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| author | Roger Frank <rfrank@pglaf.org> | 2025-10-15 05:07:03 -0700 |
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diff --git a/19971-8.txt b/19971-8.txt new file mode 100644 index 0000000..28fabcc --- /dev/null +++ b/19971-8.txt @@ -0,0 +1,1348 @@ +The Project Gutenberg eBook, Hansi, by Ida Frohnmeyer, Illustrated by +Hedwig Schwegelbaur + + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + + + + +Title: Hansi + + +Author: Ida Frohnmeyer + + + +Release Date: November 29, 2006 [eBook #19971] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + + +***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HANSI*** + + +E-text prepared by Norbert H. Langkau, Ralph Janke, and the Project +Gutenberg Online Distributed Proofreading Team (https://www.pgdp.net/) + + + +Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this + file which includes the original illustrations. + See 19971-h.htm or 19971-h.zip: + (https://www.gutenberg.org/dirs/1/9/9/7/19971/19971-h/19971-h.htm) + or + (https://www.gutenberg.org/dirs/1/9/9/7/19971/19971-h.zip) + + +Anmerkung zur Transkription: + + Im Original gesperrt gesetzte Worte sind mit _ gekenntzeichnet + + Im Original in Fettdruck gesetzte Worte sind mit = gekenntzeichnet + + + + + +Sonne und Regen im Kinderland +Das zweite Bändchen + +HANSI + +von + +IDA FROHNMEYER + +Zwei Erzählungen + +Mit Scherenschnitten von Hedwig Schwegelbaur + + + + + + + +[Illustration] + + + + +12.-26. Tausend +1922 +D. Gundert / Verlag / Stuttgart + +Druck der Stuttgarter +Vereins-Buchdruckerei + + + +Hansi + +[Illustration] + + +»Und wenn wir uns wiedersehen, ist mein Hansi ein großer, strammer Bub! +Ach, wie ich mich jetzt schon freue!« + +Das hatte Mutterchen gesagt, als sie zum letzten Male an ihres Jungen +Bett gesessen hatte. Am andern Morgen, noch ehe Hansi die Augen +geöffnet, waren sie und der Vater weggereist, weit weg, zurück in das +heiße Land, in dem Hansi geboren war und als kleiner Junge gespielt +hatte. + +Wie war es da so schön! Wie ein langer, leuchtender Sonnentag! Ein +bißchen heiß war es ja manchmal gewesen, aber dann hatte ihn die +freundliche, braune Ayah gefächelt, und Mutterchen hatte ihm erlaubt, +wie ein kleiner Hindujunge, nur mit einem Lendentuch bekleidet, +herumzuspringen. Und da war eine große, mattenbedeckte Veranda gewesen +und ein prächtiger Blumengarten und das weite, blaue Meer, in dem er +jeden Morgen gebadet, und das ihm so viele schöne Muscheln geschenkt. +Ja, und einmal war eine dabei gewesen, die sah drein, als habe sie ein +Tigerfellchen angezogen, und sie hatte etwas ganz Wunderbares in sich +verborgen -- -- das Rauschen des Meeres. Man mußte sie nur dicht ans Ohr +halten, dann hörte man es deutlich, und wenn man die Augen schloß, +konnte man denken, nahe bei Vater und Mutter zu sein. + +Jetzt wohnte Hansi in einem großen Haus mit vielen andern Buben +zusammen. Eine Veranda gab es da nicht, nur weite, helle Stuben, die ein +wenig leer und nüchtern dreinsahen. An den Wänden hingen keine Bilder, +und nirgends standen Blumentöpfe oder schön geformte Vasen. Natürlich, +in einem Haus mit so vielen wilden Buben konnte man derartiges nicht +haben. Mutterchen wenigstens hatte den Mangel so erklärt. + +[Illustration] + +Wenn sie nur ein bißchen weniger wild gewesen wären, diese Buben! Hansi +fürchtete sich vor ihnen, oft unnötigerweise, denn im Grund meinten sie +es gut mit dem neuen Kameraden. Aber er war so verträumt und so +fabelhaft leichtgläubig, der kleine Hansi. Das verlockte sie immer aufs +neue zu Neckereien aller Art. »Hansi, du mußt einmal ein Sandmännchen +werden und mit einem Karren herumziehen und Sand verkaufen!« sagte einer +der Buben. Hansi schaute kläglich drein und meinte: »Ich will aber +nicht!« -- »Ja, du mußt eben, du mußt!« gröhlte die ganze Bande. Sie +lachten aus vollem Halse und sahen ohne alles Mitleid, wie in Hansis +Augen eine heiße Angst aufwachte. Vielleicht daß ihnen die dummen Worte +leid gewesen wären, wenn sie gewußt hätten, daß sie wochenlang wie ein +schweres Gewicht auf Hansis Herzen lagen. Ja, wochenlang. Dann auf +einmal kamen ihm Mutterchens Worte in den Sinn: »Wenn wir uns +wiedersehen, ist mein Hansi ein großer, strammer Bub.« Also noch ein +Bub! Da konnte Mutter doch gewiß verhindern, daß er ein Sandmännchen +werde. Hansi ward darüber so froh, daß er einen bescheidenen kleinen +Luftsprung machen mußte. Dann lief er in den großen Hof hinunter, wo die +andern Jungen spielten und schrien, und schrie zum erstenmal in seinem +Leben tüchtig mit. + +Der Hof erinnerte in nichts an den herrlichen Blumengarten. Nur in einer +Ecke war ein kleiner Abglanz davon. Da hatten die größeren Buben ihre +Gärtchen. Jedem gehörte ein schmales Beet, das er selbst bepflanzen +durfte. Wie sehr liebte Hansi diese kleinen Gärten! Keiner der eigenen +Besitzer wartete mit größerer Spannung auf das Erblühen einer Knospe, +auf das Aufgehen irgend eines geheimnisvollen Blumensamens. + +[Illustration] + +Die großen Jungen fanden es oft recht angenehm, den Kleinen helfen zu +lassen. »Er tut es ja so gern,« entschuldigten sie sich vor sich selbst, +wenn sie sahen, wie er mit glühendem Gesicht die Beete von Unkraut und +Steinen säuberte. Aber keiner dachte daran, dem kleinen Hansi ein +Stückchen, ach! nur ein winziges Stückchen zu geben. Und er mußte noch +so lange auf ein eigenes Gärtchen warten! Wer in die dritte Klasse +eintrat, bekam eines zugewiesen. Hansi aber gehörte noch zu den +»Nullten«. So nannte man die Bürschchen unter sechs Jahren, die noch +nicht zur Schule gingen. Manchmal waren deren zwei, drei, oder noch mehr +beisammen, aber als Hansi ins Haus gekommen, waren eben alle Nullten +stolze »Erstklässler« geworden, und Hansi war die einzige kleine Null. +Das war dem guten Mutterchen gar hart erschienen. Sie hatte wohl +vorausgesehen, wie verloren die kleine Null in dem großen Hause +herumwandern werde. Den ganzen Vormittag hindurch waren Lektionen; für +Hansi war niemand da, und so ging er mit seinen kleinen, immer noch ein +bißchen trippelnden Schritten treppauf, treppab. Oft blieb er vor einem +Klassenzimmer stehen und hörte ein Weilchen zu. Es freute ihn, wenn er +die verschiedenen Stimmen unterscheiden konnte. »Das ist Gerhard und das +Karl und das Fritz.