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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-15 01:52:17 -0700
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+The Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der Bär
+ Groteske in einem Aufzug
+
+Author: Anton Tschechow
+
+Translator: Luise Flachs-Fokschaneanu
+
+Release Date: September 2, 2007 [EBook #22494]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER BÄR ***
+
+
+
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
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+
+
+
+
+[Anmerkungen zur Transkription:
+
+Im Original fett gesetzter Text ist mit = gekennzeichnet.
+Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit + gekennzeichnet.
+Im Original in Antiqua gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.]
+
+
+
+
+ Der Bär
+
+ +Groteske in einem Aufzug+
+
+
+ Von
+
+ +Anton Tschechow+
+
+
+ Bühneneinrichtung mit Dekorationsplan
+
+
+ +Aus dem Russischen übertragen+
+
+ von
+
+ Luise Flachs-Fokschaneanu
+
+
+ +Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig+
+
+
+
+
+ +Den Bühnen gegenüber als Manuskript gedruckt.+
+
+ Übersetzungsrecht für alle anderen Sprachen vorbehalten.
+
+
+Für sämtliche Bühnen im ausschließlichen Debit der Verlags-Firma
+A. +Entsch+, Berlin _NW. 7._ erschienen, und ist von dort aus allein das
+Recht der Aufführung zu erwerben.
+
+ +Luise Flachs-Fokschaneanu.+
+
+
+Stücke von Anton Tschechow in der Universal-Bibliothek:
+
+ Nr. 4264. Die drei Schwestern.
+ Nr. 4919. Die Möwe.
+
+
++Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig+
+
+
+
+
+Der Bär
+
+Groteske in einem Aufzug
+
+
+
+
+Personen.
+
+
+=Helene Iwánowna Pópow=, eine junge Witwe, Gutsbesitzerin.
+
+=Grigórji Stepánowitsch Smirnow=, Gutsbesitzer.
+
+=Luká=, Diener bei Frau Popow.
+
+Ein Gärtner. Ein Kutscher. Mehrere Arbeiter.
+
++Ort der Handlung+: Das Gut der Frau Popow.
+
++Zeit+: Die Gegenwart.
+
+Die Bühne stellt ein elegant eingerichtetes Empfangszimmer dar.
+
+
+Rechts und links vom Schauspieler.
+
+
+Frau Popow wird vom Dichter als eine junge Witwe mit Grübchen in den
+Wangen bezeichnet; Smirnow als ein Mann in den mittleren Jahren.
+
+
++Vorkommende Namen+: Nikolai Michailowitsch, Riblów, Kortschágin,
+Wlássow, Welikán, Tamára, Pelagéja, Simión, Grúsdew, Iroschéwitsch,
+Kúrzin, Masútow, Dáscha.
+
+w am Schlusse eines Namens ist wie f zu sprechen.
+
+
+Die deutsche Uraufführung fand am 11. Oktober 1900 an der Berliner
+Sezessionsbühne statt.
+
+[Illustration: Empfangszimmer im Hause der Frau Popow nach dem
+vorstehenden Dekorationsplan.]
+
+
+
+
+Erster Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.=
+
+
+=Frau Popow= (in tiefer Trauer, sitzt auf dem Sofa rechts, blickt
+unverwandt eine Photographie an).
+
+=Luka.= Es ist nicht recht, gnädige Frau... Sie richten sich zugrunde.
+Die Magd und die Köchin sind Beeren suchen gegangen, alles, was atmet,
+freut sich des Daseins, selbst die Katze versteht sich auf ihr Vergnügen
+-- schleicht im Hof umher und fängt Vögel; bloß Sie hocken den ganzen
+Tag im Zimmer, gerade wie in einem Kloster und haben so gar keine
+Freude... Ja, wahrhaftig, wenn man genau nachrechnet, haben Sie ein Jahr
+lang das Haus nicht verlassen.
+
+=Frau Popow.= Und ich werde es auch niemals verlassen... Wozu? Mein
+Leben ist abgeschlossen... Er liegt im Grabe, ich habe mich zwischen
+diesen vier Mauern begraben... Wir sind beide gestorben.
+
+=Luka.= Da hat man es! Es ist nicht zum Anhören, wirklich wahr! Nikolai
+Michailowitsch ist gestorben, so war es Gottes Wille, Gott geb' ihm die
+ewige Ruh'... Sie haben sich gegrämt, nun ist's genug, es ist Zeit,
+aufzuhören. Man kann nicht ewig weinen und Trauerkleider tragen. Auch
+mir ist vor Jahren meine Alte gestorben... Ich habe mich gegrämt, einen
+Monat lang habe ich geweint, und dann war's genug. Kann man denn ewig
+Klagelieder singen? Das war ja die Alte auch nicht wert. (Er seufzt.)
+Sie haben alle Nachbarn vergessen... Sie fahren nicht aus und wollen
+auch niemand empfangen. Wir leben, verzeihen Sie, wie die Spinnen, das
+liebe Tageslicht sehen wir nicht. Die Livree ist von den Mäusen
+zerfressen... Und wenn es noch keine guten Menschen gäbe, aber der ganze
+Umkreis ist voll von Herrschaften... In Riblow steht das Regiment,
+Offiziere -- einfach Konfekt, man kann sich nicht satt sehen! Und im
+Lager ist an jedem Freitag Ball, und jeden Tag spielt die Militärmusik...
+Ach, meine liebe, gnädige Frau! So jung und so schön wie Sie sind, Milch
+und Blut, wenn Sie doch nur Ihrem Vergnügen leben wollten ... die
+Schönheit ist nicht für immer gegeben! Wenn so zehn Jährchen vorbei
+sind, dann werden Sie gern paradieren wollen, um die Herren Offiziere
+daran zu bekommen, aber da wird es zu spät sein.
