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Band - -Author: Peter Rosegger - Fritz Reuter - Wilhelm Raabe - Albert Roderich - -Release Date: September 5, 2016 [EBook #52985] - -Language: German - -Character set encoding: UTF-8 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE HUMORISTEN, 1. BAND *** - - - - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - - - - - - - #################################################################### - - Anmerkungen zur Transkription - - Der vorliegende Text wurde anhand der 1911 erschienenen Buchausgabe - so weit wie möglich originalgetreu wiedergegeben. Zeichensetzung - und offensichtliche typographische Fehler wurden stillschweigend - korrigiert. Ungewöhnliche sowie inkonsistente Schreibweisen wurden - beibehalten, insbesondere wenn diese in der damaligen Zeit üblich - waren oder im Text mehrfach auftreten. - - Einige ornamentale Symbole im laufenden Text wurden durch das - Unicode-Zeichen ‚Reference Mark‘ (※) ersetzt. Das Bücherverzeichnis - der ‚Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung‘ wurde vom Bearbeiter an - das Ende des Buches verschoben. - - Der Originaltext wurde in Frakturschrift gedruckt; Passagen in - Antiquaschrift werden durch _Unterstriche_ hervorgehoben. Fettdruck - wird durch die Verwendung von =Gleichheitszeichen= dargestellt, - gesperrte Passagen sind von +Pluszeichen+ umgeben. - - #################################################################### - - - - - Hausbücherei - - 3 - - - - - Hausbücherei - - der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - - 3. Band - - [Illustration] - - Hamburg-Großborstel - - Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - - 1911 - - 46.-55. Tausend - - - - - Deutsche Humoristen - - 1. Band - - Peter Rosegger ※ ※ Fritz Reuter - Wilhelm Raabe ※ Albert Roderich - - [Illustration] - - Hamburg-Großborstel - - Verlag der Deutschen Dichter-Gedächtnis-Stiftung - - 1911 - - 46.-55. Tausend - - - - - Inhaltsverzeichnis zum 2. Bande der „Deutschen Humoristen“ - (Hausbücherei Band 4). - -Vorwort. - -+Brentano+, Clemens: Die mehreren Wehmüller oder ungarische -Nationalgesichter. - -+Hoffmann+, E. Th. A.: Die Königsbraut. Ein nach der Natur entworfenes -Märchen. - -+Zschokke+, Heinrich: Die Nacht in Brczwezmcisl. - - - Inhaltsverzeichnis zum 3. Bande der „Deutschen Humoristen“ - (Hausbücherei Band 5). - -+Hoffmann+, Hans: Eistrug. - -+Ernst+, Otto: Die Gemeinschaft der Brüder vom geruhigen Leben. - -+Eyth+, Max: Der blinde Passagier. - -+Böhlau+, Helene (Madame al Raschid Bey): Die Ratsmädel gehen einem -Spuk zu Leibe. - - - - -Inhalt. - - Vorwort 7-8 - - +Vischer, Friedr. Theodor+: Humor. Gedicht 9-10 - - +Rosegger, Peter+: Als ich das erste Mal auf dem - Dampfwagen saß 11-24 - - +Rosegger, Peter+: Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten 25-40 - - +Raabe, Wilhelm+: Der Marsch nach Hause 41-146 - - +Reuter, Fritz+: Woans ick tau ’ne Fru kamm 147-204 - - +Roderich, Albert+: Nemesis 205-221 - - - - -Vorwort. - - -Der Humor ist den Menschen ein so willkommener Gast, daß er eigentlich -keiner Einführung bedarf; sein schalkhaft-ehrliches Gesicht empfiehlt -ihn überall. Aber da es der Deutsche nun einmal nicht lassen kann, bei -allem, was er beginnt, von „Grundsatz“ und „System“ zu reden, so sei -hier bemerkt, daß diese kleine Sammlung humoristischer Geschichten -nach keinem System und nach keinem Grundsatze zusammengestellt ist, -außer nach dem, den Lesern etwas +Gutes+ vorzusetzen. Es soll also -keiner kommen und uns sagen, es gebe noch mehr humoristische Dichtungen -als diese, oder bessere, oder lustigere, oder gediegenere. Wir sagen -dazu nicht ja und nicht nein. Wir sagen nur: abwarten! Denn trotz der -pedantischen Aufnahme, die der Humor in deutschen Landen fast immer -gefunden hat, ist der Vorrat an humoristischer Literatur bei uns Gott -sei Dank so groß, daß fünf Geschichtchen nur einen winzigen Bruchteil -von ihr bedeuten. Und so hoffen wir noch manches Mal mit ähnlicher -Gabe vor unsere Leser treten zu können und den Born, aus dem wir solche -Gaben heraufholen, ewig unerschöpft zu finden. - - +Hamburg+, +Deutsche Dichter-+ - Pfingsten 1903. Gedächtnis-Stiftung. - - - - -Humor. - -Von +Friedrich Theodor Vischer+. - - - Man spricht von Humor jetzt oft und viel - Und denkt dabei nur an ein leeres Spiel. - Mancher kursiert als Humorist, - Der nichts weiter als Spaßmacher ist, - Nichts ahnt von dem innern Widerspruch, - Von dem Zickzack, dem tiefen Bruch, - Der durch das ganze Weltall dringt, - Daß man immer fürchtet: es zerspringt, - Während die also geborstne Welt - Doch immer noch steht und zusammenhält, -- - Mancher, der diesen Riß zwar merkt, - Doch zu freiem Lachen den Geist nicht stärkt, - Sondern mit Weltschmerz kokettiert - Und den Blasierten affektiert, -- - Ja mancher eisige, spitzige Spötter, - Der Witze nur macht auf Menschen und Götter, - Mancher verdorbne, mit Seelengicht - Behaftete, zotensinnende Wicht, - Mancher schäkernde, eitle Mann, - Der über sich selbst nicht lachen kann. -- - Hat aber einer die Geistesmacht, - Die scharf durchschaut und doch heiter lacht, - Bleibt er fest und verzweifelt nie, - Hat er mehr als Witz, hat er Phantasie, - Versteht er über sich selbst zu schweben, - Sich selber dem Lachen preiszugeben: - Dem sei es gegönnt von ganzem Herzen, - Auch einmal einfach närrisch zu scherzen, - Ohne versteckte Gedankentiefen - Seine Freude zu haben am Naiven. - - - Mit freundlicher Erlaubnis des Verlegers und des Sohnes des - Verfassers abgedruckt aus Friedrich Theodor Vischer’s - ※※※ Gedichtsammlung „Allotria“ ※※※ - (Stuttgart: Verlag von Adolf Bonz & Co.). - - - - -Peter Rosegger: - - -Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß. - - - - -Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt -aus dem 1. Bande von Peter Roseggers Buch „Waldheimat. Erinnerungen aus -der Jugendzeit.“ (Leipzig: Verlag von L. Staackmann, 18. Aufl. 1902). - - - - -Als ich das erste Mal auf dem Dampfwagen saß. - - -Mein Pate, der Knierutscher Jochem -- er ruhe in Frieden! -- war -ein Mann, der alles glaubte, nur nicht das Natürliche. Das Wenige -von Menschenwerken, was er begreifen konnte, war ihm göttlichen -Ursprungs; das Viele, was er nicht begreifen konnte, war ihm Hexerei -und Teufelsspuk. -- Der Mensch, das bevorzugteste der Wesen, hat zum -Beispiel die Fähigkeit, das Rindsleder zu gerben und sich Stiefel -daraus zu verfertigen, damit ihn nicht an den Zehen friere; diese Gnade -hat er von Gott. Wenn der Mensch aber hergeht und den Blitzableiter -oder gar den Telegraphen erfindet, so ist das gar nichts anderes als -eine Anfechtung des Teufels. -- So hielt der Jochem den lieben Gott für -einen gutherzigen, einfältigen Alten (ganz wie er, der Jochem, selber -war), den Teufel aber für ein listiges, abgefeimtes Kreuzköpfel, dem -nicht beizukommen ist und das die Menschen und auch den lieben Gott von -hinten und vorn beschwindelt. - -Abgesehen von dieser hohen Meinung vom Lucifer, Beelzebub (was weiß -ich, wie sie alle heißen), war mein Pate ein gescheiter Mann. Ich -verdankte ihm manches neue Linnenhöslein und manchen verdorbenen Magen. - -Sein Trost gegen die Anfechtungen des bösen Feindes und sein Vertrauen -war die Wallfahrtskirche Mariaschutz am Semmering. Es war eine Tagreise -dahin, und der Jochem machte alljährlich einmal den Weg. Als ich schon -hübsch zu Fuße war (ich und das Zicklein waren die einzigen Wesen, die -mein Vater nicht einzuholen vermochte, wenn er uns mit der Peitsche -nachlief), wollte der Pate Jochem auch mich einmal mitnehmen nach -Mariaschutz. - -„Meinetweg’“, sagte mein Vater, „da kann der Bub’ gleich die neue -Eisenbahn sehen, die sie über den Semmering jetzt gebaut haben. Das -Loch über den Berg soll schon fertig sein.“ - -„Behüt’ uns der Herr“, rief der Pate, „daß wir das Teufelszeug -anschau’n! ’s ist alles Blendwerk, ’s ist alles nicht wahr“. - -„Kann auch sein“, sagte mein Vater und ging davon. - -Ich und der Pate machten uns auf den Weg; wir gingen über das -Stuhleckgebirge, um ja dem Tale nicht in die Nähe zu kommen, in welchem -nach der Leut’ Reden der Teufelswagen auf und ab ging. Als wir aber auf -dem hohen Berge standen und hinabschauten in den Spitalerboden, sahen -wir einer scharfen Linie entlang einen braunen Wurm kriechen, der Tabak -rauchte. - -„Jessas Maron!“ schrie mein Pate, „das ist schon so was! spring Bub’!“ --- Und wir liefen die entgegengesetzte Seite des Berges hinunter. - -Gegen Abend kamen wir in die Niederung, doch -- entweder der Pate war -hier nicht wegkundig, oder es hatte ihn die Neugierde, die ihm zuweilen -arg zusetzte, überlistet, oder wir waren auf eine „Irrwurzen“ gestiegen --- anstatt in Mariaschutz zu sein, standen wir vor einem ungeheuren -Schutthaufen, und hinter demselben war ein kohlfinsteres Loch in den -Berg hinein. Das Loch war schier so groß, daß darin ein Haus hätte -stehen können, und gar mit Fleiß und Schick ausgemauert; und da ging -eine Straße mit zwei eisernen Leisten daher und schnurgerade in den -Berg hinein. - -Mein Pate stand lange schweigend da und schüttelte den Kopf; endlich -murmelte er: „Jetzt stehen wir da. Das wird die neumodische Landstraßen -sein. Aber derlogen ist’s, daß sie da hineinfahren!“ - -Kalt wie Grabesluft wehte es aus dem Loche. Weiter hin gegen Spital in -der Abendsonne stand an der eisernen Straße ein gemauertes Häuschen; -davor ragte eine hohe Stange, auf dieser baumelten zwei blutrote -Kugeln. Plötzlich rauschte es an der Stange und eine der Kugeln ging -wie von Geisterhand gezogen in die Höhe. Wir erschraken baß. Daß es -hier mit rechten Dingen nicht zuginge, war leicht zu merken. Doch -standen wir wie festgewurzelt. - -„Pate Jochem,“ sagte ich leise, „hört ihr nicht so ein Brummen in der -Erden?“ - -„Ja freilich, Bub’“, entgegnete er, „es donnert was! es ist ein -Erdbidn“ (Erdbeben). Da tat er schon ein kläglich Stöhnen. Auf der -eisernen Straße heran kam ein kohlschwarzes Wesen. Es schien anfangs -stillzustehen, wurde aber immer größer und nahte mit mächtigem -Schnauben und Pfustern und stieß aus dem Rachen gewaltigen Dampf aus. -Und hintenher -- - -„Kreuz Gottes!“ rief mein Pate, „da hängen ja ganze Häuser d’ran!“ -Und wahrhaftig, wenn wir sonst gedacht hatten, an das Lokomotiv wären -ein paar Steirerwäglein gespannt, auf denen die Reisenden sitzen -konnten, so sahen wir nun einen ganzen Marktflecken mit vielen Fenstern -heranrollen, und zu den Fenstern schauten lebendige Menschenköpfe -heraus, und schrecklich schnell ging’s, und ein solches Brausen war, -daß einem der Verstand still stand. Das bringt kein Herrgott mehr zum -stehen! fiel’s mir noch ein. Da hub der Pate die beiden Hände empor -und rief mit verzweifelter Stimme: „Jessas, Jessas, jetzt fahren sie -richtig in’s Loch!“ - -Und schon war das Ungeheuer mit seinen hundert Rädern in der Tiefe; -die Rückseite des letzten Wagens schrumpfte zusammen, nur ein Lichtlein -davon sah man noch eine Weile, dann war alles verschwunden, bloß der -Boden dröhnte, und aus dem Loche stieg still und träge der Rauch. - -Mein Pate wischte sich mit dem Ärmel den Schweiß vom Angesicht und -starrte in den Tunnel. - -Dann sah er mich an und fragte: „Hast du’s auch gesehen, Bub’?“ - -„Ich hab’s auch gesehen“. - -„Nachher kann’s keine Blenderei gewesen sein“, murmelte der Jochem. - -Wir gingen auf der Fahrstraße den Berg hinan; wir sahen aus mehreren -Schachten Rauch hervorsteigen. Tief unter unsern Füßen im Berge ging -der Dampfwagen. - -„Die sind hin wie des Juden Seel’!“ sagte mein Pate und meinte die -Eisenbahn-Reisenden. „Die übermütigen Leut’ sind selber ins Grab -gesprungen!“ - -Beim Gasthause auf dem Semmering war es völlig still; die großen -Stallungen waren leer, die Tische in den Gastzimmern, die Pferdetröge -an der Straße waren unbesetzt. Der Wirt, sonst der stolze Beherrscher -dieser Straße, lud uns höflich zu einer Jause ein. - -„Mir ist aller Appetit vergangen“, antwortete mein Pate, „gescheite -Leut’ essen nicht viel, und ich bin heut’ um ein Stückel gescheiter -worden“. Bei dem Monumente Karls VI., das wie ein kunstreiches Diadem -den Bergpaß schmückt, standen wir still und sahen ins Österreicherland -hinaus, das mit seinen Felsen und Schluchten und seiner unabsehbaren -Ebene vor uns ausgebreitet lag. Und als wir dann abwärts stiegen, -da sahen wir drüben in den wilden Schroffwänden unsern Eisenbahnzug -gehen -- klein wie eine Raupe -- und über hohe Brücken, fürchterliche -Abgründe setzen, an schwindelnden Hängen gleiten, bei einem Loch -hinein, beim andern hinaus -- ganz verwunderlich. - -„’s ist auf der Welt ungleich, was heutzutag’ die Leut’ treiben“, -murmelte mein Pate. - -„Sie tun mit der Weltkugel kegelscheiben!“ sagte ein eben -vorübergehender Handwerksbursche. - -Als wir nach Mariaschutz kamen, war es schon dunkel. - -Wir gingen in die Kirche, wo das rote Lämpchen brannte, und beteten. - -Dann genossen wir beim Wirt ein kleines Nachtmahl und gingen an den -Kammern der Stallmägde vorüber auf den Heuboden, um zu schlafen. - -Wir lagen schon eine Weile. Ich konnte unter der Last der Eindrücke -und unter der Stimmung des Fremdseins kein Auge schließen, vermutete -jedoch, daß der Pate bereits süß schlummere; da tat dieser plötzlich -den Mund auf und sagte: - -„Schlafst schon, Bub’?“ - -„Nein“, antwortete ich. - -„Du“, sagte er, „mich reitet der Teufel!“ - -Ich erschrak. So was an einem Wallfahrtsort, das war unerhört. - -„Ich muß vor dem Schlafengehen keinen Weihbrunn’ genommen haben“, -flüsterte er, „’s gibt mir keine Ruh’, ’s ist arg, Bub’“. - -„Was denn, Pate?“ fragte ich mit warmer Teilnahme. - -„Na, morgen, wenn ich kommuniziere, leicht wird’s besser“, beruhigte er -sich selbst. - -„Tut euch was weh’, Pate?“ - -„’s ist eine Dummheit. Was meinst, Bübel, weil wir schon so nah’ dabei -sind, probieren wir’s?“ - -Da ich ihn nicht verstand, so gab ich keine Antwort. - -„Was kann uns geschehen?“ fuhr der Pate fort, „wenn’s die andern tun, -warum nicht wir auch? Ich lass’ mir’s kosten“. - -Er schwätzt im Traum, dachte ich bei mir selber und horchte mit Fleiß. - -„Da werden sie einmal schauen“, fuhr er fort, „wenn wir heimkommen und -sagen, daß wir auf dem Dampfwagen gefahren sind!“ - -Ich war gleich dabei. - -„Aber eine Sündhaftigkeit ist’s!“ murmelte er, „na leicht wird’s morgen -besser, und jetzt tun wir in Gottes Namen schlafen“. - -Am andern Tage gingen wir beichten und kommunizieren und rutschten -auf den Knieen um den Altar herum. Aber als wir heimwärts lenkten, da -meinte der Pate nur, er wolle sich dieweilen gar nichts vornehmen, er -wolle nur den Semmering-Bahnhof sehen, und wir lenkten unsern Weg dahin. - -Beim Semmering-Bahnhof sahen wir das Loch auf der andern Seite. -War auch kohlfinster. -- Ein Zug von Wien war angezeigt. Mein Pate -unterhandelte mit dem Bahnbeamten, er wolle zwei Sechser geben, und -gleich hinter dem Berg, wo das Loch aufhört, wollten wir wieder -absteigen. - -„Gleich hinter dem Berg, wo das Loch aufhört, hält der Zug nicht“, -sagte der Bahnbeamte lachend. - -„Aber wenn wir absteigen wollen!“ meinte der Jochem. - -„Ihr müßt bis Spital fahren. Ist für zwei Personen zweiunddreißig -Kreuzer Münz.“ - -Mein Pate meinte, er lasse sich was kosten, aber so viel wie die hohen -Herren könne er armer Schlucker nicht geben; zudem sei an uns beiden -ja kein Gewicht da. -- Es half nichts; der Beamte ließ nicht handeln. -Der Pate zahlte; ich mußte zwei „gute“ Kreuzer beisteuern. Mittlerweile -kroch aus dem nächsten, unteren Tunnel der Zug hervor, schnaufte heran, -und ich glaubte schon, das gewaltige Ding wolle nicht anhalten. Es -zischte und spie und ächzte -- da stand es still. - -Wie ein Huhn, dem man das Hirn aus dem Kopfe geschnitten, so stand der -Pate da, und so stand ich da. Wir wären nicht zum Einsteigen gekommen; -da schupste der Schaffner den Paten in einen Waggon und mich nach. In -demselben Augenblicke wurde der Zug abgeläutet, und ich hörte noch, wie -der ins Coupé stolpernde Jochem murmelte: „Das ist meine Totenglocke“. -Jetzt sahen wir’s aber: im Waggon waren Bänke, schier wie in einer -Kirche; und als wir zum Fenster hinausschauten -- „Jessas und Maron!“ -schrie mein Pate, „da draußen fliegt ja eine Mauer vorbei!“ -- Jetzt -wurde es finster, und wir sahen, daß an der Wand unseres knarrenden -Stübchens eine Öllampe brannte. Draußen in der Nacht rauschte und toste -es, als wären wir von gewaltigen Wasserfällen umgeben, und ein ums -andere Mal hallten schauerliche Pfiffe. Wir reisten unter der Erde. - -Der Pate hielt die Hände auf dem Schoß gefaltet und hauchte: „In -Gottes Namen. Jetzt geb’ ich mich in alles drein. Warum bin ich der -dreidoppelte Narr gewesen.“ - -Zehn Vaterunser lang mochten wir so begraben gewesen sein, da lichtete -es sich wieder, draußen flog die Mauer, flogen die Telegraphenstangen -und die Bäume, und wir fuhren im grünen Tale. - -Mein Pate stieß mich an der Seite: „Du, Bub’! Das ist gar aus der Weis’ -gewesen, aber jetzt -- jetzt hebt’s mir an zu gefallen. Richtig wahr, -der Dampfwagen ist was Schönes! Jegerl und jerum, da ist ja schon -das Spitalerdorf! Und wir sind erst eine Viertelstunde gefahren! Du, -da haben wir unser Geld noch nicht abgesessen. Ich denk’, Bub’, wir -bleiben noch sitzen.“ - -Mir war’s recht. Ich betrachtete das Zeug von innen und ich blickte in -die fliegende Gegend hinaus, konnte aber nicht klug werden. Und mein -Pate rief: „Na, Bub’, die Leut’ sind gescheit! Und daheim werden sie -Augen machen! Hätt’ ich das Geld dazu, ich ließe mich, wie ich jetzt -sitz’, auf unsern Berg hinauffahren!“ - -„Mürzzuschlag!“ rief der Schaffner. Der Wagen stand; wir schwindelten -zur Tür hinaus! - -Der Türsteher nahm uns die Papierschnitzel ab, die wir beim Einsteigen -bekommen hatten, und vertrat uns den Ausgang. „He, Vetter!“ rief er, -„diese Karten galten nur bis Spital. Da heißt’s nachzahlen, und zwar -das Doppelte für zwei Personen; macht einen Gulden sechs Kreuzer!“ - -Ich starrte meinen Paten an, mein Pate mich. „Bub’“, sagte dieser -endlich mit sehr umflorter Stimme, „hast du ein Geld bei dir?“ - -„Ich hab’ kein Geld bei mir“, schluchzte ich. - -„Ich hab’ auch keins mehr“, murmelte der Jochem. - -Wir wurden in eine Kanzlei geschoben, dort mußten wir unsere Taschen -umkehren. Ein blaues Sacktuch, das für uns beide war und das die Herren -nicht anrührten, ein hart Rindlein Brot, eine rußige Tabakspfeife, -ein Taschenfeitel, etwas Schwamm und Feuerstein, der Beichtzettel von -Mariaschutz und der lederne Geldbeutel endlich, in dem sich nichts -befand als ein geweihtes Messing-Amuletchen, das der Pate stets mit -sich trug im festen Glauben, daß sein Geld nicht ganz ausgehe, so lange -er das geweihte Ding im Sacke habe. Es hatte sich auch bewährt bis -auf diesen Tag -- und jetzt war’s auf einmal aus mit seiner Kraft. -- -Wir durften unsere Habseligkeiten zwar wieder einstecken, wurden aber -stundenlang auf dem Bahnhofe zurückbehalten und mußten mehrere Verhöre -bestehen. - -Endlich, als schon der Tag zur Neige ging, zur Zeit, da nach so -rascher Fahrt wir leicht schon hätten zu Hause sein können, wurden wir -entlassen, um nun den Weg über Berg und Tal in stockfinsterer Nacht -zurückzulegen. - -Als wir durch den Ausgang des Bahnhofes schlichen, murmelte mein Pate: -„Beim Dampfwagen da -- ’s ist doch der Teufel dabei!“ - -[Illustration] - - - - -Peter Rosegger: - - -Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten. - - - - -Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt -aus dem 1. Bande von Peter Roseggers Buch „Waldheimat. Erinnerungen aus -der Jugendzeit“ (Leipzig: Verlag von L. Staackmann, 18. Aufl. 1902). - - - - -Wie wir die Gürtelsprenge haben gehalten. - - -Wenn man in jener Gegend den Bauern nach der Anzahl der Bewohner seines -Hauses fragt, so mag wohl folgende Antwort geschehen: „Bewohner? Ja, -die muß ich mir selber erst zusammendenken. Da bin ich; -- tut nur -fleißig nachzählen -- ich und mein Weib und unsere fünf Kinder und der -Knecht und acht Rindvieher und die Magd.“ - -Und er meint es nicht anders. Schützt sie doch allzusammen +ein+ -Dach, lebt doch eines für alle, wie alle für eines leben, und sie -ernähren sich gegenseitig und erheitern sich das Leben, und die Kinder -und die Kälber laufen lustig durcheinander herum. -- Für die Rinder hat -der liebe Gott die Almen und die Heustadeln erschaffen. Und wenn die -Stadeln sich gefüllt haben und die Zeit der Heue vorüber ist, so wird -im Hause des Hirtenbauers ein Fest begangen. Der Bauer gibt den Seinen -ein Mahl. Und da wird nicht geschont, ist doch der Heustadel voll. - -Und besonders Hansjörgl, der Knecht, dem in letzterer Zeit der -Bauchriemen ohnehin schon zu lang geworden ist, läßt sich das Fest -angelegen sein, und so eine Bäuerin wie die unsere, sagt er, -gibt’s nimmermehr -- und der Riemen wird kürzer und kürzer, und -die Enden seines Ringes wollen nicht mehr reichen, und mit Gewalt -zusammengeschnallt, springen sie wieder mit Gewalt auseinander. - -Das Fest der Gürtelsprenge. - -Mir ist aus jener Zeit, in der ich solche Feste noch mitmachte, ein -Geschichtchen in Erinnerung. - -Ich war noch im Hefelrainhof beim Vieh. Die Heue war vorüber, und unser -Knecht hatte zwei Tage lang fast nichts gegessen, um sich auf den -nahenden Genuß gebührend vorzubereiten. Es waren Stunden aufgeregter -Erwartung, bis am dritten Tage zum späten Mittag der Bauer das weiße -Tuch, mit dem roten Streifen in der Mitte, über den Tisch zog. Dann -legte er die glänzend gefegten Messer und Gabeln und Löffel auf ihre -Plätze. Dann begann er in gehobener Stimmung -- er hatte heute auch -reine Wäsche an -- Weißbrot aufzuschneiden. Ich stand neben dem -Tisch und sah, wie der Haufen der Brotspalten immer mehr anwuchs und -anwuchs. Hansjörgl, der Knecht, beobachtete diesen Vorgang nicht -ohne Mißtrauen; -- wozu das viele Brot hier? Soll das etwa bestimmt -sein, die Haupträumlichkeiten zu füllen, auf daß feinere Bissen nicht -sollen untergebracht werden können? -- Endlich kam der dampfende -Milchtopf, und der Tisch ächzte, und die Massen der Brotspalten wurden -hineinversenkt, so wie sich bei Erdrevolutionen Berge versenken in die -Tiefen des Meeres. Wir beteten, dann setzten wir uns alle zu Tische. - -Der Knecht begann zu essen, still und langsam, mit einer ehernen Ruhe. -Als die Milch und das darauffolgende Speckkraut abgetan war und die -Lasten der Roggenknödeln erschienen, fühlte ich die früher so mächtigen -Sympathieen für die Gegenstände nach und nach schwinden -- ich war -gesättigt. Ich sah nur sinnend zu, wie die bedeutsamen Reihen der -Gerichte vorüberzogen, die Butterschnitten und die Rahmstrudeln und -die Fleischnudeln, und das Schottenkoch und die Milchkrapfen und das -Schmalzmus. Sie aßen und redeten dabei von Dingen, die sich früher -bei dem Feste der Gürtelsprenge zugetragen hatten und in der Zukunft -noch zutragen können. Der Knecht redete nicht, er saß und aß still -und langsam, mit einer ehernen Ruhe. Es kamen noch fernere Gerichte -und fernere Gespräche, und der Knecht aß still und langsam fort. Als -sie bei den Butterkrapfen waren, hörte man ein leichtes Schnalzen --- es war sein Gürtel auseinander gesprungen. Der Knecht ließ ihn -auseinandergesprungen sein, blieb in seiner Ruhe und aß. - -Endlich aber blieb die geleerte Schüssel auf dem Tische stehen, und es -kam nichts mehr. Der Knecht blickte befremdet auf; -- wo spannt sich’s -denn? ja, geht’s denn nicht allweg so fort? -- Er war schwermütig, -er dachte an das Los alles Zeitlichen, er erhob sich, er ging in das -Freie, er stand eine Weile still und sah hinaus in die Berge und Täler, -er stieg empor zum Heuboden, er legte sich in sein Bett. - -Es nahte schon der Abend. - -Über den Almen zogen Nebel, wie sie sich zur Herbstzeit gern über das -Gebirge niedersenken. Ich ging hinaus auf die Halde und rief so lange: -„Hoi ho, hoi ho!“ bis die Kuh mit der Glockenschelle auf mich zukam und -ihr die Heerde nachfolgte. Dann führte ich sie zum Hause und in den -Stall. - -Als dieses geschehen, und als gemolken war, gingen wir zur Abendsuppe; -ich hatte wieder recht Appetit, und der Bauer sagte, so eine saure -Suppe könne er zu jeder Zeit essen, und sie sei ihm lieber wie die -besten Butterkrapfen. Aber der Knecht erschien nicht zur Suppe. - -Endlich gingen wir alle zur Ruhe. Ich hatte mein Lager im Stalle, um -die Rinder zu bewachen, daß sich keines etwa von seiner Kette losmache -und die anderen beschädige. Mir war recht behaglich unter der Decke. -Die Glockenkuh schellte noch eine Weile, weil sie sich an den Lenden -leckte, und der Stier rasselte noch dann und wann an der Kette und -gaukelte mit den Hörnern. Nach und nach ließen sie sich alle nieder -auf die frische Fichtenstreu und begannen das Wiederkäuen. Einige Zeit -hörte ich noch das gleichmäßige Gescharre der Zähne, dann sanken mir -nach und nach die Augen zu. -- Noch war mir, als säße auch der Knecht -auf der Fichtenstreu, und rassele mit der Kette und gaukele wie der -Stier, und kaue, wie alle anderen, und kaue ohne Ende. - -Plötzlich weckte mich ein Poltern außen an der Stalltür. „Halterbub’, -schreck’ dich nicht und steh’ auf!“ hörte ich rufen; es war des Bauern -Stimme, und das Poltern an der Tür wurde heftiger. - -Ich kollerte von dem Bette auf die Streu hinaus, stieß in der -Verwirrung an die Glockenkuh, daß sie mit einem ohrenzerreißenden -Geschelle aufsprang, und ich taumelte der Türe zu. - -„Schreck’ dich nicht, Bub’, und mach’ dir nichts draus“, rief der -Hefelrainhofer wieder, „schlupf’ geschwind in deine Hose hinein, du -mußt eilig hinablaufen nach Kathrein um den Herrn Pfarrer, ’s will uns -der Hansjörgl sterben!“ - -„Der Hansjörgl will sterben!“ sagte ich zitternd und nestelte die -Türkette auf, „ja warum denn und wegen was denn?“ - -„Der lieb’ Herrgott wird’s wissen! Da kugelt er oben in seinem Bett und -schiebt die Augen über und ächzt -- und -- nein, meiner Tag hab’ ich -so was nicht erlebt. Geh’, Bübl, geh’, wenn du den Pfarrer bei Zeiten -bringst, so kriegst einen Sechser. Und das letzt’ Öl soll er dennoch -wohl auch mitbringen -- und begraben laß ich den Hansjörgl mit dem -großen Kondukt. Ach, mein guter, rechtschaffener Knecht!“ - -Ich weiß nicht, wie ich’s gemacht hatte; ehe noch der Bauer aufgehört -zu sprechen, war ich angezogen, und in den nächsten Augenblicken schon -eilte ich den Berghang hinab. Zerrissene Wolken hingen am Himmel, matt -schien der Halbmond, in den Ästen der Tannen fächelte zeitweilig der -Wind. Meine Schuhe machten ein Getöse in den Steinen des Hanges, mir -voran und zur Seite kollerten diese hinab, und ich kollerte schier -auch selbst mit ihnen. Und ich ging durch Täler hinaus, oft hingen -Bäume derart über mir zusammen, daß ich keinen Boden, keine Wurzel, -keinen Stein mehr sah, daß ich im Schwarzen dahinwandelte, stolperte, -in Pfützen sprang, an Bäume prallte -- in Todesangst war. Neben mir -hin rauschte der Waldbach. Oft hörte ich Gekrächze über mir, Schritte -hinter mir, und ich meinte, der Knecht sei bereits gestorben und sein -irrender Geist folge mir. Ich hatte Angst um meine arme Seele, ich -betete im Herzen, ich versicherte den lieben Gott und alle Heiligen, -daß ich all’ mein Lebtag keine Sünde mehr begehen wolle, wenn ich -diesmal in Gnaden bewahrt bliebe. Und bis auf einige blaue Ballen an -Gesicht und Händen blieb ich in Gnaden bewahrt. Nach Stunden kam ich -nach Kathrein, und da ging die Morgenröte auf. - -Ich eilte zum Pfarrhof und riß mit beiden Händen an dem Drahte der -Türglocke so heftig, daß ich von innen einen Jammerschrei hörte. -Dann wurde ein Fenster aufgerissen, und die alte Haushälterin in -schneeweißem Nachtgewande rief alle Namen der Himmel um Antwort an, wer -denn Sturm läute in solcher Stunde. Da öffnete ich denn mein bedrängtes -Herz: „Der Hansjörgl will sterben -- das letzte Öl soll er auch -mitnehmen, und begraben läßt er ihn mit dem großen Kondukt!“ - -Ich wurde verstanden. Schwer mag’s dem greisen Mann gewesen sein, -nun aus den weichen Federn fort, in die frostige Herbstluft hinaus, -und nüchtern in das Gebirge. Aber er ging. Lautlos kleidete er sich -an, eilte zur Kirche, läutete selbst das Versehglöcklein, holte das -Heiligste und ging mit mir. Ich ging voran, trug in der einen Hand -die brennende Laterne, in der andern das Metallglöcklein, mit dem ich -schellte, auf daß die Menschen in den Häusern und Hütten, an denen wir -vorüberzogen, auf die priesterliche Handlung aufmerksam gemacht würden. - -Wir gingen denselben Weg, den ich hergegangen war. Das Wasser rauschte; -ich schellte den Fischen, daß nun ihr Schöpfer vorüberziehe, und daß -sie anbetend ihre Köpfe emporrecken sollten aus den Wellen. Keine -einzige Forelle hat mein Glöcklein gehört. - -Als es nach und nach licht geworden war, begann der Pfarrer hinter mir -plötzlich zu lachen. „Ja, was hast du denn gemacht, Kleiner, du hast ja -dein Höslein verkehrt an!“ - -Da gab’s mir einen Stich im Herzen; vor meinen Augen tanzten Sterne. --- Was hat er gesagt, mein Höslein verkehrt? -- Es war wohl so! -- Das -Hintere war vorn, das Vordere war hinten, und kein einzig Knöpflein war -zu. - -„Ist ja kein Unglück“, sagte der Pfarrer, „hast es halt ein wenig -schnell gemacht. Setz’ die Laterne da auf den Stein, und mach’ Ordnung, -ich wart’ auf dich.“ - -Ich ging hinauf in das Dickicht und zog aus und zog an, und eilte, daß -doch der Knecht dieweilen nicht sterbe, und endlich, als alles recht -saß, barg ich mein Gesicht in den Ellbogen. - -Um mich aus der Verlegenheit zu befreien, begann der Greis ein -Gespräch und erkundigte sich um die näheren Zustände des Knechtes. Er -beschleunigte seine Schritte und sagte mir, daß es für einen Priester -sehr peinlich sei, auf seinem Versehgange zum Kranken nur mehr einen -Toten zu treffen und unverrichteter Sache wieder zurückkehren zu -müssen. „Einmal hab’ ich das erfahren, mein lieber Kleiner. Es war vor -mehreren Jahren. Ich wurde hinein in die Kiengräben zu einem Holzhauer -gerufen, den als Wilderer die Kugel eines Jägers getroffen hatte. -Sein einzig Sehnen war nach einem Priester; stundenlang rang er mit -dem Tode und in Verzweiflung rief er: Ich muß warten auf meinen Gott -und Richter. -- Aber der Weg bis in die Kiengräben ist weit, und ich -fand den Mann erstarrt, und auf seinen Zügen und in seinem gebrochenen -Auge lag noch die Todespein. -- Im Chorrock, und auf den Händen das -Sakrament, so mußte ich wieder umkehren; und auf demselben Gang hab’ -ich keine einzige Vogelstimme gehört im Walde, und mir ist so schwer -und weh gewesen, als hätten mich alle unerlösten Seelen der Erde -verfolgt. Kleiner, was das heißt, ein Priester sein -- es ist nicht zu -sagen!“ - -Der Pfarrer schwieg, trocknete seine Stirn, und wir schritten weiter -und weiter. - -Wir stiegen den Berghang hinan gegen unser Haus. Die Nebel hatten -sich aufgelöst, und die Sonne stand schon ziemlich hoch am tiefblauen -Himmel. Die Almglocken klangen auf den Höhen, und zeitweilig hörte man, -in hohen Lüften getragen, das helle Jauchzen eines freudigen Menschen. --- Ei wohl, unser Knecht hatte auch schön gesungen und hell gejauchzt, -und an diesem lieblichen Morgen soll er gar auf dem Totenbette sein! - -Das Haus stand still und traurig auf der Anhöhe. Wohl glänzte die -Sonne in den Fenstern, aber diese sahen uns entgegen, wie verglaste, -verweinte Augen. - -Ich zitterte vor Angst; ich hielt die Laterne hoch und das Glöcklein -ließ ich klingen. Niemand kam uns entgegen, niemand kniete vor dem -Hause, um sich den Segen des nahenden Heilandes zu erbitten. Die Türen -waren offen, wir gingen in das Haus und durch die Vorlauben in die -Stube. Es war niemand da, nur die Uhr an der Wand tickte und tickte. - -Der Kranke ist noch auf dem Heuboden, dachte ich, und sie sind alle bei -ihm. Der Pfarrer stellte das Sakrament auf den Tisch und sank erschöpft -auf die Bank daneben. Ich eilte auf den Heuboden und rief laut, daß wir -da seien. Der Heuboden war still und dunkel, nur das frischduftende -Heu war da. Und das Bett des Knechtes war leer! -- Da erfaßte mich ein -Grauen, und ich lief zurück in die Stube: „Kein Mensch ist da, kein -Mensch im ganzen Hause; sie haben ihn gar schon fortgetragen!“ - -Da erhob sich der Priester, sein Antlitz rötete sich und er sah mich -an mit strengem Blicke. Ich brach in ein Weinen aus. Wir ließen die -Heiligtümer auf dem Tische stehen und gingen vor das Haus, und ich -rief, was ich rufen konnte, nach den Leuten. - -Endlich hörte ich von dem Schachen herüber halbverhallte Schläge. Ich -lief gegen den Wald und schrie, und mein Schreien wurde aus Angst und -Furcht schier zum Kreischen. - -„Sakra, was ist denn das für ein abscheulicher Lärm da unten? Was hat’s -denn?“ hörte ich plötzlich eine Stimme von dem Wipfel einer hohen -Fichte her. - -Ich schau’ hinauf, hör’ ihn, seh’ ihn -- es ist der Hansjörgl. - -Und er hackt die Äste herab, einen um den andern, und singt und -jauchzt. Da lauf’ ich wohl wieder zurück zum Hause, zum Pfarrer, -auf daß ich niederfalle vor ihm auf die Kniee und ihn tausendmal um -Verzeihung bitte, daß der Knecht wieder kernblitzgesund ist und von den -Bäumen die Äste herabhackt zur Streu für die Rinder. - -Aber wie ich zurückkomme, steht schon der Bauer vor dem Pfarrer und -bringt Entschuldigungen vor. Der Knecht habe gestern ein klein wenig -mehr von Speisen zu sich genommen, weil die Gürtelspreng’ gewesen sei, -und d’rauf habe er in der Nacht so einen heftigen Kolikanfall bekommen, -daß schon alle gemeint, es sei sein letztes End’. Deswegen habe er -gleich um den Priester geschickt, aber die Krankheit habe bald darauf -nachgelassen, und der Hansjörgl habe in der Früh wieder rechtschaffen -viel Kässuppe gegessen. Man habe hernach wohl einen zweiten Boten -geschickt, daß der Herr Pfarrer nur daheim bleiben möge, aber dieser -Bote sei wahrscheinlich einen andern Weg gegangen, und so sei es -geschehen, wie es geschehen war. - -In der Stube aber brannte das geweihte Wachslicht und stand das -geistliche Brot. Sollte nun der Pfarrer wirklich mit dem Hochwürdigsten -unverrichteter Sache zurückkehren müssen, was er so gefürchtet? -Oder will er auf der Alm die Messe lesen und selbst das Himmelsbrot -verzehren? Oder will jemand sterbenskrank werden, auf daß er die -bereitete Wegzehrung genießen dürfte? - -Ich sann auf Wege, sann auf Stege. Und endlich hatte ich was ersonnen. -Ich war noch nüchtern. Aus Liebe zum alten Herrn, der mich in der Seele -erbarmte, bekannte ich ihm auf der Ofenbank meine Sünden, und so konnte -ich nun der Kommunion teilhaftig werden. - -Und als die Handlung vorüber war, legte der Pfarrer den Chorrock ab -und atmete auf. Die Bäuerin, die nun auch von der Weide gekommen, gab -mir meine Morgensuppe und wollte dem Herrn Pfarrer mit Butter und -einer Eierspeise aufwarten; er konnte aber nichts genießen, weil er an -demselben Tage noch die Messe zu lesen hatte. So mußte der gute Mann -fasten, weil unser Knecht Tags zuvor so ungebührlich gegessen hatte, -und so mußte ich eine Beichte ablegen, weil unser Knecht Tags zuvor -gegen die Mäßigkeit gesündigt hatte, und so endete in demselben Jahre -das Fest der Gürtelsprenge. - -Dafür hatte ich heute Feiertag und durfte den Pfarrer wieder nach -Kathrein begleiten. Als wir über den Hang hinabstiegen, hörten wir -Hansjörgl, den Knecht, von den Waldwipfeln herüber jauchzen. Der -Pfarrer stand still und sagte zu mir: „Was meinst, Kleiner, hört sich -das nicht besser, wie Totenglocken?