« Er konnte sich beinahe einbilden, mit im +Klassenzimmer zu sein wie ein richtiger großer Junge. Ach, wenn doch das +Frühjahr bald kommen wollte! + +Aber vorerst war es Juni. Im Juli und August waren lange Ferien, das +wußte Hansi. Alle Jungen sprachen von diesen Ferien. Jeder war +irgendwohin eingeladen, zu Verwandten oder guten Freunden, und jeder +hatte etwas Schönes von den kommenden Wochen zu erzählen. + +Nur Hansi nicht. Er wußte nicht, daß ihn eine Tante längst eingeladen, +und niemand dachte daran, ihm etwas davon mitzuteilen. Da überkam ihn +nach und nach eine große Traurigkeit. »Alle werden sie fortgehen, dann +bin ich ganz allein,« dachte das Hänschen, und in Gedanken durchwanderte +er das große Haus und horchte vergeblich an den totenstillen +Klassenzimmern. Mit einem Mal hatte er die vielen wilden Buben lieb. Er +konnte es ihnen nicht sagen, er schaute sie nur an mit bittenden Augen, +die so deutlich sagten: »Geh nicht fort! Weißt du denn nicht, daß ich +dann ganz allein bin?« + +Aber frische, lebenslustige Buben verstehen eine leise Augensprache +schlecht. Hansi mußte deutlicher reden, und das tat er auch eines Tages. +Der Größte der ganzen Schar, der schon beinahe wie ein Herr dreinsah, +hatte Hansi erlaubt, sein Gärtchen zu begießen. Eifrig trippelte der +Kleine hin und her. Das Wasser lief aus der Kanne nicht nur auf die +Blumen hinab, sondern auch auf Hansis Schürze und Schuhe. Ängstlich +beschaute er den Schaden aber der Große wußte Rat. + +[Illustration] + +»Komm, die Schürze hängen wir an die Mauer, da scheint noch Sonne hin. +Die trocknet bald.« + +Er tätschelte bei diesen Worten Hansis Haarschopf -- das tat wohl bis +tief ins kleine Herz hinein. Hansi faßte plötzlich Mut. + +»Du, Ernst, kann ich nicht mit dir in die Ferien gehen? Weißt du, ich +muß sonst allein dableiben.« + +Noch ehe Ernst antworten konnte, erklang ein unbändiges Gelächter. +Hinter den beiden stand Hansis schlimmster Quälgeist, ein lang +aufgeschossener Junge mit schlenkrigen Gliedern. »Nun meint das Kindle, +es bleibe allein zu Hause! Ha, ha, das ist ja rein zum Totlachen! Aber +halt!« -- der lustige Ton schlug plötzlich in einen ernsthaften um -- +»du hast ganz recht. Du mußt freilich allein dableiben. Ganz allein ... +Die Hauseltern gehen weg, und die Mägde gehen weg, und die Lehrer gehen +weg, und natürlich alle Buben -- nur du allein mußt dableiben und das +Haus hüten.« + +Hansi starrte den Sprechenden an mit weit aufgerissenen, entsetzten +Augen, und nun geschah etwas völlig Unerwartetes. Er schrie auf, so +jammervoll, daß es sogar dem dummen Buben ins Herz drang, und dann +stürzte er, immer den gleichen schmerzlichen Schrei ausstoßend, aufs +Haus zu. + +[Illustration] + +»Du Esel!« knurrte der große Ernst und gab dem Quälgeist einen +Rippenstoß. Dann rannte er in großen Sprüngen dem kleinen Kameraden +nach. Drinnen im Haus fand er ihn. Die Hausmutter, eine rüstige Frau, +mit einem freundlichen, tüchtigen[TN1] Gesicht, hielt Hansi auf dem +Schoß und strich ihm beruhigend über die tränennassen Bäckchen. + +»Nun weine nur nicht mehr! Hat es denn gar so weh getan? Wo bist du denn +gefallen? Komm, jetzt machen wir: Heile, heile Segen! Drei Tag' Regen, +drei Tag' Schnee -- tut dem Kindchen nimmer weh!« + +In ihrer Stimme lag etwas so Beruhigendes, daß Hansis wildes Schluchzen +allmählich verstummte. Da stellte ihn die Frau wieder auf die Erde, +putzte ihm das Näschen und ging eilig, um in der Küche ihre Befehle für +das Abendbrot zu geben. + +Der große Ernst stand etwas verlegen neben dem kleinen Kameraden. +»Hansi,« sagte er, »nun paß einmal auf: du mußt nicht allein dableiben. +Du bist auch eingeladen, zu deiner Tante in den Schwarzwald. Dort ist's +schön, freu' dich nur! Auf Karl brauchst du nicht zu hören, der schwatzt +nur dummes Zeug.« + +Hansi sagte nur das eine Wörtchen »O«, aber seine Augen sahen dabei so +glücklich und dankbar drein, daß es dem großen Ernst ganz merkwürdig +warm ums Herz wurde. Zärtlichkeiten waren unter den Jungen verpönt. Aber +nun konnte er nicht anders: er bückte sich und küßte das strahlende +Gesichtchen vorsichtig und rasch. + +[Illustration] + +[Illustration] + +Ende August rückte Hansi wieder in die Anstalt ein. Er brachte ein +sonnenverbranntes Gesichtchen mit und frohe, blanke Augen, in denen sich +viel Liebes gespiegelt hatte. Das war deutlich zu sehen. Und ebenso +deutlich war zu sehen, wie die Augen allmählich den frohen Glanz +verloren und wieder den alten suchenden, verträumten Ausdruck gewannen. + +Und doch war eigentlich niemand unfreundlich mit dem Kleinen. Nur ... es +hatte niemand Zeit für ihn. Das war es. Die Hausmutter und die Mägde +hatten alle Hände voll mit dem großen Haushalt. Der Hausvater und die +Lehrer beschäftigten sich wohl auch außer den Stunden mit den Buben, +aber Hansi war meist zu klein, um bei den verschiedenen Unternehmungen +mittun zu können. Nur der Singlehrer gab sich hie und da mit ihm ab. Der +hatte ihn einmal ein Lied, das ihn seine Ayah gelehrt, singen hören, und +seither durfte Hansi in der Singstunde der Kleinen mitsingen. Ja, und +manchmal durfte