+
+=Frau Popow= (entschieden). Ich bitte dich, mir nie mehr davon zu
+sprechen. Du weißt, daß mein Leben seit dem Tode Nikolai Michailowitschs
+für mich jeden Wert verloren hat... Du glaubst, ich lebe, aber es
+scheint dir bloß... Ich habe am Grabe gelobt, diese Trauerkleider nicht
+abzulegen und fern von der Welt zu leben... Hörst du? Möge seine
+abgeschiedene Seele sehen, wie ich ihn liebe... Ja, ich weiß, es ist für
+dich kein Geheimnis -- er war oft ungerecht gegen mich, grausam und ...
+er war mir nicht treu, aber ich werde treu sein bis zum Grabe und ihm
+beweisen, wie ich zu lieben vermag... Dort im Jenseits wird er mich
+ebenso finden, wie ich bis zu seinem Tode gewesen...
+
+=Luka.= Wozu diese Worte ... wenn Sie doch lieber im Garten spazieren
+gingen oder befehlen wollten, Tobby oder den Welikan vorzuspannen, um
+die Nachbarn wieder einmal zu besuchen.
+
+=Frau Popow= (weint). Ach!
+
+=Luka.= Gnädige Frau! Meine liebe gnädige Frau! Was ist's? Um Christi
+willen!...
+
+=Frau Popow.= Er hat Tobby so sehr geliebt! Er ließ ihn immer anspannen,
+wenn er zu Kortschagins und Wlassows fuhr. Wie herrlich er kutschierte!
+Wie hübsch er aussah, wenn er aus allen Kräften die Zügel an sich zog!
+Erinnerst du dich? Tobby, Tobby! Laß ihm heute ein Achtel Hafer mehr
+geben!
+
+=Luka.= Zu Befehl.
+
+(Ein heftiges Klingeln.)
+
+=Frau Popow= (zuckt zusammen). Was ist das? Sage, daß ich niemand
+empfange!
+
+=Luka.= Zu Befehl! (Er geht durch die Mitte ab.)
+
+
+
+
+Zweiter Auftritt.
+
+=Frau Popow= allein.
+
+
+=Frau Popow= (die Photographie anblickend). Du wirst sehen, Nikol, wie
+ich zu lieben und zu verzeihen vermag... Meine Liebe wird mit mir
+zugleich erlöschen ... wenn mein armes Herz zu schlagen aufhören wird.
+(Sie lächelt unter Tränen.) Und du schämst dich nicht? Ich bin ein
+braves, treues Weib, ich habe mich eingekerkert und werde dir treu
+bleiben bis zum Grabe, und du ... und du ... schämst dich nicht, mein
+liebes Ungeheuer! Hast mich betrogen, hast mir Szenen gemacht, hast mich
+lange Wochen allein gelassen...
+
+=Luka= (tritt in großer Aufregung ein).
+
+
+
+
+Dritter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.=
+
+
+=Luka.= Gnädige Frau, es fragt jemand nach Ihnen, will Sie sehen...
+
+=Frau Popow.= Du hast doch gesagt, daß ich seit dem Tode meines Mannes
+niemand empfange?
+
+=Luka.= Das habe ich gesagt, aber er will nichts davon hören, er sagt,
+es sei eine sehr dringende Angelegenheit.
+
+=Frau Popow.= Ich em--pfan--ge nicht!
+
+=Luka.= Das habe ich ihm ja gesagt, er ist ein Wilder, er schimpfte und
+drang einfach ins Zimmer ein ... er steht schon im Speisezimmer...
+
+=Frau Popow= (erregt). Gut, laß ihn herein. Welche Zudringlichkeit!
+
+=Luka= (durch die Mitte ab).
+
+=Frau Popow.= Wie lästig die Menschen sind! Was wollen sie von mir?
+Warum stören sie meine Ruhe? (Sie seufzt.) Ja, es ist ganz klar, ich
+werde wirklich ins Kloster gehen müssen... (Nachdenklich.) Ja, ins
+Kloster...
+
+=Smirnow= (tritt ein, gefolgt von Luka).
+
+
+
+
+Vierter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Luka.= =Smirnow.=
+
+
+=Smirnow= (zu Luka). Dummkopf, plapperst zu viel... Esel!... (Frau Popow
+erblickend, mit Würde.) Meine Gnädige, ich habe die Ehre, mich
+vorzustellen: Artillerieleutnant außer Dienst, Grundbesitzer, Grigorji
+Stepanowitsch Smirnow! Bin gezwungen, Sie in einer höchst wichtigen
+Angelegenheit zu belästigen...
+
+=Frau Popow= (ohne ihm die Hand zu reichen). Was wünschen Sie?
+
+=Smirnow.= Ihr seliger Gatte, mit dem ich die Ehre hatte, bekannt zu
+sein, blieb mir zwei Wechsel im Betrage von zwölfhundert Rubel schuldig.
+Da ich morgen in der Agrarbank Zinsen zu erlegen habe, möchte ich Sie
+ersuchen, meine Gnädige, mir das Geld noch heute zu bezahlen...
+
+=Frau Popow.= Zwölfhundert ... und wofür ist mein Mann Ihnen das
+schuldig geblieben?
+
+=Smirnow.= Er hat Hafer von mir gekauft.
+
+=Frau Popow= (seufzend zu Luka). Luka, vergiß also nicht zu sagen, daß
+man Tobby ein Achtel Hafer mehr geben soll.
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Frau Popow= (zu Smirnow). Wenn Nikolai Michailowitsch Ihnen das
+schuldig geblieben, so werde ich selbstverständlich bezahlen, aber
+bitte, entschuldigen Sie, ich habe heute das Geld nicht zur Verfügung.
