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-The Project Gutenberg EBook of Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8), by
-Peter Rosegger and Fritz Reuter and Wilhelm Raabe and Albert Roderich
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
-other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
-whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
-the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
-www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
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-
-Title: Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8)
- Hausbücherei der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung, 3. Band
-
-Author: Peter Rosegger
- Fritz Reuter
- Wilhelm Raabe
- Albert Roderich
-
-Release Date: September 5, 2016 [EBook #52985]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: UTF-8
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE HUMORISTEN, 1. BAND ***
-
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-
-Produced by the Online Distributed Proofreading Team at
-http://www.pgdp.net
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- Anmerkungen zur Transkription
-
- Der vorliegende Text wurde anhand der 1911 erschienenen Buchausgabe
- so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung
- und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend
- korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden
- beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich
- waren oder im Text mehrfach auftreten.
-
- Einige ornamentale Symbole im laufenden Text wurden durch das
- Unicode-Zeichen ‚Reference Mark‘ (※) ersetzt. Das Bücherverzeichnis
- der ‚Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung‘ wurde vom Bearbeiter an
- das Ende des Buches verschoben.
-
- Der Originaltext wurde in Frakturschrift gedruckt; Passagen in
- Antiquaschrift werden durch _Unterstriche_ hervorgehoben. Fettdruck
- wird durch die Verwendung von =Gleichheitszeichen= dargestellt,
- gesperrte Passagen sind von +Pluszeichen+ umgeben.
-
- ####################################################################
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-
-
-
- Hausbücherei
-
- 3
-
-
-
-
- Hausbücherei
-
- der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
-
- 3. Band
-
- [Illustration]
-
- Hamburg-Großborstel
-
- Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
-
- 1911
-
- 46.-55. Tausend
-
-
-
-
- Deutsche Humoristen
-
- 1. Band
-
- Peter Rosegger ※ ※ Fritz Reuter
- Wilhelm Raabe ※ Albert Roderich
-
- [Illustration]
-
- Hamburg-Großborstel
-
- Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung
-
- 1911
-
- 46.-55. Tausend
-
-
-
-
- Inhaltsverzeichnis zum 2. Bande der „Deutschen Humoristen“
- (Hausbücherei Band 4).
-
-Vorwort.
-
-+Brentano+, Clemens: Die mehreren Wehmüller oder ungarische
-Nationalgesichter.
-
-+Hoffmann+, E. Th. A.: Die Königsbraut. Ein nach der Natur entworfenes
-Märchen.
-
-+Zschokke+, Heinrich: Die Nacht in Brczwezmcisl.
-
-
- Inhaltsverzeichnis zum 3. Bande der „Deutschen Humoristen“
- (Hausbücherei Band 5).
-
-+Hoffmann+, Hans: Eistrug.
-
-+Ernst+, Otto: Die Gemeinschaft der Brüder vom geruhigen Leben.
-
-+Eyth+, Max: Der blinde Passagier.
-
-+Böhlau+, Helene (Madame al Raschid Bey): Die Ratsmädel gehen einem
-Spuk zu Leibe.
-
-
-
-
-Inhalt.
-
- Vorwort 7-8
-
- +Vischer, Friedr. Theodor+: Humor. Gedicht 9-10
-
- +Rosegger, Peter+: Als ich das erste Mal auf dem
- Dampfwagen saß 11-24
-
- +Rosegger, Peter+: Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten 25-40
-
- +Raabe, Wilhelm+: Der Marsch nach Hause 41-146
-
- +Reuter, Fritz+: Woans ick tau ’ne Fru kamm 147-204
-
- +Roderich, Albert+: Nemesis 205-221
-
-
-
-
-Vorwort.
-
-
-Der Humor ist den Menschen ein so willkommener Gast, daß er eigentlich
-keiner Einführung bedarf; sein schalkhaft-ehrliches Gesicht empfiehlt
-ihn überall. Aber da es der Deutsche nun einmal nicht lassen kann, bei
-allem, was er beginnt, von „Grundsatz“ und „System“ zu reden, so sei
-hier bemerkt, daß diese kleine Sammlung humoristischer Geschichten
-nach keinem System und nach keinem Grundsatze zusammengestellt ist,
-außer nach dem, den Lesern etwas +Gutes+ vorzusetzen. Es soll also
-keiner kommen und uns sagen, es gebe noch mehr humoristische Dichtungen
-als diese, oder bessere, oder lustigere, oder gediegenere. Wir sagen
-dazu nicht ja und nicht nein. Wir sagen nur: abwarten! Denn trotz der
-pedantischen Aufnahme, die der Humor in deutschen Landen fast immer
-gefunden hat, ist der Vorrat an humoristischer Literatur bei uns Gott
-sei Dank so groß, daß fünf Geschichtchen nur einen winzigen Bruchteil
-von ihr bedeuten. Und so hoffen wir noch manches Mal mit ähnlicher
-Gabe vor unsere Leser treten zu können und den Born, aus dem wir solche
-Gaben heraufholen, ewig unerschöpft zu finden.
-
- +Hamburg+, +Deutsche Dichter-+
- Pfingsten 1903. Gedächtnis-Stiftung.
-
-
-
-
-Humor.
-
-Von +Friedrich Theodor Vischer+.
-
-
- Man spricht von Humor jetzt oft und viel
- Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel.
- Mancher kursiert als Humorist,
- Der nichts weiter als Spaßmacher ist,
- Nichts ahnt von dem innern Widerspruch,
- Von dem Zickzack, dem tiefen Bruch,
- Der durch das ganze Weltall dringt,
- Daß man immer fürchtet: es zerspringt,
- Während die also geborstne Welt
- Doch immer noch steht und zusammenhält, --
- Mancher, der diesen Riß zwar merkt,
- Doch zu freiem Lachen den Geist nicht stärkt,
- Sondern mit Weltschmerz kokettiert
- Und den Blasierten affektiert, --
- Ja mancher eisige, spitzige Spötter,
- Der Witze nur macht auf Menschen und Götter,
- Mancher verdorbne, mit Seelengicht
- Behaftete, zotensinnende Wicht,
- Mancher schäkernde, eitle Mann,
- Der über sich selbst nicht lachen kann. --
- Hat aber einer die Geistesmacht,
- Die scharf durchschaut und doch heiter lacht,
- Bleibt er fest und verzweifelt nie,
- Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie,
- Versteht er über sich selbst zu schweben,
- Sich selber dem Lachen preiszugeben:
- Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen,
- Auch einmal einfach närrisch zu scherzen,
- Ohne versteckte Gedankentiefen
- Seine Freude zu haben am Naiven.
-
-
- Mit freundlicher Erlaubnis des Verlegers und des Sohnes des
- Verfassers abgedruckt aus Friedrich Theodor Vischer’s
- ※※※ Gedichtsammlung „Allotria“ ※※※
- (Stuttgart: Verlag von Adolf Bonz & Co.).
-
-
-
-
-Peter Rosegger:
-
-
-Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß.
-
-
-
-
-Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt
-aus dem 1. Bande von Peter Roseggers Buch „Waldheimat. Erinnerungen aus
-der Jugendzeit.“ (Leipzig: Verlag von L. Staackmann, 18. Aufl. 1902).
-
-
-
-
-Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß.
-
-
-Mein Pate, der Knierutscher Jochem -- er ruhe in Frieden! -- war
-ein Mann, der alles glaubte, nur nicht das Natürliche. Das Wenige
-von Menschenwerken, was er begreifen konnte, war ihm göttlichen
-Ursprungs; das Viele, was er nicht begreifen konnte, war ihm Hexerei
-und Teufelsspuk. -- Der Mensch, das bevorzugteste der Wesen, hat zum
-Beispiel die Fähigkeit, das Rindsleder zu gerben und sich Stiefel
-daraus zu verfertigen, damit ihn nicht an den Zehen friere; diese Gnade
-hat er von Gott. Wenn der Mensch aber hergeht und den Blitzableiter
-oder gar den Telegraphen erfindet, so ist das gar nichts anderes als
-eine Anfechtung des Teufels. -- So hielt der Jochem den lieben Gott für
-einen gutherzigen, einfältigen Alten (ganz wie er, der Jochem, selber
-war), den Teufel aber für ein listiges, abgefeimtes Kreuzköpfel, dem
-nicht beizukommen ist und das die Menschen und auch den lieben Gott von
-hinten und vorn beschwindelt.
-
-Abgesehen von dieser hohen Meinung vom Lucifer, Beelzebub (was weiß
-ich, wie sie alle heißen), war mein Pate ein gescheiter Mann. Ich
-verdankte ihm manches neue Linnenhöslein und manchen verdorbenen Magen.
-
-Sein Trost gegen die Anfechtungen des bösen Feindes und sein Vertrauen
-war die Wallfahrtskirche Mariaschutz am Semmering. Es war eine Tagreise
-dahin, und der Jochem machte alljährlich einmal den Weg. Als ich schon
-hübsch zu Fuße war (ich und das Zicklein waren die einzigen Wesen, die
-mein Vater nicht einzuholen vermochte, wenn er uns mit der Peitsche
-nachlief), wollte der Pate Jochem auch mich einmal mitnehmen nach
-Mariaschutz.
-
-„Meinetweg’“, sagte mein Vater, „da kann der Bub’ gleich die neue
-Eisenbahn sehen, die sie über den Semmering jetzt gebaut haben. Das
-Loch über den Berg soll schon fertig sein.“
-
-„Behüt’ uns der Herr“, rief der Pate, „daß wir das Teufelszeug
-anschau’n! ’s ist alles Blendwerk, ’s ist alles nicht wahr“.
-
-„Kann auch sein“, sagte mein Vater und ging davon.
-
-Ich und der Pate machten uns auf den Weg; wir gingen über das
-Stuhleckgebirge, um ja dem Tale nicht in die Nähe zu kommen, in welchem
-nach der Leut’ Reden der Teufelswagen auf und ab ging. Als wir aber auf
-dem hohen Berge standen und hinabschauten in den Spitalerboden, sahen
-wir einer scharfen Linie entlang einen braunen Wurm kriechen, der Tabak
-rauchte.
-
-„Jessas Maron!“ schrie mein Pate, „das ist schon so was! spring Bub’!“
--- Und wir liefen die entgegengesetzte Seite des Berges hinunter.
-
-Gegen Abend kamen wir in die Niederung, doch -- entweder der Pate war
-hier nicht wegkundig, oder es hatte ihn die Neugierde, die ihm zuweilen
-arg zusetzte, überlistet, oder wir waren auf eine „Irrwurzen“ gestiegen
--- anstatt in Mariaschutz zu sein, standen wir vor einem ungeheuren
-Schutthaufen, und hinter demselben war ein kohlfinsteres Loch in den
-Berg hinein. Das Loch war schier so groß, daß darin ein Haus hätte
-stehen können, und gar mit Fleiß und Schick ausgemauert; und da ging
-eine Straße mit zwei eisernen Leisten daher und schnurgerade in den
-Berg hinein.
-
-Mein Pate stand lange schweigend da und schüttelte den Kopf; endlich
-murmelte er: „Jetzt stehen wir da. Das wird die neumodische Landstraßen
-sein. Aber derlogen ist’s, daß sie da hineinfahren!“
-
-Kalt wie Grabesluft wehte es aus dem Loche. Weiter hin gegen Spital in
-der Abendsonne stand an der eisernen Straße ein gemauertes Häuschen;
-davor ragte eine hohe Stange, auf dieser baumelten zwei blutrote
-Kugeln. Plötzlich rauschte es an der Stange und eine der Kugeln ging
-wie von Geisterhand gezogen in die Höhe. Wir erschraken baß. Daß es
-hier mit rechten Dingen nicht zuginge, war leicht zu merken. Doch
-standen wir wie festgewurzelt.
-
-„Pate Jochem,“ sagte ich leise, „hört ihr nicht so ein Brummen in der
-Erden?“
-
-„Ja freilich, Bub’“, entgegnete er, „es donnert was! es ist ein
-Erdbidn“ (Erdbeben). Da tat er schon ein kläglich Stöhnen. Auf der
-eisernen Straße heran kam ein kohlschwarzes Wesen. Es schien anfangs
-stillzustehen, wurde aber immer größer und nahte mit mächtigem
-Schnauben und Pfustern und stieß aus dem Rachen gewaltigen Dampf aus.
-Und hintenher --
-
-„Kreuz Gottes!“ rief mein Pate, „da hängen ja ganze Häuser d’ran!“
-Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hatten, an das Lokomotiv wären
-ein paar Steirerwäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen
-konnten, so sahen wir nun einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern
-heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe
-heraus, und schrecklich schnell ging’s, und ein solches Brausen war,
-daß einem der Verstand still stand. Das bringt kein Herrgott mehr zum
-stehen! fiel’s mir noch ein. Da hub der Pate die beiden Hände empor
-und rief mit verzweifelter Stimme: „Jessas, Jessas, jetzt fahren sie
-richtig in’s Loch!“
-
-Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in der Tiefe;
-die Rückseite des letzten Wagens schrumpfte zusammen, nur ein Lichtlein
-davon sah man noch eine Weile, dann war alles verschwunden, bloß der
-Boden dröhnte, und aus dem Loche stieg still und träge der Rauch.
-
-Mein Pate wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß vom Angesicht und
-starrte in den Tunnel.
-
-Dann sah er mich an und fragte: „Hast du’s auch gesehen, Bub’?“
-
-„Ich hab’s auch gesehen“.
-
-„Nachher kann’s keine Blenderei gewesen sein“, murmelte der Jochem.
-
-Wir gingen auf der Fahrstraße den Berg hinan; wir sahen aus mehreren
-Schachten Rauch hervorsteigen. Tief unter unsern Füßen im Berge ging
-der Dampfwagen.
-
-„Die sind hin wie des Juden Seel’!“ sagte mein Pate und meinte die
-Eisenbahn-Reisenden. „Die übermütigen Leut’ sind selber ins Grab
-gesprungen!“
-
-Beim Gasthause auf dem Semmering war es völlig still; die großen
-Stallungen waren leer, die Tische in den Gastzimmern, die Pferdetröge
-an der Straße waren unbesetzt. Der Wirt, sonst der stolze Beherrscher
-dieser Straße, lud uns höflich zu einer Jause ein.
-
-„Mir ist aller Appetit vergangen“, antwortete mein Pate, „gescheite
-Leut’ essen nicht viel, und ich bin heut’ um ein Stückel gescheiter
-worden“. Bei dem Monumente Karls VI., das wie ein kunstreiches Diadem
-den Bergpaß schmückt, standen wir still und sahen ins Österreicherland
-hinaus, das mit seinen Felsen und Schluchten und seiner unabsehbaren
-Ebene vor uns ausgebreitet lag. Und als wir dann abwärts stiegen,
-da sahen wir drüben in den wilden Schroffwänden unsern Eisenbahnzug
-gehen -- klein wie eine Raupe -- und über hohe Brücken, fürchterliche
-Abgründe setzen, an schwindelnden Hängen gleiten, bei einem Loch
-hinein, beim andern hinaus -- ganz verwunderlich.
-
-„’s ist auf der Welt ungleich, was heutzutag’ die Leut’ treiben“,
-murmelte mein Pate.
-
-„Sie tun mit der Weltkugel kegelscheiben!“ sagte ein eben
-vorübergehender Handwerksbursche.
-
-Als wir nach Mariaschutz kamen, war es schon dunkel.
-
-Wir gingen in die Kirche, wo das rote Lämpchen brannte, und beteten.
-
-Dann genossen wir beim Wirt ein kleines Nachtmahl und gingen an den
-Kammern der Stallmägde vorüber auf den Heuboden, um zu schlafen.
-
-Wir lagen schon eine Weile. Ich konnte unter der Last der Eindrücke
-und unter der Stimmung des Fremdseins kein Auge schließen, vermutete
-jedoch, daß der Pate bereits süß schlummere; da tat dieser plötzlich
-den Mund auf und sagte:
-
-„Schlafst schon, Bub’?“
-
-„Nein“, antwortete ich.
-
-„Du“, sagte er, „mich reitet der Teufel!“
-
-Ich erschrak. So was an einem Wallfahrtsort, das war unerhört.
-
-„Ich muß vor dem Schlafengehen keinen Weihbrunn’ genommen haben“,
-flüsterte er, „’s gibt mir keine Ruh’, ’s ist arg, Bub’“.
-
-„Was denn, Pate?“ fragte ich mit warmer Teilnahme.
-
-„Na, morgen, wenn ich kommuniziere, leicht wird’s besser“, beruhigte er
-sich selbst.
-
-„Tut euch was weh’, Pate?“
-
-„’s ist eine Dummheit. Was meinst, Bübel, weil wir schon so nah’ dabei
-sind, probieren wir’s?“
-
-Da ich ihn nicht verstand, so gab ich keine Antwort.
-
-„Was kann uns geschehen?“ fuhr der Pate fort, „wenn’s die andern tun,
-warum nicht wir auch? Ich lass’ mir’s kosten“.
-
-Er schwätzt im Traum, dachte ich bei mir selber und horchte mit Fleiß.
-
-„Da werden sie einmal schauen“, fuhr er fort, „wenn wir heimkommen und
-sagen, daß wir auf dem Dampfwagen gefahren sind!“
-
-Ich war gleich dabei.
-
-„Aber eine Sündhaftigkeit ist’s!“ murmelte er, „na leicht wird’s morgen
-besser, und jetzt tun wir in Gottes Namen schlafen“.
-
-Am andern Tage gingen wir beichten und kommunizieren und rutschten
-auf den Knieen um den Altar herum. Aber als wir heimwärts lenkten, da
-meinte der Pate nur, er wolle sich dieweilen gar nichts vornehmen, er
-wolle nur den Semmering-Bahnhof sehen, und wir lenkten unsern Weg dahin.
-
-Beim Semmering-Bahnhof sahen wir das Loch auf der andern Seite.
-War auch kohlfinster. -- Ein Zug von Wien war angezeigt. Mein Pate
-unterhandelte mit dem Bahnbeamten, er wolle zwei Sechser geben, und
-gleich hinter dem Berg, wo das Loch aufhört, wollten wir wieder
-absteigen.
-
-„Gleich hinter dem Berg, wo das Loch aufhört, hält der Zug nicht“,
-sagte der Bahnbeamte lachend.
-
-„Aber wenn wir absteigen wollen!“ meinte der Jochem.
-
-„Ihr müßt bis Spital fahren. Ist für zwei Personen zweiunddreißig
-Kreuzer Münz.“
-
-Mein Pate meinte, er lasse sich was kosten, aber so viel wie die hohen
-Herren könne er armer Schlucker nicht geben; zudem sei an uns beiden
-ja kein Gewicht da. -- Es half nichts; der Beamte ließ nicht handeln.
-Der Pate zahlte; ich mußte zwei „gute“ Kreuzer beisteuern. Mittlerweile
-kroch aus dem nächsten, unteren Tunnel der Zug hervor, schnaufte heran,
-und ich glaubte schon, das gewaltige Ding wolle nicht anhalten. Es
-zischte und spie und ächzte -- da stand es still.
-
-Wie ein Huhn, dem man das Hirn aus dem Kopfe geschnitten, so stand der
-Pate da, und so stand ich da. Wir wären nicht zum Einsteigen gekommen;
-da schupste der Schaffner den Paten in einen Waggon und mich nach. In
-demselben Augenblicke wurde der Zug abgeläutet, und ich hörte noch, wie
-der ins Coupé stolpernde Jochem murmelte: „Das ist meine Totenglocke“.
-Jetzt sahen wir’s aber: im Waggon waren Bänke, schier wie in einer
-Kirche; und als wir zum Fenster hinausschauten -- „Jessas und Maron!“
-schrie mein Pate, „da draußen fliegt ja eine Mauer vorbei!“ -- Jetzt
-wurde es finster, und wir sahen, daß an der Wand unseres knarrenden
-Stübchens eine Öllampe brannte. Draußen in der Nacht rauschte und toste
-es, als wären wir von gewaltigen Wasserfällen umgeben, und ein ums
-andere Mal hallten schauerliche Pfiffe. Wir reisten unter der Erde.
-
-Der Pate hielt die Hände auf dem Schoß gefaltet und hauchte: „In
-Gottes Namen. Jetzt geb’ ich mich in alles drein. Warum bin ich der
-dreidoppelte Narr gewesen.“
-
-Zehn Vaterunser lang mochten wir so begraben gewesen sein, da lichtete
-es sich wieder, draußen flog die Mauer, flogen die Telegraphenstangen
-und die Bäume, und wir fuhren im grünen Tale.
-
-Mein Pate stieß mich an der Seite: „Du, Bub’! Das ist gar aus der Weis’
-gewesen, aber jetzt -- jetzt hebt’s mir an zu gefallen. Richtig wahr,
-der Dampfwagen ist was Schönes! Jegerl und jerum, da ist ja schon
-das Spitalerdorf! Und wir sind erst eine Viertelstunde gefahren! Du,
-da haben wir unser Geld noch nicht abgesessen. Ich denk’, Bub’, wir
-bleiben noch sitzen.“
-
-Mir war’s recht. Ich betrachtete das Zeug von innen und ich blickte in
-die fliegende Gegend hinaus, konnte aber nicht klug werden. Und mein
-Pate rief: „Na, Bub’, die Leut’ sind gescheit! Und daheim werden sie
-Augen machen! Hätt’ ich das Geld dazu, ich ließe mich, wie ich jetzt
-sitz’, auf unsern Berg hinauffahren!“
-
-„Mürzzuschlag!“ rief der Schaffner. Der Wagen stand; wir schwindelten
-zur Tür hinaus!
-
-Der Türsteher nahm uns die Papierschnitzel ab, die wir beim Einsteigen
-bekommen hatten, und vertrat uns den Ausgang. „He, Vetter!“ rief er,
-„diese Karten galten nur bis Spital. Da heißt’s nachzahlen, und zwar
-das Doppelte für zwei Personen; macht einen Gulden sechs Kreuzer!“
-
-Ich starrte meinen Paten an, mein Pate mich. „Bub’“, sagte dieser
-endlich mit sehr umflorter Stimme, „hast du ein Geld bei dir?“
-
-„Ich hab’ kein Geld bei mir“, schluchzte ich.
-
-„Ich hab’ auch keins mehr“, murmelte der Jochem.
-
-Wir wurden in eine Kanzlei geschoben, dort mußten wir unsere Taschen
-umkehren. Ein blaues Sacktuch, das für uns beide war und das die Herren
-nicht anrührten, ein hart Rindlein Brot, eine rußige Tabakspfeife,
-ein Taschenfeitel, etwas Schwamm und Feuerstein, der Beichtzettel von
-Mariaschutz und der lederne Geldbeutel endlich, in dem sich nichts
-befand als ein geweihtes Messing-Amuletchen, das der Pate stets mit
-sich trug im festen Glauben, daß sein Geld nicht ganz ausgehe, so lange
-er das geweihte Ding im Sacke habe. Es hatte sich auch bewährt bis
-auf diesen Tag -- und jetzt war’s auf einmal aus mit seiner Kraft. --
-Wir durften unsere Habseligkeiten zwar wieder einstecken, wurden aber
-stundenlang auf dem Bahnhofe zurückbehalten und mußten mehrere Verhöre
-bestehen.
-
-Endlich, als schon der Tag zur Neige ging, zur Zeit, da nach so
-rascher Fahrt wir leicht schon hätten zu Hause sein können, wurden wir
-entlassen, um nun den Weg über Berg und Tal in stockfinsterer Nacht
-zurückzulegen.
-
-Als wir durch den Ausgang des Bahnhofes schlichen, murmelte mein Pate:
-„Beim Dampfwagen da -- ’s ist doch der Teufel dabei!“
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Peter Rosegger:
-
-
-Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten.
-
-
-
-
-Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt
-aus dem 1. Bande von Peter Roseggers Buch „Waldheimat. Erinnerungen aus
-der Jugendzeit“ (Leipzig: Verlag von L. Staackmann, 18. Aufl. 1902).
-
-
-
-
-Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten.
-
-
-Wenn man in jener Gegend den Bauern nach der Anzahl der Bewohner seines
-Hauses fragt, so mag wohl folgende Antwort geschehen: „Bewohner? Ja,
-die muß ich mir selber erst zusammendenken. Da bin ich; -- tut nur
-fleißig nachzählen -- ich und mein Weib und unsere fünf Kinder und der
-Knecht und acht Rindvieher und die Magd.“
-
-Und er meint es nicht anders. Schützt sie doch allzusammen +ein+
-Dach, lebt doch eines für alle, wie alle für eines leben, und sie
-ernähren sich gegenseitig und erheitern sich das Leben, und die Kinder
-und die Kälber laufen lustig durcheinander herum. -- Für die Rinder hat
-der liebe Gott die Almen und die Heustadeln erschaffen. Und wenn die
-Stadeln sich gefüllt haben und die Zeit der Heue vorüber ist, so wird
-im Hause des Hirtenbauers ein Fest begangen. Der Bauer gibt den Seinen
-ein Mahl. Und da wird nicht geschont, ist doch der Heustadel voll.
-
-Und besonders Hansjörgl, der Knecht, dem in letzterer Zeit der
-Bauchriemen ohnehin schon zu lang geworden ist, läßt sich das Fest
-angelegen sein, und so eine Bäuerin wie die unsere, sagt er,
-gibt’s nimmermehr -- und der Riemen wird kürzer und kürzer, und
-die Enden seines Ringes wollen nicht mehr reichen, und mit Gewalt
-zusammengeschnallt, springen sie wieder mit Gewalt auseinander.
-
-Das Fest der Gürtelsprenge.
-
-Mir ist aus jener Zeit, in der ich solche Feste noch mitmachte, ein
-Geschichtchen in Erinnerung.
-
-Ich war noch im Hefelrainhof beim Vieh. Die Heue war vorüber, und unser
-Knecht hatte zwei Tage lang fast nichts gegessen, um sich auf den
-nahenden Genuß gebührend vorzubereiten. Es waren Stunden aufgeregter
-Erwartung, bis am dritten Tage zum späten Mittag der Bauer das weiße
-Tuch, mit dem roten Streifen in der Mitte, über den Tisch zog. Dann
-legte er die glänzend gefegten Messer und Gabeln und Löffel auf ihre
-Plätze. Dann begann er in gehobener Stimmung -- er hatte heute auch
-reine Wäsche an -- Weißbrot aufzuschneiden. Ich stand neben dem
-Tisch und sah, wie der Haufen der Brotspalten immer mehr anwuchs und
-anwuchs. Hansjörgl, der Knecht, beobachtete diesen Vorgang nicht
-ohne Mißtrauen; -- wozu das viele Brot hier? Soll das etwa bestimmt
-sein, die Haupträumlichkeiten zu füllen, auf daß feinere Bissen nicht
-sollen untergebracht werden können? -- Endlich kam der dampfende
-Milchtopf, und der Tisch ächzte, und die Massen der Brotspalten wurden
-hineinversenkt, so wie sich bei Erdrevolutionen Berge versenken in die
-Tiefen des Meeres. Wir beteten, dann setzten wir uns alle zu Tische.
-
-Der Knecht begann zu essen, still und langsam, mit einer ehernen Ruhe.
-Als die Milch und das darauffolgende Speckkraut abgetan war und die
-Lasten der Roggenknödeln erschienen, fühlte ich die früher so mächtigen
-Sympathieen für die Gegenstände nach und nach schwinden -- ich war
-gesättigt. Ich sah nur sinnend zu, wie die bedeutsamen Reihen der
-Gerichte vorüberzogen, die Butterschnitten und die Rahmstrudeln und
-die Fleischnudeln, und das Schottenkoch und die Milchkrapfen und das
-Schmalzmus. Sie aßen und redeten dabei von Dingen, die sich früher
-bei dem Feste der Gürtelsprenge zugetragen hatten und in der Zukunft
-noch zutragen können. Der Knecht redete nicht, er saß und aß still
-und langsam, mit einer ehernen Ruhe. Es kamen noch fernere Gerichte
-und fernere Gespräche, und der Knecht aß still und langsam fort. Als
-sie bei den Butterkrapfen waren, hörte man ein leichtes Schnalzen
--- es war sein Gürtel auseinander gesprungen. Der Knecht ließ ihn
-auseinandergesprungen sein, blieb in seiner Ruhe und aß.
-
-Endlich aber blieb die geleerte Schüssel auf dem Tische stehen, und es
-kam nichts mehr. Der Knecht blickte befremdet auf; -- wo spannt sich’s
-denn? ja, geht’s denn nicht allweg so fort? -- Er war schwermütig,
-er dachte an das Los alles Zeitlichen, er erhob sich, er ging in das
-Freie, er stand eine Weile still und sah hinaus in die Berge und Täler,
-er stieg empor zum Heuboden, er legte sich in sein Bett.
-
-Es nahte schon der Abend.
-
-Über den Almen zogen Nebel, wie sie sich zur Herbstzeit gern über das
-Gebirge niedersenken. Ich ging hinaus auf die Halde und rief so lange:
-„Hoi ho, hoi ho!“ bis die Kuh mit der Glockenschelle auf mich zukam und
-ihr die Heerde nachfolgte. Dann führte ich sie zum Hause und in den
-Stall.
-
-Als dieses geschehen, und als gemolken war, gingen wir zur Abendsuppe;
-ich hatte wieder recht Appetit, und der Bauer sagte, so eine saure
-Suppe könne er zu jeder Zeit essen, und sie sei ihm lieber wie die
-besten Butterkrapfen. Aber der Knecht erschien nicht zur Suppe.
-
-Endlich gingen wir alle zur Ruhe. Ich hatte mein Lager im Stalle, um
-die Rinder zu bewachen, daß sich keines etwa von seiner Kette losmache
-und die anderen beschädige. Mir war recht behaglich unter der Decke.
-Die Glockenkuh schellte noch eine Weile, weil sie sich an den Lenden
-leckte, und der Stier rasselte noch dann und wann an der Kette und
-gaukelte mit den Hörnern. Nach und nach ließen sie sich alle nieder
-auf die frische Fichtenstreu und begannen das Wiederkäuen. Einige Zeit
-hörte ich noch das gleichmäßige Gescharre der Zähne, dann sanken mir
-nach und nach die Augen zu. -- Noch war mir, als säße auch der Knecht
-auf der Fichtenstreu, und rassele mit der Kette und gaukele wie der
-Stier, und kaue, wie alle anderen, und kaue ohne Ende.
-
-Plötzlich weckte mich ein Poltern außen an der Stalltür. „Halterbub’,
-schreck’ dich nicht und steh’ auf!“ hörte ich rufen; es war des Bauern
-Stimme, und das Poltern an der Tür wurde heftiger.
-
-Ich kollerte von dem Bette auf die Streu hinaus, stieß in der
-Verwirrung an die Glockenkuh, daß sie mit einem ohrenzerreißenden
-Geschelle aufsprang, und ich taumelte der Türe zu.
-
-„Schreck’ dich nicht, Bub’, und mach’ dir nichts draus“, rief der
-Hefelrainhofer wieder, „schlupf’ geschwind in deine Hose hinein, du
-mußt eilig hinablaufen nach Kathrein um den Herrn Pfarrer, ’s will uns
-der Hansjörgl sterben!“
-
-„Der Hansjörgl will sterben!“ sagte ich zitternd und nestelte die
-Türkette auf, „ja warum denn und wegen was denn?“
-
-„Der lieb’ Herrgott wird’s wissen! Da kugelt er oben in seinem Bett und
-schiebt die Augen über und ächzt -- und -- nein, meiner Tag hab’ ich
-so was nicht erlebt. Geh’, Bübl, geh’, wenn du den Pfarrer bei Zeiten
-bringst, so kriegst einen Sechser. Und das letzt’ Öl soll er dennoch
-wohl auch mitbringen -- und begraben laß ich den Hansjörgl mit dem
-großen Kondukt. Ach, mein guter, rechtschaffener Knecht!“
-
-Ich weiß nicht, wie ich’s gemacht hatte; ehe noch der Bauer aufgehört
-zu sprechen, war ich angezogen, und in den nächsten Augenblicken schon
-eilte ich den Berghang hinab. Zerrissene Wolken hingen am Himmel, matt
-schien der Halbmond, in den Ästen der Tannen fächelte zeitweilig der
-Wind. Meine Schuhe machten ein Getöse in den Steinen des Hanges, mir
-voran und zur Seite kollerten diese hinab, und ich kollerte schier
-auch selbst mit ihnen. Und ich ging durch Täler hinaus, oft hingen
-Bäume derart über mir zusammen, daß ich keinen Boden, keine Wurzel,
-keinen Stein mehr sah, daß ich im Schwarzen dahinwandelte, stolperte,
-in Pfützen sprang, an Bäume prallte -- in Todesangst war. Neben mir
-hin rauschte der Waldbach. Oft hörte ich Gekrächze über mir, Schritte
-hinter mir, und ich meinte, der Knecht sei bereits gestorben und sein
-irrender Geist folge mir. Ich hatte Angst um meine arme Seele, ich
-betete im Herzen, ich versicherte den lieben Gott und alle Heiligen,
-daß ich all’ mein Lebtag keine Sünde mehr begehen wolle, wenn ich
-diesmal in Gnaden bewahrt bliebe. Und bis auf einige blaue Ballen an
-Gesicht und Händen blieb ich in Gnaden bewahrt. Nach Stunden kam ich
-nach Kathrein, und da ging die Morgenröte auf.
-
-Ich eilte zum Pfarrhof und riß mit beiden Händen an dem Drahte der
-Türglocke so heftig, daß ich von innen einen Jammerschrei hörte.
-Dann wurde ein Fenster aufgerissen, und die alte Haushälterin in
-schneeweißem Nachtgewande rief alle Namen der Himmel um Antwort an, wer
-denn Sturm läute in solcher Stunde. Da öffnete ich denn mein bedrängtes
-Herz: „Der Hansjörgl will sterben -- das letzte Öl soll er auch
-mitnehmen, und begraben läßt er ihn mit dem großen Kondukt!“
-
-Ich wurde verstanden. Schwer mag’s dem greisen Mann gewesen sein,
-nun aus den weichen Federn fort, in die frostige Herbstluft hinaus,
-und nüchtern in das Gebirge. Aber er ging. Lautlos kleidete er sich
-an, eilte zur Kirche, läutete selbst das Versehglöcklein, holte das
-Heiligste und ging mit mir. Ich ging voran, trug in der einen Hand
-die brennende Laterne, in der andern das Metallglöcklein, mit dem ich
-schellte, auf daß die Menschen in den Häusern und Hütten, an denen wir
-vorüberzogen, auf die priesterliche Handlung aufmerksam gemacht würden.
-
-Wir gingen denselben Weg, den ich hergegangen war. Das Wasser rauschte;
-ich schellte den Fischen, daß nun ihr Schöpfer vorüberziehe, und daß
-sie anbetend ihre Köpfe emporrecken sollten aus den Wellen. Keine
-einzige Forelle hat mein Glöcklein gehört.
-
-Als es nach und nach licht geworden war, begann der Pfarrer hinter mir
-plötzlich zu lachen. „Ja, was hast du denn gemacht, Kleiner, du hast ja
-dein Höslein verkehrt an!“
-
-Da gab’s mir einen Stich im Herzen; vor meinen Augen tanzten Sterne.
--- Was hat er gesagt, mein Höslein verkehrt? -- Es war wohl so! -- Das
-Hintere war vorn, das Vordere war hinten, und kein einzig Knöpflein war
-zu.
-
-„Ist ja kein Unglück“, sagte der Pfarrer, „hast es halt ein wenig
-schnell gemacht. Setz’ die Laterne da auf den Stein, und mach’ Ordnung,
-ich wart’ auf dich.“
-
-Ich ging hinauf in das Dickicht und zog aus und zog an, und eilte, daß
-doch der Knecht dieweilen nicht sterbe, und endlich, als alles recht
-saß, barg ich mein Gesicht in den Ellbogen.
-
-Um mich aus der Verlegenheit zu befreien, begann der Greis ein
-Gespräch und erkundigte sich um die näheren Zustände des Knechtes. Er
-beschleunigte seine Schritte und sagte mir, daß es für einen Priester
-sehr peinlich sei, auf seinem Versehgange zum Kranken nur mehr einen
-Toten zu treffen und unverrichteter Sache wieder zurückkehren zu
-müssen. „Einmal hab’ ich das erfahren, mein lieber Kleiner. Es war vor
-mehreren Jahren. Ich wurde hinein in die Kiengräben zu einem Holzhauer
-gerufen, den als Wilderer die Kugel eines Jägers getroffen hatte.
-Sein einzig Sehnen war nach einem Priester; stundenlang rang er mit
-dem Tode und in Verzweiflung rief er: Ich muß warten auf meinen Gott
-und Richter. -- Aber der Weg bis in die Kiengräben ist weit, und ich
-fand den Mann erstarrt, und auf seinen Zügen und in seinem gebrochenen
-Auge lag noch die Todespein. -- Im Chorrock, und auf den Händen das
-Sakrament, so mußte ich wieder umkehren; und auf demselben Gang hab’
-ich keine einzige Vogelstimme gehört im Walde, und mir ist so schwer
-und weh gewesen, als hätten mich alle unerlösten Seelen der Erde
-verfolgt. Kleiner, was das heißt, ein Priester sein -- es ist nicht zu
-sagen!“
-
-Der Pfarrer schwieg, trocknete seine Stirn, und wir schritten weiter
-und weiter.
-
-Wir stiegen den Berghang hinan gegen unser Haus. Die Nebel hatten
-sich aufgelöst, und die Sonne stand schon ziemlich hoch am tiefblauen
-Himmel. Die Almglocken klangen auf den Höhen, und zeitweilig hörte man,
-in hohen Lüften getragen, das helle Jauchzen eines freudigen Menschen.
--- Ei wohl, unser Knecht hatte auch schön gesungen und hell gejauchzt,
-und an diesem lieblichen Morgen soll er gar auf dem Totenbette sein!
-
-Das Haus stand still und traurig auf der Anhöhe. Wohl glänzte die
-Sonne in den Fenstern, aber diese sahen uns entgegen, wie verglaste,
-verweinte Augen.
-
-Ich zitterte vor Angst; ich hielt die Laterne hoch und das Glöcklein
-ließ ich klingen. Niemand kam uns entgegen, niemand kniete vor dem
-Hause, um sich den Segen des nahenden Heilandes zu erbitten. Die Türen
-waren offen, wir gingen in das Haus und durch die Vorlauben in die
-Stube. Es war niemand da, nur die Uhr an der Wand tickte und tickte.
-
-Der Kranke ist noch auf dem Heuboden, dachte ich, und sie sind alle bei
-ihm. Der Pfarrer stellte das Sakrament auf den Tisch und sank erschöpft
-auf die Bank daneben. Ich eilte auf den Heuboden und rief laut, daß wir
-da seien. Der Heuboden war still und dunkel, nur das frischduftende
-Heu war da. Und das Bett des Knechtes war leer! -- Da erfaßte mich ein
-Grauen, und ich lief zurück in die Stube: „Kein Mensch ist da, kein
-Mensch im ganzen Hause; sie haben ihn gar schon fortgetragen!“
-
-Da erhob sich der Priester, sein Antlitz rötete sich und er sah mich
-an mit strengem Blicke. Ich brach in ein Weinen aus. Wir ließen die
-Heiligtümer auf dem Tische stehen und gingen vor das Haus, und ich
-rief, was ich rufen konnte, nach den Leuten.
-
-Endlich hörte ich von dem Schachen herüber halbverhallte Schläge. Ich
-lief gegen den Wald und schrie, und mein Schreien wurde aus Angst und
-Furcht schier zum Kreischen.
-
-„Sakra, was ist denn das für ein abscheulicher Lärm da unten? Was hat’s
-denn?“ hörte ich plötzlich eine Stimme von dem Wipfel einer hohen
-Fichte her.
-
-Ich schau’ hinauf, hör’ ihn, seh’ ihn -- es ist der Hansjörgl.
-
-Und er hackt die Äste herab, einen um den andern, und singt und
-jauchzt. Da lauf’ ich wohl wieder zurück zum Hause, zum Pfarrer,
-auf daß ich niederfalle vor ihm auf die Kniee und ihn tausendmal um
-Verzeihung bitte, daß der Knecht wieder kernblitzgesund ist und von den
-Bäumen die Äste herabhackt zur Streu für die Rinder.
-
-Aber wie ich zurückkomme, steht schon der Bauer vor dem Pfarrer und
-bringt Entschuldigungen vor. Der Knecht habe gestern ein klein wenig
-mehr von Speisen zu sich genommen, weil die Gürtelspreng’ gewesen sei,
-und d’rauf habe er in der Nacht so einen heftigen Kolikanfall bekommen,
-daß schon alle gemeint, es sei sein letztes End’. Deswegen habe er
-gleich um den Priester geschickt, aber die Krankheit habe bald darauf
-nachgelassen, und der Hansjörgl habe in der Früh wieder rechtschaffen
-viel Kässuppe gegessen. Man habe hernach wohl einen zweiten Boten
-geschickt, daß der Herr Pfarrer nur daheim bleiben möge, aber dieser
-Bote sei wahrscheinlich einen andern Weg gegangen, und so sei es
-geschehen, wie es geschehen war.
-
-In der Stube aber brannte das geweihte Wachslicht und stand das
-geistliche Brot. Sollte nun der Pfarrer wirklich mit dem Hochwürdigsten
-unverrichteter Sache zurückkehren müssen, was er so gefürchtet?
-Oder will er auf der Alm die Messe lesen und selbst das Himmelsbrot
-verzehren? Oder will jemand sterbenskrank werden, auf daß er die
-bereitete Wegzehrung genießen dürfte?
-
-Ich sann auf Wege, sann auf Stege. Und endlich hatte ich was ersonnen.
-Ich war noch nüchtern. Aus Liebe zum alten Herrn, der mich in der Seele
-erbarmte, bekannte ich ihm auf der Ofenbank meine Sünden, und so konnte
-ich nun der Kommunion teilhaftig werden.
-
-Und als die Handlung vorüber war, legte der Pfarrer den Chorrock ab
-und atmete auf. Die Bäuerin, die nun auch von der Weide gekommen, gab
-mir meine Morgensuppe und wollte dem Herrn Pfarrer mit Butter und
-einer Eierspeise aufwarten; er konnte aber nichts genießen, weil er an
-demselben Tage noch die Messe zu lesen hatte. So mußte der gute Mann
-fasten, weil unser Knecht Tags zuvor so ungebührlich gegessen hatte,
-und so mußte ich eine Beichte ablegen, weil unser Knecht Tags zuvor
-gegen die Mäßigkeit gesündigt hatte, und so endete in demselben Jahre
-das Fest der Gürtelsprenge.
-
-Dafür hatte ich heute Feiertag und durfte den Pfarrer wieder nach
-Kathrein begleiten. Als wir über den Hang hinabstiegen, hörten wir
-Hansjörgl, den Knecht, von den Waldwipfeln herüber jauchzen. Der
-Pfarrer stand still und sagte zu mir: „Was meinst, Kleiner, hört sich
-das nicht besser, wie Totenglocken?“
-
-[Illustration]
-
-
-
-
-Wilhelm Raabe:
-
-Der Marsch nach Hause.
-
-
-
-
-Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt
-aus dem 2. Bande von Wilhelm Raabes „Gesammelten Erzählungen“ (Berlin:
-Verlag von Otto Janke, 1901).
-
-
-
-
-Der Marsch nach Hause.
-
-
-1.
-
-Am siebenten August des Jahres Sechzehnhundertvierundsiebenzig als
-am Geburtstagsfeste des Schutzheiligen des Ortes und der Gegend, des
-heiligen Gebhard, herrschte ein reges Leben in der alten Stadt Bregenz
-am Bodensee und rings um dieselbe. Seit langen Jahren hatte das Volk
-diesen Tag nicht mit solchem Eifer und so fröhlichen Herzens gefeiert
-wie heute.
-
-Schon am frühen Morgen hatte kaiserliches Geschütz von der Klause über
-der Unnot und bürgerliches Böllergeknall von den Mauern der Stadt und
-den umliegenden Höhen dem Heiligen die gebührende Ehre gegeben, und
-Glocken und Glöcklein aus Kirchen und Klöstern waren schier den ganzen
-Tag über nicht still geworden. Und es war ein schöner, ein heiterer
-Tag, der ebenfalls dem Heiligen alle Ehre gab. Leise spielten die
-Wellen des großen Sees an die Ufer, und die fernsten Berggiebel und
-Hörner des graubündner Landes südlich über dem Rheintal, die Roja,
-die Schwestern von Frastanz, die Scesa plana, der Kalanda und die
-Grauhörner blitzten mit ihren Schneefeldern im heitern Licht herüber,
-während die näherzu aufgetürmten Riesen von St. Gallen und Appenzell,
-der Gonzen, der Alwier, der Kamor, der Hohen Kasten und der alte Säntis
-mit allen Zacken und Rissen, ein mächtiger Bergkamm, in wundervoller
-Klarheit sich vom blauen Himmel abhoben. Wer die Hand über die Augen
-hielt, um dieselben gegen das Glänzen und Leuchten des Wassers zu
-schirmen, der mochte selbst im fernen Hegäu die dunklen Kegel des
-Hohentwiel und Hohenkrähen deutlich erkennen.