er auch noch nach der Stunde eine Weile bei dem +freundlichen Herrn bleiben, der ihm auf dem Klavier allerlei vorspielte. + +Gleich nach Vater und Mutter und den Blumen liebte Hansi die Musik. Aber +es mußte schöne sein. Die Übungsstücke der Buben waren ihm zuwider. Auch +der Lehrer spielte nicht immer schön nach Hansis Meinung. »Schön« waren +nur die feinen, zarten Töne, die einen wie liebe Hände streichelten. -- -- + +Der Herbst brachte eine große Freude für Hansi. Bei Vater und Mutter war +ein Kindchen angekommen, ein kleines Schwesterlein, das mit ebenso +erstaunten Blauaugen in die Welt gucke, wie es Hansi getan. Als das +kleine Ding ein paar Wochen alt war, wurde es photographiert, und Hansi +erhielt ein Bildchen. + +Er betrachtete es mit strahlenden Augen, dann lief er zur Hausmutter. +»Nicht wahr, Tante, einmal hat der liebe Gott gedacht: Nun will ich mal +ein süßes, kleines Mädchen machen, und da hat er Käthe gemacht.« + +[Illustration] + +»Ja, ja, das wird wohl so sein,« lächelte die Tante. Dabei setzte sie +den großen Wäschekorb, den sie eben auf den Boden tragen wollte, wieder +ab, um Hansi einen Kuß zu geben. + +Hansi trug das Bildchen immer bei sich in der Tasche seiner +Matrosenbluse. Wenn er sich sehr klein und verlassen vorkam, zog er es +hervor und setzte sich damit in die Nähe der Gärtchen, um den Blumen von +der kleinen Schwester zu erzählen. Sie verstanden ihn sehr gut, +besonders die Dahlien, die mit ihren dicken Köpfen so vergnügt und +wohlgenährt dreinsahen. Sie erinnerten Hansi immer an einen Buben des +Hauses, der rote Pausbacken hatte und immer zufrieden war. Die Blumen +waren überhaupt wie die Menschen. Sie hatten ihre eigenen Gesichter und +ihr eigenes Wesen. Die Stiefmütterchen waren wie liebe, freundliche +Kinderchen, aber die Rosen trugen sich stolz und hatten wundervolle +Seidenkleider, daß man sie gar nicht anzufassen wagte. Noch schlimmer +waren die Lilien, die so steif und gerade standen, nie sich hin und her +wiegten und flüsterten wie die bunten Nelken. Doch die Liebste von allen +war die Sonnenblume. Sie war die Mutter aller Blumen. Es konnte nicht +anders sein. Sie glich ganz und gar einer freundlichen, liebespendenden +Mutter. + +[Illustration] + +Aber nun waren die Sonnenblumenmutter und alle ihre Sommerkinder +verblüht. In den Gärten standen außer Dahlien nur noch Chrysanthemen. +Der große Ernst hatte sein ganzes Stückchen Land damit bepflanzt. Da +waren violette und bronzefarbene, blaßgelbe und weiße. Hansi liebte die +weißen am meisten, denn sie sahen drein wie Sterne, und er mußte bei +ihrem Anblick immer an den Stern von Bethlehem, an Weihnachten denken. + +[Illustration] + +Und Hansi freute sich auf Weihnachten! Ganz weh tat ihm oft das Herz, +weil es so voller Freude und Erwartung war. Zwar war es traurig, daß +auch die bunten Herbstblumen verblühen mußten, und daß der weiße Schnee, +der so naß und kalt war, alles zudeckte. Hansi konnte nicht verstehen, +daß er die Blumen warm halte, wenn es ihm die andern auch noch so oft +vorsagten. Nein, die Blumen waren alle tot und konnten sich nie mehr +durch den dicken Schnee hinausfinden. + +Das war furchtbar traurig. Aber Hansi wollte nicht daran, sondern an das +wunderschöne Christfest denken. Er lernte viele Weihnachtslieder. Ja, +der Lehrer ließ ihn ganz allein ein altes Lied singen, das fing an: »O +Jesulein süß, o Jesulein mild.« Es waren ein paar Worte drin, die Hansi +nicht verstand. Aber das schadete nichts. Die Melodie war süß und zart, +gerade wie ein Lied sein muß, das man dem Jesuskindlein in der Krippe +singen darf. + +Hansi sang es oft. Wenn er allein in dem großen Kinderzimmer saß und +mit dem alten Baukasten spielte, baute er einen wunderschönen Stall mit +vielen Türmchen und Erkern. Dann legte er den blonden Kopf auf die +Tischplatte, um durch das winzige Fensterchen in das dämmrige Innere zu +sehen. Dazu sang er mit lieber, feiner Stimme, und seine Augen gewannen +dabei einen Ausdruck, als wachse das winzige Ställchen zu einem großen, +als stehe die Tür weit offen und das Hänschen wandere hinein in den +seligen Glanz, der von dem Kindlein in der Krippe ausgeht. + +[Illustration] + +[Illustration] + +In der Stadt war Weihnachtsmarkt. Von dem alten Stadttor, das einst +trutzig jedem Fremden den Einlaß verweigert hatte, nun aber längst +friedlich, mit efeuumsponnenen Türmen innerhalb der Stadt stand, führte +eine breite Straße auf den Andreasplatz hinunter. Und hier standen alle +die Weihnachtsbäume. Prächtige Weißtannen, die wohl dafür bestimmt +waren, einen großen Saal zu schmücken; schlanke Rottannen, deren Zweige +verlangend ausgestreckt waren, als könnten sie es kaum erwarten, die +strahlenden Kerzen und goldenen Ketten zu tragen. Da waren auch putzige, +kleine Bäume, zu denen sich Hansi ganz besonders hingezogen fühlte. Er +schritt neben der Hausmutter die grüne Tannenstraße auf und ab; aber +während diese die großen Bäume musterte, betrachtete Hansi mit +zärtlichen Blicken die kleinen. Endlich wurde eine große, stolze Tanne +gewählt, und Elise, die neueingetretene Magd, und der große Ernst, der +zur Hilfe mitgekommen, packten sie vorsichtig und machten sich auf den +Nachhauseweg. + +»Komm, Hansi,« sagte die Tante, »wir gehen jetzt auch.« + +Hansi streckte gehorsam seine Hand aus, aber er konnte nicht hindern, +daß ihm dabei ein kleiner Seufzer entschlüpfte. Er hatte, während die +Tante mit dem Verkäufer verhandelt, die ganze + +[Illustration] + +Zeit neben einem zierlichen Bäumchen gestanden, dessen grüne Spitze nur +eben an sein Näschen reichte. + +»Gefällt dir das Bäumchen? Möchtest du es haben?« fragte mit einem Mal +die Verkäuferin. »Ich schenke es dir. Die Frau Mama haben ja eine so +große Tanne gekauft, da geht das Kleine noch drein.