja, ja,« erwiderte sie, »die Eintracht zwischen Unterwürfigkeit und
+Gewalthaberei wird wohl hinweggetilgt sein.«</p>
+
+<p>Er sah sie mit großen, runden, bestürzten Augen an.</p>
+
+<p><!-- page123 -->»Sollen wir hinkünftig auch die Kindlein in die Welt
+setzen und ihrer warten?« fragte er.</p>
+
+<p>Die Frau schlug die Hände zusammen: »Gott steh' mir bei! von den
+Lippen meines Hochgelahrten entfleucht Unsinn.«</p>
+
+<p>Und er wurde böse und sprach: »Wer hat Dir solche Rede zu mir
+erlaubet? Meine Zornwuth weckst Du. Törichte Weiber! Preis zu erjagen
+gedenket Ihr, und werdet sinken im Preise und sitzen bleiben Alle! Kein
+mannlicher Mann wird werben um ein Gespons, das sein nicht magdlich
+pflegen will. Unweise und untergeordnet in allen Stücken dem Manne seid
+Ihr Weiber. Was an Euch ehren soll er, wenn nicht die Ehre, so Ihr ihm
+bietet; was lieben an Euch, wenn nicht die Liebe, so Ihr zu ihm traget?
+...«</p>
+
+<p>Er wollte noch weiter reden, aber Thusnelda unterbrach ihn durch ein
+lautes Gelächter. »Schön Dank für dieses Geständniß, o Du mein trauter,
+aufrichtiger Geselle!« sagte sie und schlang ihre Arme um seinen
+Hals.</p>
+
+<p>Die Ehegatten umarmten einander, während ihre Kinder sich in der
+entgegengesetzten Ecke des Gemaches prügelten, weil das Bübchen gesagt
+hatte, es werde nie eine Frau nehmen, die sich weigere, ihm die Stiefel
+auszuziehen, und das Schwesterchen ihm dafür eine Ohrfeige versetzt
+hatte.</p>
+
+<p>»Laßt ab vom Kampfe, Ihr Kinder,« befahl der Vater. »Vernunft
+angenommen hat die reine Süße, Eure Mutter.«</p>
+
+<p><!-- page124 -->»O weh!« jammerte sie, ihr hübsches Köpfchen zur
+Achsel neigend. »Wie thut das Herz mir weh, daß ich eine Frau nur bin,
+und demnach unweise, demnach unfähig, Vernunft anzunehmen. So hat
+mein gelahrter Herr gesagt, und seinem Worte darf ich nicht zuwider
+handeln.«</p>
+
+<p>»Nicht zuwider handeln,« murmelte der Gatte und versank in tiefes
+Sinnen. »O liebe Frau, die Folgen sind unabsehbar,« sprach er endlich,
+seufzte und — bediente sich des Stiefelknechts.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page125 -->
+ <h3 id="Fuerst">
+ Der junge Fürst.
+ </h3>
+
+<p>Ein junger Fürst, der Liebling vieler Götter, übernahm, nach
+Jahren der Vorbereitung zu dem wichtigen Amte, die Regierung seines
+Reiches.</p>
+
+<p>Von den Göttern geladen, fanden viele herrliche Gäste sich bei der
+Krönungsfeier ein, nur eine der Gerufenen blieb aus — die alte, gute
+Mutter Erfahrung. Sie behauptete, erst später kommen zu können.</p>
+
+<p>Nachdem die Festlichkeiten vorüber waren, versprachen die Götter dem
+Fürsten noch die Gewährung der drei ersten Wünsche, die er zu ihnen
+emporsenden werde, und nahmen Abschied von ihm.</p>
+
+<p>Er aber, wohl erkennend, worin seine Aufgabe bestand, ging freudig
+an ihre Erfüllung. Besser wollte er die Menschen machen und dadurch
+glücklicher. Zur Liebe wollte er sie erziehen, zum Mitleid; er wollte
+in jedem Einzelnen einen Feuereifer, für fremdes Wohl, eine freudige
+Achtung für fremdes Verdienst erwecken. Ein edles Beispiel alles
+Vortrefflichen leuchtete er seinem Volke voran und suchte es zu
+bewegen, ihm nachzufolgen. — Umsonst! Außer der kleinen Schar, die ihn
+von allem Anfang an begleitet hatte, schlug Niemand seine Pfade ein.</p>
+
+<p><!-- page126 -->Nach einem Jahr nutzlosen Strebens rief er zu den
+Göttern:</p>
+
+<p>»Unüberwindlich böse Mächte vergiften mir mein Volk und lassen es
+nicht genesen von Unrecht und Leid. Nehmt die unheilbare Krankheit
+hinweg, die an ihm zehrt. Nehmt die unverbesserlichen hinweg, nehmt
+Jeden, der keiner einzigen guten Regung fähig, Jeden, dessen Dasein nur
+Unheil und Uebel für seinen Nebenmenschen ist.«</p>
+
+<p>Kaum hatte er diese Worte gesprochen, als er sie bereute, meinend
+ein Todesurtheil über viele Hunderte gefällt zu haben. Er lag bis zum
+Morgen auf den Knieen und weinte vor den Bildern seiner Götter. Dann
+begab er sich auf die Reise und fragte angstvoll in den Städten und
+Dörfern umher: »Sind heute Nacht viele Leute gestorben?«</p>
+
+<p>Und allenthalben hieß es: »Nicht mehr als gewöhnlich,« und er wußte
+nicht, was er davon denken sollte.</p>
+
+<p>Erst bei der Heimkehr in seinen Palast wurde er mit der
+Nachricht empfangen, daß einer seiner vertrautesten Räthe plötzlich
+dahingeschieden sei.</p>
+
+<p>Zwei Jahre verflossen; so fern wie je stand der König von seinen
+Zielen.</p>
+
+<p>Und abermals betete er zu den Göttern:</p>
+
+<p>»Ich seh' es ein, nicht an den ganz Verderbten scheitert der
+Fortschritt im Guten, dazu giebt es ihrer zu wenige. Seine wahrhaft
+unüberwindlichen Feinde sind die Lauen, die Gleichgültigen, die
+Selbstsüchtigen, diese tilgt hinweg, ihr Allmächtigen!«</p>
+
+<p><!-- page127 -->Am nächsten Morgen begab er sich wieder auf die
+Reise und nahm seinen jüngeren Bruder mit, der ihm das Theuerste auf
+Erden war.</p>
+
+<p>Das goldgeschirrte königliche Gespann flog schimmernd durch die
+Gefilde des reichsten und schönsten Landes, und auf allen Wegen und
+Straßen kamen lange Leichenzüge ihm entgegen und alle Todtenglocken
+schallten, und kein Kirchhof, noch so groß, war groß genug, um alle
+Särge zu fassen, die ihm zugeführt wurden.</p>
+
+<p>Wo der König sich zeigte, allerorten rief man ihm entgegen:</p>
+
+<p>»O Herr, Dein Reich ist entvölkert!«</p>
+
+<p>»Es ist gereinigt!« dachte er, »das Unkraut ist ausgerottet, nun
+sollen goldene Saaten reifen ...«</p>
+
+<p>»Eines nur noch, das letzte, gewährt mir, Ihr Götter!
+Gleichen Sinnes mit mir laßt die Ueberlebenden sein,
+<span class="gesperrt">ein</span> Streben beseele sie und mich ... Hab'
+ich noch einen Widersacher unter ihnen, giebt es einen, der mir je den
+Tod gewünscht hat — er sterbe!«</p>
+
+<p>Laut sprach's der König, und wie vom Blitze des Himmels getroffen,
+stürzte der blühende Jüngling an seiner Seite zusammen. Ein gräßlicher
+Schrei ertönte: »Du? — mein Bruder — Du?«</p>
+
+<p>Der Wagenlenker wandte sich entsetzt — Wahnsinn dräute ihm entgegen
+aus dem Antlitz seines Herrn, und wahnsinnig war, was sein Herr beging.
+Die Zügel riß er an sich und schleuderte sie über die feurigen, mühsam
+<!-- page128 --> nur gebändigten Rosse hin und rief: »Lenkt ihr! lenkt
+Euch selbst und mich!«</p>
+
+<p>»Ins Verderben!« jammerte sein Diener in bleicher Todesangst, und
+den König ergriff ein Erbarmen, er hob den Zitternden empor und warf
+ihn hinaus aus dem Gefährt, ins hohe Wiesengras.</p>
+
+<p>Er selbst jedoch, der Willkür der jagenden Rosse überlassen, stürmte
+dahin mit fliegenden Locken, den Fuß auf die Leiche des Bruders
+gesetzt. Stürmte vorbei an den Wohnungen der Menschen, über rasselnde
+Brücken, über Niederungen und Höhen, durch wogende Felder, durch die
+schweigende Oede. Endlich sausten die Rosse einen jähen breiten Waldweg
+hinab und brachen in der Tiefe nieder, ein wilder, lebendiger Knäuel.
+Neben ihnen, besinnungslos, lag der König.</p>
+
+<p>Als er zum Bewußtsein erwachte, war es Nacht, der Mond schien hell
+und leuchtend in den Thalkessel hinein. Im Scheine seines weißen
+Lichtes entwirrte der König die Zügel und Stränge, in denen die Pferde
+sich verwickelt hatten, half ihnen auf und gab ihnen die Freiheit.
+Dann begrub er seinen Bruder unter den hohen Bäumen und wanderte
+fort; wanderte bei Nacht, verbarg sich bei Tag und gelangte bis an
+die äußerste Grenze seines Landes. In einem Dorfe tauschte er seine
+Kleider mit denen eines Hirten und lebte jahrelang unerkannt bald da,
+bald dort, pflegte die Kranken, betreute die Greise und die Kinder
+und wunderte sich, wenn er bei diesen Kindern Fehler wiederfand, die
+er meinte aus der Welt geschafft <!-- page129 --> zu haben. Und er
+verwies sie ihnen theils mit Strenge, theils mit Sanftmuth und stand
+ihnen liebreich bei im Kampfe menschlicher Schwäche mit menschlichem
+Vervollkommnungstrieb.</p>
+
+<p>Er war ein reifer Mann geworden und ruhte eines Abends nach
+angestrengtem Tagewerk vor der Hütte, die er bewohnte, aus. Da näherte
+sich ihm ein Weib, steinalt, aber rüstig, mit ernsten, klaren Augen,
+und wollte bei ihm bleiben und ihm dienen.</p>
+
+<p>Und er, statt ihr zu danken, sprach vorwurfsvoll:</p>
+
+<p>»Erfahrung, verläßlichste, unentbehrlichste Führerin, warum hast Du
+Dich fern von mir gehalten in den Tagen meiner Macht? — jetzt kommst Du
+zu spät!«</p>
+
+<p>Seufzend antwortete die alte Mutter:</p>
+
+<p>»Das ist mein schweres, mein gewohntes Loos.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page130 -->
+ <h3 id="Kosmogonie">
+ Kosmogonie.
+ </h3>
+
+<h4>I.</h4>
+
+<p>Im Urwalde tief verborgen befand sich ein großartiger Ameisenbau.
+Das Völkchen, das ihn bewohnte, war fleißig und weise; es hatte sich
+im Laufe der Jahrhunderte eine vortreffliche Verfassung und ebensolche
+Gesetze gegeben. Die Wissenschaften wurden in Ehren gehalten, die
+Künste gepflegt; so blühten sie denn auch und trieben reiche Früchte.
+Fortwährend entdeckten die Gelehrten ewige Wahrheiten, und die Künstler
+hörten nicht auf, unsterbliche Werke zu schaffen. »Eine Civilisation
+wie die unsere,« sagten die Ameisen, »kann nicht mehr untergehen.
+Künftige Geschlechter werden das Erbe antreten, es vermehren und in
+unaufhaltsamem Fortschritt zu einer Vollendung gelangen, von der sogar
+das ameisliche Ahnungsvermögen sich keinen Begriff machen kann.«</p>
+
+<p>In diesem Hochgefühle schwelgte die Nation, und es begeisterte sie
+zu immer neuen und edleren Bestrebungen.</p>
+
+<p>Da ereignete es sich, daß eines Tages ein Löwe des Weges kam. Er
+bemerkte den Ameisenbau nicht und schritt gemächlich mit breiten Tatzen
+über ihn hinweg. <!-- page131 --> Dabei wedelte er mit dem Schwanze,
+denn ihm war heiß, und wedelte den ganzen Bau sammt seiner Cultur und
+den ewigen Wahrheiten und den unsterblichen Kunstwerken so gründlich
+fort, daß keine Spur von ihnen übrig blieb.</p>
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p>»Schau',« sagte ein Kolibri zu seinem Weibchen, das neben ihm auf
+einer Lianenblüthe saß, »da hat ein großer Erdentreter eine Menge
+kleiner Erdentreter vernichtet.«</p>
+
+<p>Das Weibchen zwitscherte: »Schade! Diese kleinen Klümpchen sind
+so nett hin und her gerollt um ihren großen Klumpen; es schien fast,
+als ob sie es wären, die ihn wachsen machten. Ich habe mich manchmal
+gefragt,« setzte sie nach einer Pause hinzu und bemühte sich,
+geistreich auszusehen, »ob sie sich nicht am Ende doch absichtlich
+bewegen und einen Willen und sogar einen Ansatz von Seele haben.«</p>
+
+<p>»Gerade soviel als die Blätter der Bäume. Die rühren sich auch
+zeitweise; sind deshalb sie die Ursache seines Wachsthums?« spöttelte
+das Männchen. »Nein, geliebte Einfalt, schreibe ihnen nicht zu, was
+das alleinige Erbtheil der ersten unter den geflügelten Lebewesen ist
+— der Vögel, und ganz besonders der Kolibri, weil sie die Feinsten,
+die Schönsten sind, und weil die Geschwindigkeit ihres Fluges mit der
+Geschwindigkeit des Schalles wetteifern kann. Für uns scheint die
+Sonne, für uns bringt die Scholle, das Wasser, die Luft Nahrung <!--
+page132 --> in tausendfältiger Gestalt hervor. Wir sind der Mittelpunkt
+alles Seienden, vollendete Vögel, angefangene Engel; denn als solche
+schweben die seligen Geister unserer Vorfahren um das Nest des höchsten
+Engels, nach dessen Vorbild wir geschaffen sind, der Himmel und Erde
+und das Schicksal jedes einzelnen Kolibris in seinen mächtigen Fängen
+hält.«</p>
+
+<p>Das Weibchen verstand ihn zwar nicht, bewunderte ihn aber doch sehr,
+beeilte sich auch, ihm Recht zu geben, denn sie befanden sich noch in
+den Flitterwochen.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page133 -->
+ <h3 id="Brautwahl">
+ Brautwahl.
+ </h3>
+
+<h4>I.</h4>
+
+<p>Es war einmal ein Märchenprinz, der edelste, schönste,
+liebenswertheste von allen, die es je gegeben hat. Als er
+sechsundzwanzig Jahre alt geworden, ließ die Königin, seine Mutter, ihn
+rufen und sprach zu ihm:</p>
+
+<p>»Die Zeit ist gekommen, in welcher Du eine Lebensgefährtin wählen
+und einen Hausstand gründen sollst. Bekanntermaßen findet man die
+besten Frauen, die es heutzutage giebt, auf dem Planeten Erde. Dort
+lebt auch die holde, Dir bestimmte Braut, ein Wesen, lieber Sohn, Dir
+gleich an Seelenadel.«</p>
+
+<p>Der Prinz erröthete aus Bescheidenheit, und die Königin fuhr
+fort:</p>
+
+<p>»Aber nicht ohne Weiteres kann ein so köstliches Gut Dir zu Theil
+werden, Du mußt es Dir verdienen.«</p>
+
+<p>»Wodurch, o Mutter?«</p>
+
+<p>»Durch rastloses Suchen, o Sohn.«</p>
+
+<p>»In welcher Gegend der Erde?«</p>
+
+<p>»In Europa.«</p>
+
+<p>»Auf dem Lande; in den Städten?«</p>
+
+<p><!-- page134 -->»In einer Hauptstadt, unter den
+<a href="#134b" id="134a">Töchtern</a> des höchsten Adels. Du weißt
+genug; nun gehe, mein Sohn.«</p>
+
+<p>Aber dieser rief: »Und das Erkennungszeichen? ... Nur das noch sage
+mir, woran erkenn' ich sie?«</p>
+
+<p>Die Königin stieg von ihrem Throne nieder und flüsterte ihrem Sohne
+einige Worte ins Ohr.</p>
+
+<h4>II.</h4>
+
+<p>In den vornehmsten Gesellschaftskreisen einer großen Stadt war
+plötzlich ein junger Mann aufgetaucht, der allenthalben Liebe und
+Bewunderung erweckte. Alle historischen Namen wurden von dem seinen,
+der dem Mythus angehörte, verdunkelt. Sein Stammbaum war so lang,
+daß er nicht einmal in der längsten Straße der Stadt ganz aufgerollt
+werden konnte; sein Reichthum schien unermeßlich, seine Großmuth war
+es. Hochgeboren, edel und reich, was brauchte er außerdem noch zu sein,
+um die Herzen der Töchter und die Zustimmung der Eltern im Sturme
+zu erobern? So ritterlich und bescheiden wie er hatte noch nie ein
+Mann den jungen Damen den Hof gemacht. Was sie aber am meisten an ihm
+entzückte, das war seine Heiterkeit und sein Witz. Daß er den letzteren
+stets auf Kosten des lieben Nächsten übte, daß der himmlische Prinz
+ein Spötter war, hatten sie bald entdeckt und bemühten sich aus vollen
+Kräften, diesen fadendünnen Spalt an dem Panzer seiner Vollkommenheit
+zu erweitern.</p>
+
+<p>Dies geschah aus weiblichem Instinkt.</p>
+
+<p><!-- page135 -->Jedes Edelfräulein, mit dem er gelacht und
+gescherzt, war überzeugt, seiner Schwäche am geschicktesten
+geschmeichelt und damit sein Herz gewonnen zu haben. Doch keine dieser
+Hoffnungen erfüllte sich, und eines schönen Tages war der Prinz ebenso
+plötzlich wie er gekommen — verschwunden.</p>
+
+<h4>III.</h4>
+
+<p>Dasselbe wiederholte sich in vielen anderen Städten. Der
+Prinz begann seine Freudigkeit einzubüßen; sein Witz wurde immer
+schonungsloser; er spottete nicht mehr, er lästerte. Sein Erdenwallen,
+das fühlte er wohl, machte ihn nicht besser, und am meisten kränkte
+ihn, daß er nur in seinen eigenen Augen an Werth verlor. Die Väter,
+die Mütter, die Töchter trieben nach wie vor Abgötterei mit ihm und
+verehrten jedes seiner Worte.</p>
+
+<p>»Ewiges Einerlei!« sagte er oft laut vor seinem ganzen Gefolge.