-
-An der Kapelle am See, wo die Gebeine der im Jahre 1407 gegen die
-Appenzeller Hirten Gefallenen ruhen, und wo der Graf Wilhelm von
-Monfort mit allen Rittern des St. Jürgenschildes nach dem gewonnenen
-Siege kniete, und der Ruf Ehrguta! Ehrguta! zum ersten Mal hell
-hinausgerufen wurde, um durch Jahrhunderte in den Gassen der alten
-Römerstadt Bregenz nicht zu verhallen, waren die Schiffe und Kähne der
-Gäste aus dem Allgäu und dem Thurgäu mit Seilen und Ketten angelegt.
-Viel Volk war aus dem Walde gekommen, und die Benediktiner von Mehrerau
-und die Pfaffheit in der Stadt mochten den Tag wohl loben; denn wie bei
-allen solchen, vom Wetter und dem Lebensmut der Menschen begünstigten,
-feierlichen Gelegenheiten fiel mancherlei für sie ab, was sie gar wohl
-gebrauchen konnten und mit Dank und gutem Gegenwillen gern hinnahmen.
-
-Wenn nun schon am Seeufer, wie gesagt, ein munteres Leben herrschte,
-so nahm dieses mehr und mehr zu auf allen Wegen, die zu dem grauen
-Mauerviereck der Römerstadt emporführten, wurde aber am buntesten auf
-den waldigen Pfaden, auf welchen man rechts von der Stadt die Höhe des
-Pfannenbergs erreicht; denn dort hinauf oder hinab mußte ja das Volk,
-welches den heiligen Gebhard zu seinem Geburtstage grüßen wollte,
-oder ihn bereits gegrüßt hatte. Wir gehen mit den Emporsteigenden,
-um nachher mit einem einzelnen Gaste des guten Bischofs wieder
-herabsteigen zu können.
-
-Der Heilige würde sich sicherlich nicht wenig gewundert haben, wenn er
-heute die Stätte gesehen hätte, wo einstmals seine Wiege stand. Die
-Natur hatte wohl Zeit gehabt, ihre verschönernde Hand an das schlimme
-Denkmal der schwedischen Furie vom Jahre Sechzehnhundertsechsundvierzig
-zu legen; allein alles hatte sie doch längst nicht auszugleichen
-vermocht. Da blickten die gewaltigen, zerrissenen, von der Flamme
-geschwärzten Mauern und Türme von Hohen-Bregenz immer noch grimmig
-auf den jungen, freudigen Waldwuchs, der sich zwischen und an sie
-gedrängt hatte, herab. Und wie manches gefiederte Samenkörnlein
-Wurzeln geschlagen haben mochte in den Schießscharten und leeren
-Fensteröffnungen, die grause Göttin Bellona lachte doch nur höhnischer
-durch die schwankenden Kräuter und den kletternden Efeu. Das Gras und
-die Herbstastern, die Königskerzen und die Sternblumen hatten noch
-nicht den Sieg gewonnen über den Brandschutt des wilden Feldmarschalls
-Karl Gustav Wrangel. Hätte das Volk eine ebensolche Miene gemacht,
-wie die Geburtsstätte seines Heiligen auf der schönen, vorspringenden
-Kuppe des Pfannenberges, so wäre das Fest gewißlich nicht so heiter
-anzuschauen gewesen.
-
-Aber die arme, gequälte Menschheit vergißt Gottlob leicht und schnell.
-Die frohe Menge, die innerhalb der niedergeworfenen Burgmauern lagerte,
-den Wald ringsum füllte und auf allen Pfaden zog, ärgerte sich heute
-gar wenig an dem, was vor mehr als siebenundzwanzig Jahren geschehen
-war, und das historische Faktum diente höchstens noch einigen älteren
-Leuten zu einer nicht unannehmlichen Unterhaltung.
-
-Freilich war die schwedische Hand auf den armen Mann und kleinen
-Bürger am Schluß des Jahres sechsundvierzig verhältnißmäßig ziemlich
-leicht gefallen, denn der General Wrangel hatte an dem Adel und der
-Geistlichkeit so gute Beute gemacht, daß er das Geringere gern und
-willig an Ort und Stelle beließ. Die Geistlichkeit und der Adel hatten
-nämlich alle ihre Schätze und Habseligkeiten weit aus dem Lande umher
-in die feste Römerstadt geflüchtet, und als der falsche Kommandant
-der Klause am See seine Tore verräterischer Weise öffnete, da fand
-der Schwede alles recht ordentlich, hübsch und lieblich beieinander,
-und mochte sich wohl die Hände reiben. Wer heute Schweden bereist und
-nach Skogkloster kommt, der wird daselbst wohl noch allerlei gute
-Dinge finden, welche der Wrangel damals aus Brigantium mit sich nahm,
-und welche die Erben aus dem Allgäu und dem Vorarlberg nun doch wohl
-vergeblich zurückfordern möchten.
-
-In der Mitte der Ruinen, auf der Stelle, wo seit dem Jahre 1723 die
-Kirche des einstigen Burgherrn von Hohen-Bregenz und spätern Heiligen
-steht, war heute am 7. August 1674 der Boden von Schutt und Trümmern
-gereinigt, und für den festlichen Tag ein mit Blumen geschmückter,
-mit Lichtern bedeckter Altar errichtet, an welchem die Benediktiner
-von Mehrerau der Feierlichkeit vorstanden. Hier befand sich der
-Mittelpunkt des Gewimmels, doch im weitern Umkreise war dasselbe auch
-nicht viel geringer. Da waren in den verwüsteten Räumen der Burg, im
-grünen Grase, unter den Bäumen Tische und Bänke aufgestellt und Fässer
-zusammengerollt und aufgelegt, da gab es mancherlei gute Sachen für den
-Mund und die Augen, und die Geburtstagsgäste saßen an den Tischen und
-lagerten im Grase und drängten sich um die Fässer und feilschten an den
-Tischen der Verkäufer von Rosenkränzen und Kreuzen und Heiligenbildern,
-und an einem der Tische saß einer der Helden dieser Historia einsam
-und allein vor der Flasche und dem Glase, und nickte mit dem Kopfe,
-und blinzelte in das Gewühl seliglich, im Rücken gedeckt von einem
-rauchgeschwärzten Mauerwinkel, überschattet von einem Ahornstrauch,
-unbekümmert um das Glöckleinklingeln der Geistlichen, die Töne der
-Musik im Walde, das Jauchzen und helle Lachen der Buben und Mädeln --
-einer der beiden Helden dieser Historia, der brave Korporal +Sven
-Knudson Knäckabröd+ aus Jönköping am Wetternsee, welcher zuerst mit
-dem großen Feldmarschall Karl Gustav Wrangel hierher gekommen war.
-
-
-2.
-
-Der Korporal hatte das Kinn auf beide Fäuste gestützt, er blinzelte
-lächerlich-nachdenklich mit den schwimmenden Augen, und von Zeit zu
-Zeit schüttelte er den grauen Kopf und fuhr mit der Rückseite der Hand
-über die braunrote, ehrliche, wenn auch nicht ehrwürdige Nase; es kam
-ihm selber ganz verwunderlich vor, daß er hier saß, und zwar zum
-zweiten Mal, und zwar unter gänzlich veränderten Um- und Zuständen.
-Er hatte des guten Tirolers manchen ehrlichen Schoppen genossen, und
-es war eben kein Wunder, wenn er das bunte, bewegte Treiben vor und
-um sich in einem phantastischen Zauberlicht sah; aber sein seltsam
-Geschick hatte ihn wahrlich berufen, an dieser Stelle auch ohne den
-roten Tiroler mancherlei Gesichte zu erschauen. Er schüttelte den Kopf,
-wehmütig und doch lustig, wie er daran gedachte, auf welche Art er
-damals in der Burg des heiligen Bischofs Gebhard anlangte. Wahrlich
-nicht um sich wie heute breit und bequem im Schatten eines grünen
-Ahorns vor dem Becher niederzulassen! Damals war die Welt verschneit,
-und die Eiszapfen hingen an den Fichtennadeln und Tannenzweigen,
-an den kahlen Ästen der Eichen und Buchen und an den Bärten der
-zehntausend Kameraden, welche durch den Allgäu zum bregenzer Sturm
-heranmarschiert waren. Damals handhabte er, der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd, seine Arkebuse wie die anderen, stand wie die anderen in
-Rauch, Dampf und Feuer und stieg bergan den Pfannenberg, über Leichen
-und Verwundete. Damals half er den Geschützmeistern die Kartaunen in
-die rechte Position bringen und war unter den ersten an der Zugbrücke,
-als das Tor von Hohen-Bregenz zersplitterte, die Mauer schwankte und
-vornüber brach und den Graben für den verlorenen Haufen weg-, sprung-
-und sturmgerecht machte. Er befand sich natürlich auch unter dem
-verlorenen Haufen und schlug mit umgekehrter Muskete wacker drein, als
-das kaiserliche Kriegsvolk immer noch den Eingang streitig machte; er
-erwarb sich großes Lob bei seinem Hauptmann, und als der Feldmarschall
-nachher auf den Berg kam, die gemachte Arbeit in der Nähe zu sehen, da
-war der Korporal Sven voran unter denen, welche am lautesten Viktoria
-schreien durften.
-
-„Ooooh!“ stöhnte der Korporal am Nachmittag des vierten Augusts 1674,
-in allen Reizen der Erinnerung schwelgend, und legte sich schwer
-auf die linke Seite und schlug mit der rechten Faust gewaltig auf
-den Tisch. Um seine Gefühle deutlich zu machen, hatte er nichts
-weiter hinzuzusetzen; aber +wir+ haben noch einiges über seine
-Vorgeschichte zu berichten, um +unseren+ Gefühlen gegen ihn
-gerecht zu werden.
-
-Den Fürberg hinauf und um den Fürberg herum, in den verschneiten
-Wäldern und Klüften dauerten die Scharmützel zwischen den Schweden
-und den Kaiserlichen auch nach der Einnahme von Stadt und Schloß
-Bregenz tagelang fort, und heute noch richtet auf dem Pfänder der
-Turist den Blick oder das Fernrohr auf eine der großartigsten
-Landschaftsrundsichten Europas aus den halbversunkenen Verschanzungen
-jener blutigen Wochen.
-
-Ein beträchtlicher Haufen der Sieger drang plündernd, sengend und
-brennend tiefer in den Wald, scheuchte das Volk dörferweise vor
-sich her, oder jagte es vereinzelt in unwegsame Felsenschluchten
-oder versteckte Täler, wie solches seit dem Jahre 1618 bei allen
-kriegführenden Parteien auf des römischen Reiches heiligem Boden
-Brauch, Sitte und Gewohnheit geworden war. Auch unter dieser
-Heldenschar befand sich der Korporal Sven Knudson Knäckabröd, und
-dieser Expedition hatte er es zu verdanken, daß er im August des Jahres
-1674 sich noch immer in der Gegend befand und am Tage des heiligen
-Gebhard auf dessen von ihm, Sven, selber zerstörten Burg friedlich
-und gemütlich vor dem Becher saß. An diesen schwedischen Streifzug
-in den ersten Tagen Anno Domini 1647 knüpft sich nämlich einer jener
-gar nicht seltenen schönen Züge weiblichen Mutes, weiblicher Wut und
-weiblicher Tapferkeit, von denen uns die von den Männern geschriebenen
-Geschichtswerke in verlegener und etwas bänglicher Bewunderung Kunde
-geben.
-
-Zwischen Lingenau und Hüttisau schlugen am 4. Januar 1647 die
-vorarlbergischen Ehefrauen und Schmelgen, das ist: die jungen Mädchen,
-die eingedrungenen Schweden bis auf den letzten Mann tot, und nur
-der letzte Mann entkam, das heißt, er -- der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd -- wurde schwer verwundet von der Wirtin zur Taube in
-Alberschwende, Frau Fortunata Madlenerin, gefangen genommen und unter
-sonderlichen Umständen von ihr gegen das blutdürstige Andringen der
-erbarmungsloseren Kampfgenossinnen mit Erfolg verteidigt.
-
-Die Männer, welche sich von diesem Überfall am „roten Egg“
-wahrscheinlich aus Bescheidenheit fern gehalten hatten, durften
-natürlich auch nicht in die dem Kampfe folgenden Verhandlungen
-dreinschwatzen; sie läuten jedoch heute noch je am 4. Januar
-Nachmittags zwei Uhr die Glocken zur Ehre und zum Gedächtnis der
-Heldentat ihrer besseren Hälften.
-
-Um zwei Uhr nachmittags lagen im blutigen Schnee am roten Egg die
-schwedischen Grobiane, zerschmettert von Kugeln, Baumstämmen und
-Felsentrümmern, zerhackt von Beil-, Schwert- und Hellebardenhieben,
-still, und die Weiber vom Walde tanzten wutentbrannt um die Leichen.
-Die Frau Wirtin zur Taube aber, eine junge Wittib, die keine geringe
-Rolle in der Schlacht gespielt hatte, brachte eben ihr Beutestück,
-nämlich den Korporal Knäckabröd, in Sicherheit.
-
-Das hatte seine Schwierigkeiten! Denn kurz nachdem sie entdeckt hatte,
-es sei noch einiges Leben in dem gleichfalls arg mitgenommenen armen
-Sven, war dieselbe Bemerkung von drei anderen Kriegsgesellinnen
-gemacht worden, und diese drei befanden sich noch nicht in der
-Stimmung, den alten, lieben Beruf der Frauen, die barmherzigen
-Schwestern und Krankenwärterinnen zu spielen, schon jetzt wieder
-aufzunehmen. Im Gegenteil! Mit den Waffen in den Händen hatten sie
-sich auf den unseligen, zappelnden Tropf gestürzt und wie die Frau
-Fortunata zugepackt, und es gab ein arges Gezerr an Arm und Bein, an
-den Fetzen des Wamses oder am Bandelier, und die Taubenwirtin hatte
-alle Mühe, die erbosten Hiebe und Stöße durch ihr Geschrei oder
-mit dem guten Schwerte, welches ihr seliger Gatte im Winkel hatte
-stehen lassen, abzuwehren. Es war ein großes Glück für den Korporal
-Sven, daß ihr Ansehen mächtig war unter den Wälderinnen, daß sie den
-Plan zum Überfall angegeben hatte, und daß ihr Haus und Zeichen in
-Alberschwende einen herrlichen Ruhm und Ruf besaß, weit hinaus nach
-allen vier Weltgegenden; denn dem allein verdankte er sein Leben nach
-der Niederlegung seiner Genossen an dem Fallenbache am roten Egg!
-
-Als doppelte Siegerin führte ihn seine Retterin auf einem Karren
-in ihr Haus zu Alberschwende unter der Lorena, ließ ihn da zuerst
-hinter verriegelter Tür auf ein Strohlager neben ihrem Schanktisch,
-dann in ein besseres Bett legen und besorgte den ersten Verband
-seiner Wunden selber. Er aber erwachte erst nach längeren Wochen aus
-seiner Betäubung und wußte dann durchaus nicht anzugeben, was mit ihm
-vorgefallen sei, und wo er sich befinde.
-
-Der Korporal Sven Knudson Knäckabröd wußte eigentlich noch heute,
-d. h. im Jahre 1674, nicht, wo er sich eigentlich befinde, und das
-war gar nicht so sonderbar. Seit er Anno Dreißig mit dem großen
-Gustavus Adolfus, dem streitbaren Löwen aus Mitternacht, auf Usedom
-in der pommerschen Bucht landete, war er sechzehn Jahre lang durch
-solchen Wirrwarr hin- und hermarschiert, daß für einen Mann, der
-nicht Gelegenheit gehabt hatte, die Geographie zu studieren, sich das
-Bild der Welt wohl verwirren mochte. Hatte doch selbst der Oberst
-Wrangel, unter dessen Kommando er damals seine Kriegszüge begann, und
-der während der Zeit längst Feldmarschall geworden war, Mühe, sich in
-dieser Beziehung die Landkarte klar zu halten.
-
-„Donner und Nordlicht!“ sagte der Korporal am 7. August 1674, legte
-sich schwer auf den rechten Ellenbogen und schlug mit der linken Faust
-auf den Tisch. Ja wohl, ein Mann, dessen Leben dicht an der Grenze
-des ewigen Eises, dem Nordpol nahe, begonnen hatte, der den Krieg mit
-allen Nationen Europas, mit Deutschen, Franzosen und Hispaniern, mit
-Italienern, Dänen, Polen und Moskowitern sah, der dann sechsundzwanzig
-Jahre des tiefsten Friedens unter dem Hirtenvolk des Vorarlberges
-vollendet hatte, mochte wohl bei einiger Überlegung seines Daseins:
-Donner und Nordlicht! sagen.
-
-Die Frau Fortunata hatte am Fallenbach wohl nicht gedacht, welch eine
-schwere Last sie sich für die nächsten Zeiten durch ihr gutes Herz
-auf den Hals lud. Sie bekam ihre große Not mit ihrem Schweden, dem
-noch drei Jahre lang nach dem Sturm auf Bregenz das ganze Land rings
-umher nach dem Leben stand. Es fand sich, daß sie ihn nur dadurch vor
-allen den verschiedenen Nachstellungen retten konnte, daß sie ihn zur
-Kindsmagd machte, dem wilden Arkebusierer ihr unmündig Töchterlein zur
-Wartung in die Arme gab und ihn im Haus an ihr Schürzenband geknüpft
-hielt, bis das erste Gras über die Blutzeit gewachsen war, bis die
-Alten den „schwedischen Mann“ ohne Mordsinn ansehen konnten, und die
-Jungen ihn als ein natürlich gegeben Ding nahmen.
-
-Da saß der Korporal Sven Knäckabröd denn in den Bergen verzaubert
-neben der Wiege der kleinen Aloysia: er, der mit dem glorreichen
-und sieghaften König Gustavus Adolfus über das Meer gefahren war
-und in hundert grimmigen Schlachten in die Linie rückte gegen den
-Tilly, den Wallenstein, den Pappenheim und hundert andere gewaltige
-Kriegshauptleute! Da saß er und spann nicht nur Trübsal, sondern auch
-wirklichen Flachs und Werg, und wenn das Kind schrie, so rief die
-Frau Fortunata: „He, Schwen, sing ihm!“ und der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd sang.
-
-Potz Lappland und kein Ende -- dabei ließ sich dann recht hübsch
-an allerhand anderes denken! Zum Beispiel an die graue, nebelige,
-flammende Ebene von Breitenfeld oder von Lützen, an den Kommandoruf vor
-der Front, an die rasselnden Reitergeschwader, die blauen und gelben
-Fußregimenter, wie sie gegen die kaiserlichen Batterieen am Floßgraben
-vorstürzten, zurückfluteten, wieder vorstürzten, unter den Hufen und
-Füßen die Toten und die Verwundeten in Harnisch und in Büffelwams
-zerstampften!
-
-Wenn dann wieder der Kommandoruf der Wirtin zur Taube in solche
-Träumereien klang, gab es wohl ein sonderlich Auffahren, und ohne die
-kleine Aloysia hätte das Ding am letzten Ende doch noch einen traurigen
-Ausgang mit dem armen, verloren gegangenen schwedischen Mann genommen.
-
-
-3.
-
-Du lieber Himmel, eine Zeitlang, so um das Jahr 1665 herum, trug er,
-der Korporal, sich mit dem Gedanken, ob er sich nicht dadurch am
-leichtesten ranzionieren und zugleich seinem dankbaren Gemüte am
-angenehmsten Genüge leisten könne, wenn er die junge Wittib freie
-und selber Taubenwirt zu Alberschwende werde. Eine Weile lang hatte
-der gute Sven die größte Lust, auch einmal das Wagstück auszuführen
-und zu rufen: „Ho, Frau Fortunata, sing!“, aber zuletzt wagte er es
-doch nicht, abgesehen davon, daß er seinen lutherischen Glauben, oder
-vielmehr den Glauben hochseliger königlicher Majestät Gustavi Adolfi --
-denn er selbst machte sich nicht viel daraus -- doch nicht gern in die
-Schanze schlagen wollte.
-
-Es blieb also dabei: „He, Korperal, sing!“ und Sven Knudson Knäckabröd
-sang; aber wie melodisch, das wollen wir lieber doch nicht weiter
-aufrühren. Er war eine gute Kindsmagd, und als seine Dienstjahre in
-dieser Hinsicht als beendet angesehen werden konnten, da tat ihm das
-fast leid, und als braver Veteran behielt er für alle Zeiten eine tiefe
-Zuneigung zu dem frühern Dienstverhältnis. Als die kleine Aloysia zehn
-Jahre alt geworden war, hatte das Gebirgsvolk so ziemlich vergessen,
-auf welche Art und Weise der schwedische Mann in seine Mitte geraten
-war, und die Frau Fortunata konnte ihn allein laufen lassen.
-
-Er lief aber immer noch nicht allein; auch die kleine Aloysia Madlener
-hielt fürderhin in Treuen an ihm, und die beiden schickten sich gar
-wohl in einander im Dorf, im Wald und auf den Matten bei jeglicher Lust
-und Arbeit.
-
-Wer jene holdselige Gegend kennt, der weiß, daß im Süden des Dorfes
-Alberschwende der Pfad sich steil, anfangs durch Gehölz und dann über
-schöne Wiesen, zu einem Bergsattel emporzieht, die Lorena geheißen. Wer
-ihn heute geht, der findet unterwegs, ehe er zu dem herrlichen Gipfel
-gelangt, drei Sennhütten; um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts
-aber lag nur eine dort, und diese ein wenig höher, der Kuppe näher,
-am Rande eines Tannenwaldes, und die Hütte, der Wald und die Wiesen
-ringsumher gehörten dem Taubenwirtshaus drunten im Dorfe, und die Frau
-Fortunata hatte das Besitztum einst als ein trefflich Nestei dem jetzo
-seliglich abgeschiedenen Gatten mit in die Ehe gebracht.
-
-In dieses Haus auf der Lorena versetzte die Taubenwirtin ihr Beutestück
-aus dem Schwedenkriege um das Jahr 1656, gab ihm Vieh und Weide zu
-bester Pflege und Wartung unter, wie sie ihm vordem ihr Töchterlein
-anvertraut hatte, und verwendete den Korporal wiederum also geziemlich
-und nützlich.
-
-„Sie sagen, ihr treibt auch daheim sonderliche Zucht mit allerlei
-absonderlichen Kreaturen in Milcherei und Käserei, Schwen. Nun seid ihr
-lang genug bei uns, um zu wissen, was eine Kuh ist, und könnet wohl
-einen Ochsen von einem Kalbe unterscheiden. Einen Bub kriegt ihr mit
-auf den Berg: also jetzt zeiget euch als einen mit Verstand begabten
-Menschen, haltet mir gute Ordnung und zeigt den Nachbarn, daß ich mir
-keinen Narren in euch großgezogen habe,“ sprach die Frau Fortunata
-Madlener, und Sven Knudson Knäckabröd zeigte sich wahrlich als einer,
-der nicht nur mit Renntieren, Elentieren und der Luntenbüchse, sondern
-auch, wie mit dem Kinderwiegen, so mit der Milch, der Butter und dem
-Käse umzugehen wußte. Es hätte nun bald wenig gefehlt, daß er jetzt
-ebenso berühmt wurde, wie er vordem berüchtigt war.
-
-Nun ließ es sich freilich auf der Lorena lustiger hausen, als in der
-niedrigen, dumpfigen, holzvertäfelten Stube drunten in der Taube;
-vorzüglich für einen, welcher von früher Jugend an die frische
-Luft gewöhnt war; und der Korporal Sven saß manch lieb langes Jahr
-dort oben, und ein undankbarer, hartherziger Gesell von Grund aus
-hätte er sein müssen, wenn er jetzt nicht sein Geschick allmählich
-gelobt hätte. Wir wollen zwar nicht behaupten, daß gerade er vor den
-anderen Sterblichen der damaligen Zeiten berufen war, jubilierenden
-Herzens in die Pracht und Schönheit der Natur zu blicken, allein
-er hatte doch auch seine Freude an dem, was er von seiner Tür aus
-überschaute. Da hatte er zu seiner Linken den mächtigen See bis in
-die fernste verschleierte Ferne; zu seiner Rechten aber, über dem Tal
-von Schwarzenberg, da hob es sich empor: Giebel an Giebel, Zacken an
-Zacken, Wand über Wand; und die Glocken seiner Kühe klingelten um ihn
-her, und Aloysia Madlener kam, erst ein jung, leichtfüßig Kind, dann
-eine hübsche Jungfer, und saß wieder bei ihm und suchte ihm jetzt die
-Zeit zu vertreiben, wie er früher sie ihr vertrieben hatte.
-
-Tagelang saß sie oft bei ihm auf der Lorena, und bald kam die Zeit,
-wo der kriegerische Kuhhirt Besuche bekam, die ihm gar schön um den
-Bart gingen und doch nicht seinetwegen von allen Höhen herab und aus
-allen Tälern hinauf zu ihm stiegen. Eitel jung Volk besuchte ihn, die
-besten Buben weit umher, und einige gab es darunter, die kamen mit der
-Mette und gingen erst mit dem Abendgeläut, bis die Katz’ aus dem Sack
-war, und der Fidel Unold, der reiche Sägmüllerssohn, es allen anderen
-abgewonnen hatte. Da gingen denn dem Korporal Sven Knudson Knäckabröd
-auch wieder einmal die Augen auf, und als er seiner Verblüffung gegen
-die Frau Fortunata Luft machte, da stemmte diese auch wieder einmal die
-Arme in die Hüften und sprach:
-
-„Schwen, daß ich einen Esel am roten Egg aufgehoben habe, das wußte
-ich nach den ersten drei Tagen unserer Bekanntschaft. Na, Alterle,
-laßt’s gut sein, ich habe hier unten die Augen offen behalten, während
-ihr da oben nur das Maul aufsperrtet und vermeintet, das ganze junge
-Volksspiel gehe nur deshalb zu euch her, um eure Lügen und Heldentaten
-anzuhören. In acht Wochen ist Hochzeit, und ihr seid freundlich
-geladen.“
-
-In acht Wochen war wirklich die Hochzeit der schönen Aloysia Madlener
-und des glücklichen Fidel Unold, und der Korporal Knäckabröd spielte,
-obgleich er ein Esel war, doch keine geringe Rolle an dem hohen Tage.
-Er tanzte sogar; -- erst zu allgemeiner Bewunderung einen schwedischen
-Tanz, dann unter lautem Aufkreischen der Weiber und brüllendem
-Gelächter der Mannsleute einen Kroatentanz, und zuletzt zu seinem
-allereigensten Vergnügen einen zierlichen Ländler mit der Brautmutter,
-der Frau Fortunata Madlener; und nur verschiedene alte Weiber, die ihm
-einst am roten Egg mit aufgegeigt hatten, schüttelten jetzt noch den
-Kopf über ihn.
-
-Nach den Hochzeiten pflegen die Taufen zu folgen, und so geschah es
-auch hier. Gar häufig holte man ihn auch zu solchen Feierlichkeiten
-von seiner Höhe herunter, und dann stiegen wiederum kleine Füße zu
-ihm hinauf, und -- so gingen die Jahre vorüber und hin, und der
-Korporal Sven Knudson Knäckabröd, der in seinen jungen Jahren so vieles
-durchgemacht hatte mit Märschen, Stürmen, Schlachten, Hunger und
-Durst, und es gar nicht besser gewußt und gewollt, der saß nun im Fett
-und im Frieden und wußte und wollte nichts mehr von der Welt da draußen
-vor den Bergen.
-
-
-4.
-
-„Wenn sie mich zu Hause und in Ruhe gelassen hätten, wär’s besser und
-mir lieber gewesen,“ brummte der schwedische Mann an seinem Tische
-auf dem Gebhardsberge unruhig auf- und abrückend. „Das Weibsvolk, das
-Weibsvolk, -- gibt es wohl Frieden? Nimmer! Kann es wohl einen in
-seinem Winkel sitzen lassen? Niemalen! Das muß immer herumwuseln und
-zerren und zupfen und einem den Bart streicheln und einem im Notfall
-mit Gift anschrillen, wie eine Million Heugaisen, bloß um seine eigene
-Million Grillen durchzusetzen. Da sitze ich nun, aber wo sind sie
-jetzt, meine Weibsen? Da geht es mir doch wie königlicher Majestät
-mit den lappländischen Regimentern Anno Dreißig. Die sollt’ man gegen
-den Feind führen?! Kaum hatt’ man sie zusamm’, so hupft’s auseinander
-mit Gequak und Gegecker wie ein Sack voll Frösch’, und der Hauptmann
-steht allein vor der Batterie und kann aus der Haut fahren. O potz Käs
-und Kuhglocken, als die Kleinen gestern Nachmittag heraufkrabbelten
-und einen Gruß brachten von Mutter und Großmutter und die Nachricht,
-heute gehe es nach Hohen-Bregenz zum heiligen Gebhard, da hab’ ich
-mir bei ihrer Lust gleich gedacht, daß das für mich ein sonderlich
-Vergnügen werden würde. Der Tiroler ist es nicht, die Erinnerung
-ist’s, was mich auf den Kopf stellt. Dem roten Egg bin ich seit einem
-Menschenalter nicht nahe gekommen, und nun muß ich der Alberschwendener
-Weiberstreifpartei hierher als Führer dienen! Ja, sicher wär’s besser
-gewesen, wenn sie einen anderen dazu kommandiert hätten, und doch -- o,
-o, es ist, es ist ein sonderlich Vergnügen. Da hielt der Wrangel! Und
-dort fanden wir den Fähndrich Olafsson mit eingeschlagenem Schädel. Ja,
-klingelt nur und räuchert nur; ihr klingelt und räuchert uns nicht weg!
-Es war eben eine gloriose Wirtschaft, und es ist nur ein Elend, daß man
-nicht einen hat, mit welchem man anstoßen könnte: trink, Bruder, die
-schwedische Gloria soll leben, -- alle guten Gesellen zu Roß und zu Fuß
-sollen leben, und du sollst auch leben, Bruderherz! -- Wo stecken nur
-die Weibsen? Das ist doch keine Art, einen mit der alten Zeit an einem
-solchen Ort alleine zu lassen! Ja, wenn ich nur die Kinder hätt’, da
-könnt’ ich mich doch woran halten -- ho, ho, der rote Tiroler und der
-General Wrangel, die haben nun die Oberhand über dich, Sven Knudson
-Knäckabröd -- o Käs und schwer Geschütz, Sven, es ist doch eine Lust
-und Annehmlichkeit, heut allhier auf Hohen-Bregenz zu sitzen und Anno
-Sechsundvierzig mit dabei gewesen zu sein, als man es mit Sturm nahm;
-Herrgott, die Tränen kommen einem vor Wehmütigkeit in die Augen, und
-wann ich heut schwedisch reden hört’, ich glaub’, das Heimweh stieße
-mir das Herz ab.“
-
-Die „Weibsen“, welche der Korporal Sven zum heiligen Gebhard hatte
-führen müssen, nämlich die Frau Fortunata, die Frau Aloysia und die
-kleinen Mädchen der letzteren, hatten ihn natürlich sogleich nach
-der Ankunft auf dem Pfannenberge seinem Geschick und eigenen Gaudium
-überlassen. Den schwedischen Mann hatten sie immer zur Hand, aber
-um den Altar des heiligen Gebhard da gab es Bekannte und Verwandte,
-Freunde und Freundinnen, die man nicht immer zur Hand hatte.
-
-„Ich vertret’ mir die Füß’,“ sagte der Korporal, „es hilft nichts, hier
-festzuwachsen. Sie werden mich heute nicht als Spionen hängen, wenn ich
-des Ortes Gelegenheit wieder einmal erkunde. Donner, es war doch eine
-tüchtige Arbeit, damals bei dem gefrorenen Boden, Schnee und Eis, die
-Artillerie den Berg hinauf zu bringen!“
-
-Er hatte sich erhoben und reckte und dehnte sich und wandelte
-schwerfällig durch das Getümmel und betrachtete von neuem und von
-allen Seiten aus den Schauplatz, auf welchem er selber einst mit
-der Pike in der Hand so tapfer mit agieret hatte. Er stieg um die
-Ringmauern.
-
-„Da kamen wir mit den Leitern und verloren manchen guten Mann. Da
-wollten die Herren Generals zuerst Bresche legen lassen; aber wir
-besannen uns eines Besseren und führten das Geschütz weiter ab. Dort
-hinein kamen wir! Vivat, vivat! sieh, sieh, dort stürzt’ ich die zehn
-Schuh tief hinunter auf den Kopf und dacht’, es wär’ mein Letztes;
-aber ich kam doch schnell genug wieder auf die Füße und war mit unter
-den ersten im Tanz! Es ist nicht zum Aushalten, -- man muß vor seinen
-lieblichsten Erinnerungen Reißaus nehmen, wann es einem so ergangen
-ist wie mir. Da sollt’ man ja ersticken. Die Mauern fallen einem auf
-den Kopf. Ich denk’, ich nehme wirklich Reißaus und steige nieder zum
-See. Solch’ groß’ Wasser hab’ ich ja auch seit dem Elend am Fallenbach
-nimmer wieder in der Näh’ zu Gesicht gehabt.“
-
-Wer des Veltliners zur Genüge trank, der weiß wohl, wie blau ihm der
-Himmel werden mag. Dem braven Korporal Sven wurde mehr als eine Fiedel
-auf dem Wege, welchen er jetzo ging, gestrichen; aber es klang ihm wie
-der Schall von hunderten in das Ohr, und dazu viel andere Instrumente,
-Pauken und Posaunen, und dann durch alles ein fernes Grummeln, gleich
-schwerer Konstablerei in geordneter Feldschlacht. Alle Leute, die
-ihm begegneten, freuten sich über ihn; er aber ging so gravitätisch
-seines Pfades, als es sich bei der Steilheit des Berges eben tun lassen
-wollte, und so kam er hinab an das Ufer des Sees und blickte mit
-ernstem Kopfschütteln auf die breite Wasserfläche und wandelte langsam
-am Gestade hin, bis zu der Seekapelle, allwo, wie wir bereits sagten,
-die Kähne der Gäste, die über das Wasser gekommen waren, an Stricken
-und Ketten lagen.
-
-Wenn es in Bregenz und auf Hohen-Bregenz, in der Stadt und auf dem
-Pfannenberg hoch, lustig und lebhaft zuging, so war es desto stiller
-am Wasser um diese Zeit. Klar und ruhig lag der See da; die Enten und
-Gänse ruderten und tauchten am Ufer, und fern auf der Höhe des Spiegels
-schwangen sich blitzend wie silberne Punkte die weißen Seeschwalben im
-Kreise, und weiße Segel stiegen über den Horizont herauf, oder tauchten
-über ihn hinab, und die Stadt Lindau zur Rechten der Bucht streckte
-ihre Türme und Giebel so klar in die Tiefe, wie sie dieselben in den
-lichten Himmel emporhob.
-
-Der schwedische Mann von der Lorena nahm den Hut ab, trocknete sich
-die schweißtriefende Stirn und atmete tief und erleichtert; dann aber
-schüttelte er mehr denn je den Kopf, nachdem er sich auf einen Stein
-am Ufer gesetzt und die Hände auf die Kniee geschlagen hatte.
-
-„Ich hätt’ auch dem nicht nahe gehen dürfen,“ murrte er nach einer
-Weile. „Vom Berg aus darauf hinzusehen, hat mir nichts gemacht; aber
-in der Nähe ist’s ein anderes, und schlimmer als da oben die Rudera.
-Die Weibsen können es nimmermehr verantworten, daß sie mich hierher
-geschleppt haben, denn wenn ich sie darhingegen nach Jönköping am
-Wetternsee setzen wollt’, so würd’ ich mir wohl allerlei in die Ohren
-stopfen müssen, von wegen ihres Geheuls und Heimweh. Jönköping! Da bin
-ich umhergezogen mit dem großen Gustav, und nachher mit dem Banner,
-dem Torstenson, dem Königsmark und dem Wrangel und hab’ nimmer an den
-Wetternsee und meines Vaters Haus zu Jönköping gedacht, und heut hab’
-ich selber Lust, darüber zu heulen wie ein Weib. Jetzt ist mir das
-Wasser noch ärger als das Land; -- ja wahrlich, als ich mit dem großen
-Gustavus Adolfus über das Meer fuhr, da hab’ ich noch nicht gewußt,
-daß es doch zuletzt nur zum Kühmelken und Käsemachen ging -- o Donner
-und Nordlicht, hab’ ich das nur geträumt diese langen sechsundzwanzig
-Jahre, oder hab’ ich es wirklich und wahrhaftig erlebt? O ja, da möcht’
-man doch auf Nimmerwiederaufgucken in den See untertauchen!“
-
-Er war wild aufgesprungen, und dann tat er noch einen Sprung, hinab vom
-Uferrande, doch nicht in das Wasser, sondern in den nächstliegenden
-Kahn, den er durch die mächtige Erschütterung fast zum Sinken gebracht
-hätte. Schwer fiel er auf die Bank und sah beinahe erschrocken nach
-der Stadt Bregenz und dem Berge des heiligen Gebhard hinüber. Aber
-niemand hatte ihm auf seine Schliche gepaßt, niemand auf seine Tat Acht
-gegeben. Im nächsten Augenblick schon hatte er das Messer gezogen und
-mit einem Hieb das haltende Seil zerschnitten. Er war im Rausch, als er
-die Ruder ergriff, doch nicht vom roten Tiroler. Drei kräftige Schläge
-führten das leichte Fahrzeug hinaus auf den jetzt im linden Südwest
-sich kräuselnden See. Es gelang dem Korporal Sven Knudson Knäckabröd,
-den kleinen Mast aufzurichten und -- er hatte nicht umsonst in seiner
-Jugend dem Herrgott halbe Tage mit dem Fischfang auf dem Wetternsee
-abgestohlen -- das Segel schiffermäßig zu entfalten und zu richten. Er
-war nicht im geringsten Schuld daran; allein es war richtig, -- er war
-seinen Weibsen, der Frau Fortunata, der Frau Aloysia und den kleinen
-drei Schmelgen durchgegangen und befand sich bei günstigem Winde auf
-der Fahrt nach des heiligen römischen Reiches freier Stadt Lindau im
-See.
-
-
-5.
-
-Es war gar lieblich auf den Wassern, vorzüglich für einen, der in so
-seltsamer Stimmung darüber hinfuhr, wie der schwedische Hirt von der
-Lorena. Wenn es still am Ufer unter dem Fürberg war, so war’s noch viel
-stiller auf der von der Nachmittagssonne beglänzten Bucht von Bregenz,
-und der Korporal Sven hatte eine gute Fahrt. Er saß und hielt die Hände
-vor dem Bauch gefaltet und ließ sein Schifflein gleiten vor dem Winde.
-Wie jetzt das Ufer hinter ihm versank, oder die Berge sich vielmehr
-heraushoben, so hob sich nun auch vor ihm das niedrigere Hügelland des
-Allgäus, und vor allem wie eine Stadt aus dem Wunderschatz der Frau
-Saga die freie Reichsstadt Lindau.
-
-Die grauen Mauern, deren Grund der römische Kaiser Tiberius Claudius
-Nero legte, als er hier die Rhätier und Vindelicier besiegt hatte,
-lagen noch stiller da als der See. Die alten Linden nickten
-freundlich-schläfrig von den Bastionen, und die grün und silbern, rot
-und goldfarbig glänzenden Turmdächer von Sankt Peter und der heiligen
-Dreifaltigkeit -- den Diebesturm nicht zu vergessen -- luden förmlich
-behaglich wie aus der Luft, so aus dem Wasser, den braven Korporal
-Sven Knudson Knäckabröd zum Näherkommen ein. In dem kleinen Hafen
-lagen ruhig, nur da und dorten von einem weißen Spitzhund bewacht,
-die Lädinen und Halblädinen, die Segner und Halbsegner und dazwischen
-die Lustgondeln der wohlhabenden Reichsstädter, soweit sie sich nicht
-zu Bregenz befanden. Nur eine Bürgerschildwacht war auf der Mauer zu
-erblicken, und die schlummerte sanft auf ihre Partisane gestützt. Das
-Lebendigste auf dem Wall zu Lindau im See waren um diese Stunde die
-Fliegen, welche in Scharen über den erwärmten Geschützrohren summten.
-
-Der Kahn des Schweden schoß, durch den Schatten der Lastschiffe hin,
-in den Hafen hinein und an die Hafentreppe, und als der Korporal
-sein Schifflein mit einem letzten Ruderschlag dort antrieb, fragte
-ihn niemand um das Wohin und Woher, und das war recht gut; denn im
-Augenblick hätte er vielleicht auf beides keine Antwort zu geben
-gewußt. Seit dem Kolbenschlag am roten Egg war ihm nicht so verworren
-zu Mute gewesen, aber trotz allem war ihm heut’ doch die Welt
-behaglicher als damals, wo er sich auf dem blutigen Strohlager am
-Schanktisch in der Taube zu besinnen suchte.
-
-Doch wer auf eine solche Weise, wie er, im Hafen von Lindau anlangte,
-der mochte, nachdem das Schifflein am Lande lag, wohl selbst den
-Hut hin und wieder rücken um die Frage: Was nun? und wohin nun? Der
-Korporal Sven stand und blickte an der nahen Stadtmauer empor und
-durch den dunklen Bogen, welcher in das Innere der Stadt führte,
-hindurch und rieb sich die Stirne. In dem nämlichen Augenblick aber
-erschien über der Mauerbrüstung ein dicker, roter, von schneeweißem
-Haar umflusterter Kopf, der sich ächzend auf zwei gewaltige Fäuste
-legte und entsetzlich gähnend auf den See hinausstarrte. Dasselbige
-Haupt spie verächtlich von der Mauer der freien Reichsstadt hinab; ein
-nicht geringer Mund öffnete sich, und -- plötzlich -- ganz unvermutet
-und von einer solchen Erscheinung auch gar nicht zu vermuten, fing
-das Ding an zu singen, und zwar eine Weise, welche im Munde des
-schwedischen Volkes schon seit mehr denn hundertfünfzig Jahren umging.
-
-Und in schwedischer Zunge sang das Unding auf der Mauer heiser und
-gräßlich:
-
- „König Gustav reitet nach Dalarne
- Zum Thing mit den Dalkarlen sein;
- Doch Christiern liegt vor Södermalm
- Und frißt gestohlene Schwein;“
-
-und wie heulend in Verdruß, Ärger, Entrüstung und Wehmut:
-
- „König Christiern sitzt in Stockholmschloß
- Und säuft unsern Met und Wein!“
-
-„Blitz und Donner! Alle guten Geister!“ stöhnte der Korporal Sven
-Knudson Knäckabröd, versteinert nach dem Sänger aufstarrend; doch der
-da oben gähnte noch einmal und scheußlicher als zuvor, und fuhr fast
-noch unmelodischer fort:
-
- „Hört alles, was ich euch biete an,
- Vom Tal, ihr meine Mannen:
- Wollt ihr mir folgen nach Stockholm
- Und schlagen die Jüten von dannen?“
-
-Mit beiden Händen griff der Korporal Sven Knudson Knäckabröd nach
-seinem Haupte, wie im wilden Zweifel, ob er dasselbige auch noch auf
-den Schultern trage; und als er es noch an Ort und Stelle fand, tat er
-einen Satz und brüllte seinerseits zu dem Sänger auf der Mauer hinauf:
-
- „Um’s Rebhuhn und um’s Eichhorn ist’s,
- Sobald wir zielen, geschehn;
- Und dem Blutracker Christiern,
- Dem soll’s nicht besser gehn;“
-
-und die Wirkung nach oben hinauf war nicht geringer, als die von oben
-hinunter.