« + +Hansi konnte sein Glück kaum fassen. Er dankte mehr mit den Augen als +mit dem Mund, dann schritt er neben der Tante, vorsichtig die grüne Last +gegen das dankbare Herzchen gedrückt. + +Es war merkwürdig. Als der Morgen des Festes dämmerte, auf das sich +Hansi wochenlang von ganzem Herzen gefreut, war die Freude mit einem +Schlag wie weggewischt. Noch nie war er sich so klein und so verlassen +vorgekommen, wie in dem unruhigen, frohen Treiben, das den ganzen Tag +beherrschte. Er wurde erst ein bißchen froher, als ihm die Tante zwei +beschädigte Glaskugeln, ein paar schillernde Goldfäden und sogar einige +Halter mit Lichtstümpchen darin schenkte. Nun konnte er doch sein +Bäumchen, sein eigenes, liebes Bäumchen schmücken. Er hatte sich selbst +einigen Schmuck gefertigt: wundersam gezackte Sterne, auch Blumen und +Vögel und allerlei Getier. Sie sahen zwar ein bißchen seltsam drein -- +Mutterchen hatte das entschieden besser gekonnt -- aber im Grund +schadete es nichts. Die langgeschwänzten Vögel wiegten sich vergnüglich +in den grünen Zweigen, die Goldsterne und Goldfäden leuchteten prächtig, +und die Glaskugeln waren so schön, daß Hansi eine Weile seine Arbeit +unterbrechen mußte, um das Bäumchen von allen Seiten bewundern zu +können. Nun wurden noch die fünf Kerzen angesteckt, und das Bäumchen war +geschmückt. + +[Illustration] + +Es stand in einem Rumpelkämmerchen auf einem alten Schemel, den Hansi +erst fein säuberlich mit einem Taschentuch bedeckt hatte. Es war kalt in +der Dachkammer, und Hansi hatte nahezu blaugefrorene Hände und ein +rotes Näschen. Aber er schien es gar nicht zu beachten. Er war ganz +versunken in den Anblick seines Bäumchens, und erst als die Glocke zum +Vieruhrbrot rief, verließ er das Kämmerchen. + +[Illustration] + +Um ½6 Uhr sollte die Weihnachtsfeier beginnen. Vorher mußten alle die +vielen Buben noch einmal gewaschen und gekämmt, gebürstet und +gestriegelt werden. Da konnte es leicht passieren, daß ein so kleines +Männchen wie Hansi übersehen wurde. + +Niemand vermißte ihn, bis es an das Ordnen des Zuges ging. Den mußte ja +der Kleinste anführen. Aber wo war er nur? Nicht im Wohnzimmer, nicht in +der Kinderstube, in keinem der Lehr-, in keinem der Schlafsäle. Die +Buben lachten und stellten die ungeheuerlichsten Vermutungen auf. »Er +hat vielleicht gemeint, die Krippe sei im Kohlenkeller,« meinte der +lange Karl. Das schien der Tante gar nicht so unmöglich. Sie ging selbst +die Kellertreppe hinunter; die Elise aber, die neue Magd, schickte sie +auf den Boden, nach Hansi zu suchen. + +Langsam schritt das junge Mädchen die steile Stiege hinauf. Oben +angekommen, lehnte sie einen Augenblick den Kopf an die Wand und +schluchzte laut und schmerzlich. Es war zum erstenmal, daß sie in der +Fremde Weihnacht feiern mußte... Ach, wie sie sich nach Hause sehnte, wo +sie von allen geliebt worden! Hier fragte niemand nach ihr, niemand +brauchte sie. Es war gleichgültig, ob sie da war oder nicht... Doch -- +sie mußte ja Hansi suchen gehen. + +[Illustration] + +Ein, zwei Türen hatte Elise schon geöffnet und umsonst in dem Halbdunkel +herumgespäht, da sah sie einen Lichtstrahl aus dem alten +Rumpelkämmerchen fallen. Die Türe war nur angelehnt. Ganz leise schob +sich Elise hinein, und da sah sie das verlorene Hänschen auf einer Kiste +sitzen. Vor ihm stand das wundersam geschmückte Bäumchen und leuchtete +mit seinen fünf Kerzen. + +Wie arm und wehmütig sah das drein... Aber das Kind saß davor mit +glückstrahlenden Augen und sang: + +[Illustration] + + »O Jesulein süß! + O Jesulein mild! + Des Vaters Will'n + Hast du erfüllt, + Bist kommen aus dem Himmelreich, + Uns armen Menschen worden gleich. + O Jesulein süß! + O Jesulein mild!« + +Die blonde Elise lehnte unter der Türe. In ihre guten Augen, die schon +so mütterlich schauen konnten, traten heiße Tränen, die langsam über ihr +Gesicht rollten. Sie achtete es nicht. Hier in dem kleinen +Dachkämmerchen, als sie das Kind so einsam sitzen sah, war plötzlich +eine große Freude in ihr aufgewacht... Der brauchte sie und ihre Liebe! +Der war ja auch ganz allein. Es tat ihm gewiß not, daß ihn jemand mit +großer, warmer Liebe umfasse. Ach, und sie war ja froh, wenn sie Liebe +schenken durfte ... + +»Hansi,« sagte Elise, »komm, Bubele, wir haben dich gesucht, weil man +zur Bescherung geht. Du kannst jetzt nicht dableiben, aber dein schönes +Bäumle zünden wir morgen wieder an, gelt?« + +»Nicht wahr, es ist wunderschön?« Hansi kletterte von seiner Kiste +herunter. Dann faßte er mit seinem kalten Händchen die braune, warme +Hand des Mädchens, und als er in ihr gutes Gesicht schaute, kam auch +über ihn eine große, helle Freude. + +[Illustration] + + + + +[Illustration] + +Die alte Bodenkammer + + +Wohl jeder trägt in sich verborgen die Erinnerung an einen Ort, über dem +der Stern der Kindheit mit besonders hellem Glanze leuchtet. + +Vielleicht ist es ein Garten, ein weltfremder, drin prunkende +Pfingstrosen und hohe Malvenstauden stehen; oder ein trauliches +Zimmerchen mit herabgelassenen Vorhängen, und man sieht sich selbst +klein und schmal an Mutters Knie lehnen und ihren Geschichten lauschen. +Wieder zaubert die Erinnerung schneeige Berge, leuchtende Seen oder +auch einen alten Hof, eine Scheuer -- eine Bodenkammer. + +Sie lag nicht in unserm Haus. Bei uns war alles hell und neu und sauber, +sogar auf dem Boden. Aber im Nachbarhaus, schräg über der Straße, war +eine richtige alte Bodenkammer, durch deren halbblindes Fenster das +Licht nur spärlich eindringen konnte. Gegen Abend wurde es daher düster +und schön gruselig. Man hockte so nahe wie möglich zusammen auf der +riesigen alten Kiste