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+The Project Gutenberg eBook, Arabische Nächte, by Hans Bethge
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+Title: Arabische Nächte
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+Author: Hans Bethge
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+Release Date: October 28, 2007 [eBook #23228]
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO-8859-1
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+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ARABISCHE NäCHTE***
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+E-text prepared by Juliet Sutherland, Irma Knoll, and the Project
+Gutenberg Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
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+Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Im Original gesperrt gesetzter Text ist mit _ gekennzeichnet.
+ Im Original kursiv gesetzter Text ist mit + gekennzeichnet.
+ Im Original gesperrt und kursiv gesetzter Text ist mit =
+ gekennzeichnet.
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+ Detaillierte Hinweise zu gegenüber dem Original vorgenommenen
+ Änderungen finden sich am Ende des Textes.
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+
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+HANS BETHGE
+
+ARABISCHE NÄCHTE
+
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+[Illustration]
+
+
+LEIPZIG * IM INSELVERLAG
+MCMXX
+
+
+
+
+ARABISCHE NÄCHTE
+NACHDICHTUNGEN ARABISCHER LYRIK
+
+
+
+
+WILLI GEIGER
+GEWIDMET
+
+
+
+
+ANORDNUNG
+
+
+ VOR DEM ISLAM:
+
+ HATIM IBN ABDALLAH
+ Gastfreundlich und stolz 3
+ AMR IL KAÏS (etwa 500-540 n. Chr. Geb.)
+ Der Verführer 4
+ Hymne 5
+ IL SAMAUAL IBN ADYA (6. Jahrhundert)
+ Stammesstolz 9
+ AMR IBN KULTHUM (6. Jahrhundert)
+ Lob des Weines 11
+ Frage 13
+ Wenn sie allein ist 14
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Treue Liebe 16
+
+ SEIT DEM ISLAM:
+
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Immer zugegen 17
+ KALIF YAZID IBN MOAUJA (gestorben 683)
+ Die roten Fingernägel 18
+ Der Beneidete 19
+ Der Schatten als Kundschafter 21
+ Wahnsinn oder Liebe? 22
+ Tötende Liebe 24
+ Die Vernichterin 25
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Die Vorwürfe 27
+ KAÏS IBN IL MULLAUACH (7. Jahrhundert)
+ Leïla 28
+ KUTHAIJIR (gestorben 723)
+ Verlassen 31
+ ABBAS IBN IL ACHNAF (8. Jahrhundert)
+ Die Unerbittliche 32
+ HARUN AL RASCHID (763-803)
+ Die Macht der Liebe 35
+ ABU NUWAS (762-810)
+ Ihr Gang ist wogend 36
+ Die Spröde 38
+ Liebe im Traum 39
+ Im Rausch 40
+ MOSLIM IBN IL WALID IL ANSSARI (8. Jahrh.)
+ Liebestrunken 41
+ Leidenschaft 43
+ Trübe Gedanken 44
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Tränen 45
+ MUDRIK IL SCHAÏBANY
+ Die Geizige 46
+ IBN IL RUMI (gestorben 896)
+ Umarmung 47
+ IBN IL MOATTAS (9. Jahrhundert)
+ Die Siegerin 48
+ SCHULE DES IBN IL MOATTAS
+ Nacht und Morgenröte 49
+ KUSCHAGIN (10. Jahrhundert)
+ Verpfändet 50
+ URAK IL HUTAÏL
+ Frage und Antwort 51
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Verzehrende Liebe 52
+ ABU FIRAS (gestorben 968)
+ Wünsche 53
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Aufforderung 54
+ Kummer 55
+ Im Zweifel 56
+ Frage und Antwort 57
+ Auf eine Rose 58
+ IBN IL KHAYAT IL DEMISCHKI (10. Jahrh.)
+ Auf der Schwelle 59
+ IBN KALAKIS (12. Jahrhundert)
+ Geheime Liebe 61
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Wogen 62
+ ABU ABD IL RAHMAN ELAÏTAM ELKUFI
+ An ein Schwert 63
+ AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+ Nahmas Porträt 65
+ Auf Nahmas Schönheit 67
+ Bei Nahmas Abreise 68
+ Auf ein Grab 69
+ An eine Sängerin 70
+ Der Strom der Liebe 71
+ Fragen eines Liebenden 72
+ An einen berühmten Gast 74
+ IL HAGYRI (13. Jahrhundert)
+ Liebeshymne 75
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Wasser und Feuer 77
+ IBN IL FARID (1181-1234)
+ Selige Nacht 78
+ SCHULE DES IBN IL FARID
+ Tränen 79
+ Seltsamer Wunsch 80
+ NUBATA (14. Jahrhundert)
+ Ein Wunder 81
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Auf einen Apfel 82
+ Weisheit 83
+ Der Liebesbrief 84
+ Der Liebende und die Fackel 85
+ ACHMED BEN MOHAMMED MOKRI
+ Sehnsucht nach Damaskus 86
+ Auf einen Garten 88
+ IBN HOGGIAT (gestorben 1433)
+ Der verliebte Dichter 89
+ SOYUTI (um 1490)
+ Frühling 91
+ Erinnerung 92
+ An den Zephir 93
+ Der Bach und der Baum 94
+ SABBAGH
+ Auf ein Pferd 95
+ IBN IL SCHAAB (18. Jahrhundert)
+ Feuer und Rauch 96
+ MAHMUD PASCHA SAMY IL BARUDY (19. Jrh.)
+ An die Abwesende 97
+ ISMAÏL PASCHA SABRY
+ Liebesgebet 99
+ ACHMED BEY SCHAWKY
+ Wenn du erscheinst 101
+ UNBEKANNTER DICHTER
+ Liebeslied 102
+
+ GELEITWORT 103
+
+
+
+
+GASTFREUNDLICH UND STOLZ
+
+HATIM IBN ABDALLAH
+
+ Ich bin Abdallahs Kind, der Sproß des Mannes,
+ Der strahlend ritt auf einem roten Pferd.
+
+ Wenn du das Mahl bereitet hast, so hole
+ Den Gast herein, daß er sich auch erlabe, --
+
+ Sei es ein später Wandrer, seis ein Nachbar,
+ Ich will nicht, daß man Übles von mir spricht.
+
+ Ich bin der Knecht des Gastes, der mich aufsucht;
+ Sonst aber hab ich wahrlich nichts von Knechtes Art!
+
+
+DER VERFÜHRER
+
+AMR IL KAÏS
+
+ Wie viele Frauen habe ich verführt!
+ Zuweilen waren säugende darunter
+ Und solche, die ein Kind erwarteten.
+
+ Und wieder andre, die bedenkenlos
+ Ihr Kindchen, das ein Jahr alt war, alleine
+ Sich überließen, um an meinem Halse
+
+ Berauschten Sinns zu hängen. Und wenn dann
+ Das Kind in seiner Angst zu weinen anhub,
+ So wendete die junge Mutter sich
+
+ Mit ihres schönen Körpers oberer Hälfte
+ Wohl nach ihm hin. Das andre ihres Körpers
+ Blieb bei mir, bei mir, ohne sich zu rühren!
+
+
+HYMNE
+
+AMR IL KAÏS
+
+ Durchbrochen hab ich ihrer Wächter Schar
+ Und die Verwandten, welche alle wünschten,
+ Mich mit dem Dolche meuchlings umzubringen.
+
+ Am Firmamente standen die Plejaden
+ Und funkelten, so wie die Edelsteine
+ An den Gewändern schöner Frauen glühn.
+
+ Ich kam und sah: Bei einem Vorhang legte
+ Sie ihre Kleider ab, um dann zu schlafen;
+ Nur einen Schleier noch behielt sie an.
+
+ Sie sprach zu mir: Ich schwöre, daß du heute
+ Mich nicht umarmen sollst. Wirst du denn niemals
+ Den Weg zurück zur frommen Tugend finden?
+
+ Und dennoch schritt sie mit mir in die Nacht.
+ Wir ließen hinter uns ein Tuch hinschleifen,
+ Um auszulöschen unsrer Schritte Spur.
+
+ Als wir dem Dorf genügend ferne waren,
+ Wandte sie ihre Schritte einem Tale,
+ Das ganz mit weißem Sand erfüllt war, zu.
+
+ Da neigte meine Liebste sich zu mir
+ Und schmiegte ihren Kopf an meine Brust,
+ Und ihres Körpers Schlankheit fühlte ich.
+
+ Vollendet schön sind ihre jungen Schenkel,
+ Ihr Leib ist weiß und klein, und ihre Brust
+ Strahlt wie das blanke Glänzen eines Spiegels.
+
+ Sie wendet sich: und reizend starrt ihr Busen.
+ Ihr Blick ist scheu; so blickt wohl die Gazelle,
+ Die sorgenvoll ihr Junges überwacht.
+
+ Auch ihre Brust ist von Gazellenart,
+ Nur daß die sanfte Brust meiner Geliebten
+ Durch Edelsteine noch verschönert wird.
+
+ Nachtschwarz sind ihre Haare, und sie fluten
+ Auf ihren Rücken, üppig wie die Dolden
+ Der Dattelfrüchte an den Palmenkronen.
+
+ Und dieses Haar ist lockig; in den Flechten,
+ Den aufgerollten und den wallenden,
+ Verschwinden ihre Kämme ganz und gar.
+
+ In sanfter Rundung prangen ihre Hüften,
+ Die zierlichen. Und ihre feinen Beine
+ Sind schlank wie Binsen, die im Wasser stehn.
+
+ Am späten Morgen steht sie auf. Ein Duft,
+ So wundervoll, als stamm er von Muskat,
+ Umweht ihr Lager. Sie erhebt sich spät,
+
+ Weil kein Geschäft sie, keine Arbeit zu
+ Besorgen hat. Die Finger ihrer Hände
+ Sind zart und rosig, kleinen Blüten gleich.
+
+ Ihr Teint besitzt die Farbe eines Eis,
+ Gelegt von einer jungen Straußin, die
+ Nur immer silberklares Wasser trank.
+
+ Ihr Teint ist ambrafarben. Er durchschimmert
+ Die Nacht wie eine Fackel, die ein frommer
+ Einsiedler in der Finsternis erhebt.
+
+ Der Weise auch muß ihr Bewundrung zollen,
+ Wenn sie daherkommt, zwei Begleiterinnen
+ Zu Seiten, die sie völlig überstrahlt.
+
+ Oft heilt die Zeit den Wahnsinn der Verliebten,
+ Doch niemals wird mein Herz die Leidenschaft
+ Preisgeben, die ihm Licht und Nahrung ist.
+
+ Wie oft schon haben Freunde mich bestürmt,
+ Ich solle sie verlassen, die ich liebe.
+ Taub bleib ich solchem Ratschlag immerdar.
+
+ Wie viele Nächte, die mir endlos schienen,
+ Gleich dem gedehnten Wogengang des Meeres,
+ Sind mir mit dunkeln Sorgen schon genaht.
+
+ Einst sprach ich zu der Nacht, von der ich meinte,
+ Daß sie zur Hälfte schon verflossen sei,
+ Die aber immer schrecklicher sich dehnte:
+
+ O Nacht, so sprach ich, lange Nacht, entflieh
+ Und mache endlich Platz dem jungen Tag,
+ Wenn ich auch weiß, daß aller Tagesglanz
+
+ Die Unruh meines Herzens nicht verscheucht,
+ Wenn ich auch ewig, ewig leiden muß,
+ So wie das Licht der Sterne ewig scheint.
+
+ So steht's mit mir, zu sehr Geliebte du!
+
+
+STAMMESSTOLZ
+
+IL SAMAUAL IBN ADYA
+
+ Ein unbezwingbar ragendes Gebirg
+ Nimmt alle die in seinen Schatten auf,
+ Die unserm Schutz sich willig anvertraun.
+
+ Uns ist der Tod nichts Schreckliches. Gewiß,
+ Die Stämme von Amer und Sabul fürchten
+ Sich sehr vor ihm. Wir aber lieben ihn!
+
+ Da wir ihn lieben, fliegt das Leben uns
+ Gar schnell dahin. Langatmig ist das Leben
+ Der andern, die voll Angst sind vor dem Tod.
+
+ Niemals starb einer von den Unsern noch
+ Auf seiner Ruhstatt. Freilich, es vergeht
+ Kein Tag, an dem nicht einer von uns stirbt.
+
+ Des Degens Schneide ist der schmale Weg,
+ Drauf unsre Seelen in das Ewige wandern,
+ Sie kennen eine andre Straße nicht.
+
+ Wahrlich, wir sind dem Regen zu vergleichen,
+ Der stets willkommen ist, wenn er sich naht;
+ Keiner von uns denkt an sein eigenes Heil.
+
+ Man glaubt uns, wenn wir andere der Lüge
+ Bezichtigen. Doch wird es niemand wagen,
+ Zu zweifeln an der Wahrheit unseres Worts.
+
+ Wenn einer unsrer Helden stirbt, so ist er
+ Sofort ersetzt durch einen andern Helden,
+ Des hoher Sinn ganz unantastbar ist.
+
+ Das Feuer, das wir an den Abenden
+ Entzünden, um den Wanderern zu zeigen,
+ Wo ihnen Schutz winkt, ist noch nie erloschen,
+
+ Ohn daß ein Gast sich unserm Stamm genaht,
+ Um Ruhe zu erbitten. Niemals noch
+ Hat sich ein Gastfreund über uns beklagt.
+
+ Ruhm hat an unsre Waffen sich geheftet
+ In Ost und West. Wir haben unsre Klingen
+ Erprobt beim Spalten helmbewehrter Köpfe.