-
-Auch der da oben schnellte empor und beugte sich über die Brüstung und
-schrie:
-
-„Bei der blauen Fahne Wasa’s, ist ein Spuck, ein Trold aus dem See
-aufgestiegen, oder ist’s ein Landsmann? Ho Landsmann? Landsmann!“
-
-„Ho Landsmann!“ rief der Hirte von der Lorena; aber da er einmal
-im Zuge war, so brüllte er weiter, daß die Bastionen der freien
-Reichsstadt Lindau wie im Schrecken widerhallten:
-
- „Das reißt nun in meiner Seite,
- Ich fühle mich so beengt;
- Auch ich hab’ von den Fischen gekostet,
- Die man in Dalarne fängt.“
-
-Die Bürgerschildwacht im Lindenschatten erwachte bei den Mißtönen
-aus ihrem süßen Schlummer und faßte zusammenfahrend die Pike an. Die
-Mauertreppe aber herab stürzte der Hafenwärtel der freien, frommen und
-biderben Reichsstadt Lindau im See, Rolf Kok, umfaßte mit beiden Armen
-den Mann von der Lorena, schüttelte ihn heftig und rief:
-
-„Kerl, in aller Welt Namen, Kerl, Kerl, wo kommst du her? wo bist du
-jung geworden? wer bist du?“
-
-„Arkebusierer Korporal Sven Knudson Knäckabröd im gelben Regiment
-Oxenstierna -- versprengt im Gebirge -- dorten! Melde mich zurück,
-Korporal Rolf Rolfson Kok, denn der seid ihr und kein anderer! Die
-Finne da auf eurem linken Nasenflügel habe ich sechzehn Jahre lang beim
-Aufmarsch in die Linie zur Rechten gehabt, und die Schmarre da habt ihr
-von dem Nürnberger Malheur, Korporal Kok. Melde mich zurück, Korporal!“
-
-„Und wir schreiben Vierundsiebenzig! Mensch, o Mensch, Mensch, du bist
-der Sven, den wir hinter seinem Rücken Hahnentritt nannten, von wegen
-seiner Gangart? Und das passieret einem, nachdem man sich seit Anno
-Sechsundvierzig nicht mehr zu Gesicht gekriegt hat, heut hier zu Lindau
-an der Hafenmauer? O Sven, wo ist die Kumpaneia? wo Hauptmann, Leutnant
-und Fähndrich? wo sind die Fahnen und Trommeln? wo der Herren Generale
-Gnaden? Sven Knäckabröd, wo du herkommst, weiß ich noch nicht; aber
-ich, ich sitze hier seit dem Lindauer Sturm -- erst als Invalid, dann
-als Bürger und Ehemann -- und als Witwer und Hafenvogt, und sie haben
-mir noch nicht einmal meinen Namen gelassen: Meister Gockele nennen
-sie mich! ja das Gockele nennen sie mich; und du bist Sven Knudson
-Knäckabröd, und wir sind beide mit dem König herübergekommen und
-standen mit bei Breitenfeld, bei Lützen und liefen mit bei Nördlingen
-und zogen mit dem Wrangel gegen die Schneeberge, o Sven, Korporal Sven,
-Kamerad Sven, ich heule wie ein Kind!“
-
-„Und ich heule mit, Korporal, Kamerad Rolf“, schluchzte der andere.
-„Siebenundzwanzig Jahre habe ich bei dem Vieh sitzen müssen, und
-nach so großer Gloria und gewaltigen Schlachten habe ich die Kühe
-gemolken und Käse gemacht, siebenundzwanzig Jahre durch. Rolf, o Rolf,
-Rolfson Kok, am Fallenbach, am roten Egg haben die Weiber uns alle
-totgeschlagen, nachdem wir Bregenz da drüben genommen hatten, und heut’
-hat mich erst die gute alte Zeit in den Ruderibus verwirret, und
-nachher hat mich der Nix über den See gelockt. Im Traum bin ich über
-den See gefahren, und der Nix hat gewußt, daß ihr hier auf der Mauer
-von Lindau auf mich wartet, Korporal Rolf Rolfson Kok.“
-
-Sie hielten sich in den Armen, die beiden alten Schweden. Sie küßten
-sich, und die Tränen rollten ihnen über die gelbbraunen Backen. Sie
-tätschelten sich zärtlich die breiten Buckel und hatten eine Freude
-aneinander wie ein Brautpaar im Maienmond. Es war aber auch keine
-Kleinigkeit, was ihnen begegnete an diesem Festtage des heiligen
-Bischofs Gebhard, den sie und ihre Kriegsgenossen vordem so hart mit
-Geschütz und Sturmanlauf bedrängt hatten, und dessen Wiege und Burg der
-eine von ihnen mit niederwerfen half.
-
-Sie waren sehr gerührt, die beiden braven schwedischen Korporale; aber
-nach der Rührung kam natürlich wieder um so heftiger der Durst, und
-dessen wurden sie nunmehr mit großer Lust inne. Da faßte der Korporal
-Gockele den Korporal Hahnentritt unter den Arm und sprach:
-
-„Komm, Herzensbruder, ich weiß unsern Ort, und will dir daselbsten
-etwas zeigen, so dir das Herze erfrischen soll, besser als der kühlste
-Trunk aus des Kronenwirtes Keller.“
-
-Er führte ihn in das Wirtshaus zur Krone.
-
-
-6.
-
-Wer heute zu Lindau im See, sei’s mit dem Dampfboot landet, oder mit
-dem Bahnzug anpfeift, der findet die Krone noch immer an ihrer Stelle.
-Einst zog sich die Stadtmauer dem Wasser entlang davor her: die Mauer
-ist längst gefallen, aber das gute, alte Wirtshaus steht noch fröhlich
-aufrecht.
-
-Wer heute durch den gewölbten Torweg geht und die Treppe hinaufsteigt,
-der findet auch heute noch zu Anfang eines langen, hellen, weißen
-Ganges das, was der Korporal Rolf dem Korporal Sven zu höchster
-Herzerfrischung weisen wollte, und mag sich ebenfalls daran erfrischen.
-Da hängt nämlich von der Decke herab eine eiserne Kugel an eiserner
-Kette, -- eine Bombe des Feldmarschalls Karl Gustav Wrangel, und das
-Bild des Feldmarschalls hängt an der Wand daneben.
-
-Beides gehört zu dem Hause seit dem Jahre 1647, seit dem Momente, in
-welchem der Herr Feldmarschall diese Bombe in die freie Reichsstadt
-Lindau hineinschoß und Grimmiges mit ihr im Sinn hatte, was sich
-gottlob nicht erfüllte, denn das Untier durchschlug nur das Dach des
-guten Wirtshauses und blieb, ohne weitern Schaden anzurichten, auf dem
-Hausboden liegen, -- 180 Pfund schwer.
-
-Damals hat man den unfreundlichen Gast vorsichtig aufgehoben, ihn
-seiner verderblichen Füllung entledigt und ihn bei ruhiger Zeit an
-besagter Kette am Gebälk aufgehängt zum ewigen Gedächtnis des Generals
-Wrangel und seines groben Geschützes. Der Korporal Rolf aber hatte
-vollständig Recht: im Jahre 1674 gab es keinen bessern Augentrost für
-den schwedischen Mann der Wirtin zur Taube in Alberschwende, als diese
-Kugel und dies Bildnis in der Krone zu Lindau.
-
-Im Jahre 1674 sah die Krone nicht so hell und freundlich aus als heute.
-Die Wände waren nicht mit Kalk getüncht und noch weniger al fresco mit
-heidnischen und christlich ritterlichen mittelalterlichen Festivitäten
-bemalt. Aber das Haus war schon damals gut und verdiente seinen Ruf
-weit übers Allgäu hinaus, und der Hafenwärtel Rolf Kok, genannt das
-Gockele, kannte das Getränk und hatte sein Kerbholz fröhlich hinter der
-schwarzbraunen Eichentür der Zechstube. Fürs erste aber stellte er den
-wiedergefundenen Kriegskameraden unter die Schwedenkugel, wies auf sie
-hin und wies auf das Bild des Feldmarschalls und sagte:
-
-„Da, Herzbruder, da!“
-
-Der Hirt von der Lorena rieb sich die trüben Augen, starrte auf die
-Bombe, starrte auf das Bildnis seines Generals, tat einen Sprung
-und schüttelte sich, als ob er die Jahre und sein Leben unter dem
-Kommando der Frau Fortunata und sein Leben auf der Lorena mit einem
-Ruck abschütteln wolle. Er streckte die ausgebreiteten Arme dem
-Feldmarschall und der schwedischen Kugel zu und rief aus vollem Halse:
-
-„Vivat Gustavus Adolfus! Vivat Gustavus Wrangel! Es leben die Löwen aus
-Mitternacht!“
-
-Und er tat einen zweiten Satz und schrie zum zweiten Mal, daß die Wände
-erzitterten, und ein einsamer Zecher nebenan in der Trinkstube sich von
-seinem Tisch im Winkel erhob, aufstand und den Kopf aus der offenen Tür
-in den Gang vorstreckte. Dem Kopfe nach folgte der übrige Mann, und das
-Ganze war wohl einer Schilderung wert.
-
-In dem alten, langen, hagern und gelben Gesichte mit dem eisgrauen,
-spitzgewichsten Knebel- und Schnurrbart umfunkelten zwei kohlschwarze
-Augen eine lange, scharfe Nase. Zwei lange, einknickende Beine in
-engen, schwarzen Hosen und schwarzen Strümpfen trugen den mit schwarzer
-Schoßweste und schwarzem Rock angetanen dünnen Leib, und als die
-Kreatur den Hut abnahm und in die Luft schwang, da entblößte sie einen
-ratzenkahlen, gelblichen Schädel:
-
-„Cospetto! O Jesus Maria! Vivat Ferdinandus!“
-
-Wie auf ein Kommandowort fuhren die beiden Korporale herum, als
-ihnen so unvermutet auf ihren eigenen schwedischen Schlachtruf das
-wohlbekannte Feldgeschrei und die Losung des kaiserlichen Heeres
-entgegen schrillte. Und siehe, schon kam der schwarze, lange Mann, auf
-sein spanisch Rohr mit dem Messingknopf gestützt, herangehinkt, fegte
-in tiefer Verbeugung den Boden mit dem Hutrande und sprach höflichst:
-
-„Bitte um Permission, Signori; -- Kriegskameraden von der andern Seit?
-Groß Ehr! groß Ehr! -- -- Hab das Vergnügen, mich denen Herren zu
-rekommandir. Signor Tito Titinio Raffa, Zahlmeister im Regiment zu
-Pferd Strozzi. Hatt schon die Ehr vordem bei Breitenfelda, -- groß Ehr,
-groß Ehr, groß Battaglia! Woll die Herren eintret und niedersitz zu
-einem Trunk und freundlich Diskurs? Groß Ehr, viel Vergnügen und gut
-Kameradschaft!“
-
-Mit allem Eifer schüttelten die beiden versprengten schwedischen
-Kriegsleute dem versprengten Reitersmann vom Regiment Strozzi
-die dargebotene Rechte, und im nächsten Augenblick saßen sie mit
-behaglichem Ächzen nieder an dem Tische, von welchem der Herr
-Zahlmeister aufgestanden war, um sie zu begrüßen: die Frau Wirtin
-zur Taube in Alberschwende hatte um diese Tageszeit, das heißt um
-Sonnenuntergang, auf dem Gebhardsberg gut suchen und rufen nach ihrem
-treuen Knecht Sven Knudson Knäckabröd aus Jönköping am Wetternsee.
-
-
-7.
-
-Die Lichter des Tages waren längst verglüht auf Gefild, Berg, Wald, Tal
-und See. Die glänzenden Spitzen des Kamor, des Hohen Kasten und des
-Säntis drüben in Appenzellerland hatten sich in der Nacht verloren: der
-Mond sollte erst später aufgehen.
-
-Die Lichter in den Wohnungen der Menschen waren angezündet worden, und
-der Tisch der drei Helden in der Krone zu Lindau bot jetzt ein seltsam
-Schauspiel dar.
-
-Wenn der aus dem Land Tirol, der Rote, ein sauber Getränk ist,
-das des Menschen Herz erhebt, so hat der Bayern Bier auch seine
-löblichen Verdienste, und die drei Krieger tranken davon und hatten
-davon getrunken. Die beiden wackeren Schweden saßen wie aus Granit
-zurechtgehauen fest, mit den kurzen Tonpfeifen im Munde; aber der
-italienische Sprachlehrer Tito Titinio Raffa, vordem Zahlmeister im
-Regiment Strozzi, stand aufrecht, soviel ihm das möglich war, focht
-wild mit beiden Händen in der Luft umher und beweinte gellend die
-schönere Vergangenheit und das Elend der Gegenwart, ja, die schönere
-Vergangenheit, deren er Genuß gehabt hatte von dem Tage an, wo sich bei
-Breitenfeld nach des Schwedenkönigs Wort eine Krone und zwei Kurhüte an
-einem alten Korporal rieben.
-
-„Da ging es freilich mit Sang und Klang, mit Pauken und Posaunen herum
-im deutschen Lande,“ winselte er. „Die güldenen Ketten fielen einem
-aus dem Pulverdampfe um den Hals, und die güldenen Dukaten raffte man
-zu Haufen vom Erdboden auf und kümmerte sich wenig drum, wie arg er
-zerstampft war. Die Fackeln und Lichter brannten im Tanzsaal von einem
-Jahr ins andere, -- und die Lust war immer dieselbe, ob man den Feind
-schlug oder ihm die Fersen zeigte. Im letzten Grund gab es ja gar
-keinen Feind, sondern nur einen lustigen Bruder, der auch zum Fest von
-der dummen deutschen Nation eingeladen worden war, einen vergnügten
-Bruder und Kriegsgesellen, mit dem man bei Geigen- und Trompetenklang
-eben sein Tänzlein machte, wie es sich schicken wollte: heut’ oben an
-der See, morgen mitten im Land; heut’ am grünen Rheinstrom, morgen an
-der gelben Weser und übermorgen an der blauen Donau. Gute Kameraden,
-nichts als gute Kameraden in jedem Lager, unter jeglicher Fahn’ und
-Standarte! Das war ein Leben, wie es die Welthistorie noch niemalen
-aufgezeichnet hatte, und wie kein Kriegsmann zu Roß und zu Fuß es sich
-jemalen lieblicher ausdenken mag. Das Herz geht mir heut’ noch im
-Galopp gegen die gute alte Zeit durch, wenn ich daran denk’, wie der
-Leutnant Schneeberg von Götzens Kavallerieregiment nach der Lützner
-Schlacht, nach verlorener Bataille, des Königs Gustavi Adolfi goldene
-Kette in Halle auf den Tisch warf und für sich allein Viktoria rief.“
-
-„So ist’s, obgleich ihr davon gerade nicht reden solltet, Zahlmeister,“
-murrte der Korporal Sven. „Ein Türkis hing dran von der herrlichsten
-Art. Sie hatten ihn ausgegraben in dem Gebirg Piruskua, zehn Meilen
-von der Stadt Moscheda; ich hab’ ihn tausendmal blitzen sehen, wenn
-die Majestät die Front hinabritt, und wir vermeinten alle, der Stein
-mache schuß-, hieb- und stichfest; doch es war nicht an dem, wie sich
-ausgewiesen hat; aber der Teufel soll euch doch holen, Zahlmeister,
-weil ihr gewagt habt, die Hand daran zu legen!“
-
-„_Di grazia, prego perdono!_ Verzeihung, ihr Herren; ich rede nur
-davon, um des Elends von heute willen. Der Domeneddio stand damals
-auf jeder Seite. Ihr hattet den Sieg, wir den Türkisen schwedischer
-Majestät. Jeglichem seinen Spaß, und -- freie Hand überall! Das war die
-Parol’ bis zum Jahr achtundvierzig. Nun ist es lange für alle aus, und
-keiner hat dem anderen einen Groll nachzutragen.“
-
-„Nein, keine Feindschaft um das, was vergangen ist; ich trinke auf eure
-Gesundheit, Herr Zahlmeister vom Regiment Strozzi!“ rief der Korporal
-Rolf Rolfson Kok. „Was uns schwedische Männer insbesondere betrifft,
-so brauchen wir uns wenig zu grämen. Wir haben behalten, was wir
-gewonnen, und decken ein gut Stück deutschen Landes von Greifswald bis
-Verden mit unseren Piken und Musketen.“
-
-In demselben Augenblick setzte sich der Italiener kurz nieder, und ein
-Grinsen der Schadenfreude überzog, trotz aller guten Gesinnungen gegen
-seine früheren Feinde, sein gelbes Gesicht. Er pfiff auch einen langen
-Pfiff und zischelte:
-
-„Decket es mit, Kamarado, es tut Not. Dorten werden freilich bald genug
-die Trompeten noch einmal zum Antraben rufen; aber für unser einen
-ist keine Freude mehr dabei, so wenig als bei des französischen Louis
-und des Kaisers Spektakel drüben am Rhein. Diesmal sollet ihr die
-Prügelsuppe für euch allein haben, ihr nordländischen Bären.“
-
-Vier Fäuste krachten auf einmal auf den Tisch; ein halb Dutzend
-grausamlicher schwedischer Flüche schmetterte dazwischen, und auf den
-Füßen standen nunmehr die zwei Korporale und riefen wie aus einem Munde:
-
-„Was singet der Herr da?“
-
-Der Italiener lachte und winkte begütigend dem Hafenvogt:
-
-„Könnt ihr es leugnen, Kamarado, daß ihr euch da unten Gewaltiges und
-Tückisches vorgenommen habt? Der Signor aus der Wildnis hat freilich
-bei seinen Murmeltieren geschlafen; aber wir anderen wissen doch
-noch ein wenig, wie es in der Welt zugehet, und meine Opinion ist
-augenblicklich, daß ihr euch diesmal bei dem Handel tüchtig die Pfoten
-verbrennen werdet. Ha, leugnet es nur, aber es ist so! Ihr werdet ihn
-mit nichten halten, den zehnjährigen Neutralitätsvertrag, nun da die
-Katz’ vom Haus ist, und die kurfürstlichen Gnaden von Brandenburg
-mit dero hohen Sposa, dero Kurprinz und dero glorreicher Armada zum
-kaiserlichen Kommandeur, dem Duc de Bournonville am Rhein aufgebrochen
-sind.“
-
-„Man wird ihn halten!“ rief der Hafenwärtel.
-
-„Ich sage no! und ich sage dazu, nehmet euch in acht! Die Welt ist
-älter geworden seit unseren jungen Tagen, und neue Hände sind an einem
-neuen Werke.“
-
-„Zahlmeister! Zahlmeister!“ rief Rolf Rolfson Kok drohend.
-
-„_Pazienza! adagio!_ möcht’ wohl einmal in eure Magazine in
-Stettin hineingucken. Das wird schon jetzt ein lustig Zufahren von
-Piken und Musketen, Pulver, Blei und Geschütz im Hafen von Wismar sein.
-Ohe, Signori, das wird ein lustiges Klingen von französischem Geld auf
-den Tischen von Stockholm und in den Taschen eurer Generale geben!“
-
-„Ihr seid ja ein recht feiner, politischer Kopf, Herr Kamerad vom
-Regiment Strozzi,“ brummte Sven Knudson Knäckabröd, ungewiß, ob er das
-Ding für eine Schmeichelei oder das Gegenteil nehmen solle.
-
-„Bin ich doch Zahlmeister gewesen!“ lächelte Signor Tito Titinio
-Raffa. „Erzürnet euch nicht, wir haben es auch nie anders gehalten.
-_Cospetto_, wünsch’ euch aus vollem Herzen, daß ihr euren
-Wunsch durchsetzen möget. Der Herr Turennius mit Eisen und Stahl am
-Rheinstrom, und der klingende französische Sack in Stockholm werden
-wohl nach Kräften dazu helfen; aber -- aber nehmet euch in acht, daß
-euch der Brandenburger nicht doch die Karten aus der Hand schlage.“
-
-„Er wird es wohl nicht,“ meinte Rolf bärbeißig.
-
-„Will es euch wünschen; aber -- aber saget doch: mit dem Herrn
-Feldmarschall Karolo Gustavo Wrangelio, dessen Bild und eisern
-Gastgeschenk da draußen aufgehängt ist, seid ihr vordem hierher
-gekommen?“
-
-„Mit demselbigen!“
-
-„Nun denn; wenn ihr heut’ Abend noch von hier abreiset, so trefft ihr
-ihn vielleicht schon auf dem Marsche nach Berlin“.
-
-„Vivat! es lebe der Held aus Mitternacht!“ schrie der Korporal Sven,
-der bis jetzt mit immer steigender Verwunderung von einem der beiden
-Politiker auf den anderen gesehen hatte und nur mit Mühe den Sprüngen
-ihrer Unterhaltung gefolgt war. Jetzo aber war es ihm auf einmal ganz
-klar geworden, wieviel Welthistoria er im Bann und Dienste der Frau
-Wirtin zur Taube in Alberschwende und bei seinen Kühen und Geißen auf
-der Lorena versäumt habe.
-
-„Schulterts Gewehr! An die Piken! Aufgesessen, Kürassiers und
-Dragoner!“ brüllte er und fügte in leiserem Ton hinzu: „Aber es gehet
-mir auf wie ein Nordlicht, daß ich schon einmal dabei gewesen bin mit
-den Brandenburgern, und damals war’s nichts Großes, und wir lachten
-auch allsamt über den Spaß. Ja, es war Anno Einunddreißig, Korporal
-Rolf, ihr wisset, als auch wir zuerst auf Berlin marschierten,
-fünfzehnhundert Mann zu Fuß und zu Pferde mit dem Könige und vier
-Kanonen. Wir kamen von Köpenik, allwo das große Lager war, und hatten
-unsere Lust mit dem damaligen Kurfürsten Georg Wilhelm und seiner
-Kurfürstin. Sie handelten mit uns bis zum letzten Augenblick und kamen
-zum Vergleich erst, als die Konstabler die Lunte aufschlagen wollten,
-um ihnen das Verständnis zu wecken. Ja wohl, jetzt fällt es mir genau
-bei. Sie gaben uns nach endlich abgeschlossenem Pakt das Geleit vor
-die Stadt, und da wollten ihnen beim Abschied königliche Majestät doch
-noch eine unverdiente Ehre antun und ließen eine Generalsalve geben
-aus großem und kleinem Gewehr. Das war der Spaß! Der Feuerwerker hatte
-vergessen, das Geschütz von der Stadt abzurichten, und weil wir zuerst
-als Feinde gekommen waren, so schossen wir nun auch als Freunde scharf
-und deckten ihnen ganz ohne bösen Willen die Dächer ab. Das gab denn
-freilich ein groß’ Geschrei der Damens, und königlicher Majestät war’s
-sehr unangenehm.“
-
-„Ich war nicht dabei, Korporal Sven,“ sprach der Korporal Rolf, „ich
-stand damals in Köpenik mit der Hauptmacht. Aber die Sache ist so, und
-zu viel ist da auch niemandem geschehen; denn während wir ihnen nur ein
-paar lumpige Schindeldächer abdeckten, deckte uns der alte Korporal,
-der Tilly, die ganze Stadt Magdeburg ab. Der Gustavus Adolfus hat es
-dem Brandenburger nie vergeben.“
-
-„Das sind alles alte Geschichten,“ meinte der Signor Raffa gähnend.
-„Auch ist es nicht weit von Mitternacht, und morgen früh reis’ ich
-zurück nach Augsburg, sintemalen niemand der hiesigen Barbaren, weder
-Mann noch Weib, ein Gelüst zeigt, die bella _lingua toscana_ zu
-erlernen. _Cospetto_, um nichts Ärgeres zu sagen! Die Herren und
-Kameraden mögen einen guten Schlaf tun; -- es war mir ein’ groß’ Ehr’
-und Vergnüg’, mit meiner angenehm’ Konversatione aufzuwarten.“
-
-„Möge dem Herrn unsere schlechte Gesellschaft gleichfalls gefallen
-haben,“ sprach der Korporal Rolf, während der Korporal Sven stumm, aber
-mit militärischem Anstand salutierte. Die Schenkstube der Krone hatte
-sich allmählich mit Gästen sehr gefüllt; aber die drei Kriegsmänner
-hatten wenig davon gemerkt und gar nicht sich darum gekümmert. Sven
-und Rolf verwunderten sich dann erst darüber, als der Zahlmeister vom
-Regiment Strozzi zierlich Abschied genommen hatte.
-
-
-8.
-
-Wer in dieser Nacht durch die Gassen der alten freien Reichsstadt
-Lindau wandelte, und, was freilich nicht zu vermuten stand, einen Sinn
-für Naturschönheit hatte, der mochte wohl über der augenblicklichen
-Lieblichkeit der Erde vergessen, wie wild es auf eben dieser Erde immer
-noch aussah, trotzdem die drei greisen Kriegsgesellen sich soeben erst
-über die nichtswürdige Friedensseligkeit und jammerhafte Langeweile,
-die ihnen in ihrem Alter zu Teil geworden waren, so herzzerbrechend
-beklagt hatten. Im silbernen Mondenglanz lag jetzt der See rund um die
-Inselstadt her und spülte nur lind und leise an die uralten Mauern.
-Drüben kam der junge Rhein wahrlich friedlich aus dem Graubündnerland
-hervor; aber auch der, nachdem er den großen See durchströmt, Konstanz
-gegrüßt und bei Schaffhausen den lustigen Sprung gewagt hatte, sah und
-vernahm in seinem fernern Laufe mancherlei, was nicht nach Frieden
-klang und aussah. Sie waren hart am Werke miteinander: der Kaiser
-Leopoldus, daß er das Elsaß, um der ewigen Verdrießlichkeiten darob
-entledigt zu werden, so anständig und still als möglich losschlage,
--- König Louis, daß er es mit größtmöglichstem éclat, Jubel und
-Feuerwerksgeprassel in Empfang nehme. „Uns gefällt nicht ein mächtiger
-Fürst der Wenden an der Ostsee!“ hatte der allezeit Mehrer des
-römischen Reiches deutscher Nation in Wien gesagt und seinem Feldherrn
-im Lager bei Straßburg, dem Herzog von Bournonville, Befehl gegeben,
-sich lieber dreimal von den Franzosen schlagen zu lassen, als einmal
-dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm Gelegenheit zu
-geben, seine Pflicht gegen das Reich mit Gloria zu erfüllen. Da hatte
-denn der Herr von Turenne natürlich ein leicht’ Spiel, und hat es auch
-trefflich benutzt; -- doch das sind alte Geschichten, wie Signor Tito
-Titinio Raffa sagen würde, und wir haben uns an dieser Stelle nicht
-weiter damit zu beschäftigen.
-
-Auf den Mauern der Inselstadt Lindau schritten die wenigen Wachen unter
-den Linden und zwischen den Geschützen langsam auf und ab, und auch auf
-ihren Partisanen und Musketen blitzte das Mondenlicht. Der berühmte
-Gasthof zur Krone, dicht hinter der Stadt- und Hafenmauer gelegen,
-lag im tiefsten Schatten, bis auf die gleichfalls weiß glänzenden
-Giebel und die Wetterfahnen. Die beiden späten Zecher, welche jetzt aus
-demselben hervortraten, standen anfangs ziemlich unschlüssig, ob ihres
-Weges in dem Dunkel.
-
-„Nicht unter Dach,“ schluchzte der Korporal Sven Hahnentritt.
-„Bruderherz, nicht unter Dach! Ich hielt’s nicht aus! Mir summt’s im
-Kopfe, als ob zehntausend Trompeten drin zum Angriff bliesen, mir kocht
-es in den Adern, als ob die Regimentssudler drin für eine Armee von
-zwanzigtausend Mann die Feuer schürten. Unter Dach, und wäre es von
-purem Golde, müßt’ ich ohne Gnad’ und Ranzion elend ersticken.“
-
-„Nicht unter Dach, Bruder,“ schluchzte auch der Korporal Rolf, zu
-Lindau genannt das Gockele. „Du hältst mich und ich dich, und so kommen
-wir ohne Halsbrechen jene Walltreppe hinauf, und da setzen wir uns und
-reden weiter vom glorreichen Schweden und dem großen Könige und dem
-großen Kriege. Hupp -- marsch -- hoho, ich glaube, die Weiber nennen
-das Wehmut, was uns beide am Schopf gepackt hält; ich glaub’, wenn’s
-möglich wär’, käm’ ich heut’ Nacht zum erstenmal in meinem Leben zum
-Heulen und Greinen.“
-
-Sie schwankten hinein in den Mondschein und kamen glücklich auf
-die Mauer, und da saßen sie nieder auf der Bastion auf einer alten
-bronzenen, wirklich schlangenhaften Wallschlange, die vielleicht schon
-den Kaiser Maximilian begrüßt hatte, als er zum Reichstag nach Lindau
-kam, um „die Reichskammergerichtsordnung zu Faden zu schlagen“.
-
-Da saßen sie, ein Paar alter, grauer, nordischer Seebären im
-Mondenlicht und sahen hinüber nach den Schweizer- und Tirolerbergen
-und unterredeten sich gar lieblich von neuem. Es waren zwei sehr
-unromantische Burschen; allein sie hatten beide genug erlebt, daß ihr
-Gespräch, ohne daß sie es wußten, fühlten und wollten, in hohem Grade
-romantisch war, vorzüglich der Teil, welchen der Korporal Rolf auf sich
-zu nehmen hatte.
-
-„Das wird allmählich anjetzo ein Aufsehen um mich da drüben geworden
-sein,“ sagte Sven. „Hui, lug, da geht noch eine Rakete auf, als ob sie
-mich zurückriefe. O Rolf Rolfson, es wird mir wunderlicher von Minute
-zu Minute.“
-
-„Das macht der Mond, und die Feuchtigkeit in der Krone, und der welsche
-Signor, Kamerad. O Sven, Sven, auch mir steigt es warm und heiß und
-immer heißer herauf. Stelle dir vor, daß das alte Schweden da so ruhig
-an seiner Stelle liegen geblieben ist, mit allem, was dazu gehört,
-und daß wir so weit in der Welt herumgekommen sind zu Roß und zu Fuß,
-als Sieger und als Gefangene der Weiber und Spießbürger! Es drückt
-mir das Herz ab, wenn ich jetzt auf das helle Wasser sehe und denke
-an die Ostsee und die große Flotte und den großen König Gustav, und
-wie wir landeten, die Mannen aus allen Provinzen, Ost- und Westgoten,
-Dalkarlen, Finnen, und sogar die einfältigen, albernen Lappen! Wenn
-ich dran gedenk’, wie wir niederknieten, Gott zu danken, dann wieder
-aufstanden und an die Arbeit gingen und dabei blieben achtzehn Jahre,
-achtzehn lange glorreiche Jahre durch! O Bruder Sven, die Schweizer
-dorten, die reden immer von ihrem Heimweh, auch wenn’s niemand
-verlangt; aber du, Sven, hast mir das Heimweh heute mitgebracht! Ach
-Schweden, Schweden! Sven, möchtest du nicht auch nochmalen die blauen
-und die gelben Regimenter in Linie sehen mit der Sonne auf den Helmen
-und Kürassen und den Herren Generals und Obristern vor der Front?“
-
-„Sei still, ich komme um!“ winselte der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd. „Ich habe die Kühe gemelkt und saß zwischen den Käsen, bis
-gestern morgen; und sie schulterten bis an die Weser vor den gewonnenen
-Städten, sie schlugen weiter gegen die Polen und gegen die Jüten!
-+Sie+ schlugen bei Warschau drei Tage lang, sie marschierten über
-das Eis nach Seeland; um Kopenhagen lagen und ritten sie. +Sie+
-schlugen die Russen, und ich hab’ das alles erst heut’ abend durch dich
-und den welschen Signor erfahren, und ich ließ mich von den Weibern
-fangen und zum Kinderwarten abrichten, anstatt den Verband abzureißen
-und in Ehren zu sterben!“
-
-„Du hast es doch noch gut gehabt, Kamerad. Du saßest da in deiner
-Wildnis und sahest nichts und hörtest nichts, und alle die guten Dinge,
-von denen du eben sprachst, sind dir freilich erst heute abend zu
-Kopf gestiegen. Mir aber hat bis zu dieser Stunde die Kugel unseres
-Feldherrn in der Krone auf dem Herzen gelegen. Ach Korporal Knäckabröd,
-was meinet ihr, wenn wir den Weg fänden?“
-
-„Den Weg wohin?“ schrie der Hirte von der Lorena.
-
-„Den Weg nach Hause! Den Weg zu den Fahnen mit dem Löwen von
-Mitternacht!“ schrie der Hafenwärtel von Lindau emporspringend.
-„Korporal -- Kamerad, Herzbruder, wenn wir zur rechten Zeit kämen,
-um noch einmal -- vor Torschluß, Sven! -- noch einmal, einmal in
-Reih und Glied zu treten?! Der Karl Gustav, der Wrangel, unser
-General ist ja wieder an der Spitze; der nicht jünger ist als wir!
-Der Wrangel marschiert, der Wrangel, mit dem wir hierher kamen! Das
-ist das Heimweh, Kamerad, und wir gehen, Kamerad -- wir marschieren,
-Herzbruder; wir desertieren -- wir gehen zum Wrangel -- in dieser --
-Nacht noch!“
-
-„In dieser Nacht noch!“ ächzte der Kriegsgefangene der Frau Fortunata
-Madlener zu Alberschwende und drückte beide Fäuste auf die Augen. Dann
-sprang er von dem Geschützlauf empor und sang im halben Wahnsinn des
-höchsten Jubels in die Mondenscheinnacht hinaus:
-
- „Auf Dovrefield im Norden
- Liegen die Kämpfer ohne Sorgen.
-
-Ruhe im Glied!... wir gehen zum Wrangel! o wenn es doch wahr wär’, wann
-ich morgen früh aufwache!“
-
-„Hast du ein Eigentum, drüben bei den Hirten im Gebirge, Sven?“
-
-Der Korporal schüttelte den Kopf und schob die Hände tief in die leeren
-Hosentaschen.
-
-„Ich hab’ in meinem Turm dorten aller Welt Schätze,“ grinste Rolf
-Rolfson Kok; „einen Tisch, einen Stuhl, einen Strohsack, eine Muskete,
-ein halb’ Dutzend Angelruten und allerhand Netzwerk, drei Töpfe, eine
-Pfanne und einen Finken im Bauer. Den Vogel lass’ ich fliegen, denn
-wir fliegen ja selber; -- dreißig Gulden hab’ ich auch, die hol’ ich,
-und alles andere vermache ich dem Rat und der Bürgerschaft von Lindau.
-In zehn Minuten sind wir reisefertig. Dort liegt mein Kahn, -- in zehn
-Minuten schwimmen wir auf dem See und, weißt du, in Nonnenhorn landen
-wir und müssen dann sehen, wie wir den Weg weiter finden. Courage,
-Alter; sitze still, bis ich wieder komm’. Jetzt mach’ ich den Kehraus
-in meinem Quartier, und morgen früh sind wir weit hinaus auf dem
-Marsche nach Hause!“
-
-
-9.
-
-Am folgenden Morgen war die Verwunderung nicht nur des Rates, sondern
-auch der ganzen Stadt Lindau im Bodensee groß ob des Verschwindens
-ihres schwedischen Hafenvogtes. Die Kinder in den Gassen kannten
-den Meister Gockele, und die Alten waren mit seiner bärenhaften
-Erscheinung und seinem zerfetzten und zusammengeflickten Deutsch auf
-dem vertraulichsten Fuße. Es war in der Tat kein Wunder, daß man
-den Korporal Rolf Rolfson Kok sehr vermißte, sowohl in den Gassen
-der Stadt, wie in ihren behaglichsten und berühmtesten Schenken und
-Gaststuben.
-
-„Und zur Zeit der Rädle noch gar?!“ murmelten die erfahrenen und
-gewiegten Zechkumpane. „Zur Zeit, wo der Neue schon an die Türe pocht!
-es ist nicht auszudenken. Ja, wenn der See den Leichnam nicht bald
-ausspült, so ist es sicher, daß der böse Feind das Gockele am Fittig
-nahm. Aber er war doch ein guter Kamerad; -- Schade um ihn.“
-
-War die Aufregung groß ob des Verschwindens des Korporals Rolf in
-der freien Reichsstadt Lindau, so trat sie doch vollständig in den
-Schatten vor dem Lärm und Aufruhr, welchen das Verschwinden des
-Korporals Sven jenseits des Fürberges hervorrief. Es war eben ein
-anderes, ob jemand für die volkreiche Stadt Lindau, und ein anderes,
-ob jemand für das Dorf Alberschwende und die Lorena verloren ging. Die
-gesellschaftlichen Zustände litten an den letzten beiden Orten viel
-mehr darunter als an dem erstern, und die Wirtin zur Taube war nicht
-ohne einige Berechtigung um ein Bedeutendes giftiger, betrübter und
-jähzorniger als der Rat und die Bürgerschaft der freien Stadt.
-
-Wir müssen darauf verzichten, die Gefühle der Frau Fortunata, der Frau
-Aloysia und der drei hübschen Schmelgen zu schildern, als sie am Abend
-des verhängnisvollen siebenten Augustes anfingen, nach dem Korporal
-sich umzusehen, und sie ihn nicht fanden.
-
-Anfangs suchten sie mit Lachen, allein das dauerte nicht lange. Mit dem
-Ingrimm einer erzürnten Löwin hub die Frau Fortunata an, ihr Beutestück
-im Kreise ihrer Bekannten und Freunde auszuschreien. Auch die Freunde
-und Bekannten machten sich auf die Jagd, wenn auch mit einem geheimen
-Mitleid in Betreff des Geschickes des schwedischen Mannes, sofern
-er in ihre und der Taubenwirtin Hände gegeben werde. Da blieb kein
-Busch am Gebhardsberge ununtersucht, sowie auch keine Schenke in der
-trefflichen Stadt Bregenz unter dem Gebhardsberge. Wenig hätte gefehlt,
-so wäre die Bürgerschaft aufgeboten worden, den Flüchtling (denn daß
-der Gesuchte ein Flüchtling sein mußte, war am folgenden Tage jedermann
-klar) zu verfolgen und tot oder lebendig einzubringen.
-
-Drei Tage und drei Nächte hielt sich die Taubenwirtin am Gestade des
-Sees auf der Suche, und erst am vierten Tage gab sie in vollkommener
-Verzweiflung die Hoffnung auf, den Deserteur und Verräter an Treu und
-Glauben wieder zu erlangen; sie trat in Grimm und Zorn die Heimfahrt
-in den Wald an, und für längere Zeit hatten nun die Hausgenossen
-und Hausfreunde für das zu büßen, was der undankbare Schwed’, der
-nichtsnutzige Korporal Sven Knudson Knäckabröd, gesündigt hatte. Und
-was das Schlimmste war, es existierten noch einige verwitterte und
-verwetterte Veteraninnen aus dem Jahre 1647, welche sämtlich nunmehr
-vor die Wirtin zur Taube, die Oberkommandantin, hintraten, das
-glorreiche Gefecht am roten Egg wie in der Chronika nachschlugen und
-kreischend behaupteten: das hätten sie schon damals vorausgesagt, und
-jedes ordentliche Wäldlerweib hätte schon damals sagen können, daß das
-so kommen würde.
-
-Aber wie es in allen menschlichen Zuständen und Angelegenheiten zu
-gehen pflegt, so ging es auch hier. Der Lauf der Tage nahm seinen
-gewiesenen Gang, und selbst ein so großes, merkwürdiges und unerhörtes
-Ereignis, wie dieses Verschwinden eines Menschen, der sich über
-sechsundzwanzig Jahre hinaus so brav hielt, versank in dem Strudel der
-Arbeit, in dem täglichen Kampfe mit den tausend Verdrießlichkeiten
-und Freuden des Daseins. Man sprach allmählich immer weniger von dem
-Korporal Sven, wenn man auch noch häufig genug an ihn dachte, und er
-immerhin ein ausgiebiges Thema der Unterhaltung für jegliche müßige
-Stunde blieb. Die Kinder der Frau Aloysia Unold grämten sich zuletzt
-doch am meisten um den alten, grauen, wackern Spielkameraden, den guten
-Gesellen von der Lorena; wir aber werden vor allen Dingen jetzo sehen,
-wo er mit seinem eigenen grauen, alten, wackern Kameraden, dem Korporal
-Rolf Rolfson Kok, geblieben war, und was er befuhr, nachdem er sich
-aus der Heimat in die Fremde fortgeschlichen hatte, um in der Fremde
-die Heimat, das heißt die alten glorreichen Kriegsfahnen und den alten
-Feldherrn Karolus Gustavus Wrangel aufzusuchen.
-
-
-10.
-
-Pasewalk ist eine schöne Stadt; fraget nur die geborenen Pasewalker
-darnach! Im Jahre 1674 soll es eine noch viel schönere Stadt gewesen
-sein, doch das ist schwerlich heute noch auszumachen. Jedenfalls war
-es im November des ebengenannten Jahres eine recht lebhafte Stadt,
-denn der Feldmarschall Karl Gustav Wrangel hatte sie zum Sammelplatz
-der Truppen, mit welchen er im folgenden Monat in die Mark Brandenburg
-einfallen wollte, auserkoren. Von Pasewalk aus war er denn auch
-richtig im Dezember mit 14000 Mann über die Grenze aufgebrochen,
-hatte Stargard, Landsberg, Wriezen, Ruppin und so weiter genommen,
-brandschatzte und plünderte nach alter gewohnter Art sachverständig
-und mit Vergnügen, und ließ es sich in Abwesenheit Kurfürstlicher
-Durchlaucht so wohl als möglich innerhalb dero Grenzpfählen sein.
-
-Auch Rathenow ist eine schöne Stadt und wurde im Anfange des Monats
-Juni des Jahres 1675 ebenfalls recht lebendig; denn um jene Zeit
-rückte der Herr Obrister von Wangelin mit sechs Kompagnieen Dragoner
-von seinem eigenen Regiment und einiger Infanterie von einem andern
-Regiment dort ein, machte es sich gleichfalls darin recht gemütlich
-und dachte an nichts Böses. Die Seinigen aber folgten in allen
-Dingen seinem Beispiele, ohne auf die Gefühle und Behaglichkeit der
-Bürgerschaft die mindeste Rücksicht zu nehmen.
-
-In oder vielmehr vor der Stadt Rathenow finden wir unsere beiden guten
-Freunde aus der Krone zu Lindau im Bodensee, die Korporale Sven Knudson
-Knäckabröd und Rolf Rolfson Kok, genannt Meister Gockele, richtig und
-für jetzt gottlob noch in guter Gesundheit wieder. Aber um die Stelle
-zu beschreiben, an welcher wir sie finden, ist eine Beschreibung der
-Lage der Stadt Rathenow unbedingt notwendig, obgleich wir das ziemlich
-kurz machen können. Die Stadt Rathenow liegt nämlich an der Havel,
-welche in zwei verschiedenen Armen daran vorüberfließt; und um zu den
-morschen, an verschiedenen Stellen eingefallenen Mauern und zum Tore zu
-gelangen, hatte man die beiden Arme und den dadurch gebildeten Werder
-zu passieren, und zwar vermittelst zweier größerer Zugbrücken und
-mehrerer kleinerer Brücken.
-
-An der ersten Zugbrücke, das heißt, der am meisten nach Westen zu
-gelegenen, hatte in der Nacht auf den 15. Juni alten und 25. neuen
-Stils der Korporal Rolf Kok von Wangelin-Dragoner die Wacht mit sechs
-Mann, und der Korporal Sven Knäckabröd leistete ihm Gesellschaft.
-
-Da waren sie denn! --
-
-In Wehr und Waffen, wie sie es auf der Hafenmauer von Lindau geträumt
-hatten, saßen sie wieder an einem schwedischen Wachtfeuer und hielten
-sie wieder einmal den vorgeschobenen Posten gegen den Feind.
-
-Sie saßen dicht nebeneinander an den verglimmenden Kohlen, die
-beiden braven alten Grauköpfe, und wachten hellen Auges, während
-ihre Mannschaft, bis auf den Posten unter dem Gewehr, ruhig auf den
-zusammengetragenen Strohbündeln im tiefen Schlafe lag. Es war gegen
-zwei Uhr Morgens, der Havelnebel lag weiß und dicht auf dem Flusse und
-den weiten Bruch- und Moorgegenden ringsum; aber man merkte doch, daß
-die Dämmerung nicht fern sein konnte. Die hohen Pfeiler der Zugbrücke
-standen bereits ziemlich klar hervor aus dem weißen Nebel, und die
-schwedischen Reitersmänner hatten bis jetzt eine ruhige Nacht gehabt.
-
-„Wie die machten wir auch sonst, Bruder Sven,“ sprach jetzt der
-Korporal Rolf, auf seine schnarchenden Dragoner weisend. „Das ist
-vorbei; wir sind zu alt dazu geworden, Kamerad; aber es hat auch sein
-Gutes, man sitzt und schwatzt, und eine Pfeif’ Toback am Feuer ist auch
-was Liebliches. Vor dreißig Jahren schmauchte man noch nicht so stark
-in den Armaden als heute. Das ist auch was Neues.“
-
-Er reckte und dehnte sich, während der Kamerad nur behaglich wie ein
-alter Hund unterm Ofen knurrte.
-
-„Sven“, fuhr der Korporal Rolf fort, „tu’ auch was zur Unterhaltung.