+»Ich werde heimkehren zu meiner königlichen Mutter als alter
+Junggeselle.«</p>
+
+<p>Und wirklich begann er zu versauern als ein solcher.</p>
+
+<p>Endlich ergriff ihn ein ungeheurer Ekel. »Laß satteln! Unsere Wolken
+vor! Die schwärzeste für mich!« befahl er seinem Oberstallmeister. »Wir
+reiten!«</p>
+
+<p>»Heute, Eure Hoheit?« versetzte der Würdenträger. »Ist heute nicht
+Hofball, den Eure Hoheit besuchen müssen?«</p>
+
+<p>Der Prinz gab das zu und ging auf den Ball. Aber er tanzte nicht,
+schwatzte nicht, lachte nicht. Er stand <!-- page136 --> in einer
+Ecke, sah den schönen, jungen Damen, die im Tact an ihm vorüber
+schwebten, traurig nach und seufzte: »Keine, keine Einzige!«</p>
+
+<h4>IV.</h4>
+
+<p>Die Melancholie des Prinzen war aufs Höchste gestiegen, als er
+plötzlich am anderen Ende des Saales ein liebliches Mädchen erblickte,
+das ruhig dasaß und, wie er, dem Tanze zusah. Sie jedoch that es mit
+heller Zufriedenheit und schien seelenvergnügt.</p>
+
+<p>»O Seele!« dachte der Prinz, »wie schön mußt Du sein, um Dich so
+zu vergnügen am Vergnügen der Andern!« Sanft, aber unwiderstehlich
+angezogen, trat er vor das liebliche Mädchen hin, verbeugte sich und
+fragte: »Sie tanzen nicht, mein Fräulein?«</p>
+
+<p>Sie stand auf, erwiderte seine Höflichkeit und, nachdem sie sich
+wieder gesetzt hatte, auch seine Frage: »Nein, mein Herr.«</p>
+
+<p>»Und warum nicht!«</p>
+
+<p>»Weil ich keinen Tänzer bekommen habe«, antwortete sie voll heiterer
+Gleichgültigkeit; und wie sie den Prinzen dabei mit ihren unschuldigen
+Augen anblickte, wurde ihm wohler, als ihm noch je auf Erden geworden
+war.</p>
+
+<p>»Keinen Tänzer heute?«</p>
+
+<p>»Heute nicht und nie,« und sie lachte so hell, daß er meinte, die
+goldenen Zauberglöcklein auf dem Thurme <!-- page137 --> seines
+heimathlichen Schlosses den Morgen begrüßen zu hören.</p>
+
+<p>Er sah nieder zu ihren wunderschönen Füßchen, betrachtete sie
+mit großer Aufmerksamkeit, und sagte: »Sie tanzen gewiß gern und
+ausgezeichnet?«</p>
+
+<p>»Sehr gern, o ja, und nicht schlechter als eine Andere.«</p>
+
+<p>»Und dennoch werden Sie nicht aufgefordert? Warum, warum?« rief der
+Prinz, immer mehr in Feuer gerathend, und ergriff ihre Hand.</p>
+
+<p>Die Kleine erschrak, senkte die Augen und murmelte so undeutlich,
+daß nur Einer, der im Begriff ist, sich zu verlieben, es verstehen
+konnte: »Weil ich langweilig bin.«</p>
+
+<p>»Langweilig? ... O, mein Fräulein! ...« Flammende Röthe brannte
+auf seinen Wangen, ein unterdrücktes Jauchzen drang aus seiner Brust:
+»O, mein Fräulein, dann erlauben Sie mir, an Ihrer Seite Platz zu
+nehmen.«</p>
+
+<h4>V.</h4>
+
+<p>Man ließ sie nicht lange in Ruhe plaudern. Eine junge Dame nach der
+andern kam heran und verrieth auf mehr oder minder feine Weise ihr
+Erstaunen darüber, daß der Vielumworbene, dem die Wahl unter Adler-
+und Schwanenjungfrauen freistand, sich mit einem Gänschen beschäftigen
+mochte.</p>
+
+<p>Wie auf Verabredung ließen sie ihren Witz sprühen, daß es nur so
+prasselte. Die Funken stoben, fielen über manchen guten Namen her und
+vernichteten ihn.</p>
+
+<p><!-- page138 -->Und der Prinz, ach, der Prinz stimmte ein.
+Er sah die Stirne seiner lieblichen Nachbarin sich verfinstern,
+aber er stimmte ein. Ja, er fand ein teuflisches Gefallen daran,
+jede geistreich vorgebrachte Bosheit zu überbieten. Es gelang ihm
+beispiellos. Der Genius der Verleumdung schien über ihn gekommen, und
+er brachte dessen grausamste Eingebungen mit unbändigem Uebermuthe vor.
+Seine Zuhörerinnen stutzten, kicherten, errötheten. Viele gaben sich
+Mühe, eine leise Schadenfreude zu verbergen; das waren die Pfiffigen,
+die Klugen, die hatten längst »so etwas« bemerkt. Einige fühlten
+Mitleid und Bedauern, Andere waren erstaunt.</p>
+
+<p>Ein Zweifel an dem Schlechten, das er aussagte, stieg in Keiner auf,
+in keiner Einzigen.</p>
+
+<p>Und doch! — in Einer doch — in der Lieblichen, die der Prinz, so
+lange er sprach, kaum anzusehen gewagt hatte. Sie erhob sich klopfenden
+Herzens, Thränen des Zornes standen in ihren Augen. —</p>
+
+<p>»Von Allem, was Sie da behaupten,« sagte sie kühn und laut, »glaube
+ich nichts!«</p>
+
+<p>»Nichts? ... von Allem nichts?« ... Er stieß einen Schrei aus, der
+an den Wänden des Saales widerhallte wie himmlische Musik, warf sich
+auf die Kniee vor seiner anmuthigen Gegnerin und umfaßte mit beiden
+Armen ihre zarte Gestalt.</p>
+
+<p>»Du bist es!« rief er. »O Mutter — die ist's — die gab mir das
+Erkennungszeichen!«</p>
+
+<p>Im selben Augenblick öffnete sich die Decke, und auf <!-- page139
+--> ihrem mit Feuervögeln bespannten Sonnenwagen kam die Märchenkönigin
+herbeigeflogen.</p>
+
+<p>Vor ihrer blendenden Erscheinung senkten sich alle Augen, nur die
+des Brautpaares nicht. Der Prinz führte seiner Mutter die Erwählte zu,
+und die Königin küßte sie dreimal und sprach:</p>
+
+<p>»Ich wußte wohl, daß es eine lange Trennung von meinem Sohne
+galt, als ich ihn zur Erde sandte, eine Gemahlin zu suchen, die an
+Verleumdung nicht glaubt. Sei mir gegrüßt, Du holde Seltenheit!«</p>
+
+<p>Die Königin hieß ihre Kinder einsteigen, die Feuervögel entfalteten
+ihre Schwingen und trugen die Glücklichen in das schöne Feenland,
+aus dem die Verleumdung verbannt ist, und wo sogar die jungen Damen
+schweigen, wenn sie von ihrem Nächsten nichts Gutes zu sagen wissen.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page140 -->
+ <h3 id="Werthbestimmung">
+ Werthbestimmung.
+ </h3>
+
+<p>In einen mit Kreuzern gefüllten Sack gerieth zufällig einmal ein
+Dukaten. Nachdem er einige Zeit bei ihnen geweilt hatte, sagten sie:
+»Wir müssen unserem Gastfreunde einen Rang anweisen, laßt uns denn
+zuvor seinen Werth bestimmen.«</p>
+
+<p>Die alten, die Patinirten, traten zusammen, beriethen lange und
+brachten es endlich zu dem Vorschlage:</p>
+
+<p>»Der gelbe Bursche ist zwar schwächlich, doch beantragen wir, ihn
+um seines hellen Klanges und seiner feinen Legirung willen ebenso viel
+gelten zu lassen, wie Unsereinen.«</p>
+
+<p>»Von Meinesgleichen werde ich höher gehalten,« wagte der Dukaten
+einzuwenden, und sogleich brachen die neuen, blanken Kreuzer, die
+schon über den Vorschlag der alten gemurrt hatten, in einen Sturm des
+Unwillens aus.</p>
+
+<p>»Was geht uns an, wie Deinesgleichen Dich schätzen,« riefen sie. »Im
+Kupferlande gilt das Gold ein für allemal — nichts.«</p>
+
+<p>Das wurde zum Gesetz erhoben.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page141 -->
+ <h3 id="Geschieden">
+ Geschieden.
+ </h3>
+
+<p>Der Glauben und die Liebe waren einst ein Paar und führten die
+glücklichste Ehe. Eines Tages sprach der Glauben: »Ich muß wandern, ich
+muß mich über die Erde verbreiten,« und die Liebe bat: »Nimm mich mit.«
+Er aber erwiderte: »Das kann nicht sein. Ohne Dich bin ich stärker;
+<span class="gesperrt">allein</span> ist der Held.«</p>
+
+<p>Er ging und verirrte sich unterweges in Nacht und Finsterniß, und
+als er heimkam, erkannte die Liebe ihn kaum wieder, so sehr hatte
+er sich verändert — auch gegen sie. Sie hatte ihre Macht über ihn
+verloren.</p>
+
+<p>Seitdem wendet er sich gar oft von ihr ab. Finden sie sich flüchtig
+zusammen, geschieht es nur, um sich bald wieder zu trennen.</p>
+
+<p>Ihr Bund war Segen, ihre Uneinigkeit ist Fluch, und die
+Menschenkinder fühlen ihn schwer.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page142 -->
+ <h3 id="Lob">
+ Des kleinen Lob.
+ </h3>
+
+<p>Einige Künstler und Kunstfreunde standen vor dem Moses des Michel
+Angelo. Die Einen liehen ihrer Begeisterung Worte, die Andern schwiegen
+von Ehrfurcht übermannt. Es war auch ein Drechsler aus der Vorstadt da,
+der blinzelte zu dem mächtigen Bildwerk empor, musterte es eine Weile
+und sprach dann mit Gönnermiene: »Recht nett!«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page143 -->
+ <h3 id="Besessen">
+ Besessen.
+ </h3>
+
+<p>Ein Jüngling hatte ein schönes, treues Liebchen, strebte aber der
+Gunst einer Göttin nach. Diese wies ihn ab und sagte:</p>
+
+<p>»Wie kannst Du glauben, daß ich mich einem Menschen huldreich
+erweisen werde, dessen Herz ich theilen müßte mit einem irdischen
+Weibe?«</p>
+
+<p>Da verstieß er seine Geliebte, rief die Göttin wieder an und fragte:
+»Wirst Du mich belohnen für das Opfer, das ich Dir gebracht habe?«</p>
+
+<p>»Schon deshalb nicht, weil Du Lohn erwartest,« erwiderte sie. »Ein
+Recht auf mich läßt sich nie und durch nichts erwerben.«</p>
+
+<p>»Ich spreche auch nicht von Recht,« versetzte der Jüngling, »ich
+flehe um Deine Gnade.«</p>
+
+<p>Die Göttin ließ ihr heiteres Lachen erschallen: »Behilf Dich
+einstweilen ohne sie. Du hast genug andere Güter; Du hast theure
+Eltern, Geschwister, Freunde, ein schmuckes Heim, Reichthum, Jugend,
+Gesundheit.«</p>
+
+<p>Nun verschenkte er Alles, was er besaß, nahm auf Nimmerwiedersehen
+Abschied von den Seinen und folgte der Göttin nach — aus weiter, weiter
+Entfernung.</p>
+
+<p><!-- page144 -->Weil er nichts Anderes mehr zu opfern hatte, opferte
+er ihr den Schlaf seiner Nächte und das Roth seiner Wangen, wachte und
+sang vor den Altären der Unsterblichen, verkündete ihren Ruhm und rief
+die Welt zum Zeugen seiner Anbetung und seiner ringenden Qual.</p>
+
+<p>Aber seine Lobpreisungen und seine Klagen blieben ohne Widerhall,
+denn die Göttin hatte die Lippen, denen sie entströmten, nicht geküßt.
+Das Alter kam, zehrte an seiner Kraft, bleichte ihm die Locken, seine
+Sehnsucht blieb jung und heiß, und sie, deren Schrei die Ruhe des
+Himmels stört, zwang die Unsterbliche einmal wieder zu ihrem treuesten
+Diener herab.</p>
+
+<p>Er warf sich ihr zu Füßen und flehte:</p>
+
+<p>»<span class="gesperrt">Einen</span> freundlichen Blick gewähre mir,
+<span class="gesperrt">ein</span> holdes Lächeln, damit mein Leben
+nicht ganz verloren sei!«</p>
+
+<p>»Wenn verloren, ist's meine Schuld?« fragte sie. »Warum wandelst Du
+auf meinen Spuren? — Wann rief ich Dich? — Laß ab von meinem Dienste,
+unberufener Knecht!«</p>
+
+<p>Zürnend schritt sie hinweg, und er stand auf und folgte ihr.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page145 -->
+ <h3 id="DieNachbarn">
+ Die Nachbarn.
+ </h3>
+
+<p>Der Blonde und der Braune waren Nachbarn; Jeder von ihnen stand an
+der Spitze eines gutmüthigen Hirtenvolkes. Sie tauschten nach Bedarf
+die Producte ihrer Ländereien und blieben einander stets hülfreich in
+Noth und Gefahr.</p>
+
+<p>Niemand hätte bestimmen können, welchem von Beiden ihr Bündniß mehr
+Nutzen brachte.</p>
+
+<p>Eines Tages, im Herbste, begab es sich, daß ein heftiger Sturm
+großen Schaden anrichtete im Walde des Braunen. Viele junge Bäume
+wurden entwurzelt oder gebrochen, viele alte Bäume verloren mächtige
+Aeste.</p>
+
+<p>Der Herr rief seine Knechte; sie sammelten die dürren Reiser und
+schichteten sie in Bündel.</p>
+
+<p>Aus dem frischen Holze aber wurden Stöcke zugehauen. Im Frühjahr
+sollten sie verwendet werden zu einem neuen Zaune für den Hühnerhof der
+braunen Herrin.</p>
+
+<p>Nun wollte der Zufall, daß ein Diener des Blonden die Stöcke in
+die Scheune bringen sah. Ihre Anzahl schien seinen etwas blöden Augen
+ungeheuer. Von Angst ergriffen lief er heim und sprach zu seinem
+Gebieter: <!-- page146 --> »Ein Verräther will ich sein, wenn der
+Nachbar nicht Böses wider uns im Schilde führt!«</p>
+
+<p>Er und andere ängstliche Leute, — es waren auch Weise darunter, —
+schürten so lange das Mißtrauen, das sie ihrem Herrn gegen den Freund
+eingeflößt hatten, bis jener sich entschloß, zu rüsten gegen die
+vermeintlich Gerüsteten.</p>
+
+<p>Eine Scheune voll von Stöcken hatte der Braune; der Blonde wollte
+drei Scheunen voll von Stöcken haben.</p>
+
+<p>Holzknechte wurden in den Wald geschickt. Was lag ihnen an seiner
+hohen Cultur? Ihnen that es nicht leid, einen jungen Baum zu fällen,
+ihm die aufstrebende Krone abzuhauen und die lichtsuchenden Aeste und
+die Zweige mit den athmenden Blättern.</p>
+
+<p>Nach kurzer Zeit war der Wald verwüstet, aber der Blonde hatte viele
+tausend Stöcke.</p>
+
+<p>Wie es ihm ergangen war, erging es nun seinem ehemaligen Freunde.