+
+ Noch keiner von den Unsern zog jemals
+ Sein Schwert und schob zurück es in die Scheide,
+ Ohn daß ein Leben ihm zum Opfer fiel.
+
+
+LOB DES WEINES
+
+AMR IBN KULTHUM
+
+ Erhebe dich! Nimm deinen Krug und gieße
+ Uns ein den süßen Wein von El Andar,
+ Denn eine holdre Labe gibt es nicht.
+
+ Gieß ein uns dieses köstliche Getränk,
+ Des Farbe goldig schimmert, so als hätten
+ Sich safranfarbene Blüten drin entfärbt.
+
+ Gieß ein uns diesen Trank, der alle Sorgen
+ Verjagt und der die Traurigkeit erstickt
+ Und unsrer Seele edeln Mut verleiht.
+
+ Gieß ein uns diesen Trank, der die Verachtung
+ Der irdischen Güter in dem Geizhals weckt!
+ Um-Amr, du hast nicht wohl an mir getan:
+
+ Du hast den Kelch, als er nach rechts hin kreisen
+ Gesollt, von mir entfernt. Das war nicht gut.
+ Wert bin ich dieses Trankes so wie du.
+
+ Wie viele Becher hab ich einst geleert
+ In Baalbek und Damaskus! Lustig, Brüder!
+ Denn eines Tages kommt der Tod zu uns.
+
+ Wir alle sind geschaffen für den Tod.
+ Der Tod ist für uns all geschaffen. Auf!
+ Genießen wir die Zeit, solang sie blüht!
+
+
+FRAGE
+
+AMR IBN KULTHUM
+
+ Bleib. Geh noch nicht hinweg. Laß mich dir sagen,
+ Welch wilde Leiden ich um dich ertrug.
+ Ich möchte wissen, ob auch du um mich
+ Gelitten hast. Bleib noch und gib mir Antwort,
+ Ob du das Band der Treue schon zerrissest,
+ Das dich mit einem Mann verband, der nie,
+ Auch in Gedanken nie, dir untreu war.
+
+ Was hast du während dieses Tags getan,
+ Da Waffenlärm erklang und da der Sieg
+ Die Deinen krönte? -- O bedenke wohl,
+ Daß morgen und die kommenden Tage voll
+ Geheimnisvoller Zukunft sind, die heute
+ Noch keines Menschen Aug enträtseln kann.
+
+
+WENN SIE ALLEIN IST
+
+AMR IBN KULTHUM
+
+ Wenn sie allein ist, wenn sie nicht die Blicke
+ Feindlicher Menschen zu befürchten hat,
+ Dann läßt sie unbekleidet ihre Arme,
+
+ Die wohl den Gliedern eines weiblichen
+ Kameles gleichen, das noch nie gebar.
+ Und auch ihr Busen ist dann unverhüllt,
+
+ Der zwei aus Elfenbein gemachten Bechern,
+ Die noch kein Mensch jemals berührte, gleicht.
+ Ihr Leib ist lang und schön geschweift. Die Hüften
+
+ Sind schwer von ihres üppigen Fleisches Fülle,
+ Sie geht verführerisch, -- die Türen scheinen
+ Zu schmal für sie, und ich bin toll nach ihr.
+
+ So weiß sind ihre Lenden, daß sie Säulen
+ Aus Marmor gleichen oder Elfenbein,
+ Und wenn sie schreitet, klirren ihre Spangen.
+
+ Bin ich von ihr entfernt, erfaßt mich Sehnen,
+ Wie ein betrognes Tier, dem man sein Junges
+ Genommen hat und das nun klagt nach ihm.
+
+ Von ihr entfernt, bin ich voll Schmerz und Jammer,
+ Wie eine Mutter voller Jammer ist,
+ Die ihre Kinder durch den Tod verlor.
+
+
+TREUE LIEBE
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Ein treues Liebespaar hat Kummer nur
+ Um Eines: Trennung. Eng vereint zu leben,
+ Wird einem solchen Paare nie zu viel.
+
+ Wo ihnen nur ein kleines, feines Wölkchen
+ Der Lust sich zeigt, da weilen sie so gerne.
+ Dem Ruf der Liebe folgen sie entzückt.
+
+ Was andre Leute reden, achten sie
+ Nicht im geringsten. Nur die eignen Worte
+ Sind ihnen wertvoll und von süßem Klang.
+
+
+IMMER ZUGEGEN
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Dein Bildnis strahlt in meinen Augen,
+ Dein Name lebt in meinem Mund,
+ Du selber wohnst in meinem Herzen, --
+ Wie wär es möglich, o Geliebte,
+ Daß du dich je vor mir verbirgst?
+
+
+DIE ROTEN FINGERNÄGEL
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Als ich ihr dann begegnete, da sah ich,
+ Daß ihre Fingernägel purpurrot
+ Von Farbe waren; und ich sprach zu ihr:
+
+ »Du Böse färbst dir deine Nägel rot
+ Und machst dich schön, wenn ich nicht bei dir weile?«
+ Darauf entgegnete sie ernst und still:
+
+ »Die Eitelkeit ist meinem Herzen fremd.
+ Du Schlimmer schiebst mir eine Absicht zu,
+ Die ich nicht kenne. Hör die Wahrheit an:
+
+ Du, meine einzige Stütze und mein Halt,
+ Du bliebst so grausam lange fern von mir,
+ Daß blutige Tränen meinem Aug entströmten.
+
+ Mit diesen Händen hab ich meine armen
+ Augen getrocknet. Weißt du nun, woher
+ Das blutige Rot an meinen Nägeln stammt?«
+
+
+DER BENEIDETE
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Sie hat geforscht, wie es mir gehe. Da
+ Hat man zu ihr gesagt: »Es ist vorbei,
+ Er ist hinüber -- und durch deine Schuld.«
+
+ An einer feinen Geste ihrer Hände
+ Erkannte man ihr Mitleid. Tränen stürzten
+ Aus ihren Lidern vor, die zart wie Kelche
+
+ Der Lilien sind, und glitten auf die Wangen,
+ Die Rosen gleichen, nieder, und sie biß
+ Die Lippen sich, die so wie Kirschen leuchten,
+
+ Mit ihrer Zähne perlenhaftem Schimmer.
+ Und darauf sprach sie dies: »Groß ist mein Schmerz
+ Um ihn fürwahr; niemals hat eine Schwester
+
+ Das Unglück ihres Bruders so beweint,
+ Niemals hat eine Mutter so gejammert
+ Des Sohnes wegen, wie ich heute tu.«
+
+ Und darauf eilte sie, mich zu besuchen,
+ Und überhäufte mich mit Freundlichkeiten,
+ Und meine Seele lebte wieder auf
+
+ Und schenkte auch dem Körper wieder Leben;
+ Und viele gab es, die mich um den Tod
+ Beneideten, aus dem ich neu erstand.
+
+ Ja, viele Männer wünschten, so wie ich
+ Dahinzusiechen, um von _ihren_ Händen
+ Erweckt zu werden in das Reich des Lichts.
+
+ Seltsam: um alles Gute, alles Böse,
+ Was mir von ihr wird, muß ich Eifersucht
+ Und Neid erfahren, -- um den Tod sogar.
+
+
+DER SCHATTEN ALS KUNDSCHAFTER
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Ihr Schatten ist zu mir gekommen,
+ Um mich im Traume zu besuchen,
+ Dann kehrte er zu ihr zurück.
+
+ Sie sprach zu ihm: Sag mir, in welcher
+ Verfassung du ihn angetroffen, --
+ Und lautre Wahrheit künde mir!
+
+ Da sprach der Schatten: Wenn dein Freund
+ Vor Durst verginge und er wüßte,
+ Daß dies dein Wille sei, -- er würde
+
+ Nicht einen Tropfen zu sich nehmen,
+ Und wenn man ihm verlockend böte
+ Den wundervollsten Labetrunk.
+
+
+WAHNSINN ODER LIEBE?
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Fällt Nacht auf mich hernieder, oder fühl ich
+ Das Fluten deines schwarzen Haares? Ist es
+ Der Mond, der scheint, oder dein süßes Antlitz?
+
+ Seh ich ein Blatt der lieblichen Narzisse
+ Oder dein Augenlid? Seh ich das Leuchten
+ Von Hagelkörnern oder deine Zähne?
+
+ Erheben sich auf deiner Brust zwei Hügel
+ Von Elfenbein, -- oder erblickt mein Auge
+ Die Fülle deines Busens? Ist es Flugsand,
+
+ Was unter deiner Kleidung sich bewegt,
+ Oder das Schwellen deiner jungen Hüften?
+ Wenn du erkennen könntest, wie ich leide
+
+ Um deinetwillen, Schrecken würde dich
+ Erfassen, und du würdest staunend fragen:
+ »Erfüllt ihn Wahnsinn oder Liebesglut?«
+
+ Wenn jemand, der in deiner Nähe war,
+ Sich mir gesellt, so atm' ich mit Entzücken
+ Den feinen Duft auf, der mich an Muskat
+
+ Gemahnt und den er mit sich führt von dir
+ Als wie ein Grüßen. Und mit flehender Stimme
+ Sprech ich zu ihm, der mich so glücklich macht:
+
+ »Du hast die Liebesglut in mir vermehrt,
+ Vermehre jetzt die Worte deines Mundes
+ Und sprich mir lange, lange, lang von ihr!«
+
+
+TÖTENDE LIEBE
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Ich habe auf den Knien um ihre Liebe
+ Sie angebettelt. Darauf sagte sie:
+ Weißt du denn nicht, daß alle, die im Traume
+ Mich zu besitzen meinen, beim Erwachen
+ Verzweifelt sterben, weil sie nun erkennen,
+ Daß sie mich _nicht_ besitzen? Ach, zu viele
+ Sind hingesiecht, aus Leidenschaft zu mir,
+ Bis in den Tod. Die andern, die nicht wagten
+ Mir ihres Herzens Qualen zu gestehen,
+ Sind fortgereist und kehrten nie zurück ...
+
+ Und ich entgegnete: Ich bitte Gott
+ Um Nachsicht für die Glut, die in mir lodert,
+ Und werde standhaft und voll Mut beharren
+ Bei meiner Liebe, die dich ganz umschlingt.
+
+ Und dann verließ sie mich. Und ich stand da
+ Wie ausgedorrt, ein abgestorbener Baum.
+
+
+DIE VERNICHTERIN
+
+KALIF YAZID IBN MOAUJA
+
+ Auf ihren Armen, ihren schönen Händen
+ Sind Zeichen tätowiert gleich dünnen Zügen
+ Von Ameisen, die ihrem Volk entfliehn.
+
+ Man könnte ihre Haut mit einem Rasen
+ Vergleichen, darauf eine kühle Wolke
+ Die Körner feinen Hagels sinken ließ.
+
+ Sie hat gewiß gefürchtet, daß die Pfeile
+ Aus ihren Augen ihre eignen Hände
+ Verletzen könnten, -- darum zog sie vor,
+
+ Mit einem Küraß sonderbarer Zeichen
+ Die Haut zu schirmen. Ach, die Böse hat
+ Die flachen Hände gegen mich erhoben,
+
+ Als wollte sie das Herz aus meiner Brust
+ Fortreißen, und die Pfeile ihrer Augen
+ Vernichten mich, ohn daß ich fliehen kann.
+
+ Die Locke, die auf ihrer Schläfe liegt,
+ Ist ein Skorpion, der seinen giftigen Stachel
+ Gegen mein banges Herz gerichtet hält.
+
+ Ihr Auge scheint geschlossen, doch es wacht.
+ Der Bogen ihrer Augenbrauen nimmt
+ Mich ganz gefangen. Ihre Wangen schimmern
+
+ Gleich roten Rosen. Könntet ihr die Brust
+ Der Wundervollen sehn: ihr würdet meinen,
+ Zwei Früchte des Granatbaums zu erblicken.
+
+ Sehr aufrecht ruht ihr Leib auf edeln Hüften
+ Und wiegt sich rhythmisch. Wenn die Sonne sie
+ Im bloßen Schmucke ihrer Nacktheit sähe:
+
+ Sie würde fürder nicht zu scheinen wagen,
+ Weil sie erkennen würde, daß sie nimmer
+ Mit solcher Schönheit Glanz sich messen kann.
+
+
+DIE VORWÜRFE
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Ich habe mich bei ihr beklagt. Sie sprach:
+ »Da meine Liebe dich zu Klagen hinreißt,
+ So möge Gott von dieser Liebeslast
+
+ Dich bald befreien!« Hierauf schwieg ich, und
+ Sie sprach: »Du hast zu viel Geduld mit mir.
+ Verliebte sind doch sonst nicht so geduldig?«
+
+ Ich näherte mich ihr, -- sie wollte mich
+ Nicht hören; darauf bin ich weit hinweg
+ Gegangen, um sie ja nicht zu erzürnen, --
+
+ Nun tadelte sie, daß ich lieblos sei.
+ Sie wird gereizt durch die geringsten Klagen,
+ Und rührende Geduld ermüdet sie.
+
+ Wer sagt mir einen Ausweg aus dem Wirrwarr?
+ Wenn jemand einen guten Rat mir weiß,
+ Will ich den Segen Allahs ihm erflehn.
+
+
+LEÏLA
+
+KAÏS IBN IL MULLAUACH
+
+ Ich denke unaufhörlich Leïlas
+ Und der verrauschten Jahre. Liebe Freunde,
+ Warum beweint ihr meinen Jammer nicht?