“ - -[Illustration] - - - - -Wilhelm Raabe: - -Der Marsch nach Hause. - - - - -Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers und des Verlegers abgedruckt -aus dem 2. Bande von Wilhelm Raabes „Gesammelten Erzählungen“ (Berlin: -Verlag von Otto Janke, 1901). - - - - -Der Marsch nach Hause. - - -1. - -Am siebenten August des Jahres Sechzehnhundertvierundsiebenzig als -am Geburtstagsfeste des Schutzheiligen des Ortes und der Gegend, des -heiligen Gebhard, herrschte ein reges Leben in der alten Stadt Bregenz -am Bodensee und rings um dieselbe. Seit langen Jahren hatte das Volk -diesen Tag nicht mit solchem Eifer und so fröhlichen Herzens gefeiert -wie heute. - -Schon am frühen Morgen hatte kaiserliches Geschütz von der Klause über -der Unnot und bürgerliches Böllergeknall von den Mauern der Stadt und -den umliegenden Höhen dem Heiligen die gebührende Ehre gegeben, und -Glocken und Glöcklein aus Kirchen und Klöstern waren schier den ganzen -Tag über nicht still geworden. Und es war ein schöner, ein heiterer -Tag, der ebenfalls dem Heiligen alle Ehre gab. Leise spielten die -Wellen des großen Sees an die Ufer, und die fernsten Berggiebel und -Hörner des graubündner Landes südlich über dem Rheintal, die Roja, -die Schwestern von Frastanz, die Scesa plana, der Kalanda und die -Grauhörner blitzten mit ihren Schneefeldern im heitern Licht herüber, -während die näherzu aufgetürmten Riesen von St. Gallen und Appenzell, -der Gonzen, der Alwier, der Kamor, der Hohen Kasten und der alte Säntis -mit allen Zacken und Rissen, ein mächtiger Bergkamm, in wundervoller -Klarheit sich vom blauen Himmel abhoben. Wer die Hand über die Augen -hielt, um dieselben gegen das Glänzen und Leuchten des Wassers zu -schirmen, der mochte selbst im fernen Hegäu die dunklen Kegel des -Hohentwiel und Hohenkrähen deutlich erkennen. - -An der Kapelle am See, wo die Gebeine der im Jahre 1407 gegen die -Appenzeller Hirten Gefallenen ruhen, und wo der Graf Wilhelm von -Monfort mit allen Rittern des St. Jürgenschildes nach dem gewonnenen -Siege kniete, und der Ruf Ehrguta! Ehrguta! zum ersten Mal hell -hinausgerufen wurde, um durch Jahrhunderte in den Gassen der alten -Römerstadt Bregenz nicht zu verhallen, waren die Schiffe und Kähne der -Gäste aus dem Allgäu und dem Thurgäu mit Seilen und Ketten angelegt. -Viel Volk war aus dem Walde gekommen, und die Benediktiner von Mehrerau -und die Pfaffheit in der Stadt mochten den Tag wohl loben; denn wie bei -allen solchen, vom Wetter und dem Lebensmut der Menschen begünstigten, -feierlichen Gelegenheiten fiel mancherlei für sie ab, was sie gar wohl -gebrauchen konnten und mit Dank und gutem Gegenwillen gern hinnahmen. - -Wenn nun schon am Seeufer, wie gesagt, ein munteres Leben herrschte, -so nahm dieses mehr und mehr zu auf allen Wegen, die zu dem grauen -Mauerviereck der Römerstadt emporführten, wurde aber am buntesten auf -den waldigen Pfaden, auf welchen man rechts von der Stadt die Höhe des -Pfannenbergs erreicht; denn dort hinauf oder hinab mußte ja das Volk, -welches den heiligen Gebhard zu seinem Geburtstage grüßen wollte, -oder ihn bereits gegrüßt hatte. Wir gehen mit den Emporsteigenden, -um nachher mit einem einzelnen Gaste des guten Bischofs wieder -herabsteigen zu können. - -Der Heilige würde sich sicherlich nicht wenig gewundert haben, wenn er -heute die Stätte gesehen hätte, wo einstmals seine Wiege stand. Die -Natur hatte wohl Zeit gehabt, ihre verschönernde Hand an das schlimme -Denkmal der schwedischen Furie vom Jahre Sechzehnhundertsechsundvierzig -zu legen; allein alles hatte sie doch längst nicht auszugleichen -vermocht. Da blickten die gewaltigen, zerrissenen, von der Flamme -geschwärzten Mauern und Türme von Hohen-Bregenz immer noch grimmig -auf den jungen, freudigen Waldwuchs, der sich zwischen und an sie -gedrängt hatte, herab. Und wie manches gefiederte Samenkörnlein -Wurzeln geschlagen haben mochte in den Schießscharten und leeren -Fensteröffnungen, die grause Göttin Bellona lachte doch nur höhnischer -durch die schwankenden Kräuter und den kletternden Efeu. Das Gras und -die Herbstastern, die Königskerzen und die Sternblumen hatten noch -nicht den Sieg gewonnen über den Brandschutt des wilden Feldmarschalls -Karl Gustav Wrangel. Hätte das Volk eine ebensolche Miene gemacht, -wie die Geburtsstätte seines Heiligen auf der schönen, vorspringenden -Kuppe des Pfannenberges, so wäre das Fest gewißlich nicht so heiter -anzuschauen gewesen. - -Aber die arme, gequälte Menschheit vergißt Gottlob leicht und schnell. -Die frohe Menge, die innerhalb der niedergeworfenen Burgmauern lagerte, -den Wald ringsum füllte und auf allen Pfaden zog, ärgerte sich heute -gar wenig an dem, was vor mehr als siebenundzwanzig Jahren geschehen -war, und das historische Faktum diente höchstens noch einigen älteren -Leuten zu einer nicht unannehmlichen Unterhaltung. - -Freilich war die schwedische Hand auf den armen Mann und kleinen -Bürger am Schluß des Jahres sechsundvierzig verhältnißmäßig ziemlich -leicht gefallen, denn der General Wrangel hatte an dem Adel und der -Geistlichkeit so gute Beute gemacht, daß er das Geringere gern und -willig an Ort und Stelle beließ. Die Geistlichkeit und der Adel hatten -nämlich alle ihre Schätze und Habseligkeiten weit aus dem Lande umher -in die feste Römerstadt geflüchtet, und als der falsche Kommandant -der Klause am See seine Tore verräterischer Weise öffnete, da fand -der Schwede alles recht ordentlich, hübsch und lieblich beieinander, -und mochte sich wohl die Hände reiben. Wer heute Schweden bereist und -nach Skogkloster kommt, der wird daselbst wohl noch allerlei gute -Dinge finden, welche der Wrangel damals aus Brigantium mit sich nahm, -und welche die Erben aus dem Allgäu und dem Vorarlberg nun doch wohl -vergeblich zurückfordern möchten. - -In der Mitte der Ruinen, auf der Stelle, wo seit dem Jahre 1723 die -Kirche des einstigen Burgherrn von Hohen-Bregenz und spätern Heiligen -steht, war heute am 7. August 1674 der Boden von Schutt und Trümmern -gereinigt, und für den festlichen Tag ein mit Blumen geschmückter, -mit Lichtern bedeckter Altar errichtet, an welchem die Benediktiner -von Mehrerau der Feierlichkeit vorstanden. Hier befand sich der -Mittelpunkt des Gewimmels, doch im weitern Umkreise war dasselbe auch -nicht viel geringer. Da waren in den verwüsteten Räumen der Burg, im -grünen Grase, unter den Bäumen Tische und Bänke aufgestellt und Fässer -zusammengerollt und aufgelegt, da gab es mancherlei gute Sachen für den -Mund und die Augen, und die Geburtstagsgäste saßen an den Tischen und -lagerten im Grase und drängten sich um die Fässer und feilschten an den -Tischen der Verkäufer von Rosenkränzen und Kreuzen und Heiligenbildern, -und an einem der Tische saß einer der Helden dieser Historia einsam -und allein vor der Flasche und dem Glase, und nickte mit dem Kopfe, -und blinzelte in das Gewühl seliglich, im Rücken gedeckt von einem -rauchgeschwärzten Mauerwinkel, überschattet von einem Ahornstrauch, -unbekümmert um das Glöckleinklingeln der Geistlichen, die Töne der -Musik im Walde, das Jauchzen und helle Lachen der Buben und Mädeln -- -einer der beiden Helden dieser Historia, der brave Korporal +Sven -Knudson Knäckabröd+ aus Jönköping am Wetternsee, welcher zuerst mit -dem großen Feldmarschall Karl Gustav Wrangel hierher gekommen war. - - -2. - -Der Korporal hatte das Kinn auf beide Fäuste gestützt, er blinzelte -lächerlich-nachdenklich mit den schwimmenden Augen, und von Zeit zu -Zeit schüttelte er den grauen Kopf und fuhr mit der Rückseite der Hand -über die braunrote, ehrliche, wenn auch nicht ehrwürdige Nase; es kam -ihm selber ganz verwunderlich vor, daß er hier saß, und zwar zum -zweiten Mal, und zwar unter gänzlich veränderten Um- und Zuständen. -Er hatte des guten Tirolers manchen ehrlichen Schoppen genossen, und -es war eben kein Wunder, wenn er das bunte, bewegte Treiben vor und -um sich in einem phantastischen Zauberlicht sah; aber sein seltsam -Geschick hatte ihn wahrlich berufen, an dieser Stelle auch ohne den -roten Tiroler mancherlei Gesichte zu erschauen. Er schüttelte den Kopf, -wehmütig und doch lustig, wie er daran gedachte, auf welche Art er -damals in der Burg des heiligen Bischofs Gebhard anlangte. Wahrlich -nicht um sich wie heute breit und bequem im Schatten eines grünen -Ahorns vor dem Becher niederzulassen! Damals war die Welt verschneit, -und die Eiszapfen hingen an den Fichtennadeln und Tannenzweigen, -an den kahlen Ästen der Eichen und Buchen und an den Bärten der -zehntausend Kameraden, welche durch den Allgäu zum bregenzer Sturm -heranmarschiert waren. Damals handhabte er, der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd, seine Arkebuse wie die anderen, stand wie die anderen in -Rauch, Dampf und Feuer und stieg bergan den Pfannenberg, über Leichen -und Verwundete. Damals half er den Geschützmeistern die Kartaunen in -die rechte Position bringen und war unter den ersten an der Zugbrücke, -als das Tor von Hohen-Bregenz zersplitterte, die Mauer schwankte und -vornüber brach und den Graben für den verlorenen Haufen weg-, sprung- -und sturmgerecht machte. Er befand sich natürlich auch unter dem -verlorenen Haufen und schlug mit umgekehrter Muskete wacker drein, als -das kaiserliche Kriegsvolk immer noch den Eingang streitig machte; er -erwarb sich großes Lob bei seinem Hauptmann, und als der Feldmarschall -nachher auf den Berg kam, die gemachte Arbeit in der Nähe zu sehen, da -war der Korporal Sven voran unter denen, welche am lautesten Viktoria -schreien durften. - -„Ooooh!“ stöhnte der Korporal am Nachmittag des vierten Augusts 1674, -in allen Reizen der Erinnerung schwelgend, und legte sich schwer -auf die linke Seite und schlug mit der rechten Faust gewaltig auf -den Tisch. Um seine Gefühle deutlich zu machen, hatte er nichts -weiter hinzuzusetzen; aber +wir+ haben noch einiges über seine -Vorgeschichte zu berichten, um +unseren+ Gefühlen gegen ihn -gerecht zu werden. - -Den Fürberg hinauf und um den Fürberg herum, in den verschneiten -Wäldern und Klüften dauerten die Scharmützel zwischen den Schweden -und den Kaiserlichen auch nach der Einnahme von Stadt und Schloß -Bregenz tagelang fort, und heute noch richtet auf dem Pfänder der -Turist den Blick oder das Fernrohr auf eine der großartigsten -Landschaftsrundsichten Europas aus den halbversunkenen Verschanzungen -jener blutigen Wochen. - -Ein beträchtlicher Haufen der Sieger drang plündernd, sengend und -brennend tiefer in den Wald, scheuchte das Volk dörferweise vor -sich her, oder jagte es vereinzelt in unwegsame Felsenschluchten -oder versteckte Täler, wie solches seit dem Jahre 1618 bei allen -kriegführenden Parteien auf des römischen Reiches heiligem Boden -Brauch, Sitte und Gewohnheit geworden war. Auch unter dieser -Heldenschar befand sich der Korporal Sven Knudson Knäckabröd, und -dieser Expedition hatte er es zu verdanken, daß er im August des Jahres -1674 sich noch immer in der Gegend befand und am Tage des heiligen -Gebhard auf dessen von ihm, Sven, selber zerstörten Burg friedlich -und gemütlich vor dem Becher saß. An diesen schwedischen Streifzug -in den ersten Tagen Anno Domini 1647 knüpft sich nämlich einer jener -gar nicht seltenen schönen Züge weiblichen Mutes, weiblicher Wut und -weiblicher Tapferkeit, von denen uns die von den Männern geschriebenen -Geschichtswerke in verlegener und etwas bänglicher Bewunderung Kunde -geben. - -Zwischen Lingenau und Hüttisau schlugen am 4. Januar 1647 die -vorarlbergischen Ehefrauen und Schmelgen, das ist: die jungen Mädchen, -die eingedrungenen Schweden bis auf den letzten Mann tot, und nur -der letzte Mann entkam, das heißt, er -- der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd -- wurde schwer verwundet von der Wirtin zur Taube in -Alberschwende, Frau Fortunata Madlenerin, gefangen genommen und unter -sonderlichen Umständen von ihr gegen das blutdürstige Andringen der -erbarmungsloseren Kampfgenossinnen mit Erfolg verteidigt. - -Die Männer, welche sich von diesem Überfall am „roten Egg“ -wahrscheinlich aus Bescheidenheit fern gehalten hatten, durften -natürlich auch nicht in die dem Kampfe folgenden Verhandlungen -dreinschwatzen; sie läuten jedoch heute noch je am 4. Januar -Nachmittags zwei Uhr die Glocken zur Ehre und zum Gedächtnis der -Heldentat ihrer besseren Hälften. - -Um zwei Uhr nachmittags lagen im blutigen Schnee am roten Egg die -schwedischen Grobiane, zerschmettert von Kugeln, Baumstämmen und -Felsentrümmern, zerhackt von Beil-, Schwert- und Hellebardenhieben, -still, und die Weiber vom Walde tanzten wutentbrannt um die Leichen. -Die Frau Wirtin zur Taube aber, eine junge Wittib, die keine geringe -Rolle in der Schlacht gespielt hatte, brachte eben ihr Beutestück, -nämlich den Korporal Knäckabröd, in Sicherheit. - -Das hatte seine Schwierigkeiten! Denn kurz nachdem sie entdeckt hatte, -es sei noch einiges Leben in dem gleichfalls arg mitgenommenen armen -Sven, war dieselbe Bemerkung von drei anderen Kriegsgesellinnen -gemacht worden, und diese drei befanden sich noch nicht in der -Stimmung, den alten, lieben Beruf der Frauen, die barmherzigen -Schwestern und Krankenwärterinnen zu spielen, schon jetzt wieder -aufzunehmen. Im Gegenteil! Mit den Waffen in den Händen hatten sie -sich auf den unseligen, zappelnden Tropf gestürzt und wie die Frau -Fortunata zugepackt, und es gab ein arges Gezerr an Arm und Bein, an -den Fetzen des Wamses oder am Bandelier, und die Taubenwirtin hatte -alle Mühe, die erbosten Hiebe und Stöße durch ihr Geschrei oder -mit dem guten Schwerte, welches ihr seliger Gatte im Winkel hatte -stehen lassen, abzuwehren. Es war ein großes Glück für den Korporal -Sven, daß ihr Ansehen mächtig war unter den Wälderinnen, daß sie den -Plan zum Überfall angegeben hatte, und daß ihr Haus und Zeichen in -Alberschwende einen herrlichen Ruhm und Ruf besaß, weit hinaus nach -allen vier Weltgegenden; denn dem allein verdankte er sein Leben nach -der Niederlegung seiner Genossen an dem Fallenbache am roten Egg! - -Als doppelte Siegerin führte ihn seine Retterin auf einem Karren -in ihr Haus zu Alberschwende unter der Lorena, ließ ihn da zuerst -hinter verriegelter Tür auf ein Strohlager neben ihrem Schanktisch, -dann in ein besseres Bett legen und besorgte den ersten Verband -seiner Wunden selber. Er aber erwachte erst nach längeren Wochen aus -seiner Betäubung und wußte dann durchaus nicht anzugeben, was mit ihm -vorgefallen sei, und wo er sich befinde. - -Der Korporal Sven Knudson Knäckabröd wußte eigentlich noch heute, -d. h. im Jahre 1674, nicht, wo er sich eigentlich befinde, und das -war gar nicht so sonderbar. Seit er Anno Dreißig mit dem großen -Gustavus Adolfus, dem streitbaren Löwen aus Mitternacht, auf Usedom -in der pommerschen Bucht landete, war er sechzehn Jahre lang durch -solchen Wirrwarr hin- und hermarschiert, daß für einen Mann, der -nicht Gelegenheit gehabt hatte, die Geographie zu studieren, sich das -Bild der Welt wohl verwirren mochte. Hatte doch selbst der Oberst -Wrangel, unter dessen Kommando er damals seine Kriegszüge begann, und -der während der Zeit längst Feldmarschall geworden war, Mühe, sich in -dieser Beziehung die Landkarte klar zu halten. - -„Donner und Nordlicht!“ sagte der Korporal am 7. August 1674, legte -sich schwer auf den rechten Ellenbogen und schlug mit der linken Faust -auf den Tisch. Ja wohl, ein Mann, dessen Leben dicht an der Grenze -des ewigen Eises, dem Nordpol nahe, begonnen hatte, der den Krieg mit -allen Nationen Europas, mit Deutschen, Franzosen und Hispaniern, mit -Italienern, Dänen, Polen und Moskowitern sah, der dann sechsundzwanzig -Jahre des tiefsten Friedens unter dem Hirtenvolk des Vorarlberges -vollendet hatte, mochte wohl bei einiger Überlegung seines Daseins: -Donner und Nordlicht! sagen. - -Die Frau Fortunata hatte am Fallenbach wohl nicht gedacht, welch eine -schwere Last sie sich für die nächsten Zeiten durch ihr gutes Herz -auf den Hals lud. Sie bekam ihre große Not mit ihrem Schweden, dem -noch drei Jahre lang nach dem Sturm auf Bregenz das ganze Land rings -umher nach dem Leben stand. Es fand sich, daß sie ihn nur dadurch vor -allen den verschiedenen Nachstellungen retten konnte, daß sie ihn zur -Kindsmagd machte, dem wilden Arkebusierer ihr unmündig Töchterlein zur -Wartung in die Arme gab und ihn im Haus an ihr Schürzenband geknüpft -hielt, bis das erste Gras über die Blutzeit gewachsen war, bis die -Alten den „schwedischen Mann“ ohne Mordsinn ansehen konnten, und die -Jungen ihn als ein natürlich gegeben Ding nahmen. - -Da saß der Korporal Sven Knäckabröd denn in den Bergen verzaubert -neben der Wiege der kleinen Aloysia: er, der mit dem glorreichen -und sieghaften König Gustavus Adolfus über das Meer gefahren war -und in hundert grimmigen Schlachten in die Linie rückte gegen den -Tilly, den Wallenstein, den Pappenheim und hundert andere gewaltige -Kriegshauptleute! Da saß er und spann nicht nur Trübsal, sondern auch -wirklichen Flachs und Werg, und wenn das Kind schrie, so rief die -Frau Fortunata: „He, Schwen, sing ihm!“ und der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd sang. - -Potz Lappland und kein Ende -- dabei ließ sich dann recht hübsch -an allerhand anderes denken! Zum Beispiel an die graue, nebelige, -flammende Ebene von Breitenfeld oder von Lützen, an den Kommandoruf vor -der Front, an die rasselnden Reitergeschwader, die blauen und gelben -Fußregimenter, wie sie gegen die kaiserlichen Batterieen am Floßgraben -vorstürzten, zurückfluteten, wieder vorstürzten, unter den Hufen und -Füßen die Toten und die Verwundeten in Harnisch und in Büffelwams -zerstampften! - -Wenn dann wieder der Kommandoruf der Wirtin zur Taube in solche -Träumereien klang, gab es wohl ein sonderlich Auffahren, und ohne die -kleine Aloysia hätte das Ding am letzten Ende doch noch einen traurigen -Ausgang mit dem armen, verloren gegangenen schwedischen Mann genommen. - - -3. - -Du lieber Himmel, eine Zeitlang, so um das Jahr 1665 herum, trug er, -der Korporal, sich mit dem Gedanken, ob er sich nicht dadurch am -leichtesten ranzionieren und zugleich seinem dankbaren Gemüte am -angenehmsten Genüge leisten könne, wenn er die junge Wittib freie -und selber Taubenwirt zu Alberschwende werde. Eine Weile lang hatte -der gute Sven die größte Lust, auch einmal das Wagstück auszuführen -und zu rufen: „Ho, Frau Fortunata, sing!“, aber zuletzt wagte er es -doch nicht, abgesehen davon, daß er seinen lutherischen Glauben, oder -vielmehr den Glauben hochseliger königlicher Majestät Gustavi Adolfi -- -denn er selbst machte sich nicht viel daraus -- doch nicht gern in die -Schanze schlagen wollte. - -Es blieb also dabei: „He, Korperal, sing!“ und Sven Knudson Knäckabröd -sang; aber wie melodisch, das wollen wir lieber doch nicht weiter -aufrühren. Er war eine gute Kindsmagd, und als seine Dienstjahre in -dieser Hinsicht als beendet angesehen werden konnten, da tat ihm das -fast leid, und als braver Veteran behielt er für alle Zeiten eine tiefe -Zuneigung zu dem frühern Dienstverhältnis. Als die kleine Aloysia zehn -Jahre alt geworden war, hatte das Gebirgsvolk so ziemlich vergessen, -auf welche Art und Weise der schwedische Mann in seine Mitte geraten -war, und die Frau Fortunata konnte ihn allein laufen lassen. - -Er lief aber immer noch nicht allein; auch die kleine Aloysia Madlener -hielt fürderhin in Treuen an ihm, und die beiden schickten sich gar -wohl in einander im Dorf, im Wald und auf den Matten bei jeglicher Lust -und Arbeit. - -Wer jene holdselige Gegend kennt, der weiß, daß im Süden des Dorfes -Alberschwende der Pfad sich steil, anfangs durch Gehölz und dann über -schöne Wiesen, zu einem Bergsattel emporzieht, die Lorena geheißen. Wer -ihn heute geht, der findet unterwegs, ehe er zu dem herrlichen Gipfel -gelangt, drei Sennhütten; um die Mitte des siebzehnten Jahrhunderts -aber lag nur eine dort, und diese ein wenig höher, der Kuppe näher, -am Rande eines Tannenwaldes, und die Hütte, der Wald und die Wiesen -ringsumher gehörten dem Taubenwirtshaus drunten im Dorfe, und die Frau -Fortunata hatte das Besitztum einst als ein trefflich Nestei dem jetzo -seliglich abgeschiedenen Gatten mit in die Ehe gebracht. - -In dieses Haus auf der Lorena versetzte die Taubenwirtin ihr Beutestück -aus dem Schwedenkriege um das Jahr 1656, gab ihm Vieh und Weide zu -bester Pflege und Wartung unter, wie sie ihm vordem ihr Töchterlein -anvertraut hatte, und verwendete den Korporal wiederum also geziemlich -und nützlich. - -„Sie sagen, ihr treibt auch daheim sonderliche Zucht mit allerlei -absonderlichen Kreaturen in Milcherei und Käserei, Schwen. Nun seid ihr -lang genug bei uns, um zu wissen, was eine Kuh ist, und könnet wohl -einen Ochsen von einem Kalbe unterscheiden. Einen Bub kriegt ihr mit -auf den Berg: also jetzt zeiget euch als einen mit Verstand begabten -Menschen, haltet mir gute Ordnung und zeigt den Nachbarn, daß ich mir -keinen Narren in euch großgezogen habe,“ sprach die Frau Fortunata -Madlener, und Sven Knudson Knäckabröd zeigte sich wahrlich als einer, -der nicht nur mit Renntieren, Elentieren und der Luntenbüchse, sondern -auch, wie mit dem Kinderwiegen, so mit der Milch, der Butter und dem -Käse umzugehen wußte. Es hätte nun bald wenig gefehlt, daß er jetzt -ebenso berühmt wurde, wie er vordem berüchtigt war. - -Nun ließ es sich freilich auf der Lorena lustiger hausen, als in der -niedrigen, dumpfigen, holzvertäfelten Stube drunten in der Taube; -vorzüglich für einen, welcher von früher Jugend an die frische -Luft gewöhnt war; und der Korporal Sven saß manch lieb langes Jahr -dort oben, und ein undankbarer, hartherziger Gesell von Grund aus -hätte er sein müssen, wenn er jetzt nicht sein Geschick allmählich -gelobt hätte. Wir wollen zwar nicht behaupten, daß gerade er vor den -anderen Sterblichen der damaligen Zeiten berufen war, jubilierenden -Herzens in die Pracht und Schönheit der Natur zu blicken, allein -er hatte doch auch seine Freude an dem, was er von seiner Tür aus -überschaute. Da hatte er zu seiner Linken den mächtigen See bis in -die fernste verschleierte Ferne; zu seiner Rechten aber, über dem Tal -von Schwarzenberg, da hob es sich empor: Giebel an Giebel, Zacken an -Zacken, Wand über Wand; und die Glocken seiner Kühe klingelten um ihn -her, und Aloysia Madlener kam, erst ein jung, leichtfüßig Kind, dann -eine hübsche Jungfer, und saß wieder bei ihm und suchte ihm jetzt die -Zeit zu vertreiben, wie er früher sie ihr vertrieben hatte. - -Tagelang saß sie oft bei ihm auf der Lorena, und bald kam die Zeit, -wo der kriegerische Kuhhirt Besuche bekam, die ihm gar schön um den -Bart gingen und doch nicht seinetwegen von allen Höhen herab und aus -allen Tälern hinauf zu ihm stiegen. Eitel jung Volk besuchte ihn, die -besten Buben weit umher, und einige gab es darunter, die kamen mit der -Mette und gingen erst mit dem Abendgeläut, bis die Katz’ aus dem Sack -war, und der Fidel Unold, der reiche Sägmüllerssohn, es allen anderen -abgewonnen hatte. Da gingen denn dem Korporal Sven Knudson Knäckabröd -auch wieder einmal die Augen auf, und als er seiner Verblüffung gegen -die Frau Fortunata Luft machte, da stemmte diese auch wieder einmal die -Arme in die Hüften und sprach: - -„Schwen, daß ich einen Esel am roten Egg aufgehoben habe, das wußte -ich nach den ersten drei Tagen unserer Bekanntschaft. Na, Alterle, -laßt’s gut sein, ich habe hier unten die Augen offen behalten, während -ihr da oben nur das Maul aufsperrtet und vermeintet, das ganze junge -Volksspiel gehe nur deshalb zu euch her, um eure Lügen und Heldentaten -anzuhören. In acht Wochen ist Hochzeit, und ihr seid freundlich -geladen.“ - -In acht Wochen war wirklich die Hochzeit der schönen Aloysia Madlener -und des glücklichen Fidel Unold, und der Korporal Knäckabröd spielte, -obgleich er ein Esel war, doch keine geringe Rolle an dem hohen Tage. -Er tanzte sogar; -- erst zu allgemeiner Bewunderung einen schwedischen -Tanz, dann unter lautem Aufkreischen der Weiber und brüllendem -Gelächter der Mannsleute einen Kroatentanz, und zuletzt zu seinem -allereigensten Vergnügen einen zierlichen Ländler mit der Brautmutter, -der Frau Fortunata Madlener; und nur verschiedene alte Weiber, die ihm -einst am roten Egg mit aufgegeigt hatten, schüttelten jetzt noch den -Kopf über ihn. - -Nach den Hochzeiten pflegen die Taufen zu folgen, und so geschah es -auch hier. Gar häufig holte man ihn auch zu solchen Feierlichkeiten -von seiner Höhe herunter, und dann stiegen wiederum kleine Füße zu -ihm hinauf, und -- so gingen die Jahre vorüber und hin, und der -Korporal Sven Knudson Knäckabröd, der in seinen jungen Jahren so vieles -durchgemacht hatte mit Märschen, Stürmen, Schlachten, Hunger und -Durst, und es gar nicht besser gewußt und gewollt, der saß nun im Fett -und im Frieden und wußte und wollte nichts mehr von der Welt da draußen -vor den Bergen. - - -4. - -„Wenn sie mich zu Hause und in Ruhe gelassen hätten, wär’s besser und -mir lieber gewesen,“ brummte der schwedische Mann an seinem Tische -auf dem Gebhardsberge unruhig auf- und abrückend. „Das Weibsvolk, das -Weibsvolk, -- gibt es wohl Frieden? Nimmer! Kann es wohl einen in -seinem Winkel sitzen lassen? Niemalen! Das muß immer herumwuseln und -zerren und zupfen und einem den Bart streicheln und einem im Notfall -mit Gift anschrillen, wie eine Million Heugaisen, bloß um seine eigene -Million Grillen durchzusetzen. Da sitze ich nun, aber wo sind sie -jetzt, meine Weibsen? Da geht es mir doch wie königlicher Majestät -mit den lappländischen Regimentern Anno Dreißig. Die sollt’ man gegen -den Feind führen?! Kaum hatt’ man sie zusamm’, so hupft’s auseinander -mit Gequak und Gegecker wie ein Sack voll Frösch’, und der Hauptmann -steht allein vor der Batterie und kann aus der Haut fahren. O potz Käs -und Kuhglocken, als die Kleinen gestern Nachmittag heraufkrabbelten -und einen Gruß brachten von Mutter und Großmutter und die Nachricht, -heute gehe es nach Hohen-Bregenz zum heiligen Gebhard, da hab’ ich -mir bei ihrer Lust gleich gedacht, daß das für mich ein sonderlich -Vergnügen werden würde. Der Tiroler ist es nicht, die Erinnerung -ist’s, was mich auf den Kopf stellt. Dem roten Egg bin ich seit einem -Menschenalter nicht nahe gekommen, und nun muß ich der Alberschwendener -Weiberstreifpartei hierher als Führer dienen! Ja, sicher wär’s besser -gewesen, wenn sie einen anderen dazu kommandiert hätten, und doch -- o, -o, es ist, es ist ein sonderlich Vergnügen. Da hielt der Wrangel! Und -dort fanden wir den Fähndrich Olafsson mit eingeschlagenem Schädel. Ja, -klingelt nur und räuchert nur; ihr klingelt und räuchert uns nicht weg! -Es war eben eine gloriose Wirtschaft, und es ist nur ein Elend, daß man -nicht einen hat, mit welchem man anstoßen könnte: trink, Bruder, die -schwedische Gloria soll leben, -- alle guten Gesellen zu Roß und zu Fuß -sollen leben, und du sollst auch leben, Bruderherz! -- Wo stecken nur -die Weibsen? Das ist doch keine Art, einen mit der alten Zeit an einem -solchen Ort alleine zu lassen! Ja, wenn ich nur die Kinder hätt’, da -könnt’ ich mich doch woran halten -- ho, ho, der rote Tiroler und der -General Wrangel, die haben nun die Oberhand über dich, Sven Knudson -Knäckabröd -- o Käs und schwer Geschütz, Sven, es ist doch eine Lust -und Annehmlichkeit, heut allhier auf Hohen-Bregenz zu sitzen und Anno -Sechsundvierzig mit dabei gewesen zu sein, als man es mit Sturm nahm; -Herrgott, die Tränen kommen einem vor Wehmütigkeit in die Augen, und -wann ich heut schwedisch reden hört’, ich glaub’, das Heimweh stieße -mir das Herz ab.“ - -Die „Weibsen“, welche der Korporal Sven zum heiligen Gebhard hatte -führen müssen, nämlich die Frau Fortunata, die Frau Aloysia und die -kleinen Mädchen der letzteren, hatten ihn natürlich sogleich nach -der Ankunft auf dem Pfannenberge seinem Geschick und eigenen Gaudium -überlassen. Den schwedischen Mann hatten sie immer zur Hand, aber -um den Altar des heiligen Gebhard da gab es Bekannte und Verwandte, -Freunde und Freundinnen, die man nicht immer zur Hand hatte. - -„Ich vertret’ mir die Füß’,“ sagte der Korporal, „es hilft nichts, hier -festzuwachsen. Sie werden mich heute nicht als Spionen hängen, wenn ich -des Ortes Gelegenheit wieder einmal erkunde. Donner, es war doch eine -tüchtige Arbeit, damals bei dem gefrorenen Boden, Schnee und Eis, die -Artillerie den Berg hinauf zu bringen!“ - -Er hatte sich erhoben und reckte und dehnte sich und wandelte -schwerfällig durch das Getümmel und betrachtete von neuem und von -allen Seiten aus den Schauplatz, auf welchem er selber einst mit -der Pike in der Hand so tapfer mit agieret hatte. Er stieg um die -Ringmauern. - -„Da kamen wir mit den Leitern und verloren manchen guten Mann. Da -wollten die Herren Generals zuerst Bresche legen lassen; aber wir -besannen uns eines Besseren und führten das Geschütz weiter ab. Dort -hinein kamen wir! Vivat, vivat! sieh, sieh, dort stürzt’ ich die zehn -Schuh tief hinunter auf den Kopf und dacht’, es wär’ mein Letztes; -aber ich kam doch schnell genug wieder auf die Füße und war mit unter -den ersten im Tanz! Es ist nicht zum Aushalten, -- man muß vor seinen -lieblichsten Erinnerungen Reißaus nehmen, wann es einem so ergangen -ist wie mir. Da sollt’ man ja ersticken. Die Mauern fallen einem auf -den Kopf. Ich denk’, ich nehme wirklich Reißaus und steige nieder zum -See. Solch’ groß’ Wasser hab’ ich ja auch seit dem Elend am Fallenbach -nimmer wieder in der Näh’ zu Gesicht gehabt.“ - -Wer des Veltliners zur Genüge trank, der weiß wohl, wie blau ihm der -Himmel werden mag. Dem braven Korporal Sven wurde mehr als eine Fiedel -auf dem Wege, welchen er jetzo ging, gestrichen; aber es klang ihm wie -der Schall von hunderten in das Ohr, und dazu viel andere Instrumente, -Pauken und Posaunen, und dann durch alles ein fernes Grummeln, gleich -schwerer Konstablerei in geordneter Feldschlacht. Alle Leute, die -ihm begegneten, freuten sich über ihn; er aber ging so gravitätisch -seines Pfades, als es sich bei der Steilheit des Berges eben tun lassen -wollte, und so kam er hinab an das Ufer des Sees und blickte mit -ernstem Kopfschütteln auf die breite Wasserfläche und wandelte langsam -am Gestade hin, bis zu der Seekapelle, allwo, wie wir bereits sagten, -die Kähne der Gäste, die über das Wasser gekommen waren, an Stricken -und Ketten lagen. - -Wenn es in Bregenz und auf Hohen-Bregenz, in der Stadt und auf dem -Pfannenberg hoch, lustig und lebhaft zuging, so war es desto stiller -am Wasser um diese Zeit. Klar und ruhig lag der See da; die Enten und -Gänse ruderten und tauchten am Ufer, und fern auf der Höhe des Spiegels -schwangen sich blitzend wie silberne Punkte die weißen Seeschwalben im -Kreise, und weiße Segel stiegen über den Horizont herauf, oder tauchten -über ihn hinab, und die Stadt Lindau zur Rechten der Bucht streckte -ihre Türme und Giebel so klar in die Tiefe, wie sie dieselben in den -lichten Himmel emporhob. - -Der schwedische Mann von der Lorena nahm den Hut ab, trocknete sich -die schweißtriefende Stirn und atmete tief und erleichtert; dann aber -schüttelte er mehr denn je den Kopf, nachdem er sich auf einen Stein -am Ufer gesetzt und die Hände auf die Kniee geschlagen hatte. - -„Ich hätt’ auch dem nicht nahe gehen dürfen,“ murrte er nach einer -Weile. „Vom Berg aus darauf hinzusehen, hat mir nichts gemacht; aber -in der Nähe ist’s ein anderes, und schlimmer als da oben die Rudera. -Die Weibsen können es nimmermehr verantworten, daß sie mich hierher -geschleppt haben, denn wenn ich sie darhingegen nach Jönköping am -Wetternsee setzen wollt’, so würd’ ich mir wohl allerlei in die Ohren -stopfen müssen, von wegen ihres Geheuls und Heimweh. Jönköping! Da bin -ich umhergezogen mit dem großen Gustav, und nachher mit dem Banner, -dem Torstenson, dem Königsmark und dem Wrangel und hab’ nimmer an den -Wetternsee und meines Vaters Haus zu Jönköping gedacht, und heut hab’ -ich selber Lust, darüber zu heulen wie ein Weib. Jetzt ist mir das -Wasser noch ärger als das Land; -- ja wahrlich, als ich mit dem großen -Gustavus Adolfus über das Meer fuhr, da hab’ ich noch nicht gewußt, -daß es doch zuletzt nur zum Kühmelken und Käsemachen ging -- o Donner -und Nordlicht, hab’ ich das nur geträumt diese langen sechsundzwanzig -Jahre, oder hab’ ich es wirklich und wahrhaftig erlebt? O ja, da möcht’ -man doch auf Nimmerwiederaufgucken in den See untertauchen!“ - -Er war wild aufgesprungen, und dann tat er noch einen Sprung, hinab vom -Uferrande, doch nicht in das Wasser, sondern in den nächstliegenden -Kahn, den er durch die mächtige Erschütterung fast zum Sinken gebracht -hätte. Schwer fiel er auf die Bank und sah beinahe erschrocken nach -der Stadt Bregenz und dem Berge des heiligen Gebhard hinüber. Aber -niemand hatte ihm auf seine Schliche gepaßt, niemand auf seine Tat Acht -gegeben. Im nächsten Augenblick schon hatte er das Messer gezogen und -mit einem Hieb das haltende Seil zerschnitten. Er war im Rausch, als er -die Ruder ergriff, doch nicht vom roten Tiroler. Drei kräftige Schläge -führten das leichte Fahrzeug hinaus auf den jetzt im linden Südwest -sich kräuselnden See. Es gelang dem Korporal Sven Knudson Knäckabröd, -den kleinen Mast aufzurichten und -- er hatte nicht umsonst in seiner -Jugend dem Herrgott halbe Tage mit dem Fischfang auf dem Wetternsee -abgestohlen -- das Segel schiffermäßig zu entfalten und zu richten. Er -war nicht im geringsten Schuld daran; allein es war richtig, -- er war -seinen Weibsen, der Frau Fortunata, der Frau Aloysia und den kleinen -drei Schmelgen durchgegangen und befand sich bei günstigem Winde auf -der Fahrt nach des heiligen römischen Reiches freier Stadt Lindau im -See. - - -5. - -Es war gar lieblich auf den Wassern, vorzüglich für einen, der in so -seltsamer Stimmung darüber hinfuhr, wie der schwedische Hirt von der -Lorena. Wenn es still am Ufer unter dem Fürberg war, so war’s noch viel -stiller auf der von der Nachmittagssonne beglänzten Bucht von Bregenz, -und der Korporal Sven hatte eine gute Fahrt. Er saß und hielt die Hände -vor dem Bauch gefaltet und ließ sein Schifflein gleiten vor dem Winde. -Wie jetzt das Ufer hinter ihm versank, oder die Berge sich vielmehr -heraushoben, so hob sich nun auch vor ihm das niedrigere Hügelland des -Allgäus, und vor allem wie eine Stadt aus dem Wunderschatz der Frau -Saga die freie Reichsstadt Lindau. - -Die grauen Mauern, deren Grund der römische Kaiser Tiberius Claudius -Nero legte, als er hier die Rhätier und Vindelicier besiegt hatte, -lagen noch stiller da als der See. Die alten Linden nickten -freundlich-schläfrig von den Bastionen, und die grün und silbern, rot -und goldfarbig glänzenden Turmdächer von Sankt Peter und der heiligen -Dreifaltigkeit -- den Diebesturm nicht zu vergessen -- luden förmlich -behaglich wie aus der Luft, so aus dem Wasser, den braven Korporal -Sven Knudson Knäckabröd zum Näherkommen ein. In dem kleinen Hafen -lagen ruhig, nur da und dorten von einem weißen Spitzhund bewacht, -die Lädinen und Halblädinen, die Segner und Halbsegner und dazwischen -die Lustgondeln der wohlhabenden Reichsstädter, soweit sie sich nicht -zu Bregenz befanden. Nur eine Bürgerschildwacht war auf der Mauer zu -erblicken, und die schlummerte sanft auf ihre Partisane gestützt. Das -Lebendigste auf dem Wall zu Lindau im See waren um diese Stunde die -Fliegen, welche in Scharen über den erwärmten Geschützrohren summten. - -Der Kahn des Schweden schoß, durch den Schatten der Lastschiffe hin, -in den Hafen hinein und an die Hafentreppe, und als der Korporal -sein Schifflein mit einem letzten Ruderschlag dort antrieb, fragte -ihn niemand um das Wohin und Woher, und das war recht gut; denn im -Augenblick hätte er vielleicht auf beides keine Antwort zu geben -gewußt. Seit dem Kolbenschlag am roten Egg war ihm nicht so verworren -zu Mute gewesen, aber trotz allem war ihm heut’ doch die Welt -behaglicher als damals, wo er sich auf dem blutigen Strohlager am -Schanktisch in der Taube zu besinnen suchte. - -Doch wer auf eine solche Weise, wie er, im Hafen von Lindau anlangte, -der mochte, nachdem das Schifflein am Lande lag, wohl selbst den -Hut hin und wieder rücken um die Frage: Was nun? und wohin nun? Der -Korporal Sven stand und blickte an der nahen Stadtmauer empor und -durch den dunklen Bogen, welcher in das Innere der Stadt führte, -hindurch und rieb sich die Stirne. In dem nämlichen Augenblick aber -erschien über der Mauerbrüstung ein dicker, roter, von schneeweißem -Haar umflusterter Kopf, der sich ächzend auf zwei gewaltige Fäuste -legte und entsetzlich gähnend auf den See hinausstarrte. Dasselbige -Haupt spie verächtlich von der Mauer der freien Reichsstadt hinab; ein -nicht geringer Mund öffnete sich, und -- plötzlich -- ganz unvermutet -und von einer solchen Erscheinung auch gar nicht zu vermuten, fing -das Ding an zu singen, und zwar eine Weise, welche im Munde des -schwedischen Volkes schon seit mehr denn hundertfünfzig Jahren umging. - -Und in schwedischer Zunge sang das Unding auf der Mauer heiser und -gräßlich: - - „König Gustav reitet nach Dalarne - Zum Thing mit den Dalkarlen sein; - Doch Christiern liegt vor Södermalm - Und frißt gestohlene Schwein;“ - -und wie heulend in Verdruß, Ärger, Entrüstung und Wehmut: - - „König Christiern sitzt in Stockholmschloß - Und säuft unsern Met und Wein!