+Übermorgen kehrt mein Verwalter aus der Stadt zurück, und ich werde ihn
+beauftragen, Ihnen zu zahlen, was Ihnen gebührt, aber bis dahin kann ich
+Ihren Wunsch nicht erfüllen... Überdies sind es gerade heute sieben
+Monate, daß mein Mann gestorben ist, und ich bin nicht in der Stimmung,
+mich mit Geldangelegenheiten zu beschäftigen.
+
+=Smirnow.= Und ich befinde mich in einer Stimmung, daß ich, wenn ich
+morgen die Zinsen nicht einzahle, mit den Füßen nach oben durch den
+Schornstein werde fliegen müssen. Man wird mein Gut sequestrieren!
+
+=Frau Popow.= Übermorgen erhalten Sie das Geld.
+
+=Smirnow.= Ich brauche das Geld nicht übermorgen, sondern heute.
+
+=Frau Popow.= Verzeihen Sie, heute kann ich Ihnen nicht zahlen.
+
+=Smirnow.= Und ich kann bis übermorgen nicht warten.
+
+=Frau Popow.= Was soll ich aber tun, wenn ich es nicht sofort habe!
+
+=Smirnow.= Sie können also nicht zahlen?
+
+=Frau Popow.= Ich kann nicht...
+
+=Smirnow.= Hm... Ist das Ihr letztes Wort?
+
+=Frau Popow.= Ja, das letzte.
+
+=Smirnow.= Das letzte? Endgültig?
+
+=Frau Popow.= Endgültig.
+
+=Smirnow.= Danke gehorsamst. Wir wollen uns das merken. (Er zuckt die
+Schultern.) Und da verlangt man noch, daß ich kaltblütig sei! Der
+Akzisebeamte begegnete mir soeben auf dem Wege und fragte: »Warum ärgern
+Sie sich immer, Grigorji Stepanowitsch?« Ja, erbarmen Sie sich, wie soll
+ich mich denn nicht ärgern? Ich brauche Geld, das Messer steht mir an
+der Kehle... Gestern früh fuhr ich schon beim ersten Morgengrauen vom
+Hause fort und war bei allen meinen Schuldnern. Wenn auch nur einer von
+ihnen seine Schuld bezahlt hätte! Abgeschunden habe ich mich, wie ein
+Hund, habe, der Teufel weiß wo, in einer jüdischen Schenke übernachtet,
+neben einem Schnapsfaß... Endlich komme ich hierher, siebzig Werst vom
+Hause, und hoffe, Geld zu bekommen, und da regaliert man mich mit
+»Stimmung!« Wie soll ich mich da nicht ärgern?
+
+=Frau Popow.= Ich glaube, Ihnen deutlich gesagt zu haben: der Verwalter
+wird aus der Stadt zurückkehren, dann erhalten Sie das Geld.
+
+=Smirnow.= Ich bin nicht zum Verwalter, sondern zu Ihnen gekommen! Was
+Teufel, verzeihen Sie den Ausdruck, kümmert mich Ihr Verwalter!
+
+=Frau Popow.= Entschuldigen Sie, verehrtester Herr, ich bin weder an
+Ihre sonderbaren Ausdrücke, noch an einen solchen Ton gewöhnt. Ich höre
+Sie nicht weiter an. (Sie geht rasch nach links ab.)
+
+
+
+
+Fünfter Auftritt.
+
+=Smirnow= allein.
+
+
+=Smirnow.= Was sagt man dazu? Stimmung! Vor sieben Monaten ist der Mann
+gestorben! Aber muß ich die Zinsen einzahlen oder nicht? Ich frage, muß
+ich die Zinsen zahlen oder muß ich nicht? Nun ja, der Mann ist
+gestorben, Stimmung und allerlei Faxen ... der Verwalter, der Teufel
+hole ihn, ist irgend wohin gefahren, nun, befehlen Sie, was soll ich
+tun? Soll ich etwa im Luftballon meinen Gläubigern entfliehen? Oder mit
+dem Kopf die Mauer einrennen? Komme ich zu Grusdew, geruht er nicht zu
+Hause zu sein, Iroschewitsch hat sich einfach versteckt, mit Kurzin habe
+ich mich tödlich gezankt und ich hätte ihn beinahe zum Fenster
+hinausgeworfen, Masutow hat die Cholerine und bei der da -- Stimmung!
+Keine einzige Kanaille will zahlen! Und das alles nur deshalb, weil ich
+sie alle zu sehr verwöhnt habe, weil ich ein Jammermeyer, ein
+Waschlappen, ein altes Weib bin! Ich bin zu zartfühlend mit ihnen! Aber
+wartet nur! Ihr werdet mich kennen lernen! Ich gestatte keinem, mit mir
+seinen Scherz zu treiben, der Teufel noch einmal! Ich bleibe hier und
+werde nicht von der Stelle weichen, bis sie zahlt! Brrr!... Wie bös ich
+heute bin, wie schrecklich bös ich bin! Vor Bosheit zittern mir alle
+Sehnenbänder und der Atem versagt mir... Pfui, mein Gott! übel, schlecht
+wird mir sogar. (Er schreit.) Diener!
+
+=Luka= (tritt ein).
+
+
+
+
+Sechster Auftritt.
+
+=Smirnow.= =Luka.=
+
+
+=Luka.= Was steht zu Diensten?
+
+=Smirnow.= Gib mir Kwas oder Wasser!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow.= Nein, was sagt man dazu! Sie hat es nicht zur Verfügung! Was
+ist das für eine Logik! Einem Menschen steht das Messer an der Kehle, er
+braucht Geld, er ist auf dem Sprunge, sich zu erhängen, und sie zahlt
+nicht, weil sie nicht in Stimmung ist, sich mit Geldangelegenheiten zu
+beschäftigen. Sieh mal! Echte Frauenlogik, Turnürelogik! Darum habe ich
+auch nie mit Frauen sprechen wollen, und tue es auch jetzt nicht gern.