+
+ Ich möchte Freunde haben, welche weinen,
+ Wenn ich in Tränen bin! Hat Gott die Macht,
+ Zwei Herzen zu vereinen, wenn die Hoffnung,
+
+ Sie zu vereinen, schon in Asche sank?
+ Von Allahs Fluch getroffen seien jene,
+ Die meinen, daß die Zeit mir Lindrung bringt!
+
+ Für ewig hängt mein Sinn an Leïla;
+ Ich sehe sie im Geist, wie sie des Abends
+ Die väterlichen Schafe heimwärts treibt.
+
+ Gott schenkte einem andern Leïla.
+ Mich machte er verrückt nach Leïla, --
+ Konnt er mir denn nichts Besseres verleihn?
+
+ Hat man mir nicht gesagt, daß sie im Sommer
+ Nach Tima käme? Hingeschwunden sind
+ Des Sommers Monde, -- warum kam sie nicht?
+
+ Weh! meine Liebe ist gespannt gleich wie
+ Die Sehne eines Bogens. Eines Tages
+ Zerreißt die Sehne, maßlos überreizt.
+
+ O immer wieder, wenn der Morgenstern
+ Sich mit dem Frührot aus der Nacht erhebt,
+ Flammt meine Leidenschaft gewaltig auf.
+
+ Wenn ich mich rüste zum Gebet, so neige
+ Ich mich nach jener Richtung hin, wo du
+ Verweilst, o Strahlende. Die heiligen
+
+ Gesetze wollen, daß ich mich nach andrer
+ Richtung verneige; doch das tu ich nicht.
+ Ich liebe sehr den Namen Leïla,
+
+ Ich liebe alle Namen, die ihm gleichen,
+ Und wertlos scheint dies Leben mir, denn sie,
+ Die ich ersehne, ward des andern Weib.
+
+ Ich lebe, um an Leïla zu leiden,
+ Ich muß, wenn ich die Ebene durchreite,
+ Meines Kameles Sattel wohl beachten:
+
+ Er ist bestrebt, nach rechts hin sich zu neigen,
+ Wenn du dich rechts befindest. Und er hängt
+ Nach links hinüber, wenn du linkswärts weilst.
+
+ Wenn ich vom Schlaf gemieden werde, flehe
+ Ich Allah an, daß er mir Schlaf verleihe,
+ Damit dein Bild in meinem Traum ersteht.
+
+ Der Reiz, der von dir ausgeht, ist ein Zauber.
+ Obwohl es alte Zauberformeln gibt,
+ Die schützen gegen überirdische Kräfte, --
+
+ Nie würd ich wagen, nur den kleinsten Vers
+ Zu sprechen, um zu bannen deine Macht, --
+ Ich will dein Sklave sein bis in den Tod.
+
+ O Freunde, wenn ihr keine Mittel wißt,
+ Mich in Besitz von Leïla zu setzen,
+ So bitt ich euch: schafft meinen Sarg herbei,
+
+ Bereitet mir das Leichentuch und betet
+ Zu Allah, daß er gnädig sei dem Manne,
+ Des Herz gebrochen ward durch Leïla.
+
+
+VERLASSEN
+
+KUTHAIJIR
+
+ Du hast in deine Arme mich gelockt
+ Mit Worten, so beredt, daß scheue Gemsen
+ Aus Felsenhöhn herabgestiegen wären.
+
+ Dann, als du meiner Herr geworden warst,
+ Gingst du hinweg. Nun ist mein Herz voll Gram,
+ Und alle Lust schwand in die tiefste Nacht.
+
+
+DIE UNERBITTLICHE
+
+ABBAS IBN IL ACHNAF
+
+ Sie ließ mir sagen, daß sie krank sei. Ich
+ Ging dennoch zu ihr, und ich fand sie lächelnd
+ Und ganz gesund vor, -- sie war niemals krank.
+
+ Doch krank, unheilbar krank, ist ihr Besucher.
+ Wenn alle Herzen hart wie ihres wären, --
+ Kein Vater wär besorgt mehr um sein Kind.
+
+ Sie schrieb, ich solle jetzt nicht zu ihr kommen,
+ Da ließ ich sie allein, daß sie erführe
+ Die Bitternis der Einsamkeit. Doch, ach,
+
+ Was kümmert sie's, wenn Menschen, die sich nach
+ Ihr sehnen, auf der Schwelle ihrer Wohnung
+ Daliegen, zu erfahren, wie's ihr geht?
+
+ Wenn dies ein Fehler ist, daß ich von neuem
+ Dich zu besuchen komme, -- o so wisse,
+ Daß ich noch vieler Fehler fähig bin.
+
+ Bekannte haben, da ich deinen Namen
+ Aussprach, zu mir gesagt: Sie ist es, sie,
+ Die dich so traurig macht und derentwillen
+
+ Du Dinge treibst, die dir nicht ziemen. Ich
+ Hab alles abgeleugnet und gelacht,
+ Um meiner Freunde Argwohn zu zerstreun.
+
+ Die Frauen sind voll Neid auf deine Schönheit,
+ Die lieblichsten Gesichter stehen alle
+ Dem Reize deines Angesichtes nach.
+
+ Dein Leib ist wie ein schmächtiger Zweig, daran
+ Zwei blanke Äpfel des Granatbaums hangen,
+ Die engsten Gürtel sind für dich zu weit.
+
+ Wenn Dunkelheit des Abends niedersteigt,
+ Um mich zu quälen, wendet sich mein Herz
+ Zu dir, die mir des Schlafes Süße raubt.
+
+ Du bist die Quelle aller meiner Leiden
+ Von heut und ewig. Du hast meinen Augen
+ Schlaflosigkeit, die schreckliche, verliehn.
+
+ Wie lange werd ich weinen, während du
+ Nur immer lachst? Ich nahe dir in Demut,
+ Doch du entfernst dich, -- denn du hassest mich.
+
+ Wie lange noch wird meine arme Seele
+ Verharren in dem Banne deines Zaubers?
+ Wie lange werd ich singen meine Qual?
+
+ Die Mißgeschicke kommen und entschwinden, --
+ Die Leidenschaft zu dir wächst immer tiefer
+ In mich hinein und wurzelt wie ein Baum.
+
+ Ich bin ein Jäger, der die herrlichste
+ Gazelle jagt: und die Gazelle tötet
+ Den Jäger durch die Holdheit ihres Seins.
+
+
+DIE MACHT DER LIEBE
+
+HARUN AL RASCHID
+
+ Drei holde Wesen lenken mich, nachdem sie
+ Die Zügel an sich rissen. Allen Raum
+ In meinem Herzen haben sie besetzt.
+
+ Ein ganzes Volk gehorcht mir. Wie ist's möglich,
+ Daß jene drei sich mir nicht beugen wollen
+ Und daß ich selber ihnen dienstbar bin?
+
+ Ich seh es ein: die Macht der Liebe ist
+ Gewaltiger als alle andre Herrschaft,
+ Selbst als die Macht auf einem Königsthron.
+
+
+IHR GANG IST WOGEND
+
+ABU NUWAS
+
+ Ihr Gang ist wogend, ihre Haare liegen
+ Wie Wellen um die Stirn. Mein Herz ist wüst, --
+ Es läßt nicht ab von der, die mich verachtet.
+
+ Sie schreibt mir Missetaten zu, die ich
+ Niemals beging; ihr Zorn flammt gegen mich,
+ Und, ach, mir täte ihre Gunst so not!
+
+ Gewährt sie mir ein Stelldichein, so wart ich
+ Umsonst auf sie. Nun nehme ich mir vor,
+ Das nächstemal ihr unwirsch zu begegnen.
+
+ Doch seh ich sie dann wieder, stolz und schön,
+ So flieht mein zorniger Vorsatz ganz dahin,
+ Im Anblick ihrer königlichen Haltung.
+
+ Ja, wogend ist ihr Gang. Kein andres Wesen
+ Hat diesen wogend-wundervollen Schritt
+ Wie sie, der all mein Träumen angehört.
+
+ Wer sie betrachtet, dessen Augen werden
+ Geblendet. Ihrem Angesichte ward
+ Der Strahlenglanz der Sonne nachgebildet.
+
+ Die reinste Schönheit geht verlockend aus
+ Von ihrem Angesicht. Der schönste Duft
+ Hat sein Arom von ihrer Haut geliehn.
+
+ Und wenn der frömmste Scheich an ihrer Seite
+ Verweilte, -- alle Frömmigkeit bewahrte
+ Ihn vor Versuchung seines Herzens nicht.
+
+
+DIE SPRÖDE
+
+ABU NUWAS
+
+ Sie war so schön an jenem Abend und
+ So heitern Augs. In kühnem Spiele ließ
+ Ich ihren Mantel mählich niedergleiten,
+ Den strahlenden, -- und auch ihr Rock sank hin.
+
+ Und da die Nacht nun ihre dichten Schatten
+ Gleich einem schweren Vorhang niederließ,
+ Begann ich keck zu werden. Aber sie
+ Entzog sich mir und sagte nur: »Auf morgen!«
+
+ Am andern Tag, zu festgesetzter Stunde,
+ Traf ich sie wieder und gemahnte sie
+ An ihr Versprechen. Sie erwiderte:
+ »Die dunkeln Worte, die bei Nacht man spricht,
+ Verlieren ihren Sinn am hellen Tag!«
+
+ Und lächelte und sagte: »Hab Geduld!«
+
+
+LIEBE IM TRAUM
+
+ABU NUWAS
+
+ Im Traume hab ich neulich es erlebt,
+ Daß unsre Schatten sich zusammenfanden
+ Und unsre Liebe ganz die alte war.
+
+ Warum, Geliebte, bleiben unsre Körper
+ Im Zorn getrennt, indessen unsre Schatten
+ So selig sind, wie wir schon längst nicht mehr?
+
+ Wär es nicht billig, daß im wahren Leben
+ Du auch so gütig mir entgegenkämest,
+ Wie du's im Leben meiner Träume tust?
+
+ O Qual! wir sind zwei Liebende, die nur
+ Sich lieben, wenn sie träumen; doch im Wachen
+ Sind sie voll grimmen Zornes zueinander.
+
+ Man soll sich hüten vor den Luftgebilden
+ Der Träume; doch mitunter, das ist wahr,
+ Sind sie auch weiser, als wir Menschen sind.
+
+
+IM RAUSCH
+
+ABU NUWAS
+
+ Sie schien mir sorgenvoll. Ich wollte sie
+ Umarmen, voller List. Da rannen Tränen
+ Aus ihren Augen, heiß, über die Rosen
+
+ Der jungen Wangen. Eine Schale hob ich
+ Ihr da entgegen, und sie trank sie leer,
+ Und in ihr Paradies nun stürmt ich ein ...
+
+ O furchtbar, wenn sie aus den tiefen Wogen
+ Des Rausches, der sie noch umfangen hält,
+ Erwachen wird! Der Gram wird sie verzehren,
+
+ Und in Verzweiflung und voll Haß wird sie
+ Mich niederstechen mit dem schärfsten Schwerte
+ Ihrer entsetzlichen Verlassenheit.
+
+
+LIEBESTRUNKEN
+
+MOSLIM IBN IL WALID IL ANSSARI
+
+ Schon Blicke können Liebe sein, gewiß.
+ Jedoch der Liebe wundervollstes Wesen
+ Verrät sich anders noch als nur in Blicken!
+
+ Mein Aug hat dich verfolgt, allüberall;
+ Da fühltest du, daß ich dich liebte, und
+ Du gabst auch _deine_ Liebe selig her.
+
+ Und die Gedanken, die in unsern Seelen
+ Nunmehr erstehn, bereiten uns Verwirrung, --
+ Und wenn sich unsre Augen treffen, fühlen
+
+ Wir ein gefährlich Glühn in unsrer Brust.
+ Einst kannt ich nur die Trunkenheit, die uns
+ Der ausgepreßten Trauben Saft verleiht:
+
+ Heut hat das goldne Glänzen mich berauscht,
+ Das in den Augen meiner Liebsten sprüht,
+ Und meine Seele ist ihm ganz verfallen.
+
+ Ich war bei ihr! Und meine Blicke haben
+ Sie eingehüllt, ganz dicht, und holde Sünden
+ Beging sie durch die ganze Nacht hindurch,
+
+ Davon ich schweige. Und die ganze Nacht
+ Ließ ich die lieben Sünden mir gefallen, --
+ Nie hab ich Sünden so mit Lust verziehn!
+
+
+LEIDENSCHAFT
+
+MOSLIM IBN IL WALID IL ANSSARI
+
+ »Verbirg doch deine Leidenschaft,« sagt man
+ Zu mir, »laß sie nicht alle Welt durchschaun!«
+ Wie aber könnt ich diesen Rat befolgen,
+
+ Da mich mein Blick verrät? Und warum sollt ich
+ Mich ungerecht gegen mein Herz verhalten,
+ Dem fremd ist alle Ungerechtigkeit?
+
+ Nein, ungerecht ist jene, die ich liebe.
+ Sie klagt, daß ich zuviel von meiner Liebe
+ Gesprochen habe, -- aber das, was ich
+
+ Verschwiegen habe, ist ja noch viel mehr!
+ O wüßtet ihr, was ich an Leidenschaft
+ Verschwiegen habe, -- Schrecken faßte euch!
+
+
+TRÜBE GEDANKEN
+
+MOSLIM IBN IL WALID IL ANSSARI
+
+ Geliebte, wenn ich dich verlieren sollte,
+ So werd ich fortziehn in die Einsamkeit,
+ Um völlig zu erlöschen. In die Erde
+ Werd ich ein Bild einzeichnen, das dir gleicht,
+ Und werde es mit meinen Tränen netzen
+ Und will es bitten, mich zu trösten in
+ Der Einsamkeit, in der du mich gelassen.