“ - -„Blitz und Donner! Alle guten Geister!“ stöhnte der Korporal Sven -Knudson Knäckabröd, versteinert nach dem Sänger aufstarrend; doch der -da oben gähnte noch einmal und scheußlicher als zuvor, und fuhr fast -noch unmelodischer fort: - - „Hört alles, was ich euch biete an, - Vom Tal, ihr meine Mannen: - Wollt ihr mir folgen nach Stockholm - Und schlagen die Jüten von dannen?“ - -Mit beiden Händen griff der Korporal Sven Knudson Knäckabröd nach -seinem Haupte, wie im wilden Zweifel, ob er dasselbige auch noch auf -den Schultern trage; und als er es noch an Ort und Stelle fand, tat er -einen Satz und brüllte seinerseits zu dem Sänger auf der Mauer hinauf: - - „Um’s Rebhuhn und um’s Eichhorn ist’s, - Sobald wir zielen, geschehn; - Und dem Blutracker Christiern, - Dem soll’s nicht besser gehn;“ - -und die Wirkung nach oben hinauf war nicht geringer, als die von oben -hinunter. - -Auch der da oben schnellte empor und beugte sich über die Brüstung und -schrie: - -„Bei der blauen Fahne Wasa’s, ist ein Spuck, ein Trold aus dem See -aufgestiegen, oder ist’s ein Landsmann? Ho Landsmann? Landsmann!“ - -„Ho Landsmann!“ rief der Hirte von der Lorena; aber da er einmal -im Zuge war, so brüllte er weiter, daß die Bastionen der freien -Reichsstadt Lindau wie im Schrecken widerhallten: - - „Das reißt nun in meiner Seite, - Ich fühle mich so beengt; - Auch ich hab’ von den Fischen gekostet, - Die man in Dalarne fängt.“ - -Die Bürgerschildwacht im Lindenschatten erwachte bei den Mißtönen -aus ihrem süßen Schlummer und faßte zusammenfahrend die Pike an. Die -Mauertreppe aber herab stürzte der Hafenwärtel der freien, frommen und -biderben Reichsstadt Lindau im See, Rolf Kok, umfaßte mit beiden Armen -den Mann von der Lorena, schüttelte ihn heftig und rief: - -„Kerl, in aller Welt Namen, Kerl, Kerl, wo kommst du her? wo bist du -jung geworden? wer bist du?“ - -„Arkebusierer Korporal Sven Knudson Knäckabröd im gelben Regiment -Oxenstierna -- versprengt im Gebirge -- dorten! Melde mich zurück, -Korporal Rolf Rolfson Kok, denn der seid ihr und kein anderer! Die -Finne da auf eurem linken Nasenflügel habe ich sechzehn Jahre lang beim -Aufmarsch in die Linie zur Rechten gehabt, und die Schmarre da habt ihr -von dem Nürnberger Malheur, Korporal Kok. Melde mich zurück, Korporal!“ - -„Und wir schreiben Vierundsiebenzig! Mensch, o Mensch, Mensch, du bist -der Sven, den wir hinter seinem Rücken Hahnentritt nannten, von wegen -seiner Gangart? Und das passieret einem, nachdem man sich seit Anno -Sechsundvierzig nicht mehr zu Gesicht gekriegt hat, heut hier zu Lindau -an der Hafenmauer? O Sven, wo ist die Kumpaneia? wo Hauptmann, Leutnant -und Fähndrich? wo sind die Fahnen und Trommeln? wo der Herren Generale -Gnaden? Sven Knäckabröd, wo du herkommst, weiß ich noch nicht; aber -ich, ich sitze hier seit dem Lindauer Sturm -- erst als Invalid, dann -als Bürger und Ehemann -- und als Witwer und Hafenvogt, und sie haben -mir noch nicht einmal meinen Namen gelassen: Meister Gockele nennen -sie mich! ja das Gockele nennen sie mich; und du bist Sven Knudson -Knäckabröd, und wir sind beide mit dem König herübergekommen und -standen mit bei Breitenfeld, bei Lützen und liefen mit bei Nördlingen -und zogen mit dem Wrangel gegen die Schneeberge, o Sven, Korporal Sven, -Kamerad Sven, ich heule wie ein Kind!“ - -„Und ich heule mit, Korporal, Kamerad Rolf“, schluchzte der andere. -„Siebenundzwanzig Jahre habe ich bei dem Vieh sitzen müssen, und -nach so großer Gloria und gewaltigen Schlachten habe ich die Kühe -gemolken und Käse gemacht, siebenundzwanzig Jahre durch. Rolf, o Rolf, -Rolfson Kok, am Fallenbach, am roten Egg haben die Weiber uns alle -totgeschlagen, nachdem wir Bregenz da drüben genommen hatten, und heut’ -hat mich erst die gute alte Zeit in den Ruderibus verwirret, und -nachher hat mich der Nix über den See gelockt. Im Traum bin ich über -den See gefahren, und der Nix hat gewußt, daß ihr hier auf der Mauer -von Lindau auf mich wartet, Korporal Rolf Rolfson Kok.“ - -Sie hielten sich in den Armen, die beiden alten Schweden. Sie küßten -sich, und die Tränen rollten ihnen über die gelbbraunen Backen. Sie -tätschelten sich zärtlich die breiten Buckel und hatten eine Freude -aneinander wie ein Brautpaar im Maienmond. Es war aber auch keine -Kleinigkeit, was ihnen begegnete an diesem Festtage des heiligen -Bischofs Gebhard, den sie und ihre Kriegsgenossen vordem so hart mit -Geschütz und Sturmanlauf bedrängt hatten, und dessen Wiege und Burg der -eine von ihnen mit niederwerfen half. - -Sie waren sehr gerührt, die beiden braven schwedischen Korporale; aber -nach der Rührung kam natürlich wieder um so heftiger der Durst, und -dessen wurden sie nunmehr mit großer Lust inne. Da faßte der Korporal -Gockele den Korporal Hahnentritt unter den Arm und sprach: - -„Komm, Herzensbruder, ich weiß unsern Ort, und will dir daselbsten -etwas zeigen, so dir das Herze erfrischen soll, besser als der kühlste -Trunk aus des Kronenwirtes Keller.“ - -Er führte ihn in das Wirtshaus zur Krone. - - -6. - -Wer heute zu Lindau im See, sei’s mit dem Dampfboot landet, oder mit -dem Bahnzug anpfeift, der findet die Krone noch immer an ihrer Stelle. -Einst zog sich die Stadtmauer dem Wasser entlang davor her: die Mauer -ist längst gefallen, aber das gute, alte Wirtshaus steht noch fröhlich -aufrecht. - -Wer heute durch den gewölbten Torweg geht und die Treppe hinaufsteigt, -der findet auch heute noch zu Anfang eines langen, hellen, weißen -Ganges das, was der Korporal Rolf dem Korporal Sven zu höchster -Herzerfrischung weisen wollte, und mag sich ebenfalls daran erfrischen. -Da hängt nämlich von der Decke herab eine eiserne Kugel an eiserner -Kette, -- eine Bombe des Feldmarschalls Karl Gustav Wrangel, und das -Bild des Feldmarschalls hängt an der Wand daneben. - -Beides gehört zu dem Hause seit dem Jahre 1647, seit dem Momente, in -welchem der Herr Feldmarschall diese Bombe in die freie Reichsstadt -Lindau hineinschoß und Grimmiges mit ihr im Sinn hatte, was sich -gottlob nicht erfüllte, denn das Untier durchschlug nur das Dach des -guten Wirtshauses und blieb, ohne weitern Schaden anzurichten, auf dem -Hausboden liegen, -- 180 Pfund schwer. - -Damals hat man den unfreundlichen Gast vorsichtig aufgehoben, ihn -seiner verderblichen Füllung entledigt und ihn bei ruhiger Zeit an -besagter Kette am Gebälk aufgehängt zum ewigen Gedächtnis des Generals -Wrangel und seines groben Geschützes. Der Korporal Rolf aber hatte -vollständig Recht: im Jahre 1674 gab es keinen bessern Augentrost für -den schwedischen Mann der Wirtin zur Taube in Alberschwende, als diese -Kugel und dies Bildnis in der Krone zu Lindau. - -Im Jahre 1674 sah die Krone nicht so hell und freundlich aus als heute. -Die Wände waren nicht mit Kalk getüncht und noch weniger al fresco mit -heidnischen und christlich ritterlichen mittelalterlichen Festivitäten -bemalt. Aber das Haus war schon damals gut und verdiente seinen Ruf -weit übers Allgäu hinaus, und der Hafenwärtel Rolf Kok, genannt das -Gockele, kannte das Getränk und hatte sein Kerbholz fröhlich hinter der -schwarzbraunen Eichentür der Zechstube. Fürs erste aber stellte er den -wiedergefundenen Kriegskameraden unter die Schwedenkugel, wies auf sie -hin und wies auf das Bild des Feldmarschalls und sagte: - -„Da, Herzbruder, da!“ - -Der Hirt von der Lorena rieb sich die trüben Augen, starrte auf die -Bombe, starrte auf das Bildnis seines Generals, tat einen Sprung -und schüttelte sich, als ob er die Jahre und sein Leben unter dem -Kommando der Frau Fortunata und sein Leben auf der Lorena mit einem -Ruck abschütteln wolle. Er streckte die ausgebreiteten Arme dem -Feldmarschall und der schwedischen Kugel zu und rief aus vollem Halse: - -„Vivat Gustavus Adolfus! Vivat Gustavus Wrangel! Es leben die Löwen aus -Mitternacht!“ - -Und er tat einen zweiten Satz und schrie zum zweiten Mal, daß die Wände -erzitterten, und ein einsamer Zecher nebenan in der Trinkstube sich von -seinem Tisch im Winkel erhob, aufstand und den Kopf aus der offenen Tür -in den Gang vorstreckte. Dem Kopfe nach folgte der übrige Mann, und das -Ganze war wohl einer Schilderung wert. - -In dem alten, langen, hagern und gelben Gesichte mit dem eisgrauen, -spitzgewichsten Knebel- und Schnurrbart umfunkelten zwei kohlschwarze -Augen eine lange, scharfe Nase. Zwei lange, einknickende Beine in -engen, schwarzen Hosen und schwarzen Strümpfen trugen den mit schwarzer -Schoßweste und schwarzem Rock angetanen dünnen Leib, und als die -Kreatur den Hut abnahm und in die Luft schwang, da entblößte sie einen -ratzenkahlen, gelblichen Schädel: - -„Cospetto! O Jesus Maria! Vivat Ferdinandus!“ - -Wie auf ein Kommandowort fuhren die beiden Korporale herum, als -ihnen so unvermutet auf ihren eigenen schwedischen Schlachtruf das -wohlbekannte Feldgeschrei und die Losung des kaiserlichen Heeres -entgegen schrillte. Und siehe, schon kam der schwarze, lange Mann, auf -sein spanisch Rohr mit dem Messingknopf gestützt, herangehinkt, fegte -in tiefer Verbeugung den Boden mit dem Hutrande und sprach höflichst: - -„Bitte um Permission, Signori; -- Kriegskameraden von der andern Seit? -Groß Ehr! groß Ehr! -- -- Hab das Vergnügen, mich denen Herren zu -rekommandir. Signor Tito Titinio Raffa, Zahlmeister im Regiment zu -Pferd Strozzi. Hatt schon die Ehr vordem bei Breitenfelda, -- groß Ehr, -groß Ehr, groß Battaglia! Woll die Herren eintret und niedersitz zu -einem Trunk und freundlich Diskurs? Groß Ehr, viel Vergnügen und gut -Kameradschaft!“ - -Mit allem Eifer schüttelten die beiden versprengten schwedischen -Kriegsleute dem versprengten Reitersmann vom Regiment Strozzi -die dargebotene Rechte, und im nächsten Augenblick saßen sie mit -behaglichem Ächzen nieder an dem Tische, von welchem der Herr -Zahlmeister aufgestanden war, um sie zu begrüßen: die Frau Wirtin -zur Taube in Alberschwende hatte um diese Tageszeit, das heißt um -Sonnenuntergang, auf dem Gebhardsberg gut suchen und rufen nach ihrem -treuen Knecht Sven Knudson Knäckabröd aus Jönköping am Wetternsee. - - -7. - -Die Lichter des Tages waren längst verglüht auf Gefild, Berg, Wald, Tal -und See. Die glänzenden Spitzen des Kamor, des Hohen Kasten und des -Säntis drüben in Appenzellerland hatten sich in der Nacht verloren: der -Mond sollte erst später aufgehen. - -Die Lichter in den Wohnungen der Menschen waren angezündet worden, und -der Tisch der drei Helden in der Krone zu Lindau bot jetzt ein seltsam -Schauspiel dar. - -Wenn der aus dem Land Tirol, der Rote, ein sauber Getränk ist, -das des Menschen Herz erhebt, so hat der Bayern Bier auch seine -löblichen Verdienste, und die drei Krieger tranken davon und hatten -davon getrunken. Die beiden wackeren Schweden saßen wie aus Granit -zurechtgehauen fest, mit den kurzen Tonpfeifen im Munde; aber der -italienische Sprachlehrer Tito Titinio Raffa, vordem Zahlmeister im -Regiment Strozzi, stand aufrecht, soviel ihm das möglich war, focht -wild mit beiden Händen in der Luft umher und beweinte gellend die -schönere Vergangenheit und das Elend der Gegenwart, ja, die schönere -Vergangenheit, deren er Genuß gehabt hatte von dem Tage an, wo sich bei -Breitenfeld nach des Schwedenkönigs Wort eine Krone und zwei Kurhüte an -einem alten Korporal rieben. - -„Da ging es freilich mit Sang und Klang, mit Pauken und Posaunen herum -im deutschen Lande,“ winselte er. „Die güldenen Ketten fielen einem -aus dem Pulverdampfe um den Hals, und die güldenen Dukaten raffte man -zu Haufen vom Erdboden auf und kümmerte sich wenig drum, wie arg er -zerstampft war. Die Fackeln und Lichter brannten im Tanzsaal von einem -Jahr ins andere, -- und die Lust war immer dieselbe, ob man den Feind -schlug oder ihm die Fersen zeigte. Im letzten Grund gab es ja gar -keinen Feind, sondern nur einen lustigen Bruder, der auch zum Fest von -der dummen deutschen Nation eingeladen worden war, einen vergnügten -Bruder und Kriegsgesellen, mit dem man bei Geigen- und Trompetenklang -eben sein Tänzlein machte, wie es sich schicken wollte: heut’ oben an -der See, morgen mitten im Land; heut’ am grünen Rheinstrom, morgen an -der gelben Weser und übermorgen an der blauen Donau. Gute Kameraden, -nichts als gute Kameraden in jedem Lager, unter jeglicher Fahn’ und -Standarte! Das war ein Leben, wie es die Welthistorie noch niemalen -aufgezeichnet hatte, und wie kein Kriegsmann zu Roß und zu Fuß es sich -jemalen lieblicher ausdenken mag. Das Herz geht mir heut’ noch im -Galopp gegen die gute alte Zeit durch, wenn ich daran denk’, wie der -Leutnant Schneeberg von Götzens Kavallerieregiment nach der Lützner -Schlacht, nach verlorener Bataille, des Königs Gustavi Adolfi goldene -Kette in Halle auf den Tisch warf und für sich allein Viktoria rief.“ - -„So ist’s, obgleich ihr davon gerade nicht reden solltet, Zahlmeister,“ -murrte der Korporal Sven. „Ein Türkis hing dran von der herrlichsten -Art. Sie hatten ihn ausgegraben in dem Gebirg Piruskua, zehn Meilen -von der Stadt Moscheda; ich hab’ ihn tausendmal blitzen sehen, wenn -die Majestät die Front hinabritt, und wir vermeinten alle, der Stein -mache schuß-, hieb- und stichfest; doch es war nicht an dem, wie sich -ausgewiesen hat; aber der Teufel soll euch doch holen, Zahlmeister, -weil ihr gewagt habt, die Hand daran zu legen!“ - -„_Di grazia, prego perdono!_ Verzeihung, ihr Herren; ich rede nur -davon, um des Elends von heute willen. Der Domeneddio stand damals -auf jeder Seite. Ihr hattet den Sieg, wir den Türkisen schwedischer -Majestät. Jeglichem seinen Spaß, und -- freie Hand überall! Das war die -Parol’ bis zum Jahr achtundvierzig. Nun ist es lange für alle aus, und -keiner hat dem anderen einen Groll nachzutragen.“ - -„Nein, keine Feindschaft um das, was vergangen ist; ich trinke auf eure -Gesundheit, Herr Zahlmeister vom Regiment Strozzi!“ rief der Korporal -Rolf Rolfson Kok. „Was uns schwedische Männer insbesondere betrifft, -so brauchen wir uns wenig zu grämen. Wir haben behalten, was wir -gewonnen, und decken ein gut Stück deutschen Landes von Greifswald bis -Verden mit unseren Piken und Musketen.“ - -In demselben Augenblick setzte sich der Italiener kurz nieder, und ein -Grinsen der Schadenfreude überzog, trotz aller guten Gesinnungen gegen -seine früheren Feinde, sein gelbes Gesicht. Er pfiff auch einen langen -Pfiff und zischelte: - -„Decket es mit, Kamarado, es tut Not. Dorten werden freilich bald genug -die Trompeten noch einmal zum Antraben rufen; aber für unser einen -ist keine Freude mehr dabei, so wenig als bei des französischen Louis -und des Kaisers Spektakel drüben am Rhein. Diesmal sollet ihr die -Prügelsuppe für euch allein haben, ihr nordländischen Bären.“ - -Vier Fäuste krachten auf einmal auf den Tisch; ein halb Dutzend -grausamlicher schwedischer Flüche schmetterte dazwischen, und auf den -Füßen standen nunmehr die zwei Korporale und riefen wie aus einem Munde: - -„Was singet der Herr da?“ - -Der Italiener lachte und winkte begütigend dem Hafenvogt: - -„Könnt ihr es leugnen, Kamarado, daß ihr euch da unten Gewaltiges und -Tückisches vorgenommen habt? Der Signor aus der Wildnis hat freilich -bei seinen Murmeltieren geschlafen; aber wir anderen wissen doch -noch ein wenig, wie es in der Welt zugehet, und meine Opinion ist -augenblicklich, daß ihr euch diesmal bei dem Handel tüchtig die Pfoten -verbrennen werdet. Ha, leugnet es nur, aber es ist so! Ihr werdet ihn -mit nichten halten, den zehnjährigen Neutralitätsvertrag, nun da die -Katz’ vom Haus ist, und die kurfürstlichen Gnaden von Brandenburg -mit dero hohen Sposa, dero Kurprinz und dero glorreicher Armada zum -kaiserlichen Kommandeur, dem Duc de Bournonville am Rhein aufgebrochen -sind.“ - -„Man wird ihn halten!“ rief der Hafenwärtel. - -„Ich sage no! und ich sage dazu, nehmet euch in acht! Die Welt ist -älter geworden seit unseren jungen Tagen, und neue Hände sind an einem -neuen Werke.“ - -„Zahlmeister! Zahlmeister!“ rief Rolf Rolfson Kok drohend. - -„_Pazienza! adagio!_ möcht’ wohl einmal in eure Magazine in -Stettin hineingucken. Das wird schon jetzt ein lustig Zufahren von -Piken und Musketen, Pulver, Blei und Geschütz im Hafen von Wismar sein. -Ohe, Signori, das wird ein lustiges Klingen von französischem Geld auf -den Tischen von Stockholm und in den Taschen eurer Generale geben!“ - -„Ihr seid ja ein recht feiner, politischer Kopf, Herr Kamerad vom -Regiment Strozzi,“ brummte Sven Knudson Knäckabröd, ungewiß, ob er das -Ding für eine Schmeichelei oder das Gegenteil nehmen solle. - -„Bin ich doch Zahlmeister gewesen!“ lächelte Signor Tito Titinio -Raffa. „Erzürnet euch nicht, wir haben es auch nie anders gehalten. -_Cospetto_, wünsch’ euch aus vollem Herzen, daß ihr euren -Wunsch durchsetzen möget. Der Herr Turennius mit Eisen und Stahl am -Rheinstrom, und der klingende französische Sack in Stockholm werden -wohl nach Kräften dazu helfen; aber -- aber nehmet euch in acht, daß -euch der Brandenburger nicht doch die Karten aus der Hand schlage.“ - -„Er wird es wohl nicht,“ meinte Rolf bärbeißig. - -„Will es euch wünschen; aber -- aber saget doch: mit dem Herrn -Feldmarschall Karolo Gustavo Wrangelio, dessen Bild und eisern -Gastgeschenk da draußen aufgehängt ist, seid ihr vordem hierher -gekommen?“ - -„Mit demselbigen!“ - -„Nun denn; wenn ihr heut’ Abend noch von hier abreiset, so trefft ihr -ihn vielleicht schon auf dem Marsche nach Berlin“. - -„Vivat! es lebe der Held aus Mitternacht!“ schrie der Korporal Sven, -der bis jetzt mit immer steigender Verwunderung von einem der beiden -Politiker auf den anderen gesehen hatte und nur mit Mühe den Sprüngen -ihrer Unterhaltung gefolgt war. Jetzo aber war es ihm auf einmal ganz -klar geworden, wieviel Welthistoria er im Bann und Dienste der Frau -Wirtin zur Taube in Alberschwende und bei seinen Kühen und Geißen auf -der Lorena versäumt habe. - -„Schulterts Gewehr! An die Piken! Aufgesessen, Kürassiers und -Dragoner!“ brüllte er und fügte in leiserem Ton hinzu: „Aber es gehet -mir auf wie ein Nordlicht, daß ich schon einmal dabei gewesen bin mit -den Brandenburgern, und damals war’s nichts Großes, und wir lachten -auch allsamt über den Spaß. Ja, es war Anno Einunddreißig, Korporal -Rolf, ihr wisset, als auch wir zuerst auf Berlin marschierten, -fünfzehnhundert Mann zu Fuß und zu Pferde mit dem Könige und vier -Kanonen. Wir kamen von Köpenik, allwo das große Lager war, und hatten -unsere Lust mit dem damaligen Kurfürsten Georg Wilhelm und seiner -Kurfürstin. Sie handelten mit uns bis zum letzten Augenblick und kamen -zum Vergleich erst, als die Konstabler die Lunte aufschlagen wollten, -um ihnen das Verständnis zu wecken. Ja wohl, jetzt fällt es mir genau -bei. Sie gaben uns nach endlich abgeschlossenem Pakt das Geleit vor -die Stadt, und da wollten ihnen beim Abschied königliche Majestät doch -noch eine unverdiente Ehre antun und ließen eine Generalsalve geben -aus großem und kleinem Gewehr. Das war der Spaß! Der Feuerwerker hatte -vergessen, das Geschütz von der Stadt abzurichten, und weil wir zuerst -als Feinde gekommen waren, so schossen wir nun auch als Freunde scharf -und deckten ihnen ganz ohne bösen Willen die Dächer ab. Das gab denn -freilich ein groß’ Geschrei der Damens, und königlicher Majestät war’s -sehr unangenehm.“ - -„Ich war nicht dabei, Korporal Sven,“ sprach der Korporal Rolf, „ich -stand damals in Köpenik mit der Hauptmacht. Aber die Sache ist so, und -zu viel ist da auch niemandem geschehen; denn während wir ihnen nur ein -paar lumpige Schindeldächer abdeckten, deckte uns der alte Korporal, -der Tilly, die ganze Stadt Magdeburg ab. Der Gustavus Adolfus hat es -dem Brandenburger nie vergeben.“ - -„Das sind alles alte Geschichten,“ meinte der Signor Raffa gähnend. -„Auch ist es nicht weit von Mitternacht, und morgen früh reis’ ich -zurück nach Augsburg, sintemalen niemand der hiesigen Barbaren, weder -Mann noch Weib, ein Gelüst zeigt, die bella _lingua toscana_ zu -erlernen. _Cospetto_, um nichts Ärgeres zu sagen! Die Herren und -Kameraden mögen einen guten Schlaf tun; -- es war mir ein’ groß’ Ehr’ -und Vergnüg’, mit meiner angenehm’ Konversatione aufzuwarten.“ - -„Möge dem Herrn unsere schlechte Gesellschaft gleichfalls gefallen -haben,“ sprach der Korporal Rolf, während der Korporal Sven stumm, aber -mit militärischem Anstand salutierte. Die Schenkstube der Krone hatte -sich allmählich mit Gästen sehr gefüllt; aber die drei Kriegsmänner -hatten wenig davon gemerkt und gar nicht sich darum gekümmert. Sven -und Rolf verwunderten sich dann erst darüber, als der Zahlmeister vom -Regiment Strozzi zierlich Abschied genommen hatte. - - -8. - -Wer in dieser Nacht durch die Gassen der alten freien Reichsstadt -Lindau wandelte, und, was freilich nicht zu vermuten stand, einen Sinn -für Naturschönheit hatte, der mochte wohl über der augenblicklichen -Lieblichkeit der Erde vergessen, wie wild es auf eben dieser Erde immer -noch aussah, trotzdem die drei greisen Kriegsgesellen sich soeben erst -über die nichtswürdige Friedensseligkeit und jammerhafte Langeweile, -die ihnen in ihrem Alter zu Teil geworden waren, so herzzerbrechend -beklagt hatten. Im silbernen Mondenglanz lag jetzt der See rund um die -Inselstadt her und spülte nur lind und leise an die uralten Mauern. -Drüben kam der junge Rhein wahrlich friedlich aus dem Graubündnerland -hervor; aber auch der, nachdem er den großen See durchströmt, Konstanz -gegrüßt und bei Schaffhausen den lustigen Sprung gewagt hatte, sah und -vernahm in seinem fernern Laufe mancherlei, was nicht nach Frieden -klang und aussah. Sie waren hart am Werke miteinander: der Kaiser -Leopoldus, daß er das Elsaß, um der ewigen Verdrießlichkeiten darob -entledigt zu werden, so anständig und still als möglich losschlage, --- König Louis, daß er es mit größtmöglichstem éclat, Jubel und -Feuerwerksgeprassel in Empfang nehme. „Uns gefällt nicht ein mächtiger -Fürst der Wenden an der Ostsee!“ hatte der allezeit Mehrer des -römischen Reiches deutscher Nation in Wien gesagt und seinem Feldherrn -im Lager bei Straßburg, dem Herzog von Bournonville, Befehl gegeben, -sich lieber dreimal von den Franzosen schlagen zu lassen, als einmal -dem brandenburgischen Kurfürsten Friedrich Wilhelm Gelegenheit zu -geben, seine Pflicht gegen das Reich mit Gloria zu erfüllen. Da hatte -denn der Herr von Turenne natürlich ein leicht’ Spiel, und hat es auch -trefflich benutzt; -- doch das sind alte Geschichten, wie Signor Tito -Titinio Raffa sagen würde, und wir haben uns an dieser Stelle nicht -weiter damit zu beschäftigen. - -Auf den Mauern der Inselstadt Lindau schritten die wenigen Wachen unter -den Linden und zwischen den Geschützen langsam auf und ab, und auch auf -ihren Partisanen und Musketen blitzte das Mondenlicht. Der berühmte -Gasthof zur Krone, dicht hinter der Stadt- und Hafenmauer gelegen, -lag im tiefsten Schatten, bis auf die gleichfalls weiß glänzenden -Giebel und die Wetterfahnen. Die beiden späten Zecher, welche jetzt aus -demselben hervortraten, standen anfangs ziemlich unschlüssig, ob ihres -Weges in dem Dunkel. - -„Nicht unter Dach,“ schluchzte der Korporal Sven Hahnentritt. -„Bruderherz, nicht unter Dach! Ich hielt’s nicht aus! Mir summt’s im -Kopfe, als ob zehntausend Trompeten drin zum Angriff bliesen, mir kocht -es in den Adern, als ob die Regimentssudler drin für eine Armee von -zwanzigtausend Mann die Feuer schürten. Unter Dach, und wäre es von -purem Golde, müßt’ ich ohne Gnad’ und Ranzion elend ersticken.“ - -„Nicht unter Dach, Bruder,“ schluchzte auch der Korporal Rolf, zu -Lindau genannt das Gockele. „Du hältst mich und ich dich, und so kommen -wir ohne Halsbrechen jene Walltreppe hinauf, und da setzen wir uns und -reden weiter vom glorreichen Schweden und dem großen Könige und dem -großen Kriege. Hupp -- marsch -- hoho, ich glaube, die Weiber nennen -das Wehmut, was uns beide am Schopf gepackt hält; ich glaub’, wenn’s -möglich wär’, käm’ ich heut’ Nacht zum erstenmal in meinem Leben zum -Heulen und Greinen.“ - -Sie schwankten hinein in den Mondschein und kamen glücklich auf -die Mauer, und da saßen sie nieder auf der Bastion auf einer alten -bronzenen, wirklich schlangenhaften Wallschlange, die vielleicht schon -den Kaiser Maximilian begrüßt hatte, als er zum Reichstag nach Lindau -kam, um „die Reichskammergerichtsordnung zu Faden zu schlagen“. - -Da saßen sie, ein Paar alter, grauer, nordischer Seebären im -Mondenlicht und sahen hinüber nach den Schweizer- und Tirolerbergen -und unterredeten sich gar lieblich von neuem. Es waren zwei sehr -unromantische Burschen; allein sie hatten beide genug erlebt, daß ihr -Gespräch, ohne daß sie es wußten, fühlten und wollten, in hohem Grade -romantisch war, vorzüglich der Teil, welchen der Korporal Rolf auf sich -zu nehmen hatte. - -„Das wird allmählich anjetzo ein Aufsehen um mich da drüben geworden -sein,“ sagte Sven. „Hui, lug, da geht noch eine Rakete auf, als ob sie -mich zurückriefe. O Rolf Rolfson, es wird mir wunderlicher von Minute -zu Minute.“ - -„Das macht der Mond, und die Feuchtigkeit in der Krone, und der welsche -Signor, Kamerad. O Sven, Sven, auch mir steigt es warm und heiß und -immer heißer herauf. Stelle dir vor, daß das alte Schweden da so ruhig -an seiner Stelle liegen geblieben ist, mit allem, was dazu gehört, -und daß wir so weit in der Welt herumgekommen sind zu Roß und zu Fuß, -als Sieger und als Gefangene der Weiber und Spießbürger! Es drückt -mir das Herz ab, wenn ich jetzt auf das helle Wasser sehe und denke -an die Ostsee und die große Flotte und den großen König Gustav, und -wie wir landeten, die Mannen aus allen Provinzen, Ost- und Westgoten, -Dalkarlen, Finnen, und sogar die einfältigen, albernen Lappen! Wenn -ich dran gedenk’, wie wir niederknieten, Gott zu danken, dann wieder -aufstanden und an die Arbeit gingen und dabei blieben achtzehn Jahre, -achtzehn lange glorreiche Jahre durch! O Bruder Sven, die Schweizer -dorten, die reden immer von ihrem Heimweh, auch wenn’s niemand -verlangt; aber du, Sven, hast mir das Heimweh heute mitgebracht! Ach -Schweden, Schweden! Sven, möchtest du nicht auch nochmalen die blauen -und die gelben Regimenter in Linie sehen mit der Sonne auf den Helmen -und Kürassen und den Herren Generals und Obristern vor der Front?“ - -„Sei still, ich komme um!“ winselte der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd. „Ich habe die Kühe gemelkt und saß zwischen den Käsen, bis -gestern morgen; und sie schulterten bis an die Weser vor den gewonnenen -Städten, sie schlugen weiter gegen die Polen und gegen die Jüten! -+Sie+ schlugen bei Warschau drei Tage lang, sie marschierten über -das Eis nach Seeland; um Kopenhagen lagen und ritten sie. +Sie+ -schlugen die Russen, und ich hab’ das alles erst heut’ abend durch dich -und den welschen Signor erfahren, und ich ließ mich von den Weibern -fangen und zum Kinderwarten abrichten, anstatt den Verband abzureißen -und in Ehren zu sterben!“ - -„Du hast es doch noch gut gehabt, Kamerad. Du saßest da in deiner -Wildnis und sahest nichts und hörtest nichts, und alle die guten Dinge, -von denen du eben sprachst, sind dir freilich erst heute abend zu -Kopf gestiegen. Mir aber hat bis zu dieser Stunde die Kugel unseres -Feldherrn in der Krone auf dem Herzen gelegen. Ach Korporal Knäckabröd, -was meinet ihr, wenn wir den Weg fänden?“ - -„Den Weg wohin?“ schrie der Hirte von der Lorena. - -„Den Weg nach Hause! Den Weg zu den Fahnen mit dem Löwen von -Mitternacht!“ schrie der Hafenwärtel von Lindau emporspringend. -„Korporal -- Kamerad, Herzbruder, wenn wir zur rechten Zeit kämen, -um noch einmal -- vor Torschluß, Sven! -- noch einmal, einmal in -Reih und Glied zu treten?! Der Karl Gustav, der Wrangel, unser -General ist ja wieder an der Spitze; der nicht jünger ist als wir! -Der Wrangel marschiert, der Wrangel, mit dem wir hierher kamen! Das -ist das Heimweh, Kamerad, und wir gehen, Kamerad -- wir marschieren, -Herzbruder; wir desertieren -- wir gehen zum Wrangel -- in dieser -- -Nacht noch!“ - -„In dieser Nacht noch!“ ächzte der Kriegsgefangene der Frau Fortunata -Madlener zu Alberschwende und drückte beide Fäuste auf die Augen. Dann -sprang er von dem Geschützlauf empor und sang im halben Wahnsinn des -höchsten Jubels in die Mondenscheinnacht hinaus: - - „Auf Dovrefield im Norden - Liegen die Kämpfer ohne Sorgen. - -Ruhe im Glied!... wir gehen zum Wrangel! o wenn es doch wahr wär’, wann -ich morgen früh aufwache!“ - -„Hast du ein Eigentum, drüben bei den Hirten im Gebirge, Sven?“ - -Der Korporal schüttelte den Kopf und schob die Hände tief in die leeren -Hosentaschen. - -„Ich hab’ in meinem Turm dorten aller Welt Schätze,“ grinste Rolf -Rolfson Kok; „einen Tisch, einen Stuhl, einen Strohsack, eine Muskete, -ein halb’ Dutzend Angelruten und allerhand Netzwerk, drei Töpfe, eine -Pfanne und einen Finken im Bauer. Den Vogel lass’ ich fliegen, denn -wir fliegen ja selber; -- dreißig Gulden hab’ ich auch, die hol’ ich, -und alles andere vermache ich dem Rat und der Bürgerschaft von Lindau. -In zehn Minuten sind wir reisefertig. Dort liegt mein Kahn, -- in zehn -Minuten schwimmen wir auf dem See und, weißt du, in Nonnenhorn landen -wir und müssen dann sehen, wie wir den Weg weiter finden. Courage, -Alter; sitze still, bis ich wieder komm’. Jetzt mach’ ich den Kehraus -in meinem Quartier, und morgen früh sind wir weit hinaus auf dem -Marsche nach Hause!“ - - -9. - -Am folgenden Morgen war die Verwunderung nicht nur des Rates, sondern -auch der ganzen Stadt Lindau im Bodensee groß ob des Verschwindens -ihres schwedischen Hafenvogtes. Die Kinder in den Gassen kannten -den Meister Gockele, und die Alten waren mit seiner bärenhaften -Erscheinung und seinem zerfetzten und zusammengeflickten Deutsch auf -dem vertraulichsten Fuße. Es war in der Tat kein Wunder, daß man -den Korporal Rolf Rolfson Kok sehr vermißte, sowohl in den Gassen -der Stadt, wie in ihren behaglichsten und berühmtesten Schenken und -Gaststuben. - -„Und zur Zeit der Rädle noch gar?!“ murmelten die erfahrenen und -gewiegten Zechkumpane. „Zur Zeit, wo der Neue schon an die Türe pocht! -es ist nicht auszudenken. Ja, wenn der See den Leichnam nicht bald -ausspült, so ist es sicher, daß der böse Feind das Gockele am Fittig -nahm. Aber er war doch ein guter Kamerad; -- Schade um ihn.