+Mir fällt es leichter, auf einem Pulverfaß zu sitzen, als mit einer Frau
+zu reden. Brrr!... Eiskalt überläuft es mich, so sehr hat mich diese
+Turnüre erbost! Ich brauche nur aus der Ferne so ein poetisches Geschöpf
+zu erblicken, so bekomme ich vor Wut Wadenkrämpfe. Man müßte einfach zu
+Hilfe! schreien.
+
+=Luka= (tritt ein).
+
+
+
+
+Siebenter Auftritt.
+
+
+=Smirnow.= =Luka.=
+
+=Luka= (reicht ihm Wasser). Die gnädige Frau ist krank und empfängt
+nicht.
+
+=Smirnow.= Marsch hinaus!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow.= Krank und empfängt nicht! Ist auch nicht notwendig...
+Empfange nicht! Ich bleibe und werde hier sitzen, bis du das Geld
+hergibst... Wirst du eine Woche krank sein, werde ich eine Woche hier
+sitzen... Wirst du ein Jahr krank sein, werde ich ein Jahr hier
+bleiben... Gevatterin, ich werde schon mein Geld herausbekommen! Mich
+rührst du nicht mit den Trauerkleidern, auch nicht mit den Grübchen in
+den Wangen... Wir kennen diese Grübchen! (Er schreit zum Fenster
+hinaus.) Simion, spann' aus! Wir fahren nicht so bald fort! Ich bleibe
+hier. Sag' dort im Stall, man soll den Pferden Hafer geben! Viehkerl,
+das linke Pferd hat sich schon wieder in die Zügel verwickelt. (Spottet
+ihm nach.) Tut nichts... Ich werde dir schon zeigen, tut nichts... (Geht
+vom Fenster weg.) Es ist sehr schlimm ... unerträgliche Hitze, keiner
+zahlt, diese Nacht habe ich schlecht geschlafen und hier die
+Trauerschleppe mit Stimmung... Der Kopf schmerzt ... soll ich vielleicht
+einen Schnaps trinken? Schließlich ... trinken wir einen... (Schreit.)
+Diener!
+
+=Luka= (tritt ein). Was wünschen Sie?
+
+=Smirnow.= Ein Gläschen Schnaps!
+
+=Luka= (geht ab).
+
+=Smirnow= (setzt sich und betrachtet seine Kleidung). Uf! Eine nette
+Figur! Das läßt sich nicht leugnen! Bestaubt, schmutzige Stiefel,
+ungewaschen, ungekämmt, Stroh auf der Weste; die Gnädige hat mich
+einfach für einen Räuber gehalten. (Er gähnt.) Es war etwas unhöflich,
+in solchem Aufzug in einem Empfangszimmer zu erscheinen, nun ja, tut
+nichts... Ich bin hier nicht Gast, sondern Gläubiger, und für Gläubiger
+ist das Kostüm nicht vorgeschrieben.
+
+=Luka= (kommt mit dem Schnaps). Sie erlauben sich viel, mein Herr...
+
+=Smirnow= (zornig). Was?
+
+=Luka.= Ich... Ich habe nichts... Ich habe eigentlich...
+
+=Smirnow.= Zu wem sprichst du?! Halt den Mund!
+
+=Luka= (beiseite). So eine Bescherung! Dieses Ungetüm hat sich uns auf
+den Hals gesetzt. (Er geht ab.)
+
+=Smirnow.= Ach Gott, wie bös ich bin! So bös, daß ich, scheint mir, die
+ganze Welt zu Staub zermalmen möchte... Sogar übel wird mir... (Er
+ruft.) Diener!
+
+
+
+
+Achter Auftritt.
+
+=Frau Popow.= =Smirnow.=
+
+
+=Frau Popow= (kommt mit gesenkten Augen). Geehrter Herr, ich habe mich
+in meiner Einsamkeit völlig der Menschenstimmen entwöhnt und kann
+Geschrei nicht ertragen. Ich bitte Sie dringend, stören Sie meine Ruhe
+nicht!
+
+=Smirnow.= Zahlen Sie mir mein Geld und ich reise ab.
+
+=Frau Popow.= Ich sagte Ihnen bereits in Ihrer Muttersprache: ich habe
+das Geld jetzt nicht zur Verfügung, warten Sie bis übermorgen.
+
+=Smirnow.= Auch ich hatte die Ehre, Ihnen in Ihrer Muttersprache
+mitzuteilen, daß ich das Geld nicht übermorgen, sondern heute brauche.
+Wenn Sie mir heute nicht zahlen, muß ich mich morgen aufhängen...
+
+=Frau Popow.= Was soll ich aber tun, wenn ich das Geld nicht habe? Wie
+sonderbar!
+
+=Smirnow.= Sie zahlen also nicht sofort? Nicht?
+
+=Frau Popow.= Ich kann nicht...
+
+=Smirnow.= Dann bleibe ich hier und werde so lange sitzen, bis ich das
+Geld bekomme. (Er setzt sich.) Sie werden übermorgen zahlen?
+Ausgezeichnet! So bleibe ich bis übermorgen. (Springt auf.) Ich frage
+Sie, muß ich morgen die Zinsen zahlen oder nicht?... Oder glauben Sie,
+ich scherze?
+
+=Frau Popow.= Geehrter Herr, ich bitte Sie, nicht zu schreien! Hier ist
+kein Stall!
+
+=Smirnow.= Ich frage Sie nicht nach dem Stall, sondern danach, ob ich
+morgen die Zinsen erlegen muß oder nicht?
+
+=Frau Popow.= Sie wissen nicht, wie man sich einer Dame gegenüber
+beträgt.
