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+<title>Die Kakomonade</title>
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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Die Kakomonade, by Simon Nicolas Henri Linguet
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Die Kakomonade
+ Ein Nachlaß vom Doktor Panglos, als ein Supplement des Kandide
+
+Author: Simon Nicolas Henri Linguet
+
+Release Date: March 6, 2012 [EBook #39043]
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO-8859-1
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE KAKOMONADE ***
+
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+Produced by Jens Sadowski
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+</div>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<div class="trnote" style="page-break-before:always;">
+<p class="center">
+<a href="#Anmerkungen">Anmerkungen zur Transkription</a> finden sich am Ende des Buches.
+</p>
+</div>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h1 style="page-break-before:always;">
+Die<br />
+Kakomonade<br />
+<br />
+<span style="font-size: smaller">
+ein Nachlaß<br />
+vom Doktor Panglos,
+</span>
+</h1>
+
+<p class="center" style="font-size: 110%">
+als ein Supplement<br />
+<br />
+des Kandide,<br />
+<br />
+von<br />
+<br />
+Linguet.
+</p>
+
+<p class="center">
+<span style="border-top: 2px black solid">
+Nach der zweiten vermehrten Ausgabe übersetzt.</span>
+</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<p class="center">
+<span style="border-top: 2px black solid">
+Berlin, 1786.</span>
+</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<!-- page 000<i>i003 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-1">
+Buchhändlernachricht.</h2>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">E</span>s leben zwo berüchtigte Schwestern
+in der Welt, welche mit voller
+Gewalt auf derselben regieren. Man
+ist gesinnet, von der Einen derselben
+die Geschichte ihres Lebenslaufes hier
+vorzulegen. Dem Leser wirds gar
+nicht schwer fallen, zu errathen, wer
+die sei, von der man spricht, sobald
+er weis &mdash; was wir ihm eben sagen
+&mdash; daß man jene, von der die Rede
+nicht ist, nach unserer französischen
+<!-- page 000</i>i004 -->
+Mundart gemeinhin die petite vérole
+nenne<a href="#footnote-1" id="fnote-1"><sup>1</sup>)</a>.
+</p>
+
+<p>Diese nun hat sich vor undenklicher
+Zeit in Europen ausgebreitet;
+der andern aber gelang es nur erst
+um viele Jahrhunderte später, in
+diesem Welttheile festen Fuß zu fassen;
+indessen mag man sie für Zwillingsschwestern
+<!-- page 000<i>i005 -->
+ansehen, und ihr Alter
+beinah so weit hinaussetzen, als
+das Alter der Welt. Es ist wahrscheinlich,
+daß sie bei ihrer Geburt
+zu einer Zeit mit Noe sich in das
+Universum theilten. Die Eine nahm
+die linke, die Andere die rechte Seite
+desselben in ihren Besitz. Sie zogen
+mit den Söhnen dieses Patriarchen
+herum, und schlugen in Wüsten, denen
+es an nichts, als an Bewohnern
+fehlte, ihren Wohnsitz auf.
+</p>
+
+
+<p>Die Kleine nahm das größte
+Stück für sich: Das ganze feste Land
+des Alterthums ward ihr Reich;
+Afrika, Asien, und Europa fielen
+unter ihre Bothmässigkeit. Ihre
+vornehmste Beschäfftigung war, die
+<!-- page 000</i>i006 -->
+Menschengestalten, die sich da befanden,
+zu verderben; aber vorzüglich
+übte sie sich in ewigen Kriegen gegen
+die Schönheit.
+</p>
+
+<p>Die Andere trieb Anfangs ihren
+Ehrgeiz nicht so weit: sie begnügte
+sich, den Zepter über Amerika zu führen:
+Da pflegte sie des Umgangs mit
+den Schlangen, und allem kriechenden
+Ungeziefer, welche diesen schönen
+Theil der Welt verheeren: allein der
+Theil, auf welchen sie ihre Gewalt
+ausbrechen ließ, war nicht das Gesicht;
+sondern sie griff unmittelbar
+das an, was die Schönheit nützlich,
+oder schätzbar macht.
+</p>
+<!-- page 000<i>i007 -->
+
+<p>So lebten sie über fünf tausend
+Jahre, einsam, jede in ihrem Aufenthalte.
+Nur erst im fünfzehnten
+Jahrhunderte kam sie die Lust an,
+sich zu besuchen, da sie zu ihrer Reise
+die spanischen Flotten sehr gemächlich
+fanden. Sie mußten keine Ursache
+gefunden haben, es sich gereuen
+zu lassen: von dieser Zeit an scheinen
+sie den Entschluß gefaßt zu haben,
+sich nimmer wieder zu verlassen. Sie
+verglichen sich, ihre Schätze gemeinschaftlich
+anzulegen. Ohne Unterschied,
+und ohne Eifersucht herrschen
+sie nun beide zusammen über die vier
+Theile dieser unteren Welt, wo, wie
+es ein Haufen erlauchter Philosophen
+beweist, alles gut ist. Der
+Vergleich dieser beiden Schwestern
+<!-- page 000</i>i008 -->
+hat die Masse des allgemeinen Guten
+um ein Ansehnliches vermehrt; ob
+man gleich gestehen muß, daß einige
+einzelne Uibel daraus erwuchsen.
+</p>
+
+<p>Diese zu mildern, ja zum Theile
+gar zu unterdrücken, scheint die
+Absicht gewesen zu sein, welche sich
+der Verfasser dieses Werkes durch
+dasselbe zu erreichen bestrebet hat.
+Wir glaubten wahrzunehmen, daß
+er hierzu eben so sichre, als leichte
+Mittel an die Hand gab; und man
+wird sich von der Sache sogleich gute
+Begriffe machen, sobald man wissen
+wird, der Verfasser sei der Herr
+Doktor Panglos, Feldprediger des
+Freiherrn von Donnerstrunkshausen,
+und Hofmeister des Kandide.
+</p>
+<!-- page 000<i>i009 -->
+
+<p>Seine Abentheuer sind Jedermann
+bekannt, aber Niemand weis
+Etwas von seinen Schriften. Man
+weis, daß er eben sowohl, als sein
+Zögling, auf den Befehl der heiligen
+Hermandad den Staupbesen bekam,
+und, was noch mehr ist, gehangen
+wurde. Seine Unglücksfälle sind,
+Dank sei es der Feder des berühmten
+Herrn Ralph, seines Mitbruders in
+der Metaphysik, zum Besitze der Unsterblichkeit
+gelangt; hingegen zweifelte
+man nicht, daß es ihm nicht am
+Kützel, oder an der Zeit gefehlet habe<a href="#footnote-2" id="fnote-2"><sup>2</sup>)</a>,
+ein Autor zu werden; dennoch
+<!-- page 000</i>i010 -->
+ist dieß eine unläugbare Wahrheit;
+und hier theilen wir eine seiner Arbeiten
+mit, die uns würdig genug schien,
+die Aufmerksamkeit des Publikums
+auf sich zu heften.
+</p>
+
+
+<p>Es hält schwer, ihren Zeitpunkt
+genau zu bestimmen; unterdessen ist
+es doch ziemlich wahrscheinlich, daß
+sie der Doktor damal verfaßte, als
+er sich bei dem Wiedertäufer Jakob
+aufhielt<a href="#footnote-3" id="fnote-3"><sup>3</sup>)</a>. ohne Zweifel wars diese
+heilsame Einsamkeit, wo Herr
+Panglos sichs zum Geschäfte, machte,
+<!-- page 000<i>i011 -->
+über die Ursache nachzudenken,
+von der er da die Wirkungen empfand.
+Voll von seinem Gegenstande,
+machte er sich das Vergnügen,
+die treffenden Bemerkungen, die ihm
+sein Zustand darboth, zu Papier zu
+setzen. Er kam dabei, wie man weis,
+um ein Aug, und um ein Ohr. Doch
+rettete er sein Manuskript, und dieses
+kostbare Stück Werk kam in der Folge
+unter allen dem Stürmen, die das
+Leben dieses großen Philosophen verfolgten,
+mit heiler Haut davon.
+</p>
+
+
+<p>Diese Stürme waren mit der
+Epoche, womit Herr Ralph seine
+Geschichte beschließt, nicht, wie man
+etwa denken konnte, vorüber. Die
+mühsame Vereinigung, welche die
+<!-- page 000</i>i012 -->
+Noth unter allen Gefährten Kandidens
+veranlaßt hatte, war von kurzer
+Dauer. Die kluge Alte war das
+Band der Gesellschaft: sie starb, und
+das Gebäude, zu dem sie so viel beigetragen hatte,
+zerfiel mit ihrem Tode.
+</p>
+
+<p>Kunegunde, ihres guten Rathes
+beraubt, begieng eine Thorheit auf
+die andre. Die letzte davon war, daß
+sie bei Barzellona mit einem Korsaren
+auf dem mittelländischen Meere
+kreuzen schiffte. Bald darauf machte
+sich auch Kandide, bloß von Martinen
+begleitet, unsichtbar, ohne Zweifel
+nicht so viel, um seiner theuern
+Hälfte wieder habhaft, als um des
+Verdrusses, daß er sie geheurathet
+hatte, los zu werden.
+</p>
+<!-- page 000<i>i013 -->
+
+<p>Der Bruder Giroflee gieng einige
+Zeit vorher unter die Janitscharen.
+Panglos reiste mit Paquetten
+ab, um, falls er ihn treffen konnte,
+seinem Zöglinge Trost einzusprechen.
+Die kleine Mayerei blieb das Eigenthum
+des einzigen Kakambo, der
+zufolge des Kaim Akan von Konstantinopel,
+nachher Oberrichter geworden
+ist, aber trotz dieser Würde, sich
+so gut, als seine Herrschaften, neuen
+Unglücksfällen ausgesetzt fand.
+</p>
+
+<p>Der Doktor, und seine Gefährtinn
+bestanden ein klein griechisch Kaufmannsschiff,
+um darauf nach Smirna
+zu fahren, wo sie sich Rechnung
+machten, einige Schiffe zu finden, um
+nach Europa zu kommen, in der Hoffnung,
+<!-- page 000</i>i014 -->
+daß Kandide diese Strasse
+eingeschlagen hätte. Unglücklicherweise
+hatte an der Küste von Mar di
+Marmora Paquette wieder Lebhaftigkeit,
+und Farbe gewonnen. Der
+Patron würdigte sie seiner Aufmerksamkeit.
+Dieser eifrige Muselmann
+fand sie weiß, wie eine Lilie, und
+frisch wie eine Rose, und sah sie für
+eine Zirkassierinn an, die aus irgend
+einem Serrail entwischet wäre. Er
+trug Bedenken, so viele Reize den
+Unbeschnittenen zuzuführen. Statt
+also, sie zu Smirna ans Land zu
+setzen, führte er sie in Aegypten, wo
+er sie um tausend Zekine an den Bascha
+von Kairo verkaufte.
+</p>
+<!-- page 000<i>i015 -->
+
+<p>Mittels einer sehr sinnreichen,
+und der Schule eines Leibnitz ganz
+würdigen Verkleidung fand Panglos
+den Weg, sie zu entführen. Sie
+durchstrichen hierauf ganz Asien. Die
+Kette ihrer Begebenheiten zog sie bis
+nach China, wo sie Kunegundens
+Bruder, Herrn Baron von Donnerstrunkshausen
+wieder fanden. Der
+war noch immer der alte Starrkopf,
+der alte Jesuite. Er gab sich hier,
+wie man im Verfolge dieses Werkes
+sehn wird, mit dem Gewerbe nützlicher
+Künste ab. Endlich trafen sie
+nach einer Menge neuer Märsche, und
+mehr, oder minder trauriger Trennungen
+zu Paris wieder zusammen.
+Paquette gab sich hier einen indianischen
+Namen. Durch diesen Kniff,
+<!-- page 000</i>i016 -->
+und durch die Neugierde, die sie gegen
+sich erregte, machte sie in kurzer
+Zeit ihr Glück, trotz dem, daß
+ihre Reisen sie etwas gebräunet
+hatten.
+</p>
+
+<p>In ihrem Glücke verlor sie Panglosen
+nicht aus dem Gedächtnisse.
+Sie gab ihm bis zu seinem Tode, der
+sich den 11ten Dezember des vorigen
+Jahres ereignete, seinen Unterhalt.
+Er hatte ziemlich schnell das Französische
+begriffen, und das Werk, das
+wir hier herausgeben, selbst in diese
+Sprache übersetzt. Er hat es, wie
+man sehen wird, seiner Wohlthäterinn
+zugeeignet, und diese hat uns
+das Mannuskript davon mitgetheilt.
+</p>
+<!-- page 000<i>i017 -->
+
+<p>Man fand unter seinen Papieren
+viele andere Bemerkungen, in sehr
+guter Ordnung. Sie enthalten alle
+seine Reisen von der ersten von Konstantinopel<a id="corr-1"></a>
+aus angefangen.
+</p>
+
+<p>Fräulein Paquette übernahm
+selbst die Sorge, sie durch sichre Hände
+an Herrn Ralph gelangen zu lassen;
+und wir wissen ganz zuverläßlich,
+daß dieser Gelehrte des Vorhabens
+ist daraus einen Zweiten Theil
+zur besten Welt zu verfassen, dessen
+Ausgabe nicht lange ausbleiben wird.
+Hierbei bedienen wir uns mit Vergnügen
+der Gelegenheit, das Publikum
+aus einem Irrthume zu ziehn. Man
+hat bei einigen nachgedruckten Ausgaben
+der besten Welt auf den Titel
+<!-- page 000</i>i018 -->
+gesetzt, daß Herr Ralph gestorben
+wäre. Ja man führte sogar den Ort
+und das Jahr dieses Vorfalls an,
+der, wie man sagt, sich zu Minden
+im Jahre Christi 1759. ergeben
+hat.
+</p>
+
+<p>Ohne Zweifel kömmt dieses Gerücht
+von des Herrn Doktors Feinden
+her. Sie gaben vor, er hätte
+sein Leben auf einem Schlachtfelde geendigt,
+gewiß nur, um verstehen zu
+geben, daß er vor Furcht gestorben.
+Diese Nachricht ist falsch. Der unsterbliche
+Herr Ralph befindet sich,
+zum Verdrusse seiner Neider, noch
+bei den besten Kräften. Die Herausgabe
+des zweiten Theils seines Werkes
+wird davon eine Probe seyn. Um
+<!-- page 000<i>i019 -->
+ihn erscheinen zu lassen, erwartet er
+nur noch die Landkarten, womit er
+ihn versehen will; eine Vorsicht, deren
+Außerachtlassung beim ersten Theile
+er sehr bedauert.
+</p>
+
+<p>Vom Verdienste des Doktor Panglos,
+als Schriftstellers, wird das
+Publikum das Urtheil sprechen. Wir
+zweifeln nicht, daß man dieses Werk
+seines Ruhmes würdig finden werde.
+Was uns Anfangs befremdete, war
+nur der Gegenstand desselben. Herr
+Ralph nannte das Kind, das sein
+Held aus seinen Versuchen in der Experimentalphisik
+erhielt, ohne Umschnitte
+beim rechten Namen. Allein
+selbst dieser soll, nachdem er es im
+Französischen zu einer vollständigen,
+<!-- page 000</i>i020 -->
+Kenntniß gebracht, und die Doppelsinnigkeiten,
+und die falsche Delikatesse
+dieser Sprache näher eingesehen
+hatte, es, wie man uns versicherte,
+nie gewagt haben, sich die Freiheit
+seines Geschichtschreibers zu erlauben.
+Er suchte Wendungen, und
+gab seinem Buche den ehrbaren Namen,
+den wir ihm hier beibehalten
+haben.
+</p>
+
+<p>Man kann sich einbilden, daß
+diese Herabstimmung, ihm vieles kostete.
+Wir haben in seinen Schriften
+davon Proben gefunden. Er hatte
+sogar gegen diese sogenannte Delikatesse
+eine Abhandlung angefangen,
+wobei wir sehr bedauern, daß er sie
+nicht zu Ende bringen konnte. Der
+<!-- page 000<i>i021 -->
+Herr Doktor machte sich darinnen mit
+einem seiner würdigen Nachdrucke gegen
+diese lächerliche Wohlanständigkeit
+auf, welche die Artigkeit mehr in
+den Worten, als in den Dingen sucht,
+und sich über Ausdrücke, aber nicht
+über die Begriffe entrüstet. Er legte
+lebhaft seine Befremdung an den
+Tag, daß rechtschaffne Leute in Europa
+sich nicht getrauen, eine Ursache,
+von der sie alle Tage die Wirkung zu
+befahren haben, bei ihrem Namen zu
+nennen. Er sprach über diesen Gegenstand
+als ein erfahrungsvoller
+Philosoph, und als ein vollkommener
+Leibnizianer.
+</p>
+
+<p>Unterdessen wollen wir zur Rechtfertigung
+der Franzosen, bemerken,
+<!-- page 000</i>i022 -->
+daß sie nicht die Einzigen sind, die sich
+auf diese unvernünftige Gewissenhaftigkeit
+etwas zu Gute thun können.
+Die Italiäner haben beinahe die nämliche
+Schwachheit: sie nennen die größere
+Schwester der kleineren Pocke
+mal Francese, obgleich sie unstreitig
+weder an der Seine, noch an der
+Rhone bürtig ist. Wahr ists, sie besucht
+diese Flüsse öfters, und unterhält
+sich vorzüglich mit den Nymphen,
+die diese Gestade verschönern; aber
+doch ist sie da nicht geboren, und die
+wälsche Paraphrase ist weder richtig
+an sich selbst, noch artig im Bezuge
+auf die benachbarten Völker.
+</p>
+
+<p>Die Spanier sollten mit dem Namen
+und der Sache besser bekannt
+seyn; indessen weichen sie dem Begriffe
+<!-- page 000<i>i023 -->
+davon so viel möglich aus. Sie
+bezeichnen sie mit dem feinen Ausdrucke
+purgacion. Wenn man daher
+jenseits der Pyrenäen spricht: el
+señor marqués, el señor conde, el
+señor duque tiene las purgaciones,
+so will dieß nicht sagen, daß
+diese Herrn Arzneien eingenommen,
+sondern daß sie ihrer sehr nöthig haben.
+Diese kleine Untreuheit ist doch
+verzeihlicher, als jene, deren man sich
+im Lande des Vesuvs bedient.
+</p>
+
+<p>Uibrigens ist diese abgeschmackte
+Kleingeistigkeit nicht bei allen Völkern
+die Folge eines vagen Vorurtheils,
+wovon man nie versuchet hätte, einen
+Grund anzugeben. Große Schriftsteller
+haben sich bemühet, sie zu heben,
+<!-- page 000</i>i024 -->
+und sogar zu rechtfertigen. Unter
+andern kann man hierüber den berühmten
+Herrn Abbé Desfontaines
+in seinem ein und sechzigsten Briefe
+seiner Beobachtungen über die
+Schriften unsrer Zeit anführen.
+</p>
+
+<p>Der Herr Abbé untersucht sehr
+sorgfältig, und mit all dem kritischen
+Geiste, den er besaß, worinn die sogenannte
+Keuschheit unsrer heut zu
+tägigen Sprachen ihren Grund habe.
+&bdquo;Das Christenthum, und die
+Moral der Europäer,&ldquo; sagt er,
+&bdquo;machen sie so gewissenhaft in ihren
+Worten, da im Gegentheile das
+Griechische und Latein, welches
+von heidnischen Völkern gesprochen
+wurde, weit freier ist.&ldquo;
+</p>
+<!-- page 000<i>i025 -->
+
+<p>Wir bitten den Herrn Abbé um
+Vergebung; allein wir sind nicht seiner
+Meinung; und was noch mehr
+ist, wir haben so gar sehr gute Gründe,
+es nicht zu seyn.
+</p>
+
+<p>Der erste ist das Ansehn des
+Herrn Panglos, der sich ganz öffentlich
+für die entgegengesetzte Meinung
+erklärt, wie man in der Sammlung
+seiner Werke sehn wird, wenn
+man anders jemal das Fragment,
+von dem wir sprachen, darinnen mit
+heraus giebt. Der zweite Grund ist
+der, daß die Moral der Heiden nicht
+lockerer war, als die unsrige. Die
+wahren Begriffe von Schande, und
+Ehre findet man eben sowohl in ihren
+guten Schriften, als in unsern Kasuisten
+<!-- page 000</i>i026 -->
+entwickelt. Uiberdieß haben
+die Moral und Religion nur auf
+unsre Handlungen Einfluß. Es ist
+ausgemacht, daß die Sprache nicht
+ihr Gegenstand ist, oder daß sie wenigstens
+sehr wenig darauf achten.
+Gott selbst hat, wie bekannt, sich
+gewürdigt, die hebräische Sprache
+anzunehmen; und dennoch ist diese
+unter allen Sprachen die unfläthigste,
+will sagen, die einfacheste in ihren
+Begriffen, und die nachdrücklichste
+in ihren Ausdrücken.
+</p>
+
+<p>Der Journalist denkt nicht, daß
+die Väter der beiden Kirchen Eingebungen
+vom heiligen Geiste hatten,
+und wenigstens eben so gut, als wir,
+in der christlichen Moral unterrichtet
+<!-- page 000<i>i027 -->
+wurden. Indessen erlaubten sie sich
+doch, Zergliederungen zu machen,
+denen das Geschraubte unserer Sprache
+bei einer Uibersetzung den Schein
+einer Unlauterkeit giebt, da sie doch
+an sich selbst nichts mehr, als natürlich,
+sind. Die Tugend zeigt sich in
+ihren Schriften manchmal mit einer
+Rüstung, wovor in den unsrigen das
+Laster erröthen würde. Sollten sich
+die Bürger in Paris, die sich in
+Kupfer stechen lassen, darum getrauen,
+zu glauben, über diese großen Männer
+erhaben zu sein?
+</p>
+
+<p>Sehen wir uns ja vor, die
+scheinbare Grobheit der Alten, und
+selbst der Heiden, zu verachten. Wir
+haben einen heiligern Gottesdienst;
+<!-- page 000</i>i028 -->
+aber unsre Sitten sind darum nicht
+reiner. Lassen wir uns ja nicht den
+dummen Stolz einkommen, zu glauben,
+daß es die Erhabenheit unserer
+Glaubenslehren sei, die der Freiheit
+unserer Gespräche einen Zaum anlegt.
+Man müßte erstaunen, wenn die Moral
+Stärke genug hätte, die Sprache
+zu reinigen, und dennoch nichts über
+die Sitten vermöchte; daß es der Religion
+gelungen habe, den wahren
+Namen der Heldinn des Herrn Panglos
+zu verbannen, daß sie aber
+ihrem Laufe kein Hinderniß setzen
+konnte.
+</p>
+
+<p>Weit gefehlt, daß die Sittsamkeit
+der kauderwälschen Europäer die
+Frucht einer ächten Sittsamkeit wäre,
+<!-- page 000<i>i029 -->
+so ist sie vielmehr der Beweis einer
+tiefen Verderbtheit. Man schont
+der Ohren, weil man sonst nichts
+mehr zu schonen übrig hat. Die heiligen
+Väter, welche die Gottheit,
+deren Geschichte wir bekannt machen,
+nicht zu fürchten gehabt hätten, würden
+sich erlaubet haben, von ihr ohne
+Umschweife, und ohne Bedenklichkeiten
+zu sprechen. Unsre Leute von
+Welt, die fast unaufhörlich unter ihrem
+Zepter stehn, zittern, wenn sie
+nur ihren Namen hören; So, wie
+die Einwohner von Siam es nicht
+wagen, den Namen des Despoten
+über die Zunge zu lassen, der sie mit
+der unbeschränktesten Gewalt beherrschet.
+</p>
+<!-- page 000</i>i030 -->
+
+<p>Doch muß man, wenn man für
+sie schreibt, auf diese alberne Delikatesse
+Rücksicht nehmen. Man muß
+einen Gegenstand, vor dessen nackten
+Anblicke sie sich scheuen, mit einem
+durchsichtigen Schleier überdecken.
+Man muß sich zufrieden geben, die
+furchtbare Macht, deren Thaten
+man lesen wird, unter einem allegorischen
+Namen aufzuführen. Diese
+Nothwendigkeit wars, die den Herrn
+Doktor veranlaßte, den geheimnißreichen
+Ausdruck: Kakomonade
+zu ersinnen.
+</p>
+
+<p>Man erkennt daran den Eifer
+des Lehrmeisters Kandidens für die
+Lehre des größten Metaphysikers von
+Deutschland. Das blosse Wort Monade,
+<!-- page 000<i>i031 -->
+erinnert uns auf den Ruhm
+seines Erfinders zurück, und, wenn
+der selige Liebhaber von Fräulein
+Paquette auf den Gedanken fiel, es
+mit dem Beiworte Kako, das, wie
+man sieht, von dem Griechischen
+&#954;&#945;&#954;&#959;&#962; herkömmt, und soviel, als böse,
+unbequem heißt, zu verbinden; so
+ist dieß ein Merkmaal von dem Scharfsinne
+seines Geistes, und von der
+Richtigkeit seiner Urtheilskraft. In
+der That ist auch von allen Leibnitzischen
+Monaden keine lästiger, als
+diese, und das Beiwort ist also mit
+ganz vorzüglicher Richtigkeit ausgewählt.