“ - -War die Aufregung groß ob des Verschwindens des Korporals Rolf in -der freien Reichsstadt Lindau, so trat sie doch vollständig in den -Schatten vor dem Lärm und Aufruhr, welchen das Verschwinden des -Korporals Sven jenseits des Fürberges hervorrief. Es war eben ein -anderes, ob jemand für die volkreiche Stadt Lindau, und ein anderes, -ob jemand für das Dorf Alberschwende und die Lorena verloren ging. Die -gesellschaftlichen Zustände litten an den letzten beiden Orten viel -mehr darunter als an dem erstern, und die Wirtin zur Taube war nicht -ohne einige Berechtigung um ein Bedeutendes giftiger, betrübter und -jähzorniger als der Rat und die Bürgerschaft der freien Stadt. - -Wir müssen darauf verzichten, die Gefühle der Frau Fortunata, der Frau -Aloysia und der drei hübschen Schmelgen zu schildern, als sie am Abend -des verhängnisvollen siebenten Augustes anfingen, nach dem Korporal -sich umzusehen, und sie ihn nicht fanden. - -Anfangs suchten sie mit Lachen, allein das dauerte nicht lange. Mit dem -Ingrimm einer erzürnten Löwin hub die Frau Fortunata an, ihr Beutestück -im Kreise ihrer Bekannten und Freunde auszuschreien. Auch die Freunde -und Bekannten machten sich auf die Jagd, wenn auch mit einem geheimen -Mitleid in Betreff des Geschickes des schwedischen Mannes, sofern -er in ihre und der Taubenwirtin Hände gegeben werde. Da blieb kein -Busch am Gebhardsberge ununtersucht, sowie auch keine Schenke in der -trefflichen Stadt Bregenz unter dem Gebhardsberge. Wenig hätte gefehlt, -so wäre die Bürgerschaft aufgeboten worden, den Flüchtling (denn daß -der Gesuchte ein Flüchtling sein mußte, war am folgenden Tage jedermann -klar) zu verfolgen und tot oder lebendig einzubringen. - -Drei Tage und drei Nächte hielt sich die Taubenwirtin am Gestade des -Sees auf der Suche, und erst am vierten Tage gab sie in vollkommener -Verzweiflung die Hoffnung auf, den Deserteur und Verräter an Treu und -Glauben wieder zu erlangen; sie trat in Grimm und Zorn die Heimfahrt -in den Wald an, und für längere Zeit hatten nun die Hausgenossen -und Hausfreunde für das zu büßen, was der undankbare Schwed’, der -nichtsnutzige Korporal Sven Knudson Knäckabröd, gesündigt hatte. Und -was das Schlimmste war, es existierten noch einige verwitterte und -verwetterte Veteraninnen aus dem Jahre 1647, welche sämtlich nunmehr -vor die Wirtin zur Taube, die Oberkommandantin, hintraten, das -glorreiche Gefecht am roten Egg wie in der Chronika nachschlugen und -kreischend behaupteten: das hätten sie schon damals vorausgesagt, und -jedes ordentliche Wäldlerweib hätte schon damals sagen können, daß das -so kommen würde. - -Aber wie es in allen menschlichen Zuständen und Angelegenheiten zu -gehen pflegt, so ging es auch hier. Der Lauf der Tage nahm seinen -gewiesenen Gang, und selbst ein so großes, merkwürdiges und unerhörtes -Ereignis, wie dieses Verschwinden eines Menschen, der sich über -sechsundzwanzig Jahre hinaus so brav hielt, versank in dem Strudel der -Arbeit, in dem täglichen Kampfe mit den tausend Verdrießlichkeiten -und Freuden des Daseins. Man sprach allmählich immer weniger von dem -Korporal Sven, wenn man auch noch häufig genug an ihn dachte, und er -immerhin ein ausgiebiges Thema der Unterhaltung für jegliche müßige -Stunde blieb. Die Kinder der Frau Aloysia Unold grämten sich zuletzt -doch am meisten um den alten, grauen, wackern Spielkameraden, den guten -Gesellen von der Lorena; wir aber werden vor allen Dingen jetzo sehen, -wo er mit seinem eigenen grauen, alten, wackern Kameraden, dem Korporal -Rolf Rolfson Kok, geblieben war, und was er befuhr, nachdem er sich -aus der Heimat in die Fremde fortgeschlichen hatte, um in der Fremde -die Heimat, das heißt die alten glorreichen Kriegsfahnen und den alten -Feldherrn Karolus Gustavus Wrangel aufzusuchen. - - -10. - -Pasewalk ist eine schöne Stadt; fraget nur die geborenen Pasewalker -darnach! Im Jahre 1674 soll es eine noch viel schönere Stadt gewesen -sein, doch das ist schwerlich heute noch auszumachen. Jedenfalls war -es im November des ebengenannten Jahres eine recht lebhafte Stadt, -denn der Feldmarschall Karl Gustav Wrangel hatte sie zum Sammelplatz -der Truppen, mit welchen er im folgenden Monat in die Mark Brandenburg -einfallen wollte, auserkoren. Von Pasewalk aus war er denn auch -richtig im Dezember mit 14000 Mann über die Grenze aufgebrochen, -hatte Stargard, Landsberg, Wriezen, Ruppin und so weiter genommen, -brandschatzte und plünderte nach alter gewohnter Art sachverständig -und mit Vergnügen, und ließ es sich in Abwesenheit Kurfürstlicher -Durchlaucht so wohl als möglich innerhalb dero Grenzpfählen sein. - -Auch Rathenow ist eine schöne Stadt und wurde im Anfange des Monats -Juni des Jahres 1675 ebenfalls recht lebendig; denn um jene Zeit -rückte der Herr Obrister von Wangelin mit sechs Kompagnieen Dragoner -von seinem eigenen Regiment und einiger Infanterie von einem andern -Regiment dort ein, machte es sich gleichfalls darin recht gemütlich -und dachte an nichts Böses. Die Seinigen aber folgten in allen -Dingen seinem Beispiele, ohne auf die Gefühle und Behaglichkeit der -Bürgerschaft die mindeste Rücksicht zu nehmen. - -In oder vielmehr vor der Stadt Rathenow finden wir unsere beiden guten -Freunde aus der Krone zu Lindau im Bodensee, die Korporale Sven Knudson -Knäckabröd und Rolf Rolfson Kok, genannt Meister Gockele, richtig und -für jetzt gottlob noch in guter Gesundheit wieder. Aber um die Stelle -zu beschreiben, an welcher wir sie finden, ist eine Beschreibung der -Lage der Stadt Rathenow unbedingt notwendig, obgleich wir das ziemlich -kurz machen können. Die Stadt Rathenow liegt nämlich an der Havel, -welche in zwei verschiedenen Armen daran vorüberfließt; und um zu den -morschen, an verschiedenen Stellen eingefallenen Mauern und zum Tore zu -gelangen, hatte man die beiden Arme und den dadurch gebildeten Werder -zu passieren, und zwar vermittelst zweier größerer Zugbrücken und -mehrerer kleinerer Brücken. - -An der ersten Zugbrücke, das heißt, der am meisten nach Westen zu -gelegenen, hatte in der Nacht auf den 15. Juni alten und 25. neuen -Stils der Korporal Rolf Kok von Wangelin-Dragoner die Wacht mit sechs -Mann, und der Korporal Sven Knäckabröd leistete ihm Gesellschaft. - -Da waren sie denn! -- - -In Wehr und Waffen, wie sie es auf der Hafenmauer von Lindau geträumt -hatten, saßen sie wieder an einem schwedischen Wachtfeuer und hielten -sie wieder einmal den vorgeschobenen Posten gegen den Feind. - -Sie saßen dicht nebeneinander an den verglimmenden Kohlen, die -beiden braven alten Grauköpfe, und wachten hellen Auges, während -ihre Mannschaft, bis auf den Posten unter dem Gewehr, ruhig auf den -zusammengetragenen Strohbündeln im tiefen Schlafe lag. Es war gegen -zwei Uhr Morgens, der Havelnebel lag weiß und dicht auf dem Flusse und -den weiten Bruch- und Moorgegenden ringsum; aber man merkte doch, daß -die Dämmerung nicht fern sein konnte. Die hohen Pfeiler der Zugbrücke -standen bereits ziemlich klar hervor aus dem weißen Nebel, und die -schwedischen Reitersmänner hatten bis jetzt eine ruhige Nacht gehabt. - -„Wie die machten wir auch sonst, Bruder Sven,“ sprach jetzt der -Korporal Rolf, auf seine schnarchenden Dragoner weisend. „Das ist -vorbei; wir sind zu alt dazu geworden, Kamerad; aber es hat auch sein -Gutes, man sitzt und schwatzt, und eine Pfeif’ Toback am Feuer ist auch -was Liebliches. Vor dreißig Jahren schmauchte man noch nicht so stark -in den Armaden als heute. Das ist auch was Neues.“ - -Er reckte und dehnte sich, während der Kamerad nur behaglich wie ein -alter Hund unterm Ofen knurrte. - -„Sven“, fuhr der Korporal Rolf fort, „tu’ auch was zur Unterhaltung. -Jetzt haben wir doch das Leben wieder durchgeprobt; nun sag’, wo -sitzest du lieber, -- hier unter den Kürassen und Eisenhelmen oder -dort, -- da -- dahinten, da oben in deinen Bergen zwischen den Ziegen -und Böcken und sonstigem Rindvieh? Bruderherz, sag’ an, wie gefällt dir -dein jung-alt Leben?“ - -„Es ist nicht auszusagen, Wachtkommandant! Man kann nur immer von -neuem darüber nachsinnen, und man hat dann doch auch dazu wieder keine -Zeit. Ich bin noch lange nicht mit der glücklichen Stunde fertig, wo -wir wieder unter der Fahne anlangten, und der Posten uns im Lager -von Pasewalk die Parole abforderte. Ja Parole hin, Parole her! Die -Parole hatten wir freilich nicht, aber unsern Ausweis hatten wir doch -parat, und die Kniee beben mir jetzt noch, wenn ich an die Rührung -denk’, mit welcher wir ihn von uns gaben. Versprengt beim Sturm auf -Lindau! Gefangen in den Bergen Anno siebenundvierzig, nach dem Sturm -auf die Bregenzer Klause und Burg Hohenbregenz! Das gab ein Zulaufen -und Maulaufreißen bei Offiziers und Gemeinen! Und es war dazu ein Weg -gewesen, ein richtiger Weg im Zickzack, auf welchem wir angelangt -waren, vom Bodensee bis an den Ukerfluß! Und lauter junge Gesichter in -den Regimentern, und selbst die alten unbekannt, und kein Hauptmann, -Leutnant oder Feldweibel, so uns den weitern Weg in das gute alte Leben -weisen konnte vor Staunen und Wunder. Das Herze zittert mir immer -von der Stunde, Korporal Rolf!... Ach, der Wrangel, der Wrangel, das -war das größte Glück, daß der Feldmarschall, oder wie sie ihn jetzt -nennen, der Konnestable, zu Handen war und uns aufnehmen konnt’! Ja, -des Feldmarschalls Gnaden, die mit uns und dem König über die See -gekommen waren, wußten, was mit uns anzufangen sei, Preis und Glorie -über den Karl Gustav! Er hat uns die Hände geschüttelt und in seinem -Quartier an seinem Tische niedersitzen lassen. Alle großen Offiziers -und Kommandanten haben uns als reine Wundertiere angestarrt, und der -Konnestable hat uns zugetrunken, und alle großen Generale haben uns -auch zugetrunken, und nachher hat uns das Volk, Reiter und Infanterie, -auf den Schultern durch die Lagergassen getragen. Vivat Schweden! -Schweden und die schwedischen Helden zu Roß und zu Fuß immerdar! Rolf -Kok, nachher hab’ ich oft gedacht, in der gloriosen, leuchtenden Stunde -hätten wir sterben sollen. Ich glaube, sie hätten alle Fahnen über uns -gesenkt und mit allem Geschütz uns nachgefeuert, als ob wir selber die -berühmtesten Generale gewesen wären.“ - -„Freilich wäre dieses eine großmächtige Ehre für uns gewesen“, meinte -der andere nachdenklich, „aber Sven Knudson Knäckabröd, es ist auch -so, wie es jetzo ist, recht angenehm. Hat nicht der Oberst Wangelin -vor der Front von seinem Regiment gesagt, es sei eine mächtige Ehre -für ihn, daß wir bei ihm zu Pferde stiegen? Und wir sind zu Pferde -gestiegen, Sven; du, weil du in deinen Bergen eben lange genug auf der -Kuh geritten hast; ich, weil ich vordem dem Rate zu Lindau auch als -Feuerreiter aufgewartet habe. Wir sind zu Pferde gestiegen, Korporal -Knäckabröd; -- nachdem wir lange genug im verzauberten Schlaf lagen, -sind wir endlich als junge Burschen wieder aufgewacht und aufgesessen. -Ist es nicht so? Und als es neulich über die Grenze ging, nach alter -Weise mit fliegenden Standarten, Pauken und Trompeten, haben wir uns da -nicht gefühlt wie die Jüngsten? Haben wir da nicht die Hüte geschwenkt -wie die jüngsten Jungen bei der Bagage? Daß wir heute einen roten Rock -tragen, ist mir freilich nicht so lieb, als wenn wir noch im gelb und -blauen Koller auszögen; aber es ist einerlei: vivat die Helden aus -Mitternacht! vivat der glorreiche, ewig siegreiche Karl Gustav, der -Feldmarschall Wrangel! Und eine Lust war’s doch auch, daß wir mit -einreiten durften in die Städte, nach alter Art: in Landsberg, Krossen, -Wriezen und wie sie sonsten heißen; und ein Pläsier ist es, daß wir -- -wir, Korporal Sven, heute diese Wacht halten an der Havel gegen die -Brandenburger.“ - -„Gegen die Brandenburger“, lachte höhnisch der Korporal Sven -Knäckabröd. „Bah, wo sind sie denn, diese Brandenburger? Wirf einen -Groschen da in den Nebel hinein, so weit du kannst, und such’ ihn -nachher! So kannst du auch nach den Brandenburgern suchen, Rolf Rolfson -Kok.“ - -„Nein, Sven, sie sollen sich doch ziemlich brav gehalten haben am -Rhein gegen die Franzosen. Ich hab’ mich hier und da umgehört und -mancherlei vernommen; die Herren Offiziers und Politici munkeln -allerlei. Wir haben uns eigentlich diesmal das Spiel doch ein wenig zu -leicht gemacht. Der welsche Signor in der Krone war auch ein Politikus, -und was er von der Katz’ und den Mäusen gesagt hat, das ist nicht -ohne. Bruderherz, ich gäb’ viel darum, wenn dieser Kurfürst Friedrich -Wilhelm bald zu Hause wieder einsähe, und zwar mit Macht und Gewalt. -Um Kinderspiel sind wir doch den weiten Weg nicht hergekommen, und ich -sage dir, Kamerad, ich hoff’ auf den Kurfürsten wie auf eine Braut, und -ich hoffe, er bringt das doppelte unserer Armada mit, daß wir doch Ehre -davon hätten. Bruder Sven, es wär’ mir ein Ekel, wenn das Spiel bis zum -Ende zu leicht blieb, und wir gewonnen! schrieen, wie ein Lagerweib -über einen gestohlenen Unterrock.“ - -„Da tröst’ dich, Herzbruder Rolf; auch ich habe mich unter den -Politikern umgehört und das Meinige in Erfahrung gebracht. Auf dem -Marsche nach Hause und gegen uns sind sie; aber daß es ein weiter Weg -vom Rhein bis an die Havel ist, das haben wir ja auch gespürt. Mir -ist’s auch lieber, wir rufen Viktoria auf einem ordentlichen Felde, -als daß wir uns wie der Fuchs in den Taubenschlag geschlichen haben -sollten, und niemand vorhanden wäre, dem es am Herzen läge, uns zu -verjagen.“ - -„Wie geht ihr Weg eigentlich? Kannst du mir das in den Sand malen?“ - -„Nein, solches vermag ich nicht; aber ich zähl’ an den Fingern unsern -eigenen Marsch ab und vermeine, wir haben auch unsere Zeit gebraucht. -Sie kommen wie wir durch der Schwaben Land, auch durch des Bischofs -von Würzburg Grenzen, und nachher durch der Thüringer Berge. In der -Stadt kalkulierten sie gestern beim Landrat von Briest, sie möchten -vielleicht schon bei Erfurt stehen. Geduld’ dich noch ein paar Tage, -Kamerad Rolf; dann magst du nach deinen Pistolen sehen und das Schwert -in der Scheide lockern.“ - -„Das gebe der Himmel zu unserem und Schwedens Ruhm“, sprach der -Korporal Rolf Kok, und -- - -„Halt! Werda?“ rief in dem nämlichen Augenblick der Posten an der -niedergelassenen Brücke und warf den Karabiner schußgerecht vor. - - -11. - -Der Nebel lag noch dicht und schwer auf Fluß und Land, der Morgen -zögerte noch immer; man sah kaum zehn Schritte weit hinaus auf die -Landstraße, die nach dem Dorfe Böhne und weiter nach Genthin, und über -Parchen nach der Elbe und der Stadt Magdeburg zu führte. - -„Wacht heraus!“ schrie der Korporal Rolf aufspringend und zugleich den -nächsten seiner süß schlafenden Dragoner an der Schulter rüttelnd. Wie -ein grauer Schatten trabte ein Reiter durch den Dunst an, zwei andere -folgten, dann ein Haufen, und man vernahm das Stampfen einer größeren -Kavallerieabteilung im raschen Anmarsch. - -Das kleine Häuflein der Schweden hatte sich schnell auf der Brücke in -Linie gestellt; die beiden Korporale mit dem Posten in der Front. Aber -schon parierte der vorderste der schattenhaften Reiter seinen Gaul -dicht vor den Karabinermündungen und rief: - -„Versprengte vom Regiment Bülow! Haben die Brandenburger dicht auf den -Fersen! Gebt Raum, die Pferde sind abgehetzt, wir halten die Straßen -nicht länger und müssen in die Stadt!“ - -Es war eine alte, heisere Stimme, eine Stimme wie die der beiden alten -Korporale Sven und Rolf, welche das hervorstieß, und der Mann auf dem -wirklich schweißtriefenden, abgehetzten, schnaubenden Gaule war auch -alt und grau verwettert. Er trug einen dunkelblauen Rock über dem -Brustküraß, einen breiten, an der Seite aufgeklappten Dragonerfilz, -doch ohne Feder und Kokarde. Er trug mächtige Stulphandschuhe und -Reiterstiefel, doch keine Feldbinde, und wie seine nun allgemach auch -heranreitenden Begleiter trug er das Schwert in der Scheide. - -„Schnell, schnell, Kamerad von Wangelin! Wir hängen seit dreien Tagen -in den Sätteln und halten uns kaum mehr. Es pressiert -- laßt uns -durch.“ - -Die beiden Korporale sahen sich zögernd an. - -„Gebt die Parole, Herr!“ - -„Wir sind drei Tage von der Armee. Sahen die Brandenburger bei Burg -auf dem Marsche. Wie können wir euch die Parol’ vom gestrigen Abend -geben? Macht Platz, ich sag’ euch, Wachtkommandant, der Oberst Wangelin -ist mein guter Freund. Er liegt zum Wahrzeichen mit euch drüben in -Rathenow, und ich bin Leutnant im Regiment Bülow. Jetzt haltet uns -nicht länger auf!“ - -„Was sagt ihr dazu, Korporal Knäckabröd?“ fragte der Korporal Kok. - -„So arg wird’s doch nicht pressieren!“ sagte der Korporal Sven; in -demselben Augenblick aber richtete sich der alte Blaurock im Sattel auf -und schrie krächzend: - -„Also nicht? Na, dann hol’ der Teufel die Höflichkeit! Wer ist denn -hier eigentlich zu Hause? Ihr oder wir?“ - -Ein Faustschlag krachte nieder auf die unglückliche Nase des weiland -Kriegsgefangenen der Frau Fortunata Madlener, Wirtin zur Taube zu -Alberschwende im Bregenzerwalde, daß er besinnungslos zu Boden stürzte. -In dem nämlichen Moment stießen sämtliche Reiter ihren Pferden die -Sporen in die Flanken; zur Rechten und zur Linken flog die schwedische -Wache an der ersten Havelbrücke vor Rathenow zur Seite, oder wurde -niedergeritten. - -„Der Derfflinger! der Derfflinger!“ rief einer der drei Leute, welche -sich mit dem Korporal Rolf Rolfson Kok im eiligen Laufe der zweiten -Brücke und der Stadt zu retteten und ihre Büchsen im Lauf hinter sich -abschossen. - -„Der Derfflinger! der Derfflinger!“ murmelte der Korporal Kok, zu -Lindau im See das Gockele genannt, betäubt, fortgerissen, unfähig -sich zu besinnen, unfähig selbst, einen Augenblick an das Schicksal -seines guten, alten Kriegskameraden zu denken. Und es war wirklich -der Generalfeldmarschall Derfflinger, der vom Rhein her als der erste -an der Havel anlangte, das Hausrecht gebrauchte, die erste Brücke vor -Rathenow auf die eben beschriebene Weise nahm und nun vor der zweiten -Brücke, welche er natürlich aufgezogen fand, seine Dragoner absitzen -ließ und in Hast und Ungeduld über der trübe unter seinen Füßen -dahinschießenden Flut fast vergehen wollte. - -Es hätte des Faustschlags des greisen Generalfeldmarschalls gar nicht -bedurft, um den armen Korporal Sven zu überzeugen, daß die Welt im -Begriff sei, unterzugehen. Nah und fern klangen die Trompeten, oder wie -der Korporal, mühsam und zwischen die Pfeiler der Zugbrücke gedrückt -sich aufrappelnd meinte, die Posaunen des jüngsten Gerichts. Immer -mächtiger wogte und dröhnte es durch den Morgennebel heran, und Zug an -Zug rasselte es über die erste Brücke und ergoß sich über den Werder -zwischen den beiden Armen des Flusses, allwo der Derfflinger, den Degen -in der Faust, Schwadron über Schwadron durch die Fluten trieb, während -von den Mauern der Stadt schon das Gewehrfeuer blitzte und krachte, -und Generalmajor Götze und Oberstleutnant Kanne bereits den Fuß in die -erstaunten Gassen setzten. - -„O heiliger Olaf!“ stöhnte Sven Knudson Knäckabröd, sich das strömende -Blut von der Nase wischend und sich aus seiner geschützten Lage -dicht an der Brüstung der Brücke mit Vorsicht aufrichtend. „Träume -ich +das+, so habe ich auch so noch niemalen geträumt! Aber mit -einer solchen Nase träume da einer! Wetter, mir wächst ein Kürbis im -Gesicht, -- also das war der Derfflinger? O Rolf, Rolf, Rolf, das ist -wieder eine Geschichte, wie sie nur uns beiden passieren kann; -- o -Korporal Kok, wenn es nur dem großen Marschall Wrangel nicht eben so -ergehet wie uns zweien!“ - -Es hatte allen Anschein, daß das wohl der Fall sein könne. Um diese -Zeit nämlich war an dem Havelübergang, von Genthin her, ein Reiter mit -großem Gefolge von, wie es sich anließ, hohen Offizieren, die alle ihre -Pistolen auf den Sattelknopf gestützt hatten, -- mit einem mächtigen -Gefolge von Wachen, Trompeten und Standarten erschienen und hielt, nach -der Stadt hinüberhorchend. Dort hörte das Feuer allmählich auf, und -einzelne Reiter sprengten von ihr wieder zurück: die zweite Zugbrücke -mußte demnach auch genommen sein. Und einer dieser Kavaliere näherte -sich dem hohen Befehlshaber, riß den Hut ab und neigte sich bis auf die -Mähne seines Gauls: - -„Kurfürstliche Durchlaucht, wir haben Rathenow, wir haben den Wangelin -und den Weg zum Rhin!“ - -„Der Brandenburger! der Brandenburger auch!“ ächzte der schwedische -Mann an der Brüstung zwischen dem Pfahlwerk der Brücke, und ohne die -Antwort Kurfürstlicher Durchlaucht abzuwarten, kroch er über den Rand, -rutschte die Böschung hinab, glitt in das Weidengebüsch der Havelinsel -und fand daselbst trotz Nebel, Betäubung, Aufregung und Blutverlust -noch zwei von den Dragonerpferden der Wacht-Abteilung des Korporals -Gockele, angstvoll an ihren Strängen zerrend. Im nächsten Moment schon -saß der brave Alte im Sattel des einen Tieres und jagte über den Werder -hin, links ab. Da die Passage auf Rathenow von dem Generalfeldmarschall -Derfflinger jetzt vollständig frei gemacht war, so ging der Marsch der -sechstausend, vom Rhein her zu Hause anlangenden brandenburgischen -Reiter über die Brücken. Der Werder, über welchen die Obersten Kanne -und Kannowsky zuerst an die Stadt gelangten, war wieder leer; der Nebel -hatte sich allmählich in einen feinen Regendunst verwandelt, und der -sumpfige Boden dröhnte nur wieder von dem Stampfen einiger verwundeter -Pferde, die wie Geistererscheinungen durch den grauen Dunst taumelten, -strauchelten und schossen. - -Die Furt, welche die Dragoner des Derfflingers erst mit einiger -Mühe gefunden hatten, kannte der Korporal Sven, von mehreren -Rekognoszierungen aus, gut genug. Er befand sich mitten im Strom und -erreichte den Steindamm am linken Ufer, ohne sich umzusehen. - -„Es ist aus, Rolf Kok! Sie haben dich mit dem Obristen tot oder -lebendig!“ rief er jammernd und jagte weiter. Unschlüssig, ob er sich -gegen Havelberg zum Feldmarschall Karl Gustav oder gegen Pritzerbe zu -dessen Stiefbruder, dem Grafen Waldemar, wenden solle, jagte er fürs -erste gradaus in die lieblichen Sümpfe und Heiden der wackern Mark -Brandenburg hinein, im Sinn und Ohr verfolgt von einem ganz andern -Klingen, als dem melodischen Läuten der Kuhglocken im Lande vor dem -Arlberg und dem ermutigenden Wort der Taubenwirtin zu Alberschwende: -„He, Korporal, sing’!“ - -Das waren eilige Tage, und nimmer ist in der Welt so scharf geritten -worden, wie in diesem Juni des Jahres 1675 in der Mark, sowohl vom -Kurhut Brandenburg als auch von der Krone Schweden! - -Neun Tage schon hatte die kurfürstliche Kavallerie nicht abgesattelt, -und nun sprangen auf die Kunde von der Einnahme von Rathenow, im jähen -Schreck und aller Verstörung, auch die schwedischen Herren in die -Sättel. Von Havelberg brach eilends der Feldmarschall Wrangel auf; -von Brandenburg und Pritzerbe sein Stiefbruder. In aller Hast ging -der Marsch der beiden so unvorsichtig geteilten Heeresflügel, ein -spitzwinkelig Dreieck durch Bruch, Moor, Heide und Kieferwald ziehend, -auf den durch alte Schlachten berühmten Kremmerdamm zu, um eine -Vereinigung daselbst herzustellen und, was noch zu retten war, vor dem -zornigen Hausherrn zu retten, ehe Kurfürstliche Durchlaucht, die in -der Mitte der beiden Schenkel dieses Dreiecks gradaus ebenfalls einen -Strich auf Fehrbellin zogen, den ungebetenen Gästen auch da an der Tür -aufwarteten. - -Drei Tage ritten sie noch, da trafen sie zusammen, und geschah die -wundervolle Schlacht, die wir leider hier nicht zu beschreiben haben: -unsere Aufgabe ist es, uns nach dem tapfern Korporal Rolf Rolfson Kok -umzutun und zu erkunden, wie es ihm zu Hause weiter erging. - -Wir haben gesehen, wie auch er sich eilends aufmachte, als er die -Ankunft der Brandenburger in Erfahrung gebracht hatte. Obgleich ihn -mehr als sechzigjährige Beine trugen, so beflügelte die Vorstellung, -daß der Generalfeldmarschall Derfflinger mit seinen neunundsechzig -Jahren hinter ihm sei, seine Schritte auf den Havelbrücken nicht wenig, -und er kam richtig noch vor dem alten Herrn in der Stadt Rathenow an. - -„Alarm! Alarm! Feindio! Feindio!“ - -Ach, der Korporal Rolf Rolfson Kok hatte leider bei seinem Ruf zu -den Waffen nicht auf den Herrn Landrat von Briest gerechnet. Der -hatte nämlich in Erwartung der Dinge, welche von Südwesten her kommen -sollten, seinen schwedischen Gästen eine große Bewillkommungsfestivität -zurecht gemacht, den Offizieren selber und mit Beihilfe eines löblichen -Magistrates zugetrunken und auch der gemeinen Soldateska durch -gemeine Bürgerschaft auf seine Kosten wacker zutrinken lassen. Die -Folge davon war, daß die Brandenburger, als sie unter dem Derfflinger -und dem Prinzen mit dem silbernen Bein, dem Prinzen von Hamburg, -eindrangen, die meisten der Helden aus Mitternacht im tiefsten Rausch -und süßesten Schlummer vorfanden und sie somit ohne viele Mühe -totschlagen konnten. Die, welche etwas bei Besinnung waren, wehrten -sich freilich tapfer genug in den Gassen und auf und an den alten, -morschen, mittelalterlichen Mauern und Toren; allein auch sie wurden -mit verhältnismäßig geringer Mühe niedergemacht oder gefangen. Von -den sechs Kompagnieen, die mit dem Obristen von Wangelin in Rathenow -eingerückt waren, rettete höchstens ein Dutzend Leute das Leben und -die Freiheit, und unter diesen vom Glück Begünstigten befand sich -gottlob auch unser guter Freund, der Korporal Rolf. Wie der Korporal -Sven an der Böschung des Haveldammes, so glitt er an Wall und Mauer -der Stadt Rathenow hinunter, fiel, von Fortuna noch einmal in Schutz -genommen, auf ein ledig Reiterpferd des Herrn Obristleutnants Kanne und -galloppierte nunmehr gleichfalls, und ebenso betäubt und schwindelnd -wie der Kamerad, in den Morgen und in die Mark Brandenburg hinein. - - -12. - -Am siebenzehnten Juni alten und siebenundzwanzigsten neuen Stils, -nachdem am Tage vorher der Schwed’ im Zug auf Nauen gesehen worden war, -regnete es schlimm, obgleich es am folgenden glorreichen Tage, solange -die Schlacht dauerte, noch viel schlimmer regnete. Was aber die Sümpfe -zwischen der Havel und dem Rhin bei anhaltendem Regen zu bedeuten -haben, das erprobe ein jeglicher, der Lust dazu hat, selber und lobe -nachher seine Erfahrungen, wann er wieder im Trockenen sitzt! - -Und von der Havel bis zum Rhin ritten bereits seit dem sechzehnten -die Streifparteien der beiden schwedischen Heeresteile und der -vorwärts drängenden Brandenburger gegeneinander und umeinander herum, -während überall das aufgeregte, wütende Landvolk mit allerhand Gewehr -und Gewaffen der Not auf den Beinen war: kurz, es war ein schwer -Durchkommen selbst für zwei alte Korporale des Königs Gustav Adolf, die -dem Überfall von Rathenow entwischten und nun die ihrigen suchten, ein -jeglicher bis jetzt noch für sich allein. - -„Wenn mir heute einer sagte, daß ich einmal Hafenvogt zu Lindau im -Bodensee gewesen sei, so schlüge ich ihm die Zähne in den Hals hinein, -so wenig glaube ich dran“, brummte der Korporal Rolf Rolfson Kok, -indem er am 17. Juni am Spätnachmittag zum dritten Mal seit der letzten -Viertelstunde vor einem neuen Sumpfe vom Pferd stieg, um das Terrain -als vorsichtiger Mann zu untersuchen, bevor er sich ihm mit seinem -ermüdeten Gaul anvertraute, nachdem er wieder einmal mit Mühe einer -nachsetzenden Patrouille des Herrn Generalmajors Lüdecke entgangen -war. Ritterlich hatte er einen seiner Verfolger erlegt und dadurch -den Jagdeifer der übrigen ungemein erhöht; allein einen einzelnen -Mann zu jagen, lohnte sich heute eigentlich unter keinen Umständen, -und so hatten die kurfürstlichen Kürassiere zuletzt doch in einem -Kieferngehölze die Verfolgung aufgegeben, und der Korporal Rolf stak -naß, triefend, hungrig und durstig zwischen Sumpf und Moor und suchte -vorsichtig, wie wir gesagt haben, einen Übergang gen Nordost. Das war -keine geringe Aufgabe, und mit steigendem Verdruß tastete und platschte -er und rettete sich von neuem auf festeren Grund, bis er endlich eine -Art von Fußpfad durch das tröpfelnde Gebüsch fand und ihn behutsam -beschritt, seinen abgehetzten Gaul am Zügel hinter sich drein ziehend. -Immerfort mit sich selber redend, oder vielmehr in den Bart brummend, -tappte er zu; aber schon nach zehn Minuten hielt er horchend von neuem -an; denn plötzlich vernahm er vor sich aus dem Dickicht ein Schnauben -und Stampfen, vermischt mit lauten und halblauten Schimpfworten und -Verwünschungen, die sämtlich nicht auf dem märkischen Boden gewachsen -waren. Der Korporal Rolf stand und horchte atemlos. Derjenige, -welcher dort hinter den Rüstern, wie es schien, gleichfalls im Sumpfe -feststeckte, verwünschte sein Schicksal in schwedischer Zunge, und -nachdem der vormalige Hafenwärtel der freien Reichsstadt Lindau -nochmals die Hand hinter das Ohr gehalten hatte, schrie er: - -„Vivat Schweden! Ich komme, Kamerad!“ und drang mutvoll tiefer in das -Moor ein, den kläglichen und verdrießlichen Kundgebungen nach. - -Aus dem Gebüsche hatte ihm ein Gegenruf geantwortet und der erboste -Wunsch: wenn der Kamerad wirklich ein gutes schwedisches Herz habe, so -möge er eiligst kommen, es sei Not vorhanden. Der Korporal Rolf hatte -geantwortet: „Hier auch!“ war aber doch drauf losmarschiert, und wieder -nach einigem beschwerlichen Durchwinden drang er aus dem Gebüsch hervor -und hatte das Schauspiel, das er erwartete, vor sich, wie er es sich -vorgestellt hatte. - -Ein großes Gestampf und Geplatsch im Moor und Röhricht, -- zerstampfte -Binsen und Gesträuche, -- ein halb versunken Roß, und darauf ein -rotlockiger, schwedischer Reitersmann, mohrenfarbig vom Sumpfwasser, -- -triefend wie alles umher vom Regen, -- und dem gänzlichen Versinken in -die schlammige Tiefe nahe! - -„Wenn es mein leiblicher Vater wär’, so würde ich ihn nicht in dem Kerl -erkennen!“ murrte der Korporal Rolf; dagegen erkannte der Mensch im -Röhricht den Korporal Rolf und schrie: - -„Alle guten und bösen Geister -- bist du es, Rolf Rolfson Kok? O, du -himmlische Güte, kommen wir wirklich noch einmal zusammen auf dieser -niederträchtigen Welt? Ich bin es, Wachtkommandant! Kennt ihr mich -nicht? Ja, Herzbruder, meine eigene Mutter möcht’ mich wohl nach einem -solchen Ritt und in solcher Farb’ und Zerzausung nicht erkennen!“ - -„Sven Knäckabröd?! Sven, Sven?“ schrie der andere. „Hat dich der -Derfflinger nicht ganz und vollständig geholt? Das ist freilich bei -allem Elend das beste Abenteuer, was mir noch zu Teil werden konnte. -So schickt sich alles, und darum bin ich vorgestern von der Rathenower -Stadtmauer auf einen brandenburgischen Profossengaul gefallen, um dir -heute hier aus dem Malheur helfen zu können! Halt’ gut, noch einen -Augenblick halt’ den Kopf über dem Wasser, Sven! gleich hab’ ich dich -auf dem Trockenen, soweit es bei diesem Regen von oben und diesem -Morast von unten zu machen ist.“ - -Er hatte sofort nach dem Bündel Hanfstricke, welches von dem -Sattelknopf seines Vorgängers in eben diesem Sattel herabhing, und -für die Hälse der Marodeurs, Spione und sonstigen soldatischen -Übeltäter beider Heere bestimmt war, gegriffen, es heruntergerissen und -auseinandergewickelt. Mit vielem Geschick verknüpfte er die einzelnen -Stricke miteinander und hatte bereits im nächsten Augenblick dem -armen Korporal Sven Knudson Knäckabröd ein tüchtig und haltbar Seil -zugeworfen; -- nicht um ihn damit in die Ewigkeit hineinzubefördern, -sondern um ihn so sanft als möglich aus dem Sumpfe der Mark Brandenburg -hervorzuziehen. Nach einem ängstlichen und schweißtriefenden Abzappeln -von einer Viertelstunde waren beide gerettet -- der Korporal Sven wie -sein Roß -- und standen beide keuchend und schnaufend am Rande des -verräterischen, grün überwachsenen Schlammes. Selbst der Frau Fortunata -Madlener hatte Sven Knudson Knäckabröd, als er nach der Schlacht am -roten Egg unter ihrer Pflege erwachte, nicht so zärtlich die Hand -geschüttelt, wie er sie jetzt dem guten Kameraden aus der Krone zu -Lindau schüttelte. - -„Und nun, Bruder Sven, wie ist dir außerdem, daß du aussiehst wie ein -Mohrenpauker bei einer Leibtrabantengarde?“ fragte der Korporal Rolf. - -„Danke für die Nachfrage! Dumm, leer im Magen und jammerhaft im Sinn, -Rolf Kok. Ach, Rolf Rolfson Kok, schauderhaft verbiestert!“ - -„In Lindau in der Krone haben sie eine Art Würste, an welche ich jetzo -schon anderthalb Tage lang habe denken müssen. Und was den Wein vom -vorigen Herbst betreffen möchte --“ der Korporal Sven ließ ein dumpfes -Geheul vernehmen, gleich einem angeketteten Hofhund, welchem man ein -Stück Schinken von Ferne zeigt; glücklicherweise geriet der Korporal -Rolf schnell auf etwas anderes. - -„Und Rathenow haben sie; und wer weiß, was sie noch alles haben. Zu -Hunderten liegen die Unsrigen vom Regiment Wangelin in den Gassen und -in den Häusern. O Sven, ich gäb’ heut’ noch mehr darum, als damals -auf der Bastion zu Lindau, wenn ich den Weg zum Wrangel fände. Bei -solchem Hunger und Durst solche Wehmütigkeit und solchen Grimm erdulden -zu müssen, das hält nicht einmal ein Mensch aus, der mit dem großen -Gustavus Adolfus auf Usedom landete und nachher alles mit durchmachte.“ - -„Das nächste Mal reiß’ ich nicht wieder aus, wenn die Brandenburger -mich zu Gesicht kriegen; -- ich halte Stand und lasse dem Trübsal ein -Ende machen“, ächzte Sven. - -„Das beste ists; ich bin mit von der Partie, Bruder“, sprach Rolf -ebenso verzweifelt-grimmig. Im nächsten Moment horchte er wieder und -rief sodann: - -„Sieh, da ist die angenehme Gelegenheit schon. Horch, da sind sie -wieder aneinander! Zu Pferde, zu Pferde und darauf los. Die Mähren -brauchen eben doch nicht länger bei Atem zu bleiben als wir. Heraus -mit den Plempen, und: Vivat ein ehrlicher schwedischer Reitertod! Was -aber das übrige anbetrifft, so wäre es mir allmählich einerlei, wer -den Weltball hinnähme, ob die Kron Schweden, oder dieser Kurfürst von -Brandenburg mit seiner verwetterten Kavallerie!“ - -Sie stiegen mühselig von neuem auf ihre Gäule, die auch wieder und zwar -fast menschlich seufzten. Um den verräterischen Sumpf herum ritten sie -abermals in den Kiefern- und Rüsternwald hinein, dem vernommenen Schall -des fernen Kanonendonners und der nahen Büchsenschüsse, Trompetenstöße -und Menschenstimmen nach. - -„Das ist Nauen, um welches die Konstabler spielen; und jetzo weiß man -wenigstens wieder, nach welcher Richtung man die Nase zu drehen hat. -Das ist auch ein Trost; aber der andere Lärm beweist mir, daß Schweden -noch immer auf dem Rückzuge ist. Vorwärts, Bruderherz; einmal müssen -wir unsere Löffel noch in den Brei tunken!“ - -„Sprich mir nicht von Brei, Rolf Rolfson Kok!“ bat Sven Knäckabröd -kläglich. „Du könntest eben so gut von einem gebratenen Ochsen reden. -Das Herz wendet sich mir jedesmal, wenn ich dich von Löffel, Messer -und Gabel diskurrieren hör’, im Leibe um. Ja, vorwärts, Kamerad, und -wollt’, es würde endlich einmal wieder licht vor uns; was wir auch auf -der Landstraße finden möchten!“ - -Der Wunsch, welchen der Korporal Gockele vollkommen teilte, sollte -ihnen noch vor Sonnenuntergang, -- wenn man an einem solchen Regentage -von Sonnenuntergang reden konnte, -- gewährt werden. Nachdem sie noch -manche Fährlichkeit des Weges überwunden hatten, kamen sie endlich -wirklich aus dem Walde heraus, und zwar mit immer heftiger pochenden -Herzen, und das war wahrhaftig kein Wunder. - -Es war ein Brausen, Schwirren, Brüllen, Rufen und Kreischen in den -Lüften, als ob sich auf der Erde Tausende und aber Tausende auf einem -engen Pfade in höchster Not drängten -- ein Brausen und Geschrei wie -von Tausenden auf dem Marsche, und zwar auf einem Rückzugsmarsche! Das -hallte von ferne unter den schweren, grauen Regenwolken her, als ob der -Himmel es nicht hören wolle und das Gewölk wie eine Wand zwischen sich -und den irdischen Jammer gelegt habe. - -Näher und näher erscholl’s, je weiter die beiden Korporale vorwärts -drangen, und als sie endlich den Wald sich lichten sahen, da erblickten -sie schon zwischen den letzten Kiefernstämmen den Grund des Getöses, -und als sie hervorritten aus der Dämmerung des Gehölzes, da spielte das -große, aber schreckliche Schauspiel auf Entfernung von einigen hundert -Schritten vor ihren Augen sich ab! - -In der graufahlen Beleuchtung des abendlichen Regenhimmels dehnten -sich die großen Sümpfe, das Havelland-Luch -- und durch das Luch zog -sich der schmale Damm, und auf demselben, so weit das Auge reichte, -von einem Horizont zum andern, wälzte sich der schwedische Rückzug. -Reiterei und Fußvolk, Geschütz, Bagage, Weiber und Schlachtvieh -durcheinander, im wirren grausigen Getümmel vorüber; fern im Süd’ aber -klang und donnerte das Gefecht der Nachhut. Die Brandenburger taten -dort ihr Möglichstes, den Schrecken und die Verwirrung in den Gliedern -des Feindes zu erhalten und den Kehraus nach besten Kräften vorzunehmen. - -Wie zwei Bildsäulen saßen die zwei alten Kriegsgenossen des großen -Königs Gustav Adolf auf ihren Pferden und starrten auf das erstaunliche -Spektakel. Hunger, Durst und Ermüdung waren vollständig vergessen. -Für sich und an sich selber fühlten sie nichts mehr. Sie starrten -- -stierten -- und dann nickten sie beide zu gleicher Zeit mit den Köpfen, -und dann -- rollten wirklich ihnen die Tränen hell aus den Augen und -verloren sich mit den ihnen ins Gesicht schlagenden Regentropfen in den -weißen Bärten -- -- - -„O Sven“, stöhnte endlich Rolf Kok, „sind wir darum so weit -hergekommen? Sind wir darum aus dem Schlaf auferwecket, um das zu -erleben? O Sven, o Sven, es ist aus mit uns, und ich wollte, der -Herrgott hätte uns in unserer Versprengung belassen und uns nicht das -Herz erregt durcheinander und durch den welschen Signor Tito Titinio -Raffa, oder wie er hieß, der Ruffian!“ - -„Ich wollt’ es auch, Rolf“, seufzte der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd. „Auf mich und dich kommt es wohl nicht an, und was wir -darüber denken, ist auch gleichgültig: aber daß dieses dem Karl Gustav, -dem gewaltigen Konnetable Wrangel passieren muß, das ist das Elend! -Sieh, und da sind die Kürassiers von Wachtmeisters Regiment. Da sieh -nur, wie die Schufte in den Sätteln hängen und wie reitende Feldhasen -über die Schultern gucken. Und das trägt Harnisch und Schwert! Da, -da -- sieh -- da drängen sie sich gar gegenseitig von der Straße, um -nur ja die eigene Schande unversehrt in Sicherheit zu bringen! Ach -Schweden, Schweden, an manchem Sommerabende hab’ ich dich über die -Berge und den See weg gesehen, sitzend wie eine Königin in Purpur. Da -hab’ ich mein Heimweh stillen müssen, und nun sehe ich dich als ein -Bettelweib, wie mit dem Knüttel aus einem fremden Hause gejagt! Was -sagst du, Bruder? Ich sage, wir reiten nun eben mit bis zum Ende.“ - -„Wir reiten mit bis zum Ende!