+
+=Smirnow.= O doch, ich weiß, mich mit Damen zu benehmen.
+
+=Frau Popow.= Nein, Sie wissen es nicht. Sie sind ein ungezogener,
+grober Mensch. Anständige Leute sprechen nicht so mit Damen!
+
+=Smirnow.= Ach, wie merkwürdig! Wie befehlen Sie denn mit Ihnen zu
+sprechen? Etwa französisch? (Boshaft lispelnd.) _Madame, je vous prie_
+... wie glücklich bin ich, daß Sie mir das Geld nicht bezahlen...
+Pardon, daß ich Sie gestört habe! Welch herrliches Wetter wir heute
+haben! Und wie gut Ihnen diese Trauerkleider stehen! (Er macht
+Kratzfüße.)
+
+=Frau Popow.= Gar nicht witzig, aber grob!
+
+=Smirnow= (nachahmend). Nicht witzig, aber grob! Ich weiß mich nicht in
+Damengesellschaft zu betragen! Meine Gnädigste, ich habe in meinem Leben
+viel mehr Frauen gesehen als Sie Sperlinge! Dreimal habe ich mich der
+Frauen wegen duelliert, zwölf Frauen habe ich sitzen lassen, neun haben
+mich sitzen lassen! Jawohl! Es gab eine Zeit, wo ich den Narren spielte,
+Honigworte lispelte, Kratzfüße, Komplimente machte... Ich liebte, litt,
+seufzte den Mond an, zerfloß in Liebesqualen. Ich liebte
+leidenschaftlich, ich liebte bis zur Raserei, in allen Tonarten, ich
+schnatterte wie eine Elster über die Emanzipation, vergeudete infolge
+dieser zarten Gefühle das halbe Vermögen, aber jetzt, hol' mich der
+Teufel, ist es genug! Gehorsamster Diener, jetzt lasse ich mich nicht
+mehr von Euch an der Nase herumführen. Genug! »Schwarze Augen,
+leidenschaftliche Augen, Korallenlippen, Grübchen in den Wangen,
+Mondenschein, Flüstern, leises, schüchternes Atmen« -- für das alles,
+meine Gnädige, gebe ich heute auch nicht einen Kupfergroschen! Ich
+spreche nicht von den Anwesenden, aber alle Frauen, von der kleinsten
+bis zur größten, sind aufgeblasen, heuchlerisch, klatschsüchtig,
+gehässig, verlogen vom Wirbel bis zur Zehe; eitel, kleinlich, grausam,
+von einer empörenden Logik und was das (er schlägt sich auf die Stirn)
+betrifft, so, verzeihen Sie mir die Aufrichtigkeit, kann ein Sperling
+einem x-beliebigen Philosophen im Unterrock zehn vorgeben! Sieht man ein
+solch poetisches Geschöpf vor sich, so glaubt man, ein ätherisches,
+göttliches Wesen zu erblicken, so wunderschön, ein Hauch und man
+zerfließt in tausend Entzückungen und Wonnen -- sieht man aber in die
+Seele -- so ist es ein gewöhnliches Krokodil! (Er greift eine
+Stuhllehne, der Stuhl kracht und bricht entzwei.) Das Empörendste ist
+aber, daß dieses Krokodil sich einbildet, es sei ein _Chef-d'oeuvre_,
+die zarten Gefühle seien sein alleiniges Monopol. Der Teufel hol's,
+hängen Sie mich da an diesem Nagel mit den Füßen nach oben auf, wenn die
+Frau außer ihrem Seidenpinsch jemand lieben kann. Wenn sie liebt,
+versteht sie bloß, zu jammern oder Tränen zu vergießen. Wo der Mann
+leidet und Opfer bringt, dort äußert sich ihre ganze Liebe darin, daß
+sie mit der Schleppe hin und her dreht und den Mann an der Nase
+herumführen will. Sie haben das Unglück, eine Frau zu sein, Sie werden
+daher die Frauennatur kennen, sagen Sie mir auf Ehr' und Gewissen: haben
+Sie in Ihrem Leben schon eine Frau gesehen, die aufrichtig, treu und
+beständig gewesen wäre? Sie haben sie nicht gesehen! Treu und beständig
+sind einzig und allein die Alten und die Mißgestalteten. Sie werden eher
+einer gehörnten Katze oder einer weißen Waldschnepfe begegnen als einer
+treuen Frau!
+
+=Frau Popow.= Aber erlauben Sie mir, wer ist denn nach Ihrer Meinung
+treu und beständig in der Liebe? Etwa der Mann?
+
+=Smirnow.= Jawohl! Der Mann!
+
+=Frau Popow.= Der Mann! (Sie lacht ironisch.) Der Mann ist treu und
+beständig in der Liebe! Das ist aber etwas ganz Neues. (Bitter.) Mit
+welchem Recht behaupten Sie das? Die Männer und treu, beständig! Wenn
+wir schon soweit gekommen sind, so werde ich Ihnen sagen, daß von allen
+Männern, die ich gekannt und kenne, der beste mein seliger Mann war...
+Ich liebte ihn leidenschaftlich, mit allen meinen Gefühlen, wie nur eine
+junge, denkende Frau lieben kann; ich gab ihm meine Jugend hin, mein
+Glück, das Leben, mein Vermögen, ich betete ihn an, wie eine Heidin und
+... und was geschah? Dieser beste der Männer betrog mich auf Schritt und
+Tritt in der gewissenlosesten Art. Nach seinem Tode fand ich im
+Schreibtisch eine volle Lade mit Liebesbriefen und bei Lebzeiten -- mir
+ist es furchtbar, daran zurückzudenken -- ließ er mich wochenlang
+allein, machte er in meiner Gegenwart anderen Frauen den Hof, hinterging
+er mich, verschwendete mein Geld und spottete über meine Gefühle... Und
+trotz alledem liebte ich ihn und war ihm treu... Ja noch mehr, er ist
+gestorben und ich bin ihm noch immer treu. Ich habe mich für ewig
+zwischen den vier Mauern begraben und bis zum Tode lege ich diese
+Trauerkleider nicht ab...