+Die Klugen und die Thörichten, die Verwegenen und die Zaghaften im
+Lande, Alle schrieen: »Es ist Deine Pflicht, Herr, dafür zu sorgen, daß
+uns der Tag des Kampfes reich an Stöcken finde!«</p>
+
+<p>Und der Braune und der Blonde überboten einander in der Anschaffung
+von Vertheidigungsmitteln, und bedachten nicht, daß sie endlich nichts
+mehr zu vertheidigen hatten, als Armuth und Elend. Weit und breit war
+kein Baum zu erblicken, die Felder waren unbebaut; nicht Pflug noch
+Egge, noch Spaten gab es mehr: Alles war in Stöcke verwandelt.</p>
+
+<p><!-- page147 -->Es kam so weit, daß die größte Menge des Volkes zu
+Gott betete: »Laß den Kampf ausbrechen, laß den Feind über uns kommen;
+wir würden leichter zu Grunde gehen unter seinen Stöcken, als unter den
+Qualen des Hungers!« —</p>
+
+<p>Der Blonde und der Braune waren alt und müde geworden, und auch
+sie sehnten sich im Stillen nach dem Tode. Ihre Freude am Leben und
+Herrschen war abgestorben mit dem Glücke ihrer Unterthanen.</p>
+
+<p>Und einmal wieder trieb der Zufall sein Spiel.</p>
+
+<p>Die beiden Nachbarn stiegen zugleich auf einen Berg, der die Grenze
+zwischen ihren Besitzungen bildete.</p>
+
+<p>Jeder von ihnen dachte: Ich will mein armes, verwüstetes Reich noch
+einmal überschauen.</p>
+
+<p>Sie kletterten mühsam empor, kamen zugleich auf dem Grate des Berges
+an, standen plötzlich einander gegenüber und taumelten zurück ... Aber
+nur einen Augenblick. Ihre abwehrend ausgestreckten Hände sanken herab
+und ließen die Stöcke fallen, auf welche sie sich gestützt hatten.</p>
+
+<p>Die ein halbes Jahrhundert in Haß verkehrte Liebe trat in ihr altes
+Recht. Mit schmerzvoller Rührung betrachtete der Freund den Freund aus
+halb erloschenen Augen. Nicht mehr der Blonde, nicht mehr der Braune!
+Wie aus einem Munde riefen sie: »O, Du Weißer!« und lagen Brust an
+Brust.</p>
+
+<p>Wer zuerst die Arme ausgebreitet, wußten sie ebenso wenig, als sie
+sich besinnen konnten, wer dereinst die ersten <!-- page148 --> Stöcke
+aufgestellt wider den Anderen. Sie begriffen nicht, wie das Mißtrauen
+hatte entstehen können, dem Alles zum Opfer gefallen war, was ihr
+Dasein, und das der Ihren lebenswerth gemacht hatte.</p>
+
+<p>Eines nur stand ihnen fest: die niederdrückende Ueberzeugung, daß
+nichts auf Erden ihnen ersetzen konnte, was die Furcht vor dem Verlust
+ihrer Erdengüter ihnen geraubt hatte.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page149 -->
+ <h3 id="Feind">
+ Der gute Feind.
+ </h3>
+
+<p>Der verkörperte Tadel — übrigens ein ehrlicher Bursche — begegnete
+einem jungen Poeten, erhob sofort seinen Knüttel und bläute den
+ahnungslos Dahinschreitenden tüchtig durch. Wenn aber der Tadel nichts
+weniger als ein Höfling war, so war der Poet nichts weniger als ein
+Weichling. — Jetzt weiß ich, dachte er, wo ich zu treffen bin, und will
+mir die Lehre zu Nutze machen.</p>
+
+<p>Er kühlte seine brennenden Striemen an der nächsten frischen Quelle
+und schritt unverdrossen weiter.</p>
+
+<p>Nach langer Zeit stieß er einmal auf das verkörperte Lob. Das hatte
+leider seinen unentbehrlichen Halt, den Tact, zu Hause gelassen und
+ergoß sich so lawinenartig über den Dichter, daß er sein Gleichgewicht
+verlor. Nicht genug. Immer in der besten Absicht, und beeifert, der
+Welt zu zeigen, mit welcher Berechtigung sein Hymnus ertöne, nahm das
+Lob ein Secirmesser und öffnete dem Poeten das Herz.</p>
+
+<p>Der Sterbende aber rief: — »O Tadel, mein guter Feind, singe Du
+meinen Grabgesang!«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page150 -->
+ <h3 id="Vorschule">
+ Ohne Vorschule.
+ </h3>
+
+<p>Ein Töpfer hatte zwei faule Söhne, die das väterliche Handwerk
+durchaus nicht erlernen wollten. Sein Nachbar, ein Schuster, dem er
+sein Leid klagte, tröstete ihn: »— Schickt sie mir. Vielleicht haben
+sie zu meinem Handwerk mehr Lust als zu dem Euren.«</p>
+
+<p>Der Töpfer folgte diesem Rathe; aber seine faulen Söhne sträubten
+sich auch gegen den Unterricht, den sie beim Schuster und ebenso bei
+einem Sattler, einem Schneider, einem Schlosser, einem Glaser nehmen
+sollten, zu denen sie nach und nach in die Lehre kamen. Sie hielten
+es nirgends aus; sie blieben dabei, wir wollen keinen anderen Beruf
+ergreifen, als einen, zu dem man nichts zu lernen braucht.</p>
+
+<p>Endlich sagte der Vater in seiner Verzweiflung: »Auf dem Dorfe finde
+ich nimmermehr, was ihnen paßt, ich will mich in der Stadt umsehen.«</p>
+
+<p>Er ging mit seinen beiden Söhnen und kam bald darauf allein
+zurück.</p>
+
+<p>»Habt Ihr sie untergebracht?« fragten die Nachbarn, und er
+antwortete: »Ja wohl.« — »Und in welcher Art? Was ist das für ein
+Beruf, zu dem man nichts zu lernen <!-- page151 --> braucht? Doch
+wenigstens einer, der Euch ein großes Anlagecapital wird gekostet
+haben?«</p>
+
+<p>»Je nun,« erwiderte der Töpfer, »meinem Peter habe im Papier,
+Federn und Tinte kaufen, und meinem Paul einen schwarzen Anzug machen
+lassen müssen. Der Peter ist nämlich Schriftsteller, und der Paul
+Landtags-Abgeordneter geworden.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page152 -->
+ <h3 id="Palemon">
+ Palemon.
+ </h3>
+
+<p>Palemon, der Maler, hatte ein Bild vollendet, welches er »Die
+Königin des Orients« nannte.</p>
+
+<p>Es stellte Zenobia dar, wie sie, umringt von ihren Feldherren,
+Magiern, Wahrsagern, Künstlern und Gelehrten, die Huldigung der ihr
+unterworfenen Völker empfing. Das Gemälde erweckte Entzücken bei Laien
+und bei Kennern. Die letzteren lobten besonders die Charakteristik.</p>
+
+<p>»Wenn man,« sagten sie, »die ganzen Figuren sammt Gewändern und
+Kopfschmuck verdecken, und nur die Gesichter unverhüllt lassen würde,
+jeder Kenner der ruhmvollen Vergangenheit unseres Vaterlandes müßte
+ausrufen: Diese ehernen Züge können nur die des Kriegshauptmanns Phuhl,
+und Jener kann nur Kalassar der Fürst sein, von dessen Thaten unsere
+Geschichte erzählt, und Dieser Divonibar, der unfehlbare Magier. Und
+dort — o, das ist sie, Zenobia die Große, die Einzige, deren Anblick
+uns auf die Kniee niederzwingt. An den Stufen ihres Thrones steht
+Longinus, der Rhetor. Seht um seine Lippen den Genius der Beredtsamkeit
+schweben!«</p>
+
+<p><!-- page153 -->Palemon lächelte zu diesem Lobe: »Wäret Ihr doch
+in meine Werkstatt gekommen und hättet meine Modelle gesehen,« sprach
+er. »Wisset, jener Kopf, von dem Ihr meint, er müsse der des berühmten
+Redners sein, ist der Kopf meines stummen Pferdelenkers; zum Vorbilde
+der keuschen Zenobia, vor der Ihr in Anbetung versinkt, hat mir die
+Tänzerin Myra gedient; zu dem des Magiers ...«</p>
+
+<p>Die Kritiker fielen ihm ins Wort: »Um so höher preisen wir Dich, Du
+Maler des Unsichtbaren. Zweiter Prometheus, der die Gebilde seiner Hand
+zu beseelen versteht mit Funken himmlischen Feuers. Seht sie leuchten
+aus der niederen irdischen Form! Seht auf vergänglichen Stirnen
+unsterbliche Schönheit thronen. Aus den Augen einer Hetäre grüßt uns
+der Geist der großen reinen Zenobia, der Mund eines stummen Knechtes
+spricht Worte des Lebens.«</p>
+
+<p>Ein fremder Kunsthistoriker, der von weither gekommen war, um
+das Bild Palemons zu sehen, erhob seine Stimme: »Thoren, veraltete
+Schwärmer!« rief er, »wo bleibt bei dieser Auffassung die Wirklichkeit,
+die Natur? Glaubt nur: Der Maler, unter dessen Pinsel eine Zenobia zur
+Hetäre und ein feiner Denker zum rohen Tölpel wird, steht der Wahrheit
+näher als Ihr.«</p>
+
+<p>Die einheimischen Kritiker wollten den Fremden sofort steinigen;
+aber Palemon hielt sie davon ab:</p>
+
+<p>»Das wäre das Rechte — todtmachen, den man nicht widerlegen kann.
+Nicht <span class="gesperrt">kann</span>!« donnerte er die <!--
+page154 --> Einwendungen seiner Anhänger nieder, »es sei denn, Ihr
+wüßtet, was vorherrscht auf Erden: Licht oder Schatten, Blüthe oder
+Fäulniß, das Gute oder das Böse. Aber Ihr und der und ich, wir wissen
+es nicht, wir glauben nur, und die Jünger dieses Fremden thun wie die
+meinen: sie schaffen im Sinne ihres Glaubens. Ihr großer Irrthum jedoch
+ist, daß sie sich für die einzigen Vertreter der Wahrheit in der Kunst
+halten, weil sie malen und bilden, was Jeder, auch der Gemeinste,
+sieht. Ich erhebe denselben Anspruch auf treue Wiedergabe der Natur,
+wie sie, wenn es mir gelingt, überzeugend darzustellen, was ich allein
+gesehen habe: einen edlen Zug im Angesicht der Verworfenen, einen Blitz
+des Geistes im Auge des Einfältigen. Unsere alte und das, was sie die
+neue Kunst nennen, können übrigens nebeneinander bestehen und sind, wie
+mich dünkt, Schwingungen desselben Pendels.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page155 -->
+ <h3 id="DasBeste">
+ Das Beste.
+ </h3>
+
+<p>Zu dem Erdgeist Gaeus war das Mondwesen Elanuh zu Besuch gekommen.
+Sie flogen zusammen durch die herrlichsten Gegenden der Erde, und
+Elanuh, entzückt von dem Anblick der Wiesen, der Wälder, der Flüsse und
+Seen, rief aus: »Sie haben einen schönen Wohnplatz, die Menschen, es
+muß sich gut auf ihm leben lassen.«</p>
+
+<p>»Ja wohl,« erwiderte der Erdgeist mit Stolz, »besonders dann, wenn
+sie, die athmen in dieser reichen Natur, mit ihrer höchsten Kraft
+begnadet und fähig sind, das Beste, das es giebt, zu empfinden.«</p>
+
+<p>»Was ist das Beste?« fragte Elanuh.</p>
+
+<p>»Die Liebe,« entgegnete der Erdgeist.</p>
+
+<p>Während ihres Gespräches schwebten sie über den Dächern einer großen
+Stadt. Auf einem Hügel, das Häusermeer beherrschend, erhob sich ein
+fürstlicher Palast, von einem goldenen Gitter umgeben. Elanuh flog
+hinüber, ließ sich an eines der Fenster gleiten und guckte voll Neugier
+in ein prunkhaft eingerichtetes Schlafgemach.</p>
+
+<p>Da sah er ein Weib auf dem Boden liegen, ein reizvolles Weib, in
+der Fülle des Lebens. Sie raufte <!-- page156 --> ihr Haar und rang
+verzweiflungsvoll die Hände vor einem Christusbilde an der Wand, und
+betete:</p>
+
+<p>»Gieb es nicht zu, o Herr! Errette mich! Laß mich nicht unterliegen
+in Schmach. Nimm mich zu Dir, eh' ich verderbe! .... Denn ich verderbe,
+Herr — ich bin verloren. Ich war eine treue Frau, eine gute Mutter, und
+bin nun verloren. — Herr! Herr! ... Der Du für uns geblutet hast, sieh
+meinen Undank ... Laß Deine Blitze auf mich niedersinken — ich frevle,
+indem ich zu Dir bete, denn während des Gebets denk' ich nur Sünde. ...
+Tödte mich, retten kannst Du mich nicht mehr!«</p>
+
+<p>Sie zerriß ihre prächtigen Gewänder und raste in Verzweiflung gegen
+sich selbst.</p>
+
+<p>Elanuh wandte sich ab und sprach zu Gaeus: »Die Unselige ringt
+wie in den Krallen eines wilden Thieres. Was ist die Ursache ihrer
+Leiden?«</p>
+
+<p>Gaeus, etwas verlegen, antwortete: »Die Liebe.«</p>
+
+<p>Er flog weiter mit seinem Gaste, bis dieser vor einer Dachkammer
+Halt machte, die, trotz der vorgerückten Nachtstunde, noch erleuchtet
+war. Wieder sah er durch das Fenster und überblickte einen kleinen
+Raum, eine Stätte der Armuth. Auf einem Bänkchen, an der Wand, saß
+ein greises Ehepaar Schulter an Schulter, und Elanuh hörte die Alten
+jammern und wehklagen.</p>
+
+<p>»Sie hat uns verlassen, sie hat uns dem Elend preisgegeben. Was
+bleibt uns noch übrig, als zu sterben, da sie fort ist, unsere
+Erhalterin, unsere Trösterin, unsere Einzige!«</p>
+
+<p><!-- page157 -->»Fluch ihm, der unser Kind verleitet hat,« sprach
+der Greis, und hob die geballte, zitternde Faust gen Himmel. — Und
+die Greisin, mit dem Aufblitzen des Wahnsinns in ihren trüben Augen,
+wiederholte: »Fluch ihm!«</p>
+
+<p>»Komm näher Gaeus,« sprach Elanuh, — »sieh diese Armen, und sage
+mir, welche Macht konnte eine gute Tochter bewegen, ihre Eltern, die
+hülflosen, — die sterbenden, in solchem Elend zurückzulassen?«</p>
+
+<p>Gaeus senkte das Haupt und murmelte: »Die Liebe.«</p>
+
+<p>Abermals nahmen sie ihren Flug, und plötzlich schoß Elanuh aus
+seiner Höhe zu einem kleinen, ebenerdigen Hause herab. Er schmiegte
+sich an das Fenster einer einfachen, weiß getünchten Stube, und
+erblickte ein liebliches Mädchen, das halb ausgekleidet an ihrem Bette
+lehnte. Mit dem Ausdruck der Todesangst ruhten ihre Augen auf einem
+jungen Manne, der vor ihr stand, verstört und bleich.</p>
+
+<p>»Geh,« beschwor sie ihn — »der Vater erwacht. — Geh — was willst Du
+von mir?«</p>
+
+<p>»Dich fragen: Ist morgen Deine Hochzeit?«</p>
+
+<p>Sie brach in Thränen aus: »Quäle mich nicht — frage nicht, was Du
+weißt.«</p>
+
+<p>»So <span class="gesperrt">ist</span> Deine Hochzeit?« sprach er
+knirschend.</p>
+
+<p>Das Mädchen schluchzte: »Du weißt es ja, und wem mein Herz gehört,
+das weißt Du auch.«</p>
+
+<p>Wild und glühend sah er sie an: »Wenn Du nicht <!-- page158 -->
+lügst, einen Kuß denn! — den ersten, den letzten: Ich will's!«</p>
+
+<p>Verstohlen zog er mit der Rechten ein Messer hervor, riß mit dem
+linken Arme die Widerstrebende an sich, küßte sie und stieß ihr den
+Stahl in die Brust.</p>
+
+<p>»Alle guten Geister! ... Was hat diesen Mann zum Mörder gemacht?«
+fragte Elanuh.</p>
+
+<p>Gaeus verhüllte sein Antlitz und antwortete: »Die Liebe.«</p>
+
+<p>»Und das ist das Beste, was es auf Erden giebt?« rief sein
+Gastfreund entsetzt. »Der gnädige Schöpfer steh' mir bei. Ich wünsche
+nichts mehr von Eurem Besten zu sehen. Lebe wohl.«</p>
+
+<p>»Verweile,« bat Gaeus. »Ein unglücklicher Zufall hat uns geführt.
+Ich zeige Dir andere Bilder.«</p>
+
+<p>»Sei bedankt, Du vermagst mir keine zu zeigen, welche mich diese
+vergessen machen könnten.«</p>
+
+<p>Und ehe Gaeus ihn zurückhalten konnte, war Elanuh entflohen nach
+seiner kühlen Heimath.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page159 -->
+ <h3 id="Gluecklicher">
+ Ein Glücklicher.