-Jetzt haben wir doch das Leben wieder durchgeprobt; nun sag’, wo
-sitzest du lieber, -- hier unter den Kürassen und Eisenhelmen oder
-dort, -- da -- dahinten, da oben in deinen Bergen zwischen den Ziegen
-und Böcken und sonstigem Rindvieh? Bruderherz, sag’ an, wie gefällt dir
-dein jung-alt Leben?“
-
-„Es ist nicht auszusagen, Wachtkommandant! Man kann nur immer von
-neuem darüber nachsinnen, und man hat dann doch auch dazu wieder keine
-Zeit. Ich bin noch lange nicht mit der glücklichen Stunde fertig, wo
-wir wieder unter der Fahne anlangten, und der Posten uns im Lager
-von Pasewalk die Parole abforderte. Ja Parole hin, Parole her! Die
-Parole hatten wir freilich nicht, aber unsern Ausweis hatten wir doch
-parat, und die Kniee beben mir jetzt noch, wenn ich an die Rührung
-denk’, mit welcher wir ihn von uns gaben. Versprengt beim Sturm auf
-Lindau! Gefangen in den Bergen Anno siebenundvierzig, nach dem Sturm
-auf die Bregenzer Klause und Burg Hohenbregenz! Das gab ein Zulaufen
-und Maulaufreißen bei Offiziers und Gemeinen! Und es war dazu ein Weg
-gewesen, ein richtiger Weg im Zickzack, auf welchem wir angelangt
-waren, vom Bodensee bis an den Ukerfluß! Und lauter junge Gesichter in
-den Regimentern, und selbst die alten unbekannt, und kein Hauptmann,
-Leutnant oder Feldweibel, so uns den weitern Weg in das gute alte Leben
-weisen konnte vor Staunen und Wunder. Das Herze zittert mir immer
-von der Stunde, Korporal Rolf!... Ach, der Wrangel, der Wrangel, das
-war das größte Glück, daß der Feldmarschall, oder wie sie ihn jetzt
-nennen, der Konnestable, zu Handen war und uns aufnehmen konnt’! Ja,
-des Feldmarschalls Gnaden, die mit uns und dem König über die See
-gekommen waren, wußten, was mit uns anzufangen sei, Preis und Glorie
-über den Karl Gustav! Er hat uns die Hände geschüttelt und in seinem
-Quartier an seinem Tische niedersitzen lassen. Alle großen Offiziers
-und Kommandanten haben uns als reine Wundertiere angestarrt, und der
-Konnestable hat uns zugetrunken, und alle großen Generale haben uns
-auch zugetrunken, und nachher hat uns das Volk, Reiter und Infanterie,
-auf den Schultern durch die Lagergassen getragen. Vivat Schweden!
-Schweden und die schwedischen Helden zu Roß und zu Fuß immerdar! Rolf
-Kok, nachher hab’ ich oft gedacht, in der gloriosen, leuchtenden Stunde
-hätten wir sterben sollen. Ich glaube, sie hätten alle Fahnen über uns
-gesenkt und mit allem Geschütz uns nachgefeuert, als ob wir selber die
-berühmtesten Generale gewesen wären.“
-
-„Freilich wäre dieses eine großmächtige Ehre für uns gewesen“, meinte
-der andere nachdenklich, „aber Sven Knudson Knäckabröd, es ist auch
-so, wie es jetzo ist, recht angenehm. Hat nicht der Oberst Wangelin
-vor der Front von seinem Regiment gesagt, es sei eine mächtige Ehre
-für ihn, daß wir bei ihm zu Pferde stiegen? Und wir sind zu Pferde
-gestiegen, Sven; du, weil du in deinen Bergen eben lange genug auf der
-Kuh geritten hast; ich, weil ich vordem dem Rate zu Lindau auch als
-Feuerreiter aufgewartet habe. Wir sind zu Pferde gestiegen, Korporal
-Knäckabröd; -- nachdem wir lange genug im verzauberten Schlaf lagen,
-sind wir endlich als junge Burschen wieder aufgewacht und aufgesessen.
-Ist es nicht so? Und als es neulich über die Grenze ging, nach alter
-Weise mit fliegenden Standarten, Pauken und Trompeten, haben wir uns da
-nicht gefühlt wie die Jüngsten? Haben wir da nicht die Hüte geschwenkt
-wie die jüngsten Jungen bei der Bagage? Daß wir heute einen roten Rock
-tragen, ist mir freilich nicht so lieb, als wenn wir noch im gelb und
-blauen Koller auszögen; aber es ist einerlei: vivat die Helden aus
-Mitternacht! vivat der glorreiche, ewig siegreiche Karl Gustav, der
-Feldmarschall Wrangel! Und eine Lust war’s doch auch, daß wir mit
-einreiten durften in die Städte, nach alter Art: in Landsberg, Krossen,
-Wriezen und wie sie sonsten heißen; und ein Pläsier ist es, daß wir --
-wir, Korporal Sven, heute diese Wacht halten an der Havel gegen die
-Brandenburger.“
-
-„Gegen die Brandenburger“, lachte höhnisch der Korporal Sven
-Knäckabröd. „Bah, wo sind sie denn, diese Brandenburger? Wirf einen
-Groschen da in den Nebel hinein, so weit du kannst, und such’ ihn
-nachher! So kannst du auch nach den Brandenburgern suchen, Rolf Rolfson
-Kok.“
-
-„Nein, Sven, sie sollen sich doch ziemlich brav gehalten haben am
-Rhein gegen die Franzosen. Ich hab’ mich hier und da umgehört und
-mancherlei vernommen; die Herren Offiziers und Politici munkeln
-allerlei. Wir haben uns eigentlich diesmal das Spiel doch ein wenig zu
-leicht gemacht. Der welsche Signor in der Krone war auch ein Politikus,
-und was er von der Katz’ und den Mäusen gesagt hat, das ist nicht
-ohne. Bruderherz, ich gäb’ viel darum, wenn dieser Kurfürst Friedrich
-Wilhelm bald zu Hause wieder einsähe, und zwar mit Macht und Gewalt.
-Um Kinderspiel sind wir doch den weiten Weg nicht hergekommen, und ich
-sage dir, Kamerad, ich hoff’ auf den Kurfürsten wie auf eine Braut, und
-ich hoffe, er bringt das doppelte unserer Armada mit, daß wir doch Ehre
-davon hätten. Bruder Sven, es wär’ mir ein Ekel, wenn das Spiel bis zum
-Ende zu leicht blieb, und wir gewonnen! schrieen, wie ein Lagerweib
-über einen gestohlenen Unterrock.“
-
-„Da tröst’ dich, Herzbruder Rolf; auch ich habe mich unter den
-Politikern umgehört und das Meinige in Erfahrung gebracht. Auf dem
-Marsche nach Hause und gegen uns sind sie; aber daß es ein weiter Weg
-vom Rhein bis an die Havel ist, das haben wir ja auch gespürt. Mir
-ist’s auch lieber, wir rufen Viktoria auf einem ordentlichen Felde,
-als daß wir uns wie der Fuchs in den Taubenschlag geschlichen haben
-sollten, und niemand vorhanden wäre, dem es am Herzen läge, uns zu
-verjagen.“
-
-„Wie geht ihr Weg eigentlich? Kannst du mir das in den Sand malen?“
-
-„Nein, solches vermag ich nicht; aber ich zähl’ an den Fingern unsern
-eigenen Marsch ab und vermeine, wir haben auch unsere Zeit gebraucht.
-Sie kommen wie wir durch der Schwaben Land, auch durch des Bischofs
-von Würzburg Grenzen, und nachher durch der Thüringer Berge. In der
-Stadt kalkulierten sie gestern beim Landrat von Briest, sie möchten
-vielleicht schon bei Erfurt stehen. Geduld’ dich noch ein paar Tage,
-Kamerad Rolf; dann magst du nach deinen Pistolen sehen und das Schwert
-in der Scheide lockern.“
-
-„Das gebe der Himmel zu unserem und Schwedens Ruhm“, sprach der
-Korporal Rolf Kok, und --
-
-„Halt! Werda?“ rief in dem nämlichen Augenblick der Posten an der
-niedergelassenen Brücke und warf den Karabiner schußgerecht vor.
-
-
-11.
-
-Der Nebel lag noch dicht und schwer auf Fluß und Land, der Morgen
-zögerte noch immer; man sah kaum zehn Schritte weit hinaus auf die
-Landstraße, die nach dem Dorfe Böhne und weiter nach Genthin, und über
-Parchen nach der Elbe und der Stadt Magdeburg zu führte.
-
-„Wacht heraus!“ schrie der Korporal Rolf aufspringend und zugleich den
-nächsten seiner süß schlafenden Dragoner an der Schulter rüttelnd. Wie
-ein grauer Schatten trabte ein Reiter durch den Dunst an, zwei andere
-folgten, dann ein Haufen, und man vernahm das Stampfen einer größeren
-Kavallerieabteilung im raschen Anmarsch.
-
-Das kleine Häuflein der Schweden hatte sich schnell auf der Brücke in
-Linie gestellt; die beiden Korporale mit dem Posten in der Front. Aber
-schon parierte der vorderste der schattenhaften Reiter seinen Gaul
-dicht vor den Karabinermündungen und rief:
-
-„Versprengte vom Regiment Bülow! Haben die Brandenburger dicht auf den
-Fersen! Gebt Raum, die Pferde sind abgehetzt, wir halten die Straßen
-nicht länger und müssen in die Stadt!“
-
-Es war eine alte, heisere Stimme, eine Stimme wie die der beiden alten
-Korporale Sven und Rolf, welche das hervorstieß, und der Mann auf dem
-wirklich schweißtriefenden, abgehetzten, schnaubenden Gaule war auch
-alt und grau verwettert. Er trug einen dunkelblauen Rock über dem
-Brustküraß, einen breiten, an der Seite aufgeklappten Dragonerfilz,
-doch ohne Feder und Kokarde. Er trug mächtige Stulphandschuhe und
-Reiterstiefel, doch keine Feldbinde, und wie seine nun allgemach auch
-heranreitenden Begleiter trug er das Schwert in der Scheide.
-
-„Schnell, schnell, Kamerad von Wangelin! Wir hängen seit dreien Tagen
-in den Sätteln und halten uns kaum mehr. Es pressiert -- laßt uns
-durch.“
-
-Die beiden Korporale sahen sich zögernd an.
-
-„Gebt die Parole, Herr!“
-
-„Wir sind drei Tage von der Armee. Sahen die Brandenburger bei Burg
-auf dem Marsche. Wie können wir euch die Parol’ vom gestrigen Abend
-geben? Macht Platz, ich sag’ euch, Wachtkommandant, der Oberst Wangelin
-ist mein guter Freund. Er liegt zum Wahrzeichen mit euch drüben in
-Rathenow, und ich bin Leutnant im Regiment Bülow. Jetzt haltet uns
-nicht länger auf!“
-
-„Was sagt ihr dazu, Korporal Knäckabröd?“ fragte der Korporal Kok.
-
-„So arg wird’s doch nicht pressieren!“ sagte der Korporal Sven; in
-demselben Augenblick aber richtete sich der alte Blaurock im Sattel auf
-und schrie krächzend:
-
-„Also nicht? Na, dann hol’ der Teufel die Höflichkeit! Wer ist denn
-hier eigentlich zu Hause? Ihr oder wir?“
-
-Ein Faustschlag krachte nieder auf die unglückliche Nase des weiland
-Kriegsgefangenen der Frau Fortunata Madlener, Wirtin zur Taube zu
-Alberschwende im Bregenzerwalde, daß er besinnungslos zu Boden stürzte.
-In dem nämlichen Moment stießen sämtliche Reiter ihren Pferden die
-Sporen in die Flanken; zur Rechten und zur Linken flog die schwedische
-Wache an der ersten Havelbrücke vor Rathenow zur Seite, oder wurde
-niedergeritten.
-
-„Der Derfflinger! der Derfflinger!“ rief einer der drei Leute, welche
-sich mit dem Korporal Rolf Rolfson Kok im eiligen Laufe der zweiten
-Brücke und der Stadt zu retteten und ihre Büchsen im Lauf hinter sich
-abschossen.
-
-„Der Derfflinger! der Derfflinger!“ murmelte der Korporal Kok, zu
-Lindau im See das Gockele genannt, betäubt, fortgerissen, unfähig
-sich zu besinnen, unfähig selbst, einen Augenblick an das Schicksal
-seines guten, alten Kriegskameraden zu denken. Und es war wirklich
-der Generalfeldmarschall Derfflinger, der vom Rhein her als der erste
-an der Havel anlangte, das Hausrecht gebrauchte, die erste Brücke vor
-Rathenow auf die eben beschriebene Weise nahm und nun vor der zweiten
-Brücke, welche er natürlich aufgezogen fand, seine Dragoner absitzen
-ließ und in Hast und Ungeduld über der trübe unter seinen Füßen
-dahinschießenden Flut fast vergehen wollte.
-
-Es hätte des Faustschlags des greisen Generalfeldmarschalls gar nicht
-bedurft, um den armen Korporal Sven zu überzeugen, daß die Welt im
-Begriff sei, unterzugehen. Nah und fern klangen die Trompeten, oder wie
-der Korporal, mühsam und zwischen die Pfeiler der Zugbrücke gedrückt
-sich aufrappelnd meinte, die Posaunen des jüngsten Gerichts. Immer
-mächtiger wogte und dröhnte es durch den Morgennebel heran, und Zug an
-Zug rasselte es über die erste Brücke und ergoß sich über den Werder
-zwischen den beiden Armen des Flusses, allwo der Derfflinger, den Degen
-in der Faust, Schwadron über Schwadron durch die Fluten trieb, während
-von den Mauern der Stadt schon das Gewehrfeuer blitzte und krachte,
-und Generalmajor Götze und Oberstleutnant Kanne bereits den Fuß in die
-erstaunten Gassen setzten.
-
-„O heiliger Olaf!“ stöhnte Sven Knudson Knäckabröd, sich das strömende
-Blut von der Nase wischend und sich aus seiner geschützten Lage
-dicht an der Brüstung der Brücke mit Vorsicht aufrichtend. „Träume
-ich +das+, so habe ich auch so noch niemalen geträumt! Aber mit
-einer solchen Nase träume da einer! Wetter, mir wächst ein Kürbis im
-Gesicht, -- also das war der Derfflinger? O Rolf, Rolf, Rolf, das ist
-wieder eine Geschichte, wie sie nur uns beiden passieren kann; -- o
-Korporal Kok, wenn es nur dem großen Marschall Wrangel nicht eben so
-ergehet wie uns zweien!“
-
-Es hatte allen Anschein, daß das wohl der Fall sein könne. Um diese
-Zeit nämlich war an dem Havelübergang, von Genthin her, ein Reiter mit
-großem Gefolge von, wie es sich anließ, hohen Offizieren, die alle ihre
-Pistolen auf den Sattelknopf gestützt hatten, -- mit einem mächtigen
-Gefolge von Wachen, Trompeten und Standarten erschienen und hielt, nach
-der Stadt hinüberhorchend. Dort hörte das Feuer allmählich auf, und
-einzelne Reiter sprengten von ihr wieder zurück: die zweite Zugbrücke
-mußte demnach auch genommen sein. Und einer dieser Kavaliere näherte
-sich dem hohen Befehlshaber, riß den Hut ab und neigte sich bis auf die
-Mähne seines Gauls:
-
-„Kurfürstliche Durchlaucht, wir haben Rathenow, wir haben den Wangelin
-und den Weg zum Rhin!“
-
-„Der Brandenburger! der Brandenburger auch!“ ächzte der schwedische
-Mann an der Brüstung zwischen dem Pfahlwerk der Brücke, und ohne die
-Antwort Kurfürstlicher Durchlaucht abzuwarten, kroch er über den Rand,
-rutschte die Böschung hinab, glitt in das Weidengebüsch der Havelinsel
-und fand daselbst trotz Nebel, Betäubung, Aufregung und Blutverlust
-noch zwei von den Dragonerpferden der Wacht-Abteilung des Korporals
-Gockele, angstvoll an ihren Strängen zerrend. Im nächsten Moment schon
-saß der brave Alte im Sattel des einen Tieres und jagte über den Werder
-hin, links ab. Da die Passage auf Rathenow von dem Generalfeldmarschall
-Derfflinger jetzt vollständig frei gemacht war, so ging der Marsch der
-sechstausend, vom Rhein her zu Hause anlangenden brandenburgischen
-Reiter über die Brücken. Der Werder, über welchen die Obersten Kanne
-und Kannowsky zuerst an die Stadt gelangten, war wieder leer; der Nebel
-hatte sich allmählich in einen feinen Regendunst verwandelt, und der
-sumpfige Boden dröhnte nur wieder von dem Stampfen einiger verwundeter
-Pferde, die wie Geistererscheinungen durch den grauen Dunst taumelten,
-strauchelten und schossen.
-
-Die Furt, welche die Dragoner des Derfflingers erst mit einiger
-Mühe gefunden hatten, kannte der Korporal Sven, von mehreren
-Rekognoszierungen aus, gut genug. Er befand sich mitten im Strom und
-erreichte den Steindamm am linken Ufer, ohne sich umzusehen.
-
-„Es ist aus, Rolf Kok! Sie haben dich mit dem Obristen tot oder
-lebendig!“ rief er jammernd und jagte weiter. Unschlüssig, ob er sich
-gegen Havelberg zum Feldmarschall Karl Gustav oder gegen Pritzerbe zu
-dessen Stiefbruder, dem Grafen Waldemar, wenden solle, jagte er fürs
-erste gradaus in die lieblichen Sümpfe und Heiden der wackern Mark
-Brandenburg hinein, im Sinn und Ohr verfolgt von einem ganz andern
-Klingen, als dem melodischen Läuten der Kuhglocken im Lande vor dem
-Arlberg und dem ermutigenden Wort der Taubenwirtin zu Alberschwende:
-„He, Korporal, sing’!“
-
-Das waren eilige Tage, und nimmer ist in der Welt so scharf geritten
-worden, wie in diesem Juni des Jahres 1675 in der Mark, sowohl vom
-Kurhut Brandenburg als auch von der Krone Schweden!
-
-Neun Tage schon hatte die kurfürstliche Kavallerie nicht abgesattelt,
-und nun sprangen auf die Kunde von der Einnahme von Rathenow, im jähen
-Schreck und aller Verstörung, auch die schwedischen Herren in die
-Sättel. Von Havelberg brach eilends der Feldmarschall Wrangel auf;
-von Brandenburg und Pritzerbe sein Stiefbruder. In aller Hast ging
-der Marsch der beiden so unvorsichtig geteilten Heeresflügel, ein
-spitzwinkelig Dreieck durch Bruch, Moor, Heide und Kieferwald ziehend,
-auf den durch alte Schlachten berühmten Kremmerdamm zu, um eine
-Vereinigung daselbst herzustellen und, was noch zu retten war, vor dem
-zornigen Hausherrn zu retten, ehe Kurfürstliche Durchlaucht, die in
-der Mitte der beiden Schenkel dieses Dreiecks gradaus ebenfalls einen
-Strich auf Fehrbellin zogen, den ungebetenen Gästen auch da an der Tür
-aufwarteten.
-
-Drei Tage ritten sie noch, da trafen sie zusammen, und geschah die
-wundervolle Schlacht, die wir leider hier nicht zu beschreiben haben:
-unsere Aufgabe ist es, uns nach dem tapfern Korporal Rolf Rolfson Kok
-umzutun und zu erkunden, wie es ihm zu Hause weiter erging.
-
-Wir haben gesehen, wie auch er sich eilends aufmachte, als er die
-Ankunft der Brandenburger in Erfahrung gebracht hatte. Obgleich ihn
-mehr als sechzigjährige Beine trugen, so beflügelte die Vorstellung,
-daß der Generalfeldmarschall Derfflinger mit seinen neunundsechzig
-Jahren hinter ihm sei, seine Schritte auf den Havelbrücken nicht wenig,
-und er kam richtig noch vor dem alten Herrn in der Stadt Rathenow an.
-
-„Alarm! Alarm! Feindio! Feindio!“
-
-Ach, der Korporal Rolf Rolfson Kok hatte leider bei seinem Ruf zu
-den Waffen nicht auf den Herrn Landrat von Briest gerechnet. Der
-hatte nämlich in Erwartung der Dinge, welche von Südwesten her kommen
-sollten, seinen schwedischen Gästen eine große Bewillkommungsfestivität
-zurecht gemacht, den Offizieren selber und mit Beihilfe eines löblichen
-Magistrates zugetrunken und auch der gemeinen Soldateska durch
-gemeine Bürgerschaft auf seine Kosten wacker zutrinken lassen. Die
-Folge davon war, daß die Brandenburger, als sie unter dem Derfflinger
-und dem Prinzen mit dem silbernen Bein, dem Prinzen von Hamburg,
-eindrangen, die meisten der Helden aus Mitternacht im tiefsten Rausch
-und süßesten Schlummer vorfanden und sie somit ohne viele Mühe
-totschlagen konnten. Die, welche etwas bei Besinnung waren, wehrten
-sich freilich tapfer genug in den Gassen und auf und an den alten,
-morschen, mittelalterlichen Mauern und Toren; allein auch sie wurden
-mit verhältnismäßig geringer Mühe niedergemacht oder gefangen. Von
-den sechs Kompagnieen, die mit dem Obristen von Wangelin in Rathenow
-eingerückt waren, rettete höchstens ein Dutzend Leute das Leben und
-die Freiheit, und unter diesen vom Glück Begünstigten befand sich
-gottlob auch unser guter Freund, der Korporal Rolf. Wie der Korporal
-Sven an der Böschung des Haveldammes, so glitt er an Wall und Mauer
-der Stadt Rathenow hinunter, fiel, von Fortuna noch einmal in Schutz
-genommen, auf ein ledig Reiterpferd des Herrn Obristleutnants Kanne und
-galloppierte nunmehr gleichfalls, und ebenso betäubt und schwindelnd
-wie der Kamerad, in den Morgen und in die Mark Brandenburg hinein.
-
-
-12.
-
-Am siebenzehnten Juni alten und siebenundzwanzigsten neuen Stils,
-nachdem am Tage vorher der Schwed’ im Zug auf Nauen gesehen worden war,
-regnete es schlimm, obgleich es am folgenden glorreichen Tage, solange
-die Schlacht dauerte, noch viel schlimmer regnete. Was aber die Sümpfe
-zwischen der Havel und dem Rhin bei anhaltendem Regen zu bedeuten
-haben, das erprobe ein jeglicher, der Lust dazu hat, selber und lobe
-nachher seine Erfahrungen, wann er wieder im Trockenen sitzt!
-
-Und von der Havel bis zum Rhin ritten bereits seit dem sechzehnten
-die Streifparteien der beiden schwedischen Heeresteile und der
-vorwärts drängenden Brandenburger gegeneinander und umeinander herum,
-während überall das aufgeregte, wütende Landvolk mit allerhand Gewehr
-und Gewaffen der Not auf den Beinen war: kurz, es war ein schwer
-Durchkommen selbst für zwei alte Korporale des Königs Gustav Adolf, die
-dem Überfall von Rathenow entwischten und nun die ihrigen suchten, ein
-jeglicher bis jetzt noch für sich allein.
-
-„Wenn mir heute einer sagte, daß ich einmal Hafenvogt zu Lindau im
-Bodensee gewesen sei, so schlüge ich ihm die Zähne in den Hals hinein,
-so wenig glaube ich dran“, brummte der Korporal Rolf Rolfson Kok,
-indem er am 17. Juni am Spätnachmittag zum dritten Mal seit der letzten
-Viertelstunde vor einem neuen Sumpfe vom Pferd stieg, um das Terrain
-als vorsichtiger Mann zu untersuchen, bevor er sich ihm mit seinem
-ermüdeten Gaul anvertraute, nachdem er wieder einmal mit Mühe einer
-nachsetzenden Patrouille des Herrn Generalmajors Lüdecke entgangen
-war. Ritterlich hatte er einen seiner Verfolger erlegt und dadurch
-den Jagdeifer der übrigen ungemein erhöht; allein einen einzelnen
-Mann zu jagen, lohnte sich heute eigentlich unter keinen Umständen,
-und so hatten die kurfürstlichen Kürassiere zuletzt doch in einem
-Kieferngehölze die Verfolgung aufgegeben, und der Korporal Rolf stak
-naß, triefend, hungrig und durstig zwischen Sumpf und Moor und suchte
-vorsichtig, wie wir gesagt haben, einen Übergang gen Nordost. Das war
-keine geringe Aufgabe, und mit steigendem Verdruß tastete und platschte
-er und rettete sich von neuem auf festeren Grund, bis er endlich eine
-Art von Fußpfad durch das tröpfelnde Gebüsch fand und ihn behutsam
-beschritt, seinen abgehetzten Gaul am Zügel hinter sich drein ziehend.
-Immerfort mit sich selber redend, oder vielmehr in den Bart brummend,
-tappte er zu; aber schon nach zehn Minuten hielt er horchend von neuem
-an; denn plötzlich vernahm er vor sich aus dem Dickicht ein Schnauben
-und Stampfen, vermischt mit lauten und halblauten Schimpfworten und
-Verwünschungen, die sämtlich nicht auf dem märkischen Boden gewachsen
-waren. Der Korporal Rolf stand und horchte atemlos. Derjenige,
-welcher dort hinter den Rüstern, wie es schien, gleichfalls im Sumpfe
-feststeckte, verwünschte sein Schicksal in schwedischer Zunge, und
-nachdem der vormalige Hafenwärtel der freien Reichsstadt Lindau
-nochmals die Hand hinter das Ohr gehalten hatte, schrie er:
-
-„Vivat Schweden! Ich komme, Kamerad!“ und drang mutvoll tiefer in das
-Moor ein, den kläglichen und verdrießlichen Kundgebungen nach.
-
-Aus dem Gebüsche hatte ihm ein Gegenruf geantwortet und der erboste
-Wunsch: wenn der Kamerad wirklich ein gutes schwedisches Herz habe, so
-möge er eiligst kommen, es sei Not vorhanden. Der Korporal Rolf hatte
-geantwortet: „Hier auch!“ war aber doch drauf losmarschiert, und wieder
-nach einigem beschwerlichen Durchwinden drang er aus dem Gebüsch hervor
-und hatte das Schauspiel, das er erwartete, vor sich, wie er es sich
-vorgestellt hatte.
-
-Ein großes Gestampf und Geplatsch im Moor und Röhricht, -- zerstampfte
-Binsen und Gesträuche, -- ein halb versunken Roß, und darauf ein
-rotlockiger, schwedischer Reitersmann, mohrenfarbig vom Sumpfwasser, --
-triefend wie alles umher vom Regen, -- und dem gänzlichen Versinken in
-die schlammige Tiefe nahe!
-
-„Wenn es mein leiblicher Vater wär’, so würde ich ihn nicht in dem Kerl
-erkennen!“ murrte der Korporal Rolf; dagegen erkannte der Mensch im
-Röhricht den Korporal Rolf und schrie:
-
-„Alle guten und bösen Geister -- bist du es, Rolf Rolfson Kok? O, du
-himmlische Güte, kommen wir wirklich noch einmal zusammen auf dieser
-niederträchtigen Welt? Ich bin es, Wachtkommandant! Kennt ihr mich
-nicht? Ja, Herzbruder, meine eigene Mutter möcht’ mich wohl nach einem
-solchen Ritt und in solcher Farb’ und Zerzausung nicht erkennen!“
-
-„Sven Knäckabröd?! Sven, Sven?“ schrie der andere. „Hat dich der
-Derfflinger nicht ganz und vollständig geholt? Das ist freilich bei
-allem Elend das beste Abenteuer, was mir noch zu Teil werden konnte.
-So schickt sich alles, und darum bin ich vorgestern von der Rathenower
-Stadtmauer auf einen brandenburgischen Profossengaul gefallen, um dir
-heute hier aus dem Malheur helfen zu können! Halt’ gut, noch einen
-Augenblick halt’ den Kopf über dem Wasser, Sven! gleich hab’ ich dich
-auf dem Trockenen, soweit es bei diesem Regen von oben und diesem
-Morast von unten zu machen ist.“
-
-Er hatte sofort nach dem Bündel Hanfstricke, welches von dem
-Sattelknopf seines Vorgängers in eben diesem Sattel herabhing, und
-für die Hälse der Marodeurs, Spione und sonstigen soldatischen
-Übeltäter beider Heere bestimmt war, gegriffen, es heruntergerissen und
-auseinandergewickelt. Mit vielem Geschick verknüpfte er die einzelnen
-Stricke miteinander und hatte bereits im nächsten Augenblick dem
-armen Korporal Sven Knudson Knäckabröd ein tüchtig und haltbar Seil
-zugeworfen; -- nicht um ihn damit in die Ewigkeit hineinzubefördern,
-sondern um ihn so sanft als möglich aus dem Sumpfe der Mark Brandenburg
-hervorzuziehen. Nach einem ängstlichen und schweißtriefenden Abzappeln
-von einer Viertelstunde waren beide gerettet -- der Korporal Sven wie
-sein Roß -- und standen beide keuchend und schnaufend am Rande des
-verräterischen, grün überwachsenen Schlammes. Selbst der Frau Fortunata
-Madlener hatte Sven Knudson Knäckabröd, als er nach der Schlacht am
-roten Egg unter ihrer Pflege erwachte, nicht so zärtlich die Hand
-geschüttelt, wie er sie jetzt dem guten Kameraden aus der Krone zu
-Lindau schüttelte.
-
-„Und nun, Bruder Sven, wie ist dir außerdem, daß du aussiehst wie ein
-Mohrenpauker bei einer Leibtrabantengarde?“ fragte der Korporal Rolf.
-
-„Danke für die Nachfrage! Dumm, leer im Magen und jammerhaft im Sinn,
-Rolf Kok. Ach, Rolf Rolfson Kok, schauderhaft verbiestert!“
-
-„In Lindau in der Krone haben sie eine Art Würste, an welche ich jetzo
-schon anderthalb Tage lang habe denken müssen. Und was den Wein vom
-vorigen Herbst betreffen möchte --“ der Korporal Sven ließ ein dumpfes
-Geheul vernehmen, gleich einem angeketteten Hofhund, welchem man ein
-Stück Schinken von Ferne zeigt; glücklicherweise geriet der Korporal
-Rolf schnell auf etwas anderes.
-
-„Und Rathenow haben sie; und wer weiß, was sie noch alles haben. Zu
-Hunderten liegen die Unsrigen vom Regiment Wangelin in den Gassen und
-in den Häusern. O Sven, ich gäb’ heut’ noch mehr darum, als damals
-auf der Bastion zu Lindau, wenn ich den Weg zum Wrangel fände. Bei
-solchem Hunger und Durst solche Wehmütigkeit und solchen Grimm erdulden
-zu müssen, das hält nicht einmal ein Mensch aus, der mit dem großen
-Gustavus Adolfus auf Usedom landete und nachher alles mit durchmachte.“
-
-„Das nächste Mal reiß’ ich nicht wieder aus, wenn die Brandenburger
-mich zu Gesicht kriegen; -- ich halte Stand und lasse dem Trübsal ein
-Ende machen“, ächzte Sven.
-
-„Das beste ists; ich bin mit von der Partie, Bruder“, sprach Rolf
-ebenso verzweifelt-grimmig. Im nächsten Moment horchte er wieder und
-rief sodann:
-
-„Sieh, da ist die angenehme Gelegenheit schon. Horch, da sind sie
-wieder aneinander! Zu Pferde, zu Pferde und darauf los. Die Mähren
-brauchen eben doch nicht länger bei Atem zu bleiben als wir. Heraus
-mit den Plempen, und: Vivat ein ehrlicher schwedischer Reitertod! Was
-aber das übrige anbetrifft, so wäre es mir allmählich einerlei, wer
-den Weltball hinnähme, ob die Kron Schweden, oder dieser Kurfürst von
-Brandenburg mit seiner verwetterten Kavallerie!“
-
-Sie stiegen mühselig von neuem auf ihre Gäule, die auch wieder und zwar
-fast menschlich seufzten. Um den verräterischen Sumpf herum ritten sie
-abermals in den Kiefern- und Rüsternwald hinein, dem vernommenen Schall
-des fernen Kanonendonners und der nahen Büchsenschüsse, Trompetenstöße
-und Menschenstimmen nach.
-
-„Das ist Nauen, um welches die Konstabler spielen; und jetzo weiß man
-wenigstens wieder, nach welcher Richtung man die Nase zu drehen hat.
-Das ist auch ein Trost; aber der andere Lärm beweist mir, daß Schweden
-noch immer auf dem Rückzuge ist. Vorwärts, Bruderherz; einmal müssen
-wir unsere Löffel noch in den Brei tunken!“
-
-„Sprich mir nicht von Brei, Rolf Rolfson Kok!“ bat Sven Knäckabröd
-kläglich. „Du könntest eben so gut von einem gebratenen Ochsen reden.
-Das Herz wendet sich mir jedesmal, wenn ich dich von Löffel, Messer
-und Gabel diskurrieren hör’, im Leibe um. Ja, vorwärts, Kamerad, und
-wollt’, es würde endlich einmal wieder licht vor uns; was wir auch auf
-der Landstraße finden möchten!“
-
-Der Wunsch, welchen der Korporal Gockele vollkommen teilte, sollte
-ihnen noch vor Sonnenuntergang, -- wenn man an einem solchen Regentage
-von Sonnenuntergang reden konnte, -- gewährt werden. Nachdem sie noch
-manche Fährlichkeit des Weges überwunden hatten, kamen sie endlich
-wirklich aus dem Walde heraus, und zwar mit immer heftiger pochenden
-Herzen, und das war wahrhaftig kein Wunder.
-
-Es war ein Brausen, Schwirren, Brüllen, Rufen und Kreischen in den
-Lüften, als ob sich auf der Erde Tausende und aber Tausende auf einem
-engen Pfade in höchster Not drängten -- ein Brausen und Geschrei wie
-von Tausenden auf dem Marsche, und zwar auf einem Rückzugsmarsche! Das
-hallte von ferne unter den schweren, grauen Regenwolken her, als ob der
-Himmel es nicht hören wolle und das Gewölk wie eine Wand zwischen sich
-und den irdischen Jammer gelegt habe.
-
-Näher und näher erscholl’s, je weiter die beiden Korporale vorwärts
-drangen, und als sie endlich den Wald sich lichten sahen, da erblickten
-sie schon zwischen den letzten Kiefernstämmen den Grund des Getöses,
-und als sie hervorritten aus der Dämmerung des Gehölzes, da spielte das
-große, aber schreckliche Schauspiel auf Entfernung von einigen hundert
-Schritten vor ihren Augen sich ab!
-
-In der graufahlen Beleuchtung des abendlichen Regenhimmels dehnten
-sich die großen Sümpfe, das Havelland-Luch -- und durch das Luch zog
-sich der schmale Damm, und auf demselben, so weit das Auge reichte,
-von einem Horizont zum andern, wälzte sich der schwedische Rückzug.
-Reiterei und Fußvolk, Geschütz, Bagage, Weiber und Schlachtvieh
-durcheinander, im wirren grausigen Getümmel vorüber; fern im Süd’ aber
-klang und donnerte das Gefecht der Nachhut. Die Brandenburger taten
-dort ihr Möglichstes, den Schrecken und die Verwirrung in den Gliedern
-des Feindes zu erhalten und den Kehraus nach besten Kräften vorzunehmen.
-
-Wie zwei Bildsäulen saßen die zwei alten Kriegsgenossen des großen
-Königs Gustav Adolf auf ihren Pferden und starrten auf das erstaunliche
-Spektakel. Hunger, Durst und Ermüdung waren vollständig vergessen.
-Für sich und an sich selber fühlten sie nichts mehr. Sie starrten --
-stierten -- und dann nickten sie beide zu gleicher Zeit mit den Köpfen,
-und dann -- rollten wirklich ihnen die Tränen hell aus den Augen und
-verloren sich mit den ihnen ins Gesicht schlagenden Regentropfen in den
-weißen Bärten -- --
-
-„O Sven“, stöhnte endlich Rolf Kok, „sind wir darum so weit
-hergekommen? Sind wir darum aus dem Schlaf auferwecket, um das zu
-erleben? O Sven, o Sven, es ist aus mit uns, und ich wollte, der
-Herrgott hätte uns in unserer Versprengung belassen und uns nicht das
-Herz erregt durcheinander und durch den welschen Signor Tito Titinio
-Raffa, oder wie er hieß, der Ruffian!“
-
-„Ich wollt’ es auch, Rolf“, seufzte der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd. „Auf mich und dich kommt es wohl nicht an, und was wir
-darüber denken, ist auch gleichgültig: aber daß dieses dem Karl Gustav,
-dem gewaltigen Konnetable Wrangel passieren muß, das ist das Elend!
-Sieh, und da sind die Kürassiers von Wachtmeisters Regiment. Da sieh
-nur, wie die Schufte in den Sätteln hängen und wie reitende Feldhasen
-über die Schultern gucken. Und das trägt Harnisch und Schwert! Da,
-da -- sieh -- da drängen sie sich gar gegenseitig von der Straße, um
-nur ja die eigene Schande unversehrt in Sicherheit zu bringen! Ach
-Schweden, Schweden, an manchem Sommerabende hab’ ich dich über die
-Berge und den See weg gesehen, sitzend wie eine Königin in Purpur. Da
-hab’ ich mein Heimweh stillen müssen, und nun sehe ich dich als ein
-Bettelweib, wie mit dem Knüttel aus einem fremden Hause gejagt! Was
-sagst du, Bruder? Ich sage, wir reiten nun eben mit bis zum Ende.“
-
-„Wir reiten mit bis zum Ende!“ rief der Korporal Rolf Kok, und blind
-trieben die beiden tapferen Grauköpfe unter den letzten Bäumen und aus
-dem letzten Gestrüpp des Waldes ihre Rosse mit wilden Sporenstößen
-hervor und hinab in den Sumpf, der sie von dem berühmten Damme trennte.
-Ihr Fatum aber schien sie wirklich bis zum Schlusse der Tragödia
-mitspielen lassen zu wollen. Der Sumpf verschlang sie nicht, sie
-erreichten den betrüblichen Strom von Menschen und Vieh, der in dem
-dunkelnden Abend durch die verregnete Mark heranwogte, und so wurden
-sie fortgerissen und fortgewirbelt -- zwei Tropfen in der kläglichen
-Flut der schwedischen Retraite, -- fortgewirbelt, dem Rhin entgegen.
-
-
-13.
-
-Der Herbst des Jahres 1675 war gekommen, lachend wie ein rechter Bruder
-des Frühlings. Im weichverschleierten Sonnenlicht lag die Rheintalebene
-zwischen den Bergen des Bregenzerwaldes und den Bergen von St. Gallen
-und Appenzell. Lachend tanzte der junge Fluß dem Bodensee zu, als ob er
-nie Felsentrümmer und Hochwaldsbäume vor sich hergeschleudert, als ob
-er nie die Felder und Wiesen schwerarbeitender Menschen mit haushohem
-Schlamm und wüstem Steingeröll bedeckt habe; oder als ob er doch
-wenigstens die Absicht habe, von jetzt an es nicht wieder zu tun.
-
-Es war ein Sonntag in den letzten Tagen des Septembers. In jeder
-Schenke am Wege klang die Fiedel. Von der Höhe des Steusberges glänzten
-hell und weiß die Türme von Maria-Bildstein herab; es war auch ein
-Wallfahrtstag zu Maria-Bildstein, und alle Wege weit umher waren mit
-den bunten Gruppen der frommen Christen und Christinnen bedeckt, die
-entweder noch zum Gebet auf der Höhe emporstiegen, oder bereits wieder
-herunter und hinab in das irdische Jubelgetümmel.
-
-Zu Schwarzach im Löwen herrschte vor allem ein lustiges Leben; aber
-da das muntere Treiben, hier wie in jeder andern Schenke, sich wenig
-von dem zu Anfang dieser ziemlich historischen Geschichte beim
-Geburtstagsfeste des heiligen Gebhard geschilderten unterschied,
-so haben wir nicht nötig, uns an dieser Stelle auf eine abermalige
-Beschreibung einzulassen. Wir haben Sonderbareres zu berichten.
-
-Den ganzen Morgen hindurch hatte unter den Kastanienbäumen vor dem
-Wirtshause zum Engel an der Achbrücke bei Oberrieden ein Mann gesessen,
-der, ein wenig scheu, einen gewaltigen Durst zu löschen hatte, und der
-jetzo langsamen und müden Schrittes durch das Dorf Schwarzach zog und,
-dem Anschein nach, auch auf dem Wege am liebsten niemandem ins Gesicht
-gesehen haben würde.
-
-Es war ein alter, weißköpfiger, gebückter Mensch, der schwerfällig
-auftrat und seinen Stab nicht als eine überflüssige Zierde trug und
-handhabte. Er war bekleidet mit einem abgeblichenen roten Tuchkoller,
-über dem ein rostig-gelblicher Schimmer lag, als ob sich lange Zeit ein
-Eisenküraß dran gerieben habe. Er trug ein gelbledern Wehrgehäng, doch
-fehlte das Schwert; er trug desolate hohe Reiterstiefel, an welchen
-die Sporen fehlten, und er trug einen breitkrämpigen, an der Seite
-aufgeschlagenen Filzhut, welchem jedoch Feder und Kokarde ermangelten,
-der dafür aber mit einigen Rissen und Schrammen, die nur von naher
-Berührung mit blanken Waffen herrühren konnten, geziert war.
-
-Die Wirtsleute und die Gäste vom Engel an der Ach hatten ihn mit
-ziemlicher Verwunderung beobachtet, wie er geduckt vor seinem Schoppen
-saß. Sie hatten natürlicherweise auch mehr als einmal versucht, ein
-Gespräch mit ihm anzuknüpfen; allein er hatte selbst auf die höflichste
-Frage nicht Rede und Antwort stehen wollen, sondern nur grimmig in
-seinen Krug gesehen, oder denselben stumm zu neuer Füllung hingereicht.
-Kopfschüttelnd hatte das gutmütige Volk ihm nachgeblickt, als er sich
-endlich, schwer ächzend, erhob, ohne Gruß aus dem Schatten der Bäume
-fortschritt und weiter marschierte auf dem Wege durch die Felder,
-Schwarzach zu; und alle, die ihm begegneten, blieben gleichfalls stehen
-und sahen ihm verwundert und kopfschüttelnd nach. Einige Male sagte
-auch wohl jemand: „Den sollte ich ja doch kennen!“ aber wohin er ihn
-tun solle, das wußte er dann doch nicht, und erst, als der Alte auf
-seinem Marsche durch das große Dorf Schwarzach vor der Tür des Löwen
-angelangt war, fand sich einer, der es wußte.
-
-Auch hier wollte der Rotrock verstohlen an der entgegengesetzten Seite
-der Straße vorüberschleichen; allein es sollte ihm nicht gelingen.
-
-„Halt ihn, halt ihn! Bigott, da, da! Er ist es! Halt ihn!“ schrie eine
-quäkige Stimme aus dem offenen Fenster herab, und rückwärts sich in die
-Stube wendend, schien der Schreier eine seltsame Neuigkeit dem gedrückt
-vollen Raume zu verkünden. Es entstand ein gewaltiges Gepolter und
-Aufstehen, ein lachendes, verwundertes Durcheinander von Stimmen in
-der Zechstube des Löwen, und hervor aus dem Hause quollen die Gäste,
-und die Treppe hinunter hüpfte hinkend Meister Macedon Trafojer, ein
-armselig, halblahm, dürr Schneiderlein, welches von Zeit zu Zeit auch
-nach Alberschwende auf die Flickarbeit kam und die Frau Fortunata
-Madlener, sowie ihren Haushalt und ihre Wirtschaft zum Genauesten
-kannte.
-
-„Er ist es! Da ist er wieder! Halt ihn, halt ihn!“ schrie das
-heldenmütige Schneiderlein und jagte dem Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd vom Regiment Wangelin-Dragoner einen gewaltigen Schrecken
-ein, einen panischen Schrecken in der vollsten Bedeutung des Wortes;
-der Korporal fuhr zusammen, sah auf, sah die Bewegung in der lachenden
-Gruppe sonntäglich geputzter Gäste auf der Treppe des Löwen, sah
-aller Blicke auf sich gerichtet, sah den koboldhaften Schneider
-Macedon im glühenden Eifer, der Frau Fortunata einen Gefallen zu tun,
-heranspringen und -- -- -- riß aus!
-
-Er lief. Er lief, so schnell ihn die alten, müden Beine tragen wollten,
-und ihm nach klang es jubelnd, lachend und höhnisch:
-
-„Halt ihn, halt ihn! ’s ist der Schwed’ von Alberschwend’! Halt ihn;
-die Taubenwirtin hält den, so ihn tot oder lebendig bringt, ein Jahr
-lang frei in Kost und Getränke!“
-
-Das mochte nun der tapfere Meister Trafojer ganz ernsthaft nehmen;
-aber die anderen begnügten sich doch mit dem baucherschütternden
-Hinterdreinlachen und stellten nur verwunderte Fragen über das
-plötzliche Wiedererscheinen des schwedischen Mannes untereinander. Auch
-das Schneiderlein mußte in Anbetracht seiner lahmen Füße die Jagd an
-der nächsten Ecke aufgeben, und nur die Kinder von Schwarzach gaben
-sie fürs erste noch nicht auf, sondern verfolgten selbstverständlich in
-hellen Haufen den Mann von der Lorena bis zum Dorfe hinaus, allwo er
-zuerst den Mut fand, sich zu stellen, und sie mit donnerndem Zornesruf
-und geschwungenem Stocke zurückzuscheuchen versuchte.
-
-Das gelang ihm aber schlecht. Sie schrieen nur ärger:
-
-„Der Schwed’ von Alberschwend’! Ho he, der Schwed’ vom roten Egg!
-Er ist wieder da! Er kriegt’s, jetzt kriegt er es, der Schwed’ von
-Alberschwend’!“
-
-Mit diesen Worten, doch auch mit einigen Steinwürfen begleiteten sie
-ihn, bis hoch hinauf in die Berge, immer den rauschenden Bach entlang.