und erzählte sich Geistergeschichten, bis einem vor +Angst beinahe die Stimme versagte. Ich hatte an unserer Köchin eine sehr +ergiebige Quelle und wußte u. a. von »den Mädchen, die noch Erbsen +einlegen wollten« und von dem fürchterlichen Telegramm »Habe acht auf +den Sarg« zu erzählen. + +Anni, die Älteste unserer kleinen Schar, behandelte Hauffs +»Gespensterschiff«. Wir kannten ja die Geschichte längst auswendig, aber +Anni sorgte für Variationen, so daß wir immer neuen Grund zum Kreischen +fanden. + +Die andern zwei erzählten nie. Dem dicken Gretchen fiel nichts ein und +das kleine Elschen zählte noch gar nicht recht mit. Sie mußte sich +überhaupt geschmeichelt fühlen, daß wir großen acht- und neunjährigen +Mädels sie mittun ließen. Wenn man erst fünf Jahre alt ist und noch +nicht einmal lesen kann! + +Sie, Klein-Elschen, war übrigens manchmal recht angenehm. Wenn man statt +der Puppen gerne ein lebendiges Kindchen gehabt hätte, ließ sie sich +geduldig in einen großen Schal wickeln und herumschleppen. Ja, sie nahm +sogar mit sichtlichem Vergnügen den Schnuller in den Mund, den wir dem +richtigen Baby entwendet hatten. Mit unserer Moral war es überhaupt +etwas lax bestellt. Wurde in unserm Haushalt irgend ein Mangel entdeckt, +so unternahm das für die Sache am meisten Befähigte einen Beutezug nach +unten, wir nannten es einen Ausgang in die Stadt. + +[Illustration] + +Die Bodenkammer war sehr geräumig. Wir hatten uns in einer Ecke ein ganz +behagliches Wohnzimmerchen eingerichtet, dessen Hauptstolz ein +dreibeiniges Sofa -- an Stelle des vierten Beines stand eine Kiste -- +und eine wacklige Kinderbettlade bildete. Wir waren auch im Besitz einer +Truhe, deren Deckel so schwer war, daß wir ihn nur mit Lebensgefahr +aufheben konnten. Lange war es uns überhaupt nicht gelungen, und wir +hatten uns schon darein ergeben, nie etwas von den darin verborgenen +Schätzen zu Gesicht zu bekommen. Aber einmal packte uns die Neugierde so +mächtig, daß sie uns wahre Riesenkräfte zu verleihen schien; unter +Stöhnen und Ächzen gelang es uns, den Deckel zurückzuschlagen. Eine +dicke Staubdecke war das erste, was sich den vier neugierig gesenkten +Kinderköpfen darbot. Sie lag über einer Menge Bücher und vergilbter +Blätter und hatte sich auf einem rundlichen, mit einem Tuch bedeckten +Gegenstand, der in der untersten Tiefe sichtbar ward, angesammelt. Was +stak wohl unter dem Tuch? + +»Ein Ball!« riet das kleine Elschen. »Ein Goldklumpen!« meinte Gretchen +mit bedächtiger Stimme. + +»Wir wollen es herausholen,« schlug Anni vor. »Steig' du hinein, Mixi, +du bist die Dünnste.« + +Dagegen ließ sich nichts einwenden. Ich hockte zwischen den staubigen +Büchern nieder und fing an, das runde Ding aus seiner Umhüllung zu +schälen. Ich versuchte dabei mit Kopf und Schultern den andern die +Aussicht zu verdecken. Mußte ich in die staubige Kiste kriechen, so +wollte ich wenigstens die Entdeckerfreude erst allein genießen. + +[Illustration] + +Die letzte Hülle fiel und -- -- ein Totenschädel grinste mich an aus +leeren Augenhöhlen ... in dem Oberkiefer staken noch ein paar gelbliche +Zähne. + +Ein eisiges Grauen packte mich, aber ich ließ den Schädel nicht fallen. +Langsam, wie von einer unsichtbaren Hand gezogen, richtete ich mich auf +und hielt meinen Spielgefährten den unheimlichen Fund entgegen. + +Anni stieß einen gellenden Schrei aus. Das sonst etwas schwerfällige +Gretchen flüchtete mit ein paar jähen Sätzen. Nur Elschen blieb stehen +und tippte mit seinen rosigen Fingerchen auf den bleichen Schädel. Sie +lachte dazu und sagte: »Was für ein komischer alter Mann!« + +Die kalte Hand des Grauens ließ mich los. Ich lachte, lachte, daß mir +beinahe die Tränen kamen. Dabei entglitt mir der Schädel und rollte mit +merkwürdigem Ton über den Fußboden. Elschen hob ihn beinahe mitleidig +auf und wickelte ihn in ihr Schürzchen. + +Wir drei andern standen etwas verlegen beiseite. Zum erstenmal war sie +die Überlegene, die Tonangebende. + +»Wollen wir ihn begraben?« fragte die Kleine plötzlich, und wir stimmten +begeistert zu. + +Anni mußte sich unten nach einer passenden Schachtel, will sagen nach +einem Sarg umsehen. Gretchen ging auf die Suche nach der Begräbnisstätte +und dem Grabstein. Ich übernahm es, die Inschrift zu schreiben. Elschen, +immer noch den Schädel im Schürzchen, lehnte neben mir und schaute +bewundernd zu, wie ich mit krampfhaft festgehaltenem Federhalter meine +großen, steifen Buchstaben malte. + +»Lies es mir einmal vor!« bat sie, als das Werk beendet war, und ich +las: + + +------------------------------------------+ + | | + | Hier ruht unser liber Uhruhrgroßvater. | + | -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- | + | Gottes Brünnlein hat Wassers die Fülle. | + | -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- | + +------------------------------------------+ + +»Du hättest nicht diesen Spruch schreiben sollen,« sagte Anni, +mißbilligend das Schriftstück betrachtend. »Auf Gräber schreibt man ganz +andere Sachen. Etwas von Auferstehen oder Wiedersehen.« + +»Das ist mir einerlei!« entgegnete ich unerschüttert. »Mir gefällt der +Spruch und ich habe den Ururgroßvater gefunden.« + +Gretchen stand unter der Türe, die Hacke über der Schulter. + +»Ich habe einen feinen Platz, kommt schnell!