+ </h3>
+
+<p>In einer armseligen Hütte kam ein Knäblein zur Welt. Blaß und
+schmächtig lag es in den Armen seiner Mutter. Diese fühlte sich sterben
+und jammerte: »Was wird aus meinem hülflosen Kinde werden?«</p>
+
+<p>Da trat ein Engel an ihr Lager: — »Ein Glücklicher!« sprach er, die
+Hand auf das Haupt des Neugeborenen legend.</p>
+
+<p>»Willst Du ihn groß und geehrt machen?« rief die Mutter
+aufleuchtenden Blickes. »Willst Du ihn schmücken mit Schönheit ohne
+Makel, mit Weisheit ohne Fehl? Willst Du ihm den Genuß der Reichthümer
+dieser Erde schenken, ungetrübt durch die Angriffe der Mißgunst und des
+Neides?«</p>
+
+<p>Der Engel erwiderte: »Das kann ich nicht; dem Loos der Sterblichen
+kann ich ihn nicht entziehen; wie alle seine Brüder muß er beides
+erfahren — Gutes und Böses. Aber einen Segen sprech' ich über ihn bei
+seinem Eintritt ins Leben. Er soll kein blind vertrauender Thor, und
+dennoch ohne Gedächtniß für das Böse sein, das die <!-- page160 -->
+Menschen ihm anthun werden. Die Erinnerung an das Gute jedoch, das er
+sie vollbringen sehen und selbst durch sie genießen wird, soll sich
+unauslöschlich in seine Seele prägen. Stirb in Frieden, Du hast einen
+Glücklichen geboren.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page161 -->
+ <h3 id="DerGottesleugner">
+ Der Gottesleugner.
+ </h3>
+
+<p>Ein Gottesleugner starb. Drüben im Jenseits traf er zu seiner
+entsetzensvollen Ueberraschung Den, dessen Spur ihm auf Erden unfindbar
+gewesen, den Schöpfer, den Erhalter, den Urquell alles Lebens.</p>
+
+<p>Da warf er sich auf sein Angesicht nieder und rief: »O Herr, Du
+bist, und ich blinder Wurm habe Dein Dasein verneint. Nun richte und
+verdamme mich!«</p>
+
+<p>Aber unendlich mild und gnädig neigte sich ihm der Herr. »Sei
+getrost,« sprach er. »Du hast Deinen Nächsten geliebt und ihn gelten
+lassen; Du hast Deine eigene Ueberzeugung nicht für die allein richtige
+gehalten und die nicht gehaßt, verachtet, verleumdet, die sie nicht
+theilten. Ob ein armes Menschlein wie Du an mich glaubt oder nicht,
+trübt das meines Namens Glanz? erfülle ich darum weniger das All? — Die
+aber, die ohne Güte und Duldung sind, denen die Liebe fehlt, und die
+sich doch berühmen, in meinem Dienst und zu meiner Ehre zu handeln, die
+freveln, die versündigen sich an meiner Majestät, sie werde ich zur
+Rechenschaft ziehen. Dich, Du harmloser Thor, nehme ich auf in mein
+Himmelreich.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page162 -->
+ <h3 id="DieVervehmte">
+ Die Vervehmte.
+ </h3>
+
+<p>Wenn die Freuden Versammlung halten, findet so mancher verlotterte
+Gesell sich ein. Die hohen, die reinen gehen an ihm vorbei, zürnend,
+gleichgültig, wohl auch mit einem mitleidigen Lächeln.</p>
+
+<p>Eine Freude nur wird immer hinausgeworfen, weil sie gar so gemein
+ist — die Schadenfreude.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page163 -->
+ <h3 id="DieAnhaenger">
+ Die Anhänger.
+ </h3>
+
+<p>Ein Schneckenmännchen, voll von Ehrgeiz und großen Ideen, —
+mit gutem Recht der Stolz seiner Nation, — unternahm es, an einer
+hochpolirten, steinernen Gartenbank emporzuklimmen. Dort oben, meinte
+er, müsse ein weiter Ausblick und eine ganz neue Weltanschauung zu
+gewinnen sein.</p>
+
+<p>Nach langem mühe- und gefahrvollen Ringen gelang es ihm endlich, die
+Kante der Banklehne zu erreichen.</p>
+
+<p>Behaglich sah er sich um und dachte: Am Ziele seiner Wünsche zu
+stehen, ist doch wunderschön; es giebt der Schnecke ein äußerst
+wohlthuendes Selbstbewußtsein. Uebrigens habe ich mich umsonst geplagt,
+denn die Welt nimmt sich von dieser hohen Warte nicht anders aus, als
+von meiner alten Wohnung im Felsenspalt.</p>
+
+<p>Das sagte er auch seinen zahlreichen Anhängern, die sich ringsum
+im Grase versammelt hatten, um ihn zu bewundern. Aber sie erwiderten:
+»Verzeih', das können wir nicht glauben. Dein Haus badet im Azur, Deine
+Hörner reichen ans Himmelsgewölbe. Bei Tag kannst Du schwelgen in
+Sonnennähe, bei Nacht Fangball spielen mit den Sternen. O, Du Großer,
+sei auch großmüthig, <!-- page164 --> gönne Deinen treuen Anhängern
+Antheil an Deinem Glücke! Hilf Deinem Nebenthier, hilf ihm zu Dir
+hinauf!«</p>
+
+<p>Immer hartnäckiger bestürmten sie ihn, und begannen schon, ihm
+von allen Seiten nachzukriechen. Da er einsah, daß sie Vernunft
+nicht annehmen wollten oder vielleicht nicht — konnten, wohl auch
+geschmeichelt durch ihr Vertrauen, that er, was sie verlangten. Er kam
+den Tollkühnen entgegen, beschützte die Zagenden, bugsirte den, schob
+jenen vorwärts ... Alles vergeblich. Die Schnecken waren ungeschickt,
+und als sich zuletzt gar zu viele von ihnen auf einmal an den Herrn
+Patron ankletteten, verließ ihn die Kraft, und er plumpste sammt seinen
+Clienten auf die Erde nieder.</p>
+
+<p>Da schämte und grämte er sich sehr und verlor seinen ganzen Anhang.
+Alle seine ehemaligen Verehrer aber erklärten einstimmig: Die Leute an
+sich reißen und sie dann ohne Weiteres fallen lassen, ist doch gar zu
+schnöde!</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page165 -->
+ <h3 id="DieAusgestossenen">
+ Die Ausgestoßenen.
+ </h3>
+
+<p>Eine Köchin wollte Vanille kaufen und trat in einen Laden, den sie
+seiner Ausstattung nach für einen Gewürzkram hielt. Die Wände waren
+bis zur Decke hinauf mit Schränken verkleidet, und jeder Schrank
+hatte Abtheilungen und Unterabtheilungen, und diese wieder hatten
+Fächer und Fächerchen, Laden und Lädchen, und bis zur kleinsten waren
+alle etiquettirt und numerirt. In der Mitte des Saales befand sich
+ein Tisch, an dem viele bebrillte Herren von ernstem und gelehrtem
+Aussehen saßen. Sie beschäftigten sich damit, Püppchen anzufertigen
+nach Vorlagen der Bilder berühmter, bekannter, halbbekannter oder auch
+vergessener Dichter und Schriftsteller.</p>
+
+<p>Wenn die Püppchen vollendet waren, verglich Jeder die seinen
+mit denen der Anderen, und nun begannen Verhandlungen über die
+Aehnlichkeiten und Unähnlichkeiten dieser Nachbildungen und über den
+Platz, der ihnen anzuweisen sei. Jeder einzelnen wurden Buchstaben und
+Nummern auf den Rücken gemalt, und die Sortirung begann, und jedes
+Püppchen wurde in das ihm zukommende Fach gethan.</p>
+
+<p>— Man erlebt doch alle Tage etwas Neues an Ausstattung <!-- page166
+--> der Waare, dachte die Köchin und wollte schon eine Stange Vanille
+im Goethe-Kostüm verlangen, als die Gesichter der Herren am Tische sich
+beängstigend verdüsterten.</p>
+
+<p>»Wir müssen endlich zum Beschluß über die Gefangenen kommen,«
+sagten sie, und winkten einem Saaldiener, der eine Hühnersteige
+vor sie hinstellte, in welcher sich ein halbes Dutzend lebendiger
+Gestalten, Männlein und Weiblein, befand. Sie trugen theils ländliche,
+theils städtische Tracht und verbreiteten einen frischen Harz- und
+Erdgeruch, der den Herren so unangenehm war, daß sie sich die Nasen
+zuhielten. Dann entnahmen sie dem Käfig eines der zierlichen Wesen
+nach dem anderen. Ein Messen begann, ein Wägen, ein Versuchen, sie
+unterzubringen in das richtige Behältniß.</p>
+
+<p>Aber sie paßten nirgends hin; Fächer und Lädchen, so viele ihrer
+waren, erwiesen sich als zu groß oder zu klein, als zu breit oder zu
+schmal für die eigenthümlichen Erscheinungen. Die Herren waren rathlos
+und fragten: »Was soll man anfangen mit solchen Mißgebilden, die sich
+in gar keine Kategorie eintheilen lassen?«</p>
+
+<p>Da trat die Köchin vor, stellte ihren Korb auf den Tisch und sprach:
+»Gebt sie mir da herein, ich bringe sie meinen Kindern zum Spielen
+mit.« Gern wurde ihr willfahrt; auf ihre Bemerkung jedoch, sie glaube
+einen Gewürzladen betreten zu haben, mit Strenge geantwortet: »Würzig
+sei hier nichts, und sie befände sich in einem Taxirungs-Bureau.«</p>
+
+<p><!-- page167 -->Sogleich sagte sie, daß sie nicht länger stören
+wolle, und ging hinweg. In ihrem Korbe aber erhob sich plötzlich ein
+wunderlieblicher Gesang. Von selbst öffnete sich der Deckel, und die
+Gestalten schwebten heraus. Sie hatten Flügel bekommen, wuchsen und
+wuchsen in der frischen Luft und schwirrten umher wie Lerchen. Ihre
+Lieder weckten ein Echo in den nahen Bergen.</p>
+
+<p>Die Köchin glaubte sie für immer entschwunden, fand aber ihre
+Gesänge wieder auf den Lippen der Kinder, in den Herzen der Menschen
+und in ihrer eigenen Brust.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page168 -->
+ <h3 id="DerVerwoehnte">
+ Der Verwöhnte.
+ </h3>
+
+<p>Die Göttin des Glückes verließ einen ihrer Lieblinge. Weil sie ihm
+aber noch im Scheiden einen Rest von Huld bewahrte, sprach sie zu ihm:
+»Einen Schein von mir sollst Du behalten. Er sichert Dir bis an Dein
+Ende Einfluß, Macht, die Gunst und das Vertrauen der Menschen.«</p>
+
+<p>Dabei nahm sie einen Strahl aus ihrem Sonnendiadem und warf ihn dem
+einst Geliebten zu.</p>
+
+<p>Er wich aus.</p>
+
+<p>»Was thust Du?« fragte die Göttin; »ein Schein von Glück gilt auch
+für Glück.«</p>
+
+<p>»Dem nicht, der Dich ganz besessen hat«, sprach er, und wandte sich
+ab. »Elend sein und glücklich scheinen, ist die größte Qual.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page169 -->
+ <h3 id="Propheten-Loos">
+ Propheten-Loos.
+ </h3>
+
+<p>Ein Prophet, eine Leuchte der Welt, war fern von seiner Heimath
+hochbetagt gestorben. Tausende hatten ihm das letzte Geleite gegeben
+und sich dann zerstreut. Seine Jünger jedoch blieben trauernd an seinem
+Grabe stehen, und Einer von ihnen sprach:</p>
+
+<p>»Wie gern wüßte ich, ob sich auch an diesem Großen, diesem Weisen
+und Guten, an diesem Wohlthäter der Menschheit das gewöhnliche
+Propheten-Loos erfüllt! Wie gern wüßte ich, ob auch er daheim nichts
+gegolten hat!«</p>
+
+<p>»Ueberzeugen wir uns davon an Ort und Stelle,« versetzte ein
+Zweiter. »Ich sehne mich sehr, die heilige Stätte kennen zu lernen, an
+welcher er geboren ward und seine besten Mannesjahre verlebt hat.«</p>
+
+<p>Die Beiden traten die Wanderung an, und feierliche Wehmuth ergriff
+ihre Herzen, als sie in der Nähe ihres Reisezieles anlangten, eines
+hübschen Städtchens, das zwischen grünen Hügeln und wohlbebauten
+Feldern dalag und in der Morgensonne schimmerte.</p>
+
+<p>Die Jünglinge begaben sich nach dem Martktplatze, wo das Rathhaus
+stand, und wollten eben an die Thür pochen, als sie sich öffnete und
+der Bürgermeister, begleitet <!-- page170 --> von einem Dutzend
+Räthen, heraustrat. Er ließ einen flüchtigen Blick über die Fremden
+gleiten und schien unangenehm verwundert, als diese es wagten, ihn ohne
+weiters anzureden.</p>
+
+<p>Mit halbem Ohre hörte er ihre Mittheilung an, daß sie die
+Ueberbringer einer erschütternden Botschaft seien, sagte: »Bedaure,
+bedaure,« und wollte vorübergehen. Aber einer der Jünglinge hielt ihn
+am Aermel fest, und der andere sagte:</p>
+
+<p>»Der größte Mann, den Eure Stadt je hervorgebracht hat, ist in
+unserer Weltstadt verschieden.«</p>
+
+<p>Bei diesen Worten verbreitete sich ein patziges Lächeln über die
+Züge des Bürgermeisters und über die aller seiner Beamten. Dreizehn
+Gesichter nahmen plötzlich denselben Ausdruck an, in dreizehn Köpfen
+stieg ein und derselbe Gedanke auf: Der größte Mann ist nicht
+gestorben, denn ich lebe!</p>
+
+<p>Nun riefen die Jünglinge der stumpfen Gilde den Namen des Verehrten
+zu; er brachte nicht den geringsten Eindruck hervor. Die Räthe zuckten
+die Achseln, und der Bürgermeister sprach:</p>
+
+<p>»Von seiner Berühmtheit ist hier nichts bekannt. Uebrigens, seht die
+alte Frau, die daher kommt, die gehört zu seiner Familie, die wird Euch
+bessere Auskunft über ihn geben können als wir. Sprecht aber laut, denn
+sie ist halb taub.«</p>
+
+<p>Voll Ehrfurcht gingen die Jünglinge der Greisin entgegen, die eines
+Blutes mit dem geliebten Meister <!-- page171 --> war, meldeten ihr in
+schonender Weise seinen Tod und beklagten, daß er in seiner Vaterstadt
+nichts gegolten habe.</p>
+
+<p>»Nichts gegolten?« wiederholte die Alte, die von der ganzen Rede
+nur die letzten Worte und den Namen des Verewigten verstanden hatte.
+Und sehr geschmeichelt durch die Aufmerksamkeit, welche die Fremden
+ihr erwiesen, und durch die Spannung, mit welcher sie ihrer Antwort
+harrten, setzte sie mit vertraulichem Schmunzeln hinzu: »In seiner
+Familie hat er wohl für etwas gegolten, nämlich für einen armen
+Tropf.«</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page172 -->
+ <h3 id="Aufgaben">
+ Ungelöste Aufgaben.
+ </h3>
+
+<p>Eine kluge Prinzessin wurde von einem beschränkten, aber sehr
+mächtigen König geliebt und schenkte seinen Werbungen kein Gehör.
+Als er immer dringender und in Folge dessen lästiger wurde, beschloß
+sie, ihn für immer aus ihrer Nähe zu entfernen. Dies mußte jedoch in
+Güte geschehen, denn die Feindschaft des starken Nachbarn wollte die
+Prinzessin ihrem Lande nicht zuziehen.</p>
+
+<p>So sprach sie denn eines Tages zu ihm: »Deine Treue hat mich
+gerührt, und ich will sie belohnen. Du sollst mein Gemahl werden,
+wofern es Dir gelingt, die Aufgabe zu lösen, welche ich Dir stellen
+will.«</p>
+
+<p>Der König rief: »Nenne sie; wenn es im Bereiche menschlicher Kraft
+liegt, werde ich sie erfüllen.«</p>
+
+<p>»Zieh hin,« erwiderte die Prinzessin, »und suche mir die folgenden
+drei Dinge ausfindig zu machen:«</p>
+
+<p>»Ein Vorurtheil, das durch Vernunft besiegt wurde.«</p>
+
+<p>»Eine Thorheit, die so groß ist, daß noch kein Mensch sie begangen
+hat.«</p>
+
+<p>»Eine Lästerung, so schamlos, daß sich keine Zunge findet, um sie zu
+wiederholen.«</p>
+
+<p><!-- page173 -->Der König lachte und gab Befehl, die Hochzeitsfeier
+zu bereiten, denn er meinte, in wenigen Tagen schon seine Braut
+heimzuführen. Dann begab er sich auf die Reise.</p>
+
+<p>Dies geschah vor tausend Jahren, und bis heute ist er noch nicht
+zurückgekommen.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+<div class="chapter">
+<!-- page174 -->
+ <h3 id="DieUntrennbaren">
+ Die Untrennbaren.