+</p>
+
+<p>NB. NB. Bei dieser zweiten
+Ausgabe hat man dem Werke einen
+<!-- page 000</i>i032 -->
+Brief beigerückt, der sich auch unter
+den Schriften des Herrn Doktors
+vorgefunden hat, und über den nämlichen
+Gegenstand lautet. Er ist ebenfalls
+von eben den Absichten der
+Menschlichkeit, und Wohlthätigkeit
+ganz voll, und wir glaubten daher,
+ihn dem Publikum nicht vorenthalten
+zu dürfen.
+</p>
+<!-- page 001 -->
+
+<h1 class="chapter">Die Kakomonade.</h1>
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-2" style="page-break-before:avoid">
+Schreiben an Fräulein Therese Julie Klementine Paquette.</h2>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">S</span>ie zwingen mich also, Fräulein,
+und ich soll Sie durchaus verunsterblichen?
+Sie wollen, meine Erkenntlichkeit
+soll Ihren Namen auf die Nachwelt
+übertragen? In einem dicken philosophischen
+<!-- page 002 -->
+Buche, gedruckt in unsern Tagen, haben
+Sie gelesen, daß die Phrynen, und die
+Aspasien ganz leicht die Sokraten, und
+Platone aufwogen; und mit Rechte hat Ihnen
+dieser artige Ausspruch Muth eingeflößt.
+</p>
+
+<p>Wahrscheinlich war Aspasia nicht so
+schön, als Sie, und Phryne hatte nicht
+die Geschicklichkeit, die Grazie. Sie kehren
+die Köpfe zu Paris, wie jene zu Athen oder
+Theben, um; und also haben Sie Recht, sich
+für eine Erbinn dieser berühmten Schönen zu
+halten. Und sie verlangen den Besitz ihres
+Ruhmes, wie ihrer Talente; ihres Rufes,
+wie ihrer glücklichen Unternehmung für sich.
+</p>
+
+<p>Die Eine derselben gab, wie man weis,
+den Philosophen ihres Zeitalters Unterricht
+in der Beredtsamkeit. Sie lehrte sie die
+Kunst, mit Sanftheit den Geist der Menschen
+zu regieren. Der berühmte Lehrmeister
+<!-- page 003 -->
+des Alcibiades studirte unter ihr, und
+er schämte sich nicht zu gestehn, wie viel
+Dank er ihr wisse. Sie wars, von welcher
+Sokrates die erhabenen Lehren empfieng,
+die er in der Folge mit so vieler Sorgfalt
+seinem jungen Schüler einprägte.
+</p>
+
+<p>Die Andere verlangte von ihren Liebhabern,
+daß sie, wenn sie zu ihr kämen, ihr
+einen harten Stein behändigten. Der war
+das Zeichen, auf welches ihre Thüre sich öffnete.
+Auch verwahrte sie, sagt man, sehr
+sorgfältig die Modelle davon. Aus dieser
+wunderbaren Sammlung ließ sie, zum Zeitvertreibe
+in ihrem Alter, eine sehr hohe Pyramide
+bauen, und die Reisenden haben dieses
+Denkmaal mit Rechte unter die sieben
+Weltwunder gezählet.
+</p>
+
+<p>Sie, mein Fräulein, Sie gebrauchen
+sich keiner Worte, um die Kunst zu lehren,
+die Herzen zu besiegen. Wenn Sie diesen
+<!-- page 004 -->
+großen Unterricht ertheilen, so ertheilen
+Sie ihn Ihren Gespielinnen, so ertheilen
+Sie ihn durch Ihr Beispiel. Sie fordern
+von denen, die es nach Ihrer Huld verlangt,
+eben keinen Stein ab; nicht als ob Sie vielleicht
+weniger, als eine andere, auf Pyramiden
+achteten, oder als ob Sie weniger
+Geschick besässen, eine zu errichten; nein,
+sondern das Klima in Frankreich ist von jenem
+in Griechenland verschieden.
+</p>
+
+<p>Attika, und Beotien waren dürre und
+unfruchtbare Länder, die Steine wuchsen da
+im Uiberflusse. Ein artig Frauenzimmer
+durfte nur die Hand ausstrecken, um welche
+zu finden. Der Marmor dehnte sich, um
+so zu sagen, demselben von selbst entgegen.
+</p>
+
+<p>Sie leben in einem glücklicheren Erdstriche,
+und dennoch haben Sie eben diese Vortheile
+nicht. In Paris, und in dessen Umkreise
+nehmen die Steine mit jedem Tage
+<!-- page 005 -->
+ab. Die Menge, welche man in den Palästen
+dieser Hauptstadt täglich verbraucht,
+macht die ganze Art dieser Naturprodukte
+zu nichte. Brächte man ihrer nicht von Zeit
+zu Zeit aus dem Schatze der Provinzen einige
+dahin, so ist zu vermuthen, daß sich diese
+Stadt derselben bald ganz beraubt sehen
+würde.
+</p>
+
+<p>Sie, mein Fräulein, halten sich weislich
+an die allgemeinen, und unausweichlichen
+Gesetze der Natur. Wie viele Andre
+sind eigensinnig genug, hartnäckig gegen ihre
+Schwäche zu kämpfen! Sie haben keine andere
+Sorge, als wie Sie sich für dieselbe
+entschädigen können. Gerne lassen Sie den
+Männern den Stein nach, wenn Sie Ihnen
+diesen nur mit recht viel Gold ersetzen.
+</p>
+
+<p>Auch wissen Sie sich hierbey so zu nehmen,
+daß Sie nie was verlieren. Man weis,
+welche Kunst Sie gebrauchen, die Opfer,
+<!-- page 006 -->
+die man Ihnen macht, miteinander zu vereinbaren.
+Niemanden ists unbekannt, mit
+welcher Einsicht Sie die verschiedenen Gattungen
+derselben zusammen auswählen. Sie
+ahmen jenen geschickten Wirthen nach, die
+aus mehrern mittelmäßigen Weinen ein vortrefliches
+Getränke bereiten.
+</p>
+
+<p>Sie mäßigen die Schwachheit eines
+Parisers durch den Trotz eines Provenzalen,
+und die Schaalheit eines Einwohners von
+Marais durch den Saft eines Burgunders.
+Sie verbinden den brausenden Schaum des
+Champagners mit Amerika&rsquo;s Wärme, und
+die Dumpfheit des Deutschen mit der Feinheit
+des Italiäners. Da Sie so die Fehler
+jeder Nazion durch die Zumischung der entgegengesetzten
+Tugenden verbessern, da Sie
+die Ungeschmacktheit der Einen durch das Beißende
+der Andern lindern, so sind Sie so
+glücklich, sich eine Reihe höchst angenehmer
+Lebenstage, und eine ununterbrochene
+<!-- page 007 -->
+Fortdauer von Vergnügungen zu verschaffen.
+</p>
+
+<p>Ihre Bescheidenheit will der Nachwelt
+die Denkmaale Ihrer Triumphe gerne schenken;
+jedoch, müßte man die Anzahl all derer,
+die Sie ihr noch hätten hinterlassen können
+in die Rechnung bringen; so glaube ich, alle
+Phrynen des Alterthtums würden sich nicht
+beygehen lassen, Ihnen das Geringste streitig
+zu machen; so viele Gründe also berechtigen
+Sie, sich über die alten und neuen
+Sokraten erhaben zu glauben!
+</p>
+
+<p>Indessen muß man gestehen, dieser so
+große Ruhm wird von einigen Ungemachen
+etwas aufgewogen, und verliert von seinem
+Glanze. Mit Vergnügen sehen Sie die Ankunft
+der Schätze, die der Geiz den Bergen
+der neuen Welt entwühlt, und welche die
+Thorheit auf den Sopha&rsquo;s von Europa zerstreuet,
+bey sich. Eine Danae, öffnen Sie
+<!-- page 008 -->
+den Schooß diesem kostbaren Regen, dessen
+Werth und Nutzen Ihnen so wohlbekannt
+ist.
+</p>
+
+<p>Unglücklicherweise macht er öfters in
+der alten Welt gewisse Vollkommenheiten aufzusprossen,
+welche die Natur bloß für die
+neue bestimmet hatte. Die kostbare Pflanze
+derselben brachte uns 1493. der Genueser
+Christoph Kolombo mit dem Gold aus
+San Domingo, und, wie wir wohl wissen,
+seit dieser Zeit haben sie sich mit einer verwundernswürdigen
+Fruchtbarkeit ausgebreitet.
+</p>
+
+<p>Die jüngere von zwoen Schwestern, die
+beynahe einerley Namen führen, scheint es
+am weitesten gebracht zu haben. Seit fast
+zweyhundert Jahren arbeitet sie ohne Unterlaß
+an der Ausbreitung ihres Reiches;
+und daß ihr alle Unternehmungen glückten,
+hat sie vorzüglich ihrer verschwenderischen
+<!-- page 009 -->
+Freygebigkeit zu danken. Gleich den staatsklugen
+Eroberern gewann sie eine Menge
+Landes, weil sie mit ihren Geschenken nicht
+haushälterisch war.
+</p>
+
+<p>Nicht, als ob man im Grunde so erpicht
+darauf wäre. Wenige Personen sind
+aufgelegt, sie freywillig sich zu wünschen;
+allein sie verbindet, wenn sie sie anbeut, damit
+einen so verführerischen Reiz, daß die
+mißtrauischsten Herzen manchmal genug zu
+thun haben, sich dagegen zu verwahren.
+Man empfängt sie, ohne es fast nur gewahr
+zu werden; und was dabei das verdrießlichste
+ist, wenn man sich damit beschwert fühlt,
+so ist man nicht immer im Stande, sie sich
+vom Halse zu schaffen.
+</p>
+
+<p>Man bringt sie nicht einmal los, wenn
+man ihren Kreislauf befördert. Sie haben
+die Eigenschaft, sich zu vervielfältigen, ohne
+die Quelle, aus der sie entsprungen sind, zu
+<!-- page 010 -->
+schwächen; gerade, wie eine brennende
+Wachsterze tausend andere anzuzünden dienen
+kann, ohne im mindesten von ihrem
+Licht, und dem Feuer, das sie verzehrt, zu
+verlieren.
+</p>
+
+<p>Gewiß, mein Fräulein, ein schreckliches
+Mißgeschick! Sie wünschten wohl, man
+möchte ihm abhelfen können. Auch ich wünsch
+es von ganzem Herzen. Suchen wir miteinander
+die Mittel auf. Die Ehre davon will
+ich Ihnen gerne lassen.
+</p>
+
+<p>Die griechischen Lustmädchen zeichneten
+sich, die Eine durch den Zauber ihres Verstandes,
+die andre durch die Anmuth ihres
+Tanzes, und diese durch ihre Schönheit aus.
+Was Sie betrift, so wünsche ich, daß Sie
+Ihren Namen durch der Menschheit geleistete
+Dienste verewigen. Ihre Gefälligkeit gegen
+sie, kennt man bereits zur Gnüge. Man
+wird sich nicht befremden, daß Sie, zum Tempel
+<!-- page 011 -->
+des Ruhmes zu kommen, diesen Weg
+gewählet haben.
+</p>
+
+<p>Wie viel man nicht von dieser Menschheit
+redet! Unsre philosophischen Tage geben ihr
+ein so herrliches Licht! Sie sehen sie von Stockholm
+bis Lissabon, von den Gränzen des
+Mogol bis London sich mit so großem Glanz
+entwickeln. Es sind nur eben sieben volle
+Jahre, während deren wir uns mit aller nur
+möglichen Artigkeit, und Leutseligleit herumgeschlagen
+haben; und alle Menschen,
+welche diese ganze Zeit hindurch in den Land- und
+Seegefechten verstümmelt, erschossen,
+gebraten, oder zermalmet worden, beliefen
+sich doch nicht höher, als auf eine Million.
+</p>
+
+<p>Die Krankheiten, Mühseligheiten, und
+Siechenhäuser nahmen ihrer nicht mehr, als
+zwo Millionen weg. Von Berlin an der
+Spree bis Villa-Veilha, an den Gestaden
+des Tagus, rechnet man nicht ganz zwanzig
+<!-- page 012 -->
+tausend Quadratmeilen, die in jedem Betrachte
+mit fünfzehn oder zwanzig Millionen
+zweifüssiger federloser Geschöpfe verwüstet,
+und von Helden in Jammer oder Verzweiflung
+gebracht worden sind.
+</p>
+
+<p>Unsre Untersuchungen hätten in keiner
+Zeit erscheinen können, wo die Menschheit
+größere Fortschritte gemacht hätte. Unmöglich
+hätte man dazu günstigere Umstände
+wählen können. Eilen wir also, sie ans
+Tageslicht zu bringen; warten wir nicht, bis
+wieder die Barbarei zurückkehrt. Wollen
+wir von ihren Rasereien gegen das Menschengeschlecht
+aus dem Zustande urtheilen,
+in dem es sich in einem erleuchteten, und
+philosophischen Jahrhunderte befindet, so
+würden wir Gefahr laufen, auf der Erde
+keine Menschen mehr zu finden, die uns anhören
+könnten.
+</p>
+<!-- page 013 -->
+
+<p>Vergeben Sie mir, Fräulein, wenn
+ich in der Folge dieses Werkes mich nicht
+mehr an Sie verwende. Sie sind es, denen
+ich es zueigne; aber die Menschheit ists, der
+sich es heilige. Ich hab es mit dem Unterrichte
+der Völker, mit der Heilung der Menschen
+von ihren Irrthümern zu thun. Es
+kömmt darauf an, den Dienst der Venus zu
+reinigen, die gefährliche Luft, die ihre
+Tempel erfüllt, zu zerstreuen, und sogar ihre
+Altäre zu säubern.
+</p>
+
+<p>In der Behandlung der zur Erreichung
+dieses Zweckes nöthigen Sühnopfer, werde
+ich nicht mehr von Ihnen reden; aber denken
+an Sie werd&rsquo; ich unaufhörlich. Ich
+werde dem Anscheine nach Ihre Reize aus
+dem Gesichte verlieren; aber mein Gegenstand
+wird mich immer zur Gnüge auf dieselben
+zurückführen.
+</p>
+<!-- page 014 -->
+
+<p>Ich will mit aller Bedachtsamkeit untersuchen,
+welche Mittel uns zum Ziele führen
+könnten, die Macht des Feindes, über
+den wir uns beklagen, zu stürzen. Es wird
+nicht übel gethan seyn, zuvor ein paar Worte
+von seiner Natur und Geburt zu sagen.
+Ich werde bis auf seinen Ursprung zurückgehn,
+und einen Auszug seiner Geschichte
+geben müssen. Die Medaillen dieser Begebenheit
+bestehen noch; aber die Epoche derselben
+scheint in Dunkel gehüllt. Es wäre
+sehr nützlich, sehr rühmlich, wenn es uns,
+sie festzusetzen, gelänge.
+</p>
+
+<p>Uibrigens wird sie weder Befremden,
+noch Furcht befallen bei dem Namen Kakomonade,
+dessen ich mich bedient habe, um diese
+grausame Feindinn umzukleiden, sie, die
+ich mich nicht getrauet hätte, anders zu nennen.
+Wahr ist es, dieses Wort ist ganz
+griechisch; allein die Sache, die es bezeichnet,
+ist ganz französisch, und also unseren
+<!-- page 015 -->
+Damen so wenig unverständlich, daß sie viel
+mehr ein wichtiges Ingredienz guter Gesellschaften
+ist. Uiber dieß sind Sie auch mit
+Leibnitzens Sprache bekannt. Ich habe Sie
+gelehrt, was in dem Verstande dieses unvergleichlichen
+Mannes eine Monade sey. Von
+Ihnen Ihrerseits habe ich gelernt, diesen
+Namen durch das Beiwort Kako zu verlängern,
+das ich ohne Sie nie erfunden hätte.
+Sie werden mich also ohne Schwierigkeit
+verstehn, und ich gehe ohne Besorgniß zur
+Sache.
+</p>
+<!-- page 016 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-3">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Erstes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Von der Natur der Kakomonade.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">W</span>as ist die Kakomonade? Wo kömmt die
+Kakomonade her? Zwo große, und erhabene
+Fragen! Lange schon haben trefliche Gelehrte
+die Tiefsinnigkeit, und den Nutzen derselben
+gefühlet. Sie haben sich bestrebet, sie
+aufzulösen. Vielleicht krönte ihre Bemühungen
+noch kein sehr glänzender Erfolg; allein
+wenigstens führten sie doch uns auf diese
+Strasse. Nur an uns liegt es nun, auf ihren
+Pfaden in dem Lande, das sie durchliefen,
+fortzuwandeln, und, wenn wir können,
+darinnen weiter zu gehen, als sie.
+</p>
+<!-- page 017 -->
+
+<p>Erste Beobachtungen haben sie gelehrt,
+daß die Kakomonade ein Gift<a href="#footnote-4" id="fnote-4"><sup>4</sup>)</a> sey. Uiber
+den Sinn dieses Wortes in dieser Anwendung
+ist man nicht ganz einig. Allein, wo
+man keine deutlichen Begriffe haben kann,
+da ists bei allen Arten Wissenschaften viel,
+daß man sich einen Ausdruck auffinde, der
+nichts sagt. Man hat weit weniger Mühe,
+ihn auf alle möglichen Sisteme passend zu
+<!-- page 018 -->
+machen, und daher ist die Kakomonade ein
+Gift.
+</p>
+
+
+<p>Noch mehr: dieses Gift ist phlogistisch,
+korrosiv, gerinnend, und fix<a href="#footnote-5" id="fnote-5"><sup>5</sup>)</a>. Phlogistisch,
+denn es verursacht Entzündungen.
+Als korrosiv greift es die Haut an, frißt sie
+auf, und trennt ihren Zusammenhang. Als
+gerinnend, stillt es den Lauf der Feuchtigkeiten,
+welche die Natur zu freiem Umlaufe
+bestimmet hatte. Endlich, weil es fix ist,
+läßt, es sich so schwer vertreiben. Und dieß
+ist die ganze Theorie von der Kakomonade,
+von einem ihrer besten Historiker entwickelt.
+Sie ist, wie man sieht, deutlich, bündig,
+und faßlich.
+</p>
+
+<p>Die Quacksalber mischten sich manche
+mal ins Spiel, und gaben eine andre an.
+<!-- page 019 -->
+So erschien Anno 1727 ein sehr berühmter
+zu Paris. Dieser behauptete, alle menschlichen
+Schwachheiten, und die, mit denen
+wirs zu thun haben, wie alle andere, würden
+durch kleine Thierchen erzeugt, die sich
+ins Blut eindrängen. Seinem Sisteme zufolge
+war das, was wir Arzneimittel nennen,
+ein Kompositum von andern kleinen
+Thierchen, als unversöhnlichen Feinden der
+ersten. Diese jagten ihre Gegner tapfer
+fort.
+</p>
+
+
+<p>So war der Körper eines Kranken ein
+Schlachtfeld, wo Wunder der Tapferkeit geschahen.
+Das Fieber führte darauf seine leichten
+Geschwader an; die Kakomonade ihre
+gerinnende Infanterie. Bald sah man die
+Fakultät heranrücken in schwerer Rüstung,
+mit Bataillonen von Quecksilber, und Chinarinde.
+Sie ließ die verschiedenen Korps
+dieser fürchterlichen Miliz allmälig aufmarschiren.
+Man schlug sich lange mit Lebhaftigkeit
+<!-- page 020 -->
+herum, bis die Thierchen der Chinarinde
+über die des Fiebers die Oberhand erhielten,
+oder bis die korrosiven Würmchen
+durch die metallischen Insekten vertrieben
+wurden, wenn anders nicht, welches zum
+öftersten geschah, sich das Schlachtfeld selbst,
+unter dem Drucke von so heftigen Gewaltthätigkeiten
+erliegend, in die Erde versenkte,
+welche Uiberwinder und Uiberwundene
+sammt ihnen verschlang.
+</p>
+
+<p>Hatte diese Idee keine Wahrheit zum
+Grunde, so war sie wenigstens unterhaltlich.
+Aber die Steifheit der regierenden Doktoren
+hat sie verbannt. Entrüstet, daß sie sich
+durch sie dahin gebracht sahen, nichts weiter,
+als die Obersten über ein Regiment
+Sensblätter und Rhabarbar zu sein, machten
+sie allen diesen kleinen Armeen, die man
+ihnen anzuführen gab, den Garaus. Sie
+wollten lieber die Oberhäupter einiger blinden
+Körperchen bleiben, als zahlreiche und
+<!-- page 021 -->
+beseelte Legionen kommandiren. Sie wollten
+die Harmonie in den Feuchtigkeiten dem
+Zufalle lieber mit ganz materiellen Werkzeugen,
+als nach einer guten Ordnung, unter
+einer Bedeckung von thätigen, wohldisziplinirten
+Truppen einräumen. Heißt das
+nicht, wie man ihnen vorwirft, die Unthätigkeit
+der Bewegung, den Tod dem Leben
+vorziehen?
+</p>
+
+<p>Man kann dieses System nicht genug bedauern:
+es hätte Gelegenheit zu den unterhaltendsten
+Hypothesen gegeben. Die Metaphysik,
+die Physik, die Philosophie und
+Arzneykunde haben ungereimtere, aber keine
+angenehmere aufzuweisen. Indessen muß
+man sich über dessen Verlust eben wohl trösten,
+und sich mit einer Menge grosser Männer
+daran halten, nämlich, daß die Kakamonade
+ein korrosives, gerinnendes, phlogistisches,
+und fixes Gift sey.
+</p>
+<!-- page 022 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-4">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Zweites Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Vom Ursprunge der Kakomonade.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">V</span>om Ursprunge der Kakomonade sind wir
+nicht sowohl unterrichtet, wie von ihrer Natur:
+die Wirkung kennen wir besser, als die
+Ursache. So viel ist gewiß, daß jene heut zu
+Tage nur das Resultat der Vergemeinschaftung
+mit einer unbehutsamen, oder unglücklichen
+Person ist. Den Keim davon bringen
+wir nicht schon bey unserer Geburt mit. Die
+Natur gab uns nur bloß das Vermögen,
+ihn anzunehmen.
+</p>
+
+<p>Dennoch muß sie sich einstens in dem ersten
+Menschen, der sich davon ergriffen fühlte,
+von selbst hervorgebracht haben. Daß
+Gott, da er den Adam schuf, ihn nicht aus
+<!-- page 023 -->
+seiner Hand damit ausstattete, ist wohl außer
+Zweifel. Das höchste Wesen bildete ihn
+zur Zeugung, und gab ihm somit so gesunde,
+so vollkommene Organe, als es seine Bettgenoßinn
+nur wünschen konnte.
+</p>
+
+<p>Trug sich dießfalls hierinn eine Veränderung
+zu, so ists wahrscheinlich ein unglückliches
+Individuum von seiner Nachkommenschaft,
+das die Erstlinge derselben bekommen
+haben wird. Aber was kann von dieser sonderbaren
+Entwicklung die Ursache gewesen
+seyn? Die Luft? die Nahrungsmittel? oder
+der Mißbrauch des Vergnügens?
+</p>
+
+<p>Das Klima derjenigen Länder, die man
+für das Vaterland der Kakomonade ansieht,
+ist nicht ungesünder, als das in den Gegenden,
+wo sie sich nur durch den Vorschub der
+Menschen eingeschlichen hat. Ihre Produkte,
+weit gefehlt, daß sie gefährlich wären, so
+sind sie für uns vielmehr sichere Hilfsmittel
+<!-- page 024 -->
+gegen manche Krankheit; und die Ausgelassenheit
+ist nur eine Tochter der Prasserei und
+des Reichthums. Nun wußte man von diesen
+beiden Geißeln unseres Geschlechtes gewiß
+nichts in jenem Lande, wo wir unsere Geißel
+holten, welche in dem unsrigen oft auf sie
+folgt, und sie bestrafet.
+</p>
+
+<p>Dennoch sind diese drei Ursachen, die
+einzigen, welche auf ihre Entstehung Einfluß
+gehabt haben können. Jede derselben fand
+warme Vertheidiger. Einige sagten, die Luft
+allein sei genug gewesen, in der Insel Hispaniola
+das Gift hervorzubringen, das heut
+zu Tage in allen andern Ländern die Zeugungen
+angreift; allein es ist einleuchtend, daß
+sie sich geirret haben.
+</p>
+
+<p>Seit zweyhundert Jahren, und darüber,
+giebt die Erfahrung den Beweis, daß man
+zu San Domingo diese Frucht nicht anders
+ärnte, und säe, als wie in Frankreich. Sie
+<!-- page 025 -->
+wächst dort, wie hier, im Schooße des Vergnügens.
+Man behält da ein freyes, reines
+Blut, so lange man sich begnügt, frische Luft
+zu schöpfen. Hätte diese ja was Pestisches
+an sich, so würde sie es seit der Eroberung
+den Europäern eben sowohl, als den Eingebohrnen
+des Landes haben zu fühlen gegeben.
+Dieß findet sich nicht, und also ist dieses Sistem
+nicht anzunehmen.