+
+=Smirnow= (lacht verächtlich). Trauerkleider!... Ich begreife nicht, für
+wen Sie mich halten. Als ob ich nicht wüßte, wozu Sie diesen schwarzen
+Domino tragen und warum Sie sich in den vier Wänden begraben haben. Ob
+ich das weiß! Das ist so geheimnisvoll, poetisch! Irgend ein Junker wird
+an dem Herrenhaus vorbeifahren, oder ein geckenhafter Poet zu den
+Fenstern hinaufblicken und sich denken: »Hier lebt die geheimnisvolle
+Tamara, die aus Liebe zu ihrem Gatten sich zwischen den vier Mauern
+begraben hat.« Wir kennen diese Kunststücke.
+
+=Frau Popow= (aufspringend). Was? Wie unterstehen Sie sich, mir das
+alles zu sagen?
+
+=Smirnow.= Sie haben sich lebendig begraben, Sie haben aber dabei nicht
+vergessen, Ihr Gesicht zu pudern!
+
+=Frau Popow.= Wie wagen Sie es nur, mit mir so zu sprechen?
+
+=Smirnow.= Schreien Sie nicht, ich bitte Sie, ich bin nicht Ihr
+Verwalter! Gestatten Sie mir die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Ich
+bin keine Frau und bin gewohnt, meine Meinung offen zu äußern! Bitte
+also, nicht zu schreien!
+
+=Frau Popow.= Nicht ich schreie, sondern Sie schreien. Lassen Sie mich
+in Ruh', ich bitte!
+
+=Smirnow.= Zahlen Sie mir das Geld und ich reise ab.
+
+=Frau Popow.= Ich werde Ihnen das Geld nicht geben.
+
+=Smirnow.= Nicht? Sie geben es also nicht?
+
+=Frau Popow.= Ihnen zum Trotz werden Sie keinen Kopeken bekommen! Sie
+sollen mich in Ruhe lassen!
+
+=Smirnow.= Ich habe nicht das Vergnügen, Ihr Gemahl oder Ihr Bräutigam
+zu sein, und bitte Sie daher, keine Szenen! (Er setzt sich.) Ich
+vertrage das nicht.
+
+=Frau Popow= (schwer atmend vor Zorn). Sie setzen sich?
+
+=Smirnow.= Ich sitze bereits.
+
+=Frau Popow.= Ich bitte, gehen Sie!
+
+=Smirnow.= Geben Sie das Geld! (Beiseite.) Ach, wie böse ich bin, wie
+böse!
+
+=Frau Popow.= Ich wünsche nicht, mit unverschämten Menschen zu sprechen.
+Hinaus! (Pause.) Sie gehen nicht? Nein?
+
+=Smirnow.= Nein.
+
+=Frau Popow.= Nein?
+
+=Smirnow.= Nein.
+
+=Frau Popow.= Gut... (Sie klingelt.)
+
+
+
+
+Neunter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Luka.=
+
+
+=Frau Popow.= Luka, führe diesen Herrn hinaus!
+
+=Luka= (geht auf Smirnow zu). Mein Herr, gehen Sie doch, wenn man Ihnen
+befiehlt. Was wollen Sie hier...
+
+=Smirnow= (aufspringend). Halt das Maul! Mit wem sprichst du? Ich
+zermalme dich zu Brei!
+
+=Luka= (faßt sich nach dem Herz). Gerechter Gott! (Er fällt in einen
+Stuhl.) Ach, mir ist schlecht, ich habe keinen Atem!
+
+=Frau Popow.= Wo ist Dascha? (Ruft.) Dascha! Pelageja! Dascha! (Sie
+klingelt.)
+
+=Luka.= Ach, alle sind Beeren suchen gegangen... Keiner ist zu Hause!
+Mir ist schlecht! Wasser!
+
+=Frau Popow= (zu Smirnow). Scheren Sie sich! Fort!
+
+=Smirnow.= Wollen Sie nicht etwas höflicher sein?
+
+=Frau Popow= (die Fäuste ballend und mit den Füßen stampfend). Sie sind
+ein Grobian! Ein grober Bär! Ein Ungeheuer!
+
+=Smirnow.= Was, wa--as haben Sie gesagt?
+
+=Frau Popow.= Ich habe gesagt, daß Sie ein Bär, ein Ungeheuer sind!
+
+=Smirnow= (nähert sich ihr mit raschen Schritten). Aber erlauben Sie
+mir, welches Recht haben Sie, mich zu beleidigen?
+
+=Frau Popow.= Ja, ich beleidige Sie. Was ist denn dabei? Sie glauben,
+daß ich mich vor Ihnen fürchte?
+
+=Smirnow.= Und Sie glauben wohl, als poetisches Geschöpf haben Sie ein
+Recht, ungestraft zu beleidigen? Ich fordere Sie!... Da haben Sie es...
+
+=Luka.= Barmherziger Gott! Wasser!
+
+=Smirnow.= Es wird duelliert!
+
+=Frau Popow.= Glauben Sie, weil Sie kräftige Fäuste und einen
+Stiernacken haben, daß ich Sie fürchte? Sie Grobian!
+
+=Smirnow.= In die Schranken! Ich erlaube keinem, mich zu beleidigen, und
+schere mich nicht drum, daß Sie eine Dame, ein zartes Geschöpf sind!
+
+=Frau Popow= (bemüht sich, ihn zu überschreien). Bär! Bär! Bär!