“ rief der Korporal Rolf Kok, und blind -trieben die beiden tapferen Grauköpfe unter den letzten Bäumen und aus -dem letzten Gestrüpp des Waldes ihre Rosse mit wilden Sporenstößen -hervor und hinab in den Sumpf, der sie von dem berühmten Damme trennte. -Ihr Fatum aber schien sie wirklich bis zum Schlusse der Tragödia -mitspielen lassen zu wollen. Der Sumpf verschlang sie nicht, sie -erreichten den betrüblichen Strom von Menschen und Vieh, der in dem -dunkelnden Abend durch die verregnete Mark heranwogte, und so wurden -sie fortgerissen und fortgewirbelt -- zwei Tropfen in der kläglichen -Flut der schwedischen Retraite, -- fortgewirbelt, dem Rhin entgegen. - - -13. - -Der Herbst des Jahres 1675 war gekommen, lachend wie ein rechter Bruder -des Frühlings. Im weichverschleierten Sonnenlicht lag die Rheintalebene -zwischen den Bergen des Bregenzerwaldes und den Bergen von St. Gallen -und Appenzell. Lachend tanzte der junge Fluß dem Bodensee zu, als ob er -nie Felsentrümmer und Hochwaldsbäume vor sich hergeschleudert, als ob -er nie die Felder und Wiesen schwerarbeitender Menschen mit haushohem -Schlamm und wüstem Steingeröll bedeckt habe; oder als ob er doch -wenigstens die Absicht habe, von jetzt an es nicht wieder zu tun. - -Es war ein Sonntag in den letzten Tagen des Septembers. In jeder -Schenke am Wege klang die Fiedel. Von der Höhe des Steusberges glänzten -hell und weiß die Türme von Maria-Bildstein herab; es war auch ein -Wallfahrtstag zu Maria-Bildstein, und alle Wege weit umher waren mit -den bunten Gruppen der frommen Christen und Christinnen bedeckt, die -entweder noch zum Gebet auf der Höhe emporstiegen, oder bereits wieder -herunter und hinab in das irdische Jubelgetümmel. - -Zu Schwarzach im Löwen herrschte vor allem ein lustiges Leben; aber -da das muntere Treiben, hier wie in jeder andern Schenke, sich wenig -von dem zu Anfang dieser ziemlich historischen Geschichte beim -Geburtstagsfeste des heiligen Gebhard geschilderten unterschied, -so haben wir nicht nötig, uns an dieser Stelle auf eine abermalige -Beschreibung einzulassen. Wir haben Sonderbareres zu berichten. - -Den ganzen Morgen hindurch hatte unter den Kastanienbäumen vor dem -Wirtshause zum Engel an der Achbrücke bei Oberrieden ein Mann gesessen, -der, ein wenig scheu, einen gewaltigen Durst zu löschen hatte, und der -jetzo langsamen und müden Schrittes durch das Dorf Schwarzach zog und, -dem Anschein nach, auch auf dem Wege am liebsten niemandem ins Gesicht -gesehen haben würde. - -Es war ein alter, weißköpfiger, gebückter Mensch, der schwerfällig -auftrat und seinen Stab nicht als eine überflüssige Zierde trug und -handhabte. Er war bekleidet mit einem abgeblichenen roten Tuchkoller, -über dem ein rostig-gelblicher Schimmer lag, als ob sich lange Zeit ein -Eisenküraß dran gerieben habe. Er trug ein gelbledern Wehrgehäng, doch -fehlte das Schwert; er trug desolate hohe Reiterstiefel, an welchen -die Sporen fehlten, und er trug einen breitkrämpigen, an der Seite -aufgeschlagenen Filzhut, welchem jedoch Feder und Kokarde ermangelten, -der dafür aber mit einigen Rissen und Schrammen, die nur von naher -Berührung mit blanken Waffen herrühren konnten, geziert war. - -Die Wirtsleute und die Gäste vom Engel an der Ach hatten ihn mit -ziemlicher Verwunderung beobachtet, wie er geduckt vor seinem Schoppen -saß. Sie hatten natürlicherweise auch mehr als einmal versucht, ein -Gespräch mit ihm anzuknüpfen; allein er hatte selbst auf die höflichste -Frage nicht Rede und Antwort stehen wollen, sondern nur grimmig in -seinen Krug gesehen, oder denselben stumm zu neuer Füllung hingereicht. -Kopfschüttelnd hatte das gutmütige Volk ihm nachgeblickt, als er sich -endlich, schwer ächzend, erhob, ohne Gruß aus dem Schatten der Bäume -fortschritt und weiter marschierte auf dem Wege durch die Felder, -Schwarzach zu; und alle, die ihm begegneten, blieben gleichfalls stehen -und sahen ihm verwundert und kopfschüttelnd nach. Einige Male sagte -auch wohl jemand: „Den sollte ich ja doch kennen!“ aber wohin er ihn -tun solle, das wußte er dann doch nicht, und erst, als der Alte auf -seinem Marsche durch das große Dorf Schwarzach vor der Tür des Löwen -angelangt war, fand sich einer, der es wußte. - -Auch hier wollte der Rotrock verstohlen an der entgegengesetzten Seite -der Straße vorüberschleichen; allein es sollte ihm nicht gelingen. - -„Halt ihn, halt ihn! Bigott, da, da! Er ist es! Halt ihn!“ schrie eine -quäkige Stimme aus dem offenen Fenster herab, und rückwärts sich in die -Stube wendend, schien der Schreier eine seltsame Neuigkeit dem gedrückt -vollen Raume zu verkünden. Es entstand ein gewaltiges Gepolter und -Aufstehen, ein lachendes, verwundertes Durcheinander von Stimmen in -der Zechstube des Löwen, und hervor aus dem Hause quollen die Gäste, -und die Treppe hinunter hüpfte hinkend Meister Macedon Trafojer, ein -armselig, halblahm, dürr Schneiderlein, welches von Zeit zu Zeit auch -nach Alberschwende auf die Flickarbeit kam und die Frau Fortunata -Madlener, sowie ihren Haushalt und ihre Wirtschaft zum Genauesten -kannte. - -„Er ist es! Da ist er wieder! Halt ihn, halt ihn!“ schrie das -heldenmütige Schneiderlein und jagte dem Korporal Sven Knudson -Knäckabröd vom Regiment Wangelin-Dragoner einen gewaltigen Schrecken -ein, einen panischen Schrecken in der vollsten Bedeutung des Wortes; -der Korporal fuhr zusammen, sah auf, sah die Bewegung in der lachenden -Gruppe sonntäglich geputzter Gäste auf der Treppe des Löwen, sah -aller Blicke auf sich gerichtet, sah den koboldhaften Schneider -Macedon im glühenden Eifer, der Frau Fortunata einen Gefallen zu tun, -heranspringen und -- -- -- riß aus! - -Er lief. Er lief, so schnell ihn die alten, müden Beine tragen wollten, -und ihm nach klang es jubelnd, lachend und höhnisch: - -„Halt ihn, halt ihn! ’s ist der Schwed’ von Alberschwend’! Halt ihn; -die Taubenwirtin hält den, so ihn tot oder lebendig bringt, ein Jahr -lang frei in Kost und Getränke!“ - -Das mochte nun der tapfere Meister Trafojer ganz ernsthaft nehmen; -aber die anderen begnügten sich doch mit dem baucherschütternden -Hinterdreinlachen und stellten nur verwunderte Fragen über das -plötzliche Wiedererscheinen des schwedischen Mannes untereinander. Auch -das Schneiderlein mußte in Anbetracht seiner lahmen Füße die Jagd an -der nächsten Ecke aufgeben, und nur die Kinder von Schwarzach gaben -sie fürs erste noch nicht auf, sondern verfolgten selbstverständlich in -hellen Haufen den Mann von der Lorena bis zum Dorfe hinaus, allwo er -zuerst den Mut fand, sich zu stellen, und sie mit donnerndem Zornesruf -und geschwungenem Stocke zurückzuscheuchen versuchte. - -Das gelang ihm aber schlecht. Sie schrieen nur ärger: - -„Der Schwed’ von Alberschwend’! Ho he, der Schwed’ vom roten Egg! -Er ist wieder da! Er kriegt’s, jetzt kriegt er es, der Schwed’ von -Alberschwend’!“ - -Mit diesen Worten, doch auch mit einigen Steinwürfen begleiteten sie -ihn, bis hoch hinauf in die Berge, immer den rauschenden Bach entlang. -Und als sie dann endlich doch zurückblieben, als die Felsen drohender, -der Hochwald dunkler wurde, und es wieder still hinter und um den -armen Korporal Sven geworden war, da hielt auch er an, hielt sich den -Kopf mit beiden Händen, wie auf der ersten Rast nach der Flucht von -der Havelbrücke bei Rathenow, und warf sich unter einem Baume nieder, -zerschlagen und wie gerädert, und was das Schlimmste war, voll großer -Sorgen wegen seines Empfanges -- zu Hause. - -Damals führte noch keine Kunststraße durch den Wald, und wer den Weg -bei dämmerndem Abend oder gar bei Nacht zu machen hatte, der mußte -wohlbekannt in der Gegend und dazu recht sicher auf den Füßen sein, -wenn man ihn nicht am andern Morgen mit zerbrochenen Gliedmaßen am Ufer -der Schwarzach finden sollte. Der Korporal Sven Knudson Knäckabröd war -eigentlich beides nicht; aber um keinen Preis in der Welt wäre er heute -noch bei hellem Tageslichte in Alberschwende eingezogen. - -Da lag er denn unter seiner Tanne, zerschlagen und hinfällig, und es -war ihm sehr schlecht zu Mute. Ein uralter nordischer Waffensegen fiel -ihm gerade jetzt ein, und er summte ihn vor sich hin: - - „Sieg in Deine Hand! Sieg in Deinen Fuß! - Sieg in alle Deine Glieder gut! - Gott der heilige Herr segne Dich! - Wach und regiere über Dich!“ - -Aber viel Erquickung und Ermunterung zog er nicht heraus. Sehr kläglich -war ihm zu Mute, und so lag er, mit beiden Händen unter dem Kopfe, bis -die rote Abendsonne erst von den Stämmen, dann von den höchsten Wipfeln -und zuletzt von den allerhöchsten Felsenkuppen sich verzog. Dann -erst erhob er sich tief seufzend und wankte weiter bergan, durch die -beginnende Nacht. Gegen elf Uhr Abends erreichte er Alberschwende. - -In der Taube war natürlich ebenfalls Musik und Tanz, und der arme Sven -sah schon von weitem die hellen Fenster und vernahm schaudernd die -lustigen Jauchzer. - -„Das ist schlimmer als der Angriff des Homburgers, des Prinzen mit -dem silbernen Bein, bei Fehrbellin!“ murmelte er. „Der Faustschlag -Seiner Exzellenz, des Herrn Generalfeldmarschalls Derfflinger an der -Rathenower Bruck’ war nichts Geringes; aber -- o du liebster Himmel, -was wird sie sagen?!“ - -Die Tür des Wirtshauses zur Taube stand weit offen, und der Korporal -stieg die Treppe, welche zu ihr emporführte, langsam und mit -eingezogenen Schultern hinauf. Die Hausflur war augenblicklich leer, -und da die Stubentür ebenfalls offen stand, so hinderte ihn nichts, -geduckt und vorsichtig um die Ecke in das weite, trüb erleuchtete, -niedere Gemach, in das kreischende, jubelnde Tanzgewirbel zu lugen. -Er fuhr sofort zurück; denn als in diesem Moment die Reihen der -Tanzenden sich lösten, da sah er sie -- da sah er sie mit in die Hüften -gestemmten Armen neben ihrem Schenktisch stehen, an demselbigen Tische, -neben welchem er Anno 1647 nach dem Überfall am Fallenbach aus seiner -Ohnmacht erwachte und sie, die Frau Fortunata Madlener, ebenfalls mit -in die Seiten gestützten Armen vor sich stehen sah. - -„Es ist nicht menschenmöglich“, stöhnte der Deserteur. „Selbst der -tapfere Karl Gustavus, der Feldmarschall Wrangel, würde es nicht fertig -bringen! Selbst der große Gustavus Adolfus, der streitbare Löwe aus -Mitternacht, brächt’ es nicht zu stande, ihr jetzo unter die Augen zu -treten!“ - -Rückwärts schreitend zog sich der Korporal Sven Knudson Knäckabröd von -Wangelins Dragonern zurück und schlich sich wieder aus dem Hause, stieg -die Treppe wieder herab und verlor sich von neuem in der dunkeln Nacht. - -Um die zwölfte Stunde hörte der Bub in der obersten Hütte auf der -Lorena, plötzlich aus dem Schlafe erwachend, erst ein wildes, wütendes -Anschlagen des Hundes, dann ein unterdrücktes Freudewinseln des Tieres -und zuletzt ein Gepoch an der Tür. Zitternd und entschlossen zu -gleicher Zeit, griff er nach dem Handbeil neben seinem Bett und schrie: - -„Wer ist draußen? Hex’, Unhold und Strolch soll draußen bleiben -- gut -Freund komm eini!“ - -Da antwortete ihm eine heisere Stimme: - -„Gut Freund, gut Freund!“ und der Bub schlug Licht und kam mit dem -Kienspan an die Tür und öffnete. Eine schwere, harte Hand legte sich -ihm auf den zu einem lauten Schrei aufgerissenen Mund, und Sven Knudson -Knäckabröd flüsterte: - -„Ja, Bursch, ich bin’s. Schrei’ nur nicht. Den Hund nehm’ ich mit -herein -- schließ’ die Tür, Melchior; ich bin’s in Fleisch und Blut; -marsch auf dein Stroh zurück, ich krieche in meinen eigenen Winkel -dorten; morgen früh wird sich ja wohl das übrige finden.“ - -Das war der festeste Schlaf, den der Korporal Sven Knudson Knäckabröd -je schlief, aber der Bub Melchior Rädler schlief gar nicht wieder -ein in dieser Nacht. Solange es noch dunkel war, saß er aufrecht auf -seinem harten Lager und horchte auf das donnernde Geschnarch aus -entgegengesetzter Ecke der Hütte. Und als es dann allgemach licht -wurde, saß er noch aufrecht und blickte stier nach dem Schlafgenossen -hinüber. Als aber die Spitzen der Berge im ersten Lichte des neuen -Tages zu scheinen begannen, da erhob er sich; fuchsartig, verstohlen -beugte er sich noch einmal über den heimgekehrten Korporal und schlich -aus der Tür. In dem Augenblick, wo er sich draußen fand, fing er an zu -laufen; in den weitesten Sätzen sprang er bergab, nach Alberschwende -hinunter, und klopfte und hämmerte wie wahnsinnig an der Pforte seiner -Brotherrin. Nach zehn Minuten befand sich das ganze Haus im hellen -Alarm, und nach einer weitern Viertelstunde, als sich schon der Himmel -im Osten mit schönster Glut färbte, hatte sich der Lärm bereits durch -das ganze Dorf verbreitet. - -Noch sprachen zwar die Bequemsten und Ungläubigsten von ihrem Bette -aus: „Der Bub Melchior hat geträumt!“ Allein der Bub Melchior war -seiner Sache eben gewiß, und die Frau Fortunata Madlener war um diese -Zeit schon -- auf dem Marsche zur Lorena empor. - -Sie stieg bergan, gestützt, geschoben und gezogen von den stärksten -Händen ihres Haushaltes. Aber auch der schwächere Teil ihres Haushaltes -stieg mit. Daß die Hunde sich nicht ausschlossen, verstand sich von -selber; aber auch das halbe Dorf folgte dem Zuge, und es war freilich -ein sonderlicher Zug durch die graue Frühe, über die taufeuchten -Halden und durch den noch phantastisch in Wolken und Nebel gehüllten -Tannenwald. - -„Ich will sanft gegen ihn sein, wie ein eintägig Lämmle“, murmelte -die Taubenwirtin. „O, er soll es schon verspüren, wie sanft ich gegen -ihn sein will; aber gestehen soll er, wo er sich umgetrieben hat. -Was meinst, Aloysle, ob ich es wohl aus ihm herausschmeicheln und -streicheln werd’? Ei, er soll sich schon wundern, wie schön man einem -solchen, wie er, tut, wann er endlich nach Hause kommt. Ah -- oh -- uh, -den Stein überleb’ ich nicht; stemm’ die Schulter an, Kasperle! Sachte, -Fridolin, den Arm braucht er mir nicht ausreißen; -- uh -- oh -- da -- -jetzt noch einmal zum letzten -- da wä--ren -- wir -- o--ben!“ - - -14. - -Aus dem tiefen Schlafe des Korporals Sven war allmählich ein sehr -unruhiger geworden. Der Bub hatte die Tür der Hütte offen stehen -lassen, und die scharfe Gebirgsluft, die eindrang, mochte wohl mit -schuld daran sein, daß sich der Schläfer unruhig hin und her warf; -allein an dem kuriosen Traum, den er jetzo träumte, war sie jedenfalls -nicht schuld. - -Er befand sich mitten im Schlachtgetümmel von Fehrbellin, und sein -guter Kamerad, Rolf Rolfson Kok, hielt zehn Schritte von ihm ab in -derselben Linie, und er sah ihn dann und wann deutlich durch den -Dampf und Regennebel. Sie hatten sich zum letzten Mal gestellt vor -dem brandenburgischen Andrang, ehe sie über die pommersche Grenze -zurückwichen. Er sah alles wie in einem sich wandelnden Bilde: den -weiten Weg von der Havel her, bedeckt mit abgeworfenen Kürassen und -Eisenhüten, zerbrochenen Wagen, halb versunkenen Kanonen und Leichen -von Mensch und Tier, -- und zugleich sah er rundum den letzten Kampf -der Trümmer der tapfern Armada des großen Feldmarschalls Wrangel, -die letzte Aufstellung hinter der Landwehr zwischen Ribbeck und -Hackeberg. Er winselte in seinem Traum; über seinem Haupte flatterten -die Standarten des Regiments Dalwig, und er sah sie deutlich mit ihrer -goldenen Inschrift: _Auro et ferro!_ Da brauste es heran, und -er schrie auf im Traum -- um ihn her schwankte und schwirrte es, er -lag unter den Hufen der Gäule, der Feind ritt über ihn weg, und da -- -war er allein auf dem Felde mit dem guten Kameraden, kniete neben ihm, -hielt seinen zerschossenen Kopf im Arme; aber der Korporal Rolf konnte -ihm nimmer wieder die Hand drücken und zunicken, der Korporal Rolf war -tot und nun freilich zu Hause angelangt nach so langem, beschwerlichem -Marsche. - -Wie war denn das? der Traum verwirrte alles zu sonderbar! Nun war der -Korporal Rolf wieder nicht tot, sondern der Korporal Sven erblickte -ihn in einem betrüblichen Zuge eiliger Männer, die mit einer Sänfte -fliehend über graue Heidehügel dahinzogen. In der Ferne lag es noch -grauer -- aber das regte sich und bewegte sich -- die See dehnte -sich dorten, und große Orlogschiffe unter schwedischer Kriegsflagge -kreuzten hin und wieder. Aber aus der Sänfte beugte sich ein verwelkt, -kummervoll Greisengesicht, -- das war der glorreiche, sieghafte -Feldherr Karolus Gustavus Wrangel selber, den der Korporal Sven schon -als junger Mensch gekannt hatte in allem Glanz und Triumph. Der -Korporal Rolf war aber doch tot; denn wie er neben der Sänfte des -Generals einherschritt, zog er plötzlich den Reiterhandschuh ab und -legte eine fleischentblößte Faust, die Hand eines Gerippes, auf den -Fensterrand. Da schwankte und schwirrte es wieder um den ächzenden -Sven Knudson Knäckabröd. Die Wolken zogen sich zusammen und stiegen -nieder, aber des Meeres Horizont stieg immer höher auf, immer dunkler, -schwärzer. Und aus den Wassern wurden steinerne, graue Mauern, die -Mauern eines alten, festen schwedischen Schlosses; -- der Korporal Sven -stand unter einer großen Menge bewaffneter Männer in einem düstern -Saal, und in der Mitte des Saales stand ein Block und daneben ein Mann -in schwarzem Kleide und Mantel. Es kniete aber ein anderer Mann vor -dem Block, und wieder ein anderer hatte ihm sanft auf die Knie nieder -geholfen; -- beide waren alt, sehr alt, und beide waren auch Kameraden -seit langen, langen Jahren: der mächtige Konnetable Wrangel und der -brave Korporal Rolf Rolfson Kok. Der Mann im schwarzen Kleid hob sein -mächtig Beil und schlug -- -- da mußte der Korporal Sven Knudson -Knäckabröd in der Sennhütte auf der Lorena freilich wohl erwachen, denn -sie schüttelten ihn, die Leute von Alberschwende, und vor allen anderen -schüttelte ihn derb die tapfere Freundin, Frau Fortunata Madlener, die -Wirtin zur Taube in Alberschwende, und der alte heimgekehrte Sünder saß -aufrecht auf seinem Strohsack und sah sich verstört und blinzelnd um! - -Natürlich, nachdem sie ihn nach Herzenslust und Bedürfnis -abgeschüttelt hatten, überschwemmten sie ihn mit einer Flut von Fragen! -Er aber brauchte längere Zeit, um ihnen alles mitzuteilen, was sie, -nicht ohne eine Berechtigung, zu wissen verlangten. Er hatte für -manchen Winterabend, wenn der Schnee erst bis zum Dachrande hinauflag, -genug erlebt: wir jedoch haben hier uns an das Zunächstliegende zu -halten. - -„Wo will er gewesen sein, er Landläufer?“ schrie die tapfere Wirtin -zur Taube. „Saget es noch einmal und lüget nicht, Schwen; -- ihr -kennet mich und werdet nicht verlangen, daß ich in dieser Stunde Spaß -verstehen soll.“ - -„Auf Ehre und Gewissen, Frau Fortuna“, ächzte der Korporal. „Am Rhin -war ich -- zu Hause war ich -- bei den Fahnen, bei dem Feldmarschall -- -ja, auf Ehr’ und Gewissen.“ - -„Schwen, Schwen, ihr lügt, wie ihr es weder vor unseren katholischen -noch euren lutherischen lieben Heiligen verantworten könnet. Stellt -ihr euch auf die Zehen, so könnet ihr den Rhin aus dem Graubündnerland -herfließen und in den See gehen sehen: hab’ ich euch nicht auf sechs -Meilen in die Rund’ suchen und aufbieten lassen? Wie wollt’ ich -euch nicht gefunden haben, wenn ihr nur am Rhi’ die Straßen und die -Wirtshäuser unsicher gemacht hättet! Schämet euch, schämet euch, -Schwen; das hat niemand vor dem Arlberg um euch verdienet, und ich -am wenigsten! O Schwen, hab’ ich euch darum an die dreißig Jahre wie -meinen Bruder, wie meinen Sohn, wie meinen allerbesten Freund gehalten?“ - -„Bei meiner Ehr’ und Gewissen, Frau; sie nannten im Generalstab das -Wasser, wo wir die schlimmen Schläge kriegten, den Rhin. O, nun lasset -mich ausschlafen; nachher will ich euch gern auf alles des Ferneren -dienen. Nimmer in meinem Leben bin ich so gelaufen, und hab’ so mächtig -Herzeleid erlitten, wie in diesem Jahr. Ich habe sie liegen sehen im -Sumpf und auf den Sandhügeln zu Tausenden, und ich hab’ sie in heller -Flucht gesehen, daß ich blutige Tränen wein’, im Wachen und im Schlafe.“ - -„Wen habet ihr liegen und auf der Flucht gesehen?“ - -„Uns -- die wir den Sieg behalten hatten vom ersten Sprung auf den -deutschen Boden an -- Nördlingen ausgenommen.“ - -„Und wer, saget ihr, hat euch niedergeleget?“ - -„Der Brandenburger, Frau. Der Kurfürst Friedrich Wilhelm, der Fürst -von Homburg mit dem silbernen Bein, und der Derfflinger, Frau. Ja, da -möcht’ ich wahrlich wohl lügen, wenn es anginge! Die Brandenburger -haben das Feld behalten.“ - -„Sehet ihr, Schwen, da habe ich euch schon! Eine solche Völkerschaft, -als ihr da nennet, gibt es gar nicht! Nun verantwortet euch noch -einmal vor Gott und den Menschen; da vor der Aloysia, und vor den -Kindern drunten im Ort, die sich nach euch schier die Augen aus dem -Kopfe gegreint haben.“ - -„Frau, bringet mich nicht auch zum Greinen! Ach, ich wollte, ihr -könntet den Wrangel fragen, dem würdet ihr ja wohl glauben; denn er -war ja hier bei euch Anno siebenundvierzig. Wisset ihr nicht, wie er -Bregenz da unten nahm, und wie wir über den Pfänder aus purem Übermut -zu euch auf Besuch kamen, und wie ihr uns so übel aufnahmet am roten -Egg?! O Frau Fortuna, jetzo lieget der Wrangel tief zu Boden; und -obgleich euch die Geschichte dort bei Fehrbellin nicht so nah’ auf die -Haut brennt, als der Bregenzer Sturm, so möget ihr wohl noch ärger -Viktoria schreien, als damals am Fallenbach über unseren blutigen -Leibern. Auf Ehr’ und Gewissen, Frau Fortuna, die Brandenburger haben -den großmächtigen Konnetable Wrangel niedergeleget in dem Rhinluch, -und der Generalfeldmarschall Derfflinger hat über mich gelacht nach -der Schlachtung und mich aus Spaß ranzionieret auf dem Markte zu -Fehrbellin, als ich mich bei ihm bedankte, weilen er mich auf der -Rathenower Brück’ nur mit der Faust traktierete. Er hat mir auch sechs -Brandenburger Taler aus Generosität geschenkt, damit bin ich heimkommen -zu euch; -- ach Gott! ohne den Rolf, den tapfern Herzbruder, den -Korporal Rolf Rolfson Kok, den die Spießbürger zu Lindau das Gockele -nannten und zum Hafenvogt gemacht hatten, weil sie nicht wußten, was er -wert war. Ach Gott, wir haben ja beid’ zusammen das Heimweh zu Lindau -in der Krone gekriegt; aber ich allein bin zurückkommen von unserem -Marsche zu den Fahnen; -- der gute Korporal Rolf Rolfson Kok, der liegt -verscharrt an der Landwehr bei Hackeberg.“ - -Die alte Taubenwirtin und Oberkommandantin vom Fallenbach schüttelte -bedenklicher denn je den Kopf: - -„Jetzt wär’s mir am End’ gar noch ein Gaudium, wenn ich ihm glauben -dürft’“, murmelte sie. „Als wir um die Weihnacht sechsundvierzig -allhier bei Tag und Nacht zu Haufen standen und bei Tage den Rauch, bei -Nacht den roten Feuerschein rund um den See sahen, da war’s ja freilich -der Wrangel der uns die grausame Angst, das Zittern und Beben schuf. -Schwen, Schwen, euch traue ich noch lange nicht; aber wenn das wahr -wär’ mit dem Wrangel -- -- -- Schwen, ich sage euch, ich erfahr’ es -noch, ob es wahr ist, daß es solch’ ein Volksspiel gibt, von welchem -ihr gelogen habt und was euch eure Sünden so derb heimzahlte! Ich -erfahr’ es, und nachher wollen wir weiter sehen.“ - -„Geträumt habe ich es nicht, Frau, verlasset euch drauf; obgleich es -mir jetzo wahrlich so zu Mute sein könnt’, als sei das alles, was ich -erleben mußte auf dem Marsche, nur das Gespinste einer boshaftigen -Trold gewesen, so sie mir nächtlicher Weile über den Kopf und das -Hirn geworfen hätt’. Ich hab’ wahrhaftig nicht gewußt, wie weit ich -von euch und der Aloysia und den Kindern abkäm’, als ich euch vor’m -Jahr auf dem Gebhardsberg bei den Gevatterinnen ließ und allein meines -Weges am See hin lustwandeln ging! Ich konnt’ es doch sicherlich nicht -wissen, wer zu Lindau auf der Hafenmauer sechsundzwanzig Jahre lang auf -mich wartete! Und dann -- dann war da die Krone, und der vom Regiment -Strozzi, der Titinio Raffa, und die Kugel -- unsere Kugel am Gebälk, -und das Bildnis des Feldmarschalls -- unseres Feldherrn! Saget selber, -wie weit wäret ihr gelaufen, Frau Fortunata, wenn euch das Heimweh also -ans Herz gegriffen hätt’? Und saget, bin ich nicht um euch heimkommen, -als alles aus war, in alter Freundschaft und Dankbarkeit?“ - -„Nun soll ich ihm gar noch eins drauf zu gute tun“, sprach die Frau -Wirtin zur Taube, aber der Korporal Sven Knudson Knäckabröd faßte jetzt -plötzlich ihre Hand, schüttelte sie wacker und rief: - -„So ist es, und es wird das Beste sein. Und Frau -- es ist doch ein -Vergnügen, euch allda so dick und stattlich sitzen zu sehen, und jetzo --- saget, wie ist es denn euch ergangen in dem Jahre, wo ich mit dem -armen Korporal Rolf auf dem Marsche nach Hause war?“ - -„Lieber Himmel, Schwen, bei uns hier im Walde ist noch alles beim -alten. Seit wir Anno siebenundvierzig gegen euch auszogen, hab’ ich -nichts von Merkwürdigkeiten erlebt, als heut’ eure verwunderliche -Historie. Nach dem andern müßt ihr die Aloysia und die Kinderle fragen, -und -- na -- weil es denn eben so ist, und ich es doch nicht ändern -kann, so -- +grüeß di Gott daheim, du alter Schwed’!+“ - -[Illustration] - - - - -Fritz Reuter: - -Woans ick tau ’ne Fru kamm. - - - - - Mit freundlicher Erlaubnis der Verlagsbuchhandlung abgedruckt aus - dem 3. Bande der „Sämmtlichen Werke“ von Fritz Reuter (Wismar: - Verlag der Hinstorffschen Hofbuchhandlung, 1902). - - - - -Woans ick tau ’ne Fru kamm.[1] - - Nah de Hochtid[2] hett ’t en Enn’;[3] - Vör de Hochtid möst du s’ wenn’n.[4] - - -Ick was mit de Wil[5] en ollen Knaw’[6] worden, ick was in de Welt -’rümme schält[7] worden, hir hen un dor hen, ick hadd minen Kopp[8] -männigmal[9] up en weiken Pähl[10] leggt[11] un männigmal up en Bund -Arwtstroh;[12] äwer as ick öller[13] würd, geföll[14] mi dat Arwtstroh -lang’ nich mihr so gaud[15] as in mine twintiger Johren,[16] denn wer -in sin Kinnerjohren girn gele Wörteln ett,[17] versmad’t[18] dorüm in -sinen Öller[19] grad keinen Gaus’braden.[20] -- De Lüd’ säden:[21] -„Frigen“,[22] un ick säd: „Bedenken“, un gung[23] üm den heiligen -Ehestand herümmer, as de Voß[24] üm de Gaus’bucht,[25] un dacht: -„Hewwen müggst[26] du woll ein’! ’Rin kümmst[27] du dor sacht ok![28] -äwer wenn du s’ di irst[29] upsackt[30] hest, kümmst du denn[31] ok -wedder ’rute?“[32] -- Wenn ick denn äwer wedder an den Gastwirt sinen -ewigen Swin- un Hamel-Braden[33] dacht, un dat dat in mine Stuw’[34] -utsach,[35] as up de leiwe[36] Gottesird’[37] +vör+ den irsten[38] -Schöpfungsdag, un dat mi de ein oll ßackermentsche Knop[39] ümmer -afret,[40] denn säd ick: „Frigen“, un denn säden de dummen Lüd’ wedder: -„Bedenken“. So satt[41] ick denn ümmer twischen Bom un Bork;[42] un de -bedenklichen Johren fungen all an,[43] mi gris[44] äwer den Kopp tau -wassen,[45] dunn stah[46] ick mal an ’n Aben[47] un heww mi ’ne Pip[48] -Tobak anstickt[49] un kik[50] in ’t Weder.[51] - -De Snei[52] fisselt[53] so sachten von den Hewen dal,[54] buten[55] -is dat so still, kein Wagen is tau hüren,[56] blot[57] in de Firn[58] -klingelt en Släden,[59] un mi ward gor tau einsam tau Maud,[60] un -dortau is ’t heilig Christabend. -- As ick noch so stah un verluren -dörch de Ruten[61] kik, tuckt[62] min Schauster[63] Linsener mit -en Handsläden vull Holt[64] vör sine Dör,[65] wat hei sick in den -Stadtholt sammelt hett, un baben[66] up den Släden liggt[67] en -gräunen[68] Dannenbusch. „Nu kik den Racker!“ segg[69] ick. „Hei sall -mi dat anner Por Stäweln[70] maken,[71] un hei karjolt[72] tau Holt! -Likdürn[73] hett hei mi all anschaustert, ick lat[74] bi den Kirl[75] -nich länger maken!“ -- So stah ick denn noch ’ne Wil,[76] un dat -schuddert[77] mi denn dörch de Glieder un gruselt mi den Puckel dal, -un ick segg tau mi: „Natürlich!“ segg[78] ick. „En Snuppen,[79] en -dägten[80] Snuppen! Un worüm ok nich? De Stäweln sünd intwei,[81] un -mit de Wull,[82] de ick Fru Bütow’n gewen heww, stoppt sei ehr eigen -Strümp, un min hewwen keinen Bodden.[83] All’ns in de Welt geiht[84] -natürlich tau.“ -- So stah ick, bet[85] dat düster[86] ward, un as ick -Licht ansticken will, kann ick ’t Füertüg[87] nich finnen,[88] un as -ick ’t funnen[89] heww, will de Lamp’ nich brennen: Fru Bütow’n hett -den Dacht[90] nich putzt, un as ick t’ Ding kümmerlich in den Tog[91] -heww, geiht s’ mi snubbs vör de Näs’[92] ut, Fru Bütow’n hett kein Öl -upgaten.[93] In so ’ne Umstänn’[94] is dat schön, wenn Einer glik[95] -tau Hand is, den man düchtig utschellen[96] kann; ick hadd äwer Keinen -tau Hand, un wat süll ick dauhn?[97] Ick kek[98] also wedder ut dat -Finster. - -Bi de Schausterlüd’ was dat hell worden, un in de Stuw’ was dat en -lustig Lewen un en Juchen: äwer seihn künn[99] ick nicks, denn de -Gardinen wiren tautreckt.[100] „Nu kik den Schauster!“ säd ick. -„Ordentlich Gardinen!“ -- Ick hadd kein Gardinen, Fru Bütow’n -verstunn[101] sick nich up Gardinen; sei hadd mi in de irste Tid[102] -mal weck anbünzelt,[103] de segen ut as[104] ‚unnen nicks un baben -nicks‘[105] un ick hadd s’ afreten,[106] as mi de Lüd’ frogen,[107] ob -ick an min Finster Kinnerhemden drögen let.[108] Natürlich argert ick -mi denn nu äwer den Schauster: de Kirl makt[109] mi min Stäweln nich -un wull lewen,[110] as en Graf, un ick satt in ’n Düstern ahn[111] -Gardinen un mit en Snuppen in den Liw’.[112] Ick mak mi denn up de -Bein’ un gah äwer de Strat[113] un denk: „Täuw![114] Sallst[115] den -Kirl en düchtigen Zopp maken!“[116] - -As ick in de Stuw ’rin kamm,[117] stunn[118] en Dannenbom[119] up den -Disch, un Lichter brennten doran, un den Schauster sin Körling un sin -Krischäning[120] hadden ’ne Fläut[121] un ’ne Trumpet un makten Musik -dortau,[122] un dat Juchen un Krischen[123] besorgte den Schauster -sin lütt Mariken,[124] de mit de Hänn’[125] nah de Lichter ampelte -un mit de Beinen up ehr Mutter ehren Schot[126] ’rüm stangelte, denn -sei was noch nich gangbor.[127] De Schausterfru hadd dat Spinnrad bi -Sid sett’t,[128] sick ’ne ’reine Schört[129] vörbunnen[130] un ehren -sünndagschen Dauk[131] ümslagen[132] un hadd en sünndagsch Gesicht -upsett’t, lachte de Gören[133] an un wischte lütt Mariken den Mund af, -wenn sei mit de Pepernät[134] alltausihr[135] bitau fohren ded.[136] -De Schauster hadd en Enn’[137] Planlaken äwer de Markstäd’[138] deckt, -hadd sick Tüffeln[139] antreckt[140] un satt nu mit ’ne lang’ Pip an -den Aben un tügt sick[141] en Kraus[142] Bir. - -Na, hir kunn[143] doch Keiner mit Schellen[144] ’rinne kamen![145] -Ick säd also blot: „Gu’n Abend,“ un hadd[146] doch mal tauseihn -wullt,[147] wat de Lust hir woll tau bedüden[148] hadd. Na, nu -würd mi denn Allens wis’t:[149] de Pepernät un de Appel,[150] de -bunten Bohnenkräns’ un de Hahnbuttenkräns’,[151] de säben[152] -Semmelpoppen[153] un de ein Zuckerpopp, de ganz baben in den Dannenbom -hung.[154] „Is angrepsch’ Wohr,“[155] säd de Schauster, „drei Johr -hewwen wi sei nu glücklich dörchbröcht,[156] bet[157] up den Swanz -von den Husoren sin Pird,[158] den hett Krischäning mal afbeten,[159] -as Mutter mal nich recht Obacht gaww.[160] -- Je, Di mein ick,“ -sett’t[161] hei hentau un drauht[162] den Jungen mit den Finger. -- -„„Ick will man nich von em weggahn mit min Arbeit,““ säd ick tau mi, un -mi was ganz verdräglich tau Maud, obschonst ick de niderträchtigsten -Koppweihdag’[163] hadd. Doch as Schauster Linsener mi dat Haupt- un -Tafelstück wisen un utdüden ded[164] -- ’t was Adam un Eva, +vör+ -den Sündenfall, schön in Stutendeig utkned’t[165] un mit Eier un -Saffran gel anmalt[166] -- un as de beiden lütten Linseners sick -rechts un links von uns’ ihrwürdigen Stammöllern[167] henstellten un -tau tuten[168] un trumpeten anfungen, dunn würd mi doch grad so tau -Maud, as wenn oll Rad’maker[169] Langklas mi mit sinen stumpen[170] -Frittbohrer[171] ümmer pianoforte -- pianoforte -- in den Kopp ’rin -bohren ded, dat dat pipt un gnirrt,[172] un mi dorbi frog, ob dat nich -schön güng?[173] -- De Schauster müggt[174] mi anseihn, dat ick mi ’ne -Krankheit vermauden was,[175] denn as mi sin beiden lütten Cherubim -richtig ut sin Paradis ’rute trumpet’t hadden, gung hei mit mi ’räwer -un wull mi Licht anmaken un frog, wo ick de Swewelsticken[176] hadd? --- „Hewwen dauh ick[177] Allens,“ säd ick, „äwer blot uns’ Herrgott -un Fru Bütow’n weit,[178] wo t’ tau sinnen is.“ -- De Schauster -hülp[179] mi nu ut de Stäweln un säd: „Natte Fäut![180] Un ick heww -Sei de annern Stäweln nich farig[181] makt!“ hülp mi tau Bedd un säd: -„Täuwen S’ man,[182] min Fru sall ’räwer kamen[183] un sall Sei Tee -kaken.“[184] -- Dat geschach[185] denn ok; äwer[186] wat in de negsten -virteihn Dag’[187] mit mi vörgahn[188] is, dorvon weit ick nich vel tau -vertellen.[189] - -Ick lagg[190] in en sweren Drom.[191] Mi was, as wenn min ganze -Stuw’ vull Dannenböm brennen un lüchten ded,[192] un an jeden hung -’ne wunderschöne Semmelpopp mit Adam un Eva un dat ganze Paradis, -un wenn ick dorup losgung un de Hand dornah utreckt,[193] denn -hadd ick en intweiigen[194] Stäwel in de Hand un en Strump ahn -Bodden,[195] un Krischäning un Körling stunnen twischen[196] mi un de -Heilchrist[197]-Bescherung un fläut’ten un tut’ten, dat mi dat dörch -den Kopp flirren un gnirren ded, un de dusend[198] Lichter danzten vör -mine Ogen,[199] un wenn ick denn rep:[200] „Lat’t[201] mi doch! Lat’t -mi doch! Ick will jo ok wedder bi Jugen Vader[202] maken laten!“, un -reckt de Hand wedder nah de schöne Semmelpopp ut, denn drewen[203] sei -mi wedder taurügg[204] un trumpet’ten mi in de Uhren:[205] - - „Stäwelmaken,[206] Stäwelmaken! - Hett sick wat tau Stäwelmaken! - För so ’n ollen Junggesellen - Sall kein Wihnachtslust mihr gellen.“[207] - -Denn fung[208] de olle rotglasürte Pott,[209] de t’ens’ minen Kopp[210] -stunn, äwer sin ganzes, breides,[211] blankes Gesicht an tau lachen, un -de ganze Stuw’ lep[212] vull intweiige Stäweln, de steken[213] all de -Tung’[214] ut, un Schauster Linsener grep[215] sei sick, einen nah den -annern, un treckt[216] sei all up en Band un hung sei mi an ’t Finster -stats[217] Gardinen. -- T’ens’ minen Fäuten[218] dor sagten[219] -Twei[220] ümmer ümschichtig Holt,[221] de Ein’, dei sagte ümmer ganz -fines[222] Koffeholt, un de Anner arbeit’t in eiken Knäst[223] herüm, -un wenn dat Koffeholt sagt[224] würd, denn danzte Fru Bütow’n ehr -Nachtmütz vör minen Ogen ümmer up un dal[225] -- up un dal, un wenn in -eiken Knäst arbeit’t würd, denn was ’t mi vör de Ogen, as stünn[226] -’ne grote, schöne Ird’beer[227] in en gräunen[228] Holt,[229] un wenn -ick nipper tausach,[230] denn was ’t minen Unkel[231] Matthies sin rode -Näs’[232], de kek[233] ut minen gräunen Fautsack[234] herut. - -Na, einmal ’s Nachtens, as wedder stark in de eiken Knäst wirkt[235] -würd, dunn würd mi so tau Maud, as kem[236] ick ut den Düstern[237] -in ’t Helle, ick grep üm mi, wo ick wir;[238] ick lagg in ’t Bedd, de -Nachtlamp brennte düster, un in den Lehnstaul[239] mit de groten[240] -Pulsterbacken lagg min Unkel Matthies würklich bet[241] unner de Näs’ -in minen gräunen Fautsack un snorkte[242] ganz fürchterlich. -- „Unkel -Matthies,“ rep ick. -- Irst hürt[243] hei nich, doch up de Letzt -vermüntert[244] hei sik un rew[245] sick de Ogen. „Unkel Matthies,“ -frog ick, „wo is Schauster Linsener?“ -- „„Jung’,““ säd min Unkel -- -denn hei nennt mi noch ümmer Jung’, ungefihr mit eben so vel Recht, -as oll Nahwer[246] Hamann ümmer noch sin tweiuntwintigjöhrig[247] -Vörbipird[248] ‚dat Fahlen‘[249] nennt -- „„Jung’, fangst Du mi all -wedder[250] an? Wat hest Du mit Schauster Linsenern? De Mann, de deiht -Di nicks.““ -- „Unkel,“ säd ick, as hei sick wedder schön taurecht -läd,[251] üm dat Sag’geschäft wider[252] tau besorgen, „is dat -wohr,[253] oder hett mi dat drömt,[254] hewwen wi ollen Junggesellen -keinen Deil[255] an de Dannenböm?“ -- „„Dummen Snack!““[256] säd Unkel -Matthies. „„Ligg[257] still!““ -- „Ick bün woll sihr krank west?“ frog -ick. -- „„Dat weit[258] Gott,““ säd min Unkel un krop[259] ut den -Fautsack un namm[260] dat Licht un lücht’t[261] mi in de Ogen. „„Äwer -würklich, würklich! Ick glöw’,[262] Du büst dor mit dörch, denn Din -Utseihn,[263] min lütt Jünging,““[264] -- un dorbi strakt[265] hei -mi -- „„is ganz anners worden. Kannst Du denn nu würklich seihn, dat -ick Din Unkel Matthies bün, un dat dit min Näs’ is un kein Ird’beer? -Un willst Du dat Ird’beernplücken nu nahgradens[266] sin laten?