+</p>
+
+<p>Andere behaupteten, diese Eigenschaft
+wäre ausschließlich den Menschenfressern vermöge
+ihrer Nahrungsmittel gegeben, gleich
+als ob das menschliche Fleisch schon von selbst
+ein Gift wäre. Die Völker, welch dergleichen
+minder höfliche Feyerlichkeiten halten,
+sind viel seltener, als man sichs einbildet.
+Uiberdies muß ihnen ihre Lebensart
+viele Stärke, und hiemit Gesundheit geben.
+Daher es denn sehr ungereimt ist, zu denken,
+daß ihr Fleisch, wenn es durch den Magen
+ihrer Feinde wandert, da die Kraft, sie zu vergiften,
+annehmen könne.
+</p>
+<!-- page 026 -->
+
+<p>Zwar wäre dieses eine ziemlich erlaubte
+Rache; allein, wenn man am Bratspieße
+steckt, pflegt man sich nicht mehr zu rächen.
+Sollte der Hinterschlägel eines Karaiben
+den ehrlichen Leuten, die sich einander
+damit beschenkten, Nachwehen haben
+erregen können, so müßten nur die ihm benachbarten
+Theile sich nicht in gutem Stand
+befunden haben; ein Umstand, der, wie man
+sieht, die Schwierigkeit nicht aufhebt.
+</p>
+
+<p>Ein geschickter Arzt hat in einem dicken
+Buche über diesen Gegenstand das dritte Sistem
+ergriffen. Seiner Meinung nach ist es
+das Uebermaaß der Vergnügungen in warmen
+Ländern, und die wenige Wahl in den
+zu derer Genuße geeigneten Augenblicken,
+welche die Kakomonade auf der Welt eingeführet
+haben. Er erzählt über diese Materie
+sehr sonderbare Geschichten.
+</p>
+<!-- page 027 -->
+
+<p>&bdquo;Die Weibsleute im Königreiche Melinda,&ldquo;
+sagt er nach Tavernier, &bdquo;sind einmal
+im Monate so gefährlich, daß, wenn
+ein Europäer das Unglück hat, sich an einem
+Platze aufzuhalten, wo eines derselben in
+dieser fatalen Zeit gepisset hat, er davon
+das Fieber, Kopfschmerzen, und manchmal
+die Pest bekommt.&ldquo; Ich gestehe, da ich
+die Stelle las, wünschte ich von Herzensgrunde,
+es möchte sich nie ein melindisches
+Frauengimmer beigehen lassen, sich unter meinem
+Fenster aufzuhalten.
+</p>
+
+<p>Zum Glücke gesteht H. A., da er diesen
+Zug anführt, selbst ein, daß er auf unsre Klima
+nicht passet; dennoch beharret er nichts
+destoweniger auf der Meinung, daß zwischen
+dem Ursprunge der Kakomonade, und zwischen
+dem pestischen Einflusse dieser gebräunten
+zanguebarischen Schönheiten ein sehr genaues
+Verhältniß Statt haben müße. Er besteht
+hartnäckig auf der Behauptung, daß dieser
+<!-- page 028 -->
+der zureichende Grund des andern war. Man
+kann auch in seinem Werke selbst sehen, mit
+welcher Stärke und Bündigkeit er darüber
+räsonnirt.
+</p>
+
+<p>Nur ist es wunderbar, daß man durch
+das Gebäude ähnlicher Sisteme dahin kommt,
+die Kakomonade zu verbannen; wie wenn
+die barbarischen Worte, mit denen man sie
+erklärt, helle, und unbestreitbare Wahrheiten
+bedeuteten.
+</p>
+
+<p>Just so berechnet man die Finsternißen,
+indem man die Planeten als kleine Theilchen
+betrachtet, welche die Sonne ausschneuzte,
+da zur Zeit der Schöpfung ein grosser Komet
+an derselben sich rieb. So benützt man den
+Kompaß durch die Erklärung der Abweichungen
+seiner Nadel, die an einem Ende mit
+dem Magnete bestrichen ist. So ermüdet man
+nicht, in dem Magen einen guten Saft hervor
+zu bringen, unter beständigem Streite,
+<!-- page 029 -->
+ob er durch Auflösung, oder Gährung, oder
+Vertreibung entstehe.
+</p>
+
+<p>Man muß es gestehen, wir haben leicht
+machen. Die Fortschritte des menschlichen
+Geistes in jeder Art stecken sich selber ihre
+Gränzen aus: eine Wahrheit, über die sich
+nicht streiten läßt. Allein so einleuchtend sie
+ist, so muß mans nicht bey ihrer Erwägung
+bewenden lassen; man muß nicht unterlassen,
+in den Kalender zu sehn, wenn man den
+Sonnenstand wissen will, und auf den Kompaß,
+wenn man die Küsten aus dem Gesichte
+verlohren hat. Man muß nicht anstehn, seinen
+Magen zu füllen, wenn man hungerig
+ist, und sich an die Zubereitung des Quecksilbers
+zu wenden, wenn man einer Aehnlichkeit
+zwischen unserm Klima, und jenem
+von Amerika gewahr wird.
+</p>
+<!-- page 030 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-5">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Drittes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Ob wir das Recht haben, bei der Betrachtung
+der Uebel, die uns die
+Kakomonade verursacht, uns über
+die Natur zu beklagen.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">W</span>enn ja irgend etwas dem Anscheine nach
+den Menschen das Recht geben kann, über
+die Natur zu murren, so ist es gewiß diese
+Geißel, mit welcher sie sie schlägt. Sie hat
+sie mit Vergnügungen vereinbart, von denen
+sie die Fortdauer ihres Geschlechtes abhängen
+läßt. An die Seite der größten aller Reizungen
+hat sie die größte aller Gefahren gestellet.
+So setzte sie uns auf den Zweiweg,
+entweder ihre Absichten nicht zu erfüllen,
+oder dafür, daß wir sie erfüllten, immer in
+der Furcht zu sein, bestrafet zu werden.
+</p>
+<!-- page 031 -->
+
+<p>Bei den andern Empfindnissen hat sie
+die Strafe wenigstens nur mit dem Uibermaaße
+verbunden. Der Wein macht kein
+Kopfweh, außer man trinket zuviel. Der
+Magen leidet nicht, so lange man mäßig ißt.
+Das Auge wird nicht verwundet, außer es
+heftet den Blick an zu schimmernde Gegenstände.
+</p>
+
+<p>Aber das nothwendigste, das schätzbarste
+Sinnglied, das Sinnglied, welches dem
+Menschen eines der Gerechtsame der Gottheit
+mittheilt, dieß ist eben dasjenige, dessen
+auch mäßiger Gebrauch die größte Reue,
+und das empfindlichste Nachweh, verursachen
+kann. Nur einen Augenblick braucht es,
+um das ordentlichste Leben zu vergiften.
+</p>
+
+<p>Das höchste Wesen, sagen die Dichter,
+hat das Gute und Böse in zwoen Tonnen bei
+sich. Aus diesen schöpft es mit vollen Händen,
+so wie ihm die Laune kömmt, die Geschenke,
+<!-- page 032 -->
+die es unter unser kleines Ameisenhäufchen
+austheilt. Die Kakomonade war
+unstreitig mit von den Hefen in der Tonne
+des Bösen; und an dem Tage, wo wir sie
+erhielten, leerte Jupiter das eine seiner Fässer
+aus.
+</p>
+
+<p>Dennoch müssen wir, bevor wir gegen
+die Natur Klage stellen, und sie ungerecht
+nennen, einen Blick auf die Geschichte werfen.
+Hätte diese zärtliche Mutter die Absicht
+gehabt, uns die Geißel, über die wir seufzen,
+zu ersparen; hätte sie sich bestrebt, sie
+in einem kleinen Winkel eines unbekannten
+Landes zu verbergen; hätte sie zwischen uns,
+und dieses traurige Land fünfzehnhundert
+Meilen stürmische Meere geworfen; hätte
+sie sich Mühe gegeben, uns alle erdenklichen
+Mittel, dahin zu kommen, zu entziehn; so
+wären wir ihr für so weise, so liebvolle Vorsichten
+unsre Dankbarkeit schuldig.
+</p>
+<!-- page 033 -->
+
+<p>Hätte in der Folge bloß unser unruhiger
+Geist diese Vorsichten vereitelt; wären
+wir mitten durch fast unüberwindliche Hindernisse
+zu dem bittern Becher, der das Gift,
+wovon sie uns abhielt, in sich schloß, eingedrungen;
+wäre es wahr, daß, wir geeilet hätten,
+darinnen unsere Lippen zu netzen, ungeachtet
+aller der schrecklichen Gegenstände,
+die uns davon hätten entfernen sollen; so
+würde ganz gewiß von unserer Seite die Natur
+keinen Vorwurf verdienen.
+</p>
+
+<p>Wir allein würden strafbar seyn, daß
+wir ihre Verordnungen verletzt hätten. Wir
+würden billig gestrafet werden, daß wir ein
+Geheimniß entdecket hätten, welches ihre
+Nachsicht uns verbergen wollte. Dieß nun
+wird uns die Geschichte lehren. Da werden
+wir vielleicht die Rechtfertigung der Vorsehung
+erblicken.
+</p>
+<!-- page 034 -->
+
+<p>Die Erzählung der Begebenheiten der
+Vorzeit wird uns zeigen, wie sehr sie für
+uns ob der Unglücksfälle besorgt war, die
+uns nun drücken. Wir werden gezwungen
+seyn, einzugestehn, daß, um uns so unglücklich
+zu machen, als wir es sind, wir
+sie in ihrem letzten Wehrplatze dazu nöthigen
+mußten. Wir werden bekennen, daß ihre
+Sorgfalt hinlänglich gewesen wäre, um unsere
+Ruhe zu gründen, wenn nicht unsre
+Vermessenheit in jeder Art weiter gienge,
+als ihre Güte.
+</p>
+<!-- page 035 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-6">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Viertes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Ob die Alten die Kakomonade kannten?</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">M</span>an hat sich gewaltig ermüdet, die eigentliche
+Epoche dieser Begebenheit aufzufinden.
+Die Kakomonade hat in mehr als einem
+Verstande die Geduld, und den Scharfsinn
+der Kommentatoren auf die Probe gesetzt.
+Einige davon eignen die Ehre, sie
+auf uns gebracht zu haben, den Griechen
+und Römern zu. Sie sehen sie in geraden
+Linien aus Asien in Europa, von Athen
+nach Rom, aus Wälschland in Frankreich
+übergehn.
+</p>
+
+<p>Sie legen ihr verschiedene Masken bei,
+derer sie sich nach und nach bedient habe, bis
+<!-- page 036 -->
+sie auf diejenige kam, in der sie bei unsern
+Tagen erscheint. Ihrem Sisteme zufolge
+mußte sie sich bei dieser wohl befunden haben;
+denn sie trägt sie schon in die dreihundert
+Jahre, ohne daß sie zu abgenützt schiene.
+Doch, man muß gestehn, daß diese
+Meinung nicht zuzugeben sey. Man sieht
+offenbar, daß die Alten, glücklicher und weiser,
+als wir, oder wenigstens den Absichten
+der Natur getreuer, nie die Strafe empfanden,
+die wir erdulden.
+</p>
+
+<p>Homer ist genau, sogar bis zu Kleinigkeiten.
+Er brachte in sein Gedicht alles, was
+er von der Medizin, Anatomie, Geographie,
+und Physik wußte. Er berichtet uns,
+daß man zu seiner Zeit ein Leckergetränk aus
+in Wein geriebenem Käse machte. Er spricht
+oft von der Venus. Er erzählt, wie sie
+Diomedes mit einer Lanze tief verwundete.
+Hätte er an dieser Göttinn das Geheimniß
+gekannt, das sie seit dem in Amerika besaß;
+<!-- page 037 -->
+ohne Zweifel hätte er sie davon Gebrauch
+machen lassen, um sich an dem Helden zu
+rächen. Er hätte den Gott Merkur mit
+seinen goldgeflügelten Füssen aufgeführt, wie
+er sie mit der Heilung beschäftigte.
+</p>
+
+<p>Diese Allegorie würde nicht die unsinnreicheste
+seines Gedichtes gewesen seyn. Sie
+wäre uns soviel richtiger gewesen, da Merkur
+wirklich von der Gegenpartei der Venus
+war. Kann man wohl glauben, daß
+dieser göttliche Dichter die Gelegenheit versäumet
+hätte, sie an den Ufern des Simois
+Angesichte der Griechen und Trojaner
+sich schlagen zu lassen? Wäre das nicht eben
+der Fall gewesen, wo er hätte vorstellen
+können, wie die Erde und das Meer in der
+Erwartung des Erfolges erschüttert wären,
+und die ganze Natur bei dem Anblicke eines
+Kampfes sich theilte, der ihr Schicksal entscheiden
+sollte?
+</p>
+<!-- page 038 -->
+
+<p>Wie Schade doch, daß nicht Homer
+selbst in Person über diese Materie auf einer
+der zykladischen Inseln Erfahrungen machen
+konnte? Er hätte seine beiden Gedichte damit
+bereichert. Madame Dacier wäre uns
+erschöpflich gewesen, in ihren Noten über
+diesen interessanten Gegenstand. Eine derlei
+Erdichtung, in die Iliade verwebt, wäre für
+die Kommentatoren der vorigen und künftigen
+Jahrhunderte eine ewige Quelle von Zusätzen,
+Anmerkungen, und lehrreichen Gezänken
+geworden.
+</p>
+
+<p>Es ist offenbar, daß es Homer angebracht
+haben würde, wenn er es gekonnt hätte.
+Hätten die Götter oder die Menschen
+zu seiner Zeit die Kakomonade gekannt, so
+würde er davon gesprochen haben. Sein
+Stillschweigen ist ein unstreitiger Beweis,
+daß bei der Belagerung Trojens, und lange
+Zeit darnach, Venus noch unschuldig war:
+sie ließ sich selbst verwunden, ohne wieder
+zu verwunden.
+</p>
+<!-- page 039 -->
+
+<p>In den spätern Jahrhunderten lebten
+Hyppokrates, und nach ihm Galen in eben
+der Unwissenheit. Das Quecksilber schien
+ihnen nur in Rücksicht seiner Schwere, und
+seiner Flüssigkeit ihrer Aufmerksamkeit würdig.
+Die Helden, derer Gesundheit sie zu
+regieren hatten, waren nicht vernünftiger,
+als die unsern. Sie waren eben so lustig,
+eben so prächtig. Man hat uns das Detail
+ihrer Thaten in jeder Art aufbewahret. Wir
+wissen, wie sie ihre Liebesromane spielten,
+und wie sie ihre eisernen Lanzen schwangen.
+Aber wir sehen nicht, daß sie das andre Metall
+gebrauchten, zu welchem unsere Krieger
+so oft ihre Zuflucht nehmen.
+</p>
+
+<p>Cäsar war ohne Widerspruch ein großer
+Mann. Man nannte ihn den Ehemann
+aller Weiber, und das Eheweib aller Männer.
+Wären diese vorübergehenden Beilager
+damal einem Ungefähr unterworfen gewesen;
+kann man wohl glauben, daß man, nachdem
+<!-- page 040 -->
+er derselben so viele gefeyert hatte, gefunden
+haben würde, daß er damit nichts anders,
+als nur die fallende Sucht, gewonnen
+habe?
+</p>
+
+<p>Vom August sagt man wohl, daß er
+sich oft vor dem Feuer frottiren ließ; dieses
+könnte verdächtig scheinen. Aber es war ein
+Striegel, womit man ihn frottirte; und der
+ists nun nicht mehr. Er fand, wie Suetonius
+sagt, kein anders Mittel, um seine
+Gesundheit zu erhalten, und seine Haut zu
+jücken.
+</p>
+
+<p>Weder Tibor, noch Kaligula, noch
+Nero, noch alle jene Wunder der Geilheit,
+denen die Beherrscherinn der Nazionen so
+lange unterworfen war, haben sich je des
+Quecksilbers gebraucht. Man sieht keinen,
+griechischen, oder römischen Dichter, seine
+Kraft besingen. Sogar diejenigen, die sich
+durch ihre Ausschweifungen verewiget haben,
+<!-- page 041 -->
+nennen keine Strafe, die mit ihren Unmäßigkeiten
+verbunden gewesen wären.
+</p>
+
+<p>Ovid, in seiner Kunst zu lieben, zeigt
+alles an, was man von der Seite einer Buhlinn
+zu fürchten haben kann, er spricht von
+den Gefahren, die mit dem Umgange
+mit einer herumstreifenden Schönen verknüpfet
+sind. Ohne Zweifel war hier der Augenblick,
+der Kakomonade, wenn sie auf ihn
+gekommen war, eine Stelle einzuräumen.
+Indessen sagt er kein Wort davon.
+</p>
+
+<p>Horaz entrüstet sich über einen Knoblauch,
+der ihn in die Zunge gebissen. Hätt&rsquo;
+er wohl vergessen, in einer schönen Schreibart
+eine Verwünschung auf das Quecksilber
+zu machen, wenn er davon gejückt worden
+wäre? Voll Nervigkeit, und ohne Umschweife
+sagt er einem alten Mütterchen Grobheiten,
+die sich die französische Politesse nicht
+einmal zu Sinne kommen lassen kann; hätte
+<!-- page 042 -->
+er ihr nicht die Kakomonade angewünscht,
+wenn sie zu seiner Zeit bei guten Gesellschaften
+im Gebrauch gewesen wäre?
+</p>
+
+<p>Eben das kann man von den Tibullen,
+den Katullen, den Gallussen sagen, welche
+die schädlichen Orte besangen, und besuchten,
+und also ohne Zweifel die Gefahren derselben,
+wenn sich deren gefunden hätten, beweinet
+haben würden. Sie theilten in sanfter
+Ruhe sich in die Gunstbezeugungen ihrer
+Mätressen mit dem Publikum; und klagten
+sie zuweilen über ihre Unbeständigkeit, so
+kam es nicht daher, weil sie für sie unangenehme
+Folgen gehabt hat.
+</p>
+
+<p>Es ist daher klar, daß die Korinnen,
+die Lesbien, die Lykorissen, sonst weit unter
+den, *&nbsp;*&nbsp;* und den *&nbsp;*&nbsp;*, diesen dennoch
+in einem Punkte überlegen waren. Es bedurfte
+vielleicht nicht größerer Mühe, um
+sie sich zu unterwerfen; aber gewiß weniger,
+<!-- page 043 -->
+um sie zu vergessen. Wenn man sich an ihre
+Gunstbezeugungen erinnerte, so dachte man
+nur an das Vergnügen, sie genossen zu haben.
+Man suchte keine Spezifika auf, um
+leichter das Gedächtniß zu verlieren, und
+man sah keine heilreichen Geschöpfe mit
+ihren Rezepten die Mauern Roms tapeziren.
+</p>
+<!-- page 044 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-7">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Fünftes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Ob Job mit der Kakomonade in
+einem persönlichen Verhältnisse
+stand?</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">D</span>a man dieser Heldinn die Ehre nicht zueignen
+konnte, mit den Helden der weltlichen
+Geschichte zu thun gehabt zu haben, so
+gab man sich Mühe, sie dadurch zu entschädigen,
+daß man sie unter die Helden der heiligen
+Geschichte aufnahm. Ein erlauchter
+Benediktiner verfaßte ihr einen sehr ehrwürdigen
+Stammbaum. Er schreibt ihr eine
+sehr nahe Verbindung mit dem berühmten
+Job zu, und läßt in gerader Linie sie von
+demselben absteigen.
+</p>
+<!-- page 045 -->
+
+<p>Ohne Zweifel würde man nicht erwartet
+haben, diesen Zug seiner Erudizion in einem
+Kommentar über die Bibel zu finden.
+Indeß, da der Jünger des heiligen Benedikt
+so eine Materie in einem ganz zur Erbauung
+bestimmten Buche ohne Skrupel behandeln
+konnte; muß man mirs erlauben, in dem
+meinigen seine Schlüsse auseinander zu setzen.
+Wenn so ein Gegenstand unter seiner Feder,
+und an der Stelle, wohin er ihn setzte, kein
+Skandal verursachet hat, muß man sich nicht
+befremden, ihn hier zu erblicken, wo er sich
+viel natürlicher findet.
+</p>
+
+<p>Der gelehrte Bruder Dom Calmet also,
+setzte in die Reihe der Ahnen der Kakomonade
+den tugendhaften Job, der sie seiner
+Seits von seiner Frau hatte, und die sie
+ohne Zweifel vom Teufel bekommen haben
+mochte. Aber wahrhaftig, es wäre wirklich
+genug für einen so heiligen Mann, daß er
+eine so böse Frau gehabt hat; wozu die Vermuthung,
+<!-- page 046 -->
+daß er über die Verhöhnungen
+von ihr auch noch ein ander Ding empfieng?
+</p>
+
+<p>Es ist wahr, er saß auf einem Misthaufen,
+und fühlte sich seine Säfte nicht recht
+in Ordnung. Er sagt selbst, sein Fleisch wäre
+mit Geschwären bedeckt, seine Haut wäre ganz
+ausgedörret, sein Blut wäre geronnen wie
+Käse; welches nach Hrn. A. &mdash; &mdash; &mdash; &mdash;
+mit den drei Hauptsimptomen übereinkömmt,
+von welchen er uns seine Beschreibung gemacht
+hat.
+</p>
+
+<p>Wahr ist auch, daß, um den Job zu
+trösten, drei von seinen Freunden sieben Tage
+und sieben Nächte lang, ohne nur ein
+Wort zu sprechen, bei ihm blieben.
+</p>
+
+<p>Wahr ist ferner, daß nach diesem langen
+Stillschweigen Eliphaz, einer von ihnen
+durch Seitenwendungen seinen lieben Freund
+beschuldigt, er habe sich der Ungerechtigkeit
+<!-- page 047 -->
+ergeben, und den Schmerzen gesäet, dessen
+Frucht er nun ärnte. Er wirft ihm in figürlichen
+Ausdrücken vor, er habe Häuser von Koth
+geliebt, derer Grundfesten nichts taugten,
+und habe da etwas sehr dem Aussatz ähnliches
+erbeutet.
+</p>
+
+<p>Unterdessen erweist dies alles noch nicht,
+daß der Teufel vor vier tausend Jahren nach
+Amerika reiste, sich da ein Körnchen von der
+Kakomonade zu holen, um damit einen armen
+Tropf van Kaldäer zu inokuliren. Man
+sieht wohl, daß die Krankheit desselben korrosiv,
+phlogistisch und koagulirend war; aber
+es ist ja doch nicht ausgemacht, daß diese drei
+Eigenschaften ausschließlich nur mit einer einzigen
+Art Mißbehagens verknüpft sind.
+</p>
+
+<p>Würde wohl der Geschichtschreiber Jobs
+vergessen haben, vom Gifte zu sprechen,
+wenn ers damit zu thun gehabt hätte? Würde
+er nicht den Standpunkt der Krankheit angezeigt
+<!-- page 048 -->
+haben? Er berichtet uns, daß der
+Leidende seine Wunden mit Scherben trocknete.
+Ich berufe mich auf alle, welche zu unsern
+Zeiten ihre eigene Erfahrung in derlei
+Fällen aufgekläret hat, ob sie sich je beygehen
+ließen, so eine Scharpie zu brauchen.
+</p>
+
+<p>Ueber dieß scheint es nicht, daß sich Job
+der Bestrafung, von der die Rede ist, ausgesetzt
+habe. Seine innigsten Freunde, nachdem
+sie ihm allerley Unbilden gesagt, und
+ihren stummen Trost gegeben hatten, gestehen
+ein, daß er mit unverheuratheten Frauenzimmern
+wenig zu schaffen hatte: Viduas dimisisti
+vacuas; woraus erhellet, daß er ein
+behutsamer Mann war.
+</p>
+
+<p>Er selbst ruft auf: wo ist die Zeit, da
+ich meine Füße wusch? wo ich über mein
+Haupt meine Leuchte setzte? wo die Jugend,
+wenn sie mich sah, vor Schaam sich verbarg?
+Wo die Greise vor Verwunderung stehen blieben?
+<!-- page 049 -->
+Hat sich da mein Herz um ein Weib
+betrogen; habe ich getrachtet, mich in eine
+Thüre zu schleichen, die meinem Freunde
+gehörte; so möge meine Gattinn die &mdash; &mdash;
+&mdash; eines andern werden; mögen alle meine
+Nachbarn &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; ! &mdash; Wahrlich! das
+ist gar nicht die Sprache eines Ausschweiflings,
+der verdient hätte, an den Schätzen
+von Amerika Theil zu haben.
+</p>
+
+<p>Was den Kommentator hintergangen
+haben kann, mag dieses seyn, daß dieses Muster
+der Geduld bekennt, daß die Fäulniß sein
+Vater, und die Würmer seine Mutter, und
+seine Schwester seyn. Der gelehrte Benediktiner
+glaubte vermuthlich, die Kakomonade
+konnte in so einer Familie wohl an ihrem
+Platze stehn. Allein das ist nur eine
+Wahrscheinlichkeit; und sie ist nicht wichtig
+genug, uns zu bestimmen, daß wir denken
+sollten, Job habe sich jemal in dem Falle befunden,
+der Flüßigkeiten des Barometers
+zu bedürfen.