« + +[Illustration] + +Eiligst wurde der Schädel in Annis Schachtel gesteckt. Der Deckel wollte +zwar nicht zugehen, aber das schadete nichts. Wir legten einen Fetzen +schwarzes Tuch darüber und nun ordnete sich der Zug. Voraus ging +Gretchen, der Totengräber, dann Anni, der Pfarrer; Elschen, die den +Schädel trug, war der Leichenwagen, ich stellte das Trauergeleite dar. + +Wir gingen mit ernsten Köpfen und bedächtigem Schritt die Treppe +hinunter. Unter der Türe begegnete uns die kleine Mutter des Hauses. Sie +war eine zierliche, bewegliche Frau mit lebhaften Augen, die sich stets +zu freuen schienen, obwohl sie oft genug Grund gehabt hätten, ärgerlich +und müde drein zu sehen. Außer meinen drei Freundinnen waren noch zwei +größere und zwei ganz kleine Brüder zu versorgen. Das zappelte und +schrie, lachte und kreischte den ganzen Tag um die Mutter herum, zerriß +Kleider und Strümpfe, beschmutzte Fußböden und Fensterscheiben, wollte +gewaschen und gefüttert sein. In dem allem stand die kleine Mutter, trug +den Kopf mit dem tiefschwarzen Haar froh und aufrecht und hatte +lachende, warme Augen. + +Wir waren das so gewohnt und es erschien uns nichts Absonderliches. Erst +viele Jahre später verstanden wir, was für eine tapfere Seele in der +kleinen Mutter gewohnt hatte. + + * * * * * + +»Mama, wir müssen ganz still sein, wir spielen Begraben!« krähte Elschen +im Vorübergehen, und die Mutter stand denn auch andächtig und still. + +Das Haus lag inmitten eines großen Gartens, der in verschiedene +Abteilungen zerfiel. Da war ein freier Platz mit einem Sandhaufen für +die Kinder. In einem andern Teil standen Blumen und Ziersträucher und +wieder in einem andern lagen in schönen Reihen Gemüsebeete, daneben zog +sich eine dichte Himbeerhecke. Am Ende dieser Hecke war der von Gretchen +gewählte Begräbnisplatz. Sie hatte schon ein Loch gegraben, das sich +aber als viel zu flach erwies. So arbeiteten Totengräber, Pfarrer und +Trauergeleite mit vereinten Kräften, bis das Loch tief genug war, den +Ururgroßvater aufzunehmen. + +Die Grabrede fiel kurz aus, um so kräftiger und anhaltender war der +Gesang. Wir hatten als passende Lieder gewählt: »Morgenrot, Morgenrot! +Leuchtest mir zum frühen Tod!« und: »Der Pilger aus der Ferne zieht +seiner Heimat zu.« + +Elschen hatte noch vorgebracht »Wenn ich groß bin,« aber das war als +völlig unmöglich abgeschlagen worden. Überdies sank sie durch diese +Forderung in unserer Achtung wieder auf die frühere Stufe zurück. + +An diesem Tag blieben wir bis zum Abendbrot im Garten. Der Sonnenschein +war so hell und freundlich, während über der alten Bodenkammer immer +noch etwas Unheimliches zu lagern schien. Aber am nächsten Tag +unterzogen wir den Inhalt der Truhe einer weiteren Besichtigung. + +Die Bücher rochen uralt und hatten schwere, feste Einbanddecken. Die +Schrift war merkwürdig schnörkelig und ließ sich nicht ohne Mühe +entziffern. Wir strengten uns auch nicht sonderlich an. Eine Menge der +Bücher wurden mit Abscheu zur Seite gelegt, weil sie sich als +»Doktorsbücher« erwiesen. Dasselbe Schicksal teilten ein paar +Andachtsbücher »auf Kosten einer wahrheitliebenden Gesellschaft +gedruckt«. Dann stieß Anni einen Schrei des Entzückens aus, denn sie +hatte ein Geschichtenbuch, nein, noch schöner, ein Märchenbuch entdeckt. +Wer hätte der Truhe diesen köstlichen Schatz angesehen! + +[Illustration] + +Anni fing gleich an, uns »die Geschichte von dem tugendhaftigen Prinzen +Treuherz und der wonnesamen Prinzessin Herzelaide« vorzulesen, aber der +Genuß war nur mäßig. Sie blieb immer wieder an den feinen Schnörkelchen +der Buchstaben hängen, und da die Sätze endlos lang waren, hielt sie an, +wenn der Atem ausging, was nicht zur Erleichterung des Verständnisses +beitrug. + +Gretchen gähnte unverhohlen. Elschen spielte längst mit ihrer Puppe, da +ging auch mir die Geduld aus. + +»Laß doch die gräßlichen alten Prinzen und Prinzessinnen in Ruh! Man +versteht ja gar nicht, was sie miteinander sprechen. Und richtig +ordentlich schreiben konnten die Leute früher scheint's auch nicht. Wir +wollen das Buch wieder in die Truhe werfen.« + +Das Schließen des Deckels war viel leichter zu bewerkstelligen als das +Öffnen. Mit einem dumpfen Knall schloß sich die Truhe, und fortan war +sie vor unserer Neugier sicher. + +[Illustration] + + + + +[Illustration] + +Ein paar Tage lang besuchten wir regelmäßig Ururgroßvaters Grab und +schmückten es mit Blumen. Auch mußte die Inschrift zweimal erneuert +werden. Das eine Mal hatte sie der Regen zerstört, das andere Mal war +sie den Buben in die Hände gefallen. + +Diese schrecklichen Buben! Wie viel schöner wäre die Welt gewesen ohne +sie! Wenn man mit den Puppen spazieren ging, äfften sie die Unterhaltung +nach oder versuchten einen Überfall auf die Kinder. Wenn man im +Bodenkammerzimmer eine Einladung an sie ergehen ließ, aßen und tranken +sie all das mühsam Gekochte im Augenblick weg, und statt des Dankes +brummten sie über »das bißchen Zeug«. + +Nur bei den Ball- und Springspielen, hauptsächlich bei dem +unvergleichlichen »Pflumeboppi, 's Hüsli brennt!« gingen wir Mädel und +Buben gemeinsame Wege. Ja, und dann noch bei einem ganz besonderen +Anlaß. + +Unsere Vaterstadt feierte die 400jährige Wiederkehr des Tages, an dem +sich die beiden, durch den Strom getrennten Stadthälften +zusammengeschlossen hatten, mit der Aufführung eines historischen, +eigens für die Gelegenheit verfaßten Festspiels. + +Weit draußen vor der Stadt war die Bühne errichtet worden. Am zweiten +Tag -- die Stadt schwelgte eine halbe Woche lang in ihren Erinnerungen +-- waren bei der Vorstellung sämtliche Schulkinder zugegen. + +Das war ein Ereignis, vor dem alles andere, das sonst unser Leben +ausfüllte, zurücktreten mußte. Während der Vorstellung saßen wir +getrennt, aber auf dem Nachhauseweg fanden wir uns zusammen und konnten +das Geschaute besprechen. + +Anni schwärmte besonders für den König Rudolf. Wie er sich hielt, wie er +sich neigte! Sie streckte ihren schwarzen Wuschelkopf und die kurze +Stumpfnase höher in die Luft, als erwerbe sie sich dadurch etwas von der +königlichen Würde. + +Gretchen war entzückt von all den holdseligen Frauengestalten, auch von +den Kindern, die so niedliche, lange Kleider trugen. »Ich wollte, wir +hätten auch welche!