[267] -Denn Du büst mi vergangen Nacht tweimal[268] eklich in dat Gesicht -’rinne fohrt,[269] as ick en beten[270] indrus’t[271] was.““ -- Ick -versprok,[272] mi nu beter[273] tau schicken, denn ick wir nu wedder -vernünftig. - -Un so was ’t denn nu ok; de Krankheit was tau Enn’,[274] äwer min Not -gung nu irst an. Ick was so mör[275] un so ledweik,[276] dat ick mi -nich rögen[277] kunn, un wenn ick de Ogen mal upslog,[278] denn stunn -Fru Bütow’n vör mi un hadd den rotglasürten Pott in de ein Hand un -den Lepel[279] in de anner, un faudert[280] un proppt[281] mi mit ’ne -Krankensupp, dei was so stif[282] as Baukbinner-Klister[283] un smeckt -ok so, un säd denn: „Eten S’![284] Eten S’ doch! -- Wenn Sei nich -eten, warden Sei nich wedder beter.“ Un bi all dese Qual makt dat oll -gaudmäudige[285] Gestell tau ehren Klisterpott noch so ’n mitleidig -Gesicht, dat ick äwerhapsen müßt, ick müggt willen[286] oder nich. - -Jedes Ding hett en Enn’, un ’ne Wust[287] hett ehre twei. Ick kamm -’rut ut dat Bedd un satt denn Stunn’n[288] lang mit minen Unkel -Matthies tausam[289] un vertellt mi[290] wat mit em. „Unkel,“ säd ick -mal, denn mi lagg de Drom von de Dannenböm un de ollen Junggesellen -noch in den Kopp, „Unkel, wi hadden eigentlich Beid’ frigen müßt.“ -- -„„Dummen Snack!““ säd min Unkel, „„meinst Du, ick hadd as östreichsche -Wachtmeister von Anno drütteihn[291] in Kaiserlich-Königlichen Staaten -’ne lütte ungersche Husorentucht[292] anleggen süllt?““[293] -- „Dat -nich,“ säd ick, „ick red ok eigentlich man von mi. Süh[294] mal, ick -denk so, wenn ick ’ne Fru hadd -- dat heit[295] ’ne ordentliche Fru un -’ne gaude[296] Fru un ’ne -- un ’ne lütte nette Fru, un Du treckst[297] -denn tau uns.....“ -- „„Un süll[298] denn Kinner wohren?[299] Dank -vel[300] mal!““ säd min Unkel Matthies. -- „So is dat nich meint,“ -segg ick. „Äwer frigen dauh ick, denn Fru Bütow’n ehr Pleg’[301] in -de letzte Krankheit....“ -- „„Mi dücht,““[302] föll[303] hei mi in ’t -Wurt,[304] „„Du büst gaud naug[305] plegt.[306] Ick sülwst[307]....““ --- „Ih, red +so nich+,“ segg ick, „Du hest Din Mäglichst -dahn;[308] äwer ’ne Fru....“ -- „„Na, büst Du denn all eine Gewisse up -de Spur?““ fröggt[309] min Unkel. -- „Weiten dauh[310] ick ein’,“ segg -ick. -- „„Na, will sei Di denn ok?““ fröggt hei. -- „Dat weit ick noch -nich,“ segg ick. -- „„Is woll so ’ne rechte staatsche?““[311] fröggt -hei un plinkt[312] mit dat ein Og’. -- „Dat nich,“ segg ick. -- „„Denn -is sei woll all lang’ ut de soldatenpflichtigen Johren?““ fröggt hei -wider[313] un plinkt wedder.[314] -- „Ok dat nich,“ segg ick. „Äwer Du -kannst sei Di jo mal anseihn -- ick kann leidergotts nich mit -- sei -geiht alle Nahmiddag buten den Dur[315] nah de Mähl[316] hentau[317] -spazieren, so twischen dreien un vieren,[318] un verfehlen kannst -Du sei nich, denn sei is de hübschste von Allen, de dor gahn.“ -- -„„Natürlich!““ seggt min Unkel. -- „Un hett ’ne Troddel an den Mantel -un en lütten Jungen an de Hand,“ sett’t ick hentau. -- „„Frigst[319] -Du dat Kind mit?““ fröggt min Unkel. -- „Wat föllt Di in?“[320] fohr -ick in Enn’.[321] „Dat is ehr Swesterkind.“ -- „„Gott bewohr uns!““ -seggt min Unkel. „„Iwer[322] Di doch nich! Wat weit ick dorvon? För -minentwegen kann sei jo ’ne Wittfru[323] sin. Na, anseihn will ick sei -mi denn doch!““ -- Un dormit geiht hei. - -Des Nahmiddags so hentau fiwen[324] kümmt hei wedder, bött[325] sick -’ne Pip an, sett’t sick dal un seggt gor nicks. Dit argert mi jo denn -natürlich, un ick segg ok nicks. Wi roken[326] denn nu Beid’ as de -Backabens;[327] äwer ick was denn doch tau niglich,[328] stunn up[329] -un stellt mi so, dat hei mi mit sin oll plinkeriges[330] Gesicht nich -in de Ogen kiken[331] kunn, un frog: „Büst Du buten den Dur west?“ -- -„„Dat bün ick,““ seggt hei. -- „Na?“ frag ick. -- „„Ja,““ seggt hei. --- „Hest Du sei seihn?“[332] frag ick. -- „„Heww sei seihn,““ seggt -hei, „„un heww ok mit ehr redt.““[333] -- „Plagt Di de Kukuk?“ segg -ick un dreih mi üm.[334] „Wat hest Du mit ehr tau reden? Ick sülwst -heww jo noch nich mal mit ehr redt.“ -- „„Dorüm[335] grad!““ seggt hei. -„„Denn Einer von uns möt[336] jo doch anfangen, un ick ward doch woll -mit minen Swestersähn sine Brut[337] reden känen?““ -- „So wid[338] -sünd wi noch lang’ nich,“ segg ick. -- „„Wat nich is, kann jo doch -noch warden,““ seggt hei, un sett’t sick in den ollen Lehnstaul bet -taurügg[339] un streckt de Bein’ nah vörwarts, as „sühst mi woll.“ -„„Ick will Di ’t vertellen,““ seggt hei: „„As ick so den Weg entlang -gung, kamm sei achter[340] mi, un ick stellt mi hen un kek[341] sei -an, denn sei hadd en lütten Jung an de Hand; de Troddel kunn ick nich -seihn, wil[342] dat de ehr den Puckel dal hung.““[343] -- „Ick kann -’t mi denken,“ säd ick, „Du hest sei woll snurrig anseihn?“ -- „„Wenn -ick wat anseihn will, denn rit[344] ick de Ogen up,““ seggt min Unkel, -„„un dat ded[345] ick, un sei slog[346] ehr Ogen so dal -- mit so en -Tog,[347] as wenn sei des Abends ehr Gardinen an de Beddstäd’[348] -tausamen trecken wull,[349] un as sei vörbi[350] was, sach[351] ick -ok de Troddel.““ -- „Du magst sei schön ankeken[352] hewwen,“ segg -ick. -- „„Dat heww ick, äwer dat dick Enn’[353] kümmt nah.““[354] --- „Na, hett sei Di denn gefollen?“ frog ick. -- „„Ih ja! Sei hett -mihrere Dugenden[355] an sick, de mi woll passen: irstens hett sei sick -nich vel üm den Kopp ’rümtüdert,[356] un tweitens fegt sei mit ehr -Kleder[357] de Strat[358] nich af, un dat sünd en por[359] Dugenden, -mihn Sähn, de führen mihr in den Munn’[360] as Einer gewöhnlich denkt, -denn de so vel up den Kopp hewwen, hewwen meistendeils nich recht wat -dorin, un de mit de langen Kleder hewwen All scheiw’[361] Bein’, oder, -wat noch slimmer is, ehr Fauttüg[362] is nich up den Schick.[363] Min -Sähn, bi Frugenslüd’[364] un bi Pird’[365] möst Du ümmer tauirst[366] -nah de Beinen kiken; is dat Gangwark[367] adrett,[368] is de Beinsatz -in Ordnung, un is dat Fautgeschirr[369] proper, denn kannst Du up -Flit,[370] up Ordnung un Rendlichkeit[371] reken.““[372] -- „Also Du -meinst....?“ frog ick. -- „„Ick mein gor nicks,““ föll hei mi in de -Red’. „„Lat[373] mi irst vertellen, wat mi wider passirt is. As sei nu -so vör mi up nah de Mähl hentau gung, un ick achter ehr, dunn müßt ick -würklich tau mi seggen: „Wohrhaftig! Du spelst en schönen Zwickel![374] -Du dreihst woll en beten[375] mit den Kopp; äwer dat schadt nich! Denn -worüm sall sei nich mit den Kopp dreihn, dorför[376] is sei jo en -Frugenstimmer;[377] äwer -- denk ick so bi mi -- de Red’! Dat is de -Hauptsak! Du sallst mit ehr en unschüllig Gespräk[378] anspinnen!“ As -sei also wedder taurügg[379] kümmt, stell ick mi mit den Rüggen gegen -en Bom[380] und dauh[381] so, as wenn ick mi min Pipengeschirr[382] -in ’n Gang bringen will, un as sei nu so ’n Schrittener fiw[383] von -mi is, dunn treck’[384] ick Stahl un Stein ut de Tasch un rit[385] bi -de Gelegenheit für en Daler[386] lütt[387] Geld mit ’rute -- Jung’, -markst[388] Du! Allens mit Willen! dat de Tweigröschenstücken so äwer -den froren[389] Fautstig[390] ’räwer klapperten. Nu bückt ick mi -dal[391] un pust’t[392] gefährlich dorbi, as würd mi dat Upsammeln -hellschen sur,[393] un as sei dit sach,[394] säd sei richtig tau den -lütten Jungen, hei süll mi sammeln helpen,[395] un sei sammelt ok mit --- un dat wull ick man.[396] Ick bedank mi denn, un wi kemen[397] in -’ne Unnerhollung[398] un gungen tausamen bet an ’t Dur.““ -- „Wat redt -Ji denn?“ frog ick. -- „„Oh nicks von Bedüden.[399] Ick säd, ick wär -Din Unkel, un ob sei Di nich kennen ded,[400] Du lepst[401] hir ok -ümmer up un dal;[402] dunn säd sei, sei hadd nich dat ‚Vergnügen‘ -- -‚Vergnügen‘ säd sei --; dunn frog ick, ob sei nich en jungen Minschen -hir hadd gahn seihn mit en gel-grisen[403] Haut[404] un en gel-grisen -Äwertrecker[405] un gel-grise Hosen un gel-grise Hor?[406] -- -- Ne, -säd sei; en öllerhaften[407] Herrn in so ’ne Kledasch’[408] hadd sei -woll seihn. Na, säd ick, de öllerhafte Herr wir de jung’ Minsch, von -den ick redt hadd, dat wirst Du. -- Dunn sprung[409] dat oll lütt -Jüngschen so an ehr tau Höcht[410] un säd: „Tante, das ist der Herr, -von dem Du immer sagst, er säh’ aus wie eine Reihensemmel, die in -Milchkaffee getaucht ist.“ -- Dunn würd sei füerroth[411] un ick müßt -lud’hals’[412] lachen und säd: „„Ja, dat wirst Du.““ - -Ick würd nu ok füerroth, denn dei Snack[413] müßt mi jo doch sihr -argern, un segg tau minen Unkel: „Wenn Du wider nicks haddst wullt, -as Din Swesterkind lächerlich vör de Lüd’[414] maken, denn haddst ok -leiwer[415] tau Hus bliwen[416] künnt.“ -- „„Dat hadd ick,““ seggt hei, -„„äwer ick wull noch wider wat; ick wull girn weiten,[417] ob sei Di -woll nem’?““ -- „Leiwer Gott!“ segg ick, „Du hest doch nich fragt?“ -- -„„Jung’,““ seggt min Unkel un rokt, as wenn en lütt Mann backt,[418] -„„wenn ick ’ne Sak[419] in de Hand nem, denn gründlich! -- aber fein! --- Ick frog ehr also, ob sei woll wüßt, wat Du wirst?““ -- „Ne,“ säd -sei, „Du wirst villicht en Doctor?“ -- „„Bewohr uns!““ segg ick, „„wo -kem’ hei dortau?““[420] -- „En Avkat?“[421] -- „„Ok dat nich.““ -- -„Na, dit un dat?“ Un sei röd[422] nu ’rümmer bet nah en ‚Rat‘ ’rup un -bet nah ’n ‚Barbirer‘ ’runne; ick schüddelt aewer ümmer mit den Kopp -un säd tauletzt: dat raden[423] Sei doch nich! Hei is höchstens gor -nicks. -- Dat schint[424] ehr denn allerdings en beten wenig, un sei -meint denn: Du würdst denn also woll von Din Geld lewen. -- „„Ja,““ -säd ick, „„in ein Ort[425] hadd sei Recht; tau dit Geschäft haddst -Du von Jugend up de meiste Lust hatt, äwer dat Du dorbi[426] ’ne -Anstellung kregen[427] haddst, künn ick grad nich seggen. Du wirst nu -up en annern Stand verfollen.““ -- „Up wat för einen?“ frog sei. -- -„„Up den Ehstand,““ säd ick un frog tauglik,[428] wat sei dortau meinen -ded. Vörher hadd ick äwer all tau mi seggt: ward sei bi dese Frag’ -blaß, denn[429] mag sei em nich liden;[430] ward sei rot, denn nimmt -sei em. -- Sei würd denn nu richtig äwer un äwer[431] rot un bückt -sick dal[432] un bünzelt[433] an den lütten Jungen sinen Haut[434] -herümmer, un as sei wedder tau Höchten[435] kamm, dunn kek[436] sei mi -so von baben dal[437] an, makt mit ’ne halwe Wennung[438] ’ne Ort[439] -von Knicks, un weg was sei! Un de Frag’, de ick, för min Person, ehr -noch vörleggen wull,[440] kamm gor nich tau Brett.““[441] -- „Dat ward -ok ’ne schöne Frag’ west sin!“ segg ick un bit[442] vör Arger den -Kopp[443] von de Pipenspitz. -- „„Oh ne!““ seggt min Unkel, „„ick wull -ehr blot[444] fragen, ob sei gaud Fisch kaken[445] künn, denn[446] wull -ick tau Jug trecken,““[447] un dorbi sach de olle Burß[448] so ut, so -wichtig un irnsthaft,[449] as güng min Frigeri[450] em mihr an, as mi -sülwst. Doch dit süll noch en ganz Deil[451] narscher[452] kamen. - -In de negsten Dagen,[453] as ick all so ’n beten utstümpern[454] -kunn, gah ick nu absichtlich nich nah de Mähl hentau, denn mi was -dat schanirlich,[455] ehr vör de Ogen tau kamen. „Sallst en beten up -den See tau Is’[456] gahn,“ denk ick, „un dat Schritschauhlopen[457] -un Slädenführen[458] anseihn.“ -- Dat dauh ick denn nu ok, un as -ick an de Baud’[459] heran kamm, wo Bir un Bramwin[460] un Punsch -un Grogg verköfft[461] ward, gah ick dor en beten ’ran un seih denn -grad, wo[462] min Unkel Matthies en Achtgröschenstück up den Disch -leggt un för vir Gröschen Kauken[463] un för vir Gröschen Punsch -föddert.[464] Na, dit föllt[465] mi denn nu sihr up, denn hei drünk -leiwer[466] en Glas Grogg, as Punsch, un Kauken namm hei gor nich -in de Mund. „Na, wat dit woll heit?“[467] denk ick, „hei will woll -Kinner[468] tractiren.“ -- Äwer ne! Ahn[469] dat hei mi gewohr würd, -güng hei mit sinen Barg[470] Kauken un sin Glas vull Punsch up en -Släden los, wo ’ne Dam’ mit en gräunen Sleuer[471] insatt,[472] und -bögt[473] sick mit dat Liw[474] vörn un achter äwer,[475] as wull hei -sick dat Krüz[476] verrenken, un kratzt mit de Bein’ so snaksch[477] -up dat Is[478] herümmer, dat ick denk, de oll Mann verlirt de -Blansirung,[479] un dat ick all up em losspringen un em unner de Arm -gripen[480] will; dunn sleiht[481] de Dam’ den Sleuer taurügg,[482] un -wat seih ick? -- Minen leiwen Schatz un minen säuten Ogentrost![483] -Un tau Maud’[484] würd mi, as hadd mi Einer rechts un links en por -Mulschellen[485] gewen.[486] -- „Dat weit[487] de Kukuk,“ segg ick, „de -Oll[488] verdarwt[489] mi de ganze Frigeratschon[490] bet in de grawe -Grund!“[491] un gah so arg,[492] as Einer warden kann, nah Hus. - -Dor satt ick nu in ’n Düstern un gruns’ mi inwendig,[493] dunn geiht -de Dör[494] up, un min Unkel kümmt ’rin. „Gu’n Abend!“ seggt hei. -„Wat sittst Du hir in ’n Düstern? Mak[495] Licht an!“ -- Dit is dat -einzigste Mal in minen Lewen west, dat ick minen Mutter-Brauder[496] -nich de Dagstid baden heww;[497] ick stunn äwerst[498] up un makt Licht -an, un sach so sur ut,[499] as en solten Hiring,[500] de virteihn Dag’ -in Essig leggt[501] is. -- „Wat fehlt Di?“ fröggt hei. -- „„Nicks!““ -segg ick kortweg,[502] dacht äwer: ’t is din Mutter-Brauder! un sett’t -hentau:[503] „„Ick bün nich up den Schick!““[504] -- „Ick sihr,“ säd -hei, un dorbi sach hei so lüftig[505] ut as en ollen Esel, de virteihn -Dag’ bi schiren[506] Hawer[507] in ’n Stall stahn[508] hett. „Heww -wedder mit ehr redt,“ seggt hei. -- „„Minentwegen,““ segg ick. -- -„Wo[509] sall ick dat verstahn?“ fröggt hei un sett’t en irnsthaft -Gesicht up. -- „„Ick bün mit den Drom[510] dörch,““ segg ick. -- „Du -willst nich?“ fröggt hei un leggt sin beiden Arm up de Lehn von den -Lehnstaul un kickt[511] mit de Näs’ d’räwer weg, scharp[512] mi in ’t -Gesicht, „ick heww de Sak infädelt so fin[513], so fin! dat dat en Hund -jammern künn, wenn dor nicks ut würd, un nu willst Du nich?“ -- „„Ne““, -segg ick, „„Unkel, ick +will+ nich. Meinst Du, ick sall Di den -Rohm[514] affüllen laten un mi mit de sure Melk[515] begnäugen?[516] -Denn doräwer sünd sei sick All einig -- kik hir! Amalie Schoppe, -geborene Weise, un Elise von Hohenhausen, geborene von Ochs, un all de -Annern, de äwer dit Verhältniß schrewen[517] hewwen -- dat Schönste -bi de Frigeri is de Verkihr[518] von Brutlüd’ vör de Hochtid, un den -Verkihr rittst[519] Du an Di, un ick sall tauseihn, wo Du min Brut mit -Punsch un Kauken traktirst?““ -- Min Unkel nimmt de geborene Weise -un de geborene von Ochs un smitt[520] sei in de Sophaeck, un stellt -sick vör mi hen un seggt: „Ick frag Di tau ’m Letzten, willst Du dat -Mäten[521] frigen oder nich?“ -- „„Ne,““ segg ick. -- „Na,“ seggt hei -un kek mi lang’ an mit so ’n fierlich[522] Gesicht, as hadd hei eben -sin Testament makt un wull nu noch sinen Namen unnerschriwen,[523] -„na, dat Mäten sall dörch mi nich in Schaden kamen, denn frig -+ick+ sei,“ un dormit gung hei stolz ut de Dör. - -Na, dit was denn nu mal en Stück! -- In de Irst[524] stunn ick ganz -verdutzt, dunn smet[525] ick mi in de Sophaeck up de geborene Weise un -lacht lud up.[526] -- Min Unkel, de gaud twintig Johr[527] öller[528] -was as ick, trugte[529] sick en Stück tau, wotau mi in minen Johren de -Kurasch’[530] all utgung![531] Ick wull nu lustig wider[532] lachen, -kreg ’t[533] äwer nich mihr taurecht, denn ick hadd kein unbekümmert -Hart,[534] un wenn ick dat Gesicht ok breid naug[535] vertrecken -ded,[536] de Lach[537] blew unnerwegs hacken,[538] un as ick mi nu so -mit dat dämlichste Gesicht von de Welt in den Speigel[539] tau seihn -kreg, sprung ick in ’n Enn’[540] un gung mit groten Schritten in de -Stuw’ up un dal[541] un bos’te mi nich slicht[542] un slog[543] up den -Disch un säd: „Hei deiht ’t,[544] hei is dortau kumpabel.“[545] - -As Fru Bütow’n kamm, kreg sei natürlich ut männigerlei Ursak[546] -Schell,[547] un as ick de taurecht sett’t hadd, gung ick in den Klubb -un spelt Lomber[548] un säd ümmer tau mi: „Dat kannst du doch nich -liden!“[549] un spelte[550] Solo’s, de gor nich up de Welt existirten, -un verlur[551] sei un säd denn wedder:[552] „du wardst Di doch dat Hart -nich afköpen laten!“[553] un namm den Muhren[554] un würd kodilg’.[555] - -Verdreitlich[556] gung ick nah Hus[557] un läd mi dal,[558] un wull -slapen[559] un kunn[560] nich. Ick argert mi de ganze Nacht mit mi -’rümmer, denn laten kunn ick von dat säute[561] Kind nich mihr -- sei -hadd mi ’t andahn[562] -- un de heilig Christabend föll[563] mi in, -dat ick in minen Lewen[564] keinen Dannenbom upputzen süll. Wenn ick -denn tau mi säd: „Man tau!“[565] denn flogen mi all min Bedenken as -en Hummelswarm dörch den Kopp, un vör min Ogen stunn ümmer en grot -Frag’teiken,[566] un wenn ick mi dat utdüden ded,[567] denn heit[568] -dat ümmer: „Je, will sei di ok?“ - -Na, dit kunn jo doch nu Keiner beter[569] beantwurten, as sei -sülwst[570] -- dat sach ick in[571] -- un as nu de grage[572] -Wintermorgen in min koll[573] Stuw’ ’rinne schinen ded,[574] un mi dat -so dörch de Knaken[575] grusselt,[576] as ick den Koffe makt, säd ick: -„Nu bün ick dormit dörch! Wat sin möt,[577] möt sin!“ un segg tau Fru -Bütow’n: „Fru Bütow’n“, segg ick, „gahn S’ nah Kopmann Bohnsacken un -köpen[578] S’ mi en Por[579] von de finen, gelen Hanschen,[580] de de -jungen Herrn Avkaten[581] ümmer dragen,[582] wenn sei recht wat bedüden -willen.[583] -- Äwer rechte gele!“ - -Hen tau Elben[584] stek[585] ick denn nu in minen swarten[586] -Liwrock[587] un swarte Hosen un blanke Stäweln un in de nigen[588] -gelen Hanschen, un ihre[589] ick den Haut upsetten ded,[590] stellt ick -mi vör den Speigel und säd mit Recht: „Wo ’s ’t mäglich! Dat hadd ick -sülwst nich mihr glöwt!“[591] Smet[592] noch en Blick in min Stuw’ ’rüm -un säd: „So ward’t denn nu woll hir nich bliwen!“[593] Kek in min ollen -Tüffeln[594] ’rinne, de vör dat Bedd stunn’n,[595] un säd: „Ji wardt -jug[596] ok wunnern,[597] wenn ’t glückt, un wenn binnen Korten[598] en -Por lütte[599] nüdliche Tüffelken bi jug tau ’m Besäuk kamen.“[600] - -Ick gah denn nu de Strat hendalen[601] un kam[602] an minen Unkel -Matthiesen sin Dör vörbi un denk: „Irst[603] mit alle Welt in -Freden,[604] wenn Einer so ’n Gang geiht!“ denn tau Maud’ was mi, as -gung ick den letzten Gang. Klopp[605] also an sin Dör un gung herin. - -Na, ick heww all vel seihn[606] in de Welt; ick heww mal seihn, dat en -Kirl[607] Füer fratt;[608] ick heww mal seihn, dat Einer Häkelheed[609] -fratt un schönen sidnen[610] Band ut den Hals’ herutehaspelte: äwer -so blag[611] is mi dat mindag nich[612] vör de Ogen west as in den -Ogenblick, wo ick an den hütigen Morgen minen Unkel Matthies tau seihn -kreg.[613] - -Dor stunn[614] hei in sin Stuw’ in den sülwigen Uptog[615] as ick, -blot[616] dat sin swarte Liwrock en gräunen Jagdsnipel[617] was, -un dat sin gelen Hanschen von Hirschledder[618] wiren un min von -Schapledder,[619] un dat sin witte Snurrbort[620] as en por klore -Istappen[621] rechts un links äwer den Mund dal hung,[622] un min nah -baben[623] upswänzt[624] was un in allerlei verdammte Coulüren[625] -spelte. - -„Unkel!“ rep[626] ick, as ick ’rinn kamm, un min Haut tründelte[627] -vör mi in de Stuw’ ’rin, so verfirt[628] ick mi. -- „„Jung’!““ rep hei, -„„wat willst Du?““ -- „Wat willst Du?“ raup[629] ick. -- „„Ick will -dat, wat +Du nich+ willst!““ seggt hei. -- „Ick will jo!“ rep ick. -„Un ick bün jo man,“[630] sett’t ick hentau, „hir in desen Uptog blot -nah Di ’ruppe kamen,[631] üm Di tau seggen, dat ick nu fast[632] bün, -un wull Di bidden, Du süllst[633] man wedder min leiw’ oll[634] Unkel -bliwen.“ -- „„Wullst[635] Du dat?““ säd hei un sett’t sick in sinen -Lehnstaul un kek mi so nahdrücklich in de Ogen. „„Na, denn will ick Di -man seggen, ick wull ok in desen Uptog nah Di henkamen un wull Di en -beten verfiren.[636] Ick weit[637] dat ut min Soldatentiden:[638] so -’n beten Verfiren, dat rammelt[639] den Minschen nüdlich tausam[640] -un rappelt em up,[641] denn denn[642] kümmt de Schimp[643] mit in ’t -Spill.[644] Un, Jung’,““ säd hei un stunn up un läd mi de Hand up den -Arm, „„ick will Di nich in den Weg stahn un Di in den witten Bagen[645] -von Din Glück en Krünkel[646] maken, denn dat lütt Mäten is för Di -geburen, un dat Mäten is gaud!““ -- Un dorbi knep[647] hei mi den Arm -mit sine olle breide Fust[648] tausamen, dat ick dacht: wenn sei so is, -denn[649] is sei +mihr+[650] as gaud. - -Min Unkel gung nu hen un halt[651] en Glas von sinen ollen Portwin -un säd: „„Kum her, Jung’, stärk Di irst! Wo[652] willst Du ’t denn -anfangen?““ -- „Je,“ segg ick, „wenn ick dat wüßt!“ -- „„Sett[653] mal -Din Bein hir up den Staul,““[654] seggt hei. -- „Wat sall dat?“ frog -ick. -- „„Nicks nich,““ seggt hei un knöpt[655] mi de Strippen[656] -von de Hos’ af, „„mit en Fautfall[657] möst Du jo doch beginnen, un -dit künn Di strämmen.““ -- „Na,“ segg ick, „Du fangst gaud an.“ -- -„„Wat sick hürt,[658] hürt sik,““ seggt hei. „„Ick heww dat mindag -nich sülwst dörchmakt,[659] äwer ick heww dat ümmer up Biller[660] -seihn. Wat seggst Du äwer man? Täuw![661] Ick will Di unner de Arm -gripen!““[662] un dorbi ret[663] hei hastig sinen Drahkasten[664] up -un fliete[665] in den Uttog[666] ’rüm, worin hei sin heiligsten Schätz -hadd. Un richtig, dor kamm[667] hei mit sin Stammbauk[668] tau’m -Vörschin. Dat schach[669] man selten, un wenn hei ’t anrögen ded,[670] -denn schach dat blot des Abends, wenn Allens so recht still was. Denn -treckt[671] hei sick irst reine Wäsch’ an un sin bestes Tüg[672] un -sett’t rechts un links en por Lichter up den Disch, slog deip[673] -in Gedanken Blatt för Blatt üm, las all de Vers’ un höll[674] mit -swarte Krüzen[675] dat Dodenregister in Ordnung. Den annern Morgen -was hei denn sihr weikmäudig,[676] un dat letzte Mal kamm hei nah mi -’rüm un säd: „So vel[677] ick weit, lewt man noch Ein;[678] dat is -Krischan[679] Bünger, den ollen Snider[680] Bünger sin Sähn,[681] de -mit min Öllern[682] Hus an Hus[683] wahnen ded.[684] Sei seggen jo, hei -sall Durschriwer[685] tau Parchen[686] wesen,[687] un wenn mi Gott dat -Lewen lett,[688] denn will ick em desen Sommer besäuken.“[689] - -„Hir!“ säd hei, as hei ditmal[690] dat Stammbauk ’rute halt[691] un up -den Disch leggt hadd, „hir sett Di dat, un säuk[692] Di en Vers ut un -lihr em utwennig.[693] Dor stahn weck in[694], de kannst Du tau unsern -Herrgott in ’n Himmel beden,[695] denn[696] ward sick ok woll ein -för dat beste Mäten up Irden[697] finnen.“[698] -- „„Unkel,““ säd ick -un namm dat Stammbauk in de Hand un bläderte[699] dorin ’rüm, „„ick -weit, wat ick dauh:[700] ick red so, as mi dat üm ’t Hart is,[701] un -mi is hüt[702] Morgen ganz besonders üm ’t Hart.““ -- „Ok gaud,[703] -min Jung’,“ säd min Unkel, „un villicht noch beter! Äwer denn mak nu -ok![704] Un täuw,“ sett’t hei hentau, as ick mi tau ’m Gahn ümdreihn -ded,[705] „Di hängt jo dat witte[706] Band von ’t Vörhemd ’ne halw’ -Ehl[707] den Puckel dal!“ un gaww[708] mi sinen Segen un stoppt[709] -dat Enn’[710] Band unner ’t Halsdauk.[711] „So, nu gah mit Gott!“ - -Ick gung denn; aewer as ick ut de Husdör[712] kamm, dunn haust[713] -wat baben[714] mi, un as ick ’ruppe kek,[715] dunn lagg[716] min Unkel -Matthies in dat halwe[717] Finster un nickt un plinkt[718] mi tau, un -jedesmal, wenn ick mi in de lange Strat[719] ümkek, denn nickt hei un -weiht[720] mit sin rotbunt Taschendauk ut dat Finster ’rut, dat mi -angst un bang’ würd, de Lüd’ müggten marken,[721] wovon twischen[722] -uns de Red’ wir. - -Nu künn ick hir ne Geschicht vertellen;[723] ward mi äwer woll -häuden.[724] So glatt, as dat in de Romanen steiht, geiht so ’ne -Angelegenheit in de Würklichkeit nicht af. Unner Hunnert[725] maken -Nägen un Nägentig[726] up desen Gang de spaßigsten Dummheiten, un wenn -ok all de Hunnert as de glücklichsten Brüjams[727] taurügg kamen, -warden doch de Nägen un Nägentig tau sick seggen: „Gew’[728] de leiw’ -Gott, dat wi nich wedder in de Lag’ kamen; süllen wi äwer tau’m tweiten -Mal de Sak äwernemen,[729] denn willen wi ’t kläuker[730] anfangen.“ -- -Gott lat mi nich wedder in de Lag’ kamen! - -Nah en annerthalw’ Stunn’n[731] kamm ick denn wedder taurügg, glücklich -bet unner[732] den Hauttöppel,[733] un mag ok woll dornah utseihn[734] -hewwen; un dor ick mi in min einsam Junggesellenlewen de dürigte[735] -Mod’ anwennt[736] hadd, mit mi sülwst[737] tau snacken,[738] so kann -ick nu bi ruhige Besinnung de Lüd’ dat nich verdenken, wenn sei mi, as -ick de Strat hendalen[739] kamm, en beten ut den Weg gungen[740] un -mi scharp nahkeken,[741] ob min Bein’ ok woll so deklamirten as min -Hänn’.[742] As ick nu noch so ’n Raudener drei[743] von minen Unkel -sinen Hus’ af[744] bün, stört’t[745] hei mi all entgegen un föll[746] -mi üm den Hals, denn hei hadd de annerthalw’ Stunn’ lang achter[747] de -Husdör stahn[748] un up mi lurt,[749] un rep:[750] „Holt Din Mul![751] -Holt Din Mul! Ick weit Allens; un wennihr[752] ward de Hochtid?“ -- Ick -tuscht em denn nu, un säd: „„So swig[753] doch still! tau ’m wenigsten -up de Strat!““ -- fat’t[754] em unner ’n Arm un treckt[755] em mit -nah minen Hus’; doch as wi dor herinne kemen un Fru Bütow’n grad dat -Middag deckte, dunn kunn[756] hei sick nich länger hollen,[757] dunn -spelt[758] sin ganzes Hart[759] Solokolür,[760] un as de Fru em ankek, -dunn lücht’ten[761] ut sin Ogen[762] nicks als Trümw’,[763] un hei -wis’te[764] mit den Dumen[765] äwer de Schuller[766] nah mi hen un säd: -„Seihn S’ dor,[767] Fru Bütow’n, dor steiht hei -- min Swester-Sähn! Is -nu ok en Brüjam, so gaud as Einer!“ Un as nu de Fru kamm un gratulirt -un weiten[768] wull, wer de Glückliche wir, hadd ick wedder naug[769] -tau tuschen, un as sei weg was, säd hei un kek[770] mi dorbi sihr -verdwas[771] an: ick wir en Heuchler, en sihr verstockten! un ick -wis’te[772] en swartes[773] Hart, dat ick so ’n Glück so lang verswigen -künn. - -Ick müßt mi denn nu man dalsetten[774] un em de Sak vertellen,[775] -dunn würd hei denn nu wedder fründlicher un nickt mit den Kopp un säd: -„schön!“ un denn mal wedder schüddelt hei mit den Kopp un säd: „dit -wir nich ganz nah sinen Sinn;“ un as ick utvertellt[776] hadd, stunn -hei up un makt en Gesicht, as de Hewen[777] in ’n Heuaust,[778] wenn -hei nich recht weit, ob hei de Sünn schinen[779] oder regen[780] laten -sall;[781] hei schüddelt un nickt, un nickt un schüddelt, un endlich -säd hei: „hei, för sin Part, hadd ’t denn doch en ganz Deil[782] beter -makt;“[783] un frog dunn,[784] bi weckern[785] Vers von dit Kapittel -ick denn den Fautfall[786] anbröcht[787] hadd. Ick müßt denn nu -gestahn,[788] dat de gor nich tau ’m Vörschin kamen[789] was. Dunn namm -min Unkel Matthies sinen Haut un säd: „Na, denn wünsch ick Di woll tau -spisen![790] Un holl[791] Di an dat, wat Du hest; wat nahkümmt,[792] -bitt de Wulf.[793] Du hest vel tau tidig[794] kreiht;[795] de Sak[796] -is noch lang’ nich in Richtigkeit; en Fautfall hürt[797] tau jeder -Verlawung,[798] un de Sak is nich gültig, wenn sei nich mit de beiden -Knei[799] unnersigelt is. Mi tau ’m wenigsten sall ’t gor nich wunnern, -wenn de Kram in de negsten Dag’[800] utenanner[801] geiht. Up en anner -Mal folg’ minen Rat!“ Somit gung hei. - -Trotzdem äwer fung nu för mi eine wunderschöne Tid[802] an, eine -wunderschöne Tid! Ick künn ok hirvon wedder vel vertellen, ward mi äwer -woll häuden.[803] De höchste Freud’ un dat deipste[804] Leid möt[805] -Einer[806] nich Jedwereinen[807] up de Näs’ binnen;[808] un wenn ick nu -ok girn[809] glöw’,[810] dat all Dejenigen, de dit lesen, manirliche -un irnsthafte Lüd’ sünd, ein oder de anner Hans Quast künn dor doch -mit mang lopen[811] un künn up mine Kosten sinen Putzen[812] dormit -driwen,[813] un dat müßt mi denn doch sihr verdreiten.[814] - -Äwer tau jeden richtigen Honnigkauken[815] hürt[816] en lütt -Beting[817] Peper,[818] un doran süll mi dat denn nu ok nich fehlen. -Tauirst[819] streute min Unkel Matthies af un an en lütt Kürnken[820] -an, doch as hei sach,[821] dat de Sak von Bestand was, un as hei -sülwst up ’ne Visit bi min Brut ehr Fründschaft[822] west was un -sick dor ok tau sine Taufredenheit[823] von dat Fischkaken[824] -äwertügt[825] hadd, dunn sport[826] hei sin Gewürz un grep deip[827] in -sinen Honnigpott[828] -- tau deip! segg ick -- denn nu malt hei alle -Lüd’, de em hüren wullen, min Glück so säut[829] vör, bet in minen -Honnigmand[830] bald so vel Fleigen[831] summten, dat ick mi nich tau -bargen wüßt,[832] un dat bald so vele lustige Geschichten von mi in -den Swung’[833] wiren, as wir ick blot tau ’m Vergnäugen[834] von alle -Welt nich blot en +Brüjam+, sondern ok en +Brüdjam+[835] -worden. Ick würd brüdt, wo ick mi seihn let.[836] Up fiw[837] Schritt -all[838] grint[839] mi jeder Hans Narr up de Strat[840] an, un wenn -ick denn frog, wat dor tau grinen wir, denn säden sei All, as wenn -sei sick beraden[841] hadden: „Oh, nicks nich!“ Kamm[842] ick mal des -Abends in minen ollen[843] Dämelklubb[844] -- denn dat hadd ick mi glik -vörnamen,[845] dese Gesellschaft wull ick unner keinerlei Ümstänn’[846] -upgewen,[847] irstens, wil dat[848] sei mine Gemütsort[849] sihr -tauseggen ded,[850] un tweitens,[851] wil dat ick sei för mine Bildung -sihr taudräglich höll[852] -- na, wenn ick also dor mal hengeröd,[853] -denn würd dat en Flustern un en Tuscheln[854] un en Anstöten:[855] de -Ein’ winkte ganz von Firn[856] mit den Tulpenstengel, un de Anner ganz -in de Neg’[857] mit den Tunpahl,[858] un Geschichten vertellten[859] s’ -sick, wat +de+[860] +vör+ de Hochtid seggt[861] hadd, un wat -+de+[862] +nah+ de Hochtid seggt hadd; un wat de Scheper[863] -tau sinen Hund seggt hadd; un wenn ick denn falsch[864] würd un frog, -wat sei dormit seggen wullen, un wat[865] dat Spitzen up mi sin süllen, -denn säden sei All: „Gott bewohre! Wi meinen man.“[866] Un wenn ick -nu des Abends ut desen Grünn’n[867] nich in den Dämelklubb gung, denn -makt[868] Fru Bütow’n ehr leiwe[869] Pepermähl[870] apen[871] un -stöhmte[872] mi ümmer ganz lütte, fine[873] Prisen in de Näs’[874] un -in de Ogen:[875] wat dat +so+ süll?[876] oder wat dat +so+ -süll? Sei wüßt ok nich, wo[877] ick dat nu hemmen wull. Un sei wir[878] -’ne olle Fru un hadd in ehren Lewen all vele Herrn upwohrt,[879] äwer -noch keinen, de in ’n Brutstand west wir; ick süll deswegen Geduld mit -ehr hewwen, denn de Sak kem jo +nu+ bald ganz anners. Un wat dat -Tüg[880] rein maken anbedrapen ded,[881] dor gew’[882] sei mi ganz -Recht, dat wir för min Brut nich gaud naug,[883] denn as[884] sei -man hürt hadd,[885] wir de as ’ne Prinzeß upfött[886] un hadd sindag -nich[887] ehr Finger in koll Water[888] stippt; äwer ehr Ogen wiren -för jede Dun’[889] up den Rock all tau olt.[890] Un wenn min Brut mi -negstens[891] mal besäuken wull,[892] so künn sei dat jo dauhn,[893] -sei för ehre Person hadd nicks nich dorwedder,[894] un äwer de -Spennwew’[895] an ’n Bähn[896] un den Stoff[897] up de Comod’ würd sei -jo nich fallen, un an den lütten Provat-Müll-Hümpel,[898] den sei sick -tau ehre Bequemlichkeit in de ein’ Eck von min Stuw’ anleggt[899] hadd, -würd sei sick jo ok just de Beinen nich verstuken.[900] Un wenn ick -des Abends Füer[901] hewwen wull, denn künn ick jo dat man seggen -- -sei wüßt jo dat ok nich -- süs[902] wir ick jo ümmer in den Dämelklump -gahn,[903] worüm denn nu nich? Un denn sett’t[904] sei sick vör dat -Abenlock[905] un puste un puste, un de Kahlen[906] gläuhten[907] ehr -up de dicken Pustbacken, datt ick sei nich anners anseihn künn, as -ick müßt ümmer denken: „Gott verzeih mi de sweren Sünden! Ick weit -recht gaud, dat dit +min+ Fru Bütow’n is, un ’ne christliche -Wewerwittwe,[908] worüm möt[909] ick denn bi ehr[910] ümmer an de hohen -Herrschaften denken, de deip[911] -- deip unner uns wahnen[912] up en -Flag,[913] wo ’t sihr heit[914] sin sall? Un worüm föllt[915] mi bi ehr -Pusten ümmer in, dat mägliche Wis’ up dit Flag ok Einer sitt, de Kahlen -anpusten deiht,[916] üm min schönes Ehstandsglück doch en Beting[917] -antauwarmen?“[918] - -Hirut kann Jeder afnemen, dat bi mi de Bedenken noch nich all ut dat -Finster ’rute smeten[919] wiren, un sei süllen noch düller[920] -warden, as ick eins Nahmiddags von min Brut taurügg de Strat[921] -entlang gung. - -As ick nämlich an desen Dag de Strat entlang gung, dunn hürt[922] ick -all von Firn’[923] groten Larm, de Lüd’ keken[924] ut de Finstern, -un vör de ein’ Husdör[925] hadd sick ok all en lütten Hümpel[926] -tausam funnen,[927] de nah de Del[928] ’ruppe kek. As ick nu grad an -de Dör vörbi[929] gahn will, fohrt[930] de Kürznermeister[931] Obst -äwer sin halwe Husdör[932] ’räwer, as wenn ’ne Billardkugel äwer de -Band’ sprengt ward, un sett’t sick mit sin vir Baukstaben[933] in den -Rönnstein.[934] -- „Mein Gott! Gevatter?“ seggt sin Nahwer Gräun,[935] -„wat makst Du dorvon?“ -- „„Je, dat segg man mal!““ seggt de -Kürzner,[936] „„min Frugenslüd’[937] hewwen mi ’rut smeten.““ -- „Worüm -denn äwer?“ fröggt de Anner. -- „„Vadder,““[938] seggt de Kürzner un -rappelt sick tau Höcht:[939] „„dat will ick Di seggen: min Fru will, -wat +ick+ will, und dat will +ick+ nich.““ - -Wil[940] mi nu dese Geschicht nicks angung,[941] so gah[942] ick -wider[943] un denk so bi mi: is doch en narschen[944] Spruch! Wat de -Kirl woll dormit meint? „+Min Fru+ will, wat +ick+ will, un -dat will +ick+ nich.“ -- Sallst dinen Unkel Matthiesen mal dornah -fragen. - -Ick gah nu also nah em ’rup un vertell[945] em de Sak un segg em den -Spruch un frag’: „Unkel, wat meint de Kirl dormit?“ -- „„Je!““ seggt -hei un geiht in Nahdenken in de Stuw’ up un dal, „„un de Kirl was von -sin Frugenslüd ’rut smeten, seggst Du?““ -- „Ja,“ segg ick, „hei säd -’t jo sülwst.“ -- „„Un in den Rönnstein satt[946] hei?““ frog hei -wider.[947] -- „Ja,“ segg ick, „dorin satt hei.“ -- „„Na,““ seggt -min Unkel nah ’ne Wil’ Bedenken, „„denn[948] ward dat ok woll sin -Richtigkeit hewwen, denn hett em sin Fru ok woll ’rut smeten, un denn -findt de Spruch ok sin richtig Bedüden,[949] denn heit[950] hei: Min -Fru will Herr in den Hus’[951] sin, un ick will ok Herr in den Hus’ -sin, un mine Fru ehren Willen, den will ick nich nahgewen.[952] Äwer,““ -sett’t hei hentau, „„wenn sei in ’n Hus’ stahn,[953] un hei vör den -Hus’ in den Rönnstein seten[954] hett, denn ward sei woll Herr in den -Hus’ sin.““ - -Ick weit nich, mi würd nah dit Gespräk so verdreitlich[955] un -beängstlich tau Sinn; von de Sid[956] hadd ick min Vörnemen noch -nich in ’t Og’ fat’t.[957] „Unkel,“ säd ick, „Du kennst mi doch un -kennst sei jo ok, wat meinst Du denn woll, wer ward von uns Beiden -woll Herr in ’n Hus’ sin?“ -- „„Je,““ seggt hei, „„sei süht[958] -mi gor nich dornah ut,[959] as müggt[960] sei girn[961] +vör+ -de Husdör in ’n Rönnstein sitten, ick glöw’,[962] sei bliwwt[963] -leiwer binnen.““[964] -- „Den Deuwel ok!“[965] segg ick. -- „„Na, -so arg,““ seggt Unkel Matthies, „„ward sei dat nu woll nich maken; -äwerst[966] so ’n ‚liebenswürdig, weiblich Regiment‘ -- as de Lüd’ -dat nennen -- ward sei woll äwer Di ergahn laten, Du wardst woll en -beten stramm an ehren Schörtenband[967] anbunnen[968] warden, un wo -lütt[969] de Achterflicken[970] an ehr Pantüffeln sünd, ward Ein[971] -Di nahsten[972] woll von den Pelz lesen känen.““ -- „Bang’ maken -gelt[973] nich!“ segg ick, „ick ward sei mi nah de Hochtid bi den -irsten Schepel[974] Roggen wenn’n.“[975] -- „„Dor verlat Di man nich -up!““[976] seggt min Unkel. „„Kennst Du dat Sprückwurt nich:[977] - - +Vör+ de Hochtid möst du s’ wenn’n; - +Nah+ de Hochtid is ’t tau Enn’?