+
+ Ich habe dich geliebt, im Übermaß.
+ Wenn dieses Sünde ist, so bitt ich Gott:
+ Er soll mir meine Sünde nicht verzeihn.
+
+
+TRÄNEN
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Wir lagen beieinander, und sie sah,
+ Wie Tränen, kleinen Perlen gleich, mir aus
+ Den Augen rannen, und sie sprach zu mir:
+
+ »Freund, ich verstehe, daß dir Tränen kommen,
+ Wenn wir uns fern sind. Aber sage mir,
+ Warum du jetzt weinst?« Ich entgegnete:
+
+ »Wenn wir uns fern sind, wein ich vor Verlangen,
+ Bei dir zu sein; doch wenn ich bei dir bin,
+ So kommen Tränen mir bei dem Gedanken,
+
+ Daß wir uns trennen müssen.« Mitleidvoll
+ Sah sie mich lange an und trocknete
+ Die Tränen mir mit liebevoller Hand.
+
+
+DIE GEIZIGE
+
+MUDRIK IL SCHAÏBANY
+
+ Die eiteln Worte und die trügerischen
+ Versprechungen, die mir die reizende
+ Gazelle mit den hübschen Augen macht,
+
+ Sind all mein Glück. Verlassen hab ich jene,
+ Die mir freigebig ihre Gunst erwiesen,
+ Und liebe diese, die mir nichts gewährt!
+
+ Die allzu aufmerksame Art der Frauen,
+ Die ich nicht liebe, ist mir widerwärtig;
+ Jedoch das ganz zurückgezogene Wesen
+
+ Der Schönen, der mein Herz gehört, bedeutet
+ Mir alle Lust und alle Seligkeit.
+ Tadelt die Spröde, die ich liebe, nicht
+
+ Ob ihrer Sparsamkeit in ihrer Gunst!
+ Ich mag es gern, wenn die Geliebte geizig
+ Auf solche Weise ist. Ein solcher Geiz
+
+ Erhöht die Schönheit noch der schönsten Frau.
+
+
+UMARMUNG
+
+IBN IL RUMI
+
+ Voll Leidenschaft umarm ich die Geliebte, --
+ Doch meine Seele bebt und ist bedrückt.
+
+ Ist es denn wirklich wahr, daß die Umarmung
+ Die Menschen näher zueinander führt?
+
+ Ich küsse ihren Mund, um meine Liebe
+ Zu sänftigen, -- doch meine Liebe lodert
+
+ Nur immer mächtiger auf, -- ich glaube wohl,
+ Daß sich mein Herz erst dann zufrieden gibt,
+
+ Wenn unsre beiden Seelen ganz und gar
+ Zusammenströmen, um sich nie zu trennen.
+
+
+DIE SIEGERIN
+
+IBN IL MOATTAS
+
+ Nicht mehr zu lieben, hatte ich beschlossen, --
+ Doch sie hat mich bezwungen. Ohne mir
+ Die Stunde ihrer Ankunft mitzuteilen,
+ Trat sie zu mir, gar strahlend ausgerüstet
+ Mit ihrer Schönheit ganzem Waffenschmuck.
+
+ Sie zu besitzen, das ist goldnes Leben,
+ Sie zu verlieren, das ist dunkler Tod.
+
+ Pfeil, Bogen und ein Schwert sieht man vereint
+ In ihrem Blick. Gleich einer Oriflamme
+ Glänzt ihres Leibes goldner Gürtel. Aber
+ In ihren Schenkeln schreitet kühn der Sieg,
+ Denn wer nur ihrer Schenkel Schreiten sieht,
+ Der ist dem Tod durch Liebe schon verfallen.
+
+ Ich hatte mich dem Herrn geweiht. Jedoch
+ Da sie dann zu mir kam, zerrannen meine
+ Gelübde in ein Nichts. Und meine Schwüre
+ Vergingen all in ihres Auges Schein.
+
+
+NACHT UND MORGENRÖTE
+
+SCHULE DES IBN IL MOATTAS
+
+ Am großen Himmel glänzen die Gestirne.
+ Ihr Funkeln gleicht dem Funkeln deiner Augen,
+ Wenn du, o meine ängstliche Geliebte,
+ Bei Nacht das Dunkel um dich her durchforschst,
+ In Bangnis, daß dich Böses treffen könnte.
+
+ Ganz unten an dem Rand der Finsternis
+ Streift goldig und verklärt die Morgenröte
+ Mit Lächeln durch die sterbensmüde Nacht.
+ Beim Anblick solches morgengoldnen Glanzes
+ Träum ich von deines Haares goldnem Schein.
+
+
+VERPFÄNDET
+
+KUSCHAGIN
+
+ Ich fühle, daß ein Groll in mir ersteht,
+ Wenn sie mit ihren Zähnen einem Kelch
+ Sich naht. Warum denn müssen edle Perlen
+ Sich stoßen an so schlechten Kelches Glas?
+
+ Ich fühle, daß ein Groll in mir ersteht,
+ Wenn sie vorübergeht an einer Fackel,
+ Die brennt. Warum erlischt die Fackel nicht
+ Vor solcher edeln Klarheit meines Sterns?
+
+ O meine Seele, manchmal fühl ich wohl,
+ Daß sich in mir ein Groll erhebt, der gegen
+ Mich selber wütet, und ich leide schwer
+ An jedem Blick, der meinem Mädchen gilt.
+
+ O könnte ich für immer alle Augen
+ Mit Dunkel schlagen! Wisset wohl: sie hat
+ Mir ihre Liebe ganz geweiht, und lächelnd
+ Nahm meinen Körper sie als Pfand dafür.
+
+ Mein Körper wandelt ohne Seele nun,
+ Denn meine Seele atmet jetzt in ihr,
+ Und ihrer Hände Spielzeug ist mein Herz ...
+
+
+FRAGE UND ANTWORT
+
+URAK IL HUTAÏL
+
+ Als sie gekommen war, sprach sie zu mir:
+ Nun hab ich deinen Wunsch erfüllt. Warum
+ Bebt nun dein Herz noch so, mein lieber Freund?
+
+ Ich gab zur Antwort: Deine Gegenwart
+ Ist meines Herzens langersehnte Wonne.
+ In seiner Wonne tanzt mein seliges Herz!
+
+
+VERZEHRENDE LIEBE
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Die Liebe blüht empor aus einem schnellen
+ Empfinden, das die Seele neu belebt
+ Und das der Seele dann den Tod versetzt,
+ Wie einem schwachen Spielzeug, das zerbricht.
+
+ Die Liebe glüht aus einem scheuen Blick,
+ Aus einem Wort, aus einem Handdruck auf,
+ Und schon der erste Funken ist verzehrend
+ Wie ein gewaltiger Brand. Ja, wenn das Feuer
+ Einmal entzündet ist, so frißt es schnell
+ Den ganzen, hochgebauten Holzstoß auf.
+
+
+WÜNSCHE
+
+ABU FIRAS
+
+ Ich wünschte wohl, daß unsre Herzen immer
+ Nur füreinander schlagen, daß mein Herz
+ Mißgünstig schlage jeder andern Frau.
+
+ Ich wünschte wohl, daß du nur immer hold
+ Und zärtlich seist zu mir, dann mag das Leben
+ So wild und unwirsch drohen, wie es will.
+
+ Ich wünschte wohl, daß nur die hellste Wonne
+ An deinem Wege blühe, -- an dem Wege
+ Der andern möge Jammer blühn und Gram.
+
+
+AUFFORDERUNG
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Laß, Schöne, einen Wettstreit uns begehn!
+ Siegst du, so nimm mich hin. Trag ich den Sieg
+ Davon, -- so nehm ich ganz dich in Besitz.
+
+ Siegst du, so nimm mich hin und mache mich
+ Zu einer silbernen Kette, die den Hals
+ Dir ziert, und schüttle mich auf deiner Brust!
+ Mach mich zu einem seidenen Gewande,
+ Das sich um deinen warmen Körper schmiegt!
+ Und mach ein goldnes Ohrgehäng aus mir,
+ Das deine wunderfeinen Ohren schmückt!
+
+
+KUMMER
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Ach, eine Taube singt am frühen Morgen
+ Voll dunkler Schwermut in dem grünen Wald.
+ Sie denkt des Freundes, der verfloßnen Tage,
+ Und ihre kummervollen Lieder wecken
+ Den eignen Kummer mir in wunder Brust.
+
+ Oft brachte mich ihr Weinen um den Schlaf,
+ Mein Weinen auch hat sie nicht schlafen lassen;
+ Ich jammre, aber sie versteht es nicht,
+ Sie jammert, und auch ich versteh es nicht,
+ Unmöglich, daß wir uns begreiflich machen,
+ Nur daß sie leidet, -- dieses fühle ich,
+ Nur daß ich leide, -- ja, das fühlt sie wohl.
+
+
+IM ZWEIFEL
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Womit vergleich ich deine Zähne, Liebste?
+ Mit einer schönen, schimmernden Perlenschnur
+ Oder mit Knospen weißer Hyazinthen?
+
+ Vielleicht mit Diamanten? Oder mit
+ Den Blüten eines Palmbaums, die soeben
+ Durch ihre feinen Schalen brechen wollen?
+
+ Vergleich ich sie mit kleinen Regentropfen,
+ Die an den Blumen zittern? Oder auch
+ Mit Hagelkörnern, welche durch ein Wunder
+
+ Bewahrt geblieben sind? Vergleich ich sie
+ Mit jenen kleinen Perlen, die im Weine
+ Zur Oberfläche treiben? Oder mit
+
+ Dem Tau, der silbern auf den Beeten blinkt?
+
+
+FRAGE UND ANTWORT
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Meine Geliebte fragte mich: Woher
+ Kommt diese ungeheure Magerkeit
+ Und diese Mattigkeit, darin du hergehst?
+
+ Und ich entgegnete mit diesen Worten
+ Der Zärtlichkeit und Unterwürfigkeit:
+ Die Liebe, welche zu mir kam als Gast,
+
+ Hat mich so ganz verzaubert, daß ich ihr
+ Mein eigen Fleisch und Blut als Nahrung schenke, --
+ Nimmt es da wunder, daß ich elend bin?
+
+
+AUF EINE ROSE
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Die rote Rose in der Hand der Schönen,
+ Der meine Liebe völlig angehört,
+ Ist wie die sanfte Glut auf ihren Wangen.
+
+ Der gelblich-blasse Blütenstaub, den man
+ Inmitten einer roten Rose sieht,
+ Ist wie die Blässe meines Angesichtes,
+
+ Wenn ich das Mädchen plötzlich vor mir seh.
+
+
+AUF DER SCHWELLE
+
+IBN IL KHAYAT IL DEMISCHKI
+
+Eines Abends, als sich der Dichter Ibn il Khayat zu seiner Freundin
+begeben wollte, fiel er, ganz erregt durch den Gedanken, daß er sie
+wiedersehen sollte, ohnmächtig auf der Schwelle vor der Wohnung der
+Geliebten nieder. Diese hatte den Fall seines Körpers gehört, kam
+herbei, öffnete die Tür und neigte sich über den Ohnmächtigen, eine
+Fackel in der Hand. Ein Tropfen heißes Wachs fiel in das Angesicht des
+Dichters, und der dadurch verursachte Schmerz führte den Ohnmächtigen
+schnell in das Bewußtsein zurück. Ibn il Khayat erkannte die Freundin,
+die sich über ihn neigte, und begrüßte sie, ohne daß er sich die Zeit
+nahm aufzustehen, mit den folgenden Worten:
+
+ O du, beeile dich nicht allzusehr,
+ Das Feuer an das Antlitz deines Freundes
+ Zu bringen, -- seine Tränen, die für dich,
+ Für dich nur fließen, würden deine Fackel
+ Gar schnell verlöschen, eh du dichs versiehst.
+
+ Entzünde lieber meinen Leib und alles,
+ Was an mir ist; nur nimm dich, bitte, bitte,
+ In acht, mit deinem grimmen Feuer an
+ Mein Herz zu rühren; dieses darfst du nimmer
+ Verbrennen, -- denn du selbst wohnst ja darin!
+
+
+GEHEIME LIEBE
+
+IBN KALAKIS
+
+ Ganz heimlich wahr ich ihre Liebe,
+ Ich nenne ihren Namen nicht, --
+ Denn wenn mein Mund nur still frohlockte:
+
+ »Ich liebe!« -- jeder wüßte gleich,
+ Daß sie es ist, die Eine, Eine, --
+ Wen anders könnt ich lieben wohl als sie?
+
+
+WOGEN
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Sieh an das Meer: ein wundervolles Schauspiel
+ Sind seine Wogen. Mächtig rollen sie
+ Zum Ufer her und fluten still zurück.
+
+ Mir scheint das Ufer wie ein stolzer König,
+ Des ungeheure Heere voller Ehrfurcht
+ Herbei sich wälzen, um des Herrschers Hände
+
+ Zu küssen und dann still zurückzuziehn.
+
+
+AN EIN SCHWERT
+
+ABU ABD IL RAHMAN ELAÏTAM ELKUFI
+
+ Dies Schwert von Amru hat den Ruf, das beste
+ Zu sein, das je in einer Scheide stak.
+ Es leuchtet bläulich. Schwarze Rinnen laufen
+ Über die Klinge, die zwei Schneiden zeigt:
+ Hier herrscht der Tod, der stolze, dunkle Tod.