-Und als sie dann endlich doch zurückblieben, als die Felsen drohender,
-der Hochwald dunkler wurde, und es wieder still hinter und um den
-armen Korporal Sven geworden war, da hielt auch er an, hielt sich den
-Kopf mit beiden Händen, wie auf der ersten Rast nach der Flucht von
-der Havelbrücke bei Rathenow, und warf sich unter einem Baume nieder,
-zerschlagen und wie gerädert, und was das Schlimmste war, voll großer
-Sorgen wegen seines Empfanges -- zu Hause.
-
-Damals führte noch keine Kunststraße durch den Wald, und wer den Weg
-bei dämmerndem Abend oder gar bei Nacht zu machen hatte, der mußte
-wohlbekannt in der Gegend und dazu recht sicher auf den Füßen sein,
-wenn man ihn nicht am andern Morgen mit zerbrochenen Gliedmaßen am Ufer
-der Schwarzach finden sollte. Der Korporal Sven Knudson Knäckabröd war
-eigentlich beides nicht; aber um keinen Preis in der Welt wäre er heute
-noch bei hellem Tageslichte in Alberschwende eingezogen.
-
-Da lag er denn unter seiner Tanne, zerschlagen und hinfällig, und es
-war ihm sehr schlecht zu Mute. Ein uralter nordischer Waffensegen fiel
-ihm gerade jetzt ein, und er summte ihn vor sich hin:
-
- „Sieg in Deine Hand! Sieg in Deinen Fuß!
- Sieg in alle Deine Glieder gut!
- Gott der heilige Herr segne Dich!
- Wach und regiere über Dich!“
-
-Aber viel Erquickung und Ermunterung zog er nicht heraus. Sehr kläglich
-war ihm zu Mute, und so lag er, mit beiden Händen unter dem Kopfe, bis
-die rote Abendsonne erst von den Stämmen, dann von den höchsten Wipfeln
-und zuletzt von den allerhöchsten Felsenkuppen sich verzog. Dann
-erst erhob er sich tief seufzend und wankte weiter bergan, durch die
-beginnende Nacht. Gegen elf Uhr Abends erreichte er Alberschwende.
-
-In der Taube war natürlich ebenfalls Musik und Tanz, und der arme Sven
-sah schon von weitem die hellen Fenster und vernahm schaudernd die
-lustigen Jauchzer.
-
-„Das ist schlimmer als der Angriff des Homburgers, des Prinzen mit
-dem silbernen Bein, bei Fehrbellin!“ murmelte er. „Der Faustschlag
-Seiner Exzellenz, des Herrn Generalfeldmarschalls Derfflinger an der
-Rathenower Bruck’ war nichts Geringes; aber -- o du liebster Himmel,
-was wird sie sagen?!“
-
-Die Tür des Wirtshauses zur Taube stand weit offen, und der Korporal
-stieg die Treppe, welche zu ihr emporführte, langsam und mit
-eingezogenen Schultern hinauf. Die Hausflur war augenblicklich leer,
-und da die Stubentür ebenfalls offen stand, so hinderte ihn nichts,
-geduckt und vorsichtig um die Ecke in das weite, trüb erleuchtete,
-niedere Gemach, in das kreischende, jubelnde Tanzgewirbel zu lugen.
-Er fuhr sofort zurück; denn als in diesem Moment die Reihen der
-Tanzenden sich lösten, da sah er sie -- da sah er sie mit in die Hüften
-gestemmten Armen neben ihrem Schenktisch stehen, an demselbigen Tische,
-neben welchem er Anno 1647 nach dem Überfall am Fallenbach aus seiner
-Ohnmacht erwachte und sie, die Frau Fortunata Madlener, ebenfalls mit
-in die Seiten gestützten Armen vor sich stehen sah.
-
-„Es ist nicht menschenmöglich“, stöhnte der Deserteur. „Selbst der
-tapfere Karl Gustavus, der Feldmarschall Wrangel, würde es nicht fertig
-bringen! Selbst der große Gustavus Adolfus, der streitbare Löwe aus
-Mitternacht, brächt’ es nicht zu stande, ihr jetzo unter die Augen zu
-treten!“
-
-Rückwärts schreitend zog sich der Korporal Sven Knudson Knäckabröd von
-Wangelins Dragonern zurück und schlich sich wieder aus dem Hause, stieg
-die Treppe wieder herab und verlor sich von neuem in der dunkeln Nacht.
-
-Um die zwölfte Stunde hörte der Bub in der obersten Hütte auf der
-Lorena, plötzlich aus dem Schlafe erwachend, erst ein wildes, wütendes
-Anschlagen des Hundes, dann ein unterdrücktes Freudewinseln des Tieres
-und zuletzt ein Gepoch an der Tür. Zitternd und entschlossen zu
-gleicher Zeit, griff er nach dem Handbeil neben seinem Bett und schrie:
-
-„Wer ist draußen? Hex’, Unhold und Strolch soll draußen bleiben -- gut
-Freund komm eini!“
-
-Da antwortete ihm eine heisere Stimme:
-
-„Gut Freund, gut Freund!“ und der Bub schlug Licht und kam mit dem
-Kienspan an die Tür und öffnete. Eine schwere, harte Hand legte sich
-ihm auf den zu einem lauten Schrei aufgerissenen Mund, und Sven Knudson
-Knäckabröd flüsterte:
-
-„Ja, Bursch, ich bin’s. Schrei’ nur nicht. Den Hund nehm’ ich mit
-herein -- schließ’ die Tür, Melchior; ich bin’s in Fleisch und Blut;
-marsch auf dein Stroh zurück, ich krieche in meinen eigenen Winkel
-dorten; morgen früh wird sich ja wohl das übrige finden.“
-
-Das war der festeste Schlaf, den der Korporal Sven Knudson Knäckabröd
-je schlief, aber der Bub Melchior Rädler schlief gar nicht wieder
-ein in dieser Nacht. Solange es noch dunkel war, saß er aufrecht auf
-seinem harten Lager und horchte auf das donnernde Geschnarch aus
-entgegengesetzter Ecke der Hütte. Und als es dann allgemach licht
-wurde, saß er noch aufrecht und blickte stier nach dem Schlafgenossen
-hinüber. Als aber die Spitzen der Berge im ersten Lichte des neuen
-Tages zu scheinen begannen, da erhob er sich; fuchsartig, verstohlen
-beugte er sich noch einmal über den heimgekehrten Korporal und schlich
-aus der Tür. In dem Augenblick, wo er sich draußen fand, fing er an zu
-laufen; in den weitesten Sätzen sprang er bergab, nach Alberschwende
-hinunter, und klopfte und hämmerte wie wahnsinnig an der Pforte seiner
-Brotherrin. Nach zehn Minuten befand sich das ganze Haus im hellen
-Alarm, und nach einer weitern Viertelstunde, als sich schon der Himmel
-im Osten mit schönster Glut färbte, hatte sich der Lärm bereits durch
-das ganze Dorf verbreitet.
-
-Noch sprachen zwar die Bequemsten und Ungläubigsten von ihrem Bette
-aus: „Der Bub Melchior hat geträumt!“ Allein der Bub Melchior war
-seiner Sache eben gewiß, und die Frau Fortunata Madlener war um diese
-Zeit schon -- auf dem Marsche zur Lorena empor.
-
-Sie stieg bergan, gestützt, geschoben und gezogen von den stärksten
-Händen ihres Haushaltes. Aber auch der schwächere Teil ihres Haushaltes
-stieg mit. Daß die Hunde sich nicht ausschlossen, verstand sich von
-selber; aber auch das halbe Dorf folgte dem Zuge, und es war freilich
-ein sonderlicher Zug durch die graue Frühe, über die taufeuchten
-Halden und durch den noch phantastisch in Wolken und Nebel gehüllten
-Tannenwald.
-
-„Ich will sanft gegen ihn sein, wie ein eintägig Lämmle“, murmelte
-die Taubenwirtin. „O, er soll es schon verspüren, wie sanft ich gegen
-ihn sein will; aber gestehen soll er, wo er sich umgetrieben hat.
-Was meinst, Aloysle, ob ich es wohl aus ihm herausschmeicheln und
-streicheln werd’? Ei, er soll sich schon wundern, wie schön man einem
-solchen, wie er, tut, wann er endlich nach Hause kommt. Ah -- oh -- uh,
-den Stein überleb’ ich nicht; stemm’ die Schulter an, Kasperle! Sachte,
-Fridolin, den Arm braucht er mir nicht ausreißen; -- uh -- oh -- da --
-jetzt noch einmal zum letzten -- da wä--ren -- wir -- o--ben!“
-
-
-14.
-
-Aus dem tiefen Schlafe des Korporals Sven war allmählich ein sehr
-unruhiger geworden. Der Bub hatte die Tür der Hütte offen stehen
-lassen, und die scharfe Gebirgsluft, die eindrang, mochte wohl mit
-schuld daran sein, daß sich der Schläfer unruhig hin und her warf;
-allein an dem kuriosen Traum, den er jetzo träumte, war sie jedenfalls
-nicht schuld.
-
-Er befand sich mitten im Schlachtgetümmel von Fehrbellin, und sein
-guter Kamerad, Rolf Rolfson Kok, hielt zehn Schritte von ihm ab in
-derselben Linie, und er sah ihn dann und wann deutlich durch den
-Dampf und Regennebel. Sie hatten sich zum letzten Mal gestellt vor
-dem brandenburgischen Andrang, ehe sie über die pommersche Grenze
-zurückwichen. Er sah alles wie in einem sich wandelnden Bilde: den
-weiten Weg von der Havel her, bedeckt mit abgeworfenen Kürassen und
-Eisenhüten, zerbrochenen Wagen, halb versunkenen Kanonen und Leichen
-von Mensch und Tier, -- und zugleich sah er rundum den letzten Kampf
-der Trümmer der tapfern Armada des großen Feldmarschalls Wrangel,
-die letzte Aufstellung hinter der Landwehr zwischen Ribbeck und
-Hackeberg. Er winselte in seinem Traum; über seinem Haupte flatterten
-die Standarten des Regiments Dalwig, und er sah sie deutlich mit ihrer
-goldenen Inschrift: _Auro et ferro!_ Da brauste es heran, und
-er schrie auf im Traum -- um ihn her schwankte und schwirrte es, er
-lag unter den Hufen der Gäule, der Feind ritt über ihn weg, und da --
-war er allein auf dem Felde mit dem guten Kameraden, kniete neben ihm,
-hielt seinen zerschossenen Kopf im Arme; aber der Korporal Rolf konnte
-ihm nimmer wieder die Hand drücken und zunicken, der Korporal Rolf war
-tot und nun freilich zu Hause angelangt nach so langem, beschwerlichem
-Marsche.
-
-Wie war denn das? der Traum verwirrte alles zu sonderbar! Nun war der
-Korporal Rolf wieder nicht tot, sondern der Korporal Sven erblickte
-ihn in einem betrüblichen Zuge eiliger Männer, die mit einer Sänfte
-fliehend über graue Heidehügel dahinzogen. In der Ferne lag es noch
-grauer -- aber das regte sich und bewegte sich -- die See dehnte
-sich dorten, und große Orlogschiffe unter schwedischer Kriegsflagge
-kreuzten hin und wieder. Aber aus der Sänfte beugte sich ein verwelkt,
-kummervoll Greisengesicht, -- das war der glorreiche, sieghafte
-Feldherr Karolus Gustavus Wrangel selber, den der Korporal Sven schon
-als junger Mensch gekannt hatte in allem Glanz und Triumph. Der
-Korporal Rolf war aber doch tot; denn wie er neben der Sänfte des
-Generals einherschritt, zog er plötzlich den Reiterhandschuh ab und
-legte eine fleischentblößte Faust, die Hand eines Gerippes, auf den
-Fensterrand. Da schwankte und schwirrte es wieder um den ächzenden
-Sven Knudson Knäckabröd. Die Wolken zogen sich zusammen und stiegen
-nieder, aber des Meeres Horizont stieg immer höher auf, immer dunkler,
-schwärzer. Und aus den Wassern wurden steinerne, graue Mauern, die
-Mauern eines alten, festen schwedischen Schlosses; -- der Korporal Sven
-stand unter einer großen Menge bewaffneter Männer in einem düstern
-Saal, und in der Mitte des Saales stand ein Block und daneben ein Mann
-in schwarzem Kleide und Mantel. Es kniete aber ein anderer Mann vor
-dem Block, und wieder ein anderer hatte ihm sanft auf die Knie nieder
-geholfen; -- beide waren alt, sehr alt, und beide waren auch Kameraden
-seit langen, langen Jahren: der mächtige Konnetable Wrangel und der
-brave Korporal Rolf Rolfson Kok. Der Mann im schwarzen Kleid hob sein
-mächtig Beil und schlug -- -- da mußte der Korporal Sven Knudson
-Knäckabröd in der Sennhütte auf der Lorena freilich wohl erwachen, denn
-sie schüttelten ihn, die Leute von Alberschwende, und vor allen anderen
-schüttelte ihn derb die tapfere Freundin, Frau Fortunata Madlener, die
-Wirtin zur Taube in Alberschwende, und der alte heimgekehrte Sünder saß
-aufrecht auf seinem Strohsack und sah sich verstört und blinzelnd um!
-
-Natürlich, nachdem sie ihn nach Herzenslust und Bedürfnis
-abgeschüttelt hatten, überschwemmten sie ihn mit einer Flut von Fragen!
-Er aber brauchte längere Zeit, um ihnen alles mitzuteilen, was sie,
-nicht ohne eine Berechtigung, zu wissen verlangten. Er hatte für
-manchen Winterabend, wenn der Schnee erst bis zum Dachrande hinauflag,
-genug erlebt: wir jedoch haben hier uns an das Zunächstliegende zu
-halten.
-
-„Wo will er gewesen sein, er Landläufer?“ schrie die tapfere Wirtin
-zur Taube. „Saget es noch einmal und lüget nicht, Schwen; -- ihr
-kennet mich und werdet nicht verlangen, daß ich in dieser Stunde Spaß
-verstehen soll.“
-
-„Auf Ehre und Gewissen, Frau Fortuna“, ächzte der Korporal. „Am Rhin
-war ich -- zu Hause war ich -- bei den Fahnen, bei dem Feldmarschall --
-ja, auf Ehr’ und Gewissen.“
-
-„Schwen, Schwen, ihr lügt, wie ihr es weder vor unseren katholischen
-noch euren lutherischen lieben Heiligen verantworten könnet. Stellt
-ihr euch auf die Zehen, so könnet ihr den Rhin aus dem Graubündnerland
-herfließen und in den See gehen sehen: hab’ ich euch nicht auf sechs
-Meilen in die Rund’ suchen und aufbieten lassen? Wie wollt’ ich
-euch nicht gefunden haben, wenn ihr nur am Rhi’ die Straßen und die
-Wirtshäuser unsicher gemacht hättet! Schämet euch, schämet euch,
-Schwen; das hat niemand vor dem Arlberg um euch verdienet, und ich
-am wenigsten! O Schwen, hab’ ich euch darum an die dreißig Jahre wie
-meinen Bruder, wie meinen Sohn, wie meinen allerbesten Freund gehalten?“
-
-„Bei meiner Ehr’ und Gewissen, Frau; sie nannten im Generalstab das
-Wasser, wo wir die schlimmen Schläge kriegten, den Rhin. O, nun lasset
-mich ausschlafen; nachher will ich euch gern auf alles des Ferneren
-dienen. Nimmer in meinem Leben bin ich so gelaufen, und hab’ so mächtig
-Herzeleid erlitten, wie in diesem Jahr. Ich habe sie liegen sehen im
-Sumpf und auf den Sandhügeln zu Tausenden, und ich hab’ sie in heller
-Flucht gesehen, daß ich blutige Tränen wein’, im Wachen und im Schlafe.“
-
-„Wen habet ihr liegen und auf der Flucht gesehen?“
-
-„Uns -- die wir den Sieg behalten hatten vom ersten Sprung auf den
-deutschen Boden an -- Nördlingen ausgenommen.“
-
-„Und wer, saget ihr, hat euch niedergeleget?“
-
-„Der Brandenburger, Frau. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Fürst
-von Homburg mit dem silbernen Bein, und der Derfflinger, Frau. Ja, da
-möcht’ ich wahrlich wohl lügen, wenn es anginge! Die Brandenburger
-haben das Feld behalten.“
-
-„Sehet ihr, Schwen, da habe ich euch schon! Eine solche Völkerschaft,
-als ihr da nennet, gibt es gar nicht! Nun verantwortet euch noch
-einmal vor Gott und den Menschen; da vor der Aloysia, und vor den
-Kindern drunten im Ort, die sich nach euch schier die Augen aus dem
-Kopfe gegreint haben.“
-
-„Frau, bringet mich nicht auch zum Greinen! Ach, ich wollte, ihr
-könntet den Wrangel fragen, dem würdet ihr ja wohl glauben; denn er
-war ja hier bei euch Anno siebenundvierzig. Wisset ihr nicht, wie er
-Bregenz da unten nahm, und wie wir über den Pfänder aus purem Übermut
-zu euch auf Besuch kamen, und wie ihr uns so übel aufnahmet am roten
-Egg?! O Frau Fortuna, jetzo lieget der Wrangel tief zu Boden; und
-obgleich euch die Geschichte dort bei Fehrbellin nicht so nah’ auf die
-Haut brennt, als der Bregenzer Sturm, so möget ihr wohl noch ärger
-Viktoria schreien, als damals am Fallenbach über unseren blutigen
-Leibern. Auf Ehr’ und Gewissen, Frau Fortuna, die Brandenburger haben
-den großmächtigen Konnetable Wrangel niedergeleget in dem Rhinluch,
-und der Generalfeldmarschall Derfflinger hat über mich gelacht nach
-der Schlachtung und mich aus Spaß ranzionieret auf dem Markte zu
-Fehrbellin, als ich mich bei ihm bedankte, weilen er mich auf der
-Rathenower Brück’ nur mit der Faust traktierete. Er hat mir auch sechs
-Brandenburger Taler aus Generosität geschenkt, damit bin ich heimkommen
-zu euch; -- ach Gott! ohne den Rolf, den tapfern Herzbruder, den
-Korporal Rolf Rolfson Kok, den die Spießbürger zu Lindau das Gockele
-nannten und zum Hafenvogt gemacht hatten, weil sie nicht wußten, was er
-wert war. Ach Gott, wir haben ja beid’ zusammen das Heimweh zu Lindau
-in der Krone gekriegt; aber ich allein bin zurückkommen von unserem
-Marsche zu den Fahnen; -- der gute Korporal Rolf Rolfson Kok, der liegt
-verscharrt an der Landwehr bei Hackeberg.“
-
-Die alte Taubenwirtin und Oberkommandantin vom Fallenbach schüttelte
-bedenklicher denn je den Kopf:
-
-„Jetzt wär’s mir am End’ gar noch ein Gaudium, wenn ich ihm glauben
-dürft’“, murmelte sie. „Als wir um die Weihnacht sechsundvierzig
-allhier bei Tag und Nacht zu Haufen standen und bei Tage den Rauch, bei
-Nacht den roten Feuerschein rund um den See sahen, da war’s ja freilich
-der Wrangel der uns die grausame Angst, das Zittern und Beben schuf.
-Schwen, Schwen, euch traue ich noch lange nicht; aber wenn das wahr
-wär’ mit dem Wrangel -- -- -- Schwen, ich sage euch, ich erfahr’ es
-noch, ob es wahr ist, daß es solch’ ein Volksspiel gibt, von welchem
-ihr gelogen habt und was euch eure Sünden so derb heimzahlte! Ich
-erfahr’ es, und nachher wollen wir weiter sehen.“
-
-„Geträumt habe ich es nicht, Frau, verlasset euch drauf; obgleich es
-mir jetzo wahrlich so zu Mute sein könnt’, als sei das alles, was ich
-erleben mußte auf dem Marsche, nur das Gespinste einer boshaftigen
-Trold gewesen, so sie mir nächtlicher Weile über den Kopf und das
-Hirn geworfen hätt’. Ich hab’ wahrhaftig nicht gewußt, wie weit ich
-von euch und der Aloysia und den Kindern abkäm’, als ich euch vor’m
-Jahr auf dem Gebhardsberg bei den Gevatterinnen ließ und allein meines
-Weges am See hin lustwandeln ging! Ich konnt’ es doch sicherlich nicht
-wissen, wer zu Lindau auf der Hafenmauer sechsundzwanzig Jahre lang auf
-mich wartete! Und dann -- dann war da die Krone, und der vom Regiment
-Strozzi, der Titinio Raffa, und die Kugel -- unsere Kugel am Gebälk,
-und das Bildnis des Feldmarschalls -- unseres Feldherrn! Saget selber,
-wie weit wäret ihr gelaufen, Frau Fortunata, wenn euch das Heimweh also
-ans Herz gegriffen hätt’? Und saget, bin ich nicht um euch heimkommen,
-als alles aus war, in alter Freundschaft und Dankbarkeit?“
-
-„Nun soll ich ihm gar noch eins drauf zu gute tun“, sprach die Frau
-Wirtin zur Taube, aber der Korporal Sven Knudson Knäckabröd faßte jetzt
-plötzlich ihre Hand, schüttelte sie wacker und rief:
-
-„So ist es, und es wird das Beste sein. Und Frau -- es ist doch ein
-Vergnügen, euch allda so dick und stattlich sitzen zu sehen, und jetzo
--- saget, wie ist es denn euch ergangen in dem Jahre, wo ich mit dem
-armen Korporal Rolf auf dem Marsche nach Hause war?“
-
-„Lieber Himmel, Schwen, bei uns hier im Walde ist noch alles beim
-alten. Seit wir Anno siebenundvierzig gegen euch auszogen, hab’ ich
-nichts von Merkwürdigkeiten erlebt, als heut’ eure verwunderliche
-Historie. Nach dem andern müßt ihr die Aloysia und die Kinderle fragen,
-und -- na -- weil es denn eben so ist, und ich es doch nicht ändern
-kann, so -- +grüeß di Gott daheim, du alter Schwed’!+“
-
-[Illustration]
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-Fritz Reuter:
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-Woans ick tau ’ne Fru kamm.
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- Mit freundlicher Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung abgedruckt aus
- dem 3. Bande der „Sämmtlichen Werke“ von Fritz Reuter (Wismar:
- Verlag der Hinstorffschen Hofbuchhandlung, 1902).
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-Woans ick tau ’ne Fru kamm.[1]
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- Nah de Hochtid[2] hett ’t en Enn’;[3]
- Vör de Hochtid möst du s’ wenn’n.[4]
-
-
-Ick was mit de Wil[5] en ollen Knaw’[6] worden, ick was in de Welt
-’rümme schält[7] worden, hir hen un dor hen, ick hadd minen Kopp[8]
-männigmal[9] up en weiken Pähl[10] leggt[11] un männigmal up en Bund
-Arwtstroh;[12] äwer as ick öller[13] würd, geföll[14] mi dat Arwtstroh
-lang’ nich mihr so gaud[15] as in mine twintiger Johren,[16] denn wer
-in sin Kinnerjohren girn gele Wörteln ett,[17] versmad’t[18] dorüm in
-sinen Öller[19] grad keinen Gaus’braden.[20] -- De Lüd’ säden:[21]
-„Frigen“,[22] un ick säd: „Bedenken“, un gung[23] üm den heiligen
-Ehestand herümmer, as de Voß[24] üm de Gaus’bucht,[25] un dacht:
-„Hewwen müggst[26] du woll ein’! ’Rin kümmst[27] du dor sacht ok![28]
-äwer wenn du s’ di irst[29] upsackt[30] hest, kümmst du denn[31] ok
-wedder ’rute?“[32] -- Wenn ick denn äwer wedder an den Gastwirt sinen
-ewigen Swin- un Hamel-Braden[33] dacht, un dat dat in mine Stuw’[34]
-utsach,[35] as up de leiwe[36] Gottesird’[37] +vör+ den irsten[38]
-Schöpfungsdag, un dat mi de ein oll ßackermentsche Knop[39] ümmer
-afret,[40] denn säd ick: „Frigen“, un denn säden de dummen Lüd’ wedder:
-„Bedenken“. So satt[41] ick denn ümmer twischen Bom un Bork;[42] un de
-bedenklichen Johren fungen all an,[43] mi gris[44] äwer den Kopp tau
-wassen,[45] dunn stah[46] ick mal an ’n Aben[47] un heww mi ’ne Pip[48]
-Tobak anstickt[49] un kik[50] in ’t Weder.[51]
-
-De Snei[52] fisselt[53] so sachten von den Hewen dal,[54] buten[55]
-is dat so still, kein Wagen is tau hüren,[56] blot[57] in de Firn[58]
-klingelt en Släden,[59] un mi ward gor tau einsam tau Maud,[60] un
-dortau is ’t heilig Christabend. -- As ick noch so stah un verluren
-dörch de Ruten[61] kik, tuckt[62] min Schauster[63] Linsener mit
-en Handsläden vull Holt[64] vör sine Dör,[65] wat hei sick in den
-Stadtholt sammelt hett, un baben[66] up den Släden liggt[67] en
-gräunen[68] Dannenbusch. „Nu kik den Racker!“ segg[69] ick. „Hei sall
-mi dat anner Por Stäweln[70] maken,[71] un hei karjolt[72] tau Holt!
-Likdürn[73] hett hei mi all anschaustert, ick lat[74] bi den Kirl[75]
-nich länger maken!“ -- So stah ick denn noch ’ne Wil,[76] un dat
-schuddert[77] mi denn dörch de Glieder un gruselt mi den Puckel dal,
-un ick segg tau mi: „Natürlich!“ segg[78] ick. „En Snuppen,[79] en
-dägten[80] Snuppen! Un worüm ok nich? De Stäweln sünd intwei,[81] un
-mit de Wull,[82] de ick Fru Bütow’n gewen heww, stoppt sei ehr eigen
-Strümp, un min hewwen keinen Bodden.[83] All’ns in de Welt geiht[84]
-natürlich tau.“ -- So stah ick, bet[85] dat düster[86] ward, un as ick
-Licht ansticken will, kann ick ’t Füertüg[87] nich finnen,[88] un as
-ick ’t funnen[89] heww, will de Lamp’ nich brennen: Fru Bütow’n hett
-den Dacht[90] nich putzt, un as ick t’ Ding kümmerlich in den Tog[91]
-heww, geiht s’ mi snubbs vör de Näs’[92] ut, Fru Bütow’n hett kein Öl
-upgaten.[93] In so ’ne Umstänn’[94] is dat schön, wenn Einer glik[95]
-tau Hand is, den man düchtig utschellen[96] kann; ick hadd äwer Keinen
-tau Hand, un wat süll ick dauhn?[97] Ick kek[98] also wedder ut dat
-Finster.
-
-Bi de Schausterlüd’ was dat hell worden, un in de Stuw’ was dat en
-lustig Lewen un en Juchen: äwer seihn künn[99] ick nicks, denn de
-Gardinen wiren tautreckt.[100] „Nu kik den Schauster!“ säd ick.
-„Ordentlich Gardinen!“ -- Ick hadd kein Gardinen, Fru Bütow’n
-verstunn[101] sick nich up Gardinen; sei hadd mi in de irste Tid[102]
-mal weck anbünzelt,[103] de segen ut as[104] ‚unnen nicks un baben
-nicks‘[105] un ick hadd s’ afreten,[106] as mi de Lüd’ frogen,[107] ob
-ick an min Finster Kinnerhemden drögen let.[108] Natürlich argert ick
-mi denn nu äwer den Schauster: de Kirl makt[109] mi min Stäweln nich
-un wull lewen,[110] as en Graf, un ick satt in ’n Düstern ahn[111]
-Gardinen un mit en Snuppen in den Liw’.[112] Ick mak mi denn up de
-Bein’ un gah äwer de Strat[113] un denk: „Täuw![114] Sallst[115] den
-Kirl en düchtigen Zopp maken!“[116]
-
-As ick in de Stuw ’rin kamm,[117] stunn[118] en Dannenbom[119] up den
-Disch, un Lichter brennten doran, un den Schauster sin Körling un sin
-Krischäning[120] hadden ’ne Fläut[121] un ’ne Trumpet un makten Musik
-dortau,[122] un dat Juchen un Krischen[123] besorgte den Schauster
-sin lütt Mariken,[124] de mit de Hänn’[125] nah de Lichter ampelte
-un mit de Beinen up ehr Mutter ehren Schot[126] ’rüm stangelte, denn
-sei was noch nich gangbor.[127] De Schausterfru hadd dat Spinnrad bi
-Sid sett’t,[128] sick ’ne ’reine Schört[129] vörbunnen[130] un ehren
-sünndagschen Dauk[131] ümslagen[132] un hadd en sünndagsch Gesicht
-upsett’t, lachte de Gören[133] an un wischte lütt Mariken den Mund af,
-wenn sei mit de Pepernät[134] alltausihr[135] bitau fohren ded.[136]
-De Schauster hadd en Enn’[137] Planlaken äwer de Markstäd’[138] deckt,
-hadd sick Tüffeln[139] antreckt[140] un satt nu mit ’ne lang’ Pip an
-den Aben un tügt sick[141] en Kraus[142] Bir.
-
-Na, hir kunn[143] doch Keiner mit Schellen[144] ’rinne kamen![145]
-Ick säd also blot: „Gu’n Abend,“ un hadd[146] doch mal tauseihn
-wullt,[147] wat de Lust hir woll tau bedüden[148] hadd. Na, nu
-würd mi denn Allens wis’t:[149] de Pepernät un de Appel,[150] de
-bunten Bohnenkräns’ un de Hahnbuttenkräns’,[151] de säben[152]
-Semmelpoppen[153] un de ein Zuckerpopp, de ganz baben in den Dannenbom
-hung.[154] „Is angrepsch’ Wohr,“[155] säd de Schauster, „drei Johr
-hewwen wi sei nu glücklich dörchbröcht,[156] bet[157] up den Swanz
-von den Husoren sin Pird,[158] den hett Krischäning mal afbeten,[159]
-as Mutter mal nich recht Obacht gaww.[160] -- Je, Di mein ick,“
-sett’t[161] hei hentau un drauht[162] den Jungen mit den Finger. --
-„„Ick will man nich von em weggahn mit min Arbeit,““ säd ick tau mi, un
-mi was ganz verdräglich tau Maud, obschonst ick de niderträchtigsten
-Koppweihdag’[163] hadd. Doch as Schauster Linsener mi dat Haupt- un
-Tafelstück wisen un utdüden ded[164] -- ’t was Adam un Eva, +vör+
-den Sündenfall, schön in Stutendeig utkned’t[165] un mit Eier un
-Saffran gel anmalt[166] -- un as de beiden lütten Linseners sick
-rechts un links von uns’ ihrwürdigen Stammöllern[167] henstellten un
-tau tuten[168] un trumpeten anfungen, dunn würd mi doch grad so tau
-Maud, as wenn oll Rad’maker[169] Langklas mi mit sinen stumpen[170]
-Frittbohrer[171] ümmer pianoforte -- pianoforte -- in den Kopp ’rin
-bohren ded, dat dat pipt un gnirrt,[172] un mi dorbi frog, ob dat nich
-schön güng?[173] -- De Schauster müggt[174] mi anseihn, dat ick mi ’ne
-Krankheit vermauden was,[175] denn as mi sin beiden lütten Cherubim
-richtig ut sin Paradis ’rute trumpet’t hadden, gung hei mit mi ’räwer
-un wull mi Licht anmaken un frog, wo ick de Swewelsticken[176] hadd?
--- „Hewwen dauh ick[177] Allens,“ säd ick, „äwer blot uns’ Herrgott
-un Fru Bütow’n weit,[178] wo t’ tau sinnen is.“ -- De Schauster
-hülp[179] mi nu ut de Stäweln un säd: „Natte Fäut![180] Un ick heww
-Sei de annern Stäweln nich farig[181] makt!“ hülp mi tau Bedd un säd:
-„Täuwen S’ man,[182] min Fru sall ’räwer kamen[183] un sall Sei Tee
-kaken.“[184] -- Dat geschach[185] denn ok; äwer[186] wat in de negsten
-virteihn Dag’[187] mit mi vörgahn[188] is, dorvon weit ick nich vel tau
-vertellen.[189]
-
-Ick lagg[190] in en sweren Drom.[191] Mi was, as wenn min ganze
-Stuw’ vull Dannenböm brennen un lüchten ded,[192] un an jeden hung
-’ne wunderschöne Semmelpopp mit Adam un Eva un dat ganze Paradis,
-un wenn ick dorup losgung un de Hand dornah utreckt,[193] denn
-hadd ick en intweiigen[194] Stäwel in de Hand un en Strump ahn
-Bodden,[195] un Krischäning un Körling stunnen twischen[196] mi un de
-Heilchrist[197]-Bescherung un fläut’ten un tut’ten, dat mi dat dörch
-den Kopp flirren un gnirren ded, un de dusend[198] Lichter danzten vör
-mine Ogen,[199] un wenn ick denn rep:[200] „Lat’t[201] mi doch! Lat’t
-mi doch! Ick will jo ok wedder bi Jugen Vader[202] maken laten!“, un
-reckt de Hand wedder nah de schöne Semmelpopp ut, denn drewen[203] sei
-mi wedder taurügg[204] un trumpet’ten mi in de Uhren:[205]
-
- „Stäwelmaken,[206] Stäwelmaken!
- Hett sick wat tau Stäwelmaken!
- För so ’n ollen Junggesellen
- Sall kein Wihnachtslust mihr gellen.“[207]
-
-Denn fung[208] de olle rotglasürte Pott,[209] de t’ens’ minen Kopp[210]
-stunn, äwer sin ganzes, breides,[211] blankes Gesicht an tau lachen, un
-de ganze Stuw’ lep[212] vull intweiige Stäweln, de steken[213] all de
-Tung’[214] ut, un Schauster Linsener grep[215] sei sick, einen nah den
-annern, un treckt[216] sei all up en Band un hung sei mi an ’t Finster
-stats[217] Gardinen. -- T’ens’ minen Fäuten[218] dor sagten[219]
-Twei[220] ümmer ümschichtig Holt,[221] de Ein’, dei sagte ümmer ganz
-fines[222] Koffeholt, un de Anner arbeit’t in eiken Knäst[223] herüm,
-un wenn dat Koffeholt sagt[224] würd, denn danzte Fru Bütow’n ehr
-Nachtmütz vör minen Ogen ümmer up un dal[225] -- up un dal, un wenn in
-eiken Knäst arbeit’t würd, denn was ’t mi vör de Ogen, as stünn[226]
-’ne grote, schöne Ird’beer[227] in en gräunen[228] Holt,[229] un wenn
-ick nipper tausach,[230] denn was ’t minen Unkel[231] Matthies sin rode
-Näs’[232], de kek[233] ut minen gräunen Fautsack[234] herut.
-
-Na, einmal ’s Nachtens, as wedder stark in de eiken Knäst wirkt[235]
-würd, dunn würd mi so tau Maud, as kem[236] ick ut den Düstern[237]
-in ’t Helle, ick grep üm mi, wo ick wir;[238] ick lagg in ’t Bedd, de
-Nachtlamp brennte düster, un in den Lehnstaul[239] mit de groten[240]
-Pulsterbacken lagg min Unkel Matthies würklich bet[241] unner de Näs’
-in minen gräunen Fautsack un snorkte[242] ganz fürchterlich. -- „Unkel
-Matthies,“ rep ick. -- Irst hürt[243] hei nich, doch up de Letzt
-vermüntert[244] hei sik un rew[245] sick de Ogen. „Unkel Matthies,“
-frog ick, „wo is Schauster Linsener?“ -- „„Jung’,““ säd min Unkel --
-denn hei nennt mi noch ümmer Jung’, ungefihr mit eben so vel Recht,
-as oll Nahwer[246] Hamann ümmer noch sin tweiuntwintigjöhrig[247]
-Vörbipird[248] ‚dat Fahlen‘[249] nennt -- „„Jung’, fangst Du mi all
-wedder[250] an? Wat hest Du mit Schauster Linsenern? De Mann, de deiht
-Di nicks.““ -- „Unkel,“ säd ick, as hei sick wedder schön taurecht
-läd,[251] üm dat Sag’geschäft wider[252] tau besorgen, „is dat
-wohr,[253] oder hett mi dat drömt,[254] hewwen wi ollen Junggesellen
-keinen Deil[255] an de Dannenböm?“ -- „„Dummen Snack!““[256] säd Unkel
-Matthies. „„Ligg[257] still!““ -- „Ick bün woll sihr krank west?“ frog
-ick. -- „„Dat weit[258] Gott,““ säd min Unkel un krop[259] ut den
-Fautsack un namm[260] dat Licht un lücht’t[261] mi in de Ogen. „„Äwer
-würklich, würklich! Ick glöw’,[262] Du büst dor mit dörch, denn Din
-Utseihn,[263] min lütt Jünging,““[264] -- un dorbi strakt[265] hei
-mi -- „„is ganz anners worden. Kannst Du denn nu würklich seihn, dat
-ick Din Unkel Matthies bün, un dat dit min Näs’ is un kein Ird’beer?
-Un willst Du dat Ird’beernplücken nu nahgradens[266] sin laten?[267]
-Denn Du büst mi vergangen Nacht tweimal[268] eklich in dat Gesicht
-’rinne fohrt,[269] as ick en beten[270] indrus’t[271] was.““ -- Ick
-versprok,[272] mi nu beter[273] tau schicken, denn ick wir nu wedder
-vernünftig.
-
-Un so was ’t denn nu ok; de Krankheit was tau Enn’,[274] äwer min Not
-gung nu irst an. Ick was so mör[275] un so ledweik,[276] dat ick mi
-nich rögen[277] kunn, un wenn ick de Ogen mal upslog,[278] denn stunn
-Fru Bütow’n vör mi un hadd den rotglasürten Pott in de ein Hand un
-den Lepel[279] in de anner, un faudert[280] un proppt[281] mi mit ’ne
-Krankensupp, dei was so stif[282] as Baukbinner-Klister[283] un smeckt
-ok so, un säd denn: „Eten S’![284] Eten S’ doch! -- Wenn Sei nich
-eten, warden Sei nich wedder beter.“ Un bi all dese Qual makt dat oll
-gaudmäudige[285] Gestell tau ehren Klisterpott noch so ’n mitleidig
-Gesicht, dat ick äwerhapsen müßt, ick müggt willen[286] oder nich.
-
-Jedes Ding hett en Enn’, un ’ne Wust[287] hett ehre twei. Ick kamm
-’rut ut dat Bedd un satt denn Stunn’n[288] lang mit minen Unkel
-Matthies tausam[289] un vertellt mi[290] wat mit em. „Unkel,“ säd ick
-mal, denn mi lagg de Drom von de Dannenböm un de ollen Junggesellen
-noch in den Kopp, „Unkel, wi hadden eigentlich Beid’ frigen müßt.“ --
-„„Dummen Snack!““ säd min Unkel, „„meinst Du, ick hadd as östreichsche
-Wachtmeister von Anno drütteihn[291] in Kaiserlich-Königlichen Staaten
-’ne lütte ungersche Husorentucht[292] anleggen süllt?““[293] -- „Dat
-nich,“ säd ick, „ick red ok eigentlich man von mi. Süh[294] mal, ick
-denk so, wenn ick ’ne Fru hadd -- dat heit[295] ’ne ordentliche Fru un
-’ne gaude[296] Fru un ’ne -- un ’ne lütte nette Fru, un Du treckst[297]
-denn tau uns.....“ -- „„Un süll[298] denn Kinner wohren?[299] Dank
-vel[300] mal!““ säd min Unkel Matthies. -- „So is dat nich meint,“
-segg ick. „Äwer frigen dauh ick, denn Fru Bütow’n ehr Pleg’[301] in
-de letzte Krankheit....“ -- „„Mi dücht,““[302] föll[303] hei mi in ’t
-Wurt,[304] „„Du büst gaud naug[305] plegt.[306] Ick sülwst[307]....““
--- „Ih, red +so nich+,“ segg ick, „Du hest Din Mäglichst
-dahn;[308] äwer ’ne Fru....“ -- „„Na, büst Du denn all eine Gewisse up
-de Spur?““ fröggt[309] min Unkel. -- „Weiten dauh[310] ick ein’,“ segg
-ick. -- „„Na, will sei Di denn ok?““ fröggt hei. -- „Dat weit ick noch
-nich,“ segg ick. -- „„Is woll so ’ne rechte staatsche?““[311] fröggt
-hei un plinkt[312] mit dat ein Og’. -- „Dat nich,“ segg ick. -- „„Denn
-is sei woll all lang’ ut de soldatenpflichtigen Johren?““ fröggt hei
-wider[313] un plinkt wedder.[314] -- „Ok dat nich,“ segg ick. „Äwer Du
-kannst sei Di jo mal anseihn -- ick kann leidergotts nich mit -- sei
-geiht alle Nahmiddag buten den Dur[315] nah de Mähl[316] hentau[317]
-spazieren, so twischen dreien un vieren,[318] un verfehlen kannst
-Du sei nich, denn sei is de hübschste von Allen, de dor gahn.“ --
-„„Natürlich!““ seggt min Unkel. -- „Un hett ’ne Troddel an den Mantel
-un en lütten Jungen an de Hand,“ sett’t ick hentau. -- „„Frigst[319]
-Du dat Kind mit?““ fröggt min Unkel. -- „Wat föllt Di in?“[320] fohr
-ick in Enn’.[321] „Dat is ehr Swesterkind.“ -- „„Gott bewohr uns!““
-seggt min Unkel. „„Iwer[322] Di doch nich! Wat weit ick dorvon? För
-minentwegen kann sei jo ’ne Wittfru[323] sin. Na, anseihn will ick sei
-mi denn doch!““ -- Un dormit geiht hei.
-
-Des Nahmiddags so hentau fiwen[324] kümmt hei wedder, bött[325] sick
-’ne Pip an, sett’t sick dal un seggt gor nicks. Dit argert mi jo denn
-natürlich, un ick segg ok nicks. Wi roken[326] denn nu Beid’ as de
-Backabens;[327] äwer ick was denn doch tau niglich,[328] stunn up[329]
-un stellt mi so, dat hei mi mit sin oll plinkeriges[330] Gesicht nich
-in de Ogen kiken[331] kunn, un frog: „Büst Du buten den Dur west?“ --
-„„Dat bün ick,““ seggt hei. -- „Na?“ frag ick. -- „„Ja,““ seggt hei.
--- „Hest Du sei seihn?“[332] frag ick. -- „„Heww sei seihn,““ seggt
-hei, „„un heww ok mit ehr redt.““[333] -- „Plagt Di de Kukuk?“ segg
-ick un dreih mi üm.[334] „Wat hest Du mit ehr tau reden? Ick sülwst
-heww jo noch nich mal mit ehr redt.“ -- „„Dorüm[335] grad!““ seggt hei.