+ </h3>
+
+<p>Unter den Göttern war ein Streit entstanden, und in Folge dessen
+erschien eines Tages im olympischen Staatsanzeiger die Kundmachung:</p>
+
+<p>»Der Urheber des dichterischen Genies wird gesucht. Wer sich
+dafür hält, Mann oder Weib, trete hervor. Apollo und die Musen
+haben beschlossen, ihm eine in ihrer Nähe leer gewordene Wohnung
+anzuweisen.«</p>
+
+<p>Schon am nächsten Morgen kam durch die Lüfte hergeflogen ein
+unabsehbarer Schwarm. An seiner Spitze schwebte auf mächtigen, kühn
+ausgebreiteten Flügeln, in thaufrischer Schöne blumenumkränzt, eine
+reizumflossene Gestalt.</p>
+
+<p>Ein goldenes Füllhorn ruhte ihr im Arme, und mit überströmender
+Großmuth ausgestreute Segensspenden bezeichneten ihren Weg. Ihr
+Gefolge schloß ganze Welten in sich: Verkörperungen des Herrlichsten
+und Höchsten, wie des Furchtbarsten und Scheußlichsten; in nicht
+unterbrochener Reihe alle Abstufungen vom Wunderbaren bis zum
+Wunderlichen, lebendig gewordene Spiegelbilder aller Thaten und
+Unthaten aller Leidenschaften, Hoffnungen, Enttäuschungen und Träume.
+Die edelsten unter den <!-- page175 --> unendlich mannigfachen
+Gebilden erschienen in hehrer Einfachheit, die anderen, unermeßlich
+reich geschmückt, schimmerten wie der neugeborene Tag. Ihnen auf den
+Fersen folgte, das Kainszeichen auf der Stirn, Brandfackeln schwingend,
+eine dunkle Schar. Blitzähnlich schossen diese Dämonen hin und her,
+und bei jedem Flügelschlage theilte und verdoppelte sich jede der
+grauenhaften Ausgeburten; eine riesige schwarze, mit furchtbarer
+Geschwindigkeit wachsende Wetterwolke rollten sie, Verderben
+verbreitend, durch den Raum.</p>
+
+<p>Aber sie hatten ihre Meister. Unscheinbare Wesen, still und mild und
+dennoch heldenhaft, demüthig und dennoch unüberwindlich, wiesen die
+Unholde in ihre Schranken; und ein Schauspiel boten diese Kämpfe, so
+voll hinreißenden Schwunges, unerschöpflicher Abwechslung und Neuheit,
+so voll Gefahr und Triumph, so voll Jubel und Leid, daß die Götter ihm
+zusahen und horchten in athemloser Spannung. Was jedoch ihre größte
+Neugier erregte, das war eine kleine, bunte Menge, die inmitten des
+Gewühles auf einem grünen, blühenden Eilande, wie auf einem rettenden
+Schifflein segelte. Die schärfsten Contraste prägten sich in diesen
+Kleinen aus; Anmuth beseelte die meisten von ihnen; das zweischneidige
+Schwert, das Einige führten, traf, ohne zu verwunden. Sie spielten,
+waren aber nicht blind für die großen Schicksale, die sich um sie her
+vollzogen; mit Thränen in den Augen lachten sie, und ihr Lachen glich
+dem fröhlichen Gesang der Drossel und erheiterte den Olymp.</p>
+
+<p><!-- page176 -->Momus, der zu den Füßen Melpomene's saß, sprach
+zu ihr: »Wer sind Die? Ich sollte sie kennen, ich kenne sie aber
+nicht.«</p>
+
+<p>Die Muse erwiderte: »Ein nachgeborenes Völkchen — humoristisches
+Pack.«</p>
+
+<p>Sie richtete ihre Aufmerksamkeit auf die Führerin des Schwarmes,
+die nun vor den Himmlischen stand. Ein Zauber ohne Gleichen ging von
+ihr aus; sie schüttelte ihr seidenweiches, welliges Haar und sagte mit
+wonniger Zuversicht:</p>
+
+<p>»Mir und den Gaben, die ich verleihe, verdankt der Dichter den
+Antrieb zu all seinem Können und Thun. Ich bin die Phantasie.«</p>
+
+<p>Die Götter schwiegen, sannen nach und erwogen noch die Berechtigung
+dieses Anspruches, als ein Mann, ganz in Eisen gepanzert, sich
+wuchtigen Schrittes näherte, neben die Phantasie hintrat und seine
+Stimme erhob:</p>
+
+<p>»Diese Dame prahlt. Ohne mich wird aus dem Können, das sie ihrem
+Liebling in die Wiege legt, nie ein Thun; ohne mich bleiben seine
+Hervorbringungen eitel Anfänge und vergehen wie Schaum. Ich bin der
+Fleiß.«</p>
+
+<p>Ein heiteres Lachen folgte dieser Erklärung, und alle Augen suchten
+den, der es ausgestoßen hatte.</p>
+
+<p>Es war ein schlichter, kräftig gebauter Bursche, mit hellen Augen
+und rothen Wangen. »Meine himmlischen Herrschaften,« sagte er, »nur
+ungern wage ich mich in Eure wolkenüberragenden Höhen; doch zwingt
+mich dazu <!-- page177 --> mein gutes Recht, das ich zu wahren habe.
+Du, Genie-Mutter,« — so wandte er sich ohne Umstände an die Phantasie,
+die bei seinem Anblick die schönen Lippen kaum merklich verzogen
+hatte, — »was würde aus Deinen Kindern, wenn ich nicht zu Gevatter bei
+ihnen stände? Elend müßten sie zu Grunde gehen, erdrückt unter den
+berauschenden Blumen, mit denen Du sie überschüttest, irre geführt
+durch Deine webenden Träume, toll gehetzt auf der Jagd nach Deinen
+lockenden Früchten, verzehrt von Deinen rastlos keimenden Gedanken. Und
+Du,« sprach er noch strenger zum Fleiße, »Du setzest den Sorgen, die
+mir diese gute Mutter und schlechte Erzieherin macht, die Krone auf. Du
+Maulwurf, Du! Den Eifer, den Du ihren Kindern in alle Adern spritzest,
+tausendmal verwünscht hab' ich ihn. Er zwingt mich, auf Tritt und
+Schritt hinter den von Dir besessenen Genies her zu sein, um sie zu
+leiten, um sie zu hindern, Deinem blinden Triebe folgend, sich todt zu
+arbeiten in einem todten Schachte. Ja, rühmt Euch nur, Ihr Zwei! Ohne
+mich wird das Beste, das Ihr zu spenden habt, Euren Auserkorenen zum
+Unheil und zum Fluch.«</p>
+
+<p>Die Phantasie und der Fleiß senkten die Augen und widersprachen
+nicht. Apollo jedoch fragte:</p>
+
+<p>»Wer bist Du, Einfacher und Schlichter, daß Du eine so selbstbewußte
+Sprache führen darfst?«</p>
+
+<p>Die Antwort lautete: »Ich bin der Verstand.«</p>
+
+<p>Da blickten die Götter einander an, einige von ihnen errötheten,
+besonders Venus und ihr Sohn. Sie <!-- page178 --> senkten die
+olympischen Häupter und zogen sich zu einer Berathung zurück.</p>
+
+<p>Der Beschluß, der in derselben gefaßt und durch Mercur verkündet
+wurde, war folgender:</p>
+
+<p>»Wir anerkennen die Ansprüche eines Jeden von Euch auf die in
+unserem Erlasse ausgeschriebene Wohnung. Doch haben wir nur diese
+eine zu vergeben und können, da unser Reich ohnehin täglich an Boden
+verliert, nicht Raum schaffen für Euch Alle. Einen aber auf Kosten der
+beiden Anderen zu bevorzugen, widerstrebt unserer ewigen Gerechtigkeit.
+So nehmt unsern Dank für Euer Erscheinen und kehrt zur Erde zurück.«</p>
+
+<p>Die Phantasie winkte ihrem Gefolge und flog davon; der Fleiß und
+der Verstand traten zu Fuße den Heimweg an. Der Erstere, ohne sich
+umzusehen; der Andere jedoch warf, am Himmelsthor angelangt, mehr
+zufällig, als mit Absicht, einen Blick zurück nach den Gefilden der
+Unsterblichen. Da sah er Minerva stehen, kampfbereit in ihrem Frieden,
+ruhig und gerüstet. Er beugte sich voll Ehrfurcht; und die Göttin der
+Weisheit, mit freundlicher Gebärde, ein holdes Lächeln um den ernsten
+Mund, grüßte ihn.</p>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page179 -->
+ <h3 id="DieBrueder">
+ Die Brüder.
+ </h3>
+
+<p>Es lebten einst zwei Brüder, denen die Fähigkeit gegeben war, Macht
+auszuüben über die Gemüther der Menschen.</p>
+
+<p>Der Aeltere suchte die Darbenden auf und sprach ihnen von ihrem
+Rechte auf Genuß. Er ließ die Arbeitenden die Wonnen des Müßigganges
+kosten und entflammte die Besitzlosen zum Kampfe gegen die Besitzenden.
+Verherrlichung aller Handlungen der Armen und Elenden, Verhöhnung und
+Verdächtigung jeder That der Kinder des Glückes war das zweischneidige
+Schwert, das er mit glühender Ueberzeugung führte und das ihm einen
+blind ergebenen Anhang erwarb.</p>
+
+<p>Der Jüngere predigte durch Wort und Beispiel nicht einer bestimmten
+Klasse, sondern allen Menschen. Er pries die Hochgeborenen und Reichen
+nicht als die besonders Begünstigten und bejammerte die Niedrigen und
+Armen nicht als die Enterbten des Geschickes. Er forderte von Allen
+gleiche Strenge gegen sich, das gleiche Mitleid mit dem Nächsten,
+die gleiche Gerechtigkeit gegen den Feind, und von Allen Arbeit. Vom
+Armen, weil sie Brot ist für Weib und Kind, vom Reichen, weil sie die
+freiwillige Armuth ist.</p>
+
+<p><!-- page180 -->Seine Stimme konnte grollen wie der Donner, und
+seine Augen konnten dräuen wie der Blitz. Schonungslos schwang er die
+Geißel über Die, die er am meisten liebte, und heischte von ihnen fast
+ebenso viel Selbstverleugnung, wie von sich selbst.</p>
+
+<p>Einmal geschah es, daß die getrennten Wege der Brüder sich kreuzten,
+und sie einander gegenüber standen.</p>
+
+<p>»Wie viele Anhänger hast Du?« fragte der Aeltere den Jüngeren.</p>
+
+<p>»Ich habe zehn gewonnen,« lautete die Antwort, und der ältere Bruder
+versetzte:</p>
+
+<p>»Und ich zehntausend.«</p>
+
+<p>In der folgenden Nacht hatte jeder von ihnen einen Traum, der ihm
+die Zukunft zeigte. Der Aeltere sah sich im Sarge liegen, umtobt von
+dem Streite Derer, die das Erbe seiner Macht antreten wollten. Um
+die Redegewandten waren kleine Scharen versammelt, lauschten ihren
+Schmeicheleien und Verheißungen und schenkten ihnen Glauben. In
+Fähnlein zerstückelt, stob das große Heer auseinander.</p>
+
+<p>Der Führer keuchte und stöhnte im Schlafe; sein Lebenswerk, die
+Partei, die er gegründet, endete mit ihm.</p>
+
+<p>Der Jüngere sah im Traume Wallerzüge durch die Fluren schreiten.
+Singend, Blumen und Palmen tragend, pilgerten sie zu einem grünen
+Hügel, der sich außerhalb der Mauer eines Dorfkirchhofs erhob. Sie
+kamen aus allen Weltgegenden, fremd in der Sprache, im Aussehen, <!--
+page181 --> im Gehaben. Aber am gemeinsamen Ziel angelangt, erkannten
+sie, daß sie Brüder waren. Sie reichten einander die Hände über dem
+Grabe und riefen in den verschiedensten Sprachen einen ihnen heiligen
+Namen.</p>
+
+<p>Es war der des Träumenden — er hatte eine Religion gestiftet.</p>
+</div>
+<!-- page182 -->
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter">
+<!-- page183 -->
+ <h2>Gedichte.</h2>
+</div>
+<!-- page184 -->
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+<!-- page185 -->
+ <h3 id="Lied">
+ Ein kleines Lied.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Ein kleines Lied, wie geht's nur an,</span><br>
+ Daß man so lieb es haben kann,<br>
+ Was liegt darin? erzähle!
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Es liegt darin ein wenig Klang,</span><br>
+ Ein wenig Wohllaut und Gesang<br>
+ Und eine ganze Seele.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Boule">
+ <span lang="fr">Boule d'or.</span>
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">O du des himmlischen Reiches Kind,</span><br>
+ Du Fremdling im nordischen Moose,<br>
+ Von Düften umhüllet lieblich und lind,<br>
+ Des Ostens holdeste Rose.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Dir gab der leuchtende Sonnenschein</span><br>
+ Der Farbe Schimmern und Prunken,<br>
+ Vom Urquell des Lichtes in dich hinein<br>
+ Die Strahlen hast du getrunken.
+</p>
+<!-- page186 -->
+<p>
+ <span class="indent2">Zunächst dem Kelch entfaltest du</span><br>
+ Die Blätter wie goldene Schwingen,<br>
+ In deines Herzens träumende Ruh'<br>
+ Vermag kein Auge zu dringen.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Die würzigen Lüfte nur flüstern
+ ringsum,</span><br>
+ Daß hier ein Geheimniß sich hehle,<br>
+ Doch hüllt sich in Schatten das Heiligthum<br>
+ Der schüchternen Blumenseele.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Sommermorgen">
+ Sommermorgen.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Auf Bergeshöhen schneebedeckt,</span><br>
+ Auf grünen Hügeln weitgestreckt<br>
+ Erglänzt die Morgensonne;<br>
+ Die thauerfrischten Zweige hebt<br>
+ Der junge Buchenwald und bebt<br>
+ Und bebt in Daseinswonne.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Es stürzt in ungestümer Lust</span><br>
+ Herab aus dunkler Felsenbrust<br>
+ Der Gießbach mit Getose,<br>
+ Und blühend Leben weckt sein Hauch<br>
+ Im stolzen Baum, im nied'ren Strauch,<br>
+ In jedem zarten Moose.
+</p>
+<!-- page187 -->
+<p>
+ <span class="indent1">Und drüben wo die Wiese liegt</span><br>
+ Im Blüthenschmuck, da schwirrt und fliegt<br>
+ Der Mücken Schwarm und Immen.<br>
+ Wie sich's im hohen Grase regt<br>
+ Und froh geschäftig sich bewegt,<br>
+ Und summt mit feinen Stimmen!
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Es steigt die junge Lerche frei</span><br>
+ Empor gleich einem Jubelschrei<br>
+ Im Wirbel ihrer Lieder.<br>
+ Im nahen Holz der Kuckuck ruft,<br>
+ Die Amsel segelt durch die Luft<br>
+ Auf goldenem Gefieder.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">O Welt voll Glanz und Sonnenschein,</span><br>
+ O rastlos Werden, holdes Sein,<br>
+ O höchsten Reichthums Fülle!<br>
+ Und dennoch, ach — vergänglich nur<br>
+ Und todtgeweiht, und die Natur<br>
+ Ist Schmerz in Schönheitshülle.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="DerHalbpoet">
+ Der Halbpoet.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Es ist die allergrößte Pein,</span><br>
+ Ein Halbpoet geboren sein,<br>
+ Zu tragen in sich unerhellt<br>
+<!-- page188 -->
+ Das Chaos einer ganzen Welt,<br>
+ Aus dessen Gähren, dessen Ringen<br>
+ Kein ganzes Leben will entspringen.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Zu steh'n in heißen Durstesqualen</span><br>
+ Am Zauberborn des Idealen,<br>
+ Das Schöne liebend zu begreifen,<br>
+ Heran zur höchsten Klarheit reifen,<br>
+ Im Reinen wandeln und im Wahren —<br>
+ Ohnmächtig es zu offenbaren.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">In dir ein Schaffen unbewußt,</span><br>
+ Ein lautlos Schrei'n in deiner Brust,<br>
+ Ein Wogen, Keimen, Knospensprengen,<br>
+ Ein ruheloses Vorwärtsdrängen,<br>
+ Und dennoch keiner Blüthe Prangen,<br>
+ Und dennoch kein Zumzielgelangen!<br>
+ — Es ist die allergrößte Pein,<br>
+ Ein Halbpoet geboren sein.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Vanitas">
+ Vanitas.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Bin ihr begegnet in allen Gestalten,</span><br>
+ Sah sie gehüllt in jedwedes Gewand,<br>
+ Heut in des Mantels purpurnen Falten,<br>
+ Gestern in Lumpen wallend durchs Land.