+
+=Smirnow.= Es ist endlich Zeit, mit dem alten Vorurteil aufzuräumen, daß
+nur der Mann verpflichtet sei, für eine Beleidigung Genugtuung zu geben.
+Wenn Gleichberechtigung, so Gleichberechtigung in allem, zum Teufel noch
+einmal! In die Schranken.
+
+=Frau Popow.= Sie wollen sich also duellieren? Bitte!
+
+=Smirnow.= Sofort!
+
+=Frau Popow.= Sofort! Mein Mann hatte Pistolen... Ich bringe sie
+sogleich. (Sie geht eilig ab und wendet sich um.) O, mit welchem
+Vergnügen werde ich Ihnen die Kugel in die unverschämte Stirn jagen! Der
+Teufel hole Sie! (Geht ab.)
+
+=Smirnow.= Wie ein Hühnchen schieße ich sie nieder! Ich bin kein grüner
+Junge, kein sentimentaler, junger Hund! Für mich gibt es keine zarten
+Geschöpfe!
+
+=Luka.= Väterchen, (er fällt auf die Knie) erbarme dich meiner, eines
+alten Mannes, erweise mir die Gnade und geh' fort von hier! Du hast mich
+zu Tode erschreckt und jetzt willst du dich noch duellieren!
+
+=Smirnow= (hört ihn nicht). Duellieren ... darin liegt die
+Gleichberechtigung, die Emanzipation! Dabei sind beide Geschlechter
+gleich. Aus Prinzip schieße ich sie nieder. Aber was sagt man zu solch
+einem Weib (nachahmend) »der Teufel hole Sie! Ich werde die Kugel in
+Ihre unverschämte Stirn jagen!« Was sagt man dazu? Hat sich ereifert,
+die Augen blitzten ... sie hat die Forderung angenommen. Bei meiner
+Ehre, zum erstenmal in meinem Leben sehe ich eine solche Frau!
+
+=Luka.= Väterchen, geh' fort! Geh' fort von hier!
+
+=Smirnow.= Das ist eine Frau! Das begreife ich. Ein echtes Weib! Kein
+weicher Teig, nicht zerflossen, sondern Feuer, Schießpulver, eine
+Rakete! Es wäre schade, eine solche niederzuschießen!
+
+=Luka= (weint). Väterchen, geh' fort!
+
+=Smirnow.= Sie gefällt mir entschieden! Entschieden! Trotz der Grübchen
+in den Wangen gefällt sie mir. Ich bin sogar bereit, ihr die Schuld
+nachzusehen ... und der Zorn ist mir vergangen ... eine merkwürdige
+Frau!
+
+=Frau Popow= (kommt mit den Pistolen).
+
+
+
+
+Zehnter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Frau Popow.=
+
+
+=Frau Popow.= Da sind die Pistolen ... aber ehe wir uns duellieren,
+zeigen Sie mir, bitte, wie man schießen muß... Ich habe noch nie im
+Leben eine Pistole in der Hand gehalten.
+
+=Luka.= Gott sei uns gnädig und erbarme dich unser! Ich gehe und hole
+den Gärtner und den Kutscher... Woher ist nur dieses Unheil über uns
+gekommen? (Er geht ab.)
+
+=Smirnow= (betrachtet die Pistolen). Sehen Sie, es gibt verschiedene
+Sorten von Pistolen... Es gibt speziell Duellpistolen von Mortimer, mit
+Kapseln. Aber das sind Revolver System Smith und Wesson, mit einem
+Extraktor ... herrliche Pistolen. So ein Paar kostet mindestens neunzig
+Rubel... So muß man den Revolver halten... (Beiseite.) Diese Augen,
+diese Augen! Ein feuriges Weib!
+
+=Frau Popow.= So?
+
+=Smirnow.= Ja, so ... dann ziehen Sie den Hahn auf ... da... So legen
+Sie an... Den Kopf ein wenig zurück... Strecken Sie gefälligst den Arm
+fest aus! So ... dann drücken Sie mit diesem Finger auf das Ding da, und
+das ist alles. Die Hauptregel ist aber: nicht aufgeregt sein, sich nicht
+beeilen beim Zielen und darauf achten, daß die Hand nicht zittere.
+
+=Frau Popow.= Gut. Im Zimmer ist es unbequem zu schießen, gehen wir in
+den Garten.
+
+=Smirnow.= Gehen wir. Ich mache Sie jedoch darauf aufmerksam, daß ich in
+die Luft schießen werde.
+
+=Frau Popow.= Das fehlte noch. Warum?
+
+=Smirnow.= Weil ... weil ... das ist meine Sache, warum!
+
+=Frau Popow.= Sie haben Angst bekommen! Ja? A--a--h? Nein, mein Herr,
+nur keine Ausflüchte! Bitte, folgen Sie mir! Ich werde mich nicht eher
+beruhigen, bis ich Ihre Stirn durchbohrt haben werde, diese Stirn, die
+ich so sehr hasse. Sie haben Angst bekommen?
+
+=Smirnow.= Ja, ich habe Angst bekommen.
+
+=Frau Popow.= Sie lügen. Warum wollen Sie sich nicht schlagen?
+
+=Smirnow.= Weil ... weil ... weil Sie mir gefallen.
+
+=Frau Popow= (mit bösem Lachen). Ich gefalle ihm! Er wagt es zu sagen,
+daß ich ihm gefalle! (Sie zeigt nach der Tür.) Gehen Sie!