+</p>
+<!-- page 050 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-8">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Sechstes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Ob der Aussatz mit der Kakomonade
+einerlei Ding gewesen?</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">L</span>eute, welche in der Geschichte der Kreuzzüge
+sehr bewandert sind, weil sie sahen,
+mit welcher Hitze diese ungestümmen Krieger
+auf dem Schutte von Jerusalem die Töchter
+der Sarazenen geschändet haben, und über
+dieß ungehalten über den Anblick, daß das
+Reich der Kakomonade so beschränkt seyn sollte,
+kamen auf den Gedanken, ihr zum Wohnplatze
+Palestinen anzuweisen. Sie wollten
+sie mit dem Aussatze vermengen, der, wie
+man weis, der ganze Nutzen war, den man
+aus den auferbäulichen, aber grausamen
+Feldzügen des zwölften und dreizehnten Jahrhunderts
+davon trug.
+</p>
+<!-- page 051 -->
+
+<p>Der Aussatz war eine kleine Unpäßlichkeit,
+die sich über die Haut verbreitete. Er
+veränderte ihre Farbe, ohne doch Narben
+nachzulassen. Er übersäete die Außenseite des
+Leibes mit grossen Blasen, die in der That
+so weiß waren, wie der schönste Alabaster,
+die aber nur ein heftiges Jücken, und eine
+starke Begierde verursachten sich zu kratzen.
+</p>
+
+<p>Er war weder unter den Griechen, noch
+unter den Römern, weder bei den Galliern,
+noch Deutschen, weder bei den Asiaten,
+Persern, Siriern &amp;c. bekannt; sondern er
+scheint eine ausschließlich eigene Krankheit in
+Palestina gewesen zu seyn. Die Einwohner
+dieses Landes allein sind es, welche die Natur
+selbst mit diesem Vorzuge ausgestattet hatte,
+wobei sie ihnen zugleich das Vermögen
+ließ, ihn den vorwitzigen Proseliten, so, wie
+die Beschneidung, mitzutheilen.
+</p>
+<!-- page 052 -->
+
+<p>Die Juden hatten schon die Gewohnheit,
+unter beständigem Kratzen, in die verschiedenen
+Gegenden der Welt herum handeln zu
+gehen; allein sie scheinen nichts außer ihren
+Waaren unterlassen zu haben. Sie waren
+schon damal eben so säuisch, eben solche Wucherer,
+eben so verachtet, wie sie es heutiges
+Tages sind. Sie waren die einzigen, denen die
+Religion aus der Reinlichkeit eine Pflicht
+machte. Sie waren die einzigen, die sie vernachläßigten;
+und nur bey ihnen allein auch
+fand man Menschen, welche mit weissen Flecken,
+die den Kützel reizten, überdecket
+waren.
+</p>
+
+<p>Entgegengesetzte Sitten sicherten die
+Fremden vor den Folgen, welche ein ordentlicher
+Umgang mit dieser Nation haben könnte<a id="corr-2"></a>;
+Die Römer verbrannten den Tempel,
+erwürgten die Priester, schleiften Jerusalem,
+und hatten dennoch keinen Theil an diesem
+Jucken: der häufige Gebrauch des Bades,
+<!-- page 053 -->
+und die Reinlichkeit, auf welche sie grosse Stücken
+hielten, verwahrte sie davor.
+</p>
+
+<p>Sie giengen nach Europa damal über,
+als unsere Vorfahren sich im Jordan zu waschen
+giengen. Sie giengen bei dem Oelberge
+sich die Brust zu schlagen. Sie blieben kurze
+Zeit, aber doch lange genug, um so gut,
+als die Kinder Israel, sich kratzen zu lernen.
+Sie kamen nach Frankreich zurück ganz bedeckt
+mit Palmen und Aussatz.
+</p>
+
+<p>Da sie viel schwitzten, sich selten badeten,
+und ihre Oekonomie ihnen nicht erlaubte,
+öfters ihre grobtüchenen Kleider zu waschen,
+so übermachten sie auf lange Zeit ihrer
+Nachkommenschaft die Gewohnheit, einen
+milchfärbigen Grind an der Haut zu tragen,
+und ihn fein manierlich mit den Fingerspitzen
+zu kratzen. Dieß war damal der Wohlstand
+der Leute von feinerer Welt, wie heut zu
+Tage einen Taback zu präsentiren, oder mit
+den Stockquästchen zu spielen.
+</p>
+<!-- page 054 -->
+
+<p>Der allgemein gewordene Gebrauch der
+Leinwand machte, daß diese kostbare Gewohnheit
+verschwand. Sie erneuert sich nur noch
+an gewissen vorübergehenden Ungemächlichkeiten<a id="corr-3"></a>,
+wie zum Beispiel in der P &mdash; &mdash; &mdash;
+der<a id="corr-4"></a> grössern Gattung. Man könnte sie sehr
+billig für einen Abkömmling, oder wenigstens
+für eine sehr nahe Verwandte des Aussatzes
+halten. Und hiermit ists alles, was uns die
+Geschichte von dieser Krankheit, welche die
+Kreuzzüge in Europa so empor gebracht haben,
+berichtet.
+</p>
+
+<p>Nach den Merkmalen, die sie karakterisiren,
+kann man sie durchaus mit der Kakomonade
+nicht vermengen. Die weissen Flecken, das
+Jucken begleiten diese nicht; und es scheint
+auch nicht, daß sie sie je begleitet haben. Wenn
+diese einiges Jucken verursacht, so ists innerlich,
+und ein wenig an den Lenden; zeigt sie
+sich von außen, und nimmt eine Farbe an,
+so weiß man zur Genüge, daß es nicht die ihrer
+<!-- page 055 -->
+Wesenheit nach der Jungferschaft geheiligte
+Weiße ist.
+</p>
+
+<p>Weiter, so griff der Aussatz nicht die
+Erzeugung an. Wenn er ihr nicht günstig
+war, so ist wenigstens gewiß, daß er ihr keinen
+Schaden that. Es scheint sogar, daß er
+die Zeugungsorgane stärkte. Es gab in dieser
+Zeit Frauen, die es nach jenen der Aussätzigen
+lüsterte, und man sah sich das Sprichwort
+bewähren, das Sprichwort: Unglück
+ist doch zu etwas gut.
+</p>
+
+<p>Man liest in einem gereimten Gedichte
+des zwölften Jahrhunderts diese zween
+Verse:
+</p>
+
+<div class="poem">
+<p class="line">Felix, atque ortu vere dicenda beato,</p>
+<p class="line">Vivere quæ potuit leproso juncta marito.</p>
+</div>
+
+<p class="noindent">Indessen das Gesetz verordnete, diese armen
+Leute aus ihrem Hause zu jagen, bestrebte
+sich so die Natur, ihnen die Mittel zu bieten,
+<!-- page 056 -->
+wie sie da mit Ehren bleiben konnten.
+Dieß ist nicht das einzigemal, wo die Gesetze
+und die Natur sich mit einander im Widerspruche
+fanden.
+</p>
+
+<p>Ein sehr berühmter Arzt hat durch einen
+schönen Schluß erwiesen, daß von dem Aussatze
+diese Wirkung nothwendig erfolgen müsse.
+Die Kakomonade hat diesen Vortheil bei
+weitem nicht. Man kann also schließen, daß
+sie miteinander nichts gemein haben.
+</p>
+
+<p>Die einzige Aehnlichkeit, die ich an ihnen
+sehe, ist, daß sie alle beide nach eben so
+ungerechten, als blutigen Feldzügen in Europa
+überpflanzet worden sind. Die Kreuzzüge,
+und die Verheerung der Insel Hispaniola
+sind die Epochen der zwoen größten Plagen,
+mit denen das Menschengeschlecht seit
+der Erbsünde her in Europa heimgesucht worden
+ist. Es scheint, ob hätte die Natur den
+Ländern, die wir usurpiren wollten, vorsetzlich
+<!-- page 057 -->
+um uns zu strafen etwas mitgetheilet,
+womit sie das Blut ihrer unbarmherzigen Eroberer
+anpesten sollten.
+</p>
+
+<p>Dennoch wird uns dieß Beispiel nicht
+bessern. Man spricht von unentdeckten Ländern,
+von neuen noch unbekannten Welten
+an der Süderseite. Der Geiz ist auf dieses
+ihm so schmeichelhafte Gerücht schon aufgewacht.
+Man hat sich gewagt, sie zu suchen.
+Die Nebel, und vielleicht das Mitleid der
+Vorsicht haben uns ihnen bisher entzogen.
+Man darf alles welten; wenn wir sie je entdecken,
+so führen wir dort unsere Habsucht,
+und unsere Grausamkeit ein, und sie beschenken
+uns zur Wiedervergeltung mit einer dritten
+Plage, womit wir sehr sorgfältiglich unser
+Klima zu bereichern suchen werden.
+</p>
+
+<p>Dem sei, wie ihm wolle; aus dem Vorhergehenden
+sieht man übrigens, daß die Kakomonade
+in Rücksicht unser kein gar grosses
+<!-- page 058 -->
+Alterthum hat. Wie sehr man sich auch bestrebt,
+die Ehre ihrer Geburt den frühern Jahrhunderten
+zuzueignen; so setzen sich Vernunft und
+Wahrheit dagegen. Alle Vernünfteleien, und
+alle Erzählungen in dieser Hinsicht sind falsch.
+Keine ist gegründet, außer derjenigen, welche
+die Rückkunft des Christophorus Kolumbus
+in Europa als den Zeitpunkt angiebt,
+in welchem die Vergnügungen der Liebe da
+gefährlich zu werden begannen.
+</p>
+<!-- page 059 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-9">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Siebentes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Ob gewisse Vorschriften, die eine große
+Königinn einem ordentlichen
+Hause gab, die vorstehende Behauptung
+über die Epoche der
+Kakomonade umstossen können?</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">B</span>ei der Unternehmung dieses wahrheitvollen
+Werkes machte ich mir die genaueste
+Aufrichtigkeit zum Gesetze. Daher muß ich
+selbst jene Dinge anführen, die meinem Sisteme
+entgegen zu stehen scheinen. Nun
+scheint dieß durch gewisse Vorschriften erschüttert,
+die um das Ende des vierzehnten
+Jahrhunderts von einer großen tugendvollen
+Königinn einem erbaulichen Hause gegeben
+worden sind. Ich hielt für gut, sie
+<!-- page 060 -->
+vollständig anzuführen, damit jene, die etwa
+versucht werden möchten, sie zu lesen,
+sich desto besser unterrichten könnten.
+</p>
+
+<h3 class="sub">Vorschriften, welche die Königinn
+Johanna die Erste, Königinn
+beider Sizilien, und Gräfinn von
+Provence einem Mädchenkloster
+zu Avignon gegeben hat.</h3>
+
+<h3 class="no">1.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">I</span>m Jahre tausend dreihundert sieben und
+vierzig hat unsere gute Königinn Johanna
+erlaubet, in Avignon ein B &mdash; &mdash; &mdash; zu erbauen.
+Sie will nicht, daß alle galanten
+Weibsleute sich in der Stadt ausbreiten; sondern
+sie befiehlt, sich in dem Hause verschlossen
+in halten, und, um kennbar zu seyn, auf
+<!-- page 061 -->
+der linken Achsel ein rothes Nestel zu tragen.
+</p>
+
+<h3 class="no">2.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: Wenn einem Mädchen eine
+Schwachheit zustieß, und sie sich mehrere erlauben
+will, so soll der erste Gerichtsdiener
+sie, unter dem Arme bei dem Schlage der
+Trommel mit dem rothen Nestel auf der
+Achsel, durch die Stadt führen, und sie zu
+den übrigen in das Haus einquartiren; Er
+soll ihr verbieten, sich außer dem Hause in
+der Stadt sehen zu lassen, unter der Strafe,
+daß sie das erstemal heimlich gepeitscht,
+das zweitemal öffentlich gepeitscht, und auf
+den Schub gegeben werden würde.
+</p>
+
+<h3 class="no">3.</h3>
+
+<p class="noindent">Unsere gute Königinn befiehlt, das
+Haus soll in der Gasse der gebrochenen Brücke,
+nahe am Kloster der Augustinerbrüder
+<!-- page 062 -->
+bis zum steinernen Thore erbauet werden,
+und an der nämlichen Seite eine Thüre haben,
+wo Jedermann hindurchgehen, die
+man aber doch mit einem Schlüssel versperren,
+könne, damit die Jugend die Mädchen
+nicht zu besuchen vermöge, außer mit der Erlaubniß
+der Äbtissinn, oder Vorsteherinn, die
+alle Jahre durch die Bürgermeister ernennt
+werden soll. Sie soll die Jugend ermahnen,
+kein Aufsehens zu machen, und die Mädchen
+nicht zu kränken. Sonst würde sie, bei der
+mindesten Klage, die sich gegen sie erheben
+würde, mit dem Schritte aus dem Haufe,
+durch den Gerichtsdiener in Verhaft geführet
+werden.
+</p>
+
+<h3 class="no">4.</h3>
+
+<p class="noindent">Die Königinn will, daß alle Sonnabende
+die Superiorinn, und ein von den
+Bürgermeistern abgeschickter Barbier alle
+Mädchen, die sich in dem B &mdash; &mdash; &mdash; befinden
+<!-- page 063 -->
+werden, visitiren soll; und findet
+sich eine darunter, für welche dieß Metier
+verdrüßliche Folgen gehabt hat; so soll diese
+von den andern abgesondert, sie soll in einem
+abgelegenen Orte eingewohnt werden,
+damit Niemand zu ihr könne, und man
+bei der Jugend gewisse Zufälle verhüte.
+</p>
+
+<h3 class="no">5.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: So sich ein Mädchen fände,
+das schwanger würde, da soll die Vorsteherinn
+wachen, daß sie ihre Frucht nicht abtreibe;
+auch soll sie die Bürgermeister davon
+berichten, damit sie das Kind versorgen.
+</p>
+
+<h3 class="no">6.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: Die Vorsteherinn soll am Charfreitag,
+und Charsamstag, wie auch an dem
+glorreichen heiligen Ostertag Niemanden
+den Eintritt in das Haus gestatten, bei
+<!-- page 064 -->
+Strafe der Kassazion, und öffentlichen Stäupung.
+</p>
+
+<h3 class="no">7.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: Die Königinn will, daß die
+Mädchen alle unter einander ohne Zänkereien
+und ohne Eifersucht leben; daß sie sich
+nichts entwenden, und sich nicht raufen,
+sondern sich wie Schwestern lieben sollen.
+So eine Klage entsteht, so hat die Vorsteherinn
+sie unter sich zu vergleichen, und sie
+sollen schuldig seyn, auf ihren Ausspruch
+sich zu beruhigen.
+</p>
+
+<h3 class="no">8.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: So ein Mädchen einen Diebstahl
+begangen hat, da soll die Vorsteherinn
+sie das Gestohlene in Güte zurückgeben heißen.
+Sollte sich die Diebinn der Zurückgabe
+weigern, so wird sie das erstemal von einem
+Gerichtsdiener auf einem Zimmer, im
+<!-- page 065 -->
+Rückfalle aber durch den Scharfrichter in der
+ganzen Stadt gestäupet werden.
+</p>
+
+<h3 class="no">9.</h3>
+
+<p class="noindent">Item: Die Vorsteherinn soll keinen Juden
+annehmen. Im Falle sich einer fände,
+der sich durch List hineinstähle, und mit einem
+der Mädchen bekannt wäre, der soll
+eingezogen, und dann öffentlich durch die
+Stadt gepeitschet werden.
+</p>
+
+<p class="tb">&nbsp;</p>
+
+<p class="noindent">Wenn man den letzten Artikel liest,
+so kann man nicht genug die Delikatesse des
+Sammlers der Gesetze bewundern. Er
+wollte die ungläubigen Juden eines Hilfsmittels
+berauben, welches für die gläubigen
+Christen bereitet war. Vielleicht wollte
+er diese verirrten Unglücklichen wie wilde
+Thiere behandeln, die man mit Hunger
+<!-- page 066 -->
+und Durst bändiget. Das wäre ein seltsamer
+Weg, sie in den Schooß der Kirche zu
+führen. Doch, man weis es ja; es gab
+Jahrhunderte, wo man allerhand Wege einschlug,
+um das Herz des Menschen zu unterjochen.
+</p>
+
+<p>Wie Johanna diese so nützliche Einrichtung
+machte, mochte sie beiläufig drei und zwanzig
+Jahre haben. Vielleicht wird man schwer
+glauben wollen, daß eine Prinzessinn von
+diesem Alter darauf bedacht gewesen sey,
+sich zur Gesetzgeberinn einer derlei Stiftung
+zu machen. Aber, wenn man dabei bedenkt,
+daß diese schöne Königinn damal schon einen
+Ehemann, der ihr mißfiel, aufhängen ließ;
+daß sie dreien anderen, derer sie nach und
+nach müde ward, das nämliche Schicksal
+bestimmte; daß sie in der großen, Kunst,
+sich so von eckelhaften Männern zu befreien,
+keine ihres Gleichen hatte, als die Königinn
+Maria Stuard, deren Tod den Umstehenden
+<!-- page 067 -->
+Thränen erzwang, und die ganze Christenheit
+auferbaute: &mdash; so wird man weniger
+erstaunen, daß sich Johanna so frühzeitig
+mit den Vergnügungen ihrer Unterthanen
+beschäfftigt habe.
+</p>
+
+<p>Uibrigens waren die Gesetze, denen sie
+die Werkzeuge derselben unterwarf, sehr weise;
+und es wäre zu wünschen, daß man sie
+überall annähme, und daß unter andern die
+Visitation nicht vergessen würde. Denn die
+menschliche Schwachheit scheint einmal doch
+von den Fürsten einige Nachsicht, besonders
+aber ihre Aufmerksamkeit auf die Erleichterung,
+die man ihr bereitet, zu erheischen.
+Und sie sind auch im Gewissen verbunden,
+sorgfältig zu wachen, um bei der Jugend gewisse
+Zufälle zu verhüten.
+</p>
+
+<p>Diese Untersuchung scheint dem, was
+ich bisher gesagt, zu widersprechen, und die
+Epoche der Kakomonade früher anzusetzen.
+<!-- page 068 -->
+Wenn man schon seit dem vierzehnten Jahrhunderte
+mit den öffentlichen Lustmädchen
+sich in Acht nehmen mußte, so folgt daraus,
+daß auch ihre Waare schon eine koagulirende
+oder korrosive Wirkung an sich hatte. Und
+so könnte man vermuthen, daß sie schon seit
+jener Zeit der Unbequemlichkeit unterworfen
+waren, die hier der Gegenstand unsrer tiefsinnigsten
+Untersuchungen sind.
+</p>
+
+<p>Unterdessen sieht man, wenn man es
+recht erwägt, daß aus diesem Zuge der Geschichte
+sich gegen meine Grundsätze kein
+Widerspruch ergiebt. Bürge dafür ist
+mir der hochgelehrte Arzt, der mir einen
+Theil der seltsamen Bemerkungen an die
+Hand gab, mit denen mein Buch bereichert
+ist. Er beweiset bis zur Evidenz, daß der
+vierte Artikel der Königinn Johanna jene,
+die mit mir gleich denken, nicht aus der
+Fassung bringen darf. Vor dem fünfzehnten
+Jahrhundert konnten die Gegenstände
+<!-- page 069 -->
+der Zärtlichkeit dieser schönen Königinn andern
+Ungemachen ausgesetzt seyn, als diejenigen
+sind, die durch eine unbekannte Ursache
+auf San Domingo hervorgebracht wurden.
+</p>
+
+<p>Man weis zur Gnüge, daß auch noch
+in unsern Tagen die Kakomonade nicht die
+einzige gefährliche Macht ist, welche an solchen
+Orten, wie jene waren, die die Gräfinn
+von Avignon in ihren Schutz nahm,
+herrschet. Nichts also kann die Feste meiner
+Grundsätze erschüttern. Es ist evident,
+daß bis zum Ende des fünfzehnten Jahrhunderts
+die Vergnügungen wenig ansteckend
+waren. Man konnte sich ihnen noch ohne
+viele Furcht überlassen, als ein Italiäner es
+für gut fand, die Kakomonade Europen,
+und durch Europen der ganzen Welt mitzutheilen.
+</p>
+<!-- page 070 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-10">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Achtes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Einführung der Kakomonade in Europa,
+und in Frankreich.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">D</span>reihundert Jahre sind es, daß uns ein
+Genueser das Glück verschaffte, Amerika zu
+kennen. Man ist nicht im Stande, sich genug
+bei den Vortheilen aufzuhalten, die uns
+daraus zugeflossen sind. Diese Entdeckung
+brachte uns das Vergnügen zu Wege, auf unsern
+Kleidern Tressen zu tragen, und um das
+Dreifache mehr für das Brod &mdash; zu bezahlen.
+Seit diesem glücklichen Augenblicke
+ists, daß unsre Frauenzimmer Papageien,
+und unsre Matrosen den Scharbock haben.
+Seit dieser Zeit fand man sich in Europa in
+den Stand gesetzt, Jahr für Jahr nach allen
+Regeln zweimal hundert tausend Menschen
+<!-- page 071 -->
+zu erwürgen, anstatt, daß zuvor die durch
+das Kriegs- und Völkerrecht gesetzgekräftigten
+Massakres sich höchstens auf beiläufig
+sechzig tausend beliefen.
+</p>
+
+<p>Das erste Schiff, welches so, mit den
+Produkten der neuen Welt befrachtet, in
+Spanien anlandete, erregte da ein allgemeines
+Erstaunen. Man ward nicht müde, die
+Helden zu bewundern, welche so weit her,
+und mitten durch so große Gefahren, neue
+Quellen für die Glückseligkeit des Menschengeschlechtes
+geholet hatten. Man ward entzückt,
+da man die Frucht ihrer Arbeiten erblickte.
+</p>
+
+<p>Auf dem Verdecke, und an den für das
+Auge angenehmsten Orten nahm man kurze
+Gewänder von rothen Federn wahr, die mit
+dem Blute der Indianer gemalet waren;
+Ohrringe, an denen die Spitzen der Ohren
+hiengen, von denen man sie abgerissen hatte;
+<!-- page 072 -->
+Ringe, die man sammt den Fingern
+ihrer vormaligen Besitzer mit übergeführet
+hatte; goldne Nasenringe sammt den Nasen,
+die lange Zeit damit sich gebrüstet hatten.
+</p>
+
+<p>Die Argonauten des sechszehnten Jahrhunderts
+pochten mehr auf Muth, als auf
+Geduld, um sich desto geschwinder den
+Schmuck der Karaiben zuzueignen, raubten
+sie mit einem den Schmuck, und den Theil
+des Körpers, an dem er befestiget war, ab.
+Alles, was die Ehre hatte, mit Golde bedeckt
+zu seyn, blieb sammt seiner Zierde unter
+den Händen der Sieger. Dieß geschah,
+um die Zeit zu ersparen, mit welcher die
+Eroberer aller Jahrhunderte gewaltig geizten.
+Diese Oekonomie both eine überflüssige
+Ladung für ein Schiff, das nach Spanien
+kam, um da die Beute aus einem andern
+Welttheile auszukramen.
+</p>
+<!-- page 073 -->
+
+<p>Während dieses Schauspiel alle Augen
+auf sich zog, ward man der Kakomonade,
+die hinter so vielen kostbaren Gepäcken verborgen
+lag, nicht gewahr. Sie machte sich
+fertig, festen Fuß zu fassen, und wählte sich
+schon ihre Wohnungen mitten unter dem
+Haufen, der sie umgab. Sie hatte sich bald
+ausgeschifft, und folgte dem Christoph und
+Martin Kolumbus bis nach Hofe, wo eine
+tugendhafte Königinn, Namens Isabelle,
+den Thron besaß, von dem sie so eben ihren
+Bruder herabgestossen hatte.
+</p>
+
+<p>Diese weise Prinzessinn mit ihrem Gemahle,
+dem aufrichtigen, großmüthigen
+Ferdinand dem Katholischen, hatte dem Könige
+von Neapel, ihrem Blutsfreunde geschworen,
+ihn zu beschützen. In der Folge
+fanden sie, daß es edler, anständiger, und
+gerechter wäre, ihn auszuplündern. Sie
+ließen also zu Barzellona zu diesem Felszuge
+ihre Trouppen die Schiffe besteigen.
+</p>
+<!-- page 074 -->
+
+<p>Die Trouppen giengen unter Seegel
+mit einer ganz neuen Gattung von Provisionen.
+Einen Hauptartikel davon machte
+die Kakomonade, ob sie gleich in die Verzeichnisse
+der Proviantmeister nicht eingetragen
+war. Sie reiste zu gleicher Zeit mit der
+Armee. In Italien, dessen Landesgebräuche
+ihr nicht günstig waren, machte sie Anfangs
+schlechte Progressen. Aber zu ihrem
+Glücke hatte sich Karl der Achte in den Kopf
+gesetzt, den heiligen Vater Alexander den
+Sechsten zu Rom zu besuchen.