+</p>
+<!-- page189 -->
+<p>
+ <span class="indent1">Schwerer besiegt als Helden in
+ Waffen,</span><br>
+ Leichter verletzt als ein hülfloses Kind,<br>
+ Rastlos in ihrem nichtigen Schaffen,<br>
+ Thöricht und klug, allsehend und blind.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Heimisch im Tempel, heimisch im
+ frechen</span><br>
+ Hause der Sünde, in Hütte und Schloß,<br>
+ Weiß sie in jeder Zunge zu sprechen,<br>
+ — Bist du ein Mensch, du bist ihr Genoß.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Räthselhaft Wesen, dem alle wir
+ dienen,</span><br>
+ Das uns beherrscht, ob wir groß oder klein,<br>
+ Keiner ist noch auf Erden erschienen,<br>
+ Der es gestand, dein Sklave zu sein.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Hältst du am engsten ein Opfer
+ umsponnen,</span><br>
+ Trägt dir's gewiß den bittersten Haß.<br>
+ Und dich verleugnet, den du gewonnen,<br>
+ Schimmernde Lügnerin —: Vanitas!
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="DasSchiff">
+ Das Schiff.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Das eilende Schiff, es kommt durch die
+ Wogen</span><br>
+ Wie Sturmwind geflogen.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Voll Jubel ertönt's vom Mast und vom
+ Kiele:</span><br>
+ »Wir nahen dem Ziele.«
+</p>
+<!-- page190 -->
+<p>
+ <span class="indent1">Der Fährmann am Steuer spricht traurig und
+ leise:</span><br>
+ »Wir segeln im Kreise.«
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Lebenszweck">
+ Lebenszweck.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Hülflos in die Welt gebannt,</span><br>
+ Selbst ein Räthsel mir,<br>
+ In dem schalen Unbestand,<br>
+ Ach, was soll ich hier?
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">— Leiden, armes Menschenkind,</span><br>
+ Jede Erdennoth,<br>
+ Ringen, armes Menschenkind,<br>
+ Ringen um den Tod.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Grabschrift">
+ Grabschrift.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Im Schatten dieser Weide ruht</span><br>
+ Ein armer Mensch, nicht schlimm noch gut,<br>
+ Er hat gefühlt mehr als gedacht,<br>
+ Hat mehr geweint als er gelacht,<br>
+ Er hat geliebt und viel gelitten,<br>
+ <!-- page191 -->
+ Hat schwer gekämpft und — nichts erstritten.<br>
+ Nun liegt er endlich sanft gestreckt,<br>
+ Wünscht nicht zu werden auferweckt.<br>
+ Wollt' Gott an ihm das Wunder thun,<br>
+ Er bäte: Herr, o laß mich ruh'n!
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="SP-Blaustrumpf">
+ Sankt Peter und der Blaustrumpf.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Ein Weiblein klopft ans Himmelsthor,</span><br>
+ Sankt Peter öffnet, guckt hervor:<br>
+ — »Wer bist denn Du?« — »Ein Strumpf, o Herr« ...<br>
+ Sie stockt, und milde mahnet er:<br>
+ »Mein Kind, erkläre Dich genauer,<br>
+ Was für ein Strumpf?« »Vergieb — ein blauer.«<br>
+ Er aber grollt: »Man trifft die Sorte<br>
+ Nicht häufig hier an unsrer Pforte.<br>
+ Seid sammt und sonders freie Geister,<br>
+ Der Teufel ist gar oft nicht dreister,<br>
+ Geh hin! er dürfte von Dir wissen,<br>
+ Der liebe Herrgott kann Dich missen.«<br>
+ — »Das glaub' ich wohl, — doch ich nicht Ihn,<br>
+ O Heil'ger, wolle noch verziehn!«<br>
+ Sie wagt es, sein Gewand zu fassen,<br>
+ Hat auf die Knie sich sinken lassen.<br>
+ »Du starker Hort, verstoß' mich nicht,<br>
+ Laß blicken mich ins Angesicht<br>
+ Des Ew'gen, den ich stets gesucht.«<br>
+ <!-- page192 -->
+ »In welcher Weise, ward gebucht.<br>
+ Man strebt ihm nach wie's vorgeschrieben,<br>
+ Du bist uns fern und fremd geblieben.«<br>
+ Das Weib blickt flehend zu ihm auf:<br>
+ »Wär' Dir bekannt mein Lebenslauf,<br>
+ Du wüßtest, daß in sel'gen Stunden<br>
+ Ich meinen Herrn und Gott gefunden.«<br>
+ Der Pförtner stutzt: »Allwo? — Sprich klar!«<br>
+ — »Daselbst, wo ich zu Hause war,<br>
+ (Mein Handwerk brachte das mit sich)<br>
+ Im Menschenherzen. Wunderlich<br>
+ War dort der Höchste wohl umgeben;<br>
+ Oft blieb von Seines Lichtes Weben<br>
+ Ein glimmend Fünklein übrig nur,<br>
+ Und führte doch auf Gottes Spur.<br>
+ Ob er sich nun auf dem Altare<br>
+ Den Frommen reicher offenbare —<br>
+ Das zu entscheiden ist Dein Amt.<br>
+ Bin ich erlöst? bin ich verdammt?«<br>
+ Sankt Peter zu derselben Frist<br>
+ Etwas verlegen worden ist,<br>
+ Dacht' eine gute Weile nach,<br>
+ Nahm endlich doch das Wort. Er sprach<br>
+ Und rückt dabei den Heil'genschein:<br>
+ »Besprich es drin. — Ich lass' Dich ein.«
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<!-- page193 -->
+<div class="cc">
+ <h3 id="Liebeserklaerung">
+ Liebeserklärung.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Du Vielgeliebte, Dich hab' ich
+ geliebt</span><br>
+ Von Deinem ersten Lebensstündlein an,<br>
+ Als kaum entwunden Du dem Schoß der Mutter,<br>
+ Dalagst auf ihrem Bette klein und roth,<br>
+ Die Wangen voll von Fältchen und die Stirn,<br>
+ Und auch die winz'gen, unbeholfnen Hände.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">O, welch' ein Glück, an Deiner Wiege
+ stehn,</span><br>
+ Bewundern still, wie schön Du schlafen kannst,<br>
+ Und Dein Erwachen jubelnd zu begrüßen. —<br>
+ Was immer meine Nichte that und ließ,<br>
+ Ich fand es einzig, fand es genial;<br>
+ So weint' und lachte niemals noch ein Kind,<br>
+ So kroch noch keins dahin auf allen Vieren<br>
+ Und sprach: »Tata« mit solchem Nachdruck aus.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Indessen leider! meine gute Meinung
+ —</span><br>
+ Weiß Gott, wie's kam — gar viele theilten sie<br>
+ Und machten sich höchst ungenirt zu eigen,<br>
+ Was ich entdeckt in angestammter Weisheit.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Allmälig wuchsen hundert Toggenburgen</span><br>
+ Empor am Strande Deiner wilden Petsch,<br>
+ Und in den Burgen wohnten hundert Schmachter<br>
+ Und Schmachterinnen treu bis in den Tod;<br>
+ <!-- page194 -->
+ Das war ein Werben um klein Stutzis Gunst,<br>
+ Von Jung und Alt ein Loben, Lieben, Staunen,<br>
+ Solch' einen Heerbann überzeugter Schmeichler<br>
+ Besaß nur noch die Königin von Saba.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Wie sie den ihren lenkte, weiß ich
+ nicht,</span><br>
+ Doch um so besser denn, wie kurz und stramm<br>
+ Der Deine ward gehalten. — Keine Faxen!<br>
+ Die Losung galt, Du gabst sie unbewußt,<br>
+ Eh' sprechen Du, geschweige denken lerntest.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">So trugen wir es heuchlerisch
+ gelassen,</span><br>
+ Als Du Dein Herz in feste Hände gabst ...<br>
+ Was sag' ich, Hände? Pfoten sind's gewesen,<br>
+ Die langen gelben der verehrten Lady.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Doch hatt' auch sie Rivalen,
+ vielgehaßte:</span><br>
+ Kaninchen, Katzen, allerlei Gethier,<br>
+ In erster Reih' die Ponies. Weißt Du noch,<br>
+ Wie denen sie mißgönnte Deine Huld?<br>
+ Und wie bestürzt, wenn ihnen Du geschmeichelt,<br>
+ Die Alte floh, sich auf die Rampe setzte,<br>
+ Den Kopf erhob und laut zum Himmel heulte.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Nur eines war mit ihrem Schmerz
+ vergleichbar,</span><br>
+ Und ihrem Grimm — der Deine, Kind, als Du<br>
+ Zu Jahren schon gekommen (ihrer fünf)<br>
+ »<span lang="fr">Mémoires d'un âne</span>«, von
+ <span lang="fr">Comtesse Ségur</span><br>
+ <!-- page195 -->
+ Zur Kenntniß nahmst. Die Bonne las Dir vor,<br>
+ Du stricktest stumm, mit ernstem Pflichtgefühl,<br>
+ An Deinem ersten Strumpfe. Noch erreichten<br>
+ Den Boden Deine Beinchen nicht, sie wiegten<br>
+ Sich leise ... Wie Du horchtest, athemlos,<br>
+ Durchglüht von Freude, Mitleid oder Zorn<br>
+ Vom Wirbel bis zur Sohle — je nachdem<br>
+ Des braven Esels Schicksal sich gestaltet.<br>
+ Und wenn es rührend wurde, flossen Thränen<br>
+ In hellen Strömen auf die Stickerei,<br>
+ Die soviel Nässe gar nicht schlucken konnte.<br>
+ Es war ein Anblick — ich vergeß ihn nie!<br>
+ Und niemals auch, wie Du vor jenem Kitzlein,<br>
+ Das einst der Jäger aus dem Wald Dir brachte,<br>
+ Auf Deine beiden Kniee niedersankst,<br>
+ Es anzufleh'n unendlich liebevoll:<br>
+ »O fürcht Dich nicht — ich bin ja Deine Mutter!«
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Und später dann, als Deine Herren
+ Brüder</span><br>
+ Erschienen waren und so redlich halfen<br>
+ Des Hauses kleinen Abgott anzubeten,<br>
+ Was für Geschichten gäb's da zu erzählen,<br>
+ Von einer wilden Hummel stets voran<br>
+ In jeder Fährlichkeit, und ihren blind<br>
+ Ergebenen Satelliten. — Doch genug,<br>
+ Sonst heißt es gleich: das Alter ist geschwätzig.<br>
+ Nur eins noch höre. Als nach langer Trennung<br>
+ Du heute kamst mit Deinem schwarzen Jungen<br>
+ <!-- page196 -->
+ Und seiner blonden Schwester, die kaum zählt<br>
+ Der Jahre zwei und just so ernsthaft schaut<br>
+ Wie einstens Du — da fiel mir Alles, Alles<br>
+ Urplötzlich ein, vom Größten zum Geringsten,<br>
+ Was wir durchlebt in Treuen ... Ich gedachte,<br>
+ Wie mit der Zeit sich stets der Kreis erweitert,<br>
+ In dem ich sucht' und fand mein reinstes Glück:<br>
+ Wie manches neue, kleine Wesen kam,<br>
+ Das einen Platz erstrebte zwischen uns<br>
+ Und ihn erhielt und jedes obendrein<br>
+ Bei seinem Eintritt auch mein ganzes Herz.<br>
+ Das <span class="gesperrt">ganze Jedes</span> — henkt die
+ Mathematik!<br>
+ Denn immer noch ein ganzes bleibt mir übrig,<br>
+ Es zu verschenken, wenn es wieder gilt.<br>
+ Nicht protzen möcht ich, aber solcher Reichthum<br>
+ Ist unerhört in meinen hohen Jahren.<br>
+ Ich dank' ihn Euch, so seid mir denn bedankt,<br>
+ Ihr Großen und ihr Kleinen, Fernen, Nahen.<br>
+ Durch meiner Liebe, Eurer Liebe Kraft<br>
+ Begiebt an mir ein schönes Wunder sich:<br>
+ »Die Kinderlose hat die meisten Kinder.«
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Soistes">
+ So ist es.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Sie sagen mir: »Das Dichten reibt Dich
+ auf.</span><br>
+ Wir bitten, laß es! thu' das uns zuliebe.«<br>
+ — »Mir selbst zuliebe thät' ich's, wenn ich könnt'.«<br>
+ <!-- page197 -->
+ — »Du kannst, sobald Du willst. Doch daran fehlt's,<br>
+ Am kräftigen Entschluß, sie zu besiegen<br>
+ Die liebe Eitelkeit. Man lobt uns ja,<br>
+ Und der an Lob gewöhnt, entbehrt es schwer.«<br>
+ »Das weiß ich nicht, doch eines weiß ich gut:<br>
+ Ob tausendmal auch mehr, als sich gebührte,<br>
+ Mir Schätzung wurde, dennoch, glaubt mir, dennoch<br>
+ Mein armes Rühmchen wär mir feil, und mit<br>
+ Entzücken gäb' ich's für die Freiheit hin.<br>
+ Ich diene ja, seht Ihr, bin willenlos<br>
+ In meines Dämons Macht ... Wie nenn ich ihn?<br>
+ Heißt er vielleicht, — daß Gott erbarm'! — Talent?<br>
+ — Man sagt, die meisten, die von ihm besessen,<br>
+ Sie wähnten ihn zu lenken, hielten ihn<br>
+ Für ein Geschenk der gütigen Natur<br>
+ Und pflegten sein mit stolzer, treuer Liebe.<br>
+ Doch fass' ich's nicht. Ist's möglich denn, zu lieben<br>
+ Was Dir das Höchste raubt, die Selbstbestimmung?<br>
+ Was Dir mißgönnt die unbefang'ne Freude;<br>
+ Entwerthet Deinen edelsten Genuß<br>
+ Durch seiner Flüsterstimme rastlos Mahnen:<br>
+ — Besinne Dich! was machst Du wohl daraus?<br>
+ Gäb's nicht ein Bild — ein Streiflicht — ein Detail?<br>
+ Der Dämon nimmt Dein Herz, stiehlt Dir die Seele,<br>
+ Er füllt allein Dein ganzes Denken aus.<br>
+ Du hast nur ihn; ja Dein ureignes Leben,<br>
+ Dein menschlich Irren, jegliches Empfinden,<br>
+ Dein glühend Mitleid, Haß und Zorn und Schmerz,<br>
+ <!-- page198 -->
+ Dein stillstes Sehnen, Dein geheimster Traum —<br>
+ In seinem Dienst wird alles ausgemünzt.<br>
+ — Und dann? was dann? ... Ach Zweifelsqualen, denn,<br>
+ Ob auf der Münze auch die Prägung echt,<br>
+ Und angethan, zu dauern wie das Gute,<br>
+ Wie <span class="gesperrt">nur</span> das Gute dauert und besteht;
+ —<br>
+ Das bleibt Dir unbekannt und bleibt es Jedem,<br>
+ Der mit Dir wandelt noch im Tagesschein.«<br>
+ Dünkt Euch dies Schicksal so beneidenswerth,<br>
+ Ertrüg' es Einer, der es wenden könnte?<br>
+ O Himmel! wenn ich's könnte, ginge mir<br>
+ Im Alter noch ein neues Leben auf,<br>
+ Ein Leben voller Ruhe, voller Frieden,<br>
+ Und abgeschlossen ganz in meiner Liebe<br>
+ Zu Euch, Ihr Menschenkinder, Brüder, Schwestern.<br>
+ — So nach wie vor blieb Euer Leid das meine,<br>
+ Und Euer Glück durchsonnte mir das Herz,<br>
+ Doch Euch zu schildern hätt' ich aufgehört.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Einschlafen">
+ Einschlafen.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Der Tag ist aus, und nun — wie himmlisch wohl
+ wird's thun,</span><br>
+ Vergessend seine Müh'n in sanftem Schlaf zu ruh'n.<br>
+ — Es war ein harter Tag. — Vorüber und vorbei!<br>
+ Gott gebe, daß, der kommt, ein minder harter sei;<br>
+<!-- page199 -->
+ Wenn nicht — nun denn, nun denn! — zu leiden und zu streben,<br>
+ Ob mit, ob ohne Lohn, das nennen wir ja leben.<br>
+ Die oft ersehnte Stund', sie bleibt nicht aus am Ende,<br>
+ Da man zu ew'ger Rast darf kreuzen seine Hände.<br>
+ Erlösungbringer Tod! wer hat nicht dein gedacht,<br>
+ Als er sich hingestreckt zum Schlaf in stiller Nacht?<br>
+ Der Schlaf ist kurzer Tod, wir können Probe halten<br>
+ Vom dunkeln Schicksalsstück, darin als Held zu walten<br>
+ Jedwedem einst bestimmt. — Wär's Jedem auch beschieden,<br>
+ Mit sich und mit der Welt dahinzugehn in Frieden.<br>
+ In sel'gem Frieden ... Ach, braucht ich zu wünschen nur,<br>
+ Die Menschen hätten ihn, ihn hätte die Natur,<br>
+ Kein Wesen fühlte Qual, selbst nicht der kleinste Wurm,<br>
+ Ich schafft auch Ruh dem Meer, der Wolke und dem Sturm ....<br>
+ Ein sonderbares Wort hab' ich dereinst vernommen<br>
+ Und konnt' darüber nie zu voller Klarheit kommen.<br>
+ — Nirwana war das Wort. Das heißt ... o Müdigkeit! —<br>
+ Nicht denken jetzt, nicht mehr — es ist ja Schlafenszeit,<br>
+ Willkommen, holde Zeit; sei gnädig mir, entrücke<br>
+ Mich allem Leid.