+
+ Ein jäher Blitzstrahl hat den Brand entfacht,
+ Darin dies edle Schwert geschmiedet wurde;
+ Der Künstler, der es schuf, hat es in Gift
+ Von fürchterlicher Art getränkt. Wenn man
+ Es aus der Scheide zieht, so leuchtet es
+ Wie Sonnenglanz und blendet unser Aug.
+
+ Ob jener, der dem Feind ans Leben will,
+ Es in der Rechten oder Linken führt, --
+ Dies bleibt sich gleich: denn immer unentrinnbar
+ Sind seines Stahls vernichtende Gewalten.
+
+ Sein Glanz bewirkt, daß unsre Augenlider
+ Anheben zu erzittern, wie ein Vogel
+ Verängstet mit den Flügeln zittert. Lodernd,
+ Gleich einer wilden Fackel, ist sein Leuchten.
+
+ Mitunter will auch scheinen, daß es anhebt
+ Zu wogen wie das sonnbeglänzte Weltmeer,
+ Oder es schimmert plötzlich funkelnd auf,
+ Gleich einer Quelle silberklarem Wasser.
+
+ Am Tag der Schlacht, geschwungen von dem Arme
+ Eines ergrimmten Kriegers, richtest du,
+ O Schwert von Amru, die entsetzlichste
+ Vernichtung an. Treu dienstbar deinem Herrn,
+ Führst du ihn immer nur zu Sieg und Ruhm!
+
+
+NAHMAS PORTRÄT
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ Nahma geht wiegend wie ein schlanker Zweig,
+ Den am Myrobalanenbaum
+ Ein feiner Windhauch in Bewegung setzte.
+
+ Sie schreitet stolz dahin. Wie schön sie ist!
+ Welch Glanz und welche Feinheit ihrer Glieder!
+ Sie lacht, und ihre Zähne leuchten auf:
+
+ Gleich Sternen, die aus dunkler Nacht aufsprühn.
+ Sie breitet ihre Haare vors Gesicht:
+ Und Finsternis verhüllt die ganze Erde;
+
+ Sie deckt ihr Antlitz auf: und diese Welt,
+ So weit sie reicht, von Osten bis nach Westen,
+ Erstrahlt in einem wunderbaren Schein.
+
+ Man sagt wohl, daß sie einem Zweige gleicht,
+ Solch ein Vergleich ist aber matt und niedrig:
+ Denn selbst die Reize einer jugendlichen
+
+ Gazelle reichen nicht im mindesten
+ An ihrer Schönheit Zauberkraft heran.
+ Wenn man in ihre schwarzen Augen blickt,
+
+ So ist man schon verloren: erst wird man
+ Ihr Sklave, darauf wird man krank, dann sinnlos,
+ Dann kommt der Tod, und man entgeht ihm nicht.
+
+ Unwiderstehlich zieht's mich hin zu ihr,
+ Und diese Leidenschaft, ich weiß es, läßt mich
+ Noch tausend Unbesonnenheiten tun.
+
+ Doch darf man denn erstaunen, daß ein Mensch
+ Verrücktes tut, wenn ihm das brennende
+ Fieber der Liebe durch die Adern tobt?
+
+
+AUF NAHMAS SCHÖNHEIT
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ Wenn sie sich zeigt, ruft jeder: Ruhm sei Gott!
+ Preis ihm, der sie so wunderbar erschuf!
+
+ Sie ist die Königin der Frauen. Alle
+ Sind unterworfen ihrer Herrlichkeit.
+
+ Die Nässe ihres Mundes gleicht dem Honig,
+ Wie Perlen leuchten ihre Zähne auf.
+
+ Nichts reicht an ihres Leibes süßen Zauber,
+ Das Weltall wird durch ihren Gang verwirrt.
+
+ Die Schönheit selber schrieb auf ihre Wangen,
+ Die rosenzarten: Es ist ewig wahr,
+
+ Daß außer ihr es keinerlei Vollendung
+ Und keine Holdheit auf der Erde gibt!
+
+
+BEI NAHMAS ABREISE
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ O Nahma! Noch ein einziges Mal, bevor
+ Du abreist, laß den Anblick deiner Schönheit
+ Mich Armen kosten, daß ein wenig sich
+ Mein Herz beruhigt, welches sterben wird,
+ Wann du erst fern bist.
+ Falls es dir jedoch
+ Verdruß macht, meine Bitte zu gewähren,
+ So laß sie unerfüllt. Ich werde zwar
+ An meiner Traurigkeit den Tod erleiden,
+ Doch will ich lieber sterben, als den kleinsten
+ Verdruß bereiten dir, o Himmlische.
+
+
+AUF EIN GRAB
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ O Grab! O Grab! Sind nun in deiner finstern
+ Behausung all die Reize der Geliebten,
+ Die ich verlor, dahin? Das Angesicht,
+ Das noch vor kurzem so voll Frische war,
+ Ist es schon farblos jetzt und mißgestaltet?
+
+ O Grab, du bist doch das Gewölbe nicht
+ Des Himmels, und du bist doch auch kein Garten:
+ Wie kannst du bergen denn in deinem Schoße
+ Ein schlankes Zweiglein und den süßen Mond?
+
+
+AN EINE SÄNGERIN
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ Du wundervolle Frau schlägst die Gitarre
+ Mit deiner Finger zarten Spitzen, und
+ Die Seelen sind ergriffen bis ins Tiefste.
+
+ Du singst: und deine zauberhafte Stimme
+ Verleiht den Tauben ihr Gehör zurück.
+ Und selbst der Stumme ruft: O herrlich! herrlich!
+
+
+DER STROM DER LIEBE
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+ Der Liebende, von seiner Leidenschaft
+ Bezwungen, eilt zu der Geliebten hin,
+ Und ihrer beiden Herzen werden eins.
+
+ Sie kommen an den Strom der Liebe, schöpfen
+ Mit frohen Händen, selig, unermüdlich, --
+ O, dieses Wasser dünkt sie wunderbar!
+
+ Und sie verweilen lange, helle Tränen
+ Der Freude netzen ihre jungen Wangen,
+ Und zur Geliebten spricht der Jüngling dies:
+
+ Wär ich der Herr der Zeit (da ich doch leider
+ Ihr Sklave bin), o glaube mir, Geliebte,
+ Es dürfte nicht ein Tag vorübergehn,
+
+ An dem ich nicht beglückt an deiner Seite
+ Aus diesem wunderbaren Strome tränke,
+ Bis süße Trunkenheit mich ganz bezwingt!
+
+
+FRAGEN EINES LIEBENDEN
+
+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
+
+Ein rasend verliebter Jüngling schrieb einst die folgende Frage an die
+Tür seiner Angebeteten. Der Dichter Asmaï ging vorüber, las die Verse
+und schrieb eine Antwort darunter. Der Liebende tat darauf eine zweite
+Frage, auf welche der Dichter wiederum antwortete -- usw. usw.
+
+ _Der Liebende:_
+ Beim Namen Gottes, ihr, die Liebe kennt,
+ Laßt es mich wissen, was ich tun muß, was
+ Ein Jüngling tun muß, dem in seinem Herzen
+ Die ganze Leidenschaft der Liebe rast!
+
+ _Der Dichter:_
+ Er soll verbergen seine Leidenschaft,
+ Er soll sich üben in Geduld, was immer
+ Auch kommen mag, und soll demütig sein
+ Und von bescheidnem Sinn zu jedermann.
+
+ _Der Liebende:_
+ Aber wie soll er seine Liebe denn
+ Verbergen, wenn ihn seine Liebe tötet,
+ Wenn seine Leidenschaft ihm Tag um Tag
+ Immer entsetzlicher die Brust zerreißt?
+
+ _Der Dichter:_
+ Wenn er nicht mehr die Kraft hat, sein Gefühl
+ Und seine Pläne schweigend zu verbergen,
+ So ist der Tod für den Unseligen
+ Das einzige, was ihm zu wünschen bleibt.
+
+ _Der Liebende:_
+ Ich glaub euch, ich gehorche, und ich ende
+ Mein junges Leben. Aber jene, die
+ Mein Herz und meine Seele so umstrickte,
+ Soll wissen, daß ich ihretwegen starb!
+
+ Vor ihrer Türe hingestreckt, hauch ich
+ Mein Dasein aus. Vielleicht winkt mir das Glück,
+ Daß mich der Tag der Auferstehung einst
+ Mit der zu heiß geliebten noch vereint!
+
+
+AN EINEN BERÜHMTEN GAST
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+AUS TAUSEND UND EINE NACHT
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+ Welch Ruhm für uns, daß du bei uns erscheinst
+ Mit vollen Händen streun wir Weihrauch aus,
+ Hell leuchten soll die Nacht wie Tagesschein!
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+ Und ich will, als ein Zeichen meiner Freude,
+ Hingehn und meine Wohnung schön bekränzen
+ Und ihre Räume ganz mit Duft erfüllen
+ Von Rosenwasser, Kampfer und Muskat!
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+LIEBESHYMNE
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+IL HAGYRI
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+ Sie ist schlank wie ein biegsamer Zweig.
+ Ihr Blick macht trunken wie Wein; trunken macht der Nektar ihres Mundes.
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+ Sie ist ein Mond, der aufgeht über dem Horizont meines Herzens.
+ Sie ist eine Gazelle und durchfliegt die Ebene meiner Augen.
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+ Die vollendete Schönheit erkennt sie als Herrin an.
+ Alle Schönheiten schlafen in ihren Gliedern.
+
+ Ihre Bewegungen sind geschmeidig, zum Anbeten.
+ Mein Herz ward ihr Gefangener, und meine Tränen fließen, aus Liebe.
+
+ Auf ihrem Nacken wächst ein zarter Flaum.
+ Karminrot glänzen ihre Lippen, wie alter Wein.
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+ Auf ihren Wangen leuchtet der Abglanz eines Feuers der Liebe;
+ Dieses Feuer der Liebe wütet in meinem Herzen.
+
+ Ihr Antlitz gleicht dem Monde am Firmament;
+ Die Menschen nennen die beiden Zwillingsgestirne.
+
+ Der Liebende findet es süß, sich ganz zu opfern für sie.
+ Er spürt keine Scham; um ihretwillen verleugnet er seine Geliebte.
+
+ O mein Herz, wie bist du keusch,
+ Während meine Augen ihr Bild einsaugen, voller Entzücken.
+
+ Der allein kennt das Glück dieser Welt,
+ Der sich tränkt von der Nässe ihres Mundes am Morgen und am Abend.
+
+
+WASSER UND FEUER
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+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ So wie die Sintflut fließen meine Tränen;
+ Das Feuer, das in meinem Herzen wütet,
+ Ist wie das Opferfeuer Abrahams.
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+ Wenn meine Tränen nicht so reichlich flössen,
+ Ich wäre wohl zu Asche längst verbrannt
+ Durch meines Herzens glühendheiße Seufzer.
+
+ Und wären meine heißen Seufzer nicht,
+ Ich wäre längst ertrunken in dem Strome
+ Der Tränen, die ich kaum mehr stillen kann.
+
+
+SELIGE NACHT
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+IBN IL FARID
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+ Voll Leidenschaft und Kühnheit war die Nacht,
+ Die wir genossen, Arm in Arm geschmiegt.
+
+ Dicht lehnte meine Freundin ihre Wange
+ An meine, bis zum Morgen lag sie so.
+
+ Und über ihr Gesichtlein breitete
+ Sich ein so feiner Schweiß der Wollust aus,
+
+ Daß ich berauscht ward, -- und ich atmete
+ Ihn selig auf wie Duft von Rosenöl.
+
+
+TRÄNEN
+
+SCHULE DES IBN IL FARID
+
+ Sie fragte mich: So sag mir doch, warum
+ Sind deine Tränen weiß? Ich gab zur Antwort:
+
+ Ich weine schon so lang, daß meine Tränen
+ Geblichen sind, so wie mein Haar erblich.
+
+ Sie fragte mich: So sag mir doch, warum
+ Sind deine Tränen grün? Da sprach ich wild:
+
+ Weißt du denn nicht, daß meine Tränenquellen
+ Versiegt sind? Bittre Galle weint mein Aug!
+
+ Sie fragte mich: So sag mir doch, warum
+ Sind deine Tränen schwarz? Und ich sprach leis:
+
+ Ich habe keine Tränen mehr. Das Schwarze
+ Aus meinen Augen wein ich nun dahin ...
+
+
+SELTSAMER WUNSCH
+
+SCHULE DES IBN IL FARID
+
+ Ist es nicht seltsam, daß ich von dem Wunsche
+ Nach ihr ergriffen bin? Ich frage, wo
+ Sie sein mag, -- und sie ist doch ganz in mir!
+ Mit diesen Augen such ich sie, obgleich
+ Ihr Bild in diesen Augen lebt und webt.
+ Mein Herz schlägt heftiger bei dem Gedanken,
+ Daß ich sie wiedersehe, -- und sie atmet
+ Doch zwischen meinen Rippen, ja, bei Gott!
+
+
+EIN WUNDER
+
+NUBATA
+
+ Törichter Mensch, der du mich tadeln willst,
+ Daß meine Seele glüht für dieses Weib!
+
+ Betrachte ihren wundervollen Körper!
+ Sieh ihre weiße Stirn! Ihr schwarzes Haar!
+
+ Ist es ein Wunder nicht, daß man den Glanz
+ Des Tages und zugleich die dunkle Nacht
+
+ In _einem_ holden Leib beisammen sieht?
+
+
+AUF EINEN APFEL
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Der Apfel, den ich aus der Hand empfing
+ Des reizendsten, gazellenhaften Mädchens,
+ War von ihr selbst gepflückt, von einem Zweige,
+ Der biegsam wie ihr eigner Körper war.