« meinte sie seufzend. »Unsere kurzen Röcke und +Socken sehen gar nicht schön aus.« + +Damit war ich jedoch nicht einverstanden. + +»Denk dir doch, wie unangenehm die dummen, langen Kleider beim Springen +wären! Der 'Pflumeboppi' z. B. fiele alle Augenblicke auf die Nase.« + +»Ja, das ist wahr!« stimmte mir Anni zu. »Wer hat denn dir am besten +gefallen, Mixi? -- Seht, nun wird sie schon wieder ganz rot!« + +»Gar nicht!« wehrte ich ab, obwohl ich die Glut bis unter die +Haarwurzeln steigen fühlte. + +[Illustration] + +»Ihr werdet natürlich lachen, aber das ist mir einerlei. Mir hat der +Priester am besten gefallen.« + +»Der alte, heidnische Kerl!« Anni war entrüstet. Das gutmütige Gretchen, +wohl um mir wieder zu meiner natürlichen Gesichtsfarbe zu verhelfen, +meinte tröstlich: »Sie hatten ihn, glaube ich, alle sehr gern.« + +»Ja, und hörtest du nicht, wie sie alle so jammervoll aufschrieen, als +er sich den Dolch ins Herz stieß?« + +»Du tust gerade, wie wenn er es richtig getan hätte, Mixi! Du brauchst +gar keine so fürchterlichen Augen zu machen, es ist ja doch alles nicht +wahr.« + +Ich duckte mich und schwieg. Da war wieder das Wort, das ich am meisten +fürchtete und haßte -- -- es ist nicht wahr. + +Wozu hatte man denn all die seltsamen Gedanken und Träume, die einen +halb froh, halb traurig stimmten, wenn alles nicht wahr sein sollte! + +Freilich, das auf der Bühne war vielleicht nicht wahr gewesen. Das waren +ja alles gewöhnliche Menschenkinder. Unter den langlockigen Pagen hatte +ich einen Knaben entdeckt, von dem ich genau wußte, daß er in +Wirklichkeit einen struppigen roten Haarschopf besitze. Aber wozu daran +denken? Das ließ sich alles so hübsch beiseite schieben. Das gehörte in +die Welt, die Schule, Aufgaben, Stricken und Gemüse-essen hieß. + +[Illustration] + +Die andere Welt, die man in sich trug, und die sich doch so seltsam weit +ausbreitete, bis zu den weichen, weißen Wolken hinauf, bis zu den +winzigen Maßliebchen und Marienkäferchen hinab -- diese Welt war weit +schöner und heimatlicher. + + * * * * * + +»Mixi, was träumst du wieder! So hör' doch! Ich habe einen wunderschönen +Plan. Wir wollen das Festspiel aufführen, daheim in unsrer Bodenkammer. +Dann kannst du ja deinen alten Priester spielen.« + +»Nein, nein! Das soll Teddy tun. Ich will den Kaiser Valentinian, du +nimmst König Rudolf und Gretchen kann Bischof fein. Ach, und für Elschen +müssen wir auch eine Rolle finden. Wie herrlich wird das werden, ich +freue mich halb zu Tod!« + +Hatte uns schon die große Vorstellung die Köpfe verdreht, so tat es +unsere eigene noch weit mehr. Die Mutter mußte natürlich in die Sache +eingeweiht werden, denn die Blumentöpfe, die wir als Kulissen brauchten +und die langen Kleider, auf denen Gretchen mit großer Energie bestand, +waren alle in ihrer Verwahrung und konnten denn doch nicht ohne weiteres +herbeigeschafft werden. Meine Großmutter steuerte zu unserer +Kostümierung einige Umlegtücher und Schmucksachen bei. + +Wir arbeiteten täglich stundenlang an unsern Vorbereitungen. Natürlich, +das ganze Festspiel konnten wir nicht aufführen; wir mußten uns auf +solche Szenen, in denen möglichst wenig Personen austraten, beschränken. +Aber wir trösteten uns damit, daß sich ja das Publikum das übrige dazu +denken könne. + +Der große Tag nahte. Punkt 2 Uhr sollte die Vorstellung beginnen; ein +paar Minuten früher fanden sich die Zuschauer ein. Wir hatten ihrer nur +wenige gebeten. Natürlich die kleine Mutter, die sich beinahe ebenso +sehr wie wir auf das Festspiel freute, dann Großmutter und eine Tante, +die auf Besuch gekommen. Großmutter erhielt den gedruckten Text, da sie +die richtige Aufführung nicht mit angesehen hatte. Sie hielt das +Heftchen weit von sich, denn ihre alten Augen konnten nicht mehr in die +Nähe sehen. Das imponierte mir immer gewaltig, und es verfehlte auch +seinen Eindruck auf meine Spielgefährten nicht. Es hat nicht jeder eine +Großmutter, die so merkwürdig liest. + +[Illustration] + +Die Zuschauer saßen auf dem alten Sofa. Wir hielten uns in einer +Nebenkammer verborgen, bis es 2 Uhr schlug. + +Das erste Bild stellte die Gründung unserer Stadt durch Kaiser +Valentinian im Jahre 374 dar. Anni, Gretchen, Elschen und Teddy zogen +als raurakischer Volkshaufe auf die »Bühne« und sangen ein Lied, von +dessen sanfter, fließender Weise uns allerdings nur zwei Zeilen im +Gedächtnis geblieben waren, weshalb das übrige mehr rezitativartig +vorgetragen wurde. Dann stürzte Willy herein und verkündete das Nahen +römischer Scharen, was erregtes Sprechen und Schreien zur Folge hatte. +Er verschwand blitzschnell, um nach wenigen Augenblicken als römischer +Hauptmann aufzutreten, der an Stelle der uns fehlenden Kriegerhaufen +einen seltsamen Schwerttanz aufführte. Mit einem Male wandte er sich +gegen die Türe und während seines Jubelrufs: »Großer Cäsar, Imperator, +Heil sei dir, du starker Held!« ritt ich auf schnaubendem Roß auf die +Bühne. + +Das ging so zu: Wir hatten ein Schaukelpferd, das bei jeder starken +schwingenden Bewegung einige Zoll vorwärts glitt; so konnte man also +tatsächlich reiten. + +Kaiser Valentinian trug ein Barett mit weißen [Illustration] + +Gänsefedern und einen malerisch umgeworfenen roten Mantel. Außer dem +Szepter hielt er merkwürdigerweise auch ein Heftchen in der Hand, denn +es war ihn das Genieren angekommen, und die rasch eingelernten und nur +halb verstandenen Worte schienen sich alle verflüchtigt zu haben. So las +denn der gute Kaiser Valentinian seine wohlmeinenden Worte an die +verängsteten Rauraker. Ihre freudigen Zurufe wurden durch den Priester +übertönt, der vor dem neuen Leben sich zu den alten Göttern flüchtet. + + »Nehmet mich auf! von mannigfaltigen + Greueln und Sünden, von Schand und Not + Löse mich leicht der heilige Tod!