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Ich wollt', ich fänd' einmal die
+ Brücke,</span><br>
+ Die aus dem wachen uns, dem voll bewußten Sein,<br>
+ Ins halb bewußte Reich des Traumes führt hinein.<br>
+ Ein zarter Wunderbau, ein räthselhafter Steg,<br>
+ <!-- page200 -->
+ Nur das geschloss'ne Aug' entdeckt zu ihm den Weg. —<br>
+ Ei horch, wie's summt und klingt: — die Spieluhr regt sich wieder<br>
+ Und bringt ihr Liedchen vor vom muntren Seifensieder ...<br>
+ Der es so gerne hört, mein ferner Liebling, Du,<br>
+ Wann endlich kehrst Du heim? wann jauchzst Dein Gruß mir zu?<br>
+ Viel Zeit muß noch vergehn, und Sommer muß es sein,<br>
+ Und linde Luft muß wehn durch unsern Fichtenhain ...<br>
+ Da steht er ja, er selbst — umhaucht von Harzesduft,<br>
+ Die Wipfel ragen schlank und schimmernd in die Luft —<br>
+ Ich seh' die Wiesen rings im Frühlingsglanz sich breiten<br>
+ Und durch das junge Grün ein junges Kindlein schreiten.<br>
+ So komm! — wo bist Du nun? ... gar nirgends zu entdecken —<br>
+ Beim ersten Wiedersehn spielt schon das Kind Verstecken — —<br>
+ Mit ihm entschwand der Tag; schneeweiße Nebel wallen,<br>
+ Die qualmend sich zerstreu'n, die sich zusammenballen —<br>
+ Und jetzt — o Seligkeit — o Himmelsblumen: Sterne!<br>
+ Ich schweb', im Wolkenraum ... aus lichtverklärter Ferne<br>
+ Erhebt sich's wie Gesang so mild und rein —<br>
+ Ich schlafe nicht, noch lange nicht — o nein — — —
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+<!-- page201 -->
+ <h3 id="Spruchverse">
+ Spruchverse.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ Was Gutes Du gethan und nicht vergessen hast,<br>
+ Allmälig wandelt sich's in Unrecht fast.<br>
+ Begang'ne Schuld, denkst ihrer Du mit Schmerzen,<br>
+ Verklärt zur Tugend sich in Deinem Herzen.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Die Großen säen,<br>
+ Die Kleinen mähen,<br>
+ Die Kleinsten heimsen ein<br>
+ So war's — so wird es sein.
+</p>
+<p>
+ Ein Mensch — und stolz? O sieh, Dein Thun,<br>
+ Dein Lassen, Deine Meinung,<br>
+ Das Alles ist, Du selber bist<br>
+ Des Scheins Reflexerscheinung.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Verständniß für jedwedes Leid,<br>
+ Erbarmen mild mit jedem Fehle;<br>
+ Daran in dieser Zeitlichkeit,<br>
+ Erkennst Du die erwählte Seele.
+</p>
+<p>
+ Die Eintagsfliege, wie so manche Leute,<br>
+ Vergönnt sich keine Freude an dem Heute,<br>
+ Denn ruh- und rastlos immer muß sie sorgen,<br>
+ arme Eintagsfliege — für das Morgen.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+<!-- page202 -->
+ Freundeslob und Feindestadel<br>
+ Sind von zweifelhaftem Adel.
+</p>
+<p>
+ Es ist noch Jeder leicht durch diese Welt geschritten,<br>
+ Der gut zu danken wußt', und wußte gut zu bitten.
+</p>
+<p>
+ 's ist Alles schon gesagt, man kann nur wiederholen<br>
+ Der ehrlichste Poet hat unbewußt gestohlen.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Zwei Dinge lern' geduldig tragen:<br>
+ Dein eigen Leid, der Andern Klagen.
+</p>
+<p class="p-indent2">
+ Unsterblich wandelt durch der Zeiten Frist<br>
+ Das Werk des Denkers, der ein Künstler ist.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Ein Federheld von echtem Muth,<br>
+ Der greift beherzt nach seinem Gut<br>
+ Und Alles, was er brauchen kann,<br>
+ Sieht als sein Eigenthum er an.
+</p>
+<p>
+ Wie lang' hat sich geübt im Täuschen und im Lügen,<br>
+ Der endlich sagen darf: Mich kann man nicht betrügen?
+</p>
+<p class="p-indent2">
+<!-- page203 -->
+ Das Selbstvertraun, der feste Wille,<br>
+ Auf die zuletzt kommt Alles an.<br>
+ »Mein Freund, ins Schwarze zielt ein Jeder,<br>
+ Doch trifft es nur der rechte Mann.«
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Magst den Tadel noch so fein,<br>
+ Noch so zart bereiten,<br>
+ Weckt er Widerstreiten.
+</p>
+<p class="p-indent4">
+ Lob darf ganz geschmacklos sein,<br>
+ Hocherfreut und munter<br>
+ Schlucken sie's hinunter.
+</p>
+<p class="p-indent6">
+ Den alten Aposteln<br>
+ Fast gleichen die jungen,<br>
+ Nichts fehlt ihnen mehr<br>
+ Als feurige Zungen.
+</p>
+<p class="p-indent6">
+ Sich des Unrechtes wehren<br>
+ Allezeit bringt Ehren.
+</p>
+<p class="p-indent2">
+ Den Menschen, den nur Neider hassen,<br>
+ Den muß der Neid selbst gelten lassen.
+</p>
+<p class="p-indent2">
+<!-- page204 -->
+ Was noch so fein Philosophie gesponnen,<br>
+ Das bringt die Poesie ans Licht der Sonnen.
+</p>
+<p class="p-indent6">
+ Nur der das Leiden kennt,<br>
+ Kennt auch ein heiß Erbarmen;<br>
+ Der selber darbt, der giebt;<br>
+ Großmüthig sind die Armen.
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+ <h3 id="Gaensezug">
+ Gänsezug.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">Die erste Gans im Gänsezug,</span><br>
+ Sie schnattert: »Seht, ich führe!«<br>
+ Die letzte Gans im Gänsezug,<br>
+ Sie schnattert: »Seht, ich leite!«
+</p>
+<p>
+ <span class="indent1">Und jede Gans im Gänsezug,</span><br>
+ Sie denkt: — Daß ich mich breite<br>
+ So selbstbewußt, das kommt daher,<br>
+ Weil ich, ein unumschränkter Herr,<br>
+ Den Weg mir wähl' nach eignem Sinn,<br>
+ All meiner Schritte Schreiter bin<br>
+ Und meine Freiheit spüre!
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<div class="chapter center">
+<div class="cc">
+<!-- page205 -->
+ <h3 id="DieErdbeerfrau">
+ Die Erdbeerfrau.
+ </h3>
+
+<div class="poem">
+<p>
+ <span class="indent1">»A loadi's Erdbeer-Jahr, natürli,
+ gel'?</span><br>
+ Am Benno-Tag, der Frost, der hat's dawischt!« —<br>
+ Sprach sie mich an und lächelte dazu<br>
+ Mit welkem Mund und wasserblauen Augen,<br>
+ So harmlos wie ein Kind, die dürre Alte.<br>
+ <span class="indent1">»Recht schlimm für uns, und schlimmer noch für
+ Euch,«</span><br>
+ Erwidert' ich, »Ihr kommt um den Verdienst,<br>
+ Den besten wohl im Sommer.«
+</p>
+<p><span class="indent14">»I? No wiss'ns,</span><br>
+ Geit's ihrer weni, wern's halt besser zahlt<br>
+ Die Erdbeer, gar die schöni, aus'm G'stoan,<br>
+ Wie ebba selli da!«
+</p>
+<p><span class="indent14">Sie rückt hinweg</span><br>
+ Den Deckel ihres Korbs, und drinnen lagen<br>
+ Auf Tannenreislein und auf frischen Blättern<br>
+ Erdbeeren duftend und so purpurroth,<br>
+ Daß schon ihr Anblick eine Labung war.<br>
+ Der Alten bot er wahren Hochgenuß:<br>
+ »Die wachs'n auf'n Stauf'n, in die Schlucht'n,«<br>
+ Sagt sie und hebt voll Finderstolz ihr Körbchen.<br>
+ <span class="indent1">Ich hätte seinen Inhalt gern
+ erworben;</span><br>
+ Er war verkauft. Vom Berge kam die Frau,<br>
+ Nach langem Tagewerk, war hungrig jetzt,<br>
+ Ein wenig müd' und sehnte sich nach Hause.<br>
+ »Es warten Eurer«, meint' ich, »Eure Kinder<br>
+ Und kleine Enkel dort.«<br>
+ <!-- page206 -->
+ <span class="indent14">»Auf mi' wart' koa's,</span><br>
+ I bin alloa,« gab sie zerstreut zurück,<br>
+ Und mit der Rechten ihre Augen deckend,<br>
+ Blickt' in die Sonne sie, die goldig fluthend<br>
+ Soeben hinter Bergeshöh'n versank.<br>
+ <span class="indent1">»Da schaug'ns hin, zum Zwisl schaug'ns
+ hin,</span><br>
+ Da bin i morg'n um die Zeit scho' g'west.<br>
+ Gon Ab'nd hoaßt's zur Alm no auffikrabin,<br>
+ Im Heubüh drob'n schlaft ma woltern guat<br>
+ Und fruh um zwoa geht's ani scho' in d'Staud'n.«<br>
+ <span class="indent1">Und wieder lag auf ihrem greisen
+ Antlitz</span><br>
+ Das Kinderlächeln, das mich gleich bezwang,<br>
+ Als sie nun sprach von ihren Wanderungen<br>
+ Im Morgendämmer und beim Sonnenaufgang,<br>
+ Durch Waldesdunkel, durch das Felsgeklüft,<br>
+ Und drob so Müdigkeit vergaß, wie Hunger.<br>
+ Ein Jäger nur erzählt mit solcher Freude<br>
+ Von seinen Abenteuern auf der Pirsch,<br>
+ Wie von den ihren sie »beim Erber'-Brocken.«<br>
+ <span class="indent1">Mit stillem Neide horcht' ich. Aus der
+ Noth</span><br>
+ Nicht eine Tugend nur, auch Glück zu machen,<br>
+ Das ist die allerhöchste Lebenskunst.<br>
+ Ihr freilich mag sie leicht geworden sein,<br>
+ Der schlichten, alten Freundin der Natur,<br>
+ In diesem Dasein, halb im Traum geführt,<br>
+ Dem Kampf der Welt entrückt, von Leiden frei.<br>
+ »G'sund bin i, Gott sei Dank!« schloß sie vergnügt,<br>
+ Und zwinkert' nach den gluthumsäumten Bergen<br>
+ <!-- page207 -->
+ Voll Liebe hin, »und hon aa' koani Sorg'n.«<br>
+ »Im Sommer, doch wie sieht's im Winter
+ <a href="#207b" id="207a">aus?</a><br>
+ Mit Gottes Gnad', an diem, a bissl wiescht,<br>
+ Ma hofft halt immer, daß bal' Frühling wird.<br>
+ An Oaschicks bringt ihm scho' so kloanweis furt.«<br>
+ »Das ist der Trost der Einsamen,« sagt ich,<br>
+ Wie Ihr es seid, und wohl von jeher war't?«<br>
+ Gutmüthig, heit'ren Spotts zuckt sie die Achseln,<br>
+ Ob meines Irrthums. »Na, von jeher nit,<br>
+ I hon amal a schön's A'wes'n g'heit,<br>
+ An braven Mo', fünf Kinder — ja amal!«<br>
+ »Fünf Kinder? Hab' und Gut? Und steht allein<br>
+ Und arm jetzt in der Welt? ... Wie ging das zu?«<br>
+ »No, schiefri ebba. 's Unglück hat uns hoamg'sucht,<br>
+ Verbrunnen san mer aa'«, gab sie zur Antwort<br>
+ Und schien zu denken: Ei, was kümmert's Dich?<br>
+ Doch mählich eines Bessern sich besinnend,<br>
+ Hob leise seufzend sie von Neuem an:<br>
+ »Vor dreizehn Jahren, — warten's — na, vor achtzehn,<br>
+ Ja wirkli, achtzehn — wie die Zeit vergeht!<br>
+ Da is bei uns das großi Feuer g'west.<br>
+ In d' Tenna ei'gschlag'n hat der Blitz von Himmi —<br>
+ Und voll mit Troad wie's war, so is verbrunnen,<br>
+ Und aa der Mo', sex Küh', zwoa Kinder, all's<br>
+ Verbrunna.«<br>
+ <span class="p-indent6">»Wie? Verbrannt?!«</span><br>
+ <span class="indent14">»Ja, ja verbrennt.</span><br>
+ Mi selba hat der Nachbar no am Zopf<br>
+<!-- page208 -->
+ Der damal armsdick war — wer möcht' dees glaub'n? —<br>
+ Herauszerrt aus die licht'rloh'n Flammen.<br>
+ Die Gloabiger hon si' den Grund biholten,<br>
+ Und wiar i gang'n, wiar i g'stand'n bin,<br>
+ So bin i von der Brandg'stätt weiterzog'n.«<br>
+ <span class="indent1">»Mit Euren Kindern?«</span><br>
+ <span class="indent14">»Jo, mit denen drei,</span><br>
+ Die übri blieb'n san, zwoa Diendln und<br>
+ An kloan'n Bueb'n,« entgegnet sie gelassen.<br>
+ <span class="indent1">»Und dann? Wie habt Ihr dann Euch
+ fortgeholfen?«</span><br>
+ <span class="indent1">Sie hob den Kopf empor: »No, ehrli halt.
+ </span><br>
+ Viel g'arbeit, viel, und aa' a biß'l' bet',<br>
+ A biß'l nur, denn damaln, wissen's, Frau,<br>
+ Da war i bös mit unsern lieben Herrgott,<br>
+ Und bin's aa' blieben no a lange Weil',<br>
+ Denn oans vo meini Diendln is schlecht g'rath'n<br>
+ Und leit da drauß'n <span class="gesperrt">vor</span> der
+ Kirchhofmauer,<br>
+ I mach en Umweg, mueß i dort vorbi.«<br>
+ <span class="indent1">»Die Zweite aber? — die?«</span><br>
+ <span class="indent14">»Die hat an Bauern,</span><br>
+ In Hammerau, an reich'n, is versorgt.«<br>
+ <span class="indent1">»Und sorgt für ihre Mutter, will ich
+ hoffen.«</span><br>
+ <span class="indent1">»Für mi? Was denken's denn? Sie hat den
+ Mo',</span><br>
+ Hat ihm ins Haus koan rothi Heller bracht<br>
+ Und wird aa' koanen 'naustrag'n — dees hoff' i!«<br>
+ <span class="indent1">»Und Euer Sohn?«</span><br>
+ <span class="p-indent6">»Seidat war'r, Schandarm ...</span><br>
+ I sag, er war, jetzunder is er todt,<br>
+ <!-- page209 -->
+ Erschoss'n von die Pascher an der Grenz'.<br>
+ In letzten Hirgscht hon i die Nachricht kriegt.«<br>
+ <span class="indent1">Sie sprach es langsam, leise, unbewegt,
+ </span><br>
+ Sann nach ein Weilchen; wie ein Lichtstrahl flog's<br>
+ Erhellend freudig über ihr Gesicht.<br>
+ »Der is mit mir gar oft in d' Erdber' ganga<br>
+ Wier er a Bua no war und später aa',<br>
+ Der hat die Berg so guot gekennt, wiar i.«<br>
+ <span class="indent1">Sie blickte in die Weite, ganz verklärt
+ </span><br>
+ Vom sanften Glück des lieblichsten Erinnerns,<br>
+ Und wandt' zum Gehen sich mit kurzem Gruß.<br>
+ Doch plötzlich hielt sie an. Die lichten Augen<br>
+ Erglänzten wild und stoben Zornesfunken.<br>
+ An uns vorbeigeschritten kam ein Knabe,<br>
+ Der in der Hand ein Schüßlein voll mit Beeren,<br>
+ Armselgen, halbgereiften, trug. — »Du Lump,«<br>
+ Rief ihm die Alte zu, »kanst's nit derwart'n<br>
+ Daß d' Erber' roth wer'n, muaßt di greani rupf'n?«<br>
+ <span class="indent1">Mit hoch erhobner Faust bedroht sie ihn,
+ </span><br>
+ Und ein gewaltig Fluchwort flog ihm nah,<br>
+ Als schleunig er und still die Flucht ergriff.<br>
+ Dann aber ganz erregt vor Schmerz und Grimm<br>
+ Sprach sie: »Dees is mei' allerirgster Kumma,<br>
+ Wenn's d' Erber' brock'n u'reif und kloanleizi,<br>
+ Ma mirkt's ja deutli, 's thuat der Pflanzen weh.<br>
+ Sie wehrt sie drum, was sie nur ko', die Armi,<br>
+ Just wier a Muatta um ihr liebis Kind,<br>
+ Do' wenn die Frucht recht zeiti wor'n is,<br>
+<!-- page210 -->
+ Geits 's geduldi her; no jo, sie hat<br>
+ Das ihre redli' tho', und denkt ihm halt:<br>
+ Jetz' werst der endli aa dein Frieden gunna.«<br>
+ <span class="indent1">Da stockte sie und sah mich fragend an,
+ </span><br>
+ Bestürzt beinah ob dieser Worte Sinn,<br>
+ Der dämmernd nur ihr zum Bewußtsein kam,<br>
+ <span class="indent1">»Wo wohnen's?« sprach sie hastig. »In Sankt
+ Zeno.«</span><br>
+ <span class="indent1">»Da kimm i lei' an nächst'n Sunnta hin,
+ </span><br>
+ Und Erber' bring' i Ihna, solchi haben's<br>
+ No niemal koana gsegn. Bfüth' Ihna Gott!«
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- I N H A L T -->
+<div class="chapter">
+<!-- page211 -->
+ <h2>
+ Inhalt.