+
+=Smirnow= (legt schweigend den Revolver auf den Tisch, nimmt den Hut
+und geht; an der Tür bleibt er stehen; eine Weile sehen sie sich
+schweigend an, dann nähert er sich unschlüssig). Hören Sie ... sind Sie
+noch böse?... Ich war auch teufelswütend, aber verstehen Sie mich nur
+recht ... wie soll ich mich nur ausdrücken?... Die Sache ist nämlich die
+... daß solche Geschichten eigentlich... (Er schreit.) Nun ja, ist es
+denn meine Schuld, daß Sie mir gefallen? (Ergreift die Stuhllehne, der
+Stuhl kracht und bricht entzwei.) Der Teufel weiß, was für gebrechliche
+Möbel Sie haben! Sie gefallen mir! Verstehen Sie? Ich... Ich bin fast
+verliebt!
+
+=Frau Popow.= Fort von mir, ich hasse Sie!
+
+=Smirnow.= Gott! Welch ein Weib! Ich habe nie im Leben so etwas
+Ähnliches gesehen! Ich bin verloren, ruiniert! Ich bin in die Mausefalle
+geraten, wie eine Maus!
+
+=Frau Popow.= Gehen Sie, oder ich schieße!
+
+=Smirnow.= Schießen Sie! Sie können nicht begreifen, welches Glück es
+ist, unter den Blicken dieser herrlichen Augen zu sterben, zu sterben
+durch den Revolver, den dieses kleine Sammethändchen hält... Ich bin
+verrückt geworden! Bedenken Sie und entscheiden Sie sofort, denn wenn
+ich jetzt von Ihnen gehe, sehen wir uns nie wieder. Entscheiden Sie,
+sprechen Sie... Ich bin von Adel, ein anständiger Mensch, habe
+Zehntausend jährlich Einkommen... Treffe mit dem Gewehr eine Münze, die
+in die Luft geworfen wird... Ich besitze herrliche Pferde. Wollen Sie
+meine Frau werden?
+
+=Frau Popow= (empört, schwingt den Revolver). Schießen! In die
+Schranken.
+
+=Smirnow.= Ich bin um den Verstand gekommen... Ich begreife nichts.
+Diener! Wasser!
+
+=Frau Popow= (schreit). In die Schranken!
+
+=Smirnow.= Ich habe meinen Verstand verloren ... ich habe mich verliebt,
+wie ein grüner Junge, wie ein Narr verliebt! (Er ergreift ihre Hand, sie
+schreit vor Schmerz auf.) Ich liebe Sie! (Er kniet nieder.) Ich liebe
+Sie, wie ich noch nie geliebt habe! Zwölf Frauen habe ich sitzen lassen,
+neun sind mir untreu geworden, aber keine einzige von ihnen habe ich so
+geliebt wie ich Sie liebe. Ich bin besiegt, verloren, ich liege auf den
+Knieen wie ein Narr und biete Ihnen die Hand an... Schmach und Schande!
+Fünf Jahre lang habe ich mich nicht verliebt, ich habe es mir gelobt und
+nun bin ich mit einem Mal hineingeraten, wie die Deichsel in einen
+fremden Kutschkasten! Ich biete Ihnen die Hand an, Ja oder nein? Wollen
+Sie nicht? Dann nicht. (Er steht auf und geht schnell zur Tür.)
+
+=Frau Popow.= Warten Sie...
+
+=Smirnow= (bleibt stehen). Nun?
+
+=Frau Popow.= Nichts... Sie können gehen! Übrigens, warten Sie! Nein,
+gehen Sie, gehen Sie! Ich hasse Sie! Oder nein! Gehen Sie nicht fort!
+Ach, wenn Sie wüßten, wie böse ich bin, wie böse! (Sie wirft den
+Revolver auf den Stuhl.) Die Finger sind mir angeschwollen von diesem
+Ekel... (Sie zerreißt vor Zorn ihr Taschentuch.) Was stehen Sie noch da?
+Packen Sie sich!
+
+=Smirnow.= Leben Sie wohl!
+
+=Frau Popow.= Ja, ja, gehen Sie nur! (Schreit.) Wohin gehen Sie denn?
+Warten Sie... Übrigens gehen Sie... Ach, wie böse ich bin! Kommen Sie
+nicht zu nahe, kommen Sie nicht zu nahe, kommen Sie mir nicht näher!
+
+=Smirnow= (nähert sich ihr). Wie ich mich über mich selbst ärgere! Wie
+ein Gymnasiast habe ich mich verliebt, auf den Knieen habe ich gelegen
+... mich überläuft es eiskalt... (Streng.) Ich liebe Sie! Das hat mir
+gefehlt, ich habe es notwendig gehabt, mich zu verlieben! Morgen muß ich
+Zinsen zahlen, die Heuernte hat begonnen und da erscheinen Sie. (Er faßt
+sie um die Taille.) Ich werde es mir nie verzeihen!
+
+=Frau Popow.= Weg! Die Hände weg! Ich hasse... Sie!... In die Schranken!
+(Langer Kuß.)
+
+
+
+
+Elfter Auftritt.
+
+=Die Vorigen.= =Luka.= =Gärtner.= =Kutscher.= =Arbeiter.=
+
+
+=Luka= (mit einer Axt).
+
+=Gärtner= (mit einem Rechen).
+
+=Kutscher= (mit einer Heugabel).
+
+=Arbeiter= (mit Stangen).
+
+=Luka= (erblickt das sich küssende Paar). Gerechter Gott! (Pause.)
+
+=Frau Popow= (die Augen senkend). Luka, sag' im Stall, daß Tobby heute
+gar keinen Hafer bekommen soll.
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Bär, by Anton Tschechow
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER BÄR ***
+
+***** This file should be named 22494-8.txt or 22494-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/2/2/4/9/22494/
+
+Produced by Norbert H. Langkau, Jana Srna and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+*** START: FULL LICENSE ***
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+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+
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+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
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+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
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+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
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+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
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+approach us with offers to donate.
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
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+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
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+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
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+
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