+</p>
+
+<p>Jedermann weis, wie unnütz, und
+prächtig dieser Feldzug war. Die französischen
+Ritter entwickelten da den wunderbarsten
+und fruchtlosesten Heldenmuth. Reißenden
+Fluges brachten sie Mailand, Florenz,
+Rom, Neapel, und die Kakomonade
+an sich; aber von allen Eroberungen,
+war diese letzte, die sie am liebsten aufgegeben
+hätten, die einzige, die ihnen blieb.
+<!-- page 075 -->
+Bei ihrer Heimkehr, überpflanzten sie sie in
+ihr Vaterland, wo die französische Galanterie
+sie mit allen Ehren empfieng; und dieß
+war beinah der einzige Nutzen, der unsern
+Verfahren aus einem so herrlichen Feldzuge
+zufloß.
+</p>
+<!-- page 076 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-11">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Neuntes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Verschiedene Reisen der Kakomonade.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">I</span>ndessen die alte Bewohnerinn von Amerika
+sich so unter dem Gefolge einer Menge
+wackerer Krieger den Eingang in Frankreich
+öfnete; entwischte sie von Zeit zu Zeit, um
+auch in den übrigen Theilen der Erde Kolonien
+anzulegen. Sie schwamm die Rhone
+hinunter um in der Themse zu ankern. Sie
+maß die Pireneen zurück, um queer durch Spanien
+in Portugal zu eilen. Sie schifte sich
+zu Lisabon ein, um von Goa Besitz zu nehmen,
+den sie gemeinschaftlich mit der heiligen
+Inquisition noch behauptet.
+</p>
+
+<p>Von Kadix reiste sie nach Fez in Mauritanien
+mit einigen Juden oder Mahometanern,
+<!-- page 077 -->
+welche der religiose Ferdinand, der
+Katholische in seinem Reiche nicht dulden
+wollte. Sie drang mitten durch die Sandberge
+von Afrika bis zur Zone torrida ein.
+Sie wagte sich ohne Furcht unter jene schrecklichen
+Weiber der melindischen Küste. Sie
+breitete sich aus von dem Ursprunge des Senegal
+an bis zur Kafferei, und von Monomotapa
+bis an die Mündung des Nil. Sie
+wurzelte überall mit den Jesuiten, die dem
+ungeachtet nicht ihre eifrigsten Missionarien
+waren. Unermüdet, wie sie, aber in einer
+andern Art, faßte sie geschwinder als sie in
+den beträchtlichsten Wechselstuben Fuß. Sie
+hinterließ einsichtige Faktoren, die sichs angelegen
+hielten, die Anzahl ihrer lockeren
+Gesellen zu vermehren.
+</p>
+
+<p>Mit mehr Bequemlichkeit begab sie sich
+durch Marseille nach Syrien und Aegypten.
+Sie durchsuchte<a id="corr-5"></a> die morgenländischen Handelsplätze.
+Die eisernen Gitter am Serail machten
+<!-- page 078 -->
+sie knirschen vor Zorn. Röthe überzog
+ihr das Gesicht bei dem Anblicke von einem
+Haufen Menschengestalten, die, nicht nur unfähig
+sie mitzutheilen, sie nicht einmal anzunehmen
+im Stande waren. Unterdessen fand
+sie doch mittels der miethbaren Zirkassierinnen,
+die hier nicht seltner, als anderswo
+sind, und mit denen das Gesetz Mahomets
+den Umgang den Unbeschnittenen eben sowohl
+als den Gläubigen gestattet, einen Eingang
+bis zu den<a id="corr-6"></a> stolzen Muselmännern von der
+Sekte Omars.
+</p>
+
+<p>Liebreich übersetzten sie diese zu den Ketzern
+von der Sekte des Aly, welche sie führten
+zu den Unterthanen des Mogul, die da
+anbeten den Brama und den Visthnu, welche
+sich Mühe gaben, sie mit Binsen zu versehen,
+um sie nach Makao und Nangazoni
+zu den Theologen des Fo und des Kaka zu
+übersetzen.
+</p>
+<!-- page 079 -->
+
+<p>Auf ihrem Wege stieß sie an die Küste
+von Malabar. Sie nahm in den Philippinen
+und Moluken unter dem Schatten der Ananas
+und Kokusbäume Erfrischungen zu sich.
+Sie nährte sich da von Mußkatnißen, und
+Zimmet. Nachdem sie so die Ende der Welt
+durchwandert hatte, betrachtete sie mit Bewunderung
+den weiten Bezirk ihrer Macht.
+</p>
+
+<p>Es giebt, sagte sie mit Entzücken, rothe
+und erzfärbige, milch- und pomeranzenfärbige,
+aschgraue und kohlschwarze Menschen,
+und all das gehört mein.
+</p>
+
+<p>Man findet ihrer, die mit dem Safte
+von Trauben, von Aepfeln oder von Gerste,
+der durch die Gährung sauerte, sich berauschen;
+andere, die mit eben diesem Safte,
+den sie durch das Feuer distilliren, sich leckerhaft
+vergiften; andere die einen braunen,
+und ungesunden Staub in die Nase stopfen;
+andere, die mit Baumblättern Kalk fressen;
+<!-- page 080 -->
+andere, die ihre Nachbarn stäupen, oder erwürgen
+lassen; und all das gehört mein.
+</p>
+
+<p>Man sieht Weibsleute, die sich kaleinirtes
+Bley über das Gesicht schmieren; andre,
+die sich die Wangen, oder Arme mit Indigo,
+färben; andere, die ihren Hals zeigen;
+andere, die nichts, als allein ihren Hintern
+bloß tragen; andere, die sich parfümiren,
+und frisiren, um Liebhaber an sich zu locken;
+andere, die dieselben, wenn sie sich zu gewissen
+Zeiten bei ihnen aufhalten, mit der Pest
+beschenken; und all das gehört mein.
+</p>
+
+<p>O tapfrer und berühmter Christoph Kolumbus!
+o ihr meine getreuen, und vielgeliebten
+Kastilianer! ewiger Segen sey mit
+euch, die ihr mein Geschlecht, wie den Sand
+am Meere, und meine Nachkommenschaft
+wie die Sterne am Himmel vermehret habt.
+Mögen die Schätze, des Potosi für euch so
+unerschöpflich werden, wie die meinigen!
+<!-- page 081 -->
+möchtet ihr unaufhörlich eben so die Stützen
+meines Reiches seyn können, wie ihr die ersten
+Verbreiter desselben waret!
+</p>
+
+<p>Nachdem sie sich so von ihrer Dankbarkeit,
+und von ihren Eroberungen Rechenschaft
+gegeben hatte, begab sich die Kakomonade
+auf den Weg, um neue zu machen, oder
+um die alten fester zu gründen; Das Fuhrwerk,
+dessen sie sich bediente, war sanft.
+Kein Wunder, daß sie nach so langwierigen,
+und so schnellen Reisen dennoch
+im Stande war, nach Frankreich zurückzukommen,
+das sie zum Mittelpunkte ihres
+Reiches bestimmet zu haben schien.
+</p>
+
+<p>Man muß nicht vergessen, daß sie bey
+jeder ihrer Wanderschaften die Kleidungsart,
+und den Namen der Nation annahm,
+von welcher sie abreisete. In Frankreich war
+sie eine Neapolitanerinn, zu Neapel und Madrid
+eine Französin, zu Lisabon eine Kastilianerinn,
+<!-- page 082 -->
+zu Nangazaqui eine Portugiesinn,
+zu Ispahan eine Türkinn, und zu Konstantinopel<a href="#footnote-6" id="fnote-6"><sup>6</sup>)</a>
+wieder eine Französinn. Vielleicht
+<!-- page 083 -->
+giebt es nichts so schönes, als der Anblick ist,
+wie sie über Gebirge und Meere setzte, sich
+vom Adamspik auf die Spitzen des Imaus
+schwang, und von den Ufern von Kalifornien
+nach Madagaskar flog. Wir glaubten,
+daß dieses Schauspiel wenigstens sein Kapitel
+verdiente.
+</p>
+
+<!-- page 084 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-12">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Zehntes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Von dem Ursprunge der Perücken.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">W</span>ir sahen die Kakomonade durch eine schöne
+Pforte in Frankreich eingehn. Sie säumte
+nicht, der ganzen Nation Beweise ihrer
+Dankbarkeit zu geben. Sie breitete sich daselbst
+bis zum Uebermaaß aus. Wenn man
+den Geschichtbüchern der damaligen Zeit
+Glauben beimessen will, so nahm sie F &mdash; &mdash;
+E &mdash; &mdash; &mdash; sich zur Seite auf den Thron.
+Es kostete ihn nur fünfhundert Thaler, sein
+Zäpflein, und die Haare. Doch fand er bald
+Ersatz für sein Leisereden, und um sich das
+Haupt wohl zu bedecken.
+</p>
+
+<p>Die erfinderischen Köpfe, womit Frankreich
+von jeher angefüllt war, litten es nicht
+<!-- page 085 -->
+lange, daß ihr König so weit gebracht seyn
+sollte, keine andere Koeffüre, außer einer
+Schafmütze zu haben. Sie machten bald eine
+weit edlere, deren Stof vom Menschen selbst
+genommen war. Geschickte Hände verfertigten
+jene sinnreichen Zöpfe, welche dem
+Werke der Natur nachahmend die schmucklose
+Glatze einer Hirnschaale mit einem Walde
+von Haaren besetzen, die sie selber nicht
+hervorgebracht hat.
+</p>
+
+<p>Es hat Jemand gesagt, wenn ein König
+einäugig wäre, so könnte unter den Hofleuten
+leicht die Mode aufkommen, nur ein
+Aug zu tragen. Das Beispiel F &mdash; E &mdash;
+war nicht so schwer, nachzuahmen. Er hatte
+das Vergnügen, seine Unterthanen in
+die Wette ihm folgen zu sehn. Wenige Zeit
+darauf sah man von der Rhone an bis zur
+Maas keine andern, als falsche Haare, und
+vernahm keine anderen, als erstickte Stimmen.
+</p>
+<!-- page 086 -->
+
+<p>Seit dem hatten wir Könige, welche
+ihr Zäpflein nicht verloren, und derer Stimmen
+sich wieder eingefunden haben; dennoch
+sind die Perücken ungeachtet aller Verfolgung
+der Geistlichkeit geblieben. Diese hoch- und
+wohlehrwürdigen Glieder der Kirche schienen
+lange Zeit über die Unanständigkeit, welche
+sie hervorgebracht hat, entrüstet. Sie untersagten
+allen ihren Dienern den Gebrauch
+derselben, und es ist noch nicht lange, daß
+ein kahlköpfiger Priester nur mit vieler Mühe
+von seinem Erzbischofe die Erlaubniß erhielt,
+sich dieses Hilfsmittels, das erfahrnern
+Personen noch verdächtig scheinen kann,
+unschuldig zu gebrauchen.
+</p>
+
+<p>Die Noth hat in der Folge die Laien
+nachsichtiger gemacht; allein die Mönche haben
+den nicht gar ehrsamen Ursprung der Perücken
+nicht vergessen. Sie sind noch itzt aus
+allen Klöstern verbannt, oder wenigstens
+doch aus jenen, die da einen großen Geruch
+<!-- page 087 -->
+von Regelmässigkeit von sich geben
+wollen.
+</p>
+
+<p>Die Karmeliter, die sich wegen ihres
+Standes, und aus freier Willkühr der
+Keuschheit weihn, duldeten unter sich nicht
+einen Haarschmuck, der seinen Ursprung nicht
+ihr zu danken hat. Die Kapuziner, zufrieden,
+natürliche Haare in ihrem Gesichte zu
+tragen, achteten nicht darauf, sich erborgte
+auf den Kopf zu pflanzen. Die andern Mendikanten,
+der Mässigkeit, und ihrer Regel
+getreu, wie die Franziskaner, oder der Nettigkeit
+ergeben, wie die Baarfüsser &amp;c. wollten
+ein Gut nicht haben, von dem der große
+heilige Franz nie etwas gewußt hat.
+</p>
+
+<p>Vielleicht fürchteten sie, der Gebrauch
+desselben möchte den Verdacht erregen, als
+hätten sie ebenfalls Wundmaalen von einer
+andern Art, als jene ihres verehrungswürdigen
+Patriarchen waren. Vielleicht auch schreckte
+<!-- page 088 -->
+sie der Gebrauch des Kammes ab, dessen
+ein geschorener Kopf entübriget ist. Wenigstens
+ist gewiß, daß sie ohne alle Unruhe
+kunstverständige Barbierer bei den Bäurinnen
+in den Dörfern die Schur vornehmen
+sehn; und wenn sie diese allein, oder abseits
+antreffen, so sind es niemal Haare, was sie
+sich von ihnen erbitten wollen.
+</p>
+
+<p>Indessen war diese ausgemachte Verachtung
+dennoch ihrem Gegenstande nicht schädlich.
+Die Perücken, durch ein königliches
+Bedürfniß veranlaßt, scheinen dadurch in
+den Augen der europäischen Nazionen nur
+veredelt worden zu seyn. Lange Zeit maß
+man ihr Volumen nach der Würde, oder
+Fähigkeit des Gegenstandes ab, welcher sich
+damit schmücken sollte. Vorzüglich bei Hofe
+schätzte man diese Art, den Werth der Menschen
+zu bestimmen, hoch. Man konnte versichert
+seyn, daß eine Masse Haare von drei
+Schuhen in das Gevierte ein erhabneres
+<!-- page 089 -->
+Verdienst ankündigte, als dasjenige war,
+das nur eine Masse von zween Schuhen bestimmte.
+</p>
+
+<p>Diese Zeit war die Zeit unsrer Herrlichkeit.
+Es scheint, als wäre die Ehre unsrer
+gegenwärtigen Reiche, gleich der Stärke
+Samsons, mit geheimnißreichen Zöpfen verbunden
+gewesen, vor denen das Schwert
+Ehrfurcht haben sollte. Wir haben gestattet,
+daß die unheilige Scheere der Philistäer sie
+berührte. Die Mode, als eine zweite Dalila,
+legte ihre Hand an die erhabenen Hüllen,
+welche den Augen des gemeinen Mannes
+die Weisheit, und den Tiefsinn der Bemerkungen
+unsrer Väter entzogen.
+</p>
+
+<p>Man weis auch, was daraus entstanden
+ist. Nach dieser fatalen Operazion wachten
+unsre itzigen Völker auf ohne Stärke, und
+ohne Herzhaftigkeit. Seit dem die kleinen
+Perücken auf den Köpfen sitzen, brachten sie
+<!-- page 090 -->
+denselben nur kleine Einsichten hervor.
+Die leichten Haaraufsätze ließen die Substanz
+evaporiren, welche zuvor die weiten Hauptdecken
+da nährten. Von der Zeit an haben
+sich unsre Gehirnchen volatilisirt, so wie sich
+bei ungeschickten Distillirern die Geister flüssiger
+Körper zerstreuen, wenn der Helm und
+die Distillirflasche nicht recht wohl verpichet
+sind.
+</p>
+
+<p>Das Gebieth der Perücken hat sich also
+vermindert; aber die Macht ihrer Mutter
+hat es sich nicht. Mit jedem Tage sieht man
+noch ihre Fortschritte sich vermehren.
+</p>
+
+<div class="poem">
+<p class="line">Der Arme dessen Hütte Stroh und Rohr bedeckt,</p>
+<p class="line2">Erkennet ihre Macht;</p>
+</div>
+
+<div class="poem">
+<p class="line">Sie wird vom Krieger, nicht vom Thor der Burg verschreckt,</p>
+<p class="line2">Wo der des Königs wacht.</p>
+</div>
+<!-- page 091 -->
+
+<p class="noindent">Aus dem Vorhergesagten sieht man, daß die
+Kakomonade ein gemeinschaftlicher Feind ist,
+wider den man sich zu vereinigen hat. Sie
+macht sich gleich feindlich an den Szepter,
+und an den Hirtenstab. Der Szepter und
+der Hirtenstab also müssen gleich eifrig zusammen
+stehn, sie aus dem Felde zu schlagen.
+Zu diesem Endzwecke hat man schon
+verschiedene Mittel versucht, aber alle wenig
+wirksam, alle unzureichend.
+</p>
+<!-- page 092 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-13">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Eilftes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Hilfsmittel, derer man sich gegen die
+Anfälle der Kakomonade bedient.
+Warum nicht die Aerzte den
+Kampf mit ihr wagen?</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">D</span>ie Geschichte erzählt, daß bei der ersten
+Schlacht zwischen den Römern und Griechen,
+diese, da sie die Sieger blieben, sich zur Unterhaltung
+mit der Untersuchung der Wunden
+beschäftigten, welche ihre Kriegsgenossen,
+die im Gemenge umgekommen waren,
+empfangen hatten. Sie entdeckten gespaltene
+Köpfe, abgehauene Arme, und an Brust,
+und Rücken durchschossene Körper. Die
+Geschichte setzt hinzu, daß so, wie ihre Waffen
+sie nur etwas aufritzten, sie den Gedanken
+<!-- page 093 -->
+nicht aushalten konnten, sich mit Leuten
+zu schlagen, die solche Hiebe austheilten.
+Der bloße Anblick eines italiänischen
+Säbels machte in der Folge sie zittern; und
+dieser Schrecken, trug nicht wenig bei, ganz
+Griechenland der Macht der Römer unterwürfig
+zu machen.
+</p>
+
+<p>Man kann sagen, daß es bei der Ankunft
+unsrer Reisenden das nämliche Bewandniß
+hatte. Die Doktoren hatten sich
+mit den Bürgerinnen unsrer Himmelsstriche
+vertraut. Sie kurirten ohne Anstand die
+Unverdaulichkeiten, die Fieber, und andere
+Krankheiten, welche durch unsere Wehen
+ihre Glücksgüter befestigten. Aber das Vertrauen
+auf ihre Kunst fiel bei dem Anblicke
+eines Gesichtes, wovon Hyppokrates keine
+Züge anatomirt hatte. Bei der Herannäherung
+dieses furchtbaren und unbekannten
+Feindes sah man sie die Flucht ergreifen.
+</p>
+<!-- page 094 -->
+
+<p>Es ist wahr; ihre Gegenwart kündigte
+sich durch etwas schreckliche Zeichen an. Man
+ließ seine Nase im Schnupftuche zurück. Man
+spuckte seine Zunge aus, und die Drüsen,
+die sie stärken. Wenn man einen Stein
+werfen wollte, so erstaunte man, daß man
+seinen Arm hinweggeschleudert habe. Man
+fand sich ganz in den Zustand der Wächter
+des Serails versetzt, denen die Vorsicht der
+Türken das Vermögen nimmt, auch nur den
+Schatten eines Verdachts erregen zu können.
+Man sah eine so schreckliche neue Erscheinung
+als die stärkste Waffe des Todes an. Man
+überredete sich, das Menschengeschlecht sei
+durch diese neue Art, mit der es angegriffen
+wurde, seinem Untergange nahe gebracht.
+</p>
+
+<p>Um das Maaß der Furcht vollzufüllen,
+bildete man sich ein, sie wäre so ansteckend
+als die Pest. Man wußte nicht, daß es nur
+eine Art gäbe, sich ihr auszusetzen, und daß
+<!-- page 095 -->
+man immer die Freiheit hätte, sich davor zu
+verwahren. Das Mißtrauen war in die ganze
+Gesellschaft verbreitet. Jeder zitterte für
+seine Person. Unbarmherzig entfernte man
+sich von den Unglücklichen, die damit geschlagen
+schienen. Gleichzeitige Schriftsteller
+gestehen, daß viele davon, welche man aus
+allgemeiner Furcht verlassen hatte, in der
+Tiefe der Wälder zu Grunde giengen.
+</p>
+
+<p>In dieser allgemeinen Beklommenheit
+verlor die Fakultät ihren Kopf, Eskulap,
+aus seiner Fassung gebracht, hörte auf, Orakelsprüche
+zu geben. Das war keiner jener
+Augenblicke mehr, wo mit lauem Wasser,
+und einem Strome von Beredtsamkeit ein
+Doktor aus der Kraft der Natur sich seine
+Ehre machen konnte. Hier blieb sie in der
+Unthätigkeit; sie wurde auf der Stelle überwältigt.
+Mit großem Geschrei rief sie die
+Kunst zu Hilfe, und die betroffene, gedemüthigte
+Kunst konnte nur ihr unnützes Mitleid
+<!-- page 096 -->
+an sie verschwendet. Es fiel ihr gar
+nicht ein, eine Gegnerinn zu verfolgen, die
+sie sich nicht einmal zu besichtigen wagte.
+</p>
+
+<p>Unterdessen wurde mit der Zeit durch
+die Gewohnheit ans Schauspiel sein Eindruck
+vermindert. Leute ohne Namen, Scharlatane,
+frecher, oder gewinnsüchtiger, als die
+Doktoren, fanden sich zu einem Kampfe ein,
+dessen Sieg sie treflich bereichern müßte.
+Für den Erfolg konnten sie nicht stehen, aber
+wenigstens brachten sie doch die Hofnung
+aufs Geld.
+</p>
+
+<p>Man machte Versuche; man wagte Eintrichterungen
+von Säften; man erholte sich
+bei chymischen Zubereitungen Raths; man
+zog China und Amerika zur Steuer; man
+bannte den Hyppokrates ins Leben; dennoch
+erhielt man keine Kenntnisse, und zankte sich
+schon mit vieler Hitze über die Mittel, sich
+dieselben zu verschaffen.
+</p>
+<!-- page 097 -->
+
+<p>Endlich kam bei dieser Gelegenheit, wie
+bei allen andern, das Ungefähr der Wissenschaft
+zu Hilfe. Man hatte eine flüßige
+Materie unter den Händen, weiß wie Silber,
+und schwerer, als es; aber bekannt,
+durch ihre Eigenschaft, sich an die andern
+Metalle anzuhängen, und selbst unter die
+Metalle gerechnet, ohne daß man viel wußte,
+warum. Niemand konnte sich einfallen
+lassen, daß dieß mit Fette abgetrieben, und
+auf die Haut gelegt, oder mit andern Ingredienzien,
+die seine Wirksamkeit mäßigen
+konnten, vermischt, und zu trinken gegeben,
+den glücklichen Erfolg haben sollte, diese
+Fremdlinginn, deren Aufenthalt ihren Gastfreunden
+so verderblich war, zur Flucht zu
+zwingen.
+</p>
+
+<p>Wirklich behauptet man, daß manche
+sehr erfahrne Araber in einigen Umständen
+sich dessen schon bedienet haben. Sie brauchen
+es, sagt man, um die Läuse zu tödten,
+<!-- page 098 -->
+um die Zittermaale zu vertreiben, um das
+Jücken, und andre Krankheiten der Haut
+zu stillen. Aber in Europa wußte man von
+ihrer Methode nichts. Und hätten auch
+Avicenna, oder Serapion davon geredet, so
+wars darum unsern Vorfahren um nichts
+leichter zu errathen, daß das, was gegen
+die Läuse gut war, es auch gegen die Kakomonade
+sey. Was man übrigens Gewisses
+weis, ist, daß die Entdeckung davon gemacht
+wurde, daß man sie annahm, und daß sie
+von glücklichem Erfolge war.
+</p>
+
+<p>Der Ruf davon säumte nicht, sich zu
+verbreiten. Von allen Seiten nützte man
+es. Das Sonderbare dabei war, daß sich
+die Fakultät mit all ihrer Macht dagegen
+setzte. Es war nicht ihr Wille, daß man
+ein Hilfsmittel suchte. Sie schien nach ihrer
+Gewohnheit nur dazu mit Muthe gewaffnet,
+um das Gefundene zu bekämpfen. Ganz
+Europa erscholl von den Deklamazionen gegen
+<!-- page 099 -->
+dieses nützliche Fluidum, das sie bloß in
+die Barometres verbannet wissen wollte. Es
+stand nicht bei ihr, daß sich nicht die Obrigkeit
+ins Mittel legte, um den Gebrauch davon
+zu verbieten.
+</p>
+
+<p>So sah man die Brechmittel heftig von
+den Vorfahren derjenigen verschrien, die sie
+heut zu Tage verordnen. So donnerte man
+mit der größten Entrüstung wider die Chinarinde,
+wider die Ipekakuana &amp;c. auf eben
+jenen Lehrstühlen, wo man itzt ihre Heilkräfte
+mit Enthusiasmus zergliedert. So
+fand in unsern Tagen unter Leuten, die für
+weise gelten, die Inokulazion unversöhnliche
+Feinde. Zu Doktoren angenommene
+Aerzte haben eine Schrift unterzeichnet, wo
+man sagt, man sollte die Fremden auf ihre
+eigene Gefahr die Probe damit machen
+lassen.
+<!-- page 100 -->
+Schwerlich vielleicht würde man treffendere
+Beispiele von Inkonsequenzen anführen
+können, zu denen Leidenschaft und Stützköpfigkeit
+sogar unterrichtete Leute bringen
+können. Die Mode und Meinung sind in
+allen Dingen die Königinnen der Welt; aber
+das Quecksilber hatte durch seine Nützlichkeit
+gewiß nicht verdient, ihrer Kaprize unterworfen
+zu werden.
+</p>
+
+<p>Man bestritt es nicht lange. Bald
+darauf, nachdem man versucht hatte, ihm
+den Stab zu brechen, sah man sich genötiget,
+es zu gebrauchen. Die Fakultät, von dessen
+Beistand versichert, wollte sich nun wieder
+den Unglücklichen nahen, an denen sie auf
+gewisse Art zur Verrätherinn geworden war.