““ - -„Ne“, segg ick, „dat ’s mi ganz wat Nig’s!“[978] un makt[979] en -Gesicht dortau, as hadd mi min Unkel vertellt, sei hadden mi tau -’m Papst makt. -- „„Na, denn sett Di dal,““ seggt hei, „„ick will -Di ’ne Geschicht vertellen.““ -- „Vertell!“ segg ick. „Äwer Din -Nutzanwenning[980] lat[981] weg! Ick bün dor all tau olt tau.“[982] -- -„„Kein Bang’!““ seggt hei. „„De Nutzanwenning ward Din leiw’ Fru woll -äwernemen, wenn Du minen Rat nich folgen deihst.““[983] - -Ick sett’t mi also bi minen Unkel dal, un hei fung an tau vertellen: - -„Tau Rümpelmannshagen, wo ick mine irsten Lihrjohren[984] as -Klutenpedder[985] dörchmakt[986] heww, wahnten[987] dunntaumalen[988] -twei[989] junge, schire[990] Kirls,[991] de ein’ heit[992] Wulf[993] -un was de Smid in den Dörp,[994] un de anner heit Kiwitt[995] un -was de Möller.[996] De Smid was en Pfiffkopp[997] un verstunn[998] -sinen Kram, de Möller was man düsig,[999] hadd äwer dat Geld. Na, -mit de Tid[1000] gung in den Dörp dat Gered’: „„Vaddersch,[1001] -hest all hürt?[1002] De Smid un de Möller gahn Beid’ nah den -Schulten sin[1003] Fik un Marik,[1004] un sei seggen jo oll von de -Hochtid tau Martini.““[1005] -- Un dat kamm ok so, sei frigten[1006] -Beid’ tau Martini, un de oll Schult rüst’t ’ne Hochtid ut, de säd -man: „Stah!“[1007] un wi jungen Lüd’ von den Hof wiren ok dortau -beden,[1008] un ick weit dat noch as hüt,[1009] wo[1010] lustig dat -hergung, denn uns’ Schriwer,[1011] Ludwig Brookmann, stülpt mi gegen -Morgen ’ne Sleifkann[1012] vull Duwwelbir[1013] äwer den Kopp un säd, -as ick falsch[1014] würd: dat süll jo man Spaß sin. - -Nah de Hochtid was dat denn nu Allens will un woll;[1015] äwer -dat wohrt[1016] ok man ’ne Tid lang, dunn munkelt dat in ’t Dörp: -„Vaddersch, hest all hürt? De Möllerfru sleiht[1017] ehren Mann.“ Un -dat +was+ ok so. Eins Sünndagsnahmiddags kümmt de Möller tau den Smid, -de sitt in ’n Kraug[1018] un spelt[1019] Solo, un de Möller seggt: -„Na, wat +Di+ hüt Abend passirt, dat weit ick ok.“ -- „„Wo so?““[1020] -fröggt de Smid un steiht up un geiht mit sinen Swager ’rut. -- „Na,“ -seggt de Möller, „verstell Di man nich! Wi Beiden hewwen uns schön -vermeidt.“[1021] -- „„Wenn Du min Fru meinst,““ seggt de Smid, „„denn -möt[1022] ick Di seggen, ick heww en gauden Meidsmann.““[1023] -- -„Ja,“ seggt de Möller, „wenn sei nich tau Hus is.“ -- „„Kumm[1024] -mit!““ seggt de Smid. „„Ick heww gistern Swin’ slacht[1025], un Du -weißt,[1026] min Fru mag girn Swartsur.[1027] Ick will Di den Bewis -gewen.““[1028] -- Sei gahn nu also nah den Smid sinen Hus’, un as -sei dorvör stahn, röppt[1029] de Smid: „„Fiken!““ -- Sin Fru kickt -ut dat Finster un fröggt: „Wat sall ick?“ -- „„Fiken,““ seggt de -Smid, „„nimm mal eins[1030] de grote Schöttel[1031] mit Swartsur un -smit[1032] de mal eins[1033] hir nah de Strat ’rut.““ -- „Wat?“ fröggt -sin Fru. -- „„Du sallst de Schöttel mit dat Swartsur nah de Strat -’rute smiten.““ -- „Glik“![1033] seggt Fiken, un hest nich geseihn, -fohrt[1034] de Schöttel äwer de halw’ Dör ’räwer as hüt Morrn[1035] -de Kürznermeister. -- „„Recht so!““ seggt Smid Wulf. „„Un nu, Fiken, -smit uns den Pott[1036] mit dat anner Swartsur ok man ’rut.““ Dat -schüht[1037] denn nu ok, un de Smid seggt: „„Schön, Fiken! un lat Di de -Tid[1038] nich lang warden, wenn ick hüt Abend lat[1039] tau Hus kam.““ - -Dormit geiht hei mit den Möller nah den Kraug taurügg[1040] un -fröggt em: „„Na? hest nu seihn?““ -- „Ja,“ seggt de Möller, „de is -echt. Wo hest dit anfungen?“ -- „„Up ’ne ganz einfache Wis’,““[1041] -seggt de Smid. -- „Hest s’ inspunnt?“[1042] -- „„Ne!““ -- „Hest s’ -schacht?“[1043] -- „„Ne, ok nich!““ -- „Na, wo hest ’t denn makt?“ -- -„„Dat will ick Di seggen,““ seggt de Smid. „„As wie noch Brutlüd’[1044] -wiren, dunn lurt[1045] ick ehr dat af, von wecken[1046] Stück Tüg[1047] -sei woll am meisten hollen ded,[1048] un dunn funn[1049] ick denn, dat -dat en lütten, hübschen, roden siden Dauk[1050] was, un as sick mal -de Gelegenheit gaww,[1051] dat wi Frühstück eten[1052] hadden, und de -Disch en beten[1053] stark vull Gaus’smolt[1054] smert[1055] was, dunn -wischt ick mit ehren schönen Dauk den Disch af. Na, nu kannst Du Di -denn denken, wo sei up mi losfohren ded![1056] Ich äwer fot[1057] sei -rundting[1058] üm un küßt sei un säd: „Fiken, Du hest mi jo! Wat is -an so ’n Dauk gelegen? So ’n Dauk kriggst Du woll wedder; äwer Einen, -de so vel von Di höllt[1059] as ick, so ’n findst[1060] Du mindag’ -nich.“[1061] -- Na, sei gaww[1062] sick denn nu ok, un as wi nah den -Teterowschen[1063] Königschuß wiren, gewunn[1064] sei ’n Pott, en -schönen Pott; un as sei sick so recht dortau freuen ded,[1065] dunn -namm[1066] ick den Pott un spelt[1067] dor so verluren mit, un -- -baff! -- smet[1068] ick em up den Stein. Nu fung sei denn en beten an -tau rohren;[1069] äwer ick küßt sei un säd: „Lat sin,[1070] Fiken, t’ -is beter,[1071] dat de Pott intwei follen[1072] is, as dat ick mi wat -intwei follen heww, denn ick sall uns uns’ Lew’[1073] lang dat Brod -verdeinen!“ Na, tauletzt brok[1074] ick ehr noch drei Tähnen[1075] ut -den Kamm; dunn lacht sei äwer all un säd: „Mi sall doch wunnern, ob Du -mi tau ’m Teterowschen Harwstmark[1076] en nigen[1077] wedder schenken -deihst.“[1078] Na, dat geschach denn nu ok, un so is ’t denn nu ok -blewen;[1079] sei is mit Allens taufreden.[1080] -- Äwer ick möt[1081] -’rinne un möt minen Solo spelen.““ - -De Smid gung also in de Stuw’ un spelt Solo, äwer nah ’ne halw’ -Stunn’ kamm de Kräuger[1082] ’rinne un säd: „Smid, kumm ’rut![1083] -Möller Kiwitt steiht buten[1084] un süht schändlich ut.“ -- Smid -Wulf geiht also ’rut, un dröppt[1085] denn nu ok sinen Swager mit en -intweiiges[1086] Gesicht un en dickes Og’,[1087] un verfirt[1088] -sick denn nich slicht[1089] un fröggt: „Swager Kiwitt, wat hest -+nu+?“ „„Je, dat segg man mal!““ seggt de Möller, „„dat kümmt -von Din verfluchtes Geschichten-Vertellen.““[1090] -- „Wo so?“ fröggt -de Smid. -- „„Je, frag’ noch lang’!““ seggt de Möller. „„Ick hadd -Din dämlich Geschicht gaud ’naug behollen,[1091] un denk so bi mi, -wat bi de ein’ Swester hulpen[1092] hett, kann jo bi de anner ok -helpen:[1093] probiren kannst du ’t jo wenigstens. Ick gah also nah -Hus, un min Fru steiht vör ’n Speigel[1094] un makt sick de Hor[1095] -tau de Hollännerfru[1096] ehren Kaffeklaatsch[1097] t’recht,[1098] un -up den Disch liggt[1099] ehre beste Huw’,[1100] un ick segg tau mi: -„dit trefft sick mal glücklich!“ un nem de Huw’ un denk bi mi: „wenn -du sei nu in de Waschschöttel[1101] in dat smutzige Sepenwater[1102] -stippst, denn kann sei gaud warden.“ Na, ick dauh[1103] dat, un sei -süht jo woll min Anstalten in den Speigel, un ihre[1104] ick mi noch up -wat prekawiren[1105] kann, fohrt[1106] sei mi in dat Gesicht herinne, -un as ick segg: „Mariken, Du hest +mi+ jo, un ’ne Huw’ kriggst du -sacht[1107] wedder!“ dunn röppt[1108] sei: „„Ja, ick +heww+ Di! -Un för de Huw’ sallst Du Din richtig Deil[1109] ok krigen!““ -- „Un -kik!“[1110] seggt de Möller un treckt[1111] sin Hand von dat dick Og’, -„so hett sei mi tauricht’t,[1112] un dat üm Dine verdammte Geschicht.“ --- „„Du Dummbort!““[1113] seggt de Smid, „„heww ick Di nich seggt, ick -hadd dit Stück +vör+ de Hochtid makt?[1114] Wat +vör+ de -Hochtid helpt,[1115] helpt nich +nah+ de Hochtid.““ - -„Un dat is de Geschicht, min Sähn,“ säd min Unkel Matthies un stunn -up,[1116] „un wenn Du klauk[1117] büst, denn kannst Du Di jo dornah -richten.“ - -Ick stunn ok up un stellt mi an ’t Finster un let mi de Geschicht -dörch den Kopp gahn un dreiht[1118] mi denn endlich üm un säd: „„’Ne -dämliche Geschicht, Unkel! Du hest süs all betere[1119] Geschichten -vertellt.““ -- „Ja,“ lacht de Oll, „wil ick Di süs de Nutzanwenning -glik[1120] mit gaww, un hir sallst Du sei säuken.“[1121] -- „„Du -wardst doch nich glöwen,““[1122] segg ick, „„dat ick min Brut ehr -Huw’ in ’ne Waschschöttel stippen und mit ehren siden Dauk den Disch -afwischen ward?““ -- „Du kannst ’t jo mal probiren,“ lachte de olle -Spitzbauw’.[1123] -- „„Na,““ segg ick, „„dat fehlt mi noch, denn -wir ick just bet an den Hacken.““[1124] -- De Oll[1125] grint[1126] -nu ümmer so vör sick hen, un as ick so bi mi denk: oll Lüd’ sünd -wunderlich, wenn ’t regent,[1127] führen[1128] s’ tau Heu, seggt hei: -„Jung’, wo olt[1129] büst Du denn eigentlich?“ -- Von min Öller[1130] -müggt[1131] ick nu in min Brüjamstid[1132] nich recht wat hüren,[1133] -un ick denk bi mi: Haha! fangst du all wedder mit den Peper[1134] an? -un ick frag’: „Worüm meinst Du?“ -- „„Oh,““ seggt hei, „„ick mein’ -man.““ -- „Denn lat[1135] Di seggen,“ segg ick etwas scharp,[1136] -„ick bün den letzten säbenten[1137] November ein un virtig Johr -west.[1138]“ -- „„Also,““ seggt hei, „„dörch de Virtigen büst Du -dörch?““ -- „Ja,“ segg ick, „is Di dat villicht nich tau Paß?“ -- „„För -minentwegen!““ seggt hei. „„Mi föllt dorbi man dat Sprückwurt in: wer -in de Twintigen[1139] nich schön is, in de Dörtigen[1140] nich stark, -in de Virtigen nich klauk[1141] un in de Föftigen[1142] nich rik,[1143] -de kann ’t man sin laten,[1144] ut den ward nicks. Un Du schinst[1145] -mi in de Virtigen noch nich klauk tau sin.““ -- „Unkel Matthies,“ säd -ick un richt’t mi stur in Enn’,[1146] „wer mi för dumm köfft,[1147] -de ward bedragen;“[1148] un dorbi[1149] müßt ick woll man en sihr -dämlich Gesicht maken, denn min Unkel lacht un säd: „„Un kannst bi -Alledem för Di kein Nutzanwenning ut de Geschicht finnen! Jung’, dat is -jo man en Glikniß:[1150] Wat de Smid mit den Dauk un den Pott un den -Kamm upführt[1151] hett, dat paßt sick nich för Di; dat weit ick woll. -Du möst natürlich wat Anners anstellen. Tau ’m Exempel: trugst[1152] -Du Di woll tau, in Dinen Öller[1153] noch +vör+ de Hochtid en -Stückerner drei[1154] schöne dumme Streich uptauführen?““ -- „Dumme -Streich?“ frag ick. -- „„Dumme Streich!““ seggt min Unkel, un ick gah -nu in de Stuw’ up un dal un äwerlegg[1155] mi de Sak un dreih[1156] -mi endlich üm un segg: „Ja; ick glöw’,[1157] Unkel, ick krig’ in -aller Geswindigkeit noch en por taurecht.“ -- „„Denn mak sei,““[1158] -seggt min Unkel. -- „Un Du meinst, ick ward dordörch Herr in den -Hus’ bliwen?“ -- „„Min Sähn, ick glöw’ dat. -- Dumme Streich -- nich -slichte![1159] -- Süh, wenn sei denn an tau schellen[1160] fangt, denn -fall ehr üm den Hals un küß sei recht düchtig un segg: Lat man sin, lat -man sin! Seih äwer[1161] de Geschichten weg, seih leiwer[1162] up min -Hart,[1163] dat hürt[1164] Di un sleiht[1165] för Di von nu bet[1166] -in alle Ewigkeit. -- Un denn Jung’,““ sett’t hei hentau,[1167] „„denn -kannst Du jo ok noch den Fautfall anbringen -- denn Du magst seggen, -wat Du willst -- de hürt nu einmal dortau.““ - -Ick äwerläd[1168] mi de Sak nu hen un her un säd denn endlich tau mi: -„Hei ’s din Mutter-Brauder un sallst em dorin tau Willen sin un sallst -en por maken! un ick makt sei ok richtig. - -Ick künn nu hir de Geschichten vertellen, de ick anstellt[1169] heww, -ward mi äwer woll häuden.[1170] Dat Unglück künn sinen Gang gahn, -un de Vertellung[1171] künn in mine Fru ehr Hänn’[1172] fallen un -sei künn mäglich[1173] marken,[1174] dat all dese Stückschen[1175] -afkortet[1176] west sünd, un dat sei in ehre Gaudheit anführt worden -is, un sei künn seggen: „Holt![1177] dit Spill[1178] gelt[1179] -nich; Du hest mit Fisematenten spelt.[1180] +Ick+ will mal de -Korten[1181] mischen. -- So! de Vörhand heww ick, un nu man ’rut! -Bedein’[1182] mi desen un bedein’ mi jennen! Un nu will wi mal seihn, -ob Du ut den Ganten büst?“[1183] - -Äwer männigmal,[1184] wenn sei nu so as min Fru still un flitig[1185] -üm mi herümme geiht un för mi allerwegen sorgt un mi in ehre -Fründlichkeit nahgiwwt,[1186] denn denk ick doch so bi mi: „Schäm’ -di, dat du mit Hinnerlistigkeit tau Wark gahn[1187] büst!“ un ick säd -nilich[1188] tau minen Unkel: „Weißt wat? Ick vertell ehr, wo ’t[1189] -mit de dummen Streich vör de Hochtid tausamen[1190] hängt.“ -- „„Plagt -hei Di?“““ fröggt min Unkel. „„Jede rechtschaff’ne Kirl möt af un an -en gauden dummen Streich un en gauden Witz maken; äwer hei darw sei -nich sülwst wider vertellen, denn denn[1191] verliren sei all’ beid’ -ehre Kraft. Ji lewt jo[1192] glücklich, dormit wes taufreden.““[1193] --- „Je,“ segg ick, „dat seggst Du; äwer mi is männigmal so tau -Maud’,[1194] as wenn wi noch glücklicher lewen künnen, wenn +sei+ -dat Regiment hadd.“ -- „„Min Sähn,““ säd min oll Unkel Matthies un -läd[1195] mi de Hand up de Schuller,[1196] „„all dat Glück, wat up -dese Ird[1197] mäglich is, föllt meindag nich in +eine+ Hand -herinne, begnäug’[1198] Di mit dat, wat Du hest. Un wat den Ehstand -anbedrapen deiht,[1199] hest Du den ollen Jochen Smitten[1200] noch -kennt? Den ollen Jochen Smitt mein ick, de mit sine olle Fru achtig -Johr olt[1201] würd, un nahsten[1202] mit ehr tausamen an +einen+ -schönen Sommer-Sünndagmorrn begrawen würd. Na, de säd mal tau mi -- -denn ick sülwst verstah nicks von de Sak -- „Herr Wachtmeister,“ säd -hei, de Ehstand is as en Appelbom,[1203] dor sitt Einer in[1204] un -plückt un plückt; äwer de schönsten un rodsten Appel[1205] sitten in de -Spitz, dor langt Keiner ’ranne, denn dor is de Natur tau kort[1206] -tau. Wenn nu Einer unverstännig is, un mit Gewalt de Appel krigen will, -denn halt[1207] hei sick en Staken[1208] un hau’t de schönen Appel -’run, äwer ok taunicht,[1209] un hau’t de Telgen[1210] dorbi af, woran -de besten Dragknuppen[1211] för de Taukunft sitten; de vernünftig Mann -lett[1212] sei ruhig sitten un täuwt[1213] bet up den Spätharwst,[1214] -denn[1215] fallen sei em von sülwst in den Schot,[1216] un denn smecken -sei vel säuter.“[1217] -- Un dorüm Jung’,““ sett’t[1218] min oll Unkel -hentau[1219] un sin oll irnstfast Gesicht sach ok gor tau truhartig -ut,[1220] „„kläter[1221] Din roden Appel nich vör de Tid[1222] von den -Bom, und täuw’ bet tau ’m Spätharwst -- Din wohrt[1223] jo nich lang’ -mihr -- un wenn Du Din Fru den letzten schönen Appel bringst, denn -vertell[1224] ehr ok de Geschicht von Din’ dummen Streich +vör+ de -Hochtid, denn sallst Du seihn, denn freut sei sick doräwer.““ - -[Illustration] - - - - - Albert Roderich: - - Nemesis. - - - - -Mit freundlicher Erlaubnis des Verfassers abgedruckt aus seinem Buche -„Die glückliche Ehe und andere Humoresken“ (Berlin: H. Conitzers -Verlag). - - - - -Nemesis. - - -Wie liebenswürdig im besten Sinne des Wortes war meine verehrte -Freundin, die verwitwete Frau Professor Mentow, gegen uns Gäste gerade -heute gewesen, wie viele hübsche und menschenfreundliche Worte waren -da in unserer kleinen Gesellschaft hin und her geworfen worden, und -wie war der Rotwein doch excellent! Was ist das beste bei einem guten -Mittagessen? Die Cigarre nachher, behaupte ich, und deshalb hatte ich -mich in den stillsten Winkel eines kleinen Nebenzimmers zurückgezogen -und blies in jener behaglichen Stimmung des halb ruhenden Körpers und -des halb erregten Geistes künstlerisch vollendete Rauchringe in die -Luft. - -Ich richtete mich, halb unwillkürlich, schnell aus meiner etwas sehr -bequemen Lage auf, als die Dame des Hauses plötzlich und unerwartet vor -mir stand. - -„Sie sind heute so pessimistisch, so ernsthaft -- Sie, der Philosoph -des lebenslustigen Humors -- hat Ihnen vielleicht Ihr Leibgericht, der -Apfelkuchen, nicht geschmeckt?“ - -„Verehrte Frau, wenn Sie doch einmal in die geheimsten Tiefen meines -Gemütes eingedrungen sind, so will ich Ihnen gestehen -- ich habe -überhaupt gar nichts von dem Apfelkuchen gegessen!“ - -„Nicht möglich, Sie sind krank!“ - -„Nein, der Kuchen war an mir vorübergegangen, ehe ich ihn überhaupt -gewahrt hatte. Aber, das wundert mich nicht. Heute ist kein guter Tag -für mich. Fräulein Emma von Kanten ist ja hier, und sie hat sogar bei -Tische neben mir gesessen. Das kann nimmer gut gehen.“ - -„Sie hat wohl wegen Ihres letzten Feuilletons über die -Frauenemancipation mit Ihnen gezankt?“ - -„Fräulein von Kanten zankt nicht mit mir, denn sie haßt mich.“ - -„Ah wirklich?! Und ich glaubte doch, einmal gehört zu haben, daß Sie -vor Jahren zu dem Fräulein in recht -- angenehmen Beziehungen gestanden -haben.“ - -Ich wußte, daß meine sonst so diskrete Freundin viel mehr aus Teilnahme -für mich als aus Neugier diese Bemerkung machte und entgegnete deshalb: - -„Verehrte Frau, Sie sind wie immer gut unterrichtet, und wenn Sie -wollen, erzähle ich Ihnen gern die Geschichte meiner -- angenehmen -Beziehungen zu Fräulein von Kanten; sichere ich mir dadurch doch auch -vielleicht die Teilnahme Ihrer Freundesseele an meinem Geschick, wenn -es heute über mich hereinbricht.“ - -„In der Tat, Sie machen mich begierig.“ - -„Also vor beinahe nun zwanzig Jahren lernte ich Fräulein von Kanten -kennen. Sie war geistreich, hübsch, aus sehr angesehener Familie, und -ich war ein wohlgestalteter Jüngling, der noch zu etwas mehr als zu den -landesüblichen schönsten Hoffnungen zu berechtigen schien. Ich gründete -gerade damals mit einem Teile des sehr beträchtlichen Vermögens meines -Vaters die große Zeitung, an deren Spitze ich noch heute stehe. Das -Fräulein und ich sahen einander fast täglich in einer befreundeten -Familie, wir plauderten, scherzten, lachten, faßten Neigung zueinander -und wußten bald, daß eine lebenslänglich wirkende Erklärung unmittelbar -bevorstände. Ich weiß, jeder von uns wußte, daß auch der andere das -wisse. So weit waren wir schon. Da eines Tages erschien Fräulein Emma -in einer kleinen Gesellschaft mit einer Brustschleife von -- meiner -allerdings unmaßgeblichen Ansicht nach -- so sonderbarer Form und -Farbenzusammenstellung, daß ich eine spottende Bemerkung darüber nicht -unterdrücken konnte. Darob aber ward das Fräulein sichtlich ungehalten -und behandelte mich den ganzen Abend mit stark herabgestimmter -Freundlichkeit. Das trieb mich zum Nachdenken, und ich sagte mir: wen -ein tadelnder Scherz so empört, der ist auch im Ernste zu tadeln. -Ich habe nur ihre Schleife gering geschätzt, dafür glaubte sie mich -selber gering schätzen zu dürfen. Sieh dich vor, junger Mann! Und ich -beschloß, das Fräulein noch vor dem entscheidenden Worte auf eine -größere Probe zu stellen. - -„Wenige Tage später wollte ich die junge Dame zu einem Spaziergange -abholen. Auf dem Tische ihres Zimmers lag ein allerliebster -heller Frühlingshut, den Fräulein Emma eben zum ersten Male den -Straßenpassanten vor die Augen führen wollte. Nicht weit davon stand -eine geöffnete Flasche Wein. Meine Gedanken sprangen zu einem schnellen -Entschluß zusammen. Ich goß mit geschickter Ungeschicklichkeit die -Flasche Rotwein über den neuen hellen Frühlingshut. - -Die Wirkung war eine betrübende, niederschlagende. Das Fräulein -verfiel nach einem Momente des stieren Entsetzens in recht unangenehme -Zornesausrufungen und Vorwürfe; sie stampfte sogar mit dem sonst so -zierlichen Fuße heftig auf, und -- mit einem Worte, sie ward in dem -Augenblicke mehr als häßlich und geistlos -- sie ward unliebenswürdig. -So weit nun glaube ich nach gangbar menschlichen Begriffen korrekt, -zum mindesten verzeihlich, gehandelt zu haben. Oder sind Sie anderer -Meinung, verehrte Freundin?“ - -„Nach den gangbar menschlichen Begriffen haben Sie vielleicht -verzeihlich gehandelt -- nach den gangbar weiblichen wohl kaum.“ - -„Nun einerlei -- in der Fortsetzung meines Tuns beging ich die -tragische Schuld, die mich sicher im fünften Akt zerschmettern wird. -Ich sagte dem Fräulein in der Erregung des Disputes: „Ich habe den -Wein absichtlich über den Hut gegossen, um deinen Charakter kennen -zu lernen! Ich habe ihn kennen gelernt!“ Da wuchsen plötzlich an die -kleinen Schlangen des Ärgers und der Zanklust, die bisher aus den Augen -des Mädchens züngelten, die Furienhäupter der Wut und des Zornes, und --- o, all ihr Männer, die ihr freien wollt -- erst prüfet, wodurch das -Weib eurer Wahl zornig gemacht wird, und wie es sich gebärdet im Zorne! - -„Ich eilte von dannen, und am nächsten Tage reiste Fräulein Emma -von Kanten auf längere Zeit zu auswärtigen Verwandten. Es sind nun -fast zwanzig Jahre seitdem vergangen, und ich habe das Fräulein seit -der Zeit in langen Zwischenräumen einige Male in Gesellschaften -getroffen, und jedesmal, wenn ich sie getroffen, ist mir zur selbigen -Stunde irgend etwas Fürchterliches zugestoßen. Das eine Mal habe ich -einer Dame die Schleppe abgetreten, das zweite Mal bin ich in einem -wohlpräparierten Toaste stecken geblieben, das dritte Mal -- ach, -einerlei, wenn ich jene Dame sehe, ist mir wie dem Seefahrer, der das -Geisterschiff des fliegenden Holländers schaut -- er weiß, ihm steht -ein Unheil bevor. Und heute hat sie gar neben mir gesessen -- weh’ mir, -was wird mir heute noch geschehen!“ - -Frau Professor Mentow lachte. - -„Lieber Freund, Sie werden da von einer ganz gerechten, humoristischen -Nemesis verfolgt. Sie haben es wahrscheinlich durch Ihren ernsthaften -Scherz verschuldet, daß jene Jungfrau im Zorne zur alten Jungfer -geworden ist, die jetzt für Frauen+rechte+ kämpft, weil ihr -+das+ Frauen+recht+ versagt ist.“ - -„Ja, auch bei Tische hat sie fast ausschließlich von den Rechten der -modernen Frau gesprochen, aber ich glaube, sie kämpft nicht -- sie -streitet nur dafür.“ - -„In der Tat, lieber Freund --“ - -Die Frau Professorin kam nicht weiter in diesem Satze, denn die Tür -ward geöffnet, und einer meiner Mitgäste rief, uns gewahrend, herein: -„O, hier sind Sie versteckt, und drinnen streitet man sich um Sie oder -über Sie -- und dann entführen Sie uns auch noch unsere liebenswürdige -Frau Wirtin!“ - -Wir erhoben uns schnell und traten in den Salon. Die kleine -Gesellschaft saß in lebhafter Unterhaltung beim Kaffee. Frau Emerich, -die intime Freundin des Fräuleins von Kanten, rief mir zu, sobald sie -meiner ansichtig ward: „Ah, da ist ja der Lästerer -- vielleicht hat er -die Gewogenheit, uns einen Kommentar zu seinen rätselhaften Äußerungen -über die Frauenfrage zu geben.“ - -Ich nahm mich tüchtig zusammen, setzte mich mit gewaltsam erzwungener -Ruhe in einen Schaukelstuhl und sagte mit vermeintlicher Gelassenheit: - -„Gnädige Frau, ich glaube, Sie haben hier in diesem Augenblicke gar -keine Frauenfrage, sondern eine Männerfrage behandelt.“ - -„Wie?! was ist das?!“ - -„Ja, ich glaube, die hier gemeinte Frauenfrage hat einige Ähnlichkeit -mit der sozialdemokratischen: der Sozialdemokrat hört auf, es zu sein, -wenn er Rentier geworden ist, und die meisten Mädchen halten die -Frauenfrage für gelöst, wenn sie Gattin geworden sind. Es ist also eine -Männerfrage.“ - -Fräulein Emma von Kanten warf mir einen vergifteten Blick herüber und -sagte mit scharfer Betonung: - -„O, mein Herr, wir haben hier bis jetzt ganz ernsthaft debattiert, und -zwar über die Ansichten, die Sie selber in Ihrem Feuilleton über die -Frauen öffentlich geäußert haben. Wenn Sie es jetzt für nötig halten, -Ihre vielleicht etwas bleichwangige Argumentation mit der Schminke -eines beschönigenden Scherzes zu beleben, so sage ich Ihnen im Tone der -tiefsten Überzeugung: die Frau ist dem Manne ebenbürtig. Sie soll nicht -seine Sklavin sein, sie ist berufen, mitzuwirken für die höchsten Ziele -der Menschheit!“ - -„O, mein Fräulein, wenn Sie Recht hätten -- wie Unrecht hätten Sie! -Sie wollen dem Manne ebenbürtig sein und keine Sklavin! Wir Männer -sind aber selbst Sklaven -- Sklaven der Arbeit, der Verhältnisse, des -Erfolges -- Sklaven des Ehrgeizes, der Wissenschaft -- und, da Sie -uns ebenbürtig sein wollen -- ist es denn ein gar so verächtlicher -Sklavendienst, wenn Sie all Ihre unzähligen Liebenswürdigkeiten und -Reize in einem blumendurchwirkten Fächer zusammenhalten, um dem -ermüdeten Mitsklaven die lästigen Insekten der Sorgen und Mühen -fortzufächeln?“ - -„Das heißt,“ rief jetzt die älteste der Anwesenden, „das heißt in -gewöhnlichen Worten: wir sollen Köchinnen, Kinderwärterinnen und -Krankenpflegerinnen werden. Und unser Herz, unser Geist, unsere -Ideale?!“ - -„Gnädige Frau, war es nicht einst Ihr höchstes Ideal, den Mann mit -Ihrer Liebe beglücken zu dürfen? Und ist es nicht jetzt Ihr höchstes -Ideal, Ihre einzige Tochter recht, recht glücklich verheiratet zu -sehen?“ - -„Allerdings!“ - -„Also, verehrte Frau, es ist jetzt Ihr höchstes Ideal -- -Schwiegermutter zu werden! Ja, glauben Sie es einem erfahrenen -Idealisten -- unsere irdischen Ideale sind veränderlich wie alles -Irdische. Nenne mir deine Ideale, und ich will dir sagen, wie alt du -bist.“ - -„O, er will uns auf den Flügeln seiner Phrasen entfliehen,“ rief -jetzt Fräulein von Kanten, „haben Sie uns denn nicht in Ihrem -Zeitungsartikel die Ebenbürtigkeit unseres Geistes abgestritten? -Haben Sie nicht die Behauptung aufgestellt, es gebe keine klassische -Dichterin, und wenn es eine -- zwei -- zehn gäbe -- das wäre nichts -gegen „die überwältigende Majorität der Geistesfürsten aus dem -Männergeschlechte“, wie Sie sich auszudrücken beliebten.“ - -„O,“ fuhr Frau Emerich zornig fort, „und was er von den Erfindungen -sagt! Wie boshaft! Daß die Frauen das Pulver nicht erfunden haben oder -das Dynamit, das findet er natürlich -- aber wir hätten doch wenigstens -die Nähmaschine erfinden können! -- Abscheulich!“ - -„Geehrte Frau,“ entgegnete ich, „die meisten Wahrheiten sind -abscheulich!“ - -„Gut,“ rief jetzt Frau Emerich in recht erregtem Tone, „wenn Sie denn -doch der Wahrheit zu ihrem Recht verhelfen wollen -- ich kann Ihnen -jetzt die Gelegenheit dazu geben. Ich habe Gedichte von einer jungen -Dame bei mir, für die ich eine ruhmvolle Zukunft voraussehe. Wollen Sie -in Ihrer Wahrheitsliebe die junge Dame durch Ihre einflußreiche Zeitung -in die Öffentlichkeit einführen, wenn Sie die Dichterin nach Ihrer -besten Überzeugung dessen würdig erachten?“ - -„Das will ich,“ entgegnete ich bestimmt. Frau Emerich zog eine -zierliche Ledertasche hervor und nahm aus dieser einige Papiere, die -sie mir hinreichte. - -„Bitte, lesen Sie.“ -- Und ich las einige offenbar von Damenhand -geschriebene Verse über höchst abgenutzte Gegenstände in höchst -gewöhnlicher Form und höchst unbedeutenden Worten. Die unvermeidlichen -„Sonne und Wonne“ und „Liebe und Triebe“ waren auch vorhanden, und -einmal war in strafwürdigster Dichter-Rohheit „Freude“ auf „heute“ -gereimt. - -Ich gab das Manuskript zurück und sagte: „Geehrte Frau, ich bedaure, -Ihnen sagen zu müssen, daß nach diesen Proben und meiner Überzeugung -die junge Dichterin als solche durchaus keine Zukunft zu erwarten haben -wird.“ - -„Ah, und womit wollen Sie dies harte Urteil begründen?“ - -„Wenn jemand in seinem achtzehnten Jahre schlechte Verse macht -- nun, -der kann vielleicht im dreißigsten Jahre noch gute Verse machen -- wer -aber im achtzehnten Jahre Verse wie diese von so unaussprechlicher -Geringwertigkeit macht -- der macht sie im höchsten Alter noch ebenso -nichtsnutzig. Wollen Sie übrigens meinem Urteil allein nicht trauen, so -lese ich mit Ihrer gütigen Erlaubnis ein paar Verse vor.“ - -Und ich las mit gütiger Erlaubnis der Freundin des Fräulein Emma von -Kanten ein paar Verse vor, und sämtliche Anwesende vereinten sich mit -mir in der Ansicht, daß niemals unbedeutendere Worte zu überflüssigeren -Versen verarbeitet worden wären. Selbst Fräulein von Kanten betonte -besonders scharf, daß sie mir in diesem Falle Recht geben müsse; die -Gedichte wären doch zu ungewöhnlich gewöhnlich. -- Mir ward etwas -unbehaglich zu Mute, als meine Exfreundin sich so kampflustig an meine -Seite stellte. - -„Also, meine Herrschaften,“ ergriff nun mit erhobener Stimme Frau -Emerich das Wort, „dieser Mann, der selber so hoch steht in der Meinung -der literarischen Welt, und der so verächtlich von unserem Frauengeiste -spricht -- er behauptet, daß das Weib, welches diese Verse gemacht, -kein Dichter sei und es nie werden könne?!“ - -„Das behaupte ich.“ - -„Nun denn -- das Weib, welches diese Verse gedichtet hat -- ist -- -dieser Mann!“ - -Frau Emerich hatte sich bei diesen Worten hoch aufgerichtet und -streckte ihren Arm gegen mich aus, als wollte sie mich auch körperlich -zu Boden schlagen. Das unheimliche Gefühl, das mich bei der Rede -der Dame befallen hatte, steigerte sich um ein Bedeutendes, als -jetzt Fräulein Emma von Kanten ebenfalls ein Papier hervorzog, mir -dasselbe dicht unter die Augen hielt und ausrief: „Kennen Sie diese -Handschrift?“ - -Ich las dieselben nichtigen Verse von vorhin auf stark vergilbtem -Papier in mir unheimlich bekannt scheinenden Schriftzügen. - -„Diese Verse,“ wandte sich nun Fräulein von Kanten an die hocherstaunte -Gesellschaft, „diese Verse, welche die Tochter meiner Freundin kopiert -hat, diese Verse von „so unaussprechlicher Geringwertigkeit“ -- hat vor -ungefähr 20 Jahren unser großer Kritiker selbst gedichtet. Ich weiß es -ganz genau, denn ich kenne die Dame, der er diese -- hoffnungslosen -Verse gewidmet hat!“ - -Da war sie wieder, die Nemesis -- die erbarmungslose Nemesis! - -Ich war ein wenig in den Schaukelstuhl zurückgesunken -- ich schlug die -Augen nieder vor all den lachenden Mienen und spöttischen Blicken. Nur -auf dem Antlitz meiner liebenswürdigen Wirtin sah ich stilles Mitleid. - -Endlich erhob ich mich -- ein wenig langsam -- ein wenig unbeholfen und -sagte mit etwas unsicherer Stimme: - -„Meine Damen und Herren -- ich bekenne es -- ich bin geschlagen, -besiegt -- von einer Dame besiegt, der ich allerdings vielleicht -eine Buße schuldig war -- nun, ich werde die Geschichte meiner Buße -veröffentlichen.“ - -„Die ganze Geschichte?!“ fragte Fräulein von Kanten, und ihr -überlegenes Lächeln verschwand unter einer leichten Falte der Besorgnis. - -„Die +ganze+ Geschichte, mein verehrtes Fräulein! Und wenn es die -übrigen Herrschaften interessiert, so kann ich Ihnen den Namen der Dame -gleich jetzt mitteilen.“ - -„Oh, ganz sicher interessiert uns das!“ rief Frau Emerich. Ich sah -meine Feindin erbleichen, und Frau Professor Mentow warf mir einen -zürnenden Blick zu. - -Ich tat einige Augenblicke, als ob ich noch nicht entschlossen sei, -mein Geheimnis preiszugeben. - -„Ach bah,“ rief ich dann, „was sollte mich verhindern?! Also, verehrte -Anwesende, die Dame von der ich sprach, heißt -- Fräulein -- Sophie -Rose!“ - -Man war etwas enttäuscht. Man kannte natürlich diese Dame nicht. - -Fräulein von Kanten atmete leise auf, und Frau Professor Mentow -lächelte mir freundlich zu. Ich fuhr fort: - -„Wenn auch sonst niemand von Ihnen, meine Herrschaften, Fräulein Sophie -Rose kennt, so kennt Fräulein von Kanten sie sicherlich. Fräulein -Sophie Rose hat ja dieser Dame meine armen Verse verraten, und ich -richte jetzt an Fräulein von Kanten die höfliche Frage: Wo ist Fräulein -Sophie Rose zu finden?“ - -Fräulein von Kanten antwortete mit anerkennenswerter Geistesgegenwart: - -„Ich werde mich hüten, Ihnen das zu sagen. Sie sind augenscheinlich im -Begriffe, meine Freundin zu kompromittieren.“ - -„Das könnten Sie leicht verhindern, gnädiges Fräulein, wenn Sie eine -Vermittlerrolle zwischen der Dame und mir spielen wollen.“ - -„Ah, wenn Sie im Ernste sprechen -- --.“ - -„Mein Ehrenwort, ich spreche im Ernste; wenn ich der frohen Stunden -gedenke, die ich einst gemeinsam mit -- jener Dame verlebt, so -überkommt mich wieder das Gefühl einer warmen Freundschaft.“ - -„Ah, wirklich?! Ich werde das meiner Freundin getreulich berichten. Und -ich darf ihr sagen, daß Sie ihr wegen dieses wohl etwas indiskreten -Scherzes mit Ihren -- Jugendversen nicht grollen?“ - -„Ich würde gewiß nicht weiter daran denken, wenn ich hoffen dürfte, daß -meine ehemalige Freundin auch die Geschichte von dem -- Frühlingshut -vergessen könnte.“ - -„Dafür stehe ich Ihnen! Der +Frühlings+hut! Ach, mein Herr, +wir -sind ja jetzt im Herbste+!“ - -Ich reichte meiner neuen alten Freundin die Hand, und wir blickten -einander zum ersten Male wieder frei in die Augen. - -Bald darauf ging unsere Gesellschaft auseinander. - -Meine liebenswürdige Wirtin hielt mich noch einen Augenblick zurück und -sagte lächelnd: - -„Nun, lieber Freund, heute haben Sie Ihre alte Sünde zu Ende gebüßt -- -jetzt wird es doch wohl aus sein mit der Nemesis.“ - -„Ich hoffe es! -- Hm -- übrigens, verehrte Frau, könnten wir vielleicht -jetzt gleich einen Versuch anstellen -- --“ - -„Wie das?“ - -„Hm -- vorhin bei Tische hat mich diese Nemesis nicht zum Essen kommen -lassen -- haben Sie vielleicht noch ein Stück Apfelkuchen?“ -- - - - - -Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung. - - -[Illustration: F 1506 d XII 11:100.000] - -Die Stiftung ist ein rein gemeinnütziges Unternehmen unter Ausschluß -aller privaten Erwerbsinteressen. Ihr Zweck ist, „hervorragenden -Dichtern durch Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des -deutschen Volkes zu setzen“ und durch Verbreitung guter Bücher der -schlechten Literatur den Boden abzugraben. Seit dem Jahre 1903 verteilt -sie alljährlich an eine stetig wachsende Zahl von Volksbibliotheken -sorgfältig ausgewählte Zusammenstellungen guter volkstümlicher Bücher. -Bis Ende 1911 wurden 442.338 Bücher im Werte von Mk. 522.179.28 an -Volksbibliotheken verteilt. - -Die Auflage der von der Stiftung herausgegebenen Sammlungen -„Hausbücherei“ und „Volksbücher“ betrug bis Ende 1911: - -=über 1½ Millionen Exemplare.= - -Abzüge des +Werbeblatts+, des letzten Jahresberichts, auch des -Aufrufs und der Satzungen usw. werden von der Kanzlei der Deutschen -Dichter-Gedächtnis-Stiftung in Hamburg-Großborstel gern unentgeltlich -übersandt. - -Die Stiftung erbittet jährliche oder einmalige Beiträge. +Für -Beiträge von 2 Mk+. an gewährt die Stiftung durch Übersendung eines -Einzelbandes ihrer „Hausbücherei“ oder „Volksbücher“ Gegenleistung. - - -Gute billige Bücher - -(zum Teil künstlerisch illustriert, für die Jugend besonders geeignete -Bücher sind mit * versehen). - -Bisher sind erschienen: - - -Hausbücherei - -(gebunden, jeder Band in sich abgeschlossen 1 Mark, Vorzugspreis für 11 -Bände -- beliebig gemischt -- nur 10 Mark) - -* Bd. 1. +Heinrich von Kleist:+ =Michael Kohlhaas.= Mit Bild Kleists. -7 Vollbilder von Ernst Liebermann. Einleitung von Dr. Ernst Schultze. -11.-20. _Taus._ - -* Bd. 2. +Goethe:+ =Götz von Berlichingen.= Mit Bild =Goethes=. -Einleitung v. Dr. W. Bode. 11.-15. _Taus._ - -* Bd. 3. =Deutsche Humoristen Band 1:= Ausgew. humor. Erzählungen v. P. -Rosegger, W. Raabe, Fr. Reuter und A. Roderich. 46.-55. _Taus._ - -Bd. 4. =Deutsche Humoristen Band 2:= Cl. Brentano, E. Th. A. Hoffmann, -H. Zschokke. 26.-35. _Taus._ - -Bd. 5. =Deutsche Humoristen Band 3:= Hans Hoffmann, Otto Ernst, Max -Eyth, Helene Böhlau. 36.-45. _T._ - -Bd. 6/7. =Balladenbuch Band 1:= Neuere Dichter. 21.30. _T._ - -Bd. 8. +Herm. Kurz:+ =Der Weihnachtsfund.= Eine Volkserzählung. Mit -Bild Kurz’. Einleitung v. Prof. Sulger-Gebing. 11.-15. _Taus._ - -Bd. 9. =Novellenbuch Band 1:= C. F. Meyer, E. v. Wildenbruch, Fr. -Spielhagen, Detl. v. Liliencron. 26.-35. _Taus._ - -Bd. 10. =Dorfgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 2): E. Wichert, H. -Sohnrey, W. v. Polenz, R. Greinz. 16.-25. _T._ - -Bd. 11. +Schiller:+ =Philosophische Gedichte.= Ausgew. u. eingel. v. -Prof. E. Kühnemann. Mit Bild Schillers 6.-10. _T._ - -Bd. 12/13. +Schiller:+ =Briefe.= Ausgew. und eingel. von Prof. E. -Kühnemann. Mit 2 Bildern Schillers. 2 Bände in 1 Bande. 6.-10. _Taus._ - -Bd. 14. =Geschichten aus deutscher Vorzeit= (+Novellenbuch+ Band 3): A. -Schmitthenner, J. J. David, W. Hauff. 11.-20. _Taus._ - -* Bd. 15. =Seegeschichten= (+Novellenbuch+ Band 4): Joachim Nettelbeck, -W. Hauff, Hans Hoffmann, W. Jensen, Wilh. Poeck, Johs. Wilda. 21.-30. -_Taus._ - -Bd. 16. =Auswahl aus den Dichtungen Eduard Mörikes.