-„„Denn Einer von uns möt[336] jo doch anfangen, un ick ward doch woll
-mit minen Swestersähn sine Brut[337] reden känen?““ -- „So wid[338]
-sünd wi noch lang’ nich,“ segg ick. -- „„Wat nich is, kann jo doch
-noch warden,““ seggt hei, un sett’t sick in den ollen Lehnstaul bet
-taurügg[339] un streckt de Bein’ nah vörwarts, as „sühst mi woll.“
-„„Ick will Di ’t vertellen,““ seggt hei: „„As ick so den Weg entlang
-gung, kamm sei achter[340] mi, un ick stellt mi hen un kek[341] sei
-an, denn sei hadd en lütten Jung an de Hand; de Troddel kunn ick nich
-seihn, wil[342] dat de ehr den Puckel dal hung.““[343] -- „Ick kann
-’t mi denken,“ säd ick, „Du hest sei woll snurrig anseihn?“ -- „„Wenn
-ick wat anseihn will, denn rit[344] ick de Ogen up,““ seggt min Unkel,
-„„un dat ded[345] ick, un sei slog[346] ehr Ogen so dal -- mit so en
-Tog,[347] as wenn sei des Abends ehr Gardinen an de Beddstäd’[348]
-tausamen trecken wull,[349] un as sei vörbi[350] was, sach[351] ick
-ok de Troddel.““ -- „Du magst sei schön ankeken[352] hewwen,“ segg
-ick. -- „„Dat heww ick, äwer dat dick Enn’[353] kümmt nah.““[354]
--- „Na, hett sei Di denn gefollen?“ frog ick. -- „„Ih ja! Sei hett
-mihrere Dugenden[355] an sick, de mi woll passen: irstens hett sei sick
-nich vel üm den Kopp ’rümtüdert,[356] un tweitens fegt sei mit ehr
-Kleder[357] de Strat[358] nich af, un dat sünd en por[359] Dugenden,
-mihn Sähn, de führen mihr in den Munn’[360] as Einer gewöhnlich denkt,
-denn de so vel up den Kopp hewwen, hewwen meistendeils nich recht wat
-dorin, un de mit de langen Kleder hewwen All scheiw’[361] Bein’, oder,
-wat noch slimmer is, ehr Fauttüg[362] is nich up den Schick.[363] Min
-Sähn, bi Frugenslüd’[364] un bi Pird’[365] möst Du ümmer tauirst[366]
-nah de Beinen kiken; is dat Gangwark[367] adrett,[368] is de Beinsatz
-in Ordnung, un is dat Fautgeschirr[369] proper, denn kannst Du up
-Flit,[370] up Ordnung un Rendlichkeit[371] reken.““[372] -- „Also Du
-meinst....?“ frog ick. -- „„Ick mein gor nicks,““ föll hei mi in de
-Red’. „„Lat[373] mi irst vertellen, wat mi wider passirt is. As sei nu
-so vör mi up nah de Mähl hentau gung, un ick achter ehr, dunn müßt ick
-würklich tau mi seggen: „Wohrhaftig! Du spelst en schönen Zwickel![374]
-Du dreihst woll en beten[375] mit den Kopp; äwer dat schadt nich! Denn
-worüm sall sei nich mit den Kopp dreihn, dorför[376] is sei jo en
-Frugenstimmer;[377] äwer -- denk ick so bi mi -- de Red’! Dat is de
-Hauptsak! Du sallst mit ehr en unschüllig Gespräk[378] anspinnen!“ As
-sei also wedder taurügg[379] kümmt, stell ick mi mit den Rüggen gegen
-en Bom[380] und dauh[381] so, as wenn ick mi min Pipengeschirr[382]
-in ’n Gang bringen will, un as sei nu so ’n Schrittener fiw[383] von
-mi is, dunn treck’[384] ick Stahl un Stein ut de Tasch un rit[385] bi
-de Gelegenheit für en Daler[386] lütt[387] Geld mit ’rute -- Jung’,
-markst[388] Du! Allens mit Willen! dat de Tweigröschenstücken so äwer
-den froren[389] Fautstig[390] ’räwer klapperten. Nu bückt ick mi
-dal[391] un pust’t[392] gefährlich dorbi, as würd mi dat Upsammeln
-hellschen sur,[393] un as sei dit sach,[394] säd sei richtig tau den
-lütten Jungen, hei süll mi sammeln helpen,[395] un sei sammelt ok mit
--- un dat wull ick man.[396] Ick bedank mi denn, un wi kemen[397] in
-’ne Unnerhollung[398] un gungen tausamen bet an ’t Dur.““ -- „Wat redt
-Ji denn?“ frog ick. -- „„Oh nicks von Bedüden.[399] Ick säd, ick wär
-Din Unkel, un ob sei Di nich kennen ded,[400] Du lepst[401] hir ok
-ümmer up un dal;[402] dunn säd sei, sei hadd nich dat ‚Vergnügen‘ --
-‚Vergnügen‘ säd sei --; dunn frog ick, ob sei nich en jungen Minschen
-hir hadd gahn seihn mit en gel-grisen[403] Haut[404] un en gel-grisen
-Äwertrecker[405] un gel-grise Hosen un gel-grise Hor?[406] -- -- Ne,
-säd sei; en öllerhaften[407] Herrn in so ’ne Kledasch’[408] hadd sei
-woll seihn. Na, säd ick, de öllerhafte Herr wir de jung’ Minsch, von
-den ick redt hadd, dat wirst Du. -- Dunn sprung[409] dat oll lütt
-Jüngschen so an ehr tau Höcht[410] un säd: „Tante, das ist der Herr,
-von dem Du immer sagst, er säh’ aus wie eine Reihensemmel, die in
-Milchkaffee getaucht ist.“ -- Dunn würd sei füerroth[411] un ick müßt
-lud’hals’[412] lachen und säd: „„Ja, dat wirst Du.““
-
-Ick würd nu ok füerroth, denn dei Snack[413] müßt mi jo doch sihr
-argern, un segg tau minen Unkel: „Wenn Du wider nicks haddst wullt,
-as Din Swesterkind lächerlich vör de Lüd’[414] maken, denn haddst ok
-leiwer[415] tau Hus bliwen[416] künnt.“ -- „„Dat hadd ick,““ seggt hei,
-„„äwer ick wull noch wider wat; ick wull girn weiten,[417] ob sei Di
-woll nem’?““ -- „Leiwer Gott!“ segg ick, „Du hest doch nich fragt?“ --
-„„Jung’,““ seggt min Unkel un rokt, as wenn en lütt Mann backt,[418]
-„„wenn ick ’ne Sak[419] in de Hand nem, denn gründlich! -- aber fein!
--- Ick frog ehr also, ob sei woll wüßt, wat Du wirst?““ -- „Ne,“ säd
-sei, „Du wirst villicht en Doctor?“ -- „„Bewohr uns!““ segg ick, „„wo
-kem’ hei dortau?““[420] -- „En Avkat?“[421] -- „„Ok dat nich.““ --
-„Na, dit un dat?“ Un sei röd[422] nu ’rümmer bet nah en ‚Rat‘ ’rup un
-bet nah ’n ‚Barbirer‘ ’runne; ick schüddelt aewer ümmer mit den Kopp
-un säd tauletzt: dat raden[423] Sei doch nich! Hei is höchstens gor
-nicks. -- Dat schint[424] ehr denn allerdings en beten wenig, un sei
-meint denn: Du würdst denn also woll von Din Geld lewen. -- „„Ja,““
-säd ick, „„in ein Ort[425] hadd sei Recht; tau dit Geschäft haddst
-Du von Jugend up de meiste Lust hatt, äwer dat Du dorbi[426] ’ne
-Anstellung kregen[427] haddst, künn ick grad nich seggen. Du wirst nu
-up en annern Stand verfollen.““ -- „Up wat för einen?“ frog sei. --
-„„Up den Ehstand,““ säd ick un frog tauglik,[428] wat sei dortau meinen
-ded. Vörher hadd ick äwer all tau mi seggt: ward sei bi dese Frag’
-blaß, denn[429] mag sei em nich liden;[430] ward sei rot, denn nimmt
-sei em. -- Sei würd denn nu richtig äwer un äwer[431] rot un bückt
-sick dal[432] un bünzelt[433] an den lütten Jungen sinen Haut[434]
-herümmer, un as sei wedder tau Höchten[435] kamm, dunn kek[436] sei mi
-so von baben dal[437] an, makt mit ’ne halwe Wennung[438] ’ne Ort[439]
-von Knicks, un weg was sei! Un de Frag’, de ick, för min Person, ehr
-noch vörleggen wull,[440] kamm gor nich tau Brett.““[441] -- „Dat ward
-ok ’ne schöne Frag’ west sin!“ segg ick un bit[442] vör Arger den
-Kopp[443] von de Pipenspitz. -- „„Oh ne!““ seggt min Unkel, „„ick wull
-ehr blot[444] fragen, ob sei gaud Fisch kaken[445] künn, denn[446] wull
-ick tau Jug trecken,““[447] un dorbi sach de olle Burß[448] so ut, so
-wichtig un irnsthaft,[449] as güng min Frigeri[450] em mihr an, as mi
-sülwst. Doch dit süll noch en ganz Deil[451] narscher[452] kamen.
-
-In de negsten Dagen,[453] as ick all so ’n beten utstümpern[454]
-kunn, gah ick nu absichtlich nich nah de Mähl hentau, denn mi was
-dat schanirlich,[455] ehr vör de Ogen tau kamen. „Sallst en beten up
-den See tau Is’[456] gahn,“ denk ick, „un dat Schritschauhlopen[457]
-un Slädenführen[458] anseihn.“ -- Dat dauh ick denn nu ok, un as
-ick an de Baud’[459] heran kamm, wo Bir un Bramwin[460] un Punsch
-un Grogg verköfft[461] ward, gah ick dor en beten ’ran un seih denn
-grad, wo[462] min Unkel Matthies en Achtgröschenstück up den Disch
-leggt un för vir Gröschen Kauken[463] un för vir Gröschen Punsch
-föddert.[464] Na, dit föllt[465] mi denn nu sihr up, denn hei drünk
-leiwer[466] en Glas Grogg, as Punsch, un Kauken namm hei gor nich
-in de Mund. „Na, wat dit woll heit?“[467] denk ick, „hei will woll
-Kinner[468] tractiren.“ -- Äwer ne! Ahn[469] dat hei mi gewohr würd,
-güng hei mit sinen Barg[470] Kauken un sin Glas vull Punsch up en
-Släden los, wo ’ne Dam’ mit en gräunen Sleuer[471] insatt,[472] und
-bögt[473] sick mit dat Liw[474] vörn un achter äwer,[475] as wull hei
-sick dat Krüz[476] verrenken, un kratzt mit de Bein’ so snaksch[477]
-up dat Is[478] herümmer, dat ick denk, de oll Mann verlirt de
-Blansirung,[479] un dat ick all up em losspringen un em unner de Arm
-gripen[480] will; dunn sleiht[481] de Dam’ den Sleuer taurügg,[482] un
-wat seih ick? -- Minen leiwen Schatz un minen säuten Ogentrost![483]
-Un tau Maud’[484] würd mi, as hadd mi Einer rechts un links en por
-Mulschellen[485] gewen.[486] -- „Dat weit[487] de Kukuk,“ segg ick, „de
-Oll[488] verdarwt[489] mi de ganze Frigeratschon[490] bet in de grawe
-Grund!“[491] un gah so arg,[492] as Einer warden kann, nah Hus.
-
-Dor satt ick nu in ’n Düstern un gruns’ mi inwendig,[493] dunn geiht
-de Dör[494] up, un min Unkel kümmt ’rin. „Gu’n Abend!“ seggt hei.
-„Wat sittst Du hir in ’n Düstern? Mak[495] Licht an!“ -- Dit is dat
-einzigste Mal in minen Lewen west, dat ick minen Mutter-Brauder[496]
-nich de Dagstid baden heww;[497] ick stunn äwerst[498] up un makt Licht
-an, un sach so sur ut,[499] as en solten Hiring,[500] de virteihn Dag’
-in Essig leggt[501] is. -- „Wat fehlt Di?“ fröggt hei. -- „„Nicks!““
-segg ick kortweg,[502] dacht äwer: ’t is din Mutter-Brauder! un sett’t
-hentau:[503] „„Ick bün nich up den Schick!““[504] -- „Ick sihr,“ säd
-hei, un dorbi sach hei so lüftig[505] ut as en ollen Esel, de virteihn
-Dag’ bi schiren[506] Hawer[507] in ’n Stall stahn[508] hett. „Heww
-wedder mit ehr redt,“ seggt hei. -- „„Minentwegen,““ segg ick. --
-„Wo[509] sall ick dat verstahn?“ fröggt hei un sett’t en irnsthaft
-Gesicht up. -- „„Ick bün mit den Drom[510] dörch,““ segg ick. -- „Du
-willst nich?“ fröggt hei un leggt sin beiden Arm up de Lehn von den
-Lehnstaul un kickt[511] mit de Näs’ d’räwer weg, scharp[512] mi in ’t
-Gesicht, „ick heww de Sak infädelt so fin[513], so fin! dat dat en Hund
-jammern künn, wenn dor nicks ut würd, un nu willst Du nich?“ -- „„Ne““,
-segg ick, „„Unkel, ick +will+ nich. Meinst Du, ick sall Di den
-Rohm[514] affüllen laten un mi mit de sure Melk[515] begnäugen?[516]
-Denn doräwer sünd sei sick All einig -- kik hir! Amalie Schoppe,
-geborene Weise, un Elise von Hohenhausen, geborene von Ochs, un all de
-Annern, de äwer dit Verhältniß schrewen[517] hewwen -- dat Schönste
-bi de Frigeri is de Verkihr[518] von Brutlüd’ vör de Hochtid, un den
-Verkihr rittst[519] Du an Di, un ick sall tauseihn, wo Du min Brut mit
-Punsch un Kauken traktirst?““ -- Min Unkel nimmt de geborene Weise
-un de geborene von Ochs un smitt[520] sei in de Sophaeck, un stellt
-sick vör mi hen un seggt: „Ick frag Di tau ’m Letzten, willst Du dat
-Mäten[521] frigen oder nich?“ -- „„Ne,““ segg ick. -- „Na,“ seggt hei
-un kek mi lang’ an mit so ’n fierlich[522] Gesicht, as hadd hei eben
-sin Testament makt un wull nu noch sinen Namen unnerschriwen,[523]
-„na, dat Mäten sall dörch mi nich in Schaden kamen, denn frig
-+ick+ sei,“ un dormit gung hei stolz ut de Dör.
-
-Na, dit was denn nu mal en Stück! -- In de Irst[524] stunn ick ganz
-verdutzt, dunn smet[525] ick mi in de Sophaeck up de geborene Weise un
-lacht lud up.[526] -- Min Unkel, de gaud twintig Johr[527] öller[528]
-was as ick, trugte[529] sick en Stück tau, wotau mi in minen Johren de
-Kurasch’[530] all utgung![531] Ick wull nu lustig wider[532] lachen,
-kreg ’t[533] äwer nich mihr taurecht, denn ick hadd kein unbekümmert
-Hart,[534] un wenn ick dat Gesicht ok breid naug[535] vertrecken
-ded,[536] de Lach[537] blew unnerwegs hacken,[538] un as ick mi nu so
-mit dat dämlichste Gesicht von de Welt in den Speigel[539] tau seihn
-kreg, sprung ick in ’n Enn’[540] un gung mit groten Schritten in de
-Stuw’ up un dal[541] un bos’te mi nich slicht[542] un slog[543] up den
-Disch un säd: „Hei deiht ’t,[544] hei is dortau kumpabel.“[545]
-
-As Fru Bütow’n kamm, kreg sei natürlich ut männigerlei Ursak[546]
-Schell,[547] un as ick de taurecht sett’t hadd, gung ick in den Klubb
-un spelt Lomber[548] un säd ümmer tau mi: „Dat kannst du doch nich
-liden!“[549] un spelte[550] Solo’s, de gor nich up de Welt existirten,
-un verlur[551] sei un säd denn wedder:[552] „du wardst Di doch dat Hart
-nich afköpen laten!“[553] un namm den Muhren[554] un würd kodilg’.[555]
-
-Verdreitlich[556] gung ick nah Hus[557] un läd mi dal,[558] un wull
-slapen[559] un kunn[560] nich. Ick argert mi de ganze Nacht mit mi
-’rümmer, denn laten kunn ick von dat säute[561] Kind nich mihr -- sei
-hadd mi ’t andahn[562] -- un de heilig Christabend föll[563] mi in,
-dat ick in minen Lewen[564] keinen Dannenbom upputzen süll. Wenn ick
-denn tau mi säd: „Man tau!“[565] denn flogen mi all min Bedenken as
-en Hummelswarm dörch den Kopp, un vör min Ogen stunn ümmer en grot
-Frag’teiken,[566] un wenn ick mi dat utdüden ded,[567] denn heit[568]
-dat ümmer: „Je, will sei di ok?“
-
-Na, dit kunn jo doch nu Keiner beter[569] beantwurten, as sei
-sülwst[570] -- dat sach ick in[571] -- un as nu de grage[572]
-Wintermorgen in min koll[573] Stuw’ ’rinne schinen ded,[574] un mi dat
-so dörch de Knaken[575] grusselt,[576] as ick den Koffe makt, säd ick:
-„Nu bün ick dormit dörch! Wat sin möt,[577] möt sin!“ un segg tau Fru
-Bütow’n: „Fru Bütow’n“, segg ick, „gahn S’ nah Kopmann Bohnsacken un
-köpen[578] S’ mi en Por[579] von de finen, gelen Hanschen,[580] de de
-jungen Herrn Avkaten[581] ümmer dragen,[582] wenn sei recht wat bedüden
-willen.[583] -- Äwer rechte gele!“
-
-Hen tau Elben[584] stek[585] ick denn nu in minen swarten[586]
-Liwrock[587] un swarte Hosen un blanke Stäweln un in de nigen[588]
-gelen Hanschen, un ihre[589] ick den Haut upsetten ded,[590] stellt ick
-mi vör den Speigel und säd mit Recht: „Wo ’s ’t mäglich! Dat hadd ick
-sülwst nich mihr glöwt!“[591] Smet[592] noch en Blick in min Stuw’ ’rüm
-un säd: „So ward’t denn nu woll hir nich bliwen!“[593] Kek in min ollen
-Tüffeln[594] ’rinne, de vör dat Bedd stunn’n,[595] un säd: „Ji wardt
-jug[596] ok wunnern,[597] wenn ’t glückt, un wenn binnen Korten[598] en
-Por lütte[599] nüdliche Tüffelken bi jug tau ’m Besäuk kamen.“[600]
-
-Ick gah denn nu de Strat hendalen[601] un kam[602] an minen Unkel
-Matthiesen sin Dör vörbi un denk: „Irst[603] mit alle Welt in
-Freden,[604] wenn Einer so ’n Gang geiht!“ denn tau Maud’ was mi, as
-gung ick den letzten Gang. Klopp[605] also an sin Dör un gung herin.
-
-Na, ick heww all vel seihn[606] in de Welt; ick heww mal seihn, dat en
-Kirl[607] Füer fratt;[608] ick heww mal seihn, dat Einer Häkelheed[609]
-fratt un schönen sidnen[610] Band ut den Hals’ herutehaspelte: äwer
-so blag[611] is mi dat mindag nich[612] vör de Ogen west as in den
-Ogenblick, wo ick an den hütigen Morgen minen Unkel Matthies tau seihn
-kreg.[613]
-
-Dor stunn[614] hei in sin Stuw’ in den sülwigen Uptog[615] as ick,
-blot[616] dat sin swarte Liwrock en gräunen Jagdsnipel[617] was,
-un dat sin gelen Hanschen von Hirschledder[618] wiren un min von
-Schapledder,[619] un dat sin witte Snurrbort[620] as en por klore
-Istappen[621] rechts un links äwer den Mund dal hung,[622] un min nah
-baben[623] upswänzt[624] was un in allerlei verdammte Coulüren[625]
-spelte.
-
-„Unkel!“ rep[626] ick, as ick ’rinn kamm, un min Haut tründelte[627]
-vör mi in de Stuw’ ’rin, so verfirt[628] ick mi. -- „„Jung’!““ rep hei,
-„„wat willst Du?““ -- „Wat willst Du?“ raup[629] ick. -- „„Ick will
-dat, wat +Du nich+ willst!““ seggt hei. -- „Ick will jo!“ rep ick.
-„Un ick bün jo man,“[630] sett’t ick hentau, „hir in desen Uptog blot
-nah Di ’ruppe kamen,[631] üm Di tau seggen, dat ick nu fast[632] bün,
-un wull Di bidden, Du süllst[633] man wedder min leiw’ oll[634] Unkel
-bliwen.“ -- „„Wullst[635] Du dat?““ säd hei un sett’t sick in sinen
-Lehnstaul un kek mi so nahdrücklich in de Ogen. „„Na, denn will ick Di
-man seggen, ick wull ok in desen Uptog nah Di henkamen un wull Di en
-beten verfiren.[636] Ick weit[637] dat ut min Soldatentiden:[638] so
-’n beten Verfiren, dat rammelt[639] den Minschen nüdlich tausam[640]
-un rappelt em up,[641] denn denn[642] kümmt de Schimp[643] mit in ’t
-Spill.[644] Un, Jung’,““ säd hei un stunn up un läd mi de Hand up den
-Arm, „„ick will Di nich in den Weg stahn un Di in den witten Bagen[645]
-von Din Glück en Krünkel[646] maken, denn dat lütt Mäten is för Di
-geburen, un dat Mäten is gaud!““ -- Un dorbi knep[647] hei mi den Arm
-mit sine olle breide Fust[648] tausamen, dat ick dacht: wenn sei so is,
-denn[649] is sei +mihr+[650] as gaud.
-
-Min Unkel gung nu hen un halt[651] en Glas von sinen ollen Portwin
-un säd: „„Kum her, Jung’, stärk Di irst! Wo[652] willst Du ’t denn
-anfangen?““ -- „Je,“ segg ick, „wenn ick dat wüßt!“ -- „„Sett[653] mal
-Din Bein hir up den Staul,““[654] seggt hei. -- „Wat sall dat?“ frog
-ick. -- „„Nicks nich,““ seggt hei un knöpt[655] mi de Strippen[656]
-von de Hos’ af, „„mit en Fautfall[657] möst Du jo doch beginnen, un
-dit künn Di strämmen.““ -- „Na,“ segg ick, „Du fangst gaud an.“ --
-„„Wat sick hürt,[658] hürt sik,““ seggt hei. „„Ick heww dat mindag
-nich sülwst dörchmakt,[659] äwer ick heww dat ümmer up Biller[660]
-seihn. Wat seggst Du äwer man? Täuw![661] Ick will Di unner de Arm
-gripen!““[662] un dorbi ret[663] hei hastig sinen Drahkasten[664] up
-un fliete[665] in den Uttog[666] ’rüm, worin hei sin heiligsten Schätz
-hadd. Un richtig, dor kamm[667] hei mit sin Stammbauk[668] tau’m
-Vörschin. Dat schach[669] man selten, un wenn hei ’t anrögen ded,[670]
-denn schach dat blot des Abends, wenn Allens so recht still was. Denn
-treckt[671] hei sick irst reine Wäsch’ an un sin bestes Tüg[672] un
-sett’t rechts un links en por Lichter up den Disch, slog deip[673]
-in Gedanken Blatt för Blatt üm, las all de Vers’ un höll[674] mit
-swarte Krüzen[675] dat Dodenregister in Ordnung. Den annern Morgen
-was hei denn sihr weikmäudig,[676] un dat letzte Mal kamm hei nah mi
-’rüm un säd: „So vel[677] ick weit, lewt man noch Ein;[678] dat is
-Krischan[679] Bünger, den ollen Snider[680] Bünger sin Sähn,[681] de
-mit min Öllern[682] Hus an Hus[683] wahnen ded.[684] Sei seggen jo, hei
-sall Durschriwer[685] tau Parchen[686] wesen,[687] un wenn mi Gott dat
-Lewen lett,[688] denn will ick em desen Sommer besäuken.“[689]
-
-„Hir!“ säd hei, as hei ditmal[690] dat Stammbauk ’rute halt[691] un up
-den Disch leggt hadd, „hir sett Di dat, un säuk[692] Di en Vers ut un
-lihr em utwennig.[693] Dor stahn weck in[694], de kannst Du tau unsern
-Herrgott in ’n Himmel beden,[695] denn[696] ward sick ok woll ein
-för dat beste Mäten up Irden[697] finnen.“[698] -- „„Unkel,““ säd ick
-un namm dat Stammbauk in de Hand un bläderte[699] dorin ’rüm, „„ick
-weit, wat ick dauh:[700] ick red so, as mi dat üm ’t Hart is,[701] un
-mi is hüt[702] Morgen ganz besonders üm ’t Hart.““ -- „Ok gaud,[703]
-min Jung’,“ säd min Unkel, „un villicht noch beter! Äwer denn mak nu
-ok![704] Un täuw,“ sett’t hei hentau, as ick mi tau ’m Gahn ümdreihn
-ded,[705] „Di hängt jo dat witte[706] Band von ’t Vörhemd ’ne halw’
-Ehl[707] den Puckel dal!“ un gaww[708] mi sinen Segen un stoppt[709]
-dat Enn’[710] Band unner ’t Halsdauk.[711] „So, nu gah mit Gott!“
-
-Ick gung denn; aewer as ick ut de Husdör[712] kamm, dunn haust[713]
-wat baben[714] mi, un as ick ’ruppe kek,[715] dunn lagg[716] min Unkel
-Matthies in dat halwe[717] Finster un nickt un plinkt[718] mi tau, un
-jedesmal, wenn ick mi in de lange Strat[719] ümkek, denn nickt hei un
-weiht[720] mit sin rotbunt Taschendauk ut dat Finster ’rut, dat mi
-angst un bang’ würd, de Lüd’ müggten marken,[721] wovon twischen[722]
-uns de Red’ wir.
-
-Nu künn ick hir ne Geschicht vertellen;[723] ward mi äwer woll
-häuden.[724] So glatt, as dat in de Romanen steiht, geiht so ’ne
-Angelegenheit in de Würklichkeit nicht af. Unner Hunnert[725] maken
-Nägen un Nägentig[726] up desen Gang de spaßigsten Dummheiten, un wenn
-ok all de Hunnert as de glücklichsten Brüjams[727] taurügg kamen,
-warden doch de Nägen un Nägentig tau sick seggen: „Gew’[728] de leiw’
-Gott, dat wi nich wedder in de Lag’ kamen; süllen wi äwer tau’m tweiten
-Mal de Sak äwernemen,[729] denn willen wi ’t kläuker[730] anfangen.“ --
-Gott lat mi nich wedder in de Lag’ kamen!
-
-Nah en annerthalw’ Stunn’n[731] kamm ick denn wedder taurügg, glücklich
-bet unner[732] den Hauttöppel,[733] un mag ok woll dornah utseihn[734]
-hewwen; un dor ick mi in min einsam Junggesellenlewen de dürigte[735]
-Mod’ anwennt[736] hadd, mit mi sülwst[737] tau snacken,[738] so kann
-ick nu bi ruhige Besinnung de Lüd’ dat nich verdenken, wenn sei mi, as
-ick de Strat hendalen[739] kamm, en beten ut den Weg gungen[740] un
-mi scharp nahkeken,[741] ob min Bein’ ok woll so deklamirten as min
-Hänn’.[742] As ick nu noch so ’n Raudener drei[743] von minen Unkel
-sinen Hus’ af[744] bün, stört’t[745] hei mi all entgegen un föll[746]
-mi üm den Hals, denn hei hadd de annerthalw’ Stunn’ lang achter[747] de
-Husdör stahn[748] un up mi lurt,[749] un rep:[750] „Holt Din Mul![751]
-Holt Din Mul! Ick weit Allens; un wennihr[752] ward de Hochtid?“ -- Ick
-tuscht em denn nu, un säd: „„So swig[753] doch still! tau ’m wenigsten
-up de Strat!““ -- fat’t[754] em unner ’n Arm un treckt[755] em mit
-nah minen Hus’; doch as wi dor herinne kemen un Fru Bütow’n grad dat
-Middag deckte, dunn kunn[756] hei sick nich länger hollen,[757] dunn
-spelt[758] sin ganzes Hart[759] Solokolür,[760] un as de Fru em ankek,
-dunn lücht’ten[761] ut sin Ogen[762] nicks als Trümw’,[763] un hei
-wis’te[764] mit den Dumen[765] äwer de Schuller[766] nah mi hen un säd:
-„Seihn S’ dor,[767] Fru Bütow’n, dor steiht hei -- min Swester-Sähn! Is
-nu ok en Brüjam, so gaud as Einer!“ Un as nu de Fru kamm un gratulirt
-un weiten[768] wull, wer de Glückliche wir, hadd ick wedder naug[769]
-tau tuschen, un as sei weg was, säd hei un kek[770] mi dorbi sihr
-verdwas[771] an: ick wir en Heuchler, en sihr verstockten! un ick
-wis’te[772] en swartes[773] Hart, dat ick so ’n Glück so lang verswigen
-künn.
-
-Ick müßt mi denn nu man dalsetten[774] un em de Sak vertellen,[775]
-dunn würd hei denn nu wedder fründlicher un nickt mit den Kopp un säd:
-„schön!“ un denn mal wedder schüddelt hei mit den Kopp un säd: „dit
-wir nich ganz nah sinen Sinn;“ un as ick utvertellt[776] hadd, stunn
-hei up un makt en Gesicht, as de Hewen[777] in ’n Heuaust,[778] wenn
-hei nich recht weit, ob hei de Sünn schinen[779] oder regen[780] laten
-sall;[781] hei schüddelt un nickt, un nickt un schüddelt, un endlich
-säd hei: „hei, för sin Part, hadd ’t denn doch en ganz Deil[782] beter
-makt;“[783] un frog dunn,[784] bi weckern[785] Vers von dit Kapittel
-ick denn den Fautfall[786] anbröcht[787] hadd. Ick müßt denn nu
-gestahn,[788] dat de gor nich tau ’m Vörschin kamen[789] was. Dunn namm
-min Unkel Matthies sinen Haut un säd: „Na, denn wünsch ick Di woll tau
-spisen![790] Un holl[791] Di an dat, wat Du hest; wat nahkümmt,[792]
-bitt de Wulf.[793] Du hest vel tau tidig[794] kreiht;[795] de Sak[796]
-is noch lang’ nich in Richtigkeit; en Fautfall hürt[797] tau jeder
-Verlawung,[798] un de Sak is nich gültig, wenn sei nich mit de beiden
-Knei[799] unnersigelt is. Mi tau ’m wenigsten sall ’t gor nich wunnern,
-wenn de Kram in de negsten Dag’[800] utenanner[801] geiht. Up en anner
-Mal folg’ minen Rat!“ Somit gung hei.
-
-Trotzdem äwer fung nu för mi eine wunderschöne Tid[802] an, eine
-wunderschöne Tid! Ick künn ok hirvon wedder vel vertellen, ward mi äwer
-woll häuden.[803] De höchste Freud’ un dat deipste[804] Leid möt[805]
-Einer[806] nich Jedwereinen[807] up de Näs’ binnen;[808] un wenn ick nu
-ok girn[809] glöw’,[810] dat all Dejenigen, de dit lesen, manirliche
-un irnsthafte Lüd’ sünd, ein oder de anner Hans Quast künn dor doch
-mit mang lopen[811] un künn up mine Kosten sinen Putzen[812] dormit
-driwen,[813] un dat müßt mi denn doch sihr verdreiten.[814]
-
-Äwer tau jeden richtigen Honnigkauken[815] hürt[816] en lütt
-Beting[817] Peper,[818] un doran süll mi dat denn nu ok nich fehlen.
-Tauirst[819] streute min Unkel Matthies af un an en lütt Kürnken[820]
-an, doch as hei sach,[821] dat de Sak von Bestand was, un as hei
-sülwst up ’ne Visit bi min Brut ehr Fründschaft[822] west was un
-sick dor ok tau sine Taufredenheit[823] von dat Fischkaken[824]
-äwertügt[825] hadd, dunn sport[826] hei sin Gewürz un grep deip[827] in
-sinen Honnigpott[828] -- tau deip! segg ick -- denn nu malt hei alle
-Lüd’, de em hüren wullen, min Glück so säut[829] vör, bet in minen
-Honnigmand[830] bald so vel Fleigen[831] summten, dat ick mi nich tau
-bargen wüßt,[832] un dat bald so vele lustige Geschichten von mi in
-den Swung’[833] wiren, as wir ick blot tau ’m Vergnäugen[834] von alle
-Welt nich blot en +Brüjam+, sondern ok en +Brüdjam+[835]
-worden. Ick würd brüdt, wo ick mi seihn let.[836] Up fiw[837] Schritt
-all[838] grint[839] mi jeder Hans Narr up de Strat[840] an, un wenn
-ick denn frog, wat dor tau grinen wir, denn säden sei All, as wenn
-sei sick beraden[841] hadden: „Oh, nicks nich!“ Kamm[842] ick mal des
-Abends in minen ollen[843] Dämelklubb[844] -- denn dat hadd ick mi glik
-vörnamen,[845] dese Gesellschaft wull ick unner keinerlei Ümstänn’[846]
-upgewen,[847] irstens, wil dat[848] sei mine Gemütsort[849] sihr
-tauseggen ded,[850] un tweitens,[851] wil dat ick sei för mine Bildung
-sihr taudräglich höll[852] -- na, wenn ick also dor mal hengeröd,[853]
-denn würd dat en Flustern un en Tuscheln[854] un en Anstöten:[855] de
-Ein’ winkte ganz von Firn[856] mit den Tulpenstengel, un de Anner ganz
-in de Neg’[857] mit den Tunpahl,[858] un Geschichten vertellten[859] s’
-sick, wat +de+[860] +vör+ de Hochtid seggt[861] hadd, un wat
-+de+[862] +nah+ de Hochtid seggt hadd; un wat de Scheper[863]
-tau sinen Hund seggt hadd; un wenn ick denn falsch[864] würd un frog,
-wat sei dormit seggen wullen, un wat[865] dat Spitzen up mi sin süllen,
-denn säden sei All: „Gott bewohre! Wi meinen man.“[866] Un wenn ick
-nu des Abends ut desen Grünn’n[867] nich in den Dämelklubb gung, denn
-makt[868] Fru Bütow’n ehr leiwe[869] Pepermähl[870] apen[871] un
-stöhmte[872] mi ümmer ganz lütte, fine[873] Prisen in de Näs’[874] un
-in de Ogen:[875] wat dat +so+ süll?[876] oder wat dat +so+
-süll? Sei wüßt ok nich, wo[877] ick dat nu hemmen wull. Un sei wir[878]
-’ne olle Fru un hadd in ehren Lewen all vele Herrn upwohrt,[879] äwer
-noch keinen, de in ’n Brutstand west wir; ick süll deswegen Geduld mit
-ehr hewwen, denn de Sak kem jo +nu+ bald ganz anners. Un wat dat
-Tüg[880] rein maken anbedrapen ded,[881] dor gew’[882] sei mi ganz
-Recht, dat wir för min Brut nich gaud naug,[883] denn as[884] sei
-man hürt hadd,[885] wir de as ’ne Prinzeß upfött[886] un hadd sindag
-nich[887] ehr Finger in koll Water[888] stippt; äwer ehr Ogen wiren
-för jede Dun’[889] up den Rock all tau olt.[890] Un wenn min Brut mi
-negstens[891] mal besäuken wull,[892] so künn sei dat jo dauhn,[893]
-sei för ehre Person hadd nicks nich dorwedder,[894] un äwer de
-Spennwew’[895] an ’n Bähn[896] un den Stoff[897] up de Comod’ würd sei
-jo nich fallen, un an den lütten Provat-Müll-Hümpel,[898] den sei sick
-tau ehre Bequemlichkeit in de ein’ Eck von min Stuw’ anleggt[899] hadd,
-würd sei sick jo ok just de Beinen nich verstuken.[900] Un wenn ick
-des Abends Füer[901] hewwen wull, denn künn ick jo dat man seggen --
-sei wüßt jo dat ok nich -- süs[902] wir ick jo ümmer in den Dämelklump
-gahn,[903] worüm denn nu nich? Un denn sett’t[904] sei sick vör dat
-Abenlock[905] un puste un puste, un de Kahlen[906] gläuhten[907] ehr
-up de dicken Pustbacken, datt ick sei nich anners anseihn künn, as
-ick müßt ümmer denken: „Gott verzeih mi de sweren Sünden! Ick weit
-recht gaud, dat dit +min+ Fru Bütow’n is, un ’ne christliche
-Wewerwittwe,[908] worüm möt[909] ick denn bi ehr[910] ümmer an de hohen
-Herrschaften denken, de deip[911] -- deip unner uns wahnen[912] up en
-Flag,[913] wo ’t sihr heit[914] sin sall? Un worüm föllt[915] mi bi ehr
-Pusten ümmer in, dat mägliche Wis’ up dit Flag ok Einer sitt, de Kahlen
-anpusten deiht,[916] üm min schönes Ehstandsglück doch en Beting[917]
-antauwarmen?“[918]
-
-Hirut kann Jeder afnemen, dat bi mi de Bedenken noch nich all ut dat
-Finster ’rute smeten[919] wiren, un sei süllen noch düller[920]
-warden, as ick eins Nahmiddags von min Brut taurügg de Strat[921]
-entlang gung.
-
-As ick nämlich an desen Dag de Strat entlang gung, dunn hürt[922] ick
-all von Firn’[923] groten Larm, de Lüd’ keken[924] ut de Finstern,
-un vör de ein’ Husdör[925] hadd sick ok all en lütten Hümpel[926]
-tausam funnen,[927] de nah de Del[928] ’ruppe kek. As ick nu grad an
-de Dör vörbi[929] gahn will, fohrt[930] de Kürznermeister[931] Obst
-äwer sin halwe Husdör[932] ’räwer, as wenn ’ne Billardkugel äwer de
-Band’ sprengt ward, un sett’t sick mit sin vir Baukstaben[933] in den
-Rönnstein.[934] -- „Mein Gott! Gevatter?“ seggt sin Nahwer Gräun,[935]
-„wat makst Du dorvon?“ -- „„Je, dat segg man mal!““ seggt de
-Kürzner,[936] „„min Frugenslüd’[937] hewwen mi ’rut smeten.““ -- „Worüm
-denn äwer?“ fröggt de Anner. -- „„Vadder,““[938] seggt de Kürzner un
-rappelt sick tau Höcht:[939] „„dat will ick Di seggen: min Fru will,
-wat +ick+ will, und dat will +ick+ nich.““
-
-Wil[940] mi nu dese Geschicht nicks angung,[941] so gah[942] ick
-wider[943] un denk so bi mi: is doch en narschen[944] Spruch! Wat de
-Kirl woll dormit meint? „+Min Fru+ will, wat +ick+ will, un
-dat will +ick+ nich.“ -- Sallst dinen Unkel Matthiesen mal dornah
-fragen.
-
-Ick gah nu also nah em ’rup un vertell[945] em de Sak un segg em den
-Spruch un frag’: „Unkel, wat meint de Kirl dormit?“ -- „„Je!““ seggt
-hei un geiht in Nahdenken in de Stuw’ up un dal, „„un de Kirl was von
-sin Frugenslüd ’rut smeten, seggst Du?““ -- „Ja,“ segg ick, „hei säd
-’t jo sülwst.“ -- „„Un in den Rönnstein satt[946] hei?““ frog hei
-wider.[947] -- „Ja,“ segg ick, „dorin satt hei.“ -- „„Na,““ seggt
-min Unkel nah ’ne Wil’ Bedenken, „„denn[948] ward dat ok woll sin
-Richtigkeit hewwen, denn hett em sin Fru ok woll ’rut smeten, un denn
-findt de Spruch ok sin richtig Bedüden,[949] denn heit[950] hei: Min
-Fru will Herr in den Hus’[951] sin, un ick will ok Herr in den Hus’
-sin, un mine Fru ehren Willen, den will ick nich nahgewen.[952] Äwer,““
-sett’t hei hentau, „„wenn sei in ’n Hus’ stahn,[953] un hei vör den
-Hus’ in den Rönnstein seten[954] hett, denn ward sei woll Herr in den
-Hus’ sin.““
-
-Ick weit nich, mi würd nah dit Gespräk so verdreitlich[955] un
-beängstlich tau Sinn; von de Sid[956] hadd ick min Vörnemen noch
-nich in ’t Og’ fat’t.[957] „Unkel,“ säd ick, „Du kennst mi doch un
-kennst sei jo ok, wat meinst Du denn woll, wer ward von uns Beiden
-woll Herr in ’n Hus’ sin?“ -- „„Je,““ seggt hei, „„sei süht[958]
-mi gor nich dornah ut,[959] as müggt[960] sei girn[961] +vör+
-de Husdör in ’n Rönnstein sitten, ick glöw’,[962] sei bliwwt[963]
-leiwer binnen.““[964] -- „Den Deuwel ok!“[965] segg ick. -- „„Na,
-so arg,““ seggt Unkel Matthies, „„ward sei dat nu woll nich maken;
-äwerst[966] so ’n ‚liebenswürdig, weiblich Regiment‘ -- as de Lüd’
-dat nennen -- ward sei woll äwer Di ergahn laten, Du wardst woll en
-beten stramm an ehren Schörtenband[967] anbunnen[968] warden, un wo
-lütt[969] de Achterflicken[970] an ehr Pantüffeln sünd, ward Ein[971]
-Di nahsten[972] woll von den Pelz lesen känen.““ -- „Bang’ maken
-gelt[973] nich!“ segg ick, „ick ward sei mi nah de Hochtid bi den
-irsten Schepel[974] Roggen wenn’n.“[975] -- „„Dor verlat Di man nich
-up!““[976] seggt min Unkel. „„Kennst Du dat Sprückwurt nich:[977]
-
- +Vör+ de Hochtid möst du s’ wenn’n;
- +Nah+ de Hochtid is ’t tau Enn’?““
-
-„Ne“, segg ick, „dat ’s mi ganz wat Nig’s!“[978] un makt[979] en
-Gesicht dortau, as hadd mi min Unkel vertellt, sei hadden mi tau
-’m Papst makt. -- „„Na, denn sett Di dal,““ seggt hei, „„ick will
-Di ’ne Geschicht vertellen.““ -- „Vertell!“ segg ick. „Äwer Din
-Nutzanwenning[980] lat[981] weg! Ick bün dor all tau olt tau.“[982] --
-„„Kein Bang’!““ seggt hei. „„De Nutzanwenning ward Din leiw’ Fru woll
-äwernemen, wenn Du minen Rat nich folgen deihst.““[983]
-
-Ick sett’t mi also bi minen Unkel dal, un hei fung an tau vertellen:
-
-„Tau Rümpelmannshagen, wo ick mine irsten Lihrjohren[984] as
-Klutenpedder[985] dörchmakt[986] heww, wahnten[987] dunntaumalen[988]
-twei[989] junge, schire[990] Kirls,[991] de ein’ heit[992] Wulf[993]
-un was de Smid in den Dörp,[994] un de anner heit Kiwitt[995] un
-was de Möller.[996] De Smid was en Pfiffkopp[997] un verstunn[998]
-sinen Kram, de Möller was man düsig,[999] hadd äwer dat Geld. Na,
-mit de Tid[1000] gung in den Dörp dat Gered’: „„Vaddersch,[1001]
-hest all hürt?[1002] De Smid un de Möller gahn Beid’ nah den
-Schulten sin[1003] Fik un Marik,[1004] un sei seggen jo oll von de
-Hochtid tau Martini.““[1005] -- Un dat kamm ok so, sei frigten[1006]
-Beid’ tau Martini, un de oll Schult rüst’t ’ne Hochtid ut, de säd
-man: „Stah!“[1007] un wi jungen Lüd’ von den Hof wiren ok dortau
-beden,[1008] un ick weit dat noch as hüt,[1009] wo[1010] lustig dat
-hergung, denn uns’ Schriwer,[1011] Ludwig Brookmann, stülpt mi gegen
-Morgen ’ne Sleifkann[1012] vull Duwwelbir[1013] äwer den Kopp un säd,
-as ick falsch[1014] würd: dat süll jo man Spaß sin.