+ </h2>
+
+<div class="center s4">
+<table class="index">
+ <tr>
+ <td colspan="2" class="tdc">I. Aphorismen.</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td colspan="2" class="tdr">Seite</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">Aerzte werden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alberne Leute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alle Enttäuschungen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alle historischen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alle irdische Gewalt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alles wird uns</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Als eine Frau</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alte Diener</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Alt werden heißt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Am unbarmherzigsten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Am weitesten in</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Am Ziele</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ An das Gute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ An dem Manna</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Andere neidlos</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ An die Stützen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ An groß angelegte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Anmuth ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ An Rheumatismen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Anspruchslosigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Arme Leute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auch das kleinste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auch der ungewöhnlichste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auch die Tugend</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auch in ein neues</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auch was wir</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Auf angeborne</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ausdauer ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Aus dem Mitleid</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Aus dem Verlangen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ausnahmen sind</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Autoren die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Begeisterung spricht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Begreifen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Bei den Hottentotten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Beim Genie</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Beim Tode</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Beim Wiedersehen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Besondere Stände</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Bewunderung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Bis zu einem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Da zuletzt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Alter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das edle: Ich will</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Erfundene</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Feuer läutert</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page212 -->
+ Das Gefühl</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Gemüth</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das giebt sich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Leben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Meiste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Mitleid</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Motiv einer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Recht des</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das scheinbar</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Talent</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Tüttelchen Wahrheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das unfehlbare</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Vernünftige</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Verständniß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Vertrauen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Daß andere Leute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Daß so viel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Dem großen Dichter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Dem Hungrigen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Dem, der uns</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Demuth ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Den Angriffen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Den Feind</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Denkfaulheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Den Menschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Den Strich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der alte Satz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der am unrechten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der ans Ziel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Arbeiter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Arme</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Augenblick</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Charakter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Egoismus</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der eitle, schwache</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Gedanke</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Geist einer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Geist ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Genius</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Gescheitere</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Gläubige</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der größte Feind</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Hans</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Haß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der herbste Tadel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Hochmuth</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Ignorant</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der kleinste Fehler</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der kleinste Hügel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Künstler hat</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Künstler versäume</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Leichtsinnige</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Mann</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Maßstab</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der niemals Ehrfurcht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Pfennig</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+</tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Philosoph</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+</tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Platz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Ruhm</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Schmerz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Schwächling</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der sich gar</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der sich keine</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Spott</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Staat</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Umgang</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Verstandesmensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Verstand macht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Verstand und</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Verstand wird</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der völlig vorurtheilslos</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der von Schaffensfreude</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page213 -->
+ Der Weise</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Weltmann</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Witzling</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Wohlwollende</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Zufall</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Aenderung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die allerstillste Liebe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Ambrosia</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Aufgabe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die bedauernswerthesten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Bescheidenheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Consequenzen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die einfachste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die eingebildeten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die einzigen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Eitelkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Empfindung des</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Erfolge</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Frau, die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Frau verliert</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Gedankenlosigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Gelassenheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Geschichte hat</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Gleichgültigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die glücklichen Pessimisten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die glücklichen Sklaven</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Grausamkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die größte Gewalt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die größte Gleichmacherin</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die größte Nachsicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die großen Augenblicke</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Großen schaffen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Großmuth</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Güte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Gutmüthigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Herrschaft</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die jetzigen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Katzen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Kleinen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die kleinsten Sünder</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Kraft verleiht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Kritik</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Kunst</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Langweile</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Laster</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Leidenschaft</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Leute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Liebe hat</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Liebe überwindet</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Litteratur</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die meiste Nachsicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die meisten Menschen brauchen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die meisten Menschen ertragen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die meisten Nachahmer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Menschen, bei</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Menschen denen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page19">19</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Menschen der</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Menschen die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Natur</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die öffentliche Meinung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Palme</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Reue</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Rücksichten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Sitte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Sittlichkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die still stehende</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Summe unserer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Thaten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Theilnahme</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Thoren</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Treue</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die unerträglichsten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page214 -->
+ Die Unschuld</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die uns gespendete</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die verstehen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Vornehmen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die wahre Ehrfurcht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Welt gehört</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Wortkargen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Wunden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Dilettanten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Du kannst so rasch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Du wüßtest</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Echte Propheten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ehen werden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein anregendes Buch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein armer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein böser Mensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page71">71</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Dichter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eine gescheite Frau</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein einziges Wort</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Einen Gedanken</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Einen Menschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Einen mit Weisheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Einer der seltensten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eine ungeschickte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eine Vernunftehe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein fauler</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein ganzes Buch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Gedanke kann</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein guter Witz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Hauptzweck</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Held</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein litterarischer Dieb</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Mann, der</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Mann mit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Nichts</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein scheinbarer Widerspruch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Schwachkopf</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein stolzer Mensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Streit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Urtheil</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein wahrer Freund</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein wirklich guter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eiserne Ausdauer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eitelkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eltern verzeihen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Erinnere Dich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Er ist ein guter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Erstritten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es darf so mancher</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es findet nicht nur</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es gäbe keine</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es gehört immer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt eine Menge</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt eine nähere</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt eine schöne</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page19">19</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt Fälle</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt Frauen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt Gelegenheiten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt keine</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt mehr naive</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt Menschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt Menschen mit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt nichts Böses</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt überall</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es giebt wenig</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es glaube doch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es hat noch Niemand</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es ist die Frage</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es ist ein Unglück</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es ist schlimm</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es ist schwer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page215 -->
+ Es kommt alles</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es kommt vor</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es muß sein</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es stände besser</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es steht etwas</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Es würde sehr wenig</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Etwas sollen wir</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Fähigkeit ruhiger</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Fortwährendem Entbehren</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Freundlichkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Frieden kannst Du</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Für das Können</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Für die Anspruchsvollen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Gebrannte Kinder</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Gedanken, die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Geduld mit der</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Geistlose Lustigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Gemeinverständlich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Genire Dich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Genug weiß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Glaube Deinen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Grobheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Gutmüthigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Hab' einen guten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Haben und nichts</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page9">9</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Herrschaft behaupten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Hoffnungslose Liebe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Hüte Dich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Im Alter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Im Grunde</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Im Laufe des Lebens</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Im Laufe des Lebens verliert</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Immer wird</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Im Unglück</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In der großen Welt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In der Jugend</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In der Jugend meinen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In einem guten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In jede hohe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ In jedem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Jeder Dichter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Jeder Künstler</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page69">69</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Jeder Mensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Jeder Weltmann</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Je kleiner das</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Je kürzer der</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Je mehr Du</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Je ungebildeter</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page74">74</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Je weiter unsere</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Jung sein</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Kein Mensch steht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Kein Mensch weiß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Kein Todter ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Klarheit ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Künstler haben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Künstler! was Du</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Liebe alle Menschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Liebe ist Qual</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page63">63</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Liebhabereien</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Macht ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man bleibt jung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page64">64</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Manche Leute</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Manche Menschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Manche Tugenden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page216 -->
+ Man darf anders</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page67">67</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man darf die Phantasie</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man fordre nicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page18">18</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man hat einen zu</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page33">33</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man kann den</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man kann nicht allen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man kann nicht jedes</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man kann sich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page73">73</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man kann viele</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man muß das</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Man muß schon</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page60">60</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Manuscripte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Mehr noch als</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Menschen, die nach</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Menschen, die viel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Merkmal großer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Mißtraue Deinem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Mitleid ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Muth des Schwachen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nächstenliebe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Natur ist Wahrheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nenne Dich nicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nicht jeder große</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nicht jene, die streiten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nicht leisten können</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts Besseres</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts bist du</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts ist erbärmlicher</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts ist weniger</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts lernen wir so</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page49">49</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts schwerer als</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nichts wird so oft</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nicht tödtlich, aber</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nicht was wir erleben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Niemand ist so</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nur der Denkende</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nur die allergescheitesten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Nur was für</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ob das Werkzeug</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page75">75</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Raison annehmen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Respekt vor dem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Rücksichtslosigkeiten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sag' etwas, das sich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sagen was man</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Schüchterne Dummheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Schwächliche Grämlichkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sehr geringe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sei Deines Willens</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sei froh, wenn</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Seit dem bekannten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Selbst der bescheidenste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sich mit Wenigem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Siege aber</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page4">4</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sobald eine Mode</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sogar der edelste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So mancher meint ein Don Juan</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So mancher meint ein gutes</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So Manches</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So manche Wahrheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So reich unser</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So weit Deine</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Soweit die Erde</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Späte Freuden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page55">55</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Steril ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page76">76</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Suche immer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page34">34</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Theorie und Praxis</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Treue Liebe</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page28">28</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page217 -->
+ Treue üben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Tugend und Gelehrsamkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page62">62</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ueber das Kommen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ueberlege ein Mal</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page50">50</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ueberlege wohl</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Um ein öffentliches</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page56">56</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Um in eine</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Unbefangenheit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Unbegründeter Tadel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Und ich habe mich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Unerreichbare Wünsche</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page15">15</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Unseren schlechten</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Unser Stolz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Verlegenheit äußert</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page65">65</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Verschmähtes Erbarmen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page24">24</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Verständniß des</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Vertrauen ist Muth</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Verwöhnte Kinder</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Viele Leute glauben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Vieles erfahren haben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Vorurtheil stützt die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Während des</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page61">61</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Während ein</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Warten lernen wir</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was Dein Wort</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was Du bekrittelst</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was Du wirklich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page37">37</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was Du zu</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was ein Mensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was geschehen ist</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was liegt am</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was liegt dem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was Menschen und</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page47">47</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was nennen die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was noch zu</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page51">51</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was uns an</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page3">3</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was wir unserem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page83">83</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Was wissen wir</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page84">84</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Weh der Frau</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Welch ein Unterschied</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Welcher Autor</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenig Leidenschaft</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn alberne</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page26">26</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn der Kunst</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn die Großmuth</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page31">31</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn die Mißgunst</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn die Nachtigallen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page70">70</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn die Neugier</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn die Zeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page40">40</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Du durchaus</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page32">32</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Du einen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page17">17</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Du sicher</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page35">35</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn ein edler</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn ein Mensch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn es einen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page7">7</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn ich nicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Ihr wüßtet</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page78">78</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Jeder dem</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page59">59</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn Jemand etwas</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn man das</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page20">20</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn man ein</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page57">57</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn man nicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page39">39</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn man nur</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page10">10</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn mein Herz</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page46">46</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn wir an Freuden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn wir auch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page54">54</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn wir nur das</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page79">79</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn wir nur noch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page58">58</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wenn zwei brave</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page16">16</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <!-- page218 -->
+ Wer an die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page8">8</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer die materiellen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page52">52</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer es versteht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page29">29</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer Geduld sagt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer hat nicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page81">81</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer in der Gegenwart</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page27">27</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer in die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page36">36</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer nichts weiß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page21">21</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer sich mit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page42">42</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wer sich seiner eigenen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page11">11</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wie theuer Du</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wie viel Bewegung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page43">43</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wie weise muß</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page5">5</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir entschuldigen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page13">13</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir hätten wenig</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page48">48</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir können es</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page86">86</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir können uns</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page68">68</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir müssen immer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sind für nichts</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page53">53</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sind Herr</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page85">85</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sind in</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page80">80</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sind leicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page77">77</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sollen immer</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page12">12</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir sträuben uns</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page87">87</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir unterschätzen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page82">82</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir verlangen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page6">6</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wir werden vom</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wisset, die Euch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page72">72</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wo die Eitelkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page22">22</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wo Geschmacklosigkeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page66">66</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wo giebt es noch</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page45">45</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wohlerzogene</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page44">44</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wohl finden wir</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page88">88</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wohl Jedem, der</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page38">38</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Wo wäre die</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page25">25</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Zu jeder Zeit</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page30">30</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Zu späte Erfüllung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page14">14</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Zwei sehr</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page23">23</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Zwischen Können</td>
+ <td class="tdr"><a href="#page41">41</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td colspan="2" class="tdc">II. Parabeln und Märchen.</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Mußmenschen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieMussmenschen">91</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Vergleich</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Vergleich">101</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Zwei Gräber</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Graeber">102</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Prometheus</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Prometheus">104</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eine Begegnung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Begegnung">106</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Fremde</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieFremde">108</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Blatt</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DasBlatt">111</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Siegerin</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieSiegerin">112</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Verlorene Zuversicht</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Zuversicht">114</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Am Ziel</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Ziel">115</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Eine dumme Geschichte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#dummeGeschichte">117</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der junge Fürst</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Fuerst">125</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Kosmogonie</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Kosmogonie">130</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Brautwahl</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Brautwahl">133</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Werthbestimmung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Werthbestimmung">140</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Geschieden</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Geschieden">141</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Des Kleinen Lob</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Lob">142</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Besessen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Besessen">143</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Nachbarn</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieNachbarn">145</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der gute Feind</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Feind">149</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ohne Vorschule</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Vorschule">150</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Palemon</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Palemon">152</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Beste</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DasBeste">155</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein Glücklicher</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Gluecklicher">159</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Gottesleugner</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DerGottesleugner">161</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Vervehmte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieVervehmte">162</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Anhänger
+ <!-- page219 -->
+ </td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieAnhaenger">163</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Ausgestoßenen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieAusgestossenen">165</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Verwöhnte</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DerVerwoehnte">168</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Propheten-Loos</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Propheten-Loos">169</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ungelöste Aufgaben</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Aufgaben">172</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Untrennbaren</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieUntrennbaren">174</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Brüder</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieBrueder">179</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td colspan="2" class="tdc">III. Gedichte.</td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Ein kleines Lied</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Lied">185</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ <span lang="fr">Boule d'or</span></td>
+ <td class="tdr"><a href="#Boule">185</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sommermorgen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Sommermorgen">186</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Der Halbpoet</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DerHalbpoet">187</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Vanitas</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Vanitas">188</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Das Schiff</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DasSchiff">189</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Lebenszweck</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Lebenszweck">190</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Grabschrift</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Grabschrift">190</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Sankt Peter und der Blaustrumpf</td>
+ <td class="tdr"><a href="#SP-Blaustrumpf">191</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Liebeserklärung</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Liebeserklaerung">193</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ So ist es</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Soistes">196</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Einschlafen</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Einschlafen">198</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Spruchverse</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Spruchverse">201</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Gänsezug</td>
+ <td class="tdr"><a href="#Gaensezug">204</a></td>
+ </tr>
+ <tr>
+ <td class="tdl">
+ Die Erdbeerfrau</td>
+ <td class="tdr"><a href="#DieErdbeerfrau">205</a></td>
+ </tr>
+</table>
+
+<p class="p2 center">Druck von
+ <span class="gesperrt">G. Bernstein</span>
+in Berlin.</p>
+</div>
+</div>
+
+<hr class="chap x-ebookmaker-drop">
+
+<!-- T R A N S C R I B E R S ' N O T E S -->
+<div class="chapter">
+ <h2>
+Anmerkungen des Bearbeiters
+ </h2>
+
+<div class="center">
+<div class="transnote cc">
+<p>
+Das Umschlagbild wurde vom Bearbeiter gestaltet und in die Public
+Domain eingebracht.
+</p>
+<p>
+Die Verwendung der Anführungszeichen wurde stillschweigend
+vereinheitlicht.
+</p>
+<p>
+Die folgenden wahrscheinlichen Druckfehler wurden im Text geändert.
+</p>
+<p>
+Seite: 30<br>
+»Meuschen« wurde in »Menschen« geändert:<br>
+<i>Was nennen die <a href="#30a" id="30b">Menschen</a> am liebsten
+dumm?</i>
+</p>
+<p>
+Seite: 134<br>
+»Töchter« wurde in »Töchtern« geändert:<br>
+<i>...unter den <a href="#134a" id="134b">Töchtern</a> des höchsten
+Adels.</i>
+</p>
+<p>
+Seite: 207<br>
+»au s?« wurde in »aus?« geändert:<br>
+<i>Im Sommer, doch wie sieht's im Winter
+<a href="#207a" id="207b">aus?</a></i>
+</p>
+</div>
+</div>
+</div>
+<div style='text-align:center'>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 77889 ***</div>
+</body>
+</html>
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Binary files differ
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+This book, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
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+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for eBook #77889
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