= Herausgeg. u. -eingel. v. Dr. J. Loewenberg-Hamburg. Mit Bild u. Silhouette Mörikes. -11.-20. _Taus._ - -Bd. 17. =Heine-Buch.= Eine Auswahl aus Heinrich Heines Dichtungen. -Herausgeg. und eingel. von Otto Ernst-Hamburg. Mit Bild Heines. 6.-10. -_Taus._ - -Bd. 18/19. =Goethes ausgewählte Briefe.= Herausgeg. u. eingel. v. Dr. -Wilh. Bode-Weimar. Mit Bildern Goethes. 2 Bände. 11.-15. _Taus._ - -* Bd. 20/21. =Deutsches Weihnachtsbuch.= Eine Sammlung der schönsten und -beliebtesten Weihnachtsdichtungen in Poesie u. Prosa. 21.-30. _Taus._ - -Bd. 22. =Frauennovellen= (+Novellenbuch+ Band 5): Cl. Viebig, L. v. -Strauß u. Torney, Lou Andreas-Salomé, M. R. Fischer. 21.-30. _Taus._ - -Bd. 23. =Kindheitsgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 6): A. -Schmitthenner, H. Aeckerle, M. Lienert, M. v. Rentz, Hans Land, A. -Bayersdorfer, Ch. Niese, Th. Mann. 11.-20. _Taus._ - -* Bd. 24. =Kriegsgeschichten= (+Novellenbuch+ Band 7): Carl Beyer, H. -v. Keist, W. v. Conrady, M. v. La Roche, D. v. Liliencron, Th. Fontane -11.-20. _Taus._ - -* Bd. 25/26. =Balladenbuch Band 2:= Ältere Dichter. 6.-10. _T._ - -* Bd. 27. +Karl Immermann:+ =Preußische Jugend zur Zeit Napoleons.= -Herausgeg. u. eingeleitet von Dr. Wilhelm Bode-Weimar. Mit Bild -Immermanns und 3 Bildern Magdeburgs. 11.-20. _Taus._ - -Bd. 28. =Martin Luther als deutscher Klassiker=, nebst einer Einführung -von _Dr._ Eugen Lessing. Mit Bild Luthers. 11.-20. _Taus._ - -Bd. 29/30. =Deutsche Humoristen Band 4/5.= (Humoristische Gedichte.) -11.-20. _Taus._ - -Bd. 31. =Deutsche Humoristen Band 6=: E. Th. A. Hoffmann, B. v. Arnim, -Fr. Th. Vischer, A. Bayersdorfer, Henry F. Urban, Ludw. Thoma. 11.-20. -_Taus._ - -* Bd. 32. +Max Eyth+: =Geld und Erfahrung= (humoristische Erzählung). -Mit Original-Illustrationen von Th. Herrmann und Einleitung von Dr. E. -Müller-Rastatt, Hamburg. 6.-10. _Taus._ - -* Bd. 33. +Ludwig Uhland+: =Ausgewählte Balladen und Romanzen.= Mit -Illustrationen von H. Schroedter, Karlsruhe. 6.-10. _Taus._ - -Bd. 34. +J. J. David+: =Mährische Dorfgeschichten.= Ruzena Capek. -Cyrill Wallenta. Mit Einleitung von A. v. Weilen und Bild Davids. -6.-10. _Taus._ - -* Bd. 35. +Ludwig Finckh+: =Rapunzel.= Mit Bild L. Finckhs und -Einleitung von M. Lang. 11.-20. _Taus._ - -Bd. 36. +Grethe Auer+: =Marraksch.= (6 Jahre in Marokko.) Mit Bild Gr. -Auers u. Einl. von _Dr._ H. Bloesch. 6.-10. _T._ - -Bd. 37. +Ernst Wichert+: =Die Schwestern.= Illustriert. - -Bd. 38. =Musikergeschichten=: K. Söhle, R. H. Bartsch, W. Schmidtbonn, -E. v. Wolzogen. - -Bd. 39. +Emil Ertl+: =Der Salto mortale und andere Geschichten.= -Illustriert. - - -Vorzugsausgaben - -+in prächtigem, biegsamem Einband+ mit Goldschnitt sind +zum Preise von -je 4 Mark+ hergestellt von: - - Bd. 6/7 (rot, Ganzleder) - Bd. 12/13 (grün, Ganzleder) - Bd. 18/19 (grau, Ganzleder) - Bd. 20/21 (weiß, Dermatoid) - Bd. 25/26 (rot, Ganzleder) - Bd. 29/30 (rot, Ganzleder). - Bd. 38 (rot, Ganzleder) M. 3.-- - Bd. 39 (lila Lein. m. Gold) M. 2.-- - - -Volksbücher (zum Teil illustriert) - -* Heft 1. 50 Ged. v. +Goethe+. Geh. 20, geb. 50 Pf. 11.-20. _T._ - -* Heft 2. +Schiller+: Tell. 21.-30. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf. - -* Heft 3. +Schiller+: Balladen. 36.-40. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -* Heft 4. +Schiller+: Wallensteins Lager. Die Piccolomini. Geh. 30, -geb. 60 Pf. 11.-20. _T._ - -* Heft 5. +Schiller+: Wallensteins Tod. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20. -_T._ - -_Heft 4 u. 5 in einen Band gebunden 1 Mark. 11.-20. _T._ - -Heft 6. +Brentano+: Die Geschichte vom braven Kasperl u. dem schönen -Annerl. Ill. v. W. Schulz. Geh. 15, geb. 40 Pf. 11.-20. _T._ - -Heft 7. E. Th. A. +Hoffmann+: Das Fräulein von Scuderi. Illustr. Geh. -20, geb. 50 Pf. - -Heft 8. +Fr. Halm+: Die Marzipanliese. Die Freundinnen. Ill. Geh. 20, -geb. 50 Pf. 11.-20. _T._ - -* Heft 9. +Fritz Reuter+: Woans ick tau ’ne Fru kamm. Geh. 15, geb. 40 -Pf. 11.-20. _T._ - -* Heft 10. +Max Eyth+: Der blinde Passagier. Ill. v. Th. Herrmann. -21.-30. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 11. +Marie von Ebner-Eschenbach+: Die Freiherren v. Gemperlein. -Illustr. 21.-30. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -Heft 12. +Wilhelm Jensen+: Über der Heide. 11.-20. _T._ Geh. 25, geb. -55 Pf. - -* Heft 13. +Ernst Wichert+: Der Wilddieb. Geh. 30, geb. 60 Pf. 11.-20. -_T._ - -Heft 14. +Levin Schücking+: Die drei Großmächte. Illustr. Geh. 25, geb. -55 Pf. 11.-20. _T._ - -Heft 15. +Ludwig Anzengruber+: Der Erbonkel u. andere Geschichten. -11.-20. _T._ Geh. 25, geb. 55 Pf. - -Heft 16. +Helene Böhlau+: Kußwirkungen. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 -Pf. - -Heft 17. +Ilse Frapan-Akunian+: Die Last. 11.-20. _T._ Geh. 25, geb. 55 -Pf. - -Heft 18. H. v. +Kleist+: Die Verlobung in St. Domingo. Das Erdbeben in -Chili. Der Zweikampf. 11.-20. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf. - -Heft 19. +Peter Rosegger+: Der Adlerwirt von Kirchbrunn. Geh. 30, geb. -60 Pf. 21.-30. _T._ - -Heft 20. +Ernst Zahn+: Die Mutter. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -* Heft 21. +E.J. Groth+: Die Kuhhaut (Humoreske). Mit Illustr. Geh. 15, -geb. 40 Pf. 11.-20. _T._ - -* Heft 22. +A. Schmitthenner+: Die Frühglocke. Mit Illustr. v. Wilh. -Schulz. 11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -* Heft 23. +G. Freytag+: Karl d. Große. -- Friedrich Barbarossa. -Minnesang und Minnedienst zur Hohenstaufenzeit. 11.-20. _T._ Geh. 25, -geb. 55 Pf. - -Heft 24. +Fr. Spielhagen+: Hans und Grete. Mit Illustr. 11.-20. _T._ -Geh. 40, geb. 75 Pf. - -Heft 25. +St. v. Kotze+: Geschichten a. Australien. 11.-20. _T._ Geh. -25, geb. 55 Pf. - -Heft 26. +Paul Heyse+: Andrea Delfin. 11.-20. _T._ Geh. 30, geb. 60 Pf. - -* Heft 27. +H. Villinger+: Leodegar, der Hirtenschüler. Mit Ill. -11.-20. _T._ Geh. 20, geb. 50 Pf. - -* Heft 28. +Otto Ludwig+: Aus dem Regen in die Traufe. Ill. 11.-20. -_T._ Geh. 25, geb. 55 Pf. - -Heft 29. +Richard Huldschiner+: Fegefeuer. Mit Buchschmuck. 11.-20. -_T._ Geh. 70 Pf., geb. 1 M. - -Heft 30. +Franz Grillparzer+: Weh dem, der lügt! Geh. 25, geb. 55 Pf. -11.-20. _T._ - -* Heft 31. +Paula Dehmel+: Märchenbüchlein. Mit 2 bunten Voll- u. 4 -Halb-Bildern. Geh. 30, geb. 70 Pf. - -Heft 32. +Auguste Supper+: Die Hexe von Steinbronn. Ill. Geh. 10, geb. -40 Pf. - -Heft 33. +Adolf Wilbrandt+: Der Mitschuldige. Ill. Geh. 30, geb. 70 Pf. - -* +Schillerbuch+, enth. Einleitung über Schillers Leben, die Glocke, -Balladen, Tell. Mit Bild Schillers. 346 S. 21.-30. _T._ Geb. 1 M. - -Druck von Grimme & Trömel in Leipzig. - - - - -Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung Hamburg-Großborstel. - - - +Zweck+ der Stiftung ist, „hervorragenden Dichtern durch - Verbreitung ihrer Werke ein Denkmal im Herzen des deutschen Volkes - zu setzen“. Über +Zweck+ und +Tätigkeit+ der Stiftung gibt das - Werbeblatt genauere Auskunft, das auf Wunsch in jeder beliebigen - Anzahl von Exemplaren (unberechnet und portofrei) zur Verfügung - steht. Auch das Verzeichnis der von der Stiftung veröffentlichten - Bücher wird auf Wunsch in jeder beliebigen Anzahl unentgeltlich und - portofrei versandt. - - Für einen +Jahresbeitrag von 2 Mark aufwärts+ (oder einen - einmaligen Beitrag von 20 Mark aufwärts) gibt die Stiftung einen - Einzelband ihrer „Hausbücherei“ oder ihrer „Volksbücher“ als - Gegenleistung. - - +Mitglieder+ erhalten alle bestellten Bücher von der Kanzlei der - Stiftung +portofrei+. - - Das +Geschäftsjahr+ der Stiftung läuft vom 1. Januar bis zum 31. - Dezember. - - +Zuschriften+ werden in der Regel unpersönlich erbeten -- nur - mit der Aufschrift: Deutsche Dichter-Gedächtnis-Stiftung, - Hamburg-Großborstel. Erwünscht ist Angabe der Abteilung, an die der - Brief gerichtet ist. - - +Telegramm-Adresse+ nur: Dichterstiftung Großborstel. - - +Zahlungen+ werden erbeten an die Deutsche - Dichter-Gedächtnis-Stiftung, Hamburg-Großborstel -- oder durch - Banküberweisung an die Hamburger Filiale der Deutschen Bank, - Depositenkasse H -- oder an Postscheck-Konto Hamburg 737 -- oder an - Konto Nr. 859.112 der k. k. Postsparkasse, Wien. - -Besondere Wünsche der Stiftung an ihre Freunde: - - 1. +Werbung von Mitgliedern+, wofür das Werbeblatt (s. oben) zur - Verfügung steht. Auch Zeichnungslisten (für mehrere Personen) - übersenden wir gern. - - 2. +Angabe von Adressen+, an die sich die Stiftung mit der Bitte um - einen Beitrag wenden könnte. - - 3. +Schaffung von Ortsgruppen und Frauengruppen+ (besonders auch - Damen als Vorsteherinnen erwünscht). - - 4. +Schenkung von Büchern+ zur Vervollständigung der Bibliothek der - Stiftung. - -[Illustration] - - -Druck von Grimme & Trömel in Leipzig. - - - - -Fußnoten: - -[1] Wie ich zu einer Frau kam. - -[2] Hochzeit. - -[3] hat’s ein Ende. - -[4] mußt du sie gewöhnen. - -[5] mittlerweile. - -[6] alter Knabe. - -[7] gespült. - -[8] Kopf. - -[9] manchmal. - -[10] weichen Pfühl. - -[11] gelegt. - -[12] Erbsenstroh. - -[13] älter. - -[14] gefiel. - -[15] gut. - -[16] zwanziger Jahren. - -[17] gelbe Wurzeln ißt. - -[18] verschmäht. - -[19] Alter. - -[20] Gänsebraten. - -[21] die Leute sagten. - -[22] Freien. - -[23] ging. - -[24] wie der Fuchs. - -[25] Gänsebucht. - -[26] haben möchtest. - -[27] kommst. - -[28] da wohl auch. - -[29] erst. - -[30] aufgeladen. - -[31] dann. - -[32] wieder heraus. - -[33] Schweins- und Hammelbraten. - -[34] Stube. - -[35] aussah. - -[36] lieb. - -[37] -erde. - -[38] ersten. - -[39] Knopf. - -[40] abriß. - -[41] saß. - -[42] zwischen Baum und Rinde, d. h. in einer mißlichen Lage. - -[43] fingen schon an. - -[44] greis, grau. - -[45] wachsen. - -[46] da stehe. - -[47] Ofen. - -[48] Pfeife. - -[49] angesteckt. - -[50] gucke. - -[51] ins Wetter. - -[52] Schnee. - -[53] vom leisen Herabfallen des Regens und Schnees gebraucht. - -[54] sanft vom Himmel nieder. - -[55] draußen. - -[56] hören. - -[57] bloß. - -[58] in der Ferne. - -[59] Schlitten. - -[60] zu Mute. - -[61] Fensterscheiben (Rauten). - -[62] zieht (ruckweise). - -[63] Schuster. - -[64] voll Holz. - -[65] Tür. - -[66] oben. - -[67] liegt. - -[68] grün. - -[69] sage. - -[70] Paar Stiefel. - -[71] machen. - -[72] fährt, karrt. - -[73] Leichdörner. - -[74] lasse. - -[75] Kerl. - -[76] Weile. - -[77] schaudert. - -[78] sage. - -[79] Schnupfen. - -[80] tüchtig. - -[81] entzwei. - -[82] Wolle. - -[83] Boden. - -[84] geht. - -[85] bis. - -[86] dunkel. - -[87] Feuerzeug. - -[88] finden. - -[89] gefunden. - -[90] Docht. - -[91] Zug. - -[92] Nase. - -[93] aufgegossen. - -[94] Umständen. - -[95] gleich. - -[96] ausschelten. - -[97] sollte ich tun. - -[98] guckte. - -[99] sehen konnte. - -[100] zugezogen. - -[101] verstand. - -[102] Zeit. - -[103] unordentlich angebunden. - -[104] sahen aus wie. - -[105] unten nichts und oben nichts. - -[106] abgerissen. - -[107] fragten. - -[108] trocknen ließe. - -[109] machte. - -[110] wollte leben. - -[111] ohne. - -[112] im Leibe. - -[113] gehe über die Straße. - -[114] warte. - -[115] sollst. - -[116] Zopf machen. - -[117] kam. - -[118] stand. - -[119] Tannenbaum. - -[120] Dim. und Koseform von Karl und Christian. - -[121] Flöte. - -[122] dazu. - -[123] Kreischen. - -[124] kleines Mariechen. - -[125] Händen. - -[126] Schoß. - -[127] gangbar, d. h. im Stande, zu gehen. - -[128] bei Seite gesetzt. - -[129] Schürze. - -[130] vorgebunden. - -[131] sonntägliches Tuch. - -[132] umgeschlagen. - -[133] Kinder. - -[134] Pfeffernüsse. - -[135] allzusehr. - -[136] beizu, vorbei fuhr. - -[137] Ende. - -[138] Werkstatt. - -[139] Pantoffeln. - -[140] angezogen. - -[141] zeugte, spendierte sich. - -[142] Krug. - -[143] konnte. - -[144] Schelten. - -[145] kommen. - -[146] hätte. - -[147] zusehen wollen. - -[148] bedeuten. - -[149] gewiesen, gezeigt. - -[150] Äpfel. - -[151] Kränze von Bohnen und Hagebutten. - -[152] sieben. - -[153] -puppen. - -[154] hing. - -[155] ist leicht angegriffene, stark begehrte Ware. - -[156] durchgebracht. - -[157] bis. - -[158] Pferd. - -[159] abgebissen. - -[160] gab. - -[161] setzte. - -[162] drohte. - -[163] Kopfschmerzen. - -[164] wies und ausdeutete. - -[165] in Semmelteig ausgeknetet. - -[166] gelb angemalt. - -[167] -eltern. - -[168] blasen. - -[169] der alte Rademacher. - -[170] stumpf. - -[171] kleiner Handbohrer. - -[172] pfiff und knirschte. - -[173] ginge. - -[174] mochte. - -[175] vermutete. - -[176] Schwefelhölzer. - -[177] ich habe. - -[178] weiß. - -[179] half. - -[180] nasse Füße. - -[181] fertig. - -[182] warten Sie nur. - -[183] soll herüber kommen. - -[184] kochen. - -[185] geschah. - -[186] aber. - -[187] nächsten 14 Tagen. - -[188] vorgegangen. - -[189] erzählen. - -[190] lag. - -[191] Traum. - -[192] leuchtete. - -[193] ausreckte. - -[194] zerrissenen. - -[195] ohne Boden (Sohle). - -[196] standen zwischen. - -[197] Weinachts-. - -[198] tausend. - -[199] Augen. - -[200] dann rief. - -[201] laßt. - -[202] bei Eurem Vater. - -[203] trieben. - -[204] zurück. - -[205] Ohren. - -[206] Stiefelmachen. - -[207] gelten. - -[208] dann fing. - -[209] Topf. - -[210] oberhalb meines Kopfes, am Kopfende. - -[211] breites. - -[212] lief. - -[213] steckten. - -[214] Zunge. - -[215] griff. - -[216] zog. - -[217] statt. - -[218] zu meinen Füßen, am Fußende. - -[219] da sägten. - -[220] zwei. - -[221] Holz. - -[222] feines. - -[223] in eichenen Knorren. - -[224] gesägt. - -[225] auf und nieder. - -[226] stände. - -[227] Erdbeere. - -[228] grün. - -[229] Holz, Gehölz. - -[230] genauer zusah. - -[231] meines Onkels. - -[232] rote Nase. - -[233] guckte. - -[234] Fußsack. - -[235] gewirkt, gearbeitet. - -[236] käme. - -[237] aus dem Dunkel. - -[238] wäre. - -[239] -stuhl. - -[240] groß. - -[241] bis. - -[242] schnarchte. - -[243] erst hörte. - -[244] zuletzt ermunterte. - -[245] rieb. - -[246] wie der alte Nachbar. - -[247] 22jährig. - -[248] Vorbei-, Handpferd. - -[249] Fohlen, Füllen. - -[250] schon wieder. - -[251] zurecht legte. - -[252] weiter. - -[253] wahr. - -[254] geträumt. - -[255] Teil. - -[256] Schnack. - -[257] liege. - -[258] weiß. - -[259] kroch. - -[260] nahm. - -[261] leuchtete. - -[262] glaube. - -[263] Aussehen. - -[264] Koseform von Junge. - -[265] streichelte. - -[266] nachgerade. - -[267] sein lassen. - -[268] zweimal. - -[269] gefahren. - -[270] bischen. - -[271] eingedruselt. - -[272] versprach. - -[273] besser. - -[274] zu Ende. - -[275] mürbe. - -[276] hinfällig (gliederweich). - -[277] regen, rühren. - -[278] aufschlug. - -[279] Löffel. - -[280] futterte. - -[281] pfropfte. - -[282] steif. - -[283] wie Buchbinder-Kleister. - -[284] Essen Sie. - -[285] gutmütig. - -[286] mochte wollen. - -[287] Wurst. - -[288] Stunden. - -[289] zusammen. - -[290] erzählte. - -[291] dreizehn. - -[292] Husarenzucht. - -[293] anlegen sollen. - -[294] sieh. - -[295] heißt. - -[296] gut. - -[297] ziehst. - -[298] sollte. - -[299] warten. - -[300] viel. - -[301] Pflege. - -[302] däucht. - -[303] fiel. - -[304] Wort. - -[305] genug. - -[306] gepflegt. - -[307] selbst. - -[308] Dein Möglichstes getan. - -[309] fragt. - -[310] wissen tue, d. h. ich weiß. - -[311] stattlich. - -[312] blinzelt. - -[313] weiter. - -[314] wieder. - -[315] draußen vor dem Tor. - -[316] Mühle. - -[317] hinzu. - -[318] zwischen drei und vier. - -[319] freiest. - -[320] fällt Dir ein. - -[321] fahre ich auf. - -[322] Ereifere. - -[323] Wittfrau, Witwe. - -[324] hinzu, gegen 5 Uhr. - -[325] heizt, brennt -- an. - -[326] rauchen. - -[327] wie die Backöfen. - -[328] neugierig. - -[329] stand auf. - -[330] blinzelnd. - -[331] gucken. - -[332] gesehen. - -[333] geredet. - -[334] drehe mich um. - -[335] darum. - -[336] muß. - -[337] Schwestersohnes Braut. - -[338] weit. - -[339] weiter zurück. - -[340] hinter. - -[341] guckte. - -[342] weil. - -[343] herunter hing. - -[344] reiße. - -[345] tat. - -[346] schlug. - -[347] Zug. - -[348] Bettstelle. - -[349] zusammenziehen wollte. - -[350] vorbei. - -[351] sah. - -[352] angeguckt. - -[353] das dicke Ende, die Hauptsache. - -[354] kommt nach. - -[355] mehrere Tugenden. - -[356] herumgebunden. - -[357] Kleidern. - -[358] Straße. - -[359] paar. - -[360] im Munde. - -[361] schiefe. - -[362] Fußzeug. - -[363] in Ordnung. - -[364] Frauensleuten. - -[365] Pferden. - -[366] zuerst. - -[367] Gangwerk. - -[368] ordentlich. - -[369] Fußzeug. - -[370] Fleiß. - -[371] Reinlichkeit. - -[372] rechnen. - -[373] lasse. - -[374] spielst einen schönen Zwickel, d. h. siehst niedlich aus. - -[375] drehst wohl ein bißchen. - -[376] dafür. - -[377] Frauenzimmer. - -[378] unschuldiges Gespräch. - -[379] zurück. - -[380] Baum. - -[381] tue. - -[382] Pfeifengeschirr. - -[383] etwa 5 Schritt. - -[384] da ziehe. - -[385] reiße. - -[386] Taler. - -[387] klein. - -[388] merkst. - -[389] gefroren. - -[390] Fußsteig. - -[391] nieder. - -[392] pustete, keuchte. - -[393] höllisch, sehr sauer. - -[394] dies sah. - -[395] helfen. - -[396] wollte ich nur. - -[397] kamen. - -[398] Unterhaltung. - -[399] Bedeutung. - -[400] kennte. - -[401] liefest. - -[402] auf und nieder. - -[403] gelb-grau. - -[404] Hut. - -[405] Überzieher. - -[406] Haare. - -[407] ältlich. - -[408] Kleidung. - -[409] sprang. - -[410] in die Höhe. - -[411] feuerrot. - -[412] laut, aus vollem Halse. - -[413] Schnack. - -[414] Leuten. - -[415] lieber. - -[416] zu Hause bleiben. - -[417] gerne wissen. - -[418] sprichwörtlich: raucht, stark dampfend, wie der mit Buschholz -geheizte Backofen der kleinen Leute. - -[419] Sache. - -[420] wie käme der dazu. - -[421] Advokat. - -[422] riet. - -[423] raten. - -[424] schien. - -[425] Art. - -[426] dabei. - -[427] gekriegt. - -[428] zugleich. - -[429] dann. - -[430] leiden. - -[431] über und über. - -[432] nieder. - -[433] nestelte, knüpfte. - -[434] Hut. - -[435] wieder in die Höhe. - -[436] guckte. - -[437] oben herab. - -[438] halben Wendung. - -[439] Art. - -[440] vorlegen wollte. - -[441] d. h. zu stande. - -[442] beiße. - -[443] Knopf. - -[444] bloß. - -[445] kochen. - -[446] dann. - -[447] zu Euch ziehen. - -[448] Bursche. - -[449] ernsthaft. - -[450] Freierei, Verheiratung. - -[451] Teil. - -[452] närrischer. - -[453] nächsten Tagen. - -[454] stümperhaft ausgehen. - -[455] gênant. - -[456] zu Eise. - -[457] Schlittschuhlaufen. - -[458] Schlittenfahren. - -[459] Bude. - -[460] Branntwein. - -[461] verkauft. - -[462] wie. - -[463] Kuchen. - -[464] fordert. - -[465] fällt. - -[466] trank lieber. - -[467] heißt. - -[468] Kinder. - -[469] ohne. - -[470] Berg. - -[471] grünem Schleier. - -[472] drin saß. - -[473] beugte. - -[474] Leib. - -[475] vor- und hintenüber. - -[476] Kreuz. - -[477] sonderbar, possierlich. - -[478] Eis. - -[479] Balance. - -[480] greifen. - -[481] schlägt. - -[482] zurück. - -[483] süßen Augentrost. - -[484] zu Mute. - -[485] Maulschellen. - -[486] gegeben. - -[487] weiß. - -[488] der Alte. - -[489] verdirbt. - -[490] Freierei. - -[491] bis in den groben Grund, d. h. gründlich. - -[492] ärgerlich. - -[493] gräme, ärgere mich im stillen. - -[494] Tür. - -[495] mache. - -[496] Bruder. - -[497] die Tageszeit geboten, d. h. gegrüßt habe. - -[498] aber. - -[499] sah so sauer aus. - -[500] wie ein gesalzener Hering. - -[501] gelegt. - -[502] kurzweg. - -[503] setzte hinzu. - -[504] nicht wohl. - -[505] munter, schelmisch. - -[506] schier, rein. - -[507] Hafer. - -[508] gestanden. - -[509] wie. - -[510] Traum. - -[511] guckt. - -[512] scharf. - -[513] fein. - -[514] Rahm, Sahne. - -[515] Milch. - -[516] begnügen. - -[517] geschrieben. - -[518] Verkehr. - -[519] reißt. - -[520] schmeißt. - -[521] Mädchen. - -[522] feierlich. - -[523] unterschreiben. - -[524] zuerst. - -[525] dann schmiß. - -[526] laut auf. - -[527] gut 20 Jahre. - -[528] älter. - -[529] traute. - -[530] Courage. - -[531] schon ausging. - -[532] weiter. - -[533] kriegte es. - -[534] Herz. - -[535] breit genug. - -[536] verzog. - -[537] die Lache. - -[538] blieb unterwegs hängen. - -[539] Spiegel. - -[540] ins Ende, in die Höhe. - -[541] auf und nieder. - -[542] schlecht. - -[543] schlug. - -[544] er tut’s. - -[545] kapabel. - -[546] aus mancherlei Ursache. - -[547] Schelte. - -[548] spielte L’hombre. - -[549] leiden. - -[550] spielte. - -[551] verlor. - -[552] dann wieder. - -[553] abkaufen lassen. - -[554] nahm den Mohren. - -[555] Codille. - -[556] verdrießlich. - -[557] nach Hause. - -[558] legte mich nieder. - -[559] wollte schlafen. - -[560] konnte. - -[561] süß. - -[562] angetan. - -[563] fiel. - -[564] Leben. - -[565] nur zu. - -[566] Fragezeichen. - -[567] ausdeutete. - -[568] hieß. - -[569] besser. - -[570] selbst. - -[571] sah ich ein. - -[572] graue. - -[573] kalte. - -[574] schien. - -[575] Knochen. - -[576] schauerte, gruselte. - -[577] was sein muß. - -[578] kaufen. - -[579] Paar. - -[580] feinen, gelben Handschuhen. - -[581] Advokaten. - -[582] tragen. - -[583] bedeuten wollen. - -[584] Gegen elf (Uhr). - -[585] steckte (stak). - -[586] schwarz. - -[587] Leibrock. - -[588] neuen. - -[589] ehe. - -[590] Hut aufsetzte. - -[591] geglaubt. - -[592] schmiß. - -[593] bleiben. - -[594] Pantoffeln. - -[595] standen. - -[596] ihr werdet euch. - -[597] wundern. - -[598] binnen kurzem. - -[599] kleine. - -[600] zum Besuch kommen. - -[601] die Straße hinab. - -[602] komme. - -[603] erst. - -[604] Frieden. - -[605] klopfte. - -[606] schon viel gesehen. - -[607] Kerl. - -[608] Feuer fraß. - -[609] Hechelheede = Werg. - -[610] seidenen. - -[611] blau. - -[612] niemals. - -[613] kriegte. - -[614] da stand. - -[615] in demselben Aufzug. - -[616] bloß. - -[617] grüner Jagdrock (Frack). - -[618] Hirschleder. - -[619] Schafleder. - -[620] weißer Schnurrbart. - -[621] klare Eiszapfen. - -[622] niederhing. - -[623] nach oben. - -[624] aufgeschwänzt. - -[625] Couleuren. - -[626] rief. - -[627] rollte. - -[628] erschrak. - -[629] rufe. - -[630] ja nur. - -[631] gekommen. - -[632] fest. - -[633] solltest. - -[634] lieber alter. - -[635] wolltest. - -[636] bißchen erschrecken. - -[637] weiß. - -[638] -zeiten. - -[639] stößt, rüttelt. - -[640] zusammen. - -[641] rafft, richtet ihn auf. - -[642] denn dann. - -[643] Schimpf, Scham. - -[644] Spiel. - -[645] Bogen. - -[646] Kniff, Knautsch. - -[647] kniff. - -[648] Faust. - -[649] dann. - -[650] mehr. - -[651] holte. - -[652] wie. - -[653] Setze. - -[654] Stuhl. - -[655] knüpft. - -[656] Stege. - -[657] Fußfall. - -[658] gehört. - -[659] niemals selbst durchgemacht. - -[660] auf Bildern. - -[661] warte. - -[662] unter die Arme greifen. - -[663] dabei riß. - -[664] Kommode. - -[665] kramte. - -[666] Auszug, Schublade. - -[667] da kam. - -[668] Stammbuch. - -[669] geschah. - -[670] anrührte. - -[671] dann zog. - -[672] Zeug. - -[673] tief. - -[674] hielt. - -[675] mit schwarzen Kreuzen. - -[676] weichmütig. - -[677] viel. - -[678] einer. - -[679] Christian. - -[680] Schneider. - -[681] Sohn. - -[682] meinen Eltern. - -[683] Haus an Haus. - -[684] wohnte. - -[685] Torschreiber. - -[686] Parchim, meckl. Stadt. - -[687] sein. - -[688] läßt. - -[689] besuchen. - -[690] diesmal. - -[691] heraus geholt. - -[692] suche. - -[693] lerne ihn auswendig. - -[694] darin stehen welche. - -[695] beten. - -[696] dann. - -[697] auf Erden. - -[698] finden. - -[699] blätterte. - -[700] tue. - -[701] wie es mir ums Herz ist. - -[702] heute. - -[703] auch gut. - -[704] mache nun auch. - -[705] umdrehte. - -[706] weiße. - -[707] halbe Elle. - -[708] gab. - -[709] stopfte. - -[710] Ende. - -[711] unter das Halstuch. - -[712] Haustür. - -[713] da hustete. - -[714] über. - -[715] hinauf guckte. - -[716] lag. - -[717] halb (geöffnet). - -[718] blinzelte. - -[719] Straße. - -[720] wehte. - -[721] die Leute möchten merken. - -[722] zwischen. - -[723] erzählen. - -[724] hüten. - -[725] unter 100. - -[726] machen 99. - -[727] Bräutigams. - -[728] gebe. - -[729] Sache übernehmen. - -[730] klüger. - -[731] nach etwa 1½ Stunden. - -[732] bis unter. - -[733] Hutkopf. - -[734] darnach ausgesehen. - -[735] töricht. - -[736] angewöhnt. - -[737] selbst. - -[738] schnacken. - -[739] herunter. - -[740] gingen. - -[741] scharf nachguckten. - -[742] wie meine Hände. - -[743] etwa drei Ruten. - -[744] ab, entfernt. - -[745] stürzte. - -[746] fiel. - -[747] hinter. - -[748] gestanden. - -[749] gelauert. - -[750] rief. - -[751] halte dein Maul. - -[752] wann ehe. - -[753] schweige. - -[754] faßte. - -[755] zog. - -[756] da konnte. - -[757] halten. - -[758] spielte. - -[759] Herz. - -[760] Solo-Couleur (beim Kartenspiel). - -[761] leuchteten. - -[762] Augen. - -[763] Trümpfe. - -[764] wies. - -[765] Daumen. - -[766] Schulter. - -[767] sehen Sie da. - -[768] wissen. - -[769] wieder genug. - -[770] guckte. - -[771] quer, von der Seite. - -[772] wiese, zeigte. - -[773] schwarz. - -[774] niedersetzen. - -[775] erzählen. - -[776] aus, zu Ende erzählt. - -[777] wie der Himmel. - -[778] in der Heuernte. - -[779] Sonne scheinen. - -[780] regnen. - -[781] lassen soll. - -[782] Teil. - -[783] besser gemacht. - -[784] fragte dann. - -[785] bei welchem. - -[786] Fußfall. - -[787] angebracht. - -[788] gestehen. - -[789] zum Vorschein gekommen. - -[790] wohl zu speisen. - -[791] halte. - -[792] nachkommt. - -[793] beißt der Wolf, sprichw. - -[794] viel zu zeitig. - -[795] gekrähet. - -[796] Sache. - -[797] gehört. - -[798] Verlobung. - -[799] Kniee. - -[800] nächsten Tagen. - -[801] auseinander. - -[802] Zeit. - -[803] hüten. - -[804] tiefste. - -[805] muß. - -[806] Einer, man. - -[807] Jedem. - -[808] auf die Nase binden. - -[809] nun auch gerne. - -[810] glaube. - -[811] mit -- dazwischen laufen. - -[812] Possen. - -[813] treiben. - -[814] verdrießen. - -[815] Honigkuchen. - -[816] gehört. - -[817] ein klein bißchen. - -[818] Pfeffer. - -[819] zuerst. - -[820] Körnchen. - -[821] sah. - -[822] bei den Verwandten meiner Braut. - -[823] Zufriedenheit. - -[824] Fischkochen. - -[825] überzeugt. - -[826] sparte. - -[827] griff tief. - -[828] Honigtopf. - -[829] süß. - -[830] -monat. - -[831] viele Fliegen. - -[832] zu bergen wußte. - -[833] im Schwange. - -[834] zum Vergnügen. - -[835] brüden = necken, foppen. - -[836] ließ. - -[837] auf fünf. - -[838] schon. - -[839] greinte, lachte. - -[840] Straße. - -[841] beraten. - -[842] kam. - -[843] alten. - -[844] von dömeln = schwatzen, unbedeutende Sachen erzählen. - -[845] gleich vorgenommen. - -[846] Umständen. - -[847] aufgeben. - -[848] erstens, weil. - -[849] -art. - -[850] zusagte. - -[851] zweitens. - -[852] zuträglich hielt. - -[853] hin geriet. - -[854] leises Flüstern. - -[855] Anstoßen. - -[856] Ferne. - -[857] Nähe. - -[858] Zaunpfahl. - -[859] erzählten. - -[860] der, dieser. - -[861] gesagt. - -[862] der, jener. - -[863] Schäfer. - -[864] ärgerlich. - -[865] ob. - -[866] nur. - -[867] aus diesen Gründen. - -[868] dann machte. - -[869] lieb. - -[870] Pfeffermühle. - -[871] auf (offen). - -[872] stäubte. - -[873] kleine feine. - -[874] Nase. - -[875] Augen. - -[876] ob es so sollte. - -[877] wie. - -[878] wäre. - -[879] aufgewartet. - -[880] Zeug. - -[881] anbeträfe. - -[882] gäbe. - -[883] gut genug. - -[884] wie. - -[885] gehört hätte. - -[886] aufgefüttert, erzogen. - -[887] niemals. - -[888] kaltes Wasser. - -[889] Daune. - -[890] schon zu alt. - -[891] nächstens. - -[892] besuchen wollte. - -[893] tun. - -[894] dawider. - -[895] Spinnweben. - -[896] Boden, Zimmerdecke. - -[897] Staub. - -[898] Privat-Kehricht-Haufen. - -[899] angelegt. - -[900] verstauchen. - -[901] Feuer. - -[902] sonst. - -[903] gegangen. - -[904] dann setzte. - -[905] Ofenloch. - -[906] Kohlen. - -[907] glüheten. - -[908] Weberwitwe. - -[909] muß. - -[910] bei ihr. - -[911] tief. - -[912] wohnen. - -[913] Fleck, Stelle. - -[914] heiß. - -[915] fällt. - -[916] anpustet, anbläst. - -[917] ein bißchen. - -[918] anzuwärmem. - -[919] geschmissen. - -[920] toller, ärger. - -[921] Straße. - -[922] hörte. - -[923] schon von Ferne. - -[924] guckten. - -[925] Haustür. - -[926] Haufen. - -[927] zusammen gefunden. - -[928] Diele, Hausflur. - -[929] vorbei. - -[930] fährt. - -[931] Kürschnermeister. - -[932] d. h. die untere, gewöhnlich geschlossene Hälfte der zweiteiligen -Tür, wie sie besonders in kleinen Häusern üblich ist. - -[933] vier Buchstaben. - -[934] Rinnstein. - -[935] Nachbar Grün. - -[936] Kürschner. - -[937] Frauensleute. - -[938] Gevatter. - -[939] in die Höhe, auf. - -[940] weil. - -[941] anging. - -[942] gehe. - -[943] weiter. - -[944] närrisch. - -[945] erzähle. - -[946] saß. - -[947] weiter. - -[948] dann. - -[949] Bedeuten, Bedeutung. - -[950] heißt. - -[951] im Hause. - -[952] nachgeben. - -[953] gestanden. - -[954] gesessen. - -[955] verdrießlich. - -[956] von der Seite. - -[957] ins Auge gefaßt. - -[958] sieht. - -[959] gar nicht darnach aus. - -[960] möchte. - -[961] gerne. - -[962] glaube. - -[963] bleibt. - -[964] lieber drinnen. - -[965] den Teufel auch. - -[966] aber. - -[967] Schürzenband. - -[968] angebunden. - -[969] wie klein. - -[970] Hinterfleck, Hacken. - -[971] einer, man. - -[972] nachher. - -[973] gilt. - -[974] Scheffel. - -[975] gewöhnen. - -[976] darauf verlasse dich nur nicht. - -[977] Sprichwort. - -[978] etwas Neues. - -[979] machte. - -[980] Nutzanwendung. - -[981] lasse. - -[982] zu alt dazu. - -[983] folgst. - -[984] Lehrjahre. - -[985] Kloß-, Erdkloßtreter, scherzhaft für: Landmann. - -[986] durchgemacht. - -[987] wohnten. - -[988] dazumal. - -[989] zwei. - -[990] schier, schmuck. - -[991] Kerle. - -[992] hieß. - -[993] Wolf. - -[994] Dorf. - -[995] Kibitz. - -[996] Müller. - -[997] Pfiffikus. - -[998] verstand. - -[999] einfältig, beschränkt. - -[1000] Zeit. - -[1001] Gevatterin. - -[1002] schon gehört. - -[1003] des Schulzen. - -[1004] Sophie und Marie. - -[1005] d. h. 10. November. - -[1006] freiten. - -[1007] etwa: gelt! eigentl.: stehe. - -[1008] gebeten. - -[1009] wie heute. - -[1010] wie. - -[1011] Schreiber, Wirtschafter. - -[1012] Schleifkanne, hölzerner Deckelkrug. - -[1013] voll Doppelbier. - -[1014] ärgerlich, böse. - -[1015] im besten Einvernehmen. - -[1016] währte. - -[1017] schlägt. - -[1018] Krug, Wirtshaus. - -[1019] spielt. - -[1020] wieso. - -[1021] eigentl. vermietet. - -[1022] dann muß. - -[1023] Mieter. - -[1024] komme. - -[1025] Schweine geschlachtet. - -[1026] weißt. - -[1027] Schwarzsauer, in Blut gekochtes Schweinefleisch. - -[1028] Beweis geben. - -[1029] ruft. - -[1030] einmal. - -[1031] die große Schüssel. - -[1032] schmeiße. - -[1033] gleich. - -[1034] fährt. - -[1035] wie heute Morgen. - -[1036] Topf. - -[1037] geschieht. - -[1038] lasse Dir die Zeit. - -[1039] spät. - -[1040] zurück. - -[1041] Weise. - -[1042] eingesperrt. - -[1043] geschlagen (mit einem ‚Schacht’‘ = Prügel). - -[1044] Brautleute. - -[1045] da lauerte, sah. - -[1046] welchem. - -[1047] Zeug. - -[1048] hielte. - -[1049] fand. - -[1050] rotes seidenes Tuch. - -[1051] gab. - -[1052] gegessen. - -[1053] bißchen. - -[1054] Gänseschmalz. - -[1055] geschmiert. - -[1056] losfuhr. - -[1057] faßte. - -[1058] rund. - -[1059] hält. - -[1060] findest. - -[1061] niemals. - -[1062] gab, d. h. fand sich darein. - -[1063] Teterow, meckl. Stadt. - -[1064] gewann. - -[1065] dazu freute. - -[1066] da nahm. - -[1067] spielte. - -[1068] schmiß. - -[1069] weinen. - -[1070] laß sein. - -[1071] besser. - -[1072] entzwei gefallen. - -[1073] unser Leben. - -[1074] brach. - -[1075] Zähne. - -[1076] Herbstmarkt. - -[1077] neuen. - -[1078] wieder schenkst. - -[1079] geblieben. - -[1080] zufrieden. - -[1081] muß. - -[1082] Krüger, Wirt. - -[1083] komme heraus. - -[1084] draußen. - -[1085] trifft. - -[1086] _Adj._ von entzwei. - -[1087] Auge. - -[1088] erschrickt. - -[1089] schlecht. - -[1090] Erzählen. - -[1091] gut genug behalten. - -[1092] geholfen. - -[1093] helfen. - -[1094] Spiegel. - -[1095] Haare. - -[1096] Frau des Holländers, Milchmeiers. - -[1097] Kaffeeklatsch, Kaffeegesellschaft. - -[1098] zurecht. - -[1099] liegt. - -[1100] Haube. - -[1101] Waschschüssel. - -[1102] Seifenwasser. - -[1103] tue. - -[1104] ehe. - -[1105] präcavieren, vorsehen. - -[1106] fährt. - -[1107] wohl. - -[1108] da ruft. - -[1109] Teil. - -[1110] guck. - -[1111] zieht. - -[1112] zugerichtet. - -[1113] -bart. - -[1114] gemacht. - -[1115] hilft. - -[1116] stand auf. - -[1117] klug. - -[1118] drehte. - -[1119] sonst schon bessere. - -[1120] gleich. - -[1121] suchen. - -[1122] glauben. - -[1123] Spitzbube. - -[1124] bis an den Hacken (Ferse), d. h. fertig. - -[1125] der Alte. - -[1126] greint, lacht verstohlen. - -[1127] regnet. - -[1128] fahren. - -[1129] wie alt. - -[1130] Alter. - -[1131] mochte. - -[1132] Bräutigamszeit. - -[1133] etwas hören. - -[1134] Pfeffer. - -[1135] dann lasse. - -[1136] scharf. - -[1137] siebenten. - -[1138] 41 Jahre gewesen. - -[1139] in den Zwanzigen. - -[1140] in den Dreißigen. - -[1141] klug. - -[1142] in den Fünfzigen. - -[1143] reich. - -[1144] nur sein lassen. - -[1145] scheinst. - -[1146] stramm ins Ende, in die Höhe. - -[1147] kauft. - -[1148] betrogen. - -[1149] dabei. - -[1150] Gleichnis. - -[1151] aufgeführt. - -[1152] traust. - -[1153] Alter. - -[1154] etwa drei Stück. - -[1155] überlege. - -[1156] drehe. - -[1157] glaube. - -[1158] dann mache sie. - -[1159] schlechte. - -[1160] schelten. - -[1161] sieh über. - -[1162] lieber. - -[1163] Herz. - -[1164] gehört. - -[1165] schlägt. - -[1166] bis. - -[1167] hinzu. - -[1168] überlegte. - -[1169] angestellt. - -[1170] hüten. - -[1171] Erzählung. - -[1172] Hände. - -[1173] möglicherweise. - -[1174] merken. - -[1175] diese Stückchen. - -[1176] abgekartet. - -[1177] halt. - -[1178] dieses Spiel. - -[1179] gilt. - -[1180] etwa: du hast gepfuscht; nicht richtig gespielt. - -[1181] Karten. - -[1182] bediene. - -[1183] aus der Hälfte, beim Kartenspiel, auch: aus dem Schneider. - -[1184] aber manchmal. - -[1185] fleißig. - -[1186] nachgibt. - -[1187] zu Werk gegangen. - -[1188] neulich. - -[1189] wie es. - -[1190] zusammen. - -[1191] denn dann. - -[1192] Ihr lebt ja. - -[1193] sei zufrieden. - -[1194] manchmal so zu Mute. - -[1195] legte. - -[1196] Schulter. - -[1197] Erde. - -[1198] begnüge. - -[1199] anbetrifft. - -[1200] Joachim Schmitt. - -[1201] alt. - -[1202] nachher. - -[1203] wie ein Apfelbaum. - -[1204] darin sitzt man. - -[1205] rötesten Äpfel. - -[1206] kurz. - -[1207] holt. - -[1208] Stange. - -[1209] zunicht. - -[1210] Zweige. - -[1211] Trage-, Fruchtknospen. - -[1212] läßt. - -[1213] wartet. - -[1214] Herbst. - -[1215] dann. - -[1216] Schoß. - -[1217] viel süßer. - -[1218] setzte. - -[1219] hinzu. - -[1220] treuherzig. - -[1221] schüttle. - -[1222] Zeit. - -[1223] deiner (währt) wartet. - -[1224] dann erzähle. - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Deutsche Humoristen, 1. Band (von 8), by -Peter Rosegger and Fritz Reuter and Wilhelm Raabe and Albert Roderich - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DEUTSCHE HUMORISTEN, 1. BAND *** - -***** This file should be named 52985-0.txt or 52985-0.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/5/2/9/8/52985/ - -Produced by the Online Distributed Proofreading Team at -http://www.pgdp.net - -Updated editions will replace the previous one--the old editions will -be renamed. - -Creating the works from print editions not protected by U.S. copyright -law means that no one owns a United States copyright in these works, -so the Foundation (and you!) can copy and distribute it in the United -States without permission and without paying copyright -royalties. Special rules, set forth in the General Terms of Use part -of this license, apply to copying and distributing Project -Gutenberg-tm electronic works to protect the PROJECT GUTENBERG-tm -concept and trademark. 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