+
+ Und es war süß, die Hand darauf zu legen,
+ Als sei's der Busen derer, die ihn schenkte;
+ Hold duftete der Apfel wie der Atem
+ Der Geberin; die Farbe ihrer Wangen
+ Sah man auf ihm; und ihre Lippen meint ich
+ Zu spüren, da ich an den Mund ihn nahm.
+
+
+WEISHEIT
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Mit all den Schätzen, danach du Verlangen trägst,
+ Ist es dasselbe wie mit deinem Schatten:
+ Wenn du den Schätzen nachjagst, so erreichst du sie
+ Niemals. Doch wende ihnen nur den Rücken zu:
+ So folgen sie dir nach, wie es dein Schatten tut.
+
+
+DER LIEBESBRIEF
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Ich brach das Siegel deines Briefs entzwei, --
+ Und holde Nachricht, die ich ungeduldig
+ Erwartete, hat mir dein Brief gebracht.
+
+ Dein Brief ist meinen Augen lieblicher
+ Und süßer für mein sehnsuchtsvolles Herz,
+ Als frisch gepflückte Gartenblumen sind.
+
+ Viel köstlicher ist das, was er enthält,
+ Als Edelsteine, reizend anzuschauen,
+ Die auf dem Busen reicher Frauen glühn.
+
+
+DER LIEBENDE UND DIE FACKEL
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Ich sprach zur Fackel: Ich und du, wir sind
+ Zwei Liebende, die bis zum Morgen wachen,
+ Doch dieser Unterschied ist zwischen uns:
+
+ Die Tränen, die aus meinen Augen rinnen,
+ Sind Karneol, der flüssig ward. Die deinen
+ Sind dem geschmolznen Golde zu vergleichen.
+
+ Dein Feuer ist erloschen, wenn der Morgen
+ Rosig heraufzieht. Aber meine Flamme
+ Brennt immer weiter, ohne zu erlöschen!
+
+
+SEHNSUCHT NACH DAMASKUS
+
+ACHMED BEN MOHAMMED MOKRI
+
+ O meine lieben Freunde in Damaskus,
+ Noch immer habt ihr keine Nachricht mir
+ Aus eurem vielgeliebten Land geschickt!
+
+ Das Feuer eines schmerzlichen Verlangens
+ Erfüllt die Brust mir und verzehrt sie ganz.
+ Ach, allzu weiter Raum trennt euch und mich!
+
+ Seit jener Stunde, da ich euch verließ,
+ Sind meine Augen ohne Lust zu schlafen,
+ Und ohne Lust, das Licht des Tags zu sehn.
+
+ Denk ich zurück an die verrauschten Zeiten
+ Der Seligkeit, die ich mit euch genoß,
+ So will das Herz mir Brechen vor Verzweiflung.
+
+ Wie war das schön, des Morgens, in dem Tale
+ Von Niran, wo die Blumen immer lächeln,
+ Betaut von Tränen, die der Himmel weint;
+
+ Und wo die Tauben girren in den Wipfeln
+ Und sich die Zweige wiegen und die Bäche
+ Und Bäume rauschen ohne Unterlaß.
+
+ Und dann die Ebne an dem Fuß der Berge!
+ Wo sind die Abende des Glückes, die
+ Wir dort verbrachten; davon einer schon
+
+ Mir wertvoll wie ein ganzes Leben scheint?
+ O wundervolle Ebne, daß ich dich
+ Dankbar mit meinen Tränen netzen könnte!
+
+ Wenn ich auch weiß, daß solches nur ein kleines
+ Geschenk für dich bedeutete, zumal
+ Wenn du seit langem ohne Regen bist.
+
+
+AUF EINEN GARTEN
+
+ACHMED BEN MOHAMMED MOKRI
+
+ Mit einem Mantel dichten Grünes
+ Bist du, o Garten, ganz bedeckt,
+ Aus deiner Bäume schlanken Zweigen
+ Schallt das Konzert der Vogelwelt.
+
+ Ich liebe es, in deinem Schatten
+ Mit jungen, hübschen Menschen mich
+ Zu unterhalten; deren Wangen
+ Den Glanz des Mondlichts widerstrahlen.
+
+ Ein Silberbach fließt durch die Beete,
+ Ein Lächeln liegt auf seinem Wasser,
+ Mitunter strahlt es blitzend auf,
+ Wie eines Degens glatte Klinge.
+
+ Und Tropfen springen aus dem Bache
+ Ans Ufer, und dort schimmern sie,
+ Bald dicht gedrängt und bald vereinzelt,
+ Gleich einem köstlichen Kollier.
+
+ Und wer das silberne Gefunkel
+ Im Rasen sieht, der ist der Meinung,
+ Es seien Perlen ausgestreut
+ Auf einen Teppich von Smaragden ...
+
+
+DER VERLIEBTE DICHTER
+
+IBN HOGGIAT
+
+Einst lebte ein Dichter, der von heftiger Liebe für die schönste seiner
+Sklavinnen ergriffen war. Aber diese verschmähte den Unglücklichen und
+ließ ihn ihre ganze Verachtung fühlen. Eines Nachts, als der Dichter
+allein war, um sich ungestört dem Genuß des Weines hinzugeben, dachte er
+an die Geliebte und überlegte, auf welche Weise er sie für ihre Kälte
+und ihren Eigensinn strafen könnte. Da nun der Wein sein Gehirn mehr und
+mehr verwirrte, erhob er sich plötzlich, besiegt zugleich von der
+Trunkenheit der Liebe und des Weines. Er ergriff eine brennende Fackel
+und legte sie an die Tür der Sklavin, um die Schöne samt ihrem Hause zu
+verbrennen. Schon züngelten die Flammen an der Tür empor ... da eilte
+man herbei und löschte das Feuer. Man ergriff den Poeten, und bei
+Tagesanbruch führte man ihn vor den Richter. Dieser fragte den
+Übeltäter: »Was hat dich hingerissen, das Haus deiner Sklavin in Brand
+zu stecken?« Der Dichter erwiderte mit diesen Versen:
+
+ »Da mir die Spröde immer widerstrebte
+ Und mir doch immer heftiger das Feuer
+ In meiner Brust entzündete, da fand ich
+ Kein Mittel mehr, der Liebe zu entfliehen,
+ Und auch kein Mittel, das den Schlaf mir schenkte,
+ Und also schritt ich hin vor ihre Türe
+ Und ließ mich nieder, wie ein treues Pferd
+ Sich vor die Schwelle seines Herren streckt.
+
+ Da flog ein Funken, ohne daß ich's wollte,
+ Von meines Herzens Glutball fort, ein kleiner,
+ Kaum wahrnehmbarer Funken, und er steckte
+ Die Tür in Brand ... mein eigner Wille hat
+ Mit diesem nächtigen Brande nichts zu tun!«
+
+Der Richter hatte seinen Gefallen an dem Poeten. Er fand die Ausrede
+hübsch erdacht und die Verse reizend. Gerührt durch das Schicksal des
+armen Verliebten, bezahlte er für ihn die Strafe und schenkte ihm die
+Freiheit zurück.
+
+
+FRÜHLING
+
+SOYUTI
+
+ O Frühlingstage! Tage des Entzückens!
+ Die Vögel singen jubelnd um die Wette,
+ Und aus dem Strauche glänzt die Rose auf,
+ Weißschimmernd, wie die reine Stirn der Scham,
+ Oder errötend, gleich den holden Wangen
+ Furchtsamer Jungfraun.
+ Seht, das frische Laub
+ Schwankt hin im Zephir wie ein Mensch, der leise
+ Im holden Dunste alten Weines schwankt,
+ Und durch die Ebene sickert sacht der Strom,
+ So wie der Schlaf sich in die stillen Augen
+ Der Kinder einschleicht, welche müde sind.
+
+
+ERINNERUNG
+
+SOYUTI
+
+ Nie werd ich diese wundervolle Nacht
+ Vergessen, da der Vollmond seine Strahlen
+ Uns bis zum taubeglänzten Morgen lieh.
+ Wir waren ganz allein; kein Späher hatte
+ Sein Aug auf uns, -- und silbern lief der Strom
+ Mit Flüstern durch den stillen Schoß der Nacht.
+
+ Und dann erschien die Morgenröte: herrlich
+ Wie funkelnde Rubine, und der Strom
+ Trieb goldne Fluten durch das blühende Land!
+
+
+AN DEN ZEPHIR
+
+SOYUTI
+
+ Der Zephir ist der wahre Freund der Liebenden:
+ Er hebt die Schleier auf, darunter die Gesichter
+ Der Schönen sich verbergen. Auch den stolzesten
+ Der Weidenzweige zwingt er, auf die kühle Stirn
+ Des Baches einen Kuß zu drücken. Der Verliebte,
+ Der fern von seiner Stadt und seiner Freundin weilt,
+ Schickt auf dem Zephir seiner Liebsten Grüße zu,
+ Die ihrem harrenden Herzen ein Entzücken sind.
+
+
+DER BACH UND DER BAUM
+
+SOYUTI
+
+ Seitdem der Bach in einem Liebesbunde
+ Mit eines Baumes schwanken Zweigen steht,
+ Erfüllt die Zweige schmerzliches Verlangen,
+ Sobald der Bach in Sommersglut erlosch.
+
+ Doch sieh! jetzt kommt er wieder, und nun eilt er,
+ So schnell er kann, um des geliebten Baumes,
+ Des lang verlaßnen, Füße zu liebkosen,
+ Und seines Wassers leises Rauschen scheint
+ Von großer Sehnsucht Qualen zu berichten,
+ Die ihn erfüllten, da er ferne war.
+
+
+AUF EIN PFERD
+
+SABBAGH
+
+ Dies edle Pferd ist schneller als ein Blick
+ Aus unsern Augen. Wenn es vorwärts stürmt,
+ Läßt es die Schnelligkeit des Windes und
+ Des Blitzes hinter sich. Seht, es ist schwarz,
+ Doch weiß glänzt seine Stirn, auch seine Füße
+ Sind blendendweiß. An eine Winternacht
+ Gemahnt es mich, darin der Mond erglänzt,
+ Umgeben von dem Reigen der Gestirne.
+
+
+FEUER UND RAUCH
+
+IBN IL SCHAAB
+
+ Sie sagte mir: »Auf deinen Wangen ist
+ Ein Bart gewachsen, der dein Antlitz schwärzt.
+ Warum, o Freund, läßt du dein Antlitz denn
+ So häßlich werden?« -- Ich entgegnete:
+ »Du hast in meiner Brust ein flammend Feuer
+ Entfacht, -- der Rauch von diesem Feuer ist's,
+ Der nun mein Antlitz schwarz erscheinen läßt.«
+
+
+AN DIE ABWESENDE
+
+MAHMUD PASCHA SAMY IL BARUDY
+
+ Du machst, daß ich nicht schlafe, während alle
+ Im Traum daliegen. Diese ganze Nacht
+ Blieb meinem Aug die süße Ruhe fern.
+
+ Ich flehe Gott an, meinen Augen Stärkung
+ Zu schenken und auch meinem Herzen, das
+ Zermalmt ist durch die Leidenschaft zu dir.
+
+ Die Leute, die mein Elend sehen, sind
+ Gerührt durch mein Geschick; auch jene Strengen,
+ Die sonst mich tadelten, sind jetzt verstummt.
+
+ Von dir, o strahlende Gazelle, kommt
+ Mir nichts als Gram. Du reistest nach Ägypten,
+ Und Bitterkeit des Todes ward mein Teil.
+
+ Ach, keine Botschaft eilt von dir zu mir,
+ Nicht einmal deines Wesens Schatten darf ich
+ Im Traum erblicken. Ich bin ganz allein.
+
+ Warum verlängerst du die Trennung so?
+ Die Freuden dieser Welt sind mir entschwunden,
+ Das ganze Dasein ist mir Last und Qual.
+
+ Ich möchte, daß ich eine leichte Feder
+ Im Flügel einer Taube wäre. Dann
+ Flög ich mit Hast hinüber nach Ägypten,
+
+ Um selig deinem Dienste mich zu weihn.
+
+
+LIEBESGEBET
+
+ISMAÏL PASCHA SABRY
+
+ Komm, laß uns deine Schönheit sehn, o Weib, --
+ Dein Wuchs ist gleich dem Stengel einer Blüte,
+ Dein Antlitz ist für uns das Paradies.
+
+ Und lächle, daß dies Paradies erschimmert,
+ Und sprich: denn deine Worte sind wie Perlen,
+ Laß niederrauschen deiner Perlen Flut!
+
+ Du, engelhaftes Wesen, darfst niemals
+ Von dir behaupten, daß aus Erde du
+ Und Wasser seist gebildet, so wie wir.
+
+ Entkleide dich. Laß deinen Leib uns schauen,
+ Damit wir Irdischen bestaunen können,
+ Was Allah so in Herrlichkeit erschuf.
+
+ Laß uns die Engelflügel sehen, die
+ Du trägst. Du bist ein Bildwerk, von dem Künstler
+ Aus einem Blocke puren Lichts gemacht.
+
+ Ein silberklarer Quell ist deine Schönheit,
+ Wo sich die armen Seelen Heilung trinken.
+ O liebe Quelle! Sei gerecht und schenke
+
+ Die gleiche Gunst den Durstgequälten allen,
+ Und laß die Herzen, die verschmachten wollen,
+ Sich retten in dein heiliges Schutzgebiet.