+Aber der Platz war erobert. Eine Nebenbuhlerinn,
+von ihr lange Zeit verachtet,
+hatte sich des Augenblicks ihres Schreckens
+bemächtigt.
+</p>
+<!-- page 101 -->
+
+<p>Da die Zeichen des Unglücks, dem man
+abhelfen sollte, sich von Aussen zeigten, und
+die herrschende Fakultät sie zu fürchten schien,
+so hatte eine andre, minder furchtsame, und
+thätigere Fakultät sie sich zugeeignet. Diese
+war die Erste, die mit einiger Methode den
+Gebrauch des flüssigen Silbers wagte, das,
+in den Händen der Empiriker, vielleicht eben
+so viel böse, als gute Wirkungen machte.
+Sie bemeisterte sich des Zutrauens des Publikums;
+und als die andern, von ihrem
+Schrecken zurückgekommen, einen Posten,
+mit dem sie schalten zu können glaubten,
+wieder einnehmen wollten, waren ihre Bemühungen
+darum vergeblich.
+</p>
+
+<p>Eine Miene, reicher als die von Peru,
+öffnete sich hier. Die Usurpatoren behielten
+bis auf den heutigen Tag das Recht, beinah
+allein daran zu arbeiten. Die herrschenden
+Doktoren sehen sich mit Verdruß von der
+Quelle so vieler Reichthümer ausgeschlossen.
+<!-- page 102 -->
+Oft versuchen sies, sich dazu hinein zu stehlen;
+aber man gestattet ihnen nicht, die kostbare
+Komposizion zu verfertigen; welche die
+Fremde ihres Thrones beraubt, und das
+Geld der Kranken an sich zieht. Man erlaubt
+ihnen bloß nur, über die Theorie zu
+räsoniren, die nichts einbringt; nur am Einfahrt
+der Mine läßt man sie landen. Man
+gestattet ihnen, die Arbeiten, wenn sie es
+können, aufzuklären; aber das Graben darinnen,
+das allein nur Gewinnst trägt, ist
+ihnen gänzlich untersagt.
+</p>
+
+<h3 class="sub">Nachricht
+der Verleger zum folgenden Kapitel.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">W</span>ir ersuchen delikate Augen vorläufig, das ganze
+folgende Kapitel zu überschlagen, obgleich es
+das lehrreichste im ganzen Werke ist. Ungeachtet
+der Begierde, die Herr Panglos hatte, die Sache
+<!-- page 103 -->
+auf eine ehrbare Art zu verschleyern, so ist
+es ihm vermuthlich nicht möglich gewesen, sie in
+diesem Dialoge zu mildern, wo er uns das Gespräch
+der redenden Personen anführt. Er würde
+gegen die Wahrscheinlichkeit und Wahrheit verstossen
+haben, wenn er an ihren Ausdrücken etwas
+geändert hätte. Dennoch muß man darum
+nicht glauben, daß sie empörend seyn. Sie haben
+nur die in einer ähnlichen Materie unvermeidliche
+Energie. Sies sind mit all der Behutsamkeit behandelt,
+welche man von den zween erlauchten
+Männern, die auf dem Schauplatz erscheinen, erwarten
+kann.
+</p>
+<!-- page 104 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-14">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Zwölftes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Dialog zwischen einem Mandarin,
+und dem Herrn Baron von Donnerstrunkshausen,
+über den Gebrauch
+des Quecksilbers in dem
+Falle, von dem die Rede ist.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">D</span>as Metal, von dem so eben die Rede
+war, ist unstreitig der einzige Damm, den
+man den Einbrüchen der Kakomonade mit Nutzen
+entgegen setzen kann. Es begnügt sich
+sogar nicht damit, daß es ihre weitern Umsichgriffe
+hemmt, sondern es dringt bis zu
+ihrer Quelle ein. Es greift sie an, drängt,
+und entwurzelt sie. Deßwegen ist es auch bei
+weitem dem Golde vorzuziehn, das nicht
+allein die Krankheiten nicht heilt, sondern
+<!-- page 105 -->
+im Gegentheile die Leichtigkeit vermehret,
+sie alle an sich zu bringen.
+</p>
+
+<p>Wenn man die Augen auf den folgenden
+kurzen Dialog wirft, wird man einen Begriff sowohl
+von seiner Wirksamkeit, als von den
+verschiedenen Arten, es zu zubereiten, und
+von ihren Folgen haben. Zween Männer
+führen das Gespräch. Der Eine davon ist
+eine von den litterarischen Magistratspersonen,
+die man in China Kolaos nennt, und
+die sich die Europäer, ohne davon den zureichenden
+Grund zu wissen, beifallen ließen,
+Mandarine zu nennen. Der zweite ist
+der Sohn meines nochgeehrten Herrn, des
+Herrn Baron von Donnerstrunkshausen. Ich
+hatte das Vergnügen, ihn zu Peking wieder
+anzutreffen, im Jahre unser Heils 1761.
+Er fieng da an zu Würden zu steigen. Er
+hatte mit einem Mandarin vom dritten
+Range folgende Unterredung gepflogen, und
+die Güte, sie mir mitzutheilen.
+</p>
+<!-- page 106 -->
+
+<p>Der Mandarin. &mdash; Guten Tag, Eure
+Hochwürden. Ich ließ mich in meiner lakirten,
+unausgezierten Sänfte hieherbringen.
+Ich habe nur bloß dreißig Reuter bei
+mir, und achtzehn Tambours. Haben Sie
+mich entschuldigt darüber, ich wünschte Sie
+inkognito zu sehen.
+</p>
+
+<p>Der Baron. Wären wir wohl so glücklich,
+Eurer Excellenz dienen zu können?
+</p>
+
+<p>Mandarin. Ja, Sie können mir einen
+großen Gefallen thun.
+</p>
+
+<p>Baron. Wollten Dieselben in der pneumatischen
+Maschine eine Katze den Geist aufgeben,
+oder mit der elektrischen Nadel den
+Donner ableiten sehn?
+</p>
+
+<p>Mandarin. Nein, das führte mich nicht
+her.
+</p>
+<!-- page 107 -->
+
+<p>Baron. Wollten Dieselben einiger Ballen
+roher Seide, einiges alten Porzellan
+los werden, und sie nach Europa schicken?
+Es ist hohe Zeit, Eure Excellenz; ich möchte
+es rathen. Sie werden bald im Preise
+fallen, seit dem erfahrne Chimisten dieses
+Geheimniß entdecket haben.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Das kümmert mich gar
+nicht.
+</p>
+
+<p>Baron. Wollten Sie etwa zur Beichte
+gehn, und auf die Fürbitte des heiligen
+Ignazius von Lojola, des seligen Franziskus
+Regis, des großen heiligen Franziskus
+von Gonzaga, der sich eine feuchte Leinwand
+auf die Brust legte, damit ihm von der Liebe
+Gottes sein Herz nicht in Flammen gerieth,
+Verzeihung Ihrer Sünden erhalten?
+</p>
+
+<p>Mandarin. Ei mein! Von all dem will
+ich nichts. Sie sollen mich bloß nur lehren,
+<!-- page 108 -->
+was für eines Geheimnisses Sie in den andern
+Ländern sich bedienen, wenn Sie die
+&mdash; &mdash; &mdash; &mdash; haben.
+</p>
+
+<p>Baron. Ach! ach! Eure Excellenz &mdash;
+Wir! &mdash; Die? &mdash; &mdash; &mdash; Pfuy doch! &mdash;
+</p>
+
+<p>Mandarin. Meiner Treue, Eure Hochwürden,
+ich habe sie, ich, &mdash; wie ich mit Ihnen
+rede. Nichts desto weniger habe ich alle meine
+Prüfungen mit Ehren bestanden. Ich
+ward bei dem grossen Konkurse im ersten Jahre
+der Regierung Fontchins aufgenommen.
+Ich führe den Pinsel so gut als Einer im
+Kaiserthume: der Schönheit meiner Schrift
+bin ich meine Stelle schuldig, und doch habe
+ich die &mdash; &mdash; &mdash; &mdash; Warum sollten nicht auch
+sie sie zuweilen haben?
+</p>
+
+<p>Baron. Aber Eure Excellenz vergessen,
+was für ein Kleid ich zu tragen die Ehre habe.
+Man hat uns wohl in einigen Orten
+<!-- page 109 -->
+vorgeworfen, daß wir dem Menschen viele
+Uibel zufügen; aber eines zu vertrauten Umganges
+mit den Frauenzimmern hat man uns
+nie geziehen.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Bei, meiner Seele! desto
+besser für sie! Daß ich nicht auch immer so
+klug war! So fände ich mich nicht in der
+Verlegenheit, die mir itzt die Ehre Ihrer Gegenwart
+verschaffet. Auf dem letzten Schiffe,
+das Ihnen Purpurtücher, Rosenkränze,
+Uhren, und Orgeln brachte, fand sich ein
+sehr schönes Frauenzimmer. Haben Sie
+nicht von ihr reden gehört?
+</p>
+
+<p>Baron. Kein Wort. Wir kümmern
+uns um so Neuigkeiten nicht. Es maskirt
+sich der Teufel, Eure Excellenz, in dergleichen
+Gesichter.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Mag seyn, aber da ist er
+trefflich verkappt. In dem Augenblicke der
+<!-- page 110 -->
+Ausschiffung befand ich mich eben am Borde.
+Ich sah dieses Frauenzimmer aus der Chalouppe
+steigen. Sie hatte so ein schön
+Stümpfnäschen! Ihre Augenlieder schloß
+sie mit so viel Anmuth! Ihr Mund war so
+schön gespalten, zog sich so angenehm durchschnitten
+von einem Ohre zum andern! Und
+einen Fuß, einen Fuß, Eure Hochwürden!
+&mdash; Mein Daumen hätte ihren ganzen Pantoffel
+ausgefüllt. Ich zweifle, ob man vom
+Flusse der Unmöglichkeit an, bis zum Flusse
+der Vergessenheit, je etwas schöners gesehen
+habe.
+</p>
+
+<p>Baron. Dennoch geht der Raum zwischen
+diesen beiden Flüssen ziemlich in die
+Länge.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Macht nichts. Wie ich
+diesen kleinen Fuß sah, bewunderte ich die
+Oekonomie der Natur. Welche Wonnen,
+sagte ich bei mir selbst, wenn an allen
+<!-- page 111 -->
+Theilen die Verhältnisse genau beobachtet
+sind!
+</p>
+
+<p>Ich wurde bald gewahr, daß die Natur
+dem Falle unterworfen sey, sich zu vergessen,
+und ich wollte wünschen, ich hätte außer
+über diesen Punkt, keine Erfahrung gemacht.
+Die schöne Fremde wurde von einem Bootsknechte
+gehohnneckt. So bald sie wußte,
+ich sey der Gouverneur, bath sie mich um
+Rache. Ich schlug ihr Bedingnisse vor; sie
+nahm sie an. Ich ließ den Bootsknecht abstrafen.
+Ich hielt mich für den glücklichsten
+Menschen. Der arme Teufel hatte die
+P &mdash; &mdash; &mdash;, und ich, geistlicher Vater,
+ich bekam noch viel was ärgers.
+</p>
+
+<p>Baron. Gott straft Eure Excellenz. Er
+will nicht, daß man sich gegen das Weibsvolk
+zu gefällig erzeige. Er hat gesagt: Non
+moechaberis, und Sie leiden billig &mdash; &mdash;
+</p>
+<!-- page 112 -->
+
+<p>Mandarin. Ich weis nicht, geistlicher
+Herr, ob es Gott ist, der mich krank gemacht
+hat; aber das seh ich wohl, daß Menschen
+mich gesund machen müssen. Unsere
+Aerzte wollen mich nicht annehmen; man
+sagt, Sie seyn sehr geschickt; Sind Sie es bis
+auf den Grad, daß Sie mir ein Mittel hierinn
+verrathen können? Ich nehme Ihnen sechs
+und dreißig Dutzend Rosenkränze ab, und
+gebe Ihnen hundert Pfunde Thee Peko, der
+noch nicht gesotten worden seyn soll.
+</p>
+
+<p>Baron. Gut, wollen sehn. Ob wir
+gleich den Krankheiten wenig unterworfen
+sind, so haben wir doch immer allerhand
+Mittel bei uns, so, wie eine Menge anderer
+Dinge, die wir für uns nicht brauchen,
+sondern nur andern zukommen lassen. Hier
+kommts nur darauf an, daß wir eine Heilungsart
+wählen.
+</p>
+<!-- page 113 -->
+
+<p>Mandarin. Mir scheint aber, es wäre
+die bekannteste, und beste anzunehmen.
+</p>
+
+<p>Baron. Das ist bald gesagt; aber halten
+Sie die Wahl für eben so leicht! Von
+allen Arten, die ich kenne, ist keine einzige,
+die nicht durch große Namen, durch starke
+Beispiele, und durch schöne Schlüsse unterstützt,
+und bestritten wäre.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Die Namen, und Schlüsse
+sind nichts. Man muß sich nur an die Beispiele
+halten.
+</p>
+
+<p>Baron. Ja in China. Aber es giebt
+Länder, wo man ganz anders denkt. Wenn
+etwas nur halbwegs nützlich scheint, so fragt
+man sogleich, von wenn das herrühre. Daraus
+zieht man denn in der Folge durch eine
+Kette von Schlüssen den Beweis, daß es
+böse sey; Und giebt man dessen Güte zu,
+so geschieht es immer so spät, als möglich.
+<!-- page 114 -->
+&mdash; Nun, nach welcher Art wollen Sie
+sich behandeln lassen? Durch Frikzionen?
+</p>
+
+<p>Mandarin. Was verstehn Sie dadurch?
+</p>
+
+<p>Baron. Ich nehme ein wenig von jener
+Salbe, die man das Neapolitanum nennt.
+Sie besteht aus Fette, und Merkurius.
+Damit reibe ich Ihnen alle Tage einen gewissen
+Theil des Leibes. Nach vierzig Tagen
+werden sie sich mit einer ölichten Rinde
+überzogen finden, von der Ferse an bis über
+die Achsel, und vom Schulterbeine bis an
+die Fingerspitzen. Sie werden fett, stinkend,
+sich selbst unerträglich seyn.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Aber doch endlich genesen?
+</p>
+
+<p>Baron. Man darf es hoffen.
+</p>
+<!-- page 115 -->
+
+<p>Mandarin. Ist keine Inkonvenienz dabei
+zu fürchten?
+</p>
+
+<p>Baron. Sie vergeben. Ihr Kopf wird
+ungeheuer anschwellen; ihre Zähne werden
+locker werden, und vielleicht ausfallen. Ihr
+Zahnfleisch und die Gurgel werden voll Geschwäre
+seyn. Sie werden eine schreckliche
+Menge Speichel von sich geben. Sie können
+dabei um ein Aug, um einen Arm, um
+ein Bein, oder um das Zäpflein<a href="#footnote-7" id="fnote-7"><sup>7</sup>)</a> kommen,
+wie der höchstheilige König F &mdash; &mdash; E &mdash; &mdash;
+glorreichen Andenkens, und viele andere,
+die, bei weniger Ruhm, kein besseres Glück
+genossen.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Lieber Pater! Ich bedanke
+mich für die Frikzionen.
+</p>
+
+<!-- page 116 -->
+
+<p>Baron. Man könnte sie mäßigen, und
+sie ihnen nur verlöschend beibringen. Man
+müßte Sie immer frottiren, aber sparsamer.
+Sie müßten mir manchmal Milch nehmen,
+um die Wirkung des Merkurs, wenn sie zu
+stark wäre, aufzuhalten. Sie werden weniger,
+spucken, weniger geschwellen, weniger
+stinken. Dieß ist bequemer.
+</p>
+
+<p>Mandarin. In eine Gefahr dabei?
+</p>
+
+<p>Baron. Die größte wäre, daß Sie
+nicht gesund würden.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Oh! oh!
+</p>
+
+<p>Baron. Ohne Widerspruch. Je sanfter
+die Arztnei seyn wird, desto weniger
+wird sie wirken. Die wohlthätigen Kügelchen
+werden in die vom Gifte schwangern
+Theile nicht so tief eindringen können. Dieses
+darf nur ein wenig überflüssig seyn, so
+<!-- page 117 -->
+wird genug davon zurücke bleiben, um Sie
+bald noch ärger zuzurichten, als Sie es sind.
+Fünf oder sechs Jahre nach einigen leichten
+Tagen werden Sie sich neuerdings krank
+befinden, wie ein sehr geschickter Professor
+der Beredtsamkeit an der Universität zu Paris
+sich irgendwo ausdrückt.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Das ist traurig! Ach, mein
+Freund! wer hätte dieß bei dem Anblicke eines
+so kleinen Fusses gesagt?
+</p>
+
+<p>Baron. Reden Sie von ihm nichts Böses:
+nicht er wars, der Sie verwundet hat.
+&mdash; Uibrigens verzweifeln sie nicht. Sie
+könnten auch versuchen, sich zu räuchern.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Wie geschieht dieß?
+</p>
+
+<p>Baron. Sie müßten sich ganz nackt in
+eine Schachtel von Tannenholz setzen, die
+wohl verschlossen würde, und wo Ihnen nur
+<!-- page 118 -->
+der Kopf heraus stünde. Unter das Gesäß
+würde Ihnen eine Glutpfanne mit lebendigen
+Kohlen und Merkurius darauf gesetzt.
+Diese durch das Feuer volatilisirte, und
+durch die Maschine, und einen sie überdeckenden
+großen Mantel rund um Sie zurückgehaltene
+Flüssigkeit würde Ihnen nach und
+nach in die Poros eindringen. Sie würden
+sehr schwitzen, und vielleicht würden Sie
+sich endlich geheilet finden. Man weis Leute,
+denen diese Methode zu Statten kam.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Mir behagt sie nicht. &mdash; &mdash;
+Aber es ist doch sonderbar: Sie sind so ein
+geschickter Mann, und alle Ihre Geheimnisse
+laufen darauf hinaus, Einem den Kopf
+geschwollen zu machen, oder nur eine ungewisse
+Genesung zu verschaffen, oder eine
+Glutpfanne unter den Arsch zu setzen.
+</p>
+
+<p>Baron. Halten Sie, ich bin noch nicht
+fertig. Man könnte Ihnen Panaces, und
+<!-- page 119 -->
+verschiedene Mineralien brauchen; man könnte
+Ihnen einen aufgelösten Merkur, oder
+Gold- und Silbertinkturen geben. Dieß
+alles habe ich nicht: aber unser Bruder
+Apotheker wird Ihnen die Sache machen,
+wenn Sie wollen.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Ei zum Plunder lassen
+Sie das, was man thun könnte, bei Seite,
+und sagen Sie mir, was ich thun soll.
+</p>
+
+<p>Baron. Wollen Sie sich mir vertrauen?
+Sie sehen dieses kleine rothe Schächtelchen<a id="corr-7"></a>;
+an Ihrer Stelle würde ich mich an dieses
+halten.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Es sind eine Menge graue
+Kügelchen darinnen. Wie heißen Sie die?
+</p>
+
+<p>Baron. In Europa nennt man sie Kaiserpillen.
+Herr Kaiser ist ein deutscher Praktikus,
+und mein Landsmann, der eine ganz
+<!-- page 120 -->
+neue Komposition gegen die Krankheit, über
+die Sie sich beklagen, erfunden hat. Glauben
+Sie mir, und brauchen Sie sein Rezept.
+Ich will Ihnen dazu die Anleitung geben,
+und Sie werden sicher genesen.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Sind Sie dessen auch gewiß?
+</p>
+
+<p>Baron. So gewiß, daß ich die hundert
+Pfunde Thee nur erst nach Ihrer Herstellung
+verlange.
+</p>
+
+<p>Mandarin. Ich verlasse mich auf Ihr
+Wort. Ich will mich an die rothen Schächtelchen
+halten. Wohlan, ich will meine
+Kur auf der Stelle anfangen. Sie haben
+von meiner Erkenntlichkeit Alles zu erwarten.
+</p>
+<!-- page 121 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-15">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Dreizehntes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Erstaunliche Progressen der Kakomonade.
+Mittel, sich ihrer zu entledigen.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">M</span>an hat hier oben gesehen, daß die Gesellen
+Seiner Hochwürden des Herrn Baron
+von Donnerstrunkshausen, das Geheimniß
+und den Namen des Herrn Kaiser mit dem
+Blitzpulver, den Agnus Dei, und den Bataverthränen
+bis in China brachten. Man
+hörte ihn in wenig Worten diesen so berufenen
+Pillen ihre Lobrede halten, und seinem
+Proseliten ihren Gebrauch anempfehlen.
+Dieß scheint ein Bißchen demjenigen zu widersprechen,
+was wir im zehnten Kapitel
+sagten. Da findet man, daß alle ersonnenen
+<!-- page 122 -->
+Hilfsmittel sehr wenig ergiebig, und
+unzureichend seyn.
+</p>
+
+<p>Allein wir sprachen von ihrer Unzureichlichkeit
+in Rücksicht des Menschengeschlechts
+im Allgemeinen, in Rücksicht der Totalität
+der Zufälle, die sie im Allgemeinen, und
+nicht im Bezuge auf jedes einzle Individuum,
+zu fürchten haben. Gewiß ists, daß
+man so glücklich war, die Partikuliers wieder
+herzustellen. Man wäscht sie von dem
+Unrath, den sie unvorsichtig an sich gezogen
+haben, ab; man nimmt ihnen, was sie bekamen;
+man giebt ihnen wieder, was sie
+verloren, sogar die Unschuld beinah, die,
+gleich der Gelegenheit, nur von vorne behaaret
+ist, und die man, wenn man sie einmal
+entwischen ließ, nicht mehr erhaschet.
+</p>
+
+<p>Aber das menschliche Geschlecht wird
+darum nicht weniger angegriffen. Die Kakomonade,
+der Hyder in der Fabel gleich,
+<!-- page 123 -->
+verlor kaum einen Kopf, als sie dafür schon
+andre zehn erhält. Unterdessen, als hundert
+Kranke sich bemühen, ihrer los zu werden,
+so suchen sie tausend begierig auf, so, daß,
+trotz den Fluthen von Quecksilber, mit denen
+man Europa überschwemmt, die Nothwendigkeit
+seines Gebrauchs mit jedem Tage
+dringender, und empfindlicher wird. Man
+wird nie so glücklich seyn, sich davon zu befreien,
+außer das Ungeheuer, das uns das
+Eingeweid auffrißt, wird mit Einem Streiche
+zermalmet. Sie ist, wie wir sagten,
+eine Hyder, die sich eben durch ihren Verlust
+vervielfältigt. Um sie auszurotten, muß
+man mit einemmale alle ihre Köpfe abhauen.
+Um sie zu hindern, nachzuwachsen, muß
+man auf der Stelle Schwert und Feuer dagegen
+brauchen.
+</p>
+
+<p>Die Regierungen werden, so bald sie
+das Herz haben werden, es zu wollen, Herkulesse
+werden, im Stande, diese heroische,
+<!-- page 124 -->
+und heilsame Operation auszuführen. Hierzu
+wird es von ihrer Seite nur darauf ankommen,
+Vorsichten, die man für diesen
+Gegenstand schon lange getroffen hat, und
+die durch die Einstimmigkeit der alten Völker
+in viel minder wichtigen Gelegenheiten
+autorisirt worden sind, wieder zu erneuern
+und vorzüglich auf ihre Ausführung zu wachen.
+</p>
+
+<p>Die Aussätzigen bei den Juden waren
+aus dem Umkreise der Städte verbannt. Todesgefahr
+drohete denjenigen, die es wagten,
+sich hinein zu begeben. Man nahm ihnen
+die Verwaltung der Geschäfte ab. Man
+sonderte sie von der menschlichen Gesellschaft
+aus; und ob es gleich ein Vorzug ihres
+Staates war, das Band der Ehe, wie mans
+gesehen hat, fester zu knüpfen, so foderte
+man doch, daß sie ihre Gaben, und ihr Jücken
+weiter tragen sollen.
+</p>
+<!-- page 125 -->
+
+<p>Diese weise Politik ward in der Folge
+in allen Ländern, denen ihre Erhaltung nahe
+gieng, nachgeahmet. Selbst in Frankreich
+gebrauchte man sich ihrer Anfangs gegen
+den Aussatz, als es diesem gefiel, von
+den Gestaden des todten an die des mittelländischen
+Meeres zu übersiedeln, und er
+sich vom Jordan an die Seine begeben hatte.
+Man dachte ihrer auch in der Folge bei der
+ersten Ausschiffung seiner Nebenbuhlerinn
+aus Amerika. Die unermüdlichen Obrigkeiten,
+welche für die Ruhe, und Sicherheit
+der Bewohner von Paris Sorge tragen,
+ließen gegen dieses Erzeugniß von St. Domingo
+die strengsten Verordnungen ergehn.
+Sie verbothen die Uibermachung desselben
+in das Innere der Stadt, und suchten die
+schleunige Ausfuhr damit zu erleichtern. Vor
+dem Jahre 1498. findet man Polizeiverordnungen,
+die diesen Gegenstand zum Ziele
+haben.