« + +Teddy in einem langen, dunkeln Gewand, mit mächtigem weißem Bart sah +nach Annis Urteil ganz wie »so ein heidnischer Kerl« aus. Die letzten +Worte heulte er geradezu. Dann ließ er sich, in dem schönen Glauben, die +klagenden Weiber würden ihn auffangen, rücklings zu Boden stürzen. Aber +o weh! Keine schützenden Arme umfingen seinen sinkenden Leib. Er schlug +mit solchem Dröhnen auf den harten Fußboden, daß aus dem Zuschauerraum +ein Entsetzensschrei erscholl, der freilich in ein Lachen überging, als +der tote Priester wütend zischte: »Na, wartet nur bis nachher!« + +[Illustration] + +Kaiser Valentinian stellte die Stimmung wieder her, indem er ein +leuchtendes Bild der zukünftigen Stadt Basilea entwarf. + +[Illustration] + +Unter dem Jubelchor des Volkes und von ihrer Schar begleitet und +hilfreich geschoben, ritt seine Majestät davon. + +Die zweite Szene, die den Bau der alten Rheinbrücke im Jahre 1225 +behandelte, überschlugen wir, der vielen Personen wegen. Um sie aber +nicht ganz unerwähnt zu lassen, wandelte Gretchen langsam und heimlich +als Bischof über die Bühne; Elschen trippelte, ein Meßglöcklein +schwingend, hintendrein. + +Das dritte Bild brachte den Höhepunkt des Festes: Anni als König Rudolf. +Ihre schwarzen Zöpfe waren unter einem Turban verborgen. Sie stak in +einem deutschen Militärrock und schulterte einen uralten Schießprügel. +Um den Hals hing ihr eine goldene Kette, und ihre Beine waren mit +Reiterstiefeln bekleidet. König Rudolf versprach mit großem Pathos der +Stadt ihre Freiheit; Schultheiß Gretchen dankte tief. + +[Illustration] + +Die kriegerischen Rollen des vierten Bildes, wo es sich um den in die +Schlacht von Sempach abziehenden Herzog Leopold handelte, wurden +durchweg von den Buben gespielt, deren schauspielerische Begabung sich +hauptsächlich in einem ungeheuren Stimmenaufwand äußerte. Auch die +feierliche Vereinigung der beiden links und rechts vom Strom gelegenen +Städte, des mehrern und mindern Basel, wurden von den Buben in stark +verkürzter Form vorgetragen. + +Den erhebenden Schluß bildete das Auftreten der drei Frauengestalten: +Helvetia, Basilea, Klio. Unter dem völlig programmwidrigen +Hurrahgeschrei der Buben sank Basilea in die mütterlichen Arme +Helvetias. + +Das Publikum erwies sich sehr aufmerksam. Die kleine Mutter lachte +Tränen. Die Tante fühlte sich »bewegt«, und auch Großmutters alte Augen +schauten freundlich zu uns herüber. In die Ferne konnte sie ja gut +sehen, und so war ihr keine Einzelheit unserer Kostüme, keine einzige +fürstliche Geste und dramatische Bewegung entgangen. + +Nach dem wirklichen Festspiel hatte ein großes Festessen stattgefunden. +Auch uns ward eines zu Teil. + +Als die Vorstellung zu Ende war, lud uns die kleine Mutter feierlich +ein, hinunter zu kommen. Der Tisch im Eßzimmer war gedeckt. In der Mitte +stand eine Riesenplatte mit Erdbeeren. Hei! Wie da König Rudolf, Kaiser +Valentinian und Herzog Leopold fröhlich schmausten. Auch der alte +Priester vergaß seinen Groll, während er eine saftige Beere nach der +andern in den Mund schob. + +Diese Aufführung blieb nicht die einzige, die die alte Bodenkammer +erlebt hat. Das Bühnenfieber hatte uns gepackt, und eine Zeit lang +mußten sich Großmutter und die kleine Mutter wieder und wieder zu dem +alten Sofa hinaufbequemen, um unsere »Lebenden Bilder«, Komödien und +Tragödien anzusehen. + +Der Winter machte diesen Vorstellungen ein Ende, und der Winter brachte +auch eine schmerzliche Trennung. Meine Freunde verließen die Stadt. Das +alte Haus wurde eingerissen, und in dem zierlichen Neubau, der sich an +seiner Stelle erhob, war keine alte Bodenkammer mehr zu finden. + +[Illustration] + +[Illustration] + +=Sonne und Regen im Kinderland= + + * * * * * + +_Eine Reihe bunter Geschichten mit Bildern für kleine und große Leute_ + +1. _Agnes Sapper_: =Frieder=. Die Geschichte vom kleinen Dummerle mit + Scherenschnitten von Hedwig Schwegelbaur. + +2. _Ida Frohnmeyer_: =Hansi=. Zwei Erzählungen, von einem einsamen Bub u. + vom Spiel froher Mädchen mit Scherenschnitten von Hed. Schwegelbaur. + +3. _Charlotte Wörner_: =Prinzeß Gänselore=. Ein Märchen für brave Kinder + mit Orignialholzschnitten von Martha Welsch. + +4. _Charlotte Wörner_: =Die Männlein vom Mummelsee=. Ein Märchen aus dem + Schwarzwald mit Zeichnungen von Martha Welsch. + +5. _Charlotte Wörner_: =Im Reich der Blumen-Königin=. Ein Elfenmärchen mit + Zeichnungen von Martha Welsch. + +6. _Anna Schieber_: =Annegret=. Eine Kindergeschichte mit Bildern von + Elisabeth Sauer. + +=Jedes Bändchen ist fein gebunden u. einfach kartoniert lieferbar= + +Von Sonne und Regen im Kinderland, von Kinderlust und Kinderleid +erzählen diese lieblich ausgestatteten Bändchen. Den Kleinen bringen sie +lebendige, gemütvolle Unterhaltung und den Großen rufen sie die ganze +Schönheit des Kinderlebens in warme Erinnerung + + * * * * * + +=D. Gundert / Verlag / Stuttgart= + + + + +Anmerkungen zur Transkription + +[Anmerkung TN1: In Original steht hier tüchigen.] + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK HANSI*** + + +******* This file should be named 19971-8.txt or 19971-8.zip ******* + + +This and all associated files of various formats will be found in: +https://www.gutenberg.org/dirs/1/9/9/7/19971 + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at https://www.gutenberg.org/about/contact + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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