+
+
+WENN DU ERSCHEINST
+
+ACHMED BEY SCHAWKY
+
+ Wenn du erscheinst, beneidet wohl der Tag
+ Das Hemdlein, das du trägst. Er möchte wohl
+ Dein Hemd besitzen, um es triumphierend
+ Der Sonne hinzuhalten, die darob
+ Vor Eifersucht ihr goldnes Licht verlöre.
+
+ Wenn du vorbeigehst, werden alle Frauen
+ Von Neid erfüllt, daß ihnen nicht ein Wuchs
+ Wie dir gegeben ward. Gepriesen sei
+ Das Tal Agathe, deinem Mund zu Ehren,
+ Gepriesen sei der Glanz der Perlen, der
+ Dem blanken Schimmer deiner Zähne gleicht!
+
+ Wer deine Wangen demutvoll betrachtet,
+ Der meint wohl in das Paradies zu schauen.
+ Doch irrt er, -- deine Wangen sind die Hölle!
+ Der Purpur deiner Wangen gleicht dem Feuer,
+ Das aus den Schlünden der Verdammnis sprüht!
+
+
+LIEBESLIED
+
+UNBEKANNTER DICHTER
+
+ Dein voller Busen ist so weiß und hart
+ Wie Elfenbein. Die Weichheit deiner Wangen
+
+ Ist wie das süße Fleisch der Banyanfrucht,
+ Und auch so frisch und duftend ist dein Antlitz.
+
+ Die schlanken Säulen deiner Beine zeigen
+ Das Ebenmaß der jugendlichen Palmen.
+
+ Auf deinen Schultern ruht der Tau der Frühe,
+ In deinen Haaren schläft die Lust der Nacht.
+
+ Du atmest wie der Frühling; Blumen blühen
+ In deiner kleinen Füße Spuren auf.
+
+ Das Feuer jenes Sterns am Abendhimmel
+ Ist Dämmrung gegen deines Auges Schein!
+
+
+
+
+GELEITWORT
+
+
+Es geht die Legende, die Araber hätten, als sie zu dichten begannen,
+ihre Verse dem vertrauten Rhythmus des Kamelschritts angeglichen.
+Vielleicht ist etwas Wahres an dieser Legende, denn die rhythmische
+Bewegung der verschiedenen Gangarten des Kamels ist dem Araber, der so
+nahe mit diesem Tiere befreundet ist, immer etwas sehr Vertrautes,
+vermutlich der vertrauteste äußere Rhythmus gewesen, der sein Ohr
+erreichte, und noch die Dichter der geschichtlichen Zeit haben sich in
+poetischer Fiktion mit Vorliebe in die Lage von Wüstenreisenden
+versetzt.
+
+ * * * * *
+
+Die arabische Sprache zeigt ein reich entwickeltes Lautsystem, in dem
+die vielfachen Nuancen der Kehl- und Zischlaute überwiegen. Die
+Konsonanten spielen eine ungleich wichtigere Rolle als die Vokale, von
+denen nur a, i und u unterschieden werden, in ihrer Klangfarbe freilich
+mannigfach schattiert durch die Einwirkung der sie umgebenden
+Konsonanten. Der Wortschatz des Arabischen ist sehr groß, aber natürlich
+auf den verhältnismäßig engen Bezirk arabischen Denkens begrenzt. Es hat
+arabische Lexikographen gegeben, die behaupteten, 1000 Worte für das
+Kamel, 500 für den Löwen und das Schwert aufbringen zu können. Das sind
+rhetorische Übertreibungen, aber es ist wahr, daß der Araber eine sehr
+reiche, blumige, nuancenvolle Synonymik für die Dinge, die ihn am
+meisten angehen (Tiere der Herde, die Schlange, Waffen, das Pferd, der
+Löwe, die Wüste), entwickelt hat.
+
+ * * * * *
+
+Im Araber hat die semitische Rasse ihre edelste Ausbildung erfahren. Man
+kann sagen, der Araber ist der Grieche unter den Semiten. Er ist
+ritterlich und peinlich bedacht auf seine Ehre, gastfreundlich,
+ehrgeizig, stolz auf sein Herrenwesen und sein Geschlecht, leicht
+empfindlich, ruhmbegierig, aber auch ruhmrednerisch und eitel. Er ist
+tapfer und herrschsüchtig, Stamm lebt neben Stamm, und er hat es nie
+vermocht, sich einem größeren Staatswesen willig unterzuordnen. Bei
+leidenschaftlicher Lebensfreude ist er ein Verächter des Todes. Er ist
+ein Phantast in Liebesdingen (die Verse dieses Buches bezeugen es), ein
+stark idealistischer, schwärmerischer Zug geht durch sein geistiges
+Wesen, und die Frauen nahmen bei ihm, bevor er mit fremden Völkern in
+nähere Berührung kam, eine besonders geachtete Stellung ein. Eine
+Zeitlang war ein richtiger Frauenkult, ähnlich wie bei uns der
+Minnedienst, unter den arabischen Dichtern im Schwang.
+
+Die Poesie der Zeit vor Mohammed ist die Poesie eines Nomadenvolkes in
+der Wüste. Großzügige Naturschilderungen sind uns überliefert worden,
+daneben vor allem Kampf- und Heldengesänge und Lobpreisungen des
+Stammes, dem der betreffende Dichter angehört. Freundschaft und
+Gastfreundschaft werden besungen, Trink- und Liebeslieder erklingen, die
+irdische Freude wird gefeiert, der Sinn ist in jener Zeit durchaus auf
+das Reale gewendet, und die Gedichte machen vielfach den Eindruck von
+Improvisationen. Fragen nach den ewigen Dingen, religiöse Empfindungen
+und Skrupel sind den Dichtern der Epoche vor Mohammed so gut wie
+unbekannt.
+
+Viele Dichternamen sind aus der alten Zeit erhalten, alle werden
+überstrahlt durch _Amr-il-Kaïs_. Er war schon ein Zeitgenosse Mohammeds
+und schließt die Epoche des arabischen Altertums ab. Er ist ebenso als
+Abenteurer und Don Juan berühmt wie als Dichter. Er stammte aus
+königlichem Geblüt, wurde von seinem Vater verstoßen und vagabundierte
+darauf mit befreundeten Genossen im Lande umher, jagend, liebend und
+immer auf den Genuß des Lebens bedacht. Als dann sein Vater von einem
+feindlichen Stamme erschlagen wurde, machte es sich Amr-il-Kaïs zur
+Pflicht, den Gemordeten zu rächen und das Erbe seiner Väter für sich und
+seinen Stamm zurückzugewinnen, was ihm aber nicht gelang. Sein Leben
+wurde eine Kette gefahrvoller kriegerischer Abenteuer. Der oströmische
+Kaiser Justinian erfuhr von ihm und seinen tollkühnen Kriegszügen. Er
+berief ihn an seinen Hof nach Byzanz und ernannte ihn im Jahre 530 zum
+Phylarchen von Palästina. Auf der Reise nach Palästina ist Amr-il-Kaïs
+zu Angora in Kleinasien gestorben, nachdem er schon längere Zeit siech
+und elend war. Aber die Sage will, daß er auf Veranlassung des Kaisers
+Justinian vergiftet worden sei, da er eine kaiserliche Prinzessin
+verführt habe.
+
+Die Gedichte des Amr-il-Kaïs sind uns leider nicht gut erhalten, aber
+auch in der mangelhaften Form, in der sie auf uns gekommen sind, gehören
+sie zu dem Schönsten, was die arabische Poesie hervorgebracht hat. Sie
+sind von einer mächtigen Sinnlichkeit und gefallen sich nicht in
+Andeutungen oder Umschreibungen, sondern sie bringen alle Empfindungen,
+Erlebnisse und Wünsche in klare, üppig hinströmende Worte und preisen
+immer wieder den Genuß der Freuden dieses Daseins. Amr-il-Kaïs war ein
+Don Juan der Wüste, ein dichtender, strahlender Held der Liebe, und sein
+Name wird noch heute, zumal von den Frauen, mit Verehrung und leisem
+Schauer genannt. Mohammed hat von ihm gesagt, er sei der Führer der
+Dichter auf dem Wege zur Hölle.
+
+ * * * * *
+
+Das Auftreten Mohammeds bedeutet den wichtigsten Wendepunkt in der
+Entwicklung arabischen Geistes und arabischer Kultur. Durch Mohammed und
+die fanatische Ausbreitung seiner Religion haben die Araber ein gutes
+Stück der Welt erobert, und sie taten es als ein Volk der Wüste, das an
+die größte Einfachheit der Lebensführung, an Entbehrung und Nüchternheit
+gewöhnt war. Als der Kaiser Heraklius arabische Gefangene, die nicht vor
+ihm niederknien wollten, fragte, welchen Palast ihr Kalif bewohne,
+antworteten sie: »Eine Lehmhütte.« »Woraus besteht sein Gefolge?« fragte
+der Kaiser weiter. »Aus Armen und Bettlern.« »Was ist sein Thron?«
+»Enthaltsamkeit und Erkenntnis.«
+
+Diese äußeren Lebensverhältnisse, und in ihrem Gefolge der Charakter des
+Volkes, wurden nach den siegreichen Erobererzügen, die den kühnen
+Weltstürmern Syrien und Persien, Ägypten, Nordafrika, Sizilien und
+Spanien zu Füßen zwangen, gründlich verändert. Die Araber nahmen während
+der folgenden Jahrhunderte viel von dem Wesen der durch sie besiegten
+Völker an, da diese den Siegern an Kultur bedeutend überlegen waren. Die
+schlichten, bäurischen Araber wandelten sich zu anspruchsvollen
+Städtern, sie gewöhnten sich allmählich an eine vornehme Lebensart, und
+neben einer sorgfältigen Ausbildung des Geistes wurden ihnen Luxus und
+Üppigkeit bald zum Bedürfnis. Im 9.-11. Jahrhundert blühte die arabische
+Philosophie, die es freilich zu schöpferischen Gedanken nicht gebracht
+hat, sondern im Grunde immer von Aristoteles und Plato abhängig blieb.
+Bedeutendes haben die Araber in ihrer Blütezeit als Mathematiker,
+Astronomen, Historiker und Geographen geleistet.
+
+Als den größten Dichter der klassischen Zeit nach Mohammed muß man _Abu
+Nuwas_ ansprechen. Er nimmt in der arabischen Literatur etwa die Stelle
+ein, die Hafis in der persischen bekleidet. Man hat ihn auch den
+arabischen Heine genannt. Er ist eine glänzende Erscheinung, voll
+Lebenslust und Lebensübermut, dem Weine und dem Weibe schwelgerisch
+zugetan, voll Phantasie und hingebender Empfindung. Freilich findet man
+bei ihm schon deutlich die Zeichen der Zersetzung. Er hat zynische
+Gedichte geschrieben, die das wankende sittliche Empfinden seiner Zeit
+charakterisieren. Er hat Spottgedichte auf religiöse Zustände gemacht,
+die bezeugen, wie Mohammeds Lehre bei den Gebildeten unter dem Einfluß
+skeptischer Philosophie zu wanken begann. Abu Nuwas' Leben und Dichten
+war den frommen Seelen im Lande ein Ärgernis. Er verbrachte seine
+wichtigsten Jahre in Bagdad am Hofe Harun-al-Raschids und seiner
+Nachfolger. Seine übermütigen Reden haben ihm mehrfach Kerkerstrafen
+zugezogen, und es heißt, daß er sogar einmal auf dem Schafott gestanden
+habe. Alte Berichte erzählen folgendes: Als der Dichter gestorben war,
+gingen nur wenige Menschen hinter seinem Sarge, denn er wurde von den
+Rechtgläubigen gehaßt. Zufällig wurde am gleichen Tage ein Gelehrter mit
+großer Pracht bestattet. Als nun die Leidtragenden den fast verlassenen
+Sarg des Dichters sahen, ergriff sie Scham, denn sie ahnten, daß hier
+einer der Größten aus dem Reiche ihrer Dichtung bestattet wurde, und so
+folgten sie dem Sarge nach, und Abu Nuwas kam auf solche Weise zu einem
+anständigen Begräbnis.
+
+Die späteren Dichter der klassischen Zeit sind vielfach von Abu Nuwas
+abhängig. Hervor ragen _Motenebby_ und _Abu Firas_. Der erstere, von den
+Arabern besonders geschätzt, gefällt sich in Sprachkünsteleien und
+gezierten Wortspielen, die dem europäischen Geschmack wenig zusagen. Abu
+Firas war der letzte Vertreter des alten ritterlichen Arabertums, ein
+vornehmer, sympathischer Sänger, der für Frauen, Krieg und Jagen
+schwärmte und dessen temperamentvolle Strophen eine echte
+Gelegenheitspoesie darstellen. Er ist in der Schlacht gefallen, in der
+Blüte seiner Jahre.
+
+Das 11. Jahrhundert führte ein Epigonentum herauf, in dem ein
+philologisch-alexandrinischer Geist über den dichterischen triumphierte.
+Die Kenntnis der technischen Regeln der Dichtkunst, Formspielereien und
+grammatische Kunststücke galten jener Zeit mehr als schöpferisches
+Können. Die Form der Makame (zu deutsch: »Unterhaltung«) wurde erfunden,
+eine Art gereimter Prosa, in der man auf feuilletonistische Art zu
+plaudern liebte, wobei der Inhalt ungleich weniger wichtig war als
+witzige Kombinationen von Wortspielen und Reimen. _Hariri_, dessen Makamen
+von Rückert ins Deutsche übertragen worden sind, hat die neue Form, der
+für unser Gefühl etwas unangenehm Geschwätziges anhaftet, ihrer
+Vollendung zugeführt. In der Makame, die das Zeichen dichterischen
+Verfalls unverkennbar an der Stirn trägt, hat sich die Entwicklung der
+arabischen Lyrik allmählich wie im Sande verlaufen.