+</p>
+<!-- page 126 -->
+
+<p>Sie gebieten allen Personen, welche eines
+Verständnisses mit der Prinzessin von
+Amerika verdächtig sind, jedermann, wer es
+immer sey, der sich durch ihre Listen überraschen
+ließ, binnen vier und zwanzig Stunden
+Paris zu verlassen bei Strafe des
+Strangs. Man berichtet, daß sich bei dem
+Thore, bei welchen ihnen geboten wäre, hinauszugehn,
+Austheiler finden werden mit
+dem Auftrage, Jedermann vier Pariser
+Sols zu reichen, um sie wegen der Reisekosten
+zu entschädigen. Selbst die Reichen,
+und die Eingebornen des Lands werden von
+den Strassen ausgeschlossen unter der Strafe,
+wenn sie betreten würden, in den Fluß
+geworfen zu werden<a href="#footnote-8" id="fnote-8"><sup>8</sup>)</a>. Man sperrt sie, wenn
+sie Häuser haben, darinnen, und wenn sie
+keine Häuser haben, in öffentlichen, zu diesem
+<!-- page 127 -->
+Gebrauche bestimmten Gebäuden ein. Man
+übernimmt die Last, sie mit Lebensmitteln,
+und mit allem Beistande zu versehen, den
+ihr Zustand fordert, bis sie das Joch der
+Feindinn abgeschworen haben, und sich in
+einem Stande befinden, in der Gesellschaft
+auftreten zu können, ohne zu erröthen, oder
+ihr Unruhe zu machen.
+</p>
+
+
+<p>Das sind die Verordnungen, die man,
+doch mit einigen Modifikazionen, wieder in
+den Schwang zu bringen eilen muß. Es ist
+sehr wohl gethan, daß man alle jene, die,
+nach einer bestimmten, zu den Reinigungen
+einberaumten Zeitfrist, mit Unreinigkeit zu
+erscheinen wagen werden, mit dem Strange
+bestraft. Aber genug wär es nicht, wenn
+man ihnen vier Parisersols zu ihrer Reise
+geben wollte. Alles, was man damit gewinnen
+würde, wäre, daß sie die Kakomonade
+Jeder in seinem Lande zu pflanzen abgeschickt
+würden. Sie würde sich da vervielfältigen,
+<!-- page 128 -->
+wenn das Land ihrer Verbreitung
+nur ein wenig günstig wäre. Die Früchte
+davon würde man sehr bald in einem
+Schwalle gegen die Hauptstadt zurückfließen
+sehn.
+</p>
+
+<p>Es ist also nicht damit gethan, daß man
+die Unterthanen der Fremden ausjagt. Man
+thut viel sicherer, und viel vernünftiger,
+wenn man sie dieser lästigen Unterthänigkeit
+entreißt. Man muß ihnen Freistätten eröffnen,
+wo sie sich ohne Zwang in Freiheit
+sehen können, und wo die Leichtigkeit, ihre
+Bande zu zerbrechen, in ihnen hierzu das
+Verlangen erwecket. Man muß in jeder
+Stadt, oder in, jedem Flecken, einen beträchtlichen
+Ort, ein Haus errichten, wo
+jeder Büsser, er sey wer er wolle, aufgenommen,
+und zur Busse zugelassen werden
+könne. Man muß da die Freiheit haben,
+zu zahlen, oder nicht zu zahlen, bekannt,
+oder unbekannt zu bleiben. Man muß den
+<!-- page 129 -->
+Eintritt darein allen Leuten, von allen Altern
+und Ständen, sogar in Masken, wenn
+sich solche darstellen, gestatten. Da es im
+Wesentlichen nicht das Gesicht ist, das der
+Hilfe bedarf, so erhellet, daß die Krankenwärter,
+um denen, die ihren Beistand suchen,
+zu helfen, ihre Gesichter nicht zu kennen
+brauchen.
+</p>
+<!-- page 130 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-16">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Vierzehntes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Antwort auf einige Einwürfe, die
+man gegen die Mittel, die Kakomonade
+zu unterdrücken, machen könnte.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">O</span>hne Zweifel wird man gegen diese Einrichtung
+Lärmen erheben. Man wird sagen,
+zu einer Zeit, wo der Staat kein Gold hat,
+um seine Bedürfnisse zu bestreiten, könnte
+er für diese seine Glieder unmöglich so das
+Quecksilber verschwenden. Die so reden
+möchten, wären wohl ziemlich grausame Politiker,
+oder Räsonneurs, die von der ächten
+Oekonomie ziemlich schlecht unterrichtet
+wären.
+</p>
+<!-- page 131 -->
+
+<p>Wenn zu Marseille die Pest wäre, würde
+wohl die Dürftigkeit des Staats hindern,
+Trouppen marschiren zu lassen? Würde man
+kein Geld finden, das man dahin senden
+könnte, entweder der Stadt zu Hilfe zu
+kommen, oder die Gemeinschaft mit ihr
+abzuschneiden? Nun ist die Kakomonade
+aber wirklich noch viel schlimmer, als die
+Pest.
+</p>
+
+<p>Diese greift nur das gegenwärtige Geschlecht
+an; jene vernichtet, oder entächtet
+wenigstens fast immer sich auch die zukünftigen
+Geschlechter. Die Eine nimmt einen
+schrecklichen Anfang; die Klugheit kann sich
+davor verwahren; man hat gewisse Vorsichten,
+um sie abzuhalten. Die andere ist immer
+vom Vergnügen begleitet; sie macht ihren
+Anfang mit der Verblendung der Klugheit,
+und ihr Ende mit ihrem Untergange.
+Sie hat also viel mehr Leichtigkeit, sich auszubreiten.
+Sie zieht viel traurigere Folgen
+<!-- page 132 -->
+nach sich. Sie heischt daher von den Regierungen
+eine viel größere Sorgfalt.
+</p>
+
+<p>Diese Sorgfalt würde eben nicht so kostspielig
+seyn, als man sich einbildet. Erstlich
+hat man die Aussätzigenhäuser der Alten,
+von denen man die Stiftungen, und das
+Bauwerk zu diesem nützlichen Gegenstande
+annehmen könnte. Dieß hieße den Sinn
+der Stifter befolgen. Die Kakomonade hat
+die Stelle des Aussatzes angenommen. Sie
+muß die Früchte dieses reichen Nachlasses
+beziehen. Man kann ihr ihre Ansprüche
+nicht streitig machen.
+</p>
+
+<p>Uiberdieß, wer zweifelt, daß bei dem
+ersten Gerüchte von diesem Vorschlage nicht
+das allgemeine Mitleid erwachen werde?
+Wie viele Fürsten der Kirche, wie viele
+wachsame Hirten, würden sich mit einem
+uneigennützigen Eifer bestreben, eine Zufluchtsstätte
+gegen Uibel zu schaffen, worunter
+<!-- page 133 -->
+sie leiden, sobald ihre Schäflein davon
+angegriffen sind? Wie viele andächtige
+Schwestern würden nicht ihrem Beispiele
+folgen! Mit welcher Beredtsamkeit würden
+nicht die Direktoren die Nothwendigkeit predigen,
+Einrichtungen zu vervielfältigen, die
+bestimmet sind, Schwachheiten zu verbergen,
+oder die Kraft wieder in den Stand zu setzen,
+ohne Gefahr ihres Gleichen hervorzubringen!
+Gewiß ists, diese Zufluchtsörter würden in
+kurzer Zeit, so wie die volkreichsten, auch
+die begütertsten Häuser im ganzen Königreiche
+seyn. Sie würden bald der bequemste
+Stappelort seyn, um das Joch der Kakomonade
+abzulegen, so wie L &mdash; &mdash; &mdash; bisher
+der sicherste gewesen ist, sich dasselbe aufzubürden.
+</p>
+
+<p>Die Leichtigkeit des ersten Verfahrens
+würde die Weigerung, sich dahin zu verstehen
+zum Verbrechen machen. Die Gerechtigkeit
+würde nur nach aller Billigkeit handeln, wenn
+<!-- page 134 -->
+sie gegen jene, die davon überwiesen wären,
+die Todesstrafe verhängte. Unterdessen giebt
+es zarte Herzen, bei denen die Sanftmuth
+in Schwachheit übergeht. Sie werden sich
+über diese strenge Verordnung entrüsten, sie
+werden zwischen der Strafe und dem Verbrechen
+kein Verhältniß sehen.
+</p>
+
+<p>Es ist so süß, so natürlich, werden sie
+sagen, die Gefahren zu wagen, derer Folge
+sie ist. Sollt es gerecht seyn, den Irrthum
+eines Augenblicks mit einer so schmählichen
+Züchtigung zu ahnden? Sollte man sich entschließen
+können, gegen ein vernünftiges
+Wesen den Tod zu verhängen, weil es seines
+Lebens nicht ordentlich genoß? Was
+man ihnen antworten könnte, ist dieses.
+</p>
+
+<p>Ich gebe Ihnen zu, meine Herrn! mein
+Rath mag strenge scheinen. Aber untersuchen
+Sie, was unter Ihren Augen vorgeht.
+Wer sind jene Armseligen, die sie dort mit
+<!-- page 135 -->
+den rothen Kappen auf den Galeeren sehn?
+Wer sind jene, derer Hinrichtung so viel
+Volks auf den freyen Platz spornt? Unter
+ihnen befinden sich Leute, die Schwärzer,
+Betrüger waren. Das Gesetz waffnet sich
+mit einer unbeugsamen Schärfe, und verurtheilt
+sie ohne Barmherzigkeit!
+</p>
+
+<p>Nun ich bitte Sie, giebt es wohl eine
+schrecklichere Schwärzerei, als die Kakomonade?
+Kann man die Einführung ihrer
+Geschenke mit der Einführung eines Holländertobaks
+oder Spaniols in Vergleichung ziehen?
+Die Kutzenelle, so roth sie ist, kann
+sie die Vergleichung mit gewissen Purpurknöpfchen
+ertragen, welche die Ehrbarkeit
+nicht nennen läßt.
+</p>
+
+<p>Wenn Sie ohne Anstand arme Leute,
+die Ihnen für wohlfeilen Preis weis nicht
+welch braunen, gelben, oder feuerfarbenen
+Staub brachten, rudern lassen, hängen und
+<!-- page 136 -->
+rädern; was sind Sie wohl denen schuldig,
+welche sich erdreusten, die Quelle der Vergnügungen
+zu vergiften? Was werden Sie jenen
+Frevlern nicht anthun, die es wagen,
+in das Heiligthum der Wohllust Betrübnis,
+und Thränen in die Wohnung der Freude zu
+bringen?
+</p>
+
+<p>Die aufgeklärte Menschheit gebietet ohne
+Zweifel ihre Bestrafung zum Wohle der
+leidenden Menschheit. Man muß alle ohne
+zu schwanken eine bestimmte Zeit festsetzen,
+nach welcher Niemand mehr angenommen
+werde, der sich angiebt, mit einem Ungemache
+behaftet zu seyn, wovon er sich wird
+haben entledigen können. Man muß die
+Kakomonade wie eine ausländische Waare
+ansehen, und die, bei denen sie gefunden
+wird, ohne Barmherzigkeit konfisziren.
+</p>
+<!-- page 137 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-17">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Fünfzehntes Kapitel.</h2>
+
+<h3 class="sub">Nöthige Vorsichten gegen die Wiederkunft
+der Kakomonade, und
+Schluß des Werks.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">A</span>ber auch damit wär es nicht gethan, daß
+man die verdächtigen Wirkungen hemmte.
+Man müßte auch Vorkehrungen treffen, ihren
+Eingang zu verhindern. Man müßte
+Amtsstuben, Gerichtsdiener, und Wächter
+haben, die über Paquette, wo diese traurige
+Gattung Kontrebandwaaren sich verbergen
+läßt, zu wachen hätten; und für dieß habe
+ich gesorgt.
+</p>
+
+<p>Der durch seine große Nase berufene
+Kaiser Heliogabal oder Elagabal, sagt man,
+habe einen Frauenzimmersenat errichtet.
+<!-- page 138 -->
+Diese erlauchte Gesellschaft hatte über alle
+weiblichen Angelegenheiten zu richten. Vor
+ihr brachte man all die kleinen Zänkereien,
+die häuslichen Klätschereien, die Uiberwerfungen
+der Verliebten an. Sie gab auch den Ausschlag
+über die Moden, den Haarputz, und
+den Anzug von allen Arten. Diese Politik,
+wünschte ich, sollte man in Paris, in ganz
+Frankreich, ja sogar in ganz Europa nachahmen
+können.
+</p>
+
+<p>Uiberall hat man da einen Haufen Wachen
+aufgestellt, um für die Vortheile der
+Pächter die Aufsicht zu tragen. Man erblicket
+Ketten von Aufsehern, die sich von allen Seiten
+die Hände reichen, am die Betrüger hindann
+zu halten, und ihre Schlauigkeit zu überlisten.
+Es besteht das innigste Band unter
+den Rotten, welche die Grenzen und die
+reichen Gesellschaften beschützen, die im Mittelpunkte
+die Früchte ihrer Sorgen ärnten.
+Könnte man diese Polizei nicht auch bei der
+<!-- page 139 -->
+Einrichtung, von der hier die Rede ist, sich
+zum Muster nehmen?
+</p>
+
+<p>Man bildete in den Hauptstädten Büreaux
+von einer Anzahl unterrichteter Mädchen,
+die im *&nbsp;*&nbsp;* sich Erfahrungen gesammelt
+hätten. Sie wären weder die drei Grazien,
+noch die neun Musen. So könnte man sie
+aus vierzig, wie die Academie Française,
+oder aus sechzig, wie die allgemeine Pachtung,
+zusammensetzen. Den Eintritt dazu
+hätten nur die besten Erfahrungen. Die Geübtesten
+in den Geschäften des Magazins,
+die Vertrautesten mit den Kennzeichen des
+Betrugs, und also die bei allem Scharfsinne
+der Schleichhändler Geschicktesten, sie
+zu entdecken.
+</p>
+
+<p>Nach Art dieses Hauptamts bildete man
+sonderheitliche in den Städten der Provinz,
+und auf allen Strassen; welches zwischen dem
+Haupte und den Gliedern eine eben so nützliche
+<!-- page 140 -->
+als lehrreiche Korrespondenz unterhalten
+würde. Diese fruchtbaren Versammlungen
+hielten alle Tage des Morgens und Abends
+ihre Sitzungen. Jeder Fremde, der an der
+Gränze ankommt, wäre gehalten, da seinen
+Ausweis zu machen.
+</p>
+
+<p>Hier würde er ohne Schonung untersuchet.
+Man würde ihm nach seinem Zustande,
+einen Geleitsbrief ausfertigen, oder die verbotene
+Waare unter Siegel verzeichnen, damit
+man nicht eher davon Gebrauch machen
+könne, bis sie im Rekonwaleszentenhause,
+wohin sie abgegeben würde, ausgeräuchert
+wäre.
+</p>
+
+<p>Von dieser Zeremonie wäre das schöne
+Geschlecht nicht ausgenommen. Anfangs
+würde sie lästig scheinen; man würde sich
+aber bald daran gewöhnen. Hat man sich
+doch gewöhnt, vor jedem Thore grobe, und
+manchmal treulose Hände ins Felleisen spazieren,
+<!-- page 141 -->
+alles darinn umkehren, und was da
+verschlossen war, oft unwiederbringlich verderben
+zu sehn. Es würde nicht lange brauchen,
+um sich zu gewöhnen, linke Hände zu
+fühlen, die eine lange Uibung abgerichtet
+hätte, noch dazu ihre Berührungen angenehm
+zu machen.
+</p>
+
+<p>Es ist anzumerken, daß man durch eine
+solche Zusammensetzung eines Amtes von aufgeklärten,
+und dafür bekannten Frauenzimmern
+den Ungemächlichkeiten vorbeugen würde,
+die aus jeder andern Administrazion entstünden.
+Kein Frauenzimmer dürfte sich schämen,
+der Untersuchung von Personen ihres
+Geschlechts zu unterliegen; und man würde
+keine Mannsperson finden, die sich weigern
+möchte, sich vor den Augen eines von seiner
+Erfahrung so berufenen Tribunals zu produziren.
+Es fände sich also ganz keine Schwierigkeit.
+Die Schamhaftigkeit, und Gesundheit
+der beyden Geschlechte wäre dadurch in
+<!-- page 142 -->
+Sicherheit vor den Anstössigkeiten, die das
+eine kühn, oder das andere schüchtern machen
+könnten.
+</p>
+
+<p>Das ist also der Entwurf meines Projektes.
+Ich unterziehe es den Einsichten der
+Politiker, die in unserm philosophischen Jahrhunderte
+so zahlreich geworden sind. Ich
+kann versichern, daß ich einzig das allgemeine
+Beste und das Wohl der ganzen Welt, die
+mein Vaterland geworden ist, zum Augenmerke
+hatte. Ich wünsche, daß er unter die Hände von
+Leuten komme, die an der gehörigen Stelle sitzen;
+wünsche, daß ihr persönliches Interesse sie
+bestimme, sich seiner anzunehmen, und dem
+allgemeinen Frommen Hand zu bieten.
+</p>
+
+<p>Was Sie betrifft, mein Fräulein, wenn
+man ihn je annimmt, so wird man nie vergessen,
+daß es Ihr Namen war, unter welchem
+er zum erstenmal erschien. Ganz Paris
+wird Sie laut zur Annahme einer Stelle
+<!-- page 143 -->
+auffodern, deren Ihre Bemühungen sie schon
+so würdig machten. Mit einer unnennbaren
+Freude werde ich an der Spitze des erlauchten
+Senats, wovon ich den Plan entwarf,
+Sie glänzen sehn. Sie werden die Aufseherinn
+von den Waffen Zylherens, und die
+Wegweiserinn des Amors werden. Sie
+werden die Jugend lehren, ohne Gefahr auf
+dem stürmischen Ozean der Vergnügungen
+zu segeln, indem Sie ihr mit der Geschicklichkeit,
+die ihnen die Erfahrung giebt, das
+Steuerruder lenken. Sie werden ihr zeigen
+den Klippen auszuweichen, die Ihres Gleichen,
+wie ein großer Mann sagt, oft durch
+ihre Schiffbrüche bezeichnet haben.
+</p>
+<!-- page 144 -->
+
+<h2 class="chapter" id="chapter-18">
+<span class="centerpic"><img src="images/ornament.jpg" alt="Ornament" /></span>
+Ein Brief
+als ein
+Supplement
+zu diesem Werke.</h2>
+
+<p class="address">An M. L. A *&nbsp;*&nbsp;*.</p>
+
+<h3 class="sub">Uiber die Ursachen, die zu der schrecklichen
+Vermehrung der Kakomonade
+beitragen.</h3>
+
+<p class="first"><span class="firstchar">B</span>isher, lieber Freund, hab ich nur gescherzet.
+Lachend schrieb ich die Geschichte
+von einer der größten Geißeln des menschlichen
+Geschlechtes. Es ist sehr seltsam, daß
+die Gewohnheit es nur den Aerzten erlaubt,
+davon ernsthaft zu reden, und daß, in der
+feineren Welt, die üble Laune nicht die Wirkung
+<!-- page 145 -->
+einer Ursache sein kann, die doch so sehr
+dazu gemacht ist, sie hervor zubringen.
+</p>
+
+<p>Sehr zuverlässig ist dieß die Folge jenes
+seltsamen Durcheinanders, den man in unsern
+Sitten und Gewohnheiten wahrnimmt.
+Sobald Jemanden das Fieber befällt, sobald
+er schlecht geschlafen hat, oder einen Abend
+nicht mit der gewöhnlichen Leichtigkeit ausspuckt;
+gleich sind mit dem nächsten Morgen
+die Bedienten von allen vier Winden in Bewegung;
+sein Thürepocher kommt nimmer
+zur Ruhe, und sein Portier hat nicht Worte
+genug, für all die höflichen Bothen, die aus
+ganz Paris ihn zu fragen kommen, wie der
+Herr diese Nacht sich befunden habe.
+</p>
+
+<p>Ward nun aber der nämliche Mensch
+das Spiel einer jungen Spitzbübinn, &mdash; und
+ach! wie viel giebt es ihrer! &mdash; Bleiben ihm
+nagende Erinnerungen eines zärtlichen Rendezvous;
+sieht er sich bei dem Abschiede aus den
+<!-- page 146 -->
+Armen der Venus gezwungen, einen Gott
+um Hilfe zu flehen, der bei den Alten die
+Gnaden der Göttinn austheilte, der aber
+bei uns zu nichts weiter dient, als sie uns
+aus dem Gedächtnisse zu bringen; da sieht
+man ihn ohne alle Unruhe erbleichen, abzehren,
+und versiechen. Er muß die Sorgfalt,
+die er für seine Gesundheit trägt, verbergen,
+gerade als ob es eine böse Handlung wäre; und
+wenn irgend ein besonderer Freund ihn von Zeit
+zu Zeit befragt, so geschieht dieß immer mit
+einem spöttischen Mitleid, das ihn noch mehr
+demüthigt, als selbst sein Zustand.
+</p>
+
+<p>Ja, wird man sagen, das ist eine Frucht
+der Ausgelassenheit. Die Schande ist ein
+heilsamer Wermuth, den die Wohlanständigkeit
+in dieselbe gießt, um sie den Unvorsichtigen,
+die versucht werden, sie zu pflücken,
+zu verleiden. Dieser scheinbare Widerspruch
+ist ein Zug der Weisheit. Man
+hat große Ursache, Krankheiten, die eine
+<!-- page 147 -->
+unzertrennliche Folge der Schwachheiten
+der Natur sind, zu bemitleiden; aber auch
+nur Verachtung gegen diejenigen blicken zu
+lassen, die einen Mißbrauch ihrer Gutthaten
+verkünden.
+</p>
+
+<p>Ach! lassen Sie uns, mein lieber
+Freund, diesem Gegenstande nicht ins Innre
+dringen. Diese Frucht ist eine Geburt
+der Ausgelassenheit, ich wills glauben, aber
+sie muß dem Hundszahne gleichen, und
+überall ohne Unterschied wachsen, wie dieses
+Kraut, in einem bösen Erdreich sowohl,
+als in einem guten. Man ärntet sie an so
+vielen Orten, die das Wappen der Tugend
+führen, daß man wahrhaftig auf nichts
+schwören darf; und vorzüglich an derlei
+Plätzen sind die Schilde betrügerisch. La
+Fontaine sagte:
+</p>
+
+<div class="poem">
+<p class="line">Unterm Jungfern-Unterröckchen kann</p>
+<p class="line2">Eben so viel Schönheit wohnen,</p>
+</div>
+<!-- page 148 -->
+<div class="poem">
+<p class="line">Als so mancher gute Ehemann</p>
+<p class="line2">Findet unterm Hemde bei Madonnen.</p>
+</div>
+
+<p class="noindent">Aber gestehn Sie es nur ein, daß es, wenigstens
+in unsern Tagen, nicht die Schönheit
+allein ist, die da allenthalben so gleich
+ausgetheilt wohnt; und daß die Ungemächlichkeiten,
+die sie furchtbar machen, mit
+nicht weniger Gleichheit ausgetheilet sind.
+</p>
+
+<p>Doch, das befremdet mich nicht, sondern,
+worüber ich mich wundere, was ich
+nicht begreife, ist die Sicherheit, mit welcher
+wir mitten unter so vielen Gefahren leben.
+Offenbar sehn wir die Kakomonade mit den
+nämlichen Augen an, wie die angesteckten
+Dünste zu Paris, die man daüberall einathmet,
+und an die man sich, trotz ihrer Anpestung,
+gewöhnet: allein zwischen ihnen beiden
+herrscht ein himmelweiter Unterschied.
+</p>
+
+<p>Wenigstens trägt die Polizei doch einige
+Sorge, um das letztere zu mindern: Man
+<!-- page 149 -->
+kehrt die Gassen: man schafft den Mist weg;
+die Arbeit eines Tages macht das verschwinden,
+was die Verzehrung eines Tages von
+Unreinigkeiten hinterlassen hat. Aber ists
+mit dem andern Gegenstande auch so? Leider!
+nein. In Rücksicht desselben trägt man
+entweder gar keine Sorge, oder die, die man
+dafür hat, ist so schwach, daß sie, anstatt
+dem Uibel abzuhelfen, nicht einmal im Stande
+ist, seinen weitern Umsichgriffen Einhalt
+zu thun.
+</p>
+
+<p>Unterdessen ist es hohe Zeit, daß die
+Regierungen aus der Lethargie, worinn sie
+über diesen Artikel zu liegen scheinen, erwachen.
+Mit welcher Ruhe sehn sie nicht
+das Uibel sich reißend um sie her verbreiten!
+Die Bevölkerung, von dieser Pest
+bis auf die Wurzeln angegriffen, verwelkt und
+vertrocknet. Man kann es merken, wie
+das menschliche Geschlecht an Anzahl und
+Stärke abnimmt, Uiberall findet man unzählige
+<!-- page 150 -->
+Menschen, mit denen es soweit kam,
+daß sie die traurigen Gedenkzeichen von den
+Graden ihrer Prüfung, die sie seit ihrer Kindheit
+gleich den Metallen durchwandelten, welche
+die Chemie, so bald sie aus dem Schmelztigel
+kommen, durch gewaltsame Operazionen
+entnaturt, ihr ganzes Leben hindurch behalten.