-
-Nah de Hochtid was dat denn nu Allens will un woll;[1015] äwer
-dat wohrt[1016] ok man ’ne Tid lang, dunn munkelt dat in ’t Dörp:
-„Vaddersch, hest all hürt? De Möllerfru sleiht[1017] ehren Mann.“ Un
-dat +was+ ok so. Eins Sünndagsnahmiddags kümmt de Möller tau den Smid,
-de sitt in ’n Kraug[1018] un spelt[1019] Solo, un de Möller seggt:
-„Na, wat +Di+ hüt Abend passirt, dat weit ick ok.“ -- „„Wo so?““[1020]
-fröggt de Smid un steiht up un geiht mit sinen Swager ’rut. -- „Na,“
-seggt de Möller, „verstell Di man nich! Wi Beiden hewwen uns schön
-vermeidt.“[1021] -- „„Wenn Du min Fru meinst,““ seggt de Smid, „„denn
-möt[1022] ick Di seggen, ick heww en gauden Meidsmann.““[1023] --
-„Ja,“ seggt de Möller, „wenn sei nich tau Hus is.“ -- „„Kumm[1024]
-mit!““ seggt de Smid. „„Ick heww gistern Swin’ slacht[1025], un Du
-weißt,[1026] min Fru mag girn Swartsur.[1027] Ick will Di den Bewis
-gewen.““[1028] -- Sei gahn nu also nah den Smid sinen Hus’, un as
-sei dorvör stahn, röppt[1029] de Smid: „„Fiken!““ -- Sin Fru kickt
-ut dat Finster un fröggt: „Wat sall ick?“ -- „„Fiken,““ seggt de
-Smid, „„nimm mal eins[1030] de grote Schöttel[1031] mit Swartsur un
-smit[1032] de mal eins[1033] hir nah de Strat ’rut.““ -- „Wat?“ fröggt
-sin Fru. -- „„Du sallst de Schöttel mit dat Swartsur nah de Strat
-’rute smiten.““ -- „Glik“![1033] seggt Fiken, un hest nich geseihn,
-fohrt[1034] de Schöttel äwer de halw’ Dör ’räwer as hüt Morrn[1035]
-de Kürznermeister. -- „„Recht so!““ seggt Smid Wulf. „„Un nu, Fiken,
-smit uns den Pott[1036] mit dat anner Swartsur ok man ’rut.““ Dat
-schüht[1037] denn nu ok, un de Smid seggt: „„Schön, Fiken! un lat Di de
-Tid[1038] nich lang warden, wenn ick hüt Abend lat[1039] tau Hus kam.““
-
-Dormit geiht hei mit den Möller nah den Kraug taurügg[1040] un
-fröggt em: „„Na? hest nu seihn?““ -- „Ja,“ seggt de Möller, „de is
-echt. Wo hest dit anfungen?“ -- „„Up ’ne ganz einfache Wis’,““[1041]
-seggt de Smid. -- „Hest s’ inspunnt?“[1042] -- „„Ne!““ -- „Hest s’
-schacht?“[1043] -- „„Ne, ok nich!““ -- „Na, wo hest ’t denn makt?“ --
-„„Dat will ick Di seggen,““ seggt de Smid. „„As wie noch Brutlüd’[1044]
-wiren, dunn lurt[1045] ick ehr dat af, von wecken[1046] Stück Tüg[1047]
-sei woll am meisten hollen ded,[1048] un dunn funn[1049] ick denn, dat
-dat en lütten, hübschen, roden siden Dauk[1050] was, un as sick mal
-de Gelegenheit gaww,[1051] dat wi Frühstück eten[1052] hadden, und de
-Disch en beten[1053] stark vull Gaus’smolt[1054] smert[1055] was, dunn
-wischt ick mit ehren schönen Dauk den Disch af. Na, nu kannst Du Di
-denn denken, wo sei up mi losfohren ded![1056] Ich äwer fot[1057] sei
-rundting[1058] üm un küßt sei un säd: „Fiken, Du hest mi jo! Wat is
-an so ’n Dauk gelegen? So ’n Dauk kriggst Du woll wedder; äwer Einen,
-de so vel von Di höllt[1059] as ick, so ’n findst[1060] Du mindag’
-nich.“[1061] -- Na, sei gaww[1062] sick denn nu ok, un as wi nah den
-Teterowschen[1063] Königschuß wiren, gewunn[1064] sei ’n Pott, en
-schönen Pott; un as sei sick so recht dortau freuen ded,[1065] dunn
-namm[1066] ick den Pott un spelt[1067] dor so verluren mit, un --
-baff! -- smet[1068] ick em up den Stein. Nu fung sei denn en beten an
-tau rohren;[1069] äwer ick küßt sei un säd: „Lat sin,[1070] Fiken, t’
-is beter,[1071] dat de Pott intwei follen[1072] is, as dat ick mi wat
-intwei follen heww, denn ick sall uns uns’ Lew’[1073] lang dat Brod
-verdeinen!“ Na, tauletzt brok[1074] ick ehr noch drei Tähnen[1075] ut
-den Kamm; dunn lacht sei äwer all un säd: „Mi sall doch wunnern, ob Du
-mi tau ’m Teterowschen Harwstmark[1076] en nigen[1077] wedder schenken
-deihst.“[1078] Na, dat geschach denn nu ok, un so is ’t denn nu ok
-blewen;[1079] sei is mit Allens taufreden.[1080] -- Äwer ick möt[1081]
-’rinne un möt minen Solo spelen.““
-
-De Smid gung also in de Stuw’ un spelt Solo, äwer nah ’ne halw’
-Stunn’ kamm de Kräuger[1082] ’rinne un säd: „Smid, kumm ’rut![1083]
-Möller Kiwitt steiht buten[1084] un süht schändlich ut.“ -- Smid
-Wulf geiht also ’rut, un dröppt[1085] denn nu ok sinen Swager mit en
-intweiiges[1086] Gesicht un en dickes Og’,[1087] un verfirt[1088]
-sick denn nich slicht[1089] un fröggt: „Swager Kiwitt, wat hest
-+nu+?“ „„Je, dat segg man mal!““ seggt de Möller, „„dat kümmt
-von Din verfluchtes Geschichten-Vertellen.““[1090] -- „Wo so?“ fröggt
-de Smid. -- „„Je, frag’ noch lang’!““ seggt de Möller. „„Ick hadd
-Din dämlich Geschicht gaud ’naug behollen,[1091] un denk so bi mi,
-wat bi de ein’ Swester hulpen[1092] hett, kann jo bi de anner ok
-helpen:[1093] probiren kannst du ’t jo wenigstens. Ick gah also nah
-Hus, un min Fru steiht vör ’n Speigel[1094] un makt sick de Hor[1095]
-tau de Hollännerfru[1096] ehren Kaffeklaatsch[1097] t’recht,[1098] un
-up den Disch liggt[1099] ehre beste Huw’,[1100] un ick segg tau mi:
-„dit trefft sick mal glücklich!“ un nem de Huw’ un denk bi mi: „wenn
-du sei nu in de Waschschöttel[1101] in dat smutzige Sepenwater[1102]
-stippst, denn kann sei gaud warden.“ Na, ick dauh[1103] dat, un sei
-süht jo woll min Anstalten in den Speigel, un ihre[1104] ick mi noch up
-wat prekawiren[1105] kann, fohrt[1106] sei mi in dat Gesicht herinne,
-un as ick segg: „Mariken, Du hest +mi+ jo, un ’ne Huw’ kriggst du
-sacht[1107] wedder!“ dunn röppt[1108] sei: „„Ja, ick +heww+ Di!
-Un för de Huw’ sallst Du Din richtig Deil[1109] ok krigen!““ -- „Un
-kik!“[1110] seggt de Möller un treckt[1111] sin Hand von dat dick Og’,
-„so hett sei mi tauricht’t,[1112] un dat üm Dine verdammte Geschicht.“
--- „„Du Dummbort!““[1113] seggt de Smid, „„heww ick Di nich seggt, ick
-hadd dit Stück +vör+ de Hochtid makt?[1114] Wat +vör+ de
-Hochtid helpt,[1115] helpt nich +nah+ de Hochtid.““
-
-„Un dat is de Geschicht, min Sähn,“ säd min Unkel Matthies un stunn
-up,[1116] „un wenn Du klauk[1117] büst, denn kannst Du Di jo dornah
-richten.“
-
-Ick stunn ok up un stellt mi an ’t Finster un let mi de Geschicht
-dörch den Kopp gahn un dreiht[1118] mi denn endlich üm un säd: „„’Ne
-dämliche Geschicht, Unkel! Du hest süs all betere[1119] Geschichten
-vertellt.““ -- „Ja,“ lacht de Oll, „wil ick Di süs de Nutzanwenning
-glik[1120] mit gaww, un hir sallst Du sei säuken.“[1121] -- „„Du
-wardst doch nich glöwen,““[1122] segg ick, „„dat ick min Brut ehr
-Huw’ in ’ne Waschschöttel stippen und mit ehren siden Dauk den Disch
-afwischen ward?““ -- „Du kannst ’t jo mal probiren,“ lachte de olle
-Spitzbauw’.[1123] -- „„Na,““ segg ick, „„dat fehlt mi noch, denn
-wir ick just bet an den Hacken.““[1124] -- De Oll[1125] grint[1126]
-nu ümmer so vör sick hen, un as ick so bi mi denk: oll Lüd’ sünd
-wunderlich, wenn ’t regent,[1127] führen[1128] s’ tau Heu, seggt hei:
-„Jung’, wo olt[1129] büst Du denn eigentlich?“ -- Von min Öller[1130]
-müggt[1131] ick nu in min Brüjamstid[1132] nich recht wat hüren,[1133]
-un ick denk bi mi: Haha! fangst du all wedder mit den Peper[1134] an?
-un ick frag’: „Worüm meinst Du?“ -- „„Oh,““ seggt hei, „„ick mein’
-man.““ -- „Denn lat[1135] Di seggen,“ segg ick etwas scharp,[1136]
-„ick bün den letzten säbenten[1137] November ein un virtig Johr
-west.[1138]“ -- „„Also,““ seggt hei, „„dörch de Virtigen büst Du
-dörch?““ -- „Ja,“ segg ick, „is Di dat villicht nich tau Paß?“ -- „„För
-minentwegen!““ seggt hei. „„Mi föllt dorbi man dat Sprückwurt in: wer
-in de Twintigen[1139] nich schön is, in de Dörtigen[1140] nich stark,
-in de Virtigen nich klauk[1141] un in de Föftigen[1142] nich rik,[1143]
-de kann ’t man sin laten,[1144] ut den ward nicks. Un Du schinst[1145]
-mi in de Virtigen noch nich klauk tau sin.““ -- „Unkel Matthies,“ säd
-ick un richt’t mi stur in Enn’,[1146] „wer mi för dumm köfft,[1147]
-de ward bedragen;“[1148] un dorbi[1149] müßt ick woll man en sihr
-dämlich Gesicht maken, denn min Unkel lacht un säd: „„Un kannst bi
-Alledem för Di kein Nutzanwenning ut de Geschicht finnen! Jung’, dat is
-jo man en Glikniß:[1150] Wat de Smid mit den Dauk un den Pott un den
-Kamm upführt[1151] hett, dat paßt sick nich för Di; dat weit ick woll.
-Du möst natürlich wat Anners anstellen. Tau ’m Exempel: trugst[1152]
-Du Di woll tau, in Dinen Öller[1153] noch +vör+ de Hochtid en
-Stückerner drei[1154] schöne dumme Streich uptauführen?““ -- „Dumme
-Streich?“ frag ick. -- „„Dumme Streich!““ seggt min Unkel, un ick gah
-nu in de Stuw’ up un dal un äwerlegg[1155] mi de Sak un dreih[1156]
-mi endlich üm un segg: „Ja; ick glöw’,[1157] Unkel, ick krig’ in
-aller Geswindigkeit noch en por taurecht.“ -- „„Denn mak sei,““[1158]
-seggt min Unkel. -- „Un Du meinst, ick ward dordörch Herr in den
-Hus’ bliwen?“ -- „„Min Sähn, ick glöw’ dat. -- Dumme Streich -- nich
-slichte![1159] -- Süh, wenn sei denn an tau schellen[1160] fangt, denn
-fall ehr üm den Hals un küß sei recht düchtig un segg: Lat man sin, lat
-man sin! Seih äwer[1161] de Geschichten weg, seih leiwer[1162] up min
-Hart,[1163] dat hürt[1164] Di un sleiht[1165] för Di von nu bet[1166]
-in alle Ewigkeit. -- Un denn Jung’,““ sett’t hei hentau,[1167] „„denn
-kannst Du jo ok noch den Fautfall anbringen -- denn Du magst seggen,
-wat Du willst -- de hürt nu einmal dortau.““
-
-Ick äwerläd[1168] mi de Sak nu hen un her un säd denn endlich tau mi:
-„Hei ’s din Mutter-Brauder un sallst em dorin tau Willen sin un sallst
-en por maken! un ick makt sei ok richtig.
-
-Ick künn nu hir de Geschichten vertellen, de ick anstellt[1169] heww,
-ward mi äwer woll häuden.[1170] Dat Unglück künn sinen Gang gahn,
-un de Vertellung[1171] künn in mine Fru ehr Hänn’[1172] fallen un
-sei künn mäglich[1173] marken,[1174] dat all dese Stückschen[1175]
-afkortet[1176] west sünd, un dat sei in ehre Gaudheit anführt worden
-is, un sei künn seggen: „Holt![1177] dit Spill[1178] gelt[1179]
-nich; Du hest mit Fisematenten spelt.[1180] +Ick+ will mal de
-Korten[1181] mischen. -- So! de Vörhand heww ick, un nu man ’rut!
-Bedein’[1182] mi desen un bedein’ mi jennen! Un nu will wi mal seihn,
-ob Du ut den Ganten büst?“[1183]
-
-Äwer männigmal,[1184] wenn sei nu so as min Fru still un flitig[1185]
-üm mi herümme geiht un för mi allerwegen sorgt un mi in ehre
-Fründlichkeit nahgiwwt,[1186] denn denk ick doch so bi mi: „Schäm’
-di, dat du mit Hinnerlistigkeit tau Wark gahn[1187] büst!“ un ick säd
-nilich[1188] tau minen Unkel: „Weißt wat? Ick vertell ehr, wo ’t[1189]
-mit de dummen Streich vör de Hochtid tausamen[1190] hängt.“ -- „„Plagt
-hei Di?“““ fröggt min Unkel. „„Jede rechtschaff’ne Kirl möt af un an
-en gauden dummen Streich un en gauden Witz maken; äwer hei darw sei
-nich sülwst wider vertellen, denn denn[1191] verliren sei all’ beid’
-ehre Kraft. Ji lewt jo[1192] glücklich, dormit wes taufreden.““[1193]
--- „Je,“ segg ick, „dat seggst Du; äwer mi is männigmal so tau
-Maud’,[1194] as wenn wi noch glücklicher lewen künnen, wenn +sei+
-dat Regiment hadd.“ -- „„Min Sähn,““ säd min oll Unkel Matthies un
-läd[1195] mi de Hand up de Schuller,[1196] „„all dat Glück, wat up
-dese Ird[1197] mäglich is, föllt meindag nich in +eine+ Hand
-herinne, begnäug’[1198] Di mit dat, wat Du hest. Un wat den Ehstand
-anbedrapen deiht,[1199] hest Du den ollen Jochen Smitten[1200] noch
-kennt? Den ollen Jochen Smitt mein ick, de mit sine olle Fru achtig
-Johr olt[1201] würd, un nahsten[1202] mit ehr tausamen an +einen+
-schönen Sommer-Sünndagmorrn begrawen würd. Na, de säd mal tau mi --
-denn ick sülwst verstah nicks von de Sak -- „Herr Wachtmeister,“ säd
-hei, de Ehstand is as en Appelbom,[1203] dor sitt Einer in[1204] un
-plückt un plückt; äwer de schönsten un rodsten Appel[1205] sitten in de
-Spitz, dor langt Keiner ’ranne, denn dor is de Natur tau kort[1206]
-tau. Wenn nu Einer unverstännig is, un mit Gewalt de Appel krigen will,
-denn halt[1207] hei sick en Staken[1208] un hau’t de schönen Appel
-’run, äwer ok taunicht,[1209] un hau’t de Telgen[1210] dorbi af, woran
-de besten Dragknuppen[1211] för de Taukunft sitten; de vernünftig Mann
-lett[1212] sei ruhig sitten un täuwt[1213] bet up den Spätharwst,[1214]
-denn[1215] fallen sei em von sülwst in den Schot,[1216] un denn smecken
-sei vel säuter.“[1217] -- Un dorüm Jung’,““ sett’t[1218] min oll Unkel
-hentau[1219] un sin oll irnstfast Gesicht sach ok gor tau truhartig
-ut,[1220] „„kläter[1221] Din roden Appel nich vör de Tid[1222] von den
-Bom, und täuw’ bet tau ’m Spätharwst -- Din wohrt[1223] jo nich lang’
-mihr -- un wenn Du Din Fru den letzten schönen Appel bringst, denn
-vertell[1224] ehr ok de Geschicht von Din’ dummen Streich +vör+ de
-Hochtid, denn sallst Du seihn, denn freut sei sick doräwer.““
-
-[Illustration]
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-
-
-
- Albert Roderich:
-
- Nemesis.
-
-
-
-
-Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers abgedruckt aus seinem Buche
-„Die glückliche Ehe und andere Humoresken“ (Berlin: H. Conitzers
-Verlag).
-
-
-
-
-Nemesis.
-
-
-Wie liebenswürdig im besten Sinne des Wortes war meine verehrte
-Freundin, die verwitwete Frau Professor Mentow, gegen uns Gäste gerade
-heute gewesen, wie viele hübsche und menschenfreundliche Worte waren
-da in unserer kleinen Gesellschaft hin und her geworfen worden, und
-wie war der Rotwein doch excellent! Was ist das beste bei einem guten
-Mittagessen? Die Cigarre nachher, behaupte ich, und deshalb hatte ich
-mich in den stillsten Winkel eines kleinen Nebenzimmers zurückgezogen
-und blies in jener behaglichen Stimmung des halb ruhenden Körpers und
-des halb erregten Geistes künstlerisch vollendete Rauchringe in die
-Luft.
-
-Ich richtete mich, halb unwillkürlich, schnell aus meiner etwas sehr
-bequemen Lage auf, als die Dame des Hauses plötzlich und unerwartet vor
-mir stand.
-
-„Sie sind heute so pessimistisch, so ernsthaft -- Sie, der Philosoph
-des lebenslustigen Humors -- hat Ihnen vielleicht Ihr Leibgericht, der
-Apfelkuchen, nicht geschmeckt?“
-
-„Verehrte Frau, wenn Sie doch einmal in die geheimsten Tiefen meines
-Gemütes eingedrungen sind, so will ich Ihnen gestehen -- ich habe
-überhaupt gar nichts von dem Apfelkuchen gegessen!“
-
-„Nicht möglich, Sie sind krank!“
-
-„Nein, der Kuchen war an mir vorübergegangen, ehe ich ihn überhaupt
-gewahrt hatte. Aber, das wundert mich nicht. Heute ist kein guter Tag
-für mich. Fräulein Emma von Kanten ist ja hier, und sie hat sogar bei
-Tische neben mir gesessen. Das kann nimmer gut gehen.“
-
-„Sie hat wohl wegen Ihres letzten Feuilletons über die
-Frauenemancipation mit Ihnen gezankt?“
-
-„Fräulein von Kanten zankt nicht mit mir, denn sie haßt mich.“
-
-„Ah wirklich?! Und ich glaubte doch, einmal gehört zu haben, daß Sie
-vor Jahren zu dem Fräulein in recht -- angenehmen Beziehungen gestanden
-haben.“
-
-Ich wußte, daß meine sonst so diskrete Freundin viel mehr aus Teilnahme
-für mich als aus Neugier diese Bemerkung machte und entgegnete deshalb:
-
-„Verehrte Frau, Sie sind wie immer gut unterrichtet, und wenn Sie
-wollen, erzähle ich Ihnen gern die Geschichte meiner -- angenehmen
-Beziehungen zu Fräulein von Kanten; sichere ich mir dadurch doch auch
-vielleicht die Teilnahme Ihrer Freundesseele an meinem Geschick, wenn
-es heute über mich hereinbricht.“
-
-„In der Tat, Sie machen mich begierig.“
-
-„Also vor beinahe nun zwanzig Jahren lernte ich Fräulein von Kanten
-kennen. Sie war geistreich, hübsch, aus sehr angesehener Familie, und
-ich war ein wohlgestalteter Jüngling, der noch zu etwas mehr als zu den
-landesüblichen schönsten Hoffnungen zu berechtigen schien. Ich gründete
-gerade damals mit einem Teile des sehr beträchtlichen Vermögens meines
-Vaters die große Zeitung, an deren Spitze ich noch heute stehe. Das
-Fräulein und ich sahen einander fast täglich in einer befreundeten
-Familie, wir plauderten, scherzten, lachten, faßten Neigung zueinander
-und wußten bald, daß eine lebenslänglich wirkende Erklärung unmittelbar
-bevorstände. Ich weiß, jeder von uns wußte, daß auch der andere das
-wisse. So weit waren wir schon. Da eines Tages erschien Fräulein Emma
-in einer kleinen Gesellschaft mit einer Brustschleife von -- meiner
-allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach -- so sonderbarer Form und
-Farbenzusammenstellung, daß ich eine spottende Bemerkung darüber nicht
-unterdrücken konnte. Darob aber ward das Fräulein sichtlich ungehalten
-und behandelte mich den ganzen Abend mit stark herabgestimmter
-Freundlichkeit. Das trieb mich zum Nachdenken, und ich sagte mir: wen
-ein tadelnder Scherz so empört, der ist auch im Ernste zu tadeln.
-Ich habe nur ihre Schleife gering geschätzt, dafür glaubte sie mich
-selber gering schätzen zu dürfen. Sieh dich vor, junger Mann! Und ich
-beschloß, das Fräulein noch vor dem entscheidenden Worte auf eine
-größere Probe zu stellen.
-
-„Wenige Tage später wollte ich die junge Dame zu einem Spaziergange
-abholen. Auf dem Tische ihres Zimmers lag ein allerliebster
-heller Frühlingshut, den Fräulein Emma eben zum ersten Male den
-Straßenpassanten vor die Augen führen wollte. Nicht weit davon stand
-eine geöffnete Flasche Wein. Meine Gedanken sprangen zu einem schnellen
-Entschluß zusammen. Ich goß mit geschickter Ungeschicklichkeit die
-Flasche Rotwein über den neuen hellen Frühlingshut.
-
-Die Wirkung war eine betrübende, niederschlagende. Das Fräulein
-verfiel nach einem Momente des stieren Entsetzens in recht unangenehme
-Zornesausrufungen und Vorwürfe; sie stampfte sogar mit dem sonst so
-zierlichen Fuße heftig auf, und -- mit einem Worte, sie ward in dem
-Augenblicke mehr als häßlich und geistlos -- sie ward unliebenswürdig.
-So weit nun glaube ich nach gangbar menschlichen Begriffen korrekt,
-zum mindesten verzeihlich, gehandelt zu haben. Oder sind Sie anderer
-Meinung, verehrte Freundin?“
-
-„Nach den gangbar menschlichen Begriffen haben Sie vielleicht
-verzeihlich gehandelt -- nach den gangbar weiblichen wohl kaum.“
-
-„Nun einerlei -- in der Fortsetzung meines Tuns beging ich die
-tragische Schuld, die mich sicher im fünften Akt zerschmettern wird.
-Ich sagte dem Fräulein in der Erregung des Disputes: „Ich habe den
-Wein absichtlich über den Hut gegossen, um deinen Charakter kennen
-zu lernen! Ich habe ihn kennen gelernt!“ Da wuchsen plötzlich an die
-kleinen Schlangen des Ärgers und der Zanklust, die bisher aus den Augen
-des Mädchens züngelten, die Furienhäupter der Wut und des Zornes, und
--- o, all ihr Männer, die ihr freien wollt -- erst prüfet, wodurch das
-Weib eurer Wahl zornig gemacht wird, und wie es sich gebärdet im Zorne!
-
-„Ich eilte von dannen, und am nächsten Tage reiste Fräulein Emma
-von Kanten auf längere Zeit zu auswärtigen Verwandten. Es sind nun
-fast zwanzig Jahre seitdem vergangen, und ich habe das Fräulein seit
-der Zeit in langen Zwischenräumen einige Male in Gesellschaften
-getroffen, und jedesmal, wenn ich sie getroffen, ist mir zur selbigen
-Stunde irgend etwas Fürchterliches zugestoßen. Das eine Mal habe ich
-einer Dame die Schleppe abgetreten, das zweite Mal bin ich in einem
-wohlpräparierten Toaste stecken geblieben, das dritte Mal -- ach,
-einerlei, wenn ich jene Dame sehe, ist mir wie dem Seefahrer, der das
-Geisterschiff des fliegenden Holländers schaut -- er weiß, ihm steht
-ein Unheil bevor. Und heute hat sie gar neben mir gesessen -- weh’ mir,
-was wird mir heute noch geschehen!“
-
-Frau Professor Mentow lachte.
-
-„Lieber Freund, Sie werden da von einer ganz gerechten, humoristischen
-Nemesis verfolgt. Sie haben es wahrscheinlich durch Ihren ernsthaften
-Scherz verschuldet, daß jene Jungfrau im Zorne zur alten Jungfer
-geworden ist, die jetzt für Frauen+rechte+ kämpft, weil ihr
-+das+ Frauen+recht+ versagt ist.“
-
-„Ja, auch bei Tische hat sie fast ausschließlich von den Rechten der
-modernen Frau gesprochen, aber ich glaube, sie kämpft nicht -- sie
-streitet nur dafür.“
-
-„In der Tat, lieber Freund --“
-
-Die Frau Professorin kam nicht weiter in diesem Satze, denn die Tür
-ward geöffnet, und einer meiner Mitgäste rief, uns gewahrend, herein:
-„O, hier sind Sie versteckt, und drinnen streitet man sich um Sie oder
-über Sie -- und dann entführen Sie uns auch noch unsere liebenswürdige
-Frau Wirtin!“
-
-Wir erhoben uns schnell und traten in den Salon. Die kleine
-Gesellschaft saß in lebhafter Unterhaltung beim Kaffee. Frau Emerich,
-die intime Freundin des Fräuleins von Kanten, rief mir zu, sobald sie
-meiner ansichtig ward: „Ah, da ist ja der Lästerer -- vielleicht hat er
-die Gewogenheit, uns einen Kommentar zu seinen rätselhaften Äußerungen
-über die Frauenfrage zu geben.“
-
-Ich nahm mich tüchtig zusammen, setzte mich mit gewaltsam erzwungener
-Ruhe in einen Schaukelstuhl und sagte mit vermeintlicher Gelassenheit:
-
-„Gnädige Frau, ich glaube, Sie haben hier in diesem Augenblicke gar
-keine Frauenfrage, sondern eine Männerfrage behandelt.“
-
-„Wie?! was ist das?!“
-
-„Ja, ich glaube, die hier gemeinte Frauenfrage hat einige Ähnlichkeit
-mit der sozialdemokratischen: der Sozialdemokrat hört auf, es zu sein,
-wenn er Rentier geworden ist, und die meisten Mädchen halten die
-Frauenfrage für gelöst, wenn sie Gattin geworden sind. Es ist also eine
-Männerfrage.“
-
-Fräulein Emma von Kanten warf mir einen vergifteten Blick herüber und
-sagte mit scharfer Betonung:
-
-„O, mein Herr, wir haben hier bis jetzt ganz ernsthaft debattiert, und
-zwar über die Ansichten, die Sie selber in Ihrem Feuilleton über die
-Frauen öffentlich geäußert haben. Wenn Sie es jetzt für nötig halten,
-Ihre vielleicht etwas bleichwangige Argumentation mit der Schminke
-eines beschönigenden Scherzes zu beleben, so sage ich Ihnen im Tone der
-tiefsten Überzeugung: die Frau ist dem Manne ebenbürtig. Sie soll nicht
-seine Sklavin sein, sie ist berufen, mitzuwirken für die höchsten Ziele
-der Menschheit!“
-
-„O, mein Fräulein, wenn Sie Recht hätten -- wie Unrecht hätten Sie!
-Sie wollen dem Manne ebenbürtig sein und keine Sklavin! Wir Männer
-sind aber selbst Sklaven -- Sklaven der Arbeit, der Verhältnisse, des
-Erfolges -- Sklaven des Ehrgeizes, der Wissenschaft -- und, da Sie
-uns ebenbürtig sein wollen -- ist es denn ein gar so verächtlicher
-Sklavendienst, wenn Sie all Ihre unzähligen Liebenswürdigkeiten und
-Reize in einem blumendurchwirkten Fächer zusammenhalten, um dem
-ermüdeten Mitsklaven die lästigen Insekten der Sorgen und Mühen
-fortzufächeln?“
-
-„Das heißt,“ rief jetzt die älteste der Anwesenden, „das heißt in
-gewöhnlichen Worten: wir sollen Köchinnen, Kinderwärterinnen und
-Krankenpflegerinnen werden. Und unser Herz, unser Geist, unsere
-Ideale?!“
-
-„Gnädige Frau, war es nicht einst Ihr höchstes Ideal, den Mann mit
-Ihrer Liebe beglücken zu dürfen? Und ist es nicht jetzt Ihr höchstes
-Ideal, Ihre einzige Tochter recht, recht glücklich verheiratet zu
-sehen?“
-
-„Allerdings!“
-
-„Also, verehrte Frau, es ist jetzt Ihr höchstes Ideal --
-Schwiegermutter zu werden! Ja, glauben Sie es einem erfahrenen
-Idealisten -- unsere irdischen Ideale sind veränderlich wie alles
-Irdische. Nenne mir deine Ideale, und ich will dir sagen, wie alt du
-bist.“
-
-„O, er will uns auf den Flügeln seiner Phrasen entfliehen,“ rief
-jetzt Fräulein von Kanten, „haben Sie uns denn nicht in Ihrem
-Zeitungsartikel die Ebenbürtigkeit unseres Geistes abgestritten?
-Haben Sie nicht die Behauptung aufgestellt, es gebe keine klassische
-Dichterin, und wenn es eine -- zwei -- zehn gäbe -- das wäre nichts
-gegen „die überwältigende Majorität der Geistesfürsten aus dem
-Männergeschlechte“, wie Sie sich auszudrücken beliebten.“
-
-„O,“ fuhr Frau Emerich zornig fort, „und was er von den Erfindungen
-sagt! Wie boshaft! Daß die Frauen das Pulver nicht erfunden haben oder
-das Dynamit, das findet er natürlich -- aber wir hätten doch wenigstens
-die Nähmaschine erfinden können! -- Abscheulich!“
-
-„Geehrte Frau,“ entgegnete ich, „die meisten Wahrheiten sind
-abscheulich!“
-
-„Gut,“ rief jetzt Frau Emerich in recht erregtem Tone, „wenn Sie denn
-doch der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen wollen -- ich kann Ihnen
-jetzt die Gelegenheit dazu geben. Ich habe Gedichte von einer jungen
-Dame bei mir, für die ich eine ruhmvolle Zukunft voraussehe. Wollen Sie
-in Ihrer Wahrheitsliebe die junge Dame durch Ihre einflußreiche Zeitung
-in die Öffentlichkeit einführen, wenn Sie die Dichterin nach Ihrer
-besten Überzeugung dessen würdig erachten?“
-
-„Das will ich,“ entgegnete ich bestimmt. Frau Emerich zog eine
-zierliche Ledertasche hervor und nahm aus dieser einige Papiere, die
-sie mir hinreichte.
-
-„Bitte, lesen Sie.“ -- Und ich las einige offenbar von Damenhand
-geschriebene Verse über höchst abgenutzte Gegenstände in höchst
-gewöhnlicher Form und höchst unbedeutenden Worten. Die unvermeidlichen
-„Sonne und Wonne“ und „Liebe und Triebe“ waren auch vorhanden, und
-einmal war in strafwürdigster Dichter-Rohheit „Freude“ auf „heute“
-gereimt.
-
-Ich gab das Manuskript zurück und sagte: „Geehrte Frau, ich bedaure,
-Ihnen sagen zu müssen, daß nach diesen Proben und meiner Überzeugung
-die junge Dichterin als solche durchaus keine Zukunft zu erwarten haben
-wird.“
-
-„Ah, und womit wollen Sie dies harte Urteil begründen?“
-
-„Wenn jemand in seinem achtzehnten Jahre schlechte Verse macht -- nun,
-der kann vielleicht im dreißigsten Jahre noch gute Verse machen -- wer
-aber im achtzehnten Jahre Verse wie diese von so unaussprechlicher
-Geringwertigkeit macht -- der macht sie im höchsten Alter noch ebenso
-nichtsnutzig. Wollen Sie übrigens meinem Urteil allein nicht trauen, so
-lese ich mit Ihrer gütigen Erlaubnis ein paar Verse vor.“
-
-Und ich las mit gütiger Erlaubnis der Freundin des Fräulein Emma von
-Kanten ein paar Verse vor, und sämtliche Anwesende vereinten sich mit
-mir in der Ansicht, daß niemals unbedeutendere Worte zu überflüssigeren
-Versen verarbeitet worden wären. Selbst Fräulein von Kanten betonte
-besonders scharf, daß sie mir in diesem Falle Recht geben müsse; die
-Gedichte wären doch zu ungewöhnlich gewöhnlich. -- Mir ward etwas
-unbehaglich zu Mute, als meine Exfreundin sich so kampflustig an meine
-Seite stellte.
-
-„Also, meine Herrschaften,“ ergriff nun mit erhobener Stimme Frau
-Emerich das Wort, „dieser Mann, der selber so hoch steht in der Meinung
-der literarischen Welt, und der so verächtlich von unserem Frauengeiste
-spricht -- er behauptet, daß das Weib, welches diese Verse gemacht,
-kein Dichter sei und es nie werden könne?!“
-
-„Das behaupte ich.“
-
-„Nun denn -- das Weib, welches diese Verse gedichtet hat -- ist --
-dieser Mann!“
-
-Frau Emerich hatte sich bei diesen Worten hoch aufgerichtet und
-streckte ihren Arm gegen mich aus, als wollte sie mich auch körperlich
-zu Boden schlagen. Das unheimliche Gefühl, das mich bei der Rede
-der Dame befallen hatte, steigerte sich um ein Bedeutendes, als
-jetzt Fräulein Emma von Kanten ebenfalls ein Papier hervorzog, mir
-dasselbe dicht unter die Augen hielt und ausrief: „Kennen Sie diese
-Handschrift?“
-
-Ich las dieselben nichtigen Verse von vorhin auf stark vergilbtem
-Papier in mir unheimlich bekannt scheinenden Schriftzügen.
-
-„Diese Verse,“ wandte sich nun Fräulein von Kanten an die hocherstaunte
-Gesellschaft, „diese Verse, welche die Tochter meiner Freundin kopiert
-hat, diese Verse von „so unaussprechlicher Geringwertigkeit“ -- hat vor
-ungefähr 20 Jahren unser großer Kritiker selbst gedichtet. Ich weiß es
-ganz genau, denn ich kenne die Dame, der er diese -- hoffnungslosen
-Verse gewidmet hat!“
-
-Da war sie wieder, die Nemesis -- die erbarmungslose Nemesis!
-
-Ich war ein wenig in den Schaukelstuhl zurückgesunken -- ich schlug die
-Augen nieder vor all den lachenden Mienen und spöttischen Blicken. Nur
-auf dem Antlitz meiner liebenswürdigen Wirtin sah ich stilles Mitleid.
-
-Endlich erhob ich mich -- ein wenig langsam -- ein wenig unbeholfen und
-sagte mit etwas unsicherer Stimme:
-
-„Meine Damen und Herren -- ich bekenne es -- ich bin geschlagen,
-besiegt -- von einer Dame besiegt, der ich allerdings vielleicht
-eine Buße schuldig war -- nun, ich werde die Geschichte meiner Buße
-veröffentlichen.“
-
-„Die ganze Geschichte?!“ fragte Fräulein von Kanten, und ihr
-überlegenes Lächeln verschwand unter einer leichten Falte der Besorgnis.
-
-„Die +ganze+ Geschichte, mein verehrtes Fräulein! Und wenn es die
-übrigen Herrschaften interessiert, so kann ich Ihnen den Namen der Dame
-gleich jetzt mitteilen.“
-
-„Oh, ganz sicher interessiert uns das!“ rief Frau Emerich. Ich sah
-meine Feindin erbleichen, und Frau Professor Mentow warf mir einen
-zürnenden Blick zu.
-
-Ich tat einige Augenblicke, als ob ich noch nicht entschlossen sei,
-mein Geheimnis preiszugeben.
-
-„Ach bah,“ rief ich dann, „was sollte mich verhindern?! Also, verehrte
-Anwesende, die Dame von der ich sprach, heißt -- Fräulein -- Sophie
-Rose!“
-
-Man war etwas enttäuscht. Man kannte natürlich diese Dame nicht.
-
-Fräulein von Kanten atmete leise auf, und Frau Professor Mentow
-lächelte mir freundlich zu. Ich fuhr fort:
-
-„Wenn auch sonst niemand von Ihnen, meine Herrschaften, Fräulein Sophie
-Rose kennt, so kennt Fräulein von Kanten sie sicherlich. Fräulein
-Sophie Rose hat ja dieser Dame meine armen Verse verraten, und ich
-richte jetzt an Fräulein von Kanten die höfliche Frage: Wo ist Fräulein
-Sophie Rose zu finden?“
-
-Fräulein von Kanten antwortete mit anerkennenswerter Geistesgegenwart:
-
-„Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen. Sie sind augenscheinlich im
-Begriffe, meine Freundin zu kompromittieren.“
-
-„Das könnten Sie leicht verhindern, gnädiges Fräulein, wenn Sie eine
-Vermittlerrolle zwischen der Dame und mir spielen wollen.“
-
-„Ah, wenn Sie im Ernste sprechen -- --.“
-
-„Mein Ehrenwort, ich spreche im Ernste; wenn ich der frohen Stunden
-gedenke, die ich einst gemeinsam mit -- jener Dame verlebt, so
-überkommt mich wieder das Gefühl einer warmen Freundschaft.“
-
-„Ah, wirklich?! Ich werde das meiner Freundin getreulich berichten. Und
-ich darf ihr sagen, daß Sie ihr wegen dieses wohl etwas indiskreten
-Scherzes mit Ihren -- Jugendversen nicht grollen?“
-
-„Ich würde gewiß nicht weiter daran denken, wenn ich hoffen dürfte, daß
-meine ehemalige Freundin auch die Geschichte von dem -- Frühlingshut
-vergessen könnte.“
-
-„Dafür stehe ich Ihnen! Der +Frühlings+hut! Ach, mein Herr, +wir
-sind ja jetzt im Herbste+!“
-
-Ich reichte meiner neuen alten Freundin die Hand, und wir blickten
-einander zum ersten Male wieder frei in die Augen.
-
-Bald darauf ging unsere Gesellschaft auseinander.
-
-Meine liebenswürdige Wirtin hielt mich noch einen Augenblick zurück und
-sagte lächelnd:
-
-„Nun, lieber Freund, heute haben Sie Ihre alte Sünde zu Ende gebüßt --
-jetzt wird es doch wohl aus sein mit der Nemesis.“
-
-„Ich hoffe es! -- Hm -- übrigens, verehrte Frau, könnten wir vielleicht
-jetzt gleich einen Versuch anstellen -- --“
-
-„Wie das?“
-
-„Hm -- vorhin bei Tische hat mich diese Nemesis nicht zum Essen kommen
-lassen -- haben Sie vielleicht noch ein Stück Apfelkuchen?“ --
-
-
-
-
-Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung.
-
-
-[Illustration: F 1506 d XII 11:100.000]
-
-Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß
-aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden
-Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des
-deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher der
-schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt
-sie alljährlich an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken
-sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher.
-Bis Ende 1911 wurden 442.338 Bücher im Werte von Mk. 522.179.28 an
-Volksbibliotheken verteilt.
-
-Die Auflage der von der Stiftung herausgegebenen Sammlungen
-„Hausbücherei“ und „Volksbücher“ betrug bis Ende 1911:
-
-=über 1½ Millionen Exemplare.=
-
-Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des
-Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen
-Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich
-übersandt.
-
-Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. +Für
-Beiträge von 2 Mk+. an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines
-Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“ oder „Volksbücher“ Gegenleistung.
-
-
-Gute billige Bücher
-
-(zum Teil künstlerisch illustriert, für die Jugend besonders geeignete
-Bücher sind mit * versehen).
-
-Bisher sind erschienen:
-
-
-Hausbücherei
-
-(gebunden, jeder Band in sich abgeschlossen 1 Mark, Vorzugspreis für 11
-Bände -- beliebig gemischt -- nur 10 Mark)
-
-* Bd. 1. +Heinrich von Kleist:+ =Michael Kohlhaas.= Mit Bild Kleists.
-7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung von Dr. Ernst Schultze.
-11.-20. _Taus._
-
-* Bd. 2. +Goethe:+ =Götz von Berlichingen.= Mit Bild =Goethes=.
-Einleitung v. Dr. W. Bode. 11.-15. _Taus._
-
-* Bd. 3. =Deutsche Humoristen Band 1:= Ausgew. humor. Erzählungen v. P.
-Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. 46.-55. _Taus._
-
-Bd. 4. =Deutsche Humoristen Band 2:= Cl. Brentano, E. Th. A. Hoffmann,
-H. Zschokke. 26.-35. _Taus._
-
-Bd. 5. =Deutsche Humoristen Band 3:= Hans Hoffmann, Otto Ernst, Max
-Eyth, Helene Böhlau. 36.-45. _T._
-
-Bd. 6/7. =Balladenbuch Band 1:= Neuere Dichter. 21.30. _T._
-
-Bd. 8. +Herm. Kurz:+ =Der Weihnachtsfund.= Eine Volkserzählung. Mit
-Bild Kurz’. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. 11.-15. _Taus._
-
-Bd. 9. =Novellenbuch Band 1:= C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, Fr.
-Spielhagen, Detl. v. Liliencron. 26.-35. _Taus._
-
-Bd. 10. =Dorfgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 2): E. Wichert, H.
-Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. 16.-25. _T._
-
-Bd. 11. +Schiller:+ =Philosophische Gedichte.= Ausgew. u. eingel. v.
-Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers 6.-10. _T._
-
-Bd. 12/13. +Schiller:+ =Briefe.= Ausgew. und eingel. von Prof. E.
-Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände in 1 Bande. 6.-10. _Taus._
-
-Bd. 14. =Geschichten aus deutscher Vorzeit= (+Novellenbuch+ Band 3): A.
-Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. 11.-20. _Taus._
-
-* Bd. 15. =Seegeschichten= (+Novellenbuch+ Band 4): Joachim Nettelbeck,
-W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs. Wilda. 21.-30.
-_Taus._
-
-Bd. 16. =Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes.= Herausgeg. u.
-eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. Mit Bild u. Silhouette Mörikes.
-11.-20. _Taus._
-
-Bd. 17. =Heine-Buch.= Eine Auswahl aus Heinrich Heines Dichtungen.
-Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines. 6.-10.
-_Taus._
-
-Bd. 18/19. =Goethes ausgewählte Briefe.= Herausgeg. u. eingel. v. Dr.
-Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. 11.-15. _Taus._
-
-* Bd. 20/21. =Deutsches Weihnachtsbuch.= Eine Sammlung der schönsten und
-beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. 21.-30. _Taus._
-
-Bd. 22. =Frauennovellen= (+Novellenbuch+ Band 5): Cl. Viebig, L. v.
-Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. 21.-30. _Taus._
-
-Bd. 23. =Kindheitsgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 6): A.
-Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A.
-Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. 11.-20. _Taus._
-
-* Bd. 24. =Kriegsgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 7): Carl Beyer, H.
-v. Keist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane
-11.-20. _Taus._
-
-* Bd. 25/26. =Balladenbuch Band 2:= Ältere Dichter. 6.-10. _T._
-
-* Bd. 27. +Karl Immermann:+ =Preußische Jugend zur Zeit Napoleons.=
-Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild
-Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. 11.-20. _Taus._
-
-Bd. 28. =Martin Luther als deutscher Klassiker=, nebst einer Einführung
-von _Dr._ Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 11.-20. _Taus._
-
-Bd. 29/30. =Deutsche Humoristen Band 4/5.= (Humoristische Gedichte.)
-11.-20. _Taus._
-
-Bd. 31. =Deutsche Humoristen Band 6=: E. Th. A. Hoffmann, B. v. Arnim,
-Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw. Thoma. 11.-20.
-_Taus._
-
-* Bd. 32. +Max Eyth+: =Geld und Erfahrung= (humoristische Erzählung).
-Mit Original-Illustrationen von Th. Herrmann und Einleitung von Dr. E.
-Müller-Rastatt, Hamburg. 6.-10. _Taus._
-
-* Bd. 33. +Ludwig Uhland+: =Ausgewählte Balladen und Romanzen.= Mit
-Illustrationen von H. Schroedter, Karlsruhe. 6.-10. _Taus._
-
-Bd. 34. +J. J. David+: =Mährische Dorfgeschichten.= Ruzena Capek.
-Cyrill Wallenta. Mit Einleitung von A. v. Weilen und Bild Davids.
-6.-10. _Taus._
-
-* Bd. 35. +Ludwig Finckh+: =Rapunzel.= Mit Bild L. Finckhs und
-Einleitung von M. Lang. 11.-20. _Taus._
-
-Bd. 36. +Grethe Auer+: =Marraksch.= (6 Jahre in Marokko.) Mit Bild Gr.
-Auers u. Einl. von _Dr._ H. Bloesch. 6.-10. _T._
-
-Bd. 37. +Ernst Wichert+: =Die Schwestern.= Illustriert.
-
-Bd. 38. =Musikergeschichten=: K. Söhle, R. H. Bartsch, W. Schmidtbonn,
-E. v. Wolzogen.
-
-Bd. 39. +Emil Ertl+: =Der Salto mortale und andere Geschichten.=
-Illustriert.
-
-
-Vorzugsausgaben
-
-+in prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum Preise von
-je 4 Mark+ hergestellt von:
-
- Bd. 6/7 (rot, Ganzleder)
- Bd. 12/13 (grün, Ganzleder)
- Bd. 18/19 (grau, Ganzleder)
- Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid)
- Bd. 25/26 (rot, Ganzleder)
- Bd. 29/30 (rot, Ganzleder).
- Bd. 38 (rot, Ganzleder) M. 3.--
- Bd. 39 (lila Lein. m. Gold) M. 2.--
-
-
-Volksbücher (zum Teil illustriert)
-
-* Heft 1. 50 Ged. v. +Goethe+. Geh. 20, geb. 50 Pf. 11.-20. _T._
-
-* Heft 2. +Schiller+: Tell. 21.-30. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-* Heft 3. +Schiller+: Balladen. 36.-40. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-* Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Geh. 30,
-geb. 60 Pf. 11.-20. _T._
-
-* Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20.
-_T._
-
-_Heft 4 u. 5 in einen Band gebunden 1 Mark. 11.-20. _T._
-
-Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen
-Annerl. Ill. v. W. Schulz. Geh. 15, geb. 40 Pf. 11.-20. _T._
-
-Heft 7. E. Th. A. +Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. Illustr. Geh.
-20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. Geh. 20,
-geb. 50 Pf. 11.-20. _T._
-
-* Heft 9. +Fritz Reuter+: Woans ick tau ’ne Fru kamm. Geh. 15, geb. 40
-Pf. 11.-20. _T._
-
-* Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. Ill. v. Th. Herrmann.
-21.-30. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren v. Gemperlein.
-Illustr. 21.-30. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. 11.-20. _T._ Geh. 25, geb.
-55 Pf.
-
-* Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20.
-_T._
-
-Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. Illustr. Geh. 25, geb.
-55 Pf. 11.-20. _T._
-
-Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. andere Geschichten.
-11.-20. _T._ Geh. 25, geb. 55 Pf.
-
-Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50
-Pf.
-
-Heft 17. +Ilse Frapan-Akunian+: Die Last. 11.-20. _T._ Geh. 25, geb. 55
-Pf.
-
-Heft 18. H. v. +Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in
-Chili. Der Zweikampf. 11.-20. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. Geh. 30, geb.
-60 Pf. 21.-30. _T._
-
-Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-* Heft 21. +E.J. Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. Geh. 15,
-geb. 40 Pf. 11.-20. _T._
-
-* Heft 22. +A. Schmitthenner+: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh.
-Schulz. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-* Heft 23. +G. Freytag+: Karl d. Große. -- Friedrich Barbarossa.
-Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 11.-20. _T._ Geh. 25,
-geb. 55 Pf.
-
-Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans und Grete. Mit Illustr. 11.-20. _T._
-Geh. 40, geb. 75 Pf.
-
-Heft 25. +St. v. Kotze+: Geschichten a. Australien. 11.-20. _T._ Geh.
-25, geb. 55 Pf.
-
-Heft 26. +Paul Heyse+: Andrea Delfin. 11.-20. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf.
-
-* Heft 27. +H. Villinger+: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill.
-11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf.
-
-* Heft 28. +Otto Ludwig+: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. 11.-20.
-_T._ Geh. 25, geb. 55 Pf.
-
-Heft 29. +Richard Huldschiner+: Fegefeuer. Mit Buchschmuck. 11.-20.
-_T._ Geh. 70 Pf., geb. 1 M.
-
-Heft 30. +Franz Grillparzer+: Weh dem, der lügt! Geh. 25, geb. 55 Pf.
-11.-20. _T._
-
-* Heft 31. +Paula Dehmel+: Märchenbüchlein. Mit 2 bunten Voll- u. 4
-Halb-Bildern. Geh. 30, geb. 70 Pf.
-
-Heft 32. +Auguste Supper+: Die Hexe von Steinbronn. Ill. Geh. 10, geb.
-40 Pf.
-
-Heft 33. +Adolf Wilbrandt+: Der Mitschuldige. Ill. Geh. 30, geb. 70 Pf.
-
-* +Schillerbuch+, enth. Einleitung über Schillers Leben, die Glocke,
-Balladen, Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. 21.-30. _T._ Geb. 1 M.
-
-Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
-
-
-
-
-Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung Hamburg-Großborstel.
-
-
- +Zweck+ der Stiftung ist, „hervorragenden Dichtern durch
- Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes
- zu setzen“. Über +Zweck+ und +Tätigkeit+ der Stiftung gibt das
- Werbeblatt genauere Auskunft, das auf Wunsch in jeder beliebigen
- Anzahl von Exemplaren (unberechnet und portofrei) zur Verfügung
- steht. Auch das Verzeichnis der von der Stiftung veröffentlichten
- Bücher wird auf Wunsch in jeder beliebigen Anzahl unentgeltlich und
- portofrei versandt.
-
- Für einen +Jahresbeitrag von 2 Mark aufwärts+ (oder einen
- einmaligen Beitrag von 20 Mark aufwärts) gibt die Stiftung einen
- Einzelband ihrer „Hausbücherei“ oder ihrer „Volksbücher“ als
- Gegenleistung.
-
- +Mitglieder+ erhalten alle bestellten Bücher von der Kanzlei der
- Stiftung +portofrei+.
-
- Das +Geschäftsjahr+ der Stiftung läuft vom 1. Januar bis zum 31.
- Dezember.
-
- +Zuschriften+ werden in der Regel unpersönlich erbeten -- nur
- mit der Aufschrift: Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung,
- Hamburg-Großborstel. Erwünscht ist Angabe der Abteilung, an die der
- Brief gerichtet ist.
-
- +Telegramm-Adresse+ nur: Dichterstiftung Großborstel.
-
- +Zahlungen+ werden erbeten an die Deutsche
- Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel -- oder durch
- Banküberweisung an die Hamburger Filiale der Deutschen Bank,
- Depositenkasse H -- oder an Postscheck-Konto Hamburg 737 -- oder an
- Konto Nr. 859.112 der k. k. Postsparkasse, Wien.
-
-Besondere Wünsche der Stiftung an ihre Freunde:
-
- 1. +Werbung von Mitgliedern+, wofür das Werbeblatt (s. oben) zur
- Verfügung steht. Auch Zeichnungslisten (für mehrere Personen)
- übersenden wir gern.
-
- 2. +Angabe von Adressen+, an die sich die Stiftung mit der Bitte um
- einen Beitrag wenden könnte.
-
- 3. +Schaffung von Ortsgruppen und Frauengruppen+ (besonders auch
- Damen als Vorsteherinnen erwünscht).
-
- 4. +Schenkung von Büchern+ zur Vervollständigung der Bibliothek der
- Stiftung.
-
-[Illustration]
-
-
-Druck von Grimme & Trömel in Leipzig.
-
-
-
-
-Fußnoten:
-
-[1] Wie ich zu einer Frau kam.
-
-[2] Hochzeit.
-
-[3] hat’s ein Ende.
-
-[4] mußt du sie gewöhnen.
-
-[5] mittlerweile.
-
-[6] alter Knabe.
-
-[7] gespült.
-
-[8] Kopf.
-
-[9] manchmal.
-
-[10] weichen Pfühl.
-
-[11] gelegt.
-
-[12] Erbsenstroh.
-
-[13] älter.
-
-[14] gefiel.
-
-[15] gut.
-
-[16] zwanziger Jahren.
-
-[17] gelbe Wurzeln ißt.
-
-[18] verschmäht.
-
-[19] Alter.
-
-[20] Gänsebraten.
-
-[21] die Leute sagten.
-
-[22] Freien.
-
-[23] ging.
-
-[24] wie der Fuchs.
-
-[25] Gänsebucht.
-
-[26] haben möchtest.
-
-[27] kommst.
-
-[28] da wohl auch.
-
-[29] erst.
-
-[30] aufgeladen.
-
-[31] dann.
-
-[32] wieder heraus.
-
-[33] Schweins- und Hammelbraten.
-
-[34] Stube.
-
-[35] aussah.
-
-[36] lieb.
-
-[37] -erde.
-
-[38] ersten.
-
-[39] Knopf.
-
-[40] abriß.
-
-[41] saß.
-
-[42] zwischen Baum und Rinde, d. h. in einer mißlichen Lage.
-
-[43] fingen schon an.
-
-[44] greis, grau.
-
-[45] wachsen.
-
-[46] da stehe.
-
-[47] Ofen.
-
-[48] Pfeife.
-
-[49] angesteckt.
-
-[50] gucke.
-
-[51] ins Wetter.
-
-[52] Schnee.
-
-[53] vom leisen Herabfallen des Regens und Schnees gebraucht.
-
-[54] sanft vom Himmel nieder.
-
-[55] draußen.
-
-[56] hören.
-
-[57] bloß.
-
-[58] in der Ferne.
-
-[59] Schlitten.
-
-[60] zu Mute.
-
-[61] Fensterscheiben (Rauten).
-
-[62] zieht (ruckweise).
-
-[63] Schuster.
-
-[64] voll Holz.
-
-[65] Tür.
-
-[66] oben.
-
-[67] liegt.
-
-[68] grün.
-
-[69] sage.
-
-[70] Paar Stiefel.
-
-[71] machen.
-
-[72] fährt, karrt.
-
-[73] Leichdörner.
-
-[74] lasse.
-
-[75] Kerl.
-
-[76] Weile.
-
-[77] schaudert.
-
-[78] sage.
-
-[79] Schnupfen.
-
-[80] tüchtig.
-
-[81] entzwei.
-
-[82] Wolle.
-
-[83] Boden.
-
-[84] geht.
-
-[85] bis.
-
-[86] dunkel.
-
-[87] Feuerzeug.
-
-[88] finden.
-
-[89] gefunden.
-
-[90] Docht.
-
-[91] Zug.
-
-[92] Nase.
-
-[93] aufgegossen.
-
-[94] Umständen.
-
-[95] gleich.
-
-[96] ausschelten.
-
-[97] sollte ich tun.
-
-[98] guckte.
-
-[99] sehen konnte.
-
-[100] zugezogen.
-
-[101] verstand.
-
-[102] Zeit.
-
-[103] unordentlich angebunden.
-
-[104] sahen aus wie.
-
-[105] unten nichts und oben nichts.
-
-[106] abgerissen.
-
-[107] fragten.
-
-[108] trocknen ließe.
-
-[109] machte.
-
-[110] wollte leben.
-
-[111] ohne.
-
-[112] im Leibe.
-
-[113] gehe über die Straße.
-
-[114] warte.
-
-[115] sollst.
-
-[116] Zopf machen.
-
-[117] kam.
-
-[118] stand.
-
-[119] Tannenbaum.
-
-[120] Dim. und Koseform von Karl und Christian.
-
-[121] Flöte.
-
-[122] dazu.
-
-[123] Kreischen.
-
-[124] kleines Mariechen.
-
-[125] Händen.
-
-[126] Schoß.
-
-[127] gangbar, d. h. im Stande, zu gehen.
-
-[128] bei Seite gesetzt.
-
-[129] Schürze.
-
-[130] vorgebunden.
-
-[131] sonntägliches Tuch.
-
-[132] umgeschlagen.
-
-[133] Kinder.
-
-[134] Pfeffernüsse.
-
-[135] allzusehr.
-
-[136] beizu, vorbei fuhr.
-
-[137] Ende.
-
-[138] Werkstatt.
-
-[139] Pantoffeln.
-
-[140] angezogen.
-
-[141] zeugte, spendierte sich.
-
-[142] Krug.
-
-[143] konnte.
-
-[144] Schelten.
-
-[145] kommen.
-
-[146] hätte.
-
-[147] zusehen wollen.
-
-[148] bedeuten.
-
-[149] gewiesen, gezeigt.
-
-[150] Äpfel.
-
-[151] Kränze von Bohnen und Hagebutten.
-
-[152] sieben.
-
-[153] -puppen.
-
-[154] hing.
-
-[155] ist leicht angegriffene, stark begehrte Ware.
-
-[156] durchgebracht.
-
-[157] bis.
-
-[158] Pferd.
-
-[159] abgebissen.
-
-[160] gab.
-
-[161] setzte.
-
-[162] drohte.
-
-[163] Kopfschmerzen.
-
-[164] wies und ausdeutete.
-
-[165] in Semmelteig ausgeknetet.
-
-[166] gelb angemalt.
-
-[167] -eltern.
-
-[168] blasen.
-
-[169] der alte Rademacher.
-
-[170] stumpf.
-
-[171] kleiner Handbohrer.
-
-[172] pfiff und knirschte.
-
-[173] ginge.
-
-[174] mochte.
-
-[175] vermutete.
-
-[176] Schwefelhölzer.
-
-[177] ich habe.
-
-[178] weiß.
-
-[179] half.
-
-[180] nasse Füße.
-
-[181] fertig.
-
-[182] warten Sie nur.
-
-[183] soll herüber kommen.
-
-[184] kochen.
-
-[185] geschah.
-
-[186] aber.
-
-[187] nächsten 14 Tagen.
-
-[188] vorgegangen.
-
-[189] erzählen.
-
-[190] lag.
-
-[191] Traum.
-
-[192] leuchtete.
-
-[193] ausreckte.
-
-[194] zerrissenen.
-
-[195] ohne Boden (Sohle).
-
-[196] standen zwischen.
-
-[197] Weinachts-.
-
-[198] tausend.
-
-[199] Augen.
-
-[200] dann rief.
-
-[201] laßt.
-
-[202] bei Eurem Vater.
-
-[203] trieben.
-
-[204] zurück.
-
-[205] Ohren.
-
-[206] Stiefelmachen.
-
-[207] gelten.
-
-[208] dann fing.
-
-[209] Topf.
-
-[210] oberhalb meines Kopfes, am Kopfende.
-
-[211] breites.
-
-[212] lief.
-
-[213] steckten.
-
-[214] Zunge.
-
-[215] griff.
-
-[216] zog.
-
-[217] statt.
-
-[218] zu meinen Füßen, am Fußende.
-
-[219] da sägten.
-
-[220] zwei.
-
-[221] Holz.
-
-[222] feines.
-
-[223] in eichenen Knorren.
-
-[224] gesägt.
-
-[225] auf und nieder.
-
-[226] stände.
-
-[227] Erdbeere.
-
-[228] grün.
-
-[229] Holz, Gehölz.
-
-[230] genauer zusah.
-
-[231] meines Onkels.
-
-[232] rote Nase.
-
-[233] guckte.
-
-[234] Fußsack.
-
-[235] gewirkt, gearbeitet.
-
-[236] käme.
-
-[237] aus dem Dunkel.
-
-[238] wäre.
-
-[239] -stuhl.
-
-[240] groß.
-
-[241] bis.
-
-[242] schnarchte.
-
-[243] erst hörte.
-
-[244] zuletzt ermunterte.
-
-[245] rieb.
-
-[246] wie der alte Nachbar.
-
-[247] 22jährig.
-
-[248] Vorbei-, Handpferd.
-
-[249] Fohlen, Füllen.
-
-[250] schon wieder.
-
-[251] zurecht legte.
-
-[252] weiter.
-
-[253] wahr.
-
-[254] geträumt.
-
-[255] Teil.
-
-[256] Schnack.
-
-[257] liege.
-
-[258] weiß.
-
-[259] kroch.
-
-[260] nahm.
-
-[261] leuchtete.
-
-[262] glaube.
-
-[263] Aussehen.
-
-[264] Koseform von Junge.
-
-[265] streichelte.
-
-[266] nachgerade.
-
-[267] sein lassen.
-
-[268] zweimal.
-
-[269] gefahren.
-
-[270] bischen.
-
-[271] eingedruselt.
-
-[272] versprach.
-
-[273] besser.
-
-[274] zu Ende.
-
-[275] mürbe.
-
-[276] hinfällig (gliederweich).
-
-[277] regen, rühren.
-
-[278] aufschlug.
-
-[279] Löffel.
-
-[280] futterte.
-
-[281] pfropfte.
-
-[282] steif.
-
-[283] wie Buchbinder-Kleister.
-
-[284] Essen Sie.
-
-[285] gutmütig.
-
-[286] mochte wollen.
-
-[287] Wurst.
-
-[288] Stunden.
-
-[289] zusammen.
-
-[290] erzählte.
-
-[291] dreizehn.
-
-[292] Husarenzucht.
-
-[293] anlegen sollen.
-
-[294] sieh.
-
-[295] heißt.
-
-[296] gut.
-
-[297] ziehst.
-
-[298] sollte.
-
-[299] warten.
-
-[300] viel.
-
-[301] Pflege.
-
-[302] däucht.
-
-[303] fiel.
-
-[304] Wort.
-
-[305] genug.
-
-[306] gepflegt.
-
-[307] selbst.
-
-[308] Dein Möglichstes getan.
-
-[309] fragt.
-
-[310] wissen tue, d. h. ich weiß.
-
-[311] stattlich.
-
-[312] blinzelt.
-
-[313] weiter.
-
-[314] wieder.
-
-[315] draußen vor dem Tor.
-
-[316] Mühle.
-
-[317] hinzu.
-
-[318] zwischen drei und vier.
-
-[319] freiest.
-
-[320] fällt Dir ein.
-
-[321] fahre ich auf.
-
-[322] Ereifere.
-
-[323] Wittfrau, Witwe.
-
-[324] hinzu, gegen 5 Uhr.
-
-[325] heizt, brennt -- an.
-
-[326] rauchen.
-
-[327] wie die Backöfen.
-
-[328] neugierig.
-
-[329] stand auf.
-
-[330] blinzelnd.
-
-[331] gucken.
-
-[332] gesehen.
-
-[333] geredet.
-
-[334] drehe mich um.
-
-[335] darum.
-
-[336] muß.
-
-[337] Schwestersohnes Braut.
-
-[338] weit.
-
-[339] weiter zurück.
-
-[340] hinter.
-
-[341] guckte.
-
-[342] weil.
-
-[343] herunter hing.
-
-[344] reiße.
-
-[345] tat.
-
-[346] schlug.
-
-[347] Zug.
-
-[348] Bettstelle.
-
-[349] zusammenziehen wollte.
-
-[350] vorbei.
-
-[351] sah.
-
-[352] angeguckt.
-
-[353] das dicke Ende, die Hauptsache.
-
-[354] kommt nach.
-
-[355] mehrere Tugenden.
-
-[356] herumgebunden.
-
-[357] Kleidern.
-
-[358] Straße.
-
-[359] paar.
-
-[360] im Munde.
-
-[361] schiefe.
-
-[362] Fußzeug.
-
-[363] in Ordnung.
-
-[364] Frauensleuten.
-
-[365] Pferden.
-
-[366] zuerst.
-
-[367] Gangwerk.
-
-[368] ordentlich.
-
-[369] Fußzeug.
-
-[370] Fleiß.
-
-[371] Reinlichkeit.
-
-[372] rechnen.
-
-[373] lasse.
-
-[374] spielst einen schönen Zwickel, d. h. siehst niedlich aus.
-
-[375] drehst wohl ein bißchen.
-
-[376] dafür.
-
-[377] Frauenzimmer.
-
-[378] unschuldiges Gespräch.
-
-[379] zurück.
-
-[380] Baum.
-
-[381] tue.
-
-[382] Pfeifengeschirr.
-
-[383] etwa 5 Schritt.
-
-[384] da ziehe.
-
-[385] reiße.
-
-[386] Taler.
-
-[387] klein.
-
-[388] merkst.
-
-[389] gefroren.
-
-[390] Fußsteig.
-
-[391] nieder.
-
-[392] pustete, keuchte.
-
-[393] höllisch, sehr sauer.
-
-[394] dies sah.
-
-[395] helfen.
-
-[396] wollte ich nur.
-
-[397] kamen.
-
-[398] Unterhaltung.
-
-[399] Bedeutung.
-
-[400] kennte.
-
-[401] liefest.
-
-[402] auf und nieder.
-
-[403] gelb-grau.
-
-[404] Hut.
-
-[405] Überzieher.
-
-[406] Haare.
-
-[407] ältlich.
-
-[408] Kleidung.
-
-[409] sprang.
-
-[410] in die Höhe.
-
-[411] feuerrot.
-
-[412] laut, aus vollem Halse.
-
-[413] Schnack.
-
-[414] Leuten.
-
-[415] lieber.
-
-[416] zu Hause bleiben.
-
-[417] gerne wissen.
-
-[418] sprichwörtlich: raucht, stark dampfend, wie der mit Buschholz
-geheizte Backofen der kleinen Leute.
-
-[419] Sache.
-
-[420] wie käme der dazu.
-
-[421] Advokat.
-
-[422] riet.
-
-[423] raten.
-
-[424] schien.
-
-[425] Art.
-
-[426] dabei.
-
-[427] gekriegt.
-
-[428] zugleich.
-
-[429] dann.
-
-[430] leiden.
-
-[431] über und über.
-
-[432] nieder.
-
-[433] nestelte, knüpfte.
-
-[434] Hut.
-
-[435] wieder in die Höhe.
-
-[436] guckte.
-
-[437] oben herab.
-
-[438] halben Wendung.
-
-[439] Art.
-
-[440] vorlegen wollte.
-
-[441] d. h. zu stande.
-
-[442] beiße.
-
-[443] Knopf.
-
-[444] bloß.
-
-[445] kochen.
-
-[446] dann.
-
-[447] zu Euch ziehen.
-
-[448] Bursche.
-
-[449] ernsthaft.
-
-[450] Freierei, Verheiratung.
-
-[451] Teil.
-
-[452] närrischer.
-
-[453] nächsten Tagen.
-
-[454] stümperhaft ausgehen.
-
-[455] gênant.
-
-[456] zu Eise.
-
-[457] Schlittschuhlaufen.
-
-[458] Schlittenfahren.
-
-[459] Bude.
-
-[460] Branntwein.
-
-[461] verkauft.
-
-[462] wie.
-
-[463] Kuchen.
-
-[464] fordert.
-
-[465] fällt.
-
-[466] trank lieber.
-
-[467] heißt.
-
-[468] Kinder.
-
-[469] ohne.
-
-[470] Berg.
-
-[471] grünem Schleier.
-
-[472] drin saß.
-
-[473] beugte.
-
-[474] Leib.
-
-[475] vor- und hintenüber.
-
-[476] Kreuz.
-
-[477] sonderbar, possierlich.
-
-[478] Eis.
-
-[479] Balance.
-
-[480] greifen.
-
-[481] schlägt.
-
-[482] zurück.
-
-[483] süßen Augentrost.
-
-[484] zu Mute.
-
-[485] Maulschellen.
-
-[486] gegeben.
-
-[487] weiß.
-
-[488] der Alte.
-
-[489] verdirbt.
-
-[490] Freierei.
-
-[491] bis in den groben Grund, d. h. gründlich.
-
-[492] ärgerlich.
-
-[493] gräme, ärgere mich im stillen.
-
-[494] Tür.
-
-[495] mache.
-
-[496] Bruder.
-
-[497] die Tageszeit geboten, d. h. gegrüßt habe.
-
-[498] aber.
-
-[499] sah so sauer aus.
-
-[500] wie ein gesalzener Hering.
-
-[501] gelegt.
-
-[502] kurzweg.
-
-[503] setzte hinzu.
-
-[504] nicht wohl.
-
-[505] munter, schelmisch.
-
-[506] schier, rein.
-
-[507] Hafer.
-
-[508] gestanden.
-
-[509] wie.
-
-[510] Traum.
-
-[511] guckt.
-
-[512] scharf.
-
-[513] fein.
-
-[514] Rahm, Sahne.
-
-[515] Milch.
-
-[516] begnügen.
-
-[517] geschrieben.
-
-[518] Verkehr.
-
-[519] reißt.
-
-[520] schmeißt.
-
-[521] Mädchen.
-
-[522] feierlich.
-
-[523] unterschreiben.
-
-[524] zuerst.
-
-[525] dann schmiß.
-
-[526] laut auf.
-
-[527] gut 20 Jahre.
-
-[528] älter.
-
-[529] traute.
-
-[530] Courage.
-
-[531] schon ausging.
-
-[532] weiter.
-
-[533] kriegte es.
-
-[534] Herz.
-
-[535] breit genug.
-
-[536] verzog.
-
-[537] die Lache.
-
-[538] blieb unterwegs hängen.
-
-[539] Spiegel.
-
-[540] ins Ende, in die Höhe.
-
-[541] auf und nieder.
-
-[542] schlecht.
-
-[543] schlug.
-
-[544] er tut’s.
-
-[545] kapabel.
-
-[546] aus mancherlei Ursache.
-
-[547] Schelte.
-
-[548] spielte L’hombre.
-
-[549] leiden.
-
-[550] spielte.
-
-[551] verlor.
-
-[552] dann wieder.
-
-[553] abkaufen lassen.
-
-[554] nahm den Mohren.
-
-[555] Codille.
-
-[556] verdrießlich.
-
-[557] nach Hause.
-
-[558] legte mich nieder.
-
-[559] wollte schlafen.
-
-[560] konnte.
-
-[561] süß.
-
-[562] angetan.
-
-[563] fiel.
-
-[564] Leben.
-
-[565] nur zu.
-
-[566] Fragezeichen.
-
-[567] ausdeutete.
-
-[568] hieß.
-
-[569] besser.
-
-[570] selbst.
-
-[571] sah ich ein.
-
-[572] graue.
-
-[573] kalte.
-
-[574] schien.
-
-[575] Knochen.
-
-[576] schauerte, gruselte.
-
-[577] was sein muß.
-
-[578] kaufen.
-
-[579] Paar.
-
-[580] feinen, gelben Handschuhen.
-
-[581] Advokaten.
-
-[582] tragen.
-
-[583] bedeuten wollen.
-
-[584] Gegen elf (Uhr).
-
-[585] steckte (stak).
-
-[586] schwarz.
-
-[587] Leibrock.
-
-[588] neuen.
-
-[589] ehe.
-
-[590] Hut aufsetzte.
-
-[591] geglaubt.
-
-[592] schmiß.
-
-[593] bleiben.
-
-[594] Pantoffeln.
-
-[595] standen.
-
-[596] ihr werdet euch.
-
-[597] wundern.
-
-[598] binnen kurzem.
-
-[599] kleine.
-
-[600] zum Besuch kommen.
-
-[601] die Straße hinab.
-
-[602] komme.
-
-[603] erst.
-
-[604] Frieden.
-
-[605] klopfte.
-
-[606] schon viel gesehen.
-
-[607] Kerl.
-
-[608] Feuer fraß.
-
-[609] Hechelheede = Werg.
-
-[610] seidenen.
-
-[611] blau.
-
-[612] niemals.
-
-[613] kriegte.
-
-[614] da stand.
-
-[615] in demselben Aufzug.
-
-[616] bloß.
-
-[617] grüner Jagdrock (Frack).
-
-[618] Hirschleder.
-
-[619] Schafleder.
-
-[620] weißer Schnurrbart.
-
-[621] klare Eiszapfen.
-
-[622] niederhing.
-
-[623] nach oben.
-
-[624] aufgeschwänzt.
-
-[625] Couleuren.
-
-[626] rief.
-
-[627] rollte.
-
-[628] erschrak.
-
-[629] rufe.
-
-[630] ja nur.
-
-[631] gekommen.
-
-[632] fest.
-
-[633] solltest.
-
-[634] lieber alter.
-
-[635] wolltest.
-
-[636] bißchen erschrecken.
-
-[637] weiß.
-
-[638] -zeiten.
-
-[639] stößt, rüttelt.
-
-[640] zusammen.
-
-[641] rafft, richtet ihn auf.
-
-[642] denn dann.
-
-[643] Schimpf, Scham.
-
-[644] Spiel.
-
-[645] Bogen.
-
-[646] Kniff, Knautsch.
-
-[647] kniff.
-
-[648] Faust.
-
-[649] dann.
-
-[650] mehr.
-
-[651] holte.
-
-[652] wie.
-
-[653] Setze.
-
-[654] Stuhl.
-
-[655] knüpft.
-
-[656] Stege.
-
-[657] Fußfall.
-
-[658] gehört.
-
-[659] niemals selbst durchgemacht.
-
-[660] auf Bildern.
-
-[661] warte.
-
-[662] unter die Arme greifen.
-
-[663] dabei riß.
-
-[664] Kommode.
-
-[665] kramte.
-
-[666] Auszug, Schublade.
-
-[667] da kam.
-
-[668] Stammbuch.
-
-[669] geschah.
-
-[670] anrührte.
-
-[671] dann zog.
-
-[672] Zeug.
-
-[673] tief.
-
-[674] hielt.
-
-[675] mit schwarzen Kreuzen.
-
-[676] weichmütig.
-
-[677] viel.
-
-[678] einer.
-
-[679] Christian.
-
-[680] Schneider.
-
-[681] Sohn.
-
-[682] meinen Eltern.
-
-[683] Haus an Haus.
-
-[684] wohnte.
-
-[685] Torschreiber.
-
-[686] Parchim, meckl. Stadt.
-
-[687] sein.
-
-[688] läßt.
-
-[689] besuchen.
-
-[690] diesmal.
-
-[691] heraus geholt.
-
-[692] suche.
-
-[693] lerne ihn auswendig.
-
-[694] darin stehen welche.
-
-[695] beten.
-
-[696] dann.
-
-[697] auf Erden.
-
-[698] finden.
-
-[699] blätterte.
-
-[700] tue.
-
-[701] wie es mir ums Herz ist.
-
-[702] heute.
-
-[703] auch gut.
-
-[704] mache nun auch.
-
-[705] umdrehte.
-
-[706] weiße.
-
-[707] halbe Elle.
-
-[708] gab.
-
-[709] stopfte.
-
-[710] Ende.
-
-[711] unter das Halstuch.
-
-[712] Haustür.
-
-[713] da hustete.
-
-[714] über.
-
-[715] hinauf guckte.
-
-[716] lag.
-
-[717] halb (geöffnet).
-
-[718] blinzelte.
-
-[719] Straße.
-
-[720] wehte.
-
-[721] die Leute möchten merken.
-
-[722] zwischen.
-
-[723] erzählen.
-
-[724] hüten.
-
-[725] unter 100.
-
-[726] machen 99.
-
-[727] Bräutigams.
-
-[728] gebe.
-
-[729] Sache übernehmen.
-
-[730] klüger.
-
-[731] nach etwa 1½ Stunden.
-
-[732] bis unter.
-
-[733] Hutkopf.
-
-[734] darnach ausgesehen.
-
-[735] töricht.
-
-[736] angewöhnt.
-
-[737] selbst.
-
-[738] schnacken.
-
-[739] herunter.
-
-[740] gingen.
-
-[741] scharf nachguckten.
-
-[742] wie meine Hände.
-
-[743] etwa drei Ruten.
-
-[744] ab, entfernt.
-
-[745] stürzte.
-
-[746] fiel.
-
-[747] hinter.
-
-[748] gestanden.
-
-[749] gelauert.
-
-[750] rief.
-
-[751] halte dein Maul.
-
-[752] wann ehe.
-
-[753] schweige.
-
-[754] faßte.
-
-[755] zog.
-
-[756] da konnte.
-
-[757] halten.
-
-[758] spielte.
-
-[759] Herz.
-
-[760] Solo-Couleur (beim Kartenspiel).
-
-[761] leuchteten.
-
-[762] Augen.
-
-[763] Trümpfe.
-
-[764] wies.
-
-[765] Daumen.
-
-[766] Schulter.
-
-[767] sehen Sie da.
-
-[768] wissen.
-
-[769] wieder genug.
-
-[770] guckte.
-
-[771] quer, von der Seite.
-
-[772] wiese, zeigte.
-
-[773] schwarz.
-
-[774] niedersetzen.
-
-[775] erzählen.
-
-[776] aus, zu Ende erzählt.
-
-[777] wie der Himmel.
-
-[778] in der Heuernte.
-
-[779] Sonne scheinen.
-
-[780] regnen.
-
-[781] lassen soll.
-
-[782] Teil.
-
-[783] besser gemacht.
-
-[784] fragte dann.
-
-[785] bei welchem.
-
-[786] Fußfall.
-
-[787] angebracht.
-
-[788] gestehen.
-
-[789] zum Vorschein gekommen.
-
-[790] wohl zu speisen.
-
-[791] halte.
-
-[792] nachkommt.
-
-[793] beißt der Wolf, sprichw.
-
-[794] viel zu zeitig.
-
-[795] gekrähet.
-
-[796] Sache.
-
-[797] gehört.
-
-[798] Verlobung.
-
-[799] Kniee.
-
-[800] nächsten Tagen.
-
-[801] auseinander.
-
-[802] Zeit.
-
-[803] hüten.
-
-[804] tiefste.
-
-[805] muß.
-
-[806] Einer, man.
-
-[807] Jedem.
-
-[808] auf die Nase binden.
-
-[809] nun auch gerne.
-
-[810] glaube.
-
-[811] mit -- dazwischen laufen.
-
-[812] Possen.
-
-[813] treiben.
-
-[814] verdrießen.
-
-[815] Honigkuchen.
-
-[816] gehört.
-
-[817] ein klein bißchen.
-
-[818] Pfeffer.
-
-[819] zuerst.
-
-[820] Körnchen.
-
-[821] sah.
-
-[822] bei den Verwandten meiner Braut.
-
-[823] Zufriedenheit.
-
-[824] Fischkochen.
-
-[825] überzeugt.
-
-[826] sparte.
-
-[827] griff tief.
-
-[828] Honigtopf.
-
-[829] süß.
-
-[830] -monat.
-
-[831] viele Fliegen.
-
-[832] zu bergen wußte.
-
-[833] im Schwange.
-
-[834] zum Vergnügen.
-
-[835] brüden = necken, foppen.
-
-[836] ließ.
-
-[837] auf fünf.
-
-[838] schon.
-
-[839] greinte, lachte.
-
-[840] Straße.
-
-[841] beraten.
-
-[842] kam.
-
-[843] alten.
-
-[844] von dömeln = schwatzen, unbedeutende Sachen erzählen.
-
-[845] gleich vorgenommen.
-
-[846] Umständen.
-
-[847] aufgeben.
-
-[848] erstens, weil.
-
-[849] -art.
-
-[850] zusagte.
-
-[851] zweitens.
-
-[852] zuträglich hielt.
-
-[853] hin geriet.
-
-[854] leises Flüstern.
-
-[855] Anstoßen.
-
-[856] Ferne.
-
-[857] Nähe.
-
-[858] Zaunpfahl.
-
-[859] erzählten.
-
-[860] der, dieser.
-
-[861] gesagt.
-
-[862] der, jener.
-
-[863] Schäfer.
-
-[864] ärgerlich.
-
-[865] ob.
-
-[866] nur.
-
-[867] aus diesen Gründen.
-
-[868] dann machte.
-
-[869] lieb.
-
-[870] Pfeffermühle.
-
-[871] auf (offen).
-
-[872] stäubte.
-
-[873] kleine feine.
-
-[874] Nase.
-
-[875] Augen.
-
-[876] ob es so sollte.
-
-[877] wie.
-
-[878] wäre.
-
-[879] aufgewartet.
-
-[880] Zeug.
-
-[881] anbeträfe.
-
-[882] gäbe.
-
-[883] gut genug.
-
-[884] wie.
-
-[885] gehört hätte.
-
-[886] aufgefüttert, erzogen.
-
-[887] niemals.
-
-[888] kaltes Wasser.
-
-[889] Daune.
-
-[890] schon zu alt.
-
-[891] nächstens.
-
-[892] besuchen wollte.
-
-[893] tun.
-
-[894] dawider.
-
-[895] Spinnweben.
-
-[896] Boden, Zimmerdecke.
-
-[897] Staub.
-
-[898] Privat-Kehricht-Haufen.
-
-[899] angelegt.
-
-[900] verstauchen.
-
-[901] Feuer.
-
-[902] sonst.
-
-[903] gegangen.
-
-[904] dann setzte.
-
-[905] Ofenloch.
-
-[906] Kohlen.
-
-[907] glüheten.
-
-[908] Weberwitwe.
-
-[909] muß.
-
-[910] bei ihr.
-
-[911] tief.
-
-[912] wohnen.
-
-[913] Fleck, Stelle.
-
-[914] heiß.
-
-[915] fällt.
-
-[916] anpustet, anbläst.
-
-[917] ein bißchen.
-
-[918] anzuwärmem.
-
-[919] geschmissen.
-
-[920] toller, ärger.
-
-[921] Straße.
-
-[922] hörte.
-
-[923] schon von Ferne.
-
-[924] guckten.
-
-[925] Haustür.
-
-[926] Haufen.
-
-[927] zusammen gefunden.
-
-[928] Diele, Hausflur.
-
-[929] vorbei.
-
-[930] fährt.
-
-[931] Kürschnermeister.
-
-[932] d. h. die untere, gewöhnlich geschlossene Hälfte der zweiteiligen
-Tür, wie sie besonders in kleinen Häusern üblich ist.
-
-[933] vier Buchstaben.
-
-[934] Rinnstein.
-
-[935] Nachbar Grün.
-
-[936] Kürschner.
-
-[937] Frauensleute.
-
-[938] Gevatter.
-
-[939] in die Höhe, auf.
-
-[940] weil.
-
-[941] anging.
-
-[942] gehe.
-
-[943] weiter.
-
-[944] närrisch.
-
-[945] erzähle.
-
-[946] saß.
-
-[947] weiter.
-
-[948] dann.
-
-[949] Bedeuten, Bedeutung.
-
-[950] heißt.
-
-[951] im Hause.
-
-[952] nachgeben.
-
-[953] gestanden.
-
-[954] gesessen.
-
-[955] verdrießlich.
-
-[956] von der Seite.
-
-[957] ins Auge gefaßt.
-
-[958] sieht.
-
-[959] gar nicht darnach aus.
-
-[960] möchte.
-
-[961] gerne.
-
-[962] glaube.
-
-[963] bleibt.
-
-[964] lieber drinnen.
-
-[965] den Teufel auch.
-
-[966] aber.
-
-[967] Schürzenband.
-
-[968] angebunden.
-
-[969] wie klein.
-
-[970] Hinterfleck, Hacken.
-
-[971] einer, man.
-
-[972] nachher.
-
-[973] gilt.
-
-[974] Scheffel.
-
-[975] gewöhnen.
-
-[976] darauf verlasse dich nur nicht.
-
-[977] Sprichwort.
-
-[978] etwas Neues.
-
-[979] machte.
-
-[980] Nutzanwendung.
-
-[981] lasse.
-
-[982] zu alt dazu.
-
-[983] folgst.
-
-[984] Lehrjahre.
-
-[985] Kloß-, Erdkloßtreter, scherzhaft für: Landmann.
-
-[986] durchgemacht.
-
-[987] wohnten.
-
-[988] dazumal.
-
-[989] zwei.
-
-[990] schier, schmuck.
-
-[991] Kerle.
-
-[992] hieß.
-
-[993] Wolf.
-
-[994] Dorf.
-
-[995] Kibitz.
-
-[996] Müller.
-
-[997] Pfiffikus.
-
-[998] verstand.
-
-[999] einfältig, beschränkt.
-
-[1000] Zeit.
-
-[1001] Gevatterin.
-
-[1002] schon gehört.
-
-[1003] des Schulzen.
-
-[1004] Sophie und Marie.
-
-[1005] d. h. 10. November.
-
-[1006] freiten.
-
-[1007] etwa: gelt! eigentl.: stehe.
-
-[1008] gebeten.
-
-[1009] wie heute.
-
-[1010] wie.
-
-[1011] Schreiber, Wirtschafter.
-
-[1012] Schleifkanne, hölzerner Deckelkrug.
-
-[1013] voll Doppelbier.
-
-[1014] ärgerlich, böse.
-
-[1015] im besten Einvernehmen.
-
-[1016] währte.
-
-[1017] schlägt.
-
-[1018] Krug, Wirtshaus.
-
-[1019] spielt.
-
-[1020] wieso.
-
-[1021] eigentl. vermietet.
-
-[1022] dann muß.
-
-[1023] Mieter.
-
-[1024] komme.
-
-[1025] Schweine geschlachtet.
-
-[1026] weißt.
-
-[1027] Schwarzsauer, in Blut gekochtes Schweinefleisch.
-
-[1028] Beweis geben.
-
-[1029] ruft.
-
-[1030] einmal.
-
-[1031] die große Schüssel.
-
-[1032] schmeiße.
-
-[1033] gleich.
-
-[1034] fährt.
-
-[1035] wie heute Morgen.
-
-[1036] Topf.
-
-[1037] geschieht.
-
-[1038] lasse Dir die Zeit.
-
-[1039] spät.
-
-[1040] zurück.
-
-[1041] Weise.
-
-[1042] eingesperrt.
-
-[1043] geschlagen (mit einem ‚Schacht’‘ = Prügel).
-
-[1044] Brautleute.
-
-[1045] da lauerte, sah.
-
-[1046] welchem.
-
-[1047] Zeug.
-
-[1048] hielte.
-
-[1049] fand.
-
-[1050] rotes seidenes Tuch.
-
-[1051] gab.
-
-[1052] gegessen.
-
-[1053] bißchen.
-
-[1054] Gänseschmalz.
-
-[1055] geschmiert.
-
-[1056] losfuhr.
-
-[1057] faßte.
-
-[1058] rund.
-
-[1059] hält.
-
-[1060] findest.
-
-[1061] niemals.
-
-[1062] gab, d. h. fand sich darein.
-
-[1063] Teterow, meckl. Stadt.
-
-[1064] gewann.
-
-[1065] dazu freute.
-
-[1066] da nahm.
-
-[1067] spielte.
-
-[1068] schmiß.
-
-[1069] weinen.
-
-[1070] laß sein.
-
-[1071] besser.
-
-[1072] entzwei gefallen.
-
-[1073] unser Leben.
-
-[1074] brach.
-
-[1075] Zähne.
-
-[1076] Herbstmarkt.
-
-[1077] neuen.
-
-[1078] wieder schenkst.
-
-[1079] geblieben.
-
-[1080] zufrieden.
-
-[1081] muß.
-
-[1082] Krüger, Wirt.
-
-[1083] komme heraus.
-
-[1084] draußen.
-
-[1085] trifft.
-
-[1086] _Adj._ von entzwei.
-
-[1087] Auge.
-
-[1088] erschrickt.
-
-[1089] schlecht.
-
-[1090] Erzählen.
-
-[1091] gut genug behalten.
-
-[1092] geholfen.
-
-[1093] helfen.
-
-[1094] Spiegel.
-
-[1095] Haare.
-
-[1096] Frau des Holländers, Milchmeiers.
-
-[1097] Kaffeeklatsch, Kaffeegesellschaft.
-
-[1098] zurecht.
-
-[1099] liegt.
-
-[1100] Haube.
-
-[1101] Waschschüssel.
-
-[1102] Seifenwasser.
-
-[1103] tue.
-
-[1104] ehe.
-
-[1105] präcavieren, vorsehen.
-
-[1106] fährt.
-
-[1107] wohl.
-
-[1108] da ruft.
-
-[1109] Teil.
-
-[1110] guck.
-
-[1111] zieht.
-
-[1112] zugerichtet.
-
-[1113] -bart.
-
-[1114] gemacht.
-
-[1115] hilft.
-
-[1116] stand auf.
-
-[1117] klug.
-
-[1118] drehte.
-
-[1119] sonst schon bessere.
-
-[1120] gleich.
-
-[1121] suchen.
-
-[1122] glauben.
-
-[1123] Spitzbube.
-
-[1124] bis an den Hacken (Ferse), d. h. fertig.
-
-[1125] der Alte.
-
-[1126] greint, lacht verstohlen.
-
-[1127] regnet.
-
-[1128] fahren.
-
-[1129] wie alt.
-
-[1130] Alter.
-
-[1131] mochte.
-
-[1132] Bräutigamszeit.
-
-[1133] etwas hören.
-
-[1134] Pfeffer.
-
-[1135] dann lasse.
-
-[1136] scharf.
-
-[1137] siebenten.
-
-[1138] 41 Jahre gewesen.
-
-[1139] in den Zwanzigen.
-
-[1140] in den Dreißigen.
-
-[1141] klug.
-
-[1142] in den Fünfzigen.
-
-[1143] reich.
-
-[1144] nur sein lassen.
-
-[1145] scheinst.
-
-[1146] stramm ins Ende, in die Höhe.
-
-[1147] kauft.
-
-[1148] betrogen.
-
-[1149] dabei.
-
-[1150] Gleichnis.
-
-[1151] aufgeführt.
-
-[1152] traust.
-
-[1153] Alter.
-
-[1154] etwa drei Stück.
-
-[1155] überlege.
-
-[1156] drehe.
-
-[1157] glaube.
-
-[1158] dann mache sie.
-
-[1159] schlechte.
-
-[1160] schelten.
-
-[1161] sieh über.
-
-[1162] lieber.
-
-[1163] Herz.
-
-[1164] gehört.
-
-[1165] schlägt.
-
-[1166] bis.
-
-[1167] hinzu.
-
-[1168] überlegte.
-
-[1169] angestellt.
-
-[1170] hüten.
-
-[1171] Erzählung.
-
-[1172] Hände.
-
-[1173] möglicherweise.
-
-[1174] merken.
-
-[1175] diese Stückchen.
-
-[1176] abgekartet.
-
-[1177] halt.
-
-[1178] dieses Spiel.
-
-[1179] gilt.
-
-[1180] etwa: du hast gepfuscht; nicht richtig gespielt.
-
-[1181] Karten.
-
-[1182] bediene.
-
-[1183] aus der Hälfte, beim Kartenspiel, auch: aus dem Schneider.
-
-[1184] aber manchmal.
-
-[1185] fleißig.
-
-[1186] nachgibt.
-
-[1187] zu Werk gegangen.
-
-[1188] neulich.
-
-[1189] wie es.
-
-[1190] zusammen.
-
-[1191] denn dann.
-
-[1192] Ihr lebt ja.
-
-[1193] sei zufrieden.
-
-[1194] manchmal so zu Mute.
-
-[1195] legte.
-
-[1196] Schulter.
-
-[1197] Erde.
-
-[1198] begnüge.
-
-[1199] anbetrifft.
-
-[1200] Joachim Schmitt.
-
-[1201] alt.
-
-[1202] nachher.
-
-[1203] wie ein Apfelbaum.
-
-[1204] darin sitzt man.
-
-[1205] rötesten Äpfel.
-
-[1206] kurz.
-
-[1207] holt.
-
-[1208] Stange.
-
-[1209] zunicht.
-
-[1210] Zweige.
-
-[1211] Trage-, Fruchtknospen.
-
-[1212] läßt.
-
-[1213] wartet.
-
-[1214] Herbst.
-
-[1215] dann.
-
-[1216] Schoß.
-
-[1217] viel süßer.
-
-[1218] setzte.
-
-[1219] hinzu.
-
-[1220] treuherzig.
-
-[1221] schüttle.
-
-[1222] Zeit.
-
-[1223] deiner (währt) wartet.
-
-[1224] dann erzähle.
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8), by
-Peter Rosegger and Fritz Reuter and Wilhelm Raabe and Albert Roderich
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE HUMORISTEN, 1. BAND ***
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