+
+Im 13. Jahrhundert wurde der arabischen Kultur, die ihre alte Größe und
+Gesundheit längst eingebüßt hatte und für den Zusammenbruch reif
+geworden war, ein gewaltsames Ende bereitet. Die Horden der Mongolen
+stürmten in wilden Wellen über die arabischen Länder fort, zerstörten
+die bunten Moscheen und die Schlösser mit ihren zierlichen
+Marmorhallen, -- und die Araber haben es bis heute nicht vermocht, sich
+aus jenen Tagen nationaler Vernichtung zu einem stärkeren Staats- oder
+Geistesleben emporzuraffen. Vorläufig ist auch keine Aussicht, daß sich
+ein neuer Glanz aus der Asche dieses edeln, einst weithin herrschenden,
+aber von der Zeit zerbrochenen Volkes erhebt.
+
+Die Quellen für die Nachdichtungen meines Buches finden sich bei alten
+französischen Orientalisten, die in ihren Büchern philologisch getreue
+Prosatexte nach den arabischen Originalen dargeboten haben. Folgende
+drei wichtige Werke kamen in Betracht: Silvestre de Sacy, +Chrestomathie
+arabe+ (Paris, 1806); Jean Humbert, +Anthologie arabe+ (Paris, 1819);
+Grangeret de Lagrange, +Anthologie arabe+ (Paris, 1828). In neuerer Zeit
+haben Ferdinand de Martino und Abdel Khalek Bey Saroit eine hübsche,
+gleichfalls aus Prosatexten bestehende +Anthologie de l'amour arabe+
+(Paris, 1902) zusammengestellt, der ich auch verpflichtet bin.
+
+HANS BETHGE
+
+
+
+
+VIERTE AUFLAGE (8. BIS 12. TAUSEND). ALLE RECHTE VORBEHALTEN.
+VERTONUNG UND REZITATION DER VERSE NUR MIT ERLAUBNIS DES
+HERAUSGEBERS GESTATTET. DIESES BUCH WURDE GEDRUCKT VON E. HABERLAND
+IN LEIPZIG. TITEL UND EINBAND ZEICHNETE E. R. WEISS.
+
+
+
+
+INSEL-VERLAG ZU LEIPZIG
+
+[Illustration]
+
+KLASSIKER- UND GESAMTAUSGABEN
+
+GROSSHERZOG WILHELM ERNST-AUSGABE DEUTSCHER KLASSIKER
+
+
+Als wir vor anderthalb Jahrzehnten die Großherzog Wilhelm Ernst-Ausgabe
+begründeten, galt es, etwas durchaus Neues in Deutschland einzuführen.
+Heute steht die Ausgabe, die die einzige ihrer Art geblieben ist, an
+Popularität kaum einer anderen nach. Der von Jahr zu Jahr steigende
+Absatz beweist, wie sehr sich diese schön und klar auf undurchsichtiges
+Dünndruckpapier gedruckten und schmiegsam gebundenen Bände die Gunst der
+Bücherliebhaber und wirklichen _Leser_ unserer Klassiker erworben haben.
+Zu den äußeren Vorzügen gesellen sich die inneren: eine durchaus
+einwandfreie, von den zuverlässigsten Herausgebern besorgte
+Textgestaltung, größte Vollständigkeit, so daß z. B. unsere
+Goethe-Ausgabe an Vollständigkeit nur noch von der Weimarer
+Sophien-Ausgabe übertroffen wird, und eine musterhafte Anordnung, durch
+die die einzelnen Werke zunächst nach ihrer Zugehörigkeit in Gruppen
+geteilt, innerhalb dieser aber _zeitlich_ geordnet sind.
+
+
+=Es sind erschienen:=
+
+
+GOETHES SÄMTLICHE WERKE in sechzehn Bänden. Herausgegeben unter
+Mitwirkung von Fritz Bergmann, Hans Gerhard Gräf, Max Hecker, Kurt Jahn
+und Carl Schüddekopf. In Ganzleinen M 460.--, in Leder M 1300.--.
+
+_Einzelausgaben:_
+
+ I: _Romane und Novellen_, I. Band. In Leinen M 30.--.
+ II: _Romane und Novellen_, II. Band (Wilhelm Meister). In Leinen
+ M 32.--.
+ III: _Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit._ In Leinen
+ M 32.--.
+ IV: _Italienische Reise, Kampagne in Frankreich 1792, Belagerung von
+ Mainz 1793._ In Leinen M 28.--.
+ V: _Annalen und kleinere autobiographische Schriften._ In Leinen
+ M 26.--.
+ VI: _Dramatische Dichtungen_, I. Band. In Leinen M 25.--.
+ VII: _Dramatische Dichtungen_, II. Band. In Leinen M 30.--.
+ VIII: _Dramatische Dichtungen_, III. Band. In Leinen M 32.--.
+ IX: _Kunstschriften_, I. Band. In Leinen M 30.--.
+ X: _Kunstschriften_, II. Band. In Leinen M 30.--.
+ XI: _Übersetzungen und Bearbeitungen fremder Dichtungen._ In Leinen
+ M 28.--.
+ XII: _Schriften zur Literatur- und Kulturgeschichte_, I. Band. In
+ Leinen M 28.--.
+ XIII: _Schriften zur Literatur- und Kulturgeschichte_, II. Band. In
+ Leinen M 28.--.
+ XIV und XV: _Die lyrischen und epischen Dichtungen_ in zeitlicher Folge.
+ Zwei Bände. In Leinen M 50.--.
+ XVI: _Naturwissenschaftliche Schriften._ In Leinen M 32.--.
+
+Als _Ergänzungsband_ erschien in gleicher Ausstattung:
+
+GOETHES GESPRÄCHE MIT ECKERMANN. Vollständige Ausgabe. 11.-15. Tausend.
+In Leinen M 34.--. In Leder M 110.--.
+
+
+SCHILLERS SÄMTLICHE WERKE in sechs Bänden. Herausgegeben von _Albert
+Köster_ und _Max Hecker_. In Leinen M 170.--, in Leder M 600.--.
+
+_Einzelausgaben_ (in Leinen je M 30.--):
+
+_Dramen_ I. Teil. -- _Dramen_ II. Teil. -- _Gedichte und
+Erzählungen._ -- _Historische Schriften._ -- _Philosophische
+Schriften._ -- _Übersetzungen._
+
+
+SCHOPENHAUERS WERKE in fünf Bänden. In Leinen M 160.--, in Leder M 500.--.
+
+_Einzelausgaben:_
+
+_Die Welt als Wille und Vorstellung._ Zwei Bände. Herausgegeben von Ed.
+_Grisebach_. In Leinen M 64.--.
+
+_Kleinere Schriften._ Herausgegeben von _Max Brahn_. In Leinen M 32.--.
+
+_Parerga und Paralipomena._ Zwei Bände. Herausgegeben von _Hans Hennig_. In
+Leinen M 64.--.
+
+
+KANTS SÄMTLICHE WERKE. Herausgegeben von _Felix Groß_. Taschen-Ausgabe in
+Format und Schrift der _Großherzog Wilhelm Ernst-Ausgabe deutscher
+Klassiker_. Sechs Bände. In Leinen M 210.--.
+
+ Band I: _Vermischte Schriften_ (darin: Anthropologie,
+ Streit der Fakultäten u. a.).
+ Band II: _Naturwissenschaftliche Schriften._
+ Band III: _Kritik der reinen Vernunft._
+ Band IV: _Kleinere philosophische Schriften._
+ Band V: _Kritik der praktischen Vernunft. Metaphysik der Sitten. Zum
+ ewigen Frieden._
+ Band VI: _Kritik der Urteilskraft._
+
+
++Auf Dünndruckpapier gedruckt und schmiegsam gebunden erschienen
+ferner:+
+
+
+THEODOR STORM: SÄMTLICHE WERKE. Herausgegeben und eingeleitet von _Albert
+Köster_. Einbandzeichnung von _Walter Tiemann_. 11.-13. Tausend. Vier
+Bände. In Leinen M 180.--
+
+Wohl keinem neueren Dichter ist die Sorgfalt gewidmet worden, wie sie
+hier Albert Köster auf die kritische Ausgabe der Werke Theodor Storm
+verwandt hat. Galt es doch, mehr als 200 Drucke und Handschriften zu
+vergleichen, um die Texte von den Vernachlässigungen und Verunstaltungen
+zu befreien, die an vielen Stellen den Dichterwillen bis zur
+Unverständlichkeit entstellten. Dafür ist eine Ausgabe entstanden, die,
+gleichwie der Dichter im Herzen eines Volkes unvergänglich bleibt, die
+Anwartschaft zu dauerndem Bestande in sich trägt.
+
+
+GOTTFRIED KELLER: GESAMMELTE WERKE. Eingeleitet von _Ricarda Huch_.
+Einbandzeichnung von _E. R. Weiß_. Vier Bände. In Leinen M 200.--, in
+Leder M 600.--.
+
+ Band I: _Einleitung. Gedichte. Das Sinngedicht._
+ Band II: _Der grüne Heinrich._
+ Band III: _Die Leute von Seldwyla. Sieben Legenden._
+ Band IV: _Züricher Novellen. Martin Salander._
+
+JENS PETER JACOBSEN: SÄMTLICHE WERKE. Autorisierte Übertragung von
+_Mathilde Mann_, _Anka Matthiesen_ und _Erich Mendelssohn_. Mit dem von
+A. _Helstedt_ 1885 radierten Porträt. 16.-21. Tausend. In Leinen
+M 40.--, in Leder M 120.--.
+
+_Inhalt:_ Niels Lyhne, Frau Marie Grubbe und sämtliche Novellen und
+Gedichte.
+
+
+SHAKESPEARES GESAMMELTE WERKE in Einzelausgaben. Auf Grund der
+Schlegel-Tieckschen Übertragung bearbeitet und vielfach erneuert von
+_Hermann Conrad_, _Max Förster_, _Ludwig Fraenkel_, _Marie Louise
+Gotheim_, _Rudolf Imelmann_, _Fritz Jung_, _Max J. Wolff_. Jeder Band
+in Pappband M 10.--.
+
+=Bisher erschienen:=
+
+ _Macbeth._ Herausgegeben von _Hermann Conrad_.
+ _Hamlet._ Herausgegeben von _Max J. Wolff_.
+ _Othello._ Herausgegeben von _Max J. Wolff_.
+ _Ein Sommernachtstraum._ Herausgegeben von _Max J. Wolff_.
+ _Der Sturm._ Herausgegeben von _Hermann Conrad_.
+
++Weitere Bände werden in kurzen Abständen folgen.+
+
+Bearbeitung und Erläuterung mancher dem modernen Leser nicht sofort
+geläufigen Einzelheiten sind unter allen Umständen wünschenswert und
+sind in diesem Falle so taktvoll und so fern aller bloßen Gelehrsamkeit
+gehalten, daß die Frage nach kundiger Führung hier aufs glücklichste
+gelöst erscheint. Die Bände, die sich in schlichtem grauen Pappband
+präsentieren, sind in einer hübschen, schmalen Fraktur, die Namen der
+Sprechenden in Antiqua gedruckt, was ein ungemein geschmackvolles
+Satzbild gibt. Die Titelblätter sind mit Vignetten von Walter Tiemann
+geschmückt, kleinen sinnvollen Holzschnitten von großem Reiz.
+
+
+F. M. DOSTOJEWSKI: SÄMTLICHE ROMANE UND NOVELLEN in 25 Bänden.
+Eingeleitet von _Stefan Zweig_. Mit einem Porträt und der
+Faksimile-Wiedergabe einer Manuskriptseite. In Pappbänden M 450.--, in
+Halbleinenbänden M 550.--.
+
+Unsere neue Gesamt-Ausgabe soll eine Festgabe an das deutsche Volk zur
+Jahrhundertfeier des großen Dichters darstellen, sie beruht auf den
+endgültigen Texten, und ihre Übertragung ist -- mehrfach revidiert -- von
+hervorragenden Fachleuten unternommen. Die Einleitung bildet der
+umfassende, allgemein als die bedeutendste deutsche Darstellung
+anerkannte Dostojewski-Essay von _Stefan Zweig_, Porträt und Schriftproben
+ergänzen sinnlich das geistige Bild des russischen Meisters.
+
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Die im Inselverlag erschienene Ausgabe wurde dem Original getreu
+ übertragen. Offensichtliche Druckfehler wurden dabei korrigiert.
+
+ Das ursprünglich auf den Seiten 115-119 befindliche
+ Inhaltsverzeichnis wurde zur besseren Übersicht und Vereinfachung
+ der Navigation vor das erste Gedicht verschoben. Die
+ erforderlichen textlichen Anpassungen wurden vorgenommen. Im
+ Näheren sind dies:
+
+ S. 103: Das Wort »ANORDNUNG« wurde entfernt.
+ Im Inhaltsverzeichnis wurde »GELEITWORT UND ANORDNUNG« in
+ »GELEITWORT« geändert.
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK ARABISCHE NäCHTE***
+
+
+******* This file should be named 23228-8.txt or 23228-8.zip *******
+
+
+This and all associated files of various formats will be found in:
+http://www.gutenberg.org/dirs/2/3/2/2/23228
+
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+
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+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+Gutenberg-tm License.
+
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+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
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+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
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+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
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+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
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+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
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+refund. If you received the work electronically, the person or entity
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+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
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+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, is critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit:
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+