+</p>
+
+<p>So lange die Krankheit nur in den
+Städten herumgieng, war diese Nachlässigkeit
+noch einiger Maaßen zu entschuldigen.
+Aufgeklärte Politiker konnten weniger davor
+erschrecken, so lange sie nur müssigen Güterbesitzern,
+oder unarbeitsamen Bürgern drohte.
+Vieleicht dürfte man sich noch itzt nicht
+sehr entrüsten, wenn sie sich inner die Mauern
+der Städte beschränkte, wenn sie sich begnügte,
+daselbst die Ausschweifungen einer
+herabgewürdigten Jugend, oder eines schwärmerischen
+Alters zu strafen. Sie griffe dann
+nur Menschen an, die dieses Namens nicht
+<!-- page 151 -->
+werth sind, und dieß wäre für das menschliche
+Geschlecht ein kleiner Verlust.
+</p>
+
+<p>Aber zum Unglücke bindet sie sich hieran
+nicht; und fällt sehr oft in die Dörfer hinaus.
+Da greift sie unsern armen Stamm
+unter dem Strohdach an, das doch noch etwas
+seinen Adel, und seine Kraft erhält.
+Sie findet keine Schwierigkeit, sich da niederzulassen.
+Die Unwissenheit, und vor allen
+die Armuth erleichtern die Gefälligkeiten,
+durch die sie sich fortpflanzt, und verbannen
+hiemit die Mittel, die sie unterdrücken könnten.
+</p>
+
+<p>Die Zeit ist vorbei, wo man das Land
+als den Freiort der Unschuld, als die Zufluchtsstätte
+schuldloser Ergötzungen ansehn konnte.
+Mit Rechte lobten unsre alten Dichter seine
+Schönheiten, und Annehmlichkeiten; sie
+rühmten die Sicherheit der Wälder, die es
+umgeben; das Grün der Matten, die es
+<!-- page 152 -->
+schmücken; die Klarheit der Gewässer, die
+es befeuchten, die Blüthe der Nymphen, die
+es verschönern. Die unsrigen sieht man so
+was nicht mehr thun.
+</p>
+
+<p>Nicht, als ob wir nicht auch noch Wälder,
+Gewässer, Matten, und Nymphen hätten:
+aber bei uns ists keine Diana mehr, die
+in unsern Wäldern jaget; keine Venus mehr,
+die sich in unsern Bächen bespiegelt; keine
+Flora, die in ihrem Laufe auf dem Grase
+ausglitscht. Die Stelle dieser Göttinnen hat
+die Kakomonade eingenommen. Alles, was
+vormals diente, die Vergnügungen, zu umschleiern,
+und zu vergrößern, dient nun unter
+ihren Händen zu nichts mehr, als nur
+die Gelegenheiten zur Reue zu vermehren;
+und wenn noch ein kühner Faun es wagt,
+die Schäferinnen ins Gehölze zu verfolgen,
+so fühlt er sich bald mit einer ganz andern
+Wunde geschlagen, als wie sie Amors Pfeile
+schlugen.
+</p>
+<!-- page 153 -->
+
+<p>Welche Macht könnte doch eine so traurige
+Metamorphose in Gegenden verursachen,
+die von dem Verderbnisse so entfernt
+sind? Wie kann da jenes der Schein der Tugend
+verhüllen, was anderswo nur die Folge
+der Ausgelassenheit ist? Wie geht es doch
+zu, daß oft die Simplizität selber denen gefährlich
+wird, die sich schmeicheln, sie zu
+mißbrauchen? Man kann hiervon drei sehr
+dunkle, aber sehr wirksame Ursachen angeben,
+welche die Hauptbeweggründe der Verwüstung
+sind, welche die Kakomonade auf dem
+Lande hervorbringt.
+</p>
+
+<p>Die erste davon ist jene ungeheure Anzahl
+Kinder, die mit jedem Tage aus den
+großen Städten fortziehn, um sich auf viele
+Meilen in die Runde, auszubreiten. Sie begehren
+da von ihnen gemietheten Nährmüttern
+jenen Beistand, den ihnen die Eltern,
+von denen sie das Leben haben, versagen.
+Dieß ist oft ein Glück für sie. Sie würden
+<!-- page 154 -->
+das Leben, das sie erst empfiengen, bald verlieren,
+wenn man sie nicht hurtig aus dem
+angepesteten Schoosse entfernte, in welchem
+sie es schöpften: aber dieses Glück wird sehr
+traurig für den mitleidigen Schooß derjenigen,
+die sich würdigen, sie zu sich aufzunehmen.
+</p>
+
+<p>Für die Milch, die sie daraus saugen,
+strömen sie das Gift darein, vor dem sie
+ihre Unschuld nicht retten konnte. Mit diesem
+Augenblicke wird die eheliche Zärtlichkeit
+ein Netz, worinn der Gatte sehr bald
+sich fängt. Er wird zum Zeitvertreibe mit
+einer Seuche behaftet, die er nicht fürchten
+konnte, da sie für ihn mitten in den Armen
+der Weisheit, und der Fruchtbarkeit entsproß.
+Wenn sich die Merkmaale davon sehen
+lassen, so hält die Schamhaftigkeit öfters
+ihre Entdeckung zurück, und fast immer steht
+die Dürftigkeit der Abhilfe derselben im Wege.
+Die Nothwendigkeit einer mühsamen
+<!-- page 155 -->
+Arbeit vermehret und verschlimmert die
+Symptomen derselben. Die Schwachheit,
+die die Einen mit sich bringen, macht, daß
+die Früchte der andern nicht hinreichen werden.
+Die Bedürfnisse vervielfältigen sich nach
+dem Maaße, nach welchem die Kräfte sich
+verlieren; endlich, wenn die armselige Familie
+eine Zeitlang in Elend und Verzweiflung
+geschmachtet hat, erwartet sie in irgend
+einem Siechenhause ihre Vernichtung.
+</p>
+
+<p>Nicht ein Zug ist hier übertrieben, sondern
+es ist dieß ein sehr wahres, ein sehr lebhaftes
+Gemälde von dem, was sich alle Tage
+um uns herum zuträgt. Man findet keinen
+Dorfpriester, keinen Landjunker in den
+Provinzen, der nicht die Wahrheit davon erkennte.
+Dieß ist die Gestalt der ersten Quelle
+der Entvölkerung der Dörfer, welche die
+Krankheit, von der hier die Rede ist, verursacht.
+</p>
+<!-- page 156 -->
+
+<p>Doch, es sind es nicht die Kinder in der
+Wiege allein, durch die sie sich da einschleicht.
+Auch jene parfümirten Puppen, jene fünf
+und zwanzigjährigen Greise, welche ein
+grausames Loos bei Zeiten reich, und zu
+müssigen Herren gemacht hat, müssen ihr
+mittelbar zu ihren Absichten dienen. Sie
+führen öfters die Langeweile, die sie aufzehrt,
+die Eckelhaftigkeit, die ihnen das
+Herz abdrückt, auf ihren Landgütern mit
+sich spazieren. Aus Furcht, sie möchten in
+diesem neuen Aufenthalte sich selbst gelassen
+sein, sind sie sehr besorgt, all den Prunk,
+und Firlefanz des Luxus, der sie in den
+Städten, aus denen sie sich flüchten, tödtet,
+mit sich dahin nachzuschleppen.
+</p>
+
+<p>Ein zahlreicher Hofstaat, eine prächtige
+Equipage ist ihr Geleite bis in die Mitte der
+ländlichen Einfalt. Es gefällt ihnen, ihre
+groben, und verbordirten Bedienten, die
+sie schlecht bedienen, mitten unter demüthigen,
+<!-- page 157 -->
+und mit Kütteln angethanen Landleuten,
+die sich nur von ferne sie anzublicken, getrauen,
+glänzen zu sehn. Es ist ihnen lieb,
+in den Vorzimmern ihrer Lustschlösser mehr
+unnütze Thunichtse zu zählen, als sie arbeitsame
+Unterthanen auf dem Felde haben.
+</p>
+
+<p>Dieses lächerliche Großthun, dieser unerträgliche
+Stolz wäre doch noch ein leidliches
+Uibel, wenn es nichts weiter schadete,
+als die Kleingeistigteit des Ortsherrn zu
+nähren. Aber was ihn erst wirklich schrecklich
+macht, ist dieß, daß er die Zügellosigkeit
+der Bedienten begünstigt, und die Folgen
+davon ins Unendliche vermehret. Die
+Kakomonade macht sie zu neuen Prometheussen,
+die sie mit ihrer Fackel bewaffnet; auf
+ihren Befehl ziehn sie aus, die Bildsäulen,
+womit das Land erfüllet ist, mit einer verderblichen
+Flamme zu beleben, die sie nicht
+von den Strahlen der Sonne entwendet
+haben.
+</p>
+<!-- page 158 -->
+
+<p>Die drei Viertheile der Menschen, die
+sich bei uns zur Dienstbarkeit verschreiben,
+sind durch ihren Stand Müssiggänger, und
+aus Noth Hagestolze. Eine vollkommene
+Unabhänglichkeit ist das erste Bedingniß,
+welches der Luxus fordert, um sie zu den
+Würden der Livree zuzulassen, und er
+macht diese Forderung nur, um sie sich selbst
+zum Opfer zu bringen. Er will die Herrschaft
+über seine Unterthanen mit Niemandem
+theilen. Er macht Ansprüche über Sklaven
+zu gebieten, die außer ihm keinen Herrn
+haben sollen. Er meint sich hierdurch Unruhen
+zu ersparen. Er bildet sich ein, sich
+dadurch eines hurtigern Dienstes, einer genaueren
+Treue zu versichern.
+</p>
+
+<p>Ich weis nicht, ob er es damit wohl
+macht; was ich gewiß weis, ist, daß dieser
+Haufen arbeitloser, einsamer Bedienten,
+überall, wo er sie nur zu finden glaubt, Gesellschaften
+aufsucht. Ihr Temperament treibt
+<!-- page 159 -->
+sie zu lebhaften Vergnügungen, und ihr Anzug
+bringt sie in Gesellschaften, wo ihnen
+diese leicht gemacht werden. Von dieser
+Seite der Wonnen des Ehestandes beraubt,
+von der andern zur Ausübung seiner Geschäffte
+eingeladen, überlassen sie sich einem
+Umgange, der ihnen seine Vergnügungen
+gewährt, ohne seine Beschwerden zu haben.
+In diesem schändlichen Mißbrauche der Kräfte
+der Natur folgen sie den Absichten, und
+oft dem Beispiele ihrer Herren.
+</p>
+
+<p>Ihr gegenwärtiges Bedürfnis macht sie
+taub für die Folgen der Zukunft. Man
+weis, was man, von der Gattung Weibsleute,
+auf die sie sich beschränken müssen, zu
+erwarten hat, und in kurzer Seit erlangen
+sie die Erfahrung davon. Dadurch werden
+sie kecker, so, wie ein Mensch, dessen Kleid
+schon einmal durchnäßt ist, sich desto weniger
+gegen den Regen sperret. Die Kraft ihrer
+Jugend erhält sie eine Zeitlang. Die
+<!-- page 160 -->
+Schuldigkeit, vor der Herrschaft zu erscheinen,
+oder gar die Mittellosigkeit, wehrt es
+ihnen, auf ihre Heilung zu denken. Sie
+müssen ihrem Herrn überall, wo es seine
+Kaprize immer hin will, folgen, und man
+stellt sich auf seinen Wink, es mag um den
+Körper stehn, wie es wolle. So ist indessen
+der Trupp beschaffen, mit welchem der
+Reiche sich brüstet, auf seiner Herrschaft zu
+erscheinen, wenn er sich würdigt, sie mit
+seiner Gegenwart zu beehren.
+</p>
+
+<p>Ist er nun einmal auf dem Dorfe, so
+sind seine Bedienten, in der Kleidung oft
+besser bestellt, als er, Leute von Wichtigkeit.
+Ihre Borden werden nun ein Ehrenzeichen.
+Sie behaupten unter diesen Leuten
+ohne Widerspruch den vornehmsten Rang,
+und ziehen alle Augen auf sich. Das Prächtige
+ihres Anzugs, ihr Bau, der Vorrang,
+den sie über die Landleute affektiren,
+unterwirft ihnen sehr bald die Mädchen
+<!-- page 161 -->
+auf dem Lande, die auf alles aufmerksam
+sind.
+</p>
+
+<p>Und dann wehe der Tugend, die sich
+mit einem Bißchen Reiz, und Anmuth waffnet;
+wehe der Unschuld, welche die Jugend
+schmücket, und welche die Grazien dieses
+Alters vielmehr schwächen, als beschützen!
+Wie bald ist sie verführt, und vergiftet!
+Die ihrer genoß, &mdash; nichts bleibt der Unglücklichen,
+außer ein unaustilgbarer Jammer,
+und schändliche Schmerzen. Ihr Ende
+ist &mdash; sie bringt, oft ohne es selbst zu
+wissen, dem Hymen Blumen zu, die auf
+ihrem Erdreiche nicht wachsen sollten, und
+die die Liebe auf ewig verbannen, und es
+ist noch ein Glück; wenn sie der Versuchung
+nicht nachgiebt, in die Stadt zu ziehn, um
+mit den Reizen, die sie zu Grunde gerichtet
+haben, ein Gewerbe zu treiben, und die
+Folgen ihrer Schwachheit mit dem Publikum
+zu theilen!
+</p>
+<!-- page 162 -->
+
+<p>So arbeiten denn ungeheure Armeen,
+unter der Uniforme der Sklaverei, daran,
+in den Schlund der Hauptstädte das Gift,
+das darinnen gähret, zurück zu gießen, und
+in diesem Geschäfte muß man ihnen noch eine
+andere Klasse von Sklaven beigesellen,
+die an sich selbst edler, obgleich in der Sache
+selbst sehr wenig in Betrachtung gezogen
+sind; jene Automaten muß man ihnen zugesellen,
+die mit zu dem Machwerk eines so
+genannten Regimentes gehören, und derer
+Ressorts, wenn sie einmal zugenommen haben,
+ihnen eine ziemliche Geschicklichkeit geben,
+eine gewisse Anzahl Bewegungen zu
+machen, die unter dem Namen Exercizien
+bekannt sind.
+</p>
+
+<p>Diese, begabt mit der ausschließenden
+Befugniß, eine Flinte, oder eine Bajonette
+zu führen, haben noch in einem höheren
+Grade jene, überall die traurigen Geschenke,
+von denen wir sprechen, anzunehmen,
+<!-- page 163 -->
+und mitzutheilen Durch ihre Mitwirkung
+dringet sich die Kakomonade in die entlegensten
+Provinzen ein. Sie eröffnen ihr einen
+Weg in Gegenden, wohin selbst das Gold
+kaum einen Eingang findet.
+</p>
+
+<p>Offenbar sind dieses Laster, die sie gegen
+das menschliche Geschlecht begehn; doch
+läßt es sich schwer entscheiden, ob sie dabei
+mehr strafbar, als unglücklich sind. Gewiß
+ists, daß der Ehestand für den Soldaten sich
+nicht schicke. Noch gewisser, daß der Zölibat
+ihm die Ausschweifung nothwendig macht.
+Nicht weniger gewiß ists, daß diese Ausschweifung
+für ihn, und für alle Länder,
+die er durchzieht, die schrecklichsten Folgen
+habe. Um sich davon zu überzeugen, darf
+man nur den Zustand der Plätze, wo Krieg
+ist, und ihre Gegenden umher betrachten.
+</p>
+<!-- page 164 -->
+
+<p>Täglich schleicht sich da, trotz aller Wachen,
+die ihn beobachten, ein verkappter
+Feind hinein. Er herrscht da mit größerer
+Macht, als die Statthalter des Königs. Die
+Wachsamkeit derselben, ihn hindanzuhalten,
+ist unnütz. Er ist sogar mit den Offizieren,
+die man dahin beordern könnte, verstanden.
+Uiber dieß, wie wollte man junge Leute
+hindern, sich einem Gelüste zu ergeben, das
+der Müssigang, aus dem sie sich eine Ehre
+machen, bei ihnen genährt hat? Wie wollte
+man Begierden unterdrücken, die ein, lange
+Zeit, bezähmtes Temperament, oder die
+Gewohnheit der Ausschweifung wüthig gemacht
+hat? Weder die Bestrafung so einer
+Unglücklichen, die sie anpestet, noch die
+langwierigen Peinen, womit sie die Schwachheit
+eines Augenblicks abbüssen müssen, werden
+sie je vor dem Rückfalle bewahren. Ein
+Soldat glaubt, er sei da, um des Gegenwärtigen
+zu genießen: seine Bestimmung ist,
+den Gefahren Trotz zu bieten, und er rechnet
+<!-- page 165 -->
+sichs zum Verdienste an, ihnen in jeder
+Gestalt zu trotzen.
+</p>
+
+<p>Was noch trauriger ist: da sich der
+Soldat so selbst verderbt, verderbt er auch
+andere mit. Er erhält, wie Midas, die
+Eigenschaft, allem, was er berührt, die
+Kraft, die er empfangen hat, mitzutheilen.
+Und so wird eine Armee selbst in Feindes
+Lande dadurch viel verderblicher, als die
+schrecklichste Verwüstung des Krieges. Nicht
+das, was sie daraus fortträgt, sondern das,
+was sie darinnen läßt, schlägt ihm eine unheilbare
+Wunde.
+</p>
+
+<p>Wahr ists; sie empfängt dafür bald ihre
+Strafe. Das Weibervolk dieses Landes
+bewaffnen sich ihrerseits gleichfalls mit der
+Plage, die sie verletzet hat, wie Montesquieus
+Präsident vom Despotismus sagt,
+daß er sich mit seinen eigenen Ketten bewaffnet,
+und dadurch desto schreckbarer wird.
+<!-- page 166 -->
+Damit, schlagen, sie bei ihrem Durchmarsche
+die Soldaten, die sich davor verwahrt, oder
+davon entlediget haben. Dieser mörderische
+Kriegslauf unterhält unter den Truppen
+eine weit furchtbarere<a id="corr-8"></a> Pest, als die best
+eingerichtete Artillerie.
+</p>
+
+<p>Auch dieses wissen alle, die die letzten
+Feldzüge mitgemacht haben. Die deutschen
+Bauerndirnen waren, wie die römischen
+Frauen, die sicherste Vormauer ihres Vaterlandes
+geworden. Die Gefälligkeit der
+kirre gewordenen Hessinnen war mehr zu
+fürchten, als das Schwert ihrer vaterländischen
+Helden. Eine einzige Westphälerinn
+brachte mehr Unordnungen aus, und
+füllte die Spitäler mehr an, als die Armee
+von einem ganzen Detachement Hanovrianer.
+</p>
+
+<!-- page 167 -->
+
+<p>Lieber Freund, sehen Sie hier wirkliche,
+offenbare Thatsachen, an denen sich nicht
+zweifeln läßt. Sie geschehn vor unsern Augen,
+und leider! sind der Zeugen nur zu
+viele, die die Wirklichkeit davon bestättigen
+können. Unter allen den Reformazionsgegenständen,
+womit man sich in diesem philosophischen
+Jahrhunderte beschäftigt, ist
+vielleicht dieser der einzige, woran man nicht
+denkt, da er doch wahrlich der allerwesentlichste
+ist. Die übrigen interessiren nur die
+moralische Glückseligkeit der Menschen, indeß
+dieser sich mit ihrer phisischen Existenz
+befaßt. Die Mißbräuche bei den Finanzen
+und in der politischen Verfassung werden
+ganz gewiß übertrieben. Die Uibel, die daraus
+entstehn, lassen sich vielleicht bezweifeln,
+oder es könnten wenigstens die Verbesserungen
+derselben sehr leicht noch trauriger
+ausfallen. Allein hier stehts mit der
+Sache ganz anders. Das Uibel ist gewiß,
+die Nothwendigkeit, ihm zu steuern, ist dringend,
+<!-- page 168 -->
+und die Anwendung des Heilmittels
+dagegen wäre ohne Widerrede der nützlichste
+Dienst, den man der Menschheit erzeigen
+könnte.
+</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h2 class="chapter">Fußnoten</h2>
+
+<p class="footnote" id="footnote-1"><a href="#fnote-1">1) Wörtlich geteutscht die kleine Pocke;
+Die große Verole, ihre Schwester, von
+der sichs hier eigentlich handelt, ist ein
+Frauenzimmer von solcher Artigkeit,
+daß sie sich immer balsamt, und parfümt;
+und von solcher Ehrwürdigkeit,
+daß sie auch den ausgelassensten Lüstling,
+sobald er sie kennen lernt, voll Ehrfurcht
+zurückhält, sich an sie zu wagen.
+Anmerk. des Uibersetzers.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-2"><a href="#fnote-2">2) Eine seltsame, dunkle Verkettung der
+Gedanken! &mdash; Ich müßte zu weitläuftig
+werden, und behalte mir vor, diese, und
+die nachfolgenden Anmerkungen am Ende
+des Werkchens auszuführen. Anm.
+des Uibersetzers.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-3"><a href="#fnote-3">3) Sieh den Kandide, oder die beste Welt,
+4. Kapitel.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-4"><a href="#fnote-4">4) (Anmerkung der Verleger). Im Manuskripte
+steht ein kräftigerer Ausdruck. Sicher
+ist er jener, der unter den Meistern dieser
+Kunst wirklich gebraucht wird. Wir sehen
+ihn hier verhüllet, und so bei, daß man ihn
+nach der zerstreuten Ordnung seiner Bestandtheile
+auch verkennen kann, wenn man will.
+V. I. R. V. S. Wer seine Augen nicht darauf
+wenden will, hat die Freiheit, ihn zu
+übergehen: wer ihn hingegen ohne Schaudern
+besichtigt, kann ihn durchaus an die Stelle
+des Giftes setzen.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-5"><a href="#fnote-5">5) Sieh die gelehrte Abhandlung des Herrn
+A *&nbsp;* de morbis veneris.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-6"><a href="#fnote-6">6) (Anmerkung der Verleger.) Wir dürfen nicht
+bergen, daß dieses Vorgehen des Doktors
+ziemlich offenbar demjenigen widerspricht, das
+ihm sein Geschichtschreiber im 4. Kap. des Optimism
+in den Mund legt. Dieser läßt Herrn
+Pangloß mit den eignen Worten sagen, daß die
+Türken, die Indianer, die Chineser, die Perser,
+die Samiten die F &mdash; &mdash; noch nicht kennen;
+sondern daß es nur lediglich einen zureichenden
+Grund gebe, vermög welchen sie sie
+in einigen Jahrhunderten kennen würden. Das
+ist eine triftige Autorität. Indessen glaubten
+wir doch nicht, daß sie der unsers Manuscripts
+vorzuziehen wäre. Gott behüte, daß wir Herrn
+Ralph eines Irrthums oder einer Untreue beschuldigen
+wollten; aber die Memoires, nach
+denen er gearbeitet hat, konnten nicht genau
+seyn; und über dieß hatte auch sein Held zu
+der Zeit, wo er ihn sprechen läßt, noch nicht
+alle jene Einsichten erlangt, welche ihm neue
+Reisen in der Folgezeit erworben haben.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-7"><a href="#fnote-7">7) Lettres de Gul Patin. let. 133.
+</a></p>
+<p class="footnote" id="footnote-8"><a href="#fnote-8">8) Sieh die registres du Parlement &amp; du Chatelet.
+</a></p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+<p>&nbsp;</p>
+
+<div class="trnote">
+<p class="center"><a id="Anmerkungen"><b>Anmerkungen zur Transkription</b></a></p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p class="noindent">
+Fußnoten wurden am Ende des Bandes gesammelt.
+</p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+<p class="noindent">
+Schreibweise und Interpunktion des Originales wurden weitestgehend erhalten.
+Nur in wenigen, klaren Fällen wurden die folgenden Korrekturen vorgenommen:
+</p>
+
+<ul>
+<li> Kanstantinopel &mdash; geändert in <a href="#corr-1"><i>Konstantinopel</i></a></li>
+<li> kønnte &mdash; geändert in <a href="#corr-2"><i>könnte</i></a></li>
+<li> Ungemächlichken &mdash; geändert in <a href="#corr-3"><i>Ungemächlichkeiten</i></a></li>
+<li> ger &mdash; geändert in <a href="#corr-4"><i>der</i></a></li>
+<li> dursuchte &mdash; geändert in <a href="#corr-5"><i>durchsuchte</i></a></li>
+<li> drn &mdash; geändert in <a href="#corr-6"><i>den</i></a></li>
+<li> Schlächtelchen &mdash; geändert in <a href="#corr-7"><i>Schächtelchen</i></a></li>
+<li> fuchtbarere &mdash; geändert in <a href="#corr-8"><i>furchtbarere</i></a></li>
+
+</ul>
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Die Kakomonade, by Simon Nicolas Henri Linguet
+
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+
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+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
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+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
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+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
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+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
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+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
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+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
